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B978-3-437-22345-7.50004-7

10.1016/B978-3-437-22345-7.50004-7

978-3-437-22345-7

Differenzialdiagnose Rachitis (radiologisch); * Ausnahmen: angeborenes und erworbenes renales Fanconi-Syndrom

Vitamin-D-abhängige Rachitiden (E.55.0) (VDAR I und II)

D. Schnabel

E. Schönau

J. Semler

DEFINITION UND BASISINFORMATION

Es handelt sich um angeborene Störungen des Vitamin-D-Stoffwechsels. Bei der VDAR I führen Mutationen im CYP27B1-Gen zu unterschiedlich starken Enzymaktivitätsverlusten der 1α-Hydroxylase. Die renale Synthese von 1,25(OH)2D ist gestört. Bei der VDAR II liegt ursächlich ein Rezeptor- oder Postrezeptordefekt für 1,25(OH)2D zugrunde. Mutationen im Vitamin-D-Rezeptorgen (VDR) verhindern die Wirkung des aktiven Vitamin D am VDR. Beide Krankheitsbilder sind selten und folgen in der Regel einem autosomal-rezessiven Erbgang. Sie zeichnen sich durch ein fehlendes Ansprechen auf die übliche Vitamin-D- und Kalziumtherapie aus.
VDAR I
Mutationen im CYP27B1-Gen führen zu unterschiedlich starken Enzymaktivitätsverlusten der 1α-Hydroxylase. Die renale Synthese von 1,25(OH)2D ist gestört. Bei Vorliegen einer VDAR I tritt ein fehlendes Ansprechen auf die übliche Vitamin-D- und Kalziumtherapie im Rahmen der primären Rachitistherapie auf.
VDAR II
Dem Krankheitsbild ist ein Rezeptor- oder Postrezeptordefekt für 1,25(OH)2D zugrunde liegend. In der Regel autosomal-rezessiver Erbgang. Fehlendes Ansprechen auf die übliche Vitamin-D- und Kalziumtherapie.

LEITSYMPTOME

Bei beiden hereditären Formen ähneln die Symptome denen der Vitamin-D-Mangel-Rachitis. Bei der VDAR II haben etwa die Hälfte der Betroffenen eine Alopezie. Das fehlende Ansprechen auf die übliche Therapie einer Vitamin-D-Mangel-Rachitis können Hinweise auf das Vorliegen einer VDAR I bzw. VDAR II sein.

DIAGNOSTIK

Gebräuchliche Verfahren

Labor: AP, S-Kalzium, S-Phosphat, S-Kreatinin, U-Phosphat, U-Kreatinin, PTH, 25-OHD, 1,25(OH)2D.
Bildgebung: Röntgenaufnahme Hand links (Alter > 12 Monate), gegebenenfalls des Kniegelenks a.p. (Alter < 12 Monate).
Molekulargenetischer Nachweis der VDAR I und II möglich.

Bewertung

Ausschlussdiagnostik

Normale 1,25(OH)2D-Serumspiegel sprechen gegen VDAR I und II.

Entbehrliche Diagnostik

Knochendichtemessung, Kollagenmarker (Crosslinks, Prokollagen-1-Peptid, Hydroxyprolin u.a.).

Durchführung der Diagnostik

Pädiatrischer Endokrinologe/Diabetologe.

THERAPIE

VDAR I

Tägliche und lebenslängliche Therapie mit 0,5–2,0 ug 1,25(OH)2D oder Alfacalcidol, unter Kontrollen von S-Kalzium, Parathormon, AP und Kalzium/Kreatininwerten im Urin. In den Anfangsmonaten der Therapie ist die zusätzliche Gabe von Kalzium zur Absättigung der Kalziumspeicher („hungry bone“) erforderlich.

VDAR II

Zunächst kann ein kurzzeitiger Behandlungsversuch mit 1,25(OH)2D (hoch dosiert Beginn mit 2 μg 1,25(OH)2D oder Alpha-Calcidol/Tag per os, gegebenenfalls Steigerung) und zusätzlichen Kalziumgaben erfolgen, unter Kontrollen von S-Kalzium, Parathormon, AP und Kalzium/ Kreatininwerten im Urin. Bei fehlendem Therapieerfolg (kein Abfall der AP- und PTH-Konzentrationen) sollte die Therapie auf Kalzium oral (3–5 g/m2) umgestellt werden. Bei anhaltender Hypokalzämie und massiven AP- und PTH-Erhöhungen können in seltenen Fällen nächtliche Kalziuminfusionen zur Absättigung der Kalziumspeicher der Knochen und zur Normalisierung des Knochenumsatzes erforderlich sein.

Therapiedurchführung

Pädiatrischer Endokrinologe/Diabetologe.

Verfahren zur Konsensbildung

S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (DGKED) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) (AWMF-Register-Nr. 174-009)
Weitere Autoren
Arbeitsgruppe Knochenstoffwechsel der DGKED: S. Bechtold-Dalla-Pozza, H. Hoyer-Kuhn, C. Land
Koordination der Leitlinienentwicklung
Dr. Anja Moß
AWMF-Leitlinienberaterin
Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie
Interdisziplinäre Adipositasambulanz
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universität Ulm
Eythstraße 24
89075 Ulm
Erstellungsdatum: 03/2016
Nächste Überprüfung geplant: 03/2021

LITERATUR

1

T Edouard N Alos G Chabot P Roughley FH Glorieux F Rauch Short- and Long-Term Outcome of Patients with Pseudo-Vitamin D Deficiency Rickets Treated with Calcitriol J Clin Endocrinol Metab 96 2011 82 89

2

PJ Malloy V Tasic D Taha F Tütüncüler GS Ying LK Yin J Wang D Feldman Vitamin D Receptor Mutations in Patients with Hereditary 1,25-Dihydroxyvitamin D-Resistant Rickets Mol Genet Metab 111 1 2014 33 40

3

D Schnabel Störungen des Kalzium-Phosphat-Stoffwechsels GF Hoffmann MJ Lentze J Spranger F Zepp Pädiatrie – Grundlagen und Praxis 4. Aufl 2014 Springer Heidelberg Berlin 612 631

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