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B978-3-437-42836-4.00035-7

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978-3-437-42836-4

Blutgruppen: Antigene und Antikörper

Tab. 35.1
Eigene Blutgruppe Antikörper gegen
A (40 %) B
B (15 %) A
AB (5 %) keine
0 (40 %) A und B

Blutgruppen: Genotyp vs. Phänotyp im AB0-System

Tab. 35.2
Genotyp Phänotyp
AA oder A0 A
BB oder B0 B
AB AB
00 0

Kreuzungsschema: A0 × AB

Tab. 35.3
A B
A AA (A) AB (AB)
0 A0 (A) B0 (B)

Blutgruppen

Tab. 35.4
Genotyp Phänotyp
MM M
NN N
MN MN

Kreuzungsschema: MM × MN

Tab. 35.5
M M
M MM MM
N MN MN

Blutgruppen

BlutgruppenDie Vererbung der Blutgruppenantigene ist so relevant, dass wir sie hier etwas ausführlicher besprechen wollen. Bevor wir uns auf das AB0-, das Rhesus oder das MN-System stürzen, solltet ihr wissen, dass es auf der Oberfläche eines Erythrozyten eine Vielzahl von Antigensystemen gibt, von denen allerdings nur die besprochen werden, die bei Bluttransfusionen am relevantesten sind.

AB0-System

AB0-SystemIhr wisst, dass Menschen unterschiedliche Blutgruppen haben, die bestimmen, ob bei einer Blutspende Spender- und Empfängerblut kompatibel sind. Beim AB0-System geht es um Glykoproteine auf der Oberfläche der Erythrozyten. Menschen mit dem Allel A tragen andere Glykoproteine auf ihrer Oberfläche als Menschen mit Allel B. Verfügt jemand über beide Allele (AB), so werden auch beide Glykoproteine exprimiert. Es handelt sich also um einen kodominanten Erbgang. 0 ist die inaktive Variante unserer Allele. Träger der Blutgruppe 0 haben weder Glykoproteine von Typ A noch von Typ B.
Normalerweise müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein, damit Antikörper (die u. a. dafür sorgen können, dass die Erythrozyten agglutinieren, also verklumpen) gegen bestimmte Strukturen gebildet werden:
  • Sie müssen körperfremd sein, der Körper darf sie also nicht selbst besitzen bzw. produzieren.

  • Der Körper muss auf irgendeine Weise mit ihnen in Kontakt kommen.

Bei den Blutgruppenantigenen des AB0-Systems finden sich aber bereits bei Patienten, die noch nie eine Bluttransfusion bekommen haben, Antikörper gegen fremde Antigene. Wie diese Sensibilisierung zustande kommt, ist noch nicht abschließend geklärt. Es wird aber vermutet, dass sie durch Darmbakterien und virale Strukturen ausgelöst wird, die Ähnlichkeit mit den Blutgruppenantigenen besitzen.
Man besitzt also Antikörper gegen die Antigene, die die eigenen Erys nicht haben. Die Prozente in der Tabelle geben an, wie häufig die Blutgruppe ist (Tab. 35.1). Die Angaben beziehen sich auf Deutschland (in einigen Regionen Asiens ist z. B. die Blutgruppe B wesentlich häufiger).
Eine Person mit Blutgruppe 0 kann also nur Blut von Personen bekommen, die ebenfalls die Blutgruppe 0 haben. Allerdings kann sie dafür Blut an jede andere Person spenden (Universalspender).
Das Gegenteil ist bei der Blutgruppe AB der Fall: Personen mit AB sind Universalempfänger, können aber nur an Menschen mit der gleichen Blutgruppe spenden.
Manche fragen sich an dieser Stelle vielleicht, inwiefern Personen mit der Blutgruppe 0 Universalspender sein können. Würden nicht die Antikörper, die sie gegen A und B besitzen, mit übertragen werden und die Erythrozyten des Empfängers agglutinieren?
Das kann tatsächlich zum Problem werden, wird aber heutzutage vermieden, indem man kein Vollblut für Transfusionen einsetzt, sondern das Plasma (mit den Antikörpern) vom Erythrozytenkonzentrat trennt.
Was das alles mit Genetik zu tun hat? Auch die Antigene des AB0-Systems werden vererbt und können sogar als primitiver Vaterschaftstest dienen. Jeder Mensch verfügt über zwei Allele und die Kreuzungsschemata funktionieren wie bei den Mendelschen Regeln (Tab. 35.2).

  • Besitzt jemand A und B, werden beide Antigene exprimiert.

  • Besitzt jemand A oder B und 0, wird A oder B exprimiert.

  • Besitzt jemand A und A, wird natürlich A exprimiert.

Wann kann man dieses Wissen nun als Vaterschaftstest anwenden? Wenn ihr ins folgende Kreuzungsschema schaut, erkennt ihr, dass die Nachkommen nicht die Blutgruppe 0 haben können, wenn ein Elternteil die Blutgruppe AB besitzt (in Klammern steht der Phänotyp) (Tab. 35.3).

MN-System

MN-SystemM und N sind ebenfalls Antigene, die sich auf den Erythrozyten finden. Auch sie werden im Physikum gefragt (v. a. im schriftlichen Teil), da es im MN-System kein „0“ Allel gibt. Entsprechend gibt es nur drei mögliche Genotypen/Phänotypen (Tab. 35.4).
Auch das MN-System kann Anhaltspunkte für eine Vaterschaft geben. Dafür solltet ihr euch klarmachen, dass die Kinder einer Person mit dem Phänotyp M auf keinen Fall die Blutgruppe N haben können, da immer ein M-Allel weitervererbt wird (Tab. 35.5).

Rhesussystem

RhesussystemWenn es in Klausuren um das Rhesussystem geht, dann ist i. d. R. das D-Antigen gemeint, und aus diesem Grund wollen wir uns auch darauf beschränken.

Beim D-Antigen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man hat es oder man hat es nicht!

Personen, deren Erythrozyten das D-Antigen tragen, heißen Rhesus-positiv (Rh+). Alle anderen sind Rhesus-negativ (Rh−). In Mitteleuropa sind weitaus mehr Personen Rhesus-positiv (85 %) als -negativ (15 %).
Der wesentliche Unterschied zwischen Rhesus- und AB0-System: Auch bei Rhesus-negativen Personen kommen normalerweise im Blut keine Antikörper gegen das D-Antigen vor. Die Bildung von Antikörpern erfolgt erst nach Kontakt mit Rhesus-positivem Blut, z. B. im Rahmen einer Transfusion. Während die erste Transfusion noch problemlos verlaufen kann, sind bei der zweiten Transfusion, wenn die Antikörper schon produziert sind, Komplikationen vorprogrammiert.
Hochgradig prüfungsrelevant ist das Rhesussystem v. a. in Zusammenhang mit Schwangerschaften, genauer gesagt bei einer Rhesus-negativen Mutter und einem Rhesus-positiven Vater. Bei dieser Konstellation besteht die Möglichkeit, dass die Rhesus-negative Mutter mit einem Rhesus-positiven Kind schwanger wird (der genaue Erbgang darf uns ausnahmsweise egal sein).
Eine Vielzahl von Ursachen (gerade bei der Geburt) kann nun dazu führen, dass Erythrozyten des Kindes in den Blutkreislauf der Mutter gelangen, sodass es zur Bildung von IgG-Antikörpern kommt. Bei einer zweiten Schwangerschaft mit einem Rhesus-positiven Kind würde das zum Problem werden, denn die IgG-Antikörper können die Plazentaschranke überwinden und im Kreislauf des Kindes Erythrozyten agglutinieren. Das resultierende Krankheitsbild heißt Morbus hämolyticus neonatorumMorbus hämolyticus neonatorum und stellt für das ungeborene Kind eine große Gefahr dar.
Um bei einer solchen Schwangerschaftskonstellation die Bildung von Antikörpern zu vermeiden, führt man eine Anti-D-Prophylaxe durch. Dabei gibt man der Rhesus-negativen Mutter nach der Geburt des Rhesus-positiven Kindes Antikörper gegen das Rhesusantigen. Diese Antikörper eliminieren die Erythrozyten des Kindes im mütterlichen Blut, sodass sie das mütterliche Immunsystem nicht zur Antikörperbildung stimulieren können. Im Regelfall ist auf diese Weise auch eine zweite Schwangerschaft mit einem Rhesus-positiven Kind möglich.

Zusammenfassung

  • Menschen mit Blutgruppe 0 sind Universalspender. Menschen mit Blutgruppe AB Universalempfänger.

  • Im MN-System gibt es kein 0-Allel.

  • Bei einer Schwangerschaft mit Rhesus-negativer Mutter und Rhesus-positivem Vater kann es zu einem Morbus hämolyticus neonatorum kommen.

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