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B978-3-437-26803-8.00001-4

10.1016/B978-3-437-26803-8.00001-4

978-3-437-26803-8

Abb. 1.1

Die Kennzeichen des Leben, KennzeichenLebens.

Abb. 1.2

Soll-BlutdruckPressorezeptorenAllgemeiner Regelkreis mit negativer Rückkopplung (links) sowie Regelkreis am Beispiel der Blutdruck:RegulationRegelkreis:BlutdruckBlutdruckregulation (rechts, vereinfacht).

Abb. 1.3

Die verschiedenen KörperabschnitteKörperabschnitte.

Die OrgansystemOrgansystemOrgansystemOrgansystemOrgansysteme des Menschen. Viele Kliniker zählen das Blut als eigenständiges elftes Organsystem.

Tab. 1.1
… dazu gehören Wichtige Aufgaben
Bewegungs- und Stützapparat (Kap. 6, Kap. 7)
Skelett (Knochen, Knorpel), Muskeln, Hilfseinrichtungen (z.B. Sehnen)
  • (Willkürliche) Bewegungen

  • Stütz- und Haltefunktion

  • Ort der Blutzellenbildung

  • Mineralspeicher

  • Wärmeproduktion

Haut (Kap. 8)
Haut, Hautanhangsgebilde (Haare, Nägel, Hautdrüsen)
  • Schutz vor Außeneinflüssen

  • Sinnesorgan (z. B. für Druck)

  • Mitregulation v. a. von Temperatur, Flüssigkeitshaushalt

  • Vitamin-D-Synthese

  • Fettspeicher (Unterhaut)

Nervensystem und Sinnesorgane (Kap. 9, Kap. 10)
Zentrales und peripheres Nervensystem, Sinnesorgane
  • Informationsaufnahme, -verarbeitung

  • (Überwiegend schnelle) Regulation des inneren Milieus und fast aller Körperaktivitäten

  • Ursprung aller willkürlichen Aktivitäten, bewussten Empfindungen und Gedanken, strukturelle Grundlage der Psyche

Hormonsystem (Kap. 11)
Alle hormonproduzierenden Einzelzellen, Zellgruppen und Drüsen
  • (Überwiegend mittelschnelle und langsame) Regulation des inneren Milieus und fast aller Aktivitäten des Körpers

Immunsystem (Kap. 12, Kap. 13)
Weiße Blutkörperchen, primäre (Thymus, Knochenmark) und sekundäre (z.B. Lymphknoten, Milz) lymphatische Organe
  • Bekämpfung von körpereigenen/-fremden schädlichen Substanzen

  • Immunologisches Gedächtnis

  • Mithilfe bei Entzündungs-/Heilungsvorgängen

Herz-Kreislauf-System, Blut (Kap. 14, Kap. 15, Kap. 12)
Herz, Blutgefäße, Blut
  • Transport von Sauerstoff, Nährstoffen und Stoffwechselprodukten

  • Aufnahme der Lymphe

  • Regulation der Körpertemperatur

  • Verschluss von Blutungsquellen (Gerinnungssystem)

Atmungssystem (Kap. 16)
Atemwege (Nase, Rachen, Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien) und Lungen
  • Sauerstoffaufnahme

  • Kohlendioxidabgabe

  • Mitregulation des Säuren-Basen-Gleichgewichts

Verdauungssystem (Kap. 17)
Mund, Speiseröhre, Magen, Darm, Leber, Bauchspeicheldrüse
  • Aufnahme von Flüssigkeit und Nahrungsmitteln

  • Verdauung und Resorption von Nährstoffen

  • Ausscheidung

  • Bauchspeicheldrüse: Bereitstellung von Verdauungsenzymen

  • Leber: Gallenproduktion, „Stoffwechselzentrale“, Mitregulation des inneren Milieus

Harnsystem (Kap. 18)
Nieren, Harnleiter, Harnblase, Harnröhre
  • Urinproduktion und -ausscheidung

  • Mitregulation von Blutdruck, Flüssigkeits-, Elektrolyt-, Säure-Basen-Haushalt

Fortpflanzungssystem (Kap. 19, Kap. 20)
Äußere und innere Geschlechtsorgane
  • Unterschiedliches Aussehen von Mann und Frau, Libido (Geschlechtstrieb)

  • Fortpflanzung (Erhaltung der Art)

  • Bei der Frau: Ernährung des Säuglings

Begriffe zur Beschreibung des Menschen

Lernzielübersicht

Die Kennzeichen des Lebens

  • Als Kennzeichen von Lebewesen werden üblicherweise Aufbau aus Zellen, Stoffwechsel, Erregbarkeit und Kommunikation, Motilität (aktive Bewegungsfähigkeit), Vermehrung sowie Wachstum und Entwicklung angesehen.

Der Aufbau des Körpers

  • Kleinste selbstständig lebensfähige „Einheit“ ist die Zelle. Zellen bilden Gewebe, diese wiederum Organe, die zu Organsystemen zusammengefasst sind.

  • Den Organen übergeordnet ist die Psyche bzw. das Bewusstsein.

Die Regulations- und Anpassungsvorgänge

  • Um auf Dauer bestehen zu können, muss der Organismus sich ständig an veränderte Umweltbedingungen anpassen und seine Körperfunktionen regulieren können. Dies geschieht in komplexen Regelkreisen.

  • Nach dem Prinzip des Regelkreises werden z. B. der Blutdruck oder die Körpertemperatur reguliert.

Die Lebensabschnitte

  • Menschsein bedeutet auch Veränderung: Beim Menschen werden als große Lebensabschnitte die Kindheit und Jugend, das Erwachsenenalter sowie das Alter unterschieden.

Die Körperabschnitte

  • Der Körper kann in verschiedene Abschnitte unterteilt werden. Kopf, Hals und Rumpf bilden den Körperstamm, Arme und Hände sowie Beine und Füße die Extremitäten.

  • Seröse Höhlen sind flüssigkeitsgefüllte Spalträume, welche vor allem die Verschieblichkeit von Organen gewährleisten.

Ziel dieses Buches ist es, den Aufbau (Anatomie) und die Funktionsweise (Physiologie) des gesunden menschlichen Körpers zu vermitteln.

Wesentliche Grundlage dafür ist die Biologie, die Lehre vom Leben im Allgemeinen und den Besonderheiten der Lebewesen. Dazu gehören unter anderem die Molekularbiologie, die Zellbiologie (Zelllehre, Zytologie), die Genetik (Vererbungslehre) und die Evolution.

Ferner sind zum Verständnis der Physiologie und Biologie Grundkenntnisse der Chemie und Biochemie erforderlich.

Die Kennzeichen des Lebens

Trotz der enormen Unterschiede zwischen den verschiedenen LebewesenLebewesen (man denke etwa an Bakterien, Moose, Blumen, Würmer, Vögel, Elefanten und auch den Menschen) lassen sich Gemeinsamkeiten ausmachen, die Lebewesen gegenüber nicht lebenden Strukturen auszeichnen (Abb. 1.1):
  • Aufbau aus einer oder mehreren Zellen

  • Stoffwechsel (Metabolismus)

  • Erregbarkeit und Kommunikation

  • Motilität (aktive Bewegungsfähigkeit)

  • Vermehrung (Reproduktion)

  • Wachstum und Entwicklung.

Der Aufbau aus Zellen
Jedes Lebewesen ist aus einer oder mehreren Zellen aufgebaut. Sie sind die kleinsten selbstständig lebensfähigen Einheiten.
Die Zellen von Prokaryonten,Prokaryonten beispielsweise Bakterien, enthalten keinen Zellkern (das Erbgut schwimmt lose in der Zelle) und sind insgesamt einfach gebaut. EukaryontenEukaryonten zeichnen sich durch komplizierter gebaute Zellen mit ZellkernZellkern aus (Details 3).
Der Stoffwechsel
Unter StoffwechselStoffwechsel (MetabolismusMetabolismus) versteht man sämtliche im Organismus ablaufenden chemischen Reaktionen.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Stoffwechsel einzuteilen. Alle Reaktionen, welche die Energie erzeugen, die der Organismus zur Aufrechterhaltung seiner Lebensvorgänge benötigt, werden z. B. als KatabolismusKatabolismus (AbbaustoffwechselAbbaustoffwechsel) zusammengefasst. Den chemischen Abbau von Nahrungsstoffen bezeichnet man auch als Verbrennung, wobei die Energie unter Sauerstoffverbrauch gewonnen wird (oxidative Energiegewinnung:oxidativeEnergiegewinnung).
Demgegenüber wird beim AnabolismusAnabolismus (AufbaustoffwechselAufbaustoffwechsel) die durch katabole Prozesse gewonnene Energie dazu verwendet, neue Bausteine für den Organismus (z. B. Moleküle, Organellen, Zellen, Gewebe) aufzubauen.
Die Erregbarkeit und Kommunikation
ErregbarkeitErregbarkeit (ReizbarkeitReizbarkeit) ist die Fähigkeit eines Organismus, Informationen über die Verhältnisse inner- und außerhalb des Organismus (etwa Lichtverhältnisse, Temperatur) aufzunehmen, diese ggf. weiterzuleiten, zu verarbeiten und zu beantworten. Selbst Einzeller müssen z. B. Nahrung in der Umgebung wahrnehmen (und danach aufnehmen) können.
Organismen, die aus mehreren Zellen bestehen, sind außerdem auf die Fähigkeit zur Kommunikation angewiesen, also Informationen von einer Körperregion bzw. Körperzelle zur anderen weiterzuleiten. Hoch spezialisierte Kommunikationssysteme des Menschen sind das Nerven-, Hormon- und Immunsystem.
Die Motilität
Weiteres Merkmal von Lebewesen ist die MotilitätMotilität, die aktive Bewegungsfähigkeit. Dazu zählen Bewegungen von Zellbestandteilen, etwa des Zytoplasmas oder des Zytoskeletts, ebenso wie z. B. die Flucht des Lebewesens bei Bedrohung. Hierzu benötigen Lebewesen aktiv bewegliche (kontraktile) Strukturen.
Die Vermehrung
Zellen können sich teilen und besitzen dadurch die Fähigkeit zur VermehrungVermehrungZelle:Vermehrung (ReproduktionReproduktion). Dies ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für das Wachstum, die kontinuierliche Neubildung von Zellen mit nur kurzer Lebensdauer (z. B. Blutkörperchen), die Heilungsprozesse nach Verletzungen, aber auch die Fortpflanzung und die Vererbung.
Wachstum und Entwicklung
Schon Einzeller können durch Substanzaufnahme größer werden. WachstumWachstum bei mehrzelligen Organismen kann auf mehrere Arten erfolgen:
  • Über eine Vergrößerung bereits vorhandener Zellen

  • Über eine Erhöhung der Zellzahl durch Teilung von Zellen

  • Über eine Vermehrung nichtzellulärer Strukturen (z. B. Mineralsubstanz des Knochens).

Mehrzellige Organismen zeigen darüber hinaus Entwicklung, von der Entstehung und einer durch Wachstum geprägten Phase über Alterungsvorgänge bis zum Tod. Sterben und Tod Sterbenbedeutet dabei nicht nur den Individualtod des Organismus: Während des gesamten menschlichen Lebens ist es notwendig, dass Zellen durch den programmierten ZelltodZelltod, die ApoptoseApoptose (3.8), kontrolliert zugrunde gehen. Nur so können sich beispielsweise die Organe regelrecht entwickeln.

Der Aufbau des Körpers

Die Zellen
Die ZelleZelle stellt wie erwähnt die Grundeinheit aller lebenden Organismen dar. Sie ist selbstständig lebensfähig.
Jede Zelle des menschlichen Körpers besitzt einen Zellkern mit dem Erbgut und das Zytoplasma, die wässrige Grundsubstanz der Zelle. Das Zytoplasma enthält Organellen, spezielle abgetrennte Räume für bestimmte Aufgaben. Die Zellmembran grenzt die Zelle nach außen hin ab (Details zum Zellaufbau 3).
Die Gewebe
Zellen ähnlichen Baus, die in der Regel eine gemeinsame Funktion erfüllen, schließen sich zu einem GewebeGewebe zusammen. Muskelzellen beispielsweise bilden die drei Typen des Muskelgewebes, das dem Menschen seine Bewegungsfähigkeit verleiht (Details zu den Geweben 5).
Die Organe
Mehrere räumlich beieinanderliegende Gewebe bilden ein Organ wie z. B. Leber oder Niere. OrganeOrgane haben in aller Regel eine charakteristische Gestalt und sind mit dem bloßen Auge erkennbar. Sie sind aus unterschiedlichen Geweben zusammengesetzt (Funktionsgewebe = Parenchym und Bindegewebe = Stroma 5.1), die letztlich jedoch eine gemeinsame Funktion erfüllen.
Die Organsysteme
Unter einem Organsystem versteht man mehrere Organe, die in enger Beziehung miteinander stehen, indem sie einer gemeinsamen Aufgabe dienen (Tab. 1.1).
So besteht beispielsweise das Organsystem des Atmungstrakts aus den Organen Nase, Rachen, Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien und Lungen. Seine Hauptaufgabe ist der Gasaustausch mit der Umgebung.
Die Psyche
Die SeeleSeele (PsychePsyche) wird in aller Regel den Organsystemen übergeordnet. Der Psyche kann kein spezielles Körperorgan zugeordnet werden, sie ist aber aufs Engste mit dem (zentralen) Nervensystem und dabei insbesondere dem Großhirn verbunden. Die Psyche ermöglicht dem Menschen z. B. Entscheidungsfreiheit und das Setzen von Werten und Zielen.

Die Regulations- und Anpassungsvorgänge

Merke

Inneres Milieu, inneresInneres MilieuMilieu bezeichnet die Gesamtheit der für das Funktionieren der Zellen maßgeblichen (konstanten) Umgebungsbedingungen. Kann der Körper sein inneres Milieu konstant halten, nennt man diesen Gleichgewichtszustand Homöostase.Homöostase

Die Homöostase ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Leistung des Organismus. Sie ist gleichzeitig die wichtigste Voraussetzung dafür, dass der Mensch auf Dauer existieren kann, denn die Körperzellen können ihre speziellen Aufgaben nur bei gleichbleibenden und möglichst guten Bedingungen erfüllen.

Um die Homöostase trotz unterschiedlichster Umgebungsbedingungen zu gewährleisten, müssen in unserem Körper in jeder Sekunde tausendfach Regulations- und Anpassungsvorgänge ablaufen. Beide Begriffe sind dabei nicht scharf voneinander RegulationAnpassunggetrennt.
Ein Beispiel: Noch schlaftrunken und ohne nachzudenken stehen wir morgens aus dem Bett auf und recken uns, um wach zu werden. Dabei ändern sich binnen Sekunden die Druckverhältnisse in den Blutgefäßen durch die veränderte Körperhaltung, zusätzlich verbraucht die Muskulatur durch die Bewegung mehr Blut als zuvor im Bett. Regulationsvorgänge sorgen nun ganz schnell dafür, dass die Blutzufuhr zum Gehirn trotz der Veränderungen nicht leidet – eine Mangelversorgung der Gehirnzellen ließe uns in kürzester Zeit bewusstlos werden. Gleichzeitig muss sich der Körper vor einem Wärmeverlust schützen – denn kalt ist es im Schlafzimmer obendrein.
Der Regelkreis
Alle Regulationsvorgänge in unserem Körper folgen einem einheitlichen Prinzip, dem des RegelkreisRegelkreises (Abb. 1.2).
Die Größe, die konstant gehalten werden soll (etwa der Blutdruck), heißt RegelgrößeRegelgröße. Messfühler (Rezeptoren, SensorenSensoren) im RezeptorKörper registrieren ständig den aktuellen IstwertIstwert dieser Größe (z. B. Blutdruck 90/50 mmHg) und melden ihn an den Regler (meist ein bestimmtes Gehirngebiet) weiter, der den Istwert mit einem vorgegebenen SollwertSollwert (z. B. 120/80 mmHg) vergleicht. Bei deutlichen Regelabweichungen, verursacht durch StörgrößenStörgrößen (z. B. einen Blutverlust), werden StellgliederStellglieder aktiviert, die den Istwert durch Korrekturmaßnahmen dem Sollwert annähern. So ziehen sich bei einem zu niedrigen Blutdruck die Arteriolen (kleine Blutgefäße 15.1.2) zusammen, damit der Blutdruck wieder steigt. Die Veränderungen des Istwertes (hier der Blutdruckanstieg) werden an den Regler zurückgemeldet, der daraufhin die Aktivierung der Stellglieder zurücknimmt (negative RückkopplungRückkopplung:negativeRückkopplung = negatives Feedback:positivesFeedback:negativesFeedback). Dieses ganze, in sich geschlossene (quasi kreisförmige), sich selbst regulierende System wird als Regelkreis bezeichnet.
Wesentlich seltener ist die positive Rückkopplung:positiveRückkopplung, bei der die Abweichung nicht gegenreguliert, sondern verstärkt wird. Sie ist nur kurzzeitig möglich, da sich das System sonst immer weiter aufschaukeln und schließlich zusammenbrechen würde. Beispielsweise fördern sich Natriumleitfähigkeit und Natriumeinstrom zu Beginn einer Nervenzellerregung (eines Aktionspotenzials) gegenseitig (9.2.3). Nach Zustandekommen des Aktionspotenzials schließen sich aber die Natriumkanäle schnell, sodass die positive Rückkopplung unterbrochen wird, denn einen ständig steigenden Natriumeinstrom könnte die Nervenzelle nicht verkraften.
Die Komplexität physiologischer Regelkreise
Ein einzelner Regelkreis mit einer überschaubaren Zahl von veränderlichen Größen ist noch recht einfach zu verstehen. In unserem Körper sind die Verhältnisse aber wesentlich komplizierter:
  • Die Regelkreise haben in der Regel mehrere Stellglieder. So sind z. B. nicht nur die Arteriolen Stellglieder der Blutdruckregulation, sondern auch Herz und Blutvolumen

  • Fast immer greifen mehrere Regelkreise ineinander. Der Blutdruck ist einerseits Sollwert des Regelkreises „Blutdruckregulation“, aber auch Stellglied des Regelkreises „Volumenregulation“

  • Bei einigen Regelkreisen ist der Sollwert nicht konstant, sondern veränderlich. Bei Fieber z. B. ist der Sollwert der Körpertemperatur zu höheren Werten hin verschoben.

Merke

Folgende besonders wichtige Regulations- und Anpassungsvorgänge behandelt „Biologie Anatomie Physiologie“ ausführlich:

  • Abwehr gegen Körperfremdes 13

  • Anpassung an körperliche Arbeit 6.4

  • Höhenpolyglobulie 12.2.6

  • Regulation der Atmung 16.12

  • Regulation des Blutdrucks 15.3.5

  • Regulation des Blutvolumens 15.3.4

  • Regulation des Blutzuckers 17.9.4

  • Regulation der Herzleistung 14.6.2

  • Regulation des Hormonhaushalts 11.1.5

  • Regulation des Kalziumhaushalts 11.5, 18.8.3

  • Regulation der Körpertemperatur 15.4

  • Regulation der Muskelgrundspannung und Reflexe 6.3.6, 9.10

  • Regulation der Nahrungsaufnahme 17.9.3

  • Regulation des Säure-Basen-Haushalts 18.9

  • Regulation des Wasserhaushalts 18.7

  • Weiblicher Monatszyklus 19.2.6

Die Lebensabschnitte

LebensabschnittMenschsein bedeutet auch Entwicklung, und zwar bis ins hohe Alter. Diese Entwicklung, die sowohl genetisch bestimmt als auch von Umweltfaktoren beeinflusst wird, ist die Grundlage für die Einteilung des (nachgeburtlichen) menschlichen Lebens in verschiedene Lebensabschnitte. Meist werden Kindheit und Jugend, Erwachsenenalter und Alter unterschieden.
Einheitliche Definitionen gibt es allerdings nicht – so hängen z. B. die „Altersgrenzen“ der verschiedenen Lebensabschnitte auch davon ab, ob man eher die körperliche, die psychische oder die soziale Entwicklung betrachtet. Außerdem gehen die verschiedenen Abschnitte nicht abrupt, sondern allmählich ineinander über und können zudem je nach individueller Entwicklung etwas früher oder später erreicht werden.
Die Kindheit und Jugend
KindheitJugendDie ersten Lebensjahre von der Geburt bis etwa zum 18. Lebensjahr werden als Kindheit und Jugend bezeichnet. Die Entwicklung verläuft hier besonders rasant mit einer Fülle von Entwicklungsaufgaben, die in Kapitel 21 detailliert dargestellt werden.
Das Erwachsenenalter
ErwachsenenalterVom 18. Lebensjahr an spricht man vom Erwachsenen. Die weitere Unterteilung des Erwachsenenalters ist vollkommen uneinheitlich, die genauen Bezeichnungen aber eigentlich ohne Belang:
  • Bis etwa zum 25. Lebensjahr sind Abschluss der Identitätsfindung, Berufseinstieg und Partnerwahl die Hauptthemen, gleichzeitig wird der Höhepunkt der körperlichen Leistungsfähigkeit erreicht

  • Die folgenden 20–25 Jahre werden als Plateau auf hohem Niveau empfunden. Zwar lässt die körperliche Leistungsfähigkeit in Teilbereichen schon nach, Familiengründung, Erziehung von Kindern und hohes berufliches Engagement bedeuten aber insgesamt eine höchst aktive Phase

  • Etwa ab dem 45.–50. Lebensjahr bemerken die meisten Erwachsenen ein gewisses Nachlassen der körperlichen Leistungsfähigkeit, Frauen durchleben mit den Wechseljahren (Klimakterium, 19.2.6) eine weitere hormonelle Umstellung, und erste „Alterserscheinungen“ wie etwa Hautfalten oder graue Haare treten auf. Die jungen Jahre sind vorbei – nicht wenige Menschen geraten durch diese Erkenntnis etwa in der Lebensmitte in eine Lebenskrise (oft Midlife-Midlife-crisisCrisis genannt).

Das Alter
AlterDer Beginn des Alters wird von den meisten Autoren um das 65. Lebensjahr, von einigen aber auch fünf oder gar zehn Jahre früher oder fünf Jahre später angesetzt.
Infolge der demografischen Entwicklung wird der Anteil alter Menschen an der Gesamtbevölkerung steigen. Gleichzeitig nehmen ältere Menschen aufgrund der im Alter zunehmenden Gesundheitsprobleme die Gesundheitseinrichtungen stärker in Anspruch, weshalb auch dem älteren Menschen ein eigenes Kapitel gewidmet ist.

Pflege

Die Besonderheiten der verschiedenen Lebensabschnitte haben Einfluss auf die Pflege. So sind etwa bei Kleinkindern ganz andere Werte für Puls oder Blutdruck normal als bei Erwachsenen, und die Bedürfnisse älterer Erwachsener unterscheiden sich erheblich von denen jüngerer.

Organbezogene (pflegerelevante) Veränderungen in den verschiedenen Lebensabschnitten werden in den jeweiligen Organkapiteln dargestellt, Informationen zu den besonderen Bedürfnissen und Problemen von Kindern oder alten Menschen finden Sie hingegen in den Kapiteln 21 bzw. 22Kapitel 21Kapitel 22.

Die Körperabschnitte

Man kann den menschlichen Körper nicht nur nach funktionellen Aspekten in verschiedene Organsysteme (Tab. 1.1) gliedern, sondern außerdem nach anatomischen Gesichtspunkten in verschiedene Körperabschnitte (Abb. 1.3) unterteilen.
Der Körperstamm
Am unpaaren KörperstammKörperstamm werden Kopf, Hals und Rumpf unterschieden. Dabei werden am Rumpf nochmals Brust (Thorax), Bauch (Abdomen) und Becken (Pelvis) differenziert.
Brust. Innerhalb der Brust liegt die Brusthöhle (Brustraum, Cavitas thoracis), die von außen durch die Rippen, die Brustwirbelsäule und das Brustbein begrenzt wird. Nach unten wird die Brusthöhle durch das Zwerchfell verschlossen, während nach oben keine scharfe Grenze zur Halsregion existiert.
Bauch und Becken. Der Bauch-Becken-Raum wird von der äußeren Bauchmuskulatur, der Lendenwirbelsäule, dem knöchernen Beckenring sowie nach oben vom Unterrand des Zwerchfells begrenzt.
Meist wird aus praktischen Gründen der Raum oberhalb einer Linea terminalis genannten Kante im knöchernen Becken (7.6.1) als Bauchhöhle (Cavitas abdominalis), der Raum darunter bis hin zum Beckenboden als kleines Becken oder kurz Becken bezeichnet. In ihm liegen Blase, Mastdarm und die Mehrzahl der Geschlechtsorgane.
Die Extremitäten
DieExtremität(en) Arme und Hände werden als obere Extremitäten (obere Gliedmaßen) bezeichnet. Die Beine und Füße heißen untere Extremitäten (untere Gliedmaßen). Die Extremitäten sind paarig angelegt und äußerst beweglich. Beim Menschen stellen die Arme und Hände hoch spezialisierte Greifwerkzeuge dar, die Beine und Füße tragen die Körperlast und dienen der Fortbewegung.
Die Arme sind über den SchultergürtelSchultergürtel, die Beine über den BeckengürtelBeckengürtel mit dem Rumpf verbunden.
Die serösen Höhlen
Im Bereich des Körperstamms liegen die Seröse Höhlenseröse Höhlen. DiesHöhlen, seröse sind schmale Spalträume, die mit seröser Flüssigkeit gefüllt sind und die Verschieblichkeit der Organe beispielsweise bei Bewegungen gewährleisten. Ausgekleidet sind die serösen Höhlen von einer speziellen Deckschicht, der Serosa, die auch die seröse Flüssigkeit produziert.
Die beiden PleurahöhlePleurahöhlen (Brustfellhöhlen) umschließen die Lungen (16.6), die ebenfalls im Brustraum gelegene PerikardhöhlePerikardhöhle (HerzbeutelhöhleHerzbeutelhöhle) das Herz (14.3.3). Im Bauchraum umgibt das BauchfellBauchfell (PeritoneumPeritoneum) die BauchfellhöhleBauchfell- oder PeritonealhöhlePeritonealhöhle (17.1.5).
Über die Orientierung am menschlichen Körper
Neben Kenntnissen über den Aufbau des menschlichen Körpers spielt in der Medizin auch die Kenntnis der Lage einzelner Strukturen eine wichtige Rolle. Zur Orientierung am menschlichen Körper ist die bloße Benennung des Körperabschnitts nicht genau genug. Hauptachsen und Hauptebenen des Körpers sowie gebräuchliche Bezeichnungen für (Bewegungs-)Richtungen am menschlichen Körper zur exakten Angabe von Lagebeziehungen finden Sie im hinteren Buchdeckel.

Wiederholungsfragen

  • 1.

    Welche sechs Merkmale haben alle Lebewesen gemeinsam? (1.1)

  • 2.

    Die Fähigkeit zur Reproduktion ist für Zellen und Gewebe nicht nur im Rahmen der Schaffung von Nachkommen unerlässlich, sondern auch im Rahmen weiterer Stoffwechselvorgänge. Welche sind dies? (1.1)

  • 3.

    Was verstehen wir unter „Stoffwechsel“? (1.1)

  • 4.

    Was ist ein Gewebe? (1.2)

  • 5.

    Was ist der Unterschied zwischen Gewebe und Organ? (1.2)

  • 6.

    In welche zehn Organsysteme lässt sich der Mensch einteilen? (Tab. 1.1)

  • 7.

    Was sind die Grundbestandteile eines Regelkreises? (1.3)

  • 8.

    Welche Lebensabschnitte werden üblicherweise unterschieden? (1.4)

  • 9.

    In welche großen Abschnitte kann man den menschlichen Körper gliedern? (1.5)

  • 10.

    Was sind seröse Höhlen? (1.5)

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