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B978-3-437-26803-8.00007-5

10.1016/B978-3-437-26803-8.00007-5

978-3-437-26803-8

Abb. 7.1

SternumSternumSternumHalswirbelBrustkorbBrustkorbBrustkorbBrustbeinBrustbeinBrustbeinAugenhöhleÜbersicht über das menschliche Skelett:ÜbersichtSkelett. Bei den Extremitäten symbolisieren gleiche Farben einander entsprechende Knochengruppen.

Abb. 7.2

Oberflächliche Skelettmuskulatur:von vornSkelettmuskulatur (von vorn).

Abb. 7.3

Oberflächliche Skelettmuskulatur:von hintenSkelettmuskulatur (von hinten).

Abb. 7.4

Fontanellen und Schädelnähte beim Säugling:Fontanellen und SchädelnähteSäugling.

Abb. 7.5

SchädelSchädel:Ansicht in der Vorder- und in der Seitenansicht. Die Vorderansicht ist geprägt durch die Augenhöhlen, Nasen- und Mundöffnung. HN = Hirnnerven.

Abb. 7.6

Porus acusticus internusCanalis:caroticusInnere SchädelbasisSchädelbasis:innere nach Entfernung der Schädelkalotte und des Gehirns, Ansicht von oben.

Abb. 7.7

PlatysmaPlatysmaOhrspeicheldrüseOberlippenheberMusculus(-i):levator labii superiorisHalshautmuskelHalshautmuskelGlandula(-ae):parotisDuctus(-us):parotideusMimische Muskulatur. In der rechten Gesichtshälfte die oberflächliche Schicht, links die tiefere Schicht, der M. masseter und die Ohrspeicheldrüse mit ihrem Ausführungsgang, dem Ductus parotideus.

Abb. 7.8

KaumuskulaturKaumuskulatur:Schichten, oben oberflächliche, unten tiefe Schicht, sowie der M. orbicularis oris als Teil der mimischen Muskulatur.

Abb. 7.9

TrapezmuskelnSchlüsselbeinSchlüsselbeinSchlüsselbeinSchildknorpelSchilddrüseMusculus(-i):scaleniMusculus(-i):scaleniMusculus(-i):rectus capitis anterior/lateralisClaviculaClaviculaHalsmuskulaturHalsmuskulatur:vordere und hintere. Links vordere Halsmuskulatur (auf der rechten Halsseite Platysma entfernt). Rechts hintere Halsmuskulatur (vor der Wirbelsäule) und tiefe Nackenmuskulatur (hinter der Wirbelsäule, größtenteils verdeckt). Sie stützen den Kopf und unterstützen Kopfbewegungen.

Abb. 7.10

Aufbau der WirbelsäuleWirbelsäule:Aufbau im Längsschnitt. Gezeigt sind die vier physiologischen Krümmungen Halslordose, Brustkyphose, Lendenlordose und Sakralkyphose. Erkennbar ist der Wirbelkanal, aus dem die Spinalnerven (Abb. 9.20) durch die Zwischenwirbellöcher in die Körperperipherie ziehen. Der unterste Abschnitt der Wirbelsäule, das Kreuzbein, verbindet sich mit den beiden Hüftbeinen zum Beckenring.

Abb. 7.11

Links und Mitte HalswirbelWirbelsäule:Halswirbel, Brustwirbel und Lendenwirbel, Brustwirbel und Lendenwirbel im Vergleich (links von oben, in der Mitte von der Seite). Rechts AtlasAtlasAtlas (erster Halswirbel) und AxisAxisAxis (zweiter Halswirbel) in Normalstellung (oben) und bei rotiertem Kopf (unten).

Abb. 7.12

KreuzbeinKreuzbein:und Steißbein und Steißbein.

Abb. 7.13

Die BandscheibenfunktionBandscheibenfunktion. Der Nucleus pulposus verschiebt sich innerhalb der Bandscheibe je nach Bewegung der Wirbelsäule.

Abb. 7.14

[E364]

Spina(-ae):scapulaeSpina(-ae):scapulaeSchulterblattgräteSchulterblattgräteDarmbeinkammDarmbeinkammOberflächenanatomie des Rücken, OberflächenanatomieRückens.

Abb. 7.15

Rückenmuskulatur, autochthone:GliederungAutochthone Rückenmuskulatur. Die autochthone Rückenmuskulatur gliedert sich in zwei Muskelgruppen: den medialen Trakt (links im Bild) und lateralen Trakt (rechts im Bild). Über die autochthone Rückenmuskulatur legen sich M. serratus posterior superior und M. serratus posterior inferior. Sie ziehen von der Wirbelsäule zu den Rippen; beide gehören zur Atemhilfsmuskulatur (16.9.3).

Abb. 7.16

BrustkorbBrustkorb:Vorderansicht in der Vorderansicht (knöcherne und knorpelige Anteile). Links mit Darstellung des knöchernen Schultergürtels. Rechts mit Darstellung des Zwerchfells und der Durchtrittstellen für die großen Gefäße (Brustbein und Rippen abgeschnitten).

Abb. 7.17

NabelMuskulatur:vordere RumpfwandLigamentum(-a):inguinaleLeistenbandAkromionAkromionAkromionMuskulatur der vorderen Rumpfwand. Durch Abtragen der oberflächlichen Sehnenplatte und des M. pectoralis major erkennt man auf der linken Körperseite den M. rectus abdominis, den M. obliquus internus abdominis und den M. pectoralis minor. Der unter dem M. obliquus internus abdominis liegende M. transversus abdominis ist nicht sichtbar.

Abb. 7.18

Querschnitt durch den Rumpf:Querschnitt, LendenbereichRumpf im Lendenbereich mit Bauch- und Rückenmuskulatur.

Abb. 7.19

Anatomie des LeistenkanalsLeistenkanal:Mann, Anatomie beim Mann. Links: Übersichtszeichnung der räumlichen Anordnung der Organe ohne Muskulatur. Rechts: Detailzeichnung mit der Bauchwandmuskulatur.

Abb. 7.20

UlnaUlnaSpeicheSpeicheSchultergelenkSchultergelenkRadiusköpfchenRadiusköpfchenRadiusRadiusRadio-Ulnar-GelenkRadio-Ulnar-GelenkRadio-Ulnar-GelenkOlekranonOlekranonOlekranonOlekranonOberarmOberarmMittelhandknochenMittelhandknochenHumeruskopfHumeruskopfHumerusHumerusHandwurzelknochenHandwurzelknochenFingermittelgelenkeFingermittelgelenkeFingerknochenFingergrundgelenkeFingergrundgelenkeFingerendgelenkeFingerendgelenkeEllenköpfchenEllenköpfchenEllenköpfchenEllenbogengelenkEllenbogengelenkElleElleDaumenwurzelgelenkDaumenwurzelgelenkÜbersicht über die Knochen der oberen ExtremitätExtremität(en):obere, Knochen, Übersicht, links Ansicht von vorne und rechts Ansicht von hinten.

Abb. 7.21

SchulterblattSchulterblatt:Ansicht von vorn und SchultergelenkSchultergelenk:Ansicht von vorn, Ansicht von vorn mit Verlauf der Sehnen des M. biceps brachii.

Abb. 7.22

[E460]

Hintere SchultergürtelSchultergürtel:Muskulatur- und SchultermuskulaturSchultermuskulatur:hintere, rechts die bis zum Becken reichende oberflächliche Schicht, links die tiefe Schicht.

Abb. 7.23

Rechter Humerus (Oberarmknochen)

Abb. 7.24

Das EllenbogengelenkEllenbogengelenk:Ansichten von vorn und von hinten. Die gestrichelte Linie skizziert den Verlauf des in diesem Abschnitt leicht verletzbaren N. ulnaris (Ellennerv). Der N. ulnaris lässt sich leicht als druckschmerzhafte Stelle zwischen Olekranon und Epicondylus medialis ertasten.

Abb. 7.25

Muskeln der rechten SchulterSchulter:Muskulatur und des rechten OberarmesOberarm:rechter, Muskulatur. Ansicht von dorsolateral (hinten-seitlich).

Abb. 7.26

Elle und Speiche. Links Ansicht von vorne. Rechts oben Knochenstellung bei Supination, rechts unten bei Pronation.

Abb. 7.27

Die Handwurzelknochen der rechten Hand in „Explosionsansicht“ von palmar (Blick auf die Hohlhand).

Abb. 7.28

Das HandskelettHandskelett u. a. mit den Fingergelenken und den Handwurzelknochen (Ansicht von palmar).

Abb. 7.29

Fingerskelett und -gelenkeFingerskelett und -gelenke.

Abb. 7.30

UnterarmmuskulaturUnterarmmuskulatur:ventrale von vorn (ventral). Deutlich zu erkennen sind die langen, dünnen Sehnen, mit denen viele der Muskeln an Hand und Fingern ansetzen.

Abb. 7.31

UnterarmmuskulaturUnterarmmuskulatur:dorsale von hinten (dorsal).

Abb. 7.32

Muskulatur der Hohlhand, MuskulaturHohlhand. Unter dem Lig. carpi transversum liegt der Karpaltunnel, durch den die Beugesehnen, aber auch der N. medianus verlaufen (Pfeil).

Abb. 7.33

Beuge- und Strecksehnenapparat eines FingersFinger:Beuge- und Strecksehnenapparat. Die Sehne des M. flexor digitorum profundus zieht durch die Aufspaltung („Knopfloch“) der Sehne des M. flexor digitorum superficialis. Der M. flexor digitorum superficialis beugt den Finger im Grund- und Mittelgelenk, der M. flexor digitorum profundus zusätzlich im Endgelenk, da die Sehne länger ist.

Abb. 7.34

Ab- und Adduktion der FingerFinger:Ab- und Adduktion. M. abductor digiti minimi, M. abductor pollicis brevis und die Mm. interossei dorsales spreizen die Finger (Fingerabduktion). Die Mm. interossei palmares und der M. adductor pollicis schließen die Hand (Fingeradduktion).

Abb. 7.35

[Foto: E460]

Knöchernes BeckenBecken:knöchernes mit Kreuzbein und Hüftbeinen. Links in der Ansicht schräg von vorne, Mitte und rechts von der Seite. Darmbein, Sitzbein und Schambein bilden zusammen die Hüftgelenkpfanne.

Abb. 7.36

[E460]

CT des HüftgelenksHüftgelenk:CT.

Abb. 7.37

[V658]

SpreizhoseSpreizhose/-bandage. Sie sieht zwar unbequem aus, beeinträchtigt die Babys aber kaum und reicht bei frühzeitigem Behandlungsbeginn zur Therapie der angeborenen Hüftgelenkdysplasie aus.

Abb. 7.38

BeckenBecken:weibliches/männliches von Mann und Frau.

Abb. 7.39

BeckenbodenBeckenboden:Frau der Frau.

Abb. 7.40

Die innere (d. h. an der inneren Beckenwand entspringende) HüftmuskulaturHüftmuskulatur:innere, Beuger im Hüftgelenk. Der M. iliopsoas besteht aus zwei Anteilen: dem M. iliacus und dem M. psoas major. Sie vereinigen sich und ziehen unter dem Leistenband hindurch zum Oberschenkelknochen. Der ebenfalls sichtbare M. psoas minor strahlt in die Faszie des M. iliopsoas ein – er hat beim Menschen nur geringe Bedeutung. Der M. pectineus ist neben seiner Funktion als Hüftbeuger auch Adduktor.

Abb. 7.41

Äußere (d. h. an der äußeren Beckenwand entspringende) HüftmuskulaturHüftmuskulatur:äußere. Blick von der Seite auf die Hüfte. Der M. glutaeus maximus ist entfernt. Darunter wird der breit ansetzende M. glutaeus medius sichtbar.

Abb. 7.42

HüftHüftmuskulatur:Ansichten- und BeinmuskulaturBeinmuskulatur, links Ansicht von lateral, rechts Ansicht von medial.

Abb. 7.43

Adduktoren des OberschenkelsOberschenkel:Adduktoren. Links die oberflächliche, rechts die tiefere Schicht. Der M. obturatorius externus, ein Außenrotator des Hüftgelenks, liegt unter dem M. adductor brevis und ist deshalb nicht sichtbar.

Abb. 7.44

BeinskelettKnöcherner Aufbau der unteren Extremität von der Seite mit Längsschnitt durch das Kniegelenk. Oberschenkelknochen (Femur) und Schienbein (Tibia) haben keinen direkten Kontakt miteinander, da zwei knorpelige Strukturen, die Menisken, zwischengeschaltet sind.

Abb. 7.45

Rechter Oberschenkelknochen, rechterOberschenkelknochen (Femur).

Abb. 7.46

Rechtes KniegelenkKniegelenk:rechtes. Links in der Ansicht von vorne in Beugestellung (so sind die beiden Kreuzbänder am besten darzustellen). Rechts von hinten gesehen und in Streckstellung.

Abb. 7.47

Blick auf das eröffnete rechte Kniegelenk von oben.

Abb. 7.48

Schienbein (Tibia) und Wadenbein (Fibula) in der Ansicht von vorne.

Abb. 7.49

Querschnitt des proximalen (oberen) UnterschenkelsUnterschenkel:proximaler, Querschnitt.

Abb. 7.50

UnterschenkelmuskulaturUnterschenkelmuskulatur:von vorne von vorn.

Abb. 7.51

[E460]

UnterschenkelmuskulaturUnterschenkelmuskulatur:Körperoberfläche, Projektion in der Projektion auf die Körperoberfläche.

Abb. 7.52

FußskelettFußskelett von oben und von medial. Der Pfeil zeigt das Längsgewölbe des gesunden Fußes.

Abb. 7.53

Die drei Muskelgruppen der Fußsohle, MuskelgruppenFußsohle.

Abb. 7.54

Oben gesundes FußgewölbeFußgewölbe:oberes, gesundes in der Seitenansicht mit typischem Fußabdruck. Unten links ein PlattfußPlattfußPlattfuß mit Abflachung des Längsgewölbes (ist das Quergewölbe abgeflacht, spricht man von einem Spreizfuß). Unten rechts ein HohlfußHohlfußHohlfuß mit überhöhtem Längsgewölbe.

Abb. 7.55

[E457]

Links Säugling mit angeborenem Klumpfuß, RöntgenbildKlumpfuß, rechts ein Röntgenbild.

Übersicht über die SchädelknochenSchädelknochen (Abb. 7.5, Abb. 7.6).Untere Nasenmuschel

Tab. 7.1
Knochen Kurzcharakteristik
Hirnschädel
Stirnbein (Os frontale)
  • Bildet die vordere obere Schädelkalotte inkl. Stirn, das Dach der Augenhöhle und den Großteil der vorderen Schädelgrube

  • Enthält die Stirnhöhlen (16.1.3) als lufthaltige Räume

Scheitelbeine (Ossa parietalia)
  • Bilden hinten oben und seitlich den größten Teil der Schädelkalotte

Schläfenbeine (Ossa temporalia)
  • Liegen seitlich hinten am Kopf, beteiligt an Schädelbasis und -kalotte. Die Felsenbeine sind pyramidenförmige, in die Schädelhöhle (nach oben) vorspringende Teile der Schläfenbeine

  • Sind vorne mit je einem Fortsatz an der Bildung der Jochbögen („Wangenknochen“) beteiligt

  • Beherbergen Gehörgänge, Mittel- und Innenohr (in den Felsenbeinen)

  • Tragen unten die hinter den Ohren tastbaren Warzenfortsätze (Processus mastoidei) mit den Warzenfortsatzzellen (10.7.2)

  • Formen die Kiefergelenkpfannen

Hinterhauptsbein (Os occipitale)
  • Bildet den hinteren Teil der Schädelkalotte und fast die ganze hintere Schädelgrube

  • Umfasst das Foramen magnum (großes Hinterhauptloch), durch das das Rückenmark und die Aa. vertebrales ziehen

  • Hat im unteren Bereich den gut von außen tastbaren äußeren Hinterhaupthöcker

  • Hat unten eine Gelenkfläche für den ersten Halswirbel (Atlas, 7.3.3)

Keilbein (Os sphenoidale)
  • Fledermausförmiger Knochen in der Mitte des Schädels

  • Enthält die luftgefüllte Keilbeinhöhle (16.1.3)

  • Formt einen kleinen Teil der Schädelaußenseite, die hintere Augenhöhlenwand, den Türkensattel (Sella turcica, für die Hypophyse) und Teile der mittleren Schädelgrube und lässt u. a. die Nn. optici (Sehnerven) von der Augen- in die Schädelhöhle durchtreten

Siebbein (Os ethmoidale)
  • Kleiner Knochen zwischen den beiden Augenhöhlen

  • Enthält die lufthaltigen Siebbeinzellen (16.1.3)

  • Ist mit seinem unteren senkrechten Teil an der Nasenscheidewand und oben mit der Siebbeinplatte (durch die der N. olfactorius = Riechnerv zieht) am Nasendach beteiligt

  • Formiert die beiden oberen und mittleren Nasenmuscheln an der seitlichen Nasenwand

Gesichtsschädel
Nasenbein (Os nasale)
  • Kleiner Knochen, der den oberen Teil des Nasenrückens bildet

Oberkiefer (Os maxillare, Maxilla)
  • In der Mitte des Gesichts

  • Beteiligt an Boden und vorderem mittlerem Rand der Augenhöhlen

  • Umfasst die Nasenöffnung und enthält die luftgefüllten Kieferhöhlen (16.1.3)

  • Bildet den vorderen Teil des harten Gaumens und trägt die obere Zahnreihe

Jochbeine (Ossa zygomatica)
  • Sind an der seitlichen und unteren Augenhöhlenwand beteiligt

  • Bilden hinten mit je einem Fortsatz zusammen mit den Schläfenbeinen die Jochbögen

Unterkiefer (Os mandibulare, Mandibula)
  • Gebogener, einziger beweglicher Schädelknochen (über das Kiefergelenk)

  • Trägt die untere Zahnreihe

  • Hat an den aufsteigenden Seitenästen jeweils den Gelenkkopf des Kiefergelenks

  • Bildet in der Mitte unten das Kinn

Tränenbeine (Ossa lacrimalia)
  • Kleine, dünne Knochen an der Außenseite der Nasenwand und der Innenseite der Augenhöhlen

Gaumenbeine (Ossa palatina)
  • L-förmige Knochen, welche den hinteren Teil des harten Gaumens und der Nasenseitenwände ausmachen

Untere Nasenmuscheln (Conchae nasales inferiores)
  • Kleine Knochen seitlich an der Nase, die lediglich die (namengebenden) unteren Nasenmuscheln bilden

Pflugscharbein (Vomer)
  • An der unteren Nasenscheidewand beteiligt

Der Bewegungsapparat

Lernzielübersicht

Die menschliche Gestalt

  • Die BewegungsapparatBewegungsapparaterheblichen Differenzen in Körpergröße, -bau und -gestalt zwischen den Menschen sind weitgehend genetisch bedingt.

  • Das Skelett ist in Schädel, Schultergürtel, Arme, Wirbelsäule, Brustkorb, Becken(gürtel) und Beine gegliedert.

  • Das Skelett und die zahlreichen daran ansetzenden Muskeln machen den menschlichen Körper stabil und gleichzeitig beweglich.

Die Regionen des Kopfes

  • Der Schädel setzt sich aus Hirn- und Gesichtsschädel zusammen. Beide bestehen aus vielen einzelnen Knochen.

  • Im Bereich des Hirnschädels sind die Knochen durch Schädelnähte verbunden.

  • Beim Neugeborenen gibt es noch weite Öffnungen zwischen den Hirnschädelknochen, die Fontanellen.

  • Die untere Seite des Hirnschädels wird als Schädelbasis bezeichnet.

  • Im Bereich des Gesichtsschädels setzen zahlreiche Muskeln für Mimik und Kaubewegungen an.

Der Körperstamm

  • Hals, Wirbelsäule und Brustkorb gehören zum Körperstamm.

  • Die Wirbelsäule besteht aus sieben Hals-, zwölf Brust- und fünf Lendenwirbeln, gefolgt von Kreuzbein und Steißbein. Sie besitzt eine charakteristische doppelt S-förmige Krümmung, die sich in der frühen Kindheit entwickelt.

  • Die zwischen den Wirbeln befindlichen Bandscheiben puffern Belastungen ab.

  • An den einzelnen Wirbeln setzen Muskeln an, die in ihrer Gesamtheit die autochthone Rückenmuskulatur bilden. Sie stabilisieren und bewegen die Wirbelsäule.

  • Die ersten beiden Halswirbel (Atlas und Axis) sind besonders geformt, um die große Kopfbeweglichkeit zu ermöglichen.

  • Im Bereich der Brustwirbel finden sich zwölf bogenförmige Rippenpaare, die vorn miteinander verbunden sind. Zwischen den Rippen sitzen kleine Muskeln, die der Atembewegung dienen.

  • Die Bauchwand wird durch mächtige Muskelpakete abgedeckt. Im Bereich der Leiste liegt der Leistenkanal, durch den beim Mann der Samenstrang läuft.

Der Schultergürtel

  • Der Schultergürtel aus Schlüsselbein und Schulterblatt verbindet den Arm mit dem Körperstamm.

  • Viele Muskeln zur Bewegung des Oberarmknochens (Humerus) entspringen am Schulterblatt.

Die obere Extremität

  • Die obere Extremität dient als fein differenziertes Greif- und Tastorgan.

  • Der Oberarmknochen ist der längste und größte Knochen der oberen Extremität.

  • Der Unterarm hat zwei Knochen, Elle und Speiche (Ulna bzw. Radius). Auch sie sind dicht von Muskulatur umgeben und bilden den Ursprung für Muskeln zur Bewegung der Handknochen.

  • Die Hand besteht aus der Handwurzel mit acht Handwurzelknochen; daran setzen die Mittelhandknochen und schließlich die Fingerglieder an. Die Hand wird von zahlreichen Muskeln versorgt, die ihr eine fein abgestimmte Beweglichkeit ermöglichen.

Das Becken

  • Das Becken steht in direktem Kontakt zur Lendenwirbelsäule; es verbindet diese mit den Beinen.

  • Der Beckenring besteht vorne und seitlich aus je einem Darmbein, Sitzbein und Schambein sowie dem Kreuzbein als Rückwand.

  • Anteile von Darm-, Sitz- und Schambein bilden die Hüftgelenkpfanne für den Oberschenkelknochen (Femur), den größten Knochen des Menschen.

  • Vom Becken entspringen auch die mächtigen Muskeln zur Bewegung des Oberschenkels.

  • Das Beckeninnere wird in großes und kleines Becken unterteilt.

  • Das kleine Becken beherbergt die inneren Geschlechtsorgane und den Mastdarm.

  • Der Beckenboden stellt eine Platte aus Muskeln und Bändern dar, durch den Mastdarm, Harnröhre und Scheide nach außen münden.

Die untere Extremität

  • Der Oberschenkelknochen ist durch zahlreiche, teils kräftige Muskeln mit dem Becken verbunden.

  • Auch der Unterschenkel besitzt zwei Knochen: Schien- und Wadenbein (Tibia bzw. Fibula).

  • Am Kniegelenk beteiligen sich Oberschenkelknochen, Schienbein und Kniescheibe. Eine Besonderheit sind die Menisken, die das Kniegelenk unvollständig unterteilen. Innen wird das Kniegelenk durch die Kreuzbänder zusammengehalten.

  • An den Unterschenkel schließt sich der Fuß an, die gelenkige Verbindung heißt oberes Sprunggelenk.

  • Die weiteren Abschnitte sind die Fußwurzel, der Mittelfuß und die Zehen.

  • Durch straffe Verbindungen bekommt der Fuß auf der Standfläche eine typisch gewölbte Struktur (Fußgewölbe).

Die menschliche Gestalt

Schon auf den ersten Blick erkennen wir große Unterschiede in Körpergröße, -bau und -gestalt unserer Mitmenschen.
Diese Merkmale sind im Wesentlichen genetisch festgelegt, gelangen aber erst im Laufe der ca. 20-jährigen Wachstumsperiode zur Ausprägung (Details zu Körperwachstum und -proportionen 21.3.1).
Allerdings spielen auch Umweltfaktoren eine gewisse Rolle – bei Unter- oder Fehlernährung beispielsweise wird die genetische „Soll-Gestalt, menschlicheGestalt“ nicht erreicht.

Das Skelett

SkelettDas Skelett (Abb. 7.1) des Erwachsenen besteht aus über 200 Knochen, das eines Kindes sogar aus über 300 Knochen, da einige Knochen wie etwa das Hüftbein erst im Laufe des Wachstums miteinander verschmelzen.
Zusammen mit den Muskeln, Sehnen und Bändern gibt das Skelett dem Körper seine Stabilität und ermöglicht zugleich seine Beweglichkeit.
Das SkelettSkelett:Knochengruppen lässt sich in verschiedene KnochengruppenKnochengruppen einteilen:
  • Den Schädel (CraniumCranium)

  • Die WirbelsäuleWirbelsäuleWirbelsäule (Columna vertebralis)

  • Den knöchernen Brustkorb (Thorax)

  • Den SchultergürtelSchultergürtelSchulter- und den BeckengürtelBeckengürtel

  • Obere Extremitäten (Arme) und untere Extremität(en)Extremitäten (Beine).

Das weibliche und männliche Skelett
Im Vergleich zum weiblichen enthält das männliche Skelett längere und schwerere Knochen. Diese haben größere Aufrauungen und Knochenvorsprünge, da dort auch größere Muskeln ansetzen. Als weiteres charakteristisches Merkmal besitzt die Frau ein anders geformtes, vor allem breiteres Becken als der Mann (Details 7.6.1).

Die Skelettmuskulatur – eine Übersicht

Die über 600 Skelettmuskeln ermöglichen durch ihre Kontraktionen sämtliche Bewegungen des Körpers. Die großen Übersichtsabbildungen auf dieser und der nächsten Seite zeigen die oberflächliche Skelettmuskulatur in der Vorder- und Rückenansicht (Abb. 7.2, Abb. 7.3).

Die Regionen des Kopfes

Der Hirn- und Gesichtsschädel

Der Kopf:RegionSchädelSchädel (Abb. 7.4, Abb. 7.5, Tab. 7.1) sitzt auf der Wirbelsäule und besteht aus zwei Knochengruppen: dem Hirn- und dem Gesichtsschädel.
Der Hirnschädel
Zum HirnschädelHirnschädelHirnschädel (NeurocraniumNeurocranium) werden meist gezählt:
  • Das StirnbeinStirnbeinStirnbein (Os Os(-sa):frontaleOs(-sa):frontalefrontale)

  • Das paarige ScheitelbeinScheitelbeinScheitelbein (Os Os(-sa):parietaleOs(-sa):parietaleparietale)

  • Das paarige SchläfenbeinSchläfenbeinSchläfenbein (Os Os(-sa):temporaleOs(-sa):temporaletemporale)

  • Das HinterhauptsbeinHinterhauptsbeinHinterhauptbein (Os Os(-sa):occipitaleOs(-sa):occipitaleoccipitale)

  • Das KeilbeinKeilbeinKeilbeinKeilbein (Os Os(-sa):sphenoidaleOs(-sa):sphenoidalesphenoidale)

  • Das SiebbeinSiebbeinSiebbein (Os Os(-sa):ethmoidaleOs(-sa):ethmoidaleethmoidale).

Der Gesichtsschädel
Zum GesichtsschädelGesichtsschädelGesichtsschädel (ViscerocraniumViscerocranium) werden üblicherweise gerechnet:
  • Das NasenbeinNasenbeinNasenbein (Os Os(-sa):nasaleOs(-sa):nasalenasale)

  • Der OberkieferOberkieferOberkiefer (Os Os(-sa):maxillareOs(-sa):maxillaremaxillare, MaxillaMaxillaMaxilla)

  • Das paarige JochbeinJochbeinJochbein (Os Os(-sa):zygomaticumOs(-sa):zygomaticumzygomaticum)

  • Der UnterkieferUnterkieferUnterkiefer (Os Os(-sa):mandibulareOs(-sa):mandibularemandibulare, MandibulaMandibulaMandibula)

  • Das paarige TränenbeinTränenbeinTränenbein (Os Os(-sa):lacrimaleOs(-sa):lacrimalelacrimale)

  • Das paarige GaumenbeinGaumenbeinGaumenbein (Os Os(-sa):palatinumOs(-sa):palatinumpalatinum)

  • Die paarige untere NasenmuschelnNasenmuschelnNasenmuschel (Concha Concha nasalisConcha nasalisnasalis inferior)

  • Das PflugscharbeinPflugscharbeinPflugscharbein (VomerVomerVomer).

Die Schädelbasis und Schädelkalotte
Die acht Knochen des Hirnschädels umschließen die längsovale Schädelhöhle, die das Gehirn enthält. Das Gehirn ruht auf der knöchernen SchädelbasisSchädelbasisSchädelbasis (Schädelgrundplatte Abb. 7.6) und wird von der Schädelkalotte (Schädeldach) kapselartig umgeben. So ist das Gehirn allseits geschützt, kann sich allerdings kaum ausdehnen.
Im Bereich der SchädelkalotteSchädelkalotte sind die Knochen platt und schollenartig geformt und über die Schädelnähte (Abb. 7.4, Abb. 7.5) verbunden. An der Schädelbasis sind die Knochen zum Teil bizarr geformt und mit Hohlräumen ausgestattet. Dort finden sich auch viele Löcher und Furchen, die Gefäße und Nerven aus dem Schädelinneren zum Körper bzw. umgekehrt durchtreten lassen.

Die Schädelnähte und Fontanellen beim Säugling

Die Schädelnähte
Beim Neugeborenen ist der Kopf und hierbei insbesondere der Hirnschädel im Vergleich viel größer als beim Erwachsenen (21.3.1). Der Hirnschädel des Neugeborenen besteht aus schollenartigen Knochenplatten, die über die desmale Ossifikation aus Bindegewebe entstanden sind (6.1.3) und (noch) nicht aneinanderstoßen.SchädelnähteSchädelnähte
Die Spalträume dazwischen, Schädelnähte (SuturaeSuturae) genannt, sind zum Zeitpunkt der Geburt durch Bindegewebe verschlossen, die Knochenplatten lassen sich also noch gegeneinander verschieben. Dies erleichtert den Durchtritt durch den Geburtskanal und ermöglicht das weitere Hirnwachstum nach der Geburt (Abb. 7.4, Abb. 7.5).
  • Die StirnnahtStirnnaht (Sutura frontalis) trennt die beiden Stirnbeinhälften voneinander

  • Die KranznahtKranznaht (Sutura coronalis) grenzt das Stirnbein von den beiden Scheitelbeinen ab

  • Die von vorn nach hinten ziehende PfeilnahtPfeilnaht (Sutura sagittalis) liegt zwischen den beiden Scheitelbeinen, etwa unterhalb eines gedachten Mittelscheitels

  • Die LambdanahtLambdanaht (Sutura lambdoidea) ist die Grenze zwischen Scheitelbeinen und Hinterhauptbein

  • Die SchuppennahtSchuppennaht (Sutura squamosa) liegt zwischen Schläfen- und Scheitelbein.

Pädiatrie

Bis auf die Stirnnaht verknöchern die Schädelnähte erst nach Abschluss des Wachstums. Bei einer vorzeitigen Verknöcherung können Verformungen des Schädels die Folge sein, so z. B. ein Turmschädel bei zu frühem Schluss der Kranznaht.

Die Fontanellen
Bei der Geburt klaffen in den Bereichen, in denen drei oder mehr Knochenplatten aneinanderstoßen, relativ weite Lücken. Diese weichen, bindegewebig überbrückten Stellen heißen FontanellenFontanellen (FonticulusFonticuli, Abb. 7.4). Sie sind gut durch die Haut tastbar und haben eine charakteristische Form. Dadurch ermöglichen sie dem Geburtshelfer unter der Geburt eine gute Orientierung über die Lage des kindlichen Kopfes im mütterlichen Becken.
  • Die rautenförmige StirnfontanelleStirnfontanelle (große Fontanelle, Fonticulus anterior) befindet sich als größte Fontanelle zwischen den Scheitelbeinen und den Stirnbeinhälften. Sie kann bis in das zweite Lebensjahr hinein offen bleiben

  • Die HinterhauptsfontanelleHinterhauptfontanelle (Fonticulus posterior) befindet sich am Hinterkopf zwischen dem Hinterhauptbein und den hinteren Winkeln der Scheitelbeine. Sie ist dreieckig und wird oft auch kleine Fontanelle genannt. Sie schließt sich in der Regel schon im zweiten Lebensmonat

  • Zu den Seitenfontanellen zählen die vordere SeitenfontanelleSeitenfontanelle (KeilbeinfontanelleKeilbeinfontanelle, Fonticulus sphenoidalis) beidseits zwischen Stirn-, Scheitel- und Keilbein sowie die hintere Seitenfontanelle (WarzenfontanelleWarzenfontanelle, Fonticulus mastoideus) zwischen Scheitel-, Schläfen- und Hinterhauptbein. Auch sie schließen sich bereits beim jungen Säugling.

Pflege von Kindern

Bei der Beobachtung des Säuglings gibt die große Fontanelle wichtige Hinweise: Normalerweise liegt sie im Hautniveau und bei aufgelegtem Finger ist der Pulsschlag zu spüren. Hat der kleine Organismus zu wenig Flüssigkeit, z. B. durch Wasserverlust bei Fieber oder Durchfall, so ist die Fontanelle eingefallen. Eine gespannte Fontanelle kann auf einen erhöhten Hirndruck hinweisen, z. B. bei Meningitis (Hirnhautentzündung).

Die Schädelbasis

Die innere Schädelbasis enthält von vorn nach hinten treppenförmig abfallend drei SchädelgrubenSchädelgruben, die die verschiedenen Lappen des Gehirns aufnehmen (Abb. 7.6).
Die vordere Schädelgrube liegt am höchsten – oberhalb der Augenhöhlen – und wird von Teilen des Stirnbeins, des Siebbeins und den kleinen Keilbeinflügeln gebildet. Hier liegen Teile des Riechhirns und die Stirnlappen des Großhirns.
Die mittlere Schädelgrube trägt die Schläfenlappen des Gehirns. Sie wird vom Keilbein und von den Felsenbeinen, den inneren Anteilen der Schläfenbeine, gebildet. Der Keilbeinkörper nimmt in der Mitte eine besondere Form an, die an einen türkischen Pferdesattel erinnert; aus diesem Grunde wird er Türkensattel (Sella turcica) genannt. In einer knöchernen Vertiefung liegt hier gut geschützt die HypophyseHypophyse (HirnanhangdrüseHirnanhangsdrüse), eine wichtige Hormondrüse (Abb. 11.6).
Die hintere Schädelgrube wird vorne aus den Rückseiten des Türkensattels (Dorsum sellae) und den Felsenbeinpyramiden und hinten aus dem Hinterhauptbein mit dem Foramen magnum (großes Hinterhauptloch) gebildet. Dieser Grube liegt das Kleinhirn auf.

Die mimische Muskulatur

Die Mimische Muskulaturmimische Muskulatur:mimischeMuskulatur:mimischeMuskulatur (GesichtsmuskulaturGesichtsmuskulatur Abb. 7.7) ermöglicht uns, Gefühlsregungen wie Staunen und Entsetzen, Freude oder Trauer auszudrücken. Die meisten dieser Muskeln nehmen eine Sonderstellung unter den Körpermuskeln ein, da sie nicht über Gelenke hinwegziehen, sondern direkt an der Gesichtshaut ansetzen. Sie bewegen deshalb Gesichtshautpartien und lassen Falten, Runzeln und Grübchen entstehen, wodurch sie dem Gesicht seinen Reichtum an Ausdrucksmöglichkeiten verleihen.
Wichtige mimische Muskeln sind:
  • Der M. Musculus(-i):frontalisfrontalis (Stirnmuskel)Stirnmuskel, der von den Augenbrauen schräg nach oben zieht, die Stirn runzelt, die Augenbrauen hebt und die Kopfhaut verschiebt

  • Der M. orbicularis Musculus(-i):orbicularisoculi (AugenringmuskelAugenringmuskel), der kreisförmig um die Augen verläuft und die Augen schließt

  • Der M. orbicularis oris (MundringmuskelRingmuskel des Mundes), der einen Ring um den Mund bildet, den Mund schließt und die Lippen zusammenpresst

  • Der M. Musculus(-i):zygomaticuszygomaticus (JochbeinmuskelJochbeinmuskel) vom Mundwinkel zum Jochbein, der die Mundwinkel nach oben seitlich zum Lächeln hebt

  • Der M. Musculus(-i):buccinatorbuccinator (WangenmuskelWangenmuskel), der die muskuläre Grundlage der Wange bildet und den Mundhöhlenvorhof verkleinert

  • Der M. Musculus(-i):risoriusrisorius (LachmuskelLachmuskel), der die „Lachgrübchen“ entstehen lässt, indem er die Mundwinkel zur Seite zieht.

Platysma (Halshautmuskel) 7.3.1

Die Kaumuskulatur

Die KaumuskulaturKaumuskulatur bewegt den Unterkiefer. Die Kaumuskulatur ermöglicht das Beißen, Kauen und Zermahlen der Nahrung und beteiligt sich außerdem an der Lautbildung und am Sprechen.
Beim Kauen spielen Bewegungen in drei verschiedene Richtungen eine Rolle:
  • Öffnen und Schließen des Mundes

  • Seitverschieben und Zurückziehen des Mundes

  • Kreisförmige Mahlbewegungen des Unterkiefers.

Vier am Unterkiefer ansetzende Muskeln sind im Wesentlichen für diese Bewegungen im Kiefergelenk verantwortlich (Abb. 7.8):
  • Der M. Musculus(-i):temporalistemporalis (SchläfenmuskelSchläfenmuskel) zieht vom Schläfenbein hinab zum Unterkiefer

  • Der M. Musculus(-i):massetermasseter (Kaumuskel) entspringt am Jochbogen und setzt am Unterkieferwinkel an

  • Die Mm. Musculus(-i):pterygoideipterygoidei (FlügelmuskelnFlügelmuskeln) ziehen vom Keilbein zum Unterkieferwinkel, wobei aufgrund der verschiedenen Ansatzpunkte am Unterkiefer der M. pterygoideus lateralis (seitlicher Flügelmuskel) zur Kieferöffnung und der M. pterygoideus medialis (mittlerer Flügelmuskel) zum Kieferschluss beiträgt.

Zusätzlich beteiligen sich auch die Wangen-, Mundboden-, Lippen-, Zungenbein- und Zungenmuskeln am Kauvorgang.
Obere Zungenbeinmuskeln 7.3.1

Der Körperstamm

Kopf 7.2

Der Hals

Die knöchernen Strukturen
KörperstammDer HalsHals als Verbindungsabschnitt zwischen Kopf und Schultergürtel enthält als knöcherne Strukturen in seinem hinteren Teil die Halswirbelsäule mit sieben Halswirbeln (7.3.2) und vorne oben das hufeisenförmige ZungenbeinZungenbeinZungenbein (Os(-sa):hyoideumOs(-sa):hyoideumOs hyoideum Abb. 7.9, Abb. 16.4, Abb. 16.5). Die Lage des Zungenbeins ist von außen durch eine quere Falte am Hals sichtbar. Unter dem Zungenbein befindet sich der aus mehreren gegeneinander beweglichen Knorpeln bestehende, gut tastbare KehlkopfKehlkopf. Zungenbein und Kehlkopf bewegen sich beim Schlucken nach oben.
Die Halsmuskulatur
Die feingliedrige HalsmuskulaturHalsmuskulatur kann in zwei Gruppen eingeteilt werden, die durch die großen Halsleitungsbahnen (Speise- und Luftröhre) getrennt sind.
Zu den vorderen Halsmuskeln (Abb. 7.9) gehören:
  • Das Platysma (Halshautmuskel), ein großer flächiger Muskel, der seiner Funktion nach noch der mimischen Muskulatur zuzurechnen ist

  • Der M. Musculus(-i):sternocleidomastoideussternocleidomastoideus (KopfwenderKopfwender), der den Brustkorb mit dem Kopf verbindet. Bei einseitiger Kontraktion neigt er den Kopf zur gleichen und dreht ihn zur Gegenseite, bei beidseitiger kippt er den Kopf nach hinten

  • Die oberen ZungenbeinmuskelnZungenbeinmuskeln (Suprahyale Muskelnsuprahyalen Muskeln), die von Schädelbasis oder Unterkiefer zum Zungenbein ziehen. Da sie durch Hirnnerven versorgt werden, gehören sie eigentlich zu den Kopfmuskeln. Die oberen Zungenbeinmuskeln bilden den MundbodenMundboden mit, d. h., sie verschließen die Mundhöhle nach unten hin. Bei fixiertem Unterkiefer ziehen sie außerdem das Zungenbein nach oben bzw. bei fixiertem Zungenbein den Unterkiefer nach unten und unterstützen die Mundöffnung, Kau- und Schluckbewegungen.

    Zu den oberen Zungenbeinmuskeln zählen M. Musculus(-i):digastricusdigastricus (zweibäuchiger Muskel), M. stylohyoideus (Griffelfortsatz-Zungenbein-MuskelGriffelfortsatz-Zungenbein-Muskel)Musculus(-i):stylohyoideus, M. mylohyoideus (Unterkiefer-Zungenbein-MuskelUnterkiefer-Zungenbein-Muskel)Musculus(-i):mylohyoideus und M. geniohyoideus (Kinn-Zungenbein-MuskelKinn-Zungenbein-Muskel)Musculus(-i):geniohyoideus

  • Die Gruppe der unteren Zungenbeinmuskeln (Rectus-Gruppe; rectus = gerade). Sie verlaufen vom Zungenbein abwärts zu Kehlkopf, Brustbein oder Schulterblatt. Entsprechend bewegen die unteren Zungenbeinmuskeln das Zungenbein nach unten und sind v. a. für Schlucken und Lautbildung bedeutsam.

    Zu den unteren Zungenbeinmuskeln gehören der M. sternohyoideus (Brustbein-Zungenbein-Muskel)Musculus(-i):sternohyoideus, der M. sternothyroideus (Brustbein-Schildknorpel-Muskel)Musculus(-i):sternothyroideus, der M. thyrohyoideus (Schildknorpel-Zungenbein-Muskel)Musculus(-i):thyrohyoideus und der M. Musculus(-i):omohyoideusomohyoideus (Schulterblatt-Zungenbein-Muskel).

Hinter Luft- und Speiseröhre liegen die hinteren Halsmuskeln.
Zu den hinteren Halsmuskeln gehören die TreppenmuskelnTreppenmuskelnTreppenmuskeln (Mm. scaleni) bestehend aus M. scalenus anterior, medius und posterior (vorderer, mittlerer und hinterer Treppenmuskel) seitlich am Hals. Sie unterstützen die Einatmung, indem sie die ersten Rippen anheben. Außerdem wirken sie bei der Beugung und Seitwärtsdrehung der Halswirbelsäule mit. In ihrem gesamten Verlauf von den Querfortsätzen der sieben Halswirbel bis zur ersten und zweiten Rippe überziehen sie zeltförmig einen Teil des oben offenen knöchernen Thorax.
Zu den hinteren Halsmuskeln rechnen außerdem die tiefen oder prävertebralen Halsmuskeln, welche unmittelbar vor der Wirbelsäule liegen. Sie unterstützen bei einseitiger Kontraktion die Seitwärtsbewegung und bei beidseitiger die Vorbeugung des Kopfes (Abb. 7.9).
Die tiefen Nackenmuskeln
Die tiefen (oder kurzen) NackenmuskelnNackenmuskeln verlaufen hinter der Wirbelsäule zwischen dem ersten oder zweiten Halswirbel und dem Hinterhauptbein (Abb. 7.15).
Sie zählen zur autochthonen Rückenmuskulatur (7.3.4) und wirken sowohl bei der Kopfhaltung als auch bei verschiedenen Kopfbewegungen (Seitneigung, Drehung, Nicken des Kopfes) mit.

Die Wirbelsäule – eine Übersicht

Die Wirbelsäule (Columna Columna(-ae):vertebralisvertebralis) bildet die große Längsachse unseres Skeletts. Sie besteht aus 24 segmentförmigen Knochen, den WirbelWirbelWirbeln (Vertebra(-ae)Vertebrae), sowie dem Kreuzbein und dem Steißbein.
Die Wirbelsäule umschließt und schützt das Rückenmark, welches durch die Wirbellöcher nach unten zieht. Sie trägt den Kopf und dient der Anheftung der Rippen und der Rückenmuskulatur.
Die Wirbel sind gegeneinander beweglich und erlauben dadurch Bewegungen nach vorn, hinten, links, rechts und um die Längsachse. Diese Beweglichkeit wird von den Bandscheiben (7.3.3) unterstützt, die außerdem zusammen mit vielen Bändern und Muskeln die Wirbelsäule stabilisieren.
Zwischen den Wirbeln liegen Öffnungen, die man Zwischenwirbellöcher (Foramina Foramen(-ina):intervertebraliaForamen(-ina):intervertebraliaintervertebralia) nennt. Durch sie treten Nerven hindurch, die vom Rückenmark ausgehen oder zum Rückenmark führen, die Rückenmark- oder Spinalnerven (9.11.2).
Die Wirbelsäule hat fünf Abschnitte (Abb. 7.10):
  • Die Halswirbelsäule (HWS)Halswirbelsäule (HWS)Halswirbelsäule (HWS) mit sieben Halswirbeln (kurz C1–C7, C = Zervix = Hals)

  • Die Brustwirbelsäule (BWS)Brustwirbelsäule (BWS)Brustwirbelsäule (BWS) mit zwölf Brustwirbeln, die mit den Rippen gelenkig verbunden sind (Th1–Th12, Th = Thorax = Brustkorb)

  • Die Lendenwirbelsäule (LWS)Lendenwirbelsäule (LWS)Lendenwirbelsäule (LWS) mit fünf Lendenwirbeln (L1–L5, L = Lumbus = Lende)

  • Das KreuzbeinKreuzbeinKreuzbeinKreuzbein (Os(-sa):sacrumOs(-sa):sacrumOs(-sa):sacrumOs sacrum) – fünf Kreuzbeinwirbel (Sakralwirbel, S1–S5) sind hier zu einem kompakten Knochen verschmolzen

  • Das SteißbeinSteißbeinSteißbeinSteißbein (Os(-sa):coccygisOs(-sa):coccygisOs coccygis) aus etwa vier verkümmerten Steißwirbeln.

Die Krümmungen der Wirbelsäule
Von vorn gesehen ist die gesunde Wirbelsäule nahezu gerade. Betrachtet man die Wirbelsäule des Erwachsenen jedoch von der Seite, so zeigt sie vier leichte Krümmungen (Abb. 7.10):
  • Bei zwei Krümmungen ist der Bogen nach vorn gewölbt; sie heißen LordoseHalslordoseHalslordose und LendenlordoseLendenlordose

  • Bei den anderen beiden weist die Bogenkrümmung nach hinten. Sie werden als KyphoseBrustkyphoseBrustkyphose und SakralkyphoseSakralkyphose bezeichnet.

Diese Krümmungen verleihen der Wirbelsäule eine hohe Stabilität. Die Belastungen, die bei den verschiedenen Bewegungen auftreten, werden dadurch auf alle Wirbel gleichmäßig verteilt.
Die Wirbelsäule beim Säugling und Kleinkind
Die Krümmungen der Wirbelsäule sind nicht von Geburt an vorhanden: Beim Säugling ist die gesamte Wirbelsäule leicht bogenförmig nach hinten gekrümmt (kyphosiert). Zuerst entwickelt sich beim älteren Säugling mit zunehmender Fähigkeit, den Kopf zu halten, die Halslordose. Im Krabbelalter flacht die Kyphose ab, und durch die Belastungen beim Stehen und Gehen bildet sich bis etwa zum Ende der Kindergartenzeit die charakteristische Doppel-S-Form der Wirbelsäule aus.
Fehlbelastungen der Wirbelsäule
Durch Fehlbelastungen können sich die Krümmungen der Wirbelsäule krankhaft verstärken: Es kann dann ein Hohlkreuz bei durch Fehlhaltung verstärkter Lendenlordose oder ein Rundrücken („Buckel“) bei stärkerer Brustkyphose entstehen. Solche Fehlhaltungen begünstigen das Auftreten von chronischen Rückenschmerzen, vor allem im LWS-Bereich.

Prävention

Rückenschmerzen Rückenschmerz, PräventionRückenschmerz, Präventionsind in unserer Gesellschaft weitverbreitet: Während Kinder bis zum Ende des Grundschulalters selten Rückenschmerzen haben, steigt deren Häufigkeit ab der Pubertät stetig an. Ab einem Alter von etwa 30 Jahren bei Frauen und 40 Jahren bei Männern geben 30 % oder mehr an, über mindestens drei Monate fast täglich Rückenschmerzen zu haben.

Vorbeugend ist vor allem eines wichtig: Bewegung, möglichst täglich und möglichst vielseitig. Für Kinder bedeutet dies z. B. Fußballspielen draußen statt am PC, Laufen, Springen und Klettern in der realen statt der virtuellen Welt, Kräftemessen mit echten Freunden im Sportverein statt in sozialen Netzwerken. Erwachsene sollten möglichst oft auf das Auto verzichten und Rad fahren oder zu Fuß gehen (z. B. auch die Kinder mit dem Rad zur Schule begleiten), dazu v. a. bei bewegungsarmer Berufstätigkeit Ausgleichssport treiben.

Hinzu kommt richtiges Hebe- und Trageverhalten: Lasten nicht in Rundrückenhaltung, sondern körpernah, symmetrisch und mit geradem Rücken heben und tragen (nicht hinunterbeugen, sondern ggf. in die Knie gehen). Zum anderen hat sich eine starke Rücken- und Bauchmuskulatur als ganz wesentlich erwiesen – entsprechende Übungen werden zusammen mit Dehnübungen zum Erhalt der Beweglichkeit in sog. RückenschuleRückenschulen vermittelt.

Diese Grundsätze gelten auch für Pflegende, deren Wirbelsäule durch das Heben der Patienten stark beansprucht wird. Mithilfe der KinaestheticsKinaesthetics® können Pflegende außerdem Patienten in ihren Bewegungsabläufen ohne Heben und Tragen unterstützen und ihnen helfen, eigene Bewegungsressourcen selbstständig einzusetzen.

Die Wirbel
Die Wirbel haben vom dritten Hals- bis zum fünften Lendenwirbel einen einheitlichen Aufbau, auch wenn sie sich in den einzelnen Wirbelsäulenabschnitten in Größe und Form unterscheiden (Abb. 7.11). Diese unterschiedlichen Formen spiegeln die funktionellen Anforderungen wider: Die Halswirbel sind zierlich und hoch beweglich, die Brustwirbel haben spezielle Gelenkflächen für die Rippen und die Lendenwirbel sind sehr stabil gebaut, da sie die größte Last tragen.
Der WirbelkörperWirbelkörper (Corpus Corpus(-ora):vertebraevertebrae) als dicke, rundliche, sehr belastbare „Knochenscheibe“ bildet den Gewicht tragenden Teil der Wirbelsäule. Da alle Wirbelkörper übereinanderliegen, sind sie für die charakteristische Säulenform unserer Körperachse verantwortlich.
An der Hinterfläche des Wirbelkörpers setzt eine Knochenspange an, der WirbelbogenWirbelbogen (Arcus Arcus:vertebraevertebrae). Er umgibt das WirbellochWirbelloch (Foramen Foramen(-ina):vertebralevertebrale). Alle Wirbellöcher zusammen bilden den WirbelkanalWirbelkanal (SpinalkanalSpinalkanal, Canalis vertebralis), durch den das Rückenmark vom Foramen Foramen(-ina):magnummagnum (großes HinterhauptslochHinterhauptloch) nach unten zieht.
Vom Wirbelbogen gehen zum einen drei Knochenfortsätze aus, an denen Muskeln entspringen und ansetzen: der nach hinten unten zeigende DornfortsatzDornfortsatz (Processus Processus:spinosusspinosus) und links und rechts je ein QuerfortsatzQuerfortsatz (Processus:transversusProcessus transversus, Abb. 7.11).
Etwa auf Höhe der Querfortsätze entspringen dem Wirbelbogen zum anderen je zwei Gelenkfortsätze nach oben und unten (Processus articularis superior und inferior). Sie verbinden die Wirbel über die paarigen WirbelbogengelenkeWirbelbogengelenke (kleine Wirbelgelenke, Facettengelenke) untereinander. Zwischen den unteren Gelenkfortsätzen und dem zugehörigen Wirbelkörper bleibt immer ein Freiraum, ebenso zwischen oberem GelenkfortsatzGelenkfortsatz und Wirbelkörper. Diese beiden Einschnitte liegen bei benachbarten Wirbeln direkt übereinander und umschließen das jeweilige Zwischenwirbelloch (Foramen intervertebrale Abb. 7.13). Durch die ZwischenwirbellöcherZwischenwirbellöcher verlassen die Spinalnerven den Wirbelkanal.

Die einzelnen Wirbelsäulenabschnitte

Die Halswirbelsäule (HWS)
Wirbelsäule:AbschnitteDie Halswirbelsäule ist der beweglichste Teil der gesamten Wirbelsäule.
Atlas und Axis, also erster und zweiter Halswirbel, haben eine besondere Form und Funktion (Abb. 7.11):
  • Der erste Halswirbel (Atlas) hat anstelle eines Wirbelkörpers die Form eines knöchernen Rings, auf dessen Oberfläche sich zwei Gelenkflächen befinden, denen der knöcherne Schädel mit den entsprechenden Gelenkflächen des Hinterhauptbeines aufsitzt. Dieses obere Kopfgelenk:oberes/unteresKopfgelenk oder Atlanto-Okzipital-Atlanto-Okzipital-GelenkGelenk ermöglicht die Nickbewegung des Kopfes

  • Der zweite Halswirbel, Axis genannt, hat einen kleinen Wirbelkörper mit einem vorne in den Ring des Atlas emporragenden Knochenzapfen. Um diesen Dens Dens axisaxis oder AxiszahnAxiszahn dreht sich der Atlas im unteren Kopfgelenk oder Atlanto-Axial-Gelenk, wodurch Kopfdrehungen ermöglicht werden. Vom Dens durch eine Bindegewebsmembran getrennt verläuft im hinteren, größeren Teil des Atlasrings das Rückenmark; es wird beim klassischen „Genickbruch“ durch den abgebrochenen Dens geschädigt.

Die darunter liegenden Wirbelkörper der Wirbel C3–C7 sind relativ klein im Vergleich zu ihrem Wirbelloch. Die Querfortsätze sind platt und haben im Gegensatz zur restlichen Wirbelsäule je ein Querfortsatzloch (Foramen Foramen(-ina):transversariumtransversarium), durch das hirn- und rückenmarksversorgende Gefäße (A. und V. vertebralis) ziehen (Abb. 7.11, Abb. 9.36).
Die Dornfortsätze von C2 bis C6 sind an ihren Enden meist zweigeteilt. Der siebte Wirbel (C7) wird auch Vertebra Vertebra(-ae):prominensprominens genannt, da sein Dornfortsatz am weitesten nach dorsal vorspringt. Er ist leicht durch die Haut tastbar (Abb. 7.14) und bietet einen guten Anhaltspunkt für den Übergang zwischen Hals- und Brustwirbelsäule.
Die Brustwirbelsäule (BWS)
Die Brustwirbelsäule ist wenig beweglich – die Haltefunktion für den Brustkorb steht im Vordergrund. Die Brustwirbel sind beträchtlich größer und stärker gebaut als die Halswirbel. Das Wirbelloch ist annähernd rund und etwa fingerdick.
Als Besonderheit hat jeder Brustwirbel mehrere Gelenkflächen für die Verbindung mit den Rippen: an den Wirbelkörpern Th2–9 rechts und links je eine obere und untere halbe Gelenkfläche sowie eine weitere an jedem Querfortsatz (Abb. 7.11). Die Wirbelkörper Th1 und 10–12 haben anders lokalisierte bzw. ganze Gelenkflächen für die Rippen, an Th11 und 12 fehlen die Gelenkflächen an den Querfortsätzen.
Die Lendenwirbelsäule (LWS)
In der Lendenwirbelsäule finden sich die größten Wirbel des Menschen. Sie besitzen einen massigen Körper und ein vergleichsweise kleines, annähernd dreieckiges Wirbelloch. Sie sind nicht mehr mit Rippen verbunden, besitzen aber einen RippenfortsatzRippenfortsatz (Processus Processus:costaliscostalis), der entwicklungsgeschichtlich einer verkümmerten Rippe entspricht. Die Dornfortsätze der Lendenwirbel zeigen relativ gerade nach hinten. Der fünfte Lendenwirbelkörper ist keilförmig, ebenso der darunter liegende erste Kreuzbeinwirbel. Sie bilden den markanten Übergang von der Lendenlordose zur Sakralkyphose, das PromontoriumPromontorium.
Das Kreuzbein und Steißbein
Das Kreuzbein (Abb. 7.12) ist ein dreieckiger abgeplatteter Knochen, der aus fünf Wirbeln besteht, die etwa bis zum 25. Lebensjahr miteinander verschmelzen. Das Kreuzbein bildet den hinteren Mittelteil des Beckens und ist mit beiden Hüftknochen über die nahezu unbeweglichen IliosakralgelenkIliosakralgelenke verbunden. Entsprechend den Zwischenwirbellöchern der übrigen Wirbelsäule stehen vier paarige KreuzbeinlöcherKreuzbeinlöcher (Foramen(-ina):sacraliaForamina sacralia) mit dem KreuzbeinkanalKreuzbeinkanal (Canalis:sacralisCanalis sacralis) in Verbindung. Durch sie verlaufen die vorderen und hinteren Sakralnerven, wie die Spinalnerven in diesem Bereich heißen. Der Kreuzbeinkanal ist die Verlängerung des Wirbelkanals und nach unten offen (Hiatus sacralis). An der Hinterfläche des Kreuzbeins befinden sich zudem verkümmerte Dorn- und Rippenfortsätze.
Nach oben ist das Kreuzbein über die beiden Wirbelbogengelenke sowie eine relativ große Wirbelkörperfläche und die Bandscheibe (sog. LumbosakralgelenkLumbosakralgelenkLumbosakralgelenk) mit dem fünften Lendenwirbelkörper verbunden, nach unten über ein weitestgehend unbewegliches Gelenk mit dem Steißbein (Abb. 7.12). Letzteres besteht aus 4–5 Wirbelresten, die bis etwa zum 30. Lebensjahr miteinander verschmelzen.
Die Bandscheiben
Zwischen den Wirbelkörpern der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule sowie zwischen LWK 5 und Kreuzbein liegen die BandscheibenBandscheibenBandscheiben (ZwischenwirbelscheibeZwischenwirbelscheiben, Disci Disci intervertebralesintervertebrales). Durchschnittlich sind die Bandscheiben etwa 5 mm dick (die Dicke nimmt von oben nach unten zu). Sie bestehen aus zwei Schichten Bindegewebe:
  • Einem äußeren Faserring, dem Anulus Anulus fibrosusfibrosus, aus derben kollagenen Fasern und Faserknorpel

  • Einem Gallertkern, dem Nucleus Nucleus(-i):pulposuspulposus. Dieser gleicht wie ein Wasserkissen die Druckunterschiede zwischen zwei Wirbeln aus, wenn diese sich bewegen (Abb. 7.13).

Die Bandscheiben sind verformbar, aber nicht komprimierbar, sie ändern ihr Volumen also nicht. Sie erhöhen die Beweglichkeit der Wirbelsäule, indem sie sich entsprechend mit verformen, und fangen wie ein Stoßdämpfer Stauchungen der Wirbelsäule ab, z. B. beim Springen.
Die Bänder der Wirbelsäule
Stabilisiert wird die WirbelsäuleWirbelsäule:Bänder durch mehrere Bänder: Vorderes und hinteres Längsband (Ligamentum longitudinale anterius und posterius) ziehen vor bzw. hinter den Wirbelkörpern entlang der gesamten Wirbelsäule. Dazu kommen noch kurze Bänder, etwa die ZwischenbogenbänderZwischenbogenbänder (Ligamenta flava) zwischen einzelnen Wirbelbögen und die ZwischendornfortsatzbänderZwischendornfortsatzbänder (Ligamenta interspinalia) zwischen einzelnen Dornfortsätzen.
Die Altersveränderungen der Wirbelsäule
Bereits ab dem 20.–30. Lebensjahr nimmt der Wassergehalt des Nucleus pulposus ab und der Anulus fibrosus bekommt kleine Risse. Dadurch wird die Bandscheibe niedriger und weniger elastisch und kann Stöße nicht mehr so gut abfedern. Außerdem kommt es zu winzigen Bewegungen in den angrenzenden Knochen mit der Folge von knöchernen Veränderungen der benachbarten Wirbelkörper und Wirbelbogengelenke („Randzacken“, „Spangen“).
Der Bandscheibenvorfall
Die genannten Veränderungen können außerdem zu einer Vorwölbung des Nucleus pulposusBandscheibenvorfall führen (Bandscheibenprotusion). Beim Bandscheibenvorfall gleitet der Nucleus pulposus sogar aus seiner „Hülle“, dem Anulus fibrosus, und drückt auf die austretende Nervenwurzel, was oft starke Schmerzen auslöst. Liegen keine Lähmungen vor, soll der Patient unter angemessener Schmerzbehandlung möglichst rasch zu normalen Bewegungsmustern zurückkehren. Stufenbettlagerung wird allenfalls kurzzeitig empfohlen. Langfristig wichtig ist Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur.

Die autochthone Rückenmuskulatur

Rückenmuskulatur, autochthoneObwohl die Wirbel gegeneinander nur begrenzt beweglich sind, ist die Beweglichkeit der Wirbelsäule insgesamt doch erheblich. Diese Beweglichkeit wird vor allem ermöglicht durch ein komplexes System aus sich überlappenden Muskelfaserzügen, das zwei Muskelstränge beidseits der Dornfortsätze bildet und in seiner Gesamtheit als Autochthone Rückenmuskulaturautochthone Rückenmuskulatur bezeichnet wird (Abb. 7.14, Abb. 7.15). Diese Muskeln strecken die Wirbelsäule und drehen sie um die eigene Achse.
Zur autochthonen Rückenmuskulatur zählen folgende Muskeln, die alle von den hinteren Spinalnervenästen (9.11.2) versorgt werden (Abb. 7.15):
  • Der oberflächlichere laterale Trakt der autochthonen Rückenmuskulatur besteht v. a. aus dem Musculus(-i):iliocostalisM. iliocostalis (Darmbein-Rippen-Muskel, am weitesten seitlich gelegen), dem Musculus(-i):longissimusM. longissimus (längster Muskel, vom Hinterhaupt bis zum Kreuzbein) sowie den Musculus(-i):spleniiMm. splenii (Riemenmuskeln) im Kopf-Hals-Bereich. Die Muskeln des lateralen Trakts verspannen die Wirbelsäule, neigen bei einseitiger Kontraktion die Wirbelsäule zur Seite und beugen sie bei beidseitiger Kontraktion nach hinten

  • Der tiefer gelegene mediale Trakt verbindet sämtliche Wirbel an Dorn- und Querfortsätzen miteinander, auch über mehrere Wirbel hinweg. Er wird meist in zwei Systeme gegliedert. Zum gerade verlaufenden spinalen System gehören die Musculus(-i):interspinalesMm. interspinales (Zwischendornmuskeln, zwischen benachbarten Dornfortsätzen) und die Musculus(-i):spinalesMm. spinales (Dornmuskeln), welche die Dornfortsätze mehrerer Wirbel verbinden. Die Muskeln des transversospinalen Systems verlaufen schräg vom Querfortsatz eines unteren zum Dornfortsatz eines oberen Wirbels. Dazu rechnet man die Musculus(-i):rotatoresMm. rotatores (Drehmuskeln), Musculus(-i):semispinalesMm. semispinales (Halbdornmuskeln) und Musculus(-i):multifidiMm. multifidi (vielgefiederte Muskeln). Der mediale Trakt stabilisiert zusammen mit dem Bandapparat die Wirbelsäule und formt ihre physiologischen Krümmungen. Im Gegensatz zur Bewegungsmuskulatur werden diese Muskelgruppen der HaltemuskulaturHaltemuskulatur zugeordnet

  • Zur autochthonen Rückenmuskulatur zählen schließlich auch die tiefen Nackenmuskeln (7.3.1), die sich an den Bewegungen des Kopfes beteiligen.

Einteilung und Nomenklatur sind allerdings nicht einheitlich. So bezeichnete M. erector spinae (Rumpfaufrichter) früher die gesamte autochthone Rückenmuskulatur, heute teilweise auch nur den M. iliocostalis, longissimus und spinalis.
Gebeugt wird die Wirbelsäule vor allem durch die vordere Bauchwandmuskulatur (7.3.7) und den M. psoas major (7.6.3).

Der knöcherne Thorax

Der knöcherne ThoraxThorax oder BrustBrustkorb wird vom Brustbein (Sternum), von den Rippen (Costae) und der Brustwirbelsäule gebildet. Der Brustkorb umschließt die Brusthöhle mit Herz und Lungen sowie den oberen Anteil der Bauchhöhle (Abb. 14.1). Er hat die Form eines nach oben und unten offenen ovalen Bienenkorbes, das heißt, sein Umfang vergrößert sich von oben nach unten. Dorsal in der Mitte liegt die Brustwirbelsäule, deren Wirbelkörper in den Brustraum hineinragen (Abb. 7.16).
Die Thoraxform im Laufe des Lebens
Für Säuglinge typisch ist ein sehr tiefer Thorax mit fast horizontal stehenden Rippen (16.9.3). Mit zunehmendem Alter bildet sich die typische Form aus. Bei alten Menschen ist der Thorax flach, vor allem im unteren Bereich schmaler und weniger elastisch als in jungen Jahren.
Die Rippen
RippenCostaeAm Aufbau des Brustkorbes beteiligen sich zwölf Rippenpaare. Jede Rippe besteht aus einem dorsalen knöchernen und einem ventralen knorpeligen Anteil, die zusammen etwa die Form eines halben Herzens bilden. Ihre Länge nimmt bis zur siebten Rippe zu, danach wieder ab.
Die ersten zehn Rippen sind über jeweils zwei Gelenke an Rippenkopf und Rippenhöckerchen mit Wirbelkörper bzw. Querfortsatz „ihres“ Brustwirbels verbunden, die 11.–12. Rippe nur mit den entsprechenden Wirbelkörpern.
Die Knorpel der 1.–7. Rippe stehen in direkter gelenkiger Verbindung mit dem Brustbein. Diese Rippen nennt man echte Rippen (Costae verae).
Die restlichen fünf Rippen werden als falsche Rippen (Costae spuriae) bezeichnet, weil sie entweder nur indirekten Kontakt zum Brustbein haben (8.–10. Rippe, fließende Rippen) oder frei enden (11.–12. Rippe, freie Rippen). Die Rippenknorpel 8–10 sind untereinander über Knorpelstege verbunden, die den RippenbogenRippenbogen (Arcus Arcus:costaliscostalis) bilden. Ein solcher Knorpelsteg führt auch zur siebten Rippe und stellt die Verbindung zum Brustbein her.
Die Gelenkverbindungen der Rippen gewährleisten die Beweglichkeit des knöchernen Brustkorbes, sodass er sich bei Rippenhebung ausdehnen und umgekehrt auch wieder zusammenziehen kann. Das ist sehr wichtig für die Atemmechanik (16.9).
Der Zwischenraum zwischen den einzelnen Rippen heißt Interkostal- oder Interkostalraum (ICR)ZwischenrippenraumZwischenrippenraum (ICR). Er wird von den Zwischenrippenmuskeln (Interkostalmuskeln) überspannt. Am Oberrand jedes Zwischenrippenraums (also am Unterrand der jeweiligen Rippe) verlaufen eine Arterie, eine Vene und ein Nerv.
Das Brustbein
Das Brustbein (Sternum) ist ein flacher, schmaler Knochen und bildet das ventrale Mittelstück des Brustkorbes. Das Brustbein besteht von oben nach unten aus drei Teilen (Abb. 7.16):
  • Dem Handgriff, Manubrium Manubrium sternisterni, einer kurzen breiten Knochenplatte zwischen Schlüsselbein und zweitem Rippenpaar, an dem viele der vorderen Hals- und Zungenbeinmuskeln entspringen oder ansetzen

  • Dem Brustbeinkörper, Corpus Corpus(-ora):sternisterni, einer längs verlaufenden schmalen Knochenplatte mit Gelenkflächen für die 3. bis 7. Rippe (die für die zweite Rippe befindet sich am Übergang zwischen Manubrium und Corpus)

  • Dem frei nach unten ragenden SchwertfortsatzSchwertfortsatz, Processus Processus:xiphoideusxiphoideus, der als Ansatzstelle für Brust- und Bauchwandmuskeln dient.

Die Atemmuskulatur

Das Zwerchfell
AtemmuskulaturWichtigster Atemmuskel ist das Zwerchfell (DiaphragmaDiaphragma). Es ist kuppelförmig zwischen Brustbein, unteren sechs Rippen und LWS verspannt und trennt die Brust- von der Bauchhöhle. Bei Säuglingen und Kleinkindern steht das Zwerchfell höher, bei alten Menschen tiefer als bei Erwachsenen im mittleren Lebensalter.
Wenn sich das ZwerchfellZwerchfell zusammenzieht, werden die Lungen nach unten gezogen, was zu einem Unterdruck in der Brusthöhle und somit zum Einstrom von Luft in die Lungen führt (Einatmung, 16.9.3). Bei Erschlaffung des Zwerchfells steigen die Lungen passiv wieder nach oben (Ausatmung).
In seinem mittleren und hinteren Bereich hat das Zwerchfell drei Aussparungen, durch die V. cava inferior (untere Hohlvene), Aorta und Ösophagus vom Brust- in den Bauchraum treten (Abb. 7.16).
Die Zwischenrippenmuskeln
Auch die ZwischenrippenmuskelnZwischenrippenmuskeln (InterkostalmuskelnInterkostalmuskeln) sind aktiv an der Atmung beteiligt:
  • Die äußeren Zwischenrippenmuskeln (Musculus(-i):intercostales externiMm. intercostales externi) ziehen schräg von hinten oben nach vorne unten. Sie heben die Rippen und erweitern so den Brustraum

  • Die umgekehrt verlaufenden inneren Zwischenrippenmuskeln (Mm. intercostales interni Abb. 16.16) senken die Rippen und verkleinern damit den Brustkorb.

Die Atemhilfsmuskulatur
Bei erschwerter Atmung können weitere Muskeln bei der Ein- oder Ausatmung helfen, die als AtemhilfsmuskulaturAtemhilfsmuskulatur zusammengefasst werden. Sie werden bei der Atemmechanik dargestellt (16.9).

Die vordere Bauchwandmuskulatur

Die Bauchwandmuskulatur, vordereBauchwand schließt die Bauchhöhle nach vorn und zur Seite ab und besteht aus mehreren Muskelschichten. Diese verlaufen zwischen dem unteren Rippenbogen und dem Becken. Je nach Verlauf wirken sie bei der Rumpfbeugung und -drehung mit. Ziehen sich alle Muskelschichten zusammen, werden die Bauchorgane zusammengepresst (BauchpresseBauchpresse 16.9.4) und so die Darm- und Harnblasenentleerung unterstützt.
Der M. rectus Musculus(-i):rectus abdominisabdominis (gerader Bauchmuskel) liegt am oberflächlichsten und spannt sich zwischen den Rippenknorpeln 5–7, dem Processus xiphoideus des Brustbeins und dem Schambein (Os pubis) aus. In diesem langen Verlauf ist er durch drei Zwischensehnen unterbrochen (Abb. 7.17).
Seitlich des M. rectus abdominis verlaufen die beiden schrägen BauchmuskelnBauchmuskeln (M. obliquus externus Musculus(-i):obliquus externus/internus abdominisabdominis und M. obliquus internus abdominis). Als Merkregel für den Verlauf des M. obliquus externus gilt, dass dieser der Armhaltung bei in den Hosentaschen steckenden Händen entspricht. Der M. obliquus internus verläuft fächerförmig vom Darmbein(stachel) zur Mitte und unterkreuzt dabei teilweise die Faserzüge des M. obliquus externus. Die sehnigen Ansätze beider Muskeln vereinigen sich vorn zu einem breiten Sehnenband (AponeuroseAponeurose).
Die tiefste Schicht der Bauchwandmuskeln wird vom queren Bauchmuskel (M. transversus Musculus(-i):transversus abdominisabdominis) gebildet (Abb. 7.18, Abb. 7.19). Er verläuft gürtelförmig von der Seite zur vorderen Bauchwand und setzt dort, ähnlich wie die schrägen Bauchmuskeln, in einer breiten Sehnenplatte an.
Der M. rectus abdominis wird von den Sehnenplatten der Obliquus- und des Transversus-Bauchmuskels umschlossen. Weil er so an ein Schwert in der Scheide erinnert, wird dieser Bereich auch RektusscheideRektusscheide genannt. In der Mitte zwischen linkem und rechtem geradem Bauchmuskel vereinigen sich die drei Sehnenplatten. Dieser straffe Bindegewebsstreifen heißt Linea Linea(-ae):albaalba (weiße Weiße LinieLinie).

Pflege

Schmerzlindernd bei Bauchschmerzen oder nach Bauchoperationen wirkt oft eine bauchdeckenentlastende Lagerung:bauchdeckenentlastendeLagerung, bei der die Pflegenden den Patienten mit leicht erhöhtem Oberkörper lagern und ein Kissen oder eine zusammengerollte Decke unter die Knie legen.

Der Leistenkanal

LeistenkanalDer Leistenkanal (Canalis Canalis:inguinalisinguinalis Abb. 7.19) ist eine 4–5 cm lange röhrenförmige Verbindung zwischen Bauchhöhle und äußerer Schamgegend. Er durchstößt alle Muskelschichten der Bauchdecke, und zwar von lateral oben innen nach medial unten außen. Die Durchtrittstelle durch die Sehne des M. transversus abdominis wird als innerer Leistenring, die Lücke im M. obliquus externus abdominis als äußerer LeistenringLeistenring bezeichnet.
Vor der Geburt wandern die Hoden aus der Bauchhöhle durch den Leistenkanal in den Hodensack. Beim Mann verläuft durch den Leistenkanal der Samenstrang auf seinem Weg vom Hoden zur Prostata.
Bei der Frau enthält der Leistenkanal ein bindegewebiges Band und Fettgewebe.
Die Hernien
An Schwachstellen der BauchwandhernienBauchwand kann sich eine HernieHernie (Bruch) entwickeln: Es kommt zu einer abnormen Ausstülpung des Bauchfells mit Hervortreten von Bauchorganen oder Teilen davon (meist Darmschlingen). Hernien können für den Patienten durch Entzündung oder Einklemmung gefährlich werden und werden deshalb meist frühzeitig operiert.

Pädiatrie

Der Leistenkanal verschließt sich erst relativ spät in der Entwicklung. Entsprechend sind LeistenhernienLeistenhernien (Leistenbrüche) und dabei vor allem indirekte Leistenhernien, die dem Verlauf des Leistenkanals folgen, bei Säuglingen die häufigsten Hernien überhaupt. Bei Jungen sind sie häufiger als bei Mädchen, bei Frühgeborenen häufiger als bei reif Geborenen.

Der Schultergürtel

Mit dem aufrechten Gang wurde die obere Extremität als Stütz- und Gehorgan überflüssig. Stattdessen hat sie sich zu einem komplexen Greif- und Tastorgan entwickelt.
Der SchulterSchultergürtel verbindet die Knochen der oberen Extremitäten mit dem Körperstamm. Er besteht aus jederseits zwei Knochen, dem Schlüsselbein und dem Schulterblatt (Abb. 7.20).
Das Schlüsselbein
Das Schlüsselbein (Clavicula Abb. 7.17, Abb. 7.20) ist ein relativ dünner, annähernd S-förmiger Knochen, der an beiden Enden Gelenkflächen besitzt. Er liegt dem Brustkorb vorn oben auf und ist medial über das SternoklavikulargelenkSternoklavikulargelenk (Brustbein-Schlüsselbein-Gelenk, mediales Schlüsselbeingelenk) mit dem Brustbein (Sternum) verbunden. Lateral bildet das Schlüsselbein ein Gelenk mit dem dorsal liegenden Schulterblatt, das Akromioklavikulargelenk (Schultereck-Schlüsselbein-Gelenk, laterales Schlüsselbeingelenk)Akromioklavikulargelenk.
Das Schulterblatt und Schultergelenk
Das SchulterblattSchulterblatt (ScapulaScapula) ist ein etwa dreieckiger, platter Knochen, an dessen Rückwand die Spina scapulae (Schulterblattgräte) auf breiter Fläche hervorspringt (Abb. 7.20). Deren freies Ende, das Akromion (SchulterhöheSchulterhöhe), steht mit dem Schlüsselbein in Verbindung. Eine muldenförmige Vertiefung in der oberen äußeren Schulterblattecke bildet die SchultergelenkpfanneSchultergelenkpfanne (Cavitas glenoidalis), die mit dem Kopf des Oberarmknochens ein Kugelgelenk bildet (Abb. 7.21). Etwas oberhalb der Schultergelenkpfanne ragt der RabenschnabelfortsatzRabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus) nach vorne hervor. Er bildet zusammen mit dem Akromion und verbindenden Bändern das SchulterdachSchulterdach.
Über die Schultergelenkpfanne besteht die einzige Verbindung des Armes zum Schultergürtel und damit zum Rumpf. Da sie relativ klein und flach ist, kann sie nicht den ganzen Oberarmkopf aufnehmen.
Damit das Schultergelenk stabil bleibt, ist es von Muskeln umschlossen, das Schultergelenk ist ein sog. muskelgeführtes Gelenk. Von besonderer Bedeutung sind der M. deltoideus (dreieckiger Schultermuskel, Deltamuskel Abb. 7.22) sowie die RotatorenmanschetteRotatorenmanschette aus:
  • M. Musculus(-i):infraspinatusinfraspinatus (Untergrätenmuskel)

  • M. Musculus(-i):supraspinatusMusculus(-i):supraspinatussupraspinatus (Obergrätenmuskel)

  • M. Musculus(-i):subscapularissubscapularis (Unterschulterblattmuskel)

  • M. Musculus(-i):teres minorteres minor (kleiner Rundmuskel).

Auch Bänder und die Sehnen des langen Bizepskopfes sowie des M. supraspinatus sichern das Gelenk mit (Abb. 7.21, Abb. 7.22).

Medizin

Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk unseres Körpers. Preis der Beweglichkeit ist das hohe Risiko einer LuxationLuxation (Verrenkung, Auskugelung 6.2.2).

Die Schultergürtelmuskulatur
Schultergürtel:MuskulaturDie Muskulatur des Schultergürtels fixiert das Schulterblatt und ermöglicht Gleitbewegungen des Schulterblatts auf der hinteren Brustwand. Die Fixierung ist die Voraussetzung für die Funktion der vom Schulterblatt entspringenden Armmuskeln: Um den Arm im Schultergelenk bewegen zu können, müssen sie einen „fest sitzenden“ Ursprung als Widerlager haben, gegen das sie den Arm ziehen. Das Schlüsselbein wird dabei passiv mitbewegt.
Zur vorderen Schultergürtelmuskulatur (ventrale Schultergürtelmuskulatur, Brustmuskulatur) zählen (Abb. 7.17):
  • Der M. Musculus(-i):subclaviussubclavius (Unterschlüsselbeinmuskel), der von der ersten Rippe zum Schlüsselbein zieht und das Schlüsselbein herabzieht

  • Der M. pectoralis Musculus(-i):pectoralis minorminor (kleiner Brustmuskel), der von der 3.–5. Rippe zum Schulterblatt zieht und das Schulterblatt nach vorne unten zieht. Gleichzeitig ist er ein Atemhilfsmuskel (16.9.3), da er bei fixiertem Schulterblatt die (oberen) Rippen hebt

  • Der M. serratus Musculus(-i):serratus anterioranterior (vorderer Säge[zahn]Sägezahnmuskelmuskel), der von der 1.–9. Rippe zum Schulterblatt zieht. Er dreht das Schulterblatt nach oben und zur Seite. Weil er bei fixiertem Schulterblatt die Rippen hebt, ist auch er ein Atemhilfsmuskel.

Zur hinteren (dorsalen) Schultergürtelmuskulatur, auch als oberflächliche Rückenmuskulatur bezeichnet, gehören (Abb. 7.22):
  • Der M. Musculus(-i):trapeziustrapezius (KapuzenmuskelKapuzenmuskel), ein breitflächiger Muskel, der fächerförmig von Hinterhauptbein und allen Hals- und Brustwirbeln zu Schlüsselbein und Schulterblatt zieht. Infolge der großen Ursprungsfläche zeigen die Fasern unterschiedliche Verläufe und unterstützen somit auch unterschiedliche Bewegungen. So ziehen die quer verlaufenden Fasern das Schulterblatt nach medial (hinten), während der obere und untere Anteil des Muskels das Schulterblatt so drehen, dass die Gelenkpfanne höher bzw. tiefer tritt. Der M. trapezius ist sehr gut an der Schulter tastbar

  • Der M. levator Musculus(-i):levator scapulaescapulae (SchulterblattheberSchulterblattheber), der vom 1. bis 4. Halswirbel zum Schulterblatt zieht und das Schulterblatt hebt

  • Der M. rhomboideus major und Musculus(-i):rhomboideus major/minorminor (großer und kleiner RautenmuskelRautenmuskel), die von den Dornfortsätzen der oberen Brust- und unteren Halswirbelsäule zum Schulterblatt ziehen und die Medial- und Aufwärtsbewegungen des Schulterblattes bewirken.

Die obere Extremität

Der ArmExtremität(en):obere hat mehr als 24 Knochen. Er lässt sich in drei Abschnitte einteilen (Abb. 7.20):
  • Den ArmeOberarm mit dem Oberarmknochen (Humerus)

  • Den Unterarm mit den beiden Knochen Elle (Ulna) und Speiche (Radius)

  • Die Hand mit den Handwurzelknochen (Ossa carpi), Mittelhandknochen (Ossa metacarpi) und Fingerknochen (Phalangen).

Der Oberarm

Oberarmknochen und Ellenbogengelenk
Der OberarmknochenOberarmknochen (Humerus) ist der längste und größte Knochen der oberen Extremität. Das obere Ende ist im Schultergelenk mit dem Schulterblatt, das untere über das Ellenbogengelenk mit Elle und Speiche verbunden.
Der Humeruskopf (Caput Caput:humerihumeri) liegt etwas schräg medial am proximalen Ende des Oberarmknochens. Fast auf gleicher Höhe befinden sich lateral ein etwas größerer und ein kleiner Knochenhöcker (Tuberculum majus und Tuberculum majus/minusminus). Der kurze Steg zwischen Kopf und Höckern bzw. Humerusschaft wird Collum Collum:anatomicumanatomicum genannt. Der sich anschließende HumerusschaftHumerusschaft (Corpus Corpus(-ora):humerihumeri) ist röhrenförmig und der längste Teil des Humerus. Mehrere Knochenleisten und Aufrauungen sowie die beiden schon erwähnten Höcker dienen dem Ansatz von Muskeln und Bändern (Abb. 7.23).
Distal verbreitert sich der Schaft wieder und läuft in den inneren und äußeren KnorrenOberarm:KnorrenOberarmknorren (Condylus:medialis/lateralis humeriCondylus humeri medialis bzw. lateralis) mit ihren Fortsätzen, dem Epicondylus medialis und lateralis (humeri),Epicondylus:medialis/lateralisEpicondylus:medialis/lateralis aus.
Zwischen diesen Epikondylen liegt die Gelenkfläche für das Ellenbogengelenk. Diese Gelenkfläche wird in die OberarmrolleOberarmrolle (Trochlea Trochlea humerihumeri) und das OberarmköpfchenOberarmköpfchen (Capitulum Capitulum humerihumeri) unterteilt. Die beiden Epikondylen liegen außerhalb des Gelenks und dienen verschiedenen Muskeln als Ursprung.
Oberhalb des Gelenks befindet sich dorsal die Ellenbogengrube (Fossa Fossa(-ae):olecraniolecrani), die den HakenfortsatzHakenfortsatz der Elle (Olekranon) aufnimmt. In gleicher Höhe befinden sich vorn zwei kleinere Gruben. Die mediale Kronenfortsatzgrube (Fossa Fossa(-ae):coronoideacoronoidea) bietet Platz für den Kronenfortsatz der Elle bei Beugestellung des Gelenks. Die seitliche Speichenkopfgrube (Fossa Fossa(-ae):radialisradialis) nimmt während bestimmter Armbewegungen den Speichenkopf auf (Abb. 7.24).
Außer dem Oberarmknochen beteiligen sich auch Elle und Speiche am Ellenbogengelenk, das also aus insgesamt drei Teilgelenken (mit einer gemeinsamen Gelenkhöhle und Gelenkkapsel) besteht:
  • Dem Humero-Ulnar-Humero-Ulnar-GelenkGelenk zwischen Humerus und Elle

  • Dem Humero-Radial-Humero-Radial-GelenkGelenk zwischen Humerus und Speiche

  • Dem oberen Radio-Ulnar-Gelenk (oberen Speichen-Ellen-Gelenk) zwischen Elle und Speiche.

Insgesamt ergeben sich für das Ellenbogengelenk damit die Bewegungsmöglichkeiten eines Dreh-Scharnier-Gelenks (Beugung – Streckung, Pronation – Supination).
Die Schultermuskulatur
Nur zwei der Muskeln, die über das SchultermuskulaturSchultergelenk zum Oberarmknochen ziehen, entspringen am Körperstamm: der M. pectoralis Musculus(-i):pectoralis majormajor (großer Brustmuskel) und der M. latissimus dorsi (breitester Musculus(-i):latissimus dorsiRückenmuskel). Die übrigen Muskeln entspringen am Schulterblatt.

Pflege

Der M. supraspinatus (Obergrätenmuskel Abb. 7.21) hält den Oberarmknochen in der Gelenkpfanne des Schulterblatts. Hierzu ist ein gewisser Grundtonus erforderlich.

Bei einer Lähmung, etwa nach einem Schlaganfall, ist dieser Grundtonus nicht mehr vorhanden, sodass schon das Herunterhängen des Armes zu einer Überdehnung von Nerven und Bandapparat des Schultergelenks und somit starken Schulterschmerzen führt. Pflegende gehen deshalb mit dem gelähmten Arm vorsichtig um, unterstützen ggf. den gelähmten Arm, stabilisieren das Schultergelenk und vermeiden jeglichen Zug am gelähmten Arm. Sie leiten den Patienten und ggf. auch seine Angehörigen entsprechend an.

Von besonderer Bedeutung ist der Musculus(-i):deltoideusM. deltoideus (dreieckiger Schultermuskel, DeltamuskelDeltamuskel Abb. 7.2, Abb. 7.25). Er verläuft dreiecksförmig von einer breiten Ursprungsfläche an Spina scapulae, Akromion und Außenrand des Schlüsselbeins zur Außenfläche des Oberarmknochens. Der Faserverlauf umfasst also drei Richtungen, weshalb der M. deltoideus an allen sechs Bewegungen im Schultergelenk beteiligt ist. Seine Hauptfunktion ist dabei die Armhebung. Mit Unterstützung weiterer Schultermuskeln kann der M. deltoideus den Arm im Schultergelenk auch drehen, vor- und zurückführen sowie anwinkeln.
Die Oberarmmuskulatur
Arme:MuskulaturDie Oberarmmuskeln entspringen am OberarmmuskulaturOberarmknochen bzw. am Schultergürtel unter Umgehung des Schultergelenks und ziehen zu den Unterarmknochen. Sie sind für die Beugung, Streckung und Drehung im Ellenbogengelenk (ein Drehscharniergelenk 6.2.3) zuständig.
Der wichtigste Unterarmbeuger ist der M. biceps Musculus(-i):biceps brachiiMusculus(-i):biceps brachiibrachii (zweiköpfiger Armmuskel, kurz BizepsBizeps, Abb. 7.2, Abb. 7.25). Wie der Name sagt, besitzt er zwei Muskelköpfe. Sie entspringen getrennt oberhalb des Schultergelenks (Abb. 7.21). Die Sehne des langen Muskelkopfes zieht durch eine Knochenrinne zwischen Tuberculum majus und minus. Die Sehne des kurzen Kopfes verläuft dagegen direkt vom Processus coracoideus (Rabenschnabelfortsatz), einem nach vorne herausragenden Knochenvorsprung des Schulterblatts, abwärts (Abb. 7.21). Beide setzen über eine gemeinsame Sehne am Speichenkopf an. Zuvor umschlingt diese Sehne die Speiche noch teilweise, sodass der Bizeps den Unterarm nicht nur beugt, sondern auch etwas nach außen drehen kann (Supination).
Auch der M. Musculus(-i):brachialisbrachialis (ArmbeugerArmbeuger) und der M. Musculus(-i):brachioradialisMusculus(-i):brachioradialisbrachioradialis (Oberarm-Speichen-Muskel, Abb. 7.25, 7.5.3) wirken als Beuger im Ellenbogengelenk.
Der M. triceps Musculus(-i):triceps brachiibrachii (dreiköpfiger Armmuskel, kurz Trizeps Abb. 7.25)Trizeps verläuft an der Hinterseite des Oberarmes und setzt an der Ellenhinterseite an. Er streckt den Unterarm im Ellenbogengelenk, ist also Gegenspieler (Antagonist 6.3.2) des M. biceps brachii.

Der Unterarm

Der UnterarmUnterarm erstreckt sich vom Ellenbogengelenk bis zur Handwurzel. Er besteht aus zwei Knochen: Elle (Ulna) und Speiche (Radius).
Die Elle
An ihrem oberen Ende, am Ellenbogengelenk also, weist die Elle (Abb. 7.26) einen tiefen, halbrunden Ausschnitt auf, der vorn vom kleinen hakenförmigen KronenfortsatzKronenfortsatz (Processus Processus:coronoideuscoronoideus) und hinten vom großen, ebenfalls hakenförmigen Olekranon begrenzt bzw. überragt wird. Der Einschnitt dazwischen dient als Gelenkpfanne für das Ellenbogengelenk (Abb. 7.24) und nimmt die Oberarmrolle (Trochlea humeri) in sich auf (7.5.1). Das Olekranon ist von außen gut zu tasten. Ein kleiner Einschnitt neben dem Processus coronoideus, die Incisura Incisura(-ae):radialisradialis, dient als Gelenkfläche für das Radiusköpfchen (Caput Caput:radiiradii) und beteiligt sich am bereits erwähnten oberen Radio-Ulnar-Gelenk.
An der Elle befinden sich verschiedene Knochenleisten und Aufrauungen für den Ansatz von Muskeln. Am unteren schmalen Ende befindet sich das Ellenköpfchen (Caput Caput:ulnaeulnae), das an seiner Rückseite einen kleinen Knochenfortsatz, den Processus:styloideus ulnaeProcessus styloideus ulnae (Griffelfortsatz der Elle), besitzt.
Die Speiche
Die Speiche (Abb. 7.26) liegt lateral der Elle, also auf der Seite des Daumens. An ihrem oberen Ende befindet sich das Radiusköpfchen, das etwa die Form einer dicken, oben eingedellten Scheibe hat. Es bildet mit der Elle ein Zapfengelenk (6.2.3, Abb. 6.10).
Der Speichenschaft bietet Ansatz für mehrere Muskeln und weist entsprechende Leisten und Aufrauungen auf. Er ist etwas kantiger und schmaler als der Ellenschaft.
Das untere Ende der Speiche ist kolbig verdickt und trägt dort die Gelenkflächen für die Handwurzelknochen. Ähnlich wie bei der Elle findet sich auch an der Speiche ein Processus:styloideus radiiProcessus styloideus (radii) oder Griffelfortsatz (der Speiche), hier jedoch am lateralen Ende.
An ihren distalen Enden sind Speiche und Elle durch ein Radgelenk (6.2.3) miteinander verbunden (unteres Radio-Ulnar-Gelenk, unteres Speichen-Ellen-GelenkSpeichen-Ellen-Gelenk).
Elle und Speiche sind fast über ihre gesamte Länge durch eine fibröse Zwischenknochenmembran verbunden, die Membrana:interossea (Unterarm)Membrana interossea des Unterarms.

Pädiatrie

Bei Kleinkindern ist der Radiuskopf relativ klein. Dadurch kann er bei ruckartigem Zug am gestreckten Arm (etwa bei drohendem Sturz eines an der Hand gehenden Kleinkindes) leicht herausrutschen, sodass das ringförmige Halteband zwischen Radiuskopf und Oberarmköpfchen eingeklemmt wird.

RadiusköpfchensubluxationDiese Radiusköpfchensubluxation zeigt sich durch eine typische Schonhaltung des Armes und kann in aller Regel mit wenigen Handgriffen vom Arzt behoben werden.

Die Unterarmmuskulatur
Die UnterarmmuskulaturUnterarmmuskeln können ihrer Funktion nach in vier Gruppen eingeteilt werden:
  • Die Pronatoren:UnterarmPronatoren. Sie ermöglichen eine Drehung von Elle und Speiche um ihre Längsachse nach innen (PronationPronation Abb. 7.26)

  • Die Supinatoren:UnterarmSupinatoren. Sie bewirken die entgegengesetzte Drehung von Elle und Speiche um ihre Längsachse nach außen (SupinationSupinationSupination Abb. 7.26)

  • Hand- und FingerbeugerHand- und Fingerbeuger, die im Wesentlichen ihren Ursprung am Epicondylus medialis des Oberarms haben

  • Hand- und FingerstreckerHand- und Fingerstrecker, die am Epicondylus lateralis entspringen.

Da die Unterarmmuskulatur in engem funktionellem Zusammenhang mit den Hand- und Fingermuskeln stehen, werden sie dort erläutert (7.5.3, Abb. 7.30, Abb. 7.31).

Die Hand

Die Handwurzelknochen
HandDie HandwurzelHandwurzel (CarpusCarpus) besteht aus acht vielkantigen Handwurzelknochen (Ossa Os(-sa):carpicarpi). Sie sind untereinander durch Bänder verbunden und in zwei Reihen zu je vier Knochen angeordnet. Jeweils von radial (Daumenseite) nach ulnar (Kleinfingerseite) gezählt sind das (Abb. 7.27):
  • In der proximalen Reihe: KahnbeinKahnbeinKahnbein (Os Os(-sa):scaphoideumscaphoideum), MondbeinMondbein (Os Os(-sa):lunatumlunatum), DreiecksbeinDreiecksbein (Os Os(-sa):triquetrumtriquetrum), ErbsenbeinErbsenbein (Os Os(-sa):pisiformepisiforme)

  • In der distalen Reihe: großes VieleckbeinVieleckbein (Os Os(-sa):trapeziumtrapezium, TrapezbeinTrapezbein), kleines Vieleckbein (Os Os(-sa):trapezoideumtrapezoideum, trapezähnliches Bein), KopfbeinKopfbein (Os Os(-sa):capitatumcapitatum), HakenbeinHakenbein (Os Os(-sa):hamatumhamatum).

Merke

Merkspruch: Ein Kahn, der fuhr im Mondenschein im Dreieck um das Erbsenbein; Vieleck groß, Vieleck klein – am Kopf, da muss ein Haken sein.

HandgelenkKahnbein, Mondbein und Dreiecksbein weisen auf ihrer proximalen Seite jeweils eine Gelenkfläche auf. Diese Flächen bilden zusammen mit der Gelenkfläche der Speiche sowie einem Discus (Zwischenknorpel, 6.2.2) distal des Ellenköpfchens das proximale Handgelenk. Dieses wirkt als Eigelenk (Abb. 6.10), weil die drei Gelenkflächen der Handwurzelknochen zusammengenommen eine Eiform bilden. So sind PalmarflexionPalmarflexion und Dorsalextension:HandgelenkDorsalextension (Beugung und Streckung) sowie Radial- und Ulnarabduktion (Ziehen der Hand zu Speiche bzw. Elle hin) möglich. Zwischen proximaler und distaler Reihe der Handwurzelknochen verläuft wellenförmig das distale Handgelenk, das eingeschränkt Beugung und Streckung erlaubt. Die übrigen Gelenke zwischen den Handwurzelknochen sind straffe Gelenke praktisch ohne Bewegungsmöglichkeit.
Die Mittelhandknochen
An die Handwurzelknochen schließen sich die Röhrenknochen der Mittelhand an (Abb. 7.28). Proximale (Basis) und distale Enden (Köpfchen) der MittelhandMittelhandknochen tragen Gelenkflächen zur Verbindung mit der Handwurzel bzw. mit den Fingerknochen. Der Mittelhandknochen des ersten Fingers (Daumen) ist über das DaumenDaumenwurzelgelenk, ein Sattelgelenk, mit der Handwurzel verbunden. Dabei ist die Gelenkfläche des großen Vieleckbeins der Sattel, auf dem der Mittelhandknochen „reitet“. In diesem Gelenk wird der Daumen den anderen Fingern gegenübergestellt. Diese Opposition des Daumen:OppositionDaumens ist unverzichtbar für feine Greifbewegungen (Pinzettengriff). Die anderen Gelenke zwischen Handwurzel und Mittelhand sind durch straffe Bänder fixiert und praktisch unbeweglich.
Die Fingerknochen
Auf die fünf FingerMittelhandknochen folgen die Finger, die beim Daumen aus zwei, sonst aus drei Fingergliedern (Phalangen)Phalangen bestehen. Von der Mittelhand ausgehend nach distal heißen sie Grund-, Mittel- und Endglied (Grund-, Mittel- und Endphalanx, beim Daumen Grund- und Endphalanx). Sie sind über kleine Gelenke miteinander verbunden. Die Verbindungen zwischen den Mittelhandknochen und den Grundgliedern heißen Fingergrundgelenke (Metacarpo-Phalangeal-GelenkMetacarpophalangealgelenke, MCP-Gelenke), die zwei Gelenkreihen zwischen den Gliedern Fingermittelgelenke bzw. Fingerendgelenke (proximale bzw. distale InterphalangealgelenkInterphalangealgelenke, abgekürzt PIP- bzw. DIP-Gelenke Abb. 7.28, Abb. 7.29).
Die Fingergrundgelenke sind mit Ausnahme des Daumengrundgelenks nach der Form ihrer Gelenkflächen Kugelgelenke, das heißt, sie sind von der Anlage her in allen drei Freiheitsgraden beweglich. Beim Daumengrundgelenk und allen Interphalangealgelenken handelt es sich um reine Scharniergelenke (Abb. 6.9). Hier sind nur Beugung und Streckung möglich.
Die Handgelenk- und Fingermuskulatur
HandgelenkmuskulaturHandgelenkmuskulaturFingermuskelnFingermuskelnHandmuskulaturDie Muskeln, die Hand und Finger bewegen, werden in Streck- und Beugemuskeln eingeteilt. Ihre langen, schlanken Muskelbäuche verlaufen in jeweils zwei Muskelschichten an der Streck- bzw. Beugeseite des Unterarms. Die Muskeln jeweils einer Schicht sind für die Bewegung der gesamten Hand, die der anderen für die Bewegung der einzelnen Finger zuständig.
Alle Beuge- und Streckmuskeln entspringen am distalen Oberarm oder am Unterarm und setzen mit langen dünnen Sehnen an Hand und Fingern an. Würden sich die Muskelbäuche bis auf die Hand fortsetzen, wäre durch den vermehrten Umfang keine Bewegung mehr möglich.
Sowohl Beuge- als auch Strecksehnen verlaufen zum großen Teil durch eine Art „Führungsschiene“, das heißt, sie werden durch Bänder in ihrer Position gehalten. So überdeckt das Retinaculum:extensorum/flexorum (Hand)Retinaculum extensorum die Strecksehnen an der Dorsalseite der Handwurzel; das Retinaculum flexorum (Lig. carpi transversum, queres Handwurzelband) überspannt die Beugesehnen auf der Ventralseite der Handwurzel. Die Anordnung der Handwurzelknochen bildet in diesem Bereich eine Längsrinne (Sulcus carpi), durch die die Beugesehnen und der N. medianus verlaufen. Dieser wie ein Tunnelgewölbe überdachte Raum wird auch KarpaltunnelKarpaltunnel genannt. Die Handfläche wird von einer festen Sehnenplatte, der PalmaraponeurosePalmaraponeurose, überspannt.

Medizin

Beispielsweise durch Entzündungen oder Bindegewebsvermehrung kann es im Karpaltunnel „zu eng“ und der N. medianus durch Druck geschädigt werden. Erstes Zeichen eines solchen Karpaltunnelsyndroms Karpaltunnelsyndromsind oft nächtliche Missempfindungen oder Schmerzen in der Hand. Helfen konservative Maßnahmen nicht, muss der Karpaltunnel operativ entlastet werden.

Damit trotz der ständigen Bewegung der Streck- und Beugesehnen in den Haltebändern keine Reizung der Umgebung auftritt, sind sie hier von bindegewebigen Sehnenscheiden umschlossen, die durch einen Flüssigkeitsfilm an der Innenseite das reibungslose Gleiten der Sehnen ermöglichen.
Sechs Muskeln bewegen die Hand im Handgelenk, drei von ihnen entspringen vom Epicondylus medialis des Oberarmknochens (Humerus). Vom Epicondylus lateralis entspringen drei Streckmuskeln. Je nach ihrem Verlauf und Ansatz können fünf dieser Muskeln die Hand nicht nur nach dorsal und palmar, also in Richtung von Handrücken oder -fläche, strecken bzw. beugen, sondern auch nach ulnar und radial abduzieren, das heißt zur Daumenseite oder zur Kleinfingerseite hin ziehen.
Zu den Beugern (Flexoren, HandgelenkFlexoren) im Handgelenk gehören (Abb. 7.2, Abb. 7.3, Abb. 7.30):
  • Der M. flexor carpi Musculus(-i):flexor carpi radialis/ulnarisradialis (speichenseitiger Handbeuger)

  • Der M. flexor carpi ulnaris (ellenseitiger Handbeuger)

  • Der M. palmaris Musculus(-i):palmaris longuslongus (langer Hohlhandmuskel).

Bei ca. 20 % der Menschen fehlt allerdings der M. palmaris longus – sie haben also nur fünf Muskeln.
Zu den Streckern (Extensoren, HandgelenkExtensoren) im Handgelenk gehören (Abb. 7.2, Abb. 7.3, Abb. 7.31):
  • Der M. extensor carpi Musculus(-i):carpi radialis/ulnarisradialis longus (langer speichenseitiger Handstrecker); dieser Muskel bewirkt gleichzeitig eine Radialabduktion

  • Der M. extensor carpi radialis brevis (kurzer speichenseitiger Hand:Beuger/StreckerHandstrecker)

  • Der M. extensor carpi ulnaris (ellenseitiger Handstrecker); dieser Muskel bewirkt gleichzeitig eine Ulnarabduktion.

Beugung und Streckung sowie Radial- und Ulnarabduktion sind jedoch für die Beweglichkeit von Hand und Unterarm nicht ausreichend; die Hand muss sich auch einwärts und auswärts drehen können. Dies wird als Supination (Auswärtsdrehung) oder Pronation (Einwärtsdrehung) bezeichnet (Abb. 7.26).
Reine Supinatoren:HandSupinatoren (Auswärtsdreher) sind (Abb. 7.30):
  • Der M. biceps brachii (Bizeps, zweiköpfiger Armmuskel), der den Arm gleichzeitig im Ellenbogengelenk beugt

  • Der M. Musculus(-i):supinatorsupinator (Auswärtsdreher), der vom Epicondylus lateralis des Oberarms zur Vorderfläche der Speiche führt.

Reine Pronatoren:HandPronatoren:HandPronatoren (Einwärtsdreher) sind:
  • Der Musculus(-i):pronator teresM. pronator teres (runder Einwärtsdreher), der vom Epicondylus medialis des Oberarms über die Elle hinweg und um die Speiche herum zu deren Hinterfläche zieht und somit auch im Ellenbogengelenk beugt

  • Der kurze Musculus(-i):pronator quadratusM. pronator quadratus (viereckiger Einwärtsdreher); dieser Muskel verläuft von der Vorderfläche der Elle zur Vorderfläche der Speiche.

Der M. brachioradialis (Oberarm-Speichen-Muskel) beugt im Ellenbogengelenk und bringt den Unterarm aus Pronation und Supination in Mittelstellung. Er ist also sowohl Pronator als auch Supinator.
Die hohe Beweglichkeit der Finger wird durch einen sehr komplexen Aufbau der Fingermuskulatur ermöglicht. Muskeln, die auf die Fingergelenke wirken, entspringen entweder am Arm oder an der Hand selbst. Entsprechend heißen sie auch lange und kurze Fingermuskeln. Die Muskelbäuche der langen Fingermuskeln liegen am Unterarm, und nur ihre Sehnen ziehen über das Handgelenk.
Zu den FingerbeugerFingerbeugern gehören (Abb. 7.30, Abb. 7.32, Abb. 7.33):
  • Der M. flexor Musculus(-i):flexor digitorum profundus/superficialisdigitorum superficialis (oberflächlicher Fingerbeuger), dessen Sehne nach Aufsplitterung in vier Einzelsehnen zu den Mittelgliedern der Finger II–V zieht

  • Der M. flexor digitorum profundus (tiefer Fingerbeuger), dessen Sehnen ebenfalls zu den Fingern II–V ziehen, jedoch zu den Endgliedern

  • Der Musculus(-i):flexor pollicis longusM. flexor pollicis longus (langer Daumenbeuger), der lediglich den Daumen beugt.

Das Endstück der Sehne des oberflächlichen Fingerbeugers spaltet sich und setzt links und rechts an den Mittelgliedern der Finger an. Durch dieses „Knopfloch“ (Abb. 7.33) zieht die Sehne des M. flexor digitorum profundus bis zum Fingerendglied und setzt dort an der Ventralseite ungeteilt an. So beugt der M. flexor digitorum superficialis den Finger im Grund- und Mittelgelenk und der M. flexor digitorum profundus zusätzlich im Endgelenk. Damit die Sehnen sich auf dem Finger nicht verschieben, sind sie durch feste Bänder gesichert.
Zu den FingerstreckerFingerstreckern, die auf der Rückseite der Hand verlaufen, gehören:
  • Der M. extensor Musculus(-i):extensor digitorumdigitorum (langer Fingerstrecker Abb. 7.32). Auf der Dorsalseite jedes Fingers bildet er zusammen mit kleinen Fingermuskeln eine Sehnenplatte, die bis zum Endglied reicht. So vermag er die Finger in Grund-, Mittel- und Endgelenk zu strecken

  • Der M. extensor digiti Musculus(-i):extensor digiti minimiminimi (Kleinfingerstrecker); dies ist ein eigener Streckmuskel des kleinen Fingers zusätzlich zum langen Fingerstrecker

  • Der M. extensor Musculus(-i):extensor indicisindicis (Zeigefingerstrecker); dies ist ein zusätzlicher Streckmuskel des Zeigefingers.

Auch der Daumen verfügt über eigene Streckmuskeln:
  • Den M. extensor Musculus(-i):extensor pollicispollicis brevis (kurzer Daumenstrecker), der zum Grundglied zieht und ihn dort streckt

  • Den M. extensor pollicis longus (langer Daumenstrecker), der bis zum Endglied des Daumens zieht

  • Den M. abductor pollicis Musculus(-i):abductor pollicisMusculus(-i):abductor pollicislongus (langer Daumenabspreizer Abb. 7.31), der den Daumen nach radial zieht und von den Fingern entfernt.

An der Hand selbst verlaufen die kurzen Handmuskeln (Abb. 7.33). Sie entspringen von den Mittelhandknochen (Mm. interossei palmares und Musculus(-i):interossei palmares/dorsalesdorsales) bzw. von den Sehnen des tiefen Fingerbeugers (Mm. Musculus(-i):lumbricaleslumbricales) und setzen alle seitlich auf den Streckseiten der Finger II–V an. Die Mm. interossei dorsales und palmares spreizen die Finger in den Grundgelenken (dorsale Gruppe) bzw. ziehen sie wieder zusammen (palmare Gruppe). Außerdem beugen sie die Finger zusammen mit den Mm. lumbricales im Grundgelenk und strecken sie im Mittel- und Endgelenk.
Am Retinaculum Retinaculum:flexorumflexorum entspringen mehrere Muskeln, die zu Daumen bzw. Kleinfinger ziehen (Abb. 7.34):
  • Der M. flexor pollicis Musculus(-i):flexor pollicisbrevis (kurzer Daumenbeuger)

  • Der M. flexor digiti minimi Musculus(-i):flexor digiti minimibrevis (kurzer Kleinfingerbeuger)

  • Der M. abductor pollicis brevis (kurzer Daumenabspreizer)

  • Der M. abductor digiti Musculus(-i):abductor digiti minimiminimi (kurzer Kleinfingerabspreizer).

Auf der Daumenrückseite zieht der Daumengegensteller (M. opponens Musculus(-i):opponens pollicispollicis). Nur er kann den Daumen den anderen Fingern gegenüberstellen.
Der Daumenanzieher (M. adductor Musculus(-i):adductor pollicispollicis) führt den Daumen an die anderen Finger heran. Er verläuft quer unterhalb der langen oberflächlichen Beugesehnen des Mittel- und Zeigefingers zum Daumen (Abb. 7.34).

Pflege

Die Beweglichkeit der Finger ist eine Voraussetzung zu „handeln“ und damit wesentlicher Bestandteil der Selbstständigkeit eines Menschen. Ist die Beweglichkeit der Gebrauchshand (in der Regel die rechte Hand) eingeschränkt, fühlt sich der Patient schnell abhängig. Deshalb sollte darauf geachtet werden, dass z. B. eine Venenverweilkanüle möglichst nicht an die Gebrauchshand gelegt wird.

Das Becken

Durch die Spezialisierung der oberen Extremität auf das Greifen wurde die untere Extremität allein für das Gehen und Laufen verantwortlich. Entsprechend der großen Belastungen wurden ihre Knochen und Gelenke im Verlauf der Evolution (4.7) stärker ausgebildet.

Geriatrie

Auf Becken und unterer Extremität ruht das ganze Körpergewicht, sodass die Gelenke stark belastet werden. So wundert es nicht, dass die Knie- und Hüftgegelenkarthrose (Gon- bzw. Coxarthrose) zu den häufigsten Arthrosen älterer Menschen gehören.

Das knöcherne Becken

Über dasPelvis (knöcherne) BeckenBeckenBecken:knöchernesBecken (Pelvis Abb. 7.35) stehen die unteren Extremitäten mit dem Rumpfskelett in Verbindung. Es wird auch Beckenring oder Beckengürtel genannt, weil die drei beteiligten Knochen ringförmig zusammengeschlossen sind.
Das Kreuzbein (Os sacrum Abb. 7.12) bildet die Rückwand des knöchernen Beckens. Es liegt zwischen den beiden HüftbeinHüftbeinen (Ossa Os(-sa):coxaecoxae), deren Ausläufer in einem Bogen nach vorne führen und dort über eine etwa 1 cm breite knorpelige Verbindung, die SymphyseSymphyse (SchambeinfugeSchambeinfuge), zusammengefügt sind. Die beiden Iliosakralgelenke (SakroiliakalgelenkISG, Sakroiliakalgelenke, Kreuzbein-Darmbein-GelenkeKreuzbein-Darmbein-Gelenke) zwischen Kreuz- und Hüftbein sind durch einen festen Bandapparat gesichert und nahezu unbeweglich.
Die Hüftbeine bestehen aus jeweils drei Knochen: dem DarmbeinDarmbein (Os Os(-sa):iliumilium), dem SitzbeinSitzbein (Os Os(-sa):ischiiischii) und dem SchambeinSchambein (Os Os(-sa):pubispubis). Im Laufe der Wachstumsperiode verschmelzen diese drei Knochen, sodass ihre Begrenzungen im Erwachsenenalter nicht mehr sichtbar sind. Da das Darmbein rotes, also blutbildendes Knochenmark enthält, ist der (gut tastbare) Becken- oder Darmbeinkamm (Crista iliaca Abb. 7.35)Crista(-ae):iliaca mit die am besten zugängliche Stelle zur Knochenmarkpunktion.
Das Darmbein hat vier charakteristische Knochenvorsprünge: Die dorsalen Knochenvorsprünge heißen Spina(-ae):iliaca posterior inferior/superiorSpina iliaca posterior Spina(-ae):iliacainferior (unterer hinterer Darmbeinstachel Abb. 7.35) und Spina iliaca posterior superior (oberer hinterer Darmbeinstachel). Der am weitesten vorspringende und als einziger leicht durch die Haut tastbare Vorsprung wird Spina(-ae):iliaca anterior superiorSpina iliaca anterior superior (vorderer oberer Darmbeinstachel, Abb. 7.35) genannt. Darunter liegt die Spina iliaca anterior inferior (vorderer unterer Darmbeinstachel). Darmbeinkamm und Spina iliaca anterior superior sind wichtige Orientierungspunkte bei der ventroglutäalen Injektion (Abb. 9.29).

Pflege

Die Hüftgelenke liegen etwa in der Mitte zwischen Kopf und Fuß. Herkömmliche Klinikbetten jedoch ermöglichen ein Abknicken des Bettkopfteiles nur zwischen oberem und mittlerem Bettdrittel. Dadurch wird der Oberkörper beim Sitzen im (Klinik-)Bett nicht (wie physiologisch) in der Hüfte abgeknickt, sondern in Höhe der Lendenwirbelsäule – der Patient „sitzt“ zusammengesunken im Bett. Zusätzlich rutscht er, weil den Füßen keine Grenze gesetzt ist, zum Fußteil hin ab. Mögliche Folgen sind schmerzhafte Fehlhaltungen und eine unzureichende Entfaltung der Lunge, welche über eine Atmungseinschränkung sog. Bettpneumonien (16.7) begünstigt. Legen die Pflegenden eine Decke oder einen Bettkasten an das Fußteil des Bettes, so sitzt der Patient weitgehend aufrecht und rutscht weniger stark zum Fußteil.

Das Hüftgelenk
Anteile aller drei Hüftknochen bilden gemeinsam die HüftgelenkpfanneHüftgelenkpfanne (AcetabulumAcetabulum). Die schüsselförmig vertiefte Hüftgelenkpfanne nimmt den Kopf des Oberschenkelknochens auf und bildet mit ihm das Hüftgelenk (Abb. 7.36).Hüftgelenk
Da das Hüftgelenk nicht nur viele Bewegungen ermöglicht, sondern auch starke Gewichts- und Bewegungsbelastungen aushalten muss, ist es durch einen sehr festen und straffen Bandapparat gesichert. Die HüftgelenkbänderHüftgelenkbänder ziehen von Darm-, Sitz- und Schambein zum Oberschenkelknochen und werden in ihrer Gesamtheit wegen ihres schraubenartigen Verlaufs auch als Bänderschraube bezeichnet.
Anteile von Sitz- und Schambein umschließen das HüftlochHüftloch (Foramen Foramen(-ina):obturatumobturatum). Es ist durch eine derbe Bindegewebsmembran (Membrana Membrana:obturatoriaobturatoria) verschlossen, die Gefäße und Nerven durchtreten lässt und den Ursprung für mehrere Muskeln bietet.
Das Hüftgelenk beim Säugling und Kind
Bei Kindern sind die Anteile der drei Hüftknochen noch durch Knorpelfugen voneinander getrennt, die dann später verknöchern. Die Hüftgelenkpfanne des Neugeborenen steht physiologischerweise steiler und ist flacher als beim älteren Kind und Erwachsenen. Erst im Laufe des Wachstums wird sie weniger steil und tiefer.

Pädiatrie

Eine häufige Entwicklungsstörung ist die angeborene HüftgelenkdysplasieHüftgelenkdysplasie. Die Hüftgelenkpfanne ist noch steiler und flacher als beim Neugeborenen physiologisch, sodass der Hüftkopf im weiteren Verlauf aus der Pfanne „herausrutscht“ (HüftgelenkluxationHüftgelenkluxation) und das Gelenk auf Dauer Schaden nimmt. Bei frühzeitiger Behandlung reichen meist längere Hüftabduktion durch „breites Wickeln“ oder Spreizverbände/-schienen (Abb. 7.37). Eine (zu) späte Behandlung ist langwieriger, invasiver und weniger erfolgreich. Eine Ultraschalluntersuchung der Hüftgelenke ist heute für alle Säuglinge bei der U3 vorgesehen.

Das große und kleine Becken
In seiner Gesamtheit erinnert das knöcherne BeckenabschnitteBecken an einen kurzen Trichter.
Die obere Öffnung dieses „Beckentrichters“ wird von den großen Darmbeinschaufeln gebildet. Unterhalb der Darmbeinschaufeln erfolgt schräg nach vorn unten der Beckenringschluss der beteiligten Knochen. Den hierdurch entstehenden, nach innen vorspringenden Rand nennt man Linea terminalis (Abb. 7.36). Der Bereich oberhalb dieser Linea terminalis wird als großes Becken bezeichnet. Unterhalb der Linie folgen ein Teil des Kreuzbeins mit Steißbein und die Bögen der Sitz- und Schambeine. Dieser engere Bereich des „Trichters“ heißt kleines Becken.
Das weibliche und männliche Becken
Bei Jungen und Mädchen ist die Beckenform in etwa gleich. Während der Pubertät bilden sich dann die Unterschiede zwischen weiblichem und männlichem Becken heraus (Abb. 7.38):
  • Das weibliche Becken ist flacher und leichter als das männliche

  • Der weibliche Beckeneingang, die von der Linea terminalis und dem Promontorium (Abb. 7.10, Abb. 7.38) markierte Grenze zwischen großem und kleinem Becken, ist größer und rundlich-oval, der männliche herzförmig

  • Der weibliche Beckenausgang – von dem Unterrand der Symphyse, Sitzbeinhöckern und Steißbeinspitze markiert – ist wesentlich weiter

  • Das weibliche Kreuzbein ist kürzer, breiter und im unteren Teil nach vorne gebogen

  • Der SchambeinwinkelSchambeinwinkel (der Winkel zwischen den beiden Schambeinbögen Abb. 7.38) ist bei der Frau stumpf (über 90°), beim Mann jedoch spitzwinklig (kleiner als 90°).

Alle Merkmale des weiblichen Beckens lassen sich aus den Erfordernissen des Geburtsvorgangs verstehen. Beispielsweise muss der Beckeneingang im Bereich der Linea terminalis ausreichend weit sein, damit das Kind bei der Geburt ins kleine Becken (den Geburtskanal) eintreten kann. Zusätzlich lockern die hormonellen Einflüsse in der Schwangerschaft (20.4) das Bindegewebe auf. Damit verlieren auch die sehr straffen Bänder und knorpeligen Verbindungen des Beckenrings in den letzten Wochen vor der Geburt ihre Starrheit und werden elastisch, um eine Dehnung des Beckens während der Geburt zu ermöglichen und den Durchtritt des Kindes durch den engen Geburtskanal zu erleichtern.

Der Beckenboden

BeckenbodenDa der knöcherne Beckenausgang offen ist, auf ihm aber das Gewicht sämtlicher innerer Organe lastet, ist er durch eine Platte aus Muskeln und Bändern abgeschlossen. Diese untere Begrenzung des kleinen Beckens heißt Beckenboden. Die Muskeln des Beckenbodens halten dabei durch einen relativ straffen Grundtonus das Gewicht der Eingeweide und sind für die Kontinenz wesentlich. Zu ihnen zählen (Abb. 7.39):
  • Der M. levator Musculus(-i):levator aniani (AfterhebermuskelAfterhebermuskel), der bis auf einen vorderen symphysennahen Bereich, den LevatorschlitzLevatorschlitz, den gesamten Beckenausgang auskleidet. Der M. levator ani bildet zusammen mit seinen Faszien das Diaphragma Diaphragma:pelvispelvis

  • Der M. transversus perinei Musculus(-i):transversus perinei profundus/superficialisprofundus (tiefer querer Dammmuskel), der sich zwischen beiden Schambeinästen erstreckt und damit den Levatorschlitz überbrückt. Zusammen mit je einer Faszie an seiner Ober- und Unterseite und einem zwischen den Schambeinästen verlaufenden Band bildet er das Diaphragma:urogenitaleDiaphragma urogenitale. Da der M. transversus perinei profundus bei Frauen nur schwach ausgeprägt ist, wird teilweise auch von Membrana:perineiMembrana perinei gesprochen

  • Der M. transversus perinei superficialis (oberflächlicher querer Dammmuskel), der die beiden Sitzbeinhöcker quer verspannt und mit dem hinteren Teil des Diaphragma urogenitale verflochten ist

  • Der M. Musculus(-i):bulbospongiosusbulbospongiosus (Vorhofschwellkörpermuskel), der zusammen mit dem äußeren AfterschließmuskelAfterschließmuskel (M. sphincter ani Musculus(-i):sphincter ani externusexternus) das Schließmuskelsystem für die im Becken festgehaltenen Organe Blase, Darm sowie Gebärmutter und Scheide unterstützt

  • Der M. Musculus(-i):ischiocavernosusischiocavernosus (Sitzbein-Schwellkörper-Muskel), der links und rechts zwischen Sitzbeinast und Rücken von Penis bzw. Klitoris verläuft.

Pflege

Schwangerschaften und Geburten beanspruchen und dehnen den Beckenboden (zu) stark. Mit zunehmendem Alter nimmt die Elastizität der Bänder und Muskeln auch im Beckenboden ab, wodurch sich v. a. bei Mehrgebärenden Scheide und Gebärmutter senken können. Dadurch ändert sich die räumliche Beziehung zwischen Harnblase und Harnröhre. Insbesondere bei Druckspitzen im Bauchraum durch Niesen, Husten oder Lachen kann dann der Blasenschließmuskel die Blase nicht mehr vollständig verschließen, und es kommt zum unfreiwilligen Abgang von Urin (Stress-Inkontinenz).

Vorbeugend sollte die Wöchnerin frühzeitig nach der Geburt mit Beckenbodengymnastik beginnen, um die Beckenbodenmuskulatur wieder zu kräftigen und zu straffen. Auch bei einer Gebärmuttersenkung kann Beckenbodengymnastik eine Harninkontinenz oft vermeiden oder bessern.

Die Hüft- und Oberschenkelmuskulatur

Das HüftmuskulaturHüftgelenk ist das größte Kugelgelenk des Menschen. Es ermöglicht Bewegungen um alle drei Achsen:
  • Um die Horizontalachse: Beugung des Beines nach vorn gegen den Rumpf (Anteversion), Streckung des Beines nach hinten vom Rumpf weg (Retroversion)

  • Um die Sagittalachse: Abspreizen des Beines zur Seite (Abduktion), Heranziehen des Beines (Adduktion)

  • Um die Longitudinalachse: Drehung des Beines nach innen (Innenrotation) und außen (Außenrotation).

Die Muskeln der unteren Extremität sind viel mächtiger als diejenigen der oberen Extremität, da jedes Bein große Gewichte stabilisieren, halten und bewegen muss. Insbesondere die Intaktheit der Hüftmuskulatur (und hier vor allem der Streckmuskulatur) ist für den normalen aufrechten Gang des Menschen unabdingbar. Auch ein Teil der OberschenkelmuskulaturOberschenkelmuskulaturOberschenkelmuskulatur entspringt bereits in der Hüftregion und zieht über Hüft- und Kniegelenk. Daher soll die Oberschenkelmuskulatur bereits an dieser Stelle besprochen werden.
Die Beuger im Hüftgelenk
Der wichtigste Beugemuskel im Hüftgelenk ist der M. Musculus(-i):iliopsoasiliopsoas (Darmbein-Lenden-Muskel). Er hat zwei Anteile, den M. Musculus(-i):iliacusiliacus (Darmbeinmuskel) und den M. psoas Musculus(-i):psoas majormajor (großer Lendenmuskel), die funktionell eine Einheit bilden (Abb. 7.40). Der M. iliopsoas zieht von den Lendenwirbelkörpern (M. psoas major) bzw. von der Innenseite des Darmbeinkamms (M. iliacus) hinunter zum Oberschenkelknochen. Wie alle Beugemuskeln verläuft er vor dem Hüftgelenk. Er beugt die Beine gegen den Rumpf.
Ein weiterer bedeutender Beugemuskel ist der MMusculus(-i):rectus femoris. rectus femoris (gerader Schenkelmuskel Abb. 7.40, Abb. 7.2). Er zieht von der Spina iliaca anterior inferior und dem Oberrand der Hüftgelenkpfanne hinunter an die Vorderseite des Oberschenkels und über das Knie zum Unterschenkel. Er kann dadurch sowohl im Hüftgelenk beugen als auch im Kniegelenk strecken. Der M. rectus femoris ist ein Teil des mächtigen M. quadriceps Musculus(-i):quadriceps femorisfemoris (vierköpfiger Oberschenkelmuskel). Die drei anderen Köpfe des M. quadriceps femoris, der M. Musculus(-i):vastusvastus medialis, M. vastus lateralis und M. vastus intermedius (innerer, äußerer und mittlerer Oberschenkelmuskel), entspringen allerdings am Oberschenkelknochen und ziehen zum Unterschenkel, strecken also lediglich im Kniegelenk. Alle vier Muskeln setzen in einer einzigen breiten Sehne an der Vorderseite des oberen Schienbeins an. Diese enthält über dem Kniegelenk ein Sesambein (6.1.1), die KniescheibeKniescheibe (PatellaPatella), und wird deshalb auch PatellarsehnePatellarsehne genannt.
Zur Hüftbeugung trägt ebenfalls der M. Musculus(-i):sartoriussartorius (SchneidermuskelSchneidermuskel) bei, der von der Spina iliaca anterior superior des Beckens schräg über den vorderen Oberschenkel zur medialen Seite des oberen Schienbeins zieht (Abb. 7.40, Abb. 7.2). Er ist der längste Muskel des Menschen.
Die Strecker im Hüftgelenk
Die Streckmuskeln ziehen hinter dem Hüftgelenk vom Becken zum Oberschenkelknochen. Der wichtigste Strecker ist der M. glutaeus Musculus(-i):glutaeus maximusmaximus (wörtlich übersetzt größter Gesäßmuskel, meist kurz großer Gesäßmuskel genannt, Abb. 7.40). Er ist ein mächtiger Muskel, der zudem bei der Hebung des Oberkörpers mitwirkt und verhindert, dass der Rumpf beim Stehen nach vorn kippt. Er entspringt breitflächig an der Hinterseite des Darmbeins und des Kreuzbeins und zieht an die Hinterseite des Oberschenkelknochens. Er ist maßgeblich für die typische Form der Gesäßbacken verantwortlich. Ist er gelähmt, sind Aufrichten aus der Hocke oder Treppensteigen nicht mehr möglich.
Drei weitere Muskeln unterstützen den M. glutaeus maximus in seiner Streckfunktion (Abb. 7.41, Abb. 7.42):
  • Der M. biceps Musculus(-i):biceps femorisfemoris (zweiköpfiger Oberschenkelmuskel)

  • Der M. Musculus(-i):semitendinosussemitendinosus (Halbsehnenmuskel)

  • Der M. Musculus(-i):semimembranosussemimembranosus (Plattsehnenmuskel).

Alle drei Muskeln verlaufen hinter dem Hüft- und Kniegelenk zum Unterschenkel und fungieren deshalb nicht nur als Hüftstrecker, sondern auch als Kniebeuger. Da sich ihr Ansatz hinten lateral bzw. medial unterhalb des Kniegelenks befindet, können sie im Kniegelenk auch nach innen bzw. außen rotieren (Abb. 7.42).
Die Abduktoren und Adduktoren im Hüftgelenk
Als Abspreizer (Adduktoren:HüftgelenkAbduktoren:HüftgelenkAbduktoren) des Beines im Hüftgelenk verlaufen der mittlere und kleinste Gesäßmuskel (M. glutaeus Musculus(-i):glutaeus medius/minimusmedius und minimus, Abb. 7.41), halb bedeckt vom M. glutaeus maximus, von der Außenfläche der Darmbeinschaufel hinab zum Trochanter major des Oberschenkelknochens. Sie haben eine wichtige statische Aufgabe beim Laufen: Durch Kontraktion auf der Seite des jeweiligen Standbeines ziehen sie das Becken dort etwas hinunter und verhindern beim Laufen ein Abkippen des Beckens zur Spielbeinseite (der Seite, auf der das Bein gehoben und der nächste Schritt eingeleitet wird). Die Mm. glutaei medius und minimus unterstützen auch die Innen- und Außenrotationen des Beines im Hüftgelenk.

Pflege

Die meisten intramuskulären Injektionen werden in den gut durchbluteten M. glutaeus medius verabreicht. Um große Gefäße und Nerven sicher zu schonen, wird heute bei Erwachsenen die Ventrogluteale Injektion nach Hochstetterventroglutäale Injektion:intramuskuläreInjektion nach Hochstetter-Injektion, ventroglutealeHochstetter (9.11.3, Abb. 9.29) bevorzugt.

Fünf Muskeln ziehen das Bein nach Abspreizung wieder an den Körper heran (Adduktoren Abb. 7.43). Vier von ihnen ziehen von Sitz- und Schambein zur Innenseite des Oberschenkelknochens und setzen dort an einer rauen Knochenleiste an, die sich über den gesamten Oberschenkelschaft nach unten zieht und Linea Linea(-ae):asperaaspera genannt wird (Abb. 7.41, Abb. 7.43). Zu den Adduktoren gehören:
  • Der M. Musculus(-i):adductor longus/brevis/magnusadductor longus (langer Oberschenkelanzieher)

  • Der M. adductor brevis (kurzer Oberschenkelanzieher)

  • Der M. adductor magnus (großer Oberschenkelanzieher)

  • Der M. Musculus(-i):gracilisgracilis (Schlankmuskel, setzt am Schienbein an)

  • Der M. Musculus(-i):pectineuspectineus (Kamm-Muskel).

Die Fascia lata
Alle Muskeln, die außen am Oberschenkel entlang ziehen, werden durch eine derbe Bindegewebshülle, die Fascia Fascia latalata (Oberschenkelbinde), zusammengehalten. Diese ist an der Außenseite des Oberschenkels verstärkt (Tractus Tractus:iliotibialisiliotibialis genannt) und wird dort durch einen eigenen Muskel (Schenkelbindenspanner oder M. tensor fasciae Musculus(-i):tensor fasciae lataelatae Abb. 7.42) gespannt.

Die untere Extremität

BeinWieExtremität(en):untere bei der oberen lassen sich auch bei der unteren Extremität drei Abschnitte unterscheiden (Abb. 7.44):
  • Der über das Becken mit dem Rumpf verbundene Oberschenkel

  • Der Unterschenkel

  • Der Fuß.

Die Beinachsen bei Kindern
Von vorne betrachtet sind die Beine Beinachsenbei älteren Kindern und Erwachsenen fast gerade. Normal hingegen ist:
  • Bei Säuglingen eine leichte OO-Bein-Stellung (Genu varum)-Bein-Stellung (Genu varum), d. h., die inneren Femurkondylen weichen auseinander bei sich berührenden Fußinnenknöcheln

  • Bei Klein- und Kindergartenkindern eine leichte XX-Bein-Stellung (Genu valgum)-Bein-Stellung (Genu valgum), d. h., die Fußinnenknöchel weichen auseinander bei sich berührenden inneren Femurkondylen.

Der Oberschenkel

Der Oberschenkelknochen (Femur Abb. 7.45) Femurist der längste und schwerste Knochen des Körpers. An seinem proximalen Ende befindet sich der OberschenkelkopfOberschenkelkopf (Caput Caput:femorisfemoris), der mit der Hüftpfanne des Beckens das Hüftgelenk bildet. Das distale Ende steht mit dem Schienbein (Tibia) in gelenkiger Verbindung.
Der OberschenkelOberschenkelkopf ist über den schräg abzweigenden SchenkelhalsSchenkelhalsSchenkelhals (Collum Collum:femorisfemoris) mit dem Knochenschaft verbunden. Der Winkel zwischen Schenkelhals und Oberschenkelschaft heißt CCD-Winkel (Centrum-Collum-Diaphysen-Winkel). Der CCD-CCD-WinkelWinkel beträgt beim Neugeborenen 140 bis 150° und sinkt dann bis auf 125° beim Erwachsenen. Beim alten Menschen kann er noch niedriger sein, was das Risiko einer Schenkelhalsfraktur erhöht.
Am Übergang vom Schenkelhals zum Schaft befinden sich zwei Knochenvorwölbungen, oben seitlich der große und hinten innen der kleine Rollhügel (Trochanter:major/minor (Femur)Trochanter major und Trochanterminor). An beiden setzen Hüftmuskeln an. Der Trochanter major ist gut durch die Haut tastbar und dadurch dekubitusgefährdet (8.3.4).

Geriatrie

Die SchenkelhalsfrakturSchenkelhalsfraktur ist bei älteren Menschen eine der häufigsten Frakturen überhaupt. Meist führt ein verhältnismäßig leichter Sturz auf die Hüfte (etwa nach Ausrutschen auf nassem Laub) zur Fraktur des durch Osteoporose brüchigen Knochens. Die Patienten haben Schmerzen und können die Hüfte nicht belasten, das Bein ist typischerweise verkürzt und nach außen gedreht. Die Behandlung erfolgt meist operativ. Bei älteren Menschen wird dabei ganz überwiegend eine Endoprothese eingesetzt, meist eine Totalendoprothese (Ersatz von Pfanne und Kopf), seltener eine Hemiendoprothese (Ersatz nur des Kopfes).

Auf dem sich anschließenden OberschenkelschaftOberschenkelschaft (Corpus femoris) finden sich mehrere Aufrauungen und Knochenleisten, an denen ebenfalls Hüftmuskeln ansetzen (Linea aspera Abb. 7.43, Abb. 7.45). Der Oberschenkelschaft zieht schräg nach medial, sodass die Kniegelenke näher zur Körperachse liegen als die Hüftgelenke. An seinem distalen Ende verbreitert sich der Oberschenkelknochen kolbenförmig. Ähnlich wie der Oberarmknochen (7.5.1) besitzt der Oberschenkel medial und lateral je einen Gelenkknorren, den Condylus medialis und lateralis (femoris), Condylus:medialis/lateralis femorisCondylus:medialis/lateralis femorismit einem Fortsatz darauf, dem Epicondylus medialis und lateralis (femoris). An seiner Unterfläche befinden sich die gekrümmten Gelenkflächen zum Schienbein, die noch ein kleines Stück bis auf die Hinterfläche des Knochens ziehen. Dieser Verlauf ermöglicht die Rollbewegung beim Beugen und Strecken im Kniegelenk (7.7.2).
Oberschenkelmuskulatur 7.6.3

Das Kniegelenk

Das KniegelenkKniegelenkKniegelenk ist aus zwei Teilgelenken zusammengesetzt, die von einer gemeinsamen Gelenkkapsel umschlossen werden:
  • Im FemorotibialgelenkFemorotibialgelenk artikulieren die Gelenkflächen der Kondylen von Oberschenkelknochen und Schienbein miteinander

  • Am FemoropatellargelenkFemoropatellargelenk sind der Oberschenkelknochen und die knorpelige Rückseite der Kniescheibe beteiligt. Diese ist in die Sehne des M. quadriceps femoris eingelagert, die das Kniegelenk ventral überzieht und an einer Aufrauung des Schienbeins unterhalb des Kniegelenks ansetzt (Tuberositas Tuberositas:tibiaetibiae).

Im Gegensatz zum Hüftgelenk sind im Kniegelenk fast nur Beuge- und Streckbewegungen möglich. Nur im gebeugten Zustand sind zusätzlich eine geringgradige Innen- und Außenrotation möglich.
Oberschenkelknochen und Schienbein haben jedoch keinen direkten Kontakt miteinander, da zwei knorpelige Strukturen, die Menisken, zwischengeschaltet sind (Abb. 7.46, Abb. 7.47). Diese liegen medial und lateral und werden demgemäß als Innen- und Außenmeniskus bezeichnet. Der innere hat eine Halbmond-, der äußere eine nahezu geschlossene Kreisform. Sie sind zwar an ihrem verdickten Außenrand mit der Gelenkkapsel verwachsen, aber doch so beweglich, dass sie noch auf den Gelenkflächen des Schienbeins verschiebbar sind. So bieten sie dem Oberschenkelknochen eine der jeweiligen Gelenkstellung angepasste Pfanne. Weil die MeniskusMenisken außerdem eine gewisse Elastizität besitzen, gleichen sie Belastungen aus, die auf das Knie einwirken.
Die Kreuzbänder, zwei starke, sich überkreuzende Bänder (vorderes und hinteres KreuzbandKreuzband), verhindern eine Verschiebung der beiden Gelenkanteile v. a. nach vorn oder hinten (Abb. 7.46, Abb. 7.47). Die Kreuzbänder liegen innerhalb der Gelenkkapsel und damit außerhalb der eigentlichen Gelenkhöhle.
An den Außenseiten wird die Kniegelenk:BänderKniegelenkskapsel durch die inneren und äußeren Seitenbänder:KniegelenkSeitenbänder (kurz Innen- bzw. Außenband) verstärkt (Abb. 7.46, Abb. 7.47), die als kräftige Faserzüge die vorne gelegene Patellarsehne ergänzen. Die Bänder spielen eine zentrale Rolle bei der Sicherung und Bewegungsführung des Kniegelenks.
Ein KniegelenksfettkörperKniegelenksfettkörper vor dem Gelenk dient als „Füllmasse“ (Abb. 7.44, Abb. 7.47), sorgt durch seine Verformbarkeit für Bewegungsausgleich und vermindert die Reibung der Sehnen an den Knochen bei Beugung und Streckung.
Damit keine Schäden an den über das Gelenk ziehenden Sehnen entstehen, sind an besonderen Reibungspunkten oberhalb, vor und unterhalb des Knies Schleimbeutel:KnieSchleimbeutel (Recessus suprapatellaris, Bursa(-ae):praepatellarisBursa praepatellaris, Bursa(-ae):infrapatellarisBursa infrapatellaris) eingelassen (Abb. 7.44).
Auf das Kniegelenk wirkende Muskeln
Das KniegelenkKniegelenk:Muskulatur wird schließlich auch durch die darauf wirkende Muskulatur stabilisiert. Diese Muskeln entspringen größtenteils dem Beckenbereich und wurden dort schon erklärt (Abb. 7.42).
Als Kniegelenksstrecker betätigt sich der M. quadriceps femoris mit seinen vier Anteilen (M. rectus femoris, M. vastus medialis, M. vastus lateralis und M. vastus intermedius).
Zu den Kniegelenksbeugern gehören:
  • Der M. biceps femoris (zweiköpfiger Oberschenkelmuskel)

  • Der M. sartorius (Schneidermuskel)

  • Der M. gracilis (Schlankmuskel)

  • Der M. semitendinosus (Halbsehnenmuskel)

  • Der M. semimembranosus (Plattsehnenmuskel).

Ein einziger kleiner Muskel, der M. Musculus(-i):popliteuspopliteus (Kniekehlenmuskel), gehört ausschließlich zum Kniegelenk und unterstützt dort Beugung und Innenrotation des Unterschenkels. Außerdem zieht er den Außenmeniskus bei der Kniebeugung nach hinten und verhindert die Einklemmung der Gelenkkapsel.
Ein weiterer Kniegelenksbeuger, der allerdings zu den Unterschenkelmuskeln zählt, ist der M. Musculus(-i):gastrocnemiusMusculus(-i):gastrocnemiusgastrocnemius, der ZwillingswadenmuskelZwillingswadenmuskel.

Der Unterschenkel

Der UnterschenkelUnterschenkel enthält das Unterschenkelskelett mit zwei Röhrenknochen (Abb. 7.48), dem Schienbein (Tibia) und dem Wadenbein (Fibula), und eine um diese Knochen angeordnete Muskulatur, die größtenteils hinunter zum Fuß zieht (Abb. 7.49, Abb. 7.50, Abb. 7.51).
Das Schienbein
Das TibiaSchienbeinSchienbeinSchienbein ist der kräftigere von beiden Knochen. Der Schienbeinschaft (Corpus tibiae) hat im Querschnitt die Form eines nach vorn spitz zulaufenden Dreiecks. Die Vorderkante (Margo anterior) ist durch die Haut gut tastbar und Zielort des „Tritts vor das Schienbein“.
Das proximale Schienbeinende, der Schienbeinkopf (Caput tibiae), ist an zwei Seiten aufgetrieben (Condylus medialis tibiae und Condylus lateralis tibiae). Zwischen beiden Kondylen trägt der Schienbeinkopf eine abgeflachte Gelenkfläche. Diese ist mit ihrem Gegenstück am distalen Femurende am Kniegelenk beteiligt. In der Mitte dieser Gelenkfläche befindet sich eine knöcherne Erhebung, an der die Kreuzbänder des Gelenks befestigt sind.
Am lateralen Kondylus des Schienbeinkopfes liegt eine weitere sehr kleine Gelenkfläche, die mit dem Wadenbeinkopf in Verbindung steht.
Das untere Ende des Schienbeines ist ebenfalls etwas verbreitert und besitzt medial einen Knochenzapfen (Malleolus medialis), der von außen als Innenknöchel zu tasten ist.
Seiner Dreiecksform entsprechend besitzt der Schienbeinschaft neben der Vorderkante auch einen medialen und einen lateralen Rand (Margo medialis und lateralis).
Am lateralen Schienbeinrand setzt auf ganzer Länge ein straffes Band an, die Membrana:interossea (Unterschenkel)Membrana interossea des Unterschenkels, die den Spalt zwischen Schien- und Wadenbein vollständig überbrückt.
Das Wadenbein
Das Wadenbein ist ein sehr dünner Röhrenknochen lateral vom Schienbein. Sein etwas verbreitertes oberes Ende (Caput fibulae, Wadenbeinkopf) hat eine gelenkige Verbindung zum lateralen Kondylus des Schienbeines. Der WadenbeinFibulaWadenbeinkopf ist als knöcherner Vorsprung seitlich unterhalb des Kniegelenks durch die Haut tastbar. Das deutlich verbreiterte untere Ende des Wadenbeines bildet den sichtbaren und gut zu tastenden AußenknöchelAußenknöchel am Fuß (Malleolus lateralis). Am Wadenbeinschaft ist ebenfalls auf voller Länge die Membrana interossea befestigt. Bewegungen zwischen Schien- und Wadenbein sind kaum möglich.
Die Malleolengabel
Beide Knöchel sowie das zwischen ihnen liegende Schienbeinende sind an der Bildung des oberen Sprunggelenks (7.7.4) beteiligt. Die besondere Form der Knochenvorsprünge, die hier die obere Gelenkfläche des Sprungbeins (Talus) umklammern, wird auch MalleolengabelMalleolengabel genannt. Distal des oberen SprunggelenkSprunggelenkSprunggelenks schließt sich das untere Sprunggelenk (7.7.4) an. Beide bilden zusammen eine funktionelle Einheit.
Die Unterschenkelmuskulatur – die langen Fußmuskeln
UnterschenkelmuskulaturDie charakteristische Form des Unterschenkels wird von mehreren Muskelbäuchen gebildet, von denen sich die meisten fußwärts verjüngen, woraus sich die äußere Form der Wade ergibt (Abb. 7.42, Abb. 7.50, Abb. 7.51).
Die Muskulatur ist durch Knochen, Membrana interossea und bindegewebige Trennwände (Septen) abgeteilt, wodurch vier kaum dehnbare Muskellogen mit vier Muskelgruppen entstehen (Abb. 7.49):
  • Vorne die Loge der Extensorengruppe

  • Vorne seitlich die Loge der PeronaeusgruppePeronaeusgruppe (Fibularisgruppe)

  • In der Mitte des Unterschenkels mit enger Verbindung zu Schien- und Wadenbein die tiefe Flexorengruppe

  • Hinten an der Wade die oberflächliche Flexorengruppe.

Pflege

Bei Muskelschwellung oder Blutung in eine Muskelloge (z. B. nach einem Knochenbruch) steigt der Druck innerhalb der betroffenen Loge stark an, da die Logen kaum dehnbar sind. Dies kann zum gefürchteten Kompartment-Syndrom mit irreversiblen Muskelnekrosen und Nervenschäden führen. Zur Erkennung eines (sich entwickelnden) Kompartment-Kompartement-SyndromSyndroms werden deshalb nach Unterschenkelfrakturen oder Gipsneuanlagen Puls, Sensibilität, Beweglichkeit und Hautfarbe des Fußes bzw. der Zehen stündlich überprüft.

Alle Unterschenkelmuskeln setzen am Fuß an und bewegen ihn im oberen und unteren Sprunggelenk sowie in den Zehengelenken. Da sie alle am Unterschenkel entspringen und auf die Fußgelenke wirken, werden sie auch lange Fußmuskeln genannt, im Gegensatz zu den kurzen Fußmuskeln, die ausschließlich am Fuß entspringen und dort auch ansetzen.
Ihrer Funktion entsprechend unterscheidet man bei der Unterschenkelmuskulatur Beuge- und Streckmuskeln. Die Strecker ziehen sowohl den Fuß als auch die Zehen nach oben (Dorsalextension:FußDorsalextension), die DorsalextensionBeuger nach unten Plantarflexion(Plantarflexion). Sämtliche Beuger mit Ausnahme der Peronäusgruppe neigen auch die Fußunterfläche nach medial (Supination); alle Strecker sind an der Pronation, der Bewegung des Fußaußenrandes nach lateral oben, beteiligt.
Der größte Unterschenkelmuskel, M. triceps Musculus(-i):triceps suraesurae (dreiköpfiger WadenmuskelWadenmuskel) genannt, verläuft dorsal und besitzt seinem Namen gemäß drei Köpfe (Abb. 7.2): Er setzt sich zusammen aus dem zweiköpfigen M. gastrocnemius (Zwillingswadenmuskel) undZwillingswadenmuskel dem M. Musculus(-i):soleussoleus (SchollenmuskelSchollenmuskel). Alle drei verlaufen als oberflächliche Flexoren in einer gemeinsamen Muskelloge und setzen mit einer gemeinsamen Sehne, der AchillessehneAchillessehne, am Fersenbeinhöcker an. Diese ist als dicker Strang oberhalb der Ferse gut sicht- und tastbar. Die Wadenmuskeln beugen den Fuß im oberen Sprunggelenk (7.7.4) nach plantar (zur Fußsohle hin).
Ein weiterer Beuger im oberen Sprunggelenk ist der MMusculus(-i):tibialis posterior. tibialis posterior (hinterer Schienbeinmuskel). Er verläuft zusammen mit den beiden anderen tiefen Flexoren, nämlich mit dem langen Großzehen- und dem langen Zehenbeuger (M. flexor hallucis Musculus(-i):flexor hallucis longuslongus und M. flexor digitorum Musculus(-i):flexor digitorum longuslongus), in der Muskelloge der tiefen Flexorengruppe. Innerhalb dieser Hülle verlaufen auch, etwa in der Mitte des Unterschenkels, die großen Unterschenkelgefäße und -nerven. Während der M. tibialis posterior an den Fußwurzel- und Mittelfußknochen ansetzt, ziehen die Sehnen des M. flexor digitorum longus bis zu den Endphalangen der 2.–5. Zehe.
Auch die Muskeln der lateralen Muskelloge, der MMusculus(-i):fibularis (peronaeus) brevis/longus. fibularis (peronaeus) longus und M. fibularis (peronaeus) brevis (langer bzw. kurzer Wadenbeinmuskel, Abb. 7.49, Abb. 7.50, Abb. 7.51), haben eine Beugefunktion, heben jedoch im Wesentlichen die laterale Fußkante nach oben (Pronation). Sie ziehen beide um den Außenknöchel herum und setzen an Fußwurzel- und Mittelfußknochen an.
In der vorderen Muskelloge liegen die Fußstrecker (Extensoren). Der MMusculus(-i):tibialis anterior. tibialis anterior (vorderer Schienbeinmuskel Abb. 7.49, Abb. 7.50, Abb. 7.51) zieht wie der lange Zehen- und Großzehenstrecker auf der Vorderseite des Unterschenkels zum Fußrücken. Dort setzt er an der Fußwurzel und an den Mittelfußknochen an. Der lange Zehenstrecker (M. extensor digitorum Musculus(-i):extensor digitorum longuslongus) zieht weiter bis zur Dorsalfläche der Zehen.
Alle langen Fußmuskeln gehen noch oberhalb des Sprunggelenks in ihre Sehnen über. Diese ziehen dann zu ihren entsprechenden Ansatzorten. Einige unterstützen – zusammen mit kurzen Fußmuskeln und Fußbändern – auch die Verspannung der Fußgewölbe.

Der Fuß

Der FußFuß ist der am meisten belastete Körperteil, da er unser gesamtes Gewicht tragen muss. Er hat deshalb besonders kompakte Knochen und eine Vielzahl stützender Bänder und Halt gebender Muskeln.
Der Fuß (PesPes) besteht wie die Hand aus drei Abschnitten (Abb. 7.52):
  • Der FußwurzelFußwurzelFußwurzel (TarsusTarsus) mit sieben Fußwurzelknochen (Ossa Os(-sa):tarsitarsi)

  • Dem MittelfußMittelfußMittelfuß (MetatarsusMetatarsus) mit den fünf Mittelfußknochen (Ossa metatarsalia)

  • Fünf Zehen, bei denen die GroßzeheGroßzehe (HalluxHallux) zwei, die übrigen Zehen (Digiti Digiti pedispedis) jeweils drei Knochen enthalten.

Die Fußwurzel
Das FersenbeinFersenbein (CalcaneusCalcaneus) ist der größte Fußwurzelknochen und liegt am weitesten dorsal. Seine dorsale Begrenzung, der FersenhöckerFersenbeinhöcker (Tuber Tuber calcaneicalcanei, Fersenhöcker), dient der Achillessehne als Ansatz und bildet den hinteren Pfeiler des Fußlängsgewölbes. Dem Fersenbein liegt das SprungbeinSprungbein (TalusTalus) auf (Abb. 7.52).
Zehenwärts vom Sprungbein liegt das Kahnbein (Os naviculare). An die ventralen Gelenkflächen des Kahnbeins und des Fersenbeins schließen sich die drei Keilbeine (Ossa Os(-sa):cuneiformiacuneiformia) bzw. das WürfelbeinWürfelbein (Os Os(-sa):cuboideumcuboideum) an, die kettenförmig nebeneinanderliegen.
Alle Fußwurzelknochen erinnern in ihrer Form an vielseitige Würfel.
Die Sprunggelenke
Das Sprungbein bildet nach proximal mit den unteren Gelenkflächen von Schien- und Wadenbein das obere Sprunggelenk (OSG), ein Scharniergelenk. Das obere Sprunggelenk ist von einer dünnen Kapsel umgeben, die durch mehrere Bänder (oft vereinfachend als Innen- und Außenband bezeichnet) verstärkt wird. Der Fuß wird im oberen Sprunggelenk gehoben (dorsalextendiert) und gesenkt (plantarflektiert).
Am unteren Sprunggelenk (USG) sind Fersen-, Sprung- und Kahnbein beteiligt. Das untere Sprunggelenk ermöglicht die Supination und Pronation des Fußes.
Die übrigen Gelenke der Fußwurzelknochen untereinander und zu den Mittelfußknochen sind straffe Gelenke praktisch ohne Bewegungsmöglichkeiten.
Der Mittelfuß
An die Keilbeine und das Würfelbein der Fußwurzel schließen sich strahlenförmig nebeneinanderliegend die fünf Mittelfußknochen (Ossa Os(-sa):metatarsaliametatarsalia) an. Das proximale Ende wird Basis, das distale Kopf genannt. Beide Enden tragen Gelenkflächen, die proximal mit der Fußwurzel und distal mit den Grundphalangen der Zehen verbunden sind.
Die Zehen
Die ZehenZehenglieder sind wie die Fingerglieder Röhrenknochen, jedoch kürzer und plumper. Die Zehengrundgelenke sind der Form ihrer Gelenkflächen nach Kugel-, die distal davon gelegenen Interphalangealgelenke sind Scharniergelenke. Die Zehen sind nicht so beweglich wie die Finger.
Die kurzen Fußmuskeln
Die kurze Fußmuskulatur, kurzeFußmuskulatur wird in vier Gruppen eingeteilt (Abb. 7.53):
  • Die Muskeln des Fußrückens

  • Die Muskeln im Großzehenfach (medialer Fußsohlenbereich)

  • Die Muskeln im Mittelfach (mittlerer Fußsohlenbereich)

  • Die Muskeln im Kleinzehenfach (lateraler Fußsohlenbereich).

Die drei Muskelgruppen der Fußsohle werden von einer derben Sehnenplatte, der Aponeurosis Aponeurosis plantarisplantaris, bedeckt. Sie entspringt am Unterrand des Fersenbeines und strahlt breitflächig nach vorn aus.
Zwei Zwischenwände (Septen) laufen zwischen den Fußsohlenmuskeln senkrecht in die Tiefe zu den Fußknochen. Sie unterteilen die drei Fußsohlenfächer.
Zusammen mit einigen der Fußsohlenmuskeln verstärkt die Plantaraponeurose das Längsgewölbe.
Die Fußgewölbe
Das Fußskelett hat ein Quer- und ein FußgewölbeLängsgewölbe. Trotz Verspannung durch straffe Bänder, Sehnen und Muskeln besitzen sie eine gewisse Flexibilität, um auf den Fuß einwirkende Belastungen federnd abpuffern zu können.
Das Längsgewölbe ist an der Innenseite des Fußes stärker ausgeprägt als außen und wird an drei Hauptbelastungspunkten abgestützt: den Köpfchen des ersten und des fünften Mittelfußknochens und dem Fersenbein. Ein typischer Fußabdruck, z. B. in feuchtem Sand, bildet nur diesen gerade beschriebenen bogenförmigen Belastungsverlauf ab. Das Längsgewölbe wird durch eine Vielzahl kurzer Fußmuskeln unterstützt (Abb. 7.53).
Das Quergewölbe überspannt zwischen den lateralen und medialen Anteilen der Fußwurzel- und Mittelfußknochen quer das Längsgewölbe. Bänder und Sehnen, wie die Sehne des M. peronaeus longus, spannen sich zwischen den Knochen des Quergewölbes aus. Sämtliche Fußwurzel- und Mittelfußknochen sind zusätzlich untereinander durch straffe Bänder verbunden, was die Stabilität des Gewölbes noch unterstützt und die nötige Elastizität gewährleistet.
Ferse und Vorfuß als hauptsächlich belastete Zonen sind durch eine Fettschicht gepolstert. Diese schützt die darunter liegenden Strukturen vor Druckschäden durch das Körpergewicht.

Merke

Das Fußgewölbe bildet sich erst mit dem Laufenlernen aus. Durch das fehlende Fußgewölbe und gute „Unterfütterung“ der Fußsohle mit Fett erscheint der Fuß des Säuglings „platt“. Dieser „Säuglingsplattfuß“ ist normal!

Fehlfunktionen der Fußgewölbe
Fehlfunktionen der Fußgewölbe sind häufig (Abb. 7.54):
  • Ist das Quergewölbe abgeflacht, entsteht ein Spreizfuß. SpreizfußDabei vergrößert sich der Abstand zwischen den Mittelfußknochen, und deren Köpfchen sind stärkeren Belastungen ausgesetzt

  • Beim Senkfuß ist das Längsgewölbe abgeflacht, beim Plattfuß zusammengebrochen, sodass beim Gehen nicht mehr nur ein kleiner Abschnitt, sondern fast die ganze Fußsohle dem Boden aufliegt

  • Beim Knickfuß Knickfußrutscht das Sprungbein über das Fersenbein nach medial unten ab

  • Beim KnickplattfußKnickplattfuß liegen Knick- und Plattfuß kombiniert vor

  • Beim Hohlfuß handelt es sich um das Gegenteil eines Plattfußes: Das Längsgewölbe ist überhöht. Durch die Verkleinerung der Auflagefläche des Fußes beim Laufen sind der Fersen- und Vorfußbereich stärker belastet. Dort können dann schmerzhafte Schwielen entstehen.

Der angeborene Klumpfuß
Ungefähr 1–2 von 1.000 Neugeborenen haben einen angeborenen Klumpfuß (Abb. 7.55), eine komplexe Fußdeformität aus:
  • Hohlfuß

  • Spitzfuß Spitzfuß(fixierte Plantarflexion des Fußes)

  • SichelfußSichelfuß (sichelförmige Wölbung des medialen Fußrandes)

  • Supination des Fersenbeins, sodass die Fußsohle nach innen zeigt.

Die Behandlung ist langwierig und umfasst konservative und teils auch operative Maßnahmen. Bei frühzeitigem Behandlungsbeginn und konsequenter Durchführung sind aber meist gute Ergebnisse zu erzielen.

Wiederholungsfragen

  • 1.

    Aus welchen beiden Knochengruppen besteht der Schädel? Nennen Sie für jede Gruppe drei Knochen. (7.2.1)

  • 2.

    Warum sind die Fontanellen wichtige Anhaltspunkte für den Geburtshelfer? (7.2.2)

  • 3.

    Aus welchen Anteilen besteht die Schädelbasis? (7.2.3)

  • 4.

    Aufgrund welcher Besonderheit verleihen die mimischen Muskeln dem Gesicht seinen Reichtum an Gefühlsausdrücken? (7.2.4)

  • 5.

    Aus wie vielen Wirbeln ist die Wirbelsäule zusammengesetzt, wie ist ein Wirbel aufgebaut? (7.3.2)

  • 6.

    Welche Krümmungen hat die Wirbelsäule physiologischerweise, wie entwickeln sie sich? (7.3.2)

  • 7.

    Wie heißen die ersten beiden Halswirbel, was sind ihre Besonderheiten? (7.3.3)

  • 8.

    Benennen Sie die verschiedenen Anteile der Wirbelsäule, charakterisieren Sie einen davon genauer. (7.3.3)

  • 9.

    Wie sind die Bandscheiben aufgebaut? (7.3.3)

  • 10.

    Was ist die autochthone Rückenmuskulatur, welche Aufgaben hat sie? Wie wird sie gegliedert? (7.3.4)

  • 11.

    Aus welchen knöchernen Anteilen besteht der Thorax (Brustkorb)? (7.3.5)

  • 12.

    Welche Muskeln werden zur Atemmuskulatur gerechnet? (7.3.6)

  • 13.

    Wie heißen die vier großen Muskeln, welche die vordere Bauchwand bilden? (7.3.7)

  • 14.

    Welche Strukturen verlaufen beim Mann durch den Leistenkanal? (7.3.8)

  • 15.

    Aus welchen Knochen besteht der Schultergürtel, was ist das besondere Merkmal des Schultergelenks? (7.4)

  • 16.

    Wie ist das Ellenbogengelenk aufgebaut? (7.5.1)

  • 17.

    Wie heißen die Beuger und Strecker im Ellenbogengelenk? (7.5.1)

  • 18.

    Was sind die Knochen des Unterarms, wie ist ihre Beziehung zueinander? (7.5.2)

  • 19.

    Wie viele Knochen bilden die Handwurzel? (7.5.3)

  • 20.

    Wie heißen die Fingergelenke? (7.5.3)

  • 21.

    Welche Bewegungen sind im Handgelenk möglich? (7.5.3)

  • 22.

    Aus welchen Knochen ist der Beckenring aufgebaut? (7.6.1)

  • 23.

    Welche Stelle des Beckens wird zur Knochenmarkpunktion genutzt? (7.6.1)

  • 24.

    Welches sind die wichtigsten Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Becken und wie sind diese Unterschiede funktionell erklärbar? (7.6.1)

  • 25.

    Welche Knochen sind am Hüftgelenk beteiligt? Um welchen Gelenktyp handelt es sich bei dem Hüftgelenk? (7.6.1, 7.6.3)

  • 26.

    Was ist der Beckenboden, welche Funktionen hat er? (7.6.2)

  • 27.

    Wie heißt der wichtigste Beugemuskel im Hüftgelenk? (7.6.3)

  • 28.

    Welcher ist der wichtigste Streckmuskel im Hüftgelenk? (7.6.3)

  • 29.

    Welche beiden Muskeln verhindern, dass das Becken beim Gehen zum Schwungbein hin abkippt? (7.6.3)

  • 30.

    Welche Gelenkflächen bilden das Kniegelenk? (7.7.2)

  • 31.

    Welche Bandstrukturen gehören zum Kniegelenk? (7.7.2)

  • 32.

    Welche weiteren Strukturen stabilisieren das Kniegelenk? (7.7.2)

  • 33.

    Welche Funktion haben Fettkörper und Schleimbeutel im Kniegelenk? (7.7.2)

  • 34.

    Wie heißt der größte Wadenmuskel? (7.7.3)

  • 35.

    Welche Knochen bilden das obere Sprunggelenk, welche Bewegungen sind hier möglich? (7.7.4)

  • 36.

    An welchem Knochen setzt die Achillessehne an? (7.7.4)

  • 37.

    Mit welchen Knochen steht das Fersenbein in Verbindung? (7.7.4)

  • 38.

    Wie heißen die Knochen von Mittelfuß und Zehen? (7.7.4)

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