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B978-3-437-26803-8.00005-1

10.1016/B978-3-437-26803-8.00005-1

978-3-437-26803-8

Abb. 5.1

[M375]

Mehrreihiges hochprismatisches Flimmerepithel in den Atemwege:FlimmerepithelAtemwegen.

Abb. 5.2

[Fotos von oben: 1, 2, 5, 6: O568; 3, 4, 7: M375]

Verschiedene Oberflächenepithelien.Oberflächenepithel:Differenzierung

Abb. 5.3

Verschiedene exokrine Drüsen (endokrine DrüsenDrüsen:Einteilung 11.1). Links Einteilung nach dem Aussehen der Endstücke in tubulöse, azinöse und alveoläre Drüsen. Rechts Einteilung nach dem Bau des Gangsystems in einfache, verzweigte und zusammengesetzte Drüsen.

Abb. 5.4

[X243]

Kollagenfasern:rasterelektronenmikroskopisches BildKollagenfasern dargestellt im rasterelektronenmikroskopischen Bild.

Abb. 5.5

[M375]

Kollagenes BindegewebeBindegewebe:straffes. Links lockeres Bindegewebe (oben links ein kleines Blutgefäß), rechts straffes, parallelfaserigesBindegewebe:parallelfaseriges Bindegewebe.

Abb. 5.6

[E260]

Weißes FettgewebeFettgewebe:weißes. Die dicht aneinanderliegenden, kugeligen Zellen werden von einigen retikulären Fasern umgeben.

Abb. 5.7

[Fotos: M375]

Übersicht der drei Knorpelarten.

Abb. 5.8

[M375]

Längs- und Querschnitt durch einen glatten Muskel, einen quergestreiften Muskel (Skelettmuskel) und den Herzmuskel.

Abb. 5.9

Schwann-ZelleSchwann-ZelleSchwann-ZelleSchwann-ZelleRanvier-SchnürringRanvier-SchnürringRanvier-SchnürringMarkscheideMarkscheideMarkscheideAufbau eines NeuronsNeuron:Aufbau. Die linke, hellblau unterlegte Bildhälfte stellt die „Eingangsseite“ des Neurons dar, wo Informationen aufgenommen werden. Die rechte, grau hinterlegte Bildhälfte ist die „Ausgangsseite“, die Informationen fortleitet – zu anderen Nerven-, Drüsen- oder Muskelzellen. Die Pfeile geben die Richtung der Erregungsleitung von den Dendriten über den Zellkörper zum Axon an.

Abb. 5.10

[X141]

Nervenzelle:RückenmarkNervenzelle aus dem Rückenmark mit Zellkörper und Axon.

Abb. 5.11

MyelinscheideMyelinscheideLinks Entwicklung einer marklosen und einer markhaltigen NervenfaserNervenfasern:Entwicklung. Bei markhaltigen Nervenfasern legt sich die Schwann-Zelle an das Axon an, umwickelt es und bildet durch mehrere Lagen ihrer Zellmembran die Myelinschicht. Bei marklosen Nervenfasern hingegen werden mehrere Axone von einer Schwann-Zelle umflossen, eine Myelinscheide bildet sich nicht. Rechts Längsschnitt durch eine markhaltige Nervenfaser.

Abb. 5.12

[Foto: M375]

Aufbau eines größeren Nerven:Aufbau und HüllstrukturNervs und seiner Hüllstrukturen, oben in der Schemazeichnung, unten im lichtmikroskopischen Bild (die fetthaltigen Markscheiden erscheinen hier gelb).

Die Gewebe des Körpers

Lernzielübersicht

Die vier Grundgewebe

  • Es gibt vier Grundgewebe: Epithel-, Binde- und Stütz-, Muskel- sowie Nervengewebe.

  • Die verschiedenen Gewebe sind in sehr unterschiedlichem Ausmaß zur Erneuerung fähig.

Die Epithelgewebe

  • In Epithelgeweben liegen die Zellen dicht beieinander.

  • Oberflächenepithelien bedecken die äußeren und inneren Körperoberflächen.

  • Drüsenepithelien sind auf Bildung und Abgabe von Sekreten spezialisiert.

  • Sinnesepithelien nehmen Sinnesreize auf.

Die Binde- und Stützgewebe

  • Binde- und Stützgewebe verleihen dem Körper Form und Festigkeit. Ihre Interzellulärsubstanz besteht aus der Grundsubstanz und Fasern, wobei Kollagenfasern, elastische Fasern und retikuläre Fasern unterschieden werden.

  • Man unterscheidet lockeres und straffes kollagenes Bindegewebe (z. B. Organstroma bzw. Sehnen) sowie retikuläres Bindegewebe (in den lymphatischen Organen).

  • Fettgewebe ist aus Fettzellen aufgebaut. Als Baufett schützt es vor Wärmeverlust, polstert mechanisch belastete Regionen und hält z. B. die Nieren in ihrem Lager. Speicherfett ist ein wichtiger Energiespeicher – es findet sich v. a. im Unterhautgewebe.

  • Im sehr druckfesten Knorpel sind einzelne Knorpelzellen oder kleine Zellgruppen von viel Grundsubstanz und Fasern umgeben. Knorpel enthält keine Blutgefäße und regeneriert daher kaum. Hyaliner Knorpel findet sich z. B. an den Gelenkflächen, elastischer Knorpel in der Ohrmuschel und Faserknorpel in den Bandscheiben.

  • Knochen, der nach der Bauweise in Geflecht- und Lamellenknochen unterteilt werden kann, ist sehr hart. Die Knochenmatrix besteht aus Kollagenfasern und Kalksalzen, darin liegen die Knochenzellen (Osteozyten).

Das Muskelgewebe

  • Muskelgewebe ermöglicht die Bewegungen der inneren Organe und des ganzen Körpers.

  • Glatte Muskulatur wird autonom gesteuert, unterliegt also nicht dem Willen. Sie findet sich u. a. in Magen-Darm-Trakt und Blutgefäßwänden.

  • Die quergestreifte Muskulatur bildet die Skelettmuskulatur, mit der die willentlichen Bewegungen ausgeführt werden. Ihre Kontraktionen werden vom zentralen Nervensystem ausgelöst.

  • Die Herzmuskulatur zeigt zwar eine Querstreifung, wird aber wie die glatte Muskulatur autonom gesteuert.

Das Nervengewebe

  • Nervengewebe besteht aus Nervenzellen (Neuronen) und Stützzellen (Gliazellen).

  • Neurone sind zur Erregungsbildung und Erregungsleitung fähig. Sie bestehen aus Zellkörper und Fortsätzen (Dendriten, Axon).

  • Die kurzen Dendriten nehmen die Erregung auf.

  • Die langen Axone leiten die Erregung zu anderen Zellen weiter.

  • Die Kontaktzonen zweier Neurone heißen Synapsen.

  • Gliazellen stützen, ernähren und schützen die Neurone.

  • Ein Axon und seine Markscheide bilden eine Nervenfaser, Bündel von Nervenfasern einen Nerv.

Die vier Grundgewebe

Gruppen von Zellen gleicher Funktion und Bauart heißen Gewebe. Die Lehre von den GewebeGeweben ist die HistologieHistologie.
Nach ihrer Entwicklungsgeschichte, Struktur und Funktion unterscheidet man vier Grundgewebe:
  • Epithelgewebe

  • Binde- und Stützgewebe

  • Muskelgewebe

  • Nervengewebe.

Parenchym, Stroma und Interzellulärsubstanz
Verschiedene Gewebe zusammen bilden ein Organ. Die Zellen, die für die eigentliche Organfunktion zuständig sind, bilden das ParenchymParenchym. Bindegewebe (das StromaStroma) baut das Gerüst des Organs und enthält die versorgenden Gefäße und Nerven.
Der je nach Gewebe unterschiedlich weite Raum zwischen den Zellen (das InterstitiumInterstitium 3.5) ist ausgefüllt mit Zwischenzell- oder InterzellulärsubstanzInterzellulärsubstanzInterzellulärsubstanz (5.3.2). Sie ist elementar sowohl für den Stoffaustausch zwischen Blut und Zellen als auch für die mechanischen Eigenschaften des jeweiligen Gewebes.
Die Geweberegeneration
Die Fähigkeit zu Zellersatz und Regeneration ist in den verschiedenen Geweben sehr unterschiedlich:
  • Die Zellen von Wechselgeweben (labilen Geweben)Wechselgewebe leben nur Tage bis Monate. Daher müssen ständig Zellen ersetzt werden. Die neuen Zellen werden durch Teilung von Stammzellen gebildet. Typische Wechselgewebe sind z. B. Schleimhautepithelien, rote und weiße Blutzellen

  • Bei stabilen Gewebe:stabileGeweben beträgt die Lebensdauer der Zellen Monate bis Jahre. Entsprechend ist die Zellteilungsrate weit niedriger als in den Wechselgeweben. Stabile Gewebe sind z. B. das Lebergewebe und endokrine Drüsengewebe

  • Die Zellen der RuhegewebeRuhegewebe (Dauergewebe, permanente Gewebe) haben ihre Teilungsfähigkeit im Verlauf der Gewebeentwicklung verloren. Hierzu zählen hoch spezialisierte Gewebe wie z. B. Nerven- und Sinnesgewebe und Zähne.

Medizin

Je weniger stoffwechselaktiv ein Gewebe und je niedriger seine Zellteilungsrate normalerweise ist, desto schlechter ist in aller Regel seine Regenerationsfähigkeit:GewebeGewebe:RegenerationsfähigkeitRegenerationsfähigkeit nach Gewebeschäden: Oberflächliche (Schleim-)Hautwunden beispielsweise heilen in etwa einer Woche. Bei Knochenbrüchen dauert die Heilung länger, es wird aber wieder funktionell hochwertiger Knochen gebildet. Hingegen ist die Regerationsfähigkeit von Knorpel und Sehnen schlecht. Auch untergegangenes Herzmuskelgewebe nach einem Infarkt wird lediglich durch eine funktionell minderwertige, bindegewebige Narbe ersetzt.

Die Epithelgewebe

Die flächigen EpithelEpithelgewebe erfüllen eine Reihe unterschiedlicher Funktionen: Sie schützen Epithelgewebebeispielsweise die äußeren und inneren Körperoberflächen vor schädigenden Einflüssen, sondern Sekrete wie z. B. Schweiß ab, resorbieren Nährstoffe aus dem Darm, haben Transportfunktion und können Sinnesreize aufnehmen.

Merke

In der Regel werden Epithelgewebe nach ihrer Hauptfunktion aufgeteilt in:

  • Oberflächenepithelien

  • Drüsenepithelien

  • Sinnesepithelien.

In Epithelgeweben liegen die Zellen dicht beieinander. Lücken zwischen den Zellen sind lichtmikroskopisch nicht erkennbar, Interzellulärsubstanz ist sehr spärlich. Die meisten Epithelgewebe erneuern sich ständig. Epithelien besitzen keine Blut- und Lymphgefäße, sondern werden durch Diffusion vom tiefer liegenden Bindegewebe ernährt.
Zwischen Epithel- und Bindegewebe befindet sich ein feines „Häutchen“ aus Kollagen und Makromolekülen (Glykoproteinen und Proteoglykanen, 5.3.2), die BasalmembranBasalmembran (GrundhäutchenGrundhäutchen). Sie hat gleichzeitig trennende und verbindende Funktionen. Basalmembranen sind allerdings nicht epithelspezifisch, sie umhüllen v. a. auch Muskel- und Fettzellen.
EpithelzellenEpithelzellen bilden untereinander viele Zellkontakte (3.2.3) aus. Außerdem sehen Epithelzellen an ihrer „oberen“ (apikalen, oberflächennahen) Seite anders aus als an ihrer „unteren“ (basalen, zur Basalmembran gerichteten) Seite, man sagt, sie sind polar differenziert. Kennzeichnend sind vor allem die Epithelzellen:OberflächendifferenzierungenOberflächendifferenzierungen der Epithelzellen:
  • Stäbchenartige Zytoplasmafortsätze heißen MikrovilliMikrovilli. Zahlreiche Mikrovilli dicht nebeneinander bilden einen Stäbchen- oder BürstensaumBürstensaum. Mikrovilli dienen vor allem der Oberflächenvergrößerung bei hauptsächlich resorbierenden oder sezernierenden Epithelien, etwa der Darmschleimhaut. Sehr lange Mikrovilli heißen auch Stereozilien

  • KinozilienKinozilienKinozilien (Flimmerhaare Abb. 5.1) sind aktiv bewegliche feine „Härchen“. Durch viele Kinozilien entsteht ein transportierendes FlimmerepithelFlimmerepithel, etwa in den Atemwegen, wo es Staubpartikel der Einatemluft abfängt, in Richtung Rachen befördert und so eine Verschmutzung der Lungenbläschen verhindert

  • Sinneshaare 10

  • Crusta 5.2.1.

Medizin

Wie aus allen sich teilenden Zellen, so können auch aus Epithelzellen Tumoren entstehen. Bösartige Tumoren des Epithels Karzinomheißen Karzinome und gehören zu den häufigsten bösartigen Tumoren überhaupt. Ist die Basalmembran noch intakt, spricht man von einem Carcinoma in Carcinoma in situsitu. Seine Prognose ist sehr gut. Ist die Basalmembran durchbrochen, handelt es sich um ein invasives Karzinom. Je tiefer es vordringt, desto größer ist die Gefahr Metastasenvon Metastasen (Tochtergeschwülsten).

Die Oberflächenepithelien

OberflächenepithelOberflächenepithelien (DeckepithelDeckepithelien) bedecken die innere und äußere Oberfläche des Körpers.
Das Epithelgewebe der Haut schützt den Körper vor Umwelteinflüssen und Wasserverlust. Im Körperinneren kleiden Epithelien z. B. Magen-Darm-Trakt, Gallen- und Harnblase aus. Diese Epithelien werden zusammen mit dem darunter liegenden Bindegewebe als Schleimhäute Schleimhautbezeichnet, da Drüsen in ihnen ein schleimiges Sekret produzieren, das sich dann wie ein dünner Film auf das Epithel legt.
Das Oberflächenepithel der Gefäß- und Herzinnenräume Endothelheißt Endothel (15.1.2), das der Seröse Höhlenserösen MesothelHöhlen (1.5) Mesothel.
Die Einteilung der Oberflächenepithelien
Oberflächenepithelien werden nach der Form ihrer Zellen sowie deren Anordnung im Zellverband differenziert (Abb. 5.2).Oberflächenepithel:Einteilung
Nach der Form der Zellen unterscheidet man:
  • PlattenepithelPlattenepithel, bei dem die Zellen im histologischen Bild (Schnitt senkrecht zur Oberfläche) niedrig und breit sind

  • Epithel:isoprismatisches (kubisches)Isoprismatisches (kubisches) Epithel, dessen Zellen in etwa ebenso hoch wie breit sind

  • Epithel:hochprismatisches (zylindrisches)Hochprismatisches (Zylinderepithelzylindrisches) Epithel mit hohen, schmalen Zellen.

Die verschiedenen Zellformen entsprechen unterschiedlichen funktionellen Erfordernissen: Bei den platten Epithelien steht die Schutz- und Abgrenzungsfunktion im Vordergrund, bei den prismatischen Epithelien die Stoffaufnahme (Resorption) oder -abgabe (Sekretion).
Auch die Anordnung der Zellen in den Zellverbänden ist unterschiedlich:
  • Beim einschichtigen Epithel haben alle Zellen Kontakt mit der Basalmembran

  • Gleiches gilt für die Zellen des mehrreihigen Epithels, bei dem jedoch nicht alle Zellen die Epitheloberfläche erreichen

  • Beim mehrschichtigen Epithel hat nur die unterste Zellschicht Kontakt zur Basalmembran. Für die Namensgebung nach der Zellform ist hier die Zellform der obersten (oberflächennahen) Schicht maßgeblich.

Als Sonderform betrachtet wird das ÜbergangsepithelÜbergangsepithel (Urothel) Urotheldes Harntrakts. Es ist überwiegend mehrschichtig, gebietsweise auch zweireihig. Sein Erscheinungsbild hängt vom Füllungsgrad der Harnblase ab: Je voller die Harnblase ist, desto weniger Schichten scheint das Urothel zu haben und desto flacher und breiter sind die Deckzellen an der Oberfläche. Kennzeichnend für Urothelzellen ist außerdem die Crusta, eine lichtmikroskopische Verdichtung des Zytoplasmas zur Harnblasenoberfläche hin, die mit der Schutzfunktion und Dehnungsfähigkeit des Urothels in Zusammenhang steht.

Die Drüsenepithelien

DrüsenDrüsen (Glandula(-ae)Glandulae) sind einzelne spezialisierte Epithelzellen oder Ansammlungen von Epithelzellen, die Sekrete (überwiegend flüssige Stoffgemische) absondern. Nach der Art der Sekretausscheidung lassen sich exokrine und endokrine DrüsenepithelDrüsen unterscheiden.
Die exokrinen Drüsen
Exokrine DrüsenExokrine Drüsen wieDrüsen:exokrine etwa Tränen- oder Schweißdrüsen sondern ihr Sekret an die Oberfläche von Haut oder Schleimhäuten ab, meist über einen Ausführungsgang.
Die einfachste Form einer exokrinen Drüse sind die Becherzellen des Darms, die nur aus einer einzigen Zelle bestehen. Die Regel sind aber komplexe Gebilde aus mehreren sekretorisch aktiven Zellen (DrüsenendstückDrüsenendstücke), deren Ausführungsgänge mit Deckzellen ausgekleidet sind (Abb. 5.3).
Einige exokrine Drüsen, z. B. die Speicheldrüsen, haben außen an den Endstücken Myoepithelzellen, DrüsenMyoepithelzellen, die durch ihre Kontraktion die Endstücke „auspressen“ und so den Sekretfluss fördern.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, exokrine Drüsen einzuteilen, z. B. nach ihrem Aufbau, der Art des Sekrets oder der Art der Sekretabgabe.
Kriterien bei der Klassifikation nach dem Drüsenaufbau sind das Aussehen der Endstücke und des Gangsystems (Abb. 5.3):
  • Tubulöse DrüsenTubulöse Drüsen haben schlauchförmige, azinöse Drüsen beerenförmige und alveoläre Drüsen bläschenförmige Drüsenendstücke. Mischformen (z. B. tubuloazinös) sind möglich

  • Einfache Drüsen haben nur einen Ausführungsgang ohne Verästelungen. Bei verzweigten (verästelten) Drüsen münden mehrere Endstücke in einen Ausführungsgang. Zusammengesetzte Drüsen haben ein verzweigtes Ausführungsgangsystem.

Sondert eine Drüse vornehmlich wässrige Sekrete ab, so heißt sie seröse Drüse, sezerniert sie vor allem schleimige Sekrete, wird sie muköse Drüse genannt. Gemischte Drüsen können je nach Bedarf sowohl seröse als auch muköse Ausscheidungen produzieren.
Exokrine Drüsen können zum Dritten nach der Art der Sekretabgabe unterteilt werden:
  • Merokrine (früher ekkrine) DrüsenMerokrinMerokrine (früher ekkrine) Drüsen, z. B. Schweißdrüsen, schleusen ihr Sekret durch Exozytose (3.5.8) aus der Zelle aus. Die Zelle selbst scheint danach unverändert

  • Bei Apokrine Drüsenapokrinen Drüsen Drüsen:apokrine(z. B. Duftdrüsen der Achselregion) schnürt sich der oberflächennahe Anteil der Zelle ab, sodass Zytoplasma verloren geht

  • Holokrine DrüsenHolokrine Drüsen Drüsen:holokrine(z. B. Talgdrüsen) gehen bei der Sekretabgabe zugrunde und werden mit dem Sekret ausgestoßen.

Die endokrinen Drüsen
Endokrine Drüsen wie dieDrüsen:endokrine Schilddrüse heißen auch HormondrüseHormondrüsen (Details 11). Sie brauchen keinen Ausführungsgang, denn ihre Sekrete – die Hormone – diffundieren in die Blutkapillaren und erreichen über den Blutkreislauf die Zielzellen oder werden lokal wirksam (parakrine Sekretion).

Die Sinnesepithelien

Die hoch spezialisierten SinnesepithelSinnesepithelien (Details 10) können (Sinnes-)Reize aufnehmen und weiterleiten. Hierzu gehören z. B. die lichtaufnehmenden Stäbchen und Zapfen der Netzhaut im Auge.

Die Binde- und Stützgewebe

BindegewebeBindegewebeBinde- und StützgewebeStützgewebeStützgewebe sind entscheidend an Formgebung und -erhalt des Körpers beteiligt. Zu den Bindegeweben gehören das kollagene und retikuläreBindegewebe:retikuläres Bindegewebe (5.3.3, 5.3.4) sowie das Fettgewebe (5.3.5). Die Stützgewebe unterteilt man in Knorpel und Knochen (5.3.6, 5.3.7).
Die besonderen mechanischen Eigenschaften der Binde- und Stützgewebe gehen zu einem großen Teil auf deren sehr reichliche Zwischenzell- oder Interzellulärsubstanz zurück (Ausnahme: Fettgewebe).

Die Bindegewebszellen

Bei den Zellen der BindegewebszellenBinde- und Stützgewebe wird zwischen ortsständigen und freien Bindegewebszellen unterschieden.
  • Die ortsständigen (fixen) Bindegewebszellen können ihre Lage nicht verändern. Sie produzieren die bereits oben erwähnte Interzellulärsubstanz

  • Die freien (mobilen) Bindegewebszellen sind beweglich. Es handelt sich in erster Linie um Abwehrzellen des Monozyten-Makrophagen-Systems (13.2.2, Tab. 13.2), die aus dem Blut ins Bindegewebe einwandern und Gewebetrümmer, Fremdkörper oder Mikroorganismen beseitigen.

Die Interzellulärsubstanz

Die Interzellulärsubstanz gibt dem Gewebe unterschiedliche Stärke und Festigkeit, je nach Funktion des entsprechenden Gewebes. Für jedes Bindegewebe ist die Mischung aus einer Grundsubstanz verbunden mit einem oder mehreren Fasertypen verbunden mit charakteristisch.
Die Grundsubstanz
GrundsubstanzDie von den verschiedenen Bindegewebszellen gebildete Grundsubstanz ist eine homogene, kittartige Masse. Sie besteht hauptsächlich aus Wasser, Glykoproteinen (Eiweiß mit daran gebundenem Kohlenhydrat) und Proteoglykanen (Riesenmoleküle mit hohem Polysaccharid- und geringerem Proteinanteil). Die Proteoglykane binden Wasser und andere Substanzen und machen die Grundsubstanz dadurch zähflüssig bis fest. Bei den Stützgeweben Knorpel und Knochen hat die Grundsubstanz vor allem mechanische Funktion. Im Übrigen ist sie Reservoir der extrazellulären Flüssigkeit und von großer Bedeutung für den Stoffaustausch zwischen Zellen und Blut.
Die Fasern
Bei den FasernFasern unterscheidet man kollagene, elastische und retikuläre Fasern.
KollagenfasernKollagenfasern (Abb. 5.4) finden sich im ganzen Körper, vor allem aber in Sehnen und Gelenkbändern. Kollagenfasern sind sehr zugfest, aber nur wenig dehnbar und dadurch besonders geeignet für Haltefunktionen. Die rund zwei Dutzend verschiedenen Kollagentypen im menschlichen Körper unterscheiden sich in der Aminosäurefolge ihrer Ketten.
Die sehr dehnbaren Elastische Fasernelastischen Fasern verleihenFasern:elastische z. B. den Arterien (15.1.2) ihre hohe Elastizität und verhindern somit, dass die Gefäßwände platzen, wenn das Blut mit hohem Druck hineingepresst wird. Auch die Elastizität von Lunge und Haut beruht auf deren Gehalt an elastischen Fasern.
Die verzweigtenFasern:retikuläre Retikuläre Fasernretikulären Fasern (GitterfaserGitterfasern) bilden dreidimensionale, verform- und dehnbare Netze. Retikuläre Fasern befinden sich vor allem im roten Knochenmark, in den Rachenmandeln, den Lymphknoten und der Milz und stützen diese und viele andere Organe. Außerdem sind sie ein wichtiger Bestandteil der Basalmembranen.

Das kollagene Bindegewebe

Bindegewebe:kollagenesDie ortsständigen Zellen des kollagenen Bindegewebes sind die Bindegewebszellen im engeren Sinne, die Fibroblasten und Fibrozyten. Fibroblast bezeichnet meist die aktive und FibrozytFibrozyt Fibroblastdie ruhende Zelle. Über lange Zytoplasmafortsätze stehen sie miteinander in Verbindung und bilden so eine Art weitmaschiges Netz.
Das lockere Bindegewebe
Das faserarme lockere Bindegewebe (Abb. 5.5) Bindegewebe:lockeresfüllt als bindegewebiges Stützgerüst überall im Körper Hohlräume zwischen ganzen Organen und einzelnen Teilen eines Organs aus. Es bildet also das Stroma. Auf diese Weise erhält es die Form der Organe und des Körpers.
Lockeres Bindegewebe begleitet Nerven, Blut- und Lymphgefäße und dient sowohl als Wasserspeicher wie auch als Verschiebeschicht. Zudem erfüllt es wichtige Aufgaben bei Abwehr- und Regenerationsvorgängen, da es viele Entzündungs- und Abwehrzellen beherbergt.
Das straffe Bindegewebe
Das faserreiche straffe Bindegewebe Bindegewebe:straffeswird unterteilt in geflechtartiges und parallelfaseriges Bindegewebe. Die kollagenen Fasern des Bindegewebe:geflechtartigesgeflechtartigen Bindegewebes bilden einen filzartigen Verband. Es kommt vor allem in der Lederhaut des Auges, der Hirnhaut und den Organkapseln vor. Das Bindegewebe:parallelfaserigesparallelfaserige Bindegewebe (Abb. 5.5) findet sich in den Sehnen.

Das retikuläre Bindegewebe

Das Retikuläres Bindegeweberetikuläre Bindegewebe:retikuläresBindegewebe besteht aus den sternförmigen RetikulumzelleRetikulumzellen, die ein dreidimensionales Netzwerk bilden und denen die retikulären Fasern anliegen. Außerdem enthält es zahlreiche freie Bindegewebszellen (5.3.1). Retikuläres Bindegewebe ist im Knochenmark und in den (sekundären) lymphatischen Organen, z. B. den Lymphknoten, anzutreffen.

Das Fettgewebe

FettgewebeFettgewebe ist eine Sonderform des retikulären Bindegewebes. In die FettzellenFettzellen (Adipozyten, teils auch LipozytLipozyten genannt) sind kugelförmige Fetttröpfchen aus Neutralfetten (Triglyzeriden 2.8.2) eingelagert. Retikuläre Fasern flechten sich um die einzelnen Fettzellen (Abb. 5.6) und fassen sie zu Fettläppchen zusammen. Viele Fettläppchen bilden das Fettgewebe, das durch reichlich Kapillaren (15.1.3) mit Blut versorgt wird.
Das weiße Fettgewebe
Die allermeisten Fettzellen des Erwachsenen enthalten einen großen Fetttropfen (daher univakuläres Fettgewebe), der Zytoplasma und Zellkern an den Rand drängt. Wegen seiner weiß-gelben Farbe heißt dieses Fettgewebe weißes Fettgewebe.
  • BaufettBaufett polstert mechanisch beanspruchte Körperregionen (z. B. Gesäß, Fußsohlen, Wangenfettpfropf bei Säuglingen) und hält Organe in ihrer Position (z. B. Niere, Augapfel)

  • SpeicherfettKörper, FettanteilIm Speicherfett hortet der Körper fast seinen gesamten Energievorrat, um ihn bei Energiemangel wieder zu mobilisieren

  • Fettgewebe schützt außerdem vor Wärmeverlust.

Das (prozentuale) GesamtkörperfettGesamtkörperfett unterliegt großen individuellen Schwankungen; darüber hinaus ist seine Verteilung alters- und geschlechtsabhängig. Bei gesunden jungen Männern liegt der Körperfettanteil bei rund 15 %, bei Frauen als „Reserve“ für Schwangerschaft und Stillzeit ca. 10 % darüber. Kinder haben einen geringeren Körperfettanteil, ältere Menschen einen höheren. Während Männer das Speicherfett insbesondere im Unterhautbindegewebe des Bauches „einlagern“, füllt sich bei Frauen oft besonders die Hüft- und Gesäßregion.

Medizin

Bei Nahrungsmangel wird der (Speicher-)Fettvorrat aufgezehrt, bei Nahrungsüberschuss wieder aufgefüllt. Dabei ändert sich beim Erwachsenen kaum die Zahl der Fettzellen, sondern v. a. das Volumen der einzelnen Fettzellen – Fettzellen können über 0,1 mm groß werden. Bei übergewichtigen Kindern hingegen nimmt die Gesamtzahl der Fettzellen zu, was eine Gewichtsabnahme im späteren Leben (zusätzlich) erschwert.

Fettgewebe ist allerdings kein träger Speicher, sondern stoffwechselaktiv: Neben Zytokinen, Enzymen und Angiotensinogen (18.3.1) produziert es z. B. geringe Mengen an Östrogenen (weibliche Geschlechtshormone 19.2.5) und LeptinLeptin (11.8), das an der Appetitregulation beteiligt ist.
Das braune Fettgewebe
Fettgewebe:braunesBraunes Fettgewebe hat kleinere Zellen mit vielen kleinen Fetttröpfchen (plurivakuläres Fettgewebe) und zahlreichen Mitochondrien. Es dient der zitterfreien Wärmebildung, da das abgebaute Fett vor allem in Wärme umgesetzt wird (15.4.3). Säuglinge haben zum Schutz vor Auskühlung vergleichsweise viel braunes Fettgewebe am Körperstamm (Neugeborene 2–5 % des Körpergewichts). Mit zunehmendem Alter nimmt es ab bis auf ca. 50–100 g beim Erwachsenen, wobei die Aktivität dieses Fettgewebes bei den meisten Erwachsenen bei Raumtemperatur gering ist.

Der Knorpel

Der besonders druckfeste KnorpelKnorpel gehört zu den Stützgeweben. Er widersteht mechanischen Beanspruchungen, insbesondere Scherkräften.
Die hohe Druckfestigkeit entsteht dadurch, dass viel feste Grundsubstanz die Knorpelzellen (ChondrozytChondrozyten) und Fasern umlagert. Die Chondrozyten liegen in kleinen Gruppen zusammen. In ihrer unmittelbaren Umgebung lässt sich die Grundsubstanz besonders stark anfärben. Dieser Bereich heißt KnorpelhofKnorpelhof. Chondrozyten und Knorpelhof zusammen bilden Chondronein Chondron.
Abgesehen vom Gelenkknorpel wird Knorpel von dem bindegewebigen, gefäß- und Perichondriumnervenreichen Perichondrium (KnorpelhautKnorpelhaut) umhüllt. Knorpelgewebe hat keine Blutgefäße und wird allein durch Diffusion (3.5.4) aus den umgebenden Geweben versorgt. Seine Stoffwechselaktivität ist niedrig.

Medizin

Die Regenerationsfähigkeit von Knorpel ist gering, weshalb Knorpelverletzungen nur schlecht heilen.

Man differenziert hyalinen, elastischen und Faserknorpel (Abb. 5.7). Deren verschiedene physikalische Eigenschaften ergeben sich v. a. aus dem unterschiedlichen Faseranteil sowie dem (hauptsächlichen) Fasertyp in der Interzellulärsubstanz.
Der hyaline Knorpel
DurchKnorpel:hyaliner hyalinen Knorpel scheint das Licht wie durch mattes Glas. Die in ihm enthaltenen Kollagenfasern sind im Lichtmikroskop nicht zu sehen. Hyaliner Knorpel ist sowohl druckfest als auch elastisch.
Hyaliner Knorpel überzieht Gelenkflächen, bildet die Rippenknorpel, einen Teil der Nasenscheidewand, das Kehlkopfgerüst und die Spangen der Luftröhre. Viele Knochen werden außerdem über die Zwischenstufe eines Modells aus hyalinem Knorpel gebildet (6.1.3), eine Erklärung für die höhere Elastizität des kindlichen Skeletts.
Der elastische Knorpel
Der Aufbau desKnorpel:elastischer Elastischer Knorpelelastischen Knorpels entspricht prinzipiell dem des hyalinen Knorpels. Elastischer Knorpel hat aber zusätzlich viele elastische Fasern, welche seine Elastizität erhöhen und ihm seine gelbe Farbe geben.
Der Kehldeckel und die Knorpel der Ohrmuscheln bestehen aus dieser sehr biegsamen Knorpelart.
Der Faserknorpel
Die Interzellulärsubstanz des Faserknorpels wird von zahlreichen, dicht gepackten kollagenen Bindegewebsfasern durchzogen, was ihn besonders widerstandsfähig gegenüber mechanischen Einflüssen macht. FaserknorpelFaserknorpel bildet die Bandscheiben der Wirbelsäule, die halbmondförmigen Menisken des Kniegelenks und verbindet die beiden Schambeine (Abb. 5.7).
Die Altersveränderungen des Knorpels
Mit steigendem Alter nehmen Wassergehalt und Zellzahl desKnorpel:im Alter Knorpels ab, Kollagenfasern werden „demaskiert“ und es bilden sich Verkalkungen. Folgen sind vermindertes Volumen (z. B. der Bandscheiben:AltersveränderungBandscheiben) sowie geringere Elastizität und Belastbarkeit des Knorpels. Auch der im Alter zunehmende Bewegungsmangel führt zu Schäden besonders des Gelenkknorpels, der dadurch schlechter ernährt wird. All dies begünstigt degenerative Meniskus-, Wirbelsäulen- und Gelenkveränderungen.

Der Knochen

KnochengewebeDas Knochengewebe ist das am höchsten differenzierte Stützgewebe des Menschen. Seine Struktur macht den Knochen außerordentlich widerstandsfähig gegenüber Druck, Biegung und Drehung.
Diese Festigkeit erlangt das Knochengewebe insbesondere durch die Eigenschaften seiner Interzellulärsubstanz, der KnochenmatrixKnochenmatrix: Zwischen kollagenes Bindegewebe sind reichlich Kalksalze (insbesondere Kalzium und Phosphat) eingelagert (Knochenstoffwechsel 6.1.2).
Die ortsständigen Knochenzellen, die OsteozytenOsteozyten (im teilungsfähigen OsteoblastenZustand Osteoblasten genannt), werden ringsum von dieser Knochenmatrix eingemauert. Sie besitzen viele feine Fortsätze, über die sie den Kontakt untereinander und mit den sie ernährenden Blutgefäßen halten, denn durch die feste Grundsubstanz können die Nährstoffe nicht diffundieren.
Die Arten von Knochengewebe
Es gibt zwei Arten von Knochengewebe: den feinfaserigen LamellenknochenLamellenknochenLamellenknochen (6.1.2) und den grobfaserigen GeflechtknochenGeflechtknochenGeflechtknochen (6.1.2).
Im Skelett des Erwachsenen kommt fast nur Lamellenknochen vor. Seine komplizierte Struktur entsteht jedoch erst durch langwierige Wachstumsprozesse: Beim Neugeborenen überwiegt noch der Geflechtknochen, der allmählich zu Lamellenknochen umgebaut wird.

Das Muskelgewebe

Ohne MuskelgewebeMuskeln wäre der Mensch völlig unbeweglich. Für die Fortbewegung, den Herzschlag und andere lebenswichtige Funktionen des Körpers sorgen die lang gestreckten, faserartigen MuskelzellenMuskelzellen (MyozytenMyozyten). Fadenförmige Eiweißmoleküle (MyofibrillenMyofibrillen), die im Inneren der Muskelzellen teleskopartig ineinandergreifen, ermöglichen ein Zusammenziehen (Kontraktion:DefinitionKontraktion) und damit eine Verkürzung der Zelle (Näheres 6.3.5).
Der Körper besitzt drei unterschiedliche Typen von Muskulatur:TypenMuskulatur (Abb. 5.8):
  • Glatte Muskulatur

  • Quergestreifte Muskulatur

  • Herzmuskulatur.

Die glatte Muskulatur

Glatte Muskulatur (Abb. 5.8) findet sich in den Muskelwänden des Magen-Darm-Trakts (Ausnahme: obere Speiseröhre), in Urogenitaltrakt, Blutgefäßen und Haarbälgen.
Die glatte Muskulatur besteht aus länglichen, gelegentlich verzweigten Zellen. In der Mitte jeder Zelle liegt ein einzelner Zellkern.
Die Kontraktionen der glatten Muskulatur:glatteMuskulatur verlaufen langsam und unwillkürlich. Auch in Ruhe sind die glatten Muskelzellen immer etwas angespannt (Ruhetonus 6.3.8). Kontraktionen der glatten Muskulatur werden autogen (d. h. durch den Muskel selbst), durch lokale Faktoren (z. B. Darmdehnung), durch Hormone (etwa Wehen) oder durch das vegetative Nervensystem ausgelöst (9.13).

Die quergestreifte Muskulatur

Die quergestreifte Muskulatur:quergestreifteMuskulatur:quergestreifteMuskulatur bildet das System der SkelettmuskulaturSkelettmuskeln (Abb. 5.8). Zunge, Kehlkopf- und Schlundmuskulatur bestehen ebenso aus quergestreifter Muskulatur wie das Zwerchfell und sämtliche Muskeln der Extremitäten.
Die Kontraktionen quergestreifter Muskelzellen werden vom zentralen Nervensystem ausgelöst und sind größtenteils dem Willen unterworfen.
Die unter dem Mikroskop sichtbare Streifung der quergestreiften Muskulatur entsteht dadurch, dass ihre Myofibrillen abwechselnd aus hellen und dunklen Elementen zusammengesetzt sind.
Die typische rote Farbe des Muskelgewebes beruht zum einen auf dem Muskelfarbstoff MyoglobinMyoglobin, der mit dem Blutfarbstoff Hämoglobin (12.2.2) verwandt ist, zum anderen auf dem Blutreichtum des Muskelgewebes.
Jede einzelne Muskelzelle ist im Vergleich zu anderen Zellen sehr groß und wird deshalb auch MuskelfaserMuskelfaser genannt. Sie besitzt viele randständige Zellkerne.
Ein Skelettmuskel setzt sich aus vielen Muskelfasern zusammen. Von außen ist er mit Bindegewebe umhüllt, der MuskelfaszieMuskelfaszie. Im Inneren des Muskels umhüllt (lockeres) Bindegewebe die einzelnen Muskelfasern sowie größer werdende Muskelfasergruppen (Details 6.3.4). Das Bindegewebe erlaubt die Verschieblichkeit der Muskelfasergruppen gegeneinander und führt Nerven und Blutgefäße.

Die Herzmuskulatur

HerzmuskulaturDie Herzmuskulatur (Abb. 5.8) ist eine Sonderform der quergestreiften Muskulatur:HerzMuskulatur: Zwar findet sich unter dem Lichtmikroskop die für den Skelettmuskel typische Querstreifung, gleichzeitig aber Kerne in der Zellmitte wie bei der glatten Muskulatur.
Die Zellen sind durch GlanzstreifenGlanzstreifen (Kittlinien) verbunden und bilden ein fest verknüpftes Flechtwerk. Die Herzmuskulatur ist wie die glatte Muskulatur nicht dem Willen unterworfen.

Das Nervengewebe

Das Nerven:GewebeNervengewebe besteht aus zwei unterschiedlichen Zelltypen:
  • Den Neuronen (Nervenzellen) und

  • Den Gliazellen (Stützzellen).

Altersveränderungen des Nervensystems 22.3

Das Neuron

NeuronNeurone – 100 Milliarden davon enthält allein das Gehirn – besitzen die gleichen Grundstrukturen wie alle anderen Körperzellen. Sie unterscheiden sich von ihnen aber in drei grundlegenden Eigenschaften:
  • Neurone haben eine Zellmembran, die elektrische Signale erzeugt und mithilfe von Botenstoffen und Rezeptoren Signale empfangen kann. Dies unterscheidet sie von vielen, aber nicht allen anderen Zellen (die Zellen des Reizbildungs- und Reizleitungssystems des Herzens können es beispielsweise auch)

  • Besondere DendritDendritZellfortsätze, Dendriten und Axone AxonAxongenannt, bilden für die Informationsübermittlung spezielle Kontaktstellen zu anderen Nervenzellen, Drüsen- oder Muskelzellen aus. Ein einzelnes Neuron hat meist mehrere tausend solcher Synapsen

  • Dafür haben die Neurone andere, elementarere Fähigkeiten verloren, z. B. die Ernährungsfunktion. Reife Neurone können sich auch nicht mehr teilen. Selbst beim Erwachsenen gibt es aber Stammzellen:neuronaleNeuronale Stammzellenneuronale Stammzellen, aus denen unter bestimmten, im Detail noch nicht geklärten Bedingungen reife Neurone entstehen können.

NeuroneNeuron:afferentes können nach unterschiedlichen Kriterien differenziert werden, beispielsweise je nach Richtung der Signalleitung in afferente, efferente und Interneurone: Neuron:efferentesAfferente Neurone leiten Impulse von den InterneuronRezeptoren oder peripher liegenden Nervenzellen zum ZNS hin, während efferente Neurone Impulse vom ZNS weg zu den Zielzellen in der Peripherie (z. B. zu Muskel- oder Drüsenzellen) leiten.
ZNS (zentrales Nervensystem)ZNS (zentrales Nervensystem) Nervensystem:zentrales (ZNS)bezeichnet dabei Gehirn und Rückenmark, im Gegensatz zum peripheren Nervensystem:peripheresNervensystem, kurz PNS, das alle durch den Körper ziehenden peripheren Nerven umfasst. Interneurone verbinden Nervenzellen innerhalb des ZNS miteinander.
Der Aufbau des Neurons
Ein Neuron besteht aus einem Zellkörper und Zellfortsätzen (Abb. 5.9, Abb. 5.10, Abb. 9.8).
Zum Zellkörper gehören der Zellkern und das Zytoplasma mit den Zellorganellen. Hier finden die Eiweißsynthese und der gesamte Zellstoffwechsel statt. Typisch für Nervenzellen sind Nissl-Nissl-SchollenSchollen (Anhäufungen von freien Ribosomen und rauem endoplasmatischem Retikulum, 3.3.2, 3.3.3) und stützende NeurofibrillenNeurofibrillenNeurofibrillen.
Die Fortsätze der Neurone
Die Fortsätze der Neurone heißen Dendriten und Axone:
  • Dendriten sind kurze, baumartig verzweigte Ausstülpungen des Zytoplasmas. Sie sind zuführende Fortsätze, d. h., sie nehmen Erregungsimpulse aus benachbarten Zellen auf und leiten sie weiter zum Zellkörper

  • Axone (NeuritNeuriten) sind längliche Ausstülpungen des Zytoplasmas. Sie entspringen am AxonhügelAxonhügel, der Verbindungsstelle zum Zellkörper, ziehen dann als dünne kabelartige Fortsätze weiter und teilen sich am Ende in viele Axon:EndverzweigungenEndverzweigungen (AxonterminaleAxonterminale) auf. Als wegführende Fortsätze leiten sie elektrische Impulse zu anderen Nerven-, Drüsen- oder Muskelzellen weiter. Die Länge von Axonen variiert von wenigen Millimetern (z. B. innerhalb des ZNS) bis zu über einem Meter (z. B. vom Rückenmark zum Fuß).

Am häufigsten sindNeuron:multipolares multipolare Neurone mit vielen Dendriten und einem Axon. Bipolare Nervenzelle:bipolareNervenzellen haben einen Dendriten und ein Axon an gegenüberliegenden Seiten des Zellkörpers, bei pseudounipolaren Nervenzelle:pseudounipolareNervenzellen haben sich Dendrit und Axon im Anfangsteil vereinigt, sodass ein T-förmiges Erscheinungsbild resultiert.
Die Synapsen
SynapseDie Axone übertragen ihre Impulse meist auf die Dendriten des nächsten Neurons. Dies geschieht über unzählige Synapsen als Schaltstellen für die Kommunikation zwischen Neuronen oder zwischen Neuronen und anderen Zielzellen, etwa Muskelzellen. Die Axonenden sind vielfach verzweigt und an jeder Synapse knopfförmig zu Präsynaptische Endknöpfepräsynaptischen Endknöpfen aufgetrieben. Diese enthalten Vesikel, synaptischeBläschen (Synaptische Vesikelsynaptische Vesikel), in denen die Überträgerstoffe für die synaptische Übermittlung, die NeurotransmitterNeurotransmitter (9.3.2), gespeichert werden.

Die Gliazellen

GliazelleGliazellen (Stützzellen) sind nicht zur Erregungsbildung oder -leitung fähig, sondern erfüllen Stütz-, Ernährungs-, elektrische und immunologische Schutzfunktionen für die Neurone. In ihrer Gesamtheit bilden sie die NeurogliaNeuroglia (NervenhüllgewebeNervenhüllgewebe).
Im ZNS gibt es vier Arten von Gliazellen:
  • AstrozytAstrozyten sind sternförmige Zellen mit zahlreichen Fortsätzen. Sie bilden zum einen ein stützendes Netzwerk für die Neurone.

    Zum anderen stehen die Astrozyten mit den Blutkapillaren des ZNS in enger Verbindung und beeinflussen den Übergang von Stoffen aus dem Blut zu den Neuronen. Damit die empfindlichen Neurone vor schädlichen Stoffen geschützt werden, lässt diese als Blut-Hirn-Blut-Hirn-SchrankeSchranke bezeichnete Barriere aus Kapillarendothel, Basalmembran und Astrozyten viele Substanzen (z. B. Giftstoffe, Stoffwechselprodukte, bestimmte Medikamente) nicht passieren

  • Oligodendrozyten bilden im ZNS die Markscheiden (5.5.3), die dort als elektrische Isolierung wirken. Astrozyten und OligodendrozytOligodendrozyten werden zusammen auch als MakrogliaMakrogliazellen bezeichnet

  • Mikrogliazellen sind kleine, bewegliche Phagozyten, die der Abwehr im ZNS dienen

  • EpendymzelleEpendymzellen kleiden die Hohlräume in Gehirn und Rückenmark aus (Liquorräume 9.14.5).

Medizin

Nach einer Verletzung von Nervengewebe im ZNS bilden Astrozyten einen narbigen Ersatz (GlianarbeGlianarbe). Warum die Fähigkeit zur Regeneration durch neuronale Stammzellen vom Organismus so wenig „genutzt“ wird, ist bis heute unklar.

Die Hauptgliazellen des peripheren Nervensystems sind die Schwann-Zellen.

Die Markscheiden

Bei den peripheren Nerven wird jedes Axon schlauchartig von den Schwann-Zellen umhüllt. Axon und umgebende Schwann-Zelle bezeichnet man als Nervenfaser.
Die markhaltigen Nervenfasern
Bei einem Teil der Nervenfasern wickelt sich die Schwann-Zelle mehrfach um das Axon und bildet eine dicke Hülle aus einem Fett-Eiweiß-Gemisch, dem Nervenfasern:markhaltigeMyelinMyelin. Diese schützende Myelinummantelung wird Markscheide (Myelinscheide) genannt. Im Querschnitt ähnelt eine markhaltige Nervenfaser einem Draht, der von einer Isolierung umgeben ist (Abb. 5.11). Durch die dicke Myelinschicht erhöht sich die Übertragungsgeschwindigkeit für ausgehende Nervensignale (9.2.6).
Die Markscheidenentwicklung beim Kind
Die MarkscheidenentwicklungMarkscheidenentwicklung beginnt bereits vor der Geburt und dauert bis ins zweite Lebensjahrzehnt. Sie spiegelt sich z. B. in den steigenden motorischen Fähigkeiten des wachsenden Kindes wider.
Die saltatorische Erregungsleitung
Saltatorische ErregungsleitungErregungsleitung:saltatorischeDie Myelinschicht der markhaltigen Nervenfasern ist immer wieder kurz unterbrochen (Abb. 5.9, Abb. 5.11). Diese Bereiche werden Ranvier-Schnürringe genannt. Nur an diesen Stellen tritt das elektrische Nervensignal mit der umgebenden Interzellulärsubstanz in Kontakt, was verhältnismäßig viel Zeit beansprucht. In den dazwischen liegenden myelinisierten Abschnitten entfällt aufgrund der „elektrischen Isolierung“ der Kontakt zwischen elektrischem Signal und Umgebung, sodass sich das Signal in großen Sprüngen direkt auf den nächsten Ranvier-Schnürring ausbreitet. Auf diese Weise wird Leitungszeit eingespart, die Erregung „springt“ von Schnürring zu Schnürring (saltatorische Erregungsleitung; saltatorisch = sprunghaft 9.2.6).
Die marklosen Nervenfasern
Nervenfasern:markloseMarklose Nervenfasern (Abb. 5.11) haben nur eine dünne Myelinschicht und dadurch eine geringe Leitungsgeschwindigkeit, da das Nervensignal nicht „springen“ kann, sondern Stück für Stück am Axon entlang„gehen“ muss (9.2.6).

Die Nervenfasern und Nerven

NervenfasernNervenfasern, die vom ZNS zur Peripherie ziehen, heißen efferente Nervenfasern. Versorgen diese einen Skelettmuskel, nennt man sie auch motorische Nervenfasern.
Umgekehrt heißen zum ZNS ziehende Nervenfasern afferente Nervenfasern. Leiten sie Informationen von Sinneszellen oder -organen, werden sie auch als Nervenfasern:sensible (sensorische)sensible oder sensorische Nervenfasern bezeichnet.
Jede einzelne Nervenfaser ist von einer zarten Bindegewebshülle umgeben, dem EndoneuriumEndoneurium. Bündel parallel verlaufender Nervenfasern werden wiederum gemeinsam in eine Bindegewebshülle eingebettet, das PerineuriumPerineurium. Bündel solcher Nervenfaserstränge bilden schließlich den sichtbaren Nerv (Abb. 5.12), der von EpineuriumEpineurium umhüllt und mit der Umgebung verbunden wird.
Ein Nerv kann sich in seinem Verlauf mehrere Male aufteilen oder sich auch mit anderen Nerven vereinigen. Er kann nur motorische Fasern (motorischer Nerv), nur sensible Fasern (sensibler Nerv) oder auch beide enthalten (gemischter Nerv).

Die weiße und graue Substanz

Myelin erscheint makroskopisch weiß. Die Bereiche im ZNS, in denen die markhaltigen Nervenfasern verlaufen – im Gehirn Bahnen genannt –, werden deshalb als weiße Weiße SubstanzSubstanz bezeichnet.
Eine größere Ansammlung von eng beieinanderliegenden Nervenzellkörpern mit ihren Dendriten – im Gehirn Kerne oder Rindenfelder genannt – erscheint dagegen eher grau und wird entsprechend graue Graue SubstanzSubstanz genannt (Abb. 9.13, Abb. 9.14).

Wiederholungsfragen

  • 1.

    Welche Gewebearten gibt es? (5.1)

  • 2.

    Welche Funktionen haben die Oberflächenepithelien? (5.2.1)

  • 3.

    Wie werden die Oberflächenepithelien eingeteilt? (5.2.1)

  • 4.

    Nach welchen Kriterien können exokrine Drüsen weiter differenziert werden? (5.2.2)

  • 5.

    Wovon hängen Stärke und Festigkeit des Bindegewebes ab? (5.3)

  • 6.

    Wie sind Binde- und Stützgewebe aufgebaut? (5.3.1, 5.3.2)

  • 7.

    Welche Bindegewebsarten gibt es? (5.3.3, 5.3.4)

  • 8.

    Welche Art von Zellen hält sich im Netzwerk des retikulären Bindegewebes auf? (5.3.4)

  • 9.

    Wozu braucht der Körper Fettgewebe, welche alters- und geschlechtsabhängigen Unterschiede gibt es beim Fettgewebe? (5.3.5)

  • 10.

    Welche Knorpelarten gibt es? (5.3.6)

  • 11.

    Wo findet man Faserknorpel im Körper? (5.3.6)

  • 12.

    Welche Knochengewebsart überwiegt in welchem Lebensalter? (5.3.7)

  • 13.

    Wodurch werden die Kontraktionen der glatten Muskulatur ausgelöst? (5.4.1)

  • 14.

    Wo befindet sich quergestreifte Muskulatur am Körper? (5.4.2)

  • 15.

    Wie unterscheidet sich quergestreifte von der Herzmuskulatur? (5.4.3)

  • 16.

    Aus welchen Zelltypen besteht das Nervengewebe? (5.5.1)

  • 17.

    Was sind die besonderen Kennzeichen von Neuronen? (5.5.1)

  • 18.

    Welche Funktion haben die Gliazellen? (5.5.2)

  • 19.

    Welchen Zweck erfüllt die Myelinscheide des Axons? (5.5.3)

  • 20.

    Woraus besteht ein Nerv? (5.5.4)

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