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B978-3-437-41704-7.00010-7

10.1016/B978-3-437-41704-7.00010-7

978-3-437-41704-7

Abb. 10.1

[L231]

Sensible Phasen einzelner Organe und Organsysteme

Verschiedene Teratogene und ihre möglichen Wirkungen während der Schwangerschaft

Tab. 10.1
Teratogen Wirkung
Biologisch
Rubella-Virus (Röteln)
  • Infektion in der Embryonalperiode: Abort oder schwere Fehlbildungen

  • Infektion in der Fetalzeit: Fehlbildungen einzelner Organe (Zahnschäden, Gregg-Trias: Linsentrübung, Innenohrschwerhörigkeit, Herzfehler, geistige und körperliche Retardierung)

Zytomegalievirus
  • Infektion in der Embryonalperiode: Abort

  • Infektion in der Fetalperiode: Schädigungen des Gehirns

Herpes-simplex-Virus Höhere Inzidenz von Aborten
Varicella-Zoster-Virus (Windpocken, Gürtelrose) Störung der Entwicklung der Extremitäten
HI-Virus (AIDS) HIV-Infektion bei 30 % der Neugeborenen
Toxoplasma gondii Fehlbildungen an Gehirn und Auge
Treponema pallidum (Syphilis) Perinatale Infektion häufig (während des Durchtritts durch den Geburtskanal); Schäden an Leber, Lunge, Zähnen, Haut, Knochen
Listeria monocytogenes Früh- und Fehlgeburten, Meningitis, Sepsis
Chemisch
Medikamente
(z. B. Antibiotika, Zytostatika, Antiepileptika)
Die Einnahme von Medikamente sollte während der Schwangerschaft so weit wie möglich eingeschränkt werden; für einige Pharmaka (z. B. Thalidomid) ist die Teratogenität direkt nachgewiesen, bei vielen anderen muss sie zumindest angenommen werden; Benzodiazepine, die in der Behandlung der Epilepsie, aber auch als Schlaf- und Beruhigungsmittel eingesetzt, zudem auch als Drogen missbraucht werden, haben offenbar keine teratogene Wirkung, können aber zum so genannten Floppy-Infant-Syndrom des Neugeborenen mit muskulärer Hypotonie, Trinkschwäche und Atemdepression führen
Vitamin A In zu hohen Dosen teratogen im Bereich des Schädels und des Neuralrohrs; Fehlbildungen auch bei Vitamin-A-Mangel
Hormone (Androgene) Maskulinisierung der weiblichen Feten, Störung der Genitalentwicklung (Klitorishypertrophie)
Hormonelle Kontrazeptiva VACTERL-Syndrom: vertebrale, anale, kardiale, tracheale, ösophageale, renale und die Extremitäten (limbs) betreffende Fehlbildungen
Alkohol Fetal Alcohol Spectrum Disorder (FASD) bzw. alkoholbedingte Fetopathie: abhängig vom Zeitpunkt des Alkoholkonsums treten unterschiedliche Schäden auf: im 1. Trimenon kraniofaziale Fehlbildungen, Mikrozephalie und Mikroenzephalie, Organschäden (z. B. Herz oder Niere); ab dem 2. Trimenon insbesondere Störung von Wachstum und Differenzierung, zerebrale Reifungsstörungen; postnatal kann es zu geistigen Entwicklungsstörungen, Intelligenzminderung, Hyperaktivität und anderen Verhaltensauffälligkeiten kommen
Nikotin Höhere Inzidenz von Spontanaborten; Wachstumsverzögerung; verengte Plazentagefäße, dadurch Sauerstoffunterversorgung des Fetus postnatal; häufig höhere Anfälligkeit für Lungenerkrankungen
Marihuana Wachstumsretardierung, Verhaltensstörungen
Heroin und Methadon Entzugserscheinungen beim Neugeborenen nach Heroinkonsum während der Schwangerschaft; ZNS-Störungen; körperliche und geistige Retardierung
Kokain Höhere Inzidenz von Spontanaborten, Fehlbildungen der Plazenta und des kindlichen Urogenitaltrakts
Physikalisch
Ionisierende Strahlung Abhängig von Zeitpunkt und Dosis der Bestrahlung: Fehlbildung von Schädel und Gehirn, Augen, Extremitäten; strenge Indikationsstellung für diagnostische Bestrahlung!
Lärm und Vibration Fehlbildungen der Plazenta oder Ablösung; Wachstumshemmung des Fetus
Sonstige
Diabetes mellitus der Mutter Höhere Inzidenz von Spontanaborten; Entwicklungsstörungen der Plazenta und der kindlichen Lungen; Herzfehler; meist überdurchschnittlich große und schwere Neugeborene
Stress der Mutter Durch übermäßige Ausschüttung von Adrenalin möglicherweise endokrinologische Fehlfunktionen im fetalen Organismus mit Wachstums- und Differenzierungsstörungen

Allgemeine Teratologie

  • 10.1

    Klassifikation und Begriffe67

  • 10.2

    Zeitliche Einteilung und Häufigkeit68

    • 10.2.1

      Blastogenese68

    • 10.2.2

      Embryonalperiode68

    • 10.2.3

      Fetalperiode68

  • 10.3

    Ursachen von Fehlbildungen69

    • 10.3.1

      Genetische Ursachen von Fehlbildungen69

    • 10.3.2

      Exogene Ursachen von Fehlbildungen70

  • 10.4

    Fehlgeburt72

IMPP-Hits

Zu diesem Kapitel wurden in den letzten Jahren vom IMPP keine Fragen gestellt. Von praktischer Relevanz ist aber die Kenntnis der wichtigsten embryo- und fetotoxischen Substanzen.

Klassifikation und Begriffe

Teratologie:KlassifikationTeratologie:BegriffeGenerell gibt es sechs Möglichkeiten der DysmorphieDysmorphie: Ein Gewebe oder Organ wird entweder gar nicht oder fehlerhaft, zu groß, zu klein, zu oft oder an der falschen Stelle angelegt und ausgebildet. Fehlbildungen können prinzipiell alle Organe oder Organsysteme betreffen. Folgende Begriffe sind dabei besonders wichtig:
  • AgenesieAgenesie: Das Organ wird nicht angelegt, z. B. weil der nötige Induktionsvorgang gestört ist, und fehlt deshalb vollständig.

  • AplasieAplasie: Ein Gewebe wird zwar angelegt, wächst und differenziert sich aber nicht zum funktionstüchtigen Organ bzw. bildet sich frühzeitig wieder zurück.

  • HypoplasieHypoplasie: Das Organ wird angelegt, differenziert sich auch, bleibt aber unterdurchschnittlich klein und meist in seiner Funktion eingeschränkt.

  • HyperplasieHyperplasie: Das Organ wächst unkontrolliert und verliert mit zunehmender Größe oft seine Funktionstüchtigkeit.

  • DystopieDystopie: Das Organ entsteht am falschen Ort oder vollzieht seinen planmäßigen Ortswechsel nicht (z. B. Deszensus des Hodens).

  • HeterotopieHeterotopie: Differenziertes Gewebe ohne unmittelbaren Bezug zu einem vollständigen Organ kann überall im Körper verstreut sein.

  • DysrhaphienDysrhaphien: Oberbegriff für Verschlussstörungen sehr früher Organanlagen, wie z. B. des Neuralrohrs

  • StenoseStenose: Verengung des Lumens eines Hohlorgans

  • AtresieAtresie: völliger Verschluss eines Hohlorgans, z. B. durch das Ausbleiben der Rekanalisierung

  • PersistenzPersistenz: Bestehenbleiben eines Organs, das eigentlich nur temporär im Verlauf der Entwicklung von Bedeutung ist.

Das Ausmaß der Fehlbildungen kann sehr unterschiedlich sein: So genannte kleine Fehlbildungen:kleineFehlbildungen, wie z. B. Anomalien des äußeren Ohrs oder ein besonderes Furchungsmuster der Handinnenflächen, sind an sich ohne pathologische Bedeutung, geben aber häufig einen Hinweis auf andere (innere) Fehlbildungen. Oft ist nicht ein isoliertes Organ betroffen, sondern es existieren regionale oder funktionelle Mitbeteiligungen.
Ein FelddefektFelddefekt liegt vor, wenn aus der isolierten Fehlbildung eines Organs Entwicklungsstörungen benachbarter Organe folgen. Dies geschieht z. B. bei der Akranie, wo durch den Nicht-Verschluss des rostralen Neuroporus die Gehirnentwicklung ausbleibt, woraufhin auch kein Gehirnschädel entsteht.
Eine SequenzSequenz ist gekennzeichnet durch die Fehlbildung eines Organs, dessen Funktionsausfall zu Schäden an anderen Organen führt. Ein Beispiel dafür ist die Potter-Sequenz (Kap. 15.1.2), bei der es durch einen Defekt der Nieren zu einem Mangel an Fruchtwasser kommt, wodurch wiederum die Ausbildung des Gesichtsschädels, der Lungen, der Extremitäten und des Urogenitalsystems gestört wird.
Bei einem SyndromSyndrom (z. B. Down-Syndrom) treten Fehlbildungen in verschiedenen Feldern und Systemen auf, denen allen der gleiche Defekt ursächlich ist.
Von einer AssoziationAssoziation wird gesprochen, wenn verschiedene Fehlbildungen zwar statistisch gehäuft zusammen auftreten, eine gemeinsame Ursache jedoch nicht bekannt ist.

Zeitliche Einteilung und Häufigkeit

Teratologie:zeitliche EinteilungBevor die Entwicklung eines neuen Menschen beginnt, existieren bereits die zwei Keimzellen (Gameten) im Körper ihrer Eltern und sind dort verschiedenen Einflüssen ausgesetzt. GametopathienGametopathien sind strukturelle oder numerische Defekte im genetischen Material von Ei- oder Samenzelle.
Die Zeit zwischen Befruchtung und Geburt wird in Blastogenese, Embryonal- und Fetalperiode unterteilt. Die Konsequenzen der Einwirkung teratogener Faktoren sind in jeder dieser Phasen anders.

Merke

TeratogeneTeratogene sind Stoffe, die Fehlbildungen verursachen können.

Blastogenese

Zwischen dem 1. und 15. Tag findet die Blastogenese:TeratologieBlastogenese Teratologie:Blastogenesestatt: Aus der Zygote entsteht nach zahlreichen Zellteilungen die Blastozyste, die sich in die Gebärmutter einnistet. Störungen in dieser Phase können sowohl den Embryoblasten als auch den Trophoblasten oder beide betreffen und wirken nach dem Alles-oder-Nichts-Blastogenese:Alles-oder-Nichts-PrinzipAlles-oder-Nichts-Prinzip:BlastogenesePrinzip: Entweder es passiert überhaupt nichts oder es kommt zur Abstoßung des Keims (Abort). In diesen Zeitraum fällt auch die Entstehung von DoppelfehlbildungenDoppelbildungen (siamesische Siamesische ZwillingeZwillinge, aber auch getrennte eineiige ZwillingeZwillinge:siamesische).

Embryonalperiode

In der Teratologie:EmbryonalperiodeEmbryonalperiode:TeratologieEmbryonalperiode, die von der 2. bis zur 8. Woche dauert, werden alle Organe angelegt (Organogenese). Schadstoffe, die in dieser Zeit auf den Keimling einwirken, haben meist schwere Fehlbildungen:schwereFehlbildungen des gesamten Embryos, einzelner Organe oder der Plazenta zur Folge. Jedes Organ hat eine ganz bestimmte sensible Phase, die durch eine besonders hohe Mitoserate gekennzeichnet und deshalb extrem störanfällig ist (Abb. 10.1).

Fetalperiode

Teratologie:FetalperiodeFetalperiode:TeratologieDie Fetalzeit, die sich an die Embryonalphase anschließt und bis zur Geburt reicht, dient vor allem dem Wachstum und der Reifung der Organe. Schadstoffe bewirken in dieser Zeit hauptsächlich funktionelle Funktionelle StörungenStörungen.

Merke

Störungen der Gametogenese:StörungenBlastogenese:StörungenGametogenese, Blastogenese, Embryogenese:StörungenEmbryogenese und Fetogenese:StörungenFetogenese haben sehr unterschiedliche Auswirkungen.

Weltweit weist einer unter 50 Neugeborenen eine große Fehlbildung auf. In Deutschland sind es aufgrund der sehr guten klinischen Möglichkeiten bei der Versorgung der Schwangeren zwischen 7 und 8 %. Einer von 100 hat einen Einzeldefekt. Besonders häufig sind das Herz-Kreislauf-System und das ZNS betroffen. Jedes fünfte Kind mit einer großen Fehlbildung verstirbt kurz nach der Geburt an den Folgen.

Ursachen von Fehlbildungen

Fehlbildungen:UrsachenFehlbildungen:kongenitale (angeborene)In mehr als 50 % der Fälle sind die Ursachen der kongenitalen (angeborenen) Fehlbildung unbekannt. Der Rest lässt sich in zwei große Gruppen teilen:
  • Von genetischen Ursachen spricht man, wenn entsprechende Defekte an den Chromosomen oder der DNA festgestellt werden.

  • Dem gegenüber stehen die externen, z. B. mechanischen, chemischen oder physikalischen Einflüsse.

Oft vermischen sich aber beide: Die Sensibilität gegenüber Teratogenen hängt auch von der genetischen Disposition ab. Mehr als zwei Drittel sind multifaktoriell bedingt.

Genetische Ursachen von Fehlbildungen

Bei den genetischen Defekten unterscheidet man solche, die auf Fehlbildungen:genetische Ursacheneiner vermehrten oder verminderten Zahl von ChromosomenanomalienChromosomen beruhen, und jene, die sich aus strukturellen Fehlern in einzelnen Gene:FehlerGenen ergeben.
Abweichungen von der normalen Chromosomenzahl von 46 entstehen, wenn bei Ei- oder Samenzelle in einer der zwei Teilungsschritte der Meiose die homologen Chromosomen bzw. Chromatiden nicht voneinander getrennt werden (Non-Non-DisjunctionDisjunction). Eine der beiden Tochterzellen erhält auf diese Weise ein oder mehrere Chromosomen zusätzlich (AneuploidieAneuploidie). Übernimmt sie den gesamten Chromosomensatz der anderen Tochterzelle, spricht man von PolyploidiePolyploidie. Eine Zygote mit einer solchen fehlerhaften Chromosomenzahl kann meist bereits die ersten Entwicklungsschritte nicht ordnungsgemäß vollziehen und wird (oft unbemerkt) abgestoßen, ehe die Schwangerschaft überhaupt festgestellt wurde.
Tri-, mono- und gonosomale Polysomien
Polysomien:tri-, mono- und gonosomaleEinige wenige ChromosomenaberrationenChromosomenaberrationen stellen hingegen kein Hindernis für die intrauterine Entwicklung dar und sind mehr oder weniger gut mit dem extrauterinen Leben vereinbar. Am bekanntesten ist die Trisomie 21 (Down-Trisomie 21 (Down-Syndrom)Down-Syndrom (Trisomie 21)Syndrom, benannt nach dem englischen Arzt und Erstbeschreiber Dr. John Langdon Down, 1866), bei der das Chromosom 21 dreimal vorhanden ist. Das Syndrom, das unter anderem mentale (nicht aber emotionale!) Retardierung, ein charakteristisches Gesicht mit schräger Lidachse, Epikanthus:Trisomie 21Epikanthus und flacher Nase, Makroglossie:Trisomie 21Makroglossie und häufig Herzfehler umfasst, tritt mit einer Inzidenz von 1 : 700 Lebendgeborenen auf, wobei ein Zusammenhang mit dem Alter der Mutter besteht.
Die Trisomie 18 (Edwards-Edwards-Syndrom (Trisomie 18)Syndrom)Trisomie 18 (Edwards-Syndrom) und die Trisomie 13 (Pätau-Pätau-Syndrom (Trisomie 13)Syndrom)Trisomie 13 (Pätau-Syndrom) haben häufig so schwere Folgen, dass die Kinder kurz nach der Geburt sterben. Auch hier sind die Fehlbildungen am Kopf besonders charakteristisch. Hinzu kommen Vielfingrigkeit, Ventrikelseptumdefekte, Fehlbildungen der Füße und Demenz.
Monosomien, also der Verlust Monosomieneines oder mehrerer Chromosomen, sind früh letal. Eine Ausnahme bildet das Turner-Syndrom (X0-X0-Syndrom (Turner-Syndrom)Syndrom),Turner-Syndrom (X0-Syndrom) bei dem ein Geschlechtschromosom fehlt. Die dem Phänotyp nach weiblichen Personen sind kleinwüchsig und weisen Fehlbildungen verschiedener innerer Organe (z. B. Ovarien, Herz) auf.
Gonosomale Polysomien:gonosomalePolysomien Gonosomale Polysomiensind in ihren Wirkungen oft nicht so gravierend wie die autosomalen. Charakteristisch für das Klinefelter-Klinefelter-SyndromSyndrom (XXY-SyndromXXY) sind das starke Körperwachstum während der Pubertät sowie die Hodenatrophie mit Aspermie und einer daraus resultierenden Zeugungsunfähigkeit. Gelegentlich treten sekundäre weibliche Geschlechtsmerkmale wie das Wachstum von Brustdrüsen auf.
Chromosomale Strukturanomalien
Chromosomale Chromosomenaberrationen:strukturelleStrukturanomalien sind z. B.Chromosomale Strukturanomalien der Verlust (Deletion) oder die Spiegelung (Inversion) von Chromosomenabschnitten. Je nach Größe und Lokalisation des Defekts variieren die Auswirkungen. Beim Katzenschreisyndrom (Cri-du-Chat-Syndrom)Katzenschreisyndrom (Cri-du-Chat-Syndrom) Cri-du-Chat-Syndrom (Katzenschreisyndrom)fehlt ein Teil des kurzen Arms von Chromosom 5. Die Kinder fallen durch den charakteristischen Klang ihrer Schreie, geistige Retardierung und ihren kleinen Kopf auf. Zusätzliche Herzfehler sind häufig.
Defekte am väterlichen Chromosom 15 sind Ursache des Prader-Willi-Prader-Willi-SyndromSyndroms. Kleinwuchs, Hypogonadismus, Adipositas und Demenz sind hier die Symptome.
Fehlt ein Teil des mütterlichen Chromosoms 15, heißt die Krankheit Angelman-Angelman-SyndromSyndrom. Es ist charakterisiert durch sprachliche Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten (unmotiviertes Lachen), Gang- und Gleichgewichtsprobleme sowie Fehlbildungen von Schädel und Gesicht.
Defekte einzelner Gene
GendefekteEinzelgendefekte in der DNA der Gameten, bei denen einzelne Basenpaare fehlen, verschoben oder vertauscht sind, werden nach den Mendel-Gesetzen weitergegeben. Beispiele autosomal-dominant vererbter Krankheiten sind die Von-Willebrand-Von-Willebrand-KrankheitKrankheit, die Osteogenesis Osteogenesis imperfectaimperfecta und das Marfan-Marfan-SyndromSyndrom. Einen autosomal-rezessiven Erbgang weisen z. B. die zystische FibroseZystische Fibrose, die Phenylketonurie (PKU)Phenylketonurie (PKU) PKU (Phenylketonurie) und der Morbus Wilson-SyndromWilson auf.
Krankheiten, deren Weitergabe an das X-Chromosom gebunden ist, betreffen häufiger Männer. Frauen sind meist nur Überträgerinnen ohne Symptome, da bei ihnen eines der X-Chromosome ausgeschaltet wird. X-chromosomal-dominant vererbte Krankheiten sind selten. Zu den bekanntesten rezessiven Erbkrankheiten gehören die Hämophilie Hämophilie A/BA und B.

Exogene Ursachen von Fehlbildungen

Fehlbildungen:exogene UrsachenDie äußeren Einflüsse, die zu Fehlbildungen beim Neugeborenen führen können, werden weiter unterteilt:
  • Zur Gruppe der chemischen Chemische TeratogeneTeratogene Teratogene:chemische gehören verschiedene Medikamente, Drogen, Alkohol und Nikotin.

  • Biologische Biologische TeratogeneTeratogene Teratogene:biologische sind Viren, Bakterien und Protozoen.

  • Physikalische TeratogenePhysikalisch Teratogene:physikalische wirksam sind ionisierende Strahlen, aber auch starke Vibration und Lärm.

  • In ihrer teratogenen Bedeutung schwer nachzuweisen sind psychische Störungen und Stress der Mutter.

Die einzelnen Teratogene und ihre Wirkungen sind in Tab. 10.1 dargestellt.

Fehlgeburt

Von einer FehlgeburtFehlgeburt (AbortAbort) spricht man, wenn die Schwangerschaft vor der 24. Woche endet und das Kind, das zur Welt kommt, tot oder nicht lebensfähig ist und weniger als 500 g wiegt.
Ein FrühabortFrühabort findet vor der 16. Woche statt. Er kann sich durch einen blutigen vaginalen Ausfluss und wehenartige Schmerzen bemerkbar machen. Innerhalb des ersten Monats bleibt er zuweilen unerkannt oder wird für eine normale Menstruationsblutung gehalten. Schätzungsweise jede siebte bekannte Schwangerschaft endet mit einer Fehlgeburt. Die nicht erkannten eingeschlossen, sind es geschätzte 70 %!
Die Fehlgeburt:UrsachenUrsachen sind vielfältig und können oft nicht aufgeklärt werden. Genetische Defekte der Keimzellen oder des aus ihnen entstandenen Embryos kommen ebenso infrage wie Fehlbildungen der Plazenta, anatomische Anomalien des Uterus, Infektionen der Mutter (z. B. Toxoplasmose:FehlgeburtToxoplasmose), immunologische Prozesse (z. B. eine Abstoßung des als fremd identifizierten Keimlings durch die mütterliche Immunabwehr), Vergiftungen (z. B. Medikamente, Alkohol), schwere Grunderkrankungen der Mutter (z. B. Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Schilddrüsenfunktionsstörungen, hormonelle Störungen), physikalische Einwirkungen (ionisierende Strahlung, große körperliche Anstrengungen, Unfall) oder psychische Faktoren.
Die Diagnose des intrauterinen Fruchttod, intrauteriner:DiagnoseFruchttodes erfolgt mithilfe des Ultraschalls. Kommt es nicht zur spontanen Ausstoßung des Embryos und der Fruchthüllen, muss eine Kürettage:Fruchttod, intrauterinerKürettage (Ausschabung des Uterus) erfolgen.
Von einem Abort:habituellerhabituellen Habitueller AbortAbort spricht man, wenn eine Frau drei Fehlgeburten in Folge erleidet. Hier muss unbedingt nach den Ursachen gefahndet werden.
Als vorbeugende Maßnahme ist alles hilfreich, was den mütterlichen und embryonalen bzw. fetalen Organismus schont: keine körperliche Überanstrengung, Verzicht auf Alkohol, Nikotin und soweit wie möglich auf Medikamente, positive Beeinflussung des psychischen Zustands der Schwangeren und regelmäßige Untersuchungen beim Frauenarzt.

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