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B978-3-437-41704-7.00005-3

10.1016/B978-3-437-41704-7.00005-3

978-3-437-41704-7

Abb. 5.1

[E838]

Die Entwicklungsstadien von der Ovulation bis zur Implantation der Blastozyste

Abb. 5.2

[E838]

Implantation der Blastozyste:ImplantationBlastozyste Implantation:Blastozysteund Differenzierung des Trophoblast:DifferenzierungTrophoblasten

Befruchtung, Furchung, Implantation

  • 5.1

    Ovulation31

  • 5.2

    Befruchtung31

    • 5.2.1

      Akrosomreaktion32

    • 5.2.2

      Erste Zellteilungen32

    • 5.2.3

      Geschlechtsdetermination33

  • 5.3

    Präimplantationsperiode33

    • 5.3.1

      Von der Zygote zur Morula33

    • 5.3.2

      Trophoblast und Embryoblast34

  • 5.4

    Implantation34

  • 5.5

    Assistierte Reproduktion35

    • 5.5.1

      In-vitro-Fertilisation35

    • 5.5.2

      Insemination36

    • 5.5.3

      Mikroinjektion und andere Methoden36

    • 5.5.4

      Präimplantationsdiagnostik36

IMPP-Hits

  • Zu folgenden Themen wurden vom IMPP zwei bzw. eine Frage gestellt (Top 3): Befruchtung (Kap. 5.2), assistierte Reproduktion (Kap. 5.5), Ovulation (Kap. 5.1).

Ovulation

Der Eisprung, die OvulationOvulation, findet bei einem regelmäßigen, 28-tägigen Zyklus zwischen dem 12. und 16. Tag statt. Er ist hormonell gesteuert: Durch den Anstieg des Ovulation:ÖstrogenÖstrogen:OvulationÖstrogenspiegels kommt es kurzzeitig zur massenhaften Ausschüttung von luteinisierendem Hormon in der Hypophyse (LH-Ovulation:LH-PeakLH-Peak:OvulationPeak), dem 10–20 Stunden später der Eisprung folgt. Dabei löst sich die Oozyte samt ihrer Hüllen (Zona pellucida und Corona radiata, Kap. 5.2.1) aus dem Graaf-Graaf-FollikelFollikel, wird durch Kontraktion seiner Epithelzellen ausgestoßen und vom Eileiter in Empfang genommen. Am Ovar hatte sich die Stelle, aus der die Eizelle entspringt, bereits vorher durch eine Vorwölbung und Aufhellung des Gewebes (Stigma:OvulationOvulation:StigmaStigma) bemerkbar gemacht.

Klinik

Ovulationsinduktion

Die Ovulation:InduktionOvulation kann mittels einer zusätzlichen Hormongabe angeregt werden. Dies wird z. B. bei Anovulation (Ausbleiben des Eisprungs) oder gestörter Follikelreifung angewendet. Derart stimuliert, geben die AnovulationOvarien dann oft mehrere Eizellen auf einmal ab, sodass es unter der Hormontherapie gehäuft zu Mehrlingsschwangerschaften kommt.

Befruchtung

Mit der erfolgreichen geschlechtlichen Vereinigung sind 200–300 Millionen SpermienSpermien:Befruchtung Befruchtung:Spermienvom Mann auf die Frau übertragen worden. Dank ihrer langen, fadenförmigen Schwänze und des leicht alkalischen Milieus der SpermaflüssigkeitSpermaflüssigkeit ist der Großteil von ihnen frei beweglich und agil. Und dank biochemischer Lockstoffe und der Peristaltik des weiblichen Genitaltrakts – Vagina, Uterus und Tuba uterina machen eine ähnliche Bewegung wie der Darm, wenn er Nahrung transportiert – gibt es für sie nur eine Richtung: zur Eizelle im Eileiter.

Klinik

Ursachen von Unfruchtbarkeit

Stenosen und Verklebungen beider Eileiterstenose/-verklebung:BefruchtungEileiter Befruchtung:Eileiterstenose/-verklebungmachen die Begegnung von Ei- und Samenzelle und damit eine Befruchtung unmöglich. Sie gelten als die häufigste Ursache der Sterilität:Eileiterstenose/-verklebungSterilität bei der Frau. Je nach Ausmaß können solche Fehlbildungen meist operativ behoben werden.
Unter EndometrioseEndometriose versteht man eine fehlerhafte Ausbreitung von Uterusgewebe im Unterleib. Für die betroffenen Frauen ist die Menstruation meist sehr schmerzhaft. Bisweilen werden die Abläufe von Ovulation und Befruchtung durch die Endometriose beeinträchtigt, sodass auch hieraus eine ungewollte Kinderlosigkeit resultieren kann. Die Behandlung erfolgt medikamentös mit Hormonen oder chirurgisch.
Ganze 24 Stunden nach dem Eisprung ist die Oozyte befruchtungsfähig – trifft sie bis dahin auf kein Spermium, wird sie mit dem Menstruationsblut entfernt. Die Überlebenszeit der Spermien ist etwas länger: 2–3 Tage können sie im weiblichen Organismus bestehen, danach werden auch sie abgebaut und ausgeschieden. Das Konzeptionsoptimum Konzeptionsoptimum:BefruchtungBefruchtung:Konzeptionsoptimumliegt daher bei wenigen Stunden vor und nach der Ovulation.

Akrosomreaktion

Akrosomreaktion:BefruchtungAngenommen, Oozyte und Spermium begegnen sich in der Eileiterampulle: Bevor es zur Befruchtung kommen kann, muss sich der Spermienkopf seiner glykoproteinreichen Hüllschicht entledigen (KapazitationKapazitation). Die Kapazitation wird ausgelöst durch Substanzen im Sekret von Uterus und Eileiter und dauert 6–7 Stunden. Die Spermienmembran gewinnt dadurch an Fluidität und ist bereit für die folgenden Vorgänge. Die erste und schnellste der Samenzellen (hier bedient sich die Natur einer simplen Form der Auslese: Nur halbwegs gesunde Spermien kommen so weit) erreicht die Corona radiataBefruchtung:Corona radiataCorona radiata:Befruchtung, die die Eizelle umgibt, und bohrt ihren Kopf hinein. Dabei nutzt das Spermium ein Enzym (HyaluronidaseAkrosomreaktion:HyaluronidaseHyaluronidase:Akrosomreaktion), das es selbst mitgebracht hat und das die Verbindung zwischen den Corona-Zellen lockert. Damit ist die erste Hürde überwunden und gleich folgt die zweite: die Zona pellucidaZona(-ae):pellucida.Akrosomreaktion:Zona pellucida Auch für diese Hülle hat es das passende Enzym dabei: Mittels der Protease Akrosin Akrosinwird die Barriere durchbrochen und der Weg freigemacht zur letzten Wand, der Plasmamembran der Eizelle.
In dieser haben mittlerweile Veränderungen stattgefunden: Sobald die Zona pellucida eröffnet ist, reagiert sie mit Rückzug. Zwischen Eizellmembran und Zona pellucida entsteht der so genannte perivitelline Spalt,Perivitelliner Spalt in den Enzyme ausgeschüttet werden, die das Andocken und Eindringen von weiteren Spermien verhindern.
Innerhalb dieses Raums lagert sich das erfolgreiche Spermium an die Membran der Eizelle an und beginnt, mit dieser zu verschmelzen. Dies geschieht, indem das Spermium im Bereich des Empfängnishügels,Empfängnishügel der sich ihm von Seiten der Eizelle entgegenwölbt, seine eigene und die andere Membran auflöst. Während dieser Zeit beenden die Eizelle Reifeteilung, zweite:EizelleEizelle:Reifeteilung, zweiteund das in der ersten Reifeteilung abgeschnürte Polkörperchen ihre zweite Reifeteilung, die vor dem Eisprung in der Metaphase arretiert wurde. Dabei schnüren sie jeweils ein weiteres Polkörperchen ab, so dass sich insgesamt vier haploide Zellen – das eigentliche Ovum und die drei kleinen Polkörperchen – im Mantel der Zona pellucida befinden.
Den gesamten Vorgang von Auflösen und Eindringen, bis sich schließlich in einem Raum der weibliche und der männliche Vorkern Vorkern:männlicherbegegnen, nennt man Akrosomreaktion. Der Vorkern hat sich durch die Aufnahme von Zellflüssigkeit vergrößert. Die Mitochondrien, die im Kopf des Spermiums lagerten, werden unter die Mitochondrien der Eizelle gemischt. Das Zentriol aus dem Halsbereich wird ebenfalls aufgenommen und geteilt. Die restlichen Bestandteile – der Schwanz mit seinen Tubuli – verschwinden.

Erste Zellteilungen

Befruchtung:Zellteilungen, ersteZellteilungen:ersteAnschließend redupliziert sich die DNA beider Vorkerne, die Kernmembranen lösen sich auf und die Chromosomen der verschmolzenen Zellen ordnen sich in der Äquatorialebene. Die so entstandene Zelle nennt man Spermovium Spermoviumoder ZygoteZygote. Damit ist die Befruchtung 24 Stunden nach der Ovulation vollzogen. Was folgt, entspricht einer normalen mitotischen Teilung:Mitotische Teilung:BefruchtungBefruchtung:mitotische Teilung Die DNA beider Zellen wird vermischt; es entsteht also jetzt ein diploider Satz mit 46 Chromosomen, von denen jedes aus zwei Chromatiden mit mütterlichen und väterlichen Genen besteht. Die beiden Zentriolen Zentriolen:Spindelapparatbilden einen Spindelapparat,Spindelapparat über den die homologen Chromosomen voneinander getrennt werden. Jeder Satz bekommt eine neue Kernmembran. Die Zellorganellen werden zufällig verteilt. Eine Membran wächst ein und macht aus der ersten Zelle des neuen Individuums zwei.
Irgendwo im Verlauf dieses Vorgangs nimmt ein eigenständiges Leben seinen Anfang. Jede Festlegung auf einen späteren Termin – im 8-Zell-Stadium, bei Einnistung in den Uterus, bei Ausbildung der dreiblättrigen Keimscheibe, bei Beginn der Herzaktivität, erst mit dem einsetzenden Bewusstsein – verlangt eine einschränkendere Definition von „Leben“.

Merke

Die Bedeutung der Befruchtung liegt in der Mischung von väterlichen und mütterlichen Erbanlagen zur Bildung eines neuen Individuums.

Geschlechtsdetermination

Geschlecht:DeterminationAbhängig davon, ob das Spermium als Geschlechtschromosom Geschlechtschromosomein X oder ein Y enthält, ist das chromosomale Geschlecht Geschlecht:chromosomalesChromosomales Geschlechtdes neuen Individuums auf „weiblich“ oder „männlich“ festgelegt. Die Eizelle enthält immer ein X-Chromosom. Aus der Kombination XY entwickelt sich normalerweise ein maskuliner, aus XX ein femininer Phänotyp.
Auf dem Y-Chromosom Y-Chromosomsind nur wenige Gene enthalten, und zwar vor allem solche, die der Ausbildung der männlichen Genitalien dienen. Die Sex Determinating Region of Y (SRY)SRY-Gen Sex Determinating Region of Y (SRY)z. B. ist ein Genabschnitt, der für solche Proteine kodiert, die die Differenzierung der Keimdrüse zum Hoden bewirken. Vom Azoospermia Factor (AZF) Azoospermia-Factor (AZF)AZF (Azoospermia-Factor)weiß man, dass sein Fehlen Zeugungsunfähigkeit hervorruft, weil keine Samenzellen gebildet werden können. Weiterhin enthält das Y-Chromosom allgemeine Informationen für Wachstum und Differenzierung des Organismus.
Das X-Chromosom X-Chromosomverfügt über deutlich mehr Gene. Deren Informationsgehalt ist so hoch, dass im weiblichen Organismus die gleichzeitige Aktivität der Gene beider Chromosomen zu solcher Verwirrung führen würde, dass es zum frühen Tod des Keimlings käme. Deshalb wird eines der X-Chromosomen beim Mädchen nach dem Blastulastadium weitgehend inaktiviert. Dass dieses zweite X dennoch nicht ganz funktionslos ist, zeigt sich bei jenen Personen, denen es fehlt: das X0- oder Turner-Syndrom ist gekennzeichnet durch Kleinwuchs, Hypotrophie der Geschlechtsorgane, Sterilität und Nieren- und Herzfehlbildungen.

Präimplantationsperiode

PräimplantationsperiodeMit der Befruchtung beginnt die Zeitrechnung „post conceptionem“ Post conceptionem (p.c.)(p. c., nach der Empfängnis). Andere Zählweisen starten ab dem Eisprung: „post ovulationem“ (p. o.) Post ovulationem (p.o.)oder ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung: „post menstruationem“ (p. m.). Post menstruationem (p.m.).In diesem Buch gelten, wenn nicht anders vermerkt, die Zeitangaben in Tagen, Wochen oder Monaten post conceptionem.
Die Präimplantationsperiode dauert ungefähr eine Woche. In dieser Zeit wandert der Keimling von der Ampulle, dem Ort der Befruchtung, bis in die Gebärmutter. Als Antrieb dienen die Peristaltik des Eileiters und die Bewegung von Flimmerhärchen. Währenddessen finden erste Wachstums- und Differenzierungsschritte statt.

Von der Zygote zur Morula

Sechs Stunden p. c. hat sich die erste Zelle – Zygote bzw. Spermovium – vollständig in zwei Tochterzellen geteilt, die Blastomeren.Blastomere Furchung Furchung:BlastomereBlastomere:Furchungnennt man diesen und die nächsten Schritte (Abb. 5.1 A–F). Die Tochterzellen sind gleich groß und gemeinsam nicht größer als die Zygote. Man spricht von einer total adäqualen Teilung Blastomere:adäquale Teilung, totaleAdäquale Teilung, totale:Blastomereund meint damit, dass das Dotter, das als Nährstoff im Zytoplasma gelagert ist, vollständig und gleichmäßig verteilt wird. Dies ist auch bei den folgenden Teilungen der Fall.
Die beiden ersten Blastomeren teilen sich erneut. Dies muss nicht unbedingt synchron geschehen, aber doch so, dass man zunächst von einem 4-Zell-Stadium und knapp einen Tag später vom 8-Zell-Stadium Blastomere:8-Zell-Stadiumspricht. Diese acht Zellen sind, wenn sie aus irgendwelchen Gründen getrennt werden, in der Lage, sich zu einem vollständigen Organismus zu entwickeln. Sie sind noch in keiner Weise differenziert und besitzen Totipotenz (Kap. 4.9). Mit ihnen beginnt das neue Individuum mit der Herstellung von eigener mRNA, an die sich die erste eigene Proteinsynthese anschließt. Zuvor musste noch auf mütterliche Reserven zurückgegriffen werden.
Ein nächster entscheidender Schritt ist der Übergang in das 16-Zell-Stadium. Von nun an wird der Zellhaufen als Morula („Maulbeere“) Morula (Maulbeere)bezeichnet (Abb. 5.1 G und H). Diese Zellen sind zusammen nach wie vor nicht größer als die Zygote allein und noch immer umschlossen von der Zona pellucidaZona(-ae):pellucida. Die Corona radiata ist in den ersten Stunden nach der Befruchtung verloren gegangen. Die Zona pellucida bleibt noch eine Weile erhalten, um die Form des frühen Keimlings zu stabilisieren, ihn vor immunologischen Reaktionen und Makromolekülen des mütterlichen Organismus zu schützen und um seine Einnistung in den Eileiter zu verhindern.

Trophoblast und Embryoblast

In diesem Stadium wird eine erste Differenzierung erkennbar, die mit jeder weiteren Verdoppelung der Zellmenge deutlicher hervortritt: Ausgehend von einer inneren Strukturierung ordnen sich einige der Blastomeren am Rand an und kleiden so die Zona pellucida gewissermaßen von innen aus. Die Konzentration der Organellen an bestimmten Stellen erzeugt eine Polarität, ein Oben und Unten in der Zelle. Zwischen den Zellen bilden sich typische Epithelzellverbindungen aus: Zonulae occludentes und adhaerentes und Desmosomen. So entsteht der frühe Trophoblast,Trophoblast die Ausgangssubstanz für Plazenta und Eihüllen. Andere Zellen lagern sich im Inneren haufenförmig eng zusammen – Compaction heißt der Vorgang – und werden zum Embryoblasten,Embryoblast dem eigentlichen Keimling. Die Morula ist zur Blastozyste geworden, in deren Innerem sich durch Flüssigkeitsaufnahme ein Hohlraum auszudehnen beginnt (Abb. 5.1 I), die Blastozystenhöhle Blastozystenhöhlebzw. das Blastozöl Blastozöl– der primitive Dottersack.
Nun wird die Zona pellucida zu eng: Sie löst sich auf und ermöglicht dadurch, dass sich der Keim etwa am 6. Tag an die Gebärmutterschleimhaut anlagert und einnistet.

Merke

Befruchtung → Zygote → 2-Zell-Stadium → 4-Zell-Stadium → 8-Zell-Stadium → Morula → Blastozyste.

Klinik

Spontanabort

Innerhalb der ersten Woche gehen schätzungsweise 50 % der Keimlinge als so genannter Spontanabort verloren. Dies geschieht häufig unbemerkt von der Frau, die höchstens eine zeitlich verschobene und vielleicht verstärkte Menstruationsblutung feststellt. Ursache sind im Allgemeinen Chromosomenanomalien und Fehlbildungen der Zygote.

Implantation

ImplantationNachdem die Blastozyste um den 6. Tag das Uteruslumen erreicht hat, bewegt sie sich noch für einige Stunden frei in der Gebärmutter, rollt langsam an ihrer Wand entlang, bis sie an einer Stelle haften bleibt, um sich dort zu implantieren, einzupflanzen (NidationNidation). Häufige Implantationsorte Implantation:Ortesind die obere Vorder- oder Hinterwand des Uterus.
Die Blastozyste lagert sich mit der Seite an das Endometrium, an der im Inneren der Embryoblast liegt. An der Berührungsfläche verändern sich die Zellen des Trophoblasten: Sie verschmelzen miteinander, lösen ihre Zellgrenzen auf und bilden ein Synzytium (Abb. 5.2). Von nun an unterscheidet man zwei Anteile: Synzytiotrophoblast Synzytiotrophoblastund ZytotrophoblastZytotrophoblast.
Mithilfe proteolytischer Enzyme gräbt sich die Blastozyste in die Zona compacta Zona(-ae) compactader Uteruswand ein, bis sie völlig darin verschwunden ist. Dabei dienen ihr Bestandteile der Zellen, die sie auflöst, als Nahrung: In den ersten Tagen bis zum Erreichen der mütterlichen Kapillaren ernährt sich der Keimling histotroph,Histotrophe Ernährung:Keimling von Gewebeteilen. Ende der zweiten Woche ist die Implantation abgeschlossen.
Zuweilen ist der Vorgang der Implantation verbunden mit einer leichten Blutung, die für die Frau der erste Hinweis auf die Schwangerschaft sein kann.
Das Eindringen und völlige Verschwinden des Keims in der Gebärmutterschleimhaut ist typisch für den Menschen und einige höhere Primaten. Bei anderen Tierarten saugt sich die Blastozyste lediglich am Endometrium fest, bleibt also im Uteruslumen liegen. Oder sie lässt sich in einer Seitenfalte der Gebärmutter nieder.

Klinik

Ektope Schwangerschaft

Schwangerschaft:ektopeEktope SchwangerschaftNicht immer erfolgt die ExtrauteringraviditätImplantation am dafür vorgesehenen Ort. Zu Komplikationen kommt es, wenn sich die Blastozyste im Bereich der Cervix uteri einpflanzt: Dann verschließt die Plazenta den Geburtskanal, was vor und während der Geburt zu schweren Blutungen führen kann.
Ist das Lumen der Tuba uterina verlegt oder sehr verengt oder wird die Eizelle beim Sprung nicht vom Infundibulum aufgefangen, können EileiterschwangerschaftEileiter-, OvarialschangerschaftOvar- oder BauchhöhlenschwangerschaftBauchhöhlenschwangerschaften resultieren. Während die ersten beiden für den Embryo immer letal sind und für die Frau ein hohes Risiko für eine Tubenruptur:EileiterschwangerschaftTubenruptur und innere Blutungen darstellen, konnte eine Bauchhöhlenschwangerschaft in einigen Fällen ausgetragen werden. Der Keim nutzt dann als Befestigung und zur Ernährung das Mesenterium. Allerdings sind auch dabei Mutter und Kind stark gefährdet.

Assistierte Reproduktion

In-vitro-Fertilisation

Die Reagenzglasbefruchtung (In-vitro-Fertilisation, IVF) IVF (In-vitro-Fertilisation)In-vitro-Fertilisation (IVF)ist mittlerweile Reproduktion:assistierteAssistierte Reproduktionein gängiges Verfahren, das bei ungewollter Kinderlosigkeit angewandt wird. Nachdem im Jahre 1978 erstmals ein außerhalb des Körpers gebildeter Embryo nach Einpflanzung in die Gebärmutter zu einem gesunden Kind heranwuchs, wurden die Bedingungen so weit verbessert, dass sich die Rate der erfolgreichen extrakorporalen Befruchtungen beinahe mit der natürlichen messen kann.
Bei der In-vitro-Fertilisation In-vitro-Fertilisation (IVF):Eierstöcke, Stimulationwird der Mutter nach hormoneller Stimulation der Eierstöcke eine Eizelle entnommen und im Reagenzglas mit dem Sperma des Vaters zusammengebracht. Nach der Befruchtung wird die Zygote für wenige Tage im Brutschrank aufbewahrt, wo sie die ersten Teilungen durchführt. Der so entstehende Keimling wird dann transvaginal in den Uterus eingeführt, wo er mit einer Wahrscheinlichkeit von 15–25 % den normalen Weg der Embryo- und Fetogenese beschreitet. Bis zum 3. Tag (4-Zell-Stadium) spricht man vom Embryonentransfer, Embryonentransferam 5. Tag heißt der Vorgang Blastozystentransfer. BlastozystentransferBisher ist nicht erwiesen, dass eine spätere Injektion Vorteile bringt. Laut Gesetz dürfen, um die Erfolgschancen zu erhöhen, bis zu drei solcher frühen Embryonen gleichzeitig implantiert werden. Entsprechend hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft Mehrlingsschwangerschaft:In-vitro-Fertilisation (IVF)IVF (In-vitro-Fertilisation):Mehrlingsschwangerschaftnach IVF.
In Deutschland sind die Bedingungen für die künstliche Befruchtung gesetzlich geregelt: Ei- und Samenspender müssen miteinander verheiratet und bereits seit über einem Jahr trotz entsprechender Bemühungen ungewollt kinderlos sein. Der ausführende Arzt muss den Vorgang der Ärztekammer melden.
Als Indikationen kommen Eileiterstenosen oder -verschlüsse bei der Frau oder eine schlechte Qualität des männlichen Samens sowie unklare Sterilität infrage.

Insemination

Unter Insemination Inseminationversteht man die Injektion des männlichen Samens in die Gebärmutter oder den Eileiter mithilfe eines transvaginalen Katheters oder einer Spritze. Dieses Verfahren wird angewendet, wenn die Spermien zwar zur Befruchtung fähig sind, den Weg zur Eizelle aber nicht in seiner ganzen Länge selbstständig zurücklegen können oder wenn die Qualität des Spermas anderweitig beeinträchtigt ist. Man unterscheidet die homologe Insemination, Insemination:homologeHomologe Inseminationbei der der Samen des Ehemanns injiziert wird, von der heterologen,Insemination:heterologe Heterologe Inseminationbei der man die Spermien eines anonymen Spenders verwendet.

Mikro-Injektion und andere Methoden

Eine weitere Methode der künstlichen Befruchtung stellt die Mikro-Injektion (intrazytoplasmatische Spermatozoeninjektion, ICSI) Spermatozoeninjektion, intrazytoplasmatische (ICSI)Intrazytoplasmatische Spermatozoeninjektion ICSI)ICSI (intrazytoplasmatische Spermatozoeninjektion)dar, bei der das Spermium außerhalb des weiblichen Körpers direkt mittels einer Glaskapillare in die Eizelle eingeführt wird. Dies wird z. B. dann gemacht, wenn das Ejakulat nur sehr wenige oder unbewegliche und deformierte Samenzellen enthält.
Sind im Sperma zu wenige oder überhaupt keine Samenzellen zu finden, können diese auch direkt aus dem Hoden entnommen werden. Bei der mikrochirurgischen epididymalen Spermienaspiration (MESA) Spermienaspiration, mikrochirurgische, epididymale (MESA)Mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration (MESA)MESA (mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration)wird der Nebenhoden, bei der testikulären Spermienextraktion (TESE) Testikuläre Spermienextraktion (TESE)TESE (testikuläre Spermienextraktion)Spermienextraktion, testikuläre (TESE)der Hoden selbst punktiert.
„Assisted hatching“ Assisted hatchingbedeutet, dass vor der Implantation der Blastozyste die Zona pellucida mithilfe eines Lasers eröffnet wird. Dies erleichtert das „Schlüpfen“ des Keimlings und wird durchgeführt, wenn bei der Frau nach mehreren erfolgreichen Implantationen die Schwangerschaft ausblieb, sie älter als 39 Jahre ist oder der Keimling zuvor tiefgekühlt war.
Um die Erfolgsaussichten zu erhöhen, werden der Frau 5–20 Eizellen entnommen. Laut Gesetz dürfen nur drei davon befruchtet und in den Uterus zurückgegeben werden. Die anderen werden verworfen oder im Vorkernstadium eingefroren (kryokonserviert), um für eventuelle spätere Nutzungen (z. B. beim Versagen des ersten Versuches) zur Verfügung zu stehen.
In Deutschland ist mit dem Embryonenschutzgesetz Stammzellforschung:EmbryonenschutzgesetzEmbryonenschutzgesetzdie Verwendung von befruchteten Eizellen zu Forschungszwecken untersagt. Dies ist nicht in allen Ländern der Fall. Beispielsweise dürfen in England überzählige Embryonen in diesen frühen Stadien (weniger als acht Zellen) für die Stammzellforschung verwendet werden.

Präimplantationsdiagnostik

Ein anderes, sehr kontrovers diskutiertes Thema in diesem Zusammenhang, ist die Präimplantationsdiagnostik (PID), Präimplantationsdiagnostik (PID)PID (Präimplantationsdiagnostik)also die Untersuchung des extrakorporal entstandenen Embryos auf eventuelle Erbkrankheiten und Chromosomenaberrationen vor der Einpflanzung in den Uterus. Dazu wird eine der (totipotenten) Blastomeren des 8-Zell-Stadiums entnommen. Dieses Verfahren ist in Deutschland mittlerweile in engen Grenzen erlaubt, z. B. wenn aufgrund einer genetischen Konstellation bei den Eltern eine schwere Erbkrankheit des Kindes bzw. dessen Tot- oder Fehlgeburt zu erwarten sind.

Lerntipp

Zur Präimplantationsdiagnostik ist es hilfreich zu wissen, dass diese an totipotenten Blastomeren des 8-Zell-Stadiums erfolgt und in Deutschland seit einigen Jahren innerhalb enger Grenzen erlaubt ist.

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