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B978-3-437-41704-7.00008-9

10.1016/B978-3-437-41704-7.00008-9

978-3-437-41704-7

Die Carnegie-Stadieneinteilung der Embryonalentwicklung

Tab. 8.1
Stadium Größe (mm) Alter (Tage) Merkmale Abbildung
1 0,1–0,2 1 Befruchtung
Bildung der Zygote

[E838]
Erste Teilung in zwei Tochterzellen
[E838]
2 0,1–0,2 1–3 Weitere Zellteilungen
Entwicklung der Morula

[E838]
3 0,1–0,2 4–5 Frühe Blastozyste
Aufteilung in Embryoblast und Trophoblast
Entstehung der Blastozystenhöhle

[E838]
4 0,1–0,2 5–6 Blastozyste haftet am Endometrium
5 0,1–0,2 7–12 Implantation des Keimlings in die Gebärmutter
Bildung der zweiblättrigen Keimscheibe
Entwicklung der Amnionhöhle und des primären Dottersacks
Differenzierung von Zytotrophoblast und Synzytiotrophoblast

[E838]
6 0,2 13–15 Sichtbarwerden des Primitivstreifens
Gastrulation mit Bildung des Mesoderms
Entstehung des sekundären Dottersacks und der Chorionzotten

[E838]
7 0,4 16 Entstehung des Chordafortsatzes
Ausbildung von Haftstiel und Allantoisdivertikel
Erste Blutgefäße

[E838]
8 1–1,5 18–19 Beginn der Neurulation mit Bildung des Canalis neurentericus und der Chorda dorsalis
9 1,5–2,5 20 Auftreten der ersten drei Somiten
Bildung der Herzanlage
Neuralfalten

[E838]
10 2–3 22 4–12 Somiten
Schluss des Neuralrohrs
Ausbildung der ersten beiden Kiemenbögen
Erste Herzkontraktionen

[E838]
11 2,5–4,5 24 13–20 Somiten
Schluss des rostralen Neuroporus
Entstehung der Augenbläschen und der Ohrplakode

[E838]
12 3–5 26 21–29 Somiten
Schluss des kaudalen Neuroporus
3. Kiemenbogen
Ausbildung der Armknospen
13 4–6 28 30 und mehr Somiten
4. Kiemenbogen
Ausbildung der Beinknospen
Entstehung der Linsen- und Nasenplakoden
Ohrbläschen
Laterale und rostrokaudale Faltung des Embryos

[E838]
14 5–7 32 S-förmiges Herz und zirkulierender Kreislauf
Bildung der Lungenknospen
Augenbecher und Linsengrübchen
15 7–9 33 Anlage der Aurikularhöcker
Wachstum der Großhirnbläschen
Ventrales und dorsales Pankreas sprossen aus dem Darmrohr
Rückbildung der rechten Nabelvene

[E838]
16 9–11 37 Pigmentierung des Auges
Handplatte erkennbar
Fußplatte angedeutet
Entstehung der Lappenbronchien
Ventrales Pankreas verschmilzt mit dorsalem
Riechgruben nach ventral verlagert
17 11–14 41 Abgrenzung der Mittelhand- und Fingerstrahlen
Beginn der Auslagerung der Darmschleife in die Nabelschnur

[E838]
18 13–17 44 Verschmelzung der Gesichtswülste
Anlage der Brustwarze und der Genitalhöcker
Formung von Augenlidern und Nasenspitze
19 17–20 47–48 Erstes Auftreten der Glandula submandibularis als solide Knospe
Flexion und Pronation der Arme

[E838]
20 21–23 50–51 Trennung der Finger
Zehenstrahlen abgrenzbar
Subkutaner Gefäßplexus an Schläfen und Hinterkopf erkennbar
Dorsalflexion des Fußes
Degeneration der Kloakenmembran
21 22–24 52 Hände und Füße in Pronationsstellung gewinkelt; berühren einander in Medianebene
Gesicht deutlich ausgebildet

[E838]
22 25–27 54 Augenlider schließen sich
Trennung der Zehen
23 27–31 56–57 Kopf und Extremitäten sind ausgebildet
Äußere Genitalien noch undifferenziert
Entwicklungsbedingter Nabelbruch noch nicht vollständig zurückgebildet

[E838]

Größen- und Gewichtszunahme des FetusFetus:Größen- und Gewichtszunahme

Tab. 8.2
Alter (Wochen) Größe (cm) Gewicht (g)
8 4 13
12 9 50
16 16 150
20 25 400
24 30 700
28 35 1 200
32 40 2 000
36 45 2 800
40 50 3 500

Entwicklung von Embryo und Fetus

  • 8.1

    Schwangerschaftsalter und Geburtstermin55

  • 8.2

    Embryonalperiode55

  • 8.3

    Fetalperiode60

IMPP-Hits

Zu diesem Thema hat das IMPP in den letzten Jahren keine Fragen gestellt. Für das allgemeine Verständnis sind die Unterscheidung zwischen Embryo und Fetus wichtig sowie der Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsalter und Größe des Kindes (Kap. 8.3).

Fetus:EntwicklungEmbryo:EntwicklungEine Schwangerschaft macht sich häufig zuerst dadurch bemerkbar, dass die Regelblutung ausbleibt. Daraufhin kann mittels eines Streifentests der Urin auf das Vorhandensein von humanem Choriongonadotropin (HCG)Humanes Choriongonadotropin (HCG)HCG (humanes Choriongonadotropin)Choriongonadotropin, humanes (HCG) untersucht werden. Dieses Hormon wird vom Trophoblast:HCGTrophoblast, also vom Keimling selbst, gebildet und dient dem Erhalt des Corpus luteum. Moderne Tests weisen das Hormon bereits vor dem Ausbleiben der erwarteten Menstruation nach. Oft wird die Schwangerschaft auch mithilfe des Ultraschalls diagnostiziert. Bereits ab der 4. Woche setzen die kindlichen Herzaktionen ein und können sonografisch erfasst werden.

Schwangerschaftsalter und Geburtstermin

SchwangerschaftsalterSchwangerschaftsalter:BerechnungGeburtstermin:BerechnungZur Berechnung des Schwangerschaftsalters gibt es verschiedene Ansätze: Bei der Berechnung „post menstruationem“ (p. m.)Post menstruationem (p.m.) wird der erste Tag der letzten Regel als Ausgangsdatum gewählt. Von da an dauert die Gravidität durchschnittlich 280 Tage. Das entspricht 40 Wochen oder 10 Lunarmonaten (ein Lunarmonat hat 28 Tage).
Die Berechnung „post ovulationem“ (p. o.)Post ovulationem (p.o.) geht davon aus, dass die Schwangerschaft mit der Befruchtung beginnt und diese nur bis 24 Stunden nach dem Eisprung stattfinden kann. In einem normalen Zyklus erfolgt die Ovulation am 14. Tag. Damit verkürzt sich die Schwangerschaftsdauer um zwei Wochen: 38 Wochen entsprechen neun Kalendermonaten (je 30 Tage). Die 4. Woche p. o. entspricht also der 6. Woche p. m.
Mithilfe der Naegele-Regel wird der Geburtstermin:Naegele-RegelGeburtstermin Naegele-Regel:Geburtsterminfolgendermaßen berechnet: Erster Tag der letzten Regel plus ein Jahr minus drei Kalendermonate plus/minus × Tage.
Größenmessungen im Ultraschall ermöglichen oft eine ebenso genaue Vorhersage des Geburtstermins.

Embryonalperiode

EmbryonalperiodeDie Zeit in utero wird in zwei Phasen unterteilt: Bis zum Ende der 8. Woche spricht man von der Embryonalzeit. Diese dient der MorphogeneseMorpho- und der OrganogeneseOrganogenese. Sämtliche Organe werden angelegt; bis zum Ende dieser Zeit hat der Embryo eine eindeutig menschliche Form angenommen. Nach der Carnegie-Einteilung wird die Embryonalperiode in 23 Stadien unterteilt (Tab. 8.1).
Die Altersangabe erfolgt in dieser Zeit zum einen anhand der Somitenzahl:AltersangabeAltersangabe:SomitenzahlSomitenzahl, zum anderen auch durch die sonografische Messung der größten Länge, größte (GL):sonografische MessungLänge (Sonografische Messung:größte Länge (GL)Größte Länge (GL):sonografische MessungGL) bis zur 4. Woche bzw. der Scheitel-Steiß-Länge (SSL)Scheitel-Steiß-Länge (SSL) bis zum Ende der Embryonalzeit.

Klinik

Teratogene

Die Unterscheidung von Teratogene:EmbryonalperiodeEmbryonalperiode:TeratogeneEmbryonal- und Fetalperiode:TeratogeneFetalperiode Teratogene:Fetalperiodespielt für die Betrachtung von Teratogenen eine Rolle: Die Gefahr, durch die Aufnahme solcher Stoffe die AgenesieAgenesie (Nicht-Nicht-Anlage\t \"Siehe AgenesieAnlage) einzelner Organe zu verursachen, besteht nur in den ersten acht Wochen. Später bewirken toxische Substanzen oder Strahlung eher Funktionseinbußen und Mangelentwicklung.

Fetalperiode

Mit der 9. Woche beginnt die FetalperiodeFetalperiode. Sie dauert bis zur Geburt an und dient dem Wachstum und der Differenzierung des Körpers und der Organe.
Die Körpergröße wird nun als Scheitel-Fersen-Länge (SFL)Scheitel-Fersen-Länge (SFL) angegeben: Innerhalb von sieben Monaten wächst der Fetus von einer SSL von 3 cm auf eine SFL von etwa 50 cm (Tab. 8.2).
Wesentliche Meilensteine der Fetalentwicklung lassen sich den Monaten zuordnen:
  • 3. Monat: In der 10. Woche beginnt die Leber mit der Blutbildung:FetalperiodeBlutbildung. Eine Woche darauf werden die Darmschlingen:FetalperiodeDarmschlingen, die im Verlauf des entwicklungsbedingten Nabelbruch:entwicklungsbedingterNabelbruchs in die Nabelschnur ausgelagert worden waren, in den Körper zurückgeholt. Ebenfalls im 3. Monat sind erste muskuläre Muskuläre Reflexe:FetalperiodeReflexe Fetalperiode:muskuläre Reflexe auslösbar. Die Augen bewegen sich von ihrer Position an den Seiten des Kopfes nach frontal.

  • 4. und 5. Monat: Die Haut des Fetus wird zunehmend von weichen Lanugohaaren bedeckt. Die äußeren Genitale von Mädchen und Junge sind eindeutig unterscheidbar. Zum Ende dieser Zeit nimmt die Schwangere die Bewegungen des Bewegungen des Kindes:FetalperiodeKindes Fetalperiode:Bewegungen des Kindeswahr.

  • 6. und 7. Monat: Wegen des Mangels an Unterhautfettgewebe erscheint der Fetus im 6. Monat noch runzelig; ab dem 7. Monat werden jedoch vermehrt Lipide eingelagert. Der Körper wird in typischer Weise abgerundet. Das Gewicht steigt rapide an.

Frühgeborene:ÜberlebenschancenFrühgeborene, die nach der 28. Woche zur Welt kommen, haben mittlerweile gute Überlebenschancen: Diese hängen in erster Linie von der Reife des Zentralnervensystems und der Lunge ab. In der 30. Woche öffnet das Kind die Augen.

Merke

Mit der Haase-Haase-RegelRegel lässt sich die Größe des Embryos bzw. Fetus grob berechnen:

Vom 3.–5. Monat ergibt das Quadrat der Monatszahl die SFL in cm.

Ab dem 6. Monat wird die Monatszahl mit 5 multipliziert.

Klinik

Diagnostik in der Schwangerschaft

Zur Beurteilung der kindlichen Kindliche Reifung:SonografieReifung Sonografie:kindliche Reifungwährend der Schwangerschaft stehen mehrere Verfahren zur Verfügung:
  • Nicht-invasiv und sehr gut verträglich sind die Ultraschalluntersuchungen, die regelmäßig durchgeführt werden und bereits sehr aussagekräftig sind: Herzschlag, Größe des Kindes und das äußere Geschlecht können damit beurteilt werden. Auch Fehlbildungen, die die Körperform beeinflussen, sind sonografisch nachweisbar.

  • Zur pränatalen Diagnose Pränataldiagnosegenetischer Störungen kann ab der 15. Woche eine AmniozenteseAmniozentese durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um die Entnahme von 20–30 ml Fruchtwasser mittels einer Kanüle über die Bauchdecke. Dieses Fruchtwasser enthält Enzyme und Zellen, die zur weiteren Untersuchung angezüchtet werden können. Proteine im Fruchtwasser weisen auf einen Neuralrohrdefekt:Proteine im FruchtwasserNeuralrohrdefekt Proteine im Fruchtwasser:Neuralrohrdefekthin.

    Indiziert ist ein solcher Eingriff:

    • wenn die Schwangere älter ist als 35 Jahre

    • nach vorausgegangener Geburt eines Kindes mit genetischem Defekt (z. B. Trisomie)

    • bei bekannter Chromosomenveränderung bei einem der Eltern

    • bei angeborenen Stoffwechselanomalien in der Familie.

  • Ähnliche Indikationen gelten für die ChorionzottenbiopsieChorionzottenbiopsie. Hier wird entweder über die Bauchdecke oder über die Vagina eine Probe der kindlichen Eihäute entnommen. Dieses Verfahren kann bereits zwischen der 8. und 11. Woche durchgeführt werden und ist kaum risikoreicher als die Amniozentese. Die gewonnenen Zellen werden gezüchtet und auf genetische Defekte hin untersucht.

Im Laufe des Wachstums ändern sich die Proportionen des kindlichen Körpers. Zum Ende der Embryonalzeit ist der Kopf ungefähr genauso groß wie Rumpf und Extremitäten zusammen. In der 24. Woche kann der Körper in drei etwa gleich große Teile gegliedert werden: Kopf, Rumpf, Beine. Zur Geburt macht der Kopf etwa ein Viertel der Gesamtkörperlänge aus. Beim Erwachsenen ist es ein Achtel.

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