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B978-3-437-41704-7.00019-3

10.1016/B978-3-437-41704-7.00019-3

978-3-437-41704-7

Abb. 19.1

[L231]

Entwicklung der Schweißdrüsen

Haut und Hautanhangsgebilde

  • 19.1

    Haut177

    • 19.1.1

      Epidermis177

    • 19.1.2

      Dermis und Subkutis178

  • 19.2

    Nägel178

  • 19.3

    Haare178

  • 19.4

    Hautdrüsen179

  • 19.5

    Brustdrüsen179

IMPP-HITS

Zu diesem Kapitel wurde in den letzten Jahren keine Frage gestellt.

Haut

Epidermis

Die erste Hülle Hautdes Embryos besteht lediglich aus einer einzelnen Schicht kubischer Zellen, die sich vom Ektoderm ableitet und verwandt ist mit jener Haut, die auch die Amnionhöhle auskleidet. EpidermisEpidermis wird sie genannt. Um die 4. Woche schiebt sich über diese Schicht eine zweite, das Periderm, das aus flachen Zellen Peridermbesteht.
Gegen Ende der Embryonalzeit proliferiert die Epidermis und wird mehrschichtig. Ihre unterste Zelllage, das Stratum basaleStratum:basale, zeichnet sich durch eine hohe Teilungsrate aus: Immer mehr Zellen werden zwischen ihr und dem Periderm gebildet und ergeben zusammen das Stratum intermediumStratum:intermedium. Dessen oberste Zellen verlieren ihren Kern, verhornen und werden schließlich, genau wie das Periderm, abgestoßen.
Nach und nach bildet sich die bekannte Histologie der Epidermis mit ihren deutlich unterscheidbaren Zonen aus:
  • Ganz unten bleibt das Stratum basaleStratum:basale, die Keimschicht, in der immer wieder neue Hautzellen gebildet werden.

  • Darauf folgt das Stratum spinosumStratum:spinosum, innerhalb dessen sich diese Zellen durch Desmosomen aneinander binden und eine stabile und dabei flexible Schutzschicht bilden.

  • Weiter oben befinden sich Zellen, in denen kleine keratohyalinhaltige Vesikel erkennbar sind: Stratum granulosumStratum:granulosum. Hier beginnt bereits die Verhornung.

  • Die Verhornung setzt sich in der vierten Schicht fort und gibt ihr den Namen: Stratum corneum.

Innerhalb von 30 Tagen gelangt eine Zelle von der Basalschicht ganz nach außen, wo sie abgestoßen wird. Diese abgestoßenen Zellen bilden zusammen mit Drüsensekreten die so genannte KäseschmiereKäseschmiere, Vernix Vernix caseosacaseosa, die die Haut des Neugeborenen bedeckt und verschiedene Funktionen erfüllt: Zum einen schützt sie intrauterin vor der (urinhaltigen!) Amnionflüssigkeit, zum anderen hat sie möglicherweise eine Funktion als Wärmeisolator und ist außerdem bei der Geburt als Gleitmittel von Nutzen.
Hautzellen, die in das Fruchtwasser gelangen, werden mit diesem vom Fetus geschluckt und sind Bestandteil des ersten Darminhaltes (MekoniumMekonium).

Klinik

Ichthyosis

Ichthyosis(von griech. ichthyos = Fisch) Sammelbegriff für eine Reihe von Erkrankungen, die mit einer genetisch bedingtenVerhornungsstörung der Epidermis einhergehen. Dabei reicht das Spektrum von der milden Form, die durch eine besonders im Winter straffe, trockene Haut gekennzeichnet ist, über eine mittelgradige Ausprägung, bei der die Haut schuppig und gerötet ist und es häufig zu Juckreiz kommt, bis zum schweren klinischen Bild des so genannten KollodiumbabyKollodiumbabys oder des Harlekinfetus, dessen straffe Haut die Körperform beeinflusst.

Dermis und Subkutis

Die tiefer gelegenen Schichten der Haut (DermisDermis und SubkutisSubkutis) entstehen aus dem MesodermMesoderm. Das Mesoderm gliedert sich auf in SklerotomeSklerotome, MyotomeMyotome und DermatomeDermatome. Letztere befinden sich dicht an der äußeren Körperwand und verzahnen sich mittels papillenartiger Ausläufer in der Epidermis. Innerhalb dieses Stratum papillareStratum:papillare befinden sich die sensiblen Nervenendigungen und die Kapillaren zur Versorgung der Haut.
Aus der Neuralleiste wandern verschiedene Hautzellen mit „Sonderfunktionen“ ein:
  • Merkel-ZellenMerkel-Zellen fungieren als Druckfühler.

  • MelanoblastenMelanoblasten, die zu MelanozytenMelanozyten reifen und mit der Bildung des Pigments Melanin für die Farbe der Haut zuständig sind. Unterschiede in der Hautfarbe entstehen nicht durch eine unterschiedlich große Zahl von Melanozyten, sondern werden durch die Menge der in ihnen befindlichen Melaningranula bedingt. Bei einem Menschen mit weißer Haut enthält ein Melanozyt etwa 50 MelanosomenMelanosomen. Bei einem Menschen mit schwarzer Haut sind es 500.

  • Aus dem Knochenmark wandern die Langerhans-ZellenLangerhans-Zellen:Haut in die Unterhaut ein. Sie sind gewebsspezifische Leukozyten, die zur Antigenpräsentation befähigt sind.

Klinik

Albinismus

Die mangelnde Melaninproduktion in den Melanozyten aufgrund eines Fehlens der Thyrosinkinase:MangelTyrosinkinase führt zum Bild des AlbinismusAlbinismus. Die Haut ist sehr hell und anfällig für Sonnenbrand (damit einher geht ein erhöhtes Hautkrebsrisiko), die Haare sind weißblond und die Augen sind besonders lichtempfindlich, da das Pigment in der Retina fehlt. Die generalisierte Form, bei der der gesamte Körper betroffen ist, wird autosomal-rezessiv vererbt.Daneben existiert eine lokale Form, bei der lediglich umschriebene Stellen der Haut oder der Haare kein Pigment enthalten. Hier ist der Erbgang autosomal-dominant.
Im Zusammenwirken von Epidermis und Dermis bildet sich im 2. Trimenon die typische Struktur der Haut mit ihrer FelderungFelderung:Haut Haut:Felderungim Bereich des Kopfes und Rumpfes und der Extremitäten und ihren Leisten an den Innenflächen der Hände und Füße aus. Diese Struktur ist genetisch determiniert und bei jedem Individuum anders. Sie hat nicht nur Bedeutung in der Kriminalistik, sondern gilt auch als diagnostisches Merkmal im Zusammenhang mit ChromosomenaberrationenChromosomenaberrationen (z. B. Trisomie 21Trisomie 21).
Ab der 27. Woche werden Fettzellen in die Subkutis eingelagert. Dies bewirkt eine Rundung der Körperform und auch eine Straffung der Haut. In der Mehrheit handelt es sich um braunes Fettgewebe, das dem Säugling zur Wärmeisolation dient.

Nägel

NagelIn der 10. Woche wird an der Dorsalseite der Fingerkuppen eine Verflachung erkennbar, das primäre NagelfeldNagelfeld (später: NagelbettNagelbett). Als u-förmige Begrenzung dient die epidermale NagelfalteNagelfalte oder NagelfalzNagelfalz. Epidermiszellen sind es auch, die über das Nagelfeld wachsen und die NagelplatteNagelplatte bilden. Mit ihren Hornschuppen, die durch Tonofilamente verbunden sind, erlangen sie die typische Struktur und Festigkeit der Nägel. Proximal ist ein heller Halbkreis (LunulaLunula) erkennbar, der die Proliferationszone für immer neue Nagelzellen darstellt.
In der 32. Woche sind die Fingerkuppen, einen Monat später auch die Zehenkuppen von Nägeln bedeckt – ein Umstand, der als ReifezeichenReifezeichen:Fingerkuppen Fingerkuppen:Reifezeichengenutzt wird.

Klinik

Anonychie

Das teilweise oder vollständige Fehlen der Nägel bezeichnet man als Anonychie. Sie beruht auf einer fehlerhaften Ausbildung des Nagelfeldes oder der Nagelplatte und ist manchmal mit Fehlbildungen von Zähnen und Haaren vergesellschaftet.

Haare

Haare entstehen aus Einstülpungen der Epidermis, die ihre Zellen trichterförmig in das darunter gelegene Mesenchym senkt. Sie bilden die HaarpapilleHaar:Papille und ihre zwiebelförmige Auftreibung am Schluss den HaarkolbenHaar:Kolben. Die um diesen Kolben liegenden Mesenchymzellen sind der HaarbulbusHaar:Bulbus, aus dem die Matrix gebildet wird, die Substanz der Haare. Sie füllt anfangs das Innere der Haarpapille aus und wächst schließlich durch den epidermalen Trichter nach außen.
Der Fetus ist zunächst am ganzen Körper bedeckt von den Woll- oder LanugohaareLanugohaarenWollhaare. Diese sind vergleichsweise lang und weich und fallen meist noch vor der Geburt aus. Ihnen folgen die VellushaareVellushaare des Kindes und die TerminalhaareTerminalhaare des Erwachsenen, die an bestimmten Körperstellen (Kopfhaut, Augenbrauen, Wimpern, ab der Pubertät Achselhöhlen, Schamgegend, Bartwuchs bei Männern) besonders stark ausgeprägt und von festerer Struktur sind.
Für die Haarfarbe sind MelanozytenMelanozyten:Haarfarbe Haarfarbe:Melanozytenzuständig, die Melanin in die Haarmatrix sezernieren.
Über die Funktion der Haare lässt sich spekulieren, gerade beim Menschen, bei dem ihr Vorkommen in hoher Dichte und Dicke auf einige wenige Körperstellen beschränkt ist. Möglicherweise dienen sie dem Schutz des Hirnschädels vor Wärme und UV-Licht. In den Achselhöhlen und im Genitalbereich vermögen sie den Körpergeruch gut zu verbreiten, was zweifellos eine Bedeutung für die Fortpflanzung hat. Und vielleicht kann man ihnen auch einen sozialen Aspekt einräumen: Man denke an die Verführungskünste der Loreley oder auch an die Tatsache, dass mit dem Eintritt in viele religiöse Orden mindestens ein Teil des Haupthaars fallen muss.

Klinik

Alopezie und Hypertrichose

Bei der kongenitalen Alopezie:kongenitaleAlopezie sind die Haarfollikel nicht oder nur mangelhaft ausgebildet. Es sind zu wenig oder keine Haare vorhanden. Gelegentlich treten zusätzlich Fehlbildungen der Haut und ihrer Drüsen auf.
Die HypertrichoseHypertrichose ist gekennzeichnet durch zu viele Haare. Eine vermehrte Anzahl von Haarfollikeln kann am ganzen Körper auftreten oder lokal begrenzt sein. Eine Spina bifida Spina bifida:occultaocculta (Nichtverschluss der Wirbelbögen, oft im Lumbalbereich) wird häufig von langen Haaren bedeckt.

Hautdrüsen

Bei den HautdrüsenHautdrüsen unterscheidet man TalgTalgdrüsen-, SchweißSchweißdrüsen- und DuftdrüsenDuftdrüsen. Sie entstehen entweder in Verbindung mit einem Haar als Aussprossungen der Haarwurzelscheide oder direkt aus der Epidermis, die sich als Zellknospe in das Mesenchym einsenkt. Sie folgen alle einem gemeinsamen Entwicklungsprinzip: Ein solider Zellstrang verzweigt sich und bekommt ein Lumen. Daraus entwickelt sich ein Gang (Ductus), später ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Gangsystem mit kleinen bläschenförmigen Enden (Azini), deren Zellen in der Lage sind, ein Sekret zu produzieren. Dieses wird in das Gangsystem geleitet und an der Hautoberfläche über den Porus (Drüsenausgang) abgegeben. Unterstützend wirken dabei einzelne myoepitheliale Zellen, die eine Kontraktion der Gänge und Azini bewirken können (Abb. 19.1).
Das Sekret der TalgdrüsenTalgdrüsen (SebumSebum) dient der Einfettung der Haare und das der SchweißdrüsenSchweißdrüsen der Wärmeabgabe. Die DuftdrüsenDuftdrüsen scheinen eine Rolle bei der Fortpflanzung zu spielen: So genannte PheromonePheromone („Lockstoffe“) nehmen offenbar unbewusst Einfluss auf die Partnerwahl. In der frühen Säuglingszeit und Kindheit dienen sie möglicherweise der Erkennung von Familienzugehörigkeit.
Die Unterschiede der Sekretabgabe (Sekretion:holokrineSekretion:apokrineholokrinSekretion:ekkrine, apokrin, ekkrin) sind in den Büchern der Histologie beschrieben.

Brustdrüsen

BrustdrüsenDen Säugetieren (Mammalia) gemeinsam ist ihre Fähigkeit, den Nachwuchs in den ersten Wochen oder Monaten mittels eines körpereigenen Sekrets aus den Brustdrüsen (MammaeMamma) zu versorgen. Dass Menschen nur zwei Brüste, viele Haustiere dagegen zehn oder mehr Zitzen haben, scheint eine Anpassung an die durchschnittliche Kinderzahl der verschiedenen Spezies zu sein. Entwicklungsgeschichtlich ist die Geburt einer Vielzahl von Nachkommen gewiss eine ältere Praxis als unsere Ein- oder Zweikindschwangerschaft: Jedenfalls deutet die Embryologie der Brustdrüsen darauf hin.
Von der Achselgegend bis in die Inguinalregion reicht der MilchstreifenMilchstreifen, der in der 5. Woche als Verdichtung der Epidermis auf der Körperoberfläche sichtbar wird. Er verdickt sich in ganzer Länge zur MilchleisteMilchleiste. Diese allerdings bildet sich dann zum größten Teil wieder zurück. Nur in Höhe des M. pectoralis entwickelt sie sich weiter: Eine lokale Epithelverdickung wird dort zum MilchhügelMilchhügel. Seine stark proliferierenden Zellen wachsen als MammaknospeMammaknospe in das darunter liegende Mesenchym ein. Dort beginnen sie sich (ähnlich wie die Haut- und Speicheldrüsen) auszubreiten, zu verzweigen und schließlich ein System von 15–20 Sekundärsprossen (die späteren Ductus lactiferiDuctus:lactiferi) zu bilden, die nach außen in die BrustwarzeBrustwarzen (Papilla mammariaPapilla:mammaria) münden. Ihr anderes Ende wird durch zunächst kompakte Endknospen verschlossen.
Die Brustwarzen sind während der Fetalzeit nach innen gestülpt, erst nach der Geburt erheben sie sich über das Hautniveau.

Klinik

Anomalien der Brustwarzen

Überzählige Brustwarzen:überzähligeBrustwarzen (PolytheliePolythelie) oder Brustdrüsen (PolymastiePolymastie) treten mit einer Häufigkeit von etwa 1 % auf. Sie können ein- oder beidseitig bei Frauen und bei Männern an jeder Stelle des ursprünglichen Milchstreifens vorkommen. Häufig findet man sie kurz unterhalb der eigentlichen Brust. Während der Stillzeit sind sie aufgrund hormoneller Einflüsse sogar in der Lage, Milch zu sezernieren.
Die Brustwarzen und Brustdrüsen können auch ein- oder beidseitig fehlen (AthelieAthelie bzw. AmastieAmastie). Dazu kommt es, wenn die Milchleiste nicht angelegt wird oder zu früh degeneriert.
HohlwarzenHohlwarzen treten auf, wenn postnatal kein ausstülpendes Bindegewebe in die Brustwarze eingelagert wird.
Bedingt durch mütterliche Hormone, die perinatal in den kindlichen Organismus gelangen können, produzieren die Brustdrüsen Neugeborener (Mädchen und Jungen!) zuweilen eine so genannte Hexenmilch.Hexenmilch
Ebenfalls unter dem Einfluss weiblicher Hormone werden während der Pubertät bei Mädchen vermehrt Fett und Bindegewebe um die Milchgänge gelagert, sodass sich die Brüste deutlich hervorwölben. Im Verlauf einer Schwangerschaft erweitern sich die Ductus lactiferi, um rechtzeitig zur Geburt des Kindes Milch produzieren zu können. Nach dem Abstillen bilden sie sich teilweise wieder zurück.

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