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B978-3-437-41704-7.00020-X

10.1016/B978-3-437-41704-7.00020-X

978-3-437-41704-7

Abb. 20.1

[L231]

Trennung von Pleura- und Perikardhöhle

Abb. 20.2

[E838]

Entstehung des Zwerchfells

Abb. 20.3

[E838]

Angeborene Zwerchfellhernie links. Blick von unten auf das Diaphragma

Körperhöhlen und Zwerchfell

  • 20.1

    Entstehung der Körperhöhlen aus dem Zölom181

  • 20.2

    Pleurahöhle182

  • 20.3

    Perikardhöhle183

  • 20.4

    Peritonealhöhle183

  • 20.5

    Zwerchfell183

IMPP-HITS

Zu diesem Kapitel wurden in den letzten Jahren vom IMPP keine Fragen gestellt. Für das anatomische Verständnis wichtig ist aber insbesondere die Entwicklung des Zwerchfells und seiner neuronalen Versorgung.

Entstehung der Körperhöhlen aus dem Zölom

KörperhöhlenZölom:Körperhöhlen, EnstehungKörperhöhlen:Enstehung aus dem ZölomIn der 2. Woche, wenn der Embryo noch die Gestalt einer Keimscheibe hat, erscheinen in seinem mittleren Keimblatt (Mesoderm) im Bereich der Seitenplatten Hohlräume, die rasch miteinander in Kontakt treten und sich zum Zölom:intraembryonalesintraembryonalen Intraembryonales ZölomZölom vereinigen. Ohne sichtbare Grenze geht dieser Hohlraum über in das extraembryonale Zölom, die spätere Chorionhöhle (Kap. 6.5).
Wenn sich der Embryo in zwei Achsen (kranio-kaudal und lateral) faltet, geht die Verbindung zwischen intra- und extraembryonalem Zölom verloren (Abb. 6.7).
Im Körper des Embryos breitet sich zunächst ein einziger Hohlraum aus, der sich vom zervikalen Bereich bis zum Becken erstreckt und im Querschnitt eine C-Form hat. Er wird ventral begrenzt durch die sich gerade verschließende vordere Leibeswand, der innen das parietale Blatt des Seitenplattenmesoderm:viszerales BlattSeitenplattenmesoderm:parietales BlattSeitenplattenmesoderms (SomatopleuraSomatopleura) anliegt. Seine dorsale Begrenzung bildet das viszerale Blatt des Seitenplattenmesoderms (Viszeropleura\t \"Siehe SplanchnopleuraSplanchnopleuraSplanchnopleura, Viszeropleura). Beide Blätter gehen im MesenteriumMesenterium ineinander über. Als Mesenterium bezeichnet man jene doppelte Mesodermschicht, über die das Darmrohr an der hinteren Leibeswand befestigt ist.
Kranial, im Halsbereich, zunächst direkt unterhalb der Kiemenbögen, befindet sich die HerzanlageHerzanlage. Zwischen ihr und der heranwachsenden Leber breitet sich, von der ventralen Körperwand kommend, eine dichte mesenchymale Platte aus: das so genannte Septum Septum:transversumtransversum. Dieses stellt eine erste partielle Untergliederung des intraembryonalen Zöloms dar: Die kraniale PerikardhöhlePerikardhöhle (Herzhöhle) wird von der kaudalen PeritonealhöhlePeritonealhöhle getrennt. Allerdings nur teilweise: Dorsal, zwischen dem Septum transversum und der hinteren Leibeswand, bleiben zwei breite, flache Kanäle bestehen: Canales Canalis(-es):pericardioperitonealespericardioperitoneales (ZölomkanäleZölomkanäle). Durch den Mesodermvorsprung, den das Darmrohr hervorwölbt, sind sie voneinander getrennt.
Das Darmrohr, aus dem in diesem Bereich der Ösophagus entstehen wird, trennt ventral das Trachealrohr ab. Dieses wird zur Ausgangsstruktur der Lungenknospen, aus denen die beiden Bronchialbäume wachsen (Kap. 13.2). Und sie wachsen – bedeckt vom viszeralen Blatt des Seitenplattenmesoderms, der Splanchnopleura – in die Perikardioperitonealkanäle (Zölomkanäle) hinein, drängen sich also in den Hohlraum dorsal der Herzanlage und dorsal des Septum transversum vor. Dort ist nicht viel Platz, sodass sie nach ventrolateral ausweichen.
In der lateralen Körperwand wölben die beiden Kardinalvenen rechts und links jeweils eine Bindegewebsfalte hervor: Plicae Plica(-ae):pleuropericardialespleuropericardiales. Diese beiden Falten, die auch den Zwerchfellnerv N. phrenicus enthalten, wachsen in der Frontalebene aufeinander zu, bis sie medial auf das Mesenchym des Mediastinums treffen. Dort verschmelzen die zwei Kardinalvenen miteinander. Gleichzeitig wird so der Herzbeutel, die PerikardhöhlePerikardhöhle, von den beiden Zölomkanälen getrennt (Abb. 20.1).
Die beiden Zölomkanäle dehnen sich aus, dringen seitlich und ventral zwischen den Herzbeutel und die Körperwand, erweitern sich auch nach kranial, bis sie schließlich fast den gesamten Thoraxraum füllen. In ihnen wächst das Lungengewebe und dehnt sich aus.
Zwei transversal ausgerichtete Falten – Plicae Plica(-ae):pleuroperitonealespleuroperitoneales – wachsen lateral und dorsal aus der Körperwand auf das Septum transversum zu, verschmelzen mit diesem und trennen so die PleuraräumePleuraräume von der Peritonealhöhle ab. Damit ist die Gliederung des Zöloms vollendet.

Pleurahöhle

PleurahöhleDie Lungenknospen entspringen aus der Trachea, die ein direkter Abkömmling des Vorderdarms ist. Demzufolge sind sie wie dieser vom viszeralen Blatt des Seitenplattenmesoderm:viszerales BlattSeitenplattenmesoderms (SplanchnopleuraSplanchnopleura) überzogen. Sie wachsen zunächst in die beiden Perikardioperitonealkanäle (Zölomkanäle) ein, die dorsal vom Septum transversum als Verbindung von Brust- und Bauchraum dienen. Diese sind aber bald zu eng für die Lungen, sodass sie nach ventral und lateral ausweichen.
Von der Perikard- und der Peritonealhöhle trennt sich die Pleurahöhle mithilfe von vier Vorsprüngen: zwei Pleuroperikardialfalten und zwei Pleuroperitonealfalten.
Die beiden pleuroperikardialen Pleuroperikardiale FaltenFalten (Plicae Plica(-ae):pleuropericardialispleuropericardiales) sind Mesenchymleisten, die aus der lateralen Körperwand in das intraembryonale Zölom vorwachsen. Sie enthalten die Kardinalvenen, die sich mit ihnen dem Herzen annähern. Das Zölom:intraembryonalesintraembryonale Intraembryonales ZölomZölom umgibt hufeisenförmig die Herzanlage und die sich bildenden Lungen. Durch das Verschmelzen der beiden Falten wird der Raum in die ventrale Perikardhöhle (Herzbeutel) und die beiden lateralen Pleurahöhlen geteilt. Diese dehnen sich mit dem Wachstum der Lungen weiter aus, bis sie fast den gesamten Thorax ausfüllen. Zwischen ihnen befindet sich als lockere Mesenchymschicht das Mediastinum.
Die pleuroperitonealen Pleuroperitoneale FaltenFalten (Plicae Plica(-ae):pleuroperitonealispleuroperitoneales) wachsen aus dem Mesoderm der dorsalen Leibeswand dem Septum transversum entgegen und schließen damit den Zölomkanal, der zunächst Brust- und Bauchraum verbunden hatte. Damit wird die Pleurahöhle auch von der Peritonealhöhle getrennt.
In ihrem Wachstum dehnt die Lunge das ihr unmittelbar anliegende viszerale Blatt des Mesoderms, die SplanchnopleuraSplanchnopleura, immer weiter aus, bis es schließlich nur noch durch einen sehr dünnen flüssigkeitsgefüllten Raum vom parietalen Blatt (SomatopleuraSomatopleura) getrennt ist. Dieses kleidet die Körperhöhle aus, liegt also der Muskulatur des Thorax direkt innen an. Beide Blätter zusammen ergeben die seröse Haut der Lunge, die Pleura. Der Raum zwischen ihnen heißt PleuraspaltPleuraspalt. An den ihm zugewandten Seiten sind die beiden Pleurablätter von einem flachen Epithel bedeckt, dem so genannten MesothelMesothel.

Klinik

Pneumothorax

Pleura und Pleuraspalt spielen eine entscheidende Rolle bei der Atmung. Adhäsionskräfte, die z. B. auch dafür sorgen, dass zwei glatte Glasplatten, zwischen denen sich ein dünner Wasserfilm befindet, kaum voneinander zu trennen sind, halten auch die beiden Pleurablätter zusammen. Auf diese Weise wird die Dehnung des Thorax beim Einatmen auf die Lungen übertragen. Eine Trennung von beiden, wie sie durch das Eindringen von Luft nach einem Pleuraeinriss geschieht, lässt den kompletten Lungenflügel in sich zusammenfallen (Pneumothorax)Pneumothorax.

Perikardhöhle

PerikardhöhleDer kraniale Bereich des intraembryonalen Zöloms, der bogenförmig die Herzschläuche umgibt und sich aus Spalten der kardiogenen Platte gebildet hat, wird zur Perikardhöhle. Durch die pleuroperikardialen Falten, die von der lateralen Körperwand kommend die Kardinalvenen zum Herzen führen, wird sie vom Pleuraraum abgetrennt. Das Septum Septum:transversumtransversum, das später zum zentralen Teil des Zwerchfells wird, bildet die Abgrenzung zum Peritonealraum.

Peritonealhöhle

PeritonealhöhleDas intraembryonale Zölom, das vom Thoraxraum bis in das Becken reicht, wird durch eine Falte der ventralen inneren Körperwand, das Septum Septum:transversumtransversum, unvollständig in einen thorakalen und einen abdominalen Raum getrennt. Der abdominale Raum ist die Peritonealhöhle. In ihm entwickeln sich der Mittel- und der Enddarm samt ihrer Abkömmlinge. Die Organe des Urogenitalsystems entstehen dorsal des parietalen Mesoderms, also primär retroperitoneal.
Das Darmrohr ist über die Mesenterien in der Bauchhöhle aufgehängt. Mesenterien sind Duplikaturen des viszeralen Blattes des Mesoderms (Splanchnopleura) und gleichzeitig die Umschlagfalte der beiden Mesodermblätter.
Das ventrale Mesenterium:ventralesMesenterium reicht kaudal lediglich bis zur Mündungsstelle des Dottersackgangs. Das dorsale Mesenterium:dorsalesMesenterium verbindet den Darmkanal in ganzer Länge mit der Rückwand der Körperhöhle. In ihm befinden sich die Nerven und Blutgefäße zur Versorgung des Darms. Ihre Veränderungen im Zusammenhang mit der Darmentwicklung sind in Kap. 14.3 geschildert.

Zwerchfell

Das ZwerchfellZwerchfell (DiaphragmaDiaphragma) trennt als muskuläre Haut den Thorax- vom Abdominalraum. Es wirkt – besonders bei der Inspiration (Einatmung) – als kräftigster Atemmuskel.
Seine Entstehung geht auf vier verschiedene Strukturen zurück:
  • das Septum transversum

  • die Plicae pleuroperitoneales

  • das periösophageale Bindegewebe

  • die seitlich einwachsenden Mesodermleisten aus der Körperwand.

Das Septum Septum:transversumtransversum bildet sich als Mesenchymplatte zwischen der Herzanlage und der Leber. Aus ihm entsteht hauptsächlich das Centrum tendineum.
Die Plicae Plica(-ae):pleuroperitonealespleuroperitoneales verschließen die Pleuroperitonealkanäle (Zölomkanäle), indem sie von lateral und dorsal kommend auf das Septum transversum zuwachsen und sich mit diesem und dem MesenchymMesenchym, das die Speiseröhre umgibt, vereinigen. Durch Gewebevorsprünge aus dem parietalen Mesoderm:parietalesMesoderm wird das Zwerchfell an den Rändern abgedichtet und an der Körperwand fixiert (Abb. 20.2).
Die Herzanlage und damit auch das Septum transversum entstehen zunächst nicht im Thorax, sondern deutlich weiter kranial, im Halsbereich. Entsprechend bezieht es seine versorgenden Nerven aus den Zervikalsegmenten C3–C5. Die Fasern dieser drei bilden zusammen den N. Nervus(-i):phrenicusphrenicus. Wenn mit dem Deszensus des Herzens auch das Zwerchfell sinkt, wird der Nerv mitgezogen. Beim Erwachsenen hat er eine Länge von 30 cm! Allerdings sind auch Interkostalnerven an der Versorgung beteiligt – sie wandern mit den anderen Teilen des Diaphragmas ein.

Klinik

Angeborene Zwerchfellhernien (Bochdalek-Hernien)

Bochdalek-HernieZwerchfell:Hernie, angeboreneSie treten mit einer Inzidenz von 1:2 000 auf, und zwar eher auf der linken als auf der rechten Seite (Abb. 20.3). Wenn sich der Zölomkanal nicht verschließt, drängen sich Darmschlingen, der Magen, manchmal auch Leber und Milz in den Thoraxraum und beeinträchtigen da Wachstum der Lungen und nach der Geburt die Atmung. Zur lebensgefährlichen Luftnot des Neugeborenen kommen noch kardiale Symptome durch die Verdrängung des Herzens hinzu.

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