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B978-3-437-41704-7.00009-0

10.1016/B978-3-437-41704-7.00009-0

978-3-437-41704-7

Abb. 9.1

[E838]

Entstehung eineiiger Zwillinge aus einer Blastozyste

Abb. 9.2

[E838]

Entstehung zweieiiger Zwillinge aus zwei befruchteten Eizellen

Teilung von Plazenta und Eihäuten in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Trennung eineiiger Zwillinge

Tab. 9.1
Zeitpunkt der Trennung Plazenta Chorion Amnion
Zweizell-Stadium getrennt getrennt getrennt
Morula getrennt getrennt getrennt
Blastozyste gemeinsam gemeinsam getrennt
Nach Ausbildung der Amnionhöhle; dieser Fall ist sehr selten und oft mit Fehlbildungen eines oder beider Embryonen verbunden gemeinsam gemeinsam gemeinsam

Mehrlingsbildung

  • 9.1

    Eineiige Zwillinge63

  • 9.2

    Zweieiige Zwillinge63

  • 9.3

    Besonderheiten bei Schwangerschaft und Geburt65

IMPP-Hits

Bei diesem Kapitel hat das IMPP in den letzten Jahren seine Fragen auf das Thema eineiige Zwillinge konzentriert (Kap. 9.1)

In den meisten Fällen wird eine Eizelle durch ein Spermium befruchtet. Daraus entsteht eine Zygote, die sich zur Morula und schließlich zur Blastozyste mit Embryo- und Trophoblast entwickelt. Erfolgt irgendwo auf diesem Weg eine Trennung der noch totipotenten Zellen, entwickeln sich zwei bzw. mehr genetisch identische Menschen. Man spricht von eineiigen oder monozygoten Monozygote (eineiige) ZwillingeZwillingeZwillinge:monozygote (eineiige)n (Mehrlingen), wenn beide derselben Zygote entstammen. Kommt es dagegen zur zeitlich sehr nahen Befruchtung zweier verschiedener Eizellen durch zwei Spermien, werden zweieiige (dizygote)Zwillinge:dizygote (zweieiige) Dizygote (zweieiige) ZwillingeZwillinge geboren. Sie sind sich in ihren genetischen Anlagen nicht ähnlicher als „normale“ Geschwister.

Merke

Nach der Hellin-Regel wird die Häufigkeit von Mehrlingsgeburt:Hellin-RegelMehrlingsgeburten Hellin-Regel:Mehrlingsgeburtfolgendermaßen berechnet:

  • Zwillinge bei jeder 85. Geburt

  • Drillinge bei jeder 852. Geburt

  • Vierlinge bei jeder 853. Geburt usw.

Die Zahl der begonnenen MehrlingsschwangerschaftMehrlingsschwangerschaften liegt wahrscheinlich deutlich darüber.

Eineiige Zwillinge

Monozygote (eineiige) Zwillinge Zwillinge:monozygote (eineiige)

Zwischen dem Zweizell-Stadium und dem Zeitpunkt, zu dem die zwei äußeren Keimblätter angelegt sind, der Primitivstreifen aber noch fehlt, ist prinzipiell eine Trennung der Keimlingsanlage möglich, bei der aus allen Anteilen vollständige und gesunde Kinder entstehen. Abhängig vom Zeitpunkt der Trennung teilen sie sich Amnionhöhle, Chorion und Plazenta (Tab. 9.1 und Abb. 9.1).

In jedem Fall stimmen die entstehenden Kinder in allen genetischen Merkmalen überein, folglich auch in Geschlecht, Blutgruppe und dem als Ausdruck der genetischen Individualität geltenden Histokompatibilitätskomplex (MHC).Histokompatibilitätskomplex (MHC):Zwillinge, monozygote (eineiige) Sie sind mit anderen Worten „natürliche Klone“.

Eineiige Zwillinge entstehen aus einer Zygote. Ihre Trennung kann während unterschiedlicher Stadien der frühen Keimentwicklung geschehen. Aus der Teilung der Blastomeren resultieren zwei Blastozysten, die jeweils eine eigene Plazenta, Amnionhöhle und Chorionhöhle besitzen. Durch Trennung des Embryoblasten im Blastozystenstadium entstehen Zwillinge mit gemeinsamer Plazenta und gemeinsamer Chorionhöhle, aber jeweils eigener Amnionhöhle.

Zweieiige Zwillinge

Werden bei der Ovulation zwei EizellenZwillinge:dizygote (zweieiige)Dizygote (zweieiige) Zwillinge freigegeben (z. B. aus jedem Eierstock eine oder weil der Tertiärfollikel zwei enthielt), ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass statt nur einer beide Zellen befruchtet werden. In diesem Fall sind die Zygoten von vornherein getrennt. Folglich liegen auch getrennte Amnion- und Chorionhäute vor (Abb. 9.2). Letztere und auch die Plazenten können allerdings miteinander verschmelzen, wenn sich die Keimlinge sehr dicht nebeneinander im Uterus ansiedeln.
Etwa 70 % aller Zwillingspaare sind dizygot. Da sie aus zwei völlig unabhängigen Keimzellpaaren entstanden sind, können sie sich selbstverständlich im Geschlecht unterscheiden.

Klinik

Mehrlingsgeburten

Während die Entstehung eineiiger Zwillinge offenbar in keinem erkennbaren Zusammenhang mit speziellen Eigenschaften der Eltern steht, treten zweieiige Zwillinge familiär gehäuft und mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit bei Schwangeren über 35 Jahre auf. Zudem führen Hormonbehandlungen:ZwillingeHormonbehandlungenZwillinge:Hormonbehandlungen, wie sie z. B. zur Fertilitätssteigerung erfolgen, oft zur Doppelovulation und zu zweieiigen Zwillingen.
Mehrlingsgeburten sind im Vergleich zu Einlingsgeburten relativ häufiger mit Fehlbildungen:MehrlingsgeburtFehlbildungen Mehrlingsgeburt:Fehlbildungen verbunden. Bei zweieiigen Zwillingen, bei denen es zur Verschmelzung der Plazenten kommt, kann über diese Blut ausgetauscht werden. Beide Kinder können auf diese Weise zum Träger zweier unterschiedlicher Blutgruppen werden. Dieses Phänomen nennt man ErythrozytenmosaizismusErythrozytenmosaizismus, die Kinder werden als ChimäreChimären bezeichnet.
Andererseits kann aus der gemeinsamen Blutversorgung auch ein Transfusionssyndrom:ZwillingeTransfusionssyndrom Zwillinge:Transfusionssyndromresultieren: Einer der beiden Zwillinge entwickelt sich gesund und kräftig, während der andere nicht genug Nährstoffe bekommt und verkümmert. Man spricht von einer asymmetrischen Fehlbildungen:asymmetrischeFehlbildung Asymmetrische Fehlbildung:ZwillingeZwillinge:asymmetrische Fehlbildungund nennt den kräftigen Zwilling Autosit:ZwillingeAutosit, den schwächeren Parasit:ZwillingeParasit. Stirbt der kleinere im ersten Drittel der Schwangerschaft, wird er häufig von der Plazenta resorbiert und ist bei der Geburt nicht mehr nachweisbar (Vanishing Twin). Wahrscheinlich ist also die Zahl der angelegten Zwillingsschwangerschaften deutlich höher als die der tatsächlich ausgetragenen.
Der verstorbene Embryo kann auch in mumifizierter Form in der Gebärmutter liegen bleiben („Fetus papyraceus“Fetus:papyraceus).
Die schwerste Form einer solchen asymmetrischen Fehlbildung sind die Teratome:ZwillingeTeratomeZwillinge:Teratome, bei denen Gewebe- oder Organteile eines nicht vollständigen Zwillings dem anderen wie Krebsgeschwüre aufsitzen. Besonders häufig betroffen sind Hoden, Ovar und Sakralregion. Seltener treten Teratome im Bereich des Mediastinums oder im Kopf auf (EpignathieEpignathie).
Werden die Anlagen bei der Entstehung von eineiigen Zwillingen nicht vollständig getrennt, kommt es zu MehrfachfehlbildungenMehrfach- oder DoppelfehlbildungenDoppelfehlbildungen, die abhängig von der Art der Verwachsung mit dem Leben vereinbar sind und teilweise postnatal behoben werden können. Symmetrische Fehlbildungen, wie sie bei den so genannten siamesischenZwillinge:siamesische Siamesische ZwillingeZwillingen vorkommen, unterscheidet man nach dem Ort der Nicht-Trennung in
  • ThorakopagusThorakopagus: Verwachsung der Brust

  • OmphalopagusOmphalopagus: Verwachsung im Bauchbereich

  • PygopagusPygopagus: Verwachsung am Steiß

  • KraniopagusKraniopagus: Verwachsung der Köpfe.

Auch eine kaudale Verwachsung, bei der auf einem Körper zwei Köpfe sitzen, ist bereits aufgetreten (DizephalieDizephalie).

Besonderheiten bei Schwangerschaft und Geburt

Eine Mehrlingsschwangerschaft Mehrlingsschwangerschaft:GeburtMehrlingsgeburtGeburt:Mehrlingsschwangerschaftstellt extreme Anforderungen an den Körper der werdenden Mutter. Häufiger als bei Einlingsschwangerschaften treten Bluthochdruck, Herzbeschwerden und Atemnot auf. Auch über verstärkte Ödem- Ödeme:Mehrlingsschwangerschaftund Varizenbildung Varizen:MehrlingsschwangerschaftanMehrlingsschwangerschaft:Dauer den Beinen und Anämien wird berichtet.
Die Rate von Frühgeburten ist bei Mehrlingen deutlich erhöht. Die Schwangerschaftsdauer mit Zwillingen beträgt im Durchschnitt 262 Tage, bei Drillingen sind es zwei Wochen weniger. Nicht selten wird die Geburt durch einen vorzeitigen Blasensprung eingeleitet.
Da das Risiko von Komplikationen Mehrlingsschwangerschaft:Komplikationenbei der Geburt mehrerer Kinder deutlich höher ist als bei nur einem, ist die Entbindung in einer Frauenklinik unbedingt angeraten. Häufig sind Zwillinge, in jedem Fall aber drei und mehr Kinder eine Indikation für den Kaiserschnitt. Bei vaginalen Geburten besteht die Gefahr, dass sich die Kinder ineinander verhaken, dass es zu Verschnürungen und Strangulationen durch die Nabelschnüre kommt oder dass Probleme im Zusammenhang mit den Plazenten auftreten.

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