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B978-3-437-41704-7.00006-5

10.1016/B978-3-437-41704-7.00006-5

978-3-437-41704-7

Abb. 6.1

[E838]

Die Tertiärzotten ragen in den intervillösen Raum und betreiben Gasaustausch mit den mütterlichen Blutsinusoide:mütterliche, PlazentaBlutsinusoiden.

Abb. 6.2

[E838]

Die drei Bereiche der DeziduaDezidua und die EihäuteEihäute

Abb. 6.3

[E838]

Gefäßsystem der reifen Plazenta,reife:GefäßsystemPlazenta

Abb. 6.4

[E838]

Schichten der Plazentaschranke:SchichtenPlazentaschranke

Abb. 6.5

[E838]

Amnionhöhle und primärer Dottersack

Abb. 6.6

[E838]

Bildung des sekundären Dottersacks und der Chorionhöhle

Abb. 6.7

[E838]

Abfaltung des Embryos und Vereinnahmung des sekundären Dottersacks

Abb. 6.8

[E838]

Der Fetus mit PlazentaPlazenta und EihäuteEihäuten in der 12. Woche

Plazenta und Eihäute

  • 6.1

    Plazentation37

    • 6.1.1

      Zottenbildung38

    • 6.1.2

      Stoff- und Gasaustausch38

    • 6.1.3

      Umformung der Dezidua39

    • 6.1.4

      Innerer Aufbau der Plazenta40

  • 6.2

    Plazentaschranke40

  • 6.3

    Funktion der Plazenta41

  • 6.4

    Amnionhöhle und primärer Dottersack41

  • 6.5

    Sekundärer Dottersack42

  • 6.6

    Fruchtwasser44

  • 6.7

    Nabelschnur44

IMPP-Hits

Aus diesem Kapitel wurden vom IMPP zum Thema Amnionhöhle und primärer Dottersack (Kap. 6.4) verhältnismäßig viele Fragen gestellt. Zum Thema Plazentation (Kap. 6.1), Plazentaschranke (Kap. 6.2), Funktion der Plazenta (Kap. 6.3) und Nabelschnur (Kap. 6.7) gab es jeweils eine Frage.

Als „Mutterkuchen“Mutterkuchen oder „Nachgeburt“Nachgeburt wird die PlazentaPlazenta samt den EihäuteEihäuten (ChorionChorion, AmnionAmnion, DeziduaDezidua) und der NabelschnurNabelschnur ungefähr eine halbe Stunde nach dem Kind aus der Gebärmutter ausgestoßen. Zu diesem Zeitpunkt ist sie bereits ein im Absterben begriffenes Organ: Mit der Durchtrennung der Nabelschnur:DurchtrennungNabelschnur hat sie die Fähigkeit – und mit dem ersten Atemzug des Kindes auch die Notwendigkeit – des Gas- und Stoffaustausches zwischen Mutter und Fetus verloren.

Der Begriff „Mutterkuchen“ mag von seiner Bedeutung für den Fetus herrühren; vielleicht auch vom Aussehen der Plazenta: Als rotbraune, rundlich-ovale Scheibe mit einem Durchmesser von 15–20 cm, einer Dicke von 2–3 cm und einem Plazenta:GewichtGewicht Plazenta:DurchmesserPlazenta:Dicke von 500–600 g hat sie wohl (ganz aus der Ferne betrachtet) gewisse Ähnlichkeit mit einem Kuchen.

Merke

Die Plazenta hat drei wichtige Aufgaben:

  • Austausch von Stoffwechselprodukten

  • Gasaustausch

  • Hormonsekretion

Plazentation

PlazentationGanz zu Beginn, am 4. Tag nach der Befruchtung, existieren innerhalb der BlastozysteBlastozyste zwei Bereiche:
  • Der EmbryoblastEmbryoblast, der sich an einer Seite als Zellhaufen herausbildet und

  • der TrophoblastTrophoblast, der sich der Zona Zona(-ae) pellucidapellucida in ihrer ganzen Fläche von innen anschmiegt.

Bald nach ihrer Ankunft im Uteruslumen setzt sich die Blastozyste am Endometrium fest, und zwar mit dem Bereich des Trophoblasten, den der Embryoblast von innen berührt. Die Trophoblastzellen geben proteolytische Enzyme ab, mit denen sie zum einen die Uterusschleimhaut andauen, zum anderen eigene Zellgrenzen abbauen. Um den 5. Tag lässt sich der SynzytiotrophoblastSynzytiotrophoblast – das ist ein Verband von Zellen ohne Zellgrenzen und mit vielen Kernen – vom ZytotrophoblastenZytotrophoblast unterscheiden. In Letzterem sind die Zellen regulär durch Zellgrenzen voneinander getrennt.

Merke

Der Trophoblast ist das Ausgangsmaterial für die Bildung der Plazenta.

Zottenbildung

Zottenbildung:PlazentaPlazenta:ZottenbildungIm Laufe des 9. Tages, wenn der Keimling vollständig in der Uterusschleimhaut verschwunden ist und die Stelle seines Eindringens mit einem Koagulum aus Zellbestandteilen und Blutgerinnseln verschlossen wurde, hat der Synzytiotrophoblast bereits die ersten Spiralarterien des Spiralarterien:EndometriumEndometriums Endometrium:Spiralarterieneröffnet. Dann beginnt mit dem Kreislauf:uteroplazentareruteroplazentaren Uteroplazentarer KreislaufKreislauf die hämatotrophe Ernährung des Hämatotrophe Ernährung:EmbryoEmbryosEmbryo:Ernährung. Innerhalb des Synzytiotrophoblasten treten Hohlräume auf, so genannte Plazenta:LakunenLakunen:PlazentaLakunen, in die das mütterliche Blut hineinfließt. Zwischen den Lakunen, diese gleichsam begrenzend, finden sich noch Zellstränge des Synzytiotrophoblasten. Diese nennt man Trabekel:PlazentaPlazenta:TrabekelTrabekel, später auch Zotten:PlazentaPlazenta:ZottenZotten. An ihnen lassen sich nacheinander drei Entwicklungsstadien beobachten:
  • Von PrimärzottenPrimärzotten spricht man, wenn sie aus nichts als Synzytiotrophoblastzellen außen und Zytotrophoblastzellen innen bestehen. Wie Finger greifen sie in das Endometrium. Umgeben sind sie von den Lakunen mit mütterlichem Blut.

  • Zu SekundärzottenSekundärzotten werden sie, wenn Zellen des extraembryonalen Mesoderms als Mesenchym bzw. Stroma in sie hineinwachsen.

  • Als TertiärzottenTertiärzotten bezeichnet man sie um den 19. Tag, wenn innerhalb dieses Mesenchyms Gefäße entstanden sind, die sich mit den bereits vorhandenen ersten Blutinseln und Gefäßen des Embryos verbinden (Abb. 6.1). Gegen Ende der Schwangerschaft besitzen die Tertiärzotten zur Vergrößerung der Austauschfläche einen Bürstensaum aus Mikrovilli.

Die Zellen des Zytotrophoblasten werden auch als Langhans-Langhans-Zellen:ZytotrophoblastZellen Zytotrophoblast:Langhans-Zellenbezeichnet. Sie dienen in der reifen Zotte als eine Art Stammzelle zur Regeneration des Synzytiums. Außer ihnen, den Stroma- und Gefäßzellen, gibt es in der Zotte auch Hofbauer-Hofbauer-ZellenZellen (Gewebsmakrophagen) und Proliferationsknoten:PlazentaPlazenta:ProliferationsknotenProliferationsknoten. Letztere sind Ansammlungen von Zellkernen des Synzytiums, die sich zusammengelagert haben und abgeschnürt werden. Sie gelangen ins mütterliche Blut, wo ihr Abbau erfolgt.

Merke

Die Zellen des Zytotrophoblasten wandeln sich z. T. in solche des Synzytiotrophoblasten um. Sie gehen weder durch Apoptose noch durch Phagozytose zugrunde und werden auch nicht ins mütterliche Blut abgegeben.

Stoff- und Gasaustausch

Plazenta:Stoff- und GasaustauschFür den Stoff- und Gasaustausch zwischen dem mütterlichen Blut und den Gefäßen der Plazentazotten bestehen folgende Möglichkeiten:
  • Die einfachste ist die Plazenta:DiffusionDiffusion:PlazentaDiffusion. Dabei gelangen Wasser und Atemgase, ihrem Konzentrationsgefälle folgend, durch alle Schichten der Zotte hindurch ins kindliche Blut.

  • Bei der erleichterten Diffusion:erleichterteDiffusion, die ebenfalls ohne Energieverbrauch abläuft, helfen Trägerproteine mit: Sie transportieren Glukose von der Mutter zum Fetus und Milchsäure in die andere Richtung.

  • Im aktiven (energieverbrauchenden) Plazenta:Transport, aktiverTransport Transport, aktiver:Plazenta werden Elektrolyte und Aminosäuren befördert.

  • Mittels der Plazenta:TranszytoseTranszytose Transzytose:Plazenta bzw. Plazenta:PinozytosePinozytose Pinozytose:Plazentawerden Antikörper (Immunglobulin G, IgG) in kleinen Vesikeln (Bläschen) übertragen.

Merke

Über die Plazenta erfolgt kein Blut-, sondern lediglich ein Gas- und Nährstoffaustausch zwischen Mutter und Kind!

Klinik

Blasenmole und Chorionkarzinom

Genetische Defekte sind vermutlich die Ursache für die maligne Trophoblast:Entartung, maligneEntartung des Trophoblasten. Unterschieden werden die Blasenmole, die destruierende Mole und das ChorionepitheliomChorionepitheliom (Syn. ChorionkarzinomChorionkarzinom). In allen Fällen stirbt der Embryoblast frühzeitig ab, während der Trophoblast weiter in das Endometrium vordringt.
Bei der BlasenmoleBlasenmole bilden sich in den vergleichsweise gut differenzierten Zotten flüssigkeitsgefüllte Bläschen aus. Man spricht von einer hydropisch-ödematösen Degeneration. Diagnostiziert wird die Blasenmole oft erst einen Monat nach Beginn der Schwangerschaft, wenn keine kindlichen Herztöne feststellbar sind und das Choriongonadotropin, humanes (HCG)Choriongonadotropin (Humanes Choriongonadotropin (HCG)HCG (humanes Choriongonadotropin)HCG) auffällig hoch ist. Manchmal treten auch Blutungen auf, bei denen einige der Bläschen abgehen. Durch medikamentös erzeugte Wehen wird die Blasenmole ausgetrieben. Die destruierende Mole ist eine schwerere, teilweise invasive Variante.
Das ChorionkarzinomChorionkarzinom ist die bösartigste Form der vom Trophoblasten ausgehenden Tumoren. Die Zellen sind wenig differenziert und wachsen destruktiv in die Gebärmutterschleimhaut und weiter in das Myometrium vor. Metastasen können die Lunge, die Vagina, die Leber, das Gehirn und die Nieren befallen. Das Karzinom muss chemotherapeutisch (z. B. mit Methotrexat) behandelt und mittels Chorionkarzinom:KürettageKürettage Kürettage:Chorionkarzinom(Ausschabung) so weit wie möglich aus dem Uterus entfernt werden. Dabei treten oft schwere Blutungen auf.
In Europa liegt die Inzidenz der Chorionkarzinome bei 1 : 1 000. In etwa der Hälfte der Fälle geht eine Blasenmole während einer früheren Schwangerschaft voraus.

Umformung der Dezidua

Dezidua:UmformungIn der 2. Woche umgeben die Zotten die Keimlingsanlage in ihrer Höhle wie das Stachelkleid den Igel. Rundherum ragen sie in das Endometrium hinein. Der Embryo in ihrer Mitte besteht mittlerweile schon aus drei Keimblättern (EktodermEktoderm, MesodermMesoderm, EntodermEntoderm, Kap. 6.4). Auch die Amnionhöhle ist angelegt.
Wachsend wölbt der Keimling den Schleimhautbereich, in den er sich eingenistet hat, in das Uteruslumen vor. Unter dem Einfluss von Hormonen verändert sich diese Schleimhaut (das Endometrium) während der Schwangerschaft: Nährstoffe werden eingelagert, wodurch sich die Zellen vergrößern und die Struktur sich insgesamt auflockert.
Die Schleimhaut des schwangeren Uterus wird DeziduaDezidua genannt und lässt sich in drei Bereiche gliedern. Der Embryo befindet sich zwischen der Decidua Decidua:basalisbasalis, an der später die Plazenta entsteht, und der Decidua Decidua:capsulariscapsularis, die sich mit seinem Wachstum in das Uteruslumen dehnt. Dabei verwächst sie schließlich mit der Decidua Decidua:parietalisparietalis, die der ursprünglichen Einnistungsstelle des Embryos gegenüberliegt (Abb. 6.2).
Wichtig ist an dieser Stelle die Aktivität des Trophoblasten: Er bildet sich im Bereich der Decidua Decidua:capsulariscapsularis zurück. Seine Zotten glätten sich, SynzytiotrophoblastSynzytiotrophoblast und ZytotrophoblastZytotrophoblast büßen an Dicke ein, bis endlich nur noch eine sehr dünne Trophoblastschicht übrig bleibt, die sich mit dem von innen (vom Entoderm des Embryoblasten) kommenden Bindegewebe (Mesenchym) zum Chorion Chorion:laevelaeve verbindet.
Im Bereich der Decidua basalis sieht es anders aus: Dort wachsen die Zotten weiter, verzweigen sich stark und bilden – ebenfalls zusammen mit dem Mesenchym von innen – das Chorion Chorion:frondosumfrondosum. Nur dieser Abschnitt entwickelt sich weiter zur eigentlichen Plazenta. Von der mütterlichen Seite her besteht sie also aus der Basalisplatte (Decidua basalis), aus der sich Bindegewebssepten in den intervillösen Plazenta:intervillöser RaumRaum Intervillöser Raum:Plazentavorschieben.

Innerer Aufbau der Plazenta

Plazenta:Aufbau, innererAn der ausgestoßenen Plazenta ist die Basalisplatte sichtbar. Dort hinterlassen die Septen Furchen, die 15–30 unregelmäßig geformte Felder, so genannte KotyledonenKotyledonen, voneinander abgrenzen. Sie umfassen jeweils einige Spiralarterien und die dazugehörigen venösen Gefäße und entsprechen der Ausdehnung eines Zottenbaumes. Dieser ragt von der fetalen Seite her, also vom Chorion aus, in den intervillösen Raum hinein. Dabei reichen einige Zotten bis zur gegenüberliegenden Decidua basalis. Sie heißen HaftzottenHaftzotten. Andere enden blind und frei im intervillösen Raum und verzweigen sich immer wieder aufs Neue: Sie nennt man TerminalzottenTerminalzotten. StammzottenStammzotte heißt der Stamm des Zottenbaumes.
Auf ihrer dem Fetus zugewandten Seite ist die Plazenta von Amnion:EpithelAmnionepithel überzogen. Durch die dünne Zellschicht kann man ein Gefäßnetz erkennen, in dessen Zentrum die Nabelschnur ihren Ursprung hat.

Merke

Im intervillösen Plazenta:intervillöser RaumIntervillöser Raum:PlazentaRaum, der wie ein großer verzweigter Sinus wirkt, befindet sich mütterliches Blut, welches über die Spiralarterien abgegeben wird und über die Venen am Rand der KotyledonenKotyledonen wieder abfließt. Zwischendurch findet innerhalb eines gut geregelten Systems von Druckgradienten der Gas- und Stoffaustausch mit den Gefäßen der PlazentazottenPlazentazotten statt (Abb. 6.3).

Kilinik

Chorionzottenbiopsie

Bei der ChorionzottenbiopsieChorionzottenbiopsie wird mit einem Katheter, der entweder durch Vagina und Zervix oder durch die Bauchdecke eingeführt wird, Gewebe von der fetalen Seite der Plazenta entnommen. Die so gewonnenen Zellen werden kultiviert und auf Chromosomendefekte und Erbkrankheiten untersucht. Ein solcher Eingriff ist bereits ab der 9. Woche möglich.

Plazentaschranke

PlazentaschrankeUm von der Mutter zum Kind oder vom Kind zur Mutter zu gelangen müssen Stoffwechselprodukte und Atemgase die so genannte Plazentaschranke überwinden. Diese besteht aus mehreren Schichten: SynzytiotrophoblastSynzytiotrophoblast, ZytotrophoblastZytotrophoblast, eventuell Stromagewebe und Kapillarendothel (Abb. 6.4). Dies betrifft aber nur die frühe Plazenta. Später bildet sich der Zytotrophoblast weitgehend zurück und das Stroma wird verdrängt, sodass das Endothel direkt dem Synzytiotrophoblasten anliegt. So bleiben nur noch zwei trennende Schichten übrig. Die Funktion einer Schranke erfüllen sie insofern, als sie nicht alle Stoffe vom mütterlichen in den kindlichen Kreislauf passieren lassen – und umgekehrt.
Allerdings können eine Reihe von Stoffen die Plazentaschranke überwinden: Von den Plazenta:ImmunglobulineImmunglobuline:PlazentaImmunglobulinen, den löslichen Antikörpern, gelangt das kleinste, das IgG,IgG:Plazenta Plazenta:IgG durch die Plazenta. Das ist wichtig für den ersten immunologischen Schutz des Fetus. Aber auch zahlreiche Pharmaka, ebenso Bestandteile von Drogen und Alkohol werden hindurchgelassen und können beim Kind große Schäden verursachen. Nikotin bewirkt eine Verengung der Plazentagefäße mit daraus folgendem Sauerstoffmangel und entsprechenden Entwicklungsstörungen.

Funktion der Plazenta

Plazenta:FunktionNeben ihren schon mehrfach erwähnten Aufgaben für den Stoffwechsel und Gasaustausch des Fetus erfüllt die Plazenta auch noch die Funktion eines endokrinen Organs. Schon bald nach seiner Entstehung beginnt der Synzytiotrophoblast:HCGSynzytiotrophoblast mit der Synthese des humanen HCG (humanes Choriongonadotropin):SynzytiotrophoblastChoriongonadotropin, humanes (HCG):SynzytiotrophoblastChoriongonadotropins (HCG). Dieses Hormon ist ein Glykoprotein, das strukturelle Ähnlichkeit mit dem luteinisierenden Hormon (LH) des Hypophysenvorderlappens besitzt. HCG hält in den ersten zwei bis drei Monaten der Schwangerschaft das Corpus luteum Corpus(-ora):luteum graviditatisgraviditatis im Ovar funktionstüchtig. Dieses wiederum sorgt mit seiner Progesteron:Corpus luteum graviditatisProgesteronproduktion dafür, dass die Uterusschleimhaut mit dem Embryo nicht wie im normalen Menstruationszyklus abgestoßen wird. Später kommt das Progesteron Synzytiotrophoblast:ProgesteronProgesteron:Synzytiotrophoblastvom Synzytiotrophoblast, also aus der Plazenta selbst. Die Bildung von HCG geht ab der 10. Woche zurück und das Corpus luteum wandelt sich um in das inaktive Corpus albicans. Beim sich entwickelnden Embryo ist HCG für die korrekte Ausbildung der Gonaden und später für den Deszensus des Hodendeszensus:HCGHodens mit zuständig.

Klinik

Schwangerschaftstest

Wenige Tage nach dem ersten Ausfall der erwarteten Menstruationsblutung ist das HCG im Urin der Mutter nachweisbar. Dieser Umstand wird beim Schwangerschaftstest:HCGSchwangerschaftstest HCG (humanes Choriongonadotropin):Schwangerschaftstestausgenutzt: Ein Choriongonadotropin, humanes (HCG):SchwangerschaftstestAgglutinationstest in Streifenform weist das Hormon im Morgenurin der Frau nach.
Ein weiteres plazentares Hormon ist das humane Plazentalaktogen (HPL).Humanes Plazentalaktogen (HPL) Plazentalaktogen, humanes (HPL)HPL (humanes Plazentalaktogen)Dieses Protein wird ebenfalls vom Synzytiotrophoblasten synthetisiert und weist eine große strukturelle Ähnlichkeit mit dem Wachstumshormon auf. Seine physiologische Bedeutung ist noch nicht restlos aufgeklärt: Offenbar fördert es die Blutbildung bei der Mutter und nimmt Einfluss auf ihren Stoffwechsel. Klinisch wird es zur Überprüfung der Plazentafunktion genutzt. Ein Abfall des HPL-Blutspiegels unter 4 mg/l im letzten Drittel der Schwangerschaft gibt einen deutlichen Hinweis auf eine Plazentainsuffizienz:HPL-AbfallPlazentainsuffizienz.
Neben HCG, HPL und Progesteron bildet die Plazenta auch Plazenta:ÖstrogenÖstrogene Östrogen:Plazentaund das humane Chorionthyreotropin (Humanes Chorionthyreotropin (HCTHCT (humanes Chorionthyreotropin)Chorionthyreotropin, humanes (HCT)HCT), dessen Funktion bisher nicht bekannt ist.

Merke

Die vier wichtigsten von der Hormone:PlazentaPlazenta Plazenta:Hormonegebildeten Hormone sind:

  • humanes Choriongonadotropin (HCG)

  • humanes Plazentalaktogen (HPL)

  • Plazenta:ProgesteronProgesteron Progesteron:Plazenta

  • Plazenta:ÖstrogenÖstrogen:PlazentaÖstrogen.

Amnionhöhle und primärer Dottersack

Dottersack:primärer Amnionhöhle

Die Wand der Blastozyste:WandBlastozyste wird bei ihrer Einnistung in den Uterus vollständig von Zellen des Trophoblasten gebildet. Wie ein Luftballon umgibt sie den Embryoblasten, der sich bald in Form einer KeimscheibeKeimscheibe in ihre Mitte lagert. Diese besteht zunächst aus den zwei Keimblättern EntodermEntoderm und EktodermEktoderm, zwischen denen später als drittes das Mesoderm entsteht. Auf diese Weise wird die Blastozyste in zwei Hälften geteilt:

  • Oberhalb der Keimscheibe liegt als kleinerer Raum die AmnionhöhleAmnionhöhle.

  • Unterhalb liegt die etwas größere BlastozystenhöhleBlastozystenhöhle.

Bald darauf wachsen Zellen der Keimscheibe zur Verstärkung über die Wände der beiden Räume: Ektodermale Zellen kleiden dann die Ektodermale Zellen:AmnionhöhleAmnionhöhle:ektodermale ZellenAmnionhöhle, entodermale die Entodermale Zellen:BlastozystenhöhleBlastozystenhöhle Blastozystenhöhle:entodermale Zellenaus.

Aus dem mittleren Keimblatt drängen sich mesodermale Zellen hervor und wachsen als Mesenchym:extraembryonalesextraembryonales Extraembryonales MesenchymMesenchym noch einmal zwischen das Entoderm und den Trophoblasten. An der Grenzfläche zwischen beiden entsteht die Heuser-Heuser-MembranMembran. Auf diese Weise wird die Blastozystenhöhle zum primären Dottersack:primärerDottersack (Abb. 6.5).

Funktion des Dottersacks

Dottersack:FunktionDer Dottersack (der primäre, aber vor allem auch der sekundäre, Kap. 6.5) hat seine größte Bedeutung innerhalb der ersten 4 Wochen.
Danach werden seine Aufgaben von anderen Strukturen übernommen. Um die 20. Woche verschwindet er.
Zu Beginn scheint der Dottersack für die Ernährung des EmbryosEmbryo:Ernährung Dottersack:Ernährung des Embryosvon Bedeutung zu sein. Daher auch der Name. Er stellt die direkte Verbindung zwischen Trophoblast und Entoderm dar. In der 3.–5. Woche werden in seiner Wand Dottersack:BlutzellenBlutzellen Blutzellen:Dottersack gebildet. Noch bevor die Leber und das Knochenmark überhaupt existieren, produziert er schon erste Stammzellen:hämatopoetischehämatopoetische Hämatopoetische StammzellenStammzellen. Ungefähr zur gleichen Zeit ist er auch der Aufenthaltsort für die UrgeschlechtszellenUrgeschlechtszellen. Sie lagern in seiner Wand, bis die Gonadenanlagen gebildet sind. Schließlich ist der Dottersack auch von Bedeutung bei der Bildung des Darms, mit dem er über den Dottersackgang lange verbunden bleibt.

Sekundärer Dottersack

Aus dem primären wird ein sekundärer DottersackDottersack:sekundärer, indem Entodermzellen zwischen dem Trophoblasten und dem Inneren des Dottersacks eine lockere netzartige Struktur (RetikulumRetikulum:Dottersack) ausbilden. Und es geschieht, dass dieses Retikulum den Zusammenhalt verliert, an einigen Stellen Hohlräume bekommt, schließlich nicht mehr in der Lage ist, eine feste Verbindung zwischen dem sich weiter dehnenden Trophoblasten und dem entodermalen Inneren des Dottersackes herzustellen. Dieser wächst nicht, verkleinert sich sogar noch, indem er Vesikel abschnürt, und wird zum sekundären (definitiven) Dottersack. Der äußere Teil, Trophoblast und Mesenchym, begrenzt dann als ChorionChorion die ChorionhöhleChorionhöhle (= extraembryonalesZölom:extraembryonales ZölomExtraembryonales Zölom, Abb. 6.6).
Diese äußere Entwicklung geschieht nicht isoliert von der inneren: Die Keimscheibe ist mittlerweile eher oval, fast birnenförmig geworden und beginnt sich in zwei Achsen zu krümmen. Einmal längs, sodass sich die Schmalseiten einander annähern, und dann noch kraniokaudal – die entfernten Enden wachsen aufeinander zu. An diesen aber ist das Amnion, die Eihaut, befestigt! Wenn sich der Keimling also zusammenrollt, nimmt er die Amnionhöhle mit. Und nicht nur das: Die Kontaktfläche zum sekundären Dottersack (dessen Deckenbegrenzung ja durch die Keimscheibe gebildet wurde), verkleinert sich deutlich während der Abfaltung, sodass schließlich das Bild eines gekrümmten Embryos entsteht, an dessen Bauch eine große Blase – der Dottersack! – hängt (Abb. 6.7 B).
Der Stiel, über den beide dann nur noch verbunden sind, heißt Dottergang oder Ductus vitellinusDuctus:vitellinus (auch: Ductus omphaloentericusDuctus:omphaloentericus, Kap. 14.3.2).

Merke

Der Ductus omphaloentericus ist nicht zu verwechseln mit dem Haftstiel! Der Haftstiel stellt eine zunächst strangartige Brücke aus verdichteten Retikulumzellen dar, die den Embryo mit der Wand des extraembryonalen Zöloms (Chorionhöhle) verbindet.

Die ChorionhöhleChorionhöhle ihrerseits ist nur eine temporäre Einrichtung. Durch die schnell wachsende Amnionhöhle, die sich immer weiter ausdehnt, wird sie mehr und mehr eingeengt, auf einen Spalt reduziert, bis sie endlich ganz verschwindet.
Die Wand, die dann als große FruchtblaseFruchtblase die definitive Amnionhöhle mit dem Embryo und seinem Fruchtwasser umgibt, setzt sich aus folgenden Schichten zusammen:
  • Als innerste Schicht wird sie ganzflächig vom AmnionAmnion ausgekleidet.

  • Dem liegen mesenchymale Zellen und der Trophoblast auf, die gemeinsam das ChorionChorion bilden.

  • Von der mütterlichen Seite ist es die DeziduaDezidua (Decidua basalis, dort wo die Plazenta entsteht, Decidua capsularis überall sonst), die sich als äußerste, dritte Eihaut oder Fruchthülle anlagert.

Merke

Der Embryo ist umgeben von drei FruchthüllenFruchthüllen oder EihäuteEihäuten (Abb. 6.8):

  • AmnionAmnion

  • ChorionChorion

  • DeziduaDezidua.

Die zwei inneren Schichten sind embryonaler, die äußere maternaler Herkunft.

Klinik

Amnionstränge

Eine Gefahr für den Fetus stellen so genannte AmnionsträngeAmnionstränge (AmnionbänderAmnionbänder) dar. Sie treten bei einer von 10 000 Schwangerschaften auf. Ihre Entstehung ist bis jetzt noch ungeklärt: Teile der Amnionschicht lösen sich und bilden schmale Bänder, die sich um den Fetus legen und im schlimmsten Fall die Extremitäten abschnüren oder tiefe Furchen im Gesicht hinterlassen.

Fruchtwasser

FruchtwasserDas Fruchtwasser (Liquor amniLiquor amni"\t""Siehe Fruchtwasser) dient dem Schutz und der freien Entfaltung des Fetus. Außerdem hat es temperaturregulatorische Funktionen. Umgeben von Flüssigkeit können die sich bildenden Extremitäten die für das geregelte Wachstum notwendigen Bewegungen ausführen. Stöße von außen werden abgefangen.
Das Fruchtwasser ist in den ersten Schwangerschaftswochen eine Art Ultrafiltrat des mütterlichen Plasmas. Mit der Entwicklung der kindlichen Nieren wird es mehr und mehr vom fetalen Urin gespeist. Es enthält dann Wasser (99 %), abgeschilferte Hautzellen des Fetus, Proteine, Kohlenhydrate, Elektrolyte und Harnstoff. Die vom Bilirubin gelblich gefärbte klare Flüssigkeit der ersten Schwangerschaftshälfte ist zur Geburt weißlich trübe, weil in ihr Teile der so genannten KäseschmiereKäseschmiere (Vernix caseosaVernix caseosa) gelöst sind, die das Kind umgibt.
Die maximale Fruchtwassermenge wird in der 36. Schwangerschaftswoche gebildet und besteht aus 1–1,5 l.

Klinik

Fruchtwassermenge und Amniozentese

Von OligohydramnionOligohydramnion spricht man bei einer Fruchtwassermenge von unter 400 ml. Grund dieses Mangels kann eine Fehlfunktion beider kindlichen Nieren sein, die dazu führt, dass der Fetus nicht ausscheidet. Die Folge sind Deformitäten besonders im Gesicht und Fehlbildungen der Lunge (Potter-Potter-Sequenz:OligohydramnionSequenz, Kap. 10.1).
Der Begriff PolyhydramnionPolyhydramnion beschreibt ein Fruchtwasservolumen von über 2 000 ml. Dieses tritt z. B. dann auf, wenn der Fetus durch Fehlbildungen des Ösophagus nicht schlucken kann.
Die Fruchtwassermenge kann per Ultraschall bestimmt werden.
Eine Fruchtwasserentnahme zum Zwecke der Untersuchung der darin gelösten kindlichen Zellen geschieht durch die so genannte Fruchtwasserentnahme:AmniozenteseAmniozenteseAmniozentese, bei der die Amnionhöhle über die Bauchdecke der Mutter punktiert wird. Dieser Eingriff wird nach der 16. Schwangerschaftswoche durchgeführt und gilt als komplikationsarm.

Nabelschnur

NabelschnurDie Nabelschnur entwickelt sich aus dem Haftstiel. Dieser hat als Mesenchymbrücke zwischen Embryo und Chorion zunächst nur eine Haltefunktion. Mit der Ausdehnung des Amnions gelangt er in die Nähe des DottersacksDottersack, der in unmittelbarer Verbindung zum entodermalen Darmrohr des Embryos steht. Das Amnion schiebt beide zusammen und macht aus ihnen eine Nabelschnur, in der außer dem Mesenchym und dem langsam verschwindenden Dottersackbläschen auch noch Gefäße enthalten sind: DottersackgefäßeDottersackgefäße und NabelgefäßeNabelgefäße. Letztere treffen mit der Nabelschnur an jener Stelle des Chorions auf, an der sich die Plazenta entwickelt. Als eine Vene zum Embryo hin (enthält sauerstoffreiches Blut!) und zwei Arterien vom Embryo weg (enthalten sauerstoffarmes Blut!) sind sie jene wesentlichen Leitungsbahnen, die die Verbindung zwischen Mutter und Kind herstellen.
In der frühen Nabelschnur findet außerdem noch die AllantoisAllantois ihren Platz. Sie stellt für kurze Zeit ein Harnreservoir dar, obliteriert aber später.
Schützend umgeben werden die Gefäße von der so genannten Wharton-Nabelschnur:Wharton-SulzeSulzeWharton-Sulze:Nabelschnur, einer gallertartigen Substanz, die einige Mesenchymzellen enthält und reich an Glucosaminoglykanen ist. Zudem sind die Gefäße spiralig umeinander gedreht, was ihr Abknicken oder Zerreißen verhindern soll.

Merke

Die reife Nabelschnur enthält eine Vene (sauerstoffreiches Blut!) und zwei Arterien (sauerstoffarmes Blut!). Diese sind eingebettet in die Wharton-Sulze. Umgeben wird die Nabelschnur von Amnionepithel.

Klinik

Chordozentese

Die Punktion der Nabelschnur während der Schwangerschaft, die der Untersuchung des fetalen Blutes dient, heißt ChordozenteseChordozentese. Sie wird z. B. bei Verdacht auf eine fetale Anämie durchgeführt. Wenn nötig, ist auf diesem Wege auch eine Bluttransfusion möglich.
Bei der Geburt hat die Nabelschnur einen DurchmesserNabelschnur:Durchmesser von 2 cm und eine LängeNabelschnur:Länge von 50–60 cm. Ist sie deutlich länger, besteht die Gefahr der Knotenbildung und der Strangulation des Fetus, besonders während der Geburt. Ist sie sehr viel kürzer, kann sie eine vorzeitige Ablösung der Plazenta verursachen.

Klinik

Knoten der Nabelschnur

Von falschen Knoten der Nabelschnurknoten:falscherNabelschnurknoten:echterKnoten der NabelschnurNabelschnur spricht man, wenn lediglich die Gefäßschlingen besonders stark ausgeprägt sind. Dies bleibt meist ohne klinische Bedeutung. Auch echte Knoten sind oft so locker, dass sie keine Gefahr für den Fetus darstellen. Zur lebensbedrohlichen Unterbrechung des kindlichen Kreislaufs kann es aber kommen, wenn sie während der Geburt festgezogen werden.
Die Nabelschnurgefäße verfügen über eine stark ausgeprägte Muskelschicht und elastische Fasern, die eine rasche Konstriktion erlauben, sobald sie durchtrennt werden. Auch die plötzlichen Differenzen in Temperatur und CO2-Gehalt tragen dazu bei, dass sich die Nabelschnur ohne allzu viel Blutverlust verschließt. Zusätzlich muss sie aber auch noch künstlich abgeklemmt werden.

Klinik

Nabelschnurblut und Stammzellen

Das Nabelschnurblut enthält pluripotente Stammzellen:NabelschnurblutNabelschnurblut:StammzellenStammzellen, deren medizinisches Einsatzgebiet momentan vor allem in der Therapie der Leukämie liegt. Darüber hinaus wird erwartet, dass sie in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zur Behandlung einer Vielzahl weiterer Erkrankungen verwendet werden können.
Neben der Lagerung in den weltweit existierenden Blutbanken zur allgemeinen Verwendung bieten einige Firmen zum Preis von einigen Tausend Euro auch die private Aufbewahrung von Nabelschnurblut zum Eigengebrauch an. Geworben wird mit der unproblematischen Gewinnung und dem potenziellen Nutzen, der durch die rasante Entwicklung in Medizin und Gentechnik nicht abzusehen ist. Prognosen gehen davon aus, dass jeder Siebte, dessen Nabelschnurblut aufbewahrt wird, im Laufe seines Lebens darauf zurückgreifen wird.
Durch Hausarzt, Krankenhaus, Schwangerschaftsberatung oder die Firmen direkt werden die werdenden Eltern über die Möglichkeit der Blutentnahme und -lagerung informiert. Wenn sie sich für die Aufbewahrung entscheiden, werden der Nabelschnur sofort nach ihrer Durchtrennung 40–60 ml Blut entnommen, die nach entsprechender Aufbereitung tiefgekühlt und eingelagert werden.
Als Überbleibsel der Nabelschnurgefäße findet man beim Erwachsenen die Ligg. umbilicale medialeLigamentum(-a):umbilicale mediale in der Bauchwand. Sie sind die verödeten kaudalen Anteile der beiden Nabelarterien. Die kranialen Anteile werden als Aa. vesicales superioresArteria(-ae):vesicales superiores in das Gefäßsystem integriert. Die V. umbilicalisVena(-ae):umbilicalis obliteriert und wird zum Lig. teres hepatisLigamentum(-a):teres hepatis.

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