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B978-3-437-41704-7.00003-X

10.1016/B978-3-437-41704-7.00003-X

978-3-437-41704-7

Abb. 3.1

[L231]

Die Geburt in der vorderen Hinterhauptslage:vordereHinterhauptslage. Durchtritt des Kopfes mit dem Gesicht in Richtung Damm (A) und Drehung des Kindes zur Geburt der Schultern (B)

Gewichtszunahme in der SchwangerschaftMammahypertrophie:Schwangerschaft

Tab. 3.1
Kind 3–3,5 kg
Plazenta 0,5 kg
Fruchtwasser 1 kg
Uterus 1–1,5 kg
physiologische Wassereinlagerung im Gewebe (Ödeme) 4–6 kg
Mammahypertrophie 0,8 kg

Schwangerschaft und Geburt

  • 3.1

    Schwangerschaft15

    • 3.1.1

      Stoffwechsel15

    • 3.1.2

      Herz-Kreislauf-System15

    • 3.1.3

      Nieren und harnableitende Wege16

    • 3.1.4

      Verdauungssystem16

    • 3.1.5

      Hormondrüsen16

    • 3.1.6

      Geschlechtsorgane16

    • 3.1.7

      Haut17

    • 3.1.8

      Psyche17

  • 3.2

    Geburt17

    • 3.2.1

      Hormonelle Steuerung17

    • 3.2.2

      Anatomische Voraussetzungen18

    • 3.2.3

      Geburtsablauf18

  • 3.3

    Reifezeichen19

IMPP-Hits

Zu diesem Kapitel wurde in den letzten Jahren nur eine Frage zum Thema Schwangerschaft (Kap. 3.1) gestellt. Wichtig sind aber auch die Phasen der Geburt und die Reifezeichen (Kap. 3.2.3 und Kap. 3.3).

Schwangerschaft

Die Schwangerschaft ist keine Krankheit. Sie betrifft nicht isoliert ein Organ oder Organsystem, sondern den gesamten Organismus der Frau. Die mit der Schwangerschaft verbundenen Veränderungen werden durch Signale ausgelöst, die der Embryo versendet, und dienen vorrangig seinem Wachstum und Schutz.
Die Schwangerschaft beginnt mit der Befruchtung der Eizelle und dauert bis zur Geburt des Kindes durchschnittlich 38 Wochen. Zeitlich wird sie häufig in Drittel eingeteilt. Man spricht dann vom 1., 2., und 3. TrimenonTrimenon.
Die Entwicklung des Embryos und Fetus wird in Kap. 8 beschrieben. Nachfolgend geht es um die Veränderungen bei der werdenden Mutter.

Stoffwechsel

Die Versorgung von Embryo und Plazenta erfordert eine Steigerung aller Stoffwechsel:SchwangerschaftSchwangerschaft:StoffwechselStoffwechselvorgänge im mütterlichen Organismus. Der Schwangerschaft:SauerstoffverbrauchSauerstoffverbrauch (und damit auch die Atemtätigkeit) nimmt zu. Ebenso steigen Schwangerschaft:LipidstoffwechselLipid- und Schwangerschaft:GlukosestoffwechselGlukosestoffwechsel. Eine vorübergehende „diabetogene Schwangerschaft:diabetogene StoffwechsellageDiabetogene Stoffwechsellage:SchwangerschaftStoffwechsellage“ mit erhöhtem Zucker- und Insulingehalt des Blutes ist nicht selten und bleibt meist ohne klinische Folgen für Mutter und Kind, sollte aber beobachtet werden.

Herz-Kreislauf-System

Schwangerschaft:Herz-Kreislauf-SystemHerz-Kreislauf-System:SchwangerschaftMit der Plazenta muss ein ganzes Organ zusätzlich mit Blut versorgt werden. Auch der wachsende Uterus benötigt ein höheres Blutvolumen als zuvor. In der Schwangerschaft nimmt der periphere Schwangerschaft:Gefäßwiderstand, periphererGefäßwiderstand ab. Das vom mütterlichen Herzen pro Minute beförderte Blut (Schwangerschaft:Herzminutenvolumen (HMV)Herzminutenvolumen (HMV):SchwangerschaftHerzminutenvolumen, HMV) steigt ungefähr um die Hälfte an. Dadurch erhöhen sich Herzarbeit und -frequenz, was wiederum eine Vergrößerung des Herzmuskels zur Folge hat: Während der Schwangerschaft hypertrophiert besonders der linke Ventrikel. Auch der Druck in den Venen ist höher.
Der Eisenbedarf:SchwangerschaftEisenbedarf Schwangerschaft:Eisenbedarf ist während der Schwangerschaft besonders hoch. Die Schwangerschaft:BlutmengeBlutmenge nimmt um 1–2 l zu. Dabei vergrößert sich der Anteil des Blutplasmas mehr als der der Blutzellen, so dass es zu einer scheinbaren Anämie:SchwangerschaftAnämie Schwangerschaft:Anämie kommt. Die im Blutplasma gelösten Proteine (vor allem Albumin) nehmen ebenfalls anteilmäßig weniger stark zu. Sie sind für die Aufrechterhaltung des osmotischen Gleichgewichts zwischen dem Blut und dem extravasalen Gewebe zuständig. Ihr relativer Mangel während der Schwangerschaft ist die Ursache für die typische Schwangerschaft:ÖdemeÖdeme:SchwangerschaftÖdembildung, die besonders im letzten Trimenon auftritt.
Während die Leukozyten deutlich ansteigen, bleibt die Zahl der Thrombozyten ungefähr gleich. Allerdings nimmt die Menge der Gerinnungsfaktoren:SchwangerschaftGerinnungsfaktoren Schwangerschaft:Gerinnungsfaktoren stark zu, was die Blutstillung beschleunigt und den Blutverlust während der Geburt in Grenzen hält.

Nieren und harnableitende Wege

Mit der Vergrößerung des Herzminutenvolumens steigt die Menge des Blutes, das pro Minute in der Niere filtriert wird. Die Filtration von Glukose steigt stärker an als ihre Rückresorption, sodass eine Glukosurie:SchwangerschaftGlukosurie Schwangerschaft:NiereSchwangerschaft:GlukosurieNiere:Schwangerschaft– sonst Zeichen einer diabetischen Stoffwechsellage – während der Schwangerschaft nicht unbedingt als pathologisch zu werten ist.
Durch das Wachstum des Uterus kann es zur Kompression und Dilatation der Harnleiter:SchwangerschaftHarnleiter Schwangerschaft:Harnleiter kommen. Außerdem bewirkt der wachsende Druck auf die Harnblase einen häufigeren Harndrang bis hin zur vorübergehenden Schwangerschaft:InkontinenzInkontinenz:SchwangerschaftInkontinenz. Durch die Auflockerung der Geschlechtsausgänge kann sich die natürliche Scheidenflora verändern, was die Besiedelung mit Pilzen und bakteriellen Erregern fördert. Durch Keimaszension über die Harnröhre kommt es gehäuft zu Blasenentzündungen (ZystitisZystitis:SchwangerschaftSchwangerschaft:Zystitis).

Verdauungssystem

Auffällig ist bei vielen Frauen die vermehrte Speichelsekretion:SchwangerschaftSpeichelsekretion Verdauungssystem:SchwangerschaftSchwangerschaft:Verdauungssystemwährend der Schwangerschaft. Daneben hypertrophiert zuweilen das Zahnfleisch und es besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Karies:SchwangerschaftKaries.
Durch den wachsenden Uterus wird der Magen gehoben, was zum einen für die beinahe schon sprichwörtliche Schwangerschaft:ÜbelkeitÜbelkeit während der Schwangerschaft mitverantwortlich ist, zum anderen den Rückfluss von Speisebrei und Salzsäure in den Ösophagus ermöglicht und so häufig zu Schwangerschaft:SodbrennenSodbrennen führt.
Der Darm ist während der Schwangerschaft deutlich atonisch und neigt zur Schwangerschaft:ObstipationObstipation:SchwangerschaftObstipation (Verstopfung).

Hormondrüsen

Die Größe des Schwangerschaft:HypophysenvorderlappenHypophysenvorderlappen:SchwangerschaftHypophysenvorderlappens verdoppelt sich während der Schwangerschaft! Verbunden mit dieser reversiblen Hypertrophie ist eine Mehrbildung von Schwangerschaft:ProlaktinProlaktin:SchwangerschaftProlaktin, welches benötigt wird, um das Wachstum der Brustdrüsen zu stimulieren. Im Gegensatz dazu scheint das im mütterlichen Blut befindliche Wachstumshormon:SchwangerschaftWachstumshormon Schwangerschaft:Wachstumshormonhauptsächlich vom Fetus produziert zu werden.
Der Hypophysenhinterlappen behält seine normale Größe. Schilddrüse, Nebenschilddrüse und Nebennierenrindenhypertrophie:SchwangerschaftNebennierenrinde Schwangerschaft:Nebennierenrindenhypertrophiehypertrophieren ebenfalls.

Geschlechtsorgane

Am deutlichsten sind die Veränderungen des Uterus:SchwangerschaftSchwangerschaft:UterusUterus. Im Laufe der Schwangerschaft vervielfacht sich seine Gewebemasse von 30 g auf 1–1,5 kg. Das zunächst etwa faustgroße Organ hat am Ende der Schwangerschaft ein Fassungsvermögen von etwa 5 Litern.
Anhand des Abstands zwischen der Symphyse und dem Scheitelpunkt des Uterus (Fundus uteri) lässt sich ungefähr das Schwangerschaftsalter bestimmen. In der 38. Woche reicht er bis zum Processus xiphoideus des Brustbeins. Danach senkt sich die Gebärmutter leicht und der Bauch verlagert sich mehr nach vorn.
Das massive Organwachstum der Gebärmutter geschieht sowohl durch Hyperplasie (Zellvermehrung) als auch durch Hypertrophie (Zellvergrößerung) des Schwangerschaft:MyometriumMyometrium:SchwangerschaftMyometriums. Tuben und Ovarien nehmen ebenfalls an Größe zu.
In Vulva:SchwangerschaftVulva Schwangerschaft:Vulva und Vagina:SchwangerschaftVagina Schwangerschaft:Vagina steigt die Durchblutung an. Typisch ist eine livide Verfärbung der Schleimhaut. Der erhöhte intravasale Druck kann die Bildung von Varizen (Krampfadern) verursachen. Die Zervix:SchwangerschaftSchwangerschaft:ZervixZervix, der Muttermund, lockert sich gegen Ende der Schwangerschaft auf und ist dann reichlich vaskularisiert.
Ein früh auftretendes Spannungsgefühl in den Mamma:SchwangerschaftBrüsten Schwangerschaft:Mamma stellt ein unsicheres Schwangerschaftszeichen dar. Unter dem Einfluss von Prolaktin:SchwangerschaftProlaktin Schwangerschaft:Prolaktinbilden sich Drüsengänge aus und bereiten sich auf die Sekretion von Milch vor. Während der Schwangerschaft wird die Milchbildung noch durch Östrogene gehemmt. Allerdings kommt es im letzten Drittel schon zum Austritt kleiner Mengen Vormilch (Schwangerschaft:KolostrumKolostrumKolostrum).
Am Ende der Schwangerschaft trägt die Frau ein zusätzliches Gewicht von rund 10–12 kg mit sich (Tab. 3.1).

Haut

Eine sehr schnelle Aufdehnung des Bindegewebes führt zur Bildung der so genannten SchwangerschaftsstreifenSchwangerschaftsstreifen (Striae Striae gravidarumgravidarum), die bei vielen Frauen im Bereich des Bauches, der Hüfte und der Brüste auftreten. Sie sind zunächst rot, bekommen später aber das Aussehen von bindegewebigen Narben.
Insgesamt nimmt die Hautpigmentierung:SchwangerschaftHautpigmentierung Schwangerschaft:Hautpigmentierungleicht zu, was durch eine Überproduktion des Melanozytenstimulierenden Hormons (Schwangerschaft:MSHMSH)Melanozytenstimulierendes Hormon (MSH):Schwangerschaft zu erklären ist.

Psyche

PsycheDer seelische Zustand der Frau während der Monate der Schwangerschaft ist – geprägt von ihrer Persönlichkeit – uneinheitlich und lässt sich kaum verallgemeinern. Großen Einfluss haben der Partner, das soziale Umfeld und natürlich auch die Einstellung der Frau zu ihrer Schwangerschaft und dem bald darauf folgenden Muttersein.
Nicht selten sind Gefühle der Zufriedenheit und des Stolzes. Daneben treten aber auch Ängste auf, z. B. vor dem Verlust des Kindes oder vor Schmerzen bei der Entbindung. Depressionen sind eher typisch für die Zeit nach der Geburt.

Klinik

Gestose

Als GestoseGestose wurden früher alle Krankheitserscheinungen bezeichnet, die mit der Schwangerschaft zusammenhingen. Man unterteilte in FrühgestoseFrühgestosen mit häufiger Übelkeit (Hyperemesis:FrühgestoseHyperemesis) und Speichelsekretion:FrühgestoseSpeichelüberproduktion (PtyalismusPtyalismus) und SpätgestoseSpätgestosen.
Heute ist Gestose vor allem die Bezeichnung für eine hypertensive Schwangerschaftserkrankung:hypertensiveSchwangerschaftserkrankung, die mit sehr hohem Blutdruck, verstärkter Ödembildung und Proteinausscheidung einhergeht (PräeklampsiePräeklampsie). Kommen Krampfanfälle hinzu, spricht man von EklampsieEklampsie. Sie bedeutet eine große Gefährdung für Mutter und Kind. Gestosen sind oft die Ursache für Frühgeburten, zuweilen auch für Plazentainsuffizienz oder vorzeitige Plazentaablösung.
Das HELLP-HELLP-SyndromSyndrom umfasst Hämolyse, Leberschädigung und niedrige Thrombozytenzahlen (Thrombozytopenie), wobei das Akronym HELLP für hemolysis, elevated liver-enzymes, low platelets steht. Es wird ebenfalls zu den Gestosen gezählt.

Geburt

Welche Vorgänge die GeburtGeburt auslösen, ist nicht genau bekannt. Wenn der kindliche Körper die maximale Größe erreicht hat, die es ihm noch erlaubt, unbeschadet durch den Geburtskanal zu gelangen, bewirken hormonelle Veränderung die Kontraktion des Uterus und damit den Ausstoß des Fetus. Dabei ist dieser in vieler Hinsicht noch gar nicht reif: Anders als die meisten Säugetiere, die als so genannte Nestflüchter sofort nach der Geburt laufen können, bleibt er noch über Jahre auf die intensive Pflege durch seine Eltern angewiesen.

Hormonelle Steuerung

Offenbar geht den ersten Wehen ein Ungleichgewicht zwischen den Blutspiegeln von Östrogen und dem Schwangerschaft erhaltenden ProgesteronProgesteron:Geburt Geburt:Progesteronvoraus. Dies ist unter anderem ein Signal für den Hinterlappen der Hypophyse, OxytocinOxytocin:Geburt Geburt:Oxytocin auszuschütten – ein Hormon, das Kontraktionen der glatten Muskelzellen in der Gebärmutter verursacht. Ein zweiter, wesentlicher Stimulus für die schubweise Abgabe von Oxytocin ist die Aktivierung von Dehnungsrezeptoren in der Cervix uteri durch den Druck des kindlichen Kopfes. Auslöser der Wehen ist also auch das Kind selbst.
Das sezernierte Oxytocin beeinflusst neben dem Uterus die Brustdrüsen: Hier wirkt es kontrahierend und fördert so die Abgabe der Milch, die unter dem Einfluss von ProlaktinProlaktin:Geburt Geburt:Prolaktin (aus dem Hypophysenvorderlappen) vermehrt synthetisiert und sezerniert wurde.
Ein weiteres wichtiges Hormon in Zusammenhang mit dem Geburtsvorgang ist das Relaxin:GeburtRelaxinGeburt:Relaxin. Es wird vor allem im Corpus luteum, aber auch in der Plazenta und im Uterus gebildet und wirkt auf die straffen Bindegewebsverbindungen der einzelnen Beckenknochen. Das Kollagen dieser Bänder quillt auf und führt so zu einer Lockerung und einer minimalen Beweglichkeit des Beckens, was den Durchtritt des Kindes durch den Geburtskanal erleichtert.

Anatomische Voraussetzungen

Als GeburtskanalGeburtskanalGeburt:anatomische Voraussetzungen wird der Weg vom kleinen Becken über den Beckenboden und die Vagina nach außen bezeichnet. Drei Etagen lassen sich unterscheiden:
  • der Beckeneingangsraum als Übergang vom großen zum kleinen Becken: Hier ist die Conjugata veraConjugata vera mit 11–12 cm die engste Stelle des ganzen Geburtsweges. Sie befindet sich zwischen dem Oberrand der Symphyse und dem Promontorium des Os sacrum.

  • die Beckenhöhle: das eigentliche kleine Becken

  • der Beckenausgangsraum: begrenzt durch die Levatorschenkel.

Die Auskleidung dieses Kanals, das so genannte Weichteilrohr, besteht aus dem unteren Abschnitt des Uterus, der Cervix uteri, der Vagina und dem Beckenboden.

Geburtsablauf

Die GeburtGeburt:Ablauf kann zeitlich in drei Phasen gegliedert werden: Eröffnungsperiode, Austreibungsphase und Nachgeburt.
Eröffnungsphase
Im Verlauf der EröffnungsperiodeEröffnungsphase:Geburt Geburt:Eröffnungsphase(Dilatationsstadium) wird der Zervikalkanal gelockert und erweitert. Dieser sehr schmerzhafte Prozess wird von Kontraktionen des Uterus (WehenWehen) begleitet, die zunächst im Abstand von etwa 10 Minuten für 30 bis 90 Sekunden anhalten. Bei einer Erstgebärenden (PrimiparaPrimipara:Eröffnungsphase, Geburt) kann die Eröffnungsperiode 12 Stunden andauern. Bei Zweit- oder Mehrgebärenden (MultiparaMultipara:Eröffnungsphase, Geburt) ist sie meist auf etwa 7 Stunden verkürzt. Am Ende ist der kindliche Kopf durch den erweiterten Zervikalkanal ins kleine Becken eingetreten.

Klinik

Blasensprung

Mit dem Kind wird auch die Fruchtblase in den Zervikalkanal gedrückt. Sie reißt im Verlauf der Geburt ein und entlässt das Fruchtwasser nach außen. Geschieht dieser Einriss zu früh, spricht man von einem vorzeitigen Blasensprung:vorzeitigerBlasensprung.
Austreibungsphase
Mit dem Eintritt des Kopfes ins kleine Becken beginnt die Austreibungsphase:GeburtAustreibungsphaseGeburt:Austreibungsphase. Diese währt vom Erscheinen des kindlichen Kopfes in der Vulva bis zur Durchtrennung der Nabelschnur und dauert durchschnittlich zwischen 15 und 70 Minuten. Sie ist gekennzeichnet durch eine höhere Frequenz der Wehen: Alle 3–5 Minuten kontrahiert sich nun der Uterus. Unterstützend setzt die Gebärende die Abdominalmuskulatur als Bauchpresse ein. Bei einer regelrechten Geburt kommt das Kind in der vorderen Hinterhauptslage zur Welt.

Klinik

Komplikationen im Geburtsverlauf

Über 90 % der Kinder kommen mit dem Kopf zuerst (SchädellageSchädellage) zur Welt. Dies ist die für die Geburt günstigste Stellung, da der Kopf als größtes Körperteil des Kindes den Weg bahnt für Rumpf und Extremitäten, die ihm meist mühelos folgen. Komplizierter ist die BeckenendlageBeckenendlage, die bei etwa 5 % der Geburten vorkommt. Die seltene QuerlageQuerlage, bei der das Kind seitlich in den Geburtskanal eintritt, ist eine Indikation für den KaiserschnittKaiserschnitt (Sectio Sectio caesareacaesarea).
Um sich den räumlichen Gegebenheiten des Beckens anzupassen, muss sich das Kind im Geburtskanal drehen. Zunächst liegt der Kopf quer im kleinen Becken, sodass das Gesicht nach rechts oder nach links zeigt. Im kleinen Becken dreht er sich so, dass der Nacken an die Symphyse gedrückt wird. Zuerst erscheint das Hinterhaupt, dann der Scheitel, die Stirn und schließlich das Kinn (Abb. 3.1 A). Der Körper folgt den Drehungen des Kopfes: die Schultern liegen quer im Beckeneingang und längs im Beckenausgang. (Abb. 3.1 B).
Nachgeburtsperiode
Der Austreibungsphase folgt das plazentare Plazentares Stadium:GeburtStadiumGeburt:plazentares Stadium, in dem 15–30 Minuten nach dem Kind die NachgeburtNachgeburt (Plazenta und Eihäute) ausgestoßen wird. Mit der Lösung dieser Strukturen von der Decidua basalis entsteht eine große offene Wundfläche im Uterus, über die bis zu 300 ml Blut verloren gehen, bevor die Kontraktion des Myometriums eine Blutstillung bewirkt. Löst sich die Plazenta zuerst in der Mitte ab, entsteht ein retroplazentares Retroplazentares HämatomHämatomHämatom:retroplazentares. Sind es zuerst die Ränder, kann das Blut leichter abfließen. Die NachwehenNachwehen halten noch für einige Stunden bis Tage an, sind aber meist deutlich schwächer als die Geburtswehen. NachblutungenNachblutungen:Geburt Geburt:Nachblutungenmüssen beobachtet und ggf. medikamentös (durch weitere Gabe von Kontraktionsmitteln wie Prostaglandin:NachblutungenProstaglandinen) oder durch eine Tamponade gestoppt werden.
Sobald das Kind den Mutterleib völlig verlassen hat, wird die Nabelschnur zweifach abgeklemmt und durchschnitten.
Im Zusammenhang mit der Durchtrennung der NabelschnurNabelschnur:Durchtrennung erfolgt die Umstellung des kindlichen Kreislaufs: Durch das Loslösen von der Plazenta erniedrigt sich der pH-Wert des Blutes (Azidose), da das CO2 ansteigt. Dies dient als Antrieb für das zentrale Atemzentrum: Das Kind holt Luft, die Lungen entfalten sich, es schreit zum ersten Mal. Durch die veränderten Druckverhältnisse im Thorax wird das Foramen ovale zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens funktionell verschlossen (Kap. 12.3.2).
Im klinischen Ablauf wird das Kind möglichst bald der Mutter übergeben. Außerdem werden die erste sondierende Untersuchung (U1) und der Apgar-TestApgar-Test durchgeführt. Dieser beurteilt anhand von Atmung, Puls, Reflexen, Muskeltonus und Hautkolorit die Vitalität des Kindes in den ersten Lebensminuten.

Reifezeichen

Reifezeichen:NeugeboreneNeugeborene:ReifezeichenKinder, die 40 Wochen nach der letzten Menstruation der Mutter oder 38 Wochen nach der Befruchtung zur Welt kommen, weisen eine Reihe von Merkmalen, so genannte „Reifezeichen“ auf. Sie geben Aufschluss über den Entwicklungsstand des Neugeborenen und ermöglichen einen ersten Eindruck einiger körperlicher Grundeigenschaften. Bei FrühgeboreneFrühgeborenen fehlen diese Reifezeichen oder sind vermindert.

Klinik

Fehlgeburtlichkeit

Eine FehlgeburtFehlgeburt liegt vor, wenn das Kind vor der 28. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt. Man unterscheidet den SpontanabortSpontanabort, der z. B. durch Störungen des Uterus, der Nabelschnur oder der Plazenta, durch Infektionen, Traumata oder Tumoren ausgelöst sein kann, vom künstlichen Abort:künstlicherAbort (AbtreibungAbtreibung).
Zwischen der 28. und 38. Woche spricht man von einer FrühgeburtFrühgeburt. Ursachen sind z. B. Fehlbildungen des Kindes, eine Mehrlingsschwangerschaft, ein vorzeitiger Blasensprung, psychische Faktoren, Nikotin oder Spätgestosen. Frühgeborene Kinder weisen oft eine verlangsamte körperliche und geistige Entwicklung auf.
Als ÜbertragungÜbertragung bezeichnet man die Verzögerung der Geburt:VerzögerungGeburt um mehr als 14 Tage. Die spätgeborenen Kinder fallen durch eine grünliche Verfärbung der Haut auf, die zudem faltig und aufgeweicht wirkt und nicht mehr von der Käseschmiere geschützt ist. Die äußeren Genitalien sind gerötet, die Finger- und Zehennägel stehen deutlich über. Die Gefahr einer zu lange dauernden Schwangerschaft besteht zum einen in einer Unterversorgung mit Sauerstoff, da die Plazenta nach und nach ihre Tätigkeit einstellt, zum anderen in größebedingten Geburtskomplikationen. Zur künstlichen Einleitung der Geburt werden Oxytocin:GeburtseinleitungOxytocin Geburtseinleitung:Oxytocinund Prostaglandin E2 Prostaglandin E2:GeburtseinleitungGeburtseinleitung:Prostaglandin E2verwendet.
Zu den ReifezeichenReifezeichen zählen an erster Stelle KörpergrößeNeugeborene:Körpergröße Körpergröße:Neugeborene (Scheitel-Fersen-LängeScheitel-Fersen-Länge) und Gewicht. Als Rahmenwerte gelten 48–54 cm und 3 000–3 500 g. Als weitere messbare Größen werden zuweilen der KopfumfangKopfumfang:Neugeborene Neugeborene:Kopfumfang (im Durchschnitt 33,5–37 cm) und der SchulterumfangSchulterumfang:Neugeborene Neugeborene:Schulterumfang (33–35 cm) bestimmt.
Sekundäre ReifezeichenReifezeichen:sekundäre sind die rosige Haut, deren gesunde Farbe durch das darunter liegende Fettgewebe gegeben ist und die fast oder ganz frei ist von LanugohaareLanugohaaren. Außerdem sollten die Finger- und Zehennägel die Finger- und Zehenkuppen überragen. Beim Mädchen überdecken die großen Schamlippen die kleinen. Beim Jungen sind die Hoden bis in den Skrotalsack deszendiert. Als röntgenologische Reifezeichen gelten die VerknöcherungskerneVerknöcherungskerne:Reifezeichen Reifezeichen:Verknöcherungskerne der proximalen Tibia und des distalen Femurs.
Zu den funktionellen ReifezeichenReifezeichen:funktionelle zählt die Fähigkeit des Neugeborenen, den Kopf zu heben (aktiver Muskeltonus) und die gebeugten Gliedmaßen in ihrer Stellung zu halten (passiver Muskeltonus).

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