© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-22485-0.00002-6

10.1016/B978-3-437-22485-0.00002-6

978-3-437-22485-0

Abb. 2.1

[L235]

Symptome als Basis für Syndromskalen und Diagnosesysteme SyndromskalenDiagnosesysteme

Biografie des PatientenBefunderhebungBiografieBiografie des PatientenPatientenBiografie

Tab. 2.2
Schwangerschafts- und Geburtsumstände Krankheiten oder psychosoziale Auffälligkeiten während der Schwangerschaft der Mutter, Alter von Mutter und Vater zum Zeitpunkt der Geburt, eheliches/uneheliches Kind, Geburtsort, Art der Geburt (Früh- oder Spätgeburt, Geburtskomplikationen oder Kaiserschnitt)
Frühkindliche Entwicklung Entwicklungsschritte des Laufens, Sprechens und der Reinlichkeitserziehung, frühkindliche Störungen (Bettnässen, Albträume usw.), Erziehungsstil, Beziehung zu Eltern und Geschwistern, emotionale Besonderheiten und Belastungen
Vorschulische und schulische Entwicklung
  • Kindergarten, Schulentwicklung, Schulabschluss und damit verbundene Entwicklungsschritte (Schulwechsel, Sitzenbleiben, Einstellung gegenüber bestimmten Fächern, Mitschülern und Lehrern; äußere Faktoren mit Einfluss auf die schulische Entwicklung wie z. B. Wohnortwechsel der Eltern)

  • Pubertät und frühes Erwachsenenalter

  • Ablösungskonflikte vom Elternhaus, sexuelle Entwicklung (Masturbation, hetero- und homosexuelle Kontakte, Perversionen, Schwangerschaften)

Berufliche Entwicklung Militär-/Zivildienst, Gründe für die Ausbildungs- und Berufswahl, Ausbildungsgang und -abschluss, Hintergründe für Berufs- und Stellungswechsel, subjektive Befriedigung durch den Beruf
Partnerschaften, Ehe, Familie und Kinder Dauer der Partnerschaften, Alter, Persönlichkeit und sozioökonomischer Status der Partner, Umstände der Eheschließung, Zahl, Alter und Herkunft der Kinder, partnerschaftliche Einstellungen (Erziehungs- und Lebensstil, Sexualität)
Sozioökonomische Besonderheiten Wohnverhältnisse, wirtschaftliche Situation, Zugehörigkeit zu Religionsgemeinschaften, Vereinen, politischen Organisationen, soziale Kontakte außerhalb der Familie
Freizeit Hobbys, Interessen
Gewohnheiten Konsum von Genussmitteln (Alkohol, Tabak), Medikamentenkonsum

PersönlichkeitsstrukturPersönlichkeitsstrukturBefunderhebungBefunderhebungPersönlichkeitsstruktur

Tab. 2.3
Strukturelle Dimensionen
  • Selbstwahrnehmung

  • Wahrnehmung von anderen

  • Selbststeuerung/Impulskontrolle

  • Abwehr

  • Beziehungsfähigkeit

  • Kommunikationsfähigkeit

Auffällige Persönlichkeitszüge
  • abhängig (dependent)

  • affektiv

  • anankastisch

  • asthenisch

  • dissozial (antisozial)

  • histrionisch (hysterisch)

  • narzisstisch

  • paranoid

  • schizoid

  • selbstunsicher

Psychiatrische Befunderhebung: Merkmalsbereiche (in Anlehnung an das AMDP-System)BefunderhebungpsychiatrischeMerkmalsbereiche (AMDP-System)BefunderhebungpsychiatrischeUntersuchungsparameter

Tab. 2.4
Merkmalsbereiche Untersuchungsparameter
Äußeres Erscheinungsbild Kleidung, Körperpflege, Gestik, Mimik, Physiognomie
Verhalten in der Untersuchungssituation Auskunftsbereitschaft, Kooperation, Simulation/Dissimulation, interaktionelles Verhalten
Sprechverhalten und Sprache Klang, Modulation, Sprechstörungen (Stammeln, Stottern), Sprachverständnis und Ausdrucksvermögen
Bewusstsein
  • Quantitativ (Bewusstseinsverminderung)

  • Qualitativ (Bewusstseinstrübung, -einengung, -verschiebung)

Orientierung Zeitlich, örtlich, situativ und zur eigenen Person
Aufmerksamkeit und Gedächtnis Auffassungsstörungen, Konzentrationsstörungen, Immediat-, Kurz- und Langzeitgedächtnis
Antrieb und Psychomotorik Antriebsarm, antriebsgehemmt, antriebsgesteigert, motorisch unruhig, Parakinesen, Hyperkinesen, Akinese, Hypokinese, Stupor, Raptus, manieriert/bizarr, theatralisch, mutistisch, logorrhoisch
Affektivität Ratlosigkeit, Gefühl der Gefühllosigkeit, affektarm, affektstarr, Störung der Vitalgefühle, deprimiert/depressiv, hoffnungslos, ängstlich, euphorisch, dysphorisch, gereizt, innerlich unruhig, klagsam/jammerig, Insuffizienzgefühle, gesteigertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Verarmungsgefühle, ambivalent, Parathymie, affektlabil, Affektdurchlässigkeit (Affektinkontinenz)
Formales Denken Verlangsamung, Hemmung, umständliches Denken, eingeengtes Denken, Perseveration, Grübeln, Gedankendrängen, Ideenflucht, Vorbeireden, gesperrt/Gedankenabreißen, inkohärent/zerfahren, Neologismen
Inhaltliches Denken
  • Nicht wahnhaft: Zwang, Hypochondrie, Phobien, überwertige Ideen

  • Wahnhaft: formale und inhaltliche Wahnmerkmale

Sinnestäuschungen Illusionen, Halluzinationen
Ich-Störungen Derealisation, Depersonalisation, Gedankenausbreitung, -entzug, -eingebung, andere Fremdbeeinflussungserlebnisse
Zirkadiane Besonderheiten Morgentief, Abendtief
Sozial- und Krankheitsverhalten Krankheitseinsicht, Krankheitsgefühl, Ablehnung der Behandlung, sozialer Rückzug, soziale Umtriebigkeit
Aggressives Erlebens- und Verhaltensmuster Aggressivität, Selbstbeschädigung, Suizidalität
Dissoziative Symptome z. B. Amnesie, Trance, Lähmungen, Fugue
Somatische Symptome z. B. Insomnie, Appetitverlust, Tremor, Impotenz

Quantitative Bewusstseinsstörungen SoporSomnolenzKomaBenommenheitBewusstseinsstörungenquantitative

Tab. 2.5
Störung Definition
Benommenheit Patient ist schwer besinnlich, teilnahmslos und verlangsamt, Informationsaufnahme und -verarbeitung sind eingeschränkt
Somnolenz Patient ist apathisch, schläfrig, aber weckbar
Sopor Patient schläft und ist nur durch starke Reize (z. B. Kneifen) für kurze Zeit zu erwecken
Koma Patient ist bewusstlos und nicht mehr weckbar

Definition der Gedächtnisstörungen nach ihrem Erscheinungsbild ZeitgitterstörungParamnesieKonfabulationenJamais-vu-ErlebnisseHypomnesieHypermnesieGedächtnisstörungenDefinitionEkmnesieDéjà-vu-ErlebnisseAmnesie/amnestisches SyndromretrogradeAmnesie/amnestisches Syndromanterograde

Tab. 2.6
Störung Definition
Amnesie
  • retrograd

  • anterograd

Totale oder lakunäre, d. h. zeitlich oder inhaltlich begrenzte Inhaltslücken
  • Störung für die vor dem Ereignis (z. B. Hirntrauma) liegende Zeit

  • Störung für die Zeit nach dem Ereignis

Hypermnesie Steigerung der Erinnerungsfähigkeit (z. B. in Fieberzuständen)
Hypomnesie Herabsetzung der Erinnerungsfähigkeit
Paramnesie Erinnerungstäuschungen, Gedächtnisillusionen oder Trugerinnerungen (z. B. im Rahmen einer wahnhaften Veränderung der Erinnerung bei schizophrenen Patienten)
  • Déjà-vu-Erlebnisse

Der Patient hat das sichere Gefühl, z. B. bestimmte Situationen oder Ereignisse schon einmal erlebt, von Dingen schon einmal gehört zu haben
  • Jamais-vu-Erlebnisse

Falsches Wiedererkennen bzw. vermeintliche Vertrautheit/Fremdheit
  • Ekmnesie

Störung des Zeiterlebens und des Zeitgitters, wobei die Vergangenheit als Gegenwart erlebt wird
Zeitgitterstörung Störung des zeitlichen Rasters; Unfähigkeit, biografische Gedächtnisinhalte in die richtige Reihenfolge zu bringen
Konfabulation Erinnerungslücken werden vom Patienten mit frei erfundenen Fakten oder Ereignissen gefüllt, die er tatsächlich für Erinnerungen, d. h. für Realität hält

Formale Denkstörungen ZerfahrenheitVorbeiredenPerseverationNeologismenKontaminationInkohärenzIdeenfluchtGrübelneigungGedankendrängenGedankenabreißenDenkverlangsamungDenkhemmungDenkenzerfahrenesDenkenumständlichesDenkeneingeengtesFormale Denkstörungen, Merkmale

Tab. 2.7
Störung Definition
Denkverlangsamung Vom Untersucher wahrgenommene Verlangsamung des Denkens mit schleppendem Ablauf
Denkhemmung Das Denken wird vom Patienten subjektiv als gebremst, wie gegen einen inneren Widerstand, empfunden
Umständliches Denken Bezogen auf den Gesprächsinhalt wird das Nebensächliche nicht vom Wesentlichen getrennt. Der Patient haftet an vielen unbedeutenden Einzelheiten. Inhaltlicher Zusammenhang und Zielvorstellung bleiben aber stets erhalten
Eingeengtes Denken Der inhaltliche Gedankenumfang ist eingeschränkt. Der Patient ist einem oder wenigen Themen verhaftet und auf wenige Zielvorstellungen fixiert. Dem Patienten gelingt es im Gespräch nicht oder nur schwer, auf ein anderes Thema überzugehen
Perseveration Haftenbleiben an bestimmten Vorstellungen und Gedanken. Wörter oder Angaben, die im aktuellen Gesprächszusammenhang nicht mehr sinnvoll sind, werden mehrfach wiederholt
Grübeln Unablässiges, jedoch nicht zur Lösung oder zum Ziel führendes Beschäftigtsein mit (nicht nur, aber meist) unangenehmen Themen, die vom Patienten nicht als fremd erlebt werden
Gedankendrängen Der Patient ist dem Druck vieler Einfälle oder Gedanken ausgesetzt
Ideenflucht Vermehrung von Einfällen, die aber nicht mehr von einer Zielvorstellung straff geführt werden. Das Ziel des Denkens kann aufgrund dazwischen kommender Assoziationen ständig wechseln oder verloren gehen und ist vom Untersucher nur noch schwer oder gar nicht mehr zu erkennen
Vorbeireden Der Patient geht nicht auf die Frage ein, obwohl aus seiner Antwort und/oder der Situation ersichtlich ist, dass er die Frage verstanden hat
Gedankenabreißen Plötzlicher Abbruch eines zunächst flüssigen Gedankengangs ohne erkennbaren Grund, was vom Patienten erlebt (Gedankenabreißen) und/oder vom Interviewer beobachtet wird (Sperrung)
Inkohärenz, Zerfahrenheit Mangel an logischem Zusammenhang zwischen Wörtern und Sätzen, was dem Patienten nicht bewusst ist. Denken und Sprechen des Patienten verlieren für den Untersucher ihren verständlichen Zusammenhang, sind im Extremfall bis in einzelne, scheinbar zufällig durcheinander gewürfelte Sätze, Satzgruppen oder Gedankenbruchstücke zerrissen. Einige Autoren bezeichnen Inkohärenz bei gleichzeitiger Bewusstseinstrübung als zerfahrenes Denken
Kontamination Verschmelzung von mehreren Wörtern zu einem einzigen Wort
Neologismen Wortneubildungen (zumeist Zusammenziehung von bekannten Wörtern, z. B. Lichtgefäß), die den sprachlichen Regeln nicht entsprechen und oft nicht unmittelbar verständlich sind, sowie semantisch ungewöhnlicher Wortgebrauch

WahnmerkmaleWahnformale MerkmaleWahninhaltliche MerkmaleWahneinfälle/-gedankenWahnwahrnehmungenWahnstimmungWahnsystematisierterWahndynamikBeziehungswahnBeeinträchtigungswahnVerfolgungswahnEifersuchtswahnLiebeswahnVerarmungswahnVerkleinerungswahnHypochondrischer WahnWahnhypochondrischerNihilistischer WahnWahnnihilistischerFantastischer WahnWahnfantastischerGrößenwahnWahnsymbiotischerSymbiotischer Wahn

Tab. 2.8
Wahnmerkmale Definition
Formale Wahnmerkmale
Wahngedanken Wahnhafte Meinungen und Überzeugungen
Wahneinfälle Plötzliches und unvermitteltes gedankliches Auftreten von wahnhaften Vorstellungen und Überzeugungen
Wahnwahrnehmung Reale Sinneswahrnehmungen erhalten eine abnorme Bedeutung (meist im Sinne der Eigenbeziehung); wahnhafte Fehlinterpretation einer an sich richtigen Wahrnehmung
Wahnstimmung Die erlebte Atmosphäre des Betroffenseins, der Erwartungsspannung und des bedeutungsvollen Angemutetwerdens in einer zumeist als unheimlich und bedrohlich erlebten Welt. Diese Stimmung ist charakterisiert durch das Beimessen von Bedeutungen, das In-Beziehung-Setzen von Ereignissen, ein Meinen, Vermuten und Erwarten, das vom Gesunden nicht nachvollzogen werden kann. Sie ist i. d. R. eher diffus. Eine Thematisierung des Wahns erfolgt zumeist nicht
Systematisierter Wahn Beschreibt logische und paralogische Verknüpfungen einzelner Wahnsymptome mit anderen Wahnphänomenen, Sinnestäuschungen, Ich-Störungen oder auch nicht krankhaft veränderten Beobachtungen oder Erlebnissen. Zwischen diesen Elementen werden kausale oder finale Verbindungen hergestellt, vom Patienten als Beweis oder Bestätigung angesehen und als Gewissheit erlebt („Wahnarbeit“)
Wahndynamik Emotionale Anteilnahme am Wahn, die Kraft des Antriebs und die Stärke der Affekte, die im Zusammenhang mit dem Wahn wirksam werden
Inhaltliche Wahnmerkmale
Beziehungswahn Wahnhafte Eigenbeziehung; selbst belanglose oder alltägliche Ereignisse werden ich-bezogen gedeutet. Der Patient ist davon überzeugt, dass etwas nur seinetwegen geschieht
Beeinträchtigungs- und Verfolgungswahn Der Patient erlebt sich selbst als Ziel von Feindseligkeiten. Er fühlt sich bedroht, beleidigt, verspottet und glaubt, die Umgebung trachte ihm nach seiner Gesundheit oder seinem Leben
Eifersuchtswahn Wahnhafte Überzeugung, vom Lebenspartner betrogen und hintergangen zu werden, oft verbunden mit dem Versuch, diesem das auch nachzuweisen
Liebeswahn Wahnhafte Überzeugung, von einer bestimmten Person geliebt zu werden, zu der bisher nicht einmal Kontakt bestanden haben muss
Schuldwahn Wahnhafte Überzeugung, Schuld auf sich geladen oder etwas Unverzeihliches getan zu haben (z. B. gegenüber Gott, anderen sittlichen Instanzen, Gesetzen)
Verarmungswahn Wahnhafte Überzeugung, nicht genügend Geld zur Bestreitung des Lebensunterhalts oder zur Finanzierung der Behandlung zu haben
Verkleinerungswahn Wahnhafte Überzeugung, unbedeutend und wertlos zu sein
Hypochondrischer Wahn Wahnhafte Überzeugung, krank zu sein
Nihilistischer Wahn Wahnhafte Überzeugung, alles sei tot
Größenwahn Wahnhafte Selbstüberschätzung und Selbstüberhöhung. Der Patient glaubt, besondere Macht oder besondere Fähigkeiten zu besitzen (z. B. Wahn höherer Abstammung, Herrscher der Welt zu sein)
Fantastischer Wahn Wahnhafte Überzeugung, sich fantastisch verwandelt oder verändert zu haben (z. B. ein Monster oder Werwolf zu sein)
Symbiotischer Wahn Ein „primär Gesunder“ übernimmt von einem „primär Kranken“ die Wahngedanken (Folie à deux), sodass beide das Wahnerleben teilen

Wahrnehmungsstörungen WahrnehmungsstörungenStimmenhörenPseudohalluzinationenOptische HalluzinationenKörperhalluzinationenIllusionHypnagoge HalluzinationenHalluzinationenoptischeHalluzinationenhypnagogeHalluzinationenakustischeGeschmackshalluzinationenGeruchshalluzinationenAkustische Halluzinationen

Tab. 2.9
Störung Definition
Illusion Verfälschte Wahrnehmungen; eine tatsächlich vorhandene, gegenständliche Reizquelle wird verkannt und als etwas anderes wahrgenommen; Vorkommen u. a. in emotionalen Ausnahmesituationen wie extremer Angst oder bei Fieberzuständen
Stimmenhören Form der akustischen Halluzination, bei der menschliche Stimmen wahrgenommen werden, ohne dass tatsächlich jemand spricht. Die Stimmen können den Patienten direkt ansprechen, seine Handlungen imperativ oder kommentierend begleiten, in Rede und Gegenrede über ihn sprechen oder sich unterhalten
Andere akustische Halluzinationen Akustische Halluzinationen, die keine Stimmen beinhalten (halluzinierte Geräusche, Klänge = Akoasmen)
Optische Halluzinationen Wahrnehmen von Lichtblitzen, Farben, Mustern, Gegenständen (z. B. Tieren), Personen oder ganzen Szenen ohne entsprechende Reizquelle; Vorkommen u. a. beim Alkoholentzugsdelir
Körperhalluzinationen Taktile oder haptische Halluzinationen (Wahrnehmen von nicht vorhandenen Objekten auf Haut und Schleimhäuten) und Störung des Leibempfindens (Zönästhesien, qualitativ abnorme Leibsensationen)
Geruchs-/Geschmackshalluzinationen Geruchs- oder Geschmackswahrnehmungen, ohne dass eine Reizquelle ausgemacht werden kann
Pseudohalluzinationen Trugwahrnehmungen, bei denen der Patient die Unwirklichkeit der Trugwahrnehmung erkennt. Er kann sagen, dass er Dinge sieht, die eigentlich gar nicht da sind; Vorkommen u. a. in Zuständen extremer Ekstase, als kollektives Phänomen, in emotionalen Ausnahmezuständen wie Panik
Hypnagoge Halluzinationen Optische und/oder akustische Halluzinationen, die beim Einschlafen, Aufwachen oder im Halbschlaf auftreten

Ich-Störungen Ich-StörungenGedankenentzugGedankeneingebungGedankenausbreitungFremdbeeinflussungserlebnisseDerealisationDepersonalisation

Tab. 2.10
Störung Definition
Derealisation Personen, Gegenstände und Umgebung erscheinen unwirklich, fremdartig oder räumlich verändert. Dadurch wirkt die Umwelt z. B. unvertraut, sonderbar oder gespenstisch
Depersonalisation Störung des Einheitserlebens der Person im Augenblick oder der Identität in der Zeit des Lebenslaufs. Die Person kommt sich selbst fremd, unwirklich, unmittelbar verändert, wie ein anderer und/oder uneinheitlich vor
Gedankenausbreitung Der Patient meint, die Gedanken gehörten ihm nicht mehr allein, fremde Personen würden Anteil daran haben und wissen, was er denkt (Gedankenlesen)
Gedankenentzug Die Betroffenen glauben, ihnen würden die Gedanken „weggenommen“ oder „abgezogen“
Gedankeneingebung Gedanken und Vorstellungen werden als von außen beeinflusst, gemacht, gelenkt, gesteuert, eingegeben oder aufgedrängt empfunden
Andere Fremdbeeinflussungserlebnisse Verhalten, Erleben und Befinden werden als von außen gemacht und gesteuert erlebt (z. B. Bestrahlung von außen)

Störungen der Affektivität AffektstörungenParathymieAmbivalenzAffektlabilität/-regulationsstörungenAffektinkontinenzHoffnungslosigkeitInsuffizienzgefühleGefühlder GefühllosigkeitAffektstarrheitAffektarmutUnruheinnereEuphorieDysphorieSelbstwertgefühlgesteigertes

Tab. 2.11
Störung Definition
Deprimiertheit, Depressivität Negativ getönte Befindlichkeit im Sinne einer niedergedrückten und niedergeschlagenen Stimmung. Eine depressive Störung wird meist vom Patienten berichtet, kann aber auch aus seinem Verhalten erschlossen werden (Mimik, Gestik)
Hoffnungslosigkeit Pessimistische Grundstimmung, fehlende Zukunftsorientierung. Der Glaube an eine positive Zukunft ist vermindert oder abhandengekommen („Schwarzsehen“)
Insuffizienzgefühle Das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit oder den eigenen Wert ist vermindert oder ganz verloren gegangen. Der Patient glaubt, anderen Personen unterlegen/nichts wert zu sein
Schuldgefühle Der Patient fühlt sich für eine Tat, ein Fehlverhalten, für Gedanken oder Wünsche verantwortlich, die seiner Ansicht nach vor einer weltlichen oder religiösen Instanz, vor anderen Personen oder sich selbst verwerflich sind
Gefühl der Gefühllosigkeit Reduktion bis Verlust des affektiven Erlebens, eine subjektiv erlebte Gefühlsleere. Der Patient erlebt sich als gefühlsverarmt, leer („innerlich wie tot“), verödet, nicht nur für Freude, sondern auch für Trauer
Ratlosigkeit Der Patient findet sich nicht mehr zurecht und begreift seine Situation, Umgebung oder Zukunft kaum oder gar nicht mehr. Er versteht nicht mehr, was mit ihm geschieht, und wirkt auf den Beurteiler „staunig“ (verwundert, hilflos)
Affektarmut Das Spektrum gezeigter Gefühle ist vermindert. Wenige oder nur sehr dürftige Affekte (z. B. gleichgültig, unbeteiligt, teilnahmslos) sind beobachtbar
Affektstarrheit Verminderung oder Verlust der affektiven Modulationsfähigkeit. Hier ist die Schwingungsfähigkeit (Amplitude der Gefühle) verringert. Der Patient verharrt unabhängig von äußeren Reizen in einer bestimmten Affektlage (z. B. gleichmäßig dysphorisch)
Verarmungsgefühle Der Patient fürchtet, dass ihm die Mittel zur Bestreitung seines Lebensunterhalts fehlen
Innerliche Unruhe Der Patient spürt eine innere Aufgeregtheit, Spannung, Getriebenheit oder Nervosität
Störung der Vitalgefühle Herabsetzung des Gefühls von Kraft und Lebendigkeit, der körperlichen und seelischen Frische und Ungestörtheit. Der Patient fühlt sich kraftlos, matt und energielos
Ängstlichkeit Der Patient hat Angst, manchmal ohne den Grund dafür angeben zu können. Die Angst kann sich frei flottierend, unbestimmt, in Angstanfällen und/oder durch körperliche Symptome (z. B. Schwitzen, Zittern) äußern
Klagen, Jammern Schmerz, Kummer, Befürchtungen, Ängstlichkeit werden ausdrucksstark in Worten, Mimik und Gestik dargeboten („Wehklagen“)
Euphorie Anhaltender Zustand von übersteigertem Wohlbefinden, Freude, Behagen, Heiterkeit, Zuversicht, gesteigerten Vitalgefühlen
Dysphorie Missmutige Verstimmtheit. Der Patient ist schlecht gelaunt, mürrisch, verdrießlich, nörgelnd, missgestimmt, unzufrieden, ärgerlich
Gereiztheit Der Patient befindet sich in einem Zustand erhöhter Reizbarkeit bis hin zur Gespanntheit
Gesteigertes Selbstwertgefühl Ein positiv erlebtes Gefühl der Steigerung des eigenen Werts, der Kraft und/oder Leistungsfähigkeit
Ambivalenz Koexistenz widersprüchlicher Gefühle, Vorstellungen, Wünsche, Intentionen und Impulse, die meist als quälend erlebt wird
Parathymie Gefühlsausdruck und berichtete Erlebnisinhalte stimmen nicht überein (paradoxe Affekte, inadäquate Gefühlsreaktionen). Der Affekt ist für (eine) bestimmte Situation(en) unangemessen und fehl am Platz (Patient lacht z. B., während er von schrecklichen Dingen berichtet)
Affektlabilität Schneller Stimmungswechsel, der auf einen Anstoß von außen erfolgt (Vergrößerung affektiver Ablenkbarkeit), aber auch spontan auftreten kann. Die Affekte sind oft nur von kurzer Dauer und können sich in ihrer Ausrichtung schnell ändern (z. B. Wechsel von Trauer und Freude)
Affektdurchlässigkeit (Affektinkontinenz) Affekte können bei geringem Anstoß überschießen, manchmal eine übermäßige Stärke annehmen und vom Patienten nicht beherrscht/kontrolliert werden

Störungen des Antriebs und der PsychomotorikPsychomotorische StörungenUnruhemotorischeAntriebssteigerungAntriebshemmungAkinese HypokineseHypokinesienNegativismusBefehlsautomatismenWächserne BiegsamkeitKatalepsieEcholalieVerbigerationenStereotypienParakinesenFlexibilitas cereaHyperkinesienStuporRaptusManieriertheitTheatralismusMutismusLogorrhöAntriebsarmut/-hemmung/-störungen

Tab. 2.12
Störung Definition
Antriebsarmut Mangel an Energie, Initiative und Anteilnahme
Antriebshemmung Energie, Initiative und Anteilnahme sind zwar vorhanden, werden aber vom Patienten als gebremst oder blockiert erlebt
Antriebssteigerung Zunahme an Energie, Initiative und Anteilnahme
Motorische Unruhe Gesteigerte ungerichtete motorische Aktivität (Patient kann z. B. nicht stillsitzen)
Parakinesen Qualitativ abnorme, meist komplexe Bewegungen, die häufig die Gestik, Mimik und auch die Sprache betreffen
Stereotypien Sprachliche oder motorische Äußerungen, die über längere Zeit in immer gleicher Form wiederholt werden
Verbigerationen Verbale Stereotypien
Echolalie Mechanisches Nachsprechen von Wörtern oder Sätzen
Katalepsie Haltungsstereotypien
Wächserne Biegsamkeit Flexibilitas cerea (Verhalten in einer eingenommenen körperlichen Haltung)
Befehlsautomatismus Der Patient führt automatisch Handlungen aus, die er selbst als nicht von ihm intendiert erlebt
Negativismus Der Patient tut nicht das Erwartete bzw. genau das Gegenteil
Hyperkinese Bewegungsunruhe von impulsivem Charakter
Akinese Bewegungslosigkeit/Mangel an Bewegung
Stupor Relative Bewegungslosigkeit mit Einschränkungen der Reizaufnahme und der Reaktionen
Raptus Plötzlich auftretender ungeordneter Bewegungssturm aus einem Zustand der Ruhe heraus
Manieriertheit, Bizarrheit Alltägliche Bewegungen und Handlungen (auch Gestik, Mimik und Sprache) erscheinen dem Beobachter verstiegen, verschroben, possenhaft, gekünstelt und verschnörkelt
Theatralismus Der Patient erweckt den Eindruck, als würde er sich selbst darstellen
Mutismus Wortkargheit bis zum Nichtsprechen (Verstummen)
Logorrhö Verstärkter oder ungehemmter Redefluss, reduzierte Kontrolle des Gesprochenen

Mehrdimensionale Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren (Stieglitz et al. 2001; CIPS 2015; Geue et al. 2016; Strauß und Schumacher 2005) Fremdbeurteilung(sverfahren)mehrdimensionaleSelbstbeurteilungsverfahrenmehrdimensionale

Tab. 2.13
Verfahrensgruppe Verfahren Abkürzung Kennzeichen
Selbstbeurteilungsverfahren Symptom-Checkliste SCL-90-R 90 Items, 9 Skalen, 3 Globalskalen
Fremdbeurteilungsverfahren Brief Psychiatric Rating Scale BPRS 18 Symptomkomplexe, Gesamtwert und 5 Subskalen
Nurses Observation Scale for Inpatient Evaluation NOSIE 30 Items, Gesamtwert und 7 Subskalen
Comprehensive Psychiatric Rating Scale CPRS 65 Items, 4 Subskalen, 2 übergeordnete Skalen
AMDP-System AMDP 140 Items, 9 Subskalen, 3 übergeordnete Skalen
Inpatient Multidimensional Psychiatric Scale IMPS 90 Items, 12 Subskalen, 4 übergeordnete Skalen
Present State Examination PSE 140 Items, 38 Subskalen

Klinische Selbstbeurteilungsverfahren: störungsübergreifend (Stieglitz et al. 2001; CIPS 2015; Geue et al. 2016; Strauß und Schumacher 2005) Selbstbeurteilungsverfahrenstörungsübergreifende

Tab. 2.14
Bereiche Verfahren Abkürzung Kennzeichen
Befindlichkeit/Stimmung Befindlichkeits-Skala Bf-S 28 Items, Gesamtwert, 2 Parallelformen
Eigenschaftswörterliste EWL 162 Items, 15 Subskalen Kurz- und Langform
Visuelle Analogskala VAS 100-mm-Skala mit 2 Ankerpunkten
Beschwerden Beschwerden-Liste B-L 24 Items, Gesamtwert, 2 Parallelformen
Freiburger Beschwerdenliste FBL-R 71 Items, 9 Subskalen, Gesamtwert, Kurz- und Langform

Untersuchungsverfahren zu klinisch bedeutsamen Bereichen (Stieglitz et al. 2001) LebensqualitätErhebungsinstrumente

Tab. 2.15
Bereiche Verfahren Abkürzungen
Lebensqualität/-zufriedenheit Fragebogen zur Lebenszufriedenheit FLZ
Soziales Netzwerk Fragebogen zur sozialen Unterstützung F-SOZU
Compliance/Krankheitskonzept Krankheitskonzept-Skala KK-Skala
Coping Freiburger Fragebogen zur Krankheitsverarbeitung FKV

Psychiatrische Untersuchung und Befunderhebung

Rolf-Dieter Stieglitz

Harald J. Freyberger

  • 2.1

    Das psychiatrisch-psychotherapeutische Gespräch17

    • 2.1.1

      Arzt-Patient-Beziehung17

    • 2.1.2

      Strukturierung des Gesprächs17

    • 2.1.3

      Grundlagen der Gesprächsführung 18

    • 2.1.4

      Spezielle Aspekte der Gesprächsführung19

  • 2.2

    Psychiatrische Befunderhebung20

    • 2.2.1

      Überblick20

    • 2.2.2

      Soziodemografische Angaben20

    • 2.2.3

      Krankheitsanamnese20

    • 2.2.4

      Familienanamnese21

    • 2.2.5

      Biografie22

    • 2.2.6

      Somatischer Befund22

    • 2.2.7

      Persönlichkeit22

    • 2.2.8

      Psychopathologischer Befund23

    • 2.2.9

      Diagnostische Überlegungen24

    • 2.2.10

      Behandlungsplanung24

  • 2.3

    Untersuchungsebenen24

    • 2.3.1

      Symptomebene25

    • 2.3.2

      Syndromebene ( )32

  • 2.4

    Erhebungsinstrumente32

    • 2.4.1

      Überblick32

    • 2.4.2

      Klinische Beurteilungsverfahren32

  • 2.5

    Dokumentation33

    • 2.5.1

      Befunddokumentation33

    • 2.5.2

      Krankengeschichte33

    • 2.5.3

      Basisdokumentation33

  • 2.6

    Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren zur Objektivierung und Quantifizierung psychopathologischer Befunde ( )34

Das psychiatrisch-psychotherapeutische Gespräch

Arzt-Patient-Beziehung

Psychiatrisch-psychotherapeutisches Gesprächsiehe GesprächDem ärztlichen GesprächÄrztliches Gesprächsiehe Gespräch kommt bei der Behandlung psychischer Krankheiten eine besondere Bedeutung zu. Neben Informationserhebung zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken ist dabei auch der Aufbau einer positiven therapeutischen Beziehung von zentraler Bedeutung, die i. d. R. zur Gewährleistung einer adäquaten Compliance des Patienten als Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung unerlässlich ist.
In einem ersten Gespräch geht es zunächst darum, ein Vertrauensverhältnis Therapeutische Beziehungals Therapiefaktorherzustellen, das als notwendige Voraussetzung für ein effektives Bündnis zwischen Arzt und Patient im Hinblick auf die weitere Behandlung anzusehen ist. Der Arzt hat dabei die gesellschaftlichen, kulturellen und individuellen Lebenserfahrungen des Patienten zu beachten. Dazu gehört auch die auf seinen bisherigen Erfahrungen basierende Einstellung des Patienten zum medizinischen Versorgungssystem.
Die Gesprächsatmosphäre sollte vertrauensvoll sein, damit es dem Patienten möglich ist, offen über seine Beschwerden, Probleme und Lebensumstände zu sprechen. Die Arzt-Patient-Beziehung wirkt im Sinne eines unspezifischen Therapiefaktors und ermöglicht es dem Patienten, Vertrauen und Hoffnung zu schöpfen, um damit Perspektiven für die Zukunft und neue Sichtweisen der eigenen Krankheit zu entwickeln.
Hinsichtlich der Informationserhebung geht es um die systematische Erfassung von Krankheitsanamnese, Biografie, Informationserhebung, ärztliches Gesprächrelevanten Persönlichkeitsaspekten, aktueller Lebenssituation und psychopathologischen Merkmalen, GesprächInformationserhebungaber auch um subjektive und sich szenisch im Erstgespräch darstellende Eindrücke (z. B. Versuch des Patienten, das Gespräch zu kontrollieren; wiederholtes Anbieten bestimmter Themen). Die so durchgeführte psychiatrische Untersuchung führt zur psychopathologischen Befunderhebung im engeren Sinne und zur genauen DiagnosenstellungPsychopathologische Befunderhebung, die eine wichtige BefunderhebungpsychopathologischeVoraussetzung für eine differenzierte und adäquate Behandlungsplanung darstellt.

Strukturierung des Gesprächs

Das psychiatrische GesprächGesprächStrukturierung ist ein sich wiederholender Bestandteil der Behandlung. Es ist aber zu Beginn der Behandlung anders konzipiert als im Verlauf bzw. am Ende.
Von zentraler Bedeutung ist das psychiatrische Erstgespräch. Insbesondere bei einer Erstaufnahme in die Klinik oder dem ersten ambulanten Erstgespräch/-interview, psychiatrischesStrukturierungKontakt sind die Patienten i. d. R. vorsichtig bis ängstlich, verunsichert und z. T. auch misstrauisch. Sie sollten daher ermutigt werden, ihre Probleme auszudrücken, und den Eindruck erhalten, nicht be- oder gar verurteilt zu werden. Der Patient beschreibt zu Beginn, wie er seine individuellen Probleme und Störungen sieht. Eine zu frühe Strukturierung und Kontrolle des Gesprächs führt oft dazu, dass dem Patienten wichtig erscheinende Informationen nicht berichtet werden, der Kommunikationsfluss unterbrochen und der Patient verunsichert wird.
Der Arzt sollte offen sein für alles, was ihm der Patient berichtet, nicht nur für das, was er meint, erfragen zu müssen. Ein bestimmter Gesprächsaufbau im Kopf des Untersuchers ist als Strukturierungshilfe jedoch sinnvoll; er darf nur nicht rigide durchgesetzt werden.
Das Erstgespräch benötigt i. d. R. mehr Zeit, da die Patienten oft erstmals die Gelegenheit bekommen, über ihre Beschwerden und Probleme zu sprechen. Außer in Notfallsituationen sollte der Arzt nicht den falschen Ehrgeiz haben, alles Relevante über den Patienten in einer einzigen Sitzung zu erfahren. Meist sind für eine angemessene bzw. vollständige Informationserhebung zwei bis drei Gespräche notwendig. Erfahrungsgemäß beanspruchen diese Sitzungen ca. 30–60 min. Es kann dabei hilfreich sein, zu Beginn des jeweiligen Gesprächs die zur Verfügung stehende Zeit zu nennen. Idealerweise besteht das Erstgespräch aus drei Teilen:
  • 1.

    Zu Beginn wird der Patient aufgefordert, die Probleme darzustellen, die ihn zur stationären Aufnahme bzw. zum ambulanten Arztbesuch bewegt haben (offener oder freier Teil).

  • 2.

    Dieser Phase schließt sich ein eher strukturierter zweiter Teil an, in dem der Untersucher die Informationen erhebt, die er für die diagnostische Einschätzung und Behandlungsplanung benötigt. Unklare oder unpräzise Punkte des freien Teils werden hier nachexploriert bzw. bisher nicht thematisierte Aspekte angesprochen. Im Anschluss sollte der Patient nochmals die Gelegenheit bekommen, Dinge zu ergänzen, die bisher nicht erwähnt wurden, und vor allem auch Fragen zu stellen.

  • 3.

    Im abschließenden dritten Teil teilt der Interviewer dem Patienten zusammenfassend seine Eindrücke aus der Gesprächssituation mit, kündigt weitere Schritte, insbesondere im Hinblick auf geplante diagnostische und/oder therapeutische Maßnahmen an und vereinbart ggf. weitere Gespräche.

Diese Dreiteilung der Gesprächsstruktur lässt sich auch auf nachfolgende Gespräche anwenden. Dabei nimmt jedoch der Anteil des offenen Teils zu Beginn des Gesprächs zugunsten einer stärkeren Strukturierung ab. Dennoch sollte der Patient immer das Gefühl haben, dass er die für ihn wichtigen Probleme in einem solchen Gespräch jederzeit ansprechen kann und beim Arzt Bereitschaft findet, ihm zuzuhören. Die Beendigung eines Gesprächs erfolgt nicht abrupt, sondern wird rechtzeitig angekündigt.
Ein wichtiger Aspekt gerade im Hinblick auf den Aufbau der Arzt-Patient-BeziehungTherapeutische BeziehungAngehörigenkontakt, Aufbau ist der Kontakt zu den Angehörigen, dieAngehörigenkontakt den Patienten begleiten. Einerseits liefern sie dem Arzt wichtige Informationen, insbesondere zur Anamnese. Andererseits beeinflusst der Umgang mit den Angehörigen auch die Entwicklung der Arzt-Patient-Beziehung. In der Regel empfiehlt es sich, das Gespräch zunächst allein mit dem Patienten zu führen.
Üblicherweise wollen auch die den Patienten begleitenden Angehörigen mit dem Arzt sprechen. Im Anschluss an das Gespräch mit dem Patienten sollte dieser gefragt werden, ob er damit einverstanden ist. Das stellt im Allgemeinen kein Problem dar; kann der Patient im Augenblick seine Zustimmung aber nicht geben, ist dies zunächst zu akzeptieren. Im Behandlungsverlauf sollte jedoch erneut der Versuch unternommen werden, dem Patienten zu erklären, welche Bedeutung Gespräche mit den Angehörigen haben. Oft bietet es sich auch an, gemeinsame Gespräche mit Patienten und Angehörigen zu führen. Denn der Einbeziehung von Angehörigen kommt nicht nur im Hinblick auf die Befunderhebung, sondern auch hinsichtlich der Behandlung (u. a. Verbesserung von Compliance) eine wichtige Funktion zu. Nur bei bestehender Selbst- und/oder Fremdgefährdung oder Einschränkung der Selbststeuerungsfähigkeit des Patienten muss die Erhebung einer Fremdanamnese evtl. auch gegen den Willen des Patienten durchgeführt werden.

Grundlagen der Gesprächsführung

GesprächsführungDie Gesprächsführung sollte sich auf die individuellen Möglichkeiten (z. B. intellektuelle Fähigkeiten) des Patienten und seinen momentanen Zustand einstellen.
Im Erstgespräch stelltErstgespräch/-interview, psychiatrischesGrundlagen sich der Arzt zunächst namentlich und bzgl. seiner Funktion vor und informiert den Patienten über den Zweck des Gesprächs. Der Patient kann dann frei beginnen und erzählen, wie sich die Beschwerden aus seiner Sicht darstellen. Der Arzt sollte insbesondere in der Anfangsphase des Gesprächs nur wenig intervenieren und lediglich versuchen, den Redefluss in Gang zu GesprächAnfangsphasehalten. Er beginnt im Sinne einer nondirektiven Vorgehensweise mit eher allgemeinen, sog. offenen Fragen (z. B. „Was hat Sie zu uns in die Klinik geführt?“) und unterstützt den Prozess der Selbstreflexion des Patienten durch ermutigende Bemerkungen.
Als allgemeine Regel gilt: Den Patienten so lange wie möglich ohne Unterbrechung sprechen lassen! Der Arzt kann sein Interesse durch verbale und nonverbale Hinweise wie z. B. Kopfnicken oder kurzes Nachfragen signalisieren. Normalerweise werden dem Arzt auf diese Weise wesentliche Probleme und Beschwerden des Patienten berichtet. Erwähnt der Patient aufgrund seines psychopathologischen Zustands oder einer eher misstrauischen Haltung wichtige Aspekte nicht von sich aus, kann der Arzt auf Vorinformationen (z. B. Arztbriefe, Angaben von Angehörigen) zurückgreifen und diese direkt ansprechen. Wichtig ist dabei, dem Patienten zu vermitteln, dass es von großem Interesse ist, wie er selbst seine Schwierigkeiten und Probleme erlebt.
Vom Arzt als diagnostisch bzw. therapeutisch bedeutsam beurteilte, vom Patienten jedoch nicht benannte Probleme müssen nicht unbedingt gleich im Erstgespräch angesprochen werden, sondern können ggf. in nachfolgenden Gesprächen differenziert erfragt werden. Wenn der Arzt schon in der Anfangsphase auf detaillierten Informationen beharrt, besteht die Gefahr, dass nicht das gesamte psychopathologische Bild des Patienten deutlich wird. Die initialen Aussagen des Patienten in einem Erstgespräch sind von großer Bedeutung, da der Patient sein Problem aus seiner Sicht erklärt und darstellt, d. h., wie er selbst vom Arzt gesehen werden möchte.
Dem Untersucher steht zur Erlangung der für ihn wichtigen Informationen eine Vielzahl unterschiedlicher Explorationstechniken zur Verfügung. Allgemeine Hinweise zur Formulierung von Fragen an den Patienten und zur Steuerung des Gesprächsverlaufs finden sich in Box 2.1 sowie Tab. 2.1 (siehe Hinweis unten).

Allgemeine Hinweise zum GesprächsverhaltenGesprächsverhalten (Fähndrich und Stieglitz 2018)

Tab. 2.1
Patient Interviewer
Unverständliche, vage Angaben des Patienten oder Benutzung von Fremdwörtern o. Ä. Nachfragen (z. B. „Das habe ich nicht ganz verstanden. Können Sie mir das etwas näher erklären?“ „Sie haben eben den Begriff … benutzt. Was verstehen Sie darunter?“)
Ausweichen oder Nichteingehen auf eine gestellte Frage Gezieltes Zurückführen (z. B. „Ich möchte noch einmal auf meine Frage zurückkommen und etwas genauer nachfragen.“)
Patient versteht die Frage nicht Nochmalige Darbietung der Frage in verändertem Wortlaut; u. U. nochmals nachfragen (z. B. „Wissen Sie noch, wonach ich Sie gefragt habe?“)
Verdacht auf unwahre oder widersprüchliche Antworten Kontrollfragen zu einem späteren Zeitpunkt im Gespräch
Verdachtsmomente Gezielt weiter explorieren (z. B. „Ich habe den Eindruck, dass … Wie sehen Sie das?“)
Verdacht auf Suggestibilität Den Patienten ermutigen, Antworten zu erläutern und zu spezifizieren, und unbedingt Beispiele nennen lassen
Vom Patienten bereits angesprochene Beschwerden Unter Umständen an geeigneter Stelle im weiteren Gesprächsverlauf nochmals aufgreifen (z. B. „Sie haben vorhin schon erwähnt, dass Sie schlecht schlafen. Vielleicht können wir uns darüber noch etwas genauer unterhalten?“)
Patient macht vage oder karge Aussagen Den Patienten ermutigen, seine Aussagen zu spezifizieren und Beispiele zu nennen
Patient macht unklare Aussagen Den Patienten ermutigen, etwas genauer zu erklären (z. B. „Können Sie mir … etwas genauer beschreiben?“)
Patient macht unverständliche Aussagen Bisherige Aussagen noch einmal mit anderen Worten zusammenfassen (z. B. „Habe ich das so richtig verstanden?“)
Patient erwidert auf die Frage, warum er in die Klinik gekommen sei, „seine Frau habe ihn gebracht“ Möglicherweise versuchen, den Patienten durch eine Warum-Frage zu einer näheren Erklärung zu bringen, z. B. „Was meinen Sie, warum Ihre Frau Sie gebracht hat?“
Unlogische Zusammenhänge zwischen Sachverhalten (z. B. bei Patienten mit Wahnvorstellungen) Den Patienten ermutigen, Erklärungen für Zusammenhänge aus eigener Sicht zu formulieren
Das Gespräch läuft in die richtige Richtung Den Patienten ermutigen fortzufahren (z. B. „Erzählen Sie bitte weiter.“)
Wichtige Aussagen, die weiterverfolgt werden sollen Wichtige Aussagen durch Wiederholung aufgreifen
Das Gespräch läuft in die falsche Richtung (z. B. bei umständlichen oder ideenflüchtigen Patienten) Vorher angesprochene Aspekte noch einmal aufgreifen
Bestimmter Themenbereich ist umfassend besprochen Mit vorsichtigen Aussagen zu anderen Fragestellungen überleiten (z. B. „Ich möchte Sie jetzt zu einem ganz anderen Thema befragen.“)

Box 2.1

Hinweise zur Formulierung von Fragen im diagnostischen Gespräch

  • 1.

    Einfache Formulierungen GesprächFragetechnikenbenutzen

  • 2.

    Keine doppelten Verneinungen verwenden

  • 3.

    Alltagssprache verwenden

  • 4.

    Keine Fachbegriffe oder Fremdwörter benutzen

  • 5.

    Offene, neutrale statt suggestive Fragen stellen

  • 6.

    Konkrete statt allgemeine Fragen stellen

  • 7.

    Anschauliche Fragen stellen

  • 8.

    Wiederholung von Fragen, die der Patient nicht versteht, in verändertem Wortlaut (evtl. auch Nennung von Beispielen)

Während eine nondirektive Haltung zu Beginn des Gesprächs und im Erstgespräch angebracht ist, treten direktive oder strukturierte Fragen im weiteren Verlauf und in Folgegesprächen stärker in den Vordergrund. Direktive Fragen liefern anfangs weniger Informationen über die interpersonelle Beziehung und können die Spontaneität des Patientenberichts hemmen. Im weiteren Verlauf kommt ihnen jedoch größere Bedeutung zu, wenn es das Ziel des Gesprächs ist, mehr Sachinformationen zu erlangen.
Bei Patienten, die dem Gespräch gegenüber Widerstand zeigen, stehen dem Untersucher verschiedene andere Möglichkeiten der Fragestellung GesprächWiderstand vonseiten des Patientenzur Verfügung. Hiermit ist nicht Widerstand im Sinne einer psychodynamischen Sichtweise gemeint, sondern eine bewusste, willkürliche Verhaltensweise wie das Vermeiden eines bestimmten Themas. Anzeichen dafür können wiederholte, sehr kurze Antworten oder ein Themenwechsel durch den Patienten sein. Oft sagt der Patient sogar direkt, dass er über ein bestimmtes Thema nicht reden möchte. Zunächst einmal kann der Arzt die Einstellung des Patienten mit dem Hinweis akzeptieren, vielleicht später nochmals darauf zurückzukommen. Auf keinen Fall sollte versucht werden, die Ablehnung eines offenen Gesprächs „um jeden Preis“ zu überwinden. Hilfreich ist oftmals, den Patienten direkt mit seinem Widerstand zu konfrontieren und seine Aufmerksamkeit darauf zu fokussieren. Häufig ist es auch notwendig, die Ängste oder Ressentiments, die der Patient gegenüber dem Arzt hat, anzusprechen, bevor das besonders nahegehende Thema behandelt werden kann. Als hilfreich erweist sich dabei manchmal der Hinweis, dass auch andere Patienten bestimmte Symptome (Erlebens- oder Verhaltensweisen) berichten.

Tiefer gehende Informationen

Tab. 2.1 mit allgemeinen Hinweisen zum Gesprächsverhalten finden Sie auf der Homepage zu diesem Buch unter http://else4.de/online-Kap-2-1-3.

Spezielle Aspekte der Gesprächsführung

Äußere Bedingungen
Den äußeren Bedingungen kommt insbesondere beim Erstgespräch große Bedeutung zu, da dem Patienten i. d. R. sowohl die anwesende Person als auch die Räumlichkeiten unbekannt sind. Das Erstgespräch sollte daher möglichst frei von äußeren Störfaktoren verlaufen; dazu gehören vor allem Telefonate oder das Betreten des Raums durch Dritte. Wichtig ist auch, dem Patienten eine entspannte Atmosphäre für das Gespräch zu bieten. Im Idealfall ist dies ein ruhiger Raum mit bequemen Sitzmöglichkeiten. Es hat sich dabei als günstig erwiesen, wenn möglichst kein Tisch oder Schreibtisch zwischen Untersucher und Patient steht, um keine unnötigen Barrieren aufzubauen. Zudem bietet eine einander zugewandte Sitzhaltung auf gleicher Höhe die Möglichkeit, den Patienten und seine Körpersprache besser zu beobachten. Der Arzt kann den Patienten zu Beginn des Gesprächs auf die zur Verfügung stehende Zeit hinweisen und sollte sich zu Beginn des Gesprächs nicht sofort Notizen machen.
Schwierige Situationen
Erstgespräch/-interview, psychiatrischesschwierige SituationenGesprächschwierige SituationenIm Erstgespräch treten immer wieder schwierige Situationen auf, die den Gesprächsverlauf erschweren. Diese Schwierigkeiten stehen i. d. R. mit der psychopathologischen Symptomatik des Patienten und seinen interpersonellen Möglichkeiten in Zusammenhang. Je nach psychopathologischem Bild sind unterschiedliche Vorgehensweisen bzgl. der Strukturierung des Gesprächs und des zeitlichen Rahmens sinnvollErstgespräch/-interview, psychiatrischesStrukturierung:
  • Bei einem depressiv-gehemmten Patienten sollte das Gespräch durch gezielte Fragen stärker strukturiert sein.

  • Bei einem motorisch unruhigen, ideenflüchtigen, dysphorischen Patienten wird das Gespräch zunächst kürzer verlaufen, mit einer eher vorsichtigen Wahl bestimmter Fragen zu einigen Themen.

  • Bei einem sehr ängstlichen Patienten kann es hilfreich sein, das erste Gespräch im Beisein eines ihm vertrauten Menschen zu führen.

  • Aggressiv gespannte Patienten können oft nicht allein gelassen werden (Fluchtgefahr; deshalb wird u. U. eine dritte Person hinzugezogen).

Darüber hinaus lassen sich oft schwierige Situationen im Hinblick auf bestimmte Themen feststellen. Dies betrifft vor allem den Bereich Suizidalität. Jeder Untersucher ist verpflichtet, eine etwaige Suizidalität bereits im Erstgespräch abzuklären. Der Arzt sollte darauf achten, das Thema vorsichtig, aber auch mit der notwendigen Klarheit anzusprechen. Dasselbe gilt bei Verdacht auf Fremdgefährdung.
Schweigepflicht
Gerade im psychiatrischen Bereich kommt der SchweigepflichtSchweigepflichtGesprächSchweigepflicht große Bedeutung zu, da eine psychische Erkrankung wegen der immer noch bestehenden kollektiven Vorurteile für den Patienten oft mit Schamgefühlen verbunden ist. Es hat sich als hilfreich erwiesen, dem Patienten zu Beginn der Kontaktaufnahme zu versichern, dass alle an der Behandlung Beteiligten der Schweigepflicht unterliegen. Zudem sollte betont werden, dass gegenüber anderen Personen oder Institutionen nur Auskünfte erteilt werden, wenn der Patient ausdrücklich sein Einverständnis dazu gegeben hat.
Partizipative Entscheidungsfindung
Mit zunehmender Zentrierung auf eine Patientenorientierung im Gesundheitswesen gewinnt die explizite und aktive Einbeziehung des Patienten bei medizinischen Entscheidungen an Bedeutung (sog. partizipative EntscheidungsfindungGesprächpartizipative EntscheidungsfindungPartizipative Entscheidungsfindung; engl. „shared decision-making“Shared Decision-Making). Die Entscheidungsfindung wird besonders gegen das sog. paternalistische ModellPaternalistisches Modell abgegrenzt, das sich nach Simon und Härter (2009) u. a. durch die Dominanz des Arztes bei der Informationsvermittlung, bei der Abwägung der verschiedenen Behandlungsoptionen und letztlich der Behandlungsentscheidung charakterisieren lässt.
Nach Elwyn (zit. nach Hamann et al. 2005) lässt sich eine Konsultation im Sinne der partizipativen Entscheidungsfindung im Idealfall durch vier Stufen charakterisieren:
  • 1.

    Gemeinsame Definition des (medizinischen) Problems durch Arzt und Patient

  • 2.

    Erläuterung des Arztes, dass es für das definierte Problem mehrere Lösungen gibt, die prinzipiell gleichwertig sind und erst durch die gemeinsame Vereinbarung der Ziele einer Maßnahme bewertet werden können

  • 3.

    Darstellung verschiedener Behandlungsoptionen und Erklärung der zu erwartenden Erfolgsraten bzw. Risiken

  • 4.

    Eigentlicher Entscheidungsprozess

Die Gründe für eine partizipative Entscheidungsfindung sind vielfältig. Reichhart et al. (2008) nennen u. a. die zunehmende Zahl eher chronisch Kranker, die Zunahme diagnostischer und therapeutischer Verfahren sowie die bessere Informiertheit von Patienten, z. B. durch Informationen aus dem Internet oder Patientenratgebern.

Resümee

Dem ärztlichen Gespräch kommen verschiedene Funktionen zu: Erhebung der Anamnese, Beziehungsaufnahme zum Patienten sowie Aufbau einer therapeutischen Beziehung. Die Strukturierung des Gesprächs variiert in Abhängigkeit von der Art und Schwere der Erkrankung, den verschiedenen Phasen der Behandlung und den jeweiligen Zielsetzungen, wobei dem Untersucher eine Vielzahl unterschiedlicher Explorationstechniken zur Verfügung steht.

Psychiatrische Befunderhebung

Überblick

Der psychiatrischen BefunderhebungPsychiatrische Befunderhebungsiehe Befunderhebung kommt im Hinblick auf die diagnostische und differenzialdiagnostische Beurteilung sowie der daraus resultierenden Therapieplanung eine zentrale Bedeutung zu. Sie lässt sich als BefunderhebungpsychiatrischeElementekomplexer Prozess ansehen und besteht aus verschiedenen Teilelementen (Box 2.2).

Box 2.2

Psychiatrische Befunderhebung: Überblick

  • Soziodemografische Daten

  • Erfassung der Krankheitsanamnese (aktuelle somatische und psychiatrische Anamnese; somatische und psychiatrische Vorgeschichte; Familienanamnese)

  • Biografie und Lebensgeschichte

  • Beurteilung der sozialen Situation

  • Erfassung somatischer Befunde

  • Beurteilung der aktuellen und der prämorbiden Persönlichkeit

  • Psychopathologischer Befund

Die zentralen Informationsquellen für die psychiatrische Befunderhebung stellen die Aussagen des Patienten sowie die Beobachtungen des Untersuchers während des Gesprächs dar. Darüber hinaus kommt auch den Aussagen der Angehörigen, insbesondere zur psychischen und somatischen Krankheitsanamnese, speziell aber auch der aktuellen Krankheit eine große Bedeutung zu. Ergänzt werden diese Informationen durch Angaben vorbehandelnder Ärzte und Institutionen sowie Beobachtungen des Pflegepersonals (sofern diese bereits vorliegen), die bei stationärer Behandlung im weiteren Krankheitsverlauf zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Soziodemografische Angaben

Soziodemografische Angaben, BefunderhebungBefunderhebungsoziodemografische AngabenSoziodemografische Angaben zielen auf die Identifikation und Beschreibung des Patienten mit seinem kulturellen und gesellschaftlichen Hintergrund. Sie umfassen Namen, Adresse, telefonische Erreichbarkeit, Geburtsdatum und Geschlecht, Geburtsort, Familienstand, Nationalität, Angaben zur schulischen und Berufsausbildung sowie zur gegenwärtigen beruflichen Situation.

Krankheitsanamnese

BefunderhebungKrankheitsanamneseMit der KrankheitsanamneseKrankheitsanamnese (Box 2.3) sollen frühere sowie aktuelle psychische und somatische Erkrankungen erfasst werden.

Box 2.3

Krankheitsanamnese (in Anlehnung an Dührssen 1981)

Jetzige Erkrankung
  • Chronologische Entwicklung der Beschwerden und Symptome

  • Subjektive Gewichtung der Symptomatik

  • Beurteilung und Erleben der Erkrankung

  • Auslösesituation und zugehörige Konfliktkonstellationen mit folgenden Problemfeldern:

    • Persönliche Bindungen, Liebesbeziehungen und Familienleben:

      • Partnerwahl und Bindungs- bzw. Beziehungsverhalten

      • Aufnahme einer neuen Beziehung

      • Besondere sexuelle Konflikte in der Partnerschaft

      • Auftauchen von Rivalitätskonflikten, Macht- oder Geltungsansprüchen in einer Beziehung

      • Konflikt in Bezug auf Besitz, Eigentum

      • Beziehung zu den eigenen Kindern

      • Verluste durch (reale oder fantasierte) Trennung

      • Verluste durch Tod

    • Herkunftsfamilie (z. B. Ablösungskonflikte)

    • Berufliche Probleme, Arbeitsstörungen und Lernschwierigkeiten

    • Besitzerleben und -verhalten

    • Umgebender soziokultureller Raum

  • Art und Erfolg der bisherigen Behandlungsversuche (psychotherapeutisch, pharmakologisch, Heilpraktiker u. a.)

  • Therapiemotivation, Erwartungen an die Behandlung

  • Komplikationen (Selbstbeschädigung, Suizidalität, delinquentes Verhalten, Missbrauch psychotroper Substanzen)

Frühere psychische und somatische Erkrankungen
Entwicklung und Art der Erkrankungen, Diagnosen, Zeitpunkt, Dauer und Verlauf von Erkrankungen, ambulanten und stationären Therapien und psychosozialen Konsequenzen (Krankschreibungen, Arbeitslosigkeit, Berentung, Behinderungen usw.)
Aktuelle Krankheitsanamnese
Die aktuelle KrankheitsanamneseKrankheitsanamnese umfasst die differenzierte Beschreibung der aktuellen Symptomatik. Dabei ist darauf zu achten, dass als Grundlage einer präzisen Diagnostik eine möglichst genaue Beschreibung aller beobachtbaren Phänomene erfolgt. Neben der reinen Beschreibung werden der Beginn (z. B. akut vs. schleichend) sowie der weitere Verlauf der Symptomatik (z. B. episodisch vs. kontinuierlich) differenziert dokumentiert.
Der Arzt versucht, alle Umstände zu erfassen, die mit dem Auftreten der jetzigen Symptomatik in Zusammenhang stehen könnten. Dies betrifft zum einen kritische Lebensereignisse (z. B. Tod eines Angehörigen), länger andauernde Belastungssituationen (z. B. chronischer Partnerschaftskonflikt) oder aktuelle Probleme (z. B. am Arbeitsplatz), aber auch einen etwaigen Zusammenhang mit dem Konsum psychotroper Substanzen.
Neben der reinen Symptom- und Verlaufsbeschreibung sind der Grad der Beeinträchtigung in der Lebensführung für den Patienten bzw. die Konsequenzen in persönlicher, sozialer und beruflicher Hinsicht festzuhalten. Dem Krankheitskonzept des Patienten, d. h. seiner individuellen Vorstellung über die Ursachen und die Entwicklung der PatientenKrankheitskonzept/-verhaltenErkrankung, seinem Krankheitsverhalten und der sich daraus ableitenden Krankheitskonzeptedes PatientenTherapiemotivation, kommt in der Therapieplanung entscheidende Bedeutung zu. Ebenfalls festzuhalten sind etwaige bereits eingeleitete Behandlungen mit einer genauen Dokumentation der Medikation im Hinblick auf Zeitpunkt und Dosierung.
Vorgeschichte
In der Vorgeschichte werden alle früheren psychischen und Vorgeschichte (Krankheitsanamnese)somatischen Erkrankungen chronologisch erfasst. Dabei sind nicht nur die „objektiven“ Daten der Krankheitsentwicklung, des Verlaufs und der bisherigen BefunderhebungVorgeschichteBehandlungsversuche, sondern auch die Einstellung des Patienten zu seiner Erkrankung und den bisher erfolgten Therapien relevant. Für jede Krankheit ist neben der Bestimmung des vermutlichen Ersterkrankungsalters (einschl. Vorboten- oder Prodromalsymptome) auch die erste Hospitalisierung wichtig.
Die differenzierte Beschreibung der Krankheitsvorgeschichte ist vor allem bei psychischen Erkrankungen von besonderer Bedeutung, da sie Anhaltspunkte für die Entwicklung der aktuellen Symptomatik geben und auch Hinweise für eine diagnostische Zuordnung des klinischen Bildes im Kontext ätiologischer und/oder pathogenetischer Überlegungen liefern kann.
Aber auch unter therapeutischen Gesichtspunkten gibt die Vorgeschichte wichtige Informationen. Deshalb sind alle bisherigen Maßnahmen der Behandlung möglichst differenziert zu dokumentieren. So kann z. B. die bekannte Wirksamkeit einer bestimmten Medikation die erneute Entscheidung für diese erleichtern bzw. umgekehrt das Vermerken einer Unwirksamkeit bzw. starke, nicht tolerierte Nebenwirkungen eines Medikaments eine wiederholte Gabe und eine Zeitverzögerung in der Behandlung vermeiden helfen.
Auch das bisherige Krankheits- und Therapiekonzept aus Sicht des Patienten sollte bei der Therapieplanung und -besprechung berücksichtigt werden, um Complianceprobleme zu verhindern.

Familienanamnese

BefunderhebungFamilienanamneseDie Familienanamnese (Box 2.4) dient der Erfassung psychosozialer und krankheitsrelevanter Aspekte aus der FamilienanamneseHerkunftsfamilie des Patienten. Im Rahmen einer Mehrgenerationenperspektive sollten dabei zumindest Großeltern, Eltern, Geschwister und Kinder berücksichtigt werden. Bei der Erhebung der einzelnen Gesichtspunkte wird systematisch zwischen mütterlicher und väterlicher Linie unterschieden, wobei hierbei die Erstellung eines Familienstammbaums oft sehr hilfreich sein kann.
Neben objektiven Daten (z. B. Alter und Beruf von Eltern und Geschwistern bzw. eigenen Kindern) sollte die Familienanamnese auch psychische Störungen bei Erstgradverwandten erfassen, denn die Ergebnisse vieler Studien legen eine genetische Disposition für bestimmte psychische Erkrankungen nahe. Von besonderer Relevanz sind in diesem Zusammenhang affektive Störungen, Störungen aus dem schizophrenen Formenkreis, Suchterkrankungen sowie Suizide bzw. Suizidversuche.

Box 2.4

Familienanamnese

  • Psychosoziale Situation der Großeltern und Eltern: Alter, Beruf, finanzielle Verhältnisse, ggf. Todesdaten und -ursachen

  • Geschwister: Anzahl, Alter, Geschlecht, Familienstand, Stellung des Patienten in der Geschwisterreihe

  • Familienatmosphäre: Persönlichkeitsstruktur und interaktionelle Besonderheiten von Eltern und weiteren primären Bezugspersonen, Einstellungen der Eltern zu Familie, Erziehung, Sexualität

  • Familiäre Belastung mit psychischen und somatischen Störungen: psychische und somatische (Erb-)Krankheiten und Behandlungen in der Familie (Verwandte 1. und 2. Grades), Suizide, Suizidversuche, Störungen durch psychotrope Substanzen, delinquentes Verhalten und andere Auffälligkeiten

Biografie

Der Erfassung der BiografieBefunderhebungBiografieBiografie des Patienten des PatientenPatientenBiografie kommt besondere Bedeutung zu, da bei einer Vielzahl von psychischen Erkrankungen lebensgeschichtliche Faktoren, die Persönlichkeitsstruktur und eine die Erkrankung auslösende biografische Situation in engem Zusammenhang stehen können (Tab. 2.2).
Bei der Darstellung biografischer Daten und Faktoren bietet sich oft eine Unterscheidung zwischen äußerer und innerer Lebensgeschichte an. Während zur äußeren Lebensgeschichte eher objektive Daten wie bei einem amtlichen Lebenslauf zählen, umfasst die innere Lebensgeschichte stärker subjektive Aspekte, d. h. das Erleben biografischer Einzelheiten (etwa die Beziehung zu den Eltern und ihre Integration in ein inneres Selbstkonzept).
Ziel bei der Erfassung einer Patientenbiografie ist es, die Entwicklung der Persönlichkeit und alle mit dem gegenwärtigen Krankheitsbild evtl. zusammenhängenden Umstände herauszuarbeiten. Eine Darstellung biografischer Befunde kann chronologisch anhand von Themenbereichen erfolgen.

Somatischer Befund

BefunderhebungsomatischeSomatische KrankheitenBefunderhebungZu jeder psychiatrischen Erstuntersuchung gehört auch eine umfassende körperliche und neurologische Untersuchung. Ferner sind für jede vorhandene Krankheit die Diagnose sowie die Medikation und ihre Dosierung genau zu erfassen.
Den besonders relevanten somatischen Befunden wird z. B. im Rahmen des multiaxialen Ansatzes des DSM-IV mit einer eigenen Achse III „Medizinische Krankheitsfaktoren“ Rechnung getragen. Diese dient der Erfassung körperlicher Störungen, die psychische Erkrankungen komplizieren bzw. deren Erscheinungsbild mit bestimmen können. Hierbei werden nicht nur die aktuelle Symptomatik, sondern auch schwerere körperliche Erkrankungen in der Vorgeschichte (z. B. traumatische Hirnverletzungen) mit erfasst.
Eine eingehende körperliche Untersuchung ist zudem aus folgenden Gründen von Bedeutung:
  • Verschiedene psychische Störungen können als Indikatoren körperlicher Erkrankungen auftreten (z. B. eine Angststörung als Indikator einer Hyperthyreose).

  • Es sollten keine körperlichen Erkrankungen übersehen werden, die unabhängig von psychiatrischen Erkrankungen existieren.

  • Verschiedene körperliche Erkrankungen können psychische Störungen (mit) verursachen (z. B. Stoffwechselentgleisung, Delir).

Persönlichkeit

Persönlichkeitsstruktur
PersönlichkeitsstrukturBefunderhebungBefunderhebungPersönlichkeitsstrukturDie Beurteilung der Persönlichkeitsstruktur, auf deren Grundlage sich psychopathologische Symptome entwickeln können, ist in der Psychiatrie und Psychotherapie seit jeher von großer Bedeutung. Im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung wird versucht, bestimmte strukturelle Dimensionen der Persönlichkeit sowie auffällige Persönlichkeitszüge zu erfassen (Tab. 2.3).
Persönlichkeitstrukturelle DimensionenZu den strukturellen Merkmalen gehören Aspekte der Selbstwahrnehmung (Wünsche, Bedürfnisse, Gefühle) und deren Fremdwahrnehmung, das Ausmaß des Selbstvertrauens, der Selbststeuerung bzw. Impulskontrolle, die Abwehr und die Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit. Zur Charakterisierung der Persönlichkeit lassen sich die in Anlehnung an die Typologie der Persönlichkeitsstörungen konzipierten Aspekte heranziehen (Arbeitskreis OPD 2014) (Kap. 21).
Prämorbide Persönlichkeit
Der Erfassung der Persönlichkeit vor dem Auftreten der Befunderhebungprämorbide PersönlichkeitPrämorbide PersönlichkeitErkrankung kommen verschiedene FunktionenPersönlichkeitprämorbide zu:
  • Mit der Erfassung des „Normalzustands“ lässt sich abschätzen, inwieweit sich durch eine psychische Erkrankung die Persönlichkeit des Patienten evtl. verändert hat.

  • Verschiedene Untersuchungen weisen darauf hin, dass bestimmte Erkrankungen mit bestimmten prämorbiden Persönlichkeitsstrukturen in Verbindung stehen (z. B. affektive Störungen mit dem Typus melancholicus oder dem Typus manicus).

  • Das prämorbide Persönlichkeitsbild kann in die therapeutische Zielsetzung einfließen, indem eine genauere Bestimmung des Therapieziels möglich wird (z. B. prämorbid auffällige Persönlichkeit).

Die Erfassung der Persönlichkeit des Patienten kann entscheidende Hinweise auf die Gestaltung der Arzt-Patient-Beziehung zur Erreichung einer notwendigen Compliance geben (z. B. Misstrauen, Kontrollbedürfnis, Kränkbarkeit etc.).
Als diagnostische Hilfsmittel zur Erfassung der Persönlichkeitsstruktur und der prämorbiden Persönlichkeit können vor allem Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren eingesetzt werden (vgl. von Zerssen 2001).

Psychopathologischer Befund

Psychopathologischer Befund(bericht)Der psychopathologische Befund stellt das Ergebnis der psychiatrischen Untersuchung sowie die Grundlage für diagnostische Entscheidungen und therapeutische Maßnahmen dar. Umfassende psychopathologische Kenntnisse sind somit notwendige Voraussetzungen, um überhaupt eine zuverlässige Diagnose nach ICD-10 oder auch DSM-IV bzw. DSM-5 stellen zu können.
Unter Psychopathologie versteht man die „Lehre von den Leiden der Seele“. Erfasst werden psychische Symptome, welche die aktuelle psychische Störung kennzeichnen, ohne eine Aussage über deren Ätiologie und Pathogenese zu machen. Der psychopathologische Befund sollte möglichst differenziert erhoben werden; er umfasst verschiedene Merkmalsbereiche, die sich aus den Aussagen des Patienten sowie aus Beobachtungen des Interviewers, ergänzt durch fremdanamnestische Angaben der Angehörigen oder des Pflegepersonals, zusammensetzen (Tab. 2.4).
Die BeurteilungBefunderhebungDatenquellen psychopathologischer Phänomene basiert auf zwei Datenquellen: den Selbstberichten des Patienten und den Beobachtungen Dritter (meist der Interviewer, aber auch Angehörige, Pflegepersonal). Einige psychopathologische Symptome sind nur der Selbstbeobachtung zugänglich (S-Symptome nach AMDP 2018), andere nur der BefunderhebungSelbstbeobachtung (S-Symptome)FremdbeobachtungS-Symptome, Befunderhebung (F-Symptome). Zur ersten Gruppe Selbstbeobachtung (S-Symptome), Befunderhebungzählen z. B. Halluzinationen,F-Symptome, Befunderhebung Grübeln oder gehemmtes Denken, zur Fremdbeurteilung(sverfahren)F-Symptomezweiten Gruppe z. B. Neologismen, Vorbeireden oder Affektstarrheit. Die BefunderhebungFremdbeobachtung (F-Symptome)meisten Symptome sind jedoch SF-Symptome, d. h.BefunderhebungSF-Symptome, sie können entweder aufgrund von Selbstberichten oder Fremdbeobachtung beurteilt werden. Zu SF-Symptome, Befunderhebungdieser Gruppe zählen Symptome wie Deprimiertsein, Antriebsarmut oder sozialer Rückzug.
Im Verlauf der psychopathologischen Befunderhebung und der anamnestischen Dokumentation werden auch das Verhalten in der Untersuchungssituation, das Sprechverhalten bzw. die Sprache beurteilt. Diese Merkmale sind zwar nicht primär Teil des psychopathologischen Befunds, geben aber wichtige Hinweise z. B. auf die psychosoziale Integration eines Patienten, seine interpersonellen Kompetenzen und sein Krankheitsverhalten. Als hilfreiches Mittel bei der BefunderhebungBefunderhebungInterviewleitfäden, strukturierte haben sich (strukturierte) Interviewleitfäden bewährtInterviewleitfäden, z. B. der Interviewleitfaden zum AMDP-System (Fähndrich und Stieglitz 2018).
BefunderhebungZielErgebnis und Ziel der psychopathologischen Befunderhebung ist die Beantwortung der Frage, ob relevante psychische Symptome vorliegen. Darauf aufbauend geht es im nächsten Schritt meist darum, einen schriftlichen Befund zu verfassen. Dieser psychopathologische Aufnahmebefund ist wichtiger Teil der Befunddokumentation und des Arztbriefes. Ziel ist es u. a., sich vom Patienten ein plastisches Bild zu machen. Hinsichtlich der Abfassung des Befundberichts gibt es keine verbindlichen Standards und Vorgaben. Er variiert von Klinik zu Klinik. Konkrete Vorschläge zur Erstellung eines psychopathologischen Befundberichts finden sich bei Thiel et al. (2018). Sie schlagen eine Dreiteilung vorPsychopathologischer Befund(bericht)Bestandteile:
  • Teil 1: Einleitung (u. a. äußere Erscheinung, Verhalten in der Untersuchungssituation, Bewertung von Bewusstsein und Orientierung)

  • Teil 2: Hauptteil (psychopathologische Merkmale nach AMDP)

  • Teil 3: Sonstiges (alle klinisch relevanten Symptome, die nicht Teil von AMDP sind, z. B. dissoziative Symptome)

Bei Thiel et al. (2018) finden sich auch anschauliche Beispiele für die Formulierung dieser drei Teile, ebenso typische Fehler und besondere Probleme der Befunddokumentation. 18 Fallbeispiele, in denen die Vorschläge von Thiel et al. (2018) konkret umgesetzt werden, sind in Stieglitz et al. (2018) nachzulesen. Dabei wird gezeigt, dass das AMDP-System bei allen psychischen Störungen einsetzbar ist, um den psychopathologischen Befund zu erheben, d. h. nicht nur in den klassischen Bereichen Schizophrenie, Depression oder Manie, sondern bei allen psychischen Erkrankungen, bei denen ein Befundbericht erstellt werden muss (z. B. Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen oder ADHS im Erwachsenenalter). Mit den Fallbeispielen in Stieglitz et al. (2018) werden alle Bereiche der ICD-10 abgedeckt, d. h. von den organischen Störungen über die schizophrenen Störungen, die affektiven Störungen bis hin zu den Persönlichkeitsstörungen.

Diagnostische Überlegungen

Befunderhebungdiagnostische/differenzialdiagnostische ÜberlegungenDen vorläufigen Abschluss der psychiatrischen Befunderhebung stellen diagnostische und differenzialdiagnostische Überlegungen dar. Hierzu sind alle in der psychiatrischen Untersuchung erhobenen Befunde heranzuziehen und zu integrieren. Bei Anwendung operationaler Diagnosensysteme (Kap. 3.3) ist vor allem auf Symptom-, Zeit- und Verlaufskriterien Befunderhebungoperationale Diagnosensystemesowie besondere Ein- und Ausschlusskriterien zu achten.
Häufig ist die zunächst gestellte Diagnose (im stationären Kontext oft als AufnahmediagnoseAufnahmediagnose bezeichnet) als vorläufig anzusehen, da bei bestimmten Erkrankungen eine zuverlässige endgültige Diagnose erst durch die Beobachtung und Bewertung des weiteren Verlaufs, die Einbeziehung fremdanamnestischer Daten oder Laborbefunde gestellt werden kann. Dies gilt auch für Störungen, bei denen eine sehr detaillierte Krankheitsanamnese für die Diagnosestellung von besonderer Bedeutung ist (z. B. für schizoaffektive Störungen).

Behandlungsplanung

Belastungsreaktion/-störungErwerbsminderungBefunderhebungBehandlungsplanungBehandlungsplanungAufgrund der psychiatrischen Untersuchung werden erste Behandlungsschritte eingeleitet. Dies kann in Abhängigkeit vom diagnostizierten Störungsbild und von den psychosozialen Umständen eine pharmakologische, psychoedukative, psychotherapeutische oder soziotherapeutische Behandlung sein. Oft basiert die Therapieplanung zunächst auf einer Syndromdiagnose (Kap. 2.3.2SyndromdiagnoseBefunderhebungSyndromdiagnose), die als vorläufig anzusehen und im Verlauf der weiteren Behandlung und unter Einbeziehung zusätzlicher diagnostischer Ergebnisse zu modifizieren ist. Aufnahme- und Entlassungsdiagnosen sind daher oft nicht identisch.

Resümee

Der psychiatrischen Befunderhebung kommt im Hinblick auf die diagnostische Beurteilung des Patienten sowie der daraus abgeleiteten therapeutischen Interventionen (Therapieplanung) eine zentrale Funktion zu. Sie umfasst die Erhebung von soziodemografischen Daten, Krankheits- und Familienanamnese, Biografie, verschiedenen Aspekten der Persönlichkeit sowie somatischem und psychopathologischem Befund.

Untersuchungsebenen

BefunderhebungUntersuchungsebenenDie psychopathologische Befunderhebung ist ein komplexer Prozess, der eine Vielzahl von Bereichen berücksichtigen muss. Zunehmend hat sich daher ein strukturiertes Vorgehen durchgesetzt, z. B. das Dokumentationssystem der Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (AMDP-System), für das es zudem einen Leitfaden zur Befunderhebung gibt. Psychopathologische Phänomene werden zunächst primär auf Symptomebene erfasst. Sie lassen sich später zu Syndromen zusammenfassen bzw. sind die Basis für diagnostische Entscheidungen auf Diagnosenebene (Kap. 3). In Abb. 2.1 ist dieser Zusammenhang nochmals dargestellt. Während auf der Syndromebene zu quantifizieren versucht wird (dimensionale Betrachtungsweise), werden auf der Diagnosenebene dichotome Entscheidungen getroffen (kategoriale Betrachtungsweise).
Ohne psychopathologische Grundkenntnisse lassen sich keine zuverlässigen psychiatrischen Diagnosen nach ICD-10 und DSM-IV bzw. DSM-5 stellen!

Symptomebene

BefunderhebungSymptomebeneSymptomebeneBefunderhebungDie Erfassung der Symptomatik erfolgt i. d. R. im klinischen Gespräch und primär rein deskriptiv ohne Bezug auf bestimmte ätiologische Annahmen oder eine oder mehrere vermutete Störung(en). Ergeben sich Hinweise auf deutliche Defizite in bestimmten Merkmalsbereichen (Tab. 2.4), so lassen sich zur Objektivierung der Befunde zusätzlich z. T. spezifische Untersuchungsinstrumente (Kap. 2.4; Kap. 4) heranziehen. Die wichtigsten Symptome werden im Folgenden definiert.
Bewusstseinsstörungen
Das BewusstseinBewusstsein lässt sich als Zustand der Bewusstheit des Selbst und der Umwelt definieren. Bewusstseinsstörungen werden auf der Grundlage des gesamten Erlebens und Verhaltens des Patienten in der Untersuchungssituation beurteilt. Bewusstseinsklarheit bedeutet dabei nicht nur eine voll erhaltene Vigilanz, sondern auch die Fähigkeit, auf Situationen adäquat zu reagieren. Unterschieden wird daher zwischen quantitativen und qualitativen Bewusstseinsstörungen. Quantitative Bewusstseinsstörungen (BewusstseinsstörungenquantitativeBewusstseinsverminderung) sind durch eine Störung der Vigilanz (Wachheit) bedingt. Sie weisen nahezu immer auf eine organische Ätiologie hin und werden dem Wachheitsgrad entsprechend weiter unterteilt (Tab. 2.5).
Die qualitativen Bewusstseinsstörungen stellen Veränderungen des Bewusstseins dar. Die Vigilanz ist zwar erhalten, aber der Patient hat keine adäquatenBewusstseinsstörungenqualitative Reaktionsmöglichkeiten auf sich verändernde Umweltbedingungen. Dabei ist die Bewusstseinstrübung durchBewusstseinstrübung eine unzureichende Klarheit von Denken und Handeln gekennzeichnet, wie sie etwa bei deliranten Zustandsbildern gefunden wird. Bei der Bewusstseinseinengung, dieBewusstseinseinengung z. B. bei epileptischen Dämmerzuständen auftritt, kommt es bei weitgehend erhaltener Handlungsfähigkeit zu einer Einengung von Denkinhalten und Erlebnissen. Die Ansprechbarkeit auf Außenreize ist vermindert. Das Erleben ist insgesamt traumartig verändert. Bei der Bewusstseinsverschiebung oder -erweiterung handeltBewusstseinsverschiebung/-erweiterung es sich um einen Zustand, der durch das Gefühl gesteigerten Intensitäts- und Helligkeitserlebens, erhöhte Wachheit und Vergrößerung des Bewusstseinsraums gekennzeichnet ist. Derartige Zustände treten häufiger im Zusammenhang mit der Einnahme von Halluzinogenen auf.
Orientierungsstörungen
Die OrientierungOrientierungsstörungenBefunderhebung umfasst die Genauigkeit der Wahrnehmung des Patienten und seines Verständnisses der ihn umgebenden Situation. Sie bezieht sich auf die Fähigkeit, sich in der zeitlichen, räumlichen und gegenwärtigen persönlichen Situation zurechtzufinden. Die Orientierungsstörungen können teilweise aus dem Gesprächsverlauf erschlossen werden, sind jedoch im Zweifel auch gezielt zu explorieren: Die zeitliche Orientierung wird etwa durch Erfragen von Datum, Wochentag, Jahr oder Jahreszeit überprüft, während sich die örtliche Orientierung stets auf die Kenntnis des Ortes bezieht, an dem sich der Patient gegenwärtig befindet. Mit situativer Orientierung ist die Fähigkeit gemeint, die gegenwärtige Situation und die dort anwesenden Personen (z. B. die Untersuchungssituation) richtig einzuschätzen, während die Orientierung zur Person das Wissen um Merkmale der eigenen Person und lebensgeschichtliche Zusammenhänge (z. B. erlernter Beruf, Zahl der eigenen Kinder) widerspiegelt.
Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen
AufmerksamkeitsstörungenAus dem Gesprächsverlauf können sich bereits erste Hinweise ergeben, ob der Patient in seiner Fähigkeit beeinträchtigt ist, sich in vollem Umfang den durch seine Sinne vermittelten Eindrücken zuzuwenden. Zu unterscheiden sind Auffassungs- und Konzentrationsstörungen.
Auffassungsstörungen umfassenAuffassungsstörungen die reduzierte Fähigkeit, verschiedene Wahrnehmungsinhalte in einen Sinnzusammenhang zu bringen und dessen Bedeutung zu erfassen. Konzentrationsstörungen beziehenKonzentrationsstörungen sich auf die reduzierte Fähigkeit, sich über einen längeren Zeitraum einer bestimmten Aufgabe zuzuwenden. Patienten mit Konzentrationsstörungen lassen sich leicht durch von außen kommende Reize ablenken. Konzentrationsstörungen werden überprüft, indem man z. B. den Patienten auffordert, fortlaufend von einer Zahl den gleichen Betrag zu subtrahieren (z. B. bei 81 beginnend jeweils 7 abziehen) oder die Wochentage bzw. Monatsnamen rückwärts aufzusagen. Auffassungsstörungen lassen sich diagnostizieren, indem man den Patienten bittet, die Bedeutung eines Sprichworts (z. B. „Morgenstund hat Gold im Mund“) oder einer kurzen Fabel zu erklären.
Hinweise auf Gedächtnisstörungen (Tab. 2.6) ergebenGedächtnisstörungenBefunderhebung sich ebenfalls häufig bereits aus dem Gesprächsverlauf. Die Gedächtnisleistung selbst ist ein komplexer Prozess, dessen verschiedene Teilkomponenten (Informationsaufnahme und -entschlüsselung, Behalten dieser Informationen sowie Abruf alter oder neuer Gedächtnisinhalte) gestört sein können.
Meist wird eine Unterscheidung zwischen Ultrakurzzeit-, Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis getroffen. Beim Ultrakurzzeitgedächtnis (Ultrakurzzeitgedächtnisoder Immediatgedächtnis) geht es um die unmittelbare Aufnahme und sofortige Reproduktion von Informationen. Das Kurzzeitgedächtnis umfasst Kurzzeitgedächtnisdie Reproduktion von Informationen im Zeitabstand von ca. 5–10 min. Die Überprüfung des Ultrakurzzeit- und Kurzzeitgedächtnisses kann z. B. durch das Abfragen verschiedener vorgegebener Begriffe (z. B. „Berlin“, „47“, „Stuhl“) oder das Nacherzählen einer Fabel nach einem entsprechenden Zeitintervall erfolgen. Beim Langzeitgedächtnis gehtLangzeitgedächtnis es um die Reproduktion von Informationen, die Tage bis Jahre zurückliegen können. Im Rahmen der psychopathologischen Befunderhebung kann es nur um eine grobe Orientierung bzgl. des Vorliegens von Gedächtnisstörungen gehen. Ist man an einer weiteren Abklärung spezifischer Teilaspekte interessiert (z. B. Arbeitsgedächtnis), müssen psychometrische Testverfahren (Kap. 4.5) eingesetzt werden. Gleiches gilt auch für die differenzierte Erfassung von Störungen im Bereich der Aufmerksamkeit/Konzentration.
GedächtnisstörungenHirnfunktionsstörungenpseudodemenzielles Syndrom sind zumeist ein Kardinalsymptom von Hirnfunktionsstörungen unterschiedlichster Ätiologie. Sie können auch als pseudodemenzielles SyndromPseudodemenzielles Syndrom, d. h. als subjektive Beeinträchtigungen bei schwer depressiven Patienten auftreten. Prinzipiell kommen jedoch bei fast allen psychischen Störungen Gedächtnisstörungen vor. Nicht immer lassen sich Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen direkt im Gespräch beobachten und sollten daher anhand der genannten klinischen Prüfungen stets gezielt untersucht werden!
Denkstörungen
DenkstörungenDenkstörungen lassen sich aufgrund der sprachlich-inhaltlichen Äußerungen des Patienten während der Untersuchungssituation erschließen. Hierbei wird zwischen formalen und inhaltlichen Denkstörungen unterschieden. Bei den formalen Denkstörungen handelt es sich um objektiv beobachtbare oder subjektiv erlebte Veränderungen in Geschwindigkeit, Kohärenz und Stringenz des Gedankengangs, während unter inhaltlichen Denkstörungen vor allem Wahnphänomene sowie Zwangssymptome zusammengefasst werden.
Formale Denkstörungen
DenkstörungenformaleFormale Denkstörungen, MerkmaleAls wesentliches Kriterium für den Schweregrad von Denkstörungen kann das Ausmaß der Erschwerung des Interviews angesehen werden, wobei sich die formalen Denkstörungen manchmal erst bei längerem Gesprächsverlauf oder im Zusammenhang mit emotional belastenden Situationen zeigen. Sie sind nosologisch zumeist unspezifisch und können bei einer Vielzahl psychischer Störungen auftreten. In Anlehnung an das AMDP-System werden verschiedene Merkmale unterschieden (Tab. 2.7).
Inhaltliche Denkstörungen
DenkstörungeninhaltlicheInhaltliche DenkstörungenVon den formalen sind die inhaltlichen Denkstörungen abzugrenzen, bei denen der Inhalt des Denkens und die RealitätskontrolleRealitätskontrolle, beeinträchtigte beeinträchtigt sind. Dabei wird zwischen wahnhaften und nicht wahnhaften inhaltlichen Denkstörungen unterschieden. Zu den nicht wahnhaften inhaltlichen Denkstörungen gehören:
  • Hypochondrie: ängstlichHypochondrie/hypochondrische Störung getönte Beziehung zum eigenen Körper, an dem z. B. Missempfindungen mit der unbegründeten Befürchtung, körperlich krank zu sein oder zu werden, überstark wahrgenommen werden. Normale Körpervorgänge erhalten oft eine übermäßige Bedeutung.

  • Phobie: AngstPhobien vor bestimmten Objekten oder Situationen, die zumeist vermieden werden; zugehörige Begriffe: soziale Phobie, Agoraphobie, Klaustrophobie, spezifische Phobien. Der Patient erkennt diese Angst zwar als unsinnig oder zumindest übertrieben, kann sich aber nicht dagegen wehren.

  • Überwertige Ideen: emotionalÜberwertige IdeenIdeen, überwertige stark besetzte Erlebnisse oder Gedanken meist negativer Art, welche die gesamte Person in unangemessener Weise beherrschen. In Abgrenzung zu wahnhaften Ideen besteht eine starke Realitätskontrolle, eine größere logische Konsistenz der Inhalte und weniger Ich-Bezogenheit.

Auch Zwangssymptome werden oft zu den inhaltlichen Denkstörungen gezählt. Dabei handelt es sich um sich immer wieder gegen inneren Widerstand aufdrängende, zwar der Person zugehörige, aber ich-fremde Gedanken oder Vorstellungen, die vom Patienten als unsinnig und unangenehm erlebt werden. Sie lassen sich nicht oder nur schwer unterbinden. Bei Unterdrückung dieser Phänomene tritt oft das Gefühl von Angst oder Unbehagen auf. Unterschieden werden:
  • Zwangsimpulse: sichZwangsimpulse zwanghaft aufdrängende Impulse, bestimmte Handlungen auszuführen (z. B. obszöne Wörter auszusprechen)

  • Zwangsdenken: zwanghafteZwangsgedankenGedankenzwanghafte Gedanken oder Vorstellungen wie Zwangsgrübeln und Zwangsbefürchtungen (z. B. anderen etwas antun zu können)

  • Zwangshandlungen: auf Zwangshandlungender Grundlage von Zwangsimpulsen oder Zwangsgedanken immer wieder ausgeführte Handlungen (z. B. Sach- oder Kontrollhandlung), die vom Patienten als unsinnig erlebt werden

Im Zentrum der inhaltlichen Denkstörungen steht der Wahn in seinen verschiedenen Ausdrucksweisen. Als WahnWahnDefinition wird eine Fehlbeurteilung der Realität bezeichnet, die mit erfahrungsunabhängiger und damit unkorrigierbarer Gewissheit auftritt und an der mit subjektiver Gewissheit festgehalten wird, auch wenn sie im Widerspruch zu Erfahrungen der gesunden Mitmenschen sowie ihrem kollektiven Glauben und Meinen steht.
Es besteht kein Bedürfnis nach Begründung dieser Fehlbeurteilung. In der Regel spielt der Bezug zur eigenen Person bei den Wahninhalten eine entscheidende Rolle. Bei den wahnhaften (oder paranoiden) Phänomenen lassen sich formale und inhaltliche Merkmale unterscheiden (Tab. 2.8).
Wahrnehmungsstörungen
WahrnehmungsstörungenNach Payk (2014) stellt die normale Wahrnehmung, die durch intakte Sinnesorgane und ungestörte Sinnesfunktionen vermittelt wird, ein Integral von (inneren und äußeren) Empfindungen dar, die unter Einbeziehung von Gedächtnisinhalten geordnet, sinnvoll strukturiert und verstanden werden; sie ermöglicht damit eine lebensnotwendige Adaptation an die Umgebung. Im Rahmen psychischer Störungen könnten jedoch Veränderungen auftreten und sich im Sinne von Wahrnehmungsstörungen manifestieren. Zum Merkmalsbereich der Wahrnehmungsstörungen oder SinnestäuschungenSinnestäuschungen werden Illusionen, Halluzinationen und Pseudohalluzinationen gerechnet, die anhand des Vorhandenseins oder der Abwesenheit einer Reizquelle und/oder der Fähigkeit bzw. Unfähigkeit der RealitätskontrolleRealitätskontrolle, beeinträchtigte differenziert werden (Tab. 2.9). Da es sich bei den Wahrnehmungsstörungen um nur dem Patienten selbst zugängliche Beobachtungen handelt, sind sie immer sorgfältig zu erfragen, wenn der Patient nicht von sich aus darüber berichtet.
Ich-Störungen
Unter Ich-StörungenIch-Störungen werden Störungen des Einheitserlebens, der Identität im Zeitverlauf, der Ich-Umwelt-Grenze sowie der Ich-Haftigkeit aller Erlebnisse verstanden. Sie bestehen darin, dass die eigenen seelischen Vorgänge als von außen gemacht erlebt werden. Ich-Störungen müssen im Gespräch unbedingt erfragt werden, da Patienten oft nicht von sich aus darauf zu sprechen kommen (Tab. 2.10).
Störungen der Affektivität
AffektivitätAffektivitätAffektstörungen beinhaltet im weitesten Sinne das emotionale Erleben sowie die Gefühlsansprechbarkeit als solche. Häufig werden die Affektstörungen vom Patienten besonders zu Beginn der Erkrankung subjektiv wahrgenommen und oft auch als schmerzlich empfunden. Wenn sie sich nicht aus dem Gesprächsverlauf erschließen, sollten sie gezielt exploriert werden (Tab. 2.11).
Psychomotorische Störungen und Antriebsstörungen
Antriebsarmut/-hemmung/-störungenPsychomotorische StörungenAntriebs- und psychomotorische Störungen werden am Aktivitätsniveau und an der Psychomotorik erkennbar. Antrieb ist dabei die vom Willen weitgehend unabhängig wirkende Kraft, welche die Bewegung aller psychischen Funktionen steuert (Tab. 2.12).
Zirkadiane Besonderheiten
Mit den sog. zirkadianen BesonderheitenZirkadiane Besonderheiten sind regelhafte Schwankungen, Schwankungen der Befindlichkeit und des Verhaltens des Patienten über den Tag gemeint, wie sie oft bei depressiven Störungen vorkommen. Unterschieden werden vor allem:
  • Morgentief: regelhafte Morgentief, Depressionmorgendliche Verschlechterung des Befindens im Vergleich zu anderen Tageszeiten

  • Abendtief: regelhafteAbendtief abendliche Verschlechterung des Befindens im Vergleich zu anderen Tageszeiten

Sozial- und Krankheitsverhalten
Sozial- und KrankheitsverhaltenSozialverhalten sind im Arzt-Patient-Gespräch genau zu explorieren, da z. B. das Vorhandensein oder das Fehlen eines ausgeprägten KrankheitsverhaltenKrankheitsgefühls oder eine plötzliche soziale Umtriebigkeit von großem diagnostischem Wert sein können. Hierzu gehören:
  • Sozialer Rückzug: EinschränkungSozialer Rückzug bis vollständiger Verlust der Kontakte zu anderen Menschen.

  • Soziale Umtriebigkeit: VermehrungUmtriebigkeit, soziale der Kontakte zu anderen Menschen.

  • Mangel an Krankheitsgefühl: Der Patient fühlt sich nicht krank, obwohl objektiv eine Krankheit besteht.

  • Mangel an Krankheitseinsicht: DerKrankheitseinsichtmangelnde Patient erkennt seine krankhaften Erlebnisse und Verhaltensweisen nicht als krankheitsbedingt an. Er führt sie u. U. auf andere Faktoren zurück (z. B. schlechte Ernährung).

  • Ablehnung der Behandlung: WiderstrebenBehandlung(sangebote)Ablehnung gegen therapeutische Maßnahmen und/oder Krankenhausaufnahme/-aufenthalt (z. B. Ablehnung einer medikamentösen Behandlung).

Aggressive Erlebens- und Verhaltensmuster
Erlebensmuster, aggressiveVerhaltensmuster, aggressiveEine weitere bedeutende Gruppe psychopathologischer Merkmale bezieht sich auf aggressive Erlebens- und Verhaltensmuster im weiteren Sinne:
  • Aggressivität: Aggressionstendenzen (verbale Aggressionen, erhöhte Bereitschaft zu Tätlichkeiten Verteidigung oder Angriff) und Aggressionshandlungen (Aggression/AggressivitätGewalthandlungen gegen Personen oder Gegenstände)

  • Selbstbeschädigung: SelbstverletzungenSelbstschädigung/-verletzung ohne damit verbundene Suizidabsichten

  • Suizidalität: SuizidgedankenSuizidalität, -impulse oder -handlungen

Dissoziative Symptome
Dissoziative SymptomeDarunter versteht man die nichtpsychotische Desintegration von Wahrnehmung, Identität, mnestischen Funktionen, Willkürmotorik und sich daraus entwickelnde Symptome. Auf psychischem Niveau gehören hierzu etwa die psychogene Bewusstseinsstörung, Schwankungen der Wachheit oder selektive Wahrnehmungsveränderungen. Auf körperlichem Niveau kommen u. a. psychogene Paresen, Aphonien, Dysarthrien oder Parästhesien vor (Kap. 16.3).
Somatische Symptome
Psychische Störungen können von spezifischen somatischen Symptomen begleitet sein und zu ihrer diagnostischen Somatische KrankheitenSymptomeZuordnung wesentlich beitragen. Störungen in den folgenden Bereichen sind häufig und sollten im Rahmen der körperlichen und psychiatrischen Untersuchung besondere Beachtung finden:
  • Schlafstörungen: EinschlafstörungenSchlafstörungen, Durchschlafstörungen, Verkürzung der Schlafdauer, Früherwachen

  • Appetenzstörungen: AppetitAppetenzstörungen vermindert, Appetit vermehrt, gesteigertes Durstgefühl, Sexualität vermindert

  • Gastrointestinale Störungen: Hypersalivation, Mundtrockenheit, Übelkeit, Erbrechen, Magenbeschwerden, Gastrointestinale StörungenObstipation, Diarrhö

  • Kardiorespiratorische Symptome: Atembeschwerden, Schwindel, Herzklopfen, HerzdruckKardiorespiratorische Symptome

  • Andere vegetative Störungen: Akkommodationsstörungen, vermehrtes Schwitzen, Seborrhö, Miktionsstörungen, MenstruationsstörungenVegetative Störungen/Symptome

  • Sonstige Störungen: Kopfdruck, Rückenbeschwerden, Schweregefühl in den Beinen, Müdigkeit, Hitzegefühl, Frösteln, Konversionssymptome

Bei einer bereits eingeleiteten Medikation können einige somatische Symptome jedoch auch die Nebenwirkungen dieser Behandlung darstellen (z. B. Mundtrockenheit, Übelkeit).
Intelligenzstörungen
IntelligenzminderungDiagnostikAm Ende der klinischen Untersuchung besitzt der Untersucher ein grobes Bild über die intellektuelle Leistungsfähigkeit des Patienten. Hinweise darauf ergeben sich einerseits aus dem Gespräch selbst (z. B. Sprache, Verständnis der Fragen), jedoch auch aufgrund klinischer Prüfungen zur Auffassung, die einfach durchzuführen sind (Fragen zum Allgemeinwissen oder zum Denkvermögen, z. B. durch Vorgabe von zwei Begriffen, deren Gemeinsamkeit gefunden werden muss). Bei Hinweisen auf Intelligenzminderung sollte sich eine differenzierte testpsychologische Untersuchung anschließen (Kap. 4.5; Kap. 24.5).

Syndromebene ( )

Symptome sind die kleinste Einheit der Beschreibung BefunderhebungSyndromebenepsychopathologischer Phänomene. Meist treten sie nicht allein, sondern als GruppenSyndromebene, Befunderhebung von Symptomen in regelhafter oder gesetzmäßiger Kombination auf. Solche Symptomkomplexe werden als Syndrome bezeichnet. Der Syndrombegriff hat in der psychiatrischen Geschichte eine lange Tradition und wird im klinischen Alltag wie selbstverständlich verwendet. Als Beispiele für „klassische Syndrome“, die nosologisch unspezifisch sind, sind zu nennen:
  • Depressives Syndrom

  • Apathisches Syndrom

  • Psychoorganisches Syndrom

  • Manisches Syndrom

  • Paranoid-halluzinatorisches Syndrom

Einige dieser Syndrome können noch weiter spezifiziert werden. So kann z. B. das depressive Syndrom je nach Ausprägung der Symptomatik weiter in ein gehemmt-depressives oder ein agitiert-depressives Syndrom differenziert werden. Die in den meisten Fällen zunächst aufgrund der klinischen Beobachtung postulierten Syndrome lassen sich auch mittels statistischer Verfahren immer wieder replizieren und sind Inhalt sog. mehrdimensionaler Psychopathologieskalen (z. B. AMDP-System).
Die Bedeutung der Syndrome liegt in der Beschreibung des Krankheitsbildes auf einer höheren Ebene als der Symptomebene. Im klinischen Alltag bilden die Syndrombeschreibungen auch die Grundlage für die Behandlung mit psychopharmakologischen Substanzen; in klinischen Studien dienen sie vor allem der Charakterisierung von Patientengruppen und zum Nachweis der Effektivität therapeutischer Interventionen (Pharmako- oder Psychotherapie: z. B. Erfassung der Abnahme des depressiven Syndroms mittels Hamilton-Depressions-Skala [HAMD]).

Diagnostisches Vorgehen

unter http://else4.de/video-kap2-diagnose.

Erhebungsinstrumente

Überblick

ErhebungsinstrumenteDie psychopathologische BefunderhebungBefunderhebungErhebungsinstrumente erfolgt i. d. R. im Rahmen eines klinischen Interviews, in dem sich der Untersucher einen Überblick über die unterschiedlichen Merkmalsbereiche verschafft. Die Untersuchung lässt sich jedoch durch den Einsatz von standardisierten Erhebungs- und Untersuchungsverfahren unterstützen, wenn es darum geht,
  • den Verdacht auf das Vorliegen einer Störung zu objektivieren,

  • den Schweregrad einer Störung zu quantifizieren oder

  • eine differenzierte Beschreibung von Defiziten zu erreichen.

Hierzu wurde in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von diagnostischen Hilfsmitteln entwickelt. Auf einige Verfahren, die sich in der klinischen Anwendung wie auch in der Forschung bewährt haben, soll nachfolgend hingewiesen werden. Die psychologische Leistungsdiagnostik wird in Kap. 4.5 thematisiert.

Klinische Beurteilungsverfahren

Beurteilungsverfahren, klinischeDer psychopathologische Befundbericht stellt in der Regel die Ausgangsbasis für einerseits die Diagnosestellung und andererseits die Planung der Behandlung dar. Die Behandlung selbst muss jedoch auch im Verlauf im Hinblick auf Fortschritte oder Stagnation oder sogar eine Verschlechterung dokumentiert werden. Hier kommt einer therapiebegleitenden Diagnostik (DiagnostiktherapiebegleitendeStieglitz 2016) eine wichtige Funktion zu. Speziell gilt dies für den Bereich der Psychotherapie mit den vielfältigen Facetten, die in diesem Behandlungskontext zu bedenken sind. Hierzu wurden von Stieglitz und Freyberger (2017) Vorschläge gemacht in Bezug auf alle Störungen, in denen es empirische Evidenz für die Anwendung von psychotherapeutischen Verfahren gibt. Voderholzer et al. (2018) stellen Instrumente vor, die im Bereich der klinischen Psychologie bzw. Psychiatrie bezogen auf eine Vielzahl psychischer Störungen zur Anwendung kommen können. Diese Verfahren sollten in unterschiedlichen Phasen der Psychotherapie, aber auch im Rahmen der allgemeinen Behandlung eingesetzt werden, um den Behandlungsverlauf zu dokumentieren. In diesem Kontext kommen vor allem Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren zur Anwendung (Kap. 2.6).
Selbstbeurteilungsverfahren sind VerfahrenErhebungsinstrumenteSelbstbeurteilungsverfahrenSelbstbeurteilungsverfahren, die vom Patienten bearbeitet werden, wobei dieser i. d. R. zu bestimmten Aussagen Stellung nimmt. Bei den Fremdbeurteilungsverfahren erfolgenFremdbeurteilung(sverfahren)ErhebungsinstrumenteFremdbeurteilungsverfahren Informationserhebung und -dokumentation durch einen geschulten Untersucher, wobei in diese Beurteilungen auch Selbstaussagen des Patienten eingehen können.
Während eine standardisierte Befunddokumentation früher ausschließlich Studien vorbehalten war, findet sie jetzt auch zunehmend Eingang in die klinische Untersuchung. Die Gründe hierfür liegen im breiten Indikationsbereich der Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren:
  • Grundlage für Therapieentscheidungen

  • Unterstützung des diagnostischen Prozesses

  • Schweregradbestimmung von Syndromen oder anderen klinisch bedeutsamen Phänomenen

  • Verlaufsdokumentation

  • Effektivitätsbeurteilung therapeutischer Interventionen

Resümee

Die psychopathologische Befunderhebung basiert i. d. R. auf den Aussagen des Patienten und den Beobachtungen des Untersuchers, kann jedoch durch fremdanamnestische Angaben (z. B. von Angehörigen) ergänzt werden. Die Befunderhebung erfolgt auf der Symptomebene, wobei alle psychischen Funktionsbereiche und ihre möglichen Störungen (vom Bewusstsein über die Orientierung bis hin zum Ich-Erleben) sowie mit psychischen Störungen eng assoziierte körperliche Funktionen (z. B. Schlaf, Appetenz) zu überprüfen sind. Die Befunderhebung kann in einem klinischen Gespräch erfolgen. Dem Untersucher steht zur Unterstützung jedoch auch eine Reihe von bewährten Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren zur Verfügung, die entweder das Gesamtspektrum psychopathologischer Phänomene (z. B. das AMDP-System) oder spezifische Teilbereiche (z. B. die HAMD zur Erfassung depressiver Symptome) berücksichtigen.

Dokumentation

Befunddokumentation

Dokumentation(ssysteme)BefunderhebungBefunderhebungDokumentationIm Anschluss an ein psychiatrisches Gespräch werden die erhobenen Befunde in Form von schriftlichen Aufzeichnungen oder in standardisierten Erhebungsbögen dokumentiert. Die umfassendste Erhebungsmethode bietet das AMDP-System mit seinenAMDP-System, Befunddokumentation drei Dokumentationsbelegen:
  • Anamnese (u. a. soziodemografische Angaben)

  • Psychischer Befund (100 psychopathologische Symptome)

  • Somatischer Befund (40 somatische Symptome)

Die Ergebnisse des psychiatrischen Gesprächs und die Erhebung von relevanten Befunden zum Krankheitsverlauf sind wesentliche Bestandteile der Krankengeschichte.

Krankengeschichte

In der Krankengeschichte werden die im Laufe der psychiatrischen BefunderhebungKrankengeschichteUntersuchung erhaltenen Informationen über den Patienten, die Krankengeschichte, BefunderhebungBeobachtungen des Untersuchers während des Gesprächs sowie seine Einschätzung des psychopathologischen Zustands des Patienten schriftlich fixiert. Eine sorgfältig geführte Krankengeschichte kann darüber hinaus vielfältige Funktionen erfüllen:
  • Beitrag zur Klärung diagnostischer Probleme im Verlauf

  • Hilfestellung bei der erneuten Findung einer zuvor erfolgreichen Medikation oder psycho- bzw. soziotherapeutischen Intervention bei Wiederaufnahme oder

  • Hilfsmittel bei rechtlichen Auseinandersetzungen

Zum Aufbau der Krankengeschichte gibt es keine verbindlichen Richtlinien; innerhalb einer Institution bzw. einzelner miteinander kooperierender Institutionen sollte er jedoch gleich sein und zumindest folgende Aspekte umfassen:
  • Kennzeichnung des Patienten mittels kurzer soziodemografischer und krankheitsrelevanter Angaben

  • Erster Eindruck bei Aufnahme

  • Aktuelle Beschwerden des Patienten, Grund und Umstände der Aufnahme bzw. Hospitalisierung

  • Objektive Angaben zur Lebensgeschichte

  • Lebensgeschichte im Hinblick auf die Entwicklung der Persönlichkeit, Familienanamnese

  • Persönlichkeitscharakteristik in kranken und gesunden Zeiten

  • Spezielle Befunde bzgl. einzelner Funktionen wie Intelligenz oder Gedächtnis

  • Medikamenten- und Suchtmittelanamnese

  • Körperliche Untersuchungen

  • Vorbehandlungen (somatisch und psychiatrisch)

  • Zusammenfassende Beschreibung des vorherrschenden Zustandsbildes bzw. Syndroms, psychiatrische Diagnosen

  • Prognostische Erörterungen

  • Behandlungsplan

Im weiteren Verlauf der Behandlung sind der Krankheitsverlauf und die gesamte (psychopharmakologische, psychotherapeutische, pflegerische) Therapie zu dokumentieren.
Den Abschluss der Krankengeschichte bildet eine kurze Zusammenfassung mit Schilderung des Zustands bei Entlassung, des Grades der Besserung oder Heilung und der eingeleiteten Nachbehandlung.

Basisdokumentation

Neben der rechtlich vorgeschriebenen Führung einer Krankengeschichte bzw. Krankenakte haben viele Institutionen zusätzlich eine sog. Basisdokumentation eingeführt. Sie umfasst zumeist die in Dillings Minimalkatalog aufgeführten MerkmaleDilling'scher Minimalkatalog, Basisdokumentation, die Anfang der 1980er-Jahre empfohlen wurden, oder setzt sich aus selbstkonzipierten Erhebungsbögen, ergänzt durch standardisierte Verfahren (z. B. AMDP-System, IMPS), zusammen. Einige universitäre Institutionen verwenden zur Basisdokumentation die AMDP-Belege (früher drei Anamnesebelege, heute ein Anamnesebeleg, Psychischer und Somatischer Befund) (Kap. 2.5.1).
Aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen zur Qualitätssicherung wird die Forderung nach Einrichtung klinikinterner Basisdokumentationen in den kommenden Jahren noch an QualitätssicherungBasisdokumentation (BADO)Bedeutung zunehmen. Dieser Entwicklung vorausgreifend wurde von der Deutschen Gesellschaft für BADO (Basisdokumentation)QualitätssicherungPsychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (BADO (Basisdokumentation)DGPPN-BasismodulDGPPN) ein Vorschlag für eine Basisdokumentation (BADO) ausgearbeitet, deren Einführung allen psychiatrisch-psychotherapeutischen Institutionen empfohlen wird. Diese modular aufgebaute Dokumentation besteht aus einem für alle stationären Einrichtungen einheitlichen sog. Basismodul (Box 2.5), das die wesentlichen soziodemografischen und klinischen Variablen enthält, aus einem erweiterten Basismodul für diejenigen Kliniken, die noch differenzierter dokumentieren wollen, und aus Zusatzmodulen für spezifische Fragestellungen (z. B. Forensische Psychiatrie, Gerontopsychiatrie), wobei Letztere sich gegenwärtig noch in der Entwicklung befinden.

Box 2.5

Basisdokumentation der DGPPN: Basismodul (Cording et al. 1995)

Aufnahmebogen:
  • Administrative und soziodemografische Daten

  • Aufnahmemodalitäten

  • Sozialanamnese

  • Krankheitsgeschichte: allgemein

  • Krankheitsgeschichte: jetzige Episode

  • Status bei Aufnahme

Entlassungsbogen:
  • Behandlungsdaten

  • Entlassungsmodalitäten

  • Status bei Entlassung

Resümee

Die im psychiatrischen Gespräch erhobenen Informationen müssen anschließend schriftlich fixiert werden. Insbesondere einer klar strukturierten Krankengeschichte kommt für die aktuelle Behandlung sowie etwaige Wiederaufnahmen eine wichtige Funktion zu. Mit der zunehmenden Forderung, den Umfang und die Qualität diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen zu dokumentieren, ergibt sich die Notwendigkeit zur Vereinheitlichung und Standardisierung der Erfassung, weshalb die Basisdokumentation entwickelt wurde.

Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren zur Objektivierung und Quantifizierung psychopathologischer Befunde ( )

Tiefer gehende Informationen

Kap. 2.6 (einschl. Tab. 2.13, Tab. 2.14, Box 2.6 und Tab. 2.15) mit Informationen über Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren zur Objektivierung und Quantifizierung psychopathologischer Befunde finden Sie auf der Homepage zu diesem Buch unter http://else4.de/online-Kap-2-6. Fremdbeurteilung(sverfahren)Objektivierung/Quantifizierung klinischer EindrückeSelbstbeurteilungsverfahrenObjektivierung/Quantifizierung klinischer EindrückePsychische ErkrankungenFremdbeurteilungsverfahrenPsychische ErkrankungenSelbstbeurteilungsverfahrenBefunderhebungSelbstbeurteilungsverfahrenBefunderhebungFremdbeurteilungsverfahren

Für einige Fragestellungen eignen sich die Selbst- und/oder Fremdbeurteilungsverfahren hervorragend, für andere Bereiche dagegen eher nicht.
So sind z. B. Selbstbeurteilungsverfahren zeitökonomisch einsetzbar und können ein weites Spektrum klinisch bedeutsamer Phänomene abbilden. Man muss jedoch auch mit Urteilsfehlern (z. B. Ja-Sage-Tendenzen) rechnen. Ebenso ist zu bedenken, dass Selbstbeurteilungsverfahren bei schwerkranken Patienten nicht oder nur bedingt einsetzbar sind. Verschiedene Studien haben zudem gezeigt, dass die Selbstbeurteilungsverfahren ein weniger differenziertes Bild des Störungsgrades liefern als Fremdbeurteilungsverfahren bzw. dass bestimmte Phänomene der Selbstbeurteilung gar nicht zugänglich sind (z. B. einige Denkstörungen).
Der Einsatz von Fremdbeurteilungsverfahren setzt ein umfassendes Training voraus, ist zeitaufwendig und muss i. d. R. von einem Arzt oder Psychologen durchgeführt werden. Zudem ist bei Fremdbeurteilungsverfahren von bestimmten Fehlerquellen bei der Anwendung auszugehen. Dies betrifft z. B. die oft unzureichende Art der Informationserhebung.
Hierzu haben sich Interviewleitfäden alsInterviewleitfädenBefunderhebungInterviewleitfäden, strukturierte wichtige Hilfsmittel erwiesen. Sie existieren mittlerweile für die meisten Verfahren (z. B. AMDP-System; Hamilton-Depressions-Skala, HAMD; Brief Psychiatric Rating Scale, BPRS). Auch ist auf den spezifischen Indikationsbereich und den adäquaten Messabstand zu achten. So ist z. B. die HAMD zur Erfassung der Stimmung und Befindlichkeit in kurzen Zeitabständen weniger gut geeignet als z. B. die Visuelle Analogskala (VAS) oder die Befindlichkeits-Skala (Bf-S).
Bei Berücksichtigung dieser Aspekte lassen sich Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren sinnvoll einsetzen. Bei der Auswahl der Verfahren ist jedoch immer zu prüfen, inwieweit diese hinreichend in Bezug auf psychometrische Kriterien (insbesondere Reliabilität und Validität) überprüft wurden (Stieglitz 2008). Darüber hinaus haben Methodenstudien zeigen können, dass folgende Punkte zu bedenken sind:
  • Selbstbeurteilungsverfahren mit gleichen oder ähnlichen Bezeichnungen erfassen nicht notwendigerweise dasselbe. So konnte gerade im Bereich der Skalen zur Erfassung der Depressivität gezeigt werden, dass die durch sie erfassten Inhalte sehr unterschiedlich sind. So fokussiert z. B. das Beck-Depressions-InventarBeck-Depressions-Inventar (BDI) mehr auf kognitive Symptome der Erkrankung, die HAMDHAMD (Hamilton-Depressions-Skala) stärker auf somatische Phänomene.

  • Zudem besteht nicht notwendigerweise eine hohe Korrelation zwischen Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren, auch wenn gleiche Syndrome erfasst werden sollen. Die Korrelationen liegen oft nur in einer mittleren Größenordnung (Bereich 0,4–0,6), d. h., Selbst- und Fremdbeurteilung sind nicht austauschbar. Beide erfassen die interessierenden Phänomene aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Da Selbst- und Fremdbeurteilung unterschiedliche Beurteilungsperspektiven abzubilden erlauben, können sie sich nicht gegenseitig ersetzen, sondern stellen vielmehr komplementäre Sichtweisen desselben Beurteilungsgegenstands dar.

Hinsichtlich der praktischen Anwendung von Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren ist darauf zu achten, dass es zur Interpretation der Skalen- oder Syndromwerte entsprechende Anweisungen gibt. Voraussetzung hierfür sind zumindest sog. Referenzwerte (z. B. Mittelwerte von Störungsgruppen), besser noch Norm- oder Cut-off-Werte. So existieren z. B. für die Inpatient Multidimensional Psychiatric Scale (IMPS) und das AMDP-System Normwerte, für das BDI, die Bech-Rafaelsen-Melancholie-Skala (BRMS) und die HAMD werden Cut-off-Werte angegeben.
Trotz der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Selbst- und FremdbeurteilungsverfahrenSelbstbeurteilungsverfahrenGrenzenFremdbeurteilung(sverfahren)Grenzen muss jedoch auch auf ihre Grenzen hingewiesen werden. Von der Ausprägung eines bestimmten Syndroms darf nicht automatisch auf das Vorliegen einer entsprechenden Störung (Diagnose) geschlossen werden. So ist z. B. bei einem HAMD-Wert von 30 von einem schweren depressiven Syndrom auszugehen. Dies bedeutet jedoch nicht auch automatisch das Vorliegen einer schweren depressiven Episode nach ICD-10, denn auch bei anderen Störungen kann gleichzeitig ein depressives Syndrom vorliegen (z. B. Angst- und Zwangsstörungen, schizophrene Störungen). Zusätzlich muss der Anwender daher unbedingt auch die diagnostischen Kriterien der spezifischen Störung prüfen (Kap. 3).
Wenn es um die Objektivierung und Quantifizierung klinischer Eindrücke gehtFremdbeurteilung(sverfahren)Objektivierung/Quantifizierung klinischer EindrückeSelbstbeurteilungsverfahrenObjektivierung/Quantifizierung klinischer Eindrücke, kommt der Selbst- und Fremdbeurteilung eine wichtige Funktion zu. Vor allem im Hinblick auf die zunehmende Forderung nach Dokumentation der Ergebnisqualität psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung sind sie wichtige Hilfsmittel. Die DGPPN empfiehlt z. B. als fakultative Instrumente für eine Basisdokumentation das AMDP-System oder die IMPS als Fremdbeurteilungsverfahren und die Symptom-Checkliste (SCL-90-R) als Selbstbeurteilungsverfahren.
In Tab. 2.13 sind Beispiele für die sog. mehrdimensionalen Verfahren aufgeführt, die ein breites Spektrum an klinisch bedeutsamen Syndromen, unabhängig von einer bestimmten Störungsgruppe, darstellen. Für die meisten liegen auch Normwerte, zumindest aber Referenzwerte vor, die (abgesehen von der standardisierten Erfassung klinischer Syndrome) eine Einordnung individueller Werte erlauben.
Daneben haben sich insbesondere Selbstbeurteilungsverfahren zur Erfassung von weiteren klinisch relevanten Bereichen psychischer Erkrankungen bewährt (z. B. Befindlichkeiten oder Beschwerden, Tab. 2.14).
Ist man dagegen an der speziellen Erfassung bestimmter Syndrome oder der differenzierten Beschreibung von Störungsgruppen interessiert, so können die in Box 2.6 aufgeführten Verfahren Anwendung finden. Die Strukturierung der Verfahren erfolgt anhand der ICD-10-Hauptgruppen. Auch in diese Box konnten nur Beispiele aufgenommen werden. Zudem wurden nur solche Verfahren ausgewählt, die man als therapieschulenunabhängig bezeichnen kann. Die differenzierte Diagnostik einzelner Störungsgruppen, z. B. in der Verhaltenstherapie, bedarf einer spezifischen Diagnostik (vgl. die Beispiele in Stieglitz et al. 2007).

Box 2.6

Störungsbezogene Beispiele zu Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren (Stieglitz et al. 2001; Geue et al. 2003; AMDP und CIPS 1990; Klann et al. 2003)

Fremdbeurteilung(sverfahren) störungsbezogene Selbstbeurteilungsverfahren störungsbezogene F0 – Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen:
  • Blessed Dementia Scale (Fremdbeurteilung, 51 Items)

  • Behavioral Pathology in Alzheimer's Disease Rating Scale (Fremdbeurteilung, 25 Items)

F1 – Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen:
  • CAGE Questionnaire (Selbstbeurteilung, 6 Items)

  • Münchner Alkoholismus-Test (MALT (Selbst- und Fremdbeurteilung, 29 Items)

  • Addiction Severity Index (ASI) (Fremdbeurteilung, 161 Items)

F2 – Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen:
  • Scale for the Assessment of Positive and Negative Symptoms (SAPS, SANS) (Fremdbeurteilung, 35 bzw. 19 Items)

  • Positive and Negative Syndrome Scale (PANSS) (Fremdbeurteilung, 14 Bereiche + 16 Globalskalen)

  • Calgary Depression Rating Scale for Schizophrenia (CDSS) (Fremdbeurteilung, 9 Items)

  • Frankfurter BeschwerdeFragebogen (FBF (Selbstbeurteilung, 98 Items)

F3 – Affektive Störungen:
  • Hamilton-Depressions-Skala (HAMD) (Fremdbeurteilung, 21 Items)

  • Bech-Rafaelsen-Melancholie-Skala (BRMS) (Fremdbeurteilung, 11 Items)

  • Montgomery-Asberg-Depressionsskala (MADRS) (Fremdbeurteilung, 10 Items)

  • Beck-Depressions-Inventar (BDI) (Selbstbeurteilung, 21 Items)

  • Depressivitäts-Skala (DS) (Selbstbeurteilung, 16 Items)

  • Fragebogen zur Depressionsdiagnostik (FDD) (Selbstbeurteilung, 18 Items)

  • Manie-Selbstbeurteilungsskala (MSS) (Selbstbeurteilung, 48 Items)

  • Bech-Rafaelsen-Manie-Skala (BRMAS) (Fremdbeurteilung, 11 Items)

F4 – Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen:
  • Angst/Phobie

    • Hamilton Anxiety Scale (HAS) (Fremdbeurteilung, 14 Items)

    • Fragebogen zu körperbezogenen Ängsten, Kognitionen und Vermeidung (AKV) (Selbstbeurteilung, 87 Items)

    • Beck-Angst-Inventar (BAI) (Selbstbeurteilung, 21 Items)

    • Panik- & Agoraphobie-Skala (PAS) (Selbst- und Fremdbeurteilung, je 13 Items)

    • Hamburger Zwangsinventar (HZI) (Selbstbeurteilung, 188 Items)

  • Somatisierung

    • Screening für Somatoforme Störungen (SOMS) (Selbstbeurteilung, 54 Items)

  • Dissoziative Störungen

    • Fragebogen zu Dissoziativen Symptomen (FDS) (Selbstbeurteilung, 44 Items)

    • Heidelberger Dissoziationsinventar (HDI) (Selbstbeurteilung, 30 Items)

  • Posttraumatische Belastungsstörung

    • Posttraumatic Diagnostic Scale (PDS) (Selbstbeurteilung, 17 Items)

    • Impact of Event Scale – Revised (IES-R) (Selbstbeurteilung, 15 Items)

F5 – Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit körperlichen Störungen und Faktoren:
  • Sexualstörungen

    • Leitfragen zur Anamnese sexueller Störungen (LASS) (Fremdbeurteilung, 3 Hauptthemenbereiche mit insgesamt 63 Fragen)

    • Tübinger Skalen zur Sexualtherapie (TSST) (Selbstbeurteilung, 35 Items)

  • Essstörungen

    • Strukturiertes Inventar für anorektische und bulimische Essstörungen nach DSM-IV und ICD-10 (SIAB) (Selbstbeurteilung, Form SIAB-S, 87 Items)

    • Eating Disorder Inventory (EDI) (Selbstbeurteilung, 91 Items)

  • Schlafstörungen

    • Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQL) (Selbstbeurteilung, 19 Items)

F6 – Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen:
  • Persönlichkeitsstörungen

    • Persönlichkeits-Stil- und Störungsinventar (PSSI) (Selbstbeurteilung, 140 Items)

    • Borderline Symptom-Liste (BSL) (Selbstbeurteilung, 98 Items)

  • Impulskontrolle

    • Barrett Impulsiveness Scale (BIS) (Selbstbeurteilung, 30 Items)

    • South Oaks Gambling Screen (GOGS) (Selbstbeurteilung, 20 Items)

Neben der Abbildung der Psychopathologie durch standardisierte Erhebungsinstrumente wurden in den letzten Jahren insbesondere auch für weitere, als klinisch bedeutsam angesehene Bereiche Verfahren entwickelt (Tab. 2.15). Hierzu zählt die Erfassung der LebensqualitätLebensqualitätErhebungsinstrumente, der sozialen Unterstützung/des sozialen Netzwerks, der Compliance und des Bewältigungsverhaltens (Coping). Derartige Verfahren können in Ergänzung zu standardisierten Verfahren der Psychopathologie auch in der klinischen Routine eingesetzt werden und liefern wichtige Informationen für die Behandlung.

Literatur

Die Literatur zu diesem Kapitel finden Sie auf der Homepage zu diesem Buch unter http://else4.de/literatur-kap2.

Fragen zur Wissensüberprüfung zu diesem Kapitel finden Sie auf der Homepage zu diesem Buch unter http://else4.de/fragen-kap2.
In einer Serie von Demonstrationsvideos für Hausärzte werden von Prof. Dr. Mathias Berger mit der Ärztin Dr. Barbara Offermann von der Freiburger Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie beispielhaft Gespräche zur Erhebung des typischen psychopathologischen Befunds wichtiger Krankheitsbilder dargestellt.

Literatur

2.1 Das psychiatrisch-psychotherapeutische Gespräch

Hamann et al., 2005

J. Hamann A. Loh J. Kasper Partizipative Entscheidungsfindung Nervenarzt 77 2005 1071 1078

Reichhart et al., 2008

T. Reichhart W. Kissling E. Scheuring J. Hamann Patientenbeteiligung in der Psychiatrie – eine kritische Bestandsaufnahme Psychiat Prax 35 2008 111 121

Simon and Härter, 2009

D. Simon M. Härter Grundlagen der Partizipativen Entscheidungsfindung und Umsetzungsmöglichkeiten im Rahmen der Selbsthilfe Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 52 2009 86 91

2.2 Psychiatrische Befunderhebung

Arbeitskreis, 2014

O.P.D. Arbeitskreis Operationalisierte psychodynamische Diagnostik (OPD). OPD-2. Das Manual für Diagnostik und Therapieplanung 3., überarb. A. 2014 Huber Bern

Dührssen, 1981

A. Dührssen Die biographische Anamnese unter tiefenpsychologischem Aspekt 1981 Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen

Fähndrich and Stieglitz, 2018

E. Fähndrich R.-D. Stieglitz Leitfaden zur Erfassung des psychopathologischen Befundes. 5. A. 2018 Hogrefe Göttingen

Stieglitz et al., 2018

R.-D. Stieglitz H. Haug B. Kis Praxisbuch AMDP 2018 Hogrefe Göttingen

Thiel et al., 2018

A. Thiel W. Trabert T. Dietzfelbinger Vom Symptom zum psychopathologischen Befund R.-D. Stieglitz Praxisbuch AMDP 2018 40 51

von Zerssen, 2001

D. von Zerssen Diagnostik der prämorbiden Persönlichkeit R.-D. Stieglitz U. Baumann H.J. Freyberger Psychodiagnostik in Klinischer Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie 2001 Thieme Stuttgart 271 283

2.3 Untersuchungsebenen

AMDP, 2018

AMDP Das AMDP-System 10. A. 2018 Hogrefe Göttingen

Payk, 2016

E.T. Payk Pathopsychologie. Vom Symptom zur Diagnose 4. A. 2016 Springer Berlin

2.4 und 2.6 Erhebungsinstrumente, Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren

AMDP und CIPS, 1990

AMDP und CIPS Rating Scales for Psychiatry 1990 Beltz Weinheim

AMDP, 2018

AMDP Das AMDP-System 10. A. 2018 Hogrefe Göttingen

CIPS, 2015

CIPS Internationale Skalen für Psychiatrie 6., überarb. u. erw. A. 2015 Hogrefe Göttingen

Klann et al., 2003

N. Klann K. Hahlweg N. Heinrichs Diagnostische Verfahren in der Beratung 2., vollständig überarb. A. 2003 Hogrefe Göttingen

Geue et al., 2016

K. Geue B. Strauß E. Brähler Diagnostische Verfahren in der Psychotherapie 3. A. 2016 Hogrefe Göttingen

Stieglitz, 2008

R.-D. Stieglitz Diagnostik und Klassifikation in der Psychiatrie 2008 Kohlhammer Stuttgart

Stieglitz, 2016

R.-D. Stieglitz Diagnostik in der Psychotherapie als Mittel der Qualitätssicherung K. Lieb F. Hohagen D. Riemann Psychiatrie und Psychotherapie 2.0 2016 Elsevier Urban & Fischer München 193 201

Stieglitz et al., 2007

R.-D. Stieglitz U. Baumann M. Perrez Fallbuch zur Klinischen Psychologie und Psychotherapie 2007 Huber Bern

Strauß and Schumacher, 2005

B. Strauß J. Schumacher Klinische Interviews und Ratingverfahren 2005 Hogrefe Göttingen

Voderholzer et al., 2018

U. Voderholzer C. Neumayer R.-D. Stieglitz Fremd- und Selbstbeurteilungsverfahren bei der Diagnostik und Therapie psychischer Erkrankungen U. Voderholzer F. Hohagen Therapie psychischer Erkrankungen 12. A. 2018 Elsevier Urban & Fischer München 539 556

2.5 Dokumentation

AMDP, 2018

AMDP Das AMDP-System 10. A. 2018 Hogrefe Göttingen

Cording et al., 1995

C. Cording W. Gaebel A. Spengler Die neue psychiatrische Basisdokumentation. Eine Empfehlung der DGPPN zur Qualitätssicherung im (teil-)stationären Bereich. Spektrum der Psychiatrie Psychotherapie und Nervenheilkunde 24 1995 3 41

Stieglitz and Freyberger, 2001

R.-D. Stieglitz H.J. Freyberger Selbstbeurteilungsverfahren R.-D. Stieglitz U. Baumann H.J. Freyberger Psychodiagnostik in Klinischer Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie 2001 Thieme Stuttgart 83 94

Stieglitz and Ahrens, 2001

R.-D. Stieglitz B. Ahrens Fremdbeurteilungsverfahren R.-D. Stieglitz U. Baumann H.J. Freyberger Psychodiagnostik in Klinischer Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie 2001 Thieme Stuttgart 95 106

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen