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Kapitel 8: Organische (und symptomatische) psychische Störungen

Demenzielle Erkrankungen

30.06.2021 EBM Untersucht wurde, ob sich bei kognitiv unauffälligen Probanden in Abhängigkeit von ihrer Belastung durch eine anticholinerge Medikation (anticholinergic burden) die Entwicklung einer demenziellen Erkrankung vorhersagen lässt (Beobachtungszeitraum: 1 bis 11 Jahre). Gefunden wurde zwar eine konsistente Beziehung zwischen einer anticholinergen Medikation und der späteren Entwicklung demenzieller Symptome/kognitiver Defizite (Taylor-Rowan et al. 2021), wobei sich aus dieser Assoziation jedoch keine gesicherte Kausalität ableiten lässt, weil z.B. Patienten, die im weiteren Verlauf Frühwarnsymptomen einer beginnenden Demenz entwickelten, mit einer anticholinergen Substanz behandelt worden sind.

Demenzielle Erkrankungen: Diagnostik

31.07.2021 EBM Untersucht wurde, ob sich mittels des Mini-Mental-Status-Tests (MMST) bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung die Entwicklung einer Demenz vorhersagen lässt. In 4 Studien wurde der Vorhersagewert des MMST für die spätere Entwicklung einer Demenz (unabhängig von der zugrundeliegenden Ursache) überprüft, in 8 Studien der Vorhersagewert für die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz. Für die spätere Entwicklung einer demenziellen Erkrankung (unabhängig von deren Genese) ergab sich für den Baseline-MMSE eine zwischen 23% und 76% liegende Sensitivität, für die Spezifität eine Range zwischen 40% und 94%. Für die spezifischere Vorhersage einer Alzheimer-Demenz wird eine zwischen 27% und 89% liegende Sensitivität und eine Spezifität zwischen 32% und 90% berichtet (Arevalo-Rodriguez et al. 2021). Aufgrund der hohen Streuung sollten für eine prognostische Einschätzung unabdingbar weitere Testverfahren zum Einsatz kommen.

Delir

31.07.2021 EBM Durch eine aus mehreren Komponenten (Median = 6 Komponenten) bestehende Interventionen (z.B. Reduktion sensorischer Deprivation z.B. durch ein Hörgerät, kognitive Stimulierung, Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr, Mobilisierung) lässt sich bei hospitalisierten Patienten außerhalb einer Intensivstation (N = 5718, 14 Studien), verglichen mit TAU, die Wahrscheinlichkeit eines Delirs (10,5% versus 18,4%) und die Dauer des stationären Aufenthaltes reduzieren (Evidenzstufe Ia: Burton et al. 2021). Einer explorativen statistischen Analyse zufolge erwiesen sich insbesondere die Strategien der Reorientierung (z.B. durch den Einsatz vertrauter Gegenstände), kognitive Stimulierung und schlafhygienische Maßnahmen als hilfreich. Hinsichtlich der Mortalitätsrate ergaben sich keine Gruppenunterschiede.

Alkoholabhängigkeit

S. 264 In einem Cochrane-Review von 8 Studien (3.417 Patienten) zeigte sich kein einheitlicher Vorteil von AA (Anonyme Alkoholiker) oder sonstigen 12-Stufen-Programmen gegenüber anderen Behandlungsformen. Es fanden sich Hinweise für höhere Retentionsraten und eine bessere Akzeptanz der Behandlung durch AA-Programme (Evidenzstufe Ia: Ferri 2006).

30.03.2020 EBM Einem Update dieses Reviews zufolge lassen sich mit manualisierten AA/12-Stufen-Programmen höhere Abstinenzraten (Beobachtungszeitraum bis 24 Monate) erzielen (Evidenzstufe Ia: Kelly et al. 2020) als in einer heterogen Vergleichsgruppe (u.a. KVT, motivierende Gesprächsführung, u.a.) mit anderen Behandlungsformen.

30.03.2019 EBM Bei leichter bis moderat ausgeprägter Demenz wurde der Effekt eines kognitiven Trainings (Dauer zwischen 2 und 104 Wochen) überprüft. Im Vergleich zu einer aktiven oder passiven Kontrollbedingung ergaben sich schwach bis moderat ausgeprägte positive Effekte hinsichtlich des globalen kognitiven Funktionsstatus und der verbalen und semantischen Wortflüssigkeit (Evidenzstufe Ia: Bahar-Fuchs et al. 2019) Im Vergleich zu alternativen nichtmedikamentösen Interventionen (z.B. Beschäftigungstherapie, Reminiszenztherapie) ließen sich diese Effekte jedoch nicht mit ausreichender Sicherheit bestätigen.

30.03.2019 EBM Die aktuelle Datenlage erlaubt keine gesicherte Aussage darüber, ob sich leichte kognitiven Beeinträchtigungen durch ein computerisiertes kognitives Training reduzieren, eine weitere Progredienz aufhalten lässt, eine klinisch relevante Demenz verhindert werden kann (Gates et al. 2019a). Die aktuellen Datenlage erlaubt aufgrund methodischer Defizite und der kurzen Beobachtungszeiträume auch keine gesicherte Aussage, inwieweit sich durch ein computerisiertes Trainingsprogramm bei Älteren (> 65 Jahre) deren kognitiver Funktionsstatus verbessern lässt (Gates et al. 2019b).

Alzheimer Demenz: Medikamentöse Therapie

20.04.2021 EBM Untersucht wurde, inwieweit das Absetzen eines Cholinesterasehemmers Vor- oder Nachteile für die Patienten (Einnahmedauer mindestens 2 Monate) hat. Verglichen mit einer Weiterführung der Behandlung, ging die Beendigung einer Therapie mit einer Verschlechterung des kognitiven, neuropsychiatrischen und funktionalen Status (Beobachtungszeitraum: 2–11 Monate) einher (Evidenzstufe Ia: Parsons et al. 2021). Unklar bleibt, inwieweit dieser Befund für unterschiedliche Schweregrade der Alzheimer-Demenz gilt.

Lehrbuch S 205: Eine Metaanalyse (Evidenzstufe Ia: McShane et al. 2006) fand Evidenz für die Wirksamkeit von Memantin bei AD, gemischten Demenzformen und vaskulärer Demenz (abgebildet im klinischen Gesamteindruck) und Hinweise auf die Wirksamkeit im Bereich der ATLs. Der Effekt von Memantin bzgl. der Kognition beträgt bei moderater bis schwerer AD 2,97 Punkte in der Severe Impairment Battery (SIB), die nicht mit der ADAScog, dem Standardtest in den Acetylcholinesterasehemmer-Studien, gleichgesetzt werden darf. In Studien zur leichten AD ergaben sich heterogene Ergebnisse. In zwei 8-monatigen Studien über Memantin bei leichter bis mittelschwerer vaskulärer Demenz ließen sich positive Effekte auf die Kognition (Differenz zu Placebo im Schnitt 1,85 Punkte im ADAScog) und auf der Verhaltensebene finden.

In einem, auf einem größeren Datensatz (44 Studien) basierenden Update konnte bei guter Verträglichkeit ein schwach ausgeprägter positive Effekt von Memantin in den Bereichen klinischer Gesamteindruck, kognitiver Funktionsstatus, Alltagsaktivitäten und eine Reduktion von Verhaltens- und emotionalen Auffälligkeiten bei moderat bis schwerer Alzheimer-Demenz statistisch abgesichert werden (Evidenzstufe Ia: McShane et al. 2019), nicht jedoch für eine leichter ausgeprägte Alzheimer-Demenz (MMSE 20 bis 23). Der positive Effekt erwies sich als unabhängig von einer Begleitbehandlung mit einem Acetylcholinesterasehemmer. Bei leichter ausgeprägter vaskulärer Demenz (2 Studien) ließen sich leicht ausgeprägte Effekte für die Bereiche Kognition und Verhaltens- und emotionale Auffälligkeiten nachweisen. Aufgrund methodischer Defizite der zugrundeliegenden Studien erscheint es den Autoren fraglich, ob vereinzelt positive Befunde wie eine Verbesserung des globalen klinischen Gesamteindrucks bei der Parkinsonerkrankung als zuverlässig zu werten sind.

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