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B978-3-437-24911-2.00035-3

10.1016/B978-3-437-24911-2.00035-3

978-3-437-24911-2

Vor- und Nachteile von Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren (Stieglitz et al. 2001; Stieglitz und Freyberger 2001; Stieglitz 2007, 2012)

Tab. 35.1
Vorteile Nachteile
Selbstbeurteilungsverfahren
Vielzahl an Verfahren nicht bei allen Störungsgruppen anwendbar
Weiter Indikationsbereich oft uneinheitliche Skalenkonstruktion
Einfache Anwendbarkeit Einsatz in Abhängigkeit vom Schweregrad der Störung
Ökonomie in der Durchführung häufige Urteilsfehler/Verfälschungstendenzen
Mehrmalige Untersuchung möglich Voraussetzung: allgemeines Sprachverständnis, Mindest-IQ
Durchführungs- und Auswertungsobjektivität weniger änderungssensitiv
Meist teststatistische Absicherung Cave: keine Diagnosestellung möglich
Globale Erfassung des Störungsbilds Antworttendenzen aufgrund von:
  • sozialer Erwünschtheit

  • Bagatellisierung

  • Simulation/Dissimulation

  • Erinnerungsfehlern

  • Selbsttäuschung

Response Sets: Akquieszenz, Nein-Sage-Tendenz, Tendenz zur Mitte
Meist normiert
Fremdbeurteilungsverfahren
Überprüfbarkeit der Qualität (Interrater-Reliabilität) Training erforderlich
Unabhängigkeit vom Schweregrad der Störung geringe Ökonomie, zeitaufwändig
Differenzierte Erfassung des Störungsbilds Fehlerquellen: Informations-, Interpretations- und Beobachtungsvarianz
Änderungssensitiv Milde- und Halo-Fehler
kontinuierliche Supervision und Training notwendig
meist keine Normierung, nur Cut-off-Werte

Die wichtigsten Beurteilungsverfahren für die Erfassung der häufigsten psychischen Erkrankungen der ICD-10Tourette-SyndromTestsTourette-SyndromTestsTic-ErkrankungenTestsTic-ErkrankungenTestsSomatoforme StörungenTestsSomatoforme StörungenTestsSchmerz, TestsSchmerz, TestsSchlafstörungenTestsSchlafstörungenTestsSchizophrenieTestsSchizophrenieTestsPosttraumatische Belastungsstörung (PTBS)TestsPosttraumatische Belastungsstörung (PTBS)TestsPersönlichkeitsstörungenTestsPersönlichkeitsstörungenTestsMini-Mental-Status-TestMini-Mental-Status-TestInternet- und ComputerspielabhängigkeitTestsInternet- und ComputerspielabhängigkeitTestsImpulskontrollstörungenTestsImpulskontrollstörungenTestsGlücksspiel, pathologischesTestsGlücksspiel, pathologischesTestsGlücksspiel, pathologischesTestsGlücksspiel, pathologischesTestsEssstörungenTestsEssstörungenTestsDissoziative StörungenTestsDissoziative StörungenTestsDepressionTestsDepressionTestsDemenzdiagnostikTestsDemenzdiagnostikTestsBipolare StörungenTestsBipolare StörungenTestsAutismus-Spektrum-StörungenTestsAutismus-Spektrum-StörungenTestsAngststörungenTestsAngststörungenTestsAlkoholabhängigkeitTestsAlkoholabhängigkeitTestsADHSTestsADHSTestsZwangsstörungenTests

Tab. 35.2
Instrument (Abkürzung) Autor(en), Jahr Indikation F1/S2/I3 Dauer Auswertung Kommentar
Generelle psychiatrische Diagnostik
Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV (SKID)
Wittchen et al. 1997
semistrukturierte Erfassung, Klassifizierung und Diagnose psychischer Störungen und Syndrome nach Achse I und II I SKID-I: ca. 80 min SKID-II: ca. 30 min dreispaltige Einteilung:
  • Spalte (links): offene Fragen und Anweisungen

  • Spalte: DSM-IV-Kriterien

  • Spalte: Kodierung bzw. Sprungbefehl; individueller Cut-Off für jede Persönlichkeitsstörung des SKID-II-Normiert

Ab 14. Lj.
Anwendungsgebiet: Diagnostik. Kodierungsmöglichkeiten für Achse III, IV und V
Sprungregeln ermöglichen Überspringen von nichtrelevanten Diagnosekriterien
Diagnostisches Interview bei psychischen Störungen (DIPS)
Schneider und Margraf 2011
Klassifikation psychischer Störungen nach ICD-10 und DSM-IV (Achse I–V) I 90–120 min Einschätzung der Achsen mithilfe des Interviews
Abschnitte (1) bis (18) enden mit DSM-IV-R-Kriterien in Form einer Checkliste
ab Erwachsenenalter Anwendungsgebiet:Diagnostik
zusätzlich: Skala zur globalen Erfassung des Funktionsniveaus von Beziehungen (GARF); Skala zur Erfassung des sozialen und beruflichen Funktionsniveaus (SOFAS); Erfassung von Informationen für Therapieplanung. Kurzfassung (Mini-DIPS) vorhanden
Allgemeine Psychopathologie
Symptom-Checklist-90® (SCL-90®-S)
Franke 2013; CIPS 2015
Messung subjektiv empfundener Beeinträchtigung durch körperliche und psychische Symptome S 10–15 min Likert-Skala zur Berechnung eines Global Severity Index (GSI)
Transformation der Skalenrohwerte in T-Normen
keine Cut-off-Werte
normiert
ab 12. Lj. Anwendungsgebiete: Evaluation stationärer Psychotherapie, Einzelfalldiagnostik, Forschungsinstrument
BSI (Brief Symptom Inventory): Kurzform des SCL-90-R
Beschwerde-Liste – revidierte Fassung (BL-R)
Zerssen und Petermann 2011; CIPS 2015
Erfassung des Ausmaßes subjektiver Beeinträchtigung durch körperliche und Allgemeinbeschwerden S 1–5 (max. 10) min Berechnung eines Summenscores und eines gemeinsamen Scores für beide Testformen (B-LR und B-LR') als Gradmesser der Gesamtbeeinträchtigung
kein Cut-Off-normiert
ab 20. Lj. Anwendungsgebiet: Verlaufsuntersuchungen Parallelformen (B-LR und B-LR') vorhanden
AMDP-System (AMDP) AMDP 2018 Erfassung der Psychopathologie F 30–40 min Symptom- oder Syndromauswertung (9 Syndrome), für die Syndrome liegen Normwerte stationär behandelter psychiatrischer Patienten vor einziges im deutschsprachigen Raum verfügbares Verfahren zur systematischen Erfassung der Psychopathologie
Outcome Questionnaire (OQ-45/OQ-45.2)
Lambert et al. 2002
Quantifizierung klinisch relevanter Störungsbereiche S 10–15 min Gesamtwert und 3 Subskalen (Symptombelastung, zwischenmenschliche Beziehungen, soziale Integrität) dt. Ergebnisfragebogen (EB-45), speziell für den Bereich der Psychotherapie entwickelt, ökonomische Alternative zur SCL-90-R
Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-D)
Löwe et al. 2002
Erkennung und Diagnostik der häufigsten psychischen Störungen in der primärärztlichen Praxis, mit dem Ziel der Einleitung adäquater Behandlungsmethoden S Langform: 15 min
Kurzform: 5 min
kategoriale Auswertung mit Schablonen (Langform) oder anhand Auswertungsalgorithmen (Lang- und Kurzform); Skalensummenwerte werden als Schweregrade aufgefasst ab 18 Lj.
Anwendungsgebiet:Diagnostik
Lang- und Kurzform vorhanden
Demenz
Mini-Mental-Status-Test (MMST)
Kessler et al. 2000; CIPS 2015
quantitative Erfassung kognitiver Leistungseinbußen bei älteren Patienten mit demenziellen und psychiatrischen Erkrankungen
Keine Unterscheidung verschiedener Demenzformen
F 10 min
  • 30–27 Punkte: keine Demenz

  • 26–18 Punkte: leichte Demenz

  • 17–10 Punkte: mittelschwere Demenz

  • ≤ 9 Punkte: schwere Demenz

ab Senium, Präsenium
Anwendungsgebiet: grobes Screening-Verfahren, Verlaufsmessung, Ergänzung der neuropsychologischen Testung
Nürnberger Alters-Inventar (NAI)
Oswald und Fleischmann 1997
Auskunft über Grad der individuellen psychischen Alterung S & F 45 min zusammengefasste Testverfahren: Beurteilung von Selbsteinschätzungen, Fremdbeurteilungen durch den Testleiter, Angehörige, Arzt, Pflegepersonal oder leistungspsychologische Testdaten
Subtests mit Cut-Off-Werten zur Differenzierung von höherer und unterdurchschnittlicher Leistung
normiert
ab dem höherem Lebensalter
Anwendungsgebiete: Diagnostik, Therapie- und Längsschnittstudien; Parallelformen vorhanden
Test zur Früherkennung der Demenz mit Depressionsabgrenzung (TFDD)
Ihl et al. 2000
Testverfahren zur Schweregradeinschätzung von Demenzen und zur Abbildung von Veränderungen im Krankheitsverlauf S & F 5–10 min Demenzteil: Cut-Off: 35 → Werte ≤ 35 Hinweis auf Demenz
Depressionsteil: Cut-Off-Wert 8 → Werte > 8 Hinweis auf Depression
ab dem höheren Lebensalter
Anwendungsgebiete: Früherkennung, Screening-Instrument, Verlaufsmessung
Demenzteil: Fremdbeurteilung
Depressionsteil: Fremd- und Selbstbeurteilung
Alzheimer's Disease Assessment Scale (ADAS)
Ihl und Weyer 1993; CIPS 2015
Einschätzung des Schweregrads demenzieller Symptome im kognitiven und nichtkognitiven Bereich F 45 min zwei Summenscores:
Kognitiver Bereich: ≥ 10 Punkte
→ kognitive Einschränkung
Nichtkognitiver Bereich
→ max. 50 Punkte
normiert
geeignet für Patienten mit demenziellen Symptomen
Anwendungsgebiete: Forschungs- und Evaluationsinstrument, Screening-Instrument, Verlaufsmessung
Parallelformen vorhanden
Alkoholabhängigkeit
Münchner Alkoholismustest (MALT)
Feuerlein et al. 1999
Erfassung der Einstellung zum Trinken, alkoholbedingte psychische und soziale Beeinträchtigungen und somatische Störungen S & F 5–10 min
  • 0–5 Punkte: unauffällig

  • 6–10 Punkte: Verdacht auf Alkoholabhängigkeit

  • 11–52 Punkte: hohe Wahrscheinlichkeit für Alkoholabhängigkeit

Differenzierung in „unauffällig“, „gefährdet“ und „abhängig“
normiert
für Erwachsene
Anwendungsgebiete: Diagnostik, Epidemiologie, Gutachten
Lübecker Alkoholabhängigkeits- und -missbrauchs-Screening-Test (LAST)
Rumpf et al. 2001
Siebtest zur ökonomischen Entdeckung von alkoholbezogenen Störungen S 1–2 min Summenscore über 7 Fragen:
  • Cut-Off bis 64 Lj.: > 1 Punkt: auffällig

  • Cut-Off ab 65 Lj.: ≥ 1 Punkt: auffällig

normiert
18–64 Jahre
Anwendungsgebiete: Screening-Verfahren, Versorgungsforschung
Schizophrenie
Brief Psychiatric Rating Scale (BPRS)
Overall und Gorham 1986; CIPS 2015
schnell durchführbares Einschätzungsinstrument zur Beurteilung der Zustandsänderungen beim Patienten F 20 min
  • 31 Punkte: keine Schizophrenie

  • 41 Punkte: Verdacht auf Schizophrenie

  • 53 Punkte: Schizophrenie

Gesamtscore: Ausmaß der Störung
für Erwachsene
Bech et al. (1991): Hinweise auf eine Verwendung zur Diagnose der Schizophrenie
Anwendungsgebiete: Screening-Instrument, Verlaufsmessung, Diagnostik
Eppendorfer Schizophrenie-Inventar (ESI)
Maß 2001
quantitative Erfassung von schizophreniespezifischen Empfindungen S 5–10 min Summierung der Itemwerte zu Skalenrohwerten und Vergleich mit Normtabellen < 30 Punkte: schwere psychotische Symptomatik normiert für Erwachsene
Anwendungsgebiete: Differenzialdiagnostik, Früherkennung, Verlaufsbeschreibung und High-Risk-Forschung
Langversion (letzte 4 Wochen), Kurzversion (letzten 7 Tage)
Interview für die retrospektive Erfassung des Erkrankungsbeginns und -verlaufs bei Schizophrenie und anderen Psychosen (IRAOS)
Häfner et al. 1999, 2003
retrospektive Erfassung des Frühverlaufs psychotischer Störungen (Erkrankungsbeginn bis erster stationärer Aufenthalt) I Durchführung: 1,5–2 h
Kodierung: 1,5–2 h
keine manuelle Auswertung möglich → SPSS Eingabefiles → Indikatoren der Frühphase ableitbar ab 12. Lj.
Anwendungsgebiete: psychiatrische Forschung, prospektive Verlaufsstudien
Mit Patient oder Bezugsperson durchführbar + schriftliche Unterlagen
Positive and Negative Syndrome Scale (PANSS)
Kay et al. 2005; CIPS 2015
Messung des Schweregrads der Schizophrenie und Erfassung der positiv und negativ Symptomatik sowie der allgemeinen Psychopathologie F 30–40 min Bewertung von 30 Symptomen anhand einer siebenstufigen Skala von 1 (nicht vorhanden) bis 7 (extrem ausgeprägt) keine Altersangaben
Anwendungsgebiete: Diagnostik und Verlaufsmessung
auch für Krankenhauspersonal und Familienmitglieder des Betroffenen
Depression
Bech-Rafaelsen-Melancholie-Skala (BRMS)
Stieglitz et al. 1998; CIPS 2015
Erfassung des Schweregrades depressiver Zustandsbilder F 25 min
  • 0–5 Punkte: kein depressives Syndrom

  • 6–14 Punkte: leichtes depressives Syndrom

  • 15–24 Punkte: mittleres depressives Syndrom

  • 25–44 Punkte: schweres depressives Syndrom

ab 18. Lj.
Anwendungsgebiete: Diagnostik, Verlaufskontrolle, Effektivitätsbeurteilung, Vergleich von Interventionen, Verlaufsdokumentation, Mehrebenendiagnostik
komplementäre Skala zur Erfassung des Schweregrads manischer Symptome: Bech-Rafaelsen-Manie-Skala (CIPS 1990)
Kombination beider Skalen: Erfassung bipolarer Störungen
Beck Depressions-Inventar Revision (BDI-II)
Hautzinger et al. 2009, CIPS 2015
Erfassung einer depressiven Symptomatik und Schweregradbeurteilung S 5–10 min
  • 0–8: keine Depression

  • 9–13: minimale Depression

  • 14–19: leichte Depression

  • 20–28: mittelschwere Depression

  • 29–63: schwere Depression

normiert
ab 13. Lj.
Anwendungsgebiete: Screening-Instrument, Verlaufsmessung
Hamilton-Depressionsskala (HAMD)
Hamilton 1986; CIPS 2015
Einschätzung der Schwere einer diagnostizierten Depression F ca. 30 min 17-Item-Version:
  • 0–9 Punkte: keine Depression

  • 10–20 Punkte: leichte Depression

  • 21–30 Punkte: mittelschwere Depression

  • ≥ 30 Punkte: schwere Depression

21-Item-Version: mittlere Werte bei Depressiven zw.
24–30 Punkten
normiert
16–80 Jahre
Anwendungsgebiete: Verlaufsmessung; 17-Item-Version und 21-Item-Version; Einbezug der Informationen von Angehörigen, Bekannten und Pflegepersonal möglich
Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS-D)
Herrmann-Lingen et al. 2011; CIPS 2015
Erfassung von Angst, Depressivität und Komorbiditäten S 2–6 min allgemein:
  • ≤ 7: unauffällig

  • 8–10: suspekt

  • > 10: auffällig

normiert
ab 15 Lj.
Anwendungsgebiet: Screening-Instrument
Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale (MADRS)
Neumann und Schulte 1979; CIPS 2015
psychometrische Beurteilung depressiver Syndrome und Schweregradbestimmung F 15–30 min
  • 0–8 Punkte: asymptomatisch

  • 9–17 Punkte: gering

  • 18–34 Punkte: mittel

  • ≥ 35 Punkte: schwer

  • < 10 Punkte: Remission

normiert
für Erwachsene
Anwendungsgebiete: Therapieverlaufsstudien, kulturvergleichende Untersuchungen
Bipolare Störung
Allgemeine Depressionsskala (ADS)
Hautzinger et al. 2012
Erfassung subjektiver Beeinträchtigungen durch depressive Symptome und Schweregradbestimmung S 5 min ADS-L: < 23 Punkte → auffällig
ADS-K: < 17 Punkte → auffällig
normiert
ab 12 Lj.
Anwendungsgebiet: Screening-Instrument
Langform (20 Items; ADS-L) und Kurzform (15 Items; ADS-K)
Lügenkriterium vorhanden
Hypomania Checklist-32 (HCL-32)
Angst et al. 2005
Erfassung der Lebenszeit-Prävalenz einer Manie S 5 min Gesamtwert: Summe der positiven Antworten in Frage 3
Cut-off bei 14 oder mehr Symptomen in Frage 3
keine Altersangaben
Anwendungsgebiet: Screening-Instrument
Angst
Fragebogen zu körperbezogenen Ängsten, Kognitionen und Vermeidung (AKV)
Ehlers et al. 2001
Diagnostik und Behandlung von Angststörungen S 10–20 min kein Cut-off-Wert
Mittelwert entspricht Gesamtscore jeder Skala
normiert
Erwachsene
Anwendungsgebiete: Screening-Instrument, Diagnostik, Therapieplanung, Erfolgskontrolle
Inhalt: ACQ (Agoraphobic Cognitions Questionnaire), BSQ (Body Sensations Questionnaire) und MI (Mobility Inventory)
Soziale Phobie- und Angst-Inventar (SPAI)
Fydrich 1999, 2003
Erfassung von kognitiven, somatischen und behavioralen Aspekten von Ängsten in sozialen Situationen, sowie Schweregradeinschätzung S 10–15 min Cut-off: ≥ 2,6 ab 15 Lj.
Anwendungsgebiete: Diagnostik, Forschung
State-Trait-Angstinventar (STAI)
Laux et al. 1981; CIPS 2015
Erfassung der Angst als Zustand und als Eigenschaft basierend auf dem Trait-State-Angstmodel nach Spielberger (1972) S STAI-G × 1: 15 min
STAI-G × 2: 15 min
STAI-G Form × 1: Erfassung von Angst als Zustand → grobe Beurteilung des individuellen Angstwertes (Normtabellen) STAI-G Form × 2: Erfassung von Angst als Eigenschaft:
  • 20 Punkte: keine Angst

  • 80 Punkte: maximale Angst

normiert
ab 15 Lj.
Anwendungsgebiete: interkulturelle Angstforschung, Verlaufsmessung, Diagnostik, Persönlichkeitsdiagnostik, Grundlagenforschung
Hamilton-Angst-Skala (HAMA)
Hamilton 1977; CIPS 2015
Schwerebeurteilung von Ängsten unabhängig von Ätiologie F 30 min Cut-off-Werte
Gesamtwert: globales Maß der Schwere der Angst
Jugendliche und Erwachsene
Anwendungsgebiete: quantitative Bewertung des Angstzustands, Verlaufsmessung
nicht geeignet bei Panik-, Zwangsstörungen, Ängsten bei Schizophrenie/Demenz, agitiert-ängstlichen Depressionen
Penn State Worry Questionnaire (PSWQ)
Stöber 1995; Glöckner-Rist und Rist 2014
Erfassung des Ausmaßes pathologischer Besorgnis S 5 min
  • 16–39: niedrige Besorgnis

  • 40–59: moderate Besorgnis

  • 60–80: hohe Besorgnis

Erwachsene
Anwendungsgebiete: Differenzialdiagnostik, Verlaufsmessung, Persönlichkeitsdiagnostik
Soziale Phobie-Skala (SPS)
von Consbruch et al. 2016
Erfassung von sozialen Phobien und Informationsquelle zur Indikation für Therapiemaßnahmen S 5–10 min
  • 55–65 Punkte: mäßige soziale Phobie

  • 66–80 Punkte: deutliche soziale Phobie

  • 81–95 Punkte: schwere soziale Phobie

  • > 95 Punkte: sehr schwere soziale Phobie

keine Altersangabe
Anwendungsgebiete: Evaluation, Veränderungsmessung, Diagnostik
PTBS
Impact of Event Scale (revidierte Form) (IES-R)
Maercker und Schützwohl 1998
Erfassung von Belastungsreaktionen nach kritischen Lebensereignissen und des Ausmaßes an Intrusionen S 10–12 min diagnostischer Wert: X = −0,02 * Intrusionen + 0,07 * Vermeidung + 0,15 * Übererregung – 4,36 → diagnostischer Wert > 0,0: PTB-Diagnose wahrscheinlich
normiert
Jugendliche und Erwachsene
Anwendungsgebiet: Forschung zu kritischen Lebensereignissen
Clinician Administered PTSD Scale (CAPS)
Schnyder und Moergeli 2002
kategoriale, dimensionale Diagnose, Schwerebestimmung sowie Erfassung von Schuldgefühlen und dissoziativen Symptomen F 45–60 min
  • 0–19 Punkte: minimale Ausprägung → keine/einzelne PTBS-Symptome

  • 20–39 Punkte: leichte PTBS → nicht krankheitswertig ausgeprägt

  • 40–59 Punkte: mittlere PTBS → krankheitswertig ausgeprägt

  • 60–79 Punkte: schwere PTBS-Symptomatik

  • 80–136 Punkte: extrem schwere PTBS-Symptomatik

keine Altersangabe
Anwendungsgebiet: Diagnostik
Zwangsstörungen
Hamburger Zwangsinventar (HZI)
Zaworka et al. 1983; CIPS 2015
differenzierte Quantifizierung von Zwangsphänomenen S 20 min – mehrere Stunden Auswertung anhand von Auswertungsschablonen, Normtabellen und Auswertungsbogen
normiert
ab 16. Lj.
Anwendungsgebiete: Differenzialdiagnostik, Therapieforschung
auch als Kurzform vorhanden
Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale (Y-Bocs)
Goodman et al. 1991; CIPS 2015
Erfassung des Schweregrads und der Phänomenologie von Denk- und Handlungszwängen F 30–60 min Cut-off klinisch ausgeprägte Symptomatik: 16 Punkte
  • 0–7 Punkte: nicht klinisch

  • 8–15 Punkte: leicht

  • 16–23 Punkte: moderat

  • 24–31 Punkte: schwer

  • 32–40 Punkte: extrem

Jugendliche und Erwachsene
Anwendungsgebiete: Screening-Instrument, Forschung, Individualdiagnostik
Obsessive-Compulsive Inventory (OCI-R)
Gönner et al. 2009
Erfassung der Schwere von Symptomen einer Zwangsstörung S 5–7 min Screening: Cut-off: ≤ 15 Punkte
Auswahlinstrument in der Forschung: Cut-off: ≤ 22 Punkte
normiert
Erwachsene
Anwendungsgebiete: Screening-Instrument, Behandlungsplanung, Qualitätssicherung, Verlaufsmessung
Kurzform des Obsessive-Compulsive Inventory
Somatoforme Störungen
Screening für somatoforme Störungen (SOMS)
Rief et al. 2008
Identifikation, Klassifikation, Quantifizierung sowie die Verlaufsbeschreibung somatoformer Störungen S 5 min kein Cut-off
SOMS-2 (Vorhandensein): Gesamt-Symptomanzahl, Somatisierungsindex DSM-IV, Somatisierungsindex ICD-10 (letzte 2 Jahre)
SOMS-7 (Intensität): Summenscore und Symptomanzahl (letzte 7 Tage)
normiert
ab 16. Lj.
Anwendungsgebiete: Status-, Verlaufsdiagnostik
Quantifizierungs-Inventar für somatoforme Syndrome (QUISS)
Wedekind und Bandelow 2009
Erfassung des Schweregrades somatoformer Störungen S & F FR: 10–15 min
SR: 15–20 min
  • 0–6 Punkte: grenzwertig bzw. Remission

  • 7–17 Punkte: leicht

  • 18–30 Punkte: mäßig

  • 31–44 Punkte: deutlich

  • 45–58 Punkte: schwer

  • ≥ 59 Punkte: sehr schwer

18–75 Jahre
Anwendungsgebiete: QUISS-T für Forschung, QUISS-P für klinischen Alltag, Veränderungsdokumentation
Fremdbeurteilungs-(QUISS-T) und Selbstbeurteilungsskala (QUISS-P)
Dissoziative Störung
Fragebogen zu dissoziativen Symptomen (FDS)
Spitzer et al. 2015
Erfassung dissoziativer Phänomene S 5–10 (max. 20) min Berechnung des Mittelwerts als allgemeine Ausprägung der Dissoziation in Prozent 18–80 Jahre
Anwendungsgebiete: Screening-Instrument, Veränderungsmessung
Heidelberger Dissoziations-Inventar (HDI)
Brunner et al. 2008
Diagnose dissoziativer Phänomene einschließlich Depersonalisations- und Derealisationserleben S & F 40–60 min Gesamtscore: Schweregradeinschätzung
Diagnosezuordnung mithilfe von Auswertungsbögen nach ICD-10 und/oder DSM-5
ab 11. Lj.
Anwendungsgebiet: Screening-Instrument
Essstörungen
Eating Disorder Inventory II (EDI-2)
Paul und Thiel 2004
Erfassung charakteristischer psychopathologischer Merkmale essgestörter Patienten und Schweregradbestimmung (keine Diagnose) S 15–20 min kein Cut-off Skalenwerte und Gesamtscore werden zu normierten Perzentilwerten aus Stichproben essgestörter oder unauffälliger Personen in Beziehung gesetzt
normiert
ab 12. Lj.
Anwendungsgebiete: Forschung, Therapieplanung und -verlaufskontrolle
Kurz- und Langform verfügbar
Strukturiertes Inventar für anorektische und bulimische Essstörungen (SIAB)
Fichter und Quadflieg 1999
Diagnostizierung von Essstörungen nach DSM-IV und ICD-10 S & I ca. 30 min Auswerteblätter zu Subskalen und Diagnosen
Algorithmen zur Erstellung von Subskalen und Diagnosen
Normiert
12–65 Jahre
Anwendungsgebiete: Diagnostik, Baseline-Bestimmung, Verlaufsevaluation
Experteninterview (SIAB-EX) und Selbsteinschätzungsfragebogen (SIAB-S)
Schlafstörungen
Pittsburger Schlafqualitäts-Index (PSQI)
Riemann und Backhaus 1996; CIPS 2015
Erfassung verschiedener Bereiche des Schlafverhaltens zur Erstellung eines globalen Urteils S & F 10 min
  • 0–7: Normalbereich

  • 7–14: durchschnittliche Tagesmüdigkeit

  • 10–15: erhöhte Tagesmüdigkeit

  • ≥ 15: sehr hohe Tagesmüdigkeit

  • gesunde Schläfer: ≤ 5 Punkte

  • schlechte Schläfer: 6–10

  • chronisch schlechte Schläfer: ≥ 10

Erwachsene
Anwendungsgebiete: Diagnostik, Therapie
FR durch Partner/Mitbewohner
Strukturiertes Interview für Schlafstörungen nach DSM-III-R (SIS-D)
Schramm et al. 1991
Erfassung chronisch verlaufender Schlafstörungen unterschiedlicher Ätiologie, sowie Bestimmung von Schwere- und Remissionsgrad I 30 min (davon 10 min für Einleitungsgespräch) Kodierung der Diagnosen auf separatem Übersichtsblatt Erwachsene
Anwendungsgebiete: Diagnostik, Forschung
Persönlichkeitsstörungen
Beck-Inventar für kognitive Schemata (B-IKS)
Fydrich 2002
Erfassung von stark ausgeprägten Persönlichkeitsmerkmalen (keine Persönlichkeitsstörung) S 15–20 min kein Cut-off
Auswertung erfolgt für jede der neun Skalen isoliert.
1= niedrige Ausprägung
5 = hohe Ausprägung
ab 17. Lj.
Anwendungsgebiete: Eingangsdiagnostik, Identifikation dysfunktionalen Interaktionsgewohnheiten
Borderline-Persönlichkeits-Inventar (BPI)
Leichsenring 1997
Erfassung der Borderline-Persönlichkeitsorganisation S 15–20 min ≥ 10 Punkte: Vorliegen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung
normiert
Erwachsene
Anwendungsgebiete: Screening-Instrument, Diagnostik, Verlaufsmessung, epidemiologische Studien
Borderline Symptom Liste 95 (BSL-95)
Bohus et al. 2001
Erfassung des Ausmaßes der intrapsychischen Belastung S ca. 20 min Auswertung durch Prozentrangnormen
normiert
Erwachsene
Anwendungsgebiete: Veränderungs- und Schweregradmessung
auch Kurzform vorhanden
International Personality Disorder Examination, IDC-10 Modul (IPDE)
Mombour et al. 1996
Erfassung von Persönlichkeitsstörungen nach ICD-10 I 1,5–4 h (je nach Umfang der Störung) computergestützte Auswertung
normiert
ab dem 18. Lj.
Anwendungsgebiete: Diagnostik, Screening-Fragebogen im Vorfeld des Interviews
nicht geeignet für: schwere Depression, Psychose, Intelligenz unterhalb des Normbereichs, andere wesentliche kognitive Störungen
Impulskontrollstörungen
Brief Biosocial Gambling Screen (BBGS)
Gebauer et al. 2010
Erfassung von pathologischen Glücksspiel-Verhalten in den letzten 12 Monaten S 1 min „Ja“ auf eine oder mehr der drei Fragen → wahrscheinliches Anzeichen für pathologisches Spielen keine Altersangabe
Anwendungsgebiet: Screening-Instrument
Muss vor dem Einsatz übersetzt werden, wird aber als Screening-Instrument gerne eingesetzt
Deutsche Übersetzung bei Erbas und Buchner 2012
Kurzfragebogen zum Glücksspielverhalten (KFG)
Petry und Baulig 1996
Erfassung des Vorliegens einer behandlungsbedürftigen pathologischen Glücksspielproblematik bzw. des Schweregrades S 5–10 min ≤ 16 Punkte → behandlungsbedürftige Spielerproblematik Jugendliche und Erwachsene
Anwendungsgebiete: Screening-Instrument, Forschung
Autismus
Diagnostisches Interview für Autismus – Revidiert (ADI-R)
Bölte et al. 2006
(Differenzial-)Diagnostik einer tief greifenden Entwicklungsstörung, insbesondere des frühkindlichen Autismus nach den Kriterien von ICD-10 und DSM-IV-R I ca. 10–20 min Auswertung durch „diagnostische“ und „Aktuell-Algorithmen“ ab 3. Lj.
Anwendungsgebiete: Diagnostik, Interventionsplanung, Ursachenforschung, Komorbidität
Interviewpartner: enge Bezugsperson
Adult Asperger Assessment (AAA)
Baron-Cohen et al. 2005
Erfassung autistischer Störungen im Erwachsenenalter S ca. 10–20 min Cut-off: AQ: > 32EQ: < 30 Erwachsene
Anwendungsgebiet: Screening-Instrument
enthält: Autismus-Spektrum-Quotienten (AQ), Empathie-Quotienten (EQ) und Erweiterung der DSM-IV-Kriterien
ADHS
Homburger ADHS-Skalen für Erwachsene (HASE)
Rösler et al. 2008
Untersuchungsverfahren zur syndromalen und kategorialen Diagnostik der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter S & F & I 10–30 min vier Einzeltestverfahren:
  • 1.

    Die Wender Utah Rating Scale – deutsche Kurzform (WURS-K)

  • 2.

    ADHS-Selbstbeurteilungsskala (ADHS-SB)

  • 3.

    ADHS-Diagnostische Checkliste (ADHS-DC)

  • 4.

    Wender-Reimherr-Interview (WRI)

ab 18. Lj.
Anwendungsgebiete: Screening, Schweregradbeurteilung, Diagnostik
Conners Skalen zu Aufmerksamkeit und Verhalten für Erwachsene (CAARS)
Christiansen et al. 2014
Erfassung von ADHD bei Erwachsenen S & F 10–15 min Umwandlung der Rohwerte in T-Scores:
T-Score 65 = auffällig
je mehr Subskalen ≤ 65, desto höher Wahrscheinlichkeit einer ADHS
normiert
ab 18. Lj.
Anwendungsgebiete: Diagnostik, Verlaufsmessung Kurz-, Lang- und Screeningform
Fremdreport: enge Vertraute
Tic-Erkrankungen
Yale-Tourette-Syndrom-Symptomliste (YTSSL)
Rothenberger 1991
Erfassung von Tic-Symptomatik S & F ca. 5–10 min Beurteilung von Symptomlisten keine Altersangaben
Anwendungsgebiete: Diagnostik, Veränderungsmessung, Verlaufsdokumentation
Rating durch Mutter/Vater/andere möglich
Yale-Globale-Tic-Schweregrad-Skala (YGTSS)
Leckmann 1989
Schweregrad von Tic-Symptomen hinsichtlich einer Reihe von Dimensionen F ca. 5–10 min zunächst Beurteilung des Tic-Inventars, dann Fragen zu jedem der einzelnen Merkmale keine Altersangabe
Anwendungsgebiet: nicht näher angegeben
Nicht stoffgebundene Süchte
Computerspielabhängigkeitsskala (KFN-CSAS-II)
Rehbein et al. 2010
Erfassung von Computerspielabhängigkeit S ca. 5 min
  • 35–41 = Person gefährdet

  • 42–56 = computerabhängig

  • normiert

Jugendliche und Erwachsene
Anwendungsgebiet: Screening-Instrument
South Oaks Gambling Screen (SOGS)
Schinckel und Hand 2003
Identifikation von pathologischen Spielern S ca. 5 min 20 Items: Cut-Off bei 5
  • kein Problem: 0

  • potenzielle Spielsucht: 1–4

  • pathologische Spielsucht: ≥ 5

keine Altersangabe
Anwendungsgebiet: Screening-Instrument
Für Jugendliche in revidierter Fassung
Achtung: Überschätzt Anteil pathologischer Spiele in Allgemeinbevölkerung, entwickelt für das klinische Setting
Internetsuchtskala (ISS)
Hahn und Jerusalem 2010
Erfassung von Internetsucht S Ca. 5–10 min 20 Items, 4-Punkte-Likert-Skala
  • 50–59 = „internetsuchtgefährdet“

  • ab 59 = internetabhängig

Jugendliche und Erwachsene
Anwendungsgebiet: Screening-Instrument
Schmerz
Deutscher Schmerzfragebogen (DSF)
Deutsche Schmerzgesellschaft
Arbeitskreis „Standardisierung und Ökonomisierung der Schmerztherapie“ 2015
Screening auf psychisches Befinden, Schmerzbeschreibung, Komorbiditäten und Vorbehandlungen S ca. 76 min Schweregrad Schmerz:
0 = keine Schmerzen
1 = geringe Schmerzintensität und geringe Beeinträchtigung
2 = hohe Schmerzintensität/geringe Beeinträchtigung
3 = hohe schmerzbedingte Beeinträchtigung, mäßig limitierend
4 = hohe schmerzbedingte Beeinträchtigung, stark limitierend
psychisches Befinden: Cut-off: ≤ 10 Punkte
keine Altersangaben
subjektiver Bericht des Patienten und standardisierte Erhebung im Rahmen des biopsychosozialen Modells des Schmerzes
Anwendungsgebiet: Screening-Verfahren
erweiterbar durch Verlaufsfragebogen und Schmerztagebuch
Schmerzempfindungs-Skala (SES)
Geissner 1996
Charakterisierung und Quantifizierung der Schmerzempfindung S 5–10 min Auswertung durch Bildung von Summenscores normiert ab 16. Lj.
Anwendungsgebiet: Screening-Instrument

1

Fremdbeurteilungsverfahren

2

Selbstbeurteilungsverfahren

3

Interview

Fremd- und Selbstbeurteilungsverfahren bei psychischen Erkrankungen

Ulrich Voderholzer

Christina Neumayr

Rolf-Dieter Stieglitz

  • 35.1

    Definition und grundlegende Charakteristika561

  • 35.2

    Praktischer Einsatz und Anwendung562

  • 35.3

    Übereinstimmung von Fremd- und Selbstbeurteilungsverfahren562

  • 35.4

    Vor- und Nachteile psychodiagnostischer Beurteilungsverfahren563

  • 35.5

    Gütekriterien psychodiagnostischer Beurteilungsverfahren564

  • 35.6

    Limitationen564

Definition und grundlegende Charakteristika

Nicht nur in der Forschung, sondern auch in der Praxis können Fremd- und Selbstbeurteilungsverfahren bei der Diagnostik und Therapie psychischer Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen. Bei Selbstbeurteilungsverfahren führt eine Selbstbeobachtung des Patienten zu einer Selbsteinschätzung Selbstbeurteilungsverfahrenoder -registrierung seines Erlebens oder Verhaltens (Stieglitz und Freyberger 2001; Stieglitz 2004). Der gesamte Beurteilungsprozess liegt damit aufseiten des Patienten (Stieglitz 2012). Meist handelt es sich hierbei um standardisierte Verfahren (Festlegung von Durchführung, Auswertung und Interpretation) wie das Beck-Depressions-Inventar (BDI II; Hautzinger et al. 2009). Mithilfe von Selbstbeurteilungsverfahren können auch Persönlichkeitsmerkmale in State- und Trait-Merkmale unterschieden und psychische Erkrankungen sowohl ein- als auch mehrdimensional abgebildet werden (Stieglitz und Freyberger 2001; Zaudig 2009). Ferner sind eine Selektion bzw. ein Screening von Patienten und eine Evaluation der Therapie sowie das Fällen von Therapieentscheidungen möglich (Laireiter 2005). Auf diese Weise können häufige klinisch relevante Informationen schnell und einfach erhoben werden (Stieglitz und Freyberger 2001; Stieglitz 2007). Selbstbeobachtungen, die ausschließlich durch den Patienten zugänglich sind, wie Stimmung oder Befindlichkeit, sind nur mit dieser Untersuchungsform erhebbar (Stieglitz und Freyberger 2001).
Fremdbeurteilungsverfahren hingegen ziehen eine Fremdeinschätzung durch Diagnostiker, FremdbeurteilungsverfahrenFamilienmitglieder, Lehrer usw. nach sich (Stieglitz et al. 2001; Stieglitz 2004). Der Bewertungsprozess liegt hier aufseiten eines unabhängigen Urteilers unter Einbeziehung eigener Beobachtungen und Aussagen des Patienten. Eine Fremdbeurteilung kann z. B. durch die Hamilton Depressionsskala (HDRS; Hamilton 1986; CIPS 2015) erfolgen. Fremdbeurteilungsverfahren stellen immer eine eigenständige Informationsquelle dar und sind besonders dann von Vorteil, wenn eine Selbstauskunft vonseiten des Patienten nicht, nur teilweise oder nur unzuverlässig möglich ist – wie z. B. bei dem Störungsbild der Schizophrenie (Stieglitz et al. 2001; Stieglitz 2004). Auch auf Fremdbeurteilungen basieren die sog. diagnostischen Interviews (z. B. Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV, SKID). Diese stellen jedoch eine eigene Verfahrensgruppe dar (Stieglitz 2012). Sie dienen der Diagnosestellung in Bezug auf ein Klassifikationssystem wie DSM-5 oder ICD-10.

Praktischer Einsatz und Anwendung

Die Einsatzmöglichkeiten von Ratingskalen in Forschung und Praxis sind vielseitig. So zählen die Basisdokumentation, die Qualitätssicherung, das Screening von Patienten, die Schweregradbestimmung eines bestimmten Syndroms, die Anwendung von Selektionskriterien in Studien, die Indikationsstellung für eine Behandlung und die Evaluation von Therapieerfolgen zu den Hauptaufgaben von Beurteilungsverfahren (Stieglitz 2012); sie können jedoch auch zur Diagnosestellung beitragen. Trotz dieser vielfältigen Möglichkeiten finden diese Verfahren in der Praxis oft immer noch zu wenig Beachtung. Begründet wird dies meist mit einem zu großen Zeitaufwand, z. T. hohen Kosten und dem zu geringen klinischen Nutzen. Verschiedene Studien haben jedoch zeigen können, dass sich der Therapieerfolg bei Anwendung von Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren beträchtlich verbessern lässt, da der Behandler bei z. B. wiederholter Anwendung Rückmeldung über die Therapie bekommt und damit die Gelegenheit erhält, diese ggf. bei zu geringem Fortschritt zu korrigieren (Tarescavage und Ben-Porath 2014; Stieglitz 2014 2018). Jedoch auch unter dem Aspekt der Dokumentation der eigenen Leistung und des Erfolgs von Behandlungen ist dies von Bedeutung (Stichwort: Qualitätssicherung). Zusammenstellungen von Verfahren, die in der Psychotherapie eingesetzt werden können, finden sich bei Stieglitz und Freyberger (2017), konzeptuelle Überlegungen bei Stieglitz und Spitzer (2018).
Wer bei der Verwendung von psychodiagnostischen Verfahren unsicher ist, welches Verfahren zu wählen ist, kann z. T. die Leitlinien zum jeweiligen Krankheitsbild, sofern vorhanden, zu Rate ziehen. Diese empfehlen z. B. bei der Behandlung von unipolaren Depressionen zur Ermittlung des Therapieerfolgs die folgenden Verfahren (DGPPN 2016):
  • Selbstbeurteilung (z. B.):

    • Gesundheitsfragebogen für Patienten, Patient Health Questionnaire-Depression (PHQ-D)

    • Beck-Depressions-Inventar (BDI-II)

    • Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS)

    • Geriatrische Depressionsskala (GDS)

    • Fragebogen zur Depressionsdiagnostik (FDD)

  • Fremdbeurteilung (z. B.):

    • Hamilton-Depression-Rating-Skala (HDRS)

    • Bech-Rafaelsen-Melancholie-Skala (BRMS)

    • Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale (MADRS).

Übereinstimmung von Fremd- und Selbstbeurteilungsverfahren

Hinsichtlich der Korrespondenz beider Verfahrensgruppen liegen zahlreiche Studien, vor allem zu depressiven Syndromen, vor (Stieglitz 2008). Die Höhe der Korrelationen schwankt zwischen gering bis mittel; selten ist sie hoch. Wenige Studien haben die Selbst- und Fremdbeurteilungsversionen korrespondierender diagnostischer Verfahren hinsichtlich der Übereinstimmung der beiden Varianten überprüft. Schaible et al. (2001) kommen z. B. bei einer näheren Untersuchung der Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale (Y-BOCS; Goodman et al. 1991), zu der seit einigen Jahren auch Selbstbeurteilungsversionen existieren (Baer 2007), zum Ergebnis, dass beide Versionen als austauschbar anzusehen sind und dass es nur geringe Unterschiede bei der Verwendung bzw. den Ergebnissen der beiden Varianten gibt. Zu einem ähnlichen Schluss kommen Fichter und Quadflieg (2000) bei einem Vergleich des SIAB-EX (Experteninterview) und des SIAB-S (Selbsteinschätzungsfragebogen), denn die Fremdbeurteilungsversion erwies sich dann als Vorteil, wenn komplexe psychologische Symptombilder abgefragt wurden (z. B. Bingeing). Weiterhin ergab ein Vergleich der Interview- (EDE) und Fragebogenversion (EDE-Q) des Eating Disorder Examination (Hilbert und Tuschen-Caffier 2006) ein differenzierteres Bild: Die allgemeine diagnostische Übereinstimmung der beiden Verfahren war nur moderat. Generell gilt jedoch über alle Störungsgruppen hinweg, dass Fremd- und Selbstbeurteilung sich nicht ersetzen können, da sie unterschiedliche Perspektiven darstellen. Ihnen kommt somit eine sich ergänzende, komplementäre Funktion zu. Für die Praxis kann daher die Empfehlung ausgesprochen werden, möglichst Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren einzusetzen.

Vor- und Nachteile psychodiagnostischer Beurteilungsverfahren

Es kann festgehalten werden, dass Selbstbeurteilungsverfahren eher einen globalen Eindruck vom Patienten vermitteln und Fremdbeurteilungsverfahren eingesetzt werden sollten, wenn spezifische Aspekte der Symptomatik und von Beeinträchtigungen differenziert und änderungssensitiv erfasst werden sollen (Paykel und Norton 1986). Komplexe diagnostische Fragestellungen sind schwierig mithilfe einer Selbstbeurteilung zu erfassen (z. B. aufgrund von eventuellen Verständnisschwierigkeiten des Patienten hinsichtlich einer bestimmten Symptomatik), wohingegen intrapsychische Phänomene (z. B. Stimmungen) vorzugsweise auf diese Weise erhoben werden sollten. Eine Übersicht der Vor- und Nachteile von Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren findet sich in Tab. 35.1.

Gütekriterien psychodiagnostischer Beurteilungsverfahren

Ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl und der Beurteilung von diagnostischen Verfahren in der Psychiatrie ist der sichere Umgang und die Einschätzung von Testgütekriterien (Bühner 2004). Hierbei werden Haupt- und Nebengütekriterien unterschieden. Zu den Hauptgütekriterien zählen Objektivität, Reliabilität und Validität. Objektivität bezeichnet den Grad, mit dem die Ergebnisse einer Beobachtung unabhängig vom Beobachter sind. Verschiedene Arten der Objektivität können unterschieden werden: Durchführungs-, Auswertungs- und Interpretationsobjektivität. Unter Reliabilität versteht man den Grad der Genauigkeit, mit der ein Test ein bestimmtes Merkmal misst. Dabei ist es irrelevant, ob der Test das Merkmal auch zu messen beansprucht. Man kann weiterhin zwischen den verschiedenen Reliabilitätsarten „Interne Konsistenz“ bzw. „Split-Half-Reliabilität“, „Retest-Reliabilität“ und „Paralleltest-Reliabilität“ differenzieren. Bei Fremdbeurteilungsverfahren ist zusätzlich die „Interrater-Reliabilität“ von zentraler Bedeutung, d. h. das Ausmaß, in dem unterschiedliche Untersucher zu möglichst ähnlichen Erlebnissen kommen. Schließlich gibt Validität das Ausmaß an, in dem ein Test das misst, was er zu messen vorgibt. Hier kann z. B. zwischen Kriteriums-, Inhalts- und Konstruktvalidität getrennt werden. Bezogen auf psychische Störungen ist besonders auf das Kriterium der Änderungssensitivität hinzuweisen, d. h. die Möglichkeit des wiederholten Einsatzes eines Verfahrens im Behandlungsverlauf (Stieglitz und Hiller 2014).
Zu den Nebengütekriterien zählen Normierung, Vergleichbarkeit, Ökonomie, Nützlichkeit, Zumutbarkeit, Fairness und Nichtverfälschbarkeit eines diagnostischen Verfahrens (Bühner 2004). Diese werden z. T. auch als anwendungsbezogene Evaluationskriterien bzw. Nützlichkeitskriterien bezeichnet (Stieglitz 2012).

Limitationen

Aktuell existiert eine kaum noch zu überblickende Fülle von Ratingverfahren, die in der Psychiatrie und Psychotherapie eingesetzt werden können (Übersichten finden sind z. B. bei: CIPS 2015; Geue et al. 2016; Schumacher et al. 2003; Strauss und Schumacher 2005; Stieglitz und Freyberger 2017). Die folgende ausführliche Übersicht (Tab. 35.2) hat daher auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll einen Überblick über die wichtigsten Beurteilungsverfahren für die Erfassung der häufigsten psychischen Erkrankungen, die in der ICD-10 gelistet sind, geben (für eine umfassende Zusammenstellung und Übersicht vgl. auch Stieglitz et al. 2001), die zudem auf Deutsch verfügbar sind. Aufgrund der unterschiedlichen Fragestellungen, mit der ein Diagnostiker konfrontiert ist, wurde versucht, Selbst- und Fremdbeurteilungsverfahren sowie Interviews gleichgewichtig darzustellen. Wenn eine Normierung vorliegt bzw. ein spezifisches Anwendungsgebiet eines Verfahrens im Manual genannt wird, findet dies zusätzlich Erwähnung. Limitierend wirkt auf die Tabelle der inhaltliche Umfang der Spalte „Auswertung“: Es wurde versucht, einen kurzen, pragmatischen Einblick in die Auswertung eines Verfahrens zu geben, der niemals erschöpfend sein kann. Die Angaben dienen zur groben Einschätzung und Übersicht. Es ist notwendig, bei jedem Beurteilungsverfahren das Testmanual zu Rate zu ziehen. Auch eine umfassende Einschätzung der Gütekriterien eines Tests kann nur anhand der einzelnen Testmanuale vorgenommen werden (Bühner 2004). Sollten diese für ein bestimmtes Verfahren nicht vorhanden sein, so muss auf Einzelpublikationen zurückgegriffen werden (Stieglitz 2012). Weiterhin sollte sich die Auswahl eines diagnostischen Verfahrens auch an der Normierung, dem Bekanntheitsgrad, der internationalen Akzeptanz und der zeitlichen Ökonomie der Durchführung orientieren (Stieglitz 2012).

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