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B978-3-437-23021-9.00009-6

10.1016/B978-3-437-23021-9.00009-6

978-3-437-23021-9

Abb. 9.1

[J808-004]

Cannabisblätter

Abb. 9.2

[J808-005]

Weibliche Hanfpflanze

Abb. 9.3

[J808-006]

Männliche Hanfblüte

Abb. 9.4

[J808-007]

Hanfsamen

Abb. 9.5

[J808-008]

Weibliche Blüte mit Ausscheidungen der Trichome

Abb. 9.6

[J808-009, J808-010]

Cannabis sativa (a) und Cannabis indica LAM (b)

Abb. 9.7

[J808-011]

Cannabisarten

Abb. 9.8

Die PhytoFacts®-Analyse des ChemovarsCannabis/CannabinoideChemovar offenbart eine Typ-III-CBD-prädominante Pflanze mit einem THC/CBD-Verhältnis von 1 : 46,6 mit hohen Titern von Limonen, Caryophyllen, Humulen und α-Pinen, aber mit relativ niedrigem Myrcengehalt. Von einem solchen Chemovar würde man erwarten, dass er nicht sediert, gute entzündungshemmende und analgetische Wirkung hat und auch in der Behandlung von Depression, Angst und Sucht anwendbar ist (Russo 2017). Weitere Beispiele für Klassifizierungen dieser Art finden sich auf der Webseite von PhytoFacts® (https://phytofacts.info/archetypes).

Auf dem deutschen Arzneimittelmarkt aktuell zugelassene cannabishaltige Medikamente (Bussik und Eckert-Lill 2017) Cannabis/Cannabinoideals Medikamentzugelassene Präparate

Tab. 9.1
Bezeichnung NRF-Nummer THC-Gehalt CBD-Gehalt
Dronabinol Kapseln 22.7 2,5/5/10 mg 0
Ölige Dronabinol Tropfen 22.8 25 mg/ml 0
Ölige Cannabidiol-Lösung 22.10 0 50 mg/ml
Ölige Cannabisölharz-Lösung 22.11 25 mg/ml ?
Cannabisblüten zur Inhalation nach Verdampfung 22.12 Je nach Sorte, s. u. Je nach Sorte, s. u.
Cannabisblüten in Einzeldosen zur Inhalation nach Verdampfung 22.13 Je nach Sorte, s. u. Je nach Sorte, s. u.
Cannabisblüten zur Teezubereitung 22.14 Je nach Sorte, s. u. Je nach Sorte, s. u.
Cannabisblüten in Einzeldosen zur Teezubereitung 22.15 Je nach Sorte, s. u. Je nach Sorte, s. u.
Ethanolische Dronabinol-Lösung 10 mg/ml zur Inhalation 22.16 10 mg/ml 0
In Deutschland verfügbare Cannabissorten THC-Gehalt in % CBD-Gehalt in %
Bedrocan 22 < 1
Bedica 14 < 1
Bedrobinol 13,5 < 1
Bediol 6,3 8
Bedrolite < 1 9
Pedanios 22/1 22 < 1
Pedanios 18/1 18 < 1
Pedanios 16/1 16 < 1
Pedanios 14/1 14 < 1
Pedanios 8/8 8 8
Princeton (MCTK007) 16,5 < 0,05
Houndstooth (MCTK001) 13,5 < 0,05
Penelope (MCTK002) 6,7 10,2
Argyle (MCTK005) 5,4 7

Cannabis-KonsumpräparationenCannabis/CannabinoideKonsumpräparationen

Tab. 9.2
Getrocknete Blüten (Marihuana, Grass), werden pur oder mit Tabak vermischt geraucht
Haschisch aus Marokko, ist trotz „Crop-eradication“-Programmen immer noch auf dem Markt
Haschisch aus Afghanistan
Haschisch „minderer Qualität“
„Thai Sticks“, früher übliche Handelsform von Cannabis in Thailand
Space Cake, cannabishaltiger Kuchen
Haschischöl, öliger Cannabisextrakt
BHO („butane hash oil“)
Weitere Präparationen:
  • Haschisch aus dem Bekaa-Tal im Libanon. Die Produktion hat sich von der Ebene des Tals in die vom Staat nicht kontrollierbaren Stammesgebiete verschoben

  • Nepalesische „Temple Balls“

  • Marokkanisches Majoun, ein Konfekt, das z. B. bei Hochzeiten in Marokko verzehrt wird

Cannabis

Robert Hämmig

Ulrich W. Preuss

Michael Soyka

  • 9.1

    Einleitung144

  • 9.2

    Eine kulturhistorische Betrachtung aus medizinischer Sicht144

    • 9.2.1

      Das Wort „Cannabis“: Etymologie144

    • 9.2.2

      Botanik145

    • 9.2.3

      Nutzung des Hanfs im Altertum147

    • 9.2.4

      Vom Altertum zur Moderne149

    • 9.2.5

      Cannabis im19. Jahrhundert149

    • 9.2.6

      Cannabis im20. Jahrhundert154

  • 9.3

    Das Endocannabinoid-System155

  • 9.4

    Die Phytocannabinoide155

    • 9.4.1

      Cannabis156

    • 9.4.2

      Andere Pflanzen157

  • 9.5

    Synthetische Cannabinoide157

  • 9.6

    Cannabinoide in der Medizin158

    • 9.6.1

      Cannabis als Medikament158

    • 9.6.2

      Indikationen160

  • 9.7

    Cannabis als sogenannte Freizeitdroge163

    • 9.7.1

      Cannabiskonsum im gesellschaftlichen Kontext164

  • 9.8

    Cannabis als Problem165

    • 9.8.1

      Cannabis-Konsumformen165

  • 9.9

    Cannabisbezogene Störungen166

    • 9.9.1

      Akute Cannabisintoxikation166

    • 9.9.2

      Cannabisentzug167

    • 9.9.3

      Effekte des Cannabis-Langzeitkonsums167

    • 9.9.4

      Cannabis, Schizophrenie und andere psychische Störungen168

    • 9.9.5

      Behandlung der Cannabisabhängigkeit169

  • 9.10

    Fazit für die Praxis170

Kernaussagen

  • Cannabis/CannabinoideDie Cannabispflanze, welche die Menschheit seit Jahrtausenden begleitet, wird vielfältig genutzt:

    • als Lieferant für Fasern zur Herstellung von Tüchern, Schnüren, Seilen und Papier,

    • als Nahrungsmittel (Samenkörner und Öl),

    • als Medizin für Mensch und Tier sowie als Genussmittel.

  • Im 19. Jh. hielt Cannabis Einzug in die moderne westliche Medizin und wurde auch als „Freizeitdroge“ genutzt. Aus dieser Zeit stammen detaillierte phänomenologische Beschreibungen der Effekte. Noch blieb aber der Wirkmechanismus völlig unklar.

  • Die erste Hälfte des 20. Jh. ist das „dunkle Zeitalter“ des Cannabis, in dem das Forschungsinteresse erlahmte. In der zweiten Hälfte erlebte das Interesse an Cannabis eine Renaissance, nachdem die Hippiekultur Cannabis zu ihrer Hauptdroge machte, das Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) als wichtigstes psychoaktives Prinzip entdeckt und das Endocannabinoid-System als Zielorgan identifiziert wurde.

  • THC und CBD (Cannabidiol) werden heute als Medikamente eingesetzt. Es besteht je nach Störungsbild unterschiedliche wissenschaftlich erhärtete Evidenz, dass sie bei einigen Krankheitszuständen wirksam sind. Aufgrund der vielen in Cannabis enthaltenen Wirkstoffe sind die therapeutischen Effekte bisher noch lange nicht alle bekannt und ausgeschöpft.

  • Daneben ist Cannabis weiterhin das am weitesten verbreitete Genussmittel, das in den meisten Ländern als „illegal“ gilt. Die Großzahl der Konsumenten trägt keine nachweisbaren Konsumschäden davon, ein Teil entwickelt jedoch eine Abhängigkeit. Massiver langzeitlicher Cannabiskonsum führt vor allem zu kognitiven und sozialen Schäden. Besonders vulnerabel sind Kinder und Jugendliche.

  • Als Ausstiegshilfe aus der Cannabisabhängigkeit kann Psychotherapie nützlich sein. Eine unterstützende Pharmakotherapie ist nicht bekannt.

  • Derzeit wird aktiv zur Pharmakologie von Cannabinoiden und den Wirkungen auf neuronale Netzwerke geforscht, und fast täglich werden neue Erkenntnisse publiziert.

Einleitung

Cannabis/CannabinoideGeschichteUnter den weltweit kontrollierten und in der Regel verbotenen Drogen wird Cannabis mit Abstand am häufigsten konsumiert. Das United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) schätzt im World Drug Report 2017 (neuste Zahlen von 2015), dass 183 Mio. Menschen Cannabis konsumieren. Gleichzeitig wurden weltweit 5.781 Tonnen Cannabispflanzen und 1.536 Tonnen Cannabisharz polizeilich beschlagnahmt. Die Konsumentenzahlen sind parallel zum Bevölkerungswachstum leicht steigend (UNDOC 2017).
Cannabis hat eine lange Geschichte, die – soweit heute bekannt – bis in die Steinzeit zurückreicht. Es gibt abertausende Seiten Literatur zu Cannabis, sodass ein Gesamtüberblick über alle Publikationen nicht mehr möglich ist. Einige z. T. auch sehr alte Dokumente bleiben nach wie vor bemerkenswert und sind für das Verständnis des individuellen und gesellschaftlichen Phänomens Cannabis dienlich.
Hitzig wird bis zum heutigen Tag die Gefährlichkeit von Cannabis diskutiert. Es setzt sich jedoch zunehmend die Erkenntnis durch, dass Cannabis durchaus auch positive Wirkungen haben kann. Im Januar 2017 beschloss der Deutsche Bundestag mit Inkrafttreten im März 2017, die medizinische Nutzung von Cannabinoiden unter bestimmten Voraussetzungen zu ermöglichen. Generell gilt auch für die Cannabispolitik wie für die Politik zu allen anderen Drogen, dass für Polizei, Justiz, Zoll, Strafvollzug etc. mehr Geld als für Prävention, Therapie und Schadensminderung zusammen ausgegeben wird. Das Ziel dabei wäre, den Konsum zu verhindern. Der Erfolg lässt sich an den oben erwähnten Zahlen des UNODC ablesen, aber es wird argumentiert, dass man so „schlimmeres“ verhindere. Die für die Gesellschaft schädlichen Begleitfolgen wie Schattenwirtschaft, Korruption, kriminelle Organisationen, Bandenkriege u. Ä. werden in der Debatte meist beiseitegeschoben.
In dieser Kontroverse zum Thema „Cannabis“ helfen auch die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft noch wenig. So findet man heute als möglichen Lichtblick die höchst ambivalente Situation, dass Cannabis in einigen US-amerikanischen Bundesstaaten völlig legalisiert ist und in anderen schon der Besitz kleiner Mengen im Wiederholungsfall zu hohen Gefängnisstrafen führt. In der „NZZ am Sonntag“ vom 31.7.2016 fand sich auf Seite 33 die Notiz, dass in der Woche zuvor die erste Cannabis-Produktionsfirma „Canopy Growth Corporation“ an der Börse von Toronto kotiert worden war. Die Geschichte ist also noch lange nicht zu Ende.

Eine kulturhistorische Betrachtung aus medizinischer Sicht

Das Wort „Cannabis“: Etymologie

Cannabis/CannabinoideEtymologieDer Duden von 1996 meint dazu „Cannabis, der; - [griech.-lat.] (Hanf; auch für Haschisch). Unter Letzterem findet sich der Eintrag: „Haschisch, das, auch der; -[s] [arab.] (ein Rauschgift)“. Der Macht des Faktischen gehorchend, wurde beim Online-Duden jetzt auch noch das Geschlechtswort „das“ als Möglichkeit zugefügt. Etymologisch ist Cannabis ein lateinisches Wort, das dem griechischen κάνναβις (kánnabis) entspricht. Letzteres wiederum ist die Übertragung eines skythischen oder thrakischen Wortes. Die Skythen sprachen einen indoiranischen Dialekt. Die Ähnlichkeit der Wörter für Cannabis in den indoeuropäischen Sprachen spricht dafür, dass ab dem späten Paläolithikum die Pflanze die Menschen auf ihrer Wanderung begleitet hat. Sogar das deutsche Wort „Hanf“ (engl. „hemp“, altengl. „hænep“) geht auf „hanap“ zurück, das nach dem Gesetz der ersten Lautverschiebung auf „kanap“ zurückgeführt werden kann. Vielleicht stellt sich die Etymologie des Wortes Cannabis ganz anders dar. Mechoulam et al. (1991) stellten eine semitische Etymologie auf: griech. „kannabis“ < arab. „kunnap“ < syr. „qunnappa“ < hebr. „pannag“.
So oder so: Im Lateinischen ist Cannabis weiblich. Dieses Geschlecht führte Cannabis noch im Fremdwörterbuch von Petri in der Auflage von 1911. Dem Lateinkundigen dürfte sich entsprechend die Stirn krausen, wenn er liest „der Cannabis sativa“ (sativus = gesät). Diese Verwirrung ist allerdings für alle im Zusammenhang mit Hanf stehenden Themen bezeichnend.
Andere Namen für Cannabis wie „Bhang“ und „Ganja“ entstammen dem Sanskrit, „Dagga“ dem südafrikanischen Koikhoi, „Kif“ dem marokkanischen Arabisch und „Haschisch“ dem Arabischen. „Marihuana“ ist eine mexikanische Erfindung des 19. Jh., popularisiert durch den US-amerikanischen Drogenjäger Harry J. Anslinger. „Shit“, „Piece“, „Grass“, „Pot“ sind Neuerfindungen des 20. Jh. Daneben gibt es noch Dutzende andere Namen für Cannabis (Rätsch 1998). „Sinsemilla“ bezeichnet samenlose Cannabisblüten (die unbefruchteten Blüten zögern ihr Verwelken durch vermehrte Harzproduktion hinaus). „Skunk“ ist eigentlich einfach eine potente Kreuzung, wird jedoch fälschlicherweise mit THC-reichen und CBD-armen Sorten gleichgesetzt.

Merke

Cannabis und Hanf sind miteinander verwandte indoeuropäische Begriffe. Daneben entstammen weitere traditionelle Begriffe für Drogenhanf dem Sanskrit, dem Arabischen und dem afrikanischen Koikhoi. Andere Begriffe sind Neuschöpfungen des 19. und 20. Jh.

Botanik

Cannabis/CannabinoideBotanikHanfHanf siehe Cannabis/Cannabinoide ist eine krautige Pflanze der Ordnung „Rosenartige“, der Familie „Hanfgewächse (Cannabaceae)“ und der Gattung „Hanf (Cannabis L.)“. Die einjährigen, in der Regel stammförmigen Pflanzen sind zweihäusig (diözisch), d. h., es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Aber auch monözische Pflanzen kommen vor, bei der sich weibliche und männliche Blüten entwickeln. Unter gewissen klimatischen Bedingungen (z. B. auf Jamaika) sind auch zwei Ernten pro Jahr möglich, unter Gewächshausbedingungen auch drei oder sogar vier.
Die grünen Blätter der Pflanze sind fingerförmig mit einem gezackten Rand. Die Zahl der Finger der Blätter variiert und ist unten am Stamm der Pflanze geringer als weiter oben (Abb. 9.1).
Die weiblichen Blüten sind traubenförmig angeordnet und am oberen Ende der Pflanze am dichtesten (Abb. 9.2). Die männlichen Blüten sind in Rispen angeordnet und haben das Aussehen von „kleinen Hoden“ (Abb. 9.3). Männliche Pflanzen sind kleiner als weibliche und werden auch „Femel“ oder „Fimmel“ genannt, abgeleitet aus lat. „femella“, einer poetischen Verkleinerungsform von „femina“. Man konnte sich offensichtlich nicht vorstellen, dass die „schwächlicheren“ die Männchen sein sollen. Große weibliche Pflanzen können abhängig von der Art bis zu mehrere Meter hoch werden. Die männlichen Pflanzen werden früher reif als die weiblichen und sterben nach der Blüte schnell ab. Die Befruchtung der weiblichen Blüten erfolgt über die Luft. Im Herbst sterben dann auch die weiblichen Pflanzen ab.
Die Früchte des Hanfs, die Hanfsamen, sind Achänen, d. h. eine Sonderform einer Nuss, bei der Samenschale und Fruchtwand eng aufeinanderliegen (Abb. 9.4).
Die Pflanzen besitzen drüsenartige Gebilde (Trichome), die eine harzartige Absonderung produzieren (Abb. 9.5). Darin befinden sich diverse Inhaltsstoffe. Man findet sie gehäuft an den Kelch- und Tragblättern der weiblichen Pflanzen und in der Regel in geringerer Zahl an männlichen. Es gibt aber auch Zuchtlinien, bei denen die männlichen Pflanzen die weiblichen bezüglich der Inhaltsstoffe übertreffen (Starks 1981).
Am besten gedeihen die Hanfpflanzen auf stickstoffreichen Böden mit einem pH-Wert > 6,5. Alkalische Böden mögen sie nicht (Hai 1982).
Carl von Linné beschrieb 1753 Cannabis anhand des gewöhnlichen Hanfs als monotypische Gattung. Jean-Baptiste de Lamark etablierte jedoch aufgrund von morphologischen Unterschieden sowie in der psychotropen Wirkung „Cannabis indica LAM“ als eine eigene Art. Cannabis indica LAM ist buschiger als Cannabis sativa L. (Abb. 9.6).
Es folgte eine lang dauernde Debatte, ob es nicht noch andere Arten gäbe. Eine Beschreibung einer weiteren Art „Cannabis ruderalis Jan.“ (Abb. 9.7) durch Dmitrij E. Janischewsky im Jahr 1926 fand nur zurückhaltende Akzeptanz in Fachkreisen.
Die Schwierigkeiten in Bezug auf die Systematik sind nicht weiter erstaunlich. Die Menschheit bedient sich seit Jahrtausenden des Hanfs als Nutzpflanze. Entsprechend wurden bestimmte Eigenschaften mit Selektion herangezüchtet, und dies nicht erst in jüngster Zeit. Als Ursprung der Hanfpflanze werden heute die Steppen und Berggebiete Zentralasiens angenommen. Findet man heute wilde Hanfpflanzen, so ist nicht mehr zu entscheiden, ob es sich um ursprüngliche oder um ausgewilderte Pflanzen handelt. Auch eine Hybridisierung ist bei der offensichtlichen engen Verwandtschaft in der Natur nicht ausgeschlossen und wird vom Menschen zur Heranzüchtung gewisser erwünschter Eigenschaften auch vorgenommen. Mit ihrer Verbreitung in der Welt musste die Pflanze sich zudem an sehr unterschiedliche Klimata anpassen.
Neuere genetische und chemotaxonomische Untersuchungen scheinen zu belegen, dass es nur zwei Arten gibt: Cannabis sativa L. und Cannabis indica Lam. Cannabis sativa L. kann zudem in Kulturhanf (Cannabis sativa var. sativa) und Wildhanf (Cannabis sativa var. spontanea Vav.), wie es Nikolaj Ivanovič Vavilov in den 1920er-Jahren vorschlug, aufgeteilt werden (Hillig 2005; Hillig und Mahlberg 2004). Ob dies so richtig ist, wird erst die weitere Forschung auf diesem Gebiet erweisen.

Nutzung des Hanfs im Altertum

Cannabis/CannabinoideNutzungCannabis/CannabinoideAltertumDie älteste schriftliche Darstellung einer Nutzung des Hanfs in der westlichen Hemisphäre stammt von Herodot (ca. 485 bis ca. 425 v. Chr.), der für damalige Verhältnisse weit gereist war. Herodot gilt schon seit dem Altertum als Vater der Geschichtsschreibung und großartiger Erzähler. Schon seit dem Altertum wird der Wahrheitsgehalt seiner Aufzeichnungen immer wieder angezweifelt. Cannabis erscheint in seinem neunbändigen Werk zur Geschichte im 4. Buch, Melpomene, im Zusammenhang einer ethnografischen Beschreibung der Skythen, nomadischer Reitervölker, die nördlich des Schwarzen Meeres siedelten. Herodot berichtet u. a. über die Begräbnisrituale bei den Skythen:

„… Nach der Beerdigung aber reinigen sich die Skythen auf folgende Weise: sie reiben sich zuerst den Kopf und waschen ihn ab, hernach tun sie am Leibe Folgendes: sie stellen drei Stangen auf, welche einander zugekehrt sind; alsdann breiten sie wollene Decken darüber aus, diese stopfen sie so fest als irgend möglich zusammen und werfen dann Steine, die von Feuer glühend sind, in eine Wanne, Reiche in der Mitte zwischen den Stangen und der Decke liegt.

Es wächst nämlich in ihrem Lande Hanf, welcher dem Linnen ganz ähnlich ist, mit Ausnahme der Dicke und Größe, worin dasselbe der Hanf bei weitem übertrifft; es wächst derselbe teils von selbst, teils wird er gesäet, und verfertigen sich daraus die Thrakier sogar Kleider, welche den linnenen ganz ähnlich sind, sodass, wer nicht ganz genau den Hanf kennt, nicht unterscheiden kann, ob etwas von Linnen oder von Hanf ist; wer den Hanf nicht kennt, wird glauben, das Kleid sei von Linnen.

Von diesem Hanf nehmen nun die Skythen den Samen, und schlüpfen dann unter die Decken; hernach werfen sie den Samen auf die durch Feuer glühenden Steine; der hingeworfene Samen fängt an zu rauchen und verbreitet einen solchen Dampf, dass kein hellenisches Schwitzbad darüber gehen dürfte; die Skythen aber brüllen vor Freude über ein solches Schwitzbad: denn es dient ihnen statt eines Bades, weil sie nämlich überhaupt ihren Leib mit Wasser nicht waschen. Ihre Weiber zerreiben auf einem harten Stein Zypressen, Zedern- und Weihrauch-Holz, wozu sie Wasser gießen, und diese geriebene Masse, welche dick ist, legen sie hernach um den ganzen Leib und um das Gesicht. Davon bekommen sie nun einen guten Geruch; am andern Tage nehmen sie die aufgelegte Masse weg und werden rein und glänzend.“

Herodot (2004: 351)

In dieser Textpassage werden zwei Arten der Nutzung des Hanfs beschrieben: als psychotrope Pflanze und als Lieferant für Textilfasern. Der Hanf wird dabei sowohl als Wild- wie auch als Kulturpflanze beschrieben. Natürlich haben die Skythen nicht nur die Samen ins Feuer geworfen, sondern die reifen ganzen Blütenstände der weiblichen Pflanzen. Die Samen allein hätten, wie man heute weiß, keine Wirkung erzeugt.

Merke

Frühste schriftliche Erwähnung von Cannabis

Schon in der ältesten schriftlichen Beschreibung des Hanfs von Herodot vor 2.500 Jahren wird auf seine doppelte Nutzung als Lieferant von Fasern und als Droge eingegangen.
Herodot hat die Skythen am Schwarzen Meer selbst besucht. Die Frage ist dennoch, ob er bei der Beschreibung der inhalativen Anwendung von Hanfrauch fabuliert hat oder ob sie wirklich auf diese Art stattgefunden hat. Tatsächlich belegen heute diverse archäologische Funde von Skythen und eng Verwandten, weiter östlich bis nach Sibirien und der Mongolei angesiedelten Kulturen Herodots Beschreibung der Utensilien.
Im Altai-Gebirge, also weit östlich der Schwarzmeerküste, fand man Turgane (Grabhügel) der Pasyryk-Kultur (5. bis 3. Jh. v. Chr.), deren Inhalte aufgrund des dort herrschenden Permafrosts sehr gut erhalten sind. Weil sie Herodots Beobachtungen weitgehend entsprechen, nimmt man an, dass sie kulturelle Verwandte der Skythen waren. Die Cannabisüberreste sprechen dabei eher für einen Alltagsgebrauch (Rudenko 1970).
In einem Yanghai-Grab nahe der Stadt Turpan im uighurischen autonomen Gebiet Xinjiang im Westen der Volksrepublik China wurden Cannabispflanzenteile als Grabbeilage gefunden. Aufgrund der 14C-Datierung sind sie 2.500 Jahre alt und stammen damit aus der Zeit Herodots. Die Pflanzenteile sind wegen des in diesem Gebiet äußerst ariden Klimas recht gut erhalten. Sie beinhalteten Samen mit ihren Deckblättern, Sprossen und Blätter, also die Teile der Cannabispflanzen, die psychoaktive Wirkungen auslösen können. Auch die genetischen Untersuchungen weisen auf eine THC-haltige Sorte hin (Russo et al. 2008). Hanftextilien wurden nicht gefunden. Die Ausstattung des Grabes weist auf einen schamanistischen Hintergrund des Verstorbenen hin (Jiang 2006). Ob Cannabis in einem Ritual Anwendung fand, lässt sich natürlich nicht nachweisen. Die heutige Auftrennung in illegitimen Konsum zum reinen Vergnügen und legitime rituelle oder medizinische Anwendung ist ein Phänomen der modernen europäischen und nordamerikanischen Gesellschaften.
Die ältesten auf Cannabis hinweisenden archäologischen Bandkeramikfunde stammen aus Taiwan und sind 12.000 Jahre alt. Die ältesten gefundenen Textilfragmente aus Hanffasern stammen aus der chinesischen Chou-Dynastie (1122–249 v. Chr.) (Li 1974). Die Chinesen nannten ihr Gebiet das „Land von Maulbeer und Hanf“. Der Maulbeerbaum ist die Nahrung der Seidenraupe. Seide war für die Reichen, Hanftextilien waren für das einfache Volk bestimmt. Hanffasern wurden in China schon in vorchristlichen Zeiten extensiv für Textilien, Seile, Fischernetze und Sehnen für Pfeilbogen genutzt. Die Samen dienten als Nahrung und etwas später auch als Rohstoff für die Ölgewinnung. Das Öl wurde zum Frittieren von Speisen und zu industriellen Zwecken genutzt.
Ob das Pen Ts’ao, ein medizinisches Herbarium, wirklich von Shen-Nung, der um das 28. Jh. v. Chr. lebte, aufgeschrieben wurde, weiß man heute nicht. Die älteste Niederschrift, die sich auf das Pen Ts’ao bezieht, wurde im 1. Jh. n. Chr. verfasst. Darin wird die weibliche Cannabispflanze als Yin-haltiges Prinzip zur Behandlung von Gicht, Rheuma, Malaria, Beriberi u. a. vorgeschlagen.
Im 2. Jh. n. Chr. benutzte der chinesische Chirurg Hua T’o ein Dekokt aus Cannabis und Wein als Anästhetikum für die von ihm durchgeführten Laparotomien (Abel 2013).

Merke

Cannabis in alten Kulturen

China

Neben der Nutzung der Fasern des Hanfs für unterschiedliche Zwecke dienten Hanfsamen als Nahrungsmittel. Auf uighurischem Gebiet haben sich zudem über 2.500 Jahre alte Pflanzenreste der Sorte „Indica“ in einem Schamanengrab erhalten. Daneben wurde die Drogenwirkung in der Chirurgie als Anästhetikum genutzt.

Indien

Cannabis wurde aufgrund seiner psychoaktiven Wirkungen in der Volksmedizin hoch geschätzt.

Assyrien

Cannabis wurde als Räucherwerk eingesetzt.

Altes Rom

Gemäß den Standardwerken von Dioskurides, Plinius dem Älteren und Galen, welche die mittelalterliche Medizin in Europa und in der arabischen Welt beeinflussten, gab es medizinische Indikationen für Cannabis.
In der indischen Mythologie brachte der Gott Shiva die Cannabispflanze vom Himalaya. Gemäß der Legende aß er von ihren Blättern und fühlte sich danach so erfrischt, dass sie zu seinem bevorzugten Nahrungsmittel wurden (Abel 2013). Cannabis war in Indien wie wohl nirgends sonst in die Kultur eingebunden. In der Volksmedizin wurde es wegen seiner psychoaktiven Wirkungen höher geschätzt als andere Heilmittel, die nur auf den Körper wirken (Schultes und Hofmann 1987). Man sprach Cannabis lebensverlängernde Wirkungen zu. Daneben belebe es den Geist, stärke das Urteilsvermögen, wirke fiebersenkend und schlaffördernd und könne die Ruhr heilen.
Auf einer Liste auf assyrischen Tontafeln von 650 v. Chr. findet sich Cannabis unter den betäubenden Räucherwerken und Gewürzen. Cannabis sei gut für das Leben, der Rausch erhebe die Gedanken, und es eigne sich zum Spinnen (Behr 1995).
Unklar ist, ob Cannabis im Ägypten der Pharaonen verwendet wurde. Textstellen, die auf Cannabis hinweisen können, finden sich im Papyrus Ebers, einem Dokument mit medizinischen Themen aus dem 16. Jh. v. Chr.
Auch aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Rumänien gibt es sehr alte Cannabisfunde (Renfrew 1973).
In der systematischen Materia Medica des griechischen Arztes Pedanios Dioskurides (1. Jh. n. Chr.), einem Verzeichnis der Heilmittel, das noch mehrere hundert Jahre in Gebrauch war, wurde Cannabis als Mittel gegen Ohrenleiden erwähnt. Deutlich mehr zu Cannabis findet sich in der 37-bändigen Naturalis Historia des Gaius Plinius Secundus Major (Plinius der Ältere, ca. 24–79 n. Chr.). Im Liber IX (173–175) äußert er sich zum Anbau von Hanf und zu den Qualitäten der Hanffasern zur Herstellung von Seilen aus verschiedenen Anbaugebieten. Im Liber XX (259) macht er dann Angaben zur medizinischen Anwendung:

„Der Hanf wuchs ursprünglich mit schwärzeren und rauheren Blättern in den Wäldern. Es wird gesagt, sein Same lösche die Zeugungsfähigkeit der Männer aus. Der Saft davon treibt die kleinen Ohrwürmer sowie jedes Tier, welches hineingeraten ist, aus, aber mit Kopfschmerzen; und so groß ist seine Wirkung, dass, wie man sagt, Wasser, in das man ihn gießt, verdickt wird; daher unterstützt der Trank in Wasser auch den Bauch der Lasttiere. Die Wurzel, in Wasser gekocht, erweicht steif gewordene Gelenke, ebenso Podagra und ähnliche Leiden. Brandwunden werden mit der rohen Wurzel belegt, aber sie wird öfters gewechselt, bevor sie austrocknet.“

Auch der etwas jüngere griechische Arzt Galenos von Pergamon verfasste Bücher zur Medizin und äußerte sich zu Cannabis. Der Einfluss dieser und einiger anderer Autoren darf nicht unterschätzt werden. Ihre Werke wurden über Jahrhunderte gelesen und übersetzt. Insbesondere die arabische Medizin mit Avicena (Abū Alī al-Husain ibn Abdullāh ibn Sīnā, 980–1037 n. Chr.) war davon stark beeinflusst. Galens Vier-Säfte-Lehre überdauerte bis in neuste Zeit.
Kontrovers wird diskutiert, ob Cannabis in der Bibel erwähnt wird. Es gibt vier Stellen im Alten Testament, die darauf hinweisen können, jedoch ist es schwierig, die dort erwähnten Pflanzen in eine moderne Botanik zu übersetzen: Jesaja 43:24, Jeremia 6:20 und Ezechiel 27:19, wo der Pflanzenbegriff mit „Würzrohr“ übersetzt wurde, und Hohelied 4:14, wo die Rede von „Gewürzrohr“ ist (Zwingli Bibel von 1964). Der sichere Beweis, dass Cannabis im Altertum in Palästina bekannt war, stammt aber erst aus einem Grab aus dem 4. Jh. n. Chr. (Zias et al. 1993).

Vom Altertum zur Moderne

Aufgrund der Kontinente umspannenden Handelsbeziehungen – heute würde man von Globalisierung sprechen – und der verschiedenen Migrationsströme (Völkerwanderung) muss man davon ausgehen, dass Hanf mit seinen verschiedenen Qualitäten in der ganzen Alten Welt bekannt war und in der einen oder anderen Form genutzt wurde. Cannabis war Teil verschiedener Kräutermedizinen. Im europäischen Mittelalter spielte Cannabis, nach der Quellenlage zu urteilen, zur Betäubung von Menschen eine untergeordnete Rolle. Da Bier zu den Grundnahrungsmitteln zählte, weil Wasser oft stark kontaminiert war, waren die Menschen ständig leicht alkoholisiert. Zum Zweck der Betäubung wurden diese schwach alkoholischen Biere mit Bilsenkraut „aufgewertet“.
Cannabis/CannabinoideNutzungCannabis/CannabinoideMittelalterMit der Bulle Summis desiderantes affectibus von Papst Innozenz VIII. kamen 1484 die Inquisition und die Hexenverfolgung in Schwung. Entsprechend musste Wissen, das potenziell als ketzerisch beurteilt werden konnte, möglichst geheim gehalten werden. Dazu gehörten sicherlich Präparationen, die visionäres Erleben ermöglichten, u. a. die sog. Hexensalben. Es bestehen wenige Aufzeichnungen zum Inhalt dieser Hexensalben. Hauptbestandteil scheinen Solanaceen gewesen zu sein (Haerkötter und Haerkötter 1986). Eines der wenigen existierenden Rezepte, die auch Cannabis enthielten, findet sich in der 20-bändigen Magia naturalis (1558–1589) von Giambattista della Porta (Escohotado 2000):
  • Belladonna-Extrakt (5 g)

  • Knoblauch (5 g)

  • Bilsenkraut-Extrakt (5 g)

  • Haschisch (6 g)

  • „Getüpfeltes“ Getreidemehl (10 g) (Die „Tüpfelung“ ist wahrscheinlich dem Mutterkornbefall zuzuschreiben.)

  • Hanfblüten (25 g)

  • Opium (25 g)

Das europäische Interesse galt weniger der psychoaktiven Wirkung als vielmehr den Hanffasern, die sich in vieler Hinsicht für den Schiffsbau eigneten. Eine Abhandlung zu Cannabis findet sich im 1546 erschienenen 3. Buch des 5-bändigen Werkes Gargantua und Pantagruel von François Rabelais. Der Humanist gehörte dem Franziskaner-, später dem Benediktinerorden an, promovierte in Medizin und praktizierte als Arzt. Die Pflanze nannte er „Pantagruelion“, obschon ihm bekannt sein musste, dass es sich dabei um Hanf handelte. Die längere Abhandlung zu „Pantagruelion“ enthält eine präzise botanische Beschreibung und Berichte über die Fasergewinnung und die vielfältige Nutzung des Hanfs im Alltagsleben (Nahrungsmittel, Heilmittel, Papier, Fischernetze, Galgenstricke, Bekleidung, Sehnen für Armbrüste und Pfeilbogen, Segel etc.) (Rabelais 1832).

Cannabis im 19. Jahrhundert

Cannabis/CannabinoideNutzungCannabis/Cannabinoide19. JahrhundertNapoleons desaströser Ägyptenfeldzug (1799–1801) führte nicht nur zur Entdeckung des Steins von Rosetta, sondern brachte auch Cannabis ins Frankreich des 19. Jh., sowohl durch die überlebenden Soldaten als auch durch die den Feldzug begleitenden Wissenschaftler. Zwischen 1844 und 1849 kam, initiiert vom Arzt Jaques Joseph Moreau de Tours und Théophile Gautier, in Paris eine Gruppe von Wissenschaftlern, Literaten und Künstlern zusammen, die Selbstversuche mit Haschisch unternahmen. Der Runde, die in der Öffentlichkeit durch einen Artikel von Gautier in der Zeitschrift Revue des Deux Mondes (1846) als „Le Club des Hachachins“ bekannt wurde (Gautier 2015), gehörten auch Victor Hugo, Alexandre Dumas, Charles Baudelaire und Honoré de Balzac an. Moreau ging davon aus, „der menschliche Geist sei jeweils eine winzige Facette des ‚Weltgeistes‘, und Ekstatiker – von mystisch Verzückten bis zu Schizophrenen – seien diesem eine Stufe näher. Man müsse daher, um den Weltgeist und sie verstehen zu können, eine drogengesteuerte Ekstase herbeiführen, ‚die andere Wirklichkeit erleben‘“ (Behr 1995: 150). Die Wirkung des Haschischs hoffte er Psychiatriepatienten nutzbar zu machen (Moreau de Tours 1845). Aufgrund der Beschreibung eines Rauschs im Artikel von Gautier muss man annehmen, dass die geschluckten, von Moreau de Tours abgegebenen Dosen bei diesen Experimenten sehr hoch waren und heute als Intoxikationen betrachtet würden.
Charles Baudelaire (1821–1867) hatte 1860 eine längere Abhandlung über Haschisch in seinem Werk Die künstlichen Paradiese veröffentlicht. In seine Ausführungen lässt er Drogenerfahrungen seiner Freunde, aber auch eigene Erfahrungen einfließen. Man findet im Werk Pharmakologisches (z. B. eine Beschreibung der Substanz, der Dosierung und Wirkung), Psychologisches, Metaphysisches. Da man einiges zur Wirkung von Haschisch erfährt, das durchaus auch heute noch Gültigkeit hat, wird hier ausführlicher auf den Text eingegangen. Das Buch ist eine Mischung aus literarischen und wissenschaftlichen Ausführungen. Baudelaire hatte erkannt, dass Set und Setting eine wichtige Rolle für die Drogenerfahrung spielen. Er gab auch eine genaue Beschreibung des Ablaufs eines Intoxikationszustands. Durch präzise Beobachtung konnte Baudelaire drei Phasen ausmachen, die zu einer Katerstimmung führen. So beschreibt er, wie man einen wirksamen alkoholischen Auszug („Haschischin“) aus der Pflanze herstellt:

„Aber das Haschischin, das man in Chokoladenplätzchen oder kleinen Ingwerpastillen gebrauchen kann, hat, wie das Dawamesk und der zähe Extrakt, mehr oder minder heftige Wirkungen, die ganz verschiedenartiger Natur sind, je nach dem Temperament der Individuen und ihrer nervösen Empfänglichkeit. Bemerkenswerter ist, dass das Resultat bei dem nämlichen Individuum wechselt: bald wird es eine unmäßige und unwiderstehliche Heiterkeit, bald ein Gefühle von Vollkraft und Lebensfülle sein, zu anderen Malen ein zweifelhafter, traumerfüllter Schlaf.“

Baudelaire (1999: 57)

Baudelaire weist darauf hin, dass es durchaus darauf ankommt, in welcher Stimmung man Haschisch zu sich nimmt, und dass man es vermeiden sollte, wenn man sich nicht entspannt und in einem seelischen Gleichgewicht befindet. Andernfalls sei mit unangenehmen Erscheinungen zu rechnen. Heute kennt man diese Phänomene als „Set und Setting“, und sie sind auch bei der Einnahme von anderen Substanzkategorien zu beobachten.

„Ich setze voraus, dass ihr die Vorsicht gebraucht habt, euren Augenblick für diese abenteuerliche Expedition gut zu wählen. Jede vollkommene Schwelgerei hat auch ihre vollkommene Muße nötig. Ihr wisst zudem, dass der Haschisch nicht nur eine Vermannigfaltigung des Individuum, sondern ebenso der Umgebung, des Milieu hervorruft; ihr habt keine Pflichten zu erfüllen, die Pünktlichkeit und Genauigkeit erheischen, – keine Familiensorgen, – keine Liebesschmerzen. Darauf muss man Acht geben. Dieses Bekümmertsein, diese Unruhe, diese Erinnerung an eine Pflicht, die euren Willen und eure Aufmerksamkeit für eine bestimmte Minute verlangt, werden wie eine Totenglocke gewandelt kommen und mitten in euren Rausch hineindröhnen und eure Freude vergiften. Die Unruhe wird zur Angst werden, die Bekümmernis zur Marter. – Wenn ihr alle diese Vorbedingungen beachtet habt und die Zeit euch günstig ist, wenn ihr euch in einer angenehmen Umgebung befindet, in einer malerischen Landschaft z.B. oder in einem poesievoll ausgestatteten Gemache, wenn ihr obendrein noch auf ein wenig Musik hoffen dürft, alsdann ist alles aufs beste bestellt.“

Baudelaire (1999: 63)

Baudelaire unterscheidet beim HaschischrauschHaschischRausch(phasen) drei Phasen. Nach einer Einleitung, in der er berichtet, dass das Eintreten des Rauschs auf sich warten lässt und Unerfahrene zweifeln, dass Haschisch überhaupt wirke, beschreibt er die erste Phase folgendermaßen:

„Die ersten Anzeichen – wie die Symptome eines lange unschlüssigen Sturmes – zeigen sich und vermannigfaltigen sich gerade dank diesem Unglauben. Es ist zunächst eine gewisse Heiterkeit, albern, doch unwiderstehlich, die sich eurer bemächtigt. Diese Anfälle unmotivierter Lustigkeit, deren ihr euch fast schämt, kehren häufig wieder, nach Intervallen, in denen ihr, befremdet, vergeblich euch zu sammeln sucht. Die einfachsten Worte, die trivialsten Ideen nehmen eine bizarre und neue Physiognomie an; ihr erstaunt sogar, dass ihr sie bisher so einfach fandet. Ungereimte, zuvor nie gesehene Ähnlichkeiten und Beziehungen, Wortspiele ohne Ende, komische Anschläge entsprudeln beständig eurem Gehirn. Der Dämon hat von euch Besitz ergriffen; es ist nutzlos, sich dieser Heiterkeit zu widersetzen, die schmerzt wie ein Kitzel. Von Zeit zu Zeit lacht ihr über euch selber, über eure Albernheit und eure Narretei, und eure Gefährten – so ihr deren habt – lachen gleichfalls über euern und ihren eigenen Zustand; jedoch wie ihnen jede Bosheit fernliegt, so euch alle Arglist. Diese Lustigkeit, bald schwach, bald aufstachelnd, dies Unbehagen in der Fröhlichkeit, diese Unsicherheit, diese Ungewissheit des Krankseins, dauern in der Regel nur ziemlich kurze Zeit.“

Baudelaire (1999: 64 f.)

Zur zweiten Phase des Rauschs berichtet er:

„Auf die erste Phase kindischer Lustigkeit folgt etwas wie eine momentane Beruhigung. Bald aber künden sich neue Ereignisse an durch eine Empfindung von Frische in den Extremitäten (die bei einigen Individuen sogar zu einer sehr intensiven Kälte werden kann) und eine große Schwäche in allen Gliedern. Ihr habt dann Hände wie von Butter, und im Kopfe, in euerm ganzen Wesen fühlt ihr eine klammernde Betäubung und Erstarrung. Eure Augen vergrößern sich; sie sind durch eine unbarmherzige Ekstase gleichsam in alle Sinne hineingezogen. Euer Gesicht bedeckt sich mit Blässe. Die Lippen kneifen sich ein und ziehen sich in die Mundhöhle mit jener gleichsam keuchenden Bewegung, die den Ehrgeiz eines Menschen charakterisiert, den große Pläne beherrschen und ungeheure Gedanken bestürmen, oder der seinen Atem zusammennimmt, um einen Anlauf zu machen. Die Kehle verschließt sich sozusagen. Der Gaumen ist trocken von einem Durste, den zu stillen unendlich schön sein würde, wenn nicht die Wonnen der Trägheit noch angenehmer wären und sich der geringsten Bewegung des Körpers widersetzten. Rauhe, tiefe Seufzer ringen sich aus eurer Brust empor, gleichsam als könne euer alter Leib die Süchte und das Drängen eurer neuen Seele nicht ertragen. Von Zeit zu Zeit durchrüttelt euch ein Schauer und nötigt euch zu einer unfreiwilligen Bewegung, ähnlich dem Zusammenfahren, das am Ende eines arbeitsreichen Tages oder in einer stürmischen Nacht dem endlichen Schlummer oft voraufgeht.“

Baudelaire (1999: 72 f.)

Die hier berichtete „intensive Kälte“ hat er gemäß seinem Bericht selbst erlebt, sie dürfte aber kein allgemeines Phänomen sein. Nach der Beschreibung der allgemeinen Bewegungsunlust und der trockenen Kehle kommt er weiter unten auf die Wahrnehmungsphänomene im Rausch zu sprechen:

„In der That zeigt sich in dieser Periode des Rausches eine neue Feinheit, eine erhöhte Schärfe in allen Sinnen. Der Geruch, das Gesicht, das Gehör, das Gefühl haben in gleicher Weise teil an dieser Steigerung. Die Augen sehen das Unendliche. Das Ohr hört fast unvernehmbare Töne inmitten des grössesten Tumults. Hier beginnen die Hallucinationen. Die Gegenstände der Außenwelt nehmen langsam, nach und nach, seltsame Erscheinungen an; sie verlieren ihre Formen und gewinnen neue dafür. Dann stellen die Zweideutigkeiten sich ein, die Verirrungen und die Gedankenversetzungen. Die Töne kleiden sich in Farben, und die Farben enthalten eine Musik. Das, wird man sagen, ist nur etwas durchaus Natürliches, und jedes dichterische Gehirn nimmt in seinem gesunden und normalen Zustande leicht diese Analogien wahr. Aber ich habe den Leser ja schon darauf vorbereitet, dass es im Haschischrausche nichts wirklich Übernatürliches gebe. Allein diese Analogien nehmen alsdann eine ungewohnte Lebhaftigkeit an; sie durchdringen den Geist, nehmen ihn ein, überladen ihn mit ihrer despotischen Art.“

Baudelaire (1999: 77)

Nach den Veränderungen der Sinneswahrnehmungen spricht er das Gefühl der Zeitverzerrungen an:

„Zum Glück hat diese unbegrenzbare Einbildung nur eine Minute gewährt, denn zwischendurch hat euch ein Augenblick der Klarheit – mit großer Anstrengung – ermöglicht, auf die Uhr zu sehen. Aber ein anderer Ideenlauf trägt euch davon; er wird euch eine Minute noch in seinem lebendigen Wirbelsturme kreisen machen, und diese neue Minute wird eine neue Ewigkeit sein. Denn die Verhältnisse der Zeit und des Daseins werden völlig verwirrt durch die Menge und die Intensität der Empfindungen und Vorstellungen. Man lebt – könnte man sagen – mehrere Menschenleben innerhalb einer Stunde.“

Baudelaire (1999: 79)

Diese Zustände gehen dann in die dritte Phase über:

„Dieser neue Zustand ist das, was die Orientalen das ‚Kief‘ nennen. Da ist nichts mehr von Wirbelsturm und von Tumult; da ist nur eine stille, unbewegte Seligkeit, eine herrliche Resignation. Lange Zeit hindurch seid ihr nicht eurer selbst mehr Herr; aber ihr fühlt euch davon nicht berührt. Der Schmerz und die Idee der Zeit verschwanden, oder wenn sie sich bisweilen noch anzudeuten wagen, so sind sie doch verklärt durch die beherrschende Empfindung. Und sie sind dann im Vergleiche zu ihrer gewöhnlichen Form das, was die dichterische Melancholie gegenüber dem positiven Schmerz bedeutet.“

Baudelaire (1999: 87)

Nach dem Rausch setzt nach Baudelaires Schilderungen eine große Erschöpfung ein:

„In der That, diese Erschöpfung ist gross; aber sie macht sich nicht unmittelbar bemerklich, und wenn ihr endlich gezwungen seid, sie anzuerkennen, geschieht nicht ohne Erstaunen. Denn zunächst, wenn ihr recht festgestellt habt, dass sich ein neuer Tag am Horizonte eures Daseins erhoben hat, so habt ihr ein erstaunliches Wohlgefühl; ihr glaubt euch einer wunderbaren Leichtigkeit des Geistes zu erfreuen. Kaum aber seid ihr auf, so folgt euch ein alter Rest des Rausches nach und hemmt euch: die Eisenkugel eurer kürzlichen Knechtung. Nur ängstlich tragen euch die schwachen Schenkel, und ihr fürchtet jeden Augenblick, wie einen gebrechlichen Gegenstand euch zu zerschlagen. Eine grosse Erschlaffung – manche wollen wissen, dass sie des Reizes nicht entbehre – bemächtigt sich eures Geistes und breitet sich über alle eure Fähigkeiten wie ein Nebel über eine Landschaft. Nun seid ihr, noch auf einige Stunden hinaus, unfähig zu Arbeit, Tätigkeit und Energie. Das ist die Strafe für die gottlose Vergeudung, mit der ihr euer Nervenfluid verschwendet habt. Ihr säetet eure Persönlichkeit in die vier Himmelswinde aus, und jetzt: was habt ihr nicht für Mühe, sie wieder zu sammeln und zu konzentrieren!“

Baudelaire (1999: 88 f.)

Aufgrund dieses Phänomens, das man heute als „Hangover“ bezeichnen würde, und der Einschränkung der Willenskraft gelangt Baudelaire zu einer negativen Gesamtbeurteilung des HaschischrauschsHaschischRausch(phasen):

„Aber das, Morgen'! das fürchterliche ,Morgen'! Wenn alle Organe erschlafft und ermüdet sind, alle Nerven abgespannt! Das stete kitzelnde Bedürfnis zu weinen, die Unfähigkeit, sich einer fortgesetzten Arbeit zu widmen: Grausam zeigt dir das alles, dass du ein verbotenes Spiel getrieben hast! Die hässliche Natur, ihres Aufputzes vom Vorabende entkleidet, gleicht nun den trübseligen Überresten eines Festes. Die Willenskraft besonders ist angegriffen, von allen Fähigkeiten die kostbarste. Man sagt – und es ist etwas Wahres daran –, dass dieser Stoff keinerlei physisches Leiden verursacht, kein schweres wenigstens. Aber kann man behaupten, dass ein Mensch, unfähig jeder Handlung und allein zu Träumereien tauglich, sich wahrhaft wohl befinde, selbst wenn all seine Glieder in gutem Zustande wären?“

Baudelaire (1999: 109)

Abschließend fasst er zusammen, dass der Haschischrausch die Menschen nicht weiterbringt:

„Es bleibt uns noch die Frage zu beantworten, ob der Mensch um den Preis seiner Würde, seiner Ehrenhaftigkeit und seiner freien Entscheidung nicht große geistige Segnungen aus dem Haschisch ziehen, ob er nicht eine Art Maschine zum Denken daraus machen kann, ein fruchtbares Instrument. Das ist eine Frage, die ich oft habe aufwerfen hören, und ich will hier darauf antworten. Zunächst offenbart der Haschisch – wie ich des längeren auseinandergesetzt habe – dem Individuum nichts als das Individuum selber.“

Baudelaire (1999: 113)

In einer Fußnote äußert sich Baudelaire noch zu den Ideen von Dr. Moreau de Tours, der zum Zeitpunkt der Niederschrift eine Berühmtheit war:

„Nur um eben daran zu erinnern, braucht man des jüngst gemachten Versuches Erwähnung zu thun, den Haschisch zur Heilung des Irrsinns anzuwenden. Der Irre, der Haschisch nimmt, beschwört einen Wahnsinn herauf, der den anderen verjagt, und wenn der Rausch vorüber ist, tritt der eigentliche Wahnsinn, der normale Zustand des Irren, wieder seine Herrschaft an, wie bei uns die Vernunft und die Gesundheit. Irgendwer hat sich die Mühe gemacht, darüber ein Buch zu schreiben. Der Arzt, der dieses schöne System erfunden hat, ist nicht der geringste in der Philosophenwelt.“

Baudelaire (1999: 266)

Mit der Sichtweise, dass Haschisch „Irre“ nicht von ihrem „Irresein“ heilt, hatte Baudelaire sicher recht, aber Moreau de Tours ging es ja auch ums Verstehen der Erkrankung.
Der amerikanische Journalist und Reiseschriftsteller Bayard Taylor berichtet in Kapitel 10 seines Reiseberichts The Lands of the Saracen or, Pictures of Palestine, Asia Minor, Sicily, and Spain von 1855 über eine in Damaskus eingenommene orale Überdosis von Haschisch. Obschon diese in Ängsten und einer länger dauernden Bewusstlosigkeit resultierte, kam er bezüglich Haschisch zu einem anderen Schluss als Baudelaire:

„Und doch: so gefährlich sich das Experiment für mich auch erwiesen hatte, so wenig bedauere ich, es gewagt zu haben. Es offenbarte mir Tiefen der Wollust und des Leidens, die ich unter normalen Gegebenheiten hätte niemals ausloten können. Es hat mich die Größe menschlicher Vernunft und menschlichen Willens, selbst in dem Schwächsten, gelehrt, und ich wusste nun, welch schreckliche Gefahr man läuft, wenn man ihre Unversehrtheit leichtfertig aufs Spiel setzt. Getreulich und vollständig habe ich hier meine Erfahrungen wiedergegeben, damit andere daraus lernen können. Sollte mir das — was Gott verhüte — nicht gelungen sein und habe ich nach allem nur jene unbändige Neugierde erweckt, die ich von vornherein zu stillen versuchte, so möchte ich alle diejenigen, welche das Experiment auf eigene Faust wiederholen wollen, gebeten haben, nur so viel Haschisch zu nehmen, dass die Menge nach allgemeinem Ermessen für eine Person und nicht, wie in meinem Fall, für sechs ausreicht.“

Taylor (1967: 69)

Den Reisebericht von Bayard Taylor hatte auch der 1836 geborene Amerikaner Fitz Hugh Ludlow gelesen. Nachdem er schon mit verschiedenen Substanzen aus der lokalen Apotheke experimentiert hatte, weckte dieser Bericht bei ihm das Interesse an Tildens Extrakt, einem Cannabis-Indica-Präparat. Nach ausgedehnten Versuchen und der regelmäßigen Einnahme von hohen Dosen über längere Zeit veröffentlichte er 1857 mit 21 Jahren das Buch Der Haschisch Esser (Ludlow 1981), in dem er eindrücklich beschreibt, wie sich die Erfahrung über die Zeit verändert und wie es ihm trotz negativer Erlebnisse lange nicht gelingt, den Konsum aufzugeben. Als Vorbild bei diesem Buchprojekt dienten ihm die Bekenntnisse eines englischen Opiumessers von Thomas De Quincey. Mit folgenden Worten gibt Ludlow in der Einleitung zu seinem Buch einen Überblick über Cannabis:

„Ich beginne bei meinem ersten Versuch mit Haschisch, einem Versuch, zu dem mich ganz einfach die Neugierde getrieben hat; sodann ist es mein Bestreben im Einzelnen darzulegen, wie sich mein Motiv für den Genuss der Droge schrittweise veränderte und der Forscherdrang einer verzauberten Sehnsucht nach einer unheimlichen, nicht fassbaren Ekstase wich; ich will davon berichten, wie diese Ekstase allmählich und mit jedem Tag stärker von den Schatten ebenso unaussprechlicher Qualen verdunkelt wurde, trotz allem aber dies Doppelleben, wenn auch unheilschwanger, von nie gekannten Reichen geistiger Aktivität kündete. Im nachfolgenden Abschnitt meiner Erfahrung überdeckt die Qual, mit Ausnahme vereinzelter Momente, das Glücksgefühl vollkommen, ohne jedoch damit der Faszination des Konsums im geringsten Abbruch zu tun. Im letzten Abschnitt erfährt man von der abrupten Aufgabe des Drogenkonsums, welches der Grund dafür war, und welche Leiden mit dieser Selbstverleugnung einhergingen.“

Ludlow (1981: 17)

Der Auslöser, den Cannabiskonsum aufgrund der negativen Erfahrungen aufzugeben, war ein Artikel in der Zeitschrift Der Haschischesser, in dem jemand ähnliche Erfahrungen mit Cannabis beschrieb, wie Ludlow selbst sie erlebte. In der darauffolgenden schwierigen Zeit versuchte er, sein Leiden mit verschiedenen pharmakologischen Mitteln zu lindern, was nicht gelang. Wichtig war ihm, dass er von seinem Arzt Unterstützung erhielt. Wenige Jahre danach erkrankte Ludlow schwer an Lungentuberkulose, und die damit verbundenen Schmerzen bekämpfte er mit Laudanum.
Das Buch bietet eine gute Beschreibung der Effekte von hoch dosiertem CannabisCannabis/CannabinoideWirkungen. Ludlow erlebte strukturierte visuelle und auditorische Halluzinationen, Episoden von panischer Angst, Wahrnehmungsverzerrungen, Synästhesien und Depersonalisationen mit Körperverzerrungen, Dissoziationen von Körper und Seele und dem Gefühl von multiplen Persönlichkeiten. Seine Ängste gingen mit Gefühlen der Selbstauflösung und mit Todesfantasien einher. Die erlebten euphorischen Zustände waren mit ästhetischen Erfahrungen und Gefühlen der Allmächtigkeit und Allwissenheit verbunden. Er beobachtete, dass er das visionäre Erleben mit Autosuggestion beeinflussen konnte. Beachtenswert ist das Buch, weil es zum ersten Mal eine CannabisabhängigkeitCannabis/CannabinoideAbhängigkeit/Missbrauch mit all ihren psychischen Konsequenzen beschreibt, wie der Konsum zunehmend zum Zwang wird, die Kontrolle über den Konsum immer schwieriger wird und „Craving“ auftritt, auch welche Albträume den Konsumenten über längere Zeit nach der Sistierung des Konsums plagen (Josseau Kalant 1971).

Merke

Einführung von Cannabis als Medikament in die moderne Medizin

Als Begründer des Einsatzes von Cannabis in der modernen Biomedizin gilt der irische Arzt Sir William Brooke O’Shaugnessy (1809–1889). Nach dem Studium der vorhandenen Literatur zu medizinischer Anwendung und einigen eigenen Versuchen an Tieren wendete er Cannabis auch beim Menschen an und publizierte danach seine Resultate.
Cannabis/Cannabinoideals MedikamentBei seiner Arbeit als Arzt realisierte William Brooke O’Shaugnessy das therapeutische Potenzial von Cannabis und begann die orientalischen Texte zu Cannabis zu studieren. Er führte dann eigene Versuche mit Hunden durch und wendete Cannabis danach bei Menschen an; insbesondere konzentrierte er sich dabei auf Patienten mit Rheuma, Tetanus, Tollwut, Cholera und infantiler Epilepsie. Er war sich sehr wohl bewusst, dass er die Patienten mit Cannabis nicht heilen konnte, aber er stellte eine ausgeprägte Symptomlinderung fest, sowohl in Bezug auf Spastizität und Schmerzen als auch im Fall eines Kindes mit epileptischen Anfällen, in Bezug auf die Anfallshäufigkeit (Booth 2004).
Die Resultate seiner Literaturrecherche, seiner Forschungen und Behandlungen präsentierte er 1839 unter dem Titel On the Preparations of the Indian Hemp, or Gunjah (Cannabis Indica). Their Effects on the Animal System in Health, and their Utility in the Treatment of Tetanus and other Convulsive Diseases. Einem europäischen Publikum wurde die Arbeit in einer zweiteiligen Publikation im Provincial Medical Journal bekannt gemacht (O'Shaugnessy 1843a, b). Im ersten Teil referiert er u. a. den mittelalterlichen Text „Mukzun-ul-Udwieh“, der eine detaillierte Beschreibung der Cannabiswirkung enthält. Ihm fielen dabei die gegensätzlichen Qualitäten der Pflanze auf: stimulierende Effekte einerseits, sedative andererseits:

„Zuerst erheitern sie die Seelen, verursachen Heiterkeit, geben dem Gesicht Farbe, rufen einen Rauschzustand hervor, stimulieren die Vorstellungskraft in die stürmischsten Ideen, erzeugen Durst, steigern den Appetit, stimulieren die Fleischeslust. Danach beginnen die sedativen Effekte zu überwiegen, die Seelen sinken, die Vision verdunkelt sich und wird schwächer; und die Verrücktheit, Melancholie, Ängstlichkeit, Wassersucht und solche wie Staupe sind die Folge – und die Samensekretion versiegt. Diese Effekte werden durch Süßigkeiten vergrößert und durch Säuren bekämpft.

...

Die Blätter ergeben einen guten Schnuff, um das Hirn abzulenken; der Saft der Blätter, als Waschung appliziert, beseitigt Schuppen und Ungeziefer; Tropfen des Saftes ins Ohr gegeben, lindern Schmerz und zerstören Würmer und Insekten. Es stoppt Diarrhoe, ist nützlich bei Gonorrhoe, zähmt die Samen Sekretionen und ist diuretisch. Die Rinde hat einen ähnlichen Effekt.

Das Pulver wird als externe Applikation auf frischen Wunden und Geschwüren empfohlen und zur Förderung der Granulationen; ein Umschlag mit der gekochten Wurzel und Blätter zur Behandlung von Entzündungen und Kur der Erysipele und zur Linderung von neuropathischen Schmerzen. Die getrockneten Blätter, gequetscht und ausgebreitet auf einem Rizinusöl Blatt, kuriert Hydrozele und geschwollene Testes. Bei interner Anwendung ist die Dosis ein Direm oder achtundvierzig Grain (entspricht etwa 3 Gramm). Die Antidote sind Emetika, Kuhmilch, heißes Wasser und Rotwein.“

O’Shaugnessy (1834b: 346, Übersetzung RH)

Als „mögliche böse Konsequenzen“ führt er an:

„Schwächen der Verdauungsorgane ergeben sich zuerst, gefolgt von Flatulenz, Verdauungsstörung, Schwellung der Glieder und des Gesichts, Wechsel der Gesichtsfarbe, Verringerung der sexuellen Energie, Verlust der Zähne, Schwerfälligkeit, Feigheit, entartete und boshafte Ideen, Skeptizismus in religiösen Lehren, Liederlichkeit und Gottlosigkeit werden auch aufgezählt im Katalog der bedauerlichen Resultate.“

1841 kehrte O’Shaugnessy nach London zurück und brachte Cannabis mit nach England. Dieses übergab er Peter Squire mit dem Auftrag, eine Tinktur daraus herzustellen. Squire ließ den alkoholischen Extrakt als „Squire’s Extract“ patentieren und brachte ihn als Schmerzmittel auf den Markt. 1850 wurde Cannabis, das schon in der Britischen und in anderen europäischen Pharmakopöen geführt wurde, in die „United States Pharmacopoeia“ aufgenommen. Die IndikationenCannabis/CannabinoideIndikationen umfassten: Neuralgie, Tetanus, Typhus, Cholera, Tollwut, Dysenterie, Alkoholismus und Opiatabhängigkeit, Anthrax, Lepra, Inkontinenz, Schlangenbiss, Gicht, so gut wie jede anfallsauslösende Krankheit, Tonsillitis, Wahnsinn, Menorrhagie (exzessive Monatsblutung) und uterine Hämorrhagie (Booth 2004).
Damit begann auch die Suche nach dem aktiven Wirkstoff im Cannabisextrakt. Nach dem Modell des Morphiums im Opium und des Kokains im Kokablatt machte man sich auf die Suche nach dem Cannabis-„Alkaloid“. Ein erstes pflanzliches Cannabinoid, genannt CannabinolCannabinol, wurde 1899 (Wood et al. 1899) entdeckt, wenngleich die Struktur noch unklar blieb.
Im britischen House of Commons begann eine politische Debatte zu Cannabis in Indien, die dazu führte, dass die indische Regierung die Indian Hemp Drugs Commission (1893–1894) ins Leben rief (Booth 2004). Diese sollte die physischen, psychischen und moralischen Effekte des Cannabiskonsums untersuchen und zwischen moderatem und exzessivem Konsum unterscheiden. Die Kommission führte semistrukturierte Befragungen von mehr als 1.193 Personen durch, unternahm ausgedehnte Reisen im ganzen Land und bearbeitete die erhobenen Befunde in 86 Treffen. Nach heutiger Terminologie entspräche dies einem Delphi-Verfahren. Die Resultate wurden 1895 in sieben Bänden mit über 3.500 Seiten publiziert. Die Schlussfolgerungen waren (Commission 1895):
  • Moderater CannabiskonsumCannabis/Cannabinoideexzessiver Konsum hat keine signifikanten Effekte auf die drei untersuchten Bereiche (physisch, psychisch, moralisch).

  • Exzessiver Konsum ist die Ausnahme.

Bezüglich des exzessiven Konsums wurde festgestellt:
  • Exzessiver Konsum führt zur Schwächung der Konstitution und macht empfindlicher für Krankheiten (v. a. Bronchitis).

  • Exzessiver Konsum zeugt von psychischer Instabilität, verstärkt sie und kann zu Geisteskrankheit führen.

  • Exzessiver Konsum zeugt von moralischer Schwäche und verstärkt eine solche.

Aus den Befunden wurde die Empfehlung abgeleitet, dass eine totale Prohibition weder notwendig noch zweckmäßig wäre. Insbesondere fürchtete man, dass unter einer Cannabisprohibition die Konsumenten auf härtere Drogen umsteigen würden. Politisch wurden als Maßnahmen zur Unterdrückung des exzessiven und zur Beschränkung des moderaten Konsums empfohlen:
  • Adäquate Besteuerung

  • Verbot des Anbaus ohne zentral vergebene Lizenz

  • Beschränkung der Verkaufsstellen

  • Einschränkung des legalen Besitzes

Cannabis im 20. Jahrhundert

Cannabis/CannabinoideProhibition1925 geriet Cannabis auf Drängen des ägyptischen Abgeordneten El Guindy über eine untergeordnete Kommission anlässlich der 2. Genfer Betäubungsmittel-Konferenz unter die Betäubungsmittelkontrolle des Völkerbundes. Das Thema Cannabis war für diese Konferenz nicht vorgesehen, entsprechend waren die Delegierten nicht darauf vorbereitet. El Guindy hielt Cannabis für ein Problem von höchster Wichtigkeit. Es berge ein hohes Risiko für eine Suchtentwicklung mit geringen Chancen, je wieder davon wegzukommen. Er behauptete, die intellektuellen Fähigkeiten der Konsumenten nähmen ab und ihr ganzer Organismus zersetze sich. 30–60 % der Geisteskrankheiten in den ägyptischen psychiatrischen Spitälern seien auf Haschisch zurückzuführen. El Guindy wurde vom griechischen Delegierten sekundiert; das Haschischproblem sei so schwerwiegend wie das Opiumproblem, und der brasilianische Vertreter behauptete, Haschisch sei schlimmer als Opium. Die Delegierten des British Empire, Indiens und der Niederlande, unvorbereitet, wie sie waren, enthielten sich der Stimme (Kendell 2003).
Bald darauf begannen erste Nationalstaaten Cannabis unter Prohibition zu stellen (Booth 2004). Die medizinische Anwendung ging kontinuierlich zurück, da die Pharmaindustrie zunehmend synthetisch hergestellte Medikamente auf den Markt brachte, was als Fortschritt gegenüber einem Jahrhunderte alten Phytotherapeutikum verkauft wurde und natürlich aufgrund des Patentschutzes der neuen Medikamente viel höhere Gewinne einbrachte.
In den USA verlangte der Pure Food and Drug Act von 1906, dass Cannabis und gewisse andere Substanzen in Medikamenten und Nahrungsmittel deklariert werden. Zu dieser Zeit waren verschiedene sog. Patentmedizinen im Umlauf, die Cannabisextrakt enthielten. Aber erst 1937 gelang es Harry J. Anslinger und dem von ihm geleiteten Federal Bureau of Narcotics, ein Marihuana-Steuergesetz durchzusetzen, das rigoros ausgelegt in die Prohibition mündete (Musto 1987). Die Aktivitäten des Büros waren mit Propaganda verbunden, die heute als „Reefer Madness“ bekannt sind und eindeutig rassistische Elemente enthielten (Abel 2013; Aldrich und Ward 1979).
Das Einheitsübereinkommen über die Betäubungsmittel der Vereinten Nationen von 1961 teilte Cannabis unter die besonders gefährlichen Substanzen ein, die keinen medizinischen Nutzen haben (UN 2013). Als Folge stellte die Staatengemeinschaft Cannabis weltweit unter Prohibition, und Cannabis verschwand sukzessiv aus den nationalen Pharmakopöen.
In den USA standen für die Forschung nur Cannabispflanzen zur Verfügung, die auf einer Farm der Drug Enforcement Agency (DEA), der Nachfolgerin des Bureau of Narcotics, angebaut wurden. Nach mündlichen Mitteilungen war dieses Kraut von fürchterlicher Qualität und soll, gemäß den Aussagen von Teilnehmern einer wissenschaftlichen Studie in Holland, bei der dieses „amerikanische Staatscannabis“ eingesetzt wurde, dem „Rauchen einer Matratze“ nahegekommen sein. Die DEA gab ihr Monopol erst im August 2016 auf.
Der gesellschaftliche Aufbruch nach dem Zweiten Weltkrieg und die Jugendrevolten gegen verkrustete Gesellschaftsstrukturen brachten auch ein neu erwachtes Interesse für Cannabis mit. Der Cannabis-„JointJoint“ gehörte zum Reisen in ferne Länder sowohl bei den „Beatniks“ der 1950er- als auch bei den „Hippies“ der späten 1960er-Jahre mit ihrem „Make love, not war“-Slogan. Der Begriff „Joint“ für die mit Cannabis angereicherte Zigarette deutet auf die damals gebräuchlichen Rituale des gemeinsamen Rauchens.
Nach wie vor wusste man nicht, was wie im Cannabis wirkt. Das nicht psychoaktive CannabidiolCannabidiol (CBD) (CBD) wurde 1940 entdeckt. Es ist das Verdienst der israelischen Forschergruppe um Raphael Mechoulam, das für die psychische Wirkung hauptsächlich verantwortliche Δ9-TetrahydrocannabinolTHC (Tetrahydrocannabinol) (THC) 1964 erstmals beschrieben zu haben (Gaoni 1964). Weitere Cannabinoide wurden in der Folge entdeckt, der CannabisrezeptorCannabis/CannabinoideRezeptoren CB1 wurde jedoch erst 1988 gefunden (Devane et al. 1988). Noch war kein endogener Ligand bekannt, er wurde aber 1992 entdeckt (Devane et al. 1992) und AnandamidAnandamid genannt. 1993 folgte die Entdeckung eines zweiten Rezeptors, des CB2 (Munro et al. 1993), und eines zweiten LigandenCannabis/CannabinoideLiganden, des 2-ArachidonoylglycerolArachidonoylglycerol (2-AG) (2-AG) (Sugiura et al. 1995).

Das Endocannabinoid-System

Endocannabinoid-SystemCannabisCannabis/CannabinoideEndocannabinoid-System war Anlass für die Entdeckung der Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2. CB1-Rezeptoren finden sich hauptsächlich im Zentralnervensystem und in geringerem Ausmaß in den peripheren Nerven, in den Tonsillen, im Gastrointestinaltrakt, im Uterus, in den Testes, in der Prostata und in anderen Geweben. Keine Rezeptoren finden sich hingegen in der Medulla oblongata, dem Teil des Hirnstamms, der für die zentrale Steuerung der Atmung und kardialer Funktionen zuständig ist. Der Rezeptor sitzt in der Zellwand und ist G-Protein-gekoppelt. Eine Aktivierung führt zu vermindertem cAMP in der Zelle, einer Modulation des intrazellulären Ca2+ und K+ und einer Kaskade von intrazellulären Prozessen. THC beeinflusst indirekt verschiedene Neurotransmittersysteme wie Dopamin, Serotonin und GABA.
CB2-Rezeptoren finden sich vorwiegend im Immunsystem. Auch der CB2-Rezeptor ist G-Protein-gekoppelt. Längere Zeit galt der CB2-Rezeptor als ein nur peripher vorkommender Rezeptor, was sich als falsch erwies. Er findet sich z. B. auch auf der Mikroglia des Zerebellums.
Der lipophile endogene Ligand AnandamidAnandamid (ArachidonoylethanolamidArachidonoylethanolamid, AEA) bindet an CB1- und CB2-Rezeptoren. AEA induziert im Tiermodell Hypothermie, Analgesie und Katalepsie und stimuliert den Appetit. Da für AEA die beobachtete Immunmodulation nicht nachgewiesen werden konnte, musste es mindestens einen weiteren Liganden geben. Der entsprechende Ligand fand sich mit 2-ArachidonoylglycerolArachidonoylglycerol (2-AG) (2-AG). 2-AG erwies sich als der wichtigere Ligand für die Signalübertragung. Eine Verbindung zu Nahrungsaufnahme, Hypotension, Neuroprotektion, Zellproliferation und anderen physiologischen Prozessen wurde nachgewiesen. Beide Liganden, AEA und 2-AG, binden sowohl an CB1 als auch CB2, 2-AG jedoch stärker als AEA. Der Sitz der CB-Rezeptoren ist v. a. präsynaptisch; das bedeutet, dass das Signal rückwärts übertragen wird („retro signaling“ oder „retrograde Neurotransmission“). Dadurch wird z. B. die Ausschüttung von Glutamat in den synaptischen Spalt gehemmt.
Weitere Liganden des Endocannabinoid-Systems sind: Endocannabinoid-SystemLiganden
  • 2-Arachidonylglycerylether (2-AGE, Noladinether)

  • N-Arachidonoyldopamin (NADA)

  • Virodhamin (OAE)

  • Lysophosphatidylinositol (LPI)

Ein weiterer möglicher Rezeptor des Endocannabinoid-Systems ist der Rezeptor GPR55, wobei diskutiert wird, ob er zum Endocannabinoid-System gezählt werden soll. GPR55 ist ein G-Protein-gekoppelter Rezeptor und kann durch die Endocannabinoide Anandamid, 2-Arachidonoylglycerol (2-AG), Noladinether und Virodhamin aktiviert werden.

Kernaussagen

Endocannabinoid-System

Rezeptoren

Endocannabinoid-System Rezeptoren
  • CB1

  • CB2

  • GPR55 (?)

Endogene Liganden

Endocannabinoid-System Liganden
  • Anandamid (Arachydonoylethanolamid, AEA)

  • 2-Arachidonoylglycerol (2-AG)

  • 2-Arachidonylglycerylether (2-AGE, Noladinether)

  • N-Arachidonoyldopamin (NADA)

  • Virodhamin (OAE)

  • Lysophosphatidylinositol (LPI)

Weitere G-Protein-gekoppelte Rezeptoren, die mit Endocannabinoiden interferieren, sind die muscarinischen M1- und M4-, die Adenosin- (A3-), die 5HT1- und 5HT2- sowie andere Rezeptoren.
AEA aktiviert auch die postsynaptischen TPRV1-Kanäle (TRPV = „transient receptor potential cation channel subfamily V member 1“). Dann interagieren die Endocannabinoide auch mit „Ligand-gated-Ionenkanälen“ (5HT3-, nikotinischen Acetylcholin-, Glycin-, ionotropen Glutamat-NMDA-Rezeptoren) sowie „Voltage-gated-Ionenkanälen“.
Die endogenen Liganden werden bei Aktivierung des Rezeptors schnell durch die Enzyme Fettsäureamid-Hydrolase („fatty acid amid hydrolase“, FAAH), Monoglyceridlipase (MGL) und „N-acylethanolamine-hydrolyzing acid amidase“ (NAAA) hydrolysiert. Zudem ist eine Oxidation durch die Cyclooxygenase-2, die Lipoxygenase und Cytochrom P450 möglich.
Da das Endocannabinoid-System diverse regulatorische Aufgaben wahrnimmt und eine Störung desselben mit verschiedenen Erkrankungen einhergeht, sucht man nach Möglichkeiten, in das System pharmakologisch gezielt einzugreifen. Neben der Zufuhr von externen Cannabinoiden, seien es Agonisten oder Antagonisten, kommt auch die Beeinflussung der für den Abbau verantwortlichen Enzyme infrage (Biernacki und Skrzydlewska 2016; Bow und Rimoldi 2016; Mechoulam et al. 2014; Pertwee 2015; Pertwee et al. 2010; Vemuri und Makriyannis 2015).

Die Phytocannabinoide

Als PhytocannabinoidePhytocannabinoide bezeichnet man pflanzliche Stoffe, die auf das Endocannabinoid-System einwirken.

Cannabis

CannabisCannabis/CannabinoideWirkstoffe enthält über 480 verschiedene Wirkstoffe. Die wichtigsten sind dabei die Cannabinoide. Daneben enthält die Cannabispflanze auch Terpene und Terpenoide, die Hauptbestandteil der ätherischen Öle des Cannabis sind, und Alkaloide, deren Wirkungen noch nicht völlig bekannt sind.
Cannabinoide
Trans9-Tetrahydrocannabinol (THC) THC (Tetrahydrocannabinol)ist das wichtigste psychoaktive CannabinoidCannabis/Cannabinoide in der Cannabispflanze. Das zweite wichtige Cannabinoid ist das nicht psychoaktive Cannabidiol (CBD)Cannabidiol (CBD). Der Gehalt dieser Cannabinoide in den Pflanzen kann je nach Zuchtlinie sehr stark variieren. Heute sind über 100 Cannabinoide (die Angaben variieren beträchtlich) bekannt.
Δ9-THC und Δ8-THC ahmen die Wirkung von AEA nach. Sie entfalten ihre Wirkung durch Bindung an den CB1-Rezeptor im Gehirn. THC wird in der Leber über das Cytochrom-P450-Enzymsystem zu 11-Hydroxy-Δ9-tetrahydrocannabinol (11-OH-Δ9-THC) metabolisiert. Dieses ist noch psychoaktiv und wird in einem zweiten Schritt zu 11-nor-9-Carboxy-THC (THC-COOH) inaktiviert. Verantwortlich dafür ist CYP2C9, jedoch sind auch CYP2C19 und CYP3A4 beteiligt. Hemmung von CYP2C9 führt zu stärkeren Rauschzuständen. THC und seine Metaboliten werden zum größeren Teil über die Fäzes ausgeschieden, ca. 20 % im Urin.
THC ist ein partieller Agonist an den CB-Rezeptoren, bindet aufgrund seiner Lipophilie unspezifisch an verschiedene Körpergewebe und wird dort v. a. bei regelmäßigem Konsum gespeichert.
Beim Rauchen gehen ca. 30 % des THC durch Pyrolyse verloren. Die Wirkung tritt innerhalb weniger Minuten ein. Eine bessere Ausbeute wird durch das Verdampfen in einem Vaporizer erzielt, der auf eine optimale Temperatur eingestellt werden kann und die Pyrolyse verhindert. Oral verabreichte Cannabinoide weisen eine noch schlechtere Bioverfügbarkeit auf, da sie einem First-Pass-Effekt unterliegen. Der First-Pass-Effekt kann außer durch Inhalation auch durch nasale, sublinguale, rektale oder vaginale Applikation oder einen transdermalen Patch umgangen werden.
THC (Tetrahydrocannabinol)BioverfügbarkeitIn einem Übersichtsartikel werden die Angaben aus verschiedenen Arbeiten zur Bioverfügbarkeit von Δ9-THC zusammengefasst. Neben einem pyrolysebedingten Verlust von 30 % beträgt sie bei geübten Rauchern ca. 23–27 %, bei ungeübten jedoch nur 10–14 %. Der Plasma-Peak tritt nach ca. 3 min auf, die Peakwirkung nach ca. 30 min, wenn der THC-Spiegel schon wieder deutlich absinkt. Nach oraler Einnahme dauert es 1–2 h bis zum entsprechenden Plasma-Peak, wiederum mit verzögertem Wirkungspeak. Eine direkte Korrelation zwischen Spiegel und Wirkung gibt es nicht.
In der Pflanze findet sich THC vorwiegend als THC-Säure (THCA). THCA hat keine psychoaktiven Wirkungen, scheint aber immunmodulierende Effekte zu haben. Erst eine Decarboxylierung führt zum aktiven THC. Die Decarboxylierung erfolgt durch Hitze, Licht und Lagerung. Teilweise erfolgt sie schon in der Pflanze, abhängig von Standort und klimatischen Bedingungen.
Das Cannabidiol (CBD) liegt wie das THC als Säure in der Pflanze vor (CBDA). CBDA hat nur geringe Wirkung, wenn überhaupt, und muss wie THC decarboxyliert werden. CBD wirkt antagonistisch am CB1-Rezeptor und hebt so einen Teil der Wirkung von THC auf, insbesondere wurde beobachtet, dass es durch THC ausgelöste Angstzustände und andere unerwünschte Wirkungen blockiert oder eindämmt, was möglicherweise auf eine Aktivierung des 5HT1A-Rezeptor zurückzuführen ist. Es wurde berichtet, dass es neuroprotektiv, analgetisch, sedierend, antiemetisch, antispastisch und entzündungshemmend wirkt. Für die Wirkung dürfte auch wichtig sein, dass CBD ein allosterischer Modulator der µ- und δ-Opiatrezeptoren ist. Entsprechend dürfte es eine Rolle im Schmerzempfinden haben.
THC und CBD binden an eine Vielzahl von Rezeptoren; was dies jeweils in der Gesamtheit der Wirkung bedeutet, ist nicht klar. An der Gesamtwirkung sind sicher auch Cannabigerol (CBG), ein CB1- und 5HT1A-Rezeptor-Antagonist und α2-Adrenozeptor-Agonist, Tetrahydrocannabivarin (THCV), ein CB1-Rezeptor-Antagonist, CB2-Rezeptor-Teilantagonist und 5HT1A-Rezeptor-Agonist, und Cannabichrom (CBC) beteiligt, wahrscheinlich auch weitere (Aizpurua-Olaizola et al. 2016; Ben Amar 2006; Cascio et al. 2010, 2015; Colizzi et al. 2016; Giese et al. 2015; Gould 2015; Grotenhermen et al. 2015; Hazekamp et al. 2007; Hollister et al. 1981; Kathmann et al. 2006; Marcu 2016; Pertwee 2006; Verhoeckx et al. 2006).
Terpene und Terpenoide
TerpeneTerpene/Terpenoide und Terpenoide sind im Pflanzenreich weitverbreitet. Sie sind lipophil und passieren entsprechend leicht die Blut-Hirn-Schranke. Für verschiedene der im Cannabis gefundenen Terpene und Terpenoide liegen Beschreibungen ihrer Wirkungen vor. Für D-Limonen fand man antitumoröse, anxiolytische und immunmodulierende Eigenschaften. β-Myrcen, das sich auch im Hopfen findet, hat entzündungshemmende, analgetische und antioxidative Wirkungen. Es scheint auch für die Sedierung durch Cannabiskonsum maßgeblich verantwortlich zu sein. α-Pinen ist ein Acetylcholinesterasehemmer und kann dadurch der THC-induzierten eingeschränkten Gedächtnisleistung entgegenwirken. Auch Linalool hat analgetische, anxiolytische, entzündungshemmende und antikonvulsive Eigenschaften. Pentazyklische Terpene wie das β-Amyrin und das Cycloartenol weisen verschiedene biologische Aktivitäten auf. Sie wirken antibakteriell, antimykotisch, entzündungshemmend und antitumoral (Andre et al. 2016; Giese et al. 2015; Russo 2011).

Andere Pflanzen

Auch Inhaltsstoffe anderer Pflanzen wirken auf das Endocannabinoid-System ein. Pflanzen, die als Agonisten auf den CB1-Rezeptor wirken, sind Salvia divinorum, Daucus carota, die gewöhnliche Karotte mit dem Inhaltsstoff Falcarinol, Piper methysticum (Kava-Kava) mit dem Inhaltsstoff Yangonin und andere.
TPRV1-Agonisten sind das Capsaicin im Chilipfeffer, Gingerol und Zingeron im Ingwer und das Piperin im schwarzen Pfeffer. β-Caryophyllen ist ein CB2-Agonist und findet sich in der Cannabispflanze, im Copaiba-Balsam, im schwarzen Pfeffer, in der Melisse, in Gewürznelken und im Hopfen.
Pflanzliche Quellen für FAAH-Inhibitoren sind das Kaempferol aus der Gewürzlilie (Kaempferia galanga), das Macamid aus der Wurzel der Maca-Pflanze (Lepidum meyenii) und N-Oleoyl-ethanolamin und N-Linoleyl-ethanolamin aus Theobroma cacao, das man in der Schokolade findet.
Interessant ist, dass die schwarze Trüffel (Tuber melanosporum) AnandamidAnandamidArachidonoylethanolamid enthält (Marcu 2016; Russo 2016a).

Synthetische Cannabinoide

Schon in den 1940er-Jahren produzierte die Gruppe um Roger Adams synthetische CannabinoideCannabis/Cannabinoidesynthetische nach dem Modell der im Cannabis vorkommenden natürlichen Cannabinoide (Loewe und Adams 1947), später dann auch die Forschungsgruppe von Raphael Mechoulam (Mechoulam und Gaoni 1965). Die synthetischen Cannabinoide wurden einerseits für den therapeutischen Einsatz, andererseits auch zu Forschungszwecken entwickelt. Während DronabinolDronabinol synthetisch hergestelltes Δ9-THC und entsprechend ein Teilagonist am CB1- und CB2-Rezeptor ist, sind die meisten synthetischen Cannabinoide reine Agonisten am CB1-Rezeptor. Sie weisen meist eine höhere Affinität und höhere Wirkungspotenz auf, sind lipophil, schlecht wasserlöslich und z. T. schwer toxisch (Banister et al. 2016).

Merke

Synthetische Cannabinoide

Die meisten synthetischen Cannabinoide sind im Gegensatz zum THC reine CB1-Rezeptor-Agonisten mit z. T. hoher Affinität zum Rezeptor. Ihr Konsum kann zu schweren Intoxikationen führen.
Um das Jahr 2004 tauchten die synthetischen Cannabinoide unter dem Begriff „SpiceSpice“ auf dem Drogenmarkt auf und werden dort zum großen Teil über das Internet gehandelt. Sie wurden unter dem Begriff „Legal HighsLegal Highs“ vermarktet („not for human use“), da sie von den Betäubungsmittelgesetzen damals noch nicht erfasst wurden. Seit November 2016 ist das Gesetz zur Bekämpfung der Verbreitung neuer psychoaktiver SubstanzenNeue psychoaktive Substanzen (NPS) (NPS-GesetzNPS-Gesetz) in Kraft (BGBL Nr. 55, I, 2016, S. 2615 ff.).
Aufgrund der Vielzahl von Substanzen und deren Derivaten ist bislang eine vollständige Erfassung nicht zeitnah möglich, sodass im Gesetz die Strategie verfolgt wird, ganze Stoffgruppen zu untersagen.
Cannabis/Cannabinoidesynthetischeunerwünschte WirkungenNeue psychoaktive Substanzen (NPS)unerwünschte WirkungenDie Konsumenten erwarten erhöhte Kontaktfähigkeiten, milde Euphorie, Entspannung, leichte Dissoziation und Wohlbefinden. Die berichteten unerwünschten Wirkungen sind allerdings vielfältig: Verwirrung, rote oder blutunterlaufene Augen, weite Pupillen, desorganisierte Sprache, anhaltende Muskelkontraktionen, Erbrechen, Diarrhö, Unruhe, Fieber, Schwitzen, Mundtrockenheit, Tremor, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, Tachykardie, Tachypnoe, Hypertension, Brustschmerz, Schwäche, Angstzustände, Agitation, Panikattacken, Depression, Suizidalität, Dissoziation, Halluzinationen und Delir. Außerdem wurden ST-Hebungen im EKG, hohe Troponin-, Kreatinkinase- und Kalium-Spiegel, Atemdepression, Bradykardie, Hypothermie und Nierenschädigungen beobachtet. Zudem wurden einige Todesfälle beschrieben (Tait et al. 2016). Entsprechend kann der Konsum dieser synthetischen Cannabinoide zu echten medizinischen Notfällen führen. Die Betroffenen zeigen ähnliche Symptome und Zustände wie in Dämmer- und Trancezuständen (Adams et al. 2017). In einer prospektiven toxikologischen Multicenterstudie unter Nutzung des ToxIC Registry wurden in der Zeit zwischen 2010 und 2015 unter 39.925 IntoxikationsfällenCannabis/CannabinoideIntoxikation 350 identifiziert, die synthetischen Cannabinoiden ausgesetzt waren. Die häufigsten Symptome waren Agitation, Delir und toxische Psychose (41 %). 17 % zeigten Krämpfe. Pulsraten von über 140/min hatten 12,5 %, 5,7 % zeigten Bradykardien mit weniger als 50 Schlägen/min. 4,7 % wiesen eine Hypotension auf (Monte et al. 2017).
Eine Besonderheit ist, dass die Notfälle zeitlich gehäuft auftreten können, sogar mit gehäuften Todesfällen. So mussten im Herbst 2014 in den Städten Kirov und Surgut der Russischen Föderation mehr als 600 Personen wegen Krampfanfällen, kognitiver Depression, Apnoe und ungewöhnlichem Verhalten nach Konsum von synthetischen Cannabinoiden behandelt werden. Für 15 Personen war die Intoxikation letal (Shevyrin et al. 2015). Eine ähnliche, jedoch zahlenmäßig geringere Häufung wurde 2015 auch in den USA festgestellt (Kasper et al. 2015).
Konsumenten schätzen natürliche CannabinoideCannabis/Cannabinoidenatürliche mehr als die synthetischen. Gründe, trotzdem synthetische Cannabinoide zu konsumieren, liegen darin, dass manche legal erhältlich sind und sie bei den routinemäßigen Drogentestungen nicht nachgewiesen werden.
Cannabis/CannabinoideToleranzentwicklungNach wiederholtem Gebrauch wurden Toleranz, Abhängigkeit und Entzugssymptome beobachtet. Die Toleranz entwickelt sich innerhalb von Tagen. Es besteht eine Kreuztoleranz innerhalb der Cannabinoide, aber interessanterweise auch zu MethamphetaminMethamphetamin(abhängigkeit/-missbrauch)Kreuztoleranz, was auf eine Verbindung des CB1-Rezeptoren-Systems zu den Dopaminrezeptoren hinweist.
Heute werden die synthetischen CannabinoideCannabis/CannabinoideEinteilung in vier definierte Gruppen und in eine Gruppe der Nicht-Einordenbaren eingeteilt (Bolognini und Ross 2015; Desai et al. 2013; Elsohly et al. 2014; Gifford et al. 2016; Harris und Brown 2013; Jarbe und Gifford 2014; Lauritsen und Rosenberg 2016; Seely et al. 2012):
  • 1.

    Klassische CannabinoideCannabis/Cannabinoideklassische: Dazu gehört das DronabinolDronabinol, das synthetische Δ9-THC, das in einigen Ländern unter dem Handelsnamen Marinol® vermarktet wird. Δ8-THC ist als chemische Verbindung stabiler als das Δ9-THC, erzeugt jedoch weniger psychoaktive Wirkung. Weiter fallen in diese Gruppe die Analoga Nabilon, Levonantradol und Nabitan (Benzopyranoperidin) und andere (AM-411; AM-905; AM-906; AM-919; HU-210; O-823; O-1184).

    CT-3 (Ajulemische Säure) ist ein Derivat des nicht psychoaktiven Metaboliten 11-nor-9-carboxy-THC und wurde als Resunab auf seine analgetischen und antiinflammatorischen Wirkungen getestet.

  • 2.

    Nichtklassische Cannabinoide: Diese Substanzen besitzen keine Pyranringe. Als erster Vertreter wurde CP-55,940 von der Fa. Pfizer 1974 synthetisiert. Weitere Substanzen in dieser Gruppe sind: CP-47,497-C6; CP-47,497-C8; CP-47,497-C9; CP-55,244; HU-308; HU-320.

    Als „hybride Cannabinoide“ bezeichnet man AM-4030 und AM-938.

  • 3.

    Cannabinerge Indole: Cannabinerge IndoleIndole, cannabinergeDie Gruppe der Aminoalkylindole kann noch in Untergruppen aufgeteilt werden.

    • Naphthoylindol: JWH-015; JWH-018; JWH-073; JWH-081; JWH-098; JWH-122; JWH-184; JWH-185; JWH-200; JWH-210; JWH-398; WIN-55,212. JHW-018 ist aufgrund seiner Potenz am CB1-Rezeptor und der Einfachheit seiner Synthese oft in „SpiceSpiceInhaltsstoffe“-Präparationen anzutreffen.

    • Naphthylmethylindol: JHW-175

    • Phenylacetylindol: RCS-8; JWH-167; JWH-203; JWH-250; JWH-251

    • Benzoylindol: AM-694; AM-1241; RCS-4; WIN 48,098

  • 4.

    Eicosanoide und Derivate: ZuEicosanoide dieser Gruppe gehören die beiden Endocannabinoide AEA und 2-AG sowie die AEA-Analoga Methanandamid (AM356) und AM1346.

Cannabis/Cannabinoidenicht einordenbare SubstanzenDaneben gibt es weitere nicht einordenbare Substanzen (Diarylpyrazole (SR141716A), Naphthoylpyrrole (JWH-307), Naphthylmethylindene oder Derivate von Naphthalin-1-yl-(4-pentyloxynaphthalin-1-yl)-methanon (CRA-13). Viele der Substanzen haben Namen, die sich von dem Wissenschaftler ableiten, der sie als Erster synthetisiert hat. So weisen z. B. die Initialen „JWH“ auf John W. Huffman und „AM“ auf Alexandros Makriyannis hin. In anderen Fällen stehen die Buchstaben für Laboratorien oder Institutionen, in denen die Erstsynthese erfolgte, z. B. „HU“ für Hebrew University in Israel oder „CP“ für Carl Pfizer. Teilweise sind die Namen auch Abkürzungen von langen chemischen Bezeichnungen. So steht z. B. APICA für N-(1-Adamantyl)-1-pentyl-1H-indol-3-carboxamid (EMCDDA 2017).
Heute stehen die meisten Verbindungen unter Betäubungsmittelkontrolle und sind zum großen Teil verboten. Die gesetzliche Grundlage stellt in Deutschland das „Gesetz zur Bekämpfung der Verbreitung neuer psychoaktiver Stoffe“, kurz „Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG)“ und in Österreich und der Schweiz das Betäubungsmittelgesetz und die dazu gehörigen Verordnungen. Eine Zusammenfassung der durch das NpSG untersagten chemischen Verbindungen in Deutschland wird auf der S. 2619 ff. (BGBL Nr. 55, I) des Gesetzestextes zusammengefasst (www.bgbl.de/).

Cannabinoide in der Medizin

Cannabis/Cannabinoidemedizinische AnwendungLester Grinspoon, ein amerikanischer Professor für Psychiatrie, begann seine Studien zu Cannabis 1967 in der Überzeugung, dass Cannabis eine sehr gefährliche Droge sei; die Evidenz, die er fand, sprach jedoch dagegen. Er sammelte dann die Geschichten von Menschen, die bei ihren medizinischen Leiden Erleichterung durch Cannabis erzielten und veröffentlichte diese zusammen mit James B. Bakalar in seinem Bestseller Marihuana, die verbotene Medizin (Grinspoon und Bakalar 1994). Cannabis half in diesen Erlebnisberichten in folgenden Fällen: Chemotherapie von Karzinomen, Glaukom, Epilepsie, multiple Sklerose (MS), Para- und Quadriplegie, Gewichtszunahme, Aids-bedingter Marasmus, chronische Schmerzzustände, Migräne, Neurodermitis und Juckreiz, Menstruationskrämpfe und Wehenschmerzen, Depressionen und andere seelische Erkrankungen, Asthma, Schlaflosigkeit, Übelkeit mit anderen Ursachen als Chemotherapie sowie Dystonie. Die Autoren weisen zudem auf die antimikrobielle Wirkung bei Herpesbläschen und die antitumoröse Wirkung im Mäuseversuch hin.
Die medizinischen Akademien und die Gesundheitskontrollbehörden lassen sich natürlich von einer Sammlung von positiven Fallgeschichten nicht beeindrucken. Dazu braucht es randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudien. Eine Zusammenfassung der aktuellen Evidenz findet sich bei Whiting et al. (2015) und National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (2017) (s. auch Kap. 9.6.2).

Cannabis als Medikament

Vom pharmakologischen Standpunkt ist Cannabis eine Mischung von aktiven Inhaltsstoffen, die sich wohl in ihrer Wirkung gegenseitig beeinflussen, sodass sich ein Effekt nicht einfach auf einen Inhaltsstoff zurückführen lässt. Isoliert man einen Stoff aus der Gesamtheit und prüft ihn auf seine Wirkung, wird er u. U. ganz andere Wirkungen oder keine Wirkung zeigen.
Ein ideales KlassifikationsschemaCannabis/Cannabinoideals MedikamentKlassifikationsschema berücksichtigt gemäß Russo (2016a) folgende Aspekte:
  • Kombination von Gestalt, Inhalt und Zweck

  • Grundlegende Klasse, basierend auf dem primären Cannabinoid (z. B. Typ I für THC)

  • Pflanzenmorphologie (z. B. breitblätterig, kompakt vs. hochgeschossen, spindeldürr)

  • Spezifischer Cannabinoidgehalt

  • Spezifischer Terpenoidgehalt

  • Duft

  • Geschmack (beim Vaporisieren)

  • Nutzung/Effekte (patientenorientiert)

Daraus lassen sich Charts erstellen, die Vergleiche ermöglichen. Abb. 9.8 zeigt ein Beispiel der Fa. PhytoFacts®.
Es wird also bei Studien sehr darauf ankommen, wie gut der Chemovar standardisiert hergestellt werden kann. Eine Standardisierung ist schwierig, weil heute noch nicht bis ins Detail klar ist, wie die verschiedenen Cannabinoide zusammenwirken und wie die Terpene die Wirkung zusätzlich beeinflussen. Die heute gebräuchliche StandardisierungCannabis/CannabinoideStandardisierung im Bereich des medizinischen Hanfs betrifft vorerst THC und CBD. So standardisiert die in der Produktion von medizinischem Hanf tätige Fa. Bedrocan in den Niederlanden ihre Produkte auf THC, CBD und Cannabinol (CBN), ein schwach psychoaktives Oxidationsprodukt des THC. Die Standardisierung auf den THC- und CBD-Gehalt allein dürfte nach heutigem Wissen nicht ausreichen, um das volle Potenzial von Cannabis zu erfassen. Der Gehalt der Cannabinoide und der anderen Wirkstoffe hängt stark vom Reifegrade der Pflanze und der weiteren Verarbeitung ab (Potter 2014). Zudem sind Cannabinoide unter Umgebungsbedingungen nicht sehr stabil (Pacifici et al. 2017).
Die Bioverfügbarkeit der CannabinoideCannabis/CannabinoideBioverfügbarkeit ist sehr unterschiedlich und in der Regel eher niedrig. Sie ist stark von der Applikationsform abhängig. Wässrige Auszüge extrahieren weniger Cannabinoide als ölige. Bei alkoholischen hängt der Cannabinoidgehalt von der Alkoholkonzentration ab. So oder so ist für die Decarboxylierung der verschiedenen Säuren Hitzezufuhr nötig.
Cannabis/CannabinoideResorptionUm die unsichere intestinale Resorption zu umgehen, wird bei verschiedenen CBD-Präparaten empfohlen, diese sublingual oder über die Mundschleimhaut zu applizieren. Die Resorption ist am besten bei Inhalationen. Auch lässt sich Cannabis dadurch besser dosieren. Neben dem Rauchen eines „Joints“, das viele Patienten ablehnen, kommt eine Applikation mit einem VaporizerVaporizer infrage. Der Vaporizer ist eine Novität in der Medizin und dürfte in den nächsten Jahren Akzeptanzprobleme haben. Die Inhalation von Aerosolen und feinen Pulvern ist in der Medizin etabliert und akzeptiert, jedoch nicht von Dämpfen, die durch die Erhitzung in die aktive Form übergeführt werden.
Daneben bestehen noch weitere Hürden für Cannabis als Medizin, so etwa gesetzliche Regulierungen und die Fahrtüchtigkeit (Russo 2016b).
Der Deutsche Bundestag hat am 19.1.2017 einstimmig (!) der Nutzung von Cannabis bei Schwerkranken unter bestimmten Voraussetzungen zulasten der Krankenversicherung zugestimmt. Eine staatliche Cannabisagentur ist geplant. Am 9.3.2017 wurde im Deutschen Bundesgesetzblatt das „Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ veröffentlicht, das den Zugang zu Cannabis für Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) regelt. GKV-Versicherte mit schwerwiegenden Erkrankungen haben einen Anspruch auf die Versorgung mit cannabishaltigen Arzneimitteln. Die auf dem deutschen Arzneimittelmarkt aktuell zugelassenen cannabishaltigen Medikamente sind in Tab. 9.1 aufgeführt.

Indikationen

Cannabis/Cannabinoideals MedikamentIndikationenEin therapeutisches Potenzial von Cannabinoiden wurde vor 10 Jahren für eine Reihe von psychischen, neurologischen und internistischen Erkrankungen diskutiert (Ben Amar 2006) und dafür seither Güte und Ausmaß der Evidenz mittels Metaanalysen ermittelt (Whiting et al. 2015; National Academy of Sciences, Engineering, and Medicine 2017; CAPRIS-Projekt, Hoch et al. 2018).
Cannabis/Cannabinoideals MedikamentStudienergebnisseIn den USA ergab sich die Situation, dass in den letzten Jahren eine zunehmende Zahl von Staaten Cannabis in jeder Form für medizinische Behandlungen zuließ, dies aber auf nationaler Ebene nicht erfolgte. Die nationale Arzneimittelbehörde (Food and Drug Administration, FDA) hat zwei Cannabinoide als Medikamente registriert. Es sind dies das Dronabinol (DronabinolIndikationMarinol®) und das Nabilon (NabilonCesamet®). Während Dronabinol für zwei Indikationen zugelassen ist, nämlich 1. Anorexie, verbunden mit Gewichtsverlust bei Aids-Patienten, und 2. Übelkeit und Erbrechen, verbunden mit Karzinomchemotherapie bei Patienten, die nicht adäquat auf eine konventionelle antiemetische Behandlung angesprochen haben, ist Nabilon für die zweite zugelassen.
Medizinisches Cannabis und Cannabinoide besitzen signifikante Gesundheitsrisiken wie Sucht und Verschlechterung von psychiatrischen Erkrankungen wie einigen Angststörungen, affektiven, psychotischen und Substanzmittelkonsumstörungen, aber auch einen potenziellen medizinischen Nutzen in einer ebenso großen Anzahl von Fällen. Die umfassende Beurteilung der Angemessenheit einer Behandlung mit medizinischem Cannabis muss sich im Einzelfall deshalb um die Risiko-Nutzen-Frage drehen (Hill 2017).
Das Schweizerische Bundesamt für Gesundheit gab aufgrund einer parlamentarischen Initiative eine Studie zu Cannabinoiden als Heilmittel in Auftrag. Diese systematische Übersicht und Metaanalyse einer internationalen wissenschaftlichen Gruppe wurde 2015 im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht (Whiting et al. 2015). In diese Arbeit wurden 79 RCTs mit insgesamt 6.462 Patienten einbezogen; die meisten zeigten Verbesserungen der geprüften Symptome, die auf die Cannabinoide zurückgeführt wurden. Nicht in allen diesen Studien erreichten die Verbesserungen statistische Signifikanz. Für die Studien, welche die Verwendung von Cannabinoiden als Heilmittel zur Behandlung von chronischen Schmerzen und Spastizität stützen, wurde eine Evidenz von mittlerer Qualität ermittelt. In der Metaanalyse wurde keine klare Unterscheidung bezüglich der Schmerzursachen getroffen. Evidenz von geringer Qualität wurde für die Verbesserung durch Cannabinoide bei Übelkeit und Erbrechen als Folge einer Chemotherapie, für eine Gewichtszunahme bei HIV-Infektion/Aids, Schlafstörungen und Tourette-Syndrom gefunden. Unklar blieb der Einfluss von Cannabinoiden auf Angstsymptome, aber eine Symptomverbesserung konnte auch nicht ausgeschlossen werden. Ähnliches gilt für CBD bei psychotischen Störungen. In einer kleinen Studie zur Senkung des Augeninnendrucks bei Glaukom wurde keine drucksenkende Wirkung der Cannabinoide festgestellt. Anzumerken ist, dass von den 79 Studien nur eine einzige zu pflanzlichem Cannabis durchgeführt wurde, das mit Vaporizer appliziert wurde. Die anderen Studien wurden mit unterschiedlichen Cannabinoiden durchgeführt. Unerwünschte Wirkungen traten unter Cannabinoiden häufiger auf als unter Placebo und umfassten Schwindel, Mundtrockenheit, Übelkeit, Fatigue, Somnolenz, Euphorie, Erbrechen, Durchfall, Desorientierung, Asthenie, Benommenheit, Gleichgewichtsstörungen und Halluzinationen.
Die US-amerikanische National Academy of Sciences publizierte 2017 einen umfassenden Bericht zu den Gesundheitseffekten von Cannabis und Cannabinoiden. Eines der behandelten Themen war die medizinische Anwendung von Cannabis und Cannabinoiden. Entsprechend äußern sich die Autoren zur Effizienz von therapeutischen Effekten. Sie fanden: Cannabis/Cannabinoidetherapeutische Effekte
  • Schlüssige oder substanzielle Evidenz für die Wirksamkeit von Cannabis oder Cannabinoiden: Cannabis/Cannabinoideals MedikamentWirksamkeitsbelege

    • in der Behandlung chronischer Schmerzen bei Erwachsenen

    • als Antiemetika in der Behandlung von chemotherapieinduzierter Übelkeit und Erbrechen

    • hinsichtlich einer Verbesserung der von Patienten berichteten Spastizitätssymptome bei multipler Sklerose (MS)

  • Mäßige Evidenz für die Wirksamkeit von Cannabis oder Cannabinoiden zur kurzzeitigen Verbesserung des Schlafs bei Personen mit Schlafstörungen aufgrund von obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom, Fibromyalgie, chronischen Schmerzen und MS

  • Eingeschränkte Evidenz für die Wirksamkeit von Cannabis oder Cannabinoiden hinsichtlich einer

    • Steigerung des Appetits und einer Verringerung des Gewichtsverlusts bei HIV-Infektion/Aids

    • Verbesserung der klinisch gemessenen Spastizitätssymptome bei MS

    • Verbesserung der Symptome des Tourette-Syndroms

    • Verbesserung der im öffentlichen Sprechtest erhobenen Angstsymptome bei Patienten mit sozialer Angststörung

    • Verbesserung der Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung

  • Eingeschränkte Evidenz für die Wirkungslosigkeit von Cannabis oder Cannabinoiden hinsichtlich einer

    • Verbesserung von Demenzsymptomen

    • Verbesserung des intraokulären Drucks bei Glaukom

    • Verminderung der depressiven Symptome bei Patienten mit chronischen Schmerzen oder MS

  • Keine oder ungenügende Evidenz, um den Schluss zu unterstützen oder zu widerlegen, dass Cannabis oder Cannabinoide eine effektive Behandlung sind für:

    • Karzinome (inkl. Gliome)

    • Mit Karzinomen verbundener Kachexie und Anorexia nervosa

    • Reizdarmsymptome

    • Epilepsie

    • Spastizität bei Patienten mit Paralyse aufgrund von Rückenmarksverletzungen

    • mit amyotropher Lateralsklerose verbundene Symptome

    • mit Chorea Huntington verbundene und gewisse neuropsychiatrische Symptome

    • motorische Symptome bei Parkinson-Krankheit oder Levodopa-induzierte Dyskinesie

    • Dystonie

    • das Erreichen von Abstinenz bei Substanzkonsumstörungen

Letztere Beurteilung gilt auch für die Behandlung von Schizophrenie oder schizophreniformer Störungen mit Cannabidiol.
Die neuste Studie dieser Art ist die Deutsche CaPRis-Studie, die vom Bundesministerium für Gesundheit in Auftrag gegeben wurde. Sie kommt weitgehend zu gleichen Schlüssen.

Merke

Cannabis: Potenzial und Risiken (CaPRis)

Cannabis/CannabinoideCaPRis-StudieIn der sog. CaPRis-StudieCaPRis-Studie (Cannabis: Potenzial und Risiken; Hoch et al. 2018; Kurzbericht unter www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Drogen_und_Sucht/Berichte/Kurzbericht/171127_Kurzbericht_CAPRis.pdf) wurde jüngst eine Globalrecherche nach systematischen Reviews und Metaanalysen (469 Treffer) und zwölf „De-novo“-Literaturrecherchen durchgeführt. Die in den Literaturdatenbanken identifizierten Studien an über 70.000 Studienteilnehmern wurden (mittels SIGN- oder ROBIS-Checklisten) systematisch auf ihre methodische Qualität geprüft und für die nachfolgende Auswertung gefiltert. Auf der Webseite des Bundesministerium für Gesundheit, Abteilung Drogen und Sucht werden die Ergebnisse zum Einsatz von medizinischen Cannabinoiden zu den nachfolgend ausgeführten Erkrankungen folgendermaßen zusammengefasst (zur besseren Lesbarkeit wurden einige Erkrankungen hervorgehoben und der Fließtext in Abschnitte aufgeteilt): Cannabis/Cannabinoidetherapeutische Effekte
Chronische Schmerzen: Die Wirksamkeit von Cannabisarzneimitteln bei chronischen Schmerzen wurde häufig untersucht. Die Therapie war meistens von kurzer Dauer (weniger als 12 Wochen, teilweise nur einige Tage). Cannabisarzneimittel wurden gemeinsam mit etablierten, zugelassenen Schmerzmitteln (Analgetika) verabreicht. Sie wurden in der Regel gegenüber Placebo getestet und selten gegenüber etablierten Analgetika. Cannabisarzneimittel waren Placebo teilweise in der Schmerzreduktion (um mindestens 30 %) überlegen. Für eine substanzielle Schmerzreduktion (um mindestens 50 %) liegt derzeit keine Evidenz vor. Alle Übersichtsarbeiten finden weitere, sekundäre Wirksamkeitsbelege zugunsten der Cannabisarzneimittel (z. B. eine Reduktion der durchschnittlichen Schmerzintensität, eine größere durchschnittliche „Schmerzreduktion“ oder eine „starke oder sehr starke globale Verbesserung“). Dabei werden selten große Effekte beschrieben. NabiximolsNabiximols – eine als Arzneistoff verwendete standardisierte Extraktmischung aus THC und CBD, die aus den Blättern und Blüten der Cannabispflanze gewonnen wird – ist bei chronischen Schmerzen die am besten untersuchte Cannabisarznei. Die Evidenz für eine leichte Schmerzreduktion und Verbesserungen in Sekundärmaßen im Vergleich zum Placebo ist gut. Für THC und Nabilon liegen ein-zelne Hinweise für positive Effekte im Vergleich zum Placebo vor. (…)
Nebenwirkungen traten, mit Ausnahme der Studien zu chronischen Schmerzen bei Krebs, konsistent häufiger unter der Behandlung mit Cannabisarzneimitteln auf als unter Placebo-Gabe. Die hauptsächlich zentralnervösen Nebenwirkungen sind zumeist leicht bis mittel. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind bei Cannabisarzneimittel-Gabe selten und nicht häufiger als bei Placebo-Gabe. Die Datenlage zu Behandlungsabbrüchen ist inkonsistent. Eine große Metaanalyse findet mehr Abbrüche bei Cannabisarzneimitteln als bei Placebo-Behandlung. Drei Reviews mit kleiner Fallzahl finden keine Unterschiede, vier machen hierzu keine Aussagen. […]
Spastizität bei Multipler Sklerose: Für Cannabisarzneimittel (Nabiximols, Dronabinol, Medizinalhanf, orales und oromukosales THC und THC/CBD) konnte die Wirksamkeit bei mit Multipler Sklerose- und Paraplegie-assoziierter (Rückenmarksverletzungen) Spastizität mit objektivierbaren Prüfkriterien nicht belegt werden. Inkonsistente Belege liegen für eine subjektiv empfundene Wirkung von Cannabisarzneimitteln in der genannten Indikation vor. Vielfältige Zielparameter und eingesetzte Messinstrumente tragen zur Datenheterogenität bei. Eine heterogene Datenlage existiert bezüglich der Therapiedauer: Belege für die Wirksamkeit von Nabiximols bei kurzfristiger Applikation (2–6 Wochen) liegen vor. Wirksamkeitsbelege fehlen sowohl für Nabiximols als auch für oral angewendete Cannabisarzneimittel bei mittelfristiger Anwendung über 12–14 Wochen. Eine Studie berichtet eine signifikante Wirksamkeit von oralen Cannabisarzneimitteln im Rahmen einer Langzeittherapie (1 Jahr). Für den Nachweis der Wirksamkeit von inhaliertem Cannabis besteht bisher keine ausreichende Studienlage.
Verträglichkeit: Unter Behandlung mit Cannabisarzneien wurden signifikant mehr Nebenwirkungen als unter Placebo berichtet. Beschwerden: Störungen des Gastrointestinaltrakts, zentralnervöse Störungen (Sedierung und Schwindel) und des muskuloskelettalen Systems. Psychische Störungen (z.B. psychotische Symptome) waren selten. Sicherheit: Schwere Nebenwirkungen wurden nur in Einzelfällen berichtet. […]
Übelkeit und Erbrechen: Zur antiemetischen Wirkung von Cannabisarznei bei chemotherapeutisch-induzierter Übelkeit und Erbrechen liegen viele alte Studien mit schlechter oder unklarer methodischer Qualität vor und keine (mit Ausnahme einer RCT) mit Antiemetika (d. h. Medikamente, die Übelkeit und Brechreiz unterdrücken sollen) der neuen Generation (5HT3- oder NK1-Antagonisten) oder Neuroleptika als Vergleichsmedikation. Aus diesen methodisch unzureichenden Studien ergibt sich für die Cannabisarzneimittel (Dronabinol, Nabilon, Levonantradol, Nabiximols) eine signifikant bessere antiemetische Wirkung im Vergleich zu Placebo sowie gegenüber konventionellen Antiemetika. Die Wirksamkeit scheint vergleichbar mit der von Ondansetron (1 neuere RCT).
Bei HIV/AIDS-Erkrankungen können vier von fünf Studien eine leicht gewichtsstimulierende Wirkung von Cannabisarzneimitteln (Dronabinol, Cannabiszigaretten) feststellen. In einer der Studien zeigt sich eine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo. Bei palliativ-behandelten Krebs- und HIV/AIDS-Erkrankten können Einzelstudien eine leichte, aber gegenüber Placebo-Gabe nichtsignifikante Steigerung des Appetits sowie eine Verbesserung von Übelkeit und Erbrechen durch Cannabisarzneimittel (Dronabinol, Cannabiszigaretten) feststellen. Nebenwirkungen treten bei der Behandlung mit Cannabisarzneimitteln gegenüber Placebo signifikant häufiger auf, sind aber zumeist transient und nicht gravierend. Schwere Nebenwirkungen und Studienabbrüche aufgrund einer medikamentösen Unverträglichkeit treten bei der Untersuchung aller klinischen Anwendungsgebiete für Cannabisarzneimittel auf. Teilweise liegen sie signifikant häufiger in den Interventions- als in den Kontrollgruppen vor. […]
Gastrointestinale, neuroinflammatorische, neurodegenerative und neurologische Erkrankungen: Bei Morbus Crohn und Reizdarmsyndrom konnte keine Verbesserung der primären Beschwerden durch Cannabisarzneimittel (Cannabiszigaretten, Dronabinol) gezeigt werden (2 RCTs). Eine Studie berichtet eine Besserung der Morbus-Crohn-Symptome sowie der Lebensqualität. Tremor und „Blasenschwäche“ bei Multipler Sklerose können im placebokontrollierten Vergleich meist nicht verbessert mit Cannabisarzneimitteln (Nabiximols, orale Cannabinoide) therapiert werden. Eine Studie mit Nabiximols zeigt mögliche Therapieerfolge auf spezifische Symptome der Blasenfunktion. Chorea Huntington: In drei vorliegenden Studien war keine signifikante Wirksamkeit von Cannabisarzneimitteln (Nabilon, Nabiximols) nachweisbar.
Epilepsie: Die Behandlung mit Cannabidiol erbringt eine teilweise verbesserte Symptomatik bei therapieresistenten Epilepsie-Formen (3 ältere Studien), die Befunde sind jedoch heterogen. Dystonie (unwillkürliche Muskelkontraktionen): Es zeigt sich keine Verbesserung der Symptomatik nach 3-wöchiger Behandlung mit Cannabisarzneimitteln (Dronabinol, Nabilon) bei primär zervikaler Dystonie.
Morbus Parkinson: Drei von vier Studien finden keine Verbesserung der Parkinson-Symptomatik oder der Levodopa-induzierten Bewegungsstörungen/Dyskinesien bei begleitender Therapie mit Cannabisarzneimitteln (CBD, THC/CBD, Nabilon, SR141716). Eine RCT berichtet verringerte Dyskinesien unter Nabilon. Einzelbefunde zeigen spezifische Symptombesserungen (REM-Schlafstörungen, psychotische Störungen, subjektives Empfinden).
Glaukom: Eine RCT kann bei sechs Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Augendruck akut nach THC-Gabe eine signifikante Reduktion des Augeninnendrucks feststellen. Bei höherer Dosierung von CBD zeigte sich ein Anstieg des Augeninnendrucks. Es liegen keine Daten zu längerer Therapiedauer (> 1 Woche) vor. Die Verträglichkeit der Cannabisarzneimittel ist in den hier untersuchten Studien durchweg gut. Beim therapeutischen Einsatz bei Chorea Huntington und Epilepsien zeigt sich kein signifikanter Unterschied zum Nebenwirkungsrisiko bei Placebos. Ansonsten treten Nebenwirkungen bei der Behandlung mit Cannabisarzneimitteln gegenüber Placebo etwas häufiger auf, sind aber zumeist transient und nicht gravierend. Untersuchungen zur Geschlechts- und Altersspezifität der Wirksamkeit und Verträglichkeit liegen bisher nicht vor. […]
Psychische Erkrankungen: Erst in jüngster Zeit wurden Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit von Cannabisarzneimitteln in der Behandlung von psychischen Störungen in RCTs getestet. Es liegen einzelne randomisiert-kontrollierte Studien zu folgenden Indikationen vor: Demenz, Cannabisabhängigkeit, Opiatabhängigkeit, Schizophrenie und schizophreniforme Psychosen, soziale Phobie, posttraumatische Belastungsstörungen, Anorexia nervosa, Tourette-Syndrom. Die Stichprobengrößen sind stets gering. Aufgrund der begrenzten Datenlage können noch keine Aussagen zur Wirksamkeit von Cannabisarzneimitteln (Dronabinol, Nabiximols, Nabilon, THC) und Cannabinoid-Modulatoren auf die psychopathologische Symptomatik bei Menschen mit psychischen Störungen getroffen werden. Die vorliegenden Studien belegen, dass Nebenwirkungen bei der Cannabinoid-Gabe auftreten können, Hinweise auf schwere Nebenwirkungen jedoch nicht vorliegen. Allerdings ist die Datenmenge unzureichend, um eine verlässliche Aussage zur Verträglichkeit und Sicherheit von Cannabisarzneimitteln in diesen Indikationen zu ermöglichen. […]
Selbstmedikation: Bislang liegt keine methodisch hochwertige Studie vor, die sich explizit mit der Erforschung der „Cannabis/CannabinoideSelbstmedikationshypotheseSelbstmedikationshypothese“ durch Cannabis befasste. Die vorliegenden Publikationen untersuchten meist Motive für Cannabiskonsum von Menschen mit Psychose/Schizophrenie. Soziale Gründe oder Langeweile waren häufige Konsummotive bei psychotischen Patientinnen und Patienten. Eine Bewältigung von negativem Befinden (d. h. schlechte Stimmung, Ängstlichkeit, Depression) wurde von einer Teilgruppe genannt, die Milderung von „Nebenwirkungen der Medikation“ oder „Positivsymptomen der Psychose“ eher selten. Insgesamt sind die Studien, ihre verwendete Methodik, untersuchte Klientel und Befundlage sehr heterogen. Die Evidenz aktuell verfügbarer Forschungsarbeiten ist nicht ausreichend, um empirisch geprüfte Aussagen über die Selbstmedikationshypothese des Cannabiskonsums psychisch erkrankter Personen zu treffen […]“
Bundesministerium für Gesundheit, Abteilung Drogen und Sucht (2018).

Cannabis als sogenannte Freizeitdroge

Cannabis/Cannabinoideals FreizeitdrogeObschon beinahe weltweit verboten, wird Cannabis von zig Millionen Menschen konsumiert. Was ist dabei die innere Motivation für eine solche Gesetzesübertretung?
Sigmund Freud meint im Verhalten der Menschen zu erkennen, dass sie als Sinn und Zweck ihres Lebens das Erreichen von Glück anstreben und sich dieses zu erhalten versuchen. Allerdings ist evolutionsbiologisch ein andauernder Glückszustand nicht vorgesehen, sondern eher als ein episodisches Ereignis. Statt mit Glück ist deshalb das Leben mit Leiden gefüllt. Die „roheste, aber auch wirksamste Methode“, die Empfindung des Leids einzudämmen, sieht Freud in der „chemischen Intoxikation“. Er fügt jedoch bei, dass große Energiebeiträge, die zur Verbesserung des menschlichen Loses verwendet werden könnten, damit nutzlos verpuffen (Freud 1999).
Ronald K. Siegel, ein renommierter Professor für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaft an der UCLA, macht für die Motivation für den Rausch einen „vierten TriebSuchterkrankungenvierter Trieb“ ursächlich verantwortlich: Cannabis/CannabinoideRauschmotivation

„Über die Jahrhunderte haben Menschen immer nach einem großen Spektrum von Wirkungen gesucht – und die Drogen haben es geboten: Vergnügen, Linderung von Schmerzen, mystische Erscheinungen, Erregung, Beruhigung, Freude, Ekstase, Einverständnis mit sich selbst, Flucht, veränderte Bewusstseinszustände oder einfach nur ein anderes Gefühl. Diese Motive, von denen sich die Menschen bei ihrem Drogenkonsum nach eigener Aussage leiten lassen – und es ließe sich ein endloser Katalog solcher Motive aufstellen – sind dieselben, die sie auch ohne Drogen bewegen. Es sind immer die gleichen inneren Zwänge, Wünsche, Bedürfnisse und Bestrebungen, die einen großen Teil unseres Verhaltens bestimmen. Pflanzliche Drogen und andere psychoaktive Substanzen werden als natürliche Werkzeuge zur Befriedigung solcher Motive eingesetzt.

Die Motivation, Drogen zur Erzielung dieser Wirkungen einzusetzen, ist nicht angeboren, sondern erworben. Die primären Triebe, die mit den Überlebensnotwendigkeiten verknüpft sind und einen Teil der angeborenen Ausrüstung des Organismus bilden, sind Hunger, Durst und Sex. Diese Triebe sind organische Funktionen und befriedigen biologische Bedürfnisse. Wir werden nicht mit erworbenen Motivationen geboren, aber sie sind dennoch nicht unnatürlich – sie sind einfach ein Ausdruck dessen, was wir anstreben. Das Verlangen nach Rausch ist genauso wenig anomal wie das Verlangen nach Liebe, sozialer Anerkennung, aufregenden Erlebnissen, Macht oder jede beliebige andere erworbene Motivation. Die primären biologischen Bedürfnisse des Menschen mögen körpergebunden sein, aber seine erworbenen Abhängigkeiten übersteigen diese Bedürfnisse.“

Siegel (2000: 213 f.)

Siegel argumentiert, dass dies nicht auf die Spezies Homo sapiens beschränkt ist, da Drogenrausch auch bei Tieren, speziell bei Säugetieren, weitverbreitet ist. Zum Konsum hält er festCannabis/CannabinoideKonsumgewohnheiten:

„Die Konsumgewohnheiten sind individuelle Ausdrucksformen des vierten Triebes. Sie werden durch psychosoziale Bedürfnisse strukturiert und zerfallen in fünf grundlegende Typen, die sich weltweit beobachten lassen: experimentell, gesellig und freizeitorientiert, umstände- oder situationsbedingt, intensiv und zwanghaft. Diese Muster beschreiben den Verlauf von unregelmäßigem Konsum zu intensivem dauerhaftem Gebrauch. Veränderungen in der individuellen Bedürfnisstruktur können Verschiebungen von einer Verlaufsform zu einer anderen mit sich bringen.“

Siegel (2000: 214)

Während der experimentelle Konsum entwicklungspsychologisch v. a. in der Adoleszenz auftritt, sind der gesellige und freizeitorientierte sowie der umstände- oder situationsbedingte Konsum kulturell geprägt. Der „zwanghafte“ Konsum, auch wenn er auf unterschiedlichen Bedingungen aufbaut und entsteht, wird letztlich zum individuellen Problem.

Cannabiskonsum im gesellschaftlichen Kontext

Blätter (1995) unterscheidet aufgrund der ethnologischen Literatur sieben verschiedene gesellschaftliche Funktionen des Cannabiskonsums: Cannabis/Cannabinoidegesellschaftliche Funktionen des Konsums
  • 1.

    Religiöse Funktionen

  • 2.

    Medizinische Funktionen

  • 3.

    Identitätsbildende und gruppenkohäsive Funktionen

  • 4.

    Hedonistische Funktionen

  • 5.

    Kompensations- und Ventilfunktionen

  • 6.

    Ökonomische und kommerzielle Funktionen

  • 7.

    Politische Funktionen

Religiöse Funktion besitzt der Cannabiskonsum heute bei den Rastafaris in Jamaika, wo Cannabis eine spirituelle Offenbarung und einen Weg zu göttlichem Bewusstsein bedeutet. Ähnliche Bedeutung hat Cannabis für die indischen Sadhus.
Medizinische Funktion hat Cannabis nicht nur, wenn es vom Arzt verschrieben wird. Es gibt vielfache Berichte von älteren Menschen, denen ein Cannabistee zu einem besseren Schlaf verhilft. Vielfach wird Cannabis auch von jüngeren Menschen konsumiert, um besser zu schlafen, um innere Spannungen zu dämpfen, wie sie z. B. ADHS-Patienten erleben, oder um einige Zeit Ruhe vor ihren chronischen Gelenkschmerzen zu haben.
Je nach vorherrschendem gesellschaftlichem Trend kann es wichtig sein, beim Konsum von einer Substanz mitzumachen, um dazu zu gehören. Der Konsum bildet so Identität und stiftet Gruppenzugehörigkeit. Cannabis hat dabei in den Nachkriegsjahren schon verschieden gefärbte Phasen der Gruppenidentität durchgemacht (Booth 2004).
Die wichtigste Funktion ist demnach die hedonistische, also das Steigern des genussvollen Erlebens. Dieser Genuss tritt nicht zwingend nach jedem Konsum ein, er ist abhängig von Umgebungsfaktoren, Set und Setting.
Bei den Kompensations- und Ventilfunktionen nimmt der Konsum den Stellenwert von Ersatzhandlungen für menschliche Bedürfnisse ein, und er erleichtert deren Befriedigung, wenn sie im nüchternen Zustand gehemmt oder blockiert sind. So wirkt der Konsum gegen Langeweile, Ängste, Unsicherheit und Spannungszustände.
Cannabis kann durchaus subjektiv zu einer LeistungssteigerungCannabis/CannabinoideLeistungssteigerung führen, indem es bei eintöniger Arbeit Erleichterung bietet, unkonventionelle Entscheidungen erleichtert (Grinspoon 2010) oder aphrodisisch wirkt. Allerdings sind bei allen subjektiv empfundenen Wirkungen die objektiven neuropsychologischen und kognitiven Leistungseinbußen durch den Konsum von Cannabinoiden zu beachten, speziell bei höheren Anteilen von Δ9-THC (Colizzi und Bhattacharyya 2017). Nicht von ungefähr hat die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Cannabis auf die Dopingliste gesetzt. Es geht dabei nicht so sehr darum, dass unter direktem Cannabiseinfluss bessere Spitzenleistungen erbracht würden, sondern dass Cannabis hilft, besser mit Stress umzugehen, und die Erholung unter Cannabiswirkung besser ist. Die kommerziellen Funktionen des Drogenkonsums sind für alle, die davon profitieren und davon leben, für die ganze Produktions- und Handelskette, Zulieferer, Transporteure und das Finanzsystem inbegriffen, und für diejenigen bedeutsam, die ihr Verdienst darin haben, Cannabis zu verhindern (Egan und Miron 2007). Cannabis ist heute ein Milliardengeschäft. Obschon meist verboten, arbeiten Spezialisten ständig an neuen Züchtungen, die alljährlich am „Cannabis Cup“ in Amsterdam wie an irgendeiner anderen Produktshow vorgestellt und vom Veranstaltungspublikum bewertet werden. Nach Beurteilung der Konsumenten wirken Sorten mit hohem THC- und niedrigem CBD-Gehalt sehr psychotrop „kopfbetont“ und solche mit hohem CBD-Gehalt nicht ausreichend psychotrop. Auch spielen Aussehen, Geruch und Geschmack bei der Bewertung eine Rolle (es „stinkt“ immer noch). Je nach Anbaugebiet besteht zudem eine Verbindung zu Waffenhandel und kriegerischen Konflikten (z. B. Mexiko, Afghanistan) und fördert Korruption und organisiertes Verbrechen.
Bei den politischen Aspekten von Cannabis geht es um Machtansprüche und Profilierungen. Als Beispiel diene die Aussage von Nationalrat Claude Ruey (VD) im Schweizer Parlament während der Debatte zum Betäubungsmittelgesetz. Er erklärte den Unterschied von Alkohol und Cannabis am 24.9.2003 folgendermaßen:

„Quand vous buvez du vin, vous le faites pour des raisons gastronomiques … Si vous fumez un joint, il n‘y a absolument pas de l‘aspect gastronomiques …“ [Wenn Sie Wein trinken, machen Sie es aus gastronomischen Gründen … Wenn Sie einen Joint rauchen, hat dies absolut keine gastronomischen Aspekte …“; Übersetzung RH]

Der Applaus der rechtsbürgerlichen Mehrheit war ihm sicher. Seine Aussage belegt zudem, dass für ihn eine andere Substanz die hedonistischen Funktionen erfüllt.
Natürlich sind die Funktionen nicht immer einfach zu trennen. So kann es durchaus genüsslich sein, mit Freunden Cannabis zu konsumieren und dabei eine Schmerzlinderung zu empfinden.
Grundsätzliche Bestätigung finden oben stehende Gedanken in einer Studie zu den Motivationen des Cannabiskonsums, bei der das Instrument Marijuana Motives Measure (MMM) zum Einsatz kam (Bonn-Miller et al. 2014, 2007).

Cannabis als Problem

Bei der heute kursierenden Vielfalt der Cannabissorten weiß der Konsument nie genau, was er konsumiert. Der THC-Gehalt der Pflanzen im Drogenmarkt hat aufgrund von gezielten Züchtungen seit den 1980er-Jahre stark zugenommen und der CBD-Gehalt abgenommen (ElSohly et al. 2000). Trotzdem liegt Cannabis in der Rangliste der durch die Droge bedingten Schäden nach englischen Experten deutlich hinter Alkohol und Tabak (Nutt et al. 2010), was auch für Europa bestätigt werden konnte (van Amsterdam et al. 2015).

Cannabis-Konsumformen

Cannabis/CannabinoideKonsumformenHeute werden in Europa meist die Blütenstände der weiblichen Pflanzen in Pfeifen unterschiedlichster Art und Zigaretten geraucht. Sie werden zumeist „indoor“ in Gewächshäusern produziert und sind so von den klimatischen Bedingungen unabhängig. Sie haben traditionelle Harzprodukte wie „Charras“ und „Roter Libanese“ weitgehend verdrängt. Die Wirkung von gerauchtem Cannabis ist heute deshalb sehr unterschiedlich zu den Erfahrungen der Konsumenten in den frühen 1970er-Jahren. Neben einer leichten Euphorie und Lachzwang erlebten diese beim Konsum v. a. Übelkeit (Schwarz und Beckenbach 1980).
Mit den VaporizernCannabis/CannabinoideVerdampfung stehen heute Utensilien zur Verfügung, die das Cannabis nicht verbrennen, sodass keine Verbrennungsprodukte inhaliert werden. Die Qualität der auf dem Markt erhältlichen Geräte ist unterschiedlich (Lanz et al. 2016).
In den USA zeichnet sich ein Trend zum Konsum von konzentriertem CannabisCannabis/Cannabinoidekonzentriertes ab (höherer THC-Gehalt, Carlini et al. 2017). Dabei gibt es verschiedene Methoden, wie der Wirkstoff THC konzentriert werden kann. Bei der traditionellen Methode wird das Harz, das HaschischHaschisch genannt wird, von den Blütenständen abgestreift. Eine neuere Methode ist die Extraktion mit Butangas. Zu diesem Zweck wird ein aufrecht stehender Zylinder mit verkleinerten Hanfblüten gefüllt. Die untere Seite des Zylinders ist mit einem feinen Sieb verschlossen; von oben wird Butangas durch den Zylinder getrieben. Die unten austretende zähflüssige Masse wird BHO („butane hash oil“)BHO (Butane Hash Oil) oder DabDab(bing) genannt und kann bis zu 90 % THC enthalten. Der tropfenweise Konsum der Masse wird „Dabbing“ genannt. Dabei wird Glas oder Titan, der „nail“, mit einem Flambierbrenner oder einer Lötlampe erhitzt und mit einer Nadel etwas BHO aufgetragen; die entstehenden Dämpfe werden mit einer geeigneten Einrichtung aufgefangen und inhaliert (Raber et al. 2015).
Butangas, wie es zum Nachfüllen von Feuerzeug angeboten wird, ist nicht unproblematisch. Die im Handel erhältlichen Butanprodukte enthalten oft kein reines Butan, und es ist nicht auszuschließen, dass von diesen Beimengen Gesundheitsschäden ausgehen (Varlet et al. 2016). Beim unsorgfältigen Hantieren bei der Produktion kommt es nicht selten zu Explosionen und schwerwiegenden Verbrennungen bis hin zu Todesfällen (Romanowski et al. 2017). Die BHO-Konsumenten selbst finden, dass „Dabbing“ im Vergleich zum Rauchen von Blüten schneller und besser wirkt, aber auch schneller zu Toleranz und Entzugssymptomen führt. Dadurch besteht eine erhöhte Gefahr für die Entwicklung einer Abhängigkeit (Loflin und Earleywine 2014).
Die verschiedenen Konsumpräparationen sind Tab. 9.2 zu entnehmen.
Es ist heute ein Leichtes, sich in Zustände zu versetzen, wie sie die Autoren des 19. Jh. bei ihren Hochdosiserlebnissen beschrieben.

Cannabisbezogene Störungen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2016 und 2017 Berichte unter dem Titel „The Health and Social Effects of Nonmedical Cannabis Use“ veröffentlicht. Darin werden die negativen Konsequenzen von CannabisCannabis/CannabinoideKonsumhäufigkeit zusammengefasst (Poznyak et al. 2016). Im Weltdrogenbericht 2017 wird außerdem geschätzt, dass im Jahr 2015 global rund 183 Mio. Menschen Cannabis gebrauchten (wahrscheinliche Spanne: 128–238 Mio.) (United Nation Office on Drugs and Crime 2017). Dies entspricht 3,8 % der Weltbevölkerung (wahrscheinliche Spanne: 2,7–4,9 %).

Akute Cannabisintoxikation

Cannabis/Cannabinoideakute IntoxikationEine tödlich verlaufende akute Cannabisintoxikation wurde noch nie beobachtet. Die tödliche Dosis THC für Menschen wurde aufgrund von Studien mit Nagern extrapoliert und dürfte im mittleren zweistelligen Grammbereich liegen, während die üblichen Konsummengen im zweistelligen Milligrammbereich liegen.
Da es im Hirnstamm und damit im Zentrum der zentralen Atemregulation keine Cannabisrezeptoren gibt, ist nicht mit einer Atemlähmung zu rechnen.
Zu den Zeichen der Cannabisintoxikation gehören: Tachykardie oder erhöhte Herzrate, außerdem Mundtrockenheit und konjunktivale Injektion (Rötung der Bindehaut). So kann Cannabis eine Angina pectoris auslösen (z. B. Hoch et al. 2015a). Bei Menschen, die kürzlich einen Herzinfarkt durchgemacht haben, ist das Reinfarktrisiko Stunden nach einem Konsum erhöht. Cannabis kann auch zu orthostatischer Hypotension führen, was das Risiko für ischämische Hirninfarkte erhöht. Die Hypotension tritt v. a. bei gleichzeitigem Alkoholkonsum auf.
Cannabis bewirkt eine akute Verschlechterung verschiedener kognitiver Funktionen. Dabei sind das episodische und das Arbeitsgedächtnis, die Planung und Entscheidungsfindung, die Antwortgeschwindigkeit u. a. betroffen. Die Psychomotorik ist verlangsamt, die Reaktionszeiten nehmen zu. Da diese Fähigkeiten zum sicheren Führen eines Fahrzeugs benötigt werden, ergibt sich bei Verkehrsunfällen ein erhöhtes Mortalitätsrisiko (Fischer et al. 2016). Typische Symptome einer Cannabisintoxikation sind Euphorie und Enthemmung, aber auch Agitiertheit und Angst, gelegentlich paranoide Ideen (Misstrauen), ein verlangsamtes Zeiterleben, eine Beeinträchtigung von Urteilsvermögen und Aufmerksamkeit, im Extremfall optische oder akustische und taktile Halluzinationen, Depersonalisation und Derealisation.
Erstkonsumenten von gerauchtem Cannabis verspüren häufig keine Wirkung (Grinspoon 2010). Nach einem Bericht eines Arztes (mündliche Mitteilung Dr. med. Christoph Bürki), der den Sanitätsdienst an einem alljährlichen großen Rockmusikfestival bestreitet, werden von diesem Dienst zwei Kategorien von Patienten gesehen, die den Sanitätsposten wegen Intoxikationserscheinungen von Cannabis aufsuchen: 1. Neukonsumenten und 2. Konsumenten, die nach längerer Abstinenz zum ersten Mal wieder Cannabis konsumieren.
Symptomatisch zeigen die Betroffenen heftige Angstzustände und Panikattacken, haben Halluzinationen und Erbrechen. Auf den Notfallstationen der Spitäler werden auch Leute gesehen, die unter der Cannabisintoxikation aggressiv sind (Dines et al. 2015), allerdings ist die Assoziation mit aggressivem Verhalten unklar. Bei akuten Intoxikationen bei nichtchronischen Konsumenten nimmt die Aggressivität ab (Rodríguez-Arias et al. 2016). Bei chronischem Konsum ist das aggressive Verhalten deutlich stärker durch demografische Variable beeinflusst als durch psychopharmakologische Effekte (Barthelemy et al. 2016).
Cannabisintoxikationen führen selten zu stationären Aufnahmen. Die akuten Intoxikationszustände klingen von selbst ab; Beruhigung durch eine sichere Umgebung und persönlichen Beistand ist dabei hilfreich. Auf eine pharmakologische Sedierung kann in aller Regel verzichtet werden.

Merke

Cannabisintoxikation

  • Cannabisintoxikationen führen nie zum Tod durch Atemlähmung.

  • Sie klingen ohne Maßnahmen von selbst wieder ab, auch wenn sie mit starken Angstzuständen, selten paranoiden Gedanken verbunden sein können.

Cannabisentzug

Cannabis/CannabinoideEntzugssyndromEntzugssymptome/-syndromCannabis/CannabinoideCannabisentzüge verlaufen meist sehr milde. Früher wurde überhaupt diskutiert, inwieweit es einen eigentlichen Cannabisentzug gibt. Die ICD-10 und das DSM-5 gehen aber beide davon aus. Typische Symptome, die nach hohem Konsum auftreten können, sind (Übersichten bei Soyka et al. 2017; Bonnet und Preuss 2017):
  • Schlafstörungen

  • Albträume

  • Reizbarkeit

  • Aggressivität

  • Depressivität

  • Craving

  • Schmerzen

  • Konzentrationsstörung, kognitive Probleme

  • Schwitzen

  • Tremor

  • Kälteschauer

  • Appetitstörungen

Das Cannabisentzugssyndrom klingt meist rasch ab, eine stationäre Behandlung ist kaum notwendig. Eine spezifische Pharmakotherapie ist bisher nicht etabliert. Beim Vorliegen schwerer Angststörungen oder anderer komorbider psychischer Störungen mit entsprechender psychopathologischer Symptomatik sind pharmakologische Interventionen indiziert. Sehr selten sind sog. FlashbacksFlashbacksnach Cannabiskonsum nach Cannabiskonsum (Update: s. Bonnet und Preuss 2017).

Effekte des Cannabis-Langzeitkonsums

Merke

Probleme des Cannabiskonsums

  • Früher Beginn (nicht abgeschlossene Hirnreifung) und große Konsummengen sind ungünstig.

  • Ein kleiner Teil der Konsumenten entwickelt eine Abhängigkeit.

  • Ein Langzeitkonsum ist mit sozialem Versagen und kognitiven Störungen vergesellschaftet.

Cannabis/CannabinoideLangzeitkonsumIn der Regel wird Cannabis nur über einen beschränkten Zeitraum konsumiert und dann aufgegeben. In einer großen australischen Zwillingsstudie (Lynskey et al. 2006) wurde dargestellt, dass
  • 1.

    ein moderater genetischer Einfluss auf die Dauer des Cannabiskonsums sowohl bei Männern als auch bei Frauen besteht,

  • 2.

    starke genetische Einflüsse auf eine Cannabisabhängigkeit bei Männern und Frauen vorliegen;

  • 3.

    für geteilte Umgebungseinflüsse sowohl bei Männern wie Frauen keine Evidenz gefunden werden konnte.

Unter Langzeitkonsum kann der Konsum die Ausprägung eines CannabisabhängigkeitssyndromsCannabis/CannabinoideEntzugssyndrom erreichen, das nach den Kriterien von ICD-10 oder DSM-5 diagnostiziert wird. Neben Toleranzerscheinungen zeigen Abhängige auch ein Entzugssyndrom, das mit Angstzuständen, Schlaflosigkeit, Appetitstörungen und Depressionen verbunden sein kann, jedoch meist unspezifisch ist. Das häufigste Symptom ist dabei das „CravingCravingCannabis“ („Reißen“) (Budney et al. 1999).
Cannabis/CannabinoideLangzeitkonsumPrävalenzIn Australien, Kanada und den USA sind 1–2 % der erwachsenen Bevölkerung von einem schädlichen Gebrauch und Abhängigkeit von Cannabis betroffen. Das Risiko, eine cannabisbedingte Störung zu entwickeln, wird für Personen, die ihren Konsum in der Adoleszenz begonnen haben, auf 16 % und für Personen, die täglich Cannabis rauchen, auf 33–50 % geschätzt. In Deutschland und der Schweiz beträgt die Lebenszeitprävalenz in der Bevölkerung für Cannabiskonsum etwa 15 %, die 12-Monats-Prävalenz etwa 5 %, aber nur etwa 0,5 % der Konsumenten sind abhängig (Soyka et al. 2017).
Bei Langzeitkonsum lassen sich recht konsistent Defizite bezüglich verbalem Lernen, Gedächtnis und Aufmerksamkeit finden. Auch sinkt der IQ dabei über die Zeit. Wie weit sich diese Defizite nach Beendigung des Konsums erholen, wird in der wissenschaftlichen Literatur kontrovers diskutiert.
Cannabis/CannabinoideLangzeitkonsumsoziale FolgenEin früher Beginn des Cannabiskonsums vor dem 15. Lebensjahr korreliert mit vorzeitigem Schulabgang, späterem niedrigerem Einkommen, niedrigerem Berufsabschluss, größerer Abhängigkeit von Sozialhilfe, Arbeitslosigkeit und Konsum von anderen Drogen. Dabei spielen aber auch Umgebungs- und genetische Faktoren eine Rolle. Trotz Korrelationen bleiben die kausalen Zusammenhänge unklar. Umstritten ist bei Langzeitkonsumenten das Auftreten eines amotivationalen SyndromsCannabis/Cannabinoideamotivationales SyndromAmotivationales Syndrom, Cannabis-Langzeitkonsum. Gemeint ist mit dem Begriff, dass die Betroffenen nicht motiviert sind, gesellschaftlich vorgegebene Leistungsnormen zu erfüllen. Dieser Verweigerung liegt aber wohl auch eine fehlende Motivation zugrunde. Eine Metaanalyse ergab Defizite im Lernverhalten (Grant et al. 2003), während Schreiner und Dunn (2012) leichte, globale Defizite der kognitiven Leistungsfähigkeit fanden, einschließlich exekutiver Funktionen, Merkfähigkeit, abstraktem Denken, Aufmerksamkeit und Lernvermögen. Die Reversibilität ist nicht eindeutig. Studien mit Jugendlichen deuten persistierende Defizite an (Broyd et al. 2016; Lisdahl et al. 2013; Medina et al. 2007; Meier et al. 2012, 2016; Solowij et al. 2011; Tait et al. 2011, 2013). Dazu würden Volumenreduktionen im Bereich von Amygdala und Hippokampus passen (Koenders et al. 2016).
Cannabis/CannabinoideLangzeitkonsumkörperliche FolgeschädenAn körperlichen Folgeschäden sind beim regelmäßigen Langzeitkonsum chronische Bronchitiden zu nennen (Hall 2015; Hall und Degenhardt 2014; Volkow et al. 2014; Hoch et al. 2015a). Eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist im Gegensatz zum Tabakrauchen keine Folge des Cannabisrauchens. Ein Risiko für Pneumonien geht von Aspergillus fumigatus aus, mit dem Cannabis nicht selten verunreinigt ist, weil die Makrophagenaktivität in den Luftwegen durch Cannabis reduziert wird.
Während die Cannabispflanze selbst keine Karzinogene enthält, entstehen diese beim Rauchen. Die Studien sind oft nicht konsistent. Möglicherweise besteht ein erhöhtes Risiko für oropharyngeale Karzinome, jedoch ein erniedrigtes Risiko für orale und Zungenkarzinome. Eine gepoolte Analyse fand keine Assoziation zwischen Cannabisrauchen und Lungenkarzinom, wobei es allerdings auch positive Befunde gibt (Hoch et al. 2015; Soyka et al. 2017). Eine leicht erhöhte Odds Ratio (OR) fand sich für testikuläre Karzinome. Für andere Karzinome ließen sich keine belegten Assoziationen etablieren. Eine Modulation des Immunsystems durch Cannabinoide (fragliche Immunsuppression) ist wahrscheinlich; die bisherigen Studien stammen aber hauptsächlich aus dem Bereich der Grundlagenforschung (Hoch et al. 2015a). Bezüglich kardiovaskulärer Störungen nach Cannabiskonsum liegen Fallberichte (Bachs und Morland 2001; Mateo et al. 2006) und eine Fall-Kontroll-Studie (Mittleman et al. 2001) mit prospektiver Nachuntersuchung vor (Mukamal et al. 2008). Demnach ist das Risiko eines Herzinfarkts bis zu 60 min nach Cannabiskonsum signifikant erhöht (OR = 4,8; 95%-KI: 2,4–9,5). Im prospektiven Studienteil (Mukamal et al. 2008) ergab sich bei n = 1.913 Patienten in einem durchschnittlichen Katamnesezeitraum von 3,8 Jahren eine dosisabhängige Beziehung zwischen Cannabiskonsum und Mortalität nach initialem Herzinfarkt. Cannabiskonsum (< 1 ×/Woche) war mit einer Hazard Ratio (HR) für die Mortalität von 2,5 (95%-KI: 0,9–7,3) verbunden, die HR bei wöchentlichem Konsum betrug 4,2 (95%-KI: 1,2–14,3). Die alters- und geschlechtsadjustierte HR mit jemals stattgefundenem Konsum lag bei 1,9 (95-%-KI: 0,6–6,3) für kardiovaskuläre und bei 4,9 (95%-KI: 1,6–14,7) für andere Todesursachen (Hoch et al. 2015).

Cannabis, Schizophrenie und andere psychische Störungen

Cannabis/Cannabinoidepsychische StörungenCannabis/Cannabinoideschizophrene Psychosen„Cannabis macht schizophren!“ Dieser Slogan wird gern benutzt, um jede Reform der Gesetzgebung im Bereich Cannabis zu verhindern. In dieser vereinfachten Sichtweise würde auch Tabak „schizophren machen“ (Gurillo et al. 2015). Die Entwicklung einer schizophrenen Erkrankung ist in der Bevölkerung ein eher seltenes Ereignis. Dieses Risiko steigt bei Cannabiskonsumenten unter dem 18. Lebensjahr und steht in Beziehung zum Alter bei Konsumbeginn und zur Konsumfrequenz. Der Beginn von Konsum in der Kindheit, eine hohe Konsumfrequenz und hohe Konsummengen sind negative Faktoren. Das Risiko erhöht sich, ist aber noch immer nicht sehr hoch.
Gesichert ist der schlechtere Verlauf einer Schizophrenie mit Exazerbation der Symptome und das Triggern eines Rückfalls, wenn der Konsum nicht aufgegeben wird. Die schizophrene Symptomatik ist unter dem Einfluss von Cannabis deutlich florider. Auch treten die Erstsymptome einer Schizophrenie bei Cannabiskonsumenten in einem früheren Alter auf als bei Nichtkonsumenten.
In den letzten Jahren berichteten sechs systematische Reviews über die möglichen Zusammenhänge von Cannabiskonsum, Cannabiskonsumstörungen und dem Risiko für das Auftreten von schizophrenen Psychosen (Kirkbride et al. 2012; Large et al. 2011; Marconi et al. 2016; van der Meer et al. 2012; Moore et al. 2007; Myles et al. 2012). Die zeitlich jüngste Arbeit schloss insgesamt zehn Studien mit mehr als 66.800 Teilnehmern ein (Marconi et al. 2016). Demnach konnten Zusammenhänge zwischen Cannabiskonsum und PsychosePsychosen/psychotische Störungencannabisinduziert mit einer OR von nahezu 4 bei intensiven Cannabiskonsumenten (OR: 3,9, 95%-KI = 2,84–5,34) im Vergleich zu Nichtkonsumenten gezeigt werden. Das Auftretensrisiko für eine schizophrene Psychose schwankte zwischen 1,97 (95%-KI: 1,68–2,31) bei Personen mit mittlerem Konsum in der Vergangenheit bis zu einer OR von 3,40 (95%-KI: 2,55–4,54) bei Gebrauch der oberen 20 % der Konsummenge. Aktueller Cannabiskonsum war mit einer (gepoolten) OR von 3,59 (95%-KI: 2,42–5,32) für psychotische Symptome und die Diagnose einer schizophrenen Psychose (gepoolte OR: 5,07; 95%-KI: 3,62–7,09) assoziiert.
Moore et al. (2007) berichteten in ihrer gepoolten Analyse ebenfalls über ein erhöhtes Auftretensrisiko einer schizophrenen Psychose bei Cannabiskonsumenten mit mindestens einem Konsumereignis (OR: 1,41, 95%-KI: 1,20–1,65). Bei regelmäßig Konsumierenden stieg die OR auf 2,09 (95%-KI: 1,54–2,84) an.
Nachfolgende Arbeiten weisen auf einen früheren Erkrankungsbeginn der Psychosen bei Cannabiskonsumenten hin. Die Übersichten von Large et al. (2011) (n = 22.519 untersuchte Personen) und Myles et al. (2012) (n = 18.578 Personen) berichten über ein um durchschnittlich 2,7 Jahre früheres Auftreten der Schizophrenie bei den Konsumenten. Außerdem ist der Konsum von Cannabinoiden bei Psychosepatienten generell höher als bei Vergleichsgruppen (McLoughlin et al. 2012).
Wie groß die genetischen Einflüsse sind, weiß man noch nicht genau. In einer Studie mit psychisch Gesunden konnte nachgewiesen werden, dass eine Variation am rs2494732-Locus des AKT1-Gens ein Prädiktor für eine akute psychotische Reaktion auf Cannabis, Abhängigkeit und auch schizotypische Symptome war. Das Arbeitsgedächtnis war unter Cannabis bei weiblichen Studienteilnehmern schlechter, und es gab Hinweise im drogenfreien Zustand, dass ein COMT-Polymorphismus einen Einfluss auf das Arbeitsgedächtnis hat (Morgan et al. 2016). Es gibt Hinweise, dass eine Assoziation zwischen einer individuellen Belastung mit Schizophrenierisiko-Allelen und dem Konsum von Cannabis besteht. Dies war signifikant für den Vergleich von Personen, die Cannabis konsumierten, und jenen, die nie konsumiert hatten, und der konsumierten Menge bei den Konsumenten. Dies legt den Verdacht nahe, dass die Assoziation von Schizophrenie und Cannabis auf einer geteilten genetischen Ätiologie basiert (Power et al. 2014).
Sowohl bei schizophrenen Erkrankungen als auch bei extensivem Cannabiskonsum treten Veränderungen der weißen Hirnsubstanz auf. Dies könnte eine Verbindung von Schizophrenie und Cannabiskonsum darstellen (Crocker und Tibbo 2016).
Für einen kausalen Zusammenhang zwischen der Entwicklung einer Schizophrenie und Cannabiskonsum müsste die Inzidenz der Schizophrenie mit der Inzidenz des Cannabiskonsums unter Jugendlichen schwanken. Die Inzidenzen der Schizophrenie stiegen aber trotz der höheren Inzidenz des Cannabiskonsums nicht.
Cannabis/CannabinoideDepressionenFür DepressionenDepression und SuchtCannabiskonsum wurde eine moderate Assoziation mit regelmäßigem Cannabiskonsum gefunden, dabei konnte weder belegt werden, dass Cannabis für die Depression verantwortlich ist, noch konnte nicht ausgeschlossen werden, dass Depressive vermehrt Cannabis konsumieren. Die Zahlen zu Cannabis und Suizidgedanken und Suizidversuchen sind nicht schlüssig. Wenige vorhandene Daten legen eine erhöhte Suizidmortalität bei gleichzeitiger CannabisabhängigkeitSuizidalitätCannabisabhängigkeit und DepressionCannabis/CannabinoideSuizidalität nahe. Auch zu anderen psychischen Erkrankungen (Angst-, Verhaltens-, Ess-, Persönlichkeitsstörungen) wurden Assoziationen gefunden, jedoch ist die Datenlage schmal.
Aktuelle Querschnittsuntersuchungen haben eine Assoziation von Cannabiskonsum und psychiatrischen Erkrankungen ergeben, die in Longitudinaluntersuchungen nur inkonsistent gefunden wurde (Degenhardt et al. 2013; van Laar et al. 2007). Speziell die Komorbidität von Cannabiskonsumstörungen und Depressionen/Angsterkrankungen wurde in einer großen prospektiven Longitudinalstudie in den USA untersucht (Blanco et al. 2016; Hill 2017), in die insgesamt 34.653 Probanden eingeschlossen waren. Cannabiskonsum war zwar mit anderem Substanzkonsum assoziiert, aber nicht mit affektiven oder Angsterkrankungen.

Merke

Cannabis und psychiatrische Erkrankungen

  • Zwischen Cannabiskonsum und Schizophrenie bestehen statistische Korrelationen.

  • Ein kausaler Zusammenhang ist nicht belegt.

  • Eine gerichtete Kausalität („Cannabis macht schizophren“) ist nicht belegt, auch wenn dies regelmäßig immer wieder behauptet wird.

  • Von pharmakologischen Interventionen ist derzeit wenig zu erwarten.

  • Auch für andere psychiatrische Erkrankungen gibt es mit Cannabiskonsum Assoziationen.

Behandlung der Cannabisabhängigkeit

Cannabis/CannabinoideAbhängigkeit/MissbrauchBehandlungFür viele junge Menschen ist der Konsum von Cannabis eine vorübergehende Phase, die mit Ende 20 endet. Wenn jemand aber eine Behandlung seiner Abhängigkeit benötigt, stellt sich die Frage, wie diese auszugestalten sei. Wie bei jeder Erkrankung aus dem psychiatrischen Spektrum kommen auch hier psychotherapeutische und psychosoziale sowie pharmakotherapeutische Interventionen in Betracht. In Europa steigt die Nachfrage nach Behandlungen wegen cannabisbezogener Störungen kontinuierlich an (EMCDDA 2016). Von der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle wurde eine Expertise in Auftrag gegeben, die einen Überblick über evidenzbasierte Behandlungsmöglichkeiten geben sollte (EMCDDA 2015). Diese ergab Folgendes:
  • Bei Jugendlichen haben sich v. a. motivationale TherapienCannabis/CannabinoideAbhängigkeit/Missbrauchmotivationale und Verhaltenstherapie wie das Motivational Interviewing (MI)Motivational Interviewing (MI)Cannabisabhängigkeit oder Motivational Enhancement Therapy (MET)Motivational Enhancement Therapy (MET) (Miller und Rollnick 2015; Miller et al. 1992/99) sowie kognitiv-behaviorale Therapien, Kontingenzmanagement und familientherapeutische Ansätze als relativ erfolgversprechend erwiesen. Oft handelt es sich um sehr kurze Interventionen mit nur wenigen Sitzungen. Bei Erwachsenen haben sich die genannten Therapien ebenfalls als wirksam erwiesen. Die erwähnte Expertise sowie mehrere Übersichtsarbeiten (Davis et al. 2014; Gates et al. 2016; Poznyak et al. 2016) unterstreichen ebenfalls, dass Motivationsförderung, kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und Kontingenzmanagement die höchste Effektivität aufweisen. Besonders gut ist die Datenlage für KVT (Walther et al. 2016a, b). Patienten mit komorbiden psychiatrischen Erkrankungen bedürfen wahrscheinlich längerer Behandlungen als „reine“ Cannabispatienten.

  • Auch in Deutschland werden die allermeisten Patienten mit cannabisbezogenen Störungen ambulant behandelt. Nur bei schweren Entzugssymptomen oder komorbiden Erkrankungen und Folgeschäden ist eine stationäre Behandlung sinnvoll (Hoch et al. 2015a, b). Selbsthilfegruppen spielen bei Cannabiskonsumenten eine eher untergeordnete Rolle.

  • Ein relativ gut untersuchtes Behandlungsmodell für cannabisbezogene Störungen im deutschen Sprachraum ist das CANDIS-ProgrammCANDIS-Programm (Hoch et al. 2011), das für ältere Jugendliche (ab 16 Jahren) und Erwachsene entwickelt und evaluiert wurde (Hoch et al. 2014, 2012) (siehe auch www.candis-projekt.de). Ziel ist entweder ein Konsumstopp oder eine Konsumreduktion. Das Programm ist modular aufgebaut und beinhaltet psychoedukative und motivationale Aspekte. Veränderungsmotivation und Bereitschaft sowie Fertigkeiten werden trainiert, Suchtverlangen, Rückfallprophylaxe, psychosoziales Problemlösen und Training sozialer Kompetenzen sind wichtige Elemente der einzelnen Sitzungen. Es handelt sich um ein klar strukturiertes Programm, dessen Wirksamkeit wissenschaftlich überprüft wurde.

  • Weitere Therapien sind niederschwellige Kurzinterventionen wie „realise it“ (www.realise-it.org) oder „can stop“, ein gruppentherapeutisches Behandlungsmodul (www.canstop.med.uni-rostock.de) (Soyka et al. 2017).

  • Neuere Ansätze beziehen sich auf internet- und computerbasierte Behandlungsinterventionen, die interessant sein könnten, weil gerade Jugendliche das traditionelle Suchtsystem eher nicht frequentieren. Zu nennen ist hier z. B. das internetbasierte Aussteigerprogramm „quit the shit“ (www.drugcom.de) oder weitere internetbasierte Kontaktforen (Übersicht bei Hoch et al. 2016).

Cannabis/CannabinoideAbhängigkeit/Missbrauchmedikamentöse Therapie(ansätze)Ein systematischer Cochrane-Review zu den pharmakologischen Behandlungsansätzen der Cannabisabhängigkeit kommt zu dem Schluss, dass die Evidenz für alle untersuchten Pharmakotherapien inkomplett ist und die Qualität der Resultate aufgrund der geringen Stichprobenumfänge, der Inkonsistenz und des Biasrisikos nicht hoch ist (Marshall et al. 2014). Eine Standardtherapie existiert nicht (Hoch et al. 2015a, b; Walther et al. 2016a, b). Es zeigt sich aber, dass SSRI, Antidepressiva mit gemischter Aktion, atypische Antidepressiva (Bupropion), Anxiolytika (Buspiron) und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (Atomoxetin) wahrscheinlich einen geringfügigen Wert in der Behandlung der Cannabisabhängigkeit haben. Möglicherweise haben THC-haltige Präparate einen Stellenwert, jedoch ist ihr Einsatz noch experimentell und bedarf weiterer Forschung. Interessant scheint auch der Einsatz von Gabapentin und N-Acetylcystein, jedoch braucht es auch zu diesen beiden Substanzen weitere Forschung (Marshall et al. 2014). Daneben werden in Balter et al. (2014) auch Oxycontin und Lithium als zu beforschende Medikamente vorgeschlagen.
Auch zu psychosozialen Interventionen bei Cannabisabhängigkeit liegt ein systematischer Cochrane-Review vor (Gates et al. 2016). Bei den untersuchten Studien waren die erzielten Abstinenzraten ähnlich niedrig wie bei anderen Suchtbehandlungen. Immerhin gelang es, die Konsumfrequenz und den Schweregrad der Abhängigkeit im Vergleich zu Kontrollen zu reduzieren. Eine intensive Intervention über mehr als vier Sitzungen, basierend auf MET und KVT, mit Anreizen zur Abstinenz schien in der Behandlung am besten geeignet.

Merke

Behandlung der Cannabisabhängigkeit

  • Pharmakologische Interventionen sind derzeit wenig evidenzbasiert oder indiziert.

  • Die besten Hinweise auf eine Wirksamkeit zeigen intensive psychosoziale Interventionen, basierend auf Motivational Enhancement Therapy (MET) und kognitiver Verhaltenstherapie (KVT), verbunden mit Abstinenzanreizen. Diese können die Konsumreduktion nachhaltig fördern.

Fazit für die Praxis

Obschon Cannabis die Menschen seit Jahrtausenden begleitet, bleibt vieles unklar. Mit jeder vermeintlichen Klärung einer Frage zu Cannabis ergeben sich Dutzende neuer Fragestellungen. Über all dem zunehmenden Detailwissen stellt sich die Frage, ob wir noch den Überblick aufs Ganze behalten können.
Neben einigen positiven weist Cannabis auch ein paar negative Eigenschaften auf. Wir müssen uns deshalb damit auseinandersetzen, wie wir mit Cannabis am besten umgehen. Dass man nach über 90 Jahren Prohibition von Cannabis das Problem immer noch nicht gelöst hat, müsste zum Nachdenken über Prohibition als vermeintlichen Lösungsansatz anregen. Rehm und Fischer (2015) haben aus Sichtweise der öffentlichen Gesundheit gute Gründe für eine Legalisierung von CannabisCannabis/CannabinoideLegalisierung(sfolgen) mit strikter Regulierung formuliert.
Konsumenten ins Gefängnis zu stecken, kann keine Lösung sein. Gerade die harschen Gesetze haben in den USA eine Legalisierungsbewegung angestoßen. Dabei wurde von vielen Seiten Schlimmes befürchtet. Mittlerweile hat man im Bundesstaat Colorado schon 4 Jahre Erfahrung mit der Legalisierung, und die Bilanz scheint erfreulich zu sein:
  • Der jugendliche Cannabiskonsum hat nicht zugenommen und blieb stabil.

  • Die Legalisierung von Cannabis ist mit Schadensminderung bei den Opioiden verbunden.

  • Die Zahl der tödlichen Opioidüberdosierungen ist gesunken und die Hospitalisierungen wegen Opioidproblemen haben abgenommen.

  • Autounfälle unter Einfluss von Cannabis haben nicht zugenommen.

  • Das Steueraufkommen hat die Erwartungen übertroffen, und es steht viel Geld für Schulen, Gemeindeprojekte und andere soziale Aufgaben zur Verfügung.

  • Schlussendlich generiert die Cannabis-Industrie eine große Anzahl Arbeitsplätze (DPA 2018).

Resümee

  • Psychische Effekte des Cannabiskonsums wurden vor 2.500 Jahren erstmals beschrieben, die human- und veterinärmedizinische Anwendung im Westen erstmals um die Zeitwende.

  • Während bis weit ins 20. Jh. die Beschreibung der Effekte rein phänomenologischer Natur war, brachte erst die Forschung Ende des 20. Jh. Licht in die biologischen Verhältnisse. Der Entdeckung des wichtigsten Cannabinoids, des Δ9-Tetrahydrocannabinols, folgte die Entdeckung einer neuen Rezeptorklasse (CB1- und CB2-Rezeptor) und eines eigentlichen Endocannabinoid-Systems mit körpereigenen Liganden. Auch wurde festgestellt, dass sich die Cannabinoide gegenseitig in der Wirkung modulieren.

  • Heute wird daran gearbeitet, aus dem ursprünglichen Phytotherapeutikum Cannabis standardisierte Medikamente für eine Vielzahl von Indikationen zu entwickeln.

  • Ungeachtet der gesetzlichen Verbote ist der Konsum von Cannabis in der Gesellschaft weitverbreitet und erfreut sich einer unerschütterlichen Beliebtheit außerhalb des Medizinalsystems als sogenannte Freizeitdroge. Gezielte Züchtungen haben zu einer Erhöhung des THC-Gehalts der Pflanzen geführt. Der hohe THC-Gehalt kann durch Extraktionsverfahren sogar noch erhöht werden,

  • Ein kleiner Teil der Konsumenten entwickelt ein Abhängigkeitssyndrom mit z. T. erheblichen Folgeschäden (in Abhängigkeit von Konsumbeginn, Dauer, Dosis und Frequenz zwischen 10 und nahezu 50 %). Besonders vulnerabel dafür sind Kinder und Jugendliche.

  • Mehrfach wurden Korrelationen zwischen Cannabiskonsum und psychischen Erkrankungen beobachtet. Eine einfache Kausalität ließ sich bislang nicht belegen; die Beziehungen zwischen Konsum und Erkrankung scheinen kompliziert zu sein.

  • Ein Cannabisabhängigkeitssyndrom lässt sich mit therapeutischen Maßnahmen günstig beeinflussen (Motivational Enhancement Therapy und kognitive Verhaltenstherapie, verbunden mit Abstinenzanreizen).

  • Der Ansatz, Cannabisprobleme mit Prohibition zu lösen, ist aufgrund der über 90-jährigen Erfahrung als untauglich zu bezeichnen. Die Public-Health-Ziele, wie sie auch in der Betäubungsmittelgesetzgebung festgelegt sind, werden nicht erreicht. Insbesondere ist kranken Menschen in Zukunft der Zugang zu diesem vielfältigen Phytotherapeutikum zu ermöglichen.

  • Verschiedene Inhaltsstoffe des Cannabis können bei einer Vielzahl von Erkrankungen Linderung oder Heilung bewirken. Beste Indikationen umfassen Schmerzsyndrome und antiemetische Wirkungen. Zur Behandlung einer Reihe von Erkrankungen besteht aber weiterer Forschungsbedarf.

  • Der Konsum von Cannabis ist aus wissenschaftlicher Sicht mit moderaten Risiken verbunden (Nutt et al. 2010). Deshalb sollte der Umgang mit Cannabinoiden gesellschaftlich diskutiert werden.

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