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B978-3-437-23021-9.00002-3

10.1016/B978-3-437-23021-9.00002-3

978-3-437-23021-9

Abb. 2.1

[L231]

Anzahl der DrogentotenSubstanzkonsum/-missbrauch in Deutschland im Verlauf der letzten 15 Jahre (nach Bundeskriminalamt 2015)

12-Monats-Prävalenz von Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit nach DSM-IV in der Allgemeinbevölkerung im Alter von 18 bis 79 Jahren (Daten des DGS-1)

Tab. 2.1
Frauen Männer Gesamt
Alkoholmissbrauch 0,4 3,1 1,8
Alkoholabhängigkeit 1,6 4,4 3,0

Prävalenz der Internetabhängigkeit und problematischer Internetnutzung aus der PINTA-StudieInternetnutzung, problematischePrävalenzInternet- und ComputerspielabhängigkeitPrävalenz(studien)

Tab. 2.2
Alter Gesamt (%) Weiblich (%) Männlich (%)
Internetabhängigkeit
14–24 2,4 2,4 2,5
14–16 4,0 4,9 3,1
Problematische Internetnutzung
14–24 13,6 14,8 12,4
14–16 15,4 17,2 13,7

Gebrauchsprävalenz (letzte 30 Tage) von Medikamenten in Deutschland 2015 SchmerzmittelGebrauchsprävalenzSedativaGebrauchsprävalenzHypnotikaGebrauchsprävalenzAntidepressivaGebrauchsprävalenzAntipsychotikaGebrauchsprävalenzStimulanzienGebrauchsprävalenzAppetitzügler, Gebrauchsprävalenz

(mod. nach Gomes de Matos et al. 2016 und Pabst et al. 2013)

Tab. 2.3
Gesamt (%) Männer (%) Frauen (%) Hochrechnung Vergleich 2012 (Gesamt %)
Schmerzmittel 47,1 38,6 55,7 24,02 Mio. 61,9
Schlafmittel- und Beruhigungsmittel 5,2 3,7 6,7 2,65 Mio. 5,5*
Antidepressiva 4,9 4,0 5,9 2,50 Mio. **
Neuroleptika 1,3 1,4 1,2 663.000 **
Anregungsmittel 0,7 0,7 0,6 357.000 0,9
Appetitzügler 0,3 0,1 0,4 153.00 0,4

*

In der Erhebung von 2012 wurden Schlafmittel und Beruhigungsmittel als unterschiedliche Gruppen aufgenommen, wobei hier sicher eine starke Überschneidung besteht. Die in der Tabelle angegebenen Zahlen beziehen sich auf die Kategorie „Schlafmittel“.

**

Die Kategorien Antidepressiva und Neuroleptika wurden in der Erhebung von 2012 nicht berücksichtigt.

Geschätzter Konsum illegaler Substanzen in der Europäischen Union KokainKonsumdatenMDMA(-Abhängigkeit)KonsumdatenAmphetamin(abhängigkeit/-missbrauch)Konsumdaten

(modifiziert nach EBDD 2016)

Tab. 2.4
Substanz Konsum in den letzten 12 Monaten
15- bis 64-Jährige (%) 15- bis 34-Jährige (%)
Cannabis 6,6 13,3
Kokain 1,1 1,9
MDMA 0,8 1,7
Amphetamine 0,5 1,0

Epidemiologie

Thomas Hillemacher

Hans-Jürgen Rumpf

  • 2.1

    Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen14

    • 2.1.1

      Einleitung14

    • 2.1.2

      Alkoholkonsum und riskanter Alkoholkonsum14

    • 2.1.3

      Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit14

  • 2.2

    Tabakkonsum und Tabakabhängigkeit15

    • 2.2.1

      Einleitung15

    • 2.2.2

      Tabakkonsum15

    • 2.2.3

      Tabakabhängigkeit15

  • 2.3

    Problematisches und pathologisches Glücksspielen15

    • 2.3.1

      Einleitung15

    • 2.3.2

      Problematisches und pathologisches Glücksspielen bei Erwachsenen15

  • 2.4

    Internetabhängigkeit16

    • 2.4.1

      Einleitung16

    • 2.4.2

      Internetabhängigkeit und problematische Internetnutzung16

  • 2.5

    Medikamentenmissbrauch und -abhängigkeit17

    • 2.5.1

      Einleitung17

    • 2.5.2

      Medikamentenabhängigkeit17

  • 2.6

    Konsum illegaler Substanzen17

    • 2.6.1

      Einleitung17

    • 2.6.2

      Opioidabhängigkeit18

    • 2.6.3

      Kokainabhängigkeit19

    • 2.6.4

      Amphetamine, Amphetaminderivate und andere Stimulanzien19

    • 2.6.5

      Halluzinogene und andere Suchtstoffe20

    • 2.6.6

      Cannabis20

    • 2.6.7

      Neue psychoaktive Substanzen20

  • 2.7

    Ausblick21

Kernaussagen

  • SuchterkrankungenEpidemiologieTabak- und Alkoholkonsum sind weitverbreitet, ebenso deren abhängige Konsumformen.

  • Der Pro-Kopf-Konsum von Alkohol ist nur geringfügig rückläufig und hält sich auf einem hohen Niveau im internationalen Vergleich.

  • Der Tabakkonsum – insbesondere bei Jugendlichen – ist rückläufig, was vornehmlich auf gesetzgeberische Maßnahmen zurückzuführen ist.

  • Pathologisches Glücksspielen weist eine Lebenszeitprävalenz von 1 % auf.

  • Internetabhängigkeit hat eine Prävalenz zwischen 1 und 2,1 % mit deutlich höheren Anteilen in jungen Altersgruppen.

  • Beim Konsum illegaler Substanzen steht der Cannabiskonsum mit einer Lebenszeitprävalenz von 24,8 % der 15- bis 64-Jährigen in Europa klar an erster Stelle, gefolgt vom Kokainkonsum bzw. dem Gebrauch neuer psychoaktiver Substanzen (NPS).

  • Der Konsum von Opioiden ist weiterhin der wesentliche Faktor für das Auftreten von Todesfällen beim Konsum illegaler Substanzen, in den letzten Jahren in Deutschland mit steigenden Zahlen.

  • Die Konsumhäufigkeiten unterscheiden sich zwischen den verschiedenen europäischen Ländern dabei deutlich.

Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen

Einleitung

Alkohol(abhängigkeit/-missbrauch)EpidemiologieDeutschland gehört zu den Ländern mit einem vergleichsweise hohen Alkoholkonsum. In den Jahren von 1990 bis 2008 ist zwar insgesamt ein Rückgang des Pro-Kopf-Konsums in Litern reinen Alkohols von 12,1 auf 9,9 Liter zu verzeichnen. Zwischen 2009 und 2014 ist das Niveau jedoch insgesamt stabil und liegt zwischen 9,6 und 9,7 Litern (John et al. 2016).

Alkoholkonsum und riskanter Alkoholkonsum

Alkohol(abhängigkeit/-missbrauch)riskanter KonsumIn Entsprechung zu dem hohen Pro-Kopf-GesamtkonsumAlkohol(abhängigkeit/-missbrauch)Pro-Kopf-Konsum ist der Anteil der Abstinenten relativ gering und die Zahl der riskanten und abhängigen Alkoholkonsumenten vergleichsweise hoch. Nach den Daten des Epidemiologischen Suchtsurveys aus dem Jahr 2015 gaben 72,5 % der Befragten an, in den letzten 30 Tagen Alkohol konsumiert zu haben (Gomes de Matos et al. 2016). Der Anteil war mit 77,1 % bei den Männern etwas größer als bei den Frauen mit 67,8 %.
Episodisches RauschtrinkenRauschtrinkenepisodischesEpisodisches Rauschtrinken, das definiert wurde als der Konsum von mindestens fünf alkoholischen Getränken an mindestens einem der letzten 30 Tage, war bei der Gesamtgruppe der 18- bis 64-Jährigen bei fast der Hälfe der Männer (46,5 %) zu verzeichnen und damit etwa doppelt so häufig wie bei Frauen (21,6 %). Insgesamt gaben 35 % der Befragten episodisches Rauschtrinken an. Der Konsum von riskanten Alkoholtrinkmengen wurde definiert als 12 g Reinalkohol bei Frauen und 24 g bei Männern (Burger et al. 2004) und kam bei 21,4 % der befragten Altersgruppe vor; hierbei lagen die Zahlen für Männer und Frauen mit 22,4 % bzw. 20,2 % nahe beieinander (Gomes de Matos et al. 2016). Hochgerechnet auf die Bevölkerung Deutschlands in der Altersgruppe 18–65 Jahre weisen fast 12,9 Mio. Personen ein episodisches Rauschtrinken auf und 7,8 Mio. einen riskanten Konsum.
In der Drogenaffinitätsstudie zeigte sich für 2015 bei den 12- bis 25-Jährigen, dass insgesamt 10 % einen für Erwachsene gesundheitlich riskanten Alkoholkonsum aufwiesen (Orth 2016). Das entspricht einem durchschnittlichen täglichen Konsum von 12 g Alkohol bei Frauen und 24 g bei Männern. Bei den weiblichen Befragten betrug dieser Anteil 9,2 %, bei den männlichen 10,9 %. Über die Jahre zeigte sich seit 2004 mit einem damaligen Höchststand von 14,5 % für die Gesamtgruppe somit ein Rückgang. Die jeweiligen Anteile der riskanten Konsumenten waren in der Gruppe der 12- bis 17-Jährigen mit 3,9 % deutlich geringer als in der Gruppe der 18- bis 25-Jährigen mit 14 %. In der jüngeren Altersgruppe überwog der Anteil bei den weiblichen Befragten mit 4,3 % den bei den männlichen mit 3,5 %. Regelmäßiger Alkoholkonsum war bei den 12- bis 17-Jährigen mit 10 % und bei den 18- bis 25-Jährigen mit 33,6 % verbreitet. Auch hier war über die vergangenen Jahre ein Rückgang zu verzeichnen.
Gleichermaßen ging seit 2004 (34,5 %) das RauschtrinkenRauschtrinken (fünf oder mehr Gläser Alkohol bei einer Gelegenheit für männliche und vier für weibliche Personen) in der 30-Tage-Prävalenz auf 26,2 % im Jahr 2015 zurück (Orth 2016). Rauschtrinken war in beiden Altersgruppen bei männlichen Befragten häufiger als bei weiblichen. So lag die Rate bei den 12- bis 17-Jährigen bei 8,9 % für die weiblichen und bei 15,9 % für die männlichen Probanden. Die Zahlen für häufiges Rauschtrinken (an mindestens 4 Tagen) lagen in der Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen bei 3 % für Männer und 4,2 % für Frauen. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen waren es 12,8 % bei den männlichen und 6,6 % bei den weiblichen Befragten.

Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit

Alkohol(abhängigkeit/-missbrauch)PrävalenzNach den Daten des vom Robert Koch-Institut (RKI) erhobenen Deutschen Gesundheits-Surveys (DEGS) weisen 1,8 % der Bevölkerung im Alter von 18 bis 79 Jahren einen Alkoholmissbrauch auf und 3,0 % eine Alkoholabhängigkeit (Jacobi et al. 2014), wobei die Prävalenz bei den männlichen Befragten jeweils höher ist (Tab. 2.1).
Nach den Daten des Epidemiologischen Suchtsurveys lag bei 19 % der Befragten im Alter zwischen 18 und 64 Jahren ein klinisch relevanter Alkoholkonsum vor (Gomes de Matos et al. 2016), der definiert wurde als ≥ 8 Punkte im Alcohol Use Disorders Identification Test (AUDIT; Babor et al. 2001). Dieser Anteil war bei Männern mit 28,3 % gegenüber Frauen mit 9,6 % dreifach erhöht.

Tabakkonsum und Tabakabhängigkeit

Einleitung

TabakkonsumEpidemiologieTabakkonsum ist nach wie vor weitverbreitet, auch wenn insgesamt der Anteil der rauchenden Bevölkerung rückläufig ist. Der Konsum von Tabakprodukten ist mit hoher Morbidität und Mortalität assoziiert. Insgesamt führt Tabak zur höchsten Rate von Abhängigkeiten bezogen auf eine psychotrope Substanz.

Tabakkonsum

In der DEGS1-Studie, die in den Jahren 2008 bis 2011 durchgeführt wurde, waren 29,7 % der Befragten in der Altersgruppe 18–79 Jahre tägliche oder gelegentliche Raucher (Lampert et al. 2013). Der Anteil der Nie-Raucherinnen war mit 50,3 % höher als der der Nie-Raucher mit 33,7 %. Auch der Anteil täglicher Raucher war mit 46,1 % bei den Männern höher als bei den Frauen mit 21,4 %. Die Rate der täglichen Raucher und Raucherinnen war in der Altersgruppe der 18- bis 44-Jährigen am höchsten. Frauen und Männern mit einem niedrigen sozialen Status sind etwa doppelt so häufig Raucherinnen und Raucher wie Personen mit einem hohen Sozialstatus. Dieser Zusammenhang findet sich in ähnlicher Form auch bei der Betrachtung der starken Raucher.
Betrachtet man die Entwicklung von 1995 bis 2015, so ging der Konsum von Tabak innerhalb der letzten 30 Tage bei Männern von 42,8 auf 28,1 % und bei Frauen von 29,3 auf 23,4 % zurück (Kraus et al. 2016). Im epidemiologischen Suchtsurvey von 2015 hatten 31,2 % der Männer und 26,1 % der Frauen in den letzten 30 Tagen geraucht. Einen hohen Konsum von täglich 20 Zigaretten oder mehr gaben insgesamt 21,4 % der Befragten in der Altersgruppe 18–64 Jahre an (Gomes de Matos et al. 2016).
Nach den Daten der Drogenaffinitätsstudie rauchten im Jahr 2015 18,9 % der befragten Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren (Orth 2016). Bei den weiblichen Personen waren es 17,7 %, bei den männlichen 20,1 %. Bezogen auf die Altersgruppe von 18- bis 25-Jährigen waren es 26,2 % insgesamt, 24,2 % der weiblichen und 28,1 % der männlichen Personen.
Zwischen 1979 und 2015 ging der Gesamtkonsum von 43,9 auf 18,9 % zurück (Orth 2016). In der Gruppe der 12- bis 17-Jährigen waren es 30,2 % im Jahr 1971 und 7,7 % im Jahr 2015. In der Altersgruppe 18–25 Jahre ist ein Rückgang von 59,2 auf 26,2 % zu verzeichnen. Insgesamt ist der Rückgang bei den weiblichen und männlichen Befragten ähnlich stark ausgeprägt.

Tabakabhängigkeit

TabakabhängigkeitEpidemiologieLaut dem Fagerström Test for Nicotine Dependence (FTND; Fagerström und Schneider 1989) im Epidemiologischen Suchtsurvey von 2015 bestand der Verdacht auf eine NikotinabhängigkeitNikotinabhängigkeit siehe Tabakabhängigkeit bei 10,8 % der Männer und 8,2 % der Frauen (Gomes de Matos et al. 2016). Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung wiesen somit 4,8 Mio. Menschen einen starken Tabakkonsum auf, der mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Abhängigkeit hinweist. Im DEGS1 waren 13,1 % der Gesamtstichprobe, 11,7 % der Frauen und 14,6 % der Männer nikotinabhängig (Jacobi et al. 2014).

Problematisches und pathologisches Glücksspielen

Einleitung

Glücksspielen ist in der Bevölkerung weitverbreitet. Ein Teil der Glücksspieler entwickelt problematisches oder pathologisches Glücksspielen. Einige Glücksspielformen sind nicht mit einer Abhängigkeitsentwicklung verbunden, dazu gehört z. B. das Lottospiel. Andere Spiele mit einer höheren Ereignisfrequenz wie das Automatenspiel oder Wetten haben dagegen ein hohes Suchtpotenzial.

Problematisches und pathologisches Glücksspielen bei Erwachsenen

Der Glücksspiel-Survey der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) weist für das Jahr 2015 einen Anteil von 0,42 % für problematisches GlücksspielenGlücksspielenproblematisches, Epidemiologie in der Bevölkerung zwischen 16 und 70 Jahren auf (Haß und Lang 2016). Dabei lag die Rate bei Männern mit 0,66 % deutlich höher als bei Frauen mit 0,18 %. Das pathologische Glücksspielen Glücksspielenpathologisches (Glücksspielsucht)Epidemiologiewurde anhand eines Fragebogens geschätzt und betrug 0,37 % in der Gesamtstichprobe, 0,68 % bei den männlichen und 0,07 % bei den weiblichen Befragten.
Besonders zuverlässige Daten aufgrund eines klinischen Interviews in der Allgemeinbevölkerung von 14 bis 64 Jahren stellte die PAGE-Studie „Pathologisches Glücksspiel und Epidemiologie“ bereit (Meyer et al. 2015). Hiernach beträgt die Lebenszeitdiagnose 1 %. Darüber hinaus wiesen 1,4 % problematisches Spielen (Erfüllen von 3–4 DSM-IV-Kriterien) auf. Hochgerechnet bedeutet dies, dass 530.000 Personen die Lebenszeitdiagnose „pathologisches Glücksspielen“ erfüllten (Rumpf et al. 2013).
Für die letzten 12 Monate vor Erhebung zeigt sich eine Prävalenz von 0,31 % für das problematische und von 0,35 % für das pathologische Glücksspielen; Letzteres wären etwa 190.000 Personen in der Altersgruppe 14 bis 64 Jahre. Es zeigen sich charakteristische Risikomerkmale für die Entwicklung von pathologischem GlücksspielenGlücksspielenpathologisches (Glücksspielsucht)Risikomerkmale; dazu gehören männliches Geschlecht, junges Alter, Migrationshintergrund und Arbeitslosigkeit (Meyer et al. 2011).
Bei der Betrachtung von zeitlichen Verläufen geht das Spielen einzelner Spielformen zurück, während die Prävalenzen von problematischem und pathologischem Glücksspielen unverändert sind (Haß und Lang 2016).
Nach den Daten des Glücksspiel-Surveys der BZgA für das Jahr 2015 lag der Anteil des problematischen Glücksspielverhaltens der 16- bis 17-Jährigen bei 0,37 % und für das auffällige Spielverhalten bei 1,75 % (Haß und Lang 2016). Die Daten sind insoweit bemerkenswert, als das Glücksspiel für diese Altersgruppe verboten ist. Es zeigen sich ähnliche Geschlechterunterschiede wie bei den Erwachsenen, insbesondere bei problematischem Verhalten.
Verglichen mit den Daten der BZgA kommt die PAGE-Studie zu deutlich höheren Anteilen problematischen und pathologischen Glücksspielens unter Jugendlichen. Hier wurde die Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen untersucht. Daraus ging hervor, dass 1,5 % der Jugendlichen pathologisches und 1,1 % problematisches Glücksspielen (Erfüllen von 3–4 DSM-IV-Kriterien) aufwiesen (Meyer et al. 2011).

Internetabhängigkeit

Einleitung

Die Nutzung von Computern, Laptops, Smartphones und anderen Endgeräten ist weitverbreitet und wird zunehmend ein Teil des täglichen Lebens. Neben den angenehmen und das Leben erleichternden Aspekten stellen Anwendungen für einen Teil der Nutzer jedoch auch einen solchen bedeutsamen Reiz dar, dass die anderen Bereiche des Lebens in den Hintergrund geraten und eine klinisch auffällige Störung entsteht. Die existierenden Definitionen ähneln denen von substanzbezogenen Störungen oder pathologischem Glücksspielen.

Internetabhängigkeit und problematische Internetnutzung

Internet- und ComputerspielabhängigkeitEpidemiologieInternetnutzung, problematischeEs gibt noch keine einheitliche Definition von Internetabhängigkeit, weshalb Schätzungen mit Vorsicht zu betrachten sind. Nach der bundesweiten Studie „Prävalenz der Internetabhängigkeit“ (PINTA) weist 1,0 % der Bevölkerung im Alter von 14 bis 64 Jahren eine Internetabhängigkeit auf (Rumpf et al. 2014). Dabei gab es ein nichtsignifikantes leichtes Überwiegen bei den männlichen Befragten (1,2 vs. 0,8 %) in der Gesamtgruppe, was sich jedoch in jüngeren Altersgruppen verlor (Kap. 2.4.1). Aus Mangel an einer allgemeingültigen Diagnostik wurden in PINTA latente Klassen bestimmt. Neben der als abhängig definierten Gruppe wies eine weitere Gruppe eine problematische Internetnutzung auf. Die Prävalenz dieser latenten Klasse betrug 4,6 % für die Gesamtgruppe, 4,4 % für die weiblichen und 4,9 % für die männlichen Befragten. Andere Schätzungen von bevölkerungsbasierten Studien in Deutschland gehen von bis zu 2,1 % für die Gesamtbevölkerung aus (Müller et al. 2014).
Internet- und ComputerspielabhängigkeitRisikofaktorenZu den Risikofaktoren für die Entwicklung einer Internetabhängigkeit gehören junges Alter, Migrationshintergrund und Arbeitslosigkeit (Rumpf et al. 2016).Während in früheren Studien männliches Geschlecht als Risikofaktor galt, ist das Geschlechterverhältnis in jüngeren Studien ausgeglichen. Es zeigen sich aber Unterschiede in den Internetanwendungen, die von abhängigen Personen präferiert werden. Während dies bei männlichen Befragten Online-Spiele sind, bevorzugen die weiblichen Internetabhängigen soziale Netzwerke (Rumpf et al. 2014).
Die Anteile der Personen mit einer Internetabhängigkeit wachsen deutlich in jüngeren Altersgruppen; so beträgt in der PINTA-Studie die Prävalenz bei den 14- bis 24-Jährigen 2,4 % und bei den 14- bis 16-Jährigen 4 % (Rumpf et al. 2014). Nimmt man die Gruppe der problematischen Nutzung hinzu, so gehen die Zahlen noch einmal deutlich nach oben (Tab. 2.2).

Fazit für die Praxis

  • Ziel von Maßnahmen sollte die Reduzierung der Prävalenzraten des problematischen Gebrauchs und der abhängigen Konsumformen darstellen.

  • Neben Prävention und Behandlung sind Frühinterventionen zur Senkung der Prävalenz besonders geeignet.

  • Risikomerkmale wie Arbeitslosigkeit oder Migrationshintergrund weisen auf die Notwendigkeit der besonderen Beachtung spezifischer Zielgruppen hin.

Medikamentenmissbrauch und -abhängigkeit

Einleitung

Medikamentenabhängigkeit/-missbrauchPrävalenzDie Einnahme von Medikamenten mit Abhängigkeitspotenzial ist ein zunehmendes Problem vor allem der alternden Gesellschaft. Im Epidemiologischen Suchtsurvey von 2015 wird eine Gebrauchsprävalenz (letzte 30 Tage) von 47,1 % für Schmerzmittel, von 5,2 % für Schlaf- und Beruhigungsmittel, 0,7 % für Anregungsmittel (insb. AmphetamineAmphetamin(abhängigkeit/-missbrauch)Gebrauchsprävalenz), 4,9 % für Antidepressiva, 1,3 % für Neuroleptika und 0,3 % für Appetitzügler beschrieben (Gomes de Matos et al. 2016). Im Unterschied zu anderen Erhebungen wurde im Bereich SchmerzmittelSchmerzmittelGebrauchsprävalenz nicht zwischen rezeptfreien, rezeptpflichtigen bzw. Medikamenten unterschieden, die der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV) unterliegen. Der Großteil der angegebenen Zahlen des Epidemiologischen Suchtsurveys zu Schmerzmitteln bezieht sich daher auf die Einnahme von nicht opiathaltigen Arzneien. Die Entwicklung einer Abhängigkeit bei diesen Präparaten ist jedoch klinisch sehr umstritten, ebenso bei der Gruppe der Antidepressiva und Neuroleptika. Die Zahlen des Epidemiologischen Suchtsurveys geben daher Hinweise auf den Gebrauch bestimmter Medikamente in der Allgemeinbevölkerung, lassen jedoch nicht direkt auf die Häufigkeiten von Medikamentenabhängigkeiten schließen (Tab. 2.3).

Medikamentenabhängigkeit

Medikamentenabhängigkeit/-missbrauchEpidemiologieDie Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS) geht davon aus, dass in Deutschland ca. 1,4–1,5 Mio. Personen die Kriterien einer Medikamentenabhängigkeit erfüllen. Nach Schätzungen der DHS ist zu vermuten, dass zwei Drittel der Betroffenen Frauen im Alter von < 65 Jahren sind. Der größte Teil der Medikamentenabhängigkeit entfällt dabei mit ca. 70 % auf die Gruppe der BenzodiazepineBenzodiazepineAbhängigkeit/LangzeitgebrauchEpidemiologie, wobei die Gruppe der sog. Z-SubstanzenZ-SubstanzenAbhängigkeit (Zolpidem, Zopiclon, Zaleplon) zunehmend an Bedeutung im Zusammenhang mit Arzneimittelabhängigkeit gewinnt (DHS 2015). Der Epidemiologische Suchtsurvey schätzt die Häufigkeit eines klinisch relevanten Konsums von Medikamenten (im Sinne eines Missbrauchs oder einer Abhängigkeit) auf insgesamt 2,65 Mio. Personen in Deutschland (Gomes de Matos et al. 2016). Aussagekräftige epidemiologische Erhebungen über andere Formen der Medikamentenabhängigkeit (z. B. Appetitzügler etc.) liegen aktuell nicht vor.

Konsum illegaler Substanzen

Einleitung

Der Konsum illegaler SubstanzenIllegale Substanzen siehe Substanzkonsum/-missbrauchSubstanzkonsum/-missbrauchEpidemiologie ist in der gesamten Europäischen Union (EU) weitverbreitet. Nach einer Erhebung der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht haben ca. 88 Mio. der erwachsenen EU-Bürger (entspricht ca. 25 % der Bevölkerung) schon einmal in ihrem Leben (Lebenszeitprävalenz) illegale Substanzen konsumiert (EMCDDA 2016). Dabei nimmt der Konsum von Cannabis den statistisch größten Stellenwert ein. Der Konsum illegaler Substanzen ist dabei generell höher bei Männern als bei Frauen, ebenso bei jüngeren Menschen. Dabei zeigt sich für die meisten Substanzen eine Dominanz des männlichen Geschlechts unter den Konsumenten von ca. 80–85 % (EBDD 2016), verbunden wahrscheinlich nicht nur mit einer höheren Prävalenz, sondern auch mit einem ausgeprägteren Konsumverhalten bei Männern. In den letzten Jahren konnte zudem eine Zunahme des polyvalenten Drogenkonsums beobachtet werden, d. h. ein (häufig unregelmäßiger) Konsum verschiedener illegaler Substanzen und eine Abnahme der Anzahl der Abhängigen, die nur eine Substanz konsumieren. Ein Überblick über die Häufigkeiten des Konsums in Ländern der Europäischen Union für ausgewählte Suchtmittel zeigt Tab. 2.4.
Für Deutschland zeigen sich im Epidemiologischen Suchtsurvey (2015) geringfügig andere Zahlen. Von 9.084 Personen zwischen 18 und 64 Jahren gaben 6,1 % an, in den letzten 12 Monaten Cannabis konsumiert zu haben, 1,1 % Amphetamine, 0,6 % Ecstasy (MDMAMDMA(-Abhängigkeit)s. a. Ecstasy), 0,3 % LSD, 0,3 % Heroin oder andere Opiate, 0,6 % Kokain, 0,4 % halluzinogene Pilze und 0,9 % sog. neue psychoaktive Substanzen (Gomes de Matos et al. 2016). Der vorausgegangene Suchtsurvey von 2012 beschrieb geringere Zahlen. In dieser Erhebung betrug der Konsum von Cannabis in den letzten 12 Monaten noch 4,5 %, der von Amphetaminen 0,7 % und der von Kokain 0,8 % (Pabst et al. 2013). Diese zeigt verglichen mit den aktuellen Zahlen insbesondere einen Anstieg im Konsum von Cannabis und Amphetaminen. Die unterschiedlichen Ergebnisse der verschiedenen epidemiologischen Erhebungen sind dabei nicht nur auf unterschiedliche soziokulturelle Rahmenbedingungen in verschiedenen Ländern zurückzuführen, sondern auch auf die Verwendung unterschiedlicher Erhebungsinstrumente bzw. die unterschiedliche Klassifizierung der Daten. Auch fehlen in den Untersuchungen meist Angaben über die Gruppe der über 65-Jährigen.

Opioidabhängigkeit

Die OpioidabhängigkeitOpioidabhängigkeitEpidemiologieOpiate siehe Opioide ist nach der Alkohol- und Tabakabhängigkeit eine der klinisch und gesellschaftlich bedeutsamsten Suchterkrankungen weltweit. Im Mittelpunkt steht dabei der Konsum von Heroin, aber auch anderer Opioidderivate. Zunehmend gerät aber auch die abhängige Einnahme opioidhaltiger SchmerzmittelSchmerzmittelopioidhaltige, vor allem bei älteren Menschen, in den Blickpunkt.
Weltweit betrachtet gehen Studien von ca. 15,5 Mio. Opioidabhängigen aus. Die Analyse des Verlusts an Lebensjahren ohne Behinderung (Disability-Adjusted Life Years, DALYs) zeigt einen Anstieg um 73 % seit 1990 (Degenhardt et al. 2014). Global nimmt die Bedeutung der Opioidabhängigkeit damit deutlich zu. Der Europäische Drogenbericht dagegen findet keine Belege für eine Zunahme der Anzahl neuer Heroinkonsumenten in den Ländern der Europäischen Union, allerdings scheint sich der in den letzten Jahren beschriebene Rückgang bei Erstkonsumenten aktuell abzuschwächen (EBDD 2016). Dabei sieht es so aus, als verändere sich das KonsummusterSubstanzkonsum/-missbrauchKonsummuster. Lange Zeit galt Heroin als die klassische Substanz für eine i. v. Applikation. Zunehmend werden in den letzten Jahren aber auch andere Substanzen wie Kokain oder Amphetamine intravenös injiziert und andererseits Heroin „geraucht“ bzw. nasal konsumiert (EBDD 2016). Durch die Fortschritte in der medizinischen Versorgung kommt es zu einer zunehmenden Alterung der Substitutionspatienten (EMCDDA 2010), was zu notwendigen Veränderungen in der Versorgung der Betroffenen führt.
Nach dem Europäischen Drogenbericht wurden bei 82 % der drogenassoziierten Todesfälle Opioide nachgewiesen, davon waren ca. 78 % Männer. Insgesamt ist ein leichter Anstieg der Anzahl der drogenassoziierten Todesfälle in den EU-Ländern zu verzeichnen, was jedoch zumindest teilweise auch mit einer verbesserten Meldepraxis in einigen Ländern zusammenhängen könnte. In Deutschland ist nach Informationen des Bundeskriminalamts die Anzahl der Drogentoten nach einem deutlichen Rückgang in den letzten Jahren zuletzt wieder angestiegen (2014: 1.032; 2015: 1.226). Die Entwicklung ist in Abb. 2.1 dargestellt.
EU-weit geht man von 1,3 Mio. Hochrisiko-Opioidkonsumenten ausOpioidabhängigkeitHochrisiko-Konsumenten, von denen ca. die Hälfte im Jahr 2014 eine Substitutionstherapie erhielt (EBDD 2016). Dabei zeigen sich laut EDB deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern: Während sich in der Slowakei, Lettland, Litauen, Zypern, Polen und Ungarn weniger als 30 % der Hochrisiko-Opioidkonsumenten in SubstitutionsbehandlungOpioidabhängigkeitSubstitutionsbehandlung befinden, werden in Portugal und Frankreich über 70 % der Betroffenen erreicht. Deutschland liegt mit ca. 50 % im Mittelfeld der europäischen Länder (EBDD 2016).
Nach Informationen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) befanden sich 2015 in Deutschland ca. 77.200 Personen in Substitutionsbehandlung, weitgehend unverändert im Vergleich zu den Vorjahren. Die Anzahl der gemeldeten substituierenden Ärzte geht dabei von 2.731 im Jahr 2012 auf 2.613 im Jahr 2015 kontinuierlich zurück. In den kommenden Jahren ist mit einer weiteren Abnahme der Anzahl der substituierenden Ärzte in Deutschland zu rechnen, was zu deutlichen Problemen in der Versorgung opiatabhängiger Patienten führen könnte. Im Bereich der Substitutionsmittel zeigt sich ein Rückgang der Verwendung von MethadonMethadonSubstitutionsbehandlung 72,1 % im Jahr 2002 auf 44,0 % im Jahr 2015 bei entsprechender Zunahme von LevomethadonLevomethadonSubstitutionstherapie und BuprenorphinBuprenorphinSubstitutionstherapie (BfArM 2016). Der Anteil von Patienten in DiamorphinbehandlungDiamorphin ist in Deutschland im Verhältnis gering und kann auf ca. 500–600 Patienten geschätzt werden. Welche Bedeutung dem in Deutschland neu zugelassenen retardierten Morphinpräparat in der Versorgungslandschaft zukommt, kann aktuell noch nicht abgeschätzt werden.

Kokainabhängigkeit

KokainAbhängigkeit/MissbrauchEpidemiologieDer Konsum von Kokain und Crack (Mischung aus Kokainsalz und Natriumhydrogencarbonat) hat seinen Altersgipfel laut epidemiologischem Suchtsurvey im Alter zwischen 25 und 39 Jahren und damit deutlich später als andere Substanzen wie Cannabis oder Amphetamine. Die Konsumprävalenz wird dabei auf 0,6 % für Kokain bzw. Crack geschätzt, mit einem Überwiegen des männlichen Geschlechts unter den Konsumenten (0,8 vs. 0,5 %). Den klinisch relevanten Konsum von Kokain schätzt der epidemiologische Suchtsurvey 2015 auf ca. 102.000 Betroffene in Deutschland (Gomes de Matos et al. 2016). Für die Europäische Union schätzt der Europäische Drogenbericht 2016 für die Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen die Jahresprävalenz auf 1,1 % (3,6 Mio. Personen), die Lebenszeitprävalenz auf 5,1 % (17,1 Mio. Betroffene, davon geschätzt 11,9 Mio. Männer). Für junge Erwachsene (Altersgruppe 15–34 Jahre) wird von einer Jahresprävalenz von 1,9 % ausgegangen. Demnach ist nach Schätzungen der EBDD der Kokainkonsum nach dem Konsum von Cannabis die zweithäufigste Gebrauchsform illegaler Substanzen in der Europäischen Union (EBDD 2016, Trends und Entwicklungen). Für den Konsum von Kokain oder Crack wird von einem Durchschnittsalter für den Erstkonsum von 22 Jahren ausgegangen, ein erstmaliger Kontakt für eine Behandlung im Alter von im Mittel 35 Jahren. Im Ländervergleich schätzt der Europäische Drogenbericht die höchsten Prävalenzraten (15- bis 64-Jährige, Jahresprävalenz) für Spanien (10,3 %), Großbritannien (9,8 %) und Italien (7,6 %). Die Prävalenzraten für Deutschland (3,4 %) und Österreich (2,2 %) liegen dabei unter dem europäischen Mittel (5,1 %).

Amphetamine, Amphetaminderivate und andere Stimulanzien

Amphetamin(abhängigkeit/-missbrauch)EpidemiologieStimulanzienAbhängigkeitEpidemiologieDer epidemiologische Suchtsurvey 2015 beschreibt für Amphetamine und andere Stimulanzien eine Konsumprävalenz von 1,0 % für den Konsum von Amphetaminen, 0,2 % für Methamphetamin („Crystal“, Pervitin) und 0,6 % für den Konsum von MDMA (Methylendioxy-N-methylamphetamin, „Ecstasy“) (Gomes de Matos et al. 2016). Der Europäische Drogenbericht (EBDD 2016) geht für die Europäische Union von 2,5 Mio. (Jahresprävalenz) bzw. 13,0 Mio. (Lebenszeitprävalenz, davon 9,1 Mio. Männer) Konsumenten von MDMA und 1,6 Mio. (Jahresprävalenz) bzw. 12,0 Mio. (Lebenszeitprävalenz, davon 8,3 Mio. Männer) von Amphetaminderivaten in der Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen aus. Das Durchschnittsalter für den Erstkonsum wird laut Europäischem Drogenbericht auf 19 Jahre geschätzt. Auch beim Amphetaminkonsum zeigen sich deutliche Unterschiede bezüglich der geschätzten Prävalenzen zwischen verschiedenen Ländern. Innerhalb der Europäischen Union zeigt Großbritannien mit 10,3 % Jahresprävalenz unter den 15- bis 64-Jährigen den höchsten Wert, gefolgt von Dänemark (6,6 %), Irland (4,5 %) und den Niederlanden (4,4 %). Deutschland (3,1 %) und Österreich (2,5 %) liegen bezüglich der Jahresprävalenz knapp unterhalb des Durchschnitts der Europäischen Union (3,6 %). Der Konsum von MDMA ist im Vereinigten Königreich am höchsten (Jahresprävalenz der 15–66-Jährigen 9,2%), gefolgt von den Niederlanden (7,4%) und Irland (6,9%). Deutschland (2,7 %) und Österreich (2,3 %) liegen auch hier leicht unter dem Durchschnitt der Europäischen Union (3,9 %).
Eine Sonderstellung nimmt hierbei die Substanz Methamphetamin ein, welche vornehmlich in der Tschechischen Republik, der Slowakei und den angrenzenden Ländern in größeren Mengen konsumiert wird. Hier zeigt insbesondere die Zahl der Sicherstellungen und der beschlagnahmten Mengen in den letzten Jahren eine steigende Tendenz (EBDD 2016), während in Deutschland eine Abnahme der Sicherstellungsmenge zu beobachten ist (Bundesministerium des Inneren 2015).

Halluzinogene und andere Suchtstoffe

HalluzinogeneEpidemiologieDer Konsum von Halluzinogenen ist im Verhältnis zu den anderen genannten Substanzen vergleichsweise gering. Der epidemiologische Suchtsurvey geht von einer 12-Monats-Prävalenz von 0,3 % für LSD (Lysergsäurediethylamid) aus, von 0,4 % für den Konsum von halluzinogenen Pilzen (Gomes de Matos et al. 2016). Zu dieser Gruppe werden häufig auch Substanzen wie Ketamin und Gamma-Hydroxybutyrat (GHB) gezählt.
Der Europäische Drogenbericht 2016 geht davon aus, dass die Gesamtprävalenz für den Konsum von LSD und halluzinogenen Pilzen sich in den letzten Jahren wenig verändert hat und für die Mitgliedstaaten der Europäischen Union im Mittel von einer 12-Monats-Prävalenz der 15- bis 64-Jährigen von < 1 % ausgegangen werden kann. Höhere Prävalenzen werden für einzelne Staaten beschrieben, insbesondere für Finnland (LSD-Konsum: 1,3 %; Konsum halluzinogener Pilze: 1,9 %) und die Tschechische Republik (Konsum halluzinogener Pilze: 2,3 %) (EBDD 2016).

Cannabis

CannabisCannabis/CannabinoideAbhängigkeit/MissbrauchEpidemiologie ist die in Europa mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Substanz. 1 % der europäischen Erwachsenen konsumiert täglich oder fast täglich Cannabis. In der Europäischen Union haben 6,6 % der 15- bis 64-Jährigen in den letzten 12 Monaten Cannabis konsumiert, in der Gruppe der 15- bis 34-Jährigen sogar 13,3 % (EBDD 2016). Der Cannabiskonsum scheint dabei nach Schätzungen einzelner Mitgliedstaaten der Europäischen Union in den letzten Jahren relevant zu steigen. Der Europäische Drogenbericht geht von einer Lebenszeitprävalenz von ca. 24,8 % aus, was 83,2 Mio. Betroffener in der Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen entspricht. Die höchsten Prävalenzzahlen finden sich dabei in der Tschechischen Republik (12-Monats-Prävalenz 23,9 %) und Frankreich (22,1 %). Für Deutschland und Österreich schätzt der Europäische Drogenbericht die Jahresprävalenzzahlen auf 11,1 bzw. 6,6 %.
Der epidemiologische Suchtsurvey 2015 beschreibt eine 12-Monats-Prävalenz für Cannabiskonsum von 6,1 %. Dabei zeigt sich ein Geschlechterverhältnis Männer zu Frauen von fast 2 : 1 beim Konsum von Cannabis (7,4 vs. 4,9 %). Davon sollen nach der Schätzung des epidemiologischen Suchtsurveys ca. 612.000 unter einem klinisch relevanten Missbrauch bzw. einer Abhängigkeit von Cannabis leiden (Gomes de Matos et al. 2016). Im Verlauf der letzten Jahre zeigt sich dabei ein Rückgang der Anzahl der Cannabis-Konsumenten nach einem deutlichen Anstieg während der 1980er- und 1990er-Jahre (Vergleich epidemiologischer Suchtsurveys, 18- bis 24-jährige Männer; Prävalenz 1980: 7,4 %; 2003: 26,0 %; 2012: 17,5 %; Kraus et al. 2013).

Neue psychoaktive Substanzen

Neue psychoaktive Substanzen (NPS)EpidemiologieUnter der Kategorie „neue psychoaktive Substanzen“, meist synonym auch als „Legal Highs“ bezeichnet, werden häufig (so auch im Europäischen Drogenbericht) verschiedene, zum Teil sehr unterschiedliche chemische Verbindungen zusammengefasst, die neu auf den europäischen Markt kommen und noch nicht im Betäubungsmittelgesetz aufgeführt sind. Ein großer Teil dieser Substanzen sind synthetische Cannabinoide, die zentral an Cannabinoid-Rezeptoren binden und dort ihre psychoaktive Wirkung entfalten. Zahlen über den Konsum dieser „neuen psychoaktiven Substanzen“ sind gegenwärtig kaum verfügbar. Die Zahl der Sicherstellungen im Rahmen des EU-Frühwarnsystems zeigt jedoch insbesondere in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg (EBDD 2016), was Rückschlüsse bezüglich der Verbreitung und des Angebots zulässt. Von den im Jahr 2014 in Europa durchgeführten fast 50.000 Sicherstellungen von Verbindungen dieser Gruppe waren ca. 61 % synthetische Cannabinoide. Für junge Erwachsene (15–24 Jahre) schätzt die EBDD die Jahresprävalenz für den Konsum neuer psychoaktiver Substanzen (NPS) auf 3,0 % und die Lebenszeitprävalenz auf 8,0 % (EBDD 2016). Eine Online-Befragung des Centre for Drug Research der Goethe-Universität Frankfurt unter 860 Personen mit Konsumerfahrung im Bereich NPS kam zu dem Ergebnis, dass der Großteil der Befragten (89 % Männer) zuvor andere illegale Substanzen (99 %) bzw. illegale Substanzen außer Cannabis (80%) konsumiert hatte. Auch bei dieser Befragung stand der Konsum synthetischer Cannabinoide klar im Vordergrund; 86 % der befragten Personen gaben entsprechende Konsumerfahrung an (Werse und Morgenstern 2011).

Fazit für die Praxis

  • Der Konsum von Cannabis stellt die mit Abstand häufigste Konsumform illegaler Substanzen in allen europäischen Ländern dar.

  • Daneben hat der Konsum von aktivierenden Substanzen wie Kokain und Amphetaminen in den letzten Jahren eine zunehmende Bedeutung erlangt.

  • Die Heroinabhängigkeit ist der wichtigste Grund für Todesfälle bei Drogenkonsum.

  • Die Substitutionsbehandlung ist die zentrale Behandlungsform der Opioidabhängigkeit.

Ausblick

Die epidemiologischen Zahlen der verschiedenen Länder der Europäischen Union hinsichtlich des Konsums legaler und illegaler Substanzen unterscheiden sich teilweise stark. Neben dem Konsum von Alkohol, Medikamenten und Tabak nimmt bei den stoffgebundenen Abhängigkeiten klar der Cannabiskonsum die größte Rolle ein. Daneben zeigen aktuelle epidemiologische Untersuchungen, dass es sich bei den stoffungebundenen Abhängigkeiten – speziell im Bereich des pathologischen Glücksspiels und der Medien-/Internetabhängigkeit – keineswegs um Randerscheinungen, sondern um häufige und klinisch relevante Störungsbilder handelt. Diese Entwicklungen sowie die gesellschaftlichen Veränderungen mit zunehmend älteren Patienten aufgrund einer verbesserten medizinischen Versorgung stellen in der suchtmedizinischen Versorgung für die kommenden Jahre zwei wesentliche Herausforderungen dar.

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