© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-23731-7.00033-8

10.1016/B978-3-437-23731-7.00033-8

978-3-437-23731-7

Wirksamkeitsnachweise für verschiedene Psychotherapien bei Depressionen im AlterComplicated Grief Treatment (CGT)Kognitive VerhaltenstherapieWirksamkeit(snachweise)Altersdepression Depression Care Management (DCM)Interpersonelle Psychotherapie (IPT)Wirksamkeit(snachweise)AltersdepressionPsychodynamische PsychotherapieAltersdepressionProblemlösestrategien/-trainingAltersdepressionLebensrückblicktherapie (LRT)Wirksamkeit(snachweise)AlterspsychotherapieWirksamkeit(snachweise)Depression

Tab. 33.1
Evidenzgrad Intervention Wirksamkeit auf Einschränkungen/Besonderheiten
Ia KVT Depressivität Auch im Gruppenformat/internetbasiert wirksam
Ia Problemlösetherapie Depressivität, Einschränkungen Auch bei subklinischer Depression einsetzbar
Ib Lebensrückblick Depressivität, Ich-Integrität Auch in nichtklinischen Populationen einsetzbar
IIa Problem Adaption Therapie (PATH) Depressivität, Einschränkungen Deutlich Ältere und kognitiv Gestörte wurden im häuslichen Kontext behandelt
IIa Complicated Grief Treatment (CGT) Trauersymptome, Depressivität Exposition wird hervorgehoben
IIa IPT Rückfallrisiko bei Depression IPT mit additiver Medikation überlegen
IIa Depression Care Management (DCM) Depressivität Bei Teilremittierten ähnlich erfolgreich wie IPT
IIa Psychodynamische Therapie (Kurzzeit) Depressivität bei pflegenden Angehörigen Stark selektierte Stichprobe

Wirksamkeitsnachweise für Psychotherapie bei Angststörungen im AlterKognitive VerhaltenstherapieWirksamkeit(snachweise)AngststörungenKognitive VerhaltenstherapieAngststörungenim AlterAlterspsychotherapieWirksamkeit(snachweise)Angststörungen

Tab. 33.2
Evidenzgrad Intervention Wirksamkeit auf Einschränkungen/Besonderheiten
Ia KVT (Komponenten aus kognitiver Therapie, Psychoedukation, Entspannungsverfahren, Expositionstraining, Problemlösen)Kurzzeitinterventionen Angstsymptome, Depressivität Geringere Effektstärken als bei jüngeren Angstpatienten

Alte Menschen

Petra Dykierek

Kernaussagen

  • Psychotherapeutische Behandlungsansätze sind für den älteren und alten MenschenAlte/ältere MenschenPsychotherapie erst relativ spät konzipiert worden, was mit der Annahme mangelnder Veränderungsmöglichkeiten zusammenhing. Diesem therapeutischen Pessimismus steht heute ein störungs- und altersspezifisches Vorgehen gegenüber, das sich durch eine höhere Flexibilität und Akzeptanz von Grenzen auszeichnet. Trotz dieser Fortschritte ist die Erforschung, Implementierung und Inanspruchnahme psychotherapeutischer Interventionen im Alter nach wie vor unzureichend. Hier wird der demografische Wandel, insbesondere das „Ins-Alter-Kommen“ der Babyboomer-Generation einen Paradigmenwechsel erfordern.

  • Depressive StörungenPsychische Störungenalte/ältere MenschenDepression/depressive Störungenim Alter und AngststörungenAngststörungenim Alter gelten als die häufigsten psychischen Erkrankungen des Alters. Für sie liegen aus den unterschiedlichen Therapieschulen altersangepasste Interventionen vor, deren Wirksamkeit zumeist auch empirisch überprüft worden ist. Die Effektstärken liegen im mittleren Bereich und sind mit denen von Pharmakotherapie vergleichbar, wobei Studien mit direktem Vergleich fehlen.

  • Die Durchführung von Psychotherapien im Alter ist nicht grundsätzlich anders als bei jüngeren Patienten. Altersmodifikationen im Hinblick auf Therapieziele, -inhalte und -formate werden jedoch von allen Therapieschulen vorgeschlagen. Im Depressionsbereich finden sich große Überlappungen zwischen den therapeutischen Richtungen. Generell wird den psychosozialen Aspekten in der Entwicklung und Bewältigung der Störung ein größerer Stellenwert beigemessen. Bei Angststörungen dominiert das klassische Vorgehen der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT), wird aber mittlerweile durch eine Reihe von additiven Modulen wie z. B. Achtsamkeit oder Lebensrückblick ergänzt.

  • Psychotherapie im Alter entwickelt sich weiter, von einer schulengebundenen zu einer modularen Psychotherapie, die den Bedürfnissen dieser sehr heterogenen Patientengruppe besser gerecht wird. Hochaltrigkeit, Nachhaltigkeit der Interventionen und Resilienzfaktoren rücken stärker in den Vordergrund des (Forschungs-)Interesses.

Einleitung

Psychotherapie mit alten MenschenPsychotherapiealte Menschen, auch als AlterspsychotherapieAlterspsychotherapie bezeichnet, ist eine Begriffsprägung, die ein sehr weites Altersspektrum und eine Vielzahl von Interventionen, Settings und Patientenpopulationen umfasst. Eine Systematisierung psychotherapeutischer Ansätze hat erst seit den 1990er-Jahren begonnen. Die Annahme, Psychotherapie mit Älteren „lohne sich nicht“ bzw. scheitere an den mangelnden Veränderungsmöglichkeiten älterer Patienten, hat viele Jahrzehnte zu einem psychotherapeutischen Nihilismus beigetragen, der sich bis heute in der psychotherapeutischen Unterversorgung dieser Patientengruppe widerspiegelt. Für eine Reihe von Störungsbildern – hier sind vor allem Depressionen und Angststörungen zu nennen – existieren jedoch (altersmodifizierte) Behandlungsverfahren, deren Wirksamkeit empirisch überprüft worden ist. Auch wenn die Datenlage, insbesondere an randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), weiterhin unbefriedigend ist, finden sich ermutigende Ergebnisse bzw. Effektstärken. Der vorliegende Beitrag soll einen Überblick über diese Verfahren geben, wobei ein Schwerpunkt auf den Altersanpassungen liegen wird, d. h. auf der Frage, welche Modifikationen in Bezug auf Inhalte, Methoden und Therapieziele vorgenommen wurden und wie diese zu bewerten sind. Nicht berücksichtigt werden Interventionen bei irreversiblen Altersprozessen (v. a. Demenzen), da diese nicht primär mit psychologischen Mitteln zu behandeln sind, sowie Suchterkrankungen.
Bevor die einzelnen Verfahren vorgestellt werden, erfolgt zunächst ein kurzer Überblick über die Prävalenz psychischer Störungen sowie über die psychotherapeutische Versorgungssituation im Alter.

Prävalenz psychischer Störungen im Alter

Psychische Störungenalte/ältere MenschenDie Prävalenzschätzungen zu psychischen StörungenPsychische Störungenim Alter, Prävalenz im Alter sind sehr uneinheitlich. Die meisten Forschergruppen finden jedoch Hinweise für einen Rückgang von Depressionen, Angststörungen und Substanzmittelmissbrauch. In einer großen amerikanischen epidemiologischen Studie von Reynolds et al. (2015) wurden verschiedene Altersgruppen berücksichtigt: von sog. young-old (55–64 J.) bis oldest old (> 85 J.). 11,4 % der Älteren litten im vergangenen Jahr an Angststörungen, 6,8 % an Depressionen; 3,8 % hatten einen Substanzmittelmissbrauch und 14,5 wiesen Persönlichkeitsstörungen auf.
Frauen waren mehr von Depressionen und Angststörungen betroffen, Männer hingegen mehr von Substanzmittelabusus und Persönlichkeitsstörungen. Die Geschlechterunterschiede nehmen mit zunehmendem Alter ab.
Weyerer und Bickel (2007) betonen, dass in Deutschland keine repräsentativen Studien zur Häufigkeit von psychischen Störungen vorliegen, und empfehlen auf regional begrenzte Untersuchungen oder Feldstudien zurückzugreifen. Nach ihrer Einschätzung haben – neben demenziellen Erkrankungen – Depressionen und Persönlichkeitsstörungen die höchsten Prävalenzraten (8,7–11,6 %).

Zur Lage der Psychotherapie im Alter

AlterspsychotherapieInanspruchnahmeÄltere Menschen, insbesondere die deutlich Älteren, sind in der Psychotherapie unterrepräsentiert. Es zeigt sich ein klares Missverhältnis zwischen der Inanspruchnahme psychiatrischer und psychotherapeutischer Unterstützung. Während die Anzahl der Kontakte zu niedergelassenen Psychiatern im Alter für beide Geschlechter sprunghaft zunimmt, strebt der Anteil von über 75-Jähringen in der ambulanten Psychotherapie gegen Null (GEK 2007). In einer neueren Studie von Walendzik et al. (2014) sind es mehrheitlich jüngere Ältere, darunter sehr viel mehr Frauen, die psychotherapeutische Kontakte in Anspruch nehmen.
Auch wenn die Studien nicht repräsentativ sind, weisen sie doch auf ein grundsätzliches Problem hin:

Merke

Ältere sind von der ambulanten Psychotherapie-Versorgung fast ausgeschlossen und werden primär pharmakotherapeutisch behandelt, obwohl ihre Beschwerden oft im Kontext psychosozialer Belastungsfaktoren stehen.

Diese einseitige Behandlung ist aber auch aus anderen Gründen unverständlich. So zeigen Metaanalysen und Übersichtsarbeiten (z. B. Nelson 2008; Katona 2014) zur Wirksamkeit von Antidepressiva nur moderate Effekte, für die Rezidivprophylaxe ergibt sich nach einer Cochrane-Analyse von Wilkinson et. al. (2012) keine befriedigende Datenbasis. Die gesundheitlichen Risiken sind nach einer Kohortenstudie von Coupland et al. (2011) auch bei „neueren“ Antidepressiva nicht zu unterschätzen. In der Studie waren Mirtazepin und Venlafaxin mit höheren Raten an Schlaganfall/TIA, Suizidversuchen und Stürzen verknüpft. Auch die generelle Mortalität war deutlich erhöht.
Die Ursachen der psychotherapeutischen Unterversorgung sind vielfältig und nicht ausreichend untersucht. Es ist davon auszugehen, dass Psychotherapie mit älteren Menschen nach wie vor mit negativen Altersbildern, Unwissen und Vorurteilen behaftet ist. In ländlichen Gebieten ist eine adäquate Versorgung oft nicht gewährleistet, zumal die zunehmend eingeschränkte Mobilität eine Inanspruchnahme erschwert. Die Situation im stationären Bereich dürfte, von einigen spezialisierten Abteilungen abgesehen, ähnlich unbefriedigend sein. Neben der anhaltenden Dominanz biologischer Ansätze ist auch die personelle Ausstattung gerontopsychiatrischer Stationen schlechter, die geringere Spezialisierung (oft werden alle Diagnosen, auch demenzielle Erkrankungen behandelt) erschwert eine psychotherapeutische Schwerpunktsetzung. Nicht wenige Patienten > 65 Jahre erleben die Aufnahme auf eine gerontopsychiatrische Station als Stigma.

Einige Spezifika der Alterspsychotherapie

AlterspsychotherapieBesonderheitenPsychische Störungen im Alter stehen zumeist im Kontext mit einer Vielzahl physiologischer und psychosozialer Veränderungen. Hierunter können körperliche Erkrankungen, Funktionseinschränkungen, Trauer- und Verlusterlebnisse, zwischenmenschliche Krisen, Einsamkeit sowie existenzielle Krisen verstanden werden.
In der GerontopsychologieGerontopsychologie haben sich die Begriffe „drittes“ und „viertes Lebensalters“Lebensalter, drittes/viertesetabliert. Die Angaben zur Altersgrenze zwischen den „jungen AltenJunge Alte“ und den „HochbetagtenHochbetagte“ variieren nach Maercker (2002) zwischen dem 75. und 85. Lj. Während das dritte Lebensalter – nach Baltes (1997) die „Belle Epoque“ des Alters – durch ausreichende Ressourcen gekennzeichnet sein soll, lässt sich das vierte Lebensalter (als Zeitalter mit „Trauerflor“) durch die zunehmende Verdichtung biologisch-organischer Risiken charakterisieren. Multimorbidität, Einschränkungen, Verluste, Hilfs- und Pflegebedürftigkeit rücken in den Vordergrund. Altersforscher gehen jedoch von einer großen interindividuellen Variabilität aus, die für die 90- bis 100-Jährigen ebenfalls zutreffen soll.

Merke

Kruse (2014) sieht auch in diesem Lebensabschnitt ein bedeutsames Entwicklungspotenzial, wenn es gelingt, die Verletzlichkeit zu bewältigen und innerlich zu verarbeiten. Psychotherapie, verstanden als Methode zur Wiederherstellung von Adaptivität von Individuen, kann hierfür einen wertvollen Beitrag leisten.

AlterspsychotherapieMultimorbiditätMultimorbide Patienten, die neben psychischen Störungen auch unter chronischen, häufig fortschreitenden medizinischen Begleiterkrankungen leiden und/oder eine Persönlichkeitsstörung haben, stellen für Psychotherapeuten eine besondere Herausforderung dar. Sie gelten als „difficult to treat“ und scheinen weniger gut auf klassische Psychotherapie-Verfahren anzusprechen. Die Behandlung dieser Patientengruppe erfordert ein fundiertes Wissen in beiden Domänen, eine höhere Flexibilität bzgl. der Therapiegestaltung sowie eine höhere Akzeptanz von Grenzen der Veränderbarkeit.
Alterspatienten werden in der Regel von jüngeren Therapeuten behandelt. Diese Konstellation kann nicht ohne Auswirkung auf die Beziehungsgestaltung bleiben. Nach Heuft et al. (2006) wird die „klassische“ ÜbertragungskonstellationÜbertragungAlterspsychotherapie von Anfang an durch die veränderte Altersrelation bestimmt. Die Autoren sprechen von einer umgekehrten ÜbertragungssituationÜbertragungumgekehrte: Therapeuten können als „Kinder“ erlebt werden, ältere Patienten in die Position von Eltern und Großeltern gelangen. Letztere konfrontieren jüngere Therapeuten mit den negativen Aspekten des Alterns wie Verlust, Krankheit mit nachfolgender Behinderung, Vereinsamung und schließlich Lebensbegrenzung und Tod.
Heuft et al. (2006: 220) kommen zu folgender Schlussfolgerung: „Die Aufgabe für die Jüngeren (…) lautet, die Älteren in diesen bedrückenden Landschaften des Alterns aufzusuchen und sich ihnen als kompetente (psychotherapeutische Weiterbildungsqualifikation) Reiseführer und -begleiter zur Verfügung zu stellen.“
Knight et al. (2002) setzen sich mit KohorteneffektenAlterspsychotherapieKohorteneffekte und -unterschieden auseinander. Nach Ansicht der Autoren unterscheiden sich Kohorten signifikant in Bezug auf Lebenserfahrungen und Erwartungen. Derzeit ist die Alterspsychotherapie (noch) mit der Kriegs- und Nachkriegsgeneration assoziiert, deren Biografien stark von materiellen und emotionalen Entbehrungen geprägt wurden. Radebold hat auf die Bedeutung dieser Sozialisationsbedingungen für die Bewältigung von Lebenskrisen und psychischen Störungen im Alter in einer Reihe von Publikationen hingewiesen. Diese Thematik wird von jüngeren Therapeuten oft unterschätzt bzw. erst gar nicht näher exploriert. Für die Behandlung von Älteren setzt eine effektive Therapie nach Knight (2002: 93) jedoch voraus, „dass der Therapeut in der Lage ist, über den Tellerrand der eigenen Kohorte zu blicken … in Zeiten raschen sozialen und technologischen Wandels können Kohorteneffekte wichtiger werden als die positiven Seiten entwicklungsbedingter Reifung.“

Merke

Die nächsten Dekaden werden von der Babyboomer-GenerationBabyboomer-Generation geprägt sein. Diese wird nicht nur Prävalenz und Inzidenz psychischer Störungen erhöhen, sondern auch ein Umdenken in der Gerontopsychiatrie und -psychotherapie erforderlich machen. Babyboomer gelten als weniger angepasst, individualistischer als frühere Alterskohorten, sie dürften paternalistische Arzt-Patient Beziehungen infrage stellen, mehr Shared-Decision-Modelle einfordern und grundsätzlich aufgeschlossener gegenüber Psychotherapie sein.

Zur Frage, ob Ältere grundsätzlich anders behandelt werden müssen, finden sich schulenübergreifend ähnliche Positionen. Nach Maercker (2002) sind keine grundsätzlich anderen Behandlungsstrategien als bei jüngeren Patienten notwendig, jedoch sind diese den Bedürfnissen älterer Menschen anzupassen. Maercker skizziert in diesem Kontext ein alters- und störungsspezifisches Rahmenmodell, das aus dem metatheoretischen Modell der selektiven Optimierung und Kompensation (SOK) abgeleitet wird, und bemerkt, „dass sich selektiv optimierte Therapieziele bei Patienten im höheren Lebensalter aus der Modifikation (Modulation) der Störungsbilder durch die Altersspezifik ergeben“ (Maercker 2002: 49 f.) Auch Heuft et al. (2006: 17), die der psychodynamischen Tradition zuzuordnen sind, betonen, „dass es keiner neuen Psychotherapie bedarf. Vielmehr gilt es, die bestehenden psychotherapeutischen Techniken auf notwendige Modifikationen hinsichtlich ihres Einsatzes in der Alterspsychotherapie zu untersuchen.“
Im Folgenden werden Prävalenzzahlen und psychotherapeutische Ansätze zur Behandlung von Depressionen und Angststörungen vorgestellt. Es wurden weitgehend Verfahren ausgewählt, für die Wirksamkeitsnachweise mit einem Evidenzgrad von IIa oder höher vorliegen. Die altersspezifischen Modifikationen werden im Hinblick auf Therapieinhalte/-ziele, Techniken und Strategien sowie Beziehungsaspekte diskutiert. Die Evidenznachweise werden in Kap. 33.4 gesondert dargestellt.

Depression im Alter

AltersdepressionPrävalenzDie Mehrzahl der epidemiologischen Studien geht von eher niedrigeren Prävalenzzahlen aus. In einer neueren Metaanalyse von Volkert et al. (2013) betrug die aktuelle Prävalenzrate (in westlichen Ländern) für eine majore Depression (MD) 3,3 %, die Lebenszeitprävalenzrate hingegen 16,5 %. In den 25 berücksichtigten Studien zeigte sich eine sehr hohe Heterogenität bzgl. beider Prävalenzkennwerte. Eine ähnliche Beobachtung zeigt sich auch in den Prävalenzschätzungen für dimensional (d. h. mittels Depressionsskalen) erhobene depressive Symptome. Die Prävalenzrate liegt mit 19,5 % deutlich über der von MD.
In Deutschland liegt die Schätzung für alle Depressionsdiagnosen bei 13,4 % (berücksichtigt wurden Sekundärdaten von 6 Mio. GKV-Versicherten im Zeitraum 2008–2012, Faktencheck Gesundheit: Depressionen, Bertelsmann 2014) Es zeigten sich starke Schwankungen (zwischen 7 und 21 %) in Abhängigkeit vom Bundesland und der Versorgungsdichte. In Heimen und Institutionen scheint die Lage noch prekärer; hier liegen die Prävalenzschätzungen zwischen 15 und 25 % (Weyerer und Bickel 2007). Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Der Anteil chronischer Depressionen beträgt bei Älteren über 80 %.

Merke

Leitliniengerecht werden nur ca. 10 % behandelt, der Anteil an Antidepressiva-Verordnungen steigt um etwa 10 % pro Jahr. Auf die hohen Gesundheitskosten, die erhöhte Mortalität sowie die Tendenz zur Chronifizierung wird von vielen Autoren hingewiesen (z. B. Diniz et al. 2013). Nach Weyerer und Bickel (2007) sind Depressionen im Alter mehr mit vegetativen Störungen, hypochondrischen Befürchtungen, Konzentrations- und Schlafstörungen sowie Angstsymptomen verbunden.

Kognitive Verhaltenstherapie

Kurzbeschreibung
AlterspsychotherapieDepressionDepression/depressive Störungenkognitive VerhaltenstherapieDie kognitive VerhaltenstherapieAltersdepressionkognitive Verhaltenstherapie (KVT)Kognitive VerhaltenstherapieAltersdepression gilt als die evidenzbasierte Psychotherapie der Depression, auch im Alter. KVT-Ansätze stützen sich auf das verstärkungstheoretische Modell der Depression von Lewinsohn und das kognitive Depressionsmodell von Beck. Im deutschsprachigen Raum sind entsprechende Interventionen mit Hautzinger (z. B. 2000) verbunden, der sich auf das bereits erwähnte SOK-Modell und auf ein Modell der Handlungsspielräume bezieht. Nach Hautzinger (2000: 37 f.) resultieren Depressionen daraus, „dass
  • es der betreffenden Person nicht gelingt, neue bzw. veränderte Ziele zu entwickeln,

  • es ihr nicht gelingt, eine Selektion an Lebensbereichen, Ansprüchen und Handlungsbereichen vorzunehmen und/oder

  • sie durch eine reduzierte, verarmte, wenig unterstützende Umwelt nicht zur optimalen Nutzung, Stärkung und Neuentwicklung von Fähigkeiten und Lebensbereichen in der Lage ist.“

KVT setzt an den genannten kritischen Punkten an. Älteren Menschen soll ermöglicht werden, ihre Ressourcen und Kompetenzen zu (re-)aktivieren, neue Ziele und Interessen zu entwickeln, soziale Unterstützung zu optimieren und kontrollierbare Lebensbereiche zu selektieren.
Im angloamerikanischen Raum wurden schon früh Modifikationen für Depressive mit Beeinträchtigungen entwickelt bzw. über andere Formate (z. B. home delivered) nachgedacht. Rybarczyk und Kollegen hatten bereits 1992 einen KVT-Ansatz für ältere Patienten mit chronischen Erkrankungen entwickelt und fünf Vorgaben für die therapeutische Arbeit formuliert:
  • 1.

    Barrieren, die Psychotherapie behindern, überwinden (z. B. Therapie kann auch im Krankenhaus oder in der häuslichen Umgebung stattfinden).

  • 2.

    Depressionen sind behandelbar und unabhängig von medizinischen Erkrankungen zu sehen.

  • 3.

    Begrenzung von Inaktivität und sozialem Rückzug mittels kognitiver und verhaltensorientierter Techniken (Abbau von „Ich kann nicht“-Aussagen).

  • 4.

    Dem Verlust von sozialen Rollen und Autonomie entgegenwirken (z. B. mit Problemlösetechniken neue Rollen oder Aufgaben eruieren, wenn die alten krankheitsbedingt nicht mehr möglich sind).

  • 5.

    Der Wahrnehmung, für andere eine Last zu sein, therapeutisch begegnen (z. B. einen sich als „zur Last fallend“ empfindenden Patienten zum Rückblick auf die Vergangenheit ermutigen, in der er für den gesunden Partner noch viele Aufgaben übernommen hatte).

Während ProblemlösetherapieAltersdepressionProblemlösetherapieProblemlösestrategien/-trainingAltersdepression (PT) im deutschsprachigen Raum im Allgemeinen zur Verhaltenstherapie gezählt wird, hat sie in Amerika offenbar eine eigene Tradition, wird in Metaanalysen häufig als eigenständige Therapieform aufgeführt und erzielt moderate Effektstärken (Kap. 33.4). Es werden nicht nur Stressniveau und Depressivität, sondern auch das Ausmaß von Einschränkungen und „Gebrechlichkeit“ reduziert. Zentrales Anliegen der Intervention ist, dass ältere Menschen ihre persönlichen Probleme und ihre Auswirkungen auf das Wohlbefinden erkennen und mit psychotherapeutischer Unterstützung Handlungsalternativen erarbeiten. Daraus werden multiple Lösungsmöglichkeiten abgeleitet, die vom Patienten erprobt und evaluiert werden. Längerfristiges Ziel ist die eigenverantwortliche Lösung von individuellen Problemen.
Kiosses et al. (2015) konzipierten eine spezielle Form der PT für depressive Menschen mit kognitiven Störungen bzw. beginnender Demenz, die sog. Problem Adaption Therapy (PATH)Problem Adaption Therapy (PATH). In dieser 12 Sitzungen umfassenden Intervention, die im häuslichen Umfeld mit den Angehörigen durchgeführt wird, geht es um EmotionsregulationEmotionsregulationProblem Adaption Therapy, Reduzierung negativer Affekte und die Erarbeitung von Kompensationsstrategien, z. B. bei Gedächtnisproblemen oder sozialem Rückzug.
Nicht alles ist veränderbar oder „trainierbar“ – aus dieser Erfahrung heraus gewinnen auch in der KVT Therapieelemente an Bedeutung, die primär auf Akzeptanz und Würdigung abzielen. So hat z. B. der LebensrückblickAltersdepressionLebensrückblicktherapieLebensrückblicktherapie (LRT) in Therapie und Beratung (Maercker und Forstmeier 2013), der in Studien respektable Effektstärken erzielt, den Anspruch, älteren Menschen zu einer differenzierten und wertschätzenden Rückschau auf ihr Leben zu verhelfen. Dies beinhaltet z. B., das im Leben Erreichte herauszuarbeiten und zu würdigen, aber auch das Nichterreichte, das Scheitern und Versagen angemessen zu integrieren und ggf. zu betrauern. So kann eine gelungene integrative Rückschau dazu beitragen, die Akzeptanz von körperlichen Einschränkungen und den „Kränkungen des Älterwerdens“ zu verbessern. Lebensrückblickinterventionen gehören streng genommen nicht zur „KVT-Familie“, sondern haben ihren Ursprung in der klinischen Gerontologie und den Pflegewissenschaften. Die Rekonstruktion der eigenen Lebensgeschichte wird als „heilendes Element“ betrachtet, der Betroffene zu Gefühlsausdruck und Selbstreflexion ermutigt. Durch die sog. Dritte WelleKognitive VerhaltenstherapieDritte Welle hat sich in der Verhaltenstherapie auch hier ein Paradigmenwechsel vollzogen: Akzeptanz, Mitgefühl, werteorientiertes Leben, das Verstehen und Überwinden von „Lebensfallen“ sind Begrifflichkeiten, hinter denen sich neuere Therapieansätze und Interventionen verbergen, die sich z. T. sehr deutlich vom klassischen KVT-Vorgehen der 1980er- und 1990er-Jahre unterscheiden.
Ein neuerer Ansatz, der sich mit Akzeptanz von Leid und dem Verfolgen von werteorientierten Lebenszielen beschäftigt, könnte auch für die Psychotherapie im Alter von Relevanz sein: Bei der Acceptance-and-Commitment-TherapieAltersdepressionAcceptance-and-Commitment-Therapie (ACTAcceptance-and-Commitment-Therapie (ACT)Altersdepression nach Hayes, s. Eifert 2011) geht es um das Erlernen der Fertigkeit, auf emotionalen Schmerz und Belastungen nicht wie gewohnt mit Kontroll- und Vermeidungsverhalten zu reagieren. „Worauf es ankommt, ist aversives Erleben zuzulassen und anzunehmen, und zwar nicht mit Resignation und Widerwillen, sondern mit Offenheit, Güte, Mitgefühl und Behutsamkeit“ (Eifert 2011: 2). Durch das Fokussieren auf den gegenwärtigen Augenblick („fast ohne Bewertung“), das Erlernen einer „Beobachterperspektive“ soll größere psychische Flexibilität erreicht und ein anderer Umgang mit (Alters-)Ängsten und Einschränkungen ermöglicht werden. Zudem wird im ACT-Ansatz ein großer Schwerpunkt auf das individuelle Wertesystem des Patienten gelegt. Auch hier kann altersgemäß erarbeitet werden, in welchen Lebensbereichen eine Diskrepanz zwischen Werten und eigenem Handeln bestehen. Die Behandlung soll anschließend darauf vorbereiten, mit den eigenen Werten wieder besser in Kontakt zu treten.
Indikation und Durchführung
Kognitive VerhaltenstherapieIndikationen KVT-Interventionen sind für ein breites Spektrum depressiver Störungen geeignet, wobei sich außerhalb des Forschungskontextes ein modulares Vorgehen durchzusetzen scheint. Auch depressive Störungen mit psychotischen Symptomen sind per se keine Kontraindikation, da auch hierfür KVT-Manuale vorliegen (z. B. Vauth und Stieglitz 2007).
Bei der KVT handelt es sich in der Regel um eine Kurzzeittherapie, die in verschiedenen Formaten (ambulant/stationär, Einzel-/Gruppentherapie, mit Einbeziehung von Angehörigen) angeboten wird. Zu Beginn stehen Beziehungsaufbau, Psychoedukation und Zielformulierung im Vordergrund, im mittleren Teil Aktivitätenaufbau und Arbeit an dysfunktionalen Annahmen und Mustern. Der Einsatz additiver Therapiemodule (wie z. B. Achtsamkeit, Emotionsregulation, Problemlösen, Förderung von Selbstwert und -akzeptanz oder Weisheitskompetenzen) ist auch im Altersbereich üblich.
Modifikationen
TherapieinhalteDie „klassischen“ KVT-Inhalte (Kognitive Verhaltenstherapiealtersspezifische ModifikationenAufbau positiver Aktivitäten, Modifikation dysfunktionaler Gedanken, Verbesserung der sozialen Kompetenz) werden altersspezifisch formuliert. So stehen die Überwindung von Passivität und Inaktivität im Vordergrund, mittels Evidenzüberprüfung der automatischen Gedanken soll „weniger pessimistisch“ und negativ gedacht werden. Nach Forstmeier et al. (2011) gehören negative Altersstereotypen, Wahrnehmung der eingeschränkten Lebenszeit und das Ablehnen körperlicher Veränderungen zu den alterstypischen dysfunktionalen Kognitionen. Reale (Alters-)Probleme sollen durch Einbeziehung ambulanter Dienste und durch den Aufbau eines Versorgungs- und Unterstützungssystems besser bewältigt werden können. Das Erlernen bzw. die Verbesserung sozialer Kompetenzen soll den Ausbau sozialer Kontakte ermöglichen, aber auch helfen, familiäre Konflikte (z. B. mit erwachsenen Kindern) zu lösen. Alterstypische Selbstsicherheitsprobleme (z. B. aufgrund von Hörproblemen eine Auskunft nicht verstehen, sich negativen Äußerungen ausgesetzt fühlen) finden ebenfalls Berücksichtigung. Andere Therapieelemente (wie z. B. LebensrückblicktherapieLebensrückblicktherapie (LRT) [LRT] nach Maercker und Forstmeier 2013) können helfen, das Erreichte herauszuarbeiten und zu würdigen, aber auch das Nichterreichte/Scheitern angemessen zu integrieren. Grundsätzlich rückt die psychosoziale Seite der Depression stärker in den Vordergrund.
TherapiezieleEs wird empfohlen, individuelle, realistische, gut definierte und auch messbare Therapieziele zu definieren. Im Laufe der Therapie sollte dabei immer wieder überprüft werden, ob die Ziele durch die Interventionen auch erreicht werden können.
Setting und TherapietechnikenSitzungsfrequenz und -länge werden den Bedürfnissen des Patienten angepasst. Bei der Vermittlung des Therapierationale werden die kognitiven Veränderungen (z. B. verlangsamte Reaktionsgeschwindigkeit, mögliche Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme) berücksichtigt. Das Besprochene wird öfter wiederholt, zusammengefasst und mithilfe verschiedener Medien verdeutlicht. Die therapeutischen „Spielregeln“ werden erläutert, und der Einsatz von möglicherweise als unhöflich empfundenen Interventionen (z. B. freundliche Kritik, Unterbrechen, eine Meinung herausfordern etc.) wird mit dem Patienten geklärt.
BeziehungsgestaltungKognitive VerhaltenstherapieBeziehungsgestaltungTherapeutische Beziehungältere PatientenTherapeutische Beziehungkognitive VerhaltenstherapieEs werden Grundprinzipien therapeutischen Arbeitens mit älteren Menschen formuliert, auf die Bedeutung unspezifischer Therapiefaktoren wie Wärme, Engagement und Vertrauen wird explizit hingewiesen.

Wer mit älteren Patienten arbeitet, sollte mit dem Phänomen des Alterns vertraut sein. … Positive, doch realistische Erwartungen in die Arbeit einbringen. Stereotype und negative Haltungen gegenüber alten Menschen entdecken und korrigieren.

Hautzinger (2000: 41 f.)

Interpersonelle Psychotherapie zur Behandlung von Altersdepression (IPT-Late Life)

Kurzbeschreibung
IPT-Late LifeInterpersonelle Psychotherapie (IPT)AltersdepressionAltersdepressionInterpersonelle PsychotherapieDepression/depressive StörungenInterpersonelle PsychotherapieBei der IPT handelt es sich um eine von Klerman et al. (1984) entwickelte Kurzzeittherapie (14–16 Sitzungen), die speziell auf die Behandlung unipolar depressiver Patienten zugeschnitten ist. Der theoretische Hintergrund der IPT beruht auf Ideen der interpersonellen Schule nach Sullivan und der Bindungstheorie von Bowlby. In den letzten Jahren wird Donald Kiesslers interpersonelle Theorie (1996) als moderne Erweiterung der theoretischen Basis diskutiert. Kiessler konzeptualisiert interaktionelle Muster („Dominanz–Unterwürfigkeit“ sowie „Freundlichkeit–Feindseligkeit/Distanz“) von Individuen, die sich gegenseitig bedingen und zu sich selbst aufrechterhaltenden maladaptiven Beziehungsmustern führen. Gerade depressive (ältere) Menschen zeigen häufig submissive und defensive Verhaltensweisen, was soziale Unterstützung oder eine adäquate Problemlösung erschwert.
Interpersonelle Psychotherapie (IPT)altersspezifische ModifikationenEine Modifikation der IPT für ältere Depressive wurde in den 1980er-Jahren erstmals von Frank et al. (1993) entwickelt. Wie auch bei Jüngeren liegt der Behandlungsfokus auf dem Zusammenhang zwischen depressiver Symptomatik und akuten, aber auch langfristigen interpersonellen bzw. psychosozialen Belastungsfaktoren. Aus vier depressionsassoziierten Problembereichen (TrauerTrauer(reaktion)Altersdepression, KonflikteKonflikteAltersdepression, RollenwechselRollenwechsel, Altersprozesse, EinsamkeitEinsamkeit, Altersdepression) werden maximal zwei ausgewählt, die am meisten zur Entwicklung der depressiven Indexepisode beigetragen haben. Die (erfolgreiche) Bearbeitung dieses Problembereichs wird als entscheidend für die Remission der depressiven Symptomatik angesehen. Altersspezifische Perspektiven finden im Manual Berücksichtigung. Hinrichsen und Clougherty (2006) publizierten ein IPT-Manual für Ältere, das auch die Erkenntnisse der Gerontologie und Geriatrie berücksichtigt.
Indikation und Durchführung
Interpersonelle Psychotherapie (IPT)IndikationenDie IPT-Late LifeIPT-Late Life (IPT-LL) wurde ursprünglich für den ambulanten Bereich und damit für weniger multimorbide Patienten konzipiert. Für stationär behandlungsbedürftige Depressive wurde am Universitätsklinikum Freiburg (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie) ein Behandlungskonzept entwickelt, das die Implementierung von Gruppenangeboten, die Intensivierung von Psychoedukation und Symptommanagement sowie die Einbeziehung des Pflegepersonals und des Sozialdienstes in den therapeutischen Prozess beinhaltet. Andere Varianten dieses Vorgehens sind vorstellbar; dies betrifft insbesondere die Auswahl und das „Timing“ einzelner Therapiemodule und die Rolle einzelner Berufsgruppen.
Modifikationen
TherapieinhalteInterpersonelle Psychotherapie (IPT)altersspezifische ModifikationenDie in der IPT fokussierten Problembereiche (Verlusterlebnisse, Einsamkeit, Rollenwechsel, interpersonelle Konflikte) werden altersspezifisch definiert. So wird bei der IPT-LL der Problembereich „Einsamkeit und Isolation“ nicht wie bei jüngeren Depressiven mit gravierenden interpersonellen Defiziten in Verbindung gebracht, sondern als realistisches Altersproblem gesehen, für das angemessene Problemlösungen erarbeitet werden sollen. Der Altersprozess an sich wird als Rollenwechsel und -übergang definiert; ein psychotherapeutischer Zugang wird dadurch ermöglicht. Beim Problembereich „KonflikteKonflikteim Alter“ können altersrelevante Themen bearbeitet werden (z. B. zunehmender Autonomieverlust und Abhängigkeit von anderen, unerfüllte Versorgungswünsche, Dominanzwechsel in der Partnerschaft etc.). Beim Problembereich TrauerTrauer(reaktion)IPT-Late Life „dürfen“ nicht nur Verstorbene betrauert werden, sondern auch der Verlust des gesunden Angehörigen, z. B. bei demenziell oder internistisch schwer erkrankten Partnern. Auch multiple Verluste spielen eine größere Rolle. Bei allen vier Problembereichen stehen die Gesamtbetrachtung und Würdigung der individuellen Lebensgeschichte und der früheren Beziehungen stärker im Vordergrund.
TherapiezieleIm Sinne einer Optimierung von Therapiezielen sollte bei der Auswahl des Problembereichs darauf geachtet werden, dass dieser auch veränder- bzw. beeinflussbar ist. Aber auch innerhalb der Problembereiche werden altersspezifische Modifikationen vorgenommen. So können bei einem langjährigen (unlösbar erscheinenden) Ehekonflikt die Toleranzerhöhung und die Würdigung von positiven Aspekten der Beziehung im Vordergrund stehen und weniger eine Veränderung dysfunktionaler Interaktionen. Bei einem dramatischen Rollenwechsel (z. B. Zustand nach schwerem Schlaganfall) sollte der Patient ermutigt werden, das „Beste aus der Situation zu machen“ und nicht – wie im Manual für Jüngere vorgesehen – „die neue Rolle positiver zu sehen“.
Settingvariablen und TherapietechnikenIm Manual werden eine Reihe von Modifikationen vorgestellt, die insbesondere die Sitzungslänge und -frequenz sowie verschiedene Therapietechniken (z. B. Exploration, Gefühlsfokussierung, Feedback-Techniken etc.) betreffen. Als empirische Therapie ist die IPT seit ihrer Gründung um Überprüfung ihrer Methoden und Wirksamkeit bemüht. Miller und Reynolds (2007) überprüften die Wirksamkeit verschiedener Techniken in der therapeutischen Arbeit mit kognitiv beeinträchtigten Altersdepressiven. In dieser Modifikation (IPT-CIIPT-CI (kognitiv beeinträchtigte Altersdepressive)) erwies sich die Integration des betreuenden Angehörigen/Partners für die Lösung der interpersonellen Konflikte und des Rollenwechsels (vom Gesunden zum kognitiv Gestörten) als entscheidend.
BeziehungsgestaltungInterpersonelle Psychotherapie (IPT)BeziehungsgestaltungIPT-Therapeuten Therapeutische Beziehunginterpersonelle Psychotherapiesind aktiv, unterstützend und bieten direkte Hilfen bei Problemlösungen an (z. T. in enger Kooperation mit dem Sozialdienst). Im Sinne Bowlbys bieten sie eine „sichere Basis“. Abhängigkeitstendenzen sollen durch die Einbeziehung anderer Berufsgruppen verringert werden. ÜbertragungsphänomeneÜbertragungInterpersonelle Psychotherapie finden eine besondere Berücksichtigung. Aspekte positiver Übertragung (z. B. Geschenke an den Therapeuten) dürfen therapeutisch genutzt werden, z. B. als Ausdruck des noch Kreativ-Seins und Geben-Könnens. Kommt es zu offenem oder verdecktem, verbalem oder nonverbalem Widerstand, so sollte der IPT-Therapeut seine freundliche Grundhaltung bewahren und mit dem Patienten besprechen, welche Bedeutung oder interpersonelle Funktion ein solches Verhalten hat. Hier bietet sich der Einsatz des Kiesler-Kreises an, der die Konsequenzen von feindselig-submissivem Verhalten verdeutlicht und zu freundlich-dominanteren Interaktionen ermutigt.

Psychodynamische Ansätze

Psychodynamische PsychotherapieWirksamkeit(snachweise)AltersdepressionAltersdepressionpsychodynamische TherapieansätzeDepression/depressive Störungenpsychodynamische TherapieansätzeIm deutschsprachigen Raum sind psychodynamische Konzeptionen für Ältere mit Autoren wie Heuft, Kruse und Radebold (2006) oder Peters (2014a) verbunden. In den letzten Jahren hat die Anzahl von Publikationen und Konzeptionen auch für Hochaltrige stark zugenommen.

Merke

Bei Depressionen wird die zentrale Rolle von Verlust, Verunsicherungs- und Enttäuschungserlebnissen in der Kindheit hervorgehoben. Depression wird als Gegenreaktion auf den Zusammenbruch der bisherigen Konfliktbewältigung (z. B. Überkompensation) verstanden.

Im höheren Lebensalter treten einige dieser psychodynamischen Parameter in den Hintergrund. Nach Peters (2014a) wird mehr strukturellen Interventionstechniken Raum gegeben, die am augenblicklichen mentalen Zustand des Patienten ansetzen und eine breite Palette von Interventionsmöglichkeiten bieten. Nach Meinolf sind die strukturellen Defizite Hochaltriger, die phänotypisch denen von Persönlichkeitsstörungen ähneln, durch die Risikofaktoren des hohen Alters selbst bedingt (z. B. soziale, kognitive und körperliche Einschränkungen). Die Anwendung strukturbezogener und mentalisierungsbasierter Psychotherapie wird empfohlen. Darunter sind psychoanalytische Konzeptionen zu verstehen, die auch Bindungsaspekte und Erkenntnisse der Neuropsychologie (Theory-of-Mind-Forschung) stärker integrieren.
Therapieinhalte/TherapiezieleTherapieziele sind die Förderung von Introspektion, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Auch der Alterspatient soll durch die therapeutische Beziehung korrigierende Erfahrungen machen; eine Symptomminderung wird angestrebt. Die Anwendung additiver Module wie Entspannungsverfahren oder Hirnleistungstraining zur Stärkung der Ich-Funktionen scheint auch bei psychodynamischen Ansätzen kein Tabu mehr zu sein. Für Peters (2014) sind bei Hochaltrigen die Wiederherstellung von Sicherheit und Kohärenz sowie eine höhere Toleranz für negative Gefühlszustände von großer Bedeutung.
Setting und TherapietechnikenAuch bei psychodynamischen Therapien sind im Vergleich zum klassischen Vorgehen weniger Sitzungen, ein kürzerer Zeitraum, ein aktiverer Therapeut, eine schnellere Entwicklung des therapeutischen Bündnisses und ein engerer Therapiefokus möglich. Die fokussierte Bearbeitung eines bewusstseinszugänglichen Konflikts geht auf das Konzept der Fokaltherapie nach Michael Balint zurück. Rudolf (2006) nennt folgende strukturbezogenen Techniken: Anregung zu psychischen Produkten (wie z. B. Erinnerungen), klärende Fragen, Einladung zur Selbstreflexion, antwortende Mitteilungen, spiegelnde Äußerungen, strukturierende und hypothesengeleitete Interventionen.
BeziehungsgestaltungPsychodynamische PsychotherapieBeziehungsgestaltungTherapeutische Beziehungpsychodynamische PsychotherapieReduktion der therapeutischen Distanz, Freundlichkeit, Wohlwollen scheint – anstelle der vielzitierten „Neutralität“ – nach einer Studie von Peters et al. (2014b) auch bei psychodynamischen Therapeuten einen höheren Stellenwert zu haben. Ein gewisses Maß an Abgrenzung ist aber notwendig, um nicht in den „Sog“ einer persönlichen Beziehung zu geraten (Peters 2014: 244). Nach Rudolf (2006) stellt sich der Therapeut nicht als Interpret unbewusster Vorgänge an, sondern als wohlwollendes Hilfs-Ich, das klärt, anregt, spiegelt.

Angststörungen

AlterspsychotherapieAngststörungenAngststörungenPrävalenzDie Prävalenz von „Angststörungen insgesamt“ wird auf 1,9–14,2 % geschätzt, wobei phobische StörungenPhobienPrävalenz und die generalisierte AngststörungGeneralisierte AngststörungPrävalenz (GAD) offenbar am häufigsten vorkommen (Weyerer und Bickel 2007; Wolitzky-Taylor et al. 2010). Angststörungen im Alter werden als solche oft nicht erkannt und auch insuffizient, z. B. mit Benzodiazepinen, behandelt. Letztere erhöhen das Abhängigkeitsrisiko und die Sturzgefahr, was zu einer Exazerbation der Angstproblematik beitragen kann.

Merke

Angststörungenim AlterAngstsymptome und Angststörungen im Alter sind selten erstmalige Manifestationen, sondern treten sehr häufig mit anderen psychischen Störungen auf (z. B. Depression, Demenz), was die Klärung erschwert, welche Störung als Hauptdiagnose anzusehen ist.

Zu den negativen Folgen von Angststörungen gehören die Abnahme der täglichen Aktivitäten, die Verschlechterung der Lebensqualität und die Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere bei Männern.

Wolitzky-Taylor et al. (2010) fanden in ihrer Übersichtsarbeit folgende RisikofaktorenAngststörungenim AlterRisikofaktoren für die Entwicklung einer Angststörung: weibliches Geschlecht, Multimorbidität, allein lebend, niedriges Bildungsniveau, subjektiv wahrgenommener Gesundheitszustand, Schlafstörungen, Medikamenteneinnahme, Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch/-abhängigkeit, körperliche Einschränkungen, belastende Lebensereignisse, frühe Traumata, Neurotizismus oder übermäßige Beschäftigung mit körperlichen Beschwerden.

Kognitive Verhaltenstherapie bei verschiedenen Angstsyndromen

Angststörungenkognitive VerhaltenstherapieDie KVT bei Angststörungen im Alter umfasst mehrere Bestandteile, die in unterschiedlichen Kombinationen angewandt werden können. In jüngster Zeit kommen auch vermehrt Achtsamkeitsmodule zur Anwendung. Nach Maercker (2002) haben sich drei Gruppen von Therapietechniken als wirksam erwiesen: EntspannungsverfahrenAngststörungen
  • 1.

    Entspannungstechniken

  • 2.

    Angstexposition und -habituation

  • 3.

    Kognitive Therapietechniken

Schmidt-Traub (2011) beschreibt in ihrem Manual neben klassischen Therapieelementen wie Psychoedukation, kognitive Therapie und Exposition auch neuere Ansätze wie Achtsamkeit und Emotionskontrolle sowie andere additive Therapieelemente (z. B. Stressbewältigung/Problemlösen, Reminiszenztherapie, Gesundheitsverhalten, Spiritualität). Nach Forstmeier et al. (2011) muss die Angstbehandlung nicht grundsätzlich modifiziert werden. Neben Bedingungsanalyse, Psychoedukation und kognitiver Restrukturierung gehören Exposition, Entspannungsverfahren und Training sozialer Kompetenzen zu den Standardmodulen.
Indikation und Durchführung
Der KVT-Ansatz ist bei einer Vielzahl von Angststörungen (z. B. Panikstörung, GAD) indiziert. Ausschlusskriterien in durchgeführten RCTs sind zumeist gravierende kognitive und neurologische Auffälligkeiten, psychotische Symptome oder ernste körperliche Erkrankungen (Wetherell et al. 2005).
Modifikationen
Inhaltliche ModifikationenKognitive Verhaltenstherapiealtersspezifische ModifikationenDie Informationsvermittlung nimmt einen höheren Stellenwert ein; die „Natur der Angst“ wird ebenso ausführlich erläutert wie das therapeutische Vorgehen. Dabei soll auf die Besonderheiten von Angst im Alter (z. B. im Kontext mit somatischen Beschwerden wie Bluthochdruck, Schwindel, orthopädischen Problemen) sowie auf die Tendenz älterer Menschen, psychische Schwierigkeiten aus Angst vor Stigmatisierung herunterzuspielen oder Angstsymptome gänzlich physischen Erkrankungen zuzuschreiben, eingegangen werden.
TherapiezieleDie Ziele unterscheiden sich kaum von denen jüngerer Patienten: Abbau von Vermeidungsverhalten, Veränderung angstbezogener Gedanken, Abbau von Angstsymptomen.
Setting-Variablen und TechnikenForstmeier et al. (2011) schlagen eine Kooperation mit den behandelnden Ärzten vor, da es zu einer Überlappung zwischen Angstsymptomen und somatischen Erkrankungen kommen kann. Sie raten zu mehr, aber kürzeren Sitzungen und zu „geringeren Intensitäten“ bei der Expositionsbehandlung. Wenn Entspannungsverfahren zum Einsatz kommen, sollten doppelt so viele Sitzungen eingeplant werden.
BeziehungsgestaltungIn nahezu allen Publikationen werden keine Angaben zur Beziehungsgestaltung bei Angststörungen gemacht, was erstaunlich ist, da die Aufforderung zu Expositionsübungen Widerstand hervorrufen könnte. Nach Forstmeier et al. (2011) sollte die Haltung durch Respekt und Wertschätzung geprägt sein; jüngere Therapeuten sollten es aushalten können, wenn ihre Kompetenz aufgrund der geringeren Lebenserfahrung hinterfragt wird.

Kognitive Verhaltenstherapie bei posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD)

PTSD (posttraumatische Belastungsstörung)im AlterKognitive Verhaltenstherapieposttraumatische BelastungsstörungPTSD (posttraumatische Belastungsstörung)kognitive VerhaltenstherapieNach Maercker (2002) hat sich bei älteren Menschen folgende Unterscheidung von PTSD-TypenPTSD (posttraumatische Belastungsstörung)Typen etabliert:
  • Chronische PTSDPTSD (posttraumatische Belastungsstörung)chronische, die auf früheren Traumata beruht (z. B. Kriegs- und Vertreibungserlebnisse)

  • Aktuelle bzw. chronische PTSD, die auf im höheren Lebensalter erlebten Traumata (aktuelle Traumata wie Verkehrsunfall, lebensbedrohliche Erkrankung) beruht

  • Verzögert auftretende PTSDPTSD (posttraumatische Belastungsstörung)verzögerte, die im höheren Lebensalter wieder auftritt und auf früheren Traumata beruht

Die Behandlung der PTSD besteht (bei Erwachsenen) aus verschiedenen Therapieelementen. Neben kognitiv-verhaltenstherapeutischen Interventionen (z. B. Traumaexposition) kommen auch psychodynamische Ansätze und das Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDRPTSD (posttraumatische Belastungsstörung)EMDR) zur Anwendung. Sowohl in der KVT als auch in den psychodynamischen Ansätzen gilt es nach Heuft et al. (2006: 116), „zu Therapiebeginn die Fähigkeit des Patienten zur Selbstberuhigung und Selbstdesensitivierung zu stärken. Die kognitiv-emotionale Erschütterung des Weltverständnisses (‚shattered assumptions‘) ist ein weiteres Beispiel für die Annäherung zwischen einem kognitiv-behavioralen und einem psychodynamischen Verständnis. Beinahe durchgängig werden Entspannungsverfahren verwendet.“ EntspannungsverfahrenPTSD
Kognitive Verhaltenstherapiealtersspezifische ModifikationenMaercker (2002) stellt in seiner Altersmodifikation für die PTSD zunächst die altersbezogenen körperlichen und psychischen Beschwerden in den Vordergrund. Eine anfängliche Symptomreduktion soll die Therapiecompliance erhöhen und „eine gute Voraussetzung“ für spätere Phasen der Traumatherapie schaffen. Der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung und die Vermittlung der Therapierationale sind extrem bedeutsame Therapieelemente. Der Patient erfährt, dass seine Beschwerden eine „normale“ Reaktion auf eine belastende Situation sind und welche therapeutischen Schritte zur Bewältigung des Traumas nötig sind. Das weitere Vorgehen wird durch LebensrückblickinterventionenLebensrückblicktherapie (LRT)PTSD im Alter bestimmt. Eine genaue Beschreibung dieser Therapie (LRT) findet sich bei Maercker und Forstmaier (2013). Die Biografie wird in Lebensphasen oder Schlüsselereignisse restrukturiert; die Stärkung der Erinnerungskompetenz (von allgemein zu spezifisch) soll bei PTSD typischen Gedächtnisphänomen einen remissionsfördernden Effekt haben. Es kann mit klassischen PTSD-Elementen wie imaginativer Traumakonfrontation und kognitiver Restrukturierung kombiniert werden.

Bewertung

Die Wirksamkeitsnachweise für PTSD-Interventionen im Alter müssen als sehr begrenzt bezeichnet werden. Für die Traumaexposition und Lebensrückblickintervention liegen Fallberichte mit positivem Ergebnis vor.

Empirische Wirksamkeitsnachweise

AlterspsychotherapieWirksamkeit(snachweise)DepressionIm Folgenden wird versucht, die Wirksamkeitsbefunde für die dargestellten Psychotherapien im Alter zu systematisieren. Die Zusammenstellung für die Depressionsbehandlung stützt sich auf Metaanalysen der Cochrane Collaboration (2008, 2012), aktuellere Metaanalysen von Gold et al. (2012a) und Cuijpers et al. (2014) sowie neuere, d. h. in 2015 publizierte RCTs. Einschränkend ist zu erwähnen, dass trotz einer Zunahme qualitativ hochwertiger Studien die Einbeziehung „deutlich“ Älterer, aktiver Kontrollgruppen oder Pharmakotherapie bislang vernachlässigt wurde. Auch die hohen Rückfallquoten sowie die Tendenz zur Chronifizierung sind unzureichend untersucht. In der Cochrane-Metaanalyse von Wilkenson und Izmeth (2012) zur Erhaltungstherapie wurden nur zwei Studien (IPT, KVT im Gruppenformat) berücksichtigt; die Autoren betonen, dass die Datenlange für Behandlungsempfehlungen zu gering sei.
Tab. 33.1 gibt einen Überblick über den Evidenzgrad von Psychotherapien zur Behandlung von Depressionen im Alter. Im Cochrane-Review von Wilson et al. (2008) erfüllten nur 9 (von 65) Studien die Einschlusskriterien; zumeist handelte es sich um ältere Studien aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Auf der Basis dieser Studien wurden KVT und Problemlösetherapie als wirksam beurteilt. In neueren Metaanalysen (Gould et al. 2012a; Cuijpers et al. 2014) werden beide Verfahren – neben Lebensrückblickmethoden – als wirksam eingestuft. Bei der IPT war die Überlegenheit als Erhaltungstherapie nur bei jüngeren Älteren nachweisbar; bei psychodynamischen Therapien reicht die Anzahl der Studien nicht aus (lediglich eine RCT im Kurzzeitformat), um eine valide Aussage treffen zu können.

Psychotherapie von Depression im Alter

Altersdepressionkognitive VerhaltenstherapieAlterspsychotherapieWirksamkeit(snachweise)DepressionIn der Cochrane-Analyse zur Psychotherapie von Depression im Alter von Wilson et al. (2008) zeichnete sich die einbezogene kognitive Verhaltenstherapie (KVT) durch eine große Heterogenität aus; zur Anwendung kamen individuelle und Gruppen-KVT, Problemlösetherapien und kognitive BibliotherapieBibliotherapieAltersdepression (Lesen von Selbsthilfemanualen). Im Vergleich mit nicht aktiven Kontrollbedingungen (z. B. Warteliste) zeigte sich eine Überlegenheit, wobei die Autoren „warnen“ die Ergebnisse aufgrund der geringen Stichprobengrößen, der hohen Dropout-Zahlen und der heterogenen Interventionen auf klinische Gruppen zu übertragen. Die Praxisrelevanz wird dadurch erheblich infrage stellt.
AlterspsychotherapieWirksamkeit(snachweise)KVTKognitive VerhaltenstherapieWirksamkeit(snachweise)AltersdepressionBei Gould et al. (2012a) wurden aus einem Pool von 485 Studien 23 RCTs eingeschlossen. Auch hier ergab sich für die KVT eine größere Evidenz, wenn sie mit nichtaktiven Kontrollgruppen verglichen wurde. Die Befunde blieben bis 12 Monate nach Behandlungsende stabil. Effektstärken auf der Basis von Fremdbeurteilungsverfahren fielen höher aus als die von Selbstbeurteilungsverfahren. Keine Unterschiede ergaben sich im Vergleich mit anderen Therapien (Pharmakotherapie, andere Psychotherapien). Durch Meta-Regressionsanalysen konnte aufgezeigt werden, dass Variable wie „Selbst-/Fremdbeurteilung“, „nichtaktive/aktive Kontrollgruppen“, individuelle/Gruppentherapie, Pharmakotherapie erlaubt/nicht erlaubt einen wesentlichen Einfluss auf die Effektstärken haben.
Krishna et al. (2013) konnten in ihrer Metaanalyse aufzeigen, dass KVT im Gruppenformat (GCBTKognitive VerhaltenstherapieGruppenformat) und computergestützt (CCGTKognitive Verhaltenstherapiecomputergestützte/internetbasierte) auch bei subklinischer Depression wirksam ist. Zu ergänzen ist, dass nur vier Studien mit relativ jungen (< 55 J.) Probanden berücksichtigt wurden.
Cuijpers et al. (2014) verzeichnen seit 2010 eine deutliche Zunahme an kontrollierten Studien mit älteren Depressiven. In ihrer Metaanalyse mit 44 eingeschlossenen Studien waren die Effektstärken insbesondere von der Güte beeinflusst; bei qualitativ hochwertigen Studien fanden sich geringere Effektstärken. Systematische Zusammenhänge mit der Art der Patientenrekrutierung, der Operationalisierung von Depressionen sowie mit der Länge der Intervention ergaben sich nicht. Die KVT wird mit einer Effektstärke von 0,46 als wirksame Depressionstherapie beschrieben, andere psychologische Interventionen wie AlterspsychotherapieWirksamkeit(snachweise)ProblemlösetherapieProblemlösetherapieAltersdepressionProblemlösetherapie (ES 0,46) und LebensrückblicktherapieAltersdepressionLebensrückblicktherapie (ES 0,59) erzielen ebenfalls moderate Effektstärken. Erwartungsgemäß waren die Effektstärken unter Wartegruppen-Bedingung höher. Bei Treatment as Usual (TAU) zeigte sich eine große Heterogenität: von keiner Intervention bis zur Verordnung von Antidepressiva oder Psychotherapie. Am wenigsten wirksam (im Unterschied zu jüngeren Patientenkollektiven) war nichtdirektives Counselling.
In der Studie von Kiosses (2014) zeigte sich, dass mit „aufsuchender“ Problemlösetherapie und Einbeziehung der Angehörigen, derAltersdepressionProblem Adaption Therapy (PATH) sog. Problem Adaption Therapy (PATHPATH (Problem Adaption Therapy))Problem Adaption Therapy (PATH)Wirksamkeitsnachweise, respektable Effektstärken erzielt werden können. Im Vergleich mit supportiver Psychotherapie zeigte sich ein deutlicher Rückgang der depressiven Beschwerden sowie der erlebten Beeinträchtigungen. Die Effektstärken bewegten sich auf einem mittleren Niveau (0,6/0,67). Interessant an dieser RCT ist, dass deutlich ältere (Altersdurchschnitt: > 80 J.) und „ wirklich eingeschränkte“ Menschen einbezogen wurden. In der Metaanalyse von Kirkham (2015) zeigt sich ebenfalls eine Überlegenheit von Problemlösetherapie, wobei hier ein Altersdurchschnitt von „60 und älter“ angegeben wird, also ein Patientenkollektiv, dass ohnehin nicht als schwer zu behandeln gilt.
AlterspsychotherapieWirksamkeit(snachweise)IPTInterpersonelle Psychotherapie (IPT)Wirksamkeit(snachweise)AltersdepressionAltersdepressionInterpersonelle PsychotherapieDie Wirksamkeit der Interpersonellen Psychotherapie (IPT) wurde von Reynolds et al. (1999) mit „young-old“ (59+) überprüft. Es zeigte sich eine Überlegenheit der Kombinationstherapie aus IPT (Erhaltungstherapie, 1 ×/Monat) und NortriptylinAltersdepressionPharmakotherapieNortriptylin, Altersdepression im Vergleich zu den Bedingungen „IPT + Placebo“, „Nortripylin + Clinical Management (CM)“ sowie „Placebo + CM“. Die Rückfallquoten während der 3-jährigen Nachbeobachtung waren unter der Kombinationstherapie am niedrigsten (20 %) und unter Placebo + CM (90 %) am höchsten. In einer späteren Studie derselben Autorengruppe (Reynolds et al. 2006) mit deutlich älteren (Durchschnittsalter 77,1 J.) und körperlich kränkeren Patienten konnte hingegen keine Überlegenheit der Kombinationstherapie nachgewiesen werden. Die Rückfallquote der mit IPT (1 ×/Monat, 45 min) und Placebo behandelten Patienten lag mit 68 % (im 2-Jahres-Follow-up) deutlich über den Quoten der anderen Behandlungsgruppen (IPT + ParoxetinParoxetinAltersdepression: 35 %, Paroxetin + CM: 37 %, CM + Placebo: 58 %). Das relativ gute Abschneiden der „CM + Placebo“-Gruppe könnte darauf hinweisen, dass bei dieser Subgruppe mehr allgemeine Wirkfaktoren (z. B. Psychoedukation, Unterstützung, Ermutigung) von Bedeutung sind. Diese Hypothese wird durch eine weitere RCT der Autorengruppe gestützt (Reynolds et al. 2010), in der die Effekte vonAlterspsychotherapieWirksamkeit(snachweise)Depression Care Management Depression Care Management (DCMDepression Care Management (DCM)AltersdepressionDepression Care Management (DCM)) und IPT bei teilremittierten Depressiven (> 60 J.) unter EscitalopramEscitalopram, Altersdepression(10–20 mg/d) verglichen wurden. Die Remissionsraten nach 16 Wochen waren ermutigend (mehr als 50 % erlangten die Vollremission); IPT und DCM unterschieden sich aber nicht signifikant.
Complicated Grief Treatment (CGT)AltersdepressionAltersdepressionComplicated Grief Treatment (CGT)Shear et al. (2014) verglichen „klassische IPT“ bei Trauer mit AlterspsychotherapieWirksamkeit(snachweise)Complicated Grief TreatmentComplicated Grief Treatment (CGT), einem Therapieprogramm aus IPT, Motivational Interviewing und Expositionsmodulen. Die Reduktion von Trauersymptomen war in der CGT-Bedingung doppelt so hoch wie in der IPT-Gruppe. Die Ergebnisse weisen auch daraufhin, dass der Abbau von Vermeidung auch bei Älteren ein wichtiges Therapieziel darstellen könnte und dass die Anwendung der „üblichen“ IPT-Trauerstrategien und -techniken nicht ausreichend ist.
AlterspsychotherapieWirksamkeit(snachweise)psychodynamische AnsätzePsychodynamische PsychotherapieWirksamkeit(snachweise)AltersdepressionGenerell werden die Inhalte, Modifikationen und die Wirksamkeit psychodynamischer Therapien durch Einzelfallbeschreibungen oder Anwendungsbeobachtungen demonstriert. RCTs sind rar. In einer frühen kontrollierten Studie von Gallagher-Thompson und Steffen (1994) mit depressiv erkrankten pflegenden Angehörigen (Durchschnittsalter: 62 J.) zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen einem kognitiv-verhaltenstherapeutischen und einem psychodynamischen Vorgehen. In beiden Behandlungsgruppen ergab sich nach 20 ambulanten Sitzungen eine deutliche Reduktion der depressiven Beschwerden. Angehörige, die noch nicht so lange in die Betreuung involviert waren (< 44 Monate), profitierten mehr von psychodynamischer Therapie, Angehörige mit länger andauerndem Pflegeeinsatz hingegen mehr von KVT.

Psychotherapie von Angststörungen im Alter

Angststörungenim AlterAngststörungenkognitive VerhaltenstherapieAlterspsychotherapieWirksamkeit(snachweise)AngststörungenIm Folgenden werden die Evidenzdaten von Psychotherapien zur Behandlung von Angststörungen im Alter dargestellt (Tab. 33.2). Die Datenlage ist im Vergleich zur Depressionstherapie deutlich „dünner“ und stützt sich auf Metaanalysen von Nordhus und Pallesen (2003), Wetherell et al. (2005) sowie Gould et al. (20012b).
In den Übersichtsarbeiten von Nordhus und Pallesen (2003) sowie Wetherell et al. (2005) wurden verschiedene Interventionsmethoden im Hinblick auf ihre Wirksamkeit bei Angststörungen analysiert. Für die GAD zeigte sich, dass kognitiv-behaviorale AngstbewältigungsprogrammeAngstbewältigungstraining, aber auch andere Gruppenangebote wie z. B. altersspezifische Diskussionsgruppen (Wetherell et al. 2005) wirksam sind. Die von Nordhus und Pallesen aufgeführten Effektstärken (d) für KVT hängen sehr stark von den Vergleichsbedingungen ab. Bei Wetherell et al. ergaben sich folgende Werte: KVT vs. Wartegruppe: 0,83; KVT vs. „worry discussion group“: 0,33.
Eine Metaanalyse von Gould et al. (2012b) erbrachte ein ähnliches Ergebnis. Es wurden insgesamt 12 Studien (vorwiegend GAD-Patienten) lag zwischen 65 und 72. KVT ist gegenüber Wartegruppen oder TAU überlegen, dieser Effekt war auch im 6-Monats- (aber nicht im 3- und 12-Monats-) Follow-up nachweisbar. Wurden aktive Kontrollgruppen eingesetzt, fielen die Effektstärken deutlich geringer aus. Die Wirksamkeit ist im Vergleich mit noch Berufstätigen deutlich schlechter, woraus die Autoren weiteren Forschungsbedarf ableiten. Sie postulieren, dass kognitive Störungen, Schwere der Erkrankung und die Adhärenz bzgl. Hausaufgaben ebenso wie Chronizität und unspezifische Wirkfaktoren einen wichtigen Einfluss auf den Behandlungserfolg haben. Diese sollten in zukünftigen Studien mehr Berücksichtigung finden. Nur zwei Studien der Metaanalyse verglichen KVT direkt mit Pharmakotherapie (SSRI, Paroxetin und SertralinAngststörungenPharmakotherapie). Bei beiden Studien erzielte die medikamentöse Therapie bessere Effektstärken. Kombinationstherapien sind im Alter bisher nicht untersucht worden, obwohl sich bei Jüngeren positive Effekte zeigen. Die Nachhaltigkeit der Interventionen ist ebenfalls unzureichend untersucht.
In einer neueren Metaanalyse von Barton et al. (2014) zur Wirksamkeit von Interventionen bei therapieresistenten AngststörungenAngststörungentherapieresistente genügte keine der Studien den Einschlusskriterien.

Zusammenfassung und Ausblick

AlterspsychotherapieWirksamkeit(snachweise)DepressionIm vorliegenden Beitrag wurden altersmodifizierte und evidenzbasierte störungsorientierte Psychotherapieverfahren vorgestellt. Was die inhaltlichen Aspekte betrifft, so scheint die Altersperspektive zu einer gewissen Nivellierung schulenspezifischer Unterschiede beizutragen. So finden sich bei der Behandlung von Altersdepressionen große Überschneidungen zwischen IPT, KVT und psychodynamischer Psychotherapie. In allen Verfahren wird die Bedeutung des psychosozialen Kontextes der Depression, z. B. durch Verlustereignisse oder Funktionseinschränkungen des Alters, hervorgehoben. Therapieaufbau, Themenbereiche, therapeutische Techniken und Strategien weisen Parallelen auf. Dennoch deutet die Studienlage darauf hin, dass ein direktiveres, problemlöseorientiertes Vorgehen offenbar einen leichten Vorteil gegenüber mehr einsichts- und klärungsorientierten Interventionen hat (Wilson et al. 2009, Gould et al 2012a; Cuijpers et al. 2014). Direktivere Techniken sind aber auch in der IPT und auch der psychodynamischen Therapie kein Tabu (mehr). Möglicherweise stellt Erlebnisvermeidung auch bei Älteren einen die Störung aufrechterhaltenden Bedingungsfaktor dar, den es psychotherapeutisch stärker aufzugreifen gilt. Nach Wilson (2009) und Cuijpers (2014) sind derartige Aussagen aber mit Vorsicht zu betrachten, da die Anzahl an qualitativ hochwertigen Studien generell zu gering ist und auch direkte Vergleiche zwischen einzelnen Psychotherapien fehlen. Zudem sind die Studienergebnisse aus vorwiegend ambulanten Settings nicht ohne weiteres auf andere klinische Subgruppen (z. B. stationäre Depressive) übertragbar.
Die Therapievergleichsstudien von Kiosses et al. (2015) mit kognitiv Gestörten und Shear et al. (2014) mit Trauernden weisen darauf hin, dass mit spezifischen und schulenübergreifenden Therapieprogrammen gute Wirksamkeitsnachweise mit hoher Praxisrelevanz erzielt werden können. Es stellt sich insofern weniger die Frage, ob Psychotherapie wirksam ist, sondern vor allem die der differenziellen Psychotherapieindikation, d. h.: Wer braucht was, in welcher Kombination, durch wen und wie lange?
AlterspsychotherapieWirksamkeit(snachweise)AngststörungenIm Bereich der Angststörungen wurden zwei Interventionen zur Behandlung der GAD und der PTSD vorgestellt wurden. Trotz z. T. sehr elaborierter Therapiemanuale mit klassischen Therapieelementen wie Exposition und kognitiver Restrukturierung zeigte sich bei der GAD keine konsistente Überlegenheit von KVT gegenüber anderen psychosozialen Interventionen (z. B. Gesprächsgruppen). Für PTSD fehlen kontrollierte Studien bislang.
Wirksamkeitsnachweise mit Hochaltrigen sind weiterhin rar. Die wachsende Akzeptanz der Alterspsychotherapie hat zwar zu einer besseren Integration der jüngeren Älteren geführt, das höhere Alter scheint aber von dieser Entwicklung nicht zu profitieren. Nach Peters (2014) halte das negative Altersstereotyp unvermindert an und lähme die weitere Entwicklung des Fachs. In diesem Kontext fordert Jeste (2013), eine „new positive psychiatry of ageing“, in der Remission, Prävention sowie psychologische Interventionen zur Verstärkung von Resilienz, sozialem Engagement und Weisheit eine führende Rolle spielen sollten.
Über welche Wirkfaktoren PsychotherapienAlterspsychotherapieWirkfaktoren erfolgreich sind, ist unklar. Wirksamkeitsnachweise für Verfahren wie LebensrückblicktherapieLebensrückblicktherapie (LRT)Wirkfaktoren oder supportive TherapieSupportive Psychotherapieältere/alte Menschen weisen darauf hin, dass möglicherweise unspezifische Therapiefaktoren vorrangig sind. Dies wird auch bei jüngeren Patientengruppen beobachtet und mit dem „dodo bird verdict“Dodo bird verdict in Verbindung gebracht wird. Dahinter verbirgt sich die Annahme, dass allen Psychotherapien ein gemeinsamer Wirkfaktor zugrunde liegt, und nur ca. 10 % des Effekts der Spezifität des jeweiligen Verfahrens zuzurechnen sind (Luborsky et al. 2002). Dodo, der Vogel aus Alice im Wunderland, hatte erklärt, „all have won und all must have prizes“, und scheint nach einer Metaanalyse von Marcus et al. (2015) auch im 21. Jahrhundert nicht vom Aussterben bedroht zu sein.
Die Erfolge der großen amerikanischen Versorgungsstudien IMPACT (Hunkeler et al. 2006) und PROSPECT (Schulberg et al. 2007) sowie die Ergebnisse der Studie von Reynold et al. (2010) legen nahe, dass eine kontinuierliche und aktive Unterstützung bei der Depressionsbewältigung durch ein kompetentes und empathisches Therapeutenteam ein sehr wichtiger Wirkfaktor zu sein scheint. Diese psychiatrisch-psychotherapeutische Basisversorgung ist im Alter aber oft nicht gewährleistet.
AlterspsychotherapieTherapeutenmerkmaleDie Ausbildung der Therapeuten stellt ebenfalls ein Problem dar, das sowohl für den Forschungsbereich als auch für die klinische Praxis relevant ist. So wird in keiner der aufgeführten Studien darauf hingewiesen, wie alt und erfahren die Therapeuten waren und über welche alterspsychotherapeutischen Kenntnisse oder „Altersbilder“ sie verfügten. Der Einfluss von Therapeutenvariablen bzw. die Bedeutung einer positiven Beziehungsgestaltung für den Therapieerfolg wird bei Älteren vernachlässigt, obwohl die Prozessforschung hier im Bereich jüngerer Erwachsener zu interessanten Erkenntnissen gekommen ist. So zeigte sich in einer frühen Arbeit von Rounsaville et al. (1987), dass Therapeutenmerkmale und -verhalten (wie z. B. Wärme und Freundlichkeit, Kompetenz) bessere Prädiktoren für das Behandlungsergebnis darstellten als Patientenvariablen.
Alterspsychotherapie kann – um es mit Fontane auszudrücken – als „ein weites Feld“ betrachtet werden, das aber zunehmend an Struktur und Profil gewinnt. Trotz ermutigender Entwicklungen ist die Implementierung und Inanspruchnahme von psychotherapeutischen Interventionen im Alter deutlich schlechter als bei jüngeren Patientenpopulationen. Die demografischen Veränderungen der nächsten Jahre bzw. Jahrzehnte werden mit sehr großer Wahrscheinlichkeit weitere Fortschritte auf diesem Feld „erzwingen“. Die zunehmende Individualisierung und die sich im Wandel befindlichen (kohortenspezifischen) Wertesysteme und Altersbilder werden dabei Neukonzeptionen erforderlich machen. Auch die Alterspsychotherapie wird ein weites Spektrum an Methoden und Modulen beinhalten, die den spezifischen Bedürfnissen dieser wachsenden und sehr heterogenen Patientengruppe besser gerecht werden kann.

Literaturauswahl

Cuijpers et al., 2014

P. Cuijpers E. Karyotaki A.M. Pot M. Park C.F. Reynolds 3rd Managing depression in older age: psychological interventions Maturitas 79 2 2014 160 169

Gould et al., 2012a

R.L. Gould M.C. Coulson R.J. Howard Cognitive behavioral therapy for depression in older people: a meta-analysis and meta-regression of randomized controlled trials J Am Geriatr Soc 60 10 2012 1817 1830

Gould et al., 2012b

R.L. Gould M.C. Coulson R.J. Howard Efficacy of cognitive behavioral therapy for anxiety disorders in older people: a meta-analysis and meta-regression of randomized controlled trials J Am Geriatr Soc 60 10 2012 219 229

Hinrichsen and Clougherty, 2006

G.A. Hinrichsen K.F. Clougherty Interpersonal psychotherapy for depressed older adults 2006 American Psychological Association Washington DC

Kiosses et al., 2015

D.N. Kiosses L.D. Ravadin J.J. Gross P. Raue Problem adaptation therapy for older adults with major depression and cognitive impairment JAMA Psychiatry 72 1 2015 22 30

Maercker, 2002

A. Maercker Alterspsychotherapie und klinische Gerontopsychologie 2002 Springer Berlin

Maercker and Forstmeier, 2013

A. Maercker S. Forstmeier Der Lebensrückblick in Therapie und Beratung 2013 Springer Heidelberg

Peters, 2014a

M. Peters Strukturbezogene Psychotherapie mit hochaltrigen Patienten Psychotherapie im Alter 11 2 2014 163 175

Shear et al., 2014

M.K. Shear Y. Wang N. Skritskaya N. Duan C. Mauro A. Ghesquiere Treatment of complicated grief in elderly persons: a randomized clinical trial JAMA Psychiatry 71 11 2014 1287 1295

Wilson and Mottram, 2008

K.C. Wilson P.G. Mottram Vassilas Psychotherapeutic treatment for older depressed people Cochrane Database Syst Rev 1 2008 CD 004853

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen