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B978-3-437-46202-3.00017-2

10.1016/B978-3-437-46202-3.00017-2

978-3-437-46202-3

Abb. 17.1

[L190]

Männliche Harn- und GeschlechtsorganeMannGeschlechtsorgane im Sagittalschnitt

Abb. 17.2

[L190]

Verlauf der ableitenden SamenwegeSamenwege in der Übersicht. Der in den Hoden gebildete Samen wird im Nebenhoden mit Sekret angereichert und gespeichert. Bei der Ejakulation gelangt er über die paarig angelegten Samenleiter nach Eintritt in die Prostata in die Harnsamenröhre.

Abb. 17.3

[L190]

Abdominale Lage des HodenWanderungHodens während der Embryonalzeit und seine Wanderung durch den Leistenkanal in den Hodensack

Abb. 17.4

[Zeichnung: L190; Foto: X141]

Hoden, Nebenhoden und Anfangsteil des Samenleiters. Oben rechts ist das distale Ende des Samenstrangs nach seinem Austritt aus dem Leistenkanal mit allen Gefäßen dargestellt. Der Ausschnitt links zeigt die Histologie der Nebenhodenkanälchen. Im Hohlraum der quer angeschnittenen Kanälchen sind die gespeicherten Spermien zu erkennen.

Abb. 17.5

[L190]

PenisPenis im Längs- und Querschnitt. Die Schwellkörper sind von schwammartigen Hohlräumen durchsetzt, die sich bei sexueller Erregung mit Blut auffüllen. Dadurch wird die nur begrenzt dehnungsfähige Bindegewebskapsel (Tunica albuginea) gespannt und die durchtretenden Penisvenen werden gedrosselt. Dies bewirkt Anschwellung und Aufrichtung des Penis (Erektion). Da die Bindegewebskapsel des Harnröhrenschwellkörpers wesentlich zarter ist als die des Penisschwellkörpers, versteift er bei der Erektion nicht so stark, und die Harnsamenröhre bleibt durchgängig.

Abb. 17.6

[L157]

Extravaginale und intravaginale Form der Hodentorsion

Abb. 17.7

[L190]

Weibliche GeschlechtsorganeFrauGeschlechtsorgane, Ansicht von hinten (teilweise aufgeschnitten)

Abb. 17.8

[L190]

Weibliche GeschlechtsorganeFrauGeschlechtsorgane (Sagittalschnitt)

Abb. 17.9

[L190]

Schema der Keimzellbildung bei der Frau

Abb. 17.10

[L190]

Ovulation und Gelbkörperbildung. Der Graaf-Graaf-FollikelFollikel „springt“: Eizelle und Follikelflüssigkeit werden vom Eileitertrichter für den Weitertransport im Eileiter aufgefangen. Der „entleerte“ Graaf-Follikel wandelt sich zum Gelbkörper (Corpus Corpusluteumluteum)Gelbkörper um und produziert das Gelbkörperhormon Progesteron.

Abb. 17.11

[L138]

Mögliche Lokalisationen der Endometrioseherde

Abb. 17.12

[L190]

Der UterusUterus im Längsschnitt

Abb. 17.13

[L190]

Schema der wichtigsten hormonellen Veränderungen, der morgendlichen Körperkerntemperatur, der Vorgänge in den Eierstöcken und in der Gebärmutterschleimhaut im MenstruationszyklusVeränderungenMenstruationszyklus. Kommt es zur Befruchtung und zur Einnistung des Eies, so stirbt der Gelbkörper nicht ab, sondern wächst weiter bei steigender Progesteronbildung. Das Hormon HCG wird bei Eintreten einer Schwangerschaft durch die Zellen gebildet, welche die befruchtete Eizelle versorgen. Es dient auch zum Schwangerschaftsnachweis. Auch die erhöhte Temperatur deutet auf eine Schwangerschaft hin.

Abb. 17.14

[L190]

Die Vulva einer erwachsenen Frau

Geschlechtsorgane und Sexualität

Sven Heiligers

Inhaltsübersicht

Geschlechtsorgane des Mannes

  • Die Geschlechtsorgane des Mannes lassen sich in inneres und äußeres Genitale unterteilen.

  • Die paarig angelegten Hoden sind im Hodensack elastisch aufgehängt und besitzen einen komplexen Aufbau aus vielen Hodenläppchen und -kanälchen. Unter anderem werden hier Spermien und Testosteron produziert.

  • Bei fehlerhafter Entwicklung der Hoden kann es zu einer Hodenretention oder zu kindlichen Leistenhernien kommen.

  • Die schwach alkalische Samenflüssigkeit des geschlechtsreifen Mannes setzt sich aus Spermien, Sekreten verschiedener Drüsen und Enzymen zusammen. Ejakulationen werden durch das vegetative Nervensystem gesteuert.

  • Zu den ableitenden Samenwegen gehören die Nebenhoden und die Samenleiter, die ein langes Gangsystem bilden. Dieses dient der Reifung und Speicherung der Spermien sowie deren Austreibung bei der Ejakulation.

  • Der Penis wird in Schaft und Eichel unterteilt und besitzt zwei Arten von Schwellkörpern, welche die Erektion und die Austreibung der Spermien ermöglichen bzw. unterstützen.

  • Als „akutes Skrotum“ werden Krankheitsbilder wie Hodentorsion, Hodenentzündung und Nebenhodenentzündung bezeichnet.

  • Bei einer Hodentorsion kommt es durch verschiedene Ursachen zu einer Störung des venösen Rückflusses oder der arteriellen Versorgung des betroffenen Hodens durch eine Verdrehung des Samenstrangs. Unterschieden wird zwischen extravaginaler und intravaginaler Torsion.

  • Die Hoden- und Nebenhodenentzündung beschreibt eine bakterielle Infektion, die durch sexuell übertragbare Erreger, Harnwegsinfektionen und extern verursachte Einflüsse entstehen kann.

  • Die Abschnürung der Eichel, ausgelöst durch eine Vorhautverengung und einer damit verbundenen Störung des venösen Abflusses, wird als Paraphimose bezeichnet. Sie bedarf einer zügigen Intervention.

Geschlechtsorgane der Frau

  • Die Geschlechtsorgane der Frau lassen sich in inneres und äußeres Genitale unterscheiden.

  • Die paarig angelegten Eierstöcke sind elastisch am kleinen Becken aufgehängt und dienen der Bildung von Östrogen und Progesteron sowie der Oogenese.

  • Die Eizellbildung (Oogenese) ist ein komplexer Prozess, der die Entwicklung und Reifung von Urkeimzellen über Oogonien und Oozyten (Primär-, Sekundär, Tertiärfollikel, Graaf-Follikel) bis hin zur reifen Eizelle (Ovum) beschreibt.

  • Die paarig angelegten Eileiter dienen der Aufnahme des Eies nach dem Eisprung. Ebenso findet hier dessen Befruchtung und Transport zur Gebärmutter statt. Entzündungen der Tuben (Salpingitis) entstehen meist durch sexuell übertragene Bakterien.

  • Der Uterus wird in Gebärmutterkörper und Gebärmutterhals unterteilt und besitzt einen dreischichtigen Wandaufbau.

  • Während der Schwangerschaft entwickelt sich im Gebärmutterkörper das Kind, das von der Plazenta ernährt wird. Der Gebärmutterhals ist dann verschlossen. Im unbefruchteten Zustand schützt er die Gebärmutter vor eintretenden Keimen durch die Bildung von zähem Schleim.

  • Der Menstruationszyklus beschreibt periodische Veränderungen des Endometriums, die zwischen Menarche und Menopause auftreten und hormonreguliert sind. Er wird in Menstruation, Proliferationsphase, Sekretionsphase und Ischämiephase unterteilt.

  • Zu Klimakteriumsbeschwerden kommt es durch fallende Hormonspiegel von Östrogen und Progesteron während der Wechseljahre, die vielfältige Auswirkungen auf Körper und Psyche haben können.

  • Die Scheide stellt die Verbindung zwischen Uterus und äußerem Genitale her. Das Scheidensekret, bestehend aus Sekret der Zervixdrüsen, abgestoßenen Epithelzellen, Transsudat und Milchsäure/-bakterien, weist ein saures Milieu auf und schützt so vor aufsteigenden Krankheitskeimen.

  • In den Scheidenvorhof mündet vorne die Harnröhre, dahinter liegt der Scheideneingang. Ebenso befindet sich hier der Vorhofschwellkörper, zahlreiche kleine Vorhofdrüsen und paarige große Vorhofdrüsen, die durch Sekretabsonderung den Feuchtigkeitshaushalt regulieren.

  • Die Klitoris ist ein aus Schleimhaut bestehender Schwellkörper mit zahlreichen sensiblen Nervenendigungen, der bei sexueller Stimulation erektil ist.

  • Gynäkologische Blutungen können außerhalb der Menstruationsphase auftreten und mit Symptomen intraabdominaler Blutungen einhergehen. Ursachenfindung und Diagnosestellung können nur klinisch erfolgen.

Geschlechtsorgane des Mannes

Inneres und äußeres Genitale

Zu den inneren Geschlechtsorganen (inneres GeschlechtsorganeMannGenitale;GenitaleGenitale) des Mannes werden gerechnet (Abb. 17.1):
  • Hoden (Testis)

  • Nebenhoden (Epididymis)

  • Samenleiter (Ductus deferens), der in den Samenstrang (Funiculus spermaticus) eingebettet ist

  • Geschlechtsdrüsen: ProstataProstata (VorsteherdrüseVorsteherdrüse), SamenbläschenSamenbläschen (Vesiculae Vesiculae seminalesseminales) und Cowper-Cowper-DrüsenDrüsen (Glandulae Glandula(-ae)bulbourethralesbulbourethrales)

Zu den äußeren Geschlechtsorganen (äußeres Genitale) zählen (Abb. 17.1):
  • Das männliche Glied (Penis), in dem Harn- und Samenwege gemeinsam verlaufen

  • Hodensack (Skrotum)

Hoden und Hodensack

Die HodenHoden (TestesTestes, Sing. Testis) sind paarig angelegt und im HodensackHodensack (SkrotumSkrotum) elastisch aufgehängt. Sie sind eiförmig und messen ca. 5 cm im Längsdurchmesser. Während die Hoden eine pralle Konsistenz haben, ist der Hodensack von lockerem Bindegewebe durchzogen. Am oberen dorsalen Rand liegt dem Hoden der Nebenhoden auf (Abb. 17.2).
Descensus testis
Beim Embryo entwickelt sich der Hoden zunächst an der hinteren Leibeswand auf Höhe der letzten Lendenwirbel. Vom Beginn des 3. Schwangerschaftsmonats an kommt es zu einer Verlagerung des Hodens nach unten, dem Descensus testis (Abb. 17.3). Zeitgleich stülpt sich das Peritoneum beidseits durch die vordere Bauchwand und den Leistenkanal in Richtung des späteren Hodensacks vor und bildet so den Processus vaginalis Processusvaginalis testisDescensus testistestis. Bis etwa zum 7. Schwangerschaftsmonat bleibt der Hoden in der Leiste liegen, dann wandert er an der Rückseite des Processus vaginalis testis durch den Leistenkanal in den sich entwickelnden Hodensack. Dabei nimmt der Hoden die ihn versorgenden Gefäße und Nerven mit. Diese bilden den SamenstrangSamenstrang (Funiculus Funiculus spermaticusspermaticus). Nach dem Descensus verödet die Lichtung des Processus vaginalis testis im Bereich des Samenstrangs, die offene Verbindung zum Peritonealraum existiert nun nicht mehr. Zurück bleibt die aus zwei Blättern bestehende Tunica Tunicavaginalisvaginalis testis (seröse Hodenhülle), die den Hoden bedeckt und die seröse Hodenhöhle bildet.
Dieser komplizierte Vorgang hat einen wichtigen Grund: Im Skrotum sind die Hoden „ausgelagert“ und der Körperwärme des Bauchraums entzogen – im Hodensack ist es immerhin ca. 2–5 °C kühler. Bei Körperkerntemperatur könnte keine Samenreifung stattfinden.
Hodenretention
Bleibt der physiologische Hodendescensus aus, wird von einer HodenretentionHodenretention (Maldescensus Maldescensus testistestis) gesprochen. Dann drohen irreversible Schädigungen des Hodens mit Verminderung der Fruchtbarkeit und das Risiko eines bösartigen Hodentumors ist erhöht.
Eine Hodenretention muss Ende des ersten Lebensjahres durch Hormontherapie oder Operation behandelt werden.
Kindliche Leistenhernien
Große Bedeutung haben die oben dargestellten Vorgänge auch für die kindlichen Leistenhernien, kindlicheLeistenhernien: Bleibt die Verödung des Processus vaginalis testis aus, so besteht eine offene Verbindung zur Bauchhöhle und damit ein vorgebahnter Weg, durch den Eingeweide austreten können.
Aufbau der Hoden
Von der derben Bindegewebskapsel, die den Hoden umgibt (Tunica TunicaalbugineaHodenAufbaualbuginea), ziehen kleine Scheidewände (Bindegewebssepten) auf das Innere des Hodens zu. Hierdurch wird der Hoden in ungefähr 250 kleine Läppchen unterteilt (Abb. 17.4). Diese HodenläppchenHodenläppchen enthalten vielfach gewundene HodenkanälchenHodenkanälchen (SamenkanälchenSamenkanälchen, Tubuli Tubuli seminiferiseminiferi), die im hinteren Teil des Hodens in ein verzweigtes System von Ausführungsgängen münden, das HodennetzHodennetz (Rete Rete testistestis, Kap. 17.1.4). Die Hodenkanälchen bestehen aus einer bindegewebigen Hülle und dem KeimepithelKeimepithel. Das Keimepithel setzt sich aus den Keimzellen bzw. deren Vorstufen und den Sertoli-Sertoli-StützzellenStützzellen zusammen. Aus den Keimzellvorstufen entstehen die männlichen Keimzellen, die SpermiumSpermien (SamenzellenSamenzellen, Kap. 17.1.3).
Die Sertoli-Sertoli-StützzellenStützzellen sind für die Spermienbildung von großer Bedeutung. Sie tragen zur Ernährung der sich entwickelnden Spermien bei, phagozytieren („fressen“) untaugliche Spermien und deren Vorstufen und bilden die wichtige Blut-Hoden-Blut-Hoden-SchrankeSchranke: Während ihrer Reifung bekommen die Spermien antigene Eigenschaften, die sie zu fremdartigen Zellen für das Immunsystem des Mannes machen. Die Sertoli-Zellen verhindern einen direkten Kontakt der reifenden Spermien mit dem Blut und damit eine Zerstörung der Spermien durch das Immunsystem.
Außerdem schaffen die Sertoli-Stützzellen das notwendige hormonelle Milieu für die Spermienbildung. Beispielsweise bilden sie im Rahmen der Spermienbildung das androgenbindendes Globulinandrogenbindende Globulin (ABG), das als Trägerprotein für Testosteron dient und dieses zu den (testosteronempfindlichen) Keimzellvorstufen und den ableitenden Samenwegen transportiert, wo es dann seine Wirkung entfaltet. Das von den Sertoli-Zellen produzierte Peptidhormon InhibinInhibin, das bei hohen Testosteronkonzentrationen ausgeschüttet wird, hemmt in der Hypophyse die FSH-Sekretion und lässt so die Testosteronkonzentration wieder absinken.
Zwischen Hodenkanälchen und den dazugehörenden Blutgefäßen liegen Gruppen von Zellen, die als Leydig-Leydig-ZwischenzellenZwischenzellen bezeichnet werden und die das männliche Sexualhormon Testosteron produzieren.

Sperma

Die Samenflüssigkeit (Sperma, SpermaEjakulatEjakulat) des geschlechtsreifen Mannes setzt sich aus Spermien sowie den Sekreten aus Nebenhoden, Samenblasen, Prostata und Cowper-Drüsen zusammen. Das Sperma ist schwach alkalisch (pH ca. 7,3) und neutralisiert damit beim Geschlechtsverkehr den sauren pH-Wert der Scheide für einige Minuten, um die Spermien zu schützen. Ferner enthält die Samenflüssigkeit Enzyme, welche die noch im Nebenhoden nahezu unbeweglichen Spermien aktivieren und beweglich machen, sowie reichlich Fruktose als Energiequelle für die Spermienbewegung.
Sperma wird durch vom vegetativen Nervensystem ausgelöste Samenergüsse (EjakulationEjakulationen) abgegeben. Das Ejakulat enthält in 2–6 ml Flüssigkeit ca. 70 bis über 600 Millionen Spermien. Zur Ejakulation kommt es während des Geschlechtsverkehrs, durch Träume oder während der Selbstbefriedigung (Masturbation).

Ableitende Samenwege

Die ableitenden SamenwegeableitendeSamenwege bestehen aus Nebenhoden und Samenleitern, die zusammen ein langes Gangsystem bilden (Abb. 17.2, Abb. 17.4).
Nebenhoden
Der Nebenhoden (NebenhodenEpididymisEpididymis) ist ein Gangsystem, das der abschließenden Reifung und Speicherung der Spermien dient. Er liegt der Rückseite des Hodens an und nimmt aus dem HodennetzHodennetz (Rete Rete testistestis, Abb. 17.4) etwa ein Dutzend stark gewundener Ausführungsgänge auf, die den Kopf des Nebenhodens bilden und sich dann zum Nebenhodengang (Ductus Ductusepididymidisepididymidis) vereinigen.
Der NebenhodengangNebenhodengang ist ein ca. 5 m langer, stark gewundener Gang, der den Hauptteil des Nebenhodens bildet. Er ist einem aufgewickelten, aber voll gefüllten, langen Gartenschlauch vergleichbar. In ihm reifen die Spermien vollständig aus, werden gespeichert und mit einem Sekret angereichert, das ihre Bewegung hemmt, sodass sie die in ihnen gespeicherte Energie nicht vorzeitig verbrauchen.
Samenleiter
Der Nebenhodengang geht ohne scharfe Grenze in den SamenleiterSamenleiter (Ductus Ductusdeferensdeferens) über. Dieser ist etwa 50 cm lang und zieht gemeinsam mit Gefäßen und Nerven im Samenstrang durch den Leistenkanal in den Bauchraum. An der Wand des kleinen Beckens entlangziehend, erreicht er in einem Bogen die untere seitliche Wand der Harnblase und setzt sich – etwas verengt – in den Ductus Ductusejaculatoriusejaculatorius (SpritzkanalSpritzkanal) fort. Dieser durchläuft die Prostata und mündet schließlich in die HarnröhreHarnröhre (UrethraUrethra). Da nun Harn- und Samenweg gemeinsam verlaufen, wird auch von der Harnsamenröhre des Mannes gesprochen.
Die Wand des Samenleiters enthält eine starke Schicht aus glatter Muskulatur, die während der Ejakulation den Samen durch Kontraktionen in die Harnröhre schleudert.

Äußere männliche Geschlechtsorgane und Harnsamenröhre

Am sichtbaren Anteil des männlichen Gliedes (PenisGlied, männlichesPenis) werden Penisschaft und EichelEichel (Glans Glans penispenis) unterschieden. Der Penis ist von einer dehnbaren Haut überzogen, die in Form einer Duplikatur (VorhautVorhaut oder PraeputiumPraeputium) die Eichel bedeckt. Der Penisschaft enthält zwei Arten von Schwellkörpern, die jeweils von einer derben Bindegewebskapsel (Tunica albuginea) umschlossen sind:
  • Den paarigen PenisschwellkörperPenisschwellkörper (Corpus cavernosum Corpuscavernosum penispenis): Er ermöglicht die ErektionErektion (Penisaufrichtung), indem sich schwammartige Hohlräume, Kavernen genannt, durch parasympathisch gesteuerte Dilatation der Arteriolen prall mit Blut füllen und gleichzeitig der venöse Rückstrom gedrosselt wird (Abb. 17.5).

  • Den an der Unterseite befestigten HarnröhrenschwellkörperHarnröhrenschwellkörper (Corpus spongiosum Corpusspongiosum penispenis), der mit der Eichel endet. Im Harnröhrenschwellkörper verläuft die ca. 20 cm lange HarnsamenröhreHarnsamenröhre (Harnröhre, Urethra).

Akutes Skrotum
Der akute Hodensack (SkrotumakutesSkrotum) beschreibt plötzlich, akut einsetzende Schmerzen in einer Hodensackhälfte (Skrotalhälfte), die oft mit weiteren Symptomen wie Schwellungen, Rötungen oder Überwärmung einhergehen. Viele Krankheitsbilder, wie die Hodentorsion, Hodenentzündung (Orchitis) und Nebenhodenentzündung (Epididymitis), werden unter diesem Begriff zusammengefasst.
Hodentorsion
Gerade im kindlichen und jugendlichen Alter sollten plötzlich auftretende starke Schmerzen im Skrotalbereich den Verdacht auf eine Hodentorsion lenken, da diese Altersgruppen besonders betroffen sind. Dieses Krankheitsbild stellt jedoch nicht ausschließlich einen pädiatrischen Notfall dar; auch bei einem erwachsenen Patienten sollte diese Diagnose in Erwägung gezogen werden.Hodentorsion
Ursachen der Hodentorsion
Durch ruckartige Körperbewegungen (z. B. Sport), jedoch auch im Schlaf (ohne äußeren Einfluss), kann es zu einer Verdrehung des Samenstrangs kommen, wodurch der venöse Abfluss oder die arterielle Versorgung des betroffenen Hodens nicht mehr gegeben ist.HodentorsionUrsachen
Typische Symptome:
  • Akute, plötzlich auftretende, massive Schmerzen im betroffenen Skrotalbereich

  • Durch Reizung des Bauchfells (Peritoneums) einsetzende Schmerzen im Unterbauch, die in die Leistengegend ausstrahlen

  • Hodenhochstand und Verfärbung

  • Evtl. Schocksymptomatik

  • Negatives Prehn-Zeichen (bei Anhebung des Hodens keine Schmerzlinderung)

  • Evtl. Schmerzverstärkung und Übelkeit

Nach Auftreten der angegebenen Schmerzen muss die Hodentorsion innerhalb von 4–6 Stunden behandelt werden, da sonst mit irreversiblen Schäden, wie Schädigung der Spermatogenese und Hodennekrose, zu rechnen ist.
Pathophysiologie der Hodentorsion
Bei einer Hodentorsion wird je nach Lokalisation zwischen einer extravaginalen und einer intravaginalen Torsion unterschieden (Abb. 17.6). Im Säuglingsalter tritt meistens die extravaginale Torsion auf, die möglicherweise durch mangelnde Fixierung des Hodens am Hodensack durch das kaudale Keimdrüsenblatt (Gubernaculum testis) auftritt. Zwischen dem 15. und 20. Lebensjahr ist eine intravaginale Torsion wahrscheinlich. Diese kann durch eine abnormale Bewegung von Hoden und Nebenhoden innerhalb der Tunica vaginalis zu einer mehrfachen Verdrehung von Hoden und Nebenhoden führen.HodentorsionPathophysiologie
Durch die Abklemmung des Plexus pampiniformis wird der venöse Rückfluss unterbunden. Somit kommt es zu einer Blut- und Lymphstauung, die eine Anschwellung des Hodens verursacht.
Akute Nebenhodenentzündung (Epididymitis)
Eine meist durch Bakterien hervorgerufene Infektion ist die Nebenhodenentzündung, akuteEpididymitisEpididymitis. Sie tritt meistens nicht isoliert auf, da oft durch Übertreten auf den Hoden eine zusätzliche Orchitis (Hodenentzündung) entsteht.
Ursachen
Bei Männern unter 35 Jahren sind die häufigsten Ursachen einer EpididymitisUrsachenEpididymitis sexuell übertragene Erreger (Chlamydia trachomatis und Neisseria gonorrhoeae). Männer aus höheren Altersklassen können durch Harnwegsinfektionen (Escherichia coli und Pseudomonas), evtl. auch durch extern verursachte Einflüsse (Katheterisierung, Endoskopie) an einer Epididymitis erkranken.

Merke

Epididymitis

Eine Epididymitis geht fast immer mit Fieber und langsam zunehmenden Schmerzen einher!
Pathophysiologie
Ursächlich für eine Entzündung des Nebenhodens können verschiedene Faktoren sein. Der häufigste Pathomechanismus einer EpididymitisPathophysiologieEpididymitis sind aufsteigende Keime, z. B. im Rahmen einer Urethritis. Seltener kommt es über die Blutgefäße (hämatogene Verschleppung) zu einer viralen Infektion des Nebenhodens.

Merke

Epididymitis vs. Hodentorsion

Die wichtigste Differenzialdiagnose bei einer Hodentorsion ist die Epididymitis, da beide Verdachtsdiagnosen in der Präklinik kaum voneinander zu unterscheiden sind.
Paraphimose
Beim sog. „spanischen spanischer KragenParaphimoseKragen“ handelt es sich um eine Abschnürung der Glans penis, die sich durch eine ödematöse Schwellung bemerkbar macht. Die Paraphimose stellt einen urologischen Notfall dar, der eine schnelle Intervention zur Peniserhaltung und somit einen raschen Transport in eine geeignete Klinik erfordert.
Pathophysiologie
Die ParaphimosePathophysiologieParaphimose ist eine Komplikation der VorhautverengungVorhautverengung (PhimosePhimose). Es besteht ein Missverhältnis zwischen Größe der Glans penis und der Weite der Vorhaut (Präputium). In vielen Fällen ist eine Phimose vor dem 3. Lebensjahr physiologisch, da sich oft die innere Epithelschicht der Vorhaut noch nicht vollständig von der Glans penis getrennt hat („Verklebung“ – dient dem Schutz der Eichel vor Urin). Wird nun die verengte Vorhaut gewaltsam zurückgezogen, kommt es häufig vor, dass diese nicht wieder über den Eichelkranz zurückstreifbar ist. Dabei ist der Blutabfluss durch die Abschnürung nicht möglich, was eine Schwellung und massive Schmerzen verursacht. Es bestehen eine Durchblutungsstörung und Nekrose der Eichel.

Geschlechtsorgane der Frau

Inneres und äußeres Genitale

Alle inneren Geschlechtsorgane (inneres Genitale) der Frau liegen geschützt im kleinen Becken (Abb. 17.7, Abb. 17.8):GeschlechtsorganeFrau
  • Eierstöcke (Ovarien)

  • Eileiter (Tuben)

  • Gebärmutter (Uterus)

  • Scheide (Vagina)

Eierstöcke und Eileiter mit dem umgebenden Bindegewebe werden auch Adnexe („Anhängsel“) genannt.
Zu den äußeren Geschlechtsorganen (äußeres Genitale) zählen:
  • Große und kleine Schamlippen (Labien)

  • Kitzler (Klitoris)

  • Scheidenvorhof (Vestibulum vaginae) mit seinen Drüsen

Eierstöcke

Die EierstockEierstockEierstöcke (Ovarien) Ovarder Frau sind paarig angelegt und etwa pflaumengroß. Sie sind durch elastische Bänder am seitlichen Rand des kleinen Beckens aufgehängt. Aufgabe der Ovarien ist neben der Bildung der weiblichen Sexualhormone ÖstrogenÖstrogen und ProgesteronProgesteron die allmonatliche Bereitstellung einer oder mehrerer befruchtungsfähiger Eizellen.
Die EizellbildungEizellbildung (OogeneseOogenese) ist außerordentlich kompliziert (Abb. 17.9 und Abb. 3.25):
  • Schon vor der Geburt teilen sich die aus den Urkeimzellen entstandenen Oogonien eines weiblichen Fetus durch Mitosen. Der Hauptteil dieser Millionen von Oogonien geht noch vor der Geburt zugrunde.

  • Ein Teil der Oogonien aber vergrößert sich, tritt in die Prophase der 1. Reifeteilung ein (Kap. 3.6.3) und wird nun als OozyteOozyte I. Ordnung (primäre Oozyte) bezeichnet. Mindestens bis zur Pubertät und höchstens bis zur Menopause (Kap. 17.2.5) verharren die Oozyten I. Ordnung in der Rinde der Eierstöcke, ohne die begonnene 1. Reifeteilung zu beenden. Die Oozyten I. Ordnung sind während dieser Zeit von Follikelepithel umgeben und werden mit dieser Hülle als PrimärfollikelPrimärfollikel (EibläschenEibläschen) bezeichnet. Zum Zeitpunkt der Geburt enthält jedes Ovar etwa 400.000 solcher Primärfollikel.

  • Hormonell bedingt differenzieren sich einige Primärfollikel jeden Monat zu SekundärfollikelSekundärfollikeln. Kennzeichnend für diese sind ein mehrschichtiges Follikelepithel, eine aus Glykoproteinen bestehende Zona Zona pellucidapellucida zwischen Oozyte und Follikelepithel sowie die aus dem Bindegewebe des Eierstocks hervorgegangene, hormonproduzierende Theca Theca folliculifolliculi. Wächst das Follikelepithel weiter, bilden sich flüssigkeitsgefüllte Lücken innerhalb des Epithels, die zu einer Höhle zusammenfließen, an deren Rand die Oozyte I. Ordnung mit einer flachen Lage Follikelepithel liegt. Dieser TertiärfollikelTertiärfollikel ist bis zu 1 cm groß.

  • Der Tertiärfollikel kann entweder zugrunde gehen oder sich zum sprungreifen Graaf-Graaf-FollikelFollikel umwandeln (Abb. 17.10). Kurz vor dem Eisprung vollendet die Oozyte I. Ordnung die 1. Reifeteilung und teilt sich in eine Oozyte II. Ordnung (sekundäre Oozyte, Gesamt-DNA 2n), die das gesamte Zytoplasma der Mutterzelle enthält, und ein kleineres PolkörperchenPolkörperchen, das abgestoßen wird. Noch im Follikel tritt die Oozyte II. Ordnung in die 2. Reifeteilung ein, die jedoch wie schon die 1. Reifeteilung zunächst nicht vollendet wird.

  • In der Mitte eines Monatszyklus der geschlechtsreifen Frau „springt“ jeweils eine Oozyte aus ihrem Graaf-Follikel (OvulationOvulation oder EisprungEisprung). Die Ovulation wird dabei durch einen kurzfristigen Konzentrationsanstieg des Hypophysenvorderlappenhormons LH (luteinisierendes luteinisierendes HormonHormon, Abb. 17.13) ausgelöst.

  • Nach der Ovulation wandert die Oozyte durch den Eileiter, wo sie innerhalb weniger Stunden auf Samenzellen treffen muss – sonst stirbt sie ab.

  • Erst unmittelbar nach einer Befruchtung wird die 2. Reifeteilung (Kap. 3.6.3) abgeschlossen, aus der die reife EizelleEizelle (OvumOvum, Gesamt-DNA 1n) und ein weiteres Polkörperchen hervorgehen.

  • Der „entleerte“ Graaf-Follikel stirbt nicht ab, sondern bildet sich zum progesteronproduzierenden GelbkörperGelbkörper (Corpus Corpusluteumluteum) um.

Nach dem 45. Lebensjahr stellen die Eierstöcke ihre Tätigkeit allmählich ein – die Regelblutungen werden immer seltener und setzen schließlich endgültig aus. Der Zeitpunkt der letzten Regelblutung wird als MenopauseMenopause bezeichnet. Danach beginnt die PostmenopausePostmenopause.
Viele Frauen erleben diese sog. WechseljahreWechseljahre (KlimakteriumKlimakterium) zwischen Geschlechtsreife und Alter besonders einschneidend (auch Kap. 17.2.5).

Eileiter

Die Eileiter (Tubae Tuba uterinauterinae, kurz Tuben, Abb. 17.7)Eileiter sind paarig angelegt und 10–17 cm lang. Sie reichen beidseits von der oberen Ecke der Gebärmutter bis in unmittelbare Nähe der Eierstöcke.
Der eierstocknahe Anteil ist zur Bauchhöhle hin offen, trichterförmig erweitert (daher die Bezeichnung EileitertrichterEileitertrichter) und dient der Aufnahme des Eies nach dem Eisprung. Außerdem finden in den Eileitern die Befruchtung des Eies und sein Transport zur Gebärmutter statt. Die Wand der Eileiter besteht aus einer stark gefältelten Schleimhaut- und einer dünnen Muskelschicht, die das Ei aktiv durch peristaltische Bewegungen in Richtung Gebärmutter transportiert (zur Peristaltik Kap. 15.6).
Eierstock- und Eileiterentzündung

Krankheit/Symptom

Salpingitis

SalpingitisDie Entzündung einer oder beider Tuben wird Salpingitis genannt. Eine zusätzliche Entzündung des Ovars kennzeichnet einen komplizierteren Verlauf (Entzündung von Tube und Ovar wird Adnexitis genannt). Circa 1–2 % aller sexuell aktiven Frauen sind betroffen. Durch Bakterien wie Enterokokken, Escherichia coli, Streptokokken und Staphylokokken, seltener durch eine hämatogene Infektion, wird eine Adnexitis verursacht.
Es kann zu einer Schädigung und zu Verwachsungen der Tuben kommen. Der Verlust der Tubenfunktion führt evtl. zu Kinderlosigkeit, Tubenverschluss oder einer extrauterinen Gravidität.

Krankheit/Symptom

Endometriose

EndometrioseBei ca. 2–4 % aller geschlechtsreifen Frauen können endometriumartige Inseln/Zellverbände außerhalb des Uterus auftreten (Endometriose, Abb. 17.11). Diese Zellverbände unterliegen genauso wie das Endometrium einer hormonabhängigen, zyklischen Veränderung. Genaue Ursachen sind bisher nicht bekannt. Verschiedene Theorien wie Verschleppung von Zellen während der Menstruation, lymphogene oder hämatogene Streuung und embryonale Anlagestörungen werden derzeit diskutiert.

Uterus

Der Uterus (Gebärmutter) UterusGebärmutterist birnenförmig (Abb. 17.12) und hat zwei Abschnitte:
  • Der obere, breitere Anteil, der Gebärmutterkörper (Corpus Corpusuteriuteri), besteht aus kräftiger Muskulatur. Im Inneren des Gebärmutterkörpers befindet sich die Gebärmutterhöhle (Cavum Cavumuteriuteri), deren Wand von der Gebärmutterschleimhaut ausgekleidet ist. Während der Schwangerschaft dient der Gebärmutterkörper als „Fruchthalter“ und beteiligt sich am Aufbau des Mutterkuchens (Plazenta, Abb. 18.5 und Abb. 18.6Abb. 18.5Abb. 18.6), der das Ungeborene ernährt. Die Uterusmuskulatur passt sich durch eine enorme Wachstumsfähigkeit den Erfordernissen der verschiedenen Lebensabschnitte an. So beträgt das Gewicht des geschlechtsreifen Uterus ca. 50 g, in der Schwangerschaft zum Zeitpunkt der Geburt jedoch rund 1 000 g.

  • Der untere, schmalere Anteil des Uterus ist der Gebärmutterhals (Cervix Cervix uteriuteri), kurz meist Zervix genannt; der in die Scheide hineinragende Teil der Zervix heißt im klinischen Sprachgebrauch PortioPortio. Die Zervix besteht aus straffem Bindegewebe und glatter Muskulatur, die den Zervikalkanal umgeben. Die Drüsen der Zervixschleimhaut bilden einen zähen Schleim, der die Uterushöhle wie einen Pfropf verschließt und vor Keimen aus der Vagina schützt. Nur während der fruchtbaren Tage und bei der Menstruation verdünnt sich der Schleim und der Kanal öffnet sich um wenige Millimeter. Während einer Schwangerschaft schließt die geschlossene Zervix die Fruchthöhle nach unten ab.

Wandaufbau des Uterus
Am Wandaufbau des Uterus sind drei Schichten beteiligt (Abb. 17.12):UterusWandaufbau
  • Auf der Außenseite das PeritoneumPeritoneum (an dieser Stelle PerimetriumPerimetrium genannt)

  • In der Mitte die erwähnte dicke Schicht aus glatter Muskulatur (MyometriumMyometrium)

  • Auf der Innenseite die Gebärmutterschleimhaut (EndometriumEndometrium), wobei eine myometriumnahe Lamina Lamina(-ae)basalisbasalis (Basalschicht, BasalisBasalis) und eine oberflächliche Lamina Lamina(-ae)functionalisfunctionalis (Funktionsschicht, FunktionalisFunktionalis) unterschieden werden

Das Endometrium bereitet sich im Monatszyklus auf die Einnistung einer Frucht vor. Kommt es nicht zu einer Befruchtung, wird die Funktionalis etwa einmal im Monat abgestoßen (Menstruation, Kap. 17.2.5).

Menstruationszyklus

In den rund 35–40 Jahren zwischen dem Beginn der monatlichen Blutungen (MenstruationszyklusMenarcheMenarche) und ihrem Aufhören (MenopauseMenopause) treten, außerhalb der Phasen von Schwangerschaft und einem Teil der Stillzeit, im Bereich des Endometriums periodische Veränderungen auf. Diese werden von den Hormonen der Ovarien verursacht und sollen in regelmäßigen Abständen optimale Bedingungen für die Einnistung einer befruchteten Eizelle schaffen. Parallel dazu wird in der Mitte dieser 25–35 Tage dauernden Periode (Menstruationszyklus) ein befruchtungsfähiges Ei bereitgestellt.
Wechselwirkungen mit dem Gesamtorganismus
Es bestehen enge Wechselbeziehungen zwischen dem Menstruationszyklus und dem Gesamtorganismus:
  • Über das limbische System (Kap. 8.7.3) beeinflussen psychische Faktoren die Gn-RH-Ausschüttung. Hierdurch wird verständlich, warum bei übergroßem Stress oder in Notzeiten bei vielen Frauen die Monatsblutung aussetzt.

  • Umgekehrt wirken die vom Ovar ausgeschütteten Sexualhormone nicht nur auf die Geschlechtsorgane, sondern auch auf die übrigen Zellen des Körpers; durch ihre Wirkung auf das ZNS bestimmen sie das gesamte menschliche Verhalten wesentlich mit – insbesondere das Sexualverhalten, aber auch Aggressionsbereitschaft, Vitalität oder Depressivität. So empfindet z. B. fast jede Frau ein mehr oder weniger starkes Stimmungstief in den Tagen um die Periode herum (prämenstruelles Syndrom).

Phasen des Menstruationszyklus
Der Menstruationszyklus wird in vier Phasen unterteilt (Abb. 17.13 unten im Bild):
  • MenstruationMenstruation (RegelblutungRegelblutung, Mens, DesquamationsphaseDesquamationsphase): Während der 3–7 Tagen dauernden Menstruation (Menstruationsbeginn = 1. Tag des neuen Zyklus) löst sich die Funktionalis in Stücken ab und wird mit etwa 50–100 ml Blut vermischt ausgestoßen. Dieses wird von teils recht schmerzhaften, durch Prostaglandine (Kap. 1.11.3) ausgelösten Uteruskontraktionen unterstützt. Gegen Ende der Menstruation kommt es durch östrogenbedingte Aufbauvorgänge innerhalb der Funktionalis zum Sistieren der Blutung. Das Menstruationsblut gerinnt nicht, weil im Uterus Gerinnungsfaktoren abgebaut und die Fibrinolyse aktiviert werden.

  • ProliferationsphaseProliferationsphase (Aufbauphase, FollikelphaseFollikelphase, östrogene Phase): Vom 5.–14. Tag erfolgt in der Proliferationsphase der Wiederaufbau der Funktionalis. In die Funktionalis sprossen neue Gefäße ein, die Drüsen beginnen zu wachsen. Die Proliferation wird durch steigende Östrogenausschüttung der Follikel ausgelöst, die erneut in den Eierstöcken heranreifen (Kap. 17.2.2). FSH und LH werden unter dem Einfluss der Östrogene aus der Hypophyse freigesetzt (positive Rückkopplung). Um den 14. Zyklustag herum wird durch die stark zunehmende Ausschüttung des Hypophysenhormons LH (luteinisierendes Hormon) der Eisprung ausgelöst.

  • SekretionsphaseSekretionsphase (LutealphaseLutealphase, gestagene Phase): Die Sekretionsphase dauert vom 15. Tag bis kurz vor der nächsten Menstruation. Durch die nach dem Eisprung in Gang kommende Sekretion von Progesteron wachsen die Drüsen stark und bilden reichlich Sekret. Glykogen, die Speicherform der Glukose, wird eingelagert. So wird das Endometrium auf die Aufnahme einer befruchteten Eizelle vorbereitet. Dringt ein befruchtetes Ei in die Funktionalis ein, so ernährt diese während der ersten zwei Wochen die Eianlage.

  • Ischämiephase:Ischämiephase, Menstruationszyklus Kommt es nach einem Eisprung nicht zur Befruchtung der Eizelle, so bildet sich der Gelbkörper (Kap. 17.2.2) zurück und stellt seine Progesteronproduktion ein. Die Arterien im Endometrium ziehen sich zusammen, die Schleimhaut schrumpft, die Durchblutung der Funktionalis nimmt stark ab. Die entstehende Minderdurchblutung (= Hypoperfusion, MenstruationszyklusHypoperfusion) führt zum Absterben der Funktionalis; einwandernde Leukozyten setzen zusätzlich proteolytische Enzyme frei. Diese oft nur wenige Stunden dauernde Ischämiephase leitet die Menstruation ein.

Menstruationsbeschwerden
Die meisten Frauen haben v. a. zu Beginn der Menstruation leichtere Beschwerden, die sie aber im Beruf und in der Freizeit nicht beeinträchtigen. Starke, krampfartige Schmerzen im Unterleib unmittelbar vor und während der Menstruation, häufig verbunden mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl, haben jedoch Krankheitswert und werden als MenstruationsbeschwerdenDysmenorrhöDysmenorrhö bezeichnet.
Klimakteriumsbeschwerden
Durch die fehlenden Eireifungen fallen die Östrogen- und Progesteronspiegel während der Wechseljahre (Klimakterium) – etwa zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr – stark ab. Der Zeitpunkt der letzten Regelblutung ist die MenopauseKlimakteriumBeschwerdenMenopause; meist liegt er im Alter von Anfang 50. Der Zeitraum danach ist die PostmenopausePostmenopause. Der Hormonabfall bzw. -mangel hat vielfältige Auswirkungen auf Psyche und Körper der Frau:
  • Hitzewallungen, Schweißausbrüche und fleckige Hautrötungen

  • Stimmungslabilität, depressive Phasen, Nervosität, Schlafstörungen

  • Herzrhythmusstörungen, Schwindel

  • Gewichtszunahme, Figuränderung

Medizinisch sehr bedeutsam ist die starke Beschleunigung der Osteoporose (Kap. 6.11) und der Arteriosklerose (Kap. 13.1.2), die mit dem Klimakterium einsetzt.
Viele Beschwerden lassen sich durch Gabe niedriger Dosen von Östrogenen und Gestagenen lindern. Jedoch können bei längerer Einnahme unerwünschte Wirkungen auftreten, z. B. eine Erhöhung des Mammakarzinomrisikos. Daher werden heute Hormonpräparate zurückhaltender eingesetzt, wobei die lokale Anwendung von Östrogenen nicht die Wirkungen auf den gesamten Organismus aufweist.

Scheide

Die 8–12 cm lange Scheide (VaginaVagina)Scheide ist ein elastischer, bindegewebiger Muskelschlauch, der die Verbindung zwischen Uterus und äußerem Genitale herstellt.
Im Kindesalter ist die Scheidenöffnung (Introitus Introitus vaginaevaginae) durch eine halbmondförmige, elastische Hautfalte, das Jungfernhäutchen (HymenHymen)Jungfernhäutchen, weitgehend verschlossen. Beim ersten Geschlechtsverkehr, aber gelegentlich auch bei unvorsichtiger Tamponbenutzung, reißt das Jungfernhäutchen ein und kann bluten.
Die ScheidenwandScheidenwand ist mit 3 mm Wandstärke relativ dünn und besteht lediglich aus (nicht verhorntem) Plattenepithel und einer darunterliegenden dünnen Schicht aus glatter Muskulatur und Bindegewebe. Das Sekret der Scheide setzt sich zusammen aus dem Sekret der Zervixdrüsen, aus abgestoßenen vaginalen Epithelzellen und aus durch die Scheidenschleimhaut hindurchgetretene Flüssigkeit (Transsudat). Aus dem Glykogen der abgeschilferten Zellen entsteht mithilfe von Milchsäurebakterien Milchsäure, die für das typisch saure Milieu der Vagina (pH ≤ 4,5) bei der geschlechtsreifen Frau verantwortlich ist. Das saure Milieu schützt vor aufsteigenden Krankheitskeimen.
Durch sexuelle Erregung und während der KohabitationKohabitation (GeschlechtsverkehrGeschlechtsverkehr) wird ein Schleim abgesondert, der einerseits das Eindringen des Penis und andererseits die Bewegungen erleichtert.
Vor allem ältere Frauen haben häufig wegen einer zu wenig befeuchteten Vaginalschleimhaut Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (DyspareunieDyspareunie). Östrogensalben oder -zäpfchen und Gleitcremes können hier Abhilfe schaffen.

Äußere weibliche Geschlechtsorgane

Schamlippen
Die behaarten großen Schamlippen (Labia majora pudendi) begrenzen die Schamspalte (Rima pudendi). Sie enthalten Talg-, Schweiß- und Duftdrüsen.Schamlippen
Die kleinen Schamlippen (Labia minora pudendi) werden meist erst beim Spreizen der großen Schamlippen sichtbar. Sie sind haarlose Hautfalten mit zahlreichen Talgdrüsen. Zwischen den kleinen Schamlippen liegt der Scheidenvorhof, vor ihnen die Klitoris.
Scheidenvorhof
In den von den kleinen Schamlippen begrenzten ScheidenvorhofScheidenvorhof (Vestibulum Vestibulumvaginaevaginae) mündet vorne die bei der Frau etwa 4 cm lange Harnröhre (UrethraUrethra)Harnröhre und etwas weiter hinten der Scheideneingang (Introitus vaginae). Da die Harnröhre sehr kurz ist, kann es durch aufsteigende Keime leicht zu Blasenentzündungen kommen.
Erwähnenswert sind außerdem der VorhofschwellkörperVorhofschwellkörper, der dem Harnröhrenschwellkörper des Mannes entspricht, die zahlreichen kleinen Vorhofdrüsen sowie die paarigen großen VorhofdrüsenVorhofdrüsen (Glandulae vestibulares Glandula(-ae)vestibulares majoresmajores, Bartholin-Bartholin-DrüsenDrüsen) in den kleinen Schamlippen, die durch ihr Sekret den Scheidenvorhof feucht halten und wegen der nicht seltenen, schmerzhaften Entzündungen (BartholinitisBartholinitis) klinische Bedeutung haben.
Klitoris
Die KlitorisKlitoris (KitzlerKitzler) ist ein bis zu 3 cm langer Schwellkörper, der als rundes Knöpfchen zwischen den großen Schamlippen hervorragt. Seine Schleimhaut ist reichlich mit sensiblen Nervenendigungen versorgt. Die Klitoris entspricht in mancher Hinsicht dem männlichen Penisschwellkörper (Corpus cavernosum penis). So ist sie erektil, d. h., bei sexueller Stimulation schwillt sie an und richtet sich bis zu einem gewissen Grad auf.
Vulva
In der Klinik werden häufig der VulvaSchambergSchamberg (Mons Mons pubispubis, VenushügelVenushügel), die Schambehaarung (Pubes), die großen und kleinen Schamlippen, die Klitoris, der Scheidenvorhof einschließlich seiner Drüsen und die weibliche Harnröhre (Urethra femina) unter dem Begriff Vulva zusammengefasst (Abb. 17.14).

Gynäkologische Blutungen

BlutungengynäkologischeBlutungen außerhalb der Regel (ZwischenblutungenZwischenblutungen, SpottingSpotting) können in unterschiedlicher Intensität auftreten. In den meisten Fällen wird der Rettungsdienst mit der Patientin nicht in Kontakt kommen, weil sie sich selber dem Gynäkologen vorstellt. Insbesondere stärkere Blutungen, das Auftreten von Schwächegefühl oder starke Schmerzen sind aber Gründe, warum der Rettungsdienst angefordert wird.
Einerseits können gynäkologische Blutungen intraabdominal stattfinden und somit das Bild eines akuten Abdomens darstellen oder sie äußern sich als vaginale Blutungen. In der Präklinik ist schwer zu unterscheiden, um welche Blutungsquelle es sich handelt. Durch eine gute und strukturierte Anamnese und Untersuchung können mögliche Ursachen herauskristallisiert werden. Letztendlich kann nur in der Klinik eine Diagnose gestellt werden. Ausschlaggebend für einige Differenzialdiagnosen sind Alter der Patientin (z. B. nach Menopause oder vor Menarche) und eine mögliche Schwangerschaft.
Im Vordergrund der Präklinik steht die Sicherung der Vitalfunktionen; des Weiteren verlangt dieser Notfall besonderes Einfühlungsvermögen gegenüber der psychischen Verfassung der Patientin.
Ursachen
Es können je nach Stärke folgende genitale Blutungen unterschieden werden:
  • SchmierblutungenSchmierblutungen (z. B. bei Endometriose, Extrauteringravidität; Kap. 18.1.1)

  • Schwache Blutungen (z. B. durch Zyklusstörungen, Genitalpolypen, Spirale)

  • Starke Blutungen (z. B. durch Verletzung der Genitalorgane, Abort, Kap. 18.4.1; vorzeitige Plazentalösung und Placenta praevia, Kap. 18.4; postoperative Blutung)

Merke

Verdacht auf Vergewaltigung

Besteht der Verdacht einer Vergewaltigung, ist maximales Einfühlungsvermögen des Rettungsdienstpersonals gefragt. Es sollte darauf geachtet werden, dass Beweismaterialien, wie Patientenkleidung und Blut/Sekret, gesichert werden, um diese durch den Gynäkologen bzw. durch ein rechtsmedizinisches Institut untersuchen zu lassen.

Wiederholungsfragen

  • 1.

    Benennen Sie die inneren und äußeren Genitale des Mannes. (Kap. 17.1.1)

  • 2.

    Benennen Sie die Funktionen der Sertoli-Stützzellen. (Kap. 17.1.2)

  • 3.

    Weshalb ist die Samenflüssigkeit des geschlechtsreifen Mannes schwach alkalisch? (Kap. 17.1.3)

  • 4.

    Benennen Sie Aufbau und Funktionen des Nebenhodengangs. (Kap. 17.1.4)

  • 5.

    Was ist die Harnsamenröhre? (Kap. 17.1.4)

  • 6.

    Welche Arten von Schwellkörpern enthält der Penisschaft? (Kap. 17.1.5)

  • 7.

    Welche typischen Symptome treten bei einer Hodentorsion auf? (Kap. 17.1.5)

  • 8.

    Was ist eine Paraphimose? (Kap. 17.1.5)

  • 9.

    Benennen Sie die inneren und äußeren Genitale der Frau. (Kap. 17.2.1)

  • 10.

    Was ist eine Endometriose? (Kap. 17.2.3)

  • 11.

    In welche Abschnitte ist der Uterus zu unterteilen? (Kap. 17.2.4)

  • 12.

    Beschreiben Sie den Wandaufbau des Uterus. (Kap. 17.2.4)

  • 13.

    Welche Phasen beinhaltet der Menstruationszyklus? (Kap. 17.2.5)

  • 14.

    Welche Aufgabe kommt den Bartholin-Drüsen zu? (Kap. 17.2.7)

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