© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-48043-0.00012-1

10.1016/B978-3-437-48043-0.00012-1

978-3-437-48043-0

Manuelles Ausräumen der Mundhöhle

[O998]

Guedel-Tubus (links) und Wendl-Tubus (rechts): Aussehen und Form

[K183]

Einsetzen des Guedel-Tubus mit Kreuzgriff (oben), korrekte Lage des Tubus oberhalb des Kehlkopfeingangs (unten)

[L231]

Einführen eines Nasopharyngealtubus (Wendl-Tubus) zum Freihalten der Atemwege. Oben: Vorschieben des Tubus durch den unteren Nasengang; unten: korrekte Lage des Tubus oberhalb des Kehlkopfeingangs

[L231]

Larynxtuben

[V348]

Schematische Darstellung des Larynxtubus in situ

[V348]

Larynxmaske

[V379]

Schematische Darstellung der Larynxmaske in situ

[L231]

Magill-Tubus

[U244]

Verschiedene Laryngoskope

[K183]

Material zur Intubation

[J747]

Magill-Zange und Führungsstab (Mandrin)

[K183]

Blick auf den Kehlkopfeingang

[T411]

Orale Intubation Intubationorale

[L141]

Korrekte Platzierung des Endotrachealtubus

[L190]

Tubusfixierung

[J747]

Intubation eines eingeklemmten Lkw-Fahrers im Sitzen

[O414]

Größenempfehlungen für den LarynxtubusLarynxtubusGrößenempfehlung

Tab. 12.1
Größe des LT Patient Gewicht/Größe (nach Hersteller) Interner Abteilungsstandard Farbe des Konnektors
0 Neugeborene < 5 kg < 4 kg Transparent
1 Säuglinge 5–12 kg 4–8 kg Weiß
2 Kinder 12–25 kg 8–13 kg Grün
2,5 Kinder/Jugendliche 125–150 cm 13–30 kg Orange
3 Jugendliche/kleine Erwachsene < 155 cm 30 kg – 155 cm Gelb
4 Erwachsene 155–180 cm 155–170 cm Rot
5 Erwachsene > 180 cm > 170 cm Violett

Größenempfehlungen für die LarynxmaskeLarynxmaskeGrößenempfehlung

Tab. 12.2
Größe/Nr. Altersgruppe/Gewicht Cuff-Füllvolumen bis max. ml
1 Säuglinge bis 6,5 kg 5
2 Kleinkinder bis 20 kg 10
2,5 Kinder 20–30 kg 20
3 Jugendliche 30–50 kg 25
4 Erwachsene 50–70 kg 35
5 Erwachsene 70–90 kg 40
6 Erwachsene > 90 kg (nur als LMA Classic verfügbar) 45

Komplikationen und Gefahren bei der Intubation

Tab. 12.3
Komplikationen und Gefahren
Schleimhautschäden, Blutung, Blut-Aspiration
Husten, Würgen, Erbrechen und Aspiration
Zahnschäden
Kehlkopfverletzungen
Auslösen eines Stimmritzenkrampfs oder Atemwegsverengung
Zu langer Intubationsversuch ohne Beachtung der Vitalparameter
Einseitige Intubation, meist in den rechten Hauptbronchus
Fehlintubation in die Speiseröhre
Vagusreizung mit Bradykardie oder Asystolie
Einriss und andere Verletzungen der Luftröhre
Abwehrbewegungen

Indikationen zur präklinischen Narkoseeinleitung

Tab. 12.4
Indikation Beispiele
Sicherung der Atemwege
  • Bewusstlosigkeit (GCS < 9)

  • Verlegung der Atemwege

  • Schwerwiegende Mittelgesichtsverletzungen

Ungenügende Atmung
  • Thoraxtrauma mit Ateminsuffizienz

  • Inhalationstrauma

  • Schweres Lungenödem

  • Kardiogener Schock

  • Schwere Rauch- und Reizgasintoxikation

Frühbeatmung und Narkose
  • Therapie stärkster Schmerzen

  • Polytrauma

  • Schädel-Hirn-Trauma

  • Zustand nach erfolgreicher Reanimation

  • Großflächige Verbrennungen (Polytrauma)

Indikationen zur PEEP-Beatmung

Tab. 12.5
Indikation
Polytrauma
Schwere Lungenschädigung
Schwere Herzinsuffizienz, Lungenödem
Beatmung in der Postreanimationsphase
Beatmung nach Beinahe-Ertrinken

Airwaymanagement und Anästhesie

Jürgen Luxem

  • 12.1

    Airwaymanagement268

    • 12.1.1

      Freimachen der Atemwege268

    • 12.1.2

      Freihalten der Atemwege269

  • 12.2

    Narkose im Rettungsdienst279

    • 12.2.1

      Definition279

    • 12.2.2

      Indikationen279

    • 12.2.3

      Narkosemedikamente279

    • 12.2.4

      Narkosedurchführung280

  • 12.3

    Beatmung mit Notfallrespiratoren280

    • 12.3.1

      Beatmungsformen281

    • 12.3.2

      Beatmungsparameter281

Der Begriff AirwaymanagementAirwaymanagement beschreibt das Vorgehen zum Freimachen und Freihalten der Atemwege. Das Freimachen der Atemwege umfasst die Mund-Rachen-Inspektion sowie die Maßnahmen zur Fremdkörperentfernung durch manuelles Ausräumen, Absaugen und spezielle Handgriffe (z. B. Kreuzgriff, Esmarch-Handgriff). Das Freihalten der Atemwege erfolgt durch die stabile Seitenlage, Pharyngealtuben, supraglottische Atemwegshilfen (SAD) oder die endotracheale Intubation.

Als supraglottische Atemwegshilfen werden Beatmungshilfen bezeichnet, welche die Atemwege offen halten, aber außerhalb (meist oberhalb) der Stimmritze (Glottis) liegen. Insbesondere der Einsatz supraglottischer Atemwegshilfen durch Rettungsassistenten und Notfallsanitäter ist heute weitverbreiteter Standard in der Durchführung der Reanimation (Kap. 8).

Die endotracheale Intubation ist die sicherste Methode zur dauerhaften Sicherung der Atemwege und zur Beatmung im Rettungsdienst. Den Vorteilen der Intubation stehen einige Komplikationen gegenüber, die es zu beherrschen gilt.

Unter Narkose (Anästhesie) wird die durch Medikamente herbeigeführte Kombination von Bewusstseinsverlust, Analgesie und Dämpfung von Abwehrreflexen verstanden. Die Standardnarkose im Rettungsdienst wird ausschließlich durch intravenös verabreichte Medikamente (total intravenöse Anästhesie = TIVA) durchgeführt.

Airwaymanagement

Der AtemwegssicherungAtemwegssicherung (Airwaymanagement) fällt im Rettungsdienst eine zentrale Bedeutung zu, weil die lebenswichtige Atmung in Notfallsituationen häufig gefährdet ist. Besonders bei bewusstlosen Patienten, bei denen die Zungenmuskulatur in den Rachenraum gleiten und die Atemwege teilweise oder vollständig verlegen kann, ist die Vitalfunktion Atmung bedroht, da zusätzlich die folgenden Schutzreflexe Schutzreflexe ausfallen:
  • Mithilfe des Hustenreflexes Hustenreflexwerden Fremdkörper aus den unteren oder oberen Atemwegen durch einen kräftigen Luftstrom herausgehustet.

  • Der Niesreflex Niesreflexsorgt für freie Nasenwege.

  • Der WürgereflexWürgereflex verhindert durch Kontraktion des hinteren Rachenraums das Eindringen von Fremdkörpern in die Atemwege.

  • Der SchluckreflexSchluckreflex, durch den der Schluckvorgang eingeleitet wird, ermöglicht, dass Fremdkörper aus dem Rachen in die Speiseröhre gedrückt werden. Dabei verschließt der Kehldeckel den Kehlkopfeingang.

Durch den Ausfall der Schutzreflexe bei bewusstlosen Patienten besteht die Gefahr der Aspiration von Fremdkörpern in die unteren Atemwege. Die Sicherung der Atemwege umfasst immer zwei sich wechselseitig beeinflussende Maßnahmen: einerseits das Freimachen und andererseits das Freihalten der Atemwege.

Merke

Der zurückgesunkene Zungengrund ist der häufigste Grund für eine Atemwegsverlegung bei Bewusstlosen.

Freimachen der Atemwege

Bestehen Zeichen für eine Atemwegsbehinderung, wird versucht, die Atemwege mit einfachen Maßnahmen, zunächst auch ohne Hilfsmittel, freizumachen.
Fremdkörperentfernung
Mund-Rachen-Inspektion
Mit dem Kreuzgriff Kreuzgriffwird der Mund geöffnet (Abb. 12.1). Der Daumen einer Hand wird auf die untere Zahnreihe und der Zeigefinger derselben Hand auf die obere Zahnreihe gelegt. Durch Druck und Zug auf die Zahnreihen öffnet sich so der Mund des Patienten. Ein Blick in den Mund-Rachen-Raum verrät meistens nur, ob dieser verlegt ist, da ein Blick in den tiefen Rachenraum nicht möglich ist. Sichtbare Fremdkörper können jetzt mit der anderen Hand entfernt werden.
Manuelles Ausräumen
Das Freimachen der Atemwege mit den Händen, ohne weitere Hilfsmittel, ist eine einfache, schnelle und wirksame Methode, bis technische Hilfen bereitstehen. Der Kopf des Patienten wird seitwärts gedreht und der Mund mit dem Esmarch-Handgriff (Abb. 8.3) oder dem Kreuzgriff geöffnet. Nun kann die Mundhöhle mit einem Finger manuell gereinigt werden (Abb. 12.1). Gegebenenfalls kann auch die Absaugpumpe verwendet werden.

Achtung

Bei unvollständiger Bewusstlosigkeit des Patienten besteht für den Helfer die Gefahr der Bissverletzung. In diesem Falle einen Beißkeil zwischen die Zähne einbringen.

Freihalten der Atemwege

Das Freihalten der Atemwege dient der Sicherung der Luftwege. Dazu zählen:
  • Maßnahmen des Rettungsdienstes:

    • Stabile Seitenlage

    • Anwendung der (Nasen-)Rachentuben

    • Anwendung der supraglottischen Atemwegshilfen (SAD)

  • Maßnahmen des Notarztes

    • Endotracheale Intubation

    • Notfallkoniotomie

Stabile Seitenlage
Die stabile Seitenlage, stabileSeitenlage (Abb. 6.3) wird bei allen Formen von Bewusstseinsstörungen mit erhaltener Spontanatmung durchgeführt.
Der Kopf ist der tiefste Punkt des Körpers und der Mund ist geöffnet. So kann Erbrochenes leicht abfließen. Das Überstrecken des Kopfes verhindert ein Zurückgleiten des Zungengrundes und ermöglicht so eine ungehinderte Atmung. Der übrige Körper liegt stabil auf der Seite. Die stabile Seitenlage bildet einen Aspirationsschutz.
Pharyngealtuben
Rachentuben (RachenTubusPharyngealtubusPharyngealtuben) sind Hilfsmittel zum Freihalten der Atemwege, die im Rahmen der stabilen Seitenlage und bei Beatmung eingesetzt werden können.
Guedel-Tubus
Der Guedel-Tubus Guedel-Tubus(Mund-Rachen-MundrachenTubusTubus, OropharyngealtubusOropharyngealtubus) ist TubusMund-Rachen-ein Einmalartikel aus hartem Kunststoff (Abb. 12.2). Seine anatomische Formung verhindert das Zurücksinken des Zungengrundes in den Rachen und erleichtert so die Beatmung. Das obere Ende weist eine Einlage aus festerem Material auf und dient als Beißschutz. Eine Abschlussplatte liegt den Lippen an und verhindert ein zu tiefes Hineingleiten in den Rachen.
Wichtig ist die richtige Größe des TubusGrößeGuedel-Tubus. Ein zu kleiner TubusGuedel-Tubus verdrängt den Zungengrund nicht, sodass die Atemwegsverlegung bestehen bleibt. Zu große Tuben verschließen den Kehlkopf, indem der Kehldeckel auf den Kehlkopfeingang gedrückt wird. Die Größe eines Guedel-Tubus wird anhand des Abstandes zwischen einem Ohrläppchen und dem Mundwinkel auf derselben Gesichtsseite abgemessen.
Entgegen seiner anatomischen Form wird der Guedel-Tubus mit seiner Öffnung nach oben am Gaumen entlang in den Mund eingeführt und vor Erreichen des Zäpfchens während des Einführens, etwa auf halber Höhe, um 180 Grad gedreht. Seine Öffnung liegt bei optimalem Sitz direkt vor dem Kehlkopfeingang, sodass keine Behinderung bei der Atmung zu erwarten ist (Abb. 12.3).
Bei nicht ausreichend tief bewusstlosen Patienten kann das Einführen eines Guedel-Tubus zu Würgen, Husten und Erbrechen mit der Gefahr einer Aspiration und einer Hirndrucksteigerung sowie zu Abwehrreaktionen führen.
Ein Guedel-Tubus in passender Größe erleichtert häufig die Maskenbeatmung. Beim intubierten Patienten dient er als Beißschutz. Er sollte daher grundsätzlich eingesetzt werden.
Wendl-Tubus
Ein Wendl-Tubus (Wendl-TubusNasen-Rachen-NasenrachenTubusTubus, NasopharyngealtubusNasopharyngealtubus) besteht aus Weichgummi und weist eine leicht gebogene Form mit einer abgeschrägten Tubusspitze TubusWendl-auf (Abb. 12.2). Das obere Tubusende hat eine verschiebbare Platte, die bündig mit dem Naseneingang abschließt und als Befestigung dient.
Der Durchmesser des Wendl-Tubus sollte so gewählt werden, dass ein Platzieren in der Nase noch möglich ist. Als Richtwert für den Durchmesser kann der Kleinfingerdurchmesser des Patienten dienen. Die Einführtiefe wird anhand des Abstandes von der Nasenspitze zum Ohrläppchen bestimmt. Mithilfe der verschiebbaren Platte kann die Tubuslänge eingestellt werden.
Der Wendl-Tubus wird über ein Nasenloch entlang dem Nasenboden eingeführt. Vorher sollte die Spitze des Tubus mit Gleitgel bestrichen werden. Beim Einbringen des Tubus zeigt die Spitze zur Seite und wird dann mit einer Drehung um 90 Grad eingeführt. Ein optimal platzierter Wendl-Tubus liegt vor dem Kehlkopfeingang (Abb. 12.4).
Wendl-Tuben werden von Patienten meist besser toleriert als Guedel-Tuben. Auf grobe Gewalt ist beim Einführen zu verzichten, da sonst Verletzungen der Schleimhaut mit Blutungen drohen. Ein zu tief liegender Wendl-Tubus kann einen Laryngospasmus, Husten und Abwehrreaktionen auslösen.

Merke

Sowohl Guedel- als auch Wendl-Tubus verhindern bei regelrechter Handhabung die Verlegung der Atemwege durch Zurücksinken des Zungengrundes; beide Hilfsmittel gewähren jedoch keinerlei Schutz vor einer Aspiration.

Beutel-Masken-Beatmung
Der Einsatz von Beatmungsmaske und BeatmungsbeutelBeatmungBeutel ist nur für eine manuelle BeatmungBeatmungBeutel-Masken-Beutel-Masken-Beatmung über einen kurzen Zeitraum ausgelegt. Die Atemwege des bewusstlosen Patienten werden entweder durch Manipulation des Unterkiefers (C-Griff, Abb. 8.4) mit oder ohne Anwendung von Guedel- oder Wendl-Tuben (s. dort) offen gehalten.
Die Maskenbeatmung kann mit Raumluft (21 % Sauerstoff) und Muskelkraft völlig unabhängig von einer Druckgasquelle oder Stromversorgung ausgeführt werden. Handbeatmungsbeutel sind aus einem Material gefertigt, das sich nach dem Zusammendrücken ausreichend rasch wieder zum ursprünglichen Volumen ausdehnt (selbstentfaltender Handbeatmungsbeutel). Umgebungsluft wird über das Beuteleinlassventil angesaugt, das sich während der Beatmung verschließt. Beatmet wird über ein unmittelbar am Beatmungsbeutel angeschlossenes Nichtrückatemventil. Die Ausatmung erfolgt in die Umgebungsluft. Durch den Einsatz eines Demand-Ventils kann der Sauerstoffanteil in der Einatemluft auf 100 % erhöht werden.
Die Durchführung und Handhabung der Maskenbeatmung wird in 8.2.3 beschrieben.
Supraglottische Atemwegshilfen (SDA)
(siehe auch 8.2.5)
Die Bezeichnung supraglottische Atemwegshilfesupraglottische AtemwegshilfeAtemwegshilfe, supraglottische (supraglottic airway devices, SAD) hat sich allgemein eingebürgert, obwohl sie nominell nicht korrekt ist, denn die gebräuchlichsten Vorrichtungen liegen nicht supraglottisch, sondern
  • unterhalb der Glottisebene im Ösophagus (Larynxtubus) oder

  • in Höhe der Glottis (Larynxmaske).

Alternativ zur Beatmung mit Maske – mit oder ohne Pharyngealtuben – haben sich die supraglottischen Atemwegshilfen zur schnellen Atemwegssicherung durch das Rettungsfachpersonal bewährt, bieten sie doch einen besseren Aspirationsschutz bei einfach zu erlernender Handhabung. Als alternative supraglottische Atemwegshilfen zielt ihr Einsatz auf die Beatmung bei schwieriger Intubation sowie zur präklinischen Atemwegssicherung.
Larynxtubus
Den Larynxtubus (LT, Abb. 12.5) gibt es seit Anfang der 2000er-Jahre. Der LarynxtubusLarynxtubus ist ein einlumiger Tubus mit zwei Cuffs. Beide Cuffs können über eine gemeinsame Zuleitung mittels einer beiliegenden Blockerspritze mit Luft befüllt und gleichzeitig geblockt werden. Auf der Spritze ist das dazu notwendige Füllvolumen farbcodiert angegeben.
Der Larynxtubus wird ohne den Einsatz eines Laryngoskops blind über den Mund des Patienten mit der konvexen Krümmung entlang des harten Gaumens eingeführt. Um Verletzungen des Patienten zu vermeiden, darf der Tubus nicht mit Gewalt eingeführt werden. Nach dem Einlegen wird der Cuff über die Blockerspritze mit Luft geblockt. Nach der ordnungsgemäßen Platzierung und Blockung des Larynxtubus liegt der untere Cuff am distalen Ende des Larynxtubus im Ösophaguseingang und dichtet diesen gegen den Kehlkopf (Larynx) ab. Der obere (proximale) Cuff kommt im oberen Rachenraum zu liegen und dichtet diesen gegen Mund- und Nasenraum ab (Abb. 12.6). Der Cuffdruck muss nach Anlage des Larynxtubus überprüft werden und darf nicht über 60 cm H2O liegen. Der Patient kann anschließend über das zwischen den beiden Cuffs liegende Beatmungslumen des Tubus beatmet werden (Abb. 12.6). Die suffiziente Beatmung sollte mittels Kapnografie überwacht werden.
Die passende Größe des Larynxtubus wird bei Kindern nach Körpergewicht, bei Erwachsenen nach Körpergröße ermittelt (Tab. 12.1). Die notwendigen Angaben sind auf den Tuben und der Blockerspritze aufgedruckt.
Larynxmaske
Die Larynxmaske (LMA, Abb. 12.7) gibt es seit Mitte der 1980er-Jahre. Die LarynxmaskeLarynxmaske ist ein einlumiger Tubus, der am distalen Ende eine elliptisch geformte Kehlkopfschale aufweist, die mit einer aufblasbaren Dichtungslippe (Cuff) oder einem thermoplastischem Gelkissen (i-gel®) umgeben ist. Der Kehlkopfeingang wird durch das Blocken des Cuffs mit Luft (LMA) oder bei der i-gel®i-gel® nach Ausdehnung des Gelkissen durch Körperwärme verschlossen, sodass eine Beatmung möglich ist (Abb. 12.8).
Die Larynxmaske wird wie der Larynxtubus blind über den Mund des Patienten (mit der kehlkopffernen Seite, unter Führung mit dem Zeigefinger am Schaft der Maske, entlang des harten Gaumens) in den Larynx eingeführt und nach dem Einlegen geblockt. Der Cuffdruck muss nach Anlage überprüft werden und darf 60 cm H2O nicht überschreiten. Während der Beatmung ist darauf zu achten, dass der Beatmungsdruck bei Inspiration höchstens 20 cm H20 (Ösophagusverschlussdruck) beträgt. Die suffiziente Beatmung sollte man mittels Kapnografie überwachen.
Die passende Größe der Larynxmaske wird nach Körpergewicht ermittelt. Tab. 12.2 zeigt die passende Größe.
Endotracheale Intubation
Unter der endotrachealen IntubationendotrachealeIntubation wird das Einführen eines Endotrachealtubus in die Luftröhre verstanden. Sie ist das Standardverfahren und die sicherste Methode zur dauerhaften Sicherung der Atemwege und zur Beatmung im Rettungsdienst. Grundsätzlich ist die Intubation eine ärztliche Maßnahme. Der Verantwortungsbereich des Rettungsfachpersonals liegt in der Vorbereitung des Materials und in der Assistenz des Notarztes.

Merke

Nur die endotracheale Intubation sichert die Atemwege und führt zu einem sicheren Aspirationsschutz.

In Krankenhäusern wird die Intubation in Operationsabteilungen zur Narkose und auf Intensivstationen zur Beatmung vielfach angewendet. Dort stellt sie unter optimalen Bedingungen ein komplikations- und risikoarmes Verfahren dar. Auch im Rettungsdienst wird die Intubation oft notwendig, jedoch weist sie unter Notfallbedingungen (Abb. 12.17) vielerlei Risiken auf:
  • Die Bedingungen sind außerhalb der Klinik erschwert (Intubation auf der Straße oder in engen Räumlichkeiten, ungünstige Lichtverhältnisse, Witterungseinflüsse, Temperatur, Zuschauer).

  • Die Patientenanamnese ist oft unbekannt. Intubationsrisiken können daher nicht erfragt werden.

  • Der Patient ist nicht nüchtern. Daher besteht nach Ausfall der Schutzreflexe eine besonders hohe Aspirationsgefahr.

  • Das größte Risiko stellt jedoch der ungeübte Anwender der Intubationstechnik dar.

Achtung

Ein Notfallpatient ist grundsätzlich als nicht nüchtern zu betrachten.

Intubationsverfahren
  • Bei der orotrachealen IntubationorotrachealeIntubation erfolgt die Einführung des Endotrachealtubus über die Mundhöhle. Bei der Notfallintubation ist die orale Intubation die Standardmethode.

  • Bei der nasotrachealen IntubationnasotrachealeIntubation wird der Tubus über ein Nasenloch in die Luftröhre eingeführt.

  • Bei einem KehlkopfSchnittKehlkopfschnitt (Koniotomie) Koniotomiewird der Kehlkopf chirurgisch geöffnet. Die Koniotomie ist das Mittel der letzten Wahl, wenn andere Verfahren der Atemwegssicherung versagen.

Material zur Intubation
Endotrachealtubus
Es gibt unterschiedlich geformte EndotrachealtubusEndotrachealtuben aus verschiedenen Materialien. Am häufigsten wird der Magill-TubusMagill-Tubus (Abb. 12.9) verwendet. Er ist ein formstabiler, gebogener TubusMagill-Tubus aus Weichgummi mit einer abgerundeten und abgeschrägten Spitze, die in der Luftröhre liegt. Das andere Ende des Endotrachealtubus besitzt eine genormte Universalverbindung zu allen gebräuchlichen Beatmungsbeuteln und -geräten. An der Tubuswand ist eine Skala zum Ablesen der Tubuslänge in Zentimetern (cm) aufgezeichnet. Hier kann die Intubationstiefe abgelesen werden. Kurz vor der Spitze des Trachealtubus befindet sich ein Ballon (Cuff), der von außen über einen in der Tubuswand liegenden Zuführungsschlauch mit Luft gefüllt werden kann. Der luftgefüllte Cuff Cuffentfaltet sich und verschließt so die Luftröhre. Der geblockte Tubus schützt vor Aspiration und verhindert das Entweichen der Beatmungsluft.
Ein Kontrollballon am Zuführungsschlauch dient der Überwachung der Cuffballon-Füllung. Die meisten Cuffsysteme werden über ein eingebautes Ventil verschlossen. Durch das Aufsetzen einer Spritze wird das Ventil geöffnet, das Abziehen der Spritze verschließt es. Vor der Intubation wird der Cuff aufgeblasen und auf Dichtigkeit überprüft.
Endotrachealtuben gibt es in unterschiedlichen Durchmessern. Die Tubusdurchmesser nehmen in 0,5-Millimeter-Schritten im Innendurchmesser (mm ID) und in Zwei-Charrière(CH)-Schritten im Außendurchmesser zu. Die Tubusgröße richtet sich nach dem Alter und der Größe des Patienten. Um Schäden an der Luftröhre durch einen zu hohen Cuffdruck zu vermeiden, sollte der Notarzt immer den größtmöglichen Tubus wählen. Als Richtwert für die richtige Tubusgröße hat sich der Durchmesser des kleinen Fingers des Patienten etabliert, dem der Tubusdurchmesser in mm ID entsprechen sollte. Bei männlichen Patienten wird in der Regel ein Tubus mit einem Innendurchmesser von 8,0–9,0 mm und bei Frauen von 7,0–8,0 mm verwendet. Grundsätzlich obliegt es dem Intubierenden, die Tubusgröße festzulegen. Zu einer optimalen Vorbereitung gehört es, den nächstkleineren und nächstgrößeren Trachealtubus bereitzulegen.
Laryngoskop
Der Kehlkopfspiegel (LaryngoskopKehlkopfSpiegelLaryngoskop, Abb. 12.10) ist ein Gerät zum Verdrängen von Zunge und Mundbodenmuskulatur. Es schafft einen freien Intubationsweg und ermöglicht die Sicht auf den Kehlkopfeingang. Ein Laryngoskop besteht aus dem Laryngoskopgriff mit Batteriefach und einem im rechten Winkel dazu aufgesteckten LaryngoskopSpatelLaryngoskopspatel.
Am weitesten verbreitet und am einfachsten zu bedienen ist der gebogene McIntosh-McIntosh-SpatelSpatel (Abb. 12.10 unten). Daneben gibt es noch gerade Miller-SpatelMiller- oder Foregger-Foregger-SpatelSpatel (Abb. 12.10 Mitte und oben), die weniger gebräuchlich sind, aber bei schwierigen anatomischen Verhältnissen hilfreich sein können. Für die Intubation werden verschiedene Spatelgrößen vorgehalten.
Eine Lichtquelle ist in das LaryngoskopLichtquelleLaryngoskop eingebaut. Bei Kaltlichtlaryngoskopen liegt sie im Griff und wird durch Glasfaserleitungen in den Spatel, Intubations-Spatel transportiert. Warmlichtlaryngoskope enthalten im Spatel eine kleine Glühbirne.

Achtung

Vor dem Anreichen des Laryngoskopes ist es auf flackerfreies Brennen, ausreichende Helligkeit und ggf. festen Sitz der Glühbirne zu überprüfen.

Weiteres Material zur Intubation
Neben Endotrachealtubus und Laryngoskop müssen zur IntubationMaterialIntubation zusätzliche funktionsfähige Materialien bereitgestellt werden (Abb. 12.11):
  • Der Führungsstab Führungsstab(Mandrin, Abb. 12.12) wird in den Tubus hineingeschoben und formt ihn nach Wunsch des Intubierenden. Sein weiches Ende liegt in Richtung der Tubusspitze. Um ihn nach erfolgter Intubation leichter entfernen zu können, muss er mit Silikonspray behandelt werden. Die Größe des Führungsstabes ist abhängig von der Größe des Trachealtubus. Die Spitze des Führungsstabs darf nicht über die Tubusspitze hinausragen, da sonst Verletzungen der Trachealwand beim Intubieren auftreten können. Am anderen Ende wird der Führungsstab abgebogen, um ein zu tiefes Hereinrutschen in den Tubus zu verhindern.

  • Gleitgel für den Endotrachealtubus vereinfacht das Einführen und anästhesiert die Schleimhäute.

  • Mit der gewinkelten IntubationszangeIntubationszange (Magill-Zange, Magill-ZangeAbb. 12.12) kann der Zange, Intubations-Tubus im Einzelfall (z. B. nasotracheale Intubation) gefasst und geführt werden. Zu beachten ist dabei, dass der Cuff nicht beschädigt wird.

  • Für die Cufffüllung wird eine Blockerspritze (z. B. 10-ml-Einmalspritze) benötigt.

  • Guedel-Tubus oder Beißkeil werden als Beißschutz eingesetzt.

  • Als Befestigungsmaterial für den Endotrachealtubus dienen eine Mullbinde, ein Pflasterstreifen oder spezielle Tubusfixationssysteme (Abb. 12.16).

  • Eine einsatzbereite, laufende und überprüfte Vorrichtung zum Absaugen von Sekreten muss bereitstehen.

  • Eine Beatmungsmöglichkeit mit Sauerstoffzufuhr und ein funktionsbereiter Beatmungsbeutel mit aufgesetzter Beatmungsmaske werden gebraucht, um bei Intubationsschwierigkeiten den Patienten zwischenbeatmen zu können.

  • Zwei intravenöse Zugänge werden gelegt, um die ggf. erforderlichen Medikamente verabreichen zu können.

  • EKG-Monitoring, Kapnografie, Pulsoxymetrie und Blutdruckmessung sind obligates Monitoring für die Vitalfunktionen.

Assistenz und Durchführung der Intubation
Vorbereiten und Überprüfen des Materials
Entschließt sich der Notarzt zur Intubation eines Notfallpatienten, müssen die notwendigen Materialien und Gerätschaften vorbereitet und überprüft werden.
Unter Wahrung der Sterilität wird der Cuff vor der Intubation mit der Blockerspritze aufgeblasen und dabei der Luftzuführungsschlauch auf Durchgängigkeit, der Ballon auf Füllung und Dichtigkeit geprüft (Probeblockung). Der Cuff ist vorsichtig zu testen und anschließend vollständig zu entlüften.
Im Anschluss an die Probeblockung ist ggf. ein Führungsstab in den Tubus einzuführen (bei einigen Modellen ist der Führungsstab bereits integriert). Der FührungsstabFührungsstab (MandrinMandrin) innerhalb des Lumens ermöglicht ein intubationsgerechtes Formen des Tubus vor der Intubation. Das weiche Ende des Führungsstabs liegt in der Nähe der Tubusspitze, darf aber nicht daraus hervorragen, um Verletzungen zu vermeiden. Am Konnektor wird der Führungsstab rechtwinkelig abgebogen, um ein Tieferrutschen zu verhindern.
Für die Intubation sollten die bestmöglichen äußeren Bedingungen geschaffen werden. Wenn möglich, sollte die Intubation unter kontrollierten Bedingungen im RTW erfolgen.
Vorbereiten des Patienten und Lagerung
Falls noch nicht geschehen, erhält der Patient einen intravenösen Zugang. Der Intubierende inspiziert die Mundhöhle, beurteilt den Zahnzustand und entfernt nötigenfalls Zahnprothesen. Durch die Aufforderung an den wachen Patienten, den Mund zu öffnen und den Kopf zu bewegen, kann der Notarzt die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und die Größe der Mundöffnung beurteilen. Währenddessen legt das Assistenzpersonal die notwendigen Überwachungsgerätschaften an.
Präoxygenierung und Narkoseeinleitung
Während der Vorbereitungszeit werden wache Patienten nach Möglichkeit mit erhöhtem Oberkörper gelagert und atmen über mehrere Minuten hochdosierten Sauerstoff über eine fest sitzende Maske ein (PräoxygenierungPräoxygenierung). Ziel ist eine möglichst hohe Sauerstoffkonzentration im Blut.
Sind alle Vorbereitungen abgeschlossen, werden auf Anweisung des Notarztes die Medikamente zur Narkoseeinleitung verabreicht. Der Patient wird in Rückenlage gebracht, der Kopf etwa 10 bis 15 cm erhöht gelagert und sanft nach hinten überstreckt (verbesserte Jackson-Jackson-Position, verbessertePosition). Diese Position ermöglicht das freie Vorschieben des Tubus in einer nahezu geraden Linie.

Achtung

Viele Schwierigkeiten oder sogar eine unmögliche Intubation sind auf eine falsche Lagerung des Kopfes zurückzuführen.

Einführen des Laryngoskops
Dem Notarzt wird das einsatzbereite Laryngoskop von einem Helfer in die linke Hand angereicht. Mit der rechten Hand öffnet der Arzt den Mund des Patienten mit dem Kreuzgriff. Das Laryngoskop wird in den Rachen vorgeschoben und der Kehlkopfeingang dargestellt (Abb. 12.13).
Während dieser Zeit assistieren die Helfer dem Intubierenden, befolgen seine Anweisungen und achten auf mögliche Gefahren und Komplikationen. Sie sind außerdem für das aufmerksame Beobachten des Monitorings verantwortlich.

Merke

Das BURP-Manöver (backward upward rightward pressure, d. h. „drücke nach rechts, oben und hinten“) verbessert die Einstellung der Stimmritze (Abb. 12.17c, d) durch die genannte Bewegung des Schildknorpels. Mithilfe des BURP-Manövers wird die Sicht auf die Stimmritze deutlich verbessert und erleichtert das Einführen des Tubus in die Luftröhre.

Praxistipp

Störend einfallendes Licht kann von einem Helfer, z. B. durch Vorhalten einer Jacke, abgeschirmt werden.

Einführen des Tubus
Auf Anweisung des Intubierenden wird ihm der vorbereitete Endotrachealtubus in die rechte Hand angereicht, der dann durch die Stimmritze in die Trachea vorgeschoben wird. Die Ringmarkierung sollte auf Stimmbandhöhe liegen und der Cuff die Stimmbänder vollständig passiert haben (Abb. 12.14).
Blocken des Tubus
Unmittelbar nach Platzierung des Trachealtubus wird die Cuffmanschette durch einen Helfer über die 10-ml-Blockerspritze mit 5 bis 10 ml Luft rasch geblockt. Anschließend ist der Guedel-Tubus als Beißschutz einzulegen.
Überprüfung der korrekten Tubuslage
Nach erfolgter Intubation, Entfernen des Führungsstabs und Blocken des Tubus erfolgt die Kontrolle der Tubuslage in der Trachea und der richtigen Intubationstiefe (Abb. 12.15):
  • Die Brustkorbbewegungen bei der Beatmung werden überprüft.

  • Das Abhören von Magen und Lunge mit dem Stethoskop ist im Rettungseinsatz wegen der oft lauten Umgebungsgeräusche ein schwieriges Verfahren. Zunächst wird das Stethoskop über den Magen gelegt. Hörbare Luftströmungen und Gurgelgeräusche sind sichere Zeichen für eine Fehllage des Tubus in der Speiseröhre. Dann erfolgt die Auskultation der Lungen unterhalb des Schlüsselbeins und seitlich an der Lungenbasis über beiden Lungenhälften. Hierbei wird vor allem auf eine gleichmäßige Belüftung beider Lungen geachtet.

  • Kapnografie: Kohlenstoffdioxid kann nach mehreren Atemzügen bei erhaltener Kreislauffunktion nur aus der Lunge kommen.

  • Pulsoxymetrie: Ein Abfall der Sauerstoffsättigung ist ein Hinweis auf eine Fehlintubation bzw. einseitige Intubation.

Merke

Die Tubuslage kann sich durch Umlagern des Patienten und Bewegen des Kopfes verändern. Daher sind laufend Lagekontrollen des Tubus erforderlich.

Tubusfixierung
Eine besonders wichtige Maßnahme stellt die effektive Tubusfixierung (Abb. 12.16) nach erfolgter Lagekontrolle dar, die mit einer handelsüblichen Tubushalterung durchgeführt werden sollte. Falls diese nicht vorhanden ist, kann der Tubus sicher und einfach mithilfe einer Mullbinde oder mit Pflasterstreifen fixiert werden. Solange der Tubus noch nicht fixiert ist, muss er durch einen Helfer bis zur sicheren Fixierung unmittelbar am Mundwinkel manuell fixiert werden, damit es durch die Hebelwirkung des Tubus mit aufgestecktem Beatmungsbeutel nicht zur Dislokation kommt. Hingegen verkraftet ein gut fixierter Tubus problemlos den Zug durch den Beutel, ohne dass eine Extubation droht (Abb. 12.16).

Achtung

Jeder intubierte Patient muss auch beatmet werden.

Komplikationen und Gefahren bei der Intubation
Den Vorteilen der IntubationKomplikationenIntubation (gesicherte Atemwege und optimale Beatmungsmöglichkeit) stehen einige Komplikationen (Tab. 12.3) gegenüber, weshalb dieses Verfahren nur derjenige durchführen darf, der es sicher beherrscht, die Komplikationen kennt und die Gefahren behandeln kann sowie die Intubation regelmäßig trainiert. Je länger die Intubation dauert und je mehr Intubationsversuche benötigt werden, desto häufiger treten Komplikationen auf.
Die häufigste Komplikation ist die einseitige Intubation eines Hauptbronchus mit einseitiger Beatmung und schwerem Sauerstoffmangel. Die nicht bemerkte Fehlintubation in den Ösophagus ist die am häufigsten zum Tode führende Komplikation bei der Intubation im Rettungsdienst. Meistens sind junge, schwer verletzte Patienten betroffen.

Praxistipp

Der StimmritzeKrampfStimmritzenkrampf ist eine im Rahmen der Narkoseeinleitung gefürchtete Komplikation. Ein Stimmritzenkrampf (LaryngospasmusLaryngospasmus) wird durch mechanische Reizung (z. B. Einführen des Trachealtubus) ausgelöst und führt zur Verkrampfung der Kehlkopfmuskulatur, die in einem Verschluss der Atemwege resultieren kann.

Während der Intubation ist das Auftreten eines Laryngospasmus in der Regel Ausdruck einer nicht ausreichenden Narkosetiefe oder fehlender Muskelrelaxanzien. Der Laryngospasmus kann durch Vertiefung der Narkose oder die rasche Gabe eines schnell wirksamen und kurz wirkenden Muskelrelaxans (Succinylcholin, 11.2.8) beseitigt werden.

Narkose im Rettungsdienst

Definition

Narkose – Narkoseauch AnästhesieAnästhesie genannt – ist das Ausschalten von Bewusstsein, Schmerz und Abwehrreaktionen des Patienten. Dabei soll ein schlafähnlicher Zustand erreicht werden.
Die präklinische Narkose findet im Gegensatz zur klinischen Narkose mit eingeschränkten Mitteln und unter schwierigen Umständen statt. Die Narkose ist die Grundvoraussetzung für eine notwendige Intubation und Beatmung eines nicht bewusstlosen Notfallpatienten.

Indikationen

Eine NotfallNarkoseNotfallnarkose erfordert viel Erfahrung. Die Indikation zur Narkose im Notfall muss grundsätzlich großzügig gestellt werden (Tab. 12.4), richtet sich aber immer nach dem Patientenzustand. Ziele der Narkose sind:
  • Sicherung der Atemwege

  • Behandlung einer respiratorischen Insuffizienz durch optimierte Beatmung

  • Zufuhr hoher Sauerstoffkonzentrationen, Verminderung der Atemarbeit und des Sauerstoffverbrauchs, Schutz vor drohendem Sauerstoffmangel

  • Therapie stärkster Schmerzen

Narkosemedikamente

Für die Narkose kommen verschiedene MedikamenteNarkoseMedikamente (Anästhetika) Anästhetikazum Einsatz, die den Narkosequalitäten (Hypnose, Amnesie, Analgesie, Relaxierung und Unterdrückung der endokrinen Stressantwort) folgen. Verwendet werden kurz wirkende und gut steuerbare Substanzen.
  • Hypnotika (11.2.6) lösen eine Bewusstlosigkeit aus. Ihre Wirkung reicht dosisabhängig von einer leichten Sedierung bis zu einem tiefen Schlaf. Außer Ketamin besitzen HypnotikaNarkoseHypnotika jedoch keine analgetische Potenz, sodass sie immer mit einem Analgetikum kombiniert werden müssen.

  • AnalgetikaNarkoseAnalgetika (11.2.5) dienen der Schmerzbekämpfung und Ausschaltung von Schmerzen. Für die Narkose kommen in der Regel nur hochwirksame Opiate zum Einsatz. Sie besitzen eine ausgezeichnete analgetische Potenz unterschiedlicher Wirkdauer und belasten den Kreislauf nur gering, weisen aber eine ausgeprägte Atemdepression auf.

Achtung

Schon in normaler analgetischer Dosierung können die wirksamsten Opiate eine ausgeprägte Atemdepression auslösen, weshalb Beatmungsbereitschaft herzustellen ist.

  • MuskelrelaxanzienNarkoseMuskelrelaxanzien (11.2.8) rufen eine reversible Lähmung der Skelettmuskulatur – also auch der Atemmuskulatur – hervor. Unterschieden werden depolarisierende und nichtdepolarisierende Muskelrelaxanzien. Sie vereinfachen die Intubation und Narkoseführung, weil sie Abwehrreaktionen wie Husten, Pressen und Laryngospasmus verhindern.

Narkosedurchführung

Vorbereitung der Narkose
Wenn vertretbar und NarkoseDurchführungrealisierbar, sollte die Narkoseeinleitung im RTW angestrebt werden. Der Notarzt befragt den Patienten – falls möglich – nach Alter, Personalien, Körpergewicht, Vorerkrankungen und letzter Mahlzeit, um die Medikamentendosierungen ausrechnen und Narkoserisiken abschätzen zu können.
Voraussetzung für die Narkoseeinleitung sind zwei sichere und gut fixierte intravenöse Zugänge zur Medikamentengabe. Der Kopf wird in eine intubationsgerechte Position gebracht und der Patient atmet reinen Sauerstoff zur Präoxygenierung. Die Medikamente zur Narkoseeinleitung, das Beatmungsgerät und die Materialien zur Intubation werden vorbereitet.
Zur Überwachung der Vitalfunktionen wird der Patient an ein EKG, die Kapnografie und die Pulsoxymetrie angeschlossen. Außerdem wird der Blutdruck gemessen.
Narkoseeinleitung
Wie bei der Intubation besteht die Aufgabe des Rettungsfachpersonals in der Assistenz des Notarztes und der kontinuierlichen Überwachung der Vitalfunktionen.
Die Medikamente werden in der vom Notarzt gewünschten Reihenfolge appliziert. Dabei wird in der Regel zuerst ein kurz wirksames Hypnotikum (z. B. Propofol, 11.2.6) intravenös gespritzt, um das Bewusstsein auszuschalten. Dann erhält der Patient ein Opioidanalgetikum (11.2.5). Ist die Narkose ausreichend tief und die Atmung erloschen, wird der Patient ohne vorherige Maskenbeatmung endotracheal intubiert, die Tubuslage anschließend unter Beatmung überprüft und abschließend der Tubus fixiert.
Nach erfolgter Narkoseeinleitung wird die Kapnografie angeschlossen und der Blutdruck engmaschig gemessen, um einer durch die Anästhetika ausgelösten Kreislaufdepression (Blutdruckabfall, Bradykardie) begegnen zu können.
Auf Wunsch des Notarztes kann jetzt ein Benzodiazepin (z. B. Dormicum®, 11.2.1) verabreicht werden, um die Narkose zusätzlich zu vertiefen.
Narkoseführung
Die Narkoseführung soll die begonnene Narkose aufrechterhalten. Die Narkose wird durch Nachspritzen von Propofol (Hypnotikum) oder Benzodiazepinen, Opiaten und ggf. nichtdepolarisierenden Muskelrelaxanzien (Norcuron®, 11.2.8) gesteuert. Dadurch werden Bewusstsein, Schmerzempfinden und Muskeltonus weiterhin beeinflusst. Besonders auf eine an den Patientenzustand angepasste, ausreichend hohe Analgetikadosis muss geachtet werden.
Die Körperfunktionen werden anhand von Blutdruck, EKG, Sauerstoffsättigung und Kapnografie überwacht. Die Kreislaufstabilität wird durch eine patientengerechte Infusionsbehandlung oder Medikamentengabe erreicht. Der Patient wird auf der Trage fixiert, der Kopf in Neutralposition gelagert und die Arme werden an den Körper angelegt. Auf einen ausreichenden Wärmeerhalt muss ebenfalls geachtet werden. In kurzen Zeitabständen werden die Narkoseparameter wie Medikamente, Kreislauf- und Beatmungsparameter dokumentiert.

Beatmung mit Notfallrespiratoren

Die Respirator, Notfall-Beatmung mit NotfallRespiratorNotfallrespiratoren (5.3.2) erfolgt als künstliche Beatmung durch Überdruck. Das eingestellte Luft-Sauerstoff-Gemisch strömt in die Lunge ein. Dadurch werden Thorax und Lunge gedehnt. Die Exspiration bleibt passiv. Die künstliche Beatmung kann auch über einen längeren Zeitraum die natürliche Lungenatmung ersetzen.
Voraussetzung für die kontrollierte Beatmung mit einem Beatmungsgerät ist die endotracheale Intubation. Dabei ist der Tubus über einen Beatmungsschlauch mit dem Beatmungsgerät verbunden. Hierbei ist die Verwendung von Mikrobenfiltern obligat.

Beatmungsformen

Kontrollierte Beatmung
Bei der kontrollierten BeatmungkontrollierteBeatmung wird ein voreingestelltes Atemminutenvolumen über ein gewähltes Beatmungsmuster mit einer festen Atemfrequenz abgegeben. Es erfolgt keinerlei Anpassung an Atemzüge des Patienten. Dafür ist eine tiefe Narkose notwendig. Der Patient atmet also nicht selbst, sondern Ein- und Ausatmung werden von außen gesteuert. Die kontrollierte Beatmung ist das Standardverfahren in der Notfallmedizin.
Assistierte Beatmung
Die assistierte BeatmungassistierteBeatmung synchronisiert die voreingestellten Beatmungsparameter mit der Eigenatmung des Patienten. Dabei bestimmt der Patient die Beatmungsfrequenz. Das Beatmungsgerät erkennt den Unterdruck der Einatmung des Patienten (Trigger) und beatmet mit dem eingestellten Tidalvolumen (12.3.2). Bei noch unzureichender Spontanatmung kann die assistierte Beatmung dem Patienten die Atemarbeit erleichtern und das notwendige Atemminutenvolumen sicherstellen. Dabei wird die Spontanatmung des Patienten berücksichtigt und ergänzt.
Im Rahmen von Verlegungen von intensivpflichtigen Patienten kann auch die assistierte Beatmung im Rettungswagen zur Anwendung kommen.

Beatmungsparameter

BeatmungParameterBeatmungsparameter wie Atemminutenvolumen, Atemfrequenz, maximaler Beatmungsdruck, Sauerstoffkonzentration und PEEP (s. dort) werden an das Gewicht und den Zustand des Patienten angepasst.
Atemminutenvolumen
Das Tidalvolumen Tidalvolumenist die in Millilitern angegebene Menge der an den Patienten abgegebenen Luft. Es richtet sich nach dem Körpergewicht des Menschen und beträgt 8–10 ml pro Kilogramm Körpergewicht. Ist die inspiratorische Sauerstoffkonzentration größer als 40 %, liegt das Tidalvolumen zwischen 400 und 600 ml.
Anhand der eingestellten Atemfrequenz ergibt sich das einzustellende AtemminutenvolumenBeatmungAtemminutenvolumen. In der Regel liegt es zwischen 7,5 und 10 Litern pro Minute (3.2.2).
Atemfrequenz
Die BeatmungFrequenzBeatmungsfrequenz ist die AtemfrequenzBeatmungAnzahl an Beatmungen pro Minute. Bei Erwachsenen liegt sie zwischen 10 und 14 Atemzügen pro Minute. Gemeinsam mit dem ausgerechneten Tidalvolumen ergibt sich durch Multiplikation der beiden Werte das Atemminutenvolumen.
Beatmungsdruck
Der BeatmungDruckBeatmungsdruck entspricht der aufzubringenden Kraft für die Beatmung und wird in Millibar (mbar) gemessen. Der aufgebaute Beatmungsdruck ist abhängig vom Strömungswiderstand in der Lunge und ihrer Dehnbarkeit. Bei intubierten Patienten sollte der Beatmungsdruck 40 mbar nicht überschreiten.
Inspiratorischer Sauerstoffgehalt (FiO2)
Der inspiratorische SauerstoffGehalt, inspiratorischerSauerstoffgehalt (FiO2) gibt an, wie hoch der Sauerstoffanteil im Gasgemisch der Beatmung ist. In der Notfallmedizin werden Notfallpatienten in der Regel immer mit 100 % Sauerstoff beatmet (No-Airmix-No-Airmix-BetriebBetrieb, FiO2 1,0).
Beatmung mit PEEP
Bei der Beatmungmit PEEPBeatmung mit PEEP, positive endexspiratory pressurePEEP (positive endexspiratory pressure, positiver endexspiratorischer Druck) bleibt Druckpositiver endexspiratorischeram Ende der Ausatmung ein Restdruck in den Lungen erhalten. Dadurch wird die funktionelle Residualkapazität (3.2.2) erhöht und ermöglicht eine bessere Oxygenierung des Patienten. Ein Nebeneffekt ist die Vorlastsenkung am Herzen (3.1.3). In Tab. 12.5 werden die Indikationen zur PEEP-Beatmung genannt.
Der PEEP wird in cm H2O (gelesen: Zentimeter Wassersäule) angegeben. Dabei ist ein PEEP zwischen +5 und +10 cm H2O üblich.
Als Nachteil muss die Kreislaufbelastung durch Behinderung des venösen Rückstroms zum Herzen bei kreislaufinstabilen Patienten beachtet werden, weshalb die Beatmung mit PEEP durch den Notarzt genau abgewogen werden muss.

Wiederholungsfragen

  • 1.

    Nennen und beschreiben Sie Methoden zum Freimachen der Atemwege. (12.1.1)

  • 2.

    Nennen und beschreiben Sie Verfahren zum Freihalten der Atemwege. (12.1.2)

  • 3.

    Welche Indikationen und Ziele der endotrachealen Intubation kennen Sie? (12.1.2)

  • 4.

    Welches Material müssen Sie zur Intubation vorbereiten? (12.1.2)

  • 5.

    Beschreiben Sie die Assistenz bei der Durchführung der Intubation. (12.1.2)

  • 6.

    Welche Komplikationen und Gefahren drohen bei der Intubation? (12.1.2)

  • 7.

    Definieren Sie den Begriff Anästhesie. (12.2.1)

  • 8.

    Welche Indikationen erfordern die Durchführung einer präklinischen Narkose? (12.2.2)

  • 9.

    Nennen Sie Anästhetika und erläutern Sie deren Wirkungsweise. (12.2.3)

  • 10.

    Welche Beatmungsparameter müssen bei Verwendung eines Beatmungsgeräts eingestellt werden? (12.3.2)

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen