© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-48043-0.00007-8

10.1016/B978-3-437-48043-0.00007-8

978-3-437-48043-0

EKG-Abschnitte und physiologisches Korrelat VorhoferregungKammererregung

[L143]

Bipolare Extremitätenableitung nach Einthoven (links) und unipolare Extremitätenableitung nach Goldberger (rechts)

[L231]

Unipolare Brustwandableitungen nach Wilson

[L190]

EKG-Störung durch lockere Elektrode

[M302]

Normofrequenter Sinusrhythmus

[M302]

Asystolie

[M302]

Ventrikuläre Tachykardie (VT)

[M302]

Kammerflimmern

[M302]

Überblick über die wichtigsten HerzrhythmusstörungenHerzrhythmusstörungenÜberblick

Tab. 7.1
Art der HRST Lebensgefahr Potenzielle Lebensgefahr Keine unmittelbare Lebensgefahr
Supraventrikuläre HRST
  • Pulslose elektrische Aktivität

  • Asystolie

  • AV-Block II. Grades

  • AV-Block III. Grades

  • Vorhofflattern

  • Sinusbradykardie

  • Sinustachykardie

  • Absolute Arrhythmie

  • AV-Block I. Grades

  • Supraventrikuläre Extrasystolen (SVES)

Ventrikuläre HRST
  • Kammertachykardie

  • Kammerflimmern

ventrikuläre Extrasystolen (VES) in Salven vereinzelte ventrikuläre Extrasystolen (VES)

Ursachen für Kammertachykardien und Kammerflimmern

Tab. 7.2
Kardiale Ursachen
  • Hypoxie

  • Myokardinfarkt (13.2.1)

  • Entzündliche Herzerkrankungen (13.1.4)

  • Erhöhter Sympathikotonus (3.3.5)

Extrakardiale Ursachen
  • Elektrolytstörungen (3.9.2)

  • Stromunfälle (17.5)

  • Ertrinkungsunfälle (24.1)

  • Unterkühlung (17.4.1)

EKG und Herzrhythmusstörungen

Jürgen Luxem

  • 7.1

    Grundlagen des EKG172

  • 7.2

    EKG-Ableitungen172

    • 7.2.1

      3-Pol-Ableitungen (3-Kanal-EKG)175

    • 7.2.2

      4-Pol-Ableitungen (6-Kanal-EKG)175

    • 7.2.3

      12-Kanal-EKG175

  • 7.3

    Grundlagen der EKG-Beurteilung176

    • 7.3.1

      Technische Störungen176

  • 7.4

    Normaler Sinusrhythmus177

  • 7.5

    Herzrhythmusstörungen177

    • 7.5.1

      Supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen178

    • 7.5.2

      Ventrikuläre Herzrhythmusstörungen179

Die Erregungsausbreitung im Herzen kann als elektrische Potenzialänderung als Elektrokardiogramm Elektrokardiogramm siehe EKG(EKGEKG) über die Haut abgeleitet werden. Hierzu werden an Brustwand und/oder den Extremitäten Elektroden angebracht, welche die im Millivolt-Bereich liegenden elektrischen Spannungen aufnehmen. Nach entsprechender Verstärkung im EKG-Gerät werden diese am Monitor angezeigt. Größe, Richtung und Dauer der elektrischen Spannungsänderungen ergeben das typische EKG-Bild: Dies ist im Normalfall der Sinusrhythmus.

Schädigungen des Herzens verändern den Erregungsablauf in unterschiedlicher Weise. Die Ableitung eines EKGs kann daher wertvolle Hinweise für die präklinische und klinische Therapie liefern. Herzrhythmusstörungen können ihren Ursprung im Vorhof- oder im Kammermyokard (Ventrikel) haben. Daher werden sie in supraventrikuläre und ventrikuläre Herzrhythmusstörungen eingeteilt. Außerdem werden bradykarde von tachykarden Herzrhythmusstörungen unterschieden. Unmittelbar lebensbedrohliche RhythmusstörungEKGRhythmusstörungen sind Asystolie, pulslose elektrische Aktivität, Kammerflimmern und pulslose ventrikuläre Tachykardie. Allen vier Formen ist gemeinsam, dass das Herz stillsteht und sofort mit den Maßnahmen der kardiopulmonalen Reanimation begonnen werden muss.

Grundlagen des EKG

Bei der Bildung, Ausbreitung und Rückbildung der Erregung im Herzen (3.1.1) entsteht ein elektrisches Feld, das bis an die Körperoberfläche reicht. Die zeitlichen Veränderungen der Größe und Richtung dieses Feldes können als Potenzialdifferenz (Spannung) auf der Haut abgeleitet werden.
Bei einer Ableitung EKGAufbauzwischen rechtem Arm und linkem Bein (Ableitung II nach Einthoven, übliche Ableitung im präklinischen Bereich, Abb. 7.2) finden sich Ausschläge in positiver und negativer Richtung, sogenannte Zacken und Wellen, die mit den Buchstaben P, Q, R, S und T in alphabetischer Reihenfolge bezeichnet werden (Abb. 7.1).
Der Abstand zwischen zwei Erhebungen heißt Strecke. Strecken gibt es zwischen dem Ende der P-Welle und dem Beginn der Q-Zacke (PQ-Strecke) sowie zwischen dem Ende der S-Zacke und dem Beginn der T-Welle (ST-Strecke).
Ein Intervall umfasst Zacken und Strecken. So reichen das PQ-Intervall vom Anfang der P-Welle bis zum Ende der Q-Zacke und das ST-Intervall vom Anfang der S-Zacke bis zum Ende der T-Welle. Das RR-Intervall ist der Bereich zwischen den Gipfeln zweier aufeinanderfolgender R-Zacken und entspricht der Dauer einer Herzperiode, also der Dauer zwischen zwei Kammererregungen.
Im EKG werden Vorhofteil und Kammerteil voneinander unterschieden.
  • Der Vorhofteil, EKGVorhofteil beginnt mit der P-Welle. Sie ist Ausdruck der Erregungsausbreitung über beide Vorhöfe. Die Erregungsbildung im Sinusknoten umfasst so wenige Zellen, dass dieser Prozess auf dem EKG nicht beobachtet werden kann. Während der anschließenden PQ-Strecke sind die Vorhöfe als Ganzes erregt. Die Potenziale ändern sich für eine Weile nicht mehr und es entsteht eine kurzzeitige Nulllinie. Die Erregungsrückbildung der Vorhöfe fällt mit dem QRS- oder Kammer-Komplex zusammen und ist daher nicht sichtbar.

  • Der Kammerteil, EKGKammerteil dauert von Beginn der Q-Zacke bis zum Ende der T-Welle. Der QRS-Komplex ist Ausdruck der Erregungsausbreitung über beide Kammern, die T-Welle entspricht der ventrikulären Erregungsrückbildung. Dazwischen liegt die ST-Strecke, die – analog zur PQ-Strecke – die Totalerregung des Ventrikelmyokards anzeigt. Der aufsteigende Teil der T-Welle entspricht der vulnerablen (verletzlichen) Phase der Repolarisation. Hier einfallende neue Aktionspotenziale können lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen.

EKG-Ableitungen

Ein EKGAbleitungenEKG kann im Prinzip von allen Körperstellen abgeleitet werden; jedoch sind zur Standardisierung und Vergleichbarkeit definierte Punkte festgelegt worden. Auch die Anzahl der Ableitungen sollte dem jeweiligen Zweck entsprechen. Bei der üblichen EKG-Diagnostik lassen sich insgesamt zwölf Ableitungen unterscheiden.

Praxistipp

Um ein EKG schreiben zu können, muss mindestens der Oberkörper frei gemacht werden. Es dürfen keine Metallteile berührt werden, da sonst die Impulse gestört werden können. Der Patient muss während der Aufzeichnung ruhig liegen bleiben.

Die Extremitätenableitungen folgen zwei verschiedenen Messverfahren. Bei den drei bipolaren Ableitungen nach Einthoven, EKG-Ableitung nachEinthoven (Abb. 7.2) wird die Spannung zwischen zwei Elektroden gemessen. Die durch den Stromfluss zwischen den Elektroden, EKGElektroden entstehenden Ableitungen heißen:
  • Ableitung Einthoven I: rechter Arm → linker Arm

  • Ableitung Einthoven II: rechter Arm → linkes Bein

  • Ableitung Einthoven III: linker Arm → linkes Bein

Die Ableitung Einthoven II nimmt dabei die Herzströme entlang der Herzachse auf.
Die drei unipolaren Extremitätenableitungen nach Goldberger, EKG-AbleitungGoldberger (Abb. 7.2) messen die Potenzialdifferenz zwischen einer einzelnen Elektrode und zwei Referenzelektroden. Es entstehen die Ableitungen aVR, aVL und aVF.
Neben den sechs Extremitätenableitungen können sechs unipolare Brustwandableitungen (V1–V6) nach Wilson, EKG-Ableitung nachWilson (Abb. 7.3) unterschieden werden. Die Elektroden werden dazu an verschiedenen Punkten des Brustkorbs platziert und anschließend an farbig markierte Kabel angeschlossen:
  • V1: rechter Sternalrand im 4. Interkostalraum (ICR) → rot

  • V2: linker Sternalrand im 4. ICR → gelb

  • V3: in der Mitte zwischen V2 und V4 → grün

  • V4: linke Medioklavikularlinie auf Höhe des 5. ICR → braun

  • V5: linke vordere Axillarlinie auf Höhe V4 → schwarz

  • V6: linke mittlere Axillarlinie auf Höhe V4 → lila

Praxistipp

Die Farbcodierungen an den Ableitungskabeln können in Ausnahmefällen zwischen den Herstellern variieren. Nur eine sorgfältige Einweisung in den Umgang mit dem EKG-Gerät durch eine entsprechend autorisierte Person erlaubt dem Anwender, selbstständig zu arbeiten.

3-Pol-Ableitungen (3-Kanal-EKG)

Um eine EKG-Ableitung (3-Kanal-EKG) erzeugen zu können, sind drei Ableitungskabel (3-Pol-Ableitung) notwendig. In der Regel wird dazu die Ableitung Einthoven II – die parallel zur Herzachse verläuft – inkl. einer Erdungselektrode auf die Brust des Patienten geklebt. In der rettungsdienstlichen Praxis hingegen werden die Ableitungen aus praktischen Gründen modifiziert angebracht:
  • Rechte Schulter: rote Elektrode

  • Linke Schulter: gelbe oder schwarze Elektrode (Erdungselektrode)

  • Linke Brustwand: grüne oder gelbe Elektrode

Mit dieser Ableitungsform sind nur die Darstellung des Herzrhythmus und ein kontinuierliches Monitoring möglich.

4-Pol-Ableitungen (6-Kanal-EKG)

Die klassischen 1-Kanal-Geräte sind von moderneren EKG-Geräten abgelöst worden, welche die gleichzeitige Ansicht aller Extremitätenableitungen ermöglichen. Im Rettungsdienst wird heute hauptsächlich die gleichzeitige Ansicht aller bipolaren Extremitätenableitungen nach Einthoven als Standard-EKGStandardEKG verwendet:
  • Rechte Schulter: rote Elektrode

  • Linke Schulter: gelbe Elektrode

  • Linke Brustwand: grüne Elektrode

  • Rechte Brustwand: schwarze Elektrode (Erdung)

Auch das 6-Kanal-EKG lässt im Wesentlichen nur die Rhythmusdiagnostik mit Erkennen von Überleitungsstörungen vom Vorhof zur Kammer und das Überwachen der elektrischen Herzfunktion zu. Nur mit Einschränkungen ist außerdem die Diagnose einer kardialen Ischämie (z. B. Hinterwandinfarkt) möglich (13.2.1).

12-Kanal-EKG

Das 12-Kanal-EKG ist der EKGGoldstandardGoldstandard der kardialen Basisdiagnostik, mit der weiterführend auch Herzlagetypen, ST-Strecken-Hebungsinfarkte (STEMI, 13.2.1) und andere kardiale Ischämiezeichen (z. B. ST-Strecken-Senkung bei Angina pectoris, 13.2.1) diagnostiziert werden können. Für das ausschließliche Monitoring ist das 12-Kanal-EKG weiterhin entbehrlich.
Mit dem 12-Kanal-EKG sind bis zu zwölf verschiedene Ableitungen möglich, wobei die sechs Extremitätenableitungen nach Einthoven (I, II, III) und nach Goldberger (aVR, aVL, aVF) sowie die sechs Brustwandableitungen nach Wilson (V1 bis V6) geklebt und von dem EKG-Gerät zum gleichen Zeitpunkt aufgezeichnet und ausgedruckt werden können. Dazu wird wie gewohnt das vierpolige Kabel für die Extremitätenableitungen und zusätzlich ein sechspoliges Kabel für die Brustwandableitungen benötigt.
Moderne, im Rettungsdienst verwendete EKG-Geräte (5.2.4) haben überwiegend eine 12-Kanal-Option, wodurch die Möglichkeit besteht, schon präklinisch ein vollständiges 12-Kanal-EKG abzuleiten. Nur damit ist die Diagnose eines MyokardinfarktEKGMyokardinfarkts möglich.

Grundlagen der EKG-Beurteilung

Zuerst muss sich das Rettungsfachpersonal vergewissern, dass das abgeleitete Bild auch wirklich dem EKG des Patienten entsprechen kann und keine Störungen (z. B. Kabelbruch, lockere Elektrode) oder fehlerhafte Anschlüsse vorliegen.
Die RhythmusdiagnostikRhythmusdiagnostik umfasst:
  • Angabe der Herzfrequenz:

    • Tachykardie oder Bradykardie?

  • Beurteilung der Rhythmusform:

    • Ist sie regelmäßig oder unregelmäßig?

    • Sind P-Wellen vorhanden?

    • Folgt jeder P-Welle ein QRS-Komplex?

    • Welche Form – breit oder schmal – haben die QRS-Komplexe?

  • Beschreibung der Abweichungen von einem normalen EKG:

    • Extraschläge?

    • ST-Strecken-Veränderungen?

Achtung

Das EKG-Bild beschreibt lediglich die elektrische Aktivität am Herzen. Daher sind keine Rückschlüsse auf die Herzleistung möglich. Nur mit einer weiteren klinischen Diagnostik und Überwachung ist das Herz-Kreislauf-Monitoring vollständig.

Technische Störungen

Technische Störungen EKGtechnische Störungenkönnen die sorgfältige und sichere EKG-Interpretation verhindern und Fehlentscheidungen bei der Therapie begünstigen.
Störungen durch Wechselstrom
WechselstromWechselstrom ist elektrischer Strom, dessen Stärke und Richtung sich periodisch ändert. Die Anzahl der Perioden pro Sekunde gibt die Frequenz des Wechselstroms in Hertz (Hz) an. Der verwendete Wechselstrom ist meist Drehstrom, der eine Frequenz von 50 Hz hat. Befinden sich nun in der Nähe des EKG-Standorts weitere elektrische Geräte (z. B. Heizdecke, Strahler, Mobiltelefone), kann es im EKG zu für Wechselstrom typischen sichtbaren Störungen kommen.
Um die isoelektrische Linie tritt ein gleichmäßiges 50-Hz-Band auf, d. h., die im EKG sichtbaren Störungen haben eine Frequenz von 50/s, was bei einer Ableitungsgeschwindigkeit von 50 mm/s (z. B. bei STEMI-Diagnostik, 13.2.1) zu einer Störung pro Millimeter führt. Die P-Wellen und QRS-Komplexe bleiben dabei aber meist sichtbar.

Praxistipp

Die Wechselstromstörung kann oft durch eine verbesserte Erdung des EKG-Geräts, das Abschalten von Fremdgeräten, durch Umdrehen des Netzsteckers oder Überprüfung der Kabel behoben werden.

Störungen durch Muskelzittern
Da die Skelettmuskulatur bei der Depolarisation ebenfalls Felder erzeugt, können im EKG unregelmäßige Zacken um die isoelektrische Linie herum auftreten. P-Wellen sind nur noch schwer erkennbar, die QRS-Komplexe aber sichtbar. Zugrunde liegen können eine falsche Lagerung des Patienten, Angst oder Schmerz, Kältezittern oder ungenügende Muskelentspannung, z. B. bei Patienten mit der Parkinson-Krankheit. Differenzialdiagnostisch muss Kammerflimmern ausgeschlossen werden.

Praxistipp

Die Störung durch Muskelzittern kann oft durch Veränderung der Elektronenpositionen behoben werden.

Störungen der isoelektrischen Linie
Lose Elektrodenkontakte, schlechte Elektrodenhaftung, Elektroden unter Zug des Kabels, Wackelkontakte der Stecker oder Kabel, Husten, Schluckauf, Extremitätenbewegung oder ein Kabelbruch können ebenfalls zu Schwankungen um die Nulllinie (isoelektrische Linie) in der EKG-Darstellung führen. Moderne EKG-Monitore haben Alarmfunktionen, die auf fehlerhafte Kontakte hinweisen (Abb. 7.4).

Normaler Sinusrhythmus

Kennzeichen eines normalen SinusrhythmusSinusrhythmus (Abb. 7.5) sind regelmäßig auftretende P-Wellen und schmale QRS-Komplexe, die zueinander in Beziehung stehen und immer im gleichen Abstand aufeinander folgen. Die normale Herzfrequenz liegt zwischen 60 und 100 Impulsen pro Minute. Der Sinusknoten ist als primäres Erregungsbildungszentrum tätig und die Erregungsausbreitung läuft regelrecht ab.

Herzrhythmusstörungen

Nicht alle HerzrhythmusstörungenHerzrhythmusstörungen (HRST) sind für den Patienten unmittelbar lebensbedrohlich. Einige jedoch sind eindeutig lebensgefährlich und bedürfen unverzüglich einer Therapie, andere werden von den Patienten individuell unterschiedlich toleriert. Tab. 7.1 gibt einen Überblick über die wichtigsten Herzrhythmusstörungen.
Für die Therapie von Herzrhythmusstörungen im Rettungsdienst kommen grundsätzlich zwei Vorgehensweisen in Betracht:
  • Elektrotherapie (8.2.4) mittels Defibrillation, Kardioversion oder transthorakaler Herzschrittmacher

  • Medikamentöse Therapie mit KatecholamineKatecholaminen oder AntiarrhythmikaAntiarrhythmika (11.2)

Die DefibrillationDefibrillation (8.2.4) mittels halbautomatischer Defibrillatoren ist eine lebensrettende Maßnahme und darf auch von nichtärztlichem Rettungsfachpersonal durchgeführt werden.

Supraventrikuläre Herzrhythmusstörungen

Supraventrikuläre HerzrhythmusstörungenHerzrhythmusstörungensupraventrikuläre haben ihren Ursprung im Vorhofmyokard, manchmal im Sinusknoten selbst. Merkmale einer supraventrikulären Rhythmusstörung sind in der Regel sichtbare P-Wellen und schmale Kammerkomplexe.
Sinusbradykardie
Eine SinusbradykardieSinusbradykardie ist definiert als BradykardieSinus-Sinusrhythmus mit einer Herzfrequenz unter 50 Impulsen/min beim Erwachsenen. Bei Sportlern, im Schlaf oder bei chronisch erhöhtem Vagotonus tritt sie in der Regel ohne Beschwerden auf. Eine Therapie ist selten nötig, da sich das Herz ausreichend mit Blut füllt.
Sinustachykardie (supraventrikuläre Tachykardie)
Die SinustachykardieSinustachykardie ist bei Erwachsenen durch eine Herzfrequenz von mehr als 100 Impulsen/min gekennzeichnet, wobei die elektrische Erregung auf normale Weise im Sinusknoten entsteht (P-Welle vorhanden). Ursächlich kommen Angst, Stress, Aufregung, Anstrengung, Schmerzen, Fieber oder ein erhöhter Sympathikotonus infrage. Häufig äußern die Betroffenen ein unangenehmes Gefühl, das von ihnen als „Herzrasen“ oder „Herzjagen“ beschrieben wird.
Pulslose elektrische Aktivität (PEA)
Die pulslose elektrische Aktivität, pulslose elektrischeAktivität (PEA), auch elektromechanische Dissoziation, elektromechanischeDissoziation (EMD) genannt, liegt dann vor, wenn eine elektrische Aktivität besteht, die aber nicht von einer Myokardkontraktion beantwortet wird. Im EKG sind elektrische Herzaktionen sichtbar, denen jeglicher Rhythmus zugrunde liegen kann. So kann z. B. auch ein Sinusrhythmus mit einer PEA einhergehen. Das Herz wirft dabei nur noch sehr wenig oder gar kein Blut mehr aus, sodass kein effektiver Kreislauf besteht. Es liegt also eine Entkopplung (Dissoziation) von elektrischer und mechanischer Herzaktion vor.
Asystolie
Bei AsystolieAsystolie (Abb. 7.6) ist im EKG keine elektrische Herzaktion zu sehen. Vielmehr kommt es zum Auftreten einer oft leicht wellenförmigen, sogenannten „Nulllinie“. Gelegentlich sind auch Aktionen des Sinusknotens ohne ventrikuläre Antwort im EKG zu sehen. Gleichzeitig fehlen jedoch mechanische Herzaktionen.

Achtung

Bevor die Diagnose „Asystolie“ gestellt wird, sind unbedingt alle technischen Fehlermöglichkeiten auszuschließen, die eine fatale Fehleinschätzung zur Folge hätten.

Ventrikuläre Herzrhythmusstörungen

Ursache einer ventrikulären HerzrhythmusstörungHerzrhythmusstörungenventrikuläre ist meist eine schwere Erkrankung des Herzmuskels im Rahmen einer koronaren Herzkrankheit oder eines Herzinfarkts.
Der häufigste Mechanismus ventrikulärer Herzrhythmusstörungen ist der Reentry-Mechanismus. Voraussetzung sind geschädigte Herzmuskelzellen (Myokardnarbe oder Fibrose), die im Herzmuskel kreisende Impulsausbreitungen durch Zonen mit unterschiedlicher Leitgeschwindigkeit und unterschiedlicher Erholungszeit (Refraktärzeit) hervorrufen. Dieser Mechanismus tritt im strukturell gesunden Herzmuskel nicht auf.
Ein weiterer Mechanismus ventrikulärer Herzrhythmusstörungen sind eigenständige Erregungsbildungszentren (Automatiezentren) des Kammermyokards, die einen Sinusrhythmus stören können oder nach Ausfall eines höheren Stimulationszentrums eigenständig Impulse aussenden.
Kammertachykardie
Im EKG sind hochfrequente, verbreiterte und gleichmäßige Kammerkomplexe sichtbar, die gleiches Aussehen besitzen. P-Wellen finden sich nicht (Abb. 7.7). Die Frequenzen variieren stark und können zwischen 100 und 250 Impulsen pro Minute liegen. Nicht anhaltende KammertachykardieKammertachykardien (ventrikuläre TachykardieKammer-Tachykardie) sind selbstlimitierend und halten bis zu 30 Sekunden an.
Anhaltende Kammertachykardien hingegen dauern länger an und sind oft hämodynamisch relevant. Mechanisch gesehen kommt es zwar zu koordinierten Kontraktionen der Ventrikel, die Herzkammern schlagen jedoch mit einer so hohen Frequenz, dass deren Füllungsphase (Diastole) stark verkürzt wird.
Da in der Diastole nicht genügend Blut in die Herzkammer strömen kann, ist ein Blutkreislauf nicht aufrechtzuerhalten und es wird kein Puls mehr zu tasten sein. Diese Form heißt pulslose ventrikuläre Tachykardiepulslose ventrikuläreTachykardie (PVT). Hierbei handelt es sich funktionell um einen Herz-Kreislauf-HerzKreislauf-StillstandStillstand. Ursachen für eine Kammertachykardie zeigt Tab. 7.2.
Unbehandelt gehen Kammertachykardien oft in Kammerflimmern über.
Kammerflimmern
Bei KammerflimmernKammerflimmern sind im EKG ausschließlich hochfrequente und arrhythmische, mehr oder weniger hohe Wellen bzw. Zacken ohne abgrenzbare Kammerkomplexe zu sehen (Abb. 7.8). Dabei werden die Muskelfasern völlig unkoordiniert erregt und kontrahieren unabhängig voneinander. Es kommt zu schnellen, fibrillierenden Bewegungen der einzelnen Muskelfasern des Herzens, ohne dass eine gerichtete Blutbewegung erreicht und Blut in das Gefäßsystem ausgeworfen wird. Das Herz wird nicht perfundiert, da keine mechanische Herzarbeit stattfindet. Funktionell handelt es sich hierbei ebenfalls um einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Es muss sofort mit den Maßnahmen der kardiopulmonalen Reanimation (8.2) begonnen werden.

Wiederholungsfragen

  • 1.

    Definieren Sie den Begriff „EKG“. (7.1)

  • 2.

    Benennen Sie die Wellen und Zacken im EKG und setzen Sie diese zu den physiologischen Vorgängen in Beziehung. (7.1)

  • 3.

    Erläutern Sie die unterschiedlichen Ableitungsmöglichkeiten bei einem EKG. (7.2)

  • 4.

    Nennen Sie die Ableitungen des 3-Kanal-EKGs und beschreiben Sie die Lokalisation der Elektroden. (7.2.2)

  • 5.

    Welche Ableitungen werden beim 12-Kanal-EKG geklebt? Beschreiben Sie die Lokalisation der Elektroden. (7.2.3)

  • 6.

    Erläutern Sie Ihr Vorgehen bei der EKG-Diagnostik. (7.3)

  • 7.

    Nennen Sie Störungen in der EKG-Ableitung. (7.3.1)

  • 8.

    Was ist ein Sinusrhythmus? (7.4)

  • 9.

    Wie können Herzrhythmusstörungen voneinander unterschieden werden? (7.5)

  • 10.

    Nennen Sie die lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen. (7.5)

  • 11.

    Wie lautet der therapeutische Grundsatz bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen und welche Therapieoptionen kommen grundsätzlich infrage? (7.5)

  • 12.

    Definieren Sie eine Sinusbradykardie. Welche Ursachen kommen infrage? (7.5.1)

  • 13.

    Beschreiben Sie eine Sinustachykardie. Zählen Sie die Ursachen auf. (7.5.1)

  • 14.

    Was ist eine pulslose elektrische Aktivität? (7.5.1)

  • 15.

    Definieren Sie eine Asystolie. (7.5.1)

  • 16.

    Was ist Kammerflimmern und wie entsteht es? (7.5.2)

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen