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B978-3-437-48043-0.00030-3

10.1016/B978-3-437-48043-0.00030-3

978-3-437-48043-0

Frequenzbereich von Schall. Die für das menschliche Ohr hörbare Frequenz liegt zwischen 16 und 20.000 Hz.

[L143]

Wellenlängen, Frequenzen, Wirkungen und Anwendungen elektromagnetischer Wellen

[L231]

Einzelne Funkzellen

[L143]

Digitales Handfunkgerät der Firma Sepura

[V470]

Operativ taktische Adresse (OPTA; Endgeräteadresse – „Telefonnummer“)

[L143]

Direct Call im TMO-Betrieb

[L143] [W925]

Group Call im TMO-Betrieb

[L143][W925]

Group Call und Direct Call im DMO-Betrieb

[L143] [V470]

Zeitgleiche Nutzung des TMO- und des DMO-Verfahrens

[L143] [V470]

Direct Mode Repeater

[L143] [W925] [V470]

Fahrzeug wird als Verstärker (Repeater) eingesetzt

[L143] [W925] [V470]

Telemedizin: Das Rettungsteam am Einsatzort hält Kontakt mit einem Experten am Telefon und PC

[L231]

Zifferntafel (Aussprache)Zifferntafel

Tab. 30.1
Ziffer Aussprache
1 einss
2 zwoh
3 dreiii
4 fieärr
5 fünneff
6 sechss
7 siebähnn
8 achtt
9 noihn
0 null

Buchstabiertafel (Deutschland DIN 5009)Buchstabiertafel

Tab. 30.2
Buchstabe Deutschland Schweiz Österreich International
A Anton Anna Anton Alfa
Ä Ärger Äsch (Aesch) Ärger Alfa-Echo
B Berta Berta Berta Bravo
C Cäsar Cäsar Cäsar Charlie
Ch Charlotte Christine (nicht gebräuchlich)
D Dora Daniel Dora Delta
E Emil Emil Emil Echo
F Friedrich Friedrich Friedrich Foxtrot
G Gustav Gustav Gustav Golf
H Heinrich Heinrich Heinrich Hotel
I Ida Ida Ida India
J Julius Jakob Julius Juliett
K Kaufmann Kaiser Konrad Kilo
L Ludwig Leopold Ludwig Lima
M Martha Marie Martha Mike
N Nordpol Niklaus Nordpol November
O Otto Otto Otto Oscar
Ö Ökonom Örlikon (Oerlikon) Österreich Oscar-Echo
P Paula Peter Paula Papa
Q Quelle Quasi Quelle Quebec
R Richard Rosa Richard Romeo
S Samuel (ungebräuchlich); Siegfried (nicht amtlich, aber allgemein üblich) Sophie Siegfried Sierra
Sch Schule Schule
ß Eszett scharfes S
T Theodor Theodor Theodor Tango
U Ulrich Ulrich Ulrich Uniform
Ü Übermut; Übel (nicht amtlich) Übermut Übel Uniform-Echo
V Viktor Viktor Viktor Victor
W Wilhelm Wilhelm Wilhelm Whiskey
X Xanthippe Xaver Xaver (früher: Xanthippe) X-Ray
Y Ypsilon Yverdon Ypsilon Yankee
Z Zacharias (aktuell DIN seit 2005) Zürich Zürich (früher: Zeppelin) Zulu

Organisationskennwörter (Funkrufnamen)Funkrufnamen

Tab. 30.3
Organisation Rufnamen (4-m-Band) 2-m-Band
Feuerwehr Florian Florentine
Johanniter-Unfallhilfe (JUH) Akkon Jonas
Deutsches Rotes Kreuz (DRK) Rotkreuz Äskulap
Malteser Hilfsdienst (MHD) Johannes Malta
Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Sama Samuel
Technisches Hilfswerk (THW) Heros Heros
Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) Pelikan Pelikan (Betriebsfunk Adler)
Rettungshubschrauber (RTH) Christoph ---
Katastrophenschutzeinheiten (KatS) Kater Katharina
Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) Triton Triton
Wasserwacht Wasserwacht Wasserwacht
Private Rettung Rettung
Falck Sophus Sophus

FunkrufkennungenFunkrufkennung eines Musterlandkreises

Tab. 30.4
Kennung Standort Rettungsmittelart Nummer
1/82–1 Rudolphstadt NEF 1
1/83–1 Rudolphstadt RTW 1
1/83–2 Rudolphstadt RTW 2
2/83–1 Strahlfeld RTW 1
2/85–1 Strahlfeld KTW 1
2/85–2 Strahlfeld KTW 2
2/85–3 Strahlfeld KTW 3

Vergleich des digitalen und des analogen Funks

Tab. 30.5
Analoger Funk Digitaler Funk
Notruftaste
  • Selbst ehemalige Taste 6 in den 4-m-Bereich war keine Notruftaste im eigentlichen Sinne

  • Handgeräte besaßen keine

  • Alle Geräte mit Notruftaste

  • Kartografische Ortung des Hilfesuchenden möglich, wenn Geräte zusätzlich über einen GPS-Sensor verfügen

Datenübertragung sehr eingeschränkt SDS ähnlich der SMS im Mobilfunkbereich
Kapazität für Einsatzbereich feste Frequenz – bei höherem Einsatzaufkommen Funkstau – drohende Überlastung
  • Duplexfrequenzen im TMO-Bereich

  • Allein für DMO-Verkehr 156 Frequenzen zur Verfügung

  • Frequenzen nur dann belegt, wenn sie reell genutzt werden

Einzelkommunikation offener Kanal für alle Nutzer mithörbar Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und direkter Anruf auf einzelne Geräte
Gruppenkommunikation zentrale Steuerung nicht möglich BOS-übergreifend und großräumig zuschaltbar
Abhörsicherheit nicht abhörsicher Verschlüsselungsebenen verschiedenster Art
Sprachqualität
  • Häufiges Rauschen

  • Umgebungslautstärke nicht regulierbar

  • Netzabhängigkeit in Übertragung

deutlich verbesserte Sprachqualität durch digitale Filterung von störendem Lärm
Telefonie nicht gegeben Möglichkeit, aus dem BOS-Funk in das öffentliche Telefonnetz zu kommunizieren
Netz verschiedene BOS mit verschiedenen Netzen mit unterschiedlichen Frequenzen und eigenen Funkkanälen mit begrenzter Reichweite einheitliches und flächendeckendes Netz für übergreifende Kommunikationsmöglichkeiten

Funk im Rettungsdienst

Tobias Gruber

  • 30.1

    Funkarten534

  • 30.2

    Analoges Funkmeldesystem534

  • 30.3

    TETRA535

    • 30.3.1

      Infrastruktur537

    • 30.3.2

      Sicherheit537

    • 30.3.3

      Endgerätenutzung537

    • 30.3.4

      Betriebsmodus DMO und TMO538

    • 30.3.5

      Relaisfunkstellen im analogen Funk540

  • 30.4

    Gesprächsabwicklung540

  • 30.5

    Alarmierung per Funk543

    • 30.5.1

      Analoge Alarmierung543

    • 30.5.2

      Digitale Alarmierung543

  • 30.6

    Vergleich von digitalem und analogem Funk543

  • 30.7

    Funk in der Telemedizin544

Der Funkim RettungsdienstRettungsdienst, die Polizei und die Feuerwehr müssen RettungsdienstFunkmobil und flexibel einsetzbar sein. Als Kommunikationsmittel kommen daher nur drahtlose Technologien infrage. Seit mehr als 45 Jahren finden Einsatzführung und Einsatzlenkung aus diesem Grund fast ausschließlich über das Medium „Funk“ statt. Unter dem Begriff „BOS-Funk“ versteht man den nichtöffentlichen BOS-FunkLandfunkdienst der polizeilichen und nichtpolizeilichen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben.

Funk besteht aus elektromagnetischen Wellen, wie sie aus Natur und Technik bereits bekannt sind, z. B. der öffentliche Rundfunk, der Mobilfunk oder das Licht (Abb. 30.1, Abb. 30.2). Räumlich gedachte hohe Wellen wäre z. B. das Licht aus einer Lampe. Auch das Sonnenlicht, das wir sehen können, erreicht unsere Erde in hohen Wellen. Niedrige Wellen sind Schallwellen wie das Sprechen, das wir hören können. Schallwellen sind allerdings keine elektromagnetischen Wellen. Der Bereich zwischen den Wellen, die wir sehen, und den Wellen, die wir hören können, ist – stark vereinfacht – der Funk. Weshalb der menschliche Organismus den Funk nicht wahrnimmt, ist schlichtweg das fehlende Organ dafür.

Funkarten

Im Rettungsdienst wird zwischen demFunkArten lange Zeit genutzen analogen Funk und dem digitalen Funk, der seit 2016 die analoge Technik ablöst, unterschieden. Es wird noch einige Zeit dauern, bis der analoge Funkverkehr gänzlich verschwunden ist.
Ein wesentlicher Unterschied in der Funktionsweise beider Funkarten ist, dass der analoge Funk mit gleichbleibenden Wellen arbeitet, ähnlich dem stetig gleich hellen Licht. Hingegen schickt der digitale Funk gepulste Wellen, vergleichbar mit einem Blitzlicht des Fotoapparates oder dem Pulsieren des Herzrhythmus.
Weitere Funkwellen begegnen uns in unserem Alltag z. B. beim klassischen Mobilfunk (Handy), bei Schnurlostelefonen, beim Babyfon, WLAN, Bluetooth, bei schnurlosen Kopfhörern oder Controllern von Spielgeräten, beim Radar (Flugzeuge), bei Satelliten, Fernsehtürmen oder dem Radio. Wir sind also einem wahren Strahlenmix im normalen Haushalt ausgesetzt.

Analoges Funkmeldesystem

Bedingt durch die stetig steigende Belegung der Funkkanäle aufgrund ständig wiederkehrender Routinemeldungen, wurde Anfang der 1980er-Jahre für die BOS-Dienste das Funkmeldesystem (FMS) entwickelt. Ziel war es, Funkmeldesystem, analogesStandardmeldungen wie z. B. „Am Einsatzort eingetroffen“ oder „Einsatzbereit über Funk“ in einer übertragungstechnisch komprimierteren und damit schnelleren Form zu übertragen. Gleichzeitig sollten aber auch Informationen zur BOS-Zugehörigkeit der Funkstelle (DRK, Feuerwehr usw.), der Funkverkehrskreis, Funkrufname und sonstige fahrzeug- oder besatzungsrelevante Daten übertragen werden.
Mittels eines digitalen Kurztelegramms wird nun eine achtstellige Ziffernkombination an das FMS-Gerät der Leitstelle übermittelt. Diese Ziffern enthalten alle Routineinformationen, die zur Identifizierung einer Funkstelle (Fahrzeug) nötig sind (Kennung). Gleichzeitig kann hier auch eine Standardmeldung in Form einer Zahl abgegeben werden. FMS-Datentelegramme werden durch Drücken der entsprechenden Zifferntaste am FMS-Fahrzeuggerät (Hörer oder Einbaugerät) abgeschickt. Die Übermittlung eines solchen Kurztelegramms dauert zwischen 80 und 160 ms.

Merke

Statusziffern und ihre Bedeutung

0: Notruf (Taste gedrückt halten, bis kurzer Signalton ertönt – Gerät schaltet auf Sendung) FunkStatusziffern
1: Einsatzbereit über Funk
2: Einsatzbereit an Wache
3: Auftrag übernommen, unterwegs zum Einsatzort
4: Am Einsatzort eingetroffen
5: Sprechwunschanmeldung
6: Nicht einsatzbereit, außer Dienst
7: Abfahrt vom Einsatzort zum Zielort (mit Patient)
8: Am Zielort (z. B. Krankenhaus)
9: Frei durch Leitstelle belegbar, z. B. Handquittung/Anmeldung
Ist eine Statusmeldung abgegeben, erscheint die jeweilige Ziffer im Display des Fahrzeuggeräts. Im Rahmen der Baustufe II des Funkmeldesystems ist auch die Leitstelle in der Lage, dem Fahrzeug definierte Nachrichten zu übermitteln, z. B. „Wache anfahren“ oder „Lagemeldung geben“. Diese Fernanweisungen werden mittels Buchstaben an die betreffenden Fahrzeuge weitergegeben. Der Buchstabe erscheint im Display des FMS-Fahrzeuggeräts.

Merke

Fernanweisungen

C: Einsatzannahme melden FunkFernanweisungen
H: Standort anfahren
E: Einrücken
J: Sprechaufforderung
F: Über Telefon melden
L: Lagemeldung
Ergänzt wird das Funkmeldesystem durch die Weiterentwicklung zur Übertragung von Kurztexten aus dem EDV-Leitstellensystem an das Rettungsmittel. Diese Kurztexte können die Einsatzstelle, den Anfahrtsweg oder besondere Gefahrenhinweise beinhalten. Umgekehrt ist auch die Übermittlung von Daten an die Leitstelle möglich. Ebenso können Datensätze an die Rettungswache übertragen werden, z. B. zur Abrechnung der rettungsdienstlichen Leistungen.

TETRA

Das Netz, FunkTETRAmit dem alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) heute und zukünftig arbeiten sollen, ist das digitale Funknetz TETRA. TETRATETRA steht für „Terrestrial Trunked Radio“, zu Deutsch sinngemäß „erdgebundener Bündelfunk“.
Das Gegenteil von Bündelfunk wäre der einfache Betriebsfunk, der in Deutschland auch „nichtöffentlicher mobiler Landfunk“ (nÖmL) genannt wird. Nutzer eines nÖmL sind z. B. Taxiunternehmen, die eine eigene, fest zugeteilte Funkfrequenz nutzen, oder Kurierdienste.
Der Bündelfunk (TETRA) dagegen funktioniert wie ein Handynetz. Funkfrequenzen werden geteilt. Wenn ein Gesprächswunsch besteht, wird erst dann eine beliebige Frequenz von einem Server zugeteilt – und dann auch nur für die Zeit, in der real gesprochen wird. Nach der Nutzung wird die Frequenz wieder einem Pool mit vielen anderen Frequenzen zugefügt und steht erneut zur freien TETRANetzstrukturVerfügung. Die TETRA-Netzstruktur ähnelt der Infrastruktur des Handynetzes und wurde zur gleichen Zeit wie das Handynetz in den 1990er-Jahren entwickelt. Daher erklärt sich die ähnliche Funktionsweise. Während des Rufaufbaus wählt sich das sendende Gerät in eine Verbindung ein und nach dem Auflegen kann jeder x-beliebige Nutzer diese Frequenz erneut nutzen. Die Netzinfrastruktur besteht aus sogenannten Funkzellen und Vermittlungszellen, die wie Bienenwaben in einem Bienenstock über das ganze Land verteilt sind (Abb. 30.3). Jede Zelle besitzt eine Basisstation (Funkmast). Je nach Topografie (Berge und Täler) und Gebäudestruktur kann der Radius der Reichweite einer Zelle 5–30 km betragen.
Für die Umsetzung der Struktur sind die Länder verantwortlich. Die aufsichtsführende Behörde des Bundeslandes Bayern z. B. setzte das Ziel, dass in jedem Keller eines Familienhaushalts ein digitales Handfunkgerät betrieben werden soll. Hamburger Rettungskräfte kommunizieren bereits seit 2015 uneingeschränkt digital im gesamten U-Bahn-Netz der Stadt.
Jedes der Endgeräte wird mit einer eigenen Code-Nummer (Handynummer) versehen, durch die es identifiziert und angefunkt („angerufen“) wird. Dies ist ein entscheidender Vorteil von TETRA, da nicht wie im Analogfunk ganze Einheiten von Rettungskräften auf einer einzigen Frequenz kommunizieren. Im analogen Funkverkehr konnte jedes Gespräch von fremden Mithörern mitverfolgt werden. Teilweise entstanden Gesprächsstaus, wenn der Bedarf an Kommunikation mit steigendem Einsatzaufkommen wuchs.
Mit dem jetzt verfügbaren digitalen Netz ist es theoretisch möglich, dass ein Rettungsfahrzeug aus Stuttgart mittels TETRA-Funk ein anderes BOS-Fahrzeug aus Flensburg anfunken kann. Dies ist ein Indiz der Souveränität und Stabilität des digitalen Funks. Im Analogfunk war es bisher so, dass eine Frequenz nur ein bestimmtes Gebiet abdeckte. Mit TETRA gibt es ein Netz für alle.
Eine Datenübertragung ähnlich dem bekannten SMS (Short Message Service) am Handy gibt es im digitalen Funksystem natürlich auch – den SDS (Short Data Service). Einzelne Einsatzgruppen können einsatzstrategische Informationen empfangen und versenden, ohne die direkte verbale Kommunikation aufzunehmen. Der zu Informierende kann im Verlauf beliebig oft diese Information abrufen. Zum Beispiel informiert die Einsatzzentrale via SDS Rettungsmittel über die Sperrung einer Notaufnahme im Einsatzgebiet. Nun ist klar, dass ein Alternativkrankenhaus gefunden werden muss.

Infrastruktur

Damit der TETRAInfrastrukturBehördenfunk flächendeckend funktioniert, bedarf es einiger baulicher Maßnahmen. Die Kosten teilen sich Bund und Länder. In Zahlen:
  • 4 500 Basisstationen/Sendestationen an 4 300 Standorten sind für ganz Deutschland geplant

  • August 2015: bereits 97 % der Fläche der BRD ist funkversorgt → 4 338 Basisstationen sind in Betrieb

  • 500 000 Teilnehmer (Polizei, Zoll, THW, Feuerwehr, BKA, Bundespolizei, Rettungsdienst und Katastrophenschutz)

Die Sendestationen senden permanent 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr, auch wenn keine Kommunikation stattfindet. Dies ist notwendig, damit eine Funkzelle aktiv wahrnimmt, ob ein Gerät eingeschaltet wird. Dann nämlich registriert das Netz den Nutzer.

Sicherheit

DatenschutzTETRADatenschutz spielt an allen Schnittstellen unseres Lebens eine übergeordnete Rolle. Ständig müssen Rettungskräfte darüber nachdenken, welche Informationen sie an wen weitergeben und welche Person was gefragt wird. Im Funk ist es ebenfalls sehr wichtig, dass sensible Daten nicht in fremde Hände geraten. Daher gibt es eine Reihe von Sicherheitsschleusen, die das digitale Funken sicherer machen als das analoge Modell:
  • Abhörsicherheit: Im Standard-TETRA-Netz wurde eine Funkschnittstellenverschlüsselung installiert. Dazu werden abzugebende gebündelte Datenpakete nach einem komplizierten Algorithmus verschlüsselt, den der empfangende Gesprächspartner wieder decodiert. Diese Methode nennt sich Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Bedacht werden muss jedoch, dass eine 100-prozentige Abhörsicherheit nicht gewährleistet werden kann.

  • Endgeräte sind nur mit einer SIM-Karten-ähnlichen Sicherheitskarte bedienbar, welche die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben gesondert auf Antrag und nach sorgfältiger Prüfung ausgibt.

Endgerätenutzung

Verbreitet sind digitale FunkgeräteTETRAFunkgeräte des Anbieters Sepura (Abb. 30.4). Jedes Endgerät verfügt über eine eigene Endgeräte-Adresse (die Telefonnummer), die als operativ taktische Adresse (OPTA) bezeichnet wird. Diese besteht aus 24 Zeichen und ist auf der Gerätekarte gespeichert (Abb. 30.5).

Betriebsmodus DMO und TMO

Im analogen Funksystem gab es zwei Betriebsverfahren, das 4-m-Band und das 2-m-Band. Tatsächlich bezeichnete der metrische Bereich die Größe der Funkamplitude. Auch im digitalen Funksystem wird zwischen zwei Hauptmodi unterschieden, dem TMO-Betrieb und dem DMO-Betrieb.
TMO (Trunked Mode Operation) stellt eine Verbindung zwischen zwei oder mehreren Teilnehmern TETRATMO-Betriebüber eine Basisstation her und ist der Standard des Bündelfunks. Dabei wird weiter unterschieden zwischen dem „Direct Call“ (Abb. 30.6), der vergleichbar mit der Telefonie eines Handys zu einem Handy ist, und dem „Group Call“ (Abb. 30.7). Dieser ist im Einsatzdienst der geläufigste. Eine Gruppe von Einsatzkräften kann einem einzelnen Einsatz, in dem sie kommunizieren muss, organisationsübergreifend direkt zugeordnet werden. Endgeräte können einer statischen und einer dynamischen Rufgruppe zugeordnet werden, vergleichbar mit einer Telefonkonferenz im Mobilfunknetz.
DMO (Direct Mode Operation): TETRADMO-BetriebNeben der bekannten Kommunikation über die Sendemasten ist mit digitalen Funkgeräten auch der direkte Kontakt zu Einsatzkräften möglich. Im analogen Bereich nannte sich diese Art der Funkkommunikation „2-m-Band“. Im DMO kann wie mit einem Walkie-Talkie von Gerät zu Gerät gesprochen werden, ohne die Netzinfrastruktur über Basisstationen und Sendemasten zu nutzen, z. B. in Gegenden, in denen das Netz schwach ist oder gar nicht gebraucht wird. Auch hier wird in den „Direct Call“ und den „Group Call“ unterschieden, wie bereits oben beschrieben (Abb. 30.8).
Es gibt einzelne Funkgeräte, mit denen gleichzeitig über TMO der Kontakt mit der Leitstelle aufrechterhalten und über DMO mit lokalen Einsatzkräften kommuniziert werden kann (Abb. 30.9). Um mit einem Kommunikationspartner außerhalb der Reichweite in Kontakt zu treten, wird ein weiteres Funkgerät als „Direct Mode Repeater“ eingesetzt (Abb. 30.10). Es ist überdies möglich, aus dem DMO-Betrieb über einen Verstärker (Repeater) mit einem TMO-Betrieb Kontakt aufzunehmen (Abb. 30.11). Über die Einsatzzentrale kann sogar eine Verbindung in ein Telefonnetz aufgebaut werden. Nähere Informationen finden sich unter www.digitaler-bos-funk.de/tetra/tetra.htm.

Relaisfunkstellen im analogen Funk

Analoge Funkgeräte besitzen eine begrenzte Reichweite, die durch die Sendeleistung, topografische Besonderheiten (Berge, Täler, Häuserschluchten) oder große Versorgungsflächen bedingt ist. Um die Reichweite zu vergrößern, werden Relaisfunkstellen auf erhöhten Punkten im Versorgungsbereich installiert. Ihr Einsatz ermöglicht die gleichmäßige Funkversorgung eines bestimmten Gebietes. Bei diesen Relaisstellen handelt es sich um gegensprechfähige Funkgeräte mit Relaisstellenzusätzen. Diese verbinden zur Nachrichtenübermittlung die Sender und Empfänger der Funkgeräte miteinander. Eine ankommende Nachricht wird vom Empfänger der Relaisfunkstelle aufgenommen, direkt auf ihren Sender weitergeleitet und abgestrahlt. Durch die höhere Position der Relaisfunkstelle wird die Reichweite des einzelnen Teilnehmers (Funkgeräts) erhöht und die Verständigung in einem Versorgungsgebiet sichergestellt.

Gesprächsabwicklung

Das Funkgespräch ist ein definierter, FunkGesprächsabwicklungunmittelbarer Informationsaustausch. Alle Regelungen zum Funksprechverkehr stehen in der FeuerwehrFunkRegelndienstvorschrift DV 810.3. Diese regelt, dass jeder Teilnehmer am Sprechfunkverkehr entsprechend unterwiesen werden muss und gemäß den rechtlichen Bestimmungen auf seine Verschwiegenheitspflicht hingewiesen wird. Die Unterweisung wird dokumentiert und nachweisbar archiviert.
Der Sprechfunkverkehr ist so lang wie nötig und Sprechfunk, Regelnso aussagekräftig wie möglich durchzuführen. Kurze präzise Informationen, die für den Teilnehmer zwingend notwendig sind, müssen deutlich, aber nicht zu schnell gesprochen werden, um unnötige Rückfragen zu vermeiden. Übermäßig lautes Sprechen kann die Sprechqualität beeinflussen, deshalb sollte mit normal lauter Stimme gesprochen werden. Abkürzungen sollten ebenfalls vermieden werden, da diese unter Umständen zu Missverständnissen führen könnten. Zahlen sind unverwechselbar auszusprechen, d. h., die Ziffern null bis neun werden deutlich betont (Tab. 30.1).
Teilnehmer sind förmlich mit „Sie“ anzureden. Personennamen oder Amtsbezeichnungen usw. sind nur in begründeten Ausnahmefällen zu nennen. Schwer verständliche Wörter und Eigennamen (Medikamente, Chemikalien o. Ä.) sollten bei Bedarf buchstabiert werden (Tab. 30.2). Im Funkverkehr ist jede Frage mit dem Wort „Frage“ und jede Wiederholung mit den Worten „Ich wiederhole“ anzukündigen.
Das Funkgespräch beinhaltet feste Gesprächsbestandteile, die im Wortlaut immer gleich sind und im Rahmen der DV 810.3 genau definiert wurden. Anruf (das Ansprechen) und Anrufantwort (die Reaktion) gehören zur Gesprächseröffnung. Durch den Anruf wird ein Funkgespräch eröffnet. Im früheren und z. T. heute noch angewandten analogen Funk wurden den einzelnen Institutionen Funkrufnamen (Organisationskennwörter) zugeordnet, die im digitalen Funk aufgrund der oben beschriebenen operativ taktischen Adresse zwar entfallen könnten, jedoch weiter genutzt werden (Tab. 30.3).
Die Gesprächseröffnung findet wie folgt statt: Der Anruf trägt die Zieladresse der Gegenseite, z. B. den Rufnamen, dann das Wort „von …“; es folgt der eigene Rufname und die Aufforderung zur Antwort „kommen“.

Beispiel

Zieladresse bzw. Rufname | von | eigener Rufname | Aufforderung zur Antwort

„Leitstelle Kamshorn | von | Akkon Elbsdorf 1/83–1 | kommen.“

Hierauf folgt in der Regel die Anrufantwort. Inhaltlich enthält die Antwort das Wort „Hier …“, den eigenen Rufnamen und die Aufforderung zur Antwort „kommen“.

Beispiel

Hier | eigener Rufname | Aufforderung zur Antwort

„Hier | Leitstelle Kamshorn | kommen.“

Jetzt ist die Gesprächseröffnung beendet. Nun kann die Übermittlung der Nachricht beginnen. Hier folgen z. B. Einsatzinformationen, Lagemeldungen, Nachforderungen und Auftragsübernahme.

Beispiel

„Rückmeldung von Northeimer Landstraße, VU, drei Personen eingeklemmt, Feuerwehr und weitere Rettungsmittel erforderlich – kommen.“

Wichtig ist, dass jede übermittelte Nachricht mit dem Wort „kommen“ abgeschlossen wird. Alle Informationen müssen unmissverständlich formuliert werden. Negierungen wie „Wir brauchen keine Drehleiter“ sind möglichst zu vermeiden, da auch verstanden werden könnte: „Wir brauchen eine Drehleiter.“ Unwichtige Informationen sollten weggelassen werden. Nach Beendigung des Informationsaustausches wird das Funkgespräch mit dem Wort „Ende“ unmissverständlich beendet.

Beispiel

„Hier Leitstelle Kamshorn, verstanden, Ende.“

In Deutschland fordert die Aufsichtsbehörde für den Funk der BOS für jede Funkstelle eine eindeutige und unverwechselbare Funkrufkennung, die von den meisten Bundesländern übernommen wurde. Die Funkrufkennung besteht aus drei Teilkennzahlen. Im Rettungsdienst bezeichnet die erste Teilkennzahl den Standort der jeweiligen Funkstelle (Fahrzeug), die zweite die Art des Fahrzeuges und die dritte Teilkennzahl gibt die laufende Nummer der Fahrzeuge gleicher Bauart an einer Wache (an einem Standort) an.

Merke

Fahrzeugkennungen

FahrzeugKennungen
FahrzeugKürzelZahl
NotarztwagenNAW81
NotarzteinsatzfahrzeugNEF82
RettungswagenRTW83
RettungshubschrauberRTH84
KrankentransportwagenKTW85
In Tab. 30.4 sind beispielhaft die Fahrzeuge in einem gedachten Landkreis aufgeführt. Die Benutzung der zugelassenen Funkrufnamen hat neben der Eindeutigkeit des Fahrzeuges auch eine taktische Bedeutung für den Einsatzleiter vor Ort.

Alarmierung per Funk

Analoge Alarmierung

Die Alarmierung der Einsatzkräfte im AlarmierunganalogeRettungsdienst erfolgt überwiegend mittels Funkmeldeempfänger (FME). Den Funkmeldeempfängern werden fünfstellige Kennziffern zugewiesen. Verschiedene Funkmeldeempfänger können mit gleichen Kennziffern versehen und einer Alarmierungsschleife zugeordnet werden. Zur Alarmierung gibt der Leitstellenmitarbeiter eine Ziffer in einen Alarmgeber ein oder steuert den Alarmgeber mittels EDV-System an.
Sobald der Alarmgeber aktiviert wird, sendet er die fünfstellige Rufnummer in Form von Tönen (verschiedene Frequenzen) aus (Fünf-Ton-Folge). Nach der Alarmierung prüft ein Tonfolgeauswerter im Funkmeldeempfänger die gesendete Tonfolge. Ist diese mit der hinterlegten fünfstelligen Rufnummer identisch, wird der Lautsprecher des Geräts aktiviert. Der von der Leitstelle ausgestrahlte Weckruf sowie die anschließende Sprachdurchsage werden übertragen. Die beschriebene Form der analogen Alarmierung erfolgt im 4-m-Band.

Digitale Alarmierung

Zwischenzeitlich wurde die digitale Alarmierung entwickeltAlarmierungdigitale. Diese Alarmierungsform benötigt jedoch eine eigene technologische Infrastruktur, bestehend aus einem digitalen Alarmgeber (DAG), mehreren digitalen Alarmumsetzern (DAU) und den digitalen Meldeempfängern als Alarmierungsgeräte. Die digitale Alarmierung hat bereits zum größten Teil die analoge Variante abgelöst, da sie wesentlich übertragungssicherer ist, die Sprechfunkkanäle im 4-m-Band nicht belastet und weitreichendere Funktionalitäten bietet. Neben dem Signalton können im digitalen Bereich auch Textinformationen auf das Display des Meldeempfängers übertragen werden. So ist eine umfassende und sichere Information der Einsatzkräfte schon in der Alarmierungsphase möglich.

Vergleich von digitalem und analogem Funk

In Tab. 30.5 sind die Vor- und FunkVergleich analog/digitalNachteile des digitalen und des analogen Funks aufgeführt.

Funk in der Telemedizin

In einigen Teilen DeutschlandsTelemedizin wird der TelenotarztTelenotarzt (Abb. 30.12) erprobt. Darunter wird ein System verstanden, das ärztliches Handeln in Akutsituationen zulässt, in denen eventuell ein Arzt direkt vor Ort fehlt. Für diese Spezialaufgaben gewinnt der Funk an besonderer Bedeutung, denn über verschiedenste Mobilfunkanbieter wird mit dem Notarzt gesprochen, Live-Bilder und -Videos werden transportiert und Echtzeitparameter übermittelt. Sogar eine erste apparative Diagnostik wie ein 12-Kanal-EKG verlässt die Einsatzstelle und gelangt über den digitalen Funk zum Notarzt und in das Zielkrankenhaus. Die sogenannte peeqBOXpeeqBOX sendet große Datenmengen gebündelt und verpackt über die unterschiedlichsten Kanäle. Aktuell geschieht dies überwiegend über kommerzielle Mobilfunkanbieter.

Wiederholungsfragen

  • 1.

    Was ist Funk? (Kap. 30)

  • 2.

    Wo begegnen uns im Alltag sonst noch Funkwellen? (30.1)

  • 3.

    Was bedeutet die Abkürzung „TMO“ und welche Funktion wird ausgeübt? (30.2.4)

  • 4.

    Mit welcher Technik ist das TETRA-Netz vergleichbar und weshalb? (30.3)

  • 5.

    Was macht das digitale System sicher? (30.3.2)

  • 6.

    Nennen Sie die BOS-Kennwörter der am Rettungsdienst beteiligten Organisationen. (30.4)

  • 7.

    Wofür steht die Kennung „SAMA Drussel 12/85–23“? (30.4)

  • 8.

    Welche Vorteile bietet der digitale Sprech- und Datenfunk allgemein? (30.6)

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