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B978-3-437-48043-0.00021-2

10.1016/B978-3-437-48043-0.00021-2

978-3-437-48043-0

Salpingitis

[L138]

Typische Lokalisationen von Zervixkarzinom und Endometriumkarzinom

[L138]

Lagerung nach Fritsch

[L215]

Mögliche Lokalisationen einer Extrauteringravidität Extrauteringravidität

[L138]

Vorzeitige Plazentalösung

[L138]

Vena-cava-Kompressionssyndrom

[L231]

Lagerung bei Vena-cava-KompressionLagerungbei Vena-cava-Kompression

[L231]

Nabelschnurvorfall

[L138]

Sturzgeburt auf Toilette

[M235]

Dammschutz

[L190]

a–h Geburt

[K206]

Durchtrennung der Nabelschnur NabelschnurDurchtrennung

[L190]

Lagerung des Neugeborenen

[M235]

APGAR-Schema

[A400]

Tab. 21.1
Beurteilungskriterium Bewertung
0 Punkte 1 Punkt 2 Punkte
Atembewegungen keine (Apnoe) flach, unregelmäßig, Schnappatmung regelmäßige Atmung, kräftiges Schreien
Puls nicht wahrnehmbar < 100/min > 100/min
Grundtonus (Muskeltonus, Aktivität) schlaffer Tonus, keine Bewegungen geringer Tonus, wenig Bewegungen guter Tonus, aktive Bewegungen
Aussehen (Hautfarbe) blau (zyanotisch), weiß/blass Stamm rosa, Extremitäten blau vollständig rosa
Reflexerregbarkeit (Reaktion auf Hautreiz oder Absaugen) keine Reaktion Grimassieren, geringe Reaktion Schreien, Husten, Niesen, abwehrende Reaktion

Beurteilung anhand der Gesamtpunktzahl:

7–10: unauffällig; 4–6: mäßige Depression; < 4: schwere Depression, akute Gefährdung

Gynäkologische Notfälle und Geburtshilfe

Jürgen Luxem

  • 21.1

    Erkrankungen und Verletzungen im Genitalbereich404

    • 21.1.1

      Unterbauchschmerzen404

    • 21.1.2

      Vaginale Blutungen405

  • 21.2

    Komplikationen während der Schwangerschaft406

    • 21.2.1

      Frühschwangerschaft406

    • 21.2.2

      Fortgeschrittene Schwangerschaft407

    • 21.2.3

      Vorzeitiges Einsetzen der Geburt409

  • 21.3

    Notgeburt410

    • 21.3.1

      Assistenz bei der Notgeburt411

    • 21.3.2

      Versorgung des Neugeborenen412

Für das Rettungspersonal sind Einsätze im Bereich der gynäkologischen NotfallgynäkologischerNotfälle keine Routine. Sie gehören zu den zahlenmäßig kleinen Einsatzindikationen. Dies erfordert eine intensive theoretische Vorbereitung, um im Einsatz die Patientinnen adäquat versorgen zu können.

Erkrankungen und Verletzungen im Genitalbereich

Unterbauchschmerzen

Unterbauchschmerzen können durch verschiedene Krankheitsbilder hervorgerufen werden. Ist eine Schwangerschaft ausgeschlossen, sind häufig Entzündungen oder Tumoren die Auslöser.
Entzündung der Eileiter (Salpingitis)
EileiterEntzündungKrankheitsursache für eine SalpingitisSalpingitis (Abb. 21.1) ist eine aufsteigende Infektion der Eileiter durch Bakterien (z. B. Chlamydien) über den Muttermund. Ist durch die Infektion neben dem Eileiter auch der Eierstock (Ovar) betroffen, wird dies als Adnexitis bezeichnet.
Die Entzündung entsteht innerhalb einiger Tage und geht mit akut auftretenden, meist seitenbetonten Unterbauchschmerzen sowie mit Fieber und Übelkeit einher. In den meisten Fällen tritt die Entzündung zwar beidseitig auf, der Schmerz wird aber von den Patientinnen meist seitenbetont wahrgenommen. Bei einseitigen Schmerzen, insbesondere bei rechtsseitig auftretenden Schmerzen im Unterbauch, muss jedoch differenzialdiagnostisch auch an eine Blinddarmentzündung (AppendizitisAppendizitis) gedacht werden.
Durch die Infektion der Eileiter besteht die Gefahr, dass die Erreger weiter in die Bauchhöhle vordringen und dort zu einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung (PeritonitisPeritonitis) führen.
Stieldrehungen
StieldrehungEine plötzliche Schmerzsymptomatik im Unterbauch kann auch eine mechanische Ursache haben. Schnelle Drehbewegungen, wie sie beim Tanzen vorkommen, können durch das Drehmoment zu Verdrehungen von gestielten Tumoren, eines Eierstocks (Ovar) oder einer Zyste im Bereich der Eierstöcke (Ovarialzyste) führen. Bedingt durch die Verdrehung, folgt die Einengung bzw. der komplette Verschluss der venösen Gefäße, während der arterielle Zufluss erhalten bleibt. Folge sind ein Blutstau und eine Gewebehypoxie durch Minderperfusion im betroffenen Organ, die zur Nekrose führen kann. Leitsymptom ist der akut einsetzende Zerreißungsschmerz im Unterbauch.
Basismaßnahmen
Die Basismaßnahmen erfolgen symptombezogen und konzentrieren sich auf die Sicherung der Vitalparameter. Sie umfassen neben der für die Patientin bequemen Lagerung, ggf. mit erhöhtem Oberkörper und der Unterlage einer Knierolle zur Entlastung der eventuell vorhandenen Bauchdeckenspannung, die Gabe von Sauerstoff und Durchführung eines engmaschigen Monitorings (RR, EKG und SpO2). Die erweiterten Maßnahmen bestehen aus einer adäquaten Schmerzbekämpfung (Analgesie) durch den Notarzt.

Vaginale Blutungen

Die vaginalen BlutungvaginaleBlutungen sind als Symptom unterschiedlicher Krankheitsbilder aufzufassen. Dazu gehören mehrtägige Blutungen außerhalb der Regel, eine verlängerte Menstruation und plötzlich auftretende Blutungen nach den Wechseljahren. Eine Klärung der Blutungsursache ist außerhalb der Klinik meist nicht möglich.
Gelegentlich sind vaginale Blutungen aber auch ein Symptom lebensgefährlicher Tumorerkrankungen oder Komplikationen in der Schwangerschaft (21.2), die zu nicht sichtbaren, gefährlichen Blutungen nach innen führen, sich nach außen (aus der Scheide) aber lediglich als Schmierblutungen darstellen.
Hypermenorrhoe
Die HypermenorrhoeHypermenorrhoe zählt zu den Menstruationsstörungen und bezeichnet eine übermäßig starke, meist mit starken Schmerzen (DysmenorrhoeDysmenorrhoe) einhergehende Regelblutung. Dies kann in einigen Fällen zu einer Anämie und zu Kollapsneigung der Patientinnen führen und sollte durch einen Gynäkologen abgeklärt werden.
Tumorerkrankungen im Unterbauch
Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium können Tumoren jederzeit zu unterschiedlich starken Blutungen führen. In den meisten Fällen ist der Patientin die Tumorerkrankung bereits bekannt. Unterschieden werden gutartige (z. B. Schleimhautpolypen, MyomeMyome) und bösartige Tumoren (z. B. ZervixKarzinomZervixkarzinom, EndometriumKarzinomEndometriumkarzinom, Abb. 21.2).
Die Myomblutungen sind äußerst selten und bedingen nur minimale Blutverluste. Das Gebärmutterhalskarzinom (Zervixkarzinom) dagegen zerstört das Gewebe des Gebärmutterhalses und dringt anschließend in das benachbarte Gewebe, das Parametrium, ein. In diesem Gewebe verlaufen größere arterielle und venöse Gefäße. Durch den Zerfall des fortschreitenden Tumors werden diese Gefäße eröffnet, was zu stärksten Blutungen führen kann.
Traumata
Verletzungen im Genitalbereich können durch stumpfe oder spitze Gewalteinwirkungen entstehen. Die meisten Verletzungen treten im Rahmen von Stürzen oder Verkehrsunfällen auf.
Verletzungen im Rahmen des Geschlechtsverkehr, VerletzungenGeschlechtsverkehrs, insbesondere Einrisse im Bereich der Schwellkörper, können bei jungen Mädchen durch die noch nicht ausgereiften Genitalorgane hervorgerufen werden.
PfählungsverletzungPfählungsverletzungen der äußeren oder inneren Genitalien sind besonders gefährliche Verletzungen, da sie neben der Verletzung des äußeren Genitales mit Einriss im Bereich der Scheide auch innere Organstrukturen, z. B. Uterus, Harnblase und Darm, betreffen können.
Basismaßnahmen
Im Vordergrund steht in allen Fällen die Blutstillung bei größeren Verletzungen. Diese erfolgt durch Vorlage einer oder mehrerer steriler Kompressen. Anschließend werden die Beine der Patientin auf Höhe des Sprunggelenks überkreuzt (Fritsch-Fritsch-LagerungLagerung, Abb. 21.3). Eine Tamponade wird nicht durchgeführt, weil weitere Gewebestrukturen (z. B. Tumorgefäße) verletzt werden könnten, wodurch die Blutung verstärkt wird. Da die sich dem Rettungspersonal darstellende Blutung nicht unbedingt mit dem tatsächlichen Blutverlust einhergehen muss (z. B. Blutung nach innen), ist zur Beurteilung des Blutverlustes eine Überwachung der Vitalparameter mittels eines kontinuierlichen Monitorings (RR, HF und SpO2) erforderlich, um frühzeitig Schockzeichen zu erkennen.
Die erweiterten Maßnahmen richten sich nach den Kreislaufwerten. Sind Schocksymptome erkennbar (9.1), wird die Patientin in eine Kombination aus Schocklage und der Fritsch-Lagerung (Abb. 21.3) gelagert und es erfolgt umgehend der Notarztruf. Der Notarzt legt sofort mindestens zwei periphervenöse Zugänge zur Durchführung einer adäquaten Schocktherapie (9.2.3). Anschließend erfolgt ein zügiger Transport in die nächstgelegene gynäkologische Klinik.

Komplikationen während der Schwangerschaft

Frühschwangerschaft

Schmerzen und Blutungen
Unterbauchschmerzen im ersten Drittel der SchwangerschaftKomplikationenSchwangerschaft sind verhältnismäßig häufig und, wenn sie nicht mit einem Trauma oder einer Blutung einhergehen, meist auch relativ harmlos. Ursächlich für die Schmerzen ist häufig der Dehnungsschmerz durch Zug an den Mutterbändern, der in die Leistenregion ausstrahlt. Die oben beschriebenen Eileiterentzündungen oder Stieldrehungen treten in der Frühschwangerschaft praktisch nicht auf.

Achtung

Differenzialdiagnostisch müssen eine Eileiterschwangerschaft oder eine Blinddarmentzündung ausgeschlossen werden. Daher gilt bei allen Schmerzzuständen und Blutungen im Rahmen einer Schwangerschaft, dass die Frau einem Gynäkologen vorgestellt werden muss.

Eileiterschwangerschaft (Extrauteringravidität, EUG)
Die befruchtete Eizelle EileiterSchwangerschaftnistet sich SchwangerschaftEileiter-normalerweise in der Gebärmutterhöhle ein (intrauterin). Wird ihr Transport auf dem Weg vom Ovar zum Uterus behindert (z. B. durch stattgehabte Eileiterentzündungen), so wird sie sich am Ort der Behinderung einnisten (Abb. 21.4). Ein in der Tube eingenistetes Ei zerreißt durch die wachsende Frucht den Eileiter. Dieses geschieht um die 7. SSW, d. h. vier bis fünf Wochen nach Ausbleiben der letzten Regelblutung. Häufig entsteht eine anhaltende Sickerblutung in die Bauchhöhle, die nicht spontan sistiert, sodass Blutverluste von mehreren Litern drohen.
Fehlgeburt (Abort)
Als FehlgeburtFehlgeburt wird die ungewollte Schwangerschaftsbeendigung bis zur 28. Schwangerschaftswoche (SSW) bezeichnet. Bis zur 16. SSW spricht man von einem Frühabort und danach von einem Spätabort. Zur Fehlgeburt kommt es meist durch Fehlbildungen der Gebärmutter oder Fehlentwicklungen des Fetus. Vermuten lässt sich ein AbortAbort, wenn in der Frühphase der Schwangerschaft plötzlich Blutungen mit Abgang von Blutklumpen oder leberartigem Gewebe auftreten.
Basismaßnahmen
Bei den genannten Notfällen werden die Patientinnen schonend transportiert und bei offensichtlichen Blutungen sofort immobilisiert. Neben dem obligaten Monitoring von Blutdruck, EKG und SpO2 wird auf Änderungen des Bewusstseins geachtet. Für die adäquate Schockprophylaxe und Analgesie ist es notwendig, den Notarzt nachzufordern.

Fortgeschrittene Schwangerschaft

Die Trennung zwischen der Früh- (1. Drittel) und der fortgeschrittenen Schwangerschaft (2.–3. Drittel) erfolgt, da sich die Häufigkeit und die Art der Erkrankung stark verändern. So sind Fehlgeburten in der fortgeschrittenen Schwangerschaft nur noch selten und eine Eileiterschwangerschaft nicht mehr relevant. In der Spätschwangerschaft treten Blutdruckerhöhung, Kreislaufprobleme, vorzeitige Wehen oder auch Minderleistungen des Mutterkuchens (Plazenta) in den Vordergrund.
Plazentainsuffizienz
Die PlazentaInsuffizienzPlazenta entsteht im Bereich der Gebärmutterschleimhaut an der Stelle, an der sich die befruchtete Eizelle eingenistet hat. Dieses geschieht in den meisten Fällen an der Vorder- oder Hinterwand der Gebärmutter. Die Aufgabe der Plazenta ist die Versorgung des Fetus mit Nährstoffen über den mütterlichen Blutkreislauf. Je größer der Fetus wird, umso mehr Sauerstoff und Nährstoffe braucht er. Um die Erhöhung des Bedarfs zu decken, wächst die Plazenta mit der Gebärmutter und erhöht so die Austauschfläche zwischen dem fetalen und dem mütterlichen Kreislauf.
Reicht die Leistung der mütterlichen Plazenta nicht aus, den Nähr- und Sauerstoffbedarf des Fetus zu decken, spricht man von einer Plazentainsuffizienz. Sie führt zunächst zu einer Unterversorgung des Fetus. Im Rahmen der Plazentainsuffizienz kann es durch Sauerstoffmangel zu einem Absterben des Fetus im Mutterleib kommen.
Vorzeitige Plazentalösung
Eine für Mutter und Kind PlazentaLösung, vorzeitigebesonders gefährliche Situation stellt die vorzeitige Lösung der Plazenta von der Gebärmutterwand dar. Ursächlich dafür sind vorbestehende Erkrankungen der Mutter (z. B. Diabetes mellitus oder ein Bluthochdruck) oder eine stumpfe Gewalteinwirkung auf den Bauch (z. B. im Rahmen eines Verkehrsunfalls). Die vorzeitige Plazentalösung vermindert einerseits die Versorgungsfläche für den Fetus mit der Gefahr des Absterbens, andererseits erleidet die Mutter durch das retroplazentare HämatomretroplazentaresHämatom einen z. T. lebensbedrohlichen Blutverlust (Abb. 21.5). Beim Vorliegen einer vorzeitigen Plazentalösung ist allerhöchste Eile geboten. Die Patientinnen klagen in den meisten Fällen über einen heftigen Schmerz im Bereich der Ablösung. Vaginale Blutungen fallen eher gering aus oder werden gar nicht sichtbar. Die Schmerzen resultieren aus dem Einsetzen einer Dauerkontraktion des Uterus. Von außen lässt sich nur ein schmerzhaft angespannter Bauch tasten. Die Kindsbewegungen können im Verlauf abnehmen oder auch ganz ausbleiben. Es kommt zum Auftreten einer Schocksymptomatik als Ausdruck für den erheblichen intraabdominellen Blutverlust.
Placenta praevia
Der normale Placenta praeviaSitz der Plazenta an der Gebärmuttervorder- bzw. -hinterwand gewährleistet, dass es unter der Geburt zu keiner Funktionsstörung oder Behinderung kommt. Bei einer sehr tiefen Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutter versperrt die sich vergrößernde Plazenta den Geburtskanal. Unterschieden werden drei Grade, die sich nach der Beziehung der Plazenta zum inneren Muttermund richten:
  • Placenta praevia totalis – der innere Muttermund ist vollständig bedeckt (geburtsunmögliche Situation).

  • Placenta praevia partialis – der innere Muttermund ist teilbedeckt.

  • Placenta praevia marginalis – der untere Rand der Plazenta erreicht den inneren Muttermund.

Setzen die Eröffnungswehen ein, löst sich die Plazenta und es drohen schwere Blutungen. Besonders bedrohlich wirkt sich die Tatsache aus, dass sich die Blutung mit jeder Wehe verstärkt. Hinweise auf eine solche Placenta praevia ergeben sich aus dem Mutterpass und dem Anamnesegespräch mit der Mutter, die in der Regel von ihrem betreuenden Gynäkologen auf dieses Problem hingewiesen wurde. Zu sehen sind in den meisten Fällen plötzlich einsetzende, leichte oder sogar starke Blutungen im letzten Drittel der Schwangerschaft.
Basismaßnahmen
Im Rahmen der Krankheitsbilder mit einer Beteiligung der Plazenta können mehr oder weniger starke Blutungen nach innen oder außen auftreten. Die Basismaßnahmen umfassen eine modifizierte Schocklage in Kombination aus Kopftief- und Fritsch-Lagerung.
Die erweiterten Maßnahmen richten sich nach dem Ausmaß der Blutung. Generell erfolgen die Anlage eines möglichst großlumigen periphervenösen Zugangs und die Gabe einer balancierten Vollelektrolytlösung, die zügig laufen sollte. Bei Anzeichen einer Schocksymptomatik werden zwei großlumige periphervenöse Zugänge und die Durchführung einer adäquaten Volumentherapie erforderlich. Um die kindliche Versorgung aufrechtzuerhalten, ist ein mütterlicher Blutdruck von mindestens 120 mmHgsyst anzustreben. Da eine definitive Therapie nur in der geburtshilflichen Klinik (operative Blutstillung, Sectio) möglich ist, muss die Patientin nach der Stabilisierung der Vitalparameter so schnell wie möglich dorthin transportiert werden.
Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie (SIH) und Eklampsie
Die früher als EPH-Gestose, SchwangerschaftGestose bezeichnete schwangerschaftsinduzierte SchwangerschaftGestoseHypertonie Hypertonieschwangerschaftsinduziertegehört zu den bedrohlichsten Komplikationen einer fortgeschrittenen Schwangerschaft. Die Hypertonie geht in vielen Fällen mit ÖdemSchwangerschaftÖdemen einher, die im Bereich der Unterschenkel gut tastbar sind. Die Hypertonie bestimmt den Schweregrad der Erkrankung, weshalb sie auch das Leitsymptom darstellt. In schweren Fällen steigen die Blutdruckwerte systolisch über 160 mmHg und diastolisch über 110 mmHg an. Die Patientinnen klagen oft über Kopfschmerzen und Ohrensausen. Neben der vorzeitigen Plazentaablösung drohen gefährliche Krampfanfälle, sogenannte Eklampsien. Der eklamptische KrampfanfalleklamptischerKrampfanfall ist einem epileptischen Anfall sehr ähnlich. Warnzeichen sind stark erhöhte Blutdruckwerte, kombiniert mit neurologischen Symptomen, z. B. Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen, Flimmern vor den Augen und motorische Unruhe.
Basismaßnahmen
Eine Therapie der Krankheitsursache der schwangerschaftsinduzierten Hypertonie mit ihren Folgen ist nicht möglich. Die Basismaßnahmen orientieren sich an den Krankheitssymptomen.
Primär erfolgen die Überwachung der Vitalparameter mittels eines Monitorings (RR, HF und SpO2), Sauerstoffgabe, die bequeme Lagerung der Patientin, meist in Oberkörperhochlagerung, und die Reizabschirmung der Patientin während des Transports.
Die erweiterten Maßnahmen umfassen neben der Anlage eines periphervenösen Zugangs die medikamentöse Therapie durch den Notarzt. Diese richtet sich nach den jeweiligen aktuellen Befunden. Erforderlich werden kann die Gabe eines Antikonvulsivums wie z. B. Rivotril® (11.2.1) zur Vermeidung der eklamptischen Anfälle und die Gabe eines Antihypertonikums (z. B. Ebrantil®) zur Senkung der exzessiv erhöhten Blutdruckwerte.
Vena-cava-Kompressionssyndrom
Die Gebärmutter der Schwangeren besitzt im letzten Drittel der Schwangerschaft ein hohes Gewicht. In der Rückenlage drückt der schwere Uterus dann die untere Hohlvene (V. Vena cavaKompressionssyndromcava inferior) gegen die links darunter verlaufende Wirbelsäule (Abb. 21.6). Durch die Kompression dieser Vene droht eine drastische Abnahme des venösen Rückflusses zum Herzen. Folge ist ein Blutdruckabfall, der z. T. mit kurzeitigen Bewusstseinsstörungen einhergeht. Um ein solches Vena-cava-Kompressionssyndrom zu vermeiden, sollten Schwangere schon ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel in der Linksseitenlage (10–15°) gelagert werden. Dabei wird der Rücken durch ein Kissen oder eine Decke unterstützt (Abb. 21.7).

Vorzeitiges Einsetzen der Geburt

Vorzeitige Wehen
Treten bei der WehenvorzeitigeSchwangeren trotz des noch nicht reifen Kindes vorzeitig Wehen auf, besteht die Gefahr der Frühgeburt. Wehen können gut ertastet werden, wenn man die Hände auf den Bauch der Schwangeren legt. Hier ist dann, je nach Abstand der Wehen, eine starke Anspannung der Gebärmutter zu fühlen. Der Bauch wird dabei nach ca. 20 Sekunden sehr fest und dann langsam wieder weicher. Diese Wehen müssen nicht, wie oft angenommen, mit starken Schmerzen wie bei den Presswehen einhergehen.
Basismaßnahmen
Präklinisch steht für das ungeborene Kind bei mangelnder Überwachungsmöglichkeit die sog. intrauterine Reanimation, d. h. ausreichendes Sauerstoffangebot und die Wehenlosigkeit (in der Wehe reduzierte Durchblutung der uteroplazentaren Einheit), an erster Stelle.
Für die Mutter dagegen stehen die hämodynamische Stabilität (syst. RR > 100 mmHg) sowie der schonende, angstfreie und zügige Transport in Linksseitenlagerung im Vordergrund.
Besteht keine akute Gefährdung durch eine Blutung oder einen Nabelschnurvorfall (siehe unten), kann die Patientin bequem in Linksseitenlage (Abb. 21.7) gelagert und zur nächsten geburtshilflichen Klinik transportiert werden.
Vorzeitiger Blasensprung
Häufig auftretende Infektionen Blasensprungvorzeitigerwährend der Schwangerschaft sind Pilzbefall der Vaginalschleimhaut sowie bakterielle Entzündungen, die ebenfalls die Scheide befallen. Werden diese Infektionen nicht rechtzeitig behandelt, können sie die Schwangerschaft gefährden. Sobald die Erreger zur Fruchtblase aufsteigen, lösen sie entzündliche Prozesse in der Eihaut (Hülle der Fruchtblase) aus, die zu einem frühzeitigen Fruchtblasensprung führen können. Durch die Eröffnung der FruchtblaseSprung, vorzeitigerFruchtblase besteht die Gefahr einer weiteren Keimbesiedlung der Fruchthöhle.
Basismaßnahmen
Präklinisch lässt es sich nicht immer sicher unterscheiden, ob es sich wirklich um Fruchtwasser oder um einen ungewollten Urinabgang der Schwangeren handelt. Daher gilt es, die Patientin immer liegend in Linksseitenlage in die nächste geburtshilfliche Klinik zu bringen. Die Patientin darf in diesen Fällen nicht mehr selbst laufen, da ein vorzeitiger Blasensprung vor der 36. SSW zu einem Nabelschnurvorfall (siehe unten) führen kann.
Nabelschnurvorfall
Vor der 36. SSW hat sich die NabelschnurVorfallGeburtslage des Kindes im Becken noch nicht eingestellt. Wenn in dieser Zeit ein vorzeitiger Blasensprung eintritt, kann im Rahmen des Abgangs von Fruchtwasser in einigen Fällen die im Fruchtwasser treibende Nabelschnur im Geburtskanal vor den Kopf des Kindes rutschen. Bei Einsetzen der Wehentätigkeit droht die vorgefallene Nabelschnur durch den Kopf des Kindes gegen das Becken der Mutter gedrückt und dadurch komprimiert zu werden (Abb. 21.8). Folge ist eine Sauerstoffunterversorgung. Das Kind läuft Gefahr zu ersticken.
Basismaßnahmen
Jede Patientin mit einem vorzeitigen Blasensprung muss liegend transportiert werden, damit nicht beim Gehen der Patientin die Nabelschnur vor das Kind rutscht.
Ist die Nabelschnur im Geburtskanal sichtbar, wird die Schwangere in Beckenhochlage verbracht (hierfür die Patientin flach lagern und das Becken mit einem Kissen unterpolstern).
Ebenso wird die manuelle Dekompression der Nabelschnur erforderlich. Dazu wird das kindliche Köpfchen mit dem Zeige- und Ringfinger durch die Scheide vorsichtig hochgedrückt, bis die Nabelschnur wieder pulsiert. Diese Position muss bis zur Geburt des Kindes während des Kaiserschnitts (Sectio) aufrechterhalten werden.

Notgeburt

Als NotgeburtNotgeburt wird die ungeplante GeburtshilfeGeburt außerhalb der Geburtsklinik bezeichnet.

Assistenz bei der Notgeburt

Die ungeplante GeburtNot-Geburt außerhalb der Geburtsklinik stellt immer eine erhöhte Gefahr für Mutter und Kind dar. Es sollte daher versucht werden, in diesen Situationen einen Geburtshelfer hinzuzuziehen, da z. B. bei Fehllagen Manipulationen erforderlich werden, die nur erfahrene Geburtshelfer beherrschen. Entscheidend bei rasch einsetzenden Geburten (SturzgeburtSturzgeburten, Abb. 21.9) ist, ob noch die Zeit für einen Transport in die Geburtsklinik gegeben ist oder nicht.
Wichtiges Zeichen ist der einsetzende Pressdrang (Wehen) der Schwangeren. Hat dieser bereits eingesetzt, muss nachgesehen werden, ob das kindliche Köpfchen schon zwischen den Schamlippen zu sehen ist. Ist dies nicht der Fall, sollte versucht werden, die Patientin in die nächste Geburtsklinik zu transportieren. Zu diesem Zweck wird die Patientin in Beckenhochlagerung auf die Trage gelegt und aufgefordert, während der Wehentätigkeit zu hecheln. Durch die schnelle Ein- und vor allem die Ausatmung entsteht eine muskuläre Entspannung und damit eine kurzzeitige Verzögerung der aktiven Weiterleitung des Kindes im Geburtskanal (Veratmen der Wehe). Anschließend erfolgen das übliche Monitoring (RR, HF und SpO2), die Sauerstoffgabe und das Anlegen eines periphervenösen Zugangs, um jederzeit Medikamente durch den Notarzt (z. B. zur Wehenhemmung) applizieren zu können. Der Transport der Schwangeren sollte im RTW mit den Füßen voran durchgeführt werden, d. h., die Trage muss verkehrt herum in den RTW geschoben werden, um so bei Bedarf mehr Platz zu erhalten.
Ist das kindliche Köpfchen bereits sichtbar, muss die Geburt vor Ort durchgeführt werden. Hierbei ist die Wohnung dem RTW vorzuziehen. Zum einen wird hier ein größeres Platzangebot vorzufinden sein, zum anderen wird sich die Patientin in dieser Ausnahmesituation in einer bekannten Umgebung sicherer fühlen und damit ruhiger werden. Wenn es die Situation zulässt, sollte die Frau aufgefordert werden, die nächsten Wehen zu verhecheln, um so etwas Zeit für die Vorbereitungen zu erhalten. Anschließend erfolgt die Alarmierung eines Notarztes und eventuell zusätzlich eines Geburtshelfers.
Die Patientin wird mit erhöhtem Oberkörper gelagert. Neben dem Monitoring (RR, HF und SpO2) erhält sie einen periphervenösen Zugang. Zudem sollte Folgendes bereitgelegt werden: mehrere trockene, möglichst warme Tücher zum Trockenreiben des Kindes, zwei sterile Nabelklemmen und eine sterile Schere zum Abnabeln, mehrere sterile Vorlagen für den Dammschutz und ein Orosauger, um das Kind abzusaugen.
Sind die Vorbereitungen getroffen, beginnt die aktive Phase der Geburt (Abb. 21.11). Die werdende Mutter wird aufgefordert, den Kopf auf die Brust zu legen und mit den Händen die Kniekehlen zu umgreifen und diese anzuziehen. Bei jeder Wehe muss sie jetzt zweimal aktiv mitpressen. Ein Helfer wird nun mit einer der sterilen Vorlagen versuchen, den DammschutzDammschutz durchzuführen. Hierbei reguliert der Helfer mit der einen Hand die Geschwindigkeit, mit der sich das Köpfchen des Kindes entwickelt. Mit der anderen Hand versucht er, den Damm (dieses bezeichnet den Bereich unterhalb und seitlich der Scheide) zu stabilisieren (Abb. 21.10). Der Dammschutz soll nicht nur den Dammriss und damit eine Verletzung der Mutter vermeiden, sondern auch ein zu schnelles Entwickeln des kindlichen Kopfes verhindern, wodurch Halswirbelsäulenverletzungen des Neugeborenen drohen.
Ist der kindliche Kopf vollständig geboren (Abb. 21.11c), muss die Seitwärtsdrehung des Körpers, erkennbar an der Drehung des Kopfes, abgewartet werden. Hat dieser sich gedreht, wird der Kopf des Kindes vorsichtig zwischen die Hände genommen und behutsam mit Beginn der nächsten Wehe abgesenkt (Abb. 21.11d). Jetzt entwickelt sich die vordere Schulter (Abb. 21.11e). Danach wird der Kopf vorsichtig angehoben und es entwickelt sich die hintere Schulter. Der restliche Körper folgt danach von allein, auch ohne Pressen der Mutter (Abb. 21.11f).

Achtung

Nicht am Kopf des Kindes ziehen! Mit dem Umfassen des kindlichen Kopfes ist nur ein sehr vorsichtiges „Führen“ des Kopfes gemeint, da schwere Verletzungen der kindlichen Halswirbelsäule drohen. Ist das Kind vollständig entwickelt, wird es versorgt und der Mutter auf den Bauch gelegt.

In der nun folgenden Nachgeburtsperiode verkleinern die Nachgeburtswehen den Uterus, wodurch sich die Haftflächen der Eihäute und der Plazenta verringern und diese ausgestoßen werden (Abb. 21.11h). Dieser Vorgang kann bis zu einer Stunde dauern, weshalb man die Beendigung dieses Vorgangs nicht vor Ort abwarten wird.
Ein Blutverlust von ca. 500 ml in dieser Nachgeburtsperiode ist normal. Die Plazenta muss zur weiteren Beurteilung mit in die Klinik genommen werden.

Versorgung des Neugeborenen

(Zur Reanimation des Neugeborenen siehe 8.4.3)
Das gesunde NeugeborenesErstversorgungNeugeborene wird meist sofort durchatmen und schreien. Seine Versorgung kann daher zumeist in aller Ruhe erfolgen. Eine Absaugung wird nur bei übermäßiger Verschleimung erforderlich. Auf eine routinemäßige Absaugung muss aufgrund des fehlenden Nutzens und der Gefahr, die Schleimhäute des Neugeborenen zu verletzen, verzichtet werden. Anschließend sollte das Kind abgenabelt Abnabelnwerden. Hierfür wird die Nabelschnur ca. 10–15 cm vom Kind entfernt mit den beiden bereitliegenden Nabelklemmen abgeklemmt. Die Nabelschnur wird dann mit der sterilen Schere zwischen ihnen durchtrennt (Abb. 21.12). Da alle Neugeborenen von Auskühlung bedroht sind, wird das noch nasse Kind abgetrocknet, in trockene Tücher eingewickelt und neben die Mutter gelegt (Abb. 21.13).
Die Erhebung des Neugeborenenstatus nach dem APGAR-APGAR-SchemaSchema (Tab. 21.1) erfolgt im Anschluss an die Geburt und wird nach 5 und 10 Minuten wiederholt. Der APGAR-Score dient der Einschätzung der Gefährdung des Kindes und ist Grundlage für das weitere diagnostische und therapeutische Vorgehen.

Wiederholungsfragen

  • 1.

    Nennen Sie Ursachen für eine pathologische vaginale Blutung bei einer nicht schwangeren Patientin. (21.1.2)

  • 2.

    Welche Lagerung sollte bei einer Patientin mit vaginaler Blutung durchgeführt werden? (21.1.2)

  • 3.

    Wie entsteht eine Eileiterschwangerschaft? (21.2.1)

  • 4.

    Nennen Sie Ursachen für eine vorzeitige Plazentalösung. (21.2.2)

  • 5.

    Welche Gefahren drohen bei einer vorzeitigen Plazentalösung? (21.2.2)

  • 6.

    Was ist eine Placenta praevia? (21.2.2)

  • 7.

    Was sind eklamptische Anfälle? (21.2.2)

  • 8.

    Was wird mit SIH abgekürzt? (21.2.2)

  • 9.

    Wie lagert man eine Patientin mit einem Vena-cava-Kompressionssyndrom und warum? (21.2.2)

  • 10.

    Welche Maßnahmen ergreifen Sie bei einem Nabelschnurvorfall? (21.2.3)

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