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B978-3-437-48043-0.00027-3

10.1016/B978-3-437-48043-0.00027-3

978-3-437-48043-0

Muster eines TransportscheinsTransportSchein

[W181]

Ausladen eines Patienten aus einem KTW in Heckansicht

[P284]

Krankentransporte bieten oftmals eine Vielzahl an Gesprächsanlässen

[P284]

Vergleich der Wirbelsäule bei Belastung und Überlastung

[L231]

a) Rückenschonendes Anheben, b) rückenbelastendes Anheben

[M302]

Das Anheben von Patienten mit geradem Rücken ist selbstverständlich

[P284]

Anheben der Krankentrage ohne Fahrgestell

[M302]

a) Anheben eines Patienten auf dem Tragestuhl, b) Verriegelung des Beckengurtes

[M302]

a) Führen eines Patienten eine Treppe hinauf, b) Führen eines Patienten eine Treppe hinab

[P284]

Patiententransfer

[P284]

Transfervorbereitung mit einem Tragetuch

[P284]

Anheben eines Patienten mit dem Tragetuch

[P284]

Handelsübliches Rollboard

[V331]

Schritte von der andauernden Druckeinwirkung bis zur Dekubitusentstehung

[A400]

Dekubitusrisiko durch Scherung und Druck

[L157]

Entstehung eines SpitzfußSpitzfußes

[L157]

Urinflasche

[K183]

Steckbecken

[K183]

Auffangbeutel eines Dauerkatheters

[J787]

Trachealkanülen aus Silikon

[V156]

Patient mit Tracheostoma

[E384]

Herzunterstützungssystem (LVAD)

[T864]

Patient mit Fixateur externe

[G591]

Formen des KrankentransportesKrankentransportFormen

Tab. 27.1
Einweisungstransport Transport in ein Krankenhaus aufgrund einer Einweisung durch den behandelnden Arzt.
Konsiliartransport Transport von einem Krankenhaus zur ambulanten Vorstellung in einer Spezialabteilung einer anderen Klinik bzw. bei einem niedergelassenen Arzt.
Verlegungstransport Transport von einem Krankenhaus zu einem anderen Krankenhaus.
Entlassungstransport Transport von einem Krankenhaus zum Wohnort des Patienten.
Transport in Hospizeinrichtungen Meist eine spezielle Form des Entlassungstransportes in eine Hospizeinrichtung. Es kann sich allerdings auch um einen Transport ausgehend von der Patientenwohnung handeln.

Die vier Es der therapeutischen Kommunikation

Tab. 27.2
E Engagement Patienten profitieren von Fachkräften, die sich ernsthaft um ihr Wohlbefinden bemühen.
E Empathie Patienten profitieren von Fachkräften, die sich bemühen, ihre Gefühlslagen und Empfindungen nachzuvollziehen.
E Edukation Patienten profitieren von Aufklärungen über ihre gesundheitlichen Leiden und Erklärungen der nächsten Schritte im Transportablauf.
E Einbeziehung Patienten profitieren von Selbstwirksamkeitserfahrungen, welche durch die Einbeziehung in Entscheidungen und Handlungen ermöglicht werden können.

Phasen des Krankentransportes

Tab. 27.3
Phase 1 Transportvorbereitung
  • Einsatzübernahme

  • Dringlichkeitsüberprüfung

  • Vorhandensein benötigten Materials klären

  • Besonderheiten (z. B. Infektionstransport) bedenken

  • Anfahrts- und Transportweg einschätzen

Phase 2 Patientenübernahme
  • Vorstellung bei Patient und Angehörigen

  • Übergabegespräch

  • Einschätzung des Gesundheitszustands

  • Erfragen pflegerischer Besonderheiten

  • Entgegennehmen der benötigten Unterlagen

  • Übernahme von Gepäckstücken, Pflegehilfsmitteln und Wertsachen

  • Treffen der notwendigen Transportentscheidungen

  • Transfer des Patienten

Phase 3 Transportdurchführung
  • Sichern des mitgeführten Gepäcks

  • Selbstkontrolle vor Transportaufnahme

  • Überwachung des Patientenzustands

  • Anfertigung der Einsatzdokumentation

  • Psychische und pflegerische Betreuung des Patienten

  • Reaktion auf besondere Ereignisse

Phase 4 Patientenübergabe
  • Übergabegespräch

  • Betonung medizinischer und pflegerischer Besonderheiten

  • Übergabe der mitgeführten Unterlagen

  • Dokumentation der Übergabe von Patientengepäck und Wertsachen

  • Transfer des Patienten

Phase 5 Transportabschluss
  • Auffüllen des verbrauchten Materials

  • Überprüfung der Sauerstoffvorräte

  • Desinfektionsmaßnahmen

  • Einsatznachbesprechung bzw. Feedback

  • Kontrolle des Patientenraums auf vergessenes Patienteneigentum

  • Überprüfung der Transportunterlagen auf Vollständigkeit

Die 13 Aktivitäten, Beziehungen und existentiellen Erfahrungen des Lebens (ABEDL) nach Monika Krohwinkel

Tab. 27.4
  • 1.

    Kommunizieren können

  • 2.

    Sich bewegen können

  • 3.

    Vitale Funktionen des Körpers aufrechterhalten können

  • 4.

    Sich pflegen können

  • 5.

    Essen und trinken können

  • 6.

    Ausscheiden können

  • 7.

    Sich kleiden können

  • 8.

    Ruhen und schlafen können

  • 9.

    Sich beschäftigen können

  • 10.

    Sich als Mann/Frau fühlen können

  • 11.

    Für Sicherheit in der Umgebung sorgen können

  • 12.

    Soziale Bereiche des Lebens sichern können

  • 13.

    Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgegen können

Unterstützung von Patienten mit Störungen von Wahrnehmung und Motorik

Tab. 27.5
Gestörte Funktion Beispiele Mögliche Unterstützung
Sehen
  • Grauer Star

  • Makuladegeneration

  • Diabetische Retinopathie

  • Patienten, soweit gewünscht, bei Gehtransfer führen

  • Berührungen nur mit vorheriger Ansage bzw. Erlaubnis

  • Hindernisse im Weg des Patienten beiseite räumen

  • Dem Patienten durch Erklärungen ein „inneres Bild“ der Gehstrecke vermitteln

Hören und Sprechen
  • Gehörlosigkeit

  • Schwerhörigkeit

  • Aphasie

  • Z. n. Kehlkopfentfernung

  • Alternative Kommunikationswege (Schrift, Handzeichen o. Ä.) nutzen

  • Bei Lippenlesern nicht langsamer oder betonter sprechen als gewöhnlich

  • Patienten kognitiv nicht unterschätzen

  • Ehrlich sein, wenn etwas nicht verstanden wurde

Motorik und/oder Sensibilität
  • Halbseitenlähmung (Hemiparese)

  • Querschnittssyndrom

  • Parkinson-Erkrankung

  • Patienteneigene Hilfsmittel (Gehstock, Rollator) nutzen

  • Unterstützung beim Transfer gewährleisten

  • Geduldiges Mobilisieren (insbesondere bei Parkinson-Patienten)

  • Keine Lagerung mit Einklemmung von Extremitäten durchführen

  • Kontrakturprophylaxe

  • Dekubitusprophylaxe

Gleichgewichtssinn
  • Vestibulärer Schwindel

  • Gleichgewichtsstörungen aufgrund anderer Erkrankungen

  • Langsame Mobilisation ermöglichen

  • Spuckbeutel bereithalten

  • Fahrweise an Patientenbedürfnisse anpassen

  • Gegebenenfalls Nachforderung eines RTW/NEF bei massiven Beschwerden

Aufmerksamkeit
  • Neglect (Patienten nehmen eine Hälfte ihres Körpers und ihrer Umgebung nicht oder nur eingeschränkt wahr)

  • Entsprechend angepasste und zugewandte Kommunikation

  • Kein Erzwingen einer Störungseinsicht

  • Ähnliches Vorgehen wie bei Patienten mit Hemiparese

Beispiel einer modifizierten ABCDE-Anwendung zur Überprüfung der notwendigen Maßnahmen im Krankentransport

Tab. 27.6
Kürzel Mögliche Fragen
A (Airway)
  • Ist der Atemweg potenziell bedroht (z. B. bei Tracheostomaträgern)?

  • Werden benötigte Hilfsmittel, wie etwa eine „künstliche Nase“, für diese Patientengruppen mitgeführt?

  • Wird eine Absaugeinheit benötigt?

B (Breathing)
  • Wird Sauerstoff benötigt?

  • Sind die Bordsauerstoffflaschen aufgedreht?

  • Sollte eine Pulsoxymetrie erfolgen?

  • Muss eine spezielle Lagerung erfolgen?

C (Circulation)
  • Ist der Patient für die gewählte Transfertechnik ausreichend belastbar?

  • Muss eine spezielle Lagerung erfolgen?

D (Disability)
  • Weist der Patient neurologische Einschränkungen auf?

  • Müssen Kommunikationshilfsmittel mitgeführt oder eingesetzt werden?

  • Müssen andere Hilfsmittel mitgeführt oder eingesetzt werden?

  • Muss eine spezielle Lagerung erfolgen?

E (Exposure/Environment)
  • Ist die Fahrzeugtemperatur angemessen?

  • Ist der Patient zugedeckt?

  • Sind etwaig vorhandene Katheter und Drainagen korrekt versorgt?

  • Ist das Transportmittel geeignet für den Patienten (z. B. bei stark adipösen Patienten)?

Krankentransport

Tobias Sambale

  • 27.1

    Grundlagen des Krankentransportes482

    • 27.1.1

      Definition482

    • 27.1.2

      Transportverordnungen und Transportanlässe482

    • 27.1.3

      Technische Ausstattung484

    • 27.1.4

      Kommunikation im Krankentransport484

  • 27.2

    Phasen des Krankentransportes485

    • 27.2.1

      Transportvorbereitung486

    • 27.2.2

      Patientenübernahme486

    • 27.2.3

      Transportdurchführung487

    • 27.2.4

      Patientenübergabe488

    • 27.2.5

      Transportabschluss488

  • 27.3

    Transfer und Transport488

    • 27.3.1

      Physikalische Grundlagen der Rückenbelastung489

    • 27.3.2

      Patiententransport491

    • 27.3.3

      Patiententransfer492

    • 27.3.4

      Transferhilfsmittel495

    • 27.3.5

      Kinästhetik496

  • 27.4

    Pflegerische Versorgung497

    • 27.4.1

      Grundlagen und pflegerische Arbeitstechniken497

    • 27.4.2

      Besondere Pflegesituationen502

  • 27.5

    Fehlervorbeugung und besondere Situationen508

    • 27.5.1

      Allgemeine Fehlervorbeugung508

    • 27.5.2

      Gepäcksicherung508

    • 27.5.3

      Transportunterlagen509

    • 27.5.4

      Begleitung durch andere Fachkräfte509

    • 27.5.5

      Begleitung durch Angehörige510

    • 27.5.6

      Spezielle Patientengruppen im Krankentransport510

    • 27.5.7

      Umgang mit Notfällen im Krankentransport511

Neben der Notfallrettung bildet der qualifizierte Krankentransport den zweiten und gleichzeitig größten Aufgabenbereich des Rettungsdienstes. Etwa 60 % aller Einsätze des öffentlichen Rettungsdienstes entfallen auf Krankentransporte (Abb. 26.1). Hinzu kommen zahlreiche Krankentransporte, die von gewerblichen Unternehmen außerhalb des öffentlichen Rettungsdienstes auf Konzessions- oder Genehmigungsbasis durchgeführt werden. Krankentransporte stellen eine verhältnismäßig junge Leistung im medizinischen Versorgungsbereich dar. Die begriffliche Trennung zwischen Notfallrettung und Krankentransport erfolgte erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seither stiegen die Transportzahlen allerdings beträchtlich. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der Veränderungen der Versorgungsangebote der Krankenhäuser ist der Krankentransport ein nicht mehr wegzudenkendes Element der öffentlichen Daseinsvorsorge geworden.

Grundlagen des Krankentransportes

Definition

Ein Krankentransport ist ein medizinisch indizierter Transport eines erkrankten oder verletzten Patienten in einem Kraftfahrzeug. Im Normblatt DIN 13050:2015–04 („Begriffe im Rettungswesen“) erfolgt eine genaue Definition. Häufig wird, in Abgrenzung zur „Krankenfahrt“ (unqualifizierter Krankentransport), auch vom „qualifizierten Krankentransport“ gesprochen. Dies liegt in den höheren Anforderungen an die technische Ausstattung des Einsatzfahrzeugs und der Qualifikation des eingesetzten Personals begründet. Synonym zum Begriff „Krankentransport“ wird gelegentlich auch der Begriff „Krankenbeförderung (KBF)“ verwendet. Daneben existieren noch weitere Unterteilungen, die sich nach den jeweiligen Abfahrts- bzw. Zielorten richten (Tab. 27.1).

Transportverordnungen und Transportanlässe

Die Verordnung von Krankentransporten erfolgt auf der Grundlage der Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) über die Verordnung von Krankenfahrten, Krankentransportleistungen und Rettungsfahrten nach § 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 12 SGB V (auch: Krankentransport-Richtlinien). Diese regeln die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Transportanordnungen und die Transportdurchführung. So kann eine TransportverordnungTransportVerordnung erfolgen, „wenn der Versicherte während der Fahrt einer fachlichen Betreuung oder der besonderen Einrichtungen des Krankentransportwagens (KTW) bedarf oder deren Erforderlichkeit aufgrund seines Zustands zu erwarten ist“.
Mögliche TransportanlässeKrankentransportAnlässe können dabei sein:
  • Eingeschränkte Mobilität

  • Reduzierter Allgemeinzustand

  • Bestimmte Infektionskrankheiten

  • Desorientierung, Verwirrung

  • Risikoschwangerschaft

  • Bevorstehende Geburt

Für die Abrechnung des Transportes wird ein Transportschein benötigt, der vom behandelnden Arzt unterschrieben werden muss (Abb. 27.1).

Technische Ausstattung

Üblicherweise werden qualifizierte Krankentransporte in Krankentransportwagen oder Notfallkrankenwagen durchgeführt (Kap. 26; Abb. 27.2). Dabei kann der Transport sitzend oder liegend erfolgen. Beide Fahrzeugtypen enthalten regelhaft eine Krankentrage und einen Tragestuhl. Daneben verfügen die Fahrzeuge mindestens über ein tragbares Sauerstoffgerät, ein mobiles Absauggerät und einen Defibrillator, zumeist in Form eines AED.

Kommunikation im Krankentransport

Im Rahmen von KrankentransportenKrankentransportKommunikation ist eine gelungene Kommunikation von ebenso entscheidender Bedeutung, wie sie es im Rahmen von Notfalleinsätzen ist. Dabei sind die Gespräche während eines Krankentransportes jedoch häufig deutlich persönlicher und weniger zweckorientiert als in einem Notfallgeschehen. Nicht selten kommt es zu Gesprächen, die dem Fachpersonal Einblicke in private Gedanken, Erlebnisse und Gefühle des Patienten bieten (Abb. 27.3). Neben Erlebnissen des Alltags stehen dabei gelegentlich auch angst- oder wutbesetzte Themen wie Krankheit oder Behinderung im Fokus. Welche kommunikativen Bedürfnisse die Patienten haben, ist zum einen von den jeweiligen Patientenbiografien abhängig und wird zum anderen durch die gegenwärtigen Umstände im Leben des Patienten bedingt. Insofern kann eine angemessene Kommunikation mit dem Patienten zu einer größeren Herausforderung werden.
Gelungene Kommunikation mit Erkrankten und Verletzten
Wichtigster Faktor für die angemessene Kommunikation im Krankentransport ist die innere Haltung des Rettungsfachpersonals. Wenn ernsthaftes Interesse am Patienten und dessen Empfinden besteht, wird dieser dies in den meisten Fällen auch so wahrnehmen. Allerdings muss bedacht werden, dass es selbst bei einer sehr zugewandten und empathischen Haltung zu Störungen des Kommunikationsvorgangs kommen kann. Insofern ist auch die richtige Technik, also die Fähigkeit, nach bestimmten kommunikativen Regeln und Prinzipien vorzugehen, von entscheidender Bedeutung für das Gelingen eines Interaktionsprozesses.
Technische Aspekte gelungener Kommunikation
Gespräche mit Patienten geschehen stets kontextabhängig. Ein unheilbar erkrankter Palliativpatient hat andere Bedürfnisse und Sorgen als ein junger Mensch, der nach einer Sportverletzung eine Operation am Unterschenkel erhalten hat. Gleichzeitig aber sollte vermieden werden, in stereotype Denkmuster zu verfallen. So ist es möglich, dass der Palliativpatient seinen anstehenden Tod bereits akzeptiert hat, dankbar für ein langes erfülltes Leben ist und sich darauf freut, nach Hause zu seiner Familie entlassen zu werden, während sich der junge Sportler mit dem Ende seiner Karriere konfrontiert sieht. Das Vermeiden dieser Denkmuster und der situative Kontext spielen daher eine bedeutende Rolle in der Patientenkommunikation. Hierfür gilt es, ein sensibles Gespür zu entwickeln.
Die Erwartungen von Kommunikationvier EsPatienten an die Interaktion mit dem Rettungsfachpersonal wurden vom amerikanischen Institute for Health Care Communication vereinfachend in der Merkhilfe Die 4 Es der therapeutischen Kommunikation zusammengefasst (Tab. 27.2).
Häufig kann bereits beim ersten Kontakt mit dem Patienten dessen Gemütszustand abgeschätzt werden. Infolgedessen kann das Rettungsfachpersonal das eigene Kommunikationsverhalten darauf abstimmen. So kann es sinnvoll sein, geschlossene Fragen zu vermeiden, um die Dynamik des Gespräches zur erhalten. Die Themenwahl sollte möglichst durch die Patienten erfolgen und vom Team des Krankentransportes aufgegriffen werden. Auf diesem Wege können unangenehme Themen zumeist vermieden werden. Ebenfalls von großer Bedeutung ist die sogenannte kommunikative Passung zwischen Patient und Rettungsfachpersonal. Diese bezieht sich z. B. auf Sprachstil, Vokabular und Sprachniveau. Ziel der kommunikativen Passung ist es, eine Art des Kommunizierens zu finden, die der Gesprächspartner versteht und mit der er sich identifiziert. Vermieden werden sollte allerdings eine – womöglich sogar als beleidigend empfundene – Imitation des Kommunikationsstils des Patienten. Im Idealfall gelingt es dem Team, sich auf diesem Wege auf die Bedürfnisse des Patienten einzustellen.

Achtung

Wenn sich Patienten nicht unterhalten möchten, ist es ratsam, dies zu akzeptieren. Schweigen oder Einsilbigkeit sollten vom Rettungsfachpersonal nicht pauschal als Angriff oder Beleidigung verstanden werden. Oftmals benötigen Erkrankte oder Verletzte auch Phasen, in denen sie ungestört sein können. Eine solche Situation auszuhalten, ist eine große Herausforderung, zeichnet allerdings den professionellen Umgang mit diesem Bedürfnis des Patienten aus.

Phasen des Krankentransportes

Ähnlich dem Notfalleinsatz lassen sich KrankentransporteKrankentransportPhasen in einzelne Phasen aufteilen (Tab. 27.3). Die Kenntnis dieser Phasen ermöglicht es dem Rettungsfachpersonal, das eigene Handeln anhaltend kritisch zu reflektieren und den Einsatz auf diese Weise bewusst zu lenken.
  • 1.

    Transportvorbereitung

  • 2.

    Patientenübernahme

  • 3.

    Transportdurchführung

  • 4.

    Patientenübergabe

  • 5.

    Transportabschluss

Allerdings ist zu betonen, dass die einzelnen Phasen nicht immer trennscharf sind. Im realen Einsatz laufen bestimmte Prozesse häufig parallel. Bei vielen Handlungen bieten sich jedoch feste Abläufe an. So wird es z. B. von den meisten Patienten als unhöflich empfunden, wenn sie erst nach dem Übergabegespräch vom Rettungsfachpersonal persönlich begrüßt werden. Dem kann entgegengewirkt werden, wenn darauf geachtet wird, dass immer zuerst der Patient begrüßt und erst dann auf die Notwendigkeit der Übergabe hingewiesen wird.

Transportvorbereitung

Diese Phase beginnt mit der KrankentransportVorbereitungÜbernahme des Einsatzes, der durch die Leitstelle zugeteilt wird. Dabei ist zu unterscheiden, ob es sich um einen dringlichen bzw. termingebundenen oder einen regulären Krankentransport handelt. So sind viele Patienten auf die Einhaltung von Terminen, z. B. für eine Dialysebehandlung oder im Rahmen einer Verlegung, angewiesen. Zudem sollte überdacht werden, ob alle für den Einsatz erforderlichen Ausrüstungsgegenstände vorhanden sind. Dies bezieht sich insbesondere auf das Bereithalten von Infektionsschutzbekleidung. Eine weitere Rolle spielt die Kenntnis von Einsatz- und Zielort. Diese sollten ggf. auf einer Karte herausgesucht werden.

Merke

Auch bei nicht dringlichen Krankentransporten sollte der Transport ohne größere Verzögerungen aufgenommen werden, damit die Disponenten der Leitstelle nicht in ihrer Ablaufplanung behindert werden.

Patientenübernahme

Die PatientenübernahmeKrankentransportPatientenübernahme stellt einen entscheidenden Zeitpunkt im Ablauf eines Krankentransportes dar. Verschiedene Aspekte müssen hier berücksichtigt werden. In Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern oder Arztpraxen sollte eine strukturierte Übergabe durch die betreuenden Personen erfolgen. Anhand dieser kann ein erster Einblick in den Patientenzustand und den Hintergrund des anstehenden Krankentransportes erhalten werden. Notwendige Unterlagen, z. B. der Transportschein, ein Pflege- oder Arztbericht oder die Versichertenkarte, sollten entgegengenommen werden. Das Übergabegespräch ersetzt jedoch keinesfalls den persönlichen Kontakt zum Patienten und dessen Angehörigen. So sollte auch hier eine angemessene Form der Übergabe und Übernahme etabliert werden. Nach einer persönlichen Vorstellung und der Frage nach dem Transportanlass sollte hier eine kurze Einschätzung des Gesundheitszustands erfolgen. Wichtigster Aspekt ist hier, ob ein Notfallereignis vorliegt, auf das reagiert werden muss. Daneben sollten die pflegerischen Bedürfnisse des Patienten aktiv erfragt werden. So sind etwa die persönliche Belastungsfähigkeit, die Möglichkeiten zur Mobilisation, das Hautbild in Bezug auf das Verletzungsrisiko oder das etwaige Vorhandensein chronischer Wunden für das Rettungsfachpersonal von grundlegender Bedeutung. Anhand dieser Informationen können die entsprechenden Transfer- und Transportentscheidungen getroffen werden.

Praxistipp

Beispiele für Transfer- und Transportentscheidungen sind:

  • Entscheidung zur Nachforderung weiterer Kräfte bei Vorliegen eines Notfalls

  • Entscheidung für die richtige Transfertechnik

  • Entscheidung, ob ein Infektionsschutz für das Personal notwendig ist

  • Entscheidung, ob Sauerstoff benötigt wird

  • Entscheidung, welche Pflegehilfsmittel (z. B. CPAP-Gerät, Rollator etc.) mitgenommen werden sollten

  • Entscheidung, ob eine besondere Lagerung (z. B. Fersenfreilagerung) benötigt wird

Die geplante Transferart sollte dem KrankentransportTransferartPatienten zunächst erläutert werden. Dies ermöglicht eine bessere Mithilfe durch ihn und baut Ängste (z. B. vor einem Sturz) ab. Im Rahmen des rückenschonenden Arbeitens sollten alle zur Verfügung stehenden Personen mobilisiert werden. So gelingt eine Überlagerung mit vier Personen deutlich leichter, als wenn sie nur von zweien durchgeführt werden würde. Unerfahrene Helfer (z. B. Angehörige) sollten instruiert werden, welche Bewegungen sie dabei auszuführen haben. Zu bedenken ist jedoch, dass Angehörige, insbesondere im höheren Alter, nicht selten ebenfalls unter Beeinträchtigungen ihres Gesundheitszustands leiden und von daher nicht immer zur Unterstützung herangezogen werden können. Notwendige Lagerungstechniken sollten bereits an dieser Stelle durchgeführt werden.
Ebenso von Bedeutung ist die Überprüfung, ob die Transportunterlagen den formellen Ansprüchen genügen. Insbesondere eine korrekt ausgefüllte Transportverordnung ist von wesentlicher Bedeutung, um nachträgliche Arbeit für das abrechnende Personal zu vermeiden.

Transportdurchführung

Das Gepäck des Patienten KrankentransportDurchführungsollte – soweit möglich – direkt mitgenommen werden. Dabei darf die Rolltrage aber nicht überladen werden. Auch sind die Beine des Patienten nicht als Ablagefläche für Gepäckstücke anzusehen. Nötigenfalls muss das Gepäck durch den Fahrer des Krankentransportwagens abgeholt werden, wenn Patient und Patientenbetreuer im Fahrzeug sind. Die Mitnahme von Pflegehilfsmitteln sollte, soweit möglich, ebenfalls erfolgen. So ist z. B. eine Gehhilfe von entscheidender Bedeutung für die Mobilität und das Selbstwirksamkeitsgefühl von körperlich eingeschränkten Patienten. Sollte ein Mitführen aus Platzgründen nicht möglich sein, kann der Transport mit den Angehörigen oder der Pflegeeinrichtung abgesprochen werden. Vor der Abfahrt sollten sowohl der Patientenbetreuer als auch der Fahrzeugführer den bisherigen Einsatzablauf überprüfen. Auf diesem Wege kann verhindert werden, dass wichtige Arbeitsschritte vergessen werden.

Merke

Zur Selbstüberprüfung eignen sich feste Vorgehensweisen in Form von Checklisten oder Ablaufschemata. Als Beispiel kann hier Tab. 27.6 dienen.

Auf dem Transport ist deutlich mehr Zeit vorhanden als bei Notfalleinsätzen. Diese kann für ein Gespräch mit dem Patienten genutzt werden. Oftmals baut dies Ängste und Unsicherheiten, etwa vor einer Krankenhausbehandlung, ab. Auch sollte an dieser Stelle die Einsatzdokumentation angefertigt werden. Neben den relevanten Daten und Befunden des Patienten ist darauf zu achten, die übernommenen Gepäckstücke, Wertgegenstände und Dokumente zu notieren und diese für die Übergabe am Zielort bereitzuhalten.
Des Weiteren ist eine ständige Überprüfung des Patientenzustands notwendig. Zumeist reicht hier eine kontinuierliche Beobachtung. Im Zweifel sollte eine strukturierte Patientenbeurteilung (z. B. mithilfe des ABCDE-Schemas) durchgeführt werden. Daneben ist auf transportbedingte Störungen, wie Schwindel oder Übelkeit, zu achten. Diesen kann oft schon durch eine Anpassung der Fahrweise und eine angemessene Betreuung entgegengewirkt werden.

Patientenübergabe

Der Übergabe des Patienten KrankentransportPatientenübergabekommt eine ähnlich große Bedeutung zu wie der Patientenübernahme. Sie ist dabei den Erfordernissen der Zieleinrichtung anzupassen und sollte neben den relevanten Vorbefunden in jedem Falle auch den Transportverlauf sowie mögliche medizinische und pflegerische Besonderheiten enthalten. Bei der Übergabe persönlicher Informationen ist stets im Vorfeld das Einverständnis des Patienten einzuholen. Dies gilt insbesondere, wenn sich der Patient dem Rettungsfachpersonal gegenüber vertraulich zu privaten Angelegenheiten geäußert hat. Bei Patienten, die häufiger in die Zieleinrichtungen transportiert werden (z. B. zur Dialysebehandlung oder zur Tagesklinik), kann die Übergabe auf die nötigsten Eckdaten und aktuelle Besonderheiten verkürzt werden, um die Abläufe der entgegennehmenden Einrichtung nicht zu verzögern.
Außerdem werden die Patientenunterlagen, die angefertigte Dokumentation, verwahrte Wertsachen und weiteres Gepäck übergeben. Die Übergabe von Patienteneigentum sollte per Unterschrift durch die übernehmende Person bestätigt werden. Der geplante Patiententransfer kann auch hier mit dem Patienten abgesprochen und ggf. mit Unterstützung anderer Personen durchgeführt werden.

Achtung

Keinesfalls darf ein Patient ohne die Gewissheit, dass das anwesende Personal entsprechend über seine Ankunft informiert ist, transferiert und zurückgelassen werden.

Transportabschluss

Die Länge des Transportabschlusses KrankentransportAbschlussist abhängig vom Aufwand des Transportes. Das verbrauchte Material sollte nachgerüstet bzw. dessen Fehlen für die Aufrüstung an der Wache notiert werden. Wurde Sauerstoff appliziert, ist es ratsam, den Vorrat zu überprüfen. Die Patiententrage bzw. der Tragestuhl sollten desinfiziert und neu bezogen werden. Im Falle eines Infektionstransportes ist nach den Vorgaben im Desinfektionshandbuch (Hygiene- bzw. Desinfektionsplan) vorzugehen. Eine gegenseitige Feedback-Kultur im Team hilft dabei, aus Unklarheiten im Einsatz zu lernen und diese zukünftig zu vermeiden. Auch sollte überprüft werden, ob die Transportunterlagen für die Einsatzabrechnung vollständig und korrekt ausgefüllt sind. Erst danach ist die Einsatzbereitschaft an die Leitstelle zu melden.

Praxistipp

Insbesondere die Krankenversichertenkarte, Uhren oder Brillen gehen aufgrund ihrer geringen Größe leicht verloren. Bevor man den Zielort verlässt, sollte immer eine Kontrolle des Patientenraums auf zurückgelassenes Patienteneigentum erfolgen.

Transfer und Transport

Neben den medizinisch-pflegerischen und den sozial-betreuerischen Aufgaben des Rettungsfachpersonals ist das grundsätzliche Ziel eines Krankentransportes immer die Beförderung eines Patienten vom Einsatzort zum Zielort. Dazu sind die richtigen Arbeitstechniken von herausragender Bedeutung. Während der Transport wahlweise den gesamten Beförderungsvorgang oder aber den Beförderungsabschnitt, bei dem sogenannte Transportmittel eingesetzt werden, meint, stellt der Patiententransfer stets einen spezifischen Abschnitt der Patientenbeförderung dar, bei dem der Patient von einem Ausgangsort zu einem Transportmittel transferiert wird. Dabei umfasst der Begriff sowohl das klassische passive Umlagern von Patienten als auch einen vom Patienten selbst gesteuerten aktiven Bewegungsvorgang.

Physikalische Grundlagen der Rückenbelastung

Dem rückenschonenden Heben und Tragen von Patienten im Rettungsdienst wird in den letzten Jahren in Aus- und Fortbildung vermehrt Beachtung geschenkt. In der Praxis wird allerdings oftmals noch mit fehlerhaften Techniken gearbeitet, obwohl diese Bewegungsabläufe über Jahre wiederholt zu ernsthaften Schäden des Rückens führen können. Die Berufsgenossenschaften in Deutschland haben ermittelt, dass etwa ein Drittel aller Arbeitsunfähigkeitstage aufRückenbelastungRettungsdienstRückenbelastung Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zurückzuführen ist.
Besonders gefährdet sind Beschäftigte in Gesundheitsfachberufen. Das Risiko, eine Erkrankung des Bewegungsapparates, insbesondere der Wirbelsäule, zu erleiden, liegt für Angehörige der Gesundheitsfachberufe entschieden höher als in anderen Berufsgruppen. Ungünstige Körperhaltungen und das Heben und Tragen von schweren Patienten werden als mögliche Ursachen bei der Entstehung von VerschleißerkrankungenVerschleißerkrankungen der Wirbelsäule, Bandscheiben und Gelenke angesehen. Hinzu kommt, dass Stress und unregelmäßige Arbeitszeiten begünstigend auf die Ausbildung von Rückenbeschwerden wirken.
Während des Anhebens oder des Tragens eines Patienten wirkt dessen Gewicht über einen Hebel als Kraft auf die Wirbelsäule des hebenden Mitarbeiters. Zusätzlich tritt während des Hebevorgangs bei gebeugtem Rücken eine keilförmige Verformung der Bandscheiben auf und es kommt an den Wirbelkörperkanten zu einer Überbelastung (Abb. 27.4). In der Folge kann dies zu einer Gewebeschwächung der Bandscheiben führen, die bei einer ungünstigen, auch schon geringen Belastung einreißen können. Tritt dabei der gallertartige Kern aus und drückt gegen das Rückenmark oder seitlich verlaufende Spinalnerven, wird dieser Vorgang als BandscheibenVorfallBandscheibenvorfall (15.5) bezeichnet.
Um die besagte Hebelwirkung Heben, richtigeszu minimieren und einer Schädigung der Wirbelsäule vorzubeugen, sind folgende Vorgehensweisen zu beachten (Abb. 27.5):
  • So nahe wie möglich an die zu hebende Last stellen.

  • Mit geradem Rücken in die Knie gehen.

  • Last aus der Hocke (Füße etwa hüftbreit auseinander) aufnehmen.

  • Last mit gestreckten Armen körpernah halten.

  • Last durch Streckung im Kniegelenk bei gerade aufgerichtetem Oberkörper langsam anheben.

  • Bei mehreren Helfern müssen alle Helfer gleichzeitig anheben (der Helfer am Kopf gibt das Kommando).

  • Ruckartiges Hochreißen oder schwungvolle Bewegungen vermeiden.

  • Gleichzeitiges Heben und Verdrehen der Wirbelsäule vermeiden.

Zusätzlich sollte jeder Mitarbeiter im Rettungsdienst, der regelmäßig Patienten anheben und tragen muss, seine Rumpfmuskulatur durch gezieltes Training kräftigen.

Merke

Lasten immer körpernah und mit geradem Rücken heben und tragen (Abb. 27.6).

Patiententransport

Für die Arbeit im Rettungsdienst sind die beiden TransportKrankentrageTransportmittel Krankentrage (auch: Fahrtrage) und Tragestuhl (auch: Tragesessel) TransportTragestuhlvon besonderer Bedeutung. Ein weiteres an dieser Stelle nicht näher beschriebenes Transportmittel stellt das genutzte Kraftfahrzeug (Kap. 26) dar.
Fahrtrage
Die FahrtrageFahrtrage besteht aus einem Fahruntergestell und der aufliegenden Patiententrage. Durch die Verwendung des Fahruntergestells kann der Patient schonend und für die Helfer kraftsparend auf ebenem Untergrund transportiert werden. Die Höhenverstellung ermöglicht die Wahl einer optimalen Arbeitshöhe, um den Patienten umzulagern. Diese orientiert sich an der Größe des umlagernden Personals und sollte ein bequemes Überlagern mit gradem Rücken ermöglichen. Mit den lenkbaren Rädern des Fahrgestells kann man die Krankentrage direkt neben das Bett fahren.
Für einen Patiententransport in unebenem Gelände oder einem Treppenraum wird das Fahruntergestell von der Patiententrage getrennt, um das Gesamtgewicht zu reduzieren (Abb. 27.7).
Tragestuhl
Der TragestuhlTragestuhl findet beim Transport von sitzenden Patienten seine Anwendung. Er kann, ähnlich wie ein Rollstuhl, kraftsparend auf ebenem Untergrund gerollt werden, besitzt aber integrierte, ausklappbare Griffe, die ein Tragen z. B. über Treppenstufen ermöglichen. Spezielle Arretierungen und Sicherheitsgurte im Krankenwagen erlauben den Transport des Patienten ohne weitere Umlagerung, sitzend im Tragestuhl (Abb. 27.8).

Patiententransfer

Für den PatiententransferPatiententransfer können drei grundsätzliche Ausgangslagen unterschieden werden:
  • 1.

    Der Patient ist selbstständig gehfähig.

  • 2.

    Der Patient ist mit Unterstützung mobilisierbar.

  • 3.

    Der Patient ist nicht oder nur minimal mobilisierbar (27.3.4).

Ziel eines gelungenen Transfers sollte es immer sein, alle Ressourcen des Patienten zu nutzen, um dessen Selbstständigkeit zu erhalten und zu fördern. Bei immobilen Patienten kommen zumeist Transferhilfsmittel zum Einsatz.
Unterstützung des selbstständig gehfähigen Patienten
Kann der Patient Patiententransferselbstständig gehfähiger Patientselbstständig aufstehen bzw. gehen, sollte er ggf. geführt werden, um einen Sturz während des Transfervorgangs zu vermeiden. Zu bedenken ist jedoch, dass einige Patienten dies nicht wünschen. Hierauf sollte nach Möglichkeit Rücksicht genommen werden.
Der Helfer ergreift dabei mit seinen Händen Unter- und Oberarm des Patienten seitlich an dessen Körper und stabilisiert das Gehverhalten des Patienten. Der zweite Helfer geht zusätzlich hinter dem Patienten, um im Falle eines Sturzes sofort eingreifen zu können. Während des Treppensteigens muss sich der Patient selbst am Treppengeländer festhalten können. Beim Hinabsteigen sollte der zweite Helfer ausnahmsweise vor dem Patienten gehen, um zu verhindern, dass der Patient im Falle eines Sturzes die Treppen hinabfällt (Abb. 27.9). Es bietet sich dabei an, den Patienten im Falle von Gangunsicherheit oder Schwindel aktiv aufzufordern, sich hinzusetzen und sich nicht nach vorne fallen zu lassen.
Bestehen vonseiten der Helfer Bedenken oder fällt eine Gangunsicherheit des Patienten auf, kann der Patient getragen werden, sofern er darin einwilligt.
Grundsätzliche Unterstützung bei der Mobilisation
Viele Patienten sindPatiententransferUnterstützung der Mobilisation zwar nicht uneingeschränkt mobil, können aber mit der richtigen Technik möglichst aktiv transferiert werden. So kann z. B. das Aufstehen eines Patienten erleichtert werden, indem sich der Helfer neben ihn stellt und seinen Fuß quer vor die Füße des Patienten setzt. So wird ein Wegrutschen der Patientenfüße verhindert.
In den Pflegeberufen und der rehabilitativen Medizin werden verschiedene Methoden zur Mobilisationsunterstützung, wie das Bobath-Konzept oder die Kinästhetik, eingesetzt. Das Rettungsfachpersonal kann sich diese Vorgehensweisen ebenfalls zunutze machen.
Grundsätzlich können viele Techniken zur Patientenmobilisation allerdings auch ohne genaue Kenntnis dieser Verfahren angewendet werden (Abb. 27.10):
  • Zum Aufstehen das Patientenbett auf die richtige Höhe hinabfahren, sodass die Füße des Patienten vollständig den Boden berühren.

  • Die Fahrtrage ebenfalls auf eine für den Patienten angenehme Höhe hinablassen, bevor dieser sich auf sie setzt.

  • Patienten aktiv über die nächsten geplanten Bewegungsabläufe informieren und in die Bewegungsplanung einbeziehen.

  • Nach dem Aufstehen können Patienten bei Bedarf aufgefordert werden, die Knie durchzudrücken, um einen stabilen Stand einnehmen zu können.

  • Das Drehen auf kleinem Raum im Stand ist für viele Patienten mit Mobilitätseinschränkungen schwierig. Hierbei hilft es, sie an den Massen des Körpers, z. B. an der Hüfte, zu führen.

  • Patienten nicht an den Armen oder Händen hochziehen.

  • Darauf achten, dass der Patient geeignetes Schuhwerk trägt, damit ein Wegrutschen verhindert wird.

Mobilisation und Umlagerung des sitzenden Patienten
Kann der Patient mit Patiententransfersitzender PatientUnterstützung kurzzeitig stehen, so stellt sich ein Helfer vor den Patienten. Er setzt seine Füße vor die Füße des Patienten und stützt ggf. mit seinen Knien dessen Knie. Der Patient umfasst anschließend den Hals des Helfers und verschränkt seine Hände in dessen Nacken. Der Helfer greift mit beiden Armen unter den Achselhöhlen hindurch bis an die Schulterblätter des Patienten und zieht ihn langsam und gerade hoch. Der zweite Helfer kann nun, nachdem ein sicherer Stand gewährleistet ist, den Rollstuhl wegziehen und gegen den Tragestuhl austauschen. Das Absetzen des Patienten in den Tragestuhl erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.
Kann der Patient auch mit Unterstützung nicht kurzzeitig stehen, so können an Rollstuhl oder Tragestuhl die Seitenteile abgebaut oder die Armlehnen hochgeklappt werden, um den Patienten anschließend auf gleicher Höhe auf den andern Stuhl herüberzuziehen.
Es ist zu beachten, dass die Anwendung des Rautek-RettungsgriffsRautek-Rettungsgriff nur in der Notfallrettung, also zur unmittelbaren Rettung aus einem Gefahrenbereich, zugelassen ist. Im Krankentransport darf er nicht angewendet werden, da bei seiner Durchführung Verletzungen des Patienten nicht ausgeschlossen werden können.

Transferhilfsmittel

Muss ein nicht gehfähiger PatientPatiententransferHilfsmittel auf die Krankentrage umgelagert werden, so stehen unterschiedliche technische Tragehilfen zur Verfügung. Einige Transferhilfsmittel können auch gleichzeitig zur Wirbelsäulenimmobilisation genutzt werden (Kap. 5).
Tragetuch
Zur Umlagerung des Patienten auf ein TragetuchTragetuch muss er zuerst auf die Seite gedreht werden (Abb. 27.11). Das Tragetuch wird der Länge nach zweimal gefaltet, sodass die Griffschlaufen nach außen weisen. Die Griffschlaufen sind umlaufend an der Liegefläche angebracht, um ein Anheben des Patienten, auch mit mehreren Personen, zu erleichtern. Anschließend wird das längs gefaltete Tragetuch direkt an den Rücken des Patienten geschoben. Der Patient wird in die Gegenrichtung gedreht, sodass das Tuch unter ihm ausgebreitet werden kann. Durch diese Drehtechnik wird die körperliche Belastung des Lagerungsvorgangs für den Patienten auf ein Minimum reduziert. Es ist ebenfalls möglich, einen sitzenden Patienten kurz anzuheben und das vorbereitete Tragetuch unter ihn zu legen. Dies erlaubt auch das sitzende Tragen bei unter Umständen sehr engen Zimmerverhältnissen. Zum anschließenden Überheben des Patienten auf die Krankentrage sind mindestens drei Helfer erforderlich (Abb. 27.12).

Praxistipp

Sollte ein Transfer des Patienten mit zwei Helfern nicht möglich sein, sollte zusätzliche Tragehilfe nachgefordert werden.

Rollboards und Gleitmatten
Das RollboardRollboard (Abb. 27.13) dient der Überlagerung eines Patienten von einer Liegefläche zu einer anderen. Als Beispiel kann hierbei die Überlagerung aus dem Patientenbett auf die Fahrtrage dienen. Dafür werden Bett und Trage zunächst nebeneinandergestellt und auf dieselbe Arbeitshöhe gebracht. Im Anschluss daran stellen sich die überlagernden Personen am Bettrand und am Rand der Fahrtrage auf. Der Patient wird auf die äußere Körperhälfte gedreht, sodass das Rollboard untergeschoben werden kann. Danach wird der Patient zurückgedreht, sodass er weitestgehend auf dem Rollboard zu liegen kommt. Nun kann der Patient einfach in Richtung der Trage geschoben werden. Dabei darf keinesfalls an den Armen, den Beinen oder dem Kopf gezogen werden. Stattdessen sollten Druck und Zug an den großen Massepunkten, wie dem Becken oder dem Brustkorb, ausgeübt werden. Nachdem der Patient umgelagert ist, wird das Rollboard auf dem umgekehrten Weg, wie es untergelegt wurde, wieder entfernt. GleitmattenGleitmatten werden ähnlich verwendet wie Rollboards. Sie haben jedoch keinen harten Kern, sondern bestehen lediglich aus dünnen Stoffschichten.
Rutschbretter
RutschbretterRutschbretter dienen dem Transfer eines Patienten von einem Sitz auf einen anderen. So wird es z. B. für Rollstuhlfahrer vereinfacht, in ein Auto zu steigen. Rutschbretter werden ähnlich verwendet wie Rollboards, bestehen aber vollständig aus festem Material. Viele Patienten mit Mobilitätseinschränkungen nutzen Rutschbretter vollständig ohne fremde Hilfe.

Kinästhetik

Unter dem Begriff KinästhetikKinästhetik wird ein Mobilisationskonzept verstanden, bei dem die Bewegungen von Patienten schonend unterstützt werden. Dabei werden im Wesentlichen folgende Ziele verfolgt:
  • Aktivierung der Bewegungsressourcen des Patienten

  • Vereinfachung der Patientenmobilisation

  • Erhaltung der Gesundheit der Pflegenden und anderen an der Mobilisation beteiligten Personen

Typische kinästhetische Bewegungen sind körpernah, anstrengungslos und langsam. Sie basieren auf den Abläufen natürlicher Bewegungen. Dazu wird der menschliche Körper in zwei grundsätzliche Bereiche unterteilt. Als Massen werden stabile und feste Bereiche bezeichnet. Die sogenannten Zwischenräume sind maßgeblich muskulär aufgebaute, instabile und bewegliche Körperbereiche. So stellen alle Gelenke Zwischenräume dar, während der Brustkorb oder das Becken Beispiele für Massen sind. Die Zwischenräume verbinden die Massen und ermöglichen so die Bewegung. Wenn die Zwischenräume blockiert werden, hemmt dies die selbstständige Bewegung des Patienten.
Wenn sich z. B. ein Patient im Krankentransport selbstständig an den Armlehnen eines Stuhls hochdrücken möchte, ist es nicht ratsam, ihm unter die Arme zu greifen. Dies führt lediglich dazu, dass der Patient nicht mehr in der Lage sein wird, den Druck aufrechtzuerhalten. Die Belastung für beide Seiten verstärkt sich.

Merke

Kinästhetischer Leitsatz: „Die Massen fassen, die Zwischenräume spielen lassen.“

Es wird angenommen, dass die Art und Weise, wie Menschen ihre Alltagsmotorik gestalten, einen Einfluss auf ihre Gesundheitsentwicklung hat. In vielen Teilaspekten wurde dies auch wissenschaftlich bestätigt. Beispielsweise hängen Mobilität und Verdauungstätigkeit maßgeblich zusammen. Auch die soziale Teilhabe pflegebedürftiger Menschen wird durch aktivierende Techniken deutlich erhöht.
Da das Ziel eines Krankentransportes immer eine Veränderung des Aufenthaltsortes eines Patienten ist, ist eine zunehmende Einbindung kinästhetischer Techniken in dieses Arbeitsfeld wünschenswert. Diese werden am besten unter praktischer Anleitung erlernt.

Pflegerische Versorgung

Grundlagen und pflegerische Arbeitstechniken

Im Rettungsdienst und vor allem im KrankentransportKrankentransportpflegerische Versorgung nimmt die pflegerische Betreuung einen hohen Stellenwert ein. Im Folgenden werden Techniken betrachtet, die einer Prophylaxe zur Verhinderung bestimmter Störungen oder der Vermeidung einer Verschlimmerung des Krankheitszustands dienen. Ein weiterer Bestandteil dieses Abschnitts ist der Umgang mit Patienten, die einen besonderen medizinisch-pflegerischen Anspruch an das Rettungsfachpersonal stellen.
Pflegeverständnis im Krankentransport
Das Pflegeverständnis im Krankentransport basiert auf mehreren Säulen. Dabei sind sowohl das Menschenbild des eingesetzten Personals als auch die Bedürfnisse des Gepflegten von entscheidender Bedeutung. Monika Krohwinkels Modell der Aktivitäten des täglichen LebensAktivitäten, Beziehungen und existentiellen Erfahrungen des Lebens sieht „Sich bewegen können“ als eine von 13 Grundaktivitäten (Tab. 27.4). Da Bewegung das entscheidende Merkmal eines Krankentransportes ist, wird schnell klar, welche Parallelen zwischen pflegerischer Arbeit und der Durchführung von Krankentransporten bestehen. Auch darf nicht vergessen werden, dass weitere Aktivitäten des täglichen Lebens wie „Für Sicherheit in der Umgebung sorgen“ oder „Kommunizieren können“ maßgeblich vom Rettungsfachpersonal im Sinne der beförderten Patienten beeinflusst werden können.
Lagerungstechniken
LagerungstechnikenLagerungTechniken kommt sowohl im Rahmen der präventiven Versorgung als auch im Bereich der Behandlung chronischer Störungen eine maßgebliche Rolle zu. Dabei können sowohl lokale (Verhinderung eines Dekubitus durch regelmäßigen Positionswechsel) als auch systemische Prozesse (Verringerung der kardialen Vorlast durch Oberkörperhochlagerung) beeinflusst werden.
Allgemeine Lagerungsarten
Als allgemeine LagerungsartenLagerungArten im Krankentransport gelten z. B.:
  • Die Oberkörperhochlagerung bei Störungen von Atmung oder Herz-Kreislauf-System

  • Die bauchdeckenentlastende Lagerung bei abdominalen Schmerzen oder Rückenbeschwerden

  • Die Extremitätentieflagerung bei arteriellen Verschlüssen

  • Die Extremitätenunterpolsterung bei venösen Verschlüssen

  • Die Linksseitenlage bei Schwangeren

Zu bedenken ist jedoch, dass die meisten Patienten ein sensibles Gespür für angenehme und unangenehme Positionen ihres Körpers haben. Dementsprechend sollte ihnen ein großer Einfluss auf die Auswahl der Lagerungsart ermöglicht werden.
Hinsichtlich der allgemeinen Lagerungstechniken muss insbesondere bei speziellen Patientengruppen darauf geachtet werden, dass bestimmte Formen der Körperwahrnehmungen nicht mehr angemessen funktionieren könnten. So versteht es sich von selbst, dass ein Patient mit einer Armparese nicht direkt auf dem betroffenen Arm gelagert werden darf.
Dekubitusprophylaxe
Ein DekubitusDekubitus ist eine Wunde, die von den oberflächlichen Hautschichten über die tiefer liegenden Bindegewebsschichten bis zum Knochen reichen kann. Schon die Benennung „Dekubitus“ (lat. decumbere = sich niederlegen) und der deutsche Begriff WundliegenWundliegen weisen auf die häufigste Ursache des Dekubitus hin – langes Liegen. Bei der Entstehung der Wundfläche treffen unterschiedliche Aspekte zusammen.
Drei Faktoren spielen bei der Entstehung eines Dekubitus eine Rolle:
  • Druck (Auflagedruck)

  • Zeit (Druckverweildauer)

  • Gewebetoleranz (beeinflussende Faktoren)

Merke

Es gilt immer: Ohne Druck kein Wundliegen!

Das Zusammenspiel dieser Faktoren kann zu den gefürchteten Hautschädigungen führen (Abb. 27.14). Auf intakter, gesunder Haut kann ein Auflagedruck ungefähr zwei Stunden ohne bleibende Schäden toleriert werden. Deutlich gefährdeter sind Patienten mit vorgeschädigter oder schlecht durchbluteter Haut. Beeinflussende Faktoren für eine erhöhte Dekubitusgefährdung können sein: Fieber, Inkontinenz, Fettleibigkeit, Diabetes mellitus, Scherkräfte sowie Abwehrschwächen, allgemeine Durchblutungsstörungen und ein reduzierter Allgemeinzustand. Besonders gefährdet sind die Körperstellen, an denen sich zwischen Haut und darunter liegenden Knochen nur wenig Muskulatur befindet (Abb. 27.15).
Zur Vermeidung eines Druckgeschwürs bei längeren Transport- oder Liegezeiten, insbesondere auf langen Verlegungsfahrten, muss auf die richtige Lagerung und ein regelmäßiges Umlagern des Patienten während des Transportes geachtet werden. Soweit er dazu imstande ist, sollte der Patient möglichst viele Bewegungen eigenständig durchführen. Wenn umgelagert wird, ist darauf zu achten, dass Umlagerungshilfen wie Schlingen oder Manschetten nicht unter dem Patienten liegen bleiben. Der Patient sollte auch nicht in 90°-Seitenlagerung (Halbseitenlagerung) gelagert werden, denn dabei wird die Hautdurchblutung eher verschlechtert. 30°-Lagerungen (Schräglage) sind dagegen erlaubt, da sich der Druck hier auf eine größere Auflagefläche verteilt.
Grundsätzlich sollte der Einsatz von Materialien wie Plastik- oder Kunststofffolien vermieden werden, weil sie die Hautatmung einschränken und zur Feuchtigkeitsansammlung durch Schwitzen führen. Sie erhöhen die Gefahr der Dekubitusentstehung deutlich. Atmungsaktive und aufsaugende Unterlagen sind besser geeignet.
Lagerung bei Kontrakturen
Wenn sich Patienten aus eigener Kraft nicht oder kaum mehr bewegen können, besteht die Gefahr, dass Gelenke in ihrer Funktion und ihrer Beweglichkeit eingeschränkt werden. Ein Muskel, der nicht mehr bewegt wird, schrumpft. Dies führt zur Verkürzung der Bänder, die den Muskel mit der Gelenkkapsel verbinden. Auch die Produktion der Gelenkflüssigkeit ist von der Bewegung abhängig. Sie bildet die sogenannte „Gelenkschmiere“GelenkSchmiere, Kontraktion und ist unter anderem zur Erhaltung der Geschmeidigkeit der Gelenkkapsel notwendig. Wenn diese Schmierung ausbleibt, kommt es zu einer Schrumpfung der Kapsel und somit zur weiteren Versteifung des Gelenks. Diese Funktionseinschränkung durch Verkürzung von Muskeln, Sehnen und Bändern entsteht nach tage- oder wochenlangem Bewegungsmangel und ist als KontrakturKontraktur definiert. Durch die Kontraktur entsteht eine Zwangshaltung, die vom Patienten nicht aufgehoben werden kann (Abb. 27.16).
Die möglichen Ursachen sind vielfältig:
  • Bettlägerigkeit mit Mobilisationseinschränkung

  • Inaktivität (auch therapiebedingt durch Ruhigstellung)

  • Lähmungen

  • Schonhaltungen bei chronischen Schmerzen

  • Großflächige Narben

Die prophylaktischen Maßnahmen nehmen im Rettungsdienst und Krankentransport eine untergeordnete Rolle ein, da sie der länger währenden Pflege zuzuordnen sind. Allerdings muss bei Patienten mit bestehenden Kontrakturen während des Transportes darauf hingewirkt werden, eine Verschlimmerung wie auch eine zusätzliche Schmerzbelastung des Patienten zu vermeiden. Neben dem Aspekt der Dekubitusprophylaxe auf Langstreckenfahrten sollte auch die schonende Lagerung bei bestehenden Kontrakturen berücksichtigt werden. Wichtige Informationen zur Lagerung von betroffenen Patienten sollten beim Übergabegespräch mit dem Pflegedienstpersonal ausgetauscht werden.
Grundsätzlich sollen alle kontrakturgefährdeten Gelenke in physiologischer Mittelstellung gelagert und nicht durch zusätzlichen Druck belastet werden. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass die Lage der Gelenke bei einer etwaigen Versteifung die größtmögliche Arbeitsverrichtung gestattet. Beim Fuß wäre dies z. B. die Möglichkeit des Stehens. Bei bestehenden Kontrakturen müssen die Gelenke so gelagert werden, wie es dem Wunsch des Patienten entspricht, um größtmögliche Schmerzfreiheit zu erreichen. Zur Umlagerung und zum Transport von Patienten mit Kontrakturen sollte ggf. im Vorfeld über eine geeignete Schmerzmedikation nachgedacht werden. Meist verursacht die Lagerung eine zusätzliche Mobilisation und damit verbundene Schmerzen. Häufig ist es bei Patienten mit Kontrakturen schwierig, sie auf der beengten Trage geeignet zu lagern und zu sichern.

Praxistipp

Achten Sie darauf, dass die Bettdecke locker über das Fußende hängt, und stecken Sie sie auf keinen Fall am Fußende fest. So haben die Füße mehr Bewegungsfreiheit.

Unterstützung bei der Be- und Entkleidung
Im Rahmen eines Be- und EntkleidungKrankentransportes kann es vorkommen, dass Patienten Bekleidung anlegen oder wechseln müssen und dabei auf die Hilfe des Rettungsfachpersonals angewiesen sind. Hierfür gelten einige grundsätzliche Regeln:
  • Die Patienten sollten möglichst aktiv mit einbezogen werden.

  • Es erfolgt immer eine Absprache, welche Maßnahmen geplant sind.

  • Bekleidung sollte niemals mit roher Kraft angelegt oder ausgezogen werden.

  • Sollten bestimmte Kleidungsstücke beim Transfer oder Transport hinderlich sein, ist der Patient sachlich darüber aufzuklären.

Ein Oberteil wechseln
Zunächst wird der Patient im Bett aufgerichtet. Idealerweise wird er dazu von hinten gestützt. Im Anschluss daran wird das alte Oberteil soweit möglich hochgerafft und über den Kopf hinweg ausgezogen. Auf diesem Wege kann das alte Oberteil über die Arme gestreift werden. Ein Ärmel des neuen Oberteils wird aufgerafft, was es dem Patienten ermöglicht, seinen Arm hindurchzustecken. Danach wird das neue Oberteil über den Kopf gezogen und der zweite Arm durch den anderen Ärmel durchgeführt.

Achtung

Sollte einer der beiden Arme des Patienten verletzt oder gelähmt sein, wird dieser zuerst angezogen, um Verletzungen vorzubeugen.

Eine Hose wechseln
Hierfür legt sich der Patient auf eine Körperseite. Das oben liegende Hosenbein wird möglichst weit nach unten gezogen. Danach dreht sich der Patient auf die andere Körperseite, woraufhin das verbliebene Hosenbein nach unten gezogen werden kann. Nachdem die alte Hose ausgezogen ist, wird die neue mit derselben Technik, nur in umgekehrter Reihenfolge, angezogen. Das Verschließen der Hose erfolgt in Rückenlage.
Verabreichung von Getränken und Speisen bei Kranken und Verletzten
Die Verabreichung von Speisen und Getränken kann auf Langstreckentransporten zu Schwierigkeiten führen, wenn die orale Nahrungsaufnahme des Patienten krankheitsbedingt behindert ist. Grundsätzlich sollte das Fahrzeug zur Aufnahme von Speisen angehalten werden. Zur Unterstützung gibt es verschiedene HilfsmittelNahrungsaufnahmeHilfsmittel, die auch dem liegenden Patienten die Nahrungsaufnahme erleichtern. Hier zu nennen sind z. B. Schnabelbecher, Schnabeltassen, mit Saugfuß an einem Tablett fixierte Teller oder Becher. Es ist zu beachten, dass für den Patienten in liegender Position eine deutlich größere Gefahr des „Verschluckens“ und damit des Eindringens von Fremdkörpern in die Luftwege (Aspirationbei NahrungsaufnahmeAspiration) besteht. Daher sind nur kleine Schlucke und Nahrungsportionen zu verabreichen. Für die Nahrungsaufnahme sollte der Oberkörper des Patienten leicht angehoben werden.

Merke

Soweit es möglich und aus medizinischer Sicht erlaubt ist, sollte der Patient die Nahrungsaufnahme selbstständig durchführen.

Umgang mit Ausscheidungen
Im Umgang mit AusscheidungenKrankentransportUmgang mit Ausscheidungen sind viele Rettungsdienst- und Krankentransportmitarbeiter ungeübt. Gerade aber bei längeren Transportwegen oder der Einnahme bestimmter Medikamente durch die Patienten sind Grundlagenkenntnisse in diesem Bereich notwendig. Daneben sollte immer darauf geachtet werden, dass Patienten, die Schutzhosen oder Vorlagen tragen, bei Bedarf vor Transportaufnahme von Angehörigen oder Pflegekräften gesäubert werden. Es verbietet sich kategorisch, einen Patienten in einem solchen Zustand zu transportieren.
Umgang mit Steckbecken und Urinflasche
SteckbeckenSteckbecken und UrinflascheUrinflasche sollten sich auf jedem in der Notfallrettung und im Krankentransport eingesetzten Fahrzeug befinden. Der Transport von Patienten, die aus Krankheitsgründen nicht in der Lage sind, Harn und/oder Stuhl zu halten (InkontinenzInkontinenz), kommt im Krankentransport häufig vor. In den meisten Fällen wird der männliche Patient, der Harndrang verspürt, selbst in der Lage sein, die Urinflasche (Abb. 27.17) zu verwenden. Ist er dazu nicht imstande, ist ihm Hilfe anzubieten. Die gefüllte Urinflasche ist in einer entsprechenden Haltevorrichtung zu fixieren und mit einem Verschlussdeckel zu versehen. Bei weiblichen Patienten wird das Steckbecken benutzt.
Das Steckbecken (BettpfanneBettpfanne,Abb. 27.18) ist als Hilfsmittel zur HilfsmittelStuhlausscheidungStuhl- und HilfsmittelUrinausscheidungUrinausscheidung bei bettlägerigen Patienten anzuwenden. Der Patient muss die Beine anwinkeln und das Gesäß anheben, sodass ein Unterschieben des Steckbeckens möglich ist. Eine seitliche Drehung des Patienten ist aufgrund der beengten Verhältnisse auf der Trage meist schwierig. Grundsätzlich ist die richtige Position des Steckbeckens auf der Trage zu prüfen. Die Reinigung der Ausscheidungsorgane ist von vorne nach hinten vorzunehmen, um einer Verschleppung von Fäkalkeimen in das Urogenitalsystem vorzubeugen. Das gefüllte Steckbecken ist in einer entsprechenden Haltevorrichtung zu fixieren und mit einem Verschlussdeckel zu versehen.

Merke

Beim Umgang mit Ausscheidungen sind grundsätzlich Einmalhandschuhe zu tragen.

Einsatz von Einwegartikeln
Neben den beiden beschriebenen Hilfsmitteln existieren inzwischen Einwegurinale, die sowohl für Männer als auch für Frauen genutzt werden können. Diese binden den Urin in einem gelartigen Substrat, was die Entsorgung der Ausscheidungen deutlich erleichtert.
Umgang mit Kathetern, Sonden und Drainagen
Einige Patienten im Krankentransport bedürfen bestimmter pflegerischer oder medizinischer Hilfsmittel, wie etwa eines BlasenkathetersBlasenkatheter, einer WunddrainageWunddrainage oder einer ErnährungssondeErnährungssonde. Nicht selten kommt es bei Transfer- und Transportvorgängen zu Zugkräften auf die sensiblen Schlauchverbindungen, was zu Schäden an ihnen oder zur versehentlichen Entfernung des gesamten Systems führen kann. Zumeist ist dies auch mit Schmerzen für den Patienten verbunden. Als wichtigste Regel im Umgang mit diesen Hilfsmitteln gilt daher, dass sie sorgfältig beachtet und schonend behandelt werden müssen. Auch sollten etwaig vorhandene Schutzverbände gepflegt und sauber sein. Die Auffangbeutel (Abb. 27.19) sollten vor dem Transport, soweit möglich, entleert werden.
Insbesondere bei Blasenkathetern ist es von größter Wichtigkeit, dass ein Rückfluss des Urins verhindert wird, wenn der Auffangbeutel höher liegt als die Harnblase des Patienten. Dies kann mithilfe einer kleinen Klemme am ableitenden Schlauch verhindert werden. Daneben sollte auch das Abknicken der Schläuche während des Transfers oder des Transports verhindert werden.

Achtung

Fließt Urin zurück in die Harnblase des Patienten, wird das Auftreten einer Infektion begünstigt.

Besondere Pflegesituationen

Die meisten Patienten, die vom Rettungsfachpersonal befördert werden, leiden unter Störungen bestimmter Funktionssysteme des menschlichen Körpers. Im Folgenden wird auf einige Besonderheiten bei bestimmten Patientengruppen eingegangen. Zu bedenken ist dabei allerdings immer, dass auch Erkrankungen mehrerer Funktionssysteme bestehen können, die ggf. eine Kombination verschiedener Maßnahmen erforderlich machen.
Patienten mit Beeinträchtigungen von Atemweg und Atmung
Atemnot wird von denKrankentransportPatienten mit Beeinträchtigungen von Atemweg und Atmung meisten Menschen als ungemein bedrohlich empfunden. Dies liegt zum einen in der verminderten Leistungsfähigkeit begründet, die durch den Sauerstoffmangel verursacht wird. Zum anderen geht Atemnot immer mit dem Gefühl des Erstickens und der damit verbundenen Angst einher. Dabei ist zu beachten, dass Angst eine bereits bestehende Atemnot durch eine Aktivierung des vegetativen Nervensystems noch zusätzlich verstärkt. Dies führt oftmals dazu, dass Patienten mit chronischen Erkrankungen der Atemwege hektisch, fahrig oder sehr fordernd auf das Rettungsfachpersonal wirken. Die allererste pflegerische Maßnahme bei diesen Patienten ist es daher, für eine Atmosphäre zu sorgen, die es den Patienten ermöglicht, zur Ruhe zu kommen und zu entspannen. Daneben existiert eine Vielzahl spezieller pflegerischer Maßnahmen, die in Abhängigkeit von der Situation auszuwählen und durchzuführen sind. Siehe hierzu auch Kap. 14.
Lagerung
Die Lagerung der Wahl bei Patienten mit chronischer Atemnot ist die Oberkörperhochlage. Beim kontaktfähigen Patienten sollte dieser die für ihn am besten geeignete Position selbst auswählen. Die Möglichkeit, selbstbestimmt zu entscheiden, kann hier mit einer Reduzierung von Angst und damit der Atemnot einhergehen.
Fortsetzung einer Heimsauerstofftherapie
Viele Patienten mit chronischen HeimsauerstofftherapieAtemwegserkrankungen verfügen über Heimsauerstoffgeräte. Die Sauerstofftherapie sollte durch das Rettungsfachpersonal fortgesetzt werden. Dabei gilt es zu bedenken, dass körperliche Anstrengungen, wie der Patiententransfer, den Sauerstoffbedarf des Patienten steigern. Dem kann mit einer kurzfristigen Erhöhung des Sauerstoffflusses vor der entsprechenden Belastung entgegengewirkt werden.

Achtung

Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen können eine Umstellung des Atemantriebs aufweisen, die mit Bewusstseinsstörungen bei höher dosierten Sauerstoffgaben einhergehen kann. Bei jeder Sauerstofftherapie gilt daher, dass regelmäßige Atmungs- und Bewusstseinskontrollen erfolgen müssen.

Tracheostomaversorgung
Eine Verlegung des Atemwegs auf einem Krankentransport ist selten. Sie kann jedoch insbesondere bei Tracheostomaträgern auftreten. Eine TracheostomieTracheostomie ist ein operativ angelegter ZugangLuftröhreZugang zur Luftröhre, der zur Langzeitbeatmung oder im Vorfeld großer Operationen im Bereich von Kopf und Hals angelegt wird. Er gewährleistet eine Verbindung der Luftwege nach außen. Die Haut wird an der eröffneten Trachea angenäht (TracheostomaTracheostoma). So entsteht ein Kanal aus Haut und Schleimhaut für die Trachealkanüle (Abb. 27.20).
Dieser Kanal muss sehr gründlich gepflegt werden, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Atemluft bei einem tracheotomierten Patienten nicht durch die Nase, sondern unter vollständiger Umgehung der oberen Atemwege durch die Trachealkanüle direkt in die unteren Atemwege gelangt. Der Körper kann die Atemluft nicht ausreichend aufbereiten. Bei Patienten mit einem Tracheostoma (Abb. 27.21) oder einer Trachealkanüle kann es notwendig sein, gehäuft endotracheal abzusaugen. Die Absaugeinheit ist vorzubereiten. Wärme- und Feuchtigkeitsaustauscher, sogenannte künstliche NasekünstlicheNasen, die sowohl einen grob reinigenden Effekt haben als auch eine Befeuchtung der Atemluft sicherstellen, sind ebenfalls häufig genutzte Hilfsmittel. Sie müssen in jedem Falle bereitliegen, um eine vorhandene feuchte Nase bei Verunreinigung sofort austauschen zu können. Falls sie nicht auf dem Krankentransportfahrzeug vorhanden sind, sollten patienteneigene verwendet werden.
Die Sicherstellung und Erhaltung der respiratorischen Funktion des Patienten ist im Rettungsdienst eine Kernaufgabe. Dies gilt in gleichem Maße für Tracheostomapatienten. Von daher muss ein blockierter Luftweg (z. B. durch Sekret, Schleim) bei einem Tracheostomapatienten sofort wieder eröffnet werden. Gelingt dies durch eine ausschließliche Sekretabsaugung nicht, so ist die Kanüle zu entfernen und zu reinigen. Gegebenenfalls muss eine Ersatzkanüle bzw. notfalls auch ein gekürzter oder nur einige Zentimeter vorgeschobener Endotrachealtubus eingesetzt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass es beim Kanülenwechsel zu Verletzungen mit Blutungen in die Atemwege kommen kann. Dem Rettungsfachpersonal sollte bekannt sein, ob die Trachealkanüle fast immer problemlos gewechselt werden kann. Oftmals kann bei guter Durchlässigkeit auf das Einsetzen einer Ersatzkanüle bis zum Erreichen des Transportzieles verzichtet werden. Grundsätzlich kann über ein sauberes Tracheostoma genauso beatmet werden wie über einen intakten Luftweg. Eine sterile Wundversorgung ist obligat.
Patienteneigene Hilfsmittel
Viele Patienten mit chronischen Störungen der Atemfunktionen sind auf Hilfsmittel wie CPAP-Geräte oder mobilen Sauerstoff angewiesen. Nach diesen sollte gezielt gefragt werden. Dabei ist auf spezielle Lagerungsvorschriften zu achten. So dürfen die meisten mobilen Sauerstoffgeräte nur aufrecht transportiert werden.
Heimbeatmete Patienten
Bei heimbeatmeten Patienten sollte vor Transportantritt immer überprüft werden, ob der KTW das richtige Transportmittel für sie darstellt. Oftmals existieren bei professionellen Krankentransportanbietern interne Vorschriften, die den Transport dieser speziellen Patientengruppe regeln.
Patienten mit Beeinträchtigungen von Herz-Kreislauf- und Gefäßsystem
Bei dieser KrankentransportPatienten mit Beeinträchtigungen von Herz-Kreislauf- und GefäßsystemPatientengruppe stehen zwei Problemstellungen im Vordergrund. Zum einen sind Patienten mit chronischen Herzerkrankungen in der Regel vermindert belastbar, zum anderen ist mit lokalen Durchblutungsstörungen und Veränderungen der Blutgerinnung zu rechnen. Siehe hierzu auch Kap. 13.
Allgemeine Besonderheiten bei Transfer und Transport
Eine verminderte Belastbarkeit erfordert oftmals einen sehr kleinschrittigen und gut strukturierten Patiententransfer. Die Patienten sollten bei jedem Arbeitsschritt aktiv mit einbezogen werden. Oftmals wissen sie am besten, welche Belastungen möglich sind und bei welchen sie Unterstützung benötigen. Regelmäßig erhalten Patienten mit kardial bedingten Belastungseinschränkungen Medikamente aus der Gruppe der Diuretika, die harntreibend wirken. Gerade bei längeren Fahrtstrecken sollte ein Toilettengang vor dem Transport ermöglicht werden.
Herzunterstützungssysteme
In seltenen Fällen werden Patienten mit schwerster Herzinsuffizienz mit HerzunterstützungssystemenHerzUnterstützungssystem versorgt (Abb. 27.22). Diese bestehen aus einer implantierten Pumpe, die über ein Kabel mit einer Batterieeinheit verbunden ist. Dabei durchtritt das Kabel die Rumpfwand und stellt somit eine potenzielle Eintrittsstelle für Krankheitserreger in den Körper des Patienten dar. Ein gepflegter und sauberer Verband ist hier von großer Bedeutung. Außerdem ist es möglich, dass sich der Blutfluss in Abhängigkeit von der Funktionsweise der Pumpe verändert. Gegebenenfalls ist er so verfälscht, dass trotz vorhandener Herzarbeit kein Puls getastet werden kann. Dies sollte im Vorfeld mit dem Patienten besprochen werden. Auch ist an eine ausreichende Anzahl Ersatzakkus und das entsprechende Ladegerät zu denken, bevor der Transport eingeleitet wird.
Lagerung bei Störungen der Blutgerinnung und Gefäßverschlüssen
Gerinnungsstörungen sind im Krankentransport zumeist in Form einer herabgesetzten Gerinnungsfähigkeit des Blutes von Bedeutung. Patienten mit chronischen Herzerkrankungen, die regelhaft mit gerinnungshemmenden Medikamenten behandelt werden, und Patienten mit angeborenen Blutgerinnungsstörungen neigen zur schnellen Ausbildung von Hämatomen und sind entsprechend vorsichtig zu transportieren und zu lagern.
Lokale Durchblutungsstörungen können als arterielle oder als venöse Verschlüsse vorliegen. Bei Patienten mit chronischer arterieller Verschlusskrankheit sollten die betroffenen Extremitäten tief gelagert werden, um eine Restdurchblutung zu ermöglichen. Bei venösen Verschlüssen gilt, dass die Patienten nur dann mobilisiert werden dürfen, wenn dies ausdrücklich von einem Arzt bestätigt wurde. Andernfalls besteht das Risiko für ein sekundäres Auftreten einer Lungenembolie. Die betroffene Extremität sollte unterpolstert gelagert werden.

Merke

Bei Unklarheiten im Umgang mit Patienten, die eine Venenthrombose aufweisen, ist es ratsam, sich gegen eine Mobilisation zu entscheiden, um das Risiko für den Patienten entsprechend gering zu halten.

Patienten mit Beeinträchtigungen der Sinne und der neurologischen Funktionen
Da der gesamteKrankentransportPatienten mit Beeinträchtigungen der Sinne und der neurologischen Funktionen menschliche Organismus neurologischen Steuerungsprozessen unterliegt, ist diese Patientengruppe entsprechend vielfältig. So können z. B. Störungen von Bewegung, Wahrnehmung, Handlungsplanung, logischen Denkprozessen, Orientierung oder vegetativen Funktionen vorliegen und die Patientenversorgung bzw. -betreuung entsprechend aufwendig gestalten. Siehe hierzu auch Kap. 15 und Kap. 23.
Störungen der Wahrnehmung und Motorik
Die menschliche Wahrnehmung ist vielfältig. Neben dem Tastsinn, über den der Mensch Druck, Vibrationen oder Berührungen wahrnimmt, existiert eine Vielzahl anderer Sinne. Der Gleichgewichtssinn z. B. ermöglicht es dem menschlichen Organismus, die Stellung des Körpers im Raum wahrzunehmen. Mithilfe des Sehsinns können Licht und die damit transportierten Informationen visuell wahrgenommen werden. Nicht immer sind Störungen dieser Sinne neurologische Prozesse. Dennoch gelten bei allen Wahrnehmungsstörungen ähnliche pflegerische Prinzipien.
Störungen der Motorik können ebenfalls in einer Vielzahl möglicher Formen und Ausprägungen vorliegen. So steht bei einer Parkinson-Erkrankung die Störung des Bewegungsantriebs im Vordergrund, während bei Patienten mit einem Querschnittssyndrom die Bereiche des Körpers unterhalb einer Rückenmarksläsion anteilig oder vollständig gelähmt sind. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass auch das Sprechen ein motorisch bedingter Vorgang ist.
Oftmals sind diese Erkrankungen von Dauer. Betroffene Patienten benötigen daher auf der einen Seite Unterstützung bei der Kompensation dieser Störungen, während sie auf der anderen Seite von einem möglichst umfassenden Erhalt ihrer Selbstständigkeit bei Transfer und Transport profitieren (Tab. 27.5). Das Rettungsfachpersonal steht vor der Schwierigkeit, einen Kompromiss zwischen diesen beiden Aspekten zu finden. Es bietet sich an, den Unterstützungsbedarf während der Patientenübernahme aktiv zu erfragen. Dabei sollte stets zunächst der Patient angehört werden. Angehörige oder Pflegekräfte können weitere Informationen beitragen.
Störungen von Orientierung und Denken
Neben Veränderungen von Wahrnehmung und Motorik liegen bei vielen neurologischen Patienten Störungen kognitiver und emotionaler Verarbeitungsprozesse vor. Diese reichen von Demenzerkrankungen mit Veränderungen der Gedächtnisfunktionen bis hin zu Denkstörungen, die sich z. B. durch das Auftreten von Zwangsgedanken bemerkbar machen können. Mit Veränderungen im Denken und Erinnern geht meist auch eine nachlassende Toleranz für neue Umwelteinflüsse einher. Daraus folgt, dass für solche Patienten ein Krankentransport nicht selten eine größere emotionale Belastung darstellt. Kern der pflegerischen Arbeit mit diesen Patienten ist es daher, möglichst viel Ruhe in die Situation zu bringen und dem Patienten Zeit zu lassen. Die eigene Sprechweise sollte an die Bedürfnisse des Gegenübers angepasst werden. Dabei sollten die Betroffenen jedoch keinesfalls wie Kinder behandelt werden.
Insbesondere im Umgang mit dementen Patienten kann es zu kommunikativen Missverständnissen kommen. Diese können oftmals nicht durch Logik oder Versachlichung behoben werden. Sinnvoller ist es hier zu akzeptieren, dass die Betroffenen Situationen anders wahrnehmen und über sie denken als gesunde Patienten. Beide Seiten profitieren am meisten von einer zugewandten, wertschätzenden und entspannenden Kommunikationsstrategie des Rettungsfachpersonals.
Patienten mit Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates
Im KrankentransportKrankentransportPatienten mit Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates kommt es regelmäßig zum Kontakt mit Menschen, die unter Einschränkungen ihrer Mobilität durch Störungen des Bewegungsapparates leiden (Kap. 18). Aufgrund der Vielzahl möglicher Ursachen ist zu unterscheiden, welche den vorliegenden Störungen zugrunde liegt.
Bei immobilen Patienten gilt generell, dass sie für das Auftreten bestimmter Störungen anfälliger sind als mobile Patienten:
  • Infekte (z. B. Pneumonien)

  • Verdauungsstörungen

  • Thrombosen

  • Kontrakturen

  • Dekubiti

Dementsprechend ist es eine wesentliche Aufgabe von Pflegenden, die entsprechenden Prophylaxen durchzuführen und den Patientenzustand regelmäßig zu überwachen. Da im Rahmen eines Krankentransportes nur ein kurzer Zeitraum abgedeckt ist, sollte sich das Rettungsfachpersonal lediglich auf die Durchführung einer Dekubitus- und ggf. einer Kontrakturenprophylaxe konzentrieren. Bei teilmobilen Patienten sollte darauf geachtet werden, dass sie ihre verordneten Hilfsmittel, wie etwa Unterarmgehstützen, mitführen können. Regelmäßige Mobilisation sorgt bei diesen Patienten für eine Reduzierung des Risikos zur Entwicklung der genannten Störungen.
Gelegentlich kommt es vor, dass Patienten mit bestimmten Extremitätenverletzungen operativ mit einem sogenannten Fixateur externe versorgt werden (Abb. 27.23). Diese Haltevorrichtung besteht aus in den Knochen gebohrten Metallstangen, die aus der Haut herausragen und untereinander verbunden sind. Der Umgang mit diesen Systemen ist in der Regel unkompliziert. Es sollte jedoch bedacht werden, dass ein erhöhtes Infektionsrisiko für diese Patienten vorliegt und dass sich das Gestänge beim Transfer irgendwo verhaken könnte. Insofern ist hier mit besonderer Vorsicht vorzugehen.
Patienten mit Schmerzen
Schmerzen stellen KrankentransportPatienten mit Schmerzensowohl psychisch als auch physisch eine hohe Belastung des Organismus dar. Sie können dabei als Symptom einer Erkrankung bzw. Verletzung oder als eigenständige Störung (SchmerzsyndromSchmerzSyndrom) vorliegen.
Zunächst muss festgestellt werden, ob es sich um chronische oder akute Schmerzen handelt. Beim Auftreten akuter Schmerzen gilt es zu entscheiden, ob diese Situation durch die Fahrzeugbesatzung bewältigt werden kann oder ob ein Notfall vorliegt, aus dem die entsprechenden Schlüsse gezogen werden müssen. Oftmals hängen die Schmerzen mit dem Transportanlass zusammen und können durch einfache Maßnahmen wie der Applikation von Wärme (z. B. durch eine vom Patienten mitgeführte Wärmflasche) oder durch eine Veränderung der Lagerung (z. B. Knierolle bei Patienten mit Schmerzen im Abdomen) gelindert werden. Daneben ist eine angemessene und zugewandte psychische Betreuung unumgänglich.

Praxistipp

Bei chronischen Schmerzen erhalten die Patienten im Regelfall bereits Medikamente. Für das Auftreten sogenannter Schmerzspitzen ist oftmals eine Bedarfsmedikation angeordnet. Bei deren Einnahme kann das Rettungsfachpersonal Hilfestellung geben.

Patienten mit Infektionserkrankungen und Fieber
Die KörperkernTemperaturKrankentransportPatienten mit InfektionskrankheitenKörperkerntemperatur wird durch das Zusammenspiel von Wärmebildung und Wärmeabgabe konstant gehalten. FieberFieber ist als eine krankhafte Sollwertverstellung im TemperaturZentrumTemperaturzentrum des Hypothalamus mit Anstieg der Körperkerntemperatur auf über 38 °C definiert (17.1). Viele Erkrankungen gehen mit Fieber einher. Fieber ist keine eigenständige Erkrankung, sondern eine Reaktion des Körpers auf äußere (z. B. Infektionen) oder innere (z. B. Tumoren) Einflüsse und zeigt lediglich an, dass der Organismus mit Abwehraufgaben belastet ist. Grundsätzlich sollten daher die Höhe und, wenn möglich, die Ursache jedes Fiebers geklärt werden.

Achtung

Bei bestimmten Infektionen oder auch Fieber unklarer Herkunft sind ggf. Eigenschutzmaßnahmen des Personals erforderlich, um sich vor einer Ansteckung zu schützen und um die Krankheit nicht weiterzuverbreiten.

Weitere Symptome bei fiebernden Patienten sind:
  • Müdigkeit und Schwäche

  • Glieder- und Gelenkschmerzen

  • Appetitlosigkeit

  • Frösteln und Schüttelfrost

  • Warme, gerötete Haut, trockene Lippen und Mundschleimhaut

  • Herzrasen

  • Schnelle, flache Atmung

  • Schwitzen, z. T. mit starkem Flüssigkeitsverlust verbunden

Daher sollten diese Patienten zunächst vor weiterer Auskühlung geschützt werden. Bei fiebernden Patienten ist auf einen adäquaten Flüssigkeitsersatz, der häufig oral nicht zu gewährleisten ist, zu achten. Eine großzügige intravenöse Gabe balancierter Vollelektrolytlösungen ist in vielen Fällen angezeigt. Die Überwachung des Temperaturverlaufs während des Transportes ist durchzuführen. Blendende Lichtreize, die störend für den Patienten sind, sollten vermieden werden.

Fehlervorbeugung und besondere Situationen

Allgemeine Fehlervorbeugung

Fehler gehören sowohlKrankentransportFehlervermeidung im privaten als auch im beruflichen Alltag zur Normalität. Sie reichen von einfachen Kleinigkeiten, wie einer vergessenen Brille, die beim Transportabschluss gefunden wird und dem Patienten ohne großen Zeitverzug gebracht werden kann, bis hin zu einem möglichen Schaden für die Gesundheit des Patienten, weil eine leere Sauerstoffflasche übersehen wurde. Um Fehler zu vermeiden, bieten sich sowohl schriftliche Notizen als auch gedankliche Ablaufschemata an. Diese sollten idealerweise selbst erstellt und auf die jeweiligen Besonderheiten im eigenen Arbeitsumfeld angepasst werden. Da Krankentransporte zumeist ohne Zeitdruck geschehen, sollte das Team sich zwischenzeitlich aktiv auf die Anwendung von Merkhilfen und Checklisten konzentrieren. Eine schriftliche Fixierung der Merkhilfen kann helfen, diese auch in unübersichtlichen Situationen anwenden zu können (Tab. 27.6).

Gepäcksicherung

Ein oftmals vernachlässigtes KrankentransportGepäckThema ist die sachgerechte Sicherung von Gepäckstücken während des Patiententransportes. § 22 (1) der Straßenverkehrsordnung regelt hierzu Folgendes:

„Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen sind so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten.“

Hierzu stehen in der Praxis verschiedene Systeme zur Verfügung. Mitarbeiter im Krankentransport sollten entsprechend in die Systeme eingewiesen sein und diese aktiv im Einsatzalltag anwenden. Wenn Patienten mehr Gepäck mitnehmen möchten, als gesichert werden kann, muss eine Alternativlösung für die Verbringung des Gepäcks zum Zielort gefunden werden. Dabei gilt, dass wichtigen Gepäckstücken, wie CPAP-Geräten oder Ersatzbatterien für Herzunterstützungssysteme, Vorrang vor anderem Gepäck einzuräumen ist. Oftmals gelingt hier eine Absprache mit dem Patienten und dessen Angehörigen.

Transportunterlagen

Die TransportunterlagenTransportUnterlagen sind sowohl für den Transportverlauf als auch für die Weiterbehandlung des Patienten und die abschließende Leistungsabrechnung notwendig. Unbedingt sollte aktiv darauf geachtet werden, dass sie korrekt und vollständig ausgefüllt sind. Insbesondere bei Transportverordnungen ist dies wichtig, da sie fehlerhaft ausgefüllt von den Krankenkassen nicht akzeptiert werden müssen. Daneben kann es vorkommen, dass die Wohnortangabe auf dem Transportschein nicht mit dem tatsächlichen Wohnort übereinstimmt, z. B. in dem Fall, dass der Patient umgezogen ist, die Krankenkasse aber noch keine neue Versichertenkarte ausgestellt hat. Vorbeugend sollte bei Entlassungstransporten immer erfragt werden, ob die Zieladresse auch mit der tatsächlichen Anschrift übereinstimmt. Außerdem gehen insbesondere Versichertenkarten aufgrund ihrer Größe leicht verloren. Die Beschaffung von Ersatz ist für den Patienten oder dessen Angehörige mit Aufwand und Kosten verbunden. Durch aktives Ansprechen der Patientenunterlagen und ein persönliches Übergeben der Versichertenkarte während der Patientenübergabe kann dieses Risiko reduziert werden.

Begleitung durch andere Fachkräfte

Gelegentlich wird ein KrankentransportKrankentransportBegleitung durch Fachkräfte in bestimmten Einsatzsituationen durch andere Fachkräfte begleitet. Dies kann z. B. die betreuende Hebamme einer schwangeren Patientin oder aber eine Bezugspflegekraft der ambulanten Intensivpflege sein. Diese Situationen können äußert schwierig werden, denn nicht immer haben Mitarbeiter im Krankentransport und die erwähnten Fachkräfte dieselben Zielvorstellungen. Ziel von ambulanter Bezugspflege und Geburtsbegleitung ist neben der medizinischen Versorgung oftmals auch eine intensive Bindungsarbeit, die in einer großen Nähe zwischen der Fachkraft und ihren Patienten resultieren kann. Dies ist auf der einen Seite förderlich, kann aber auf der anderen Seite vom Rettungsfachpersonal als störend wahrgenommen werden, da sich dieses in seinem Arbeitsbereich nicht ernst genommen fühlen könnte. Unbedingt zu vermeiden sind Konkurrenzsituationen – sie haben im Regelfall einen nachteiligen Effekt auf die Qualität der Patientenversorgung. Es hilft, im Vorfeld gemeinsame Absprachen über die Versorgung während des Transportes zu treffen. Diese könnten sein:
  • Die begleitende Fachkraft bleibt primärer Ansprechpartner des Patienten, die Transportverantwortung trägt allerdings das Rettungsfachpersonal.

  • Entsprechend sollte die Fachkraft in der Nähe des Patienten sitzen dürfen.

  • Die begleitende Fachkraft führt eine fundierte Übergabe durch, damit die fachliche Einschätzung des Patienten auf beiden Seiten möglichst identisch ist.

  • Im Rahmen eines Notfalls tragen die Mitarbeiter des Krankentransportes die Handlungsverantwortung, da sie ihre Arbeitsmittel kennen und auf die Medizinprodukte eingewiesen sind. Der begleitenden Fachkraft kommt eine beratende Funktion zu.

  • Die Mitarbeiter des Krankentransportes sagen zu, die Hilfe der Fachkraft bei Notfällen, die sich in ihrem Kompetenzbereich ereignen, in Anspruch zu nehmen. So ist z. B. die Hebamme während einer plötzlichen Geburt die kompetentere Ansprechpartnerin.

Begleitung durch Angehörige

Angehörigen sollte KrankentransportAngehörigestets die Begleitung des Transportes ermöglicht werden. Dabei gilt es zu klären, ob diese auf dem Beifahrersitz oder einem Begleiterstuhl im Patientenraum befördert werden. Oftmals existieren hierfür bei den jeweiligen Krankentransportanbietern interne Richtlinien. Es sollte bedacht werden, dass Angehörige in der Interaktion mit den beförderten Patienten nicht selten für Unruhe sorgen, die ein Zeichen von Überforderung oder großer Sorge darstellt. Zumeist werden sie daher auf dem Beifahrersitz befördert. In bestimmten Fällen bietet sich eine unmittelbare Nähe zwischen Patient und Angehörigen allerdings auch an:
  • Kinder sind ohne ihre Eltern zumeist verängstigt.

  • Sehr unruhige Patienten können durch Angehörige oft effektiv beruhigt werden.

  • Bei Patienten mit Kommunikationsbarrieren können Angehörige als Vermittler dienen.

  • Bei Palliativpatienten können Angehörige Sorgen und Schmerzen durch ihre bloße Anwesenheit unter Umständen erträglicher machen.

Spezielle Patientengruppen im Krankentransport

Neben Techniken zur pflegerischen Versorgung bestimmter Erkrankungsbilder im Krankentransport sollte das betreuende Team des Krankentransportes außerdem erweiterte Kenntnisse in Bezug auf einige spezielle Patientengruppen haben.
Dialysepatienten
Insbesondere in Städten werden DialysepatientenDialysepatientenKrankentransportDialysepatienten regelmäßig im Rahmen von Krankentransporten angetroffen, da sie mehrfach in der Woche zur Dialysebehandlung befördert werden müssen. Sie stellen je nach Schwere der Grunderkrankung eine sehr heterogene Patientengruppe dar. Zu einigen Dialysepatienten entsteht mit der Zeit ein sehr persönliches und vertrautes Verhältnis. Bei anderen wiederum kann die starke Abhängigkeit, in der sie sich befinden, zu Stimmungsschwankungen und Missmut führen, was von den Mitarbeitern des Krankentransportes zwar ernst genommen, jedoch nicht persönlich aufgefasst werden sollte. Nach einer Dialysebehandlung ist auf die Kreislaufsituation des Patienten zu achten, da ihr Wasser-Elektrolyt-Haushalt während der Dialyse beeinflusst wird.
Psychiatrische Patienten
Psychiatrische PatientenKrankentransportpsychiatrische Patienten stellen eine ebenfalls häufige Patientengruppe im Krankentransport dar. Es gilt zu unterscheiden, ob die psychiatrische Erkrankung auch der Anlass des Transportes ist oder lediglich als Nebenbefund vorliegt.
Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen werden häufig mit Vorurteilen und Stigmatisierungen konfrontiert, die im Krankentransport nicht zum Tragen kommen dürfen. Der Kontakt sollte stets zugewandt und freundlich sein. Irritierendes Verhalten der Patienten sollte von den betreuenden Fachkräften wahrgenommen, aber nicht verurteilt werden. In den seltensten Fällen erwächst durch dieses Verhalten eine Gefahr für das Personal. Sollte es dennoch dazu kommen, können Methoden der Deeskalation angewendet werden. Weitere Kräfte sollten bei Bedarf nachgefordert werden.
Schwangere Patientinnen
Die meisten SchwangerenKrankentransportSchwangere werden durch ihre Angehörigen in die Klinik gebracht. Im Rahmen eines Krankentransportes werden Schwangere befördert, bei denen mit Komplikationen zu rechnen ist oder bei denen die Geburt bereits eingesetzt hat. Dies kann mit Ängsten und Sorgen aufseiten der Patientin und ihres Lebenspartners einhergehen, die beachtet werden sollten. Oftmals hilft es, im Vorfeld im Zielkreißsaal anzurufen, die Ankunft voranzumelden und etwaige Besonderheiten zu erfragen. Einen Überblick bietet auch der Mutterpass, an den unbedingt gedacht werden sollte. Im Falle eines Not- oder Zwischenfalls während des Transportes sollten weitere Kräfte nachgefordert werden.
Onkologische Patienten
Patienten mit Krankentransportonkologische PatientenKrebserkrankungen stellen eine weitere heterogene Gruppe in der Krankenbeförderung dar. Sie alle haben gemeinsam, dass sie von einer Erkrankung betroffen sind, die mit großen Ängsten verbunden ist. Eine angemessene sozial-emotionale Betreuung ist obligat. Tumorerkrankungen können mit verschiedensten körperlichen Beschwerden einhergehen. So sind Anämien und Muskelabbau, die mit einer verminderten Belastungsfähigkeit einhergehen, keine Seltenheit. Auch können, insbesondere im Zusammenhang mit ambulanten Chemo- oder Strahlentherapien, starke vegetative Symptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfälle auftreten, auf die das Rettungsfachpersonal vorbereitet sein sollte. Daneben kann es bei diesen Therapieformen zu Schäden an den Schleimhäuten kommen, die als sehr unangenehm empfunden werden. Ein weiterer zentraler Aspekt in der Betreuung von onkologischen Patienten sind Schmerzen. Diese sind entsprechend ernst zu nehmen.
Adipöse Patienten
Die Zahl der adipösen PatientenKrankentransportadipöse Patienten nimmt in Deutschland in den letzten Jahrzehnten stark zu. So wiesen bei der Mikrozensus-Zusatzerhebung in Deutschland im Jahr 2009 15,7 % der Männer und 13,8 % der Frauen einen BMI von 30 oder höher auf.
Oftmals werden diese Menschen mit starken Vorurteilen konfrontiert. Inzwischen weiß man jedoch, dass die Ursachen für Übergewicht nicht nur in einem fehlerhaften Ess- und Bewegungsverhalten, sondern auch in einer Vielzahl anderer Ursachen, wie genetischen oder hormonellen Faktoren, begründet liegen.
Bei adipösen Patienten sind insbesondere Transfer und Transport erschwert, da konventionelle Transport- und Transferhilfsmittel nicht immer für die entsprechenden Gewichtsbelastungen ausgelegt sind. Zu diesem Zweck werden in immer mehr Regionen Deutschlands spezielle Transportmittel mit einer entsprechenden Zusatzausstattung vorgehalten. Beim Transport in regulären KTW ist die Fahrweise entsprechend anzupassen, da viele Patienten gewichtsbedingt verstärkt Probleme durch die Krafteinwirkungen bei Kurvenfahrten oder Bremsmanövern bekommen. Daneben leiden adipöse Patienten oftmals unter begleitenden Erkrankungen, die bei ihrer Beförderung berücksichtigt werden müssen.
Frisch operierte Patienten
Die Anzahl ambulant operierter Krankentransportambulant operierte PatientenPatienten nimmt stetig zu. Bei diesen Patienten bestehen grundsätzlich dieselben Risiken wie bei jedem anderen operierten Patienten. Zu nennen sind hier eine erhöhte Thrombose-, Embolie-, Blutungs- und Infektionsgefahr. Daher ist eine ausführliche Patientenübergabe bei Übernahme des Patienten erforderlich. Neben dem Krankheitsbild sowie einer Information über den durchgeführten Eingriff müssen dem Rettungsfachpersonal sowohl die potenziellen Risiken als auch notwendige Verhaltensregeln erläutert werden. Vor allem die Medikation während der Operation und möglicherweise im Anschluss daran sollte vor Beginn des Transportes geklärt werden. Treten während des Transportes Komplikationen auf, so muss als mögliche Ursache immer der durchgeführte operative Eingriff in Betracht gezogen und umgehend geeignete Hilfe, z. B. durch eine Notarztnachalarmierung, angefordert werden.

Achtung

Patienten, die nach einer ambulanten Operation noch nicht ausreichend wach und kontaktfähig sind, sollten erst transportiert werden, wenn dieser Zustand überwunden ist.

Umgang mit Notfällen im Krankentransport

Notfälle im KrankentransportKrankentransportNotfall sind nicht alltäglich, kommen aber in regelmäßigen Abständen vor. Oftmals hängen sie mit der Grunderkrankung des Patienten oder dem Transportanlass zusammen. Zunächst gilt hier zu entscheiden, ob die Situation durch das anwesende Personal bewältigt werden kann oder ob weitere Hilfe benötigt wird.
Viele Krankentransportanbieter haben Verfahrensanweisungen für Notfallsituationen erstellt, die zurate gezogen werden können. Einige grundsätzliche Verhaltensregeln sind jedoch immer zu bedenken.
Zunächst erfolgt initial eine Untersuchung nach dem ABCDE-Schema mit einhergehender Behandlung bestimmter Störungen. Viele Patienten profitieren schon von einfachen Techniken, wie der Applikation von Sauerstoff oder der Anpassung der Lagerung. Sollte die Fahrt unterbrochen werden, ist darauf zu achten, den KTW so abzustellen, dass keine Gefahr für die Insassen durch den fließenden Verkehr besteht. Nachrückenden Kräften muss der genaue Standort des Fahrzeugs mitgeteilt werden, damit eine reibungslose Patientenübernahme gewährleistet werden kann. Bis dahin sollte eine engmaschige Überwachung der Vitalzeichen durchgeführt werden. Kommt es zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand, muss an den Einsatz des AED sowie adäquate und unterbrechungsarme Thoraxkompressionen gedacht werden. Basismaßnahmen haben wegen der begrenzten Ressourcen im Krankentransportwagen den absoluten Vorrang vor einer weitergehenden Therapie.

Wiederholungsfragen

  • 1.

    Nennen Sie die möglichen Formen des Krankentransportes. (27.1.1)

  • 2.

    Beschreiben Sie, auf welcher Grundlage die Verordnung von Krankentransporten erfolgt. (27.1.1)

  • 3.

    Erläutern Sie die „4 Es der therapeutischen Kommunikation“. (27.1.4)

  • 4.

    Beschreiben Sie den Ablauf eines Krankentransportes anhand der einzelnen Einsatzphasen. (27.2)

  • 5.

    Worauf ist bei einem rückenschonenden Anheben eines Patienten zu achten? (27.3.1)

  • 6.

    Wann dürfen Sie den Rautek-Griff nicht anwenden? (27.3.3)

  • 7.

    Nennen Sie mindestens drei Transferhilfsmittel und erläutern Sie den Umgang mit ihnen. (27.3.4)

  • 8.

    Nennen Sie die Ursachen, die zur Entstehung eines Dekubitus führen. (27.4.1)

  • 9.

    Welche Maßnahmen ergreifen Sie zur Vermeidung von Dekubiti auf einem Langzeittransport? (27.4.1)

  • 10.

    Wie sollten die betroffenen Gelenke eines Patienten mit Kontrakturen möglichst gelagert werden? (27.4.1)

  • 11.

    Welche Gefahr ist beim liegenden Patienten bei der Verabreichung von Nahrung und Flüssigkeit deutlich erhöht? (27.4.1)

  • 12.

    Erläutern Sie den Umgang mit einem Dauerkatheter während eines Krankentransportes. (27.4.1)

  • 13.

    Welche Maßnahmen müssen bei einem verschlossenen Tracheostoma ergriffen werden? (27.4.2)

  • 14.

    Nennen Sie die Besonderheiten im Umgang mit Herzunterstützungssystemen. (27.4.2)

  • 15.

    Erläutern Sie zwei mögliche Wege, um Fehlern im Verlauf eines Krankentransportes vorzubeugen. (27.5.1)

  • 16.

    Mit welchen Komplikationen müssen Sie beim Transport ambulant operierter Patienten rechnen? (27.5.6)

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