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B978-3-437-48043-0.00015-7

10.1016/B978-3-437-48043-0.00015-7

978-3-437-48043-0

Ursachen für ischämische und hämorrhagische Insulte

[L108]

Schlaganfall (Computertomogramm)

[M469]

Babinski-Babinski-ZeichenZeichen

[L215]

Einteilung der SchlaganfallLähmungenLähmungen

[L190]

Subarachnoidalblutung (SAB): freies Blut in dem mit Hirnflüssigkeit gefüllten Subarachnoidalraum. Blick auf die Hirnbasis mit Circulus arteriosus cerebri

[M235]

AngiografieAneurysmaAngiografie eines Aneurysmas

[T170]

Bandscheibenvorfall: Der Bandscheibenkern drückt auf eine periphere Nervenwurzel.

[L190]

MassenprolapsMassenprolaps L5/S1 rechts, oben: sagittal, unten: transversal

[T412]

Zeichen eines erhöhten HirnDruck, erhöhterHirndrucks

Tab. 15.1
Formkreis Symptom
Bewusstsein
  • Antriebsstörungen, Stimmungsschwankungen, Agitation

  • Amnesie, Orientierungsstörungen

  • Somnolenz bis Koma, Ausfall der Schutzreflexe

Atmung
  • Ateminsuffizienz

  • Cheyne-Stokes-Atmung (Abb. 8.1)

  • Biot-Atmung (Abb. 8.1)

  • Apnoe

Kreislauf Hypertonie und Bradykardie (Druckpuls)
Augen und Pupillen
  • Pupillendifferenz mit einer herdseitigen, lichtstarren und weiten Pupille

  • Beidseitig weite, lichtstarre Pupillen

  • Herdblick, Doppelbilder, Lichtempfindlichkeit

Zerebrale Krämpfe
  • Beugekrämpfe

  • Streckkrämpfe

  • Massen- und Wälzbewegungen

Sonstige
  • Heftiger Kopfschmerz mit Ausstrahlung in den Nacken

  • Meningismus

  • Schwindel, Übelkeit, schwallartiges Erbrechen

  • Schluckauf (Singultus)

Neurologische Notfälle

Jürgen Luxem

  • 15.1

    Bewusstseinsstörungen312

  • 15.2

    Schlaganfall312

  • 15.3

    Nichttraumatische intrakranielle Blutungen315

  • 15.4

    Zerebrale Krampfanfälle (Epilepsie)317

  • 15.5

    Bandscheibenvorfall318

Bei neurologischen NotfallneurologischerNotfällen sind entweder einzelne Nervenbahnen oder größere Gebiete des Nervensystems, z. B. das gesamte Gehirn, betroffen. Da das Nervensystem praktisch alle Lebensvorgänge steuert, reguliert oder beeinflusst, sind die von neurologischen Notfällen ausgehenden Symptome vielfältig und miteinander überaus komplex vernetzt. Die auftretenden Krankheitszeichen hängen von der Lokalisation des neurologischen Ereignisses und dem Grad der Schädigung ab.

Bewusstseinsstörungen

BewusstseinsstörungDas ungetrübte Bewusstsein ohne neurologische Störungen ist Ausdruck einer normalen Funktion des zentralen Nervensystems (ZNS). In diesem Zustand sind die zentral regulierten Schutzreflexe des Patienten erhalten. Ist das Bewusstsein gestört (6.2.1), verringern sich Reizaufnahme und Steuerungsfunktionen des Zentralnervensystems. Bewusstseinsstörungen sind Ausdruck einer akuten Erkrankung und stellen für den Patienten eine lebensbedrohliche Situation dar.
Klassifizierung von Bewusstseinsstörungen
Tiefe und Dauer einer BewusstlosigkeitKlassifizierungBewusstlosigkeit (Koma) hängen vom Schädigungsgrad ab. Bewusstlose Patienten sind durch äußere Reize nicht erweckbar; gezielte und ungezielte Reaktion können jedoch je nach Art und Tiefe der Bewusstseinsstörung erhalten bleiben. Es werden qualitative und quantitative Bewusstseinsstörungen unterschieden. Zu den qualitativen Bewusstseinsstörungen zählen Halluzinationen und Störungen der Denk- und Merkfähigkeit.
Quantitative Bewusstseinsstörungen lassen sich wie folgt einteilen:
  • Die SomnolenzSomnolenz (Benommenheit, Schläfrigkeit) ist die leichteste Form der Bewusstseinsstörung. Die Reaktionen sind verlangsamt und unpräzise. Die Patienten wirken schläfrig, sind jedoch auf Ansprache erweckbar.

  • Der SoporSopor (tiefer Schlaf) ist ein tiefschlafähnlicher Zustand, aus dem der Patient nicht mehr ohne Weiteres erweckbar ist. Nur stärkste Reize, wie Schütteln an den Schultern, lösen noch Abwehrreaktionen aus.

  • Das KomaKoma (tiefer, fester Schlaf) ist die schwerste Form quantitativer Bewusstseinsstörungen, aus der der Patient durch keinerlei äußere Reize mehr erweckbar ist. Die World Federation of Neurosurgical Societies (WFNS) unterscheidet vier Komaformen, an deren Ende der HirnTodHirntod – oft auch Koma V genannt – steht.

Wichtiger für die klinische Beurteilung der Bewusstlosigkeit, des Verlaufs der Bewusstseinsstörung und der daraus entstehenden Folgen ist die Glasgow Coma Glasgow Coma ScaleBewusstlosigkeitGlasgow Coma ScaleScale (GCS, 6.2.1). Mit ihrer Hilfe kann eine objektive Beurteilung des Patienten aufgrund der erreichten Summe aus den Beurteilungsfeldern „Augen öffnen“, „beste verbale Reaktion“ und „beste motorische Reaktion“ erfolgen.

Praxistipp

Im Rettungsdienst sollte die Beurteilung des Bewusstseins unter Zuhilfenahme der Glasgow Coma Scale erfolgen.

Schlaganfall

Der SchlaganfallSchlaganfall ist eine schlagartige (apoplektische) Durchblutungsstörung im Gehirn, die aufgrund der Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff zu neurologischen Ausfällen führt. 80 % aller Schlaganfälle verlaufen als unblutige (ischämische) Insulte. Der komplette Gefäßverschluss verursacht im zu versorgenden Hirnareal den Untergang von Hirngewebe (Nekrose). Das Gewebe erweicht (Abb. 15.2) und nimmt nicht mehr an der Hirnfunktion teil. Die übrigen 20 % sind blutige (hämorrhagische) Insulte in Form nichttraumatischer intrakranieller Blutungen (15.3).
Als Ursachen (Abb. 15.1) für einen SchlaganfallUrsachenischämischen Insult kommen infrage:
  • Arteriosklerose in den Hirngefäßen

  • Thrombosen der venösen Abflussgefäße

  • Arterielle Embolien durch Blutgerinnsel (z. B. Vorhofflimmern) oder Kalkablagerungen

  • Gefäßverengungen durch Gefäßverkrampfungen (Vasospasmen)

  • Gefäßrisse infolge hohen Blutdrucks

  • Spontanblutungen bei gestörter Blutgerinnung

Symptome
Abhängig davon, wie stark und wie lange die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigt ist, kann das betroffene Gehirnareal seine Aufgabe vorläufig oder dauerhaft nicht mehr erfüllen. Die Folgen der beeinträchtigten Gehirnfunktion können Probleme beim Sprechen, eine Halbseitenlähmung (Hemiparese), ein hängender Mundwinkel (faziale Parese) oder Sehstörungen sein.
Begrifflich wird unterschieden:
  • Transitorisch ischämische AttackeTransitorisch ischämische Attacke (TIA) mit einer Symptomdauer von weniger als einer Stunde und ohne Nachweis einer strukturellen Hirnläsion als Ausdruck einer vorübergehenden zerebralen Durchblutungsstörung

  • Ischämischer Insult Insult, ischämischermit einer Symptomdauer von mehr als 24 Stunden, der nicht zu einem nachweisbaren strukturellen Hirnschaden (Narbe) in der diagnostischen Bildgebung (CCT oder kraniale MRT) führt

  • Ischämischer Infarkt Infarktischämischermit einer Symptomdauer von mehr als 24 Stunden, der zu einer nachweisbaren frischen ischämischen Läsion in der diagnostischen Bildgebung (CCT oder kraniale MRT) führt, die sich im Verlauf zu einer Narbe im Gehirn umwandelt

In Abhängigkeit von der Lokalisation der Durchblutungsstörung treten die Symptome nicht nur unterschiedlich lange auf, sondern sind außerdem vielfältig. Kopfschmerzen und Schwindel gelten als wichtige Warnzeichen für einen bevorstehenden Schlaganfall. Oftmals imponiert ein gemessener hoher Blutdruck als Ausdruck einer gesteigerten Durchblutung im Gehirn (Bedarfshypertonie).
Bei einer zentralen Lähmung ist durch Schädigung des ersten motorischen Neurons auch die Pyramidenbahn (3.3.3) geschädigt (Babinski-Zeichen, Abb. 15.3). Da ca. 90 % der Pyramidenbahnfasern im verlängerten Mark zur Gegenseite kreuzen, hat eine Schädigung der linken Hirnhälfte eine rechtsseitige Lähmung zur Folge und umgekehrt. Die Lähmung einer kompletten Körperseite (HemipareseHemiparese, Abb. 15.4), die Lähmung einer Gesichtshälfte (faziale Paresefaziale PareseParese, fasziale) mit herabhängendem Mundwinkel und unkontrolliertem Speichelfluss sowie der unkontrollierte Abgang von Stuhl und Urin lassen auf Ausfälle in der Sensorik und Motorik des Patienten schließen. Sprachstörungen, wie eine verwaschene Sprache und unverständliche Laute (Aphasie), deuten auf eine Störung des Sprachzentrums hin.
Basismaßnahmen
Der Schlaganfall ist eine zeitkritische Erkrankung. Entsprechend der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sind die Ziele der Behandlung durch den Rettungsdienst das rasche Erkennen des Schlaganfalls und der rasche Transport des Patienten in eine geeignete Klinik. Der Notarzt ist bei vitaler Gefährdung des Patienten hinzuzuziehen. Sein Einsatz darf die definitive Therapie, die nur in der Klinik erfolgen kann, aber nicht verzögern. Notfalls treffen sich Rettungswagen und Notarzt auf dem Weg in die Klinik.
Die Basismaßnahmen orientieren sich an den Vitalfunktionen. Das Monitoring umfasst EKG, Sauerstoffsättigung, Blutdruck, Puls und Atmung. Die Blutzuckerbestimmung ist obligat, um eine Unterzuckerung erkennen zu können. Der Patient erhält 2 bis 4 Liter Sauerstoff über eine Maske. Die Lagerung orientiert sich an der Bewusstseinslage und der Kreislaufsituation: Bewusstlose werden in der stabilen Seitenlage gelagert. Ist der systolische Blutdruck über 100 mmHg, erfolgt die Lagerung mit um 30° erhöhtem Oberkörper, sonst ist eine Flachlagerung vorzuziehen. Der ggf. hinzugerufene Notarzt wird die bereits eingeleiteten Maßnahmen durch eine medikamentöse Therapie fortführen, die sich nach dem klinischen Bild und der Schwere der Erkrankung richtet. So erfolgt eine vorsichtige Senkung hypertoner Blutdruckwerte, z. B. mit Ebrantil® (11.2.7), um nur maximal 20 % des Ausgangswertes, wenn der systolische Blutdruck über 220 mmHg liegt.

Nichttraumatische intrakranielle Blutungen

Blutungen im Inneren des Schädels werden HirnBlutungals intrakranielle BlutungintrakranielleBlutungen bezeichnet. Verantwortlich für 60 % aller gefäßbedingten Hirnblutungen ist die intrazerebrale Massenblutung, intrazerebraleMassenblutung. Hierbei handelt es sich um eine Blutung in das Hirngewebe. Intrazerebrale Blutungen entstehen meistens durch Gefäßzerreißung im Rahmen eines hypertensiven Notfalls (13.2.3).
Die SubarachnoidalblutungSubarachnoidalblutung (Abb. 15.5) ist eine arterielle Blutung in den Subarachnoidalraum (3.3.3), die infolge der Ruptur eines angeborenen oder erworbenen AneurysmaHirnAneurysmas (krankhafte Erweiterung einer Arterie, Abb. 15.6) an einer der Arterien des Subarachnoidalraums entsteht. Subarachnoidalblutungen treten meistens aus völliger Gesundheit heraus nach körperlicher Anstrengung, bei Husten oder Pressen auf.
Gemeinsam ist allen Hirnblutungen, dass sie zu einer Volumenzunahme innerhalb des Schädels und einer Zunahme des intrazerebralen Drucks (ICP) führen. Da der das Gehirn umgebende Schädelknochen nicht nachgeben kann, reicht bereits eine kleine Blutung aus, um innerhalb von Minuten einen lebensbedrohlichen Zustand auszulösen.
Symptome
Richtungweisend sind neben den Symptomen des ischämischen Insults, die ebenfalls bei intrakraniellen Blutungen beobachtet werden können, die Zeichen für einen erhöhten Hirndruck, die in Tab. 15.1 zusammengefasst sind.

Achtung

Eine einseitig erweiterte Pupille bei einem wachen und orientierten Patienten spricht am ehesten für eine lokale Erkrankung oder ein direktes Trauma des betroffenen Auges (23.1.1). Dieser Befund liefert keinen Anhalt für eine intrakranielle Raumforderung.

Basismaßnahmen
Die Basismaßnahmen unterscheiden sich nicht von denen bei einem ischämischen Insult. Sie konzentrieren sich auf die Stabilisierung der Vitalfunktionen und die situationsgerechte Lagerung des Patienten. Sie zielen darauf ab, einen weiteren Hirndruckanstieg zu vermeiden. Besonders wichtig ist eine Immobilisation der Halswirbelsäule in Neutrallagerung des Kopfes. Eine Beugung, Überstreckung oder extreme Seitwärtsdrehung des Kopfes oder ein zu eng anliegendes Stifneck® muss vermieden werden. Ansonsten werden insbesondere durch Kompression venöser Gefäße der Abfluss des Blutes aus dem Gehirn behindert und eine weitere Druckerhöhung begünstigt.
Bei Verdacht auf eine intrakranielle Blutung erfolgt der sofortige Notarztruf. Der Notarzt wird nach Anlage eines periphervenösen Zugangs die medikamentöse Senkung des Blutdrucks auf einen systolischen Blutdruck von zumindest 180 mmHg vornehmen. Eine Senkung des Blutdrucks auf Werte unter 180 mmHg systolisch muss außerhalb der Klinik jedoch unterbleiben, da es unmöglich ist, präklinisch eine Ischämie von einer Blutung als Ursache der neurologischen Ausfälle zu unterscheiden.
Ist der Patient tief bewusstlos und sind die Schutzreflexe ausgefallen, wird der Notarzt den Patienten narkotisieren, intubieren und kontrolliert beatmen (12.2).

Zerebrale Krampfanfälle (Epilepsie)

Zerebrale KrampfanfallzerebralerKrampfanfälle (EpilepsieEpilepsien) sind Anfallsleiden des Gehirns durch Spontanentladungen zentraler Neurone. Es werden Epilepsien, die von Geburt an bestehen, von symptomatischen Epilepsien, die infolge einer Erkrankung oder Verletzung entstehen, unterschieden. Allerdings bleibt in mehr als der Hälfte der Fälle die eigentliche Ursache des Krampfanfalls unbekannt (idiopathische Erkrankung).
Symptome
Die Symptome der zerebralen Krampfanfälle werden nach Krampfart und Krampfmuster unterschieden. Die Krampfart beschreibt die Art der auftretenden Muskelverkrampfungen. Bei tonischen Krämpfen (StreckkrampfStreckkrämpfe) kommt es zur maximalen Streckung aller Körperteile. Die Muskulatur ist angespannt und der Körper starr. Die Streckkrämpfe können innerhalb von Sekunden in klonische Krämpfe (BeugekrampfBeugekrämpfe) übergehen, die sich durch schüttelnde und heftig zuckende Bewegungen der Muskulatur auszeichnen.
Die Abfolge der Krämpfe und ihre Ausdehnung über den Körper werden durch das Krampfmuster beschrieben. Ein generalisierter Krampfanfall resultiert aus der Spontanentladung zentraler Neurone, führt zu einer abnormen elektrischen Aktivität des gesamten Gehirns und umfasst in seinen Auswirkungen die Muskelgruppen des ganzen Körpers. Ein fokaler (lat. focus = Herd) Krampfanfall hingegen befällt immer nur eine bestimmte Hirnregion, sodass nur einzelne Körperregionen betroffen sind.
Am häufigsten tritt der Grand-Mal-Grand-Mal-AnfallAnfall (großer Anfall) auf. Er zählt zu den generalisierten Krampfanfällen und äußert sich zu Anfallsbeginn mit einer Aura wie Angstzuständen, Unruhe, Kaltschweißigkeit, Blässe und sensorischen Halluzinationen. Ein Initialschrei markiert den Beginn des Krampfs. Die betroffene Person fällt zu Boden, ist bewusstlos und atmet für die Dauer des Anfalls nicht mehr. Infolgedessen kann sie zyanotisch werden. Die Pupillen werden weit und lichtstarr. Der Puls ist tachykard und der Blutdruck hyperton. Zuerst imponieren tonische, dann folgen klonische Krämpfe. Während des Krampfanfalls kann es zu einem Zungenbiss kommen. Außerdem können ein verstärkter Speichelfluss oder Schaum vor dem Mund bemerkt werden. Die Patienten haben oftmals eingenässt. Im Anschluss an einen Krampfanfall erwacht die betroffene Person meist nur langsam (terminaler Nachschlaf, postiktaler Dämmerzustand) und ist noch bewusstseinsgestört. In dieser Phase kann die Atmung stoßartig sein und eine motorische Unruhe auffallen. Die Patienten sind desorientiert, leiden an Kopfschmerzen, verspüren einen Muskelkater und haben meistens keinerlei Erinnerung an den Krampfanfall.
Das alarmierte Rettungsfachpersonal trifft überwiegend erst nach dem Krampfereignis ein, sodass nur auf einen Krampfanfall anhand folgender Symptome geschlossen werden kann:
  • Zungenbiss

  • Einnässen

  • Terminaler Nachschlaf mit motorischer Unruhe, Desorientierung, Amnesie und Kopfschmerzen

Treten mehrere Krampfanfälle in kurzen Abständen nacheinander auf, ohne dass das Bewusstsein wiedererlangt wurde, oder ist der Krampfanfall langanhaltend, d. h., er hört nicht nach spätestens 5 Minuten auf, so wird von einem Status epilepticusStatus epilepticus gesprochen.
Basismaßnahmen
Während des Anfalls muss der Patient vor Begleitverletzungen geschützt werden. Er ist von scharfen Kanten und spitzen Ecken fernzuhalten. In keinem Fall darf er festgehalten und so versucht werden, den Krampf zu durchbrechen. Das Einschieben eines Beißkeils kann einen Zungenbiss verhindern, ist im Krampfanfall jedoch nicht gefahrlos möglich. Außerdem ist ein Notarzt zu alarmieren.

Achtung

Ein kurz andauernder Krampfanfall tritt häufig zu Beginn eines Kreislaufstillstands auf, wenn die Sauerstoffkonzentration im Gehirn absinkt (Adam-Stokes-AnfallAdam-Stokes-Anfall). Ein postiktales Atemmuster kann zudem einer Schnappatmung sehr ähnlich sein. Daher muss jeder bewusstlose Patient nach einem Krampfanfall sofort auf Kreislaufzeichen hin überprüft werden und ein EKG-Monitoring erhalten.

Nach dem Krampfanfall erfolgt die Lagerung des Patienten in stabiler Seitenlage, bis er das Bewusstsein wiedererlangt hat. Dann kann er mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden. Die Vitalfunktionen werden mit dem üblichen Monitoring kontinuierlich überwacht und gesichert. Um eine Hypoglykämie auszuschließen, muss eine Blutzuckerkontrolle durchgeführt werden. Außerdem erhält der Patient 2 bis 4 Liter Sauerstoff pro Minute über eine Nasenbrille. Während des Krampfs zugezogene Verletzungen werden entsprechend versorgt.

Praxistipp

Nach dem Anfall ist die Bereitschaft zu einem erneuten Krampfgeschehen gesteigert, sodass eine kontinuierliche Überwachung erforderlich ist.

Sollte der Krampfanfall noch anhalten, wird der hinzugezogene Notarzt versuchen, einen venösen Zugang anzulegen und mithilfe von Antikonvulsiva (11.2.1), z. B. Rivotril® oder Valium, den Anfall zu durchbrechen. Alternativ kann auch erwogen werden, Valium® als Rektiole oder Dormicum® über die MAD (Abb. 10.6) zu verabreichen.

Bandscheibenvorfall

Im Laufe des Lebens kommt es früher oder später zu kleineren Einrissen im Faserring einer Bandscheibe. Diese Einrisse führen zu einer Verlagerung des unter Druck stehenden weichen Bandscheibenkerns, was wiederum die Einrisse vergrößern kann. Tritt der weiche Gallertkern der Bandscheibe durch den Faserring in den Spinalkanal, wird dies als BandscheibenVorfallBandscheibenvorfall (DiskusprolapsDiskusprolaps, Abb. 15.7) bezeichnet. Bandscheibenvorfälle ereignen sich am häufigsten im Bereich der Lendenwirbelsäule (Abb. 15.8), seltener sind Vorfälle der Bandscheiben der Halswirbelsäule.
Symptome
Das Leitsymptom des lumbalen Bandscheibenvorfalls ist das Taubheitsgefühl im Bein, das zusätzlich zu dem Rückenschmerz auftritt, den viele Patienten schon in der Vorphase verspürt haben. Weiterhin können starke Schmerzen in dem betroffenen Gebiet, Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule und eine generelle Schonhaltung beobachtet werden. Die Symptome treten oft akut nach starker mechanischer Belastung der Wirbelsäule, wie Heben schwerer Lasten, Gartenarbeit oder Sport, auf.
Basismaßnahmen
Die wichtigste Basismaßnahme ist die schonende Lagerung des Patienten unter Immobilisation der Wirbelsäule auf der Vakuummatratze. Die Umlagerung sollte nach Möglichkeit mit der Schaufeltrage erfolgen. Bei Schmerzen in der Halswirbelsäule wird ein Stifneck® angelegt. Ist die Umlagerung und Immobilisation nicht ohne Schmerzen möglich, muss ein Notarzt zur Schmerzbekämpfung und Sedierung hinzugezogen werden. Das angelegte Basismonitoring überwacht die Vitalfunktionen.

Wiederholungsfragen

  • 1.

    Definieren Sie den Begriff Bewusstlosigkeit. (15.1)

  • 2.

    Welche Bewusstseinsstörungen können unterschieden werden? (15.1)

  • 3.

    Wie erfolgt im Rettungsdienst am besten die Beurteilung von Bewusstseinsstörungen? (15.1)

  • 4.

    Anhand welcher Leitsymptome werden Bewusstseinsstörungen erkannt? (15.1)

  • 5.

    Welche Maßnahmen müssen bei allen Bewusstseinsstörungen, unabhängig von ihrer Ursache, ergriffen werden? (15.1)

  • 6.

    Was ist ein Schlaganfall und wie erfolgt seine Unterscheidung? (15.2)

  • 7.

    Welche Ursachen können einen Schlaganfall auslösen? (15.2)

  • 8.

    Welche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung eines Schlaganfalls? (15.2)

  • 9.

    Welche Symptome lassen ischämische Insulte erkennen? (15.2)

  • 10.

    Welche Basismaßnahmen müssen bei einem ischämischen Insult ergriffen werden? (15.2)

  • 11.

    Wann und wie erfolgt eine Blutdrucksenkung bei einem ischämischen Insult? (15.2)

  • 12.

    Welche intrakraniellen nichttraumatischen Blutungen können unterschieden werden? Beschreiben Sie diese und nennen Sie Ursachen für ihre Entstehung. (15.3)

  • 13.

    Welche Basismaßnahmen werden bei intrakraniellen Blutungen ergriffen? (15.3)

  • 14.

    Was ist ein zerebraler Krampfanfall? Nennen Sie Ursachen und Auslöser. (15.4)

  • 15.

    Welche Krampfarten und Krampfmuster können bei zerebralen Krampfanfällen unterschieden werden? (15.4)

  • 16.

    Beschreiben Sie den Ablauf eines Grand-Mal-Anfalls. (15.4)

  • 17.

    Welche Symptome weisen auf einen abgelaufenen epileptischen Anfall hin? (15.4)

  • 18.

    Welche Gefahren und Komplikationen drohen bei einem zerebralen Krampfanfall? (15.4)

  • 19.

    Welche Basismaßnahmen müssen während und nach dem Krampfanfall ergriffen werden? (15.4)

  • 20.

    Welche Medikamente können einen Krampfanfall unterbrechen? (15.4)

  • 21.

    Was ist ein Bandscheibenvorfall und wie entsteht er? (15.5)

  • 22.

    Welche Therapie führen Sie bei Patienten mit Bandscheibenvorfall durch? (15.5)

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