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B978-3-437-48043-0.00014-5

10.1016/B978-3-437-48043-0.00014-5

978-3-437-48043-0

Pathogenese des Asthma bronchiale

[A400]

Lippenbremse: Durch Aufeinanderpressen der Lippen bei der Ausatmung wird ein positiver Druck in den Atemwegen erzeugt.

[L138]

Heimlich-Handgriff (stehend)

[L190]

Respiratorische Notfälle

Jürgen Luxem

  • 14.1

    Erkrankungen der Atmungsorgane304

    • 14.1.1

      COPD304

    • 14.1.2

      Asthma bronchiale305

    • 14.1.3

      Pneumonie306

  • 14.2

    Respiratorische Notfälle307

    • 14.2.1

      Aspiration und Bolusverlegung307

    • 14.2.2

      Hyperventilationssyndrom309

NotfallrespiratorischerEine Störung der Atmung wird als respiratorische Insuffizienz bezeichnet. Das Leitsymptom der Atemstörung ist die Atemnot. Unabhängig von der Ursache besteht immer die Gefahr einer Unterversorgung des Organismus mit Sauerstoff (HypoxieHypoxie), des Bewusstseinsverlustes und des Atemstillstandes (ApnoeApnoe).

Erkrankungen der Atmungsorgane

COPD

Die Bezeichnung COPD, chronic obstructive pulmonary diseaseCOPD (Chronic Obstructive Pulmonary Dchronic obstructive pulmonary diseaseisease) ist ein Sammelbegriff für chronisch obstruktive und fortschreitende Lungenerkrankungen, die durch Husten, vermehrten Auswurf von zähem, glasigem Schleim und Atemnot unter körperlicher Belastung gekennzeichnet sind. Dabei sind die Atemwege verengt und vor allem die Ausatmung ist behindert. Diese Atemwegsenge lässt sich mit Medikamenten nicht mehr vollständig zurückbilden. Im Rahmen der COPD treten in erster Linie zwei Krankheitsbilder gemeinsam auf:
  • die chronische Bronchitis und

  • das Lungenemphysem.

Die chronische Bronchitis, chronischeBronchitis ist eine dauerhafte Entzündung, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als chronischer Husten mit und ohne Auswurf definiert wird, der an den meisten Tagen eines Jahres, mindestens aber je drei Monate lang in zwei aufeinanderfolgenden Jahren auftritt.
Das LungeEmphysemLungenemphysem ist eine nicht rückbildungsfähige (irreversible) Überblähung der Lunge, die zu einer Einschränkung der wichtigsten Lungenfunktionen führt – der Versorgung des Körpers mit Sauerstoff und der Abgabe von Kohlendioxid aus dem Körper in die Umgebungsluft. Zusätzlich zur Überblähung der Lunge kommt es beim Lungenemphysem zu einer Zerstörung von Lungenstrukturen in den Lungenbläschen.
Die COPD ist die häufigste Atemwegserkrankung. Sie entwickelt sich infolge einer jahrelangen Belastung der Lunge bzw. Bronchialschleimhaut durch eingeatmete schädliche Stoffe (z. B. Zigarettenrauch). Die Bezeichnung COPD wurde gewählt, um die chronisch obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem vom Asthma Asthma bronchialebronchiale abzugrenzen. Asthma und COPD haben auf den ersten Blick zwar sehr ähnliche Symptome, sind aber zwei ganz verschiedene Krankheiten. Erste Unterschiede zeigen sich schon bei der Ursache: Zigarettenrauchen ist als Ursache des Asthmas bisher nicht belegt, gilt aber als Hauptursache der COPD. Das Asthma beginnt in der Kindheit und Jugend, die COPD entwickelt sich im höheren Lebensalter. Die Atemnot beim Asthma tritt anfallsartig auf, bei COPD unter Belastung. Der Verlauf der Atemwegsenge und auch der Erkrankung ist beim Asthma wechselhaft und episodisch, bei der COPD ist es eine dauerhafte Beeinträchtigung, die von Jahr zu Jahr immer stärker wird. Die Enge der Atemwege lässt sich beim Asthma in der Regel gut zurückbilden, bei der COPD kaum. Asthmatiker sprechen bei der Langzeitbehandlung, im Gegensatz zum Großteil der COPD-Patienten, gut auf inhalierbares Kortison an.
Symptome und Krankheitsfolgen (Cor pulmonale)
Typische Symptome einer COPD sind:
  • Produktiver Husten (überwiegend morgens, „Raucherhusten“Raucherhusten)

  • Belastungsdyspnoe, Zyanose an den Lippen und Fingern (AkrozyanoseAkrozyanose)

  • Später auch Ruhedyspnoe

  • Verlängerte Ausatmung mit Giemen und Brummen

  • Leises Atemgeräusch

Der erhöhte Strömungswiderstand in den tiefen Atemwegen verursacht eine Sauerstoffunterversorgung (Hypoxie) in den zu gering oder nicht ventilierten Alveolen. Der Patient versucht, die Luft unter Kraftanstrengung auszuatmen. Dabei werden die kleinen Bronchien weiter eingeengt. Dadurch kann die Ausatemluft aus den Alveolen nicht oder nur erschwert entweichen. So überblähen die Alveolen allmählich. Infolgedessen verengen sich die Kapillaren des Lungenkreislaufs (3.1.3). Folgen sind eine Erhöhung des Gefäßwiderstandes und ein gestörter Blutfluss in der Lunge (pulmonale HypertoniepulmonaleHypertonie). Das Blut staut sich bis zur rechten Herzhälfte zurück, die linke Herzhälfte erhält zu wenig oxygeniertes Blut aus der Lunge. Außerdem muss die rechte Herzhälfte gegen einen zunehmenden Widerstand arbeiten. Bei einer über viele Jahre bestehenden COPD entwickelt sich eine chronische Rechtsherzbelastung. Der rechte Ventrikel dehnt (Dilatation) oder vergrößert sich, ohne an Muskelmasse zuzulegen (HypertrophieHypertrophie). Diese Form der Rechtsherzinsuffizienz (13.1.1) wird chronisches Cor Corpulmonalepulmonale („Lungenherz“LungeHerz) genannt.
Basismaßnahmen
Die wichtigste Maßnahme ist das Vermeiden einer Exposition mit den schädlichen Stoffen, z. B. durch Einstellung des Zigarettenrauchens. Die medikamentöse Langzeitbehandlung orientiert sich am Schweregrad der Erkrankung und wird durch den Hausarzt bzw. Lungenfacharzt durchgeführt.

Asthma bronchiale

Das Asthma Asthma bronchialebronchiale (BronchialasthmaBronchialasthma) ist eine Krankheit, die durch anfallsartig auftretende, schwere Atembeschwerden mit Zyanose gekennzeichnet ist. Die schwere Atemnot des Asthma bronchiale ist durch eine Trias charakterisiert:
  • Verdickung der die Atemwege auskleidenden Schleimhaut (Schleimhautschwellung)

  • Kontraktion der Bronchialmuskulatur (Bronchospasmus)

  • Übermäßige Schleimabsonderung (Hypersekretion).

Schleimhautschwellung, Bronchospasmus und Hypersekretion führen insgesamt zu einer Zunahme des Atemwegswiderstandes und werden als BronchialobstruktionBronchialobstruktion bezeichnet (Abb. 14.1). Diese Hindernisse beeinträchtigen vorwiegend die Ausatmung (Exspiration). Das Bronchialasthma wird durch unterschiedliche Faktoren einzeln oder gemeinsam ausgelöst.
Ausgehend von den auslösenden Faktoren, wird zwischen einem allergischen (extrinsic) und nichtallergischen (intrinsic) Asthma bronchiale unterschieden. Beim allergischen (extrinsic) Asthma bronchiale ist die Reaktion der IgE-Antikörper die alleinige Ursache für die Erkrankung. Durch den Kontakt mit einem Allergen reagieren die Mastzellen mit der massenhaften Ausschüttung von Histamin.
Auslöser für ein allergisches Asthma bronchiale sind:
  • Inhalationsallergene, z. B. Blütenpollen, Mehlstaub oder Hausstaubmilben

  • Medikamente, z. B. Antibiotika, ASS, Röntgenkontrastmittel

  • Nahrungsmittel, insbesondere Eiweiße und Konservierungsmittel

  • Insektengifte, z. B. von Bienen und Wespen

Beim allergischen Asthma bronchiale kann eine familiäre gesteigerte Empfindlichkeit gegen Umweltallergene bestehen (AtopieAtopie) und an die Nachkommen vererbt werden. Das allergische Asthma ist die häufigste Form des Asthma bronchiale in der Jugend.
Mit dem Begriff des nichtallergischen (intrinsic) Asthma bronchiale werden dagegen alle Formen der Erkrankung ohne allergische Ursache erfasst. Es handelt sich zumeist um Virusinfektionen und unspezifische Reize, z. B. körperliche Belastungen.
Auslöser eines nichtallergischen Asthma bronchiale sind:
  • Atemwegsinfekte

  • Körperliche Belastung

  • Kälteexposition, Rauch, Nebel

  • Angst, Stress

Symptome
Die anfallsartig auftretende Atemnot gilt als Leitsymptom. Sie verschlimmert sich besonders durch Hustenattacken und Todesangst. Bei der Ausatmung des Patienten ist ein deutliches Giemen und Brummen zu hören. Die Exspirationsphase ist deutlich verlängert. Die Atemfrequenz ist beschleunigt (TachypnoeTachypnoe). Die Haut verfärbt sich zyanotisch. Zunächst sind die Finger und Lippen betroffen, bei fortschreitender Atemnot auch der Körperstamm. Der Patient atmet unter Einsatz der Atemhilfsmuskulatur (OrthopnoeOrthopnoe). Dazu sitzt er mit erhöhtem Oberkörper, drückt die Brust nach außen und stützt sich mit den Armen nach hinten ab. Hypertonie und Tachykardie sind Ausdruck der Stressreaktion. Gestaute Halsvenen deuten auf eine akute Rechtsherzbelastung hin.
Basismaßnahmen
Die Basismaßnahmen beim Asthma bronchiale müssen die Oberkörperhochlagerung, die vorsichtige Sauerstoffgabe von 2–4 l/min über eine Nasensonde, die Beruhigung des Patienten und das kontinuierliche Monitoring (EKG, Blutdruck, Pulsoxymetrie) umfassen. Der Patient sollte zur Lippenbremse (Abb. 14.2) angehalten werden, wodurch ein positiver Gegendruck in den Atemwegen erzeugt wird, der der Bronchialobstruktion entgegenwirkt. Die Notarzt-Alarmierung muss so schnell wie möglich erfolgen.
Der Notarzt setzt die Maßnahmen des Rettungsfachpersonals fort. Er wird einen venösen Zugang anlegen und die weiterführende medikamentöse Therapie einleiten. Diese muss sich am klinischen Bild und an der Schwere der Atemwegsobstruktion orientieren. Die Infusion balancierter Vollelektrolytlösungen (11.2.17) wird das Abhusten des zähen Schleims erleichtern. Eine Erweiterung der Bronchien erfolgt durch Gabe von kurzwirksamen β2-Sympathikomimetika (11.2.9) in Kombination mit kurzwirksamen Anticholinergika. Die Anticholininergika (z. B. Atrovent®) hemmen die parasympatischen Nerven an den Bronchien. Beide Medikamente werden inhalativ über eine Verneblermaske verabreicht. Systemische Kortisonpräparate (z. B. Solu-Decortin H®, 11.2.16) wirken Schleimhaut abschwellend und reduzieren die Schleimproduktion. Bei starker Unruhe oder Todesangst wird der Notarzt eine vorsichtige Sedierung mit Promethazin (z. B. Atosil®) oder Midazolam (z. B. Dormicum®, 11.2.1) in Erwägung ziehen. Reproterol (z. B. Bronchospasmin®) kann als Bolus intravenös oder zusätzlich in die balancierte Vollelektrolytlösung gegeben werden.

Pneumonie

Eine LungeEntzündungLungenentzündung (PneumoniePneumonie) ist eine akute oder chronische Entzündung des Lungengewebes. Die Pneumonie ist die am häufigsten zum Tode führende Infektionskrankheit in den westlichen Industrienationen. Die Entzündungsreaktionen können durch Bakterien oder Viren (Pneumonie), physikalische (z. B. Strahlen) oder chemische (z. B. Magensaftaspiration) Stoffe (Pneumonitis) hervorgerufen werden. Bakterielle oder virale Pneumonien sind meist ansteckend (infektiös). Abwehrgeschwächte Patienten unterliegen einem erhöhten Erkrankungsrisiko.
Symptome
Die Symptome sind abhängig vom Erregertyp und begünstigenden Faktoren, z. B. dem Ausmaß des entzündeten Lungengewebes, sowie von der Abwehrlage des Patienten. Die bakterielle Pneumonie beginnt häufig mit Schüttelfrost, gefolgt von hohem Fieber und Husten mit zähem Auswurf. So ist die Pneumokokkenpneumonie durch einen schnellen und steilen Fieberschub gekennzeichnet. Die Betroffenen machen einen sehr kranken Eindruck.
Die virale Pneumonie dagegen beginnt meist schleichender als die bakterielle Lungenentzündung. Schüttelfrost kommt kaum vor. Das Fieber steigt nur langsam an und erreicht selten Temperaturen über 38,5 °C. Der Husten ist lang anhaltend und quälend; es wird aber meist kein Auswurf produziert und die Patienten leiden selten unter akuter Atemnot.
Komplikationen
Lebensbedrohliche Komplikationen treten vor allem bei bakteriell verursachten Pneumonien auf. Eine der schlimmsten Komplikationen ist neben der Sepsis (9.3.5) die respiratorische Insuffizienz, respiratorischeInsuffizienz, die einen schweren Sauerstoffmangel im gesamten Körper bewirkt. Überfluten die Krankheitserreger den Organismus des Patienten (Sepsis), kommt es an vielen Stellen im Körper zu weiteren Entzündungsreaktionen, die in der Folge zu Schock und Tod führen können. Weitere Komplikationen sind:
  • Ansammlung von Eiter im Pleuraspalt (Pleuraempyem) durch Verschleppung der Krankheitserreger

  • Infektionen anderer Organe, wie Gehirn, Hirnhäute und Herz

  • Thrombosen durch lange Bettruhe

Basismaßnahmen
Die Basismaßnahmen orientieren sich an den Vitalfunktionen und umfassen die Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und die Sauerstoffgabe über eine Insufflationsmaske. Zur Überwachung werden EKG-Monitor und Pulsoxymeter angeschlossen. Der Blutdruck wird regelmäßig gemessen. Bei schwerer Dyspnoe und schlechter Sauerstoffsättigung oder gar Bewusstseinseintrübung ist der Notarzt nachzualarmieren.

Respiratorische Notfälle

Aspiration und Bolusverlegung

Der Begriff „Aspiration“Aspiration bezeichnet das Eindringen von flüssigen oder festen Stoffen in die Atemwege mit teilweiser oder vollständiger Verlegung. Aspiriert werden häufig:
  • Nahrungsbestandteile (z. B. Fleischbrocken)

  • Magen-/Darminhalt (z. B. Erbrochenes)

  • Blut

  • Fremdkörper (z. B. Spielzeug, Münzen, Murmeln, Gebiss)

Meist sind Säuglinge, Kleinkinder, alte oder alkoholisierte Patienten betroffen. Bei Säuglingen und Kleinkindern kommt es meist zu versehentlicher Aspiration von Fremdkörpern während des Spielens. Wegen der Enge der Atemwege ist eine Verlegung besonders gefährlich. Bei alten oder alkoholisierten Patienten kann eine Aspiration von Nahrungsbestandteilen infolge verlangsamter Schutzreflexe oder Bewusstseinsstörungen auftreten. Flüssige Stoffe dringen dabei ungehindert in die tiefen Atemwege ein.

Praxistipp

Durch die Flachlagerung von bewusstseinsgetrübten bettlägerigen Patienten, die über eine PEG-Sonde ernährt werden, kommt es immer wieder zum Reflux und zur Aspiration von Sondenkost, die aufgrund der grobblasigen Rasselgeräusche an ein Lungenödem denken lassen.

Ein BolusgeschehenBolusgeschehen ist die extremste Form der FremdkörperAspirationFremdkörperaspiration. Durch den Fremdkörper (Bolus) werden die oberen Luftwege teilweise oder komplett verschlossen. Neben der Erstickungsgefahr kann der Bolus zu einer Stimulation des an der Rachenhinterwand verlaufenden N. vagus (3.3.4, 3.3.5) führen und reflektorisch einen Kreislaufstillstand hervorrufen (BolustodBolustod).
Symptome
Die auftretenden Symptome von Aspiration oder Bolusgeschehen sind abhängig von Größe und Konsistenz des aspirierten Materials und entsprechen bei Verlegung der Atemwege denen der akuten Atemnot:
  • Starker Husten

  • Hochgradige Atemnot, Tachypnoe und Zyanose

  • Unruhe, Todesangst

  • Tachykardie, bei Bolusgeschehen Bradykardie

  • Hypertonie, bei Bolusgeschehen Blutdruckabfall

  • Atem- und Herz-Kreislauf-Stillstand nach Bolusverlegung

Führt der Fremdkörper zu einer Verlegung der Speiseröhre und nicht der Atemwege, so treten folgende Symptome ohne schwerwiegende Beeinträchtigung der Atmung auf:
  • Retrosternale und/oder epigastrische Schmerzen

  • Schluckstörungen, vermehrter Speichelfluss (HypersalivationHypersalivation)

  • Würgereiz

  • Subjektive Dyspnoe

Basismaßnahmen
Von entscheidender Bedeutung für den Therapieerfolg ist das Zeitintervall zwischen der Aspiration und dem Beginn der Basismaßnahmen. Die Basismaßnahmen zielen bei spontan atmenden und bewusstseinsklaren Patienten auf die Sicherung der Atemfunktion.
Bei milden Atemwegsbehinderungen werden die Patienten zum Husten aufgefordert. Stoßweises Husten kann durch den dabei erhöhten Atemwegsdruck den Fremdkörper ausstoßen. Bei schweren Atemwegsbehinderungen, wenn das versuchte Abhusten des Fremdkörpers wirkungslos bleibt, stellt sich der Helfer etwas seitlich hinter den Patienten und verabreicht ihm 5 Rückenschläge mit dem Handballen zwischen die Schulterblätter. Kann die Atemwegsbehinderung mit diesen Maßnahmen nicht beseitigt werden, wird das Heimlich-Manöver angewendet.
Zur Durchführung des Heimlich-Handgriffs (Abb. 14.3) Heimlich-Handgriffbei Patienten mit erhaltenem Bewusstsein schlingt der Helfer von hinten die Arme um die Taille des Patienten, dessen Arme und Oberkörper frei herunterhängen. Er platziert seine Faust zwischen dem untersten Rippenbogen und Bauchnabel in der Mittellinie (epigastrischer Winkel) und umfasst sie mit der anderen Hand. Anschließend drückt er die Faust mit Unterstützung der anderen Hand kräftig in die Bauchdecke in Richtung Zwerchfell. Wiederholen Sie den Heimlich-Handgriff bis zu 5-mal. Falls die Atemwegsbehinderung nicht beseitigt werden kann, werden jeweils 5 Rückenschläge und 5 Oberbauchkompressionen abwechselnd wiederholt.
Sollte der Patient zu irgendeinem Zeitpunkt bewusstlos werden oder bereits bewusstlos aufgefunden werden, muss umgehend mit der Reanimation (8.2.3) begonnen werden. Die Thoraxkompression erzeugt einen höheren Druck in den Atemwegen als die Oberbauchkompression (Heimlich-Manöver) und kann zum Ausstoßen des Fremdkörpers führen. Da der Fremdkörper in der Regel nicht komplett ausgestoßen wird, muss die Mundhöhle im Rahmen der Reanimation vor der Beatmung inspiziert werden und das Freimachen und Freihalten der Atemwege durch Absaugen von Flüssigkeiten oder manuelles Ausräumen von festen Stoffen erfolgen. Die Reanimation erfolgt im Verhältnis 30 : 2 und ist so lange durchzuführen, bis sich der Patient erholt und zu atmen beginnt.
Bei Kindern mit hochgradiger Atemnot und hörbarem Stridor kann durch Oberkörpertieflagerung und Schläge auf den Rücken zwischen die Schulterblätter (Abb. 22.2) versucht werden, besonders fest sitzende Fremdkörper durch das Erzeugen einer intrathorakalen Druckerhöhung zu entfernen (22.3.2).
Patienten, bei denen der Fremdkörper nicht zu einer Beeinträchtigung der Atmung führt, werden mit erhöhtem Oberkörper gelagert.

Hyperventilationssyndrom

Bei Angst, Aufregung, Wut und Stress oder auch bei starken Schmerzzuständen verändert sich die normale Atmung und wird entweder rascher und flacher oder steigert sich zur Hyperventilation (schnelle und tiefe Atemzüge). Plötzliches Erschrecken kann zu einem vorübergehenden Atemstillstand führen, gefolgt von einer intensivierten Atmung. Das HyperventilationSyndromHyperventilationssyndrom ist als eine Unterform der PanikstörungPanikstörung anzusehen. Junge Frauen sind davon häufiger als Männer betroffen.
Das Hyperventilationssyndrom beschreibt eine über das physiologische Bedürfnis hinausgehende Beschleunigung und Vertiefung der Atmung. Über die vertiefte Kohlendioxid-(CO2-)Abatmung fällt der Kohlendioxidgehalt im Blut stark ab (HypokapnieHypokapnie). In der Folge steigt der pH-Wert an (respiratorische Alkalose, 3.9.3). Daraufhin wird im Blut vorliegendes freies Kalzium (Ca2+) verstärkt an Eiweiße gebunden. Dadurch entsteht ein relativer Kalziummangel. Da aber ein ausreichender Kalziumspiegel Voraussetzung für eine einwandfreie Muskelarbeit ist, kommt es zu einer gesteigerten neuromuskulären Erregbarkeit mit Kribbeln (ParästhesienParästhesien) und Krämpfen (PfötchenstellungPfötchenstellung), beginnend an den Händen. Außerdem entsteht ein muskulärer Bronchospasmus, der bei den Patienten ein Erstickungsgefühl und panische Angstzustände auslöst, wodurch sich der gesamte Vorgang wiederholt und verstärkt wird.

Merke

Das Hyperventilationssyndrom ist kein lebensbedrohliches Krankheitsbild. Die Ursachen sind meist psychogener Natur.

Symptome
Die Symptome sind abhängig von der Dauer und Intensität der Hyperventilation:
  • Kribbelgefühl (Parästhesien) in den Fingern und um den Mund herum

  • Pfötchenstellung (Verkrampfungen) der Hände und Krämpfe am Mund („Karpfenmaul“Karpfenmaul)

  • Nervosität, Unruhe, Panik

  • Schwindel, Kopfschmerzen

  • Druckgefühl in der Brust

  • Atemnot, Erstickungsgefühl

  • Kollaps/Synkope/Bewusstseinsverlust

Basismaßnahmen
Als Basismaßnahmen sind der beruhigende Zuspruch und die Atmungsanleitung durchzuführen. Ziel ist, die Hyperventilation zu durchbrechen. Hierzu sollen die Patienten in eine Tüte oder Hyperventilationsmaske hineinatmen. Dadurch soll das ausgeatmete Kohlendioxid zurückgeatmet werden, um den CO2-Gehalt im Blut zu erhöhen und damit der Hypokapnie, der respiratorischen Alkalose und den Parästhesien und Krämpfen entgegenzuwirken. Die medikamentöse Therapie bleibt dem Notarzt vorbehalten. Dieser sollte dann alarmiert werden, wenn die Basismaßnahmen zu keinem nennenswerten Erfolg führen. Er wird versuchen, nach Anlage eines intravenösen Zugangs mithilfe von Sedativa (z. B. Valium®, 11.2.1) die Hyperventilation zu durchbrechen.

Merke

Eine Hyperventilation mit auftretenden Verkrampfungen wird HyperventilationTetanieHyperventilationstetanie (TetanieTetanie = Störung der Motorik und Sensibilität bei neuromuskulärer Erregbarkeit infolge eines Kalziummangels) genannt.

Wiederholungsfragen

  • 1.

    Definieren Sie den Begriff der respiratorischen Insuffizienz. (Kap. 14)

  • 2.

    Nennen Sie Ursachen für das Auftreten einer respiratorischen Insuffizienz. (Kap. 14)

  • 3.

    Was ist eine COPD? Welche Krankheitsbilder werden darin zusammengefasst? (14.1.1)

  • 4.

    Erläutern Sie die pathophysiologischen Vorgänge bei der COPD. Nennen Sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu denen beim Asthma bronchiale. (14.1.1)

  • 5.

    Welche langfristigen Folgen sind bei COPD-Kranken zu erwarten? Welche Notfälle können daraus entstehen? (14.1.1)

  • 6.

    Wie ist ein Asthma-bronchiale-Anfall definiert? Nennen Sie Ursachen für das Auftreten von Asthma-Anfällen. (14.1.2)

  • 7.

    Beschreiben Sie die Symptome und erläutern Sie die Therapie beim Asthma-bronchiale-Anfall. (14.1.2)

  • 8.

    Definieren Sie den Begriff „Pneumonie“. Nennen Sie Risikogruppen. (14.1.3)

  • 9.

    Welche Symptome treten bei einer Pneumonie auf? Nennen Sie mögliche Komplikationen. (14.1.3)

  • 10.

    Erläutern Sie die präklinische Therapie bei der Pneumonie und nennen Sie mögliche Differenzialdiagnosen. (14.1.3)

  • 11.

    Was ist eine Aspiration? Nennen Sie typische Risikogruppen und Aspirate. (14.2.1)

  • 12.

    Welche Komplikationen drohen bei der Aspiration von Magensaft? (14.2.1)

  • 13.

    Definieren Sie die Begriffe „Bolusgeschehen“ und „Bolustod“. (14.2.1)

  • 14.

    Erläutern Sie die Verfahren zur Fremdkörperentfernung. Nennen Sie die Komplikationen. (14.2.1)

  • 15.

    Welche Ursachen führen zu einer Hyperventilation? (14.2.2)

  • 16.

    Wie entsteht die respiratorische Alkalose und welche Folgen hat sie? (14.2.2)

  • 17.

    Beschreiben Sie die Symptome bei einer Hyperventilation und erläutern Sie die Therapie. (14.2.2)

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