© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-48073-7.00005-5

10.1016/B978-3-437-48073-7.00005-5

978-3-437-48073-7

Abb. 5.1

[L190]

a) 4 Wochen alter Embryo, b) endgültige Strukturen. I–VI: Schlundbögen. Oberkiefer und Unterkiefer entwickeln sich aus dem 1. Schlundbogen. Der Kehlkopf entsteht hauptsächlich aus dem 4. und 6. Schlundbogen.

Abb. 5.2

[S007-3-23]

Zungenbein sowie Knorpel- und Bindegewebsstrukturen des Kehlkopfes und der oberen Luftröhre, von vorne gesehen

Abb. 5.3

[S007-3-23]

a) Unterkiefer, Zungenbein und obere Zungenbeinmuskeln in der Sicht von unten vorne, b) in der Sicht von oben

Abb. 5.4

[S007-3-23]

Ansicht des eröffneten Halses von vorne mit Blick auf die unteren Zungenbeinmuskeln. Auf der rechten Halsseite sind der M. sternocleidomastoideus und die oberflächliche Schicht der unteren Zungenbeinmuskeln entfernt.

Abb. 5.5

[S007-3-23]

Zungenbein, Anfangsabschnitt der Luftröhre und Kehlkopfskelett mit einigen Bändern in der Sicht von links seitlich. Die linke Hälfte des Zungenbeins und Schildknorpels sind jeweils entfernt worden, um einen besseren Blick auf die innere Struktur des Kehlkopfskeletts zu erhalten.

Abb. 5.6

[S007-3-23]

Positionsveränderung des Kehldeckels beim Schluckakt. Kehlkopf und Zungenbein sind längs geschnitten, sodass der Kehlkopf eröffnet ist (Ansicht von links).

Abb. 5.7

[S007-3-23]

Frontaler Schnitt durch den Kehlkopf und den Anfangsbereich der Luftröhre. Blickrichtung von hinten nach vorne. 1 Taschenfalte, 2 Stimmfalte mit Stimmband.

Abb. 5.8

[R252]

Frontalschnitt durch eine Kehlkopfhälfte mit Darstellung des mikroskopisch-anatomischen Aufbaus speziell im Bereich der Taschen- und Stimmfalte

Abb. 5.9

[S007-3-23]

Horizontalschnitt durch den Kehlkopf auf Höhe der Stimmritze: 1, 2 vordere/hintere Kommissur

Abb. 5.10

[S007-3-23]

Ansicht des Zungenbeins, Kehlkopfes, der Schilddrüse und des Anfangsabschnitts der Luftröhre von vorne

Abb. 5.11

[S007-2-22]

Ansicht des Kehlkopfs von schräg hinten. Der hintere Teil des rechten Schildknorpelabschnitts und ein Teil des Zungenbeins sind entfernt, um einen besseren Blick auf die inneren Kehlkopfmuskeln zu haben. 1 M. thyroarytaenoideus.

Abb. 5.12

[S007-2-22]

Funktion der wichtigsten Kehlkopfmuskeln in einer Zusammenfassung: a) Antikus, von der Seite gesehen; b) Transversus/Obliquus-Muskeln, c) Lateralis, d) Postikus. Die Abbildungen b)–d) zeigen die Muskeln in der linken Bildhälfte erschlafft, in der rechten Bildhälfte in Anspannung, jeweils von oben gesehen. Die hellbraunen Pfeile geben die Spannung des Stimmbandes an, die blauen Pfeile die Drehrichtung der Stellknorpel, die schwarzen Pfeile die Richtung der Muskelkontraktion.

Abb. 5.13

[L157]

Kehlkopfspiegelung. a) Ruhe- oder Intermediärstellung, b) Respirationsstellung, c) Phonationsstellung, d) Flüsterstellung; bei der Kehlkopfspiegelung zeigen sich die unter der Plica aryepiglottica liegenden Keil- bzw. Spitzenknorpel durch entsprechende Schleimhauthöcker (Tuberculum cuneiforme, Tuberculum corniculatum).

Abb. 5.14

[L250]

Arterien und Nerven des Kehlkopfes. Die Kehlkopfarterien sind im rechten Teil des Bildes weggelassen. Die A. laryngea inferior und der N. laryngeus inferior befinden sich hinter der Luftröhre und der Schilddrüse und sind deshalb nicht dargestellt. 1 A. thyroidea superior, 2 A. laryngea superior, 3 A. laryngea inferior, 4 N. laryngeus superior, 5 R. internus, 6 R. externus, 7 N. laryngeus recurrens.

Abb. 5.15

[S007-2-22]

Lage von Zungenbein, Kehlkopf, Schilddrüse und Luftröhre bei weit nach hinten überstrecktem Hals. Das Operationsfeld für eine untere Tracheotomie ist eröffnet. 1 Schnittführung bei Koniotomie, 2 Schnittführung bei oberer Tracheotomie, 3 Schnittführung bei unterer Tracheotomie. Die Schnittführung für eine mittlere Tracheotomie entspricht der bei der oberen Tracheotomie, wird aber durch den (hier verdeckten) Isthmus der Schilddrüse geführt.

Wichtige Kehlkopfmuskeln

Tab. 5.1
Bezeichnung Innervation Funktion
Äußerer Kehlkopfmuskel
M. cricothyroideus („Antikus“) N. laryngeus superior Grobanspannung Stimmband
Innere Kehlkopfmuskeln
M. cricoarytaenoideus posterior („Postikus“) N. laryngeus recurrens Öffner der Stimmritze
M. cricoarytaenoideus lateralis („Lateralis“) N. laryngeus recurrens Schließer der Stimmritze (wichtig beim Flüstern)
M. arytaenoideus transversus („Transversus“) N. laryngeus recurrens Schließer der Stimmritze
M. arytaenoideus obliquus („Obliquus“) N. laryngeus recurrens Schließer der Stimmritze
M. vocalis („Vocalis“) N. laryngeus recurrens Schließer der Stimmritze, Feinspannung Stimmband

Kehlkopf

Lernziele Anatomie der Stimmorgane

  • Kehlkopfknorpel und Zungenbein mit Bandverbindungen

  • Gelenke des Kehlkopfes, ihre Form und Bewegungen

  • Etagen und Falten des Kehlkopfes

  • Conus elasticus und Stimmlippen

  • Schleimhaut, sensible Innervation und Lymphabfluss

  • Äußere Kehlkopfmuskeln, untere und obere Zungenbeinmuskeln und muskulöse Verbindung vom Pharynx und deren Innervation

  • Innere Kehlkopfmuskeln mit Innervation und ihre Wirkung auf die Stimmlippe und die Weite der Stimmritze

  • Kehlkopfspiegelbild

Lernziele Physiologie der Stimmorgane

  • Funktionelle Gliederung des Kehlkopfes und des sog. Ansatzrohres

  • Phonation (Grundton, Flüstern, Frequenzumfang der menschlichen Stimme, Brust-, Mittel- und Kopfstimme)

Die oberen Luftwege beginnen mit den Nasenhöhlen. Diese haben sich in der Evolution als Hauptatemweg jedoch später entwickelt als die Mundhöhle. Da die Nasenhöhlen oberhalb der Mundhöhle liegen, kommt es deshalb im Rachen zwangsläufig zu einer Kreuzung des Luft- und Speisewegs (Kap. 4.6.1). Dadurch ist beim Schluckakt ein Verschluss des Luftwegs nach oben zum Nasenrachen, aber auch nach vorne unten in Richtung auf die Luftröhre erforderlich.

Der KehlkopfKehlkopf (LarynxLarynx) hat zusammen mit dem Kehldeckel die Grundfunktion, die unteren Luftwege beim SchluckaktSchluckakt zu verschließen und damit vor dem Eindringen von Flüssigkeiten und festen Speisen zu bewahren. Im Inneren des Kehlkopfes befindet sich die StimmritzeStimmritze (GlottisGlottis), die durch Muskeln des Kehlkopfs verschlossen oder unterschiedlich weit geöffnet werden kann.

Der Verschluss der Stimmritze ist nicht nur Voraussetzung für die Bauchpresse oder das Husten (Kap. 4.3.4 und Kap. 4.5.2), sondern auch für die Stimmbildung. Durch die unterschiedlich weite Öffnung der Stimmritze wird der Luftstrom kontrolliert, was nicht nur für die Atemtätigkeit, sondern auch für die Stimme von entscheidender Bedeutung ist.

Fachbegriffe

Glottis (griech. glottis): eigentlich Mundstück der Flöte, im medizinischen Zusammenhang die Stimmritze mit den beiden Stimmlippen

Larynx (griech. larygx): Kehle

Der Kehlkopf ist das entscheidende Stimmorgan (Kehlkopf)Stimmorgan. Da er sehr kompliziert aufgebaut ist, soll der Besprechung seines Aufbaus und seiner Funktion zum besseren Verständnis ein kurzes einführendes Kapitel über die Entwicklung vorgeschaltet werden.

Entwicklung des Kehlkopfs

Der KehlkopfEntwicklungKehlkopf entwickelt sich im Zusammenhang mit der Entstehung der Lungenknospe aus dem Darmrohr (Kap. 4.7.1 und Abb. 4.17, Abb. 4.18). Es entsteht eine nach vorne unten gerichtete zunächst etwa T-förmige Öffnung im unteren Rachenbereich, die nach oben von dem sich entwickelnden Kehldeckel begrenzt wird (Abb. 6.13).

Fachbegriffe

Branchial- (lat., Plural branchiae): Kiemen

Pharyngeal- (griech. pharygx): Rachen, Schlund (Pharynx)

Für das weitere Verständnis der Kehlkopfentwicklung, speziell seines Knorpelskeletts und seiner Muskeln, ist es sinnvoll, sich kurz mit den sog. SchlundbögenSchlundbögen zu befassen. Diese stellen eine frühe Differenzierungsstruktur der seitlichen Halsregion dar (Abb. 5.1).
Aus dem primitiven Bindegewebe der Halsregion entstehen bei einem 4–5 Wochen alten Embryo an der seitlichen Halsregion 6–7 Wülste, die man als Schlundbögen oder PharyngealbögenPharyngealbögen bezeichnet. Allerdings wird der 5. Schlundbogen beim Menschen nicht weiter (oder nur rudimentär) angelegt, sodass nur die ersten 4 und der kleine, in Abbildungen oft nicht dargestellte 6. Schlundbogen ausdifferenziert werden (dem sich möglicherweise auch noch Material eines 7. Schlundbogens zumischt).
Da sich bei Fischen aus Vorstufen dieser Schlundbögen die Kiemen entwickeln, wurden sie früher auch beim Menschen als KiemenbögenKiemenbögen oder BranchialbögenBranchialbögen bezeichnet. Allerdings verwendet man diesen Begriff nicht mehr, da eine solche Entwicklung beim Menschen nicht durchlaufen wird.
Die von außen sichtbaren Vertiefungen zwischen den Schlundbögen werden als Schlundfurchen, die von innen sichtbaren Vertiefungen als Schlundtaschen bezeichnet (Abb. 8.2).
In jedem Schlundbogen entwickeln sich eine Knorpelspange, aus der später knorpelige oder knöcherne Elemente des Skeletts von Kopf, Hals und Kehlkopf entstehen, sowie eine Skelettmuskelgruppe. In diese Anlagen wachsen dann entsprechende Nerven und Blutgefäße ein.
Der Unterkiefer entsteht aus dem Knorpel des 1. Schlundbogens, die Gehörknöchelchen (Kap. 8.6.3) aus dem Knorpel des 1. und 2. Schlundbogens, das Zungenbein (Kap. 5.2.1) aus dem Knorpel des 2. und 3. Schlundbogens und das Kehlkopfskelett hauptsächlich aus dem Knorpel des 4. und 6. Schlundbogens.

Anatomie des Kehlkopfs

Aufhängeapparat des Kehlkopfs

Der KehlkopfAufhängeapparatKehlkopf ist der Anfangsabschnitt der unteren Luftwege, er besteht im Wesentlichen aus einem Knorpelskelett, aus Skelettmuskeln und Bindegewebe. Innen besitzt er – mit Ausnahme der Stimmlippen – eine Auskleidung aus respiratorischer Schleimhaut, wie sie ähnlich auch in der Nasenhöhle gefunden wird.
Der Kehlkopf ist in einer Art Führungsröhre am Hals nach oben und unten beweglich, in geringerem Umfang auch zu den Seiten. Diese Beweglichkeit ist erforderlich, damit der Kehlkopf den Bewegungen des Kopfes und Halses folgen, aber auch selbst verschiedene Positionen aktiv einnehmen kann, wie sie z.B. für die Stimmbildung und das Singen erforderlich sind.
Der Aufhängeapparat des Kehlkopfs besteht aus Skelettmuskeln und Bändern. Dabei spielt die Verbindung zum Zungenbein eine zentrale Rolle (Abb. 5.2).
Zungenbein
Das ZungenbeinZungenbein, HyoidHyoid oder Os Oshyoideumhyoideum, ist – von der Halswirbelsäule abgesehen – der einzige Knochen des Halses. Außerdem ist das Zungenbein der einzige Knochen, der nicht über Gelenke mit anderen Knochen verbunden ist, sondern eine Befestigung ausschließlich über Bänder und Muskeln aufweist.
Das Zungenbein entwickelt sich aus Knorpel des 2. und 3. Schlundbogens (Kap. 5.1, Abb. 5.1); es ist hufeisenförmig nach hinten gebogen und besteht aus einem Körper, einem paarig angelegten, nach schräg oben weisenden kleinen Horn und einem paarig angelegten, nach hinten weisenden großen Horn (Abb. 5.2). Das Zungenbein ist am Übergang vom Mundboden zum Hals tastbar (nicht ganz einfach).

Fachbegriffe

Hyoid (Zungenbein)

Os hyoideum: Zungenbein; Os (lat.): Knochen, Bein; hyoideum (lat.): Neutrum von hyoideus, eigentlich schweinsrüsselähnlich (wegen der Gestalt des Zungenbeins), Kurzbezeichnung für das Zungenbein: das Hyoid
Körper: Corpus (lat.)
Cornu minus: kleines Horn (cornu, lat.: Horn; minus: Neutrum von minor, lat.: klein)
Cornu majus: großes Horn (majus: Neutrum von major, lat.: groß)
Das kleine Horn steht über eine Bandverbindung mit dem sog. Griffelfortsatz des Schädels in Verbindung (Abb. 5.1); alle drei genannten anatomischen Strukturen sind aus dem 2. Schlundbogen entstanden.
Membrana thyrohyoidea
Der größte Knorpel des Kehlkopfs ist der SchildknorpelSchildknorpel (Cartilago Cartilagothyroideathyroidea); dabei ist der obere Rand des Schildknorpels über ein elastisches Bandsystem (Schildknorpel-Zungenbein-Schildknorpel-Zungenbein-MembranMembran, Membrana Membranathyrohyoideathyrohyoidea) mit dem Unterrand des Zungenbeins fest verbunden, sodass der Kehlkopf allen Bewegungen des Zungenbeins zwangsweise folgen muss (Abb. 5.2).

Fachbegriffe

Cartilago thyroidea cartilago (lat.): Knorpel, thyroidea (lat.): zum Schildknorpel gehörig

Ursprung der Vorsilbe thyro (auch: thyreo-) ist thyreos (griech.): großer Schild

Membrana thyrohyoidea Membrana (lat.): Häutchen, hier in der Bedeutung Bandsystem, thyro-: von Schildknorpel abgeleitet; hyoidea: weibliche Form von hyoideus, zum Zungenbein gehörig

Die Aufhängung des Kehlkopfes nach unten erfolgt elastisch über den sog. „Zug der Trachea“. Ursache sind die elastischen Bandverbindungen zwischen den Knorpelspangen der Luftröhre (Kap. 4.7.2), die sich auch zwischen dem zweiten Hauptknorpel des Kehlkopfes, dem sog. RingknorpelRingknorpel (Cartilago Cartilagocricoideacricoidea, KrikoidKrikoid), und der obersten Knorpelspange der Luftröhre befinden. Letztere werden als KrikotrachealbandKrikotrachealband, Lig. Ligamentumcricotrachealecricotracheale, bezeichnet).

Fachbegriffe

Cartilago cricoidea cartilago (lat.): Knorpel, und cricoidea (lat.): zum Ringknorpel gehörig

Ursprung der Vorsilbe crico- (oder kriko) aus krikos, griech.: Ring

Zungenbeinmuskulatur
ZungenbeinmuskulaturDa der Kehlkopf elastisch aufgehängt ist, wird er hauptsächlich bei Bewegungen des Zungenbeins durch die relativ starre (wenn auch elastische) Verbindung der Membrana thyrohyoidea zum Schildknorpel mitbewegt.
Diese Bewegungen des Zungenbeins erfolgen überwiegend über die obere und untere Zungenbeinmuskulatur. Zu jeder Gruppe gehören vier Muskeln, wobei die oberen Zungenbeinmuskeln im Bereich des Mundbodens liegen und von oben zum oberen Rand des Zungenbeins ziehen, während die unteren Zungenbeinmuskeln vorne und seitlich am Hals liegen und eine Verbindung zum unteren Rand des Zungenbeins aufweisen (Abb. 5.3 und Abb. 5.4).
Obere Zungenbeinmuskeln
Der muskuläre MundbodenmuskulärerMundboden (Diaphragma Diaphragmaorisoris) wird größtenteils von den oberen Zungenbeinmuskeln („suprahyale“ Muskeln) gebildet (Kap. 6.2.4).

Fachbegriffe

Diaphragma oris diaphragma (lat./griech.): Zwischenwand zwischen einzelnen Körperteilen, oris, Genitiv von os (lat.): Mund

infrahyal unterhalb des Zungenbeins, infra (lat.): darunter

M. mylohyoideus M.: Abkürzung für Musculus, mylo- (mylos, griech.): Mühle, meint hier zermahlen bzw. allgemein Unterkiefer, -hyoideus: zum Zungenbein gehörig

suprahyal oberhalb des Zungenbeins, abgeleitet aus supra (lat.): darüber und Hyoid (Zungenbein)

Der wichtigste und größte Muskel dieser Gruppe ist der Unterkiefer-Zungenbein-Unterkiefer-Zungenbein-MuskelMuskel (M. Musculus/Musculimylohyoideusmylohyoideus); er verläuft innerhalb des Bogens, den der Unterkiefer beschreibt, etwa in querer Richtung. Da der Muskel paarig angelegt ist, treffen sich seine Fasern in der Mitte in einer schmalen bindegewebigen Naht (in Abb. 5.3a gut sichtbar). Die hinteren Anteile des Muskels erreichen den Zungenbeinkörper.
Der Muskel wirkt auf der einen Seite bei der Bewegung der Zunge und bei der Mundöffnung mit, auf der anderen Seite gehört er zu den Hebern des Zungenbeins (und damit des Kehlkopfes). Er wird in seiner Wirkung von der der anderen, kleineren Muskeln dieser Gruppe unterstützt. Es sind unterhalb des M. mylohyoideus noch der Musculus/MusculidigastricusM. digastricus und der M. Musculus/Musculistylohyoideusstylohyoideus (Abb. 5.3a), oberhalb des M. mylohyoideus noch der M. Musculus/Musculigeniohyoideusgeniohyoideus (Abb. 5.3b).

Fachbegriffe

M. digastricus zweibäuchiger Muskel, di- (griech.): zweifach, gaster (griech.): Bauch dieser Muskel bildet zwischen seinen beiden Muskelbäuchen eine Zwischensehne, die eine Anheftung am Zungenbein aufweist M. geniohyoideus Kinn-Zungenbein-Muskel, genio- aus geneion (griech.): Kinn (der Muskel entspringt vorne innen am Unterkiefer) und -hyoideus: zum Zungenbein gehörig

M. stylohyoideus Griffelfortsatz-Zungenbein-Muskel, stylo- aus stilus (lat.): Griffel (gemeint ist der Griffelfortsatz der Schädelbasis, von dem dieser Muskel entspringt) und -hyoideus: zum Zungenbein gehörig

Die Innervation (Nervenversorgung) dieser Muskeln ist kompliziert und soll nur kurz aufgelistet werden (Näheres zu den Hirnnerven Kap. 7.11):
  • M. mylohyoideus und vorderer Bauch des M. digastricus: Versorgung durch einen gleichnamigen Ast aus dem 3. Ast (N. mandibularis) des 5. Hirnnerven (N. trigeminus)

  • M. stylohyoideus und hinterer Bauch des M. digastricus: Versorgung durch den 7. Hirnnerven (N. facialis)

  • M. geniohyoideus: Versorgung durch den 12. Hirnnerven (N. hypoglossus)

Untere Zungenbeinmuskeln
Die unteren Zungenbeinmuskeln („infrahyale“ Muskeln) kommen überwiegend von der Region des Brustbeins, des Schlüsselbeins und der Schulter und ziehen in Längsrichtung von unten an das Zungenbein. Zwischen ihnen werden in der Mitte der Kehlkopf und darunter die Schilddrüse sichtbar (Abb. 5.4). Sie werden seitlich und unten vom Kopfwender (M. sternocleidomastoideus, Kap. 4.4.2) bedeckt.

Fachbegriffe

M. omohyoideus Schulterblatt-Zungenbein-Muskel, omo- aus Omoplata (lat.): veraltete Bezeichnung für Schulterblatt, hyoideus: zum Zungenbein gehörig

M. sternohyoideus Brustbein-Zungenbein-Muskel, sterno- von sternum (lat.): Brustbein, -hyoideus: zum Zungenbein gehörig

M. sternothyroideus Brustbein-Schildknorpel-Muskel, sterno- von sternum (lat.): Brustbein, -thyroideus (lat.): zum Schildknorpel gehörig

M. thyrohyoideus Schildknorpel-Zungenbein-Muskel, thyro- Abkürzung von thyroideus: zum Schildknorpel gehörig, hyoideus (lat.): zum Zungenbein gehörig

Die unteren Zungenbeinmuskeln bestehen aus einer oberflächlichen und einer tiefen Muskelschicht mit jeweils zwei Muskeln.
Die oberflächliche Schicht wird gebildet aus dem mehr zur Mitte hin gelegenen M. sternohyoideusMusculus/Musculisternohyoideus und dem nach außen gelegenen M. omohyoideusMusculus/Musculiomohyoideus. Der M. sternohyoideus zieht vom Brustbein und Schlüsselbein zum Zungenbein. Der M. omohyoideus ist zweibäuchig; er zieht vom Schulterblatt zum Zungenbein.
Die beiden tiefer gelegenen Muskeln stellen scheinbar nur einen Muskel dar, dessen unterer Anteil als M. sternothyroideusMusculus/Musculisternothyroideus bezeichnet wird und vom Brustbein zum Schildknorpel zieht. Der obere Anteil setzt den Verlauf fort; er wird als M. thyrohyoideusMusculus/Musculithyrohyoideus bezeichnet und zieht vom Schildknorpel zum Zungenbein.
Die Gesamtfunktion der unteren Zungenbeinmuskeln mit Ausnahme des M. thyrohyoideus besteht darin, das Zungenbein (und damit den Kehlkopf) nach unten zu ziehen. Durch die Unterteilung der tiefen Muskelgruppe in den oberen M. thyrohyoideus und den unteren M. sternothyroideus kann der Kehlkopf zusätzlich noch separat zum Zungenbein hin bewegt werden, sodass der M. thyrohyoideus als Kehlkopfheber anzusehen ist. Diese Funktion wird beim Schluckakt eingesetzt (Kap. 6.4).

Fachbegriffe

Ansa cervicalis ansa (lat.): Öse, Schlinge; cervicalis (lat.): zum Hals (cervix) gehörig

Die Innervation (Nervenversorgung) der unteren Zungenbeinmuskeln erfolgt über eine Nervenschlinge (Ansa cervicalisAnsacervicalis), die aus vorderen Ästen der entsprechenden Rückenmarksnerven des Halses gebildet wird.
Weitere kehlkopfbewegende Muskeln
Der Kehlkopf wird nicht nur durch die oberen und unteren Zungenbeinmuskeln in seiner Führungsröhre am Hals bewegt, sondern auch noch durch weitere Muskeln, die Anheftungsstellen am Kehlkopf besitzen. Auch diese Muskeln heben entweder den Kehlkopf oder sie senken ihn.
Heber sind außer den oberen Zungenbeinmuskeln und dem M. thyrohyoideus die beiden Schlundheber M. palatopharyngeusMusculus/Musculipalatopharyngeus und M. stylopharyngeusMusculus/Musculistylopharyngeus sowie der untere Schlundschnürer (Kap. 4.6.2).
Senker sind außer den drei genannten unteren Zungenbeinmuskeln (M. sternohyoideus, M. omohyoideus, M. sternothyroideus) zusätzlich noch die Längsmuskeln der Speiseröhre, die sich nach unten an die Rachenmuskeln anschließen.
Insgesamt ist der Aufhängeapparat des Kehlkopfs nach unten an Teilen des Brustbeins, Schlüsselbeins und Schulterblatts befestigt. Seitlich bestehen Verbindungen des Aufhängeapparats zur Schädelbasis, nach oben zum beweglichen Zungenbein, das dann wiederum Verbindungsstrukturen zum Unterkiefer und dieser letztlich über das Kiefergelenk zur Schädelbasis besitzt. Dazu kommt der elastische Zug der Trachea.

Knorpelskelett, Bänder und Gelenke des Kehlkopfs

Da der Kehlkopf zu den luftleitenden Wegen gehört, sollte seine Wand – ähnlich wie bei der Luftröhre – druckstabil sein. Dies wird durch ein Knorpelskelett erreicht, dessen Elemente untereinander durch innere Kehlkopfbänder verbunden sind. Da der KehlkopfKehlkopfKnorpel auch als Verschlussapparat dient, müssen seine Knorpel gegeneinander in Gelenken beweglich sein.
Das KehlkopfskelettKehlkopfskelett besteht aus dem unpaaren Schildknorpel, dem unpaaren Ringknorpel, dem unpaaren Kehldeckel und dem paarigen Stellknorpel. In den inneren Kehlkopfbändern können individuell unterschiedlich auch zusätzlich noch kleine Knorpelstückchen eingelagert sein.
Ähnlich wie bei den Knorpelanteilen des Brustkorbs findet auch beim Kehlkopf im Laufe des Lebens v.a. bei Männern eine gewisse Verknöcherung des Knorpels (mit Ausnahme des Kehldeckels) statt.
Schildknorpel
Der SchildknorpelSchildknorpel (Cartilago thyroideaCartilagothyroidea) besteht aus einer rechten und linken Platte (Lamina), die schräg stehen und vorne miteinander verbunden sind (Abb. 5.2), und rechts und links hinten jeweils aus einem oberen und unteren Horn (Cornu).
Die beiden Platten des Schildknorpels weisen im oberen Bereich zwischen sich einen Einschnitt auf, den man als Incisura superior (eingedeutscht: obere Inzisur) bezeichnet. Der oberste Bereich der Verschmelzungsstelle der beiden Platten springt am weitesten nach vorne vor; diese Stelle wird als Prominentia laryngeaProminentia laryngea oder (beim männlichen Geschlecht nach der Pubertät) als AdamsapfelAdamsapfel bezeichnet.
Oberhalb der beiden oberen Hörner des Schildknorpels findet sich im seitlichen Rand der Membrana thyrohyoidea ein kleiner paariger Knorpel, der als WeizenknorpelWeizenknorpel (Cartilago triticeaCartilagotriticea) bezeichnet wird. Funktionell ist er bedeutungslos.

Fachbegriffe

Cartilago thyroidea cartilago (lat.): Knorpel, und thyroidea (lat.): zum Schildknorpel gehörig; Ursprung der Vorsilbe thyro (auch thyreo-) ist thyreos (griech.): großer Schild; triticea weizenförmig, abgeleitet von triticum (lat.) Weizen

Incisura superior/Inzisur incisura (lat.): Einschnitt und superior, lat.: der/die obere …

Lamina (lat.) Platte, Cornu (lat.) Horn

Prominentia laryngea prominentia (lat.): Vorsprung (man vergleiche den Begriff „Prominenz“!) und laryngea (lat.): zum Kehlkopf (Larynx) gehörig

Ringknorpel
Der im Vergleich zum Schildknorpel etwas kleinere RingknorpelRingknorpel (Cartilago cricoideaCartilagocricoidea) befindet sich unter dem Schildknorpel; er stellt über ein Band (Lig. cricotracheale) auch die Verbindung zur Luftröhre her (Abb. 5.2). Der Ringknorpel ähnelt grob einem Siegelring; er besteht aus der vorne liegenden Ringknorpelspange (Arcus) und der hinten liegenden Ringknorpelplatte (Lamina; Abb. 5.5). Vorne sind der Unterrand des Schildknorpels und der Oberrand des Ringknorpels durch das elastische Ringknorpel-Schildknorpel-Band (Ligamentum cricothyroideumLigamentumcricothyroideum) verbunden, das in Fortsetzung nach innen auch als Conus elasticusConus elasticus bezeichnet wird (Kap. 5.2.7). Der kräftige vordere Abschnitt des Lig. cricothyroideum ist unter der Bezeichnung Lig. LigamentumconicumconicumLigamentumconicum bekannt.

Fachbegriffe

Arcus (lat.): Bogen, Spange; Lamina (lat.): Platte

Cartilago cricoidea cartilago (lat.): Knorpel, und cricoidea (lat.): zum Ringknorpel gehörig, Ursprung der Vorsilbe crico- (oder kriko) aus krikos (griech.): Ring

Conus (lat.): Keil, elasticus (lat.): elastisch

Ligamentum (abgekürzt Lig., lat.): Band; crico-: zum Ringknorpel gehörig, thyroideum Neutrum von thyroideus (lat.): zum Schildknorpel gehörig, conicum (lat.): keilförmig

Stellknorpel
Der paarige StellknorpelStellknorpel (Cartilago arytaenoideaCartilagoarytaenoidea; auch kurz: AryknorpelAryknorpel genannt) wird wegen seiner Form auch als GießbeckenknorpelGießbeckenknorpel bezeichnet; er hat die Form etwa einer dreiseitigen Pyramide (Abb. 5.5). Die Aryknorpel befinden sich auf der Rückseite des Kehlkopfs in gelenkiger Verbindung mit der Ringknorpelplatte (Lamina).

Fachbegriffe

Cartilago arytaenoidea (auch arytenoidea) cartilago (lat.): Knorpel und arytaenoidea: weibl. Form von arytaenoideus (lat.): gießbeckenförmig, nach arytaina (griech.): Gießbecken, Gießkanne

corniculata hornartig, abgeleitet von cornu (lat.): Horn

cuneiformis keilförmig, abgeleitet von cuneus (lat.): Keil

Processus (abgekürzt Proc., lat.): Fortsatz, vocalis (lat.): zur Stimme gehörend, muscularis (lat.): zur Muskulatur gehörend

Santorini Eigenname (italienischer Anatom)

Wilsberg Eigenname (deutscher Anatom)

Nach vorne weisen die Stellknorpel einen Fortsatz auf, an dem die Stimmbänder (Kap. 5.2.3) befestigt sind (Processus vocalis, ProcessusvocalisAbb. 5.9). Seitlich findet sich an den Stellknorpeln ein Fortsatz für die Befestigung von Kehlkopfmuskeln (Processus muscularisProcessusmuscularis).
Auf der nach oben zeigenden Spitze jedes Stellknorpels findet sich ein kleiner sog. Spitzenknorpel Spitzenknorpel(Cartilago corniculata,Cartilagocorniculata Santorini-Knorpel,Santorini-Knorpel Abb. 5.5), der sich bei der Kehlkopfspiegelung unter der Schleimhautfalte der Plica aryepiglottica abzeichnet (Abb. 5.13d, Kap. 5.2.3). Eine weitergehende Bedeutung hat dieser Knorpel nicht.
Ähnliches gilt für den etwas seitlich vom Spitzenknorpel liegenden sog. Keilknorpel Keilknorpel(Cartilago cuneiformis,Cartilagocuneiformis Wrisberg-KnorpelWrisberg-Knorpel), der zwar nicht mit dem Stellknorpel verbunden ist, aber ebenfalls die Schleimhaut der Plica aryepiglottica aufwirft.
Kehldeckel
Der Kehldeckel Kehldeckel(Epiglottis)Epiglottis ist zwischen Zungenbein und Schildknorpel aufgehängt (Abb. 5.2 und Abb. 5.5) und dient dem Verschluss des Kehlkopfeingangs beim Schluckakt. Zum besseren Verständnis der Position des Kehldeckels sollte auch die Abb. 4.15 noch einmal herangezogen werden.

Fachbegriffe

Epiglottis epi- (griech.): über, auf; -glottis (griech.): eigentlich Mundstück der Flöte, im medizin. Zusammenhang die Stimmritze mit den beiden Stimmlippen

Petiolus (lat.): Stielchen

Tuberculum (lat.): Höckerchen

Tuberculum epiglotticum: Höckerchen über dem Kehldeckel(stiel)

Die Epiglottis ist im oberen Bereich flächig-rundlich, im unteren Bereich stielartig verjüngt. Dieser „Stiel“ wird als Petiolus Petiolusbezeichnet; die Schleimhaut über diesem Petiolus ist (bei der Kehlkopfspiegelung sichtbar) wulstartig verdickt („Petioluswulst“, auch Tuberculum epiglotticum Tuberculumepiglotticumgenannt, Abb. 5.13c). Nach vorne oben ist der Kehldeckel durch ein Bandsystem mit dem Zungenbein verbunden. Eine gelenkige Verbindung zu den übrigen Kehlkopfknorpeln besitzt der Kehldeckel nicht.
Der Raum unterhalb dieses Bands zwischen Schildknorpel und Membrana thyrohyoidea vorne und Kehldeckel hinten wird durch einen Fettkörper ausgefüllt (Abb. 5.2), der eine gewisse Bedeutung bei der Positionsveränderung des Kehldeckels beim Schluckakt hat (Kap. 6.4). Dabei wird der Kehlkopf hochgezogen und nähert sich dem Zungenbein. Der Fettkörper wird dadurch verformt und drückt den Kehldeckel nach hinten unten, sodass der Kehlkopfeingang verschlossen wird (Abb. 5.6). KehldeckelSchluckaktSchluckaktKehldeckel
Kehlkopfgelenke
KehlkopfgelenkeDamit der Kehlkopf als Verschlussapparat der unteren Luftwege wirken kann, müssen die ihn aufbauenden Knorpel (mit Ausnahme des Kehldeckels) in gelenkiger Verbindung miteinander stehen.
Grundlage des Verschlussvorgangs (zur ersten Orientierung sollte Abb. 5.12 herangezogen werden) bilden die schleimhautüberzogenen Stimmbänder Stimmbänder(Abb. 5.5, Abb. 5.8; Abb. 5.9), die mithilfe entsprechender Muskeln und entsprechender Bewegungen der Stellknorpel aneinandergepresst (Verschluss der Stimmritze) oder wieder voneinander gelöst werden (Öffnung der Stimmritze). Zum optimalen Verschluss der Stimmritze ist gleichzeitig eine Anspannung der Stimmbänder erforderlich.
Ringknorpel-Schildknorpel-Gelenk
Ringknorpel-Schildknorpel-GelenkDieses Gelenk wird in der Fachsprache als Articulatio cricothyroidea Articulatiocricothyroideabezeichnet. Das Gelenk wird gebildet durch jeweils das linke bzw. rechte untere Horn des Schildknorpels mit den seitlichen Flächen der Ringknorpelplatte (Abb. 5.5), die miteinander „artikulieren“. Eine Bewegung ist nur in beiden Gelenken gleichzeitig möglich. Der größere Schildknorpel steht dabei fest, sodass der Ringknorpel gegen ihn scharnierartig gekippt wird. Die Stimmbänder sind vorne an der Innenseite des Schildknorpels, hinten am Processus vocalis der Stellknorpel befestigt. Da die Stellknorpel mit dem Ringknorpel verbunden sind, werden die Stimmbänder bei einer Kippbewegung des Ringknorpels nach hinten gespannt, wohingegen die Spannung der Stimmbänder bei einer Kippbewegung des Ringknorpels nach vorne abnimmt.

Fachbegriffe

Articulatio cricothyroidea Articulatio (lat.): Gelenk, crico- (lat. cricoidea): zum Ringknorpel gehörig, -thyroidea (lat.): zum Schildknorpel gehörig

Die Funktion des Ringknorpel-Schildknorpel-Gelenks besteht zusammengefasst darin, die Grobspannung der Stimmbänder zu regulieren; es ist funktionell als Scharniergelenk anzusehen.
Ringknorpel-Stellknorpel-Gelenk
Ringknorpel-Stellknorpel-GelenkDieses fachsprachlich als Articulatio cricoarytaenoidea Articulatiocricoarytaenoideabezeichnete Gelenk stellt die Verbindung der beiden Stellknorpel mit dem oberen seitlichen Rand der Ringknorpelplatte dar (Abb. 5.5).

Fachbegriffe

Articulatio cricoarytaenoidea Articulatio (lat.): Gelenk, crico- von cricoidea (lat.): zum Ringknorpel gehörig, arytaenoidea (lat.): zum Stellknorpel gehörig

Es handelt sich um ein sog. freies Zylindergelenk, bei dem Dreh- und Gleitbewegungen der Stellknorpel um den fest stehenden Ringknorpel möglich sind. Diese Dreh- und Gleitbewegungen sind zusätzlich mit einer leichten Hebung bzw. Senkung der Stellknorpel verbunden. Da die Stimmbänder über den Processus vocalis mit den Stellknorpeln verbunden sind, ergibt sich bei Bewegungen der Stellknorpel in diesem Gelenk eine Erweiterung oder Verengung der Stimmritze bis hin zum kompletten Verschluss (Abb. 5.12, Abb. 5.13).

Binnenräume des Kehlkopfs

Im Prinzip ist der Kehlkopf KehlkopfBinnenräumenur ein mit Schleimhaut ausgekleidetes Rohr, das den Beginn der unteren Luftwege darstellt und sich in die Luftröhre fortsetzt. In die Lichtung dieses Rohrs springen jedoch in Längsrichtung zwei Schleimhautfalten unterschiedlich weit vor, sodass sich eine Gliederung in eine Abteilung oberhalb der oberen Schleimhautfalten, eine Abteilung zwischen den beiden Schleimhautfalten und eine Abteilung unterhalb der unteren Schleimhautfalte ergibt (Abb. 5.7, Abb. 5.8). Speziell die unteren der beiden Schleimhautfalten lassen sich durch den Ausatemluftstrom in Schwingungen versetzen und verleihen dem Kehlkopf neben der Funktion als Verschlussapparat und Abschnitt der unteren Atemwege die zusätzliche Funktion als Stimmorgan (Kap. 5.3).
Vestibulum
Folgt man dem Luftstrom bei der Einatmung, dann gelangt man vom Kehlkopfabschnitt des Rachens (Hypopharynx) über den schräg nach vorn geneigten Kehlkopfeingang (Abb. 4.15) in den obersten Binnenraum des Kehlkopfs, den man als Vestibulum Vestibulum(evtl. zur Abgrenzung mit dem Zusatz „laryngis“) bezeichnet. Die Begrenzungen des Kehlkopfeingangs sind vorne der Kehldeckel sowie seitlich eine links und rechts vom Kehldeckel ausgehende Schleimhautfalte, die nach hinten bis zu den Stellknorpeln führt (genauer gesagt über die paarigen Keil- und Spitzenknorpel hinweg). Die seitliche Schleimhautfalte wird als Stellknorpel-Kehldeckel-Falte Stellknorpel-Kehldeckel-Falte(Plica aryepiglottica)PlicaaryepiglotticaPlicaaryepiglottica bezeichnet (Abb. 4.15).

Fachbegriffe

Plica (lat.): Falte; ary- von arytaenoidea (lat.): zum Stellknorpel gehörig, -epiglottica (lat.): zum Kehldeckel gehörig

Vestibulum (lat.): Vorhof (eigentlich: Vorhalle des altrömischen Hauses); da der Begriff Vestibulum anatomisch mehrfach benutzt wird (siehe z.B. Vestibulum nasi), wird ggf. „laryngis“, der Genitiv des Begriffs larynx (Kehlkopf), angehängt.

Taschenfalten
Die erste von oben zu erreichende, in Längsrichtung verlaufende Schleimhautfalte ist die Taschenfalte Taschenfalte(Plica vestibularis,Plicavestibularis Abb. 5.7, Abb. 5.8). Sie wird aufgeworfen durch ein Bindegewebssystem, das als Taschenband, falsches Stimmband oder Ligamentum vestibulare bezeichnet wird und vorne von der Rückseite des Schildknorpels nach hinten bis zur Spitze der Stellknorpel verläuft.
Die Bezeichnung „Taschenband“Taschenband (Ligamentum vestibulare)Ligamentumvestibulare in Analogie zum Stimmband (Ligamentum vocale) ist nicht ganz glücklich, da es sich beim „Taschenband“ um Bindegewebszüge mit elastischen Elementen handelt, die die Schleimhautfalte (Plica vestibularis) aufwerfen, und nicht um ein anatomisch definiertes kräftiges Band wie das Stimmband.
Die Taschenfalten verlaufen – ebenso wie die Stimmfalten – wie ein spitzes V, dessen Spitze von der Rückseite des Schildknorpels ausgeht und dessen Schenkel sich nach hinten öffnen und die beiden Stellknorpel erreichen.

Fachbegriffe

Ligamentum vestibulare ligamentum (lat.): Band und vestibulare: Neutrumform von vestibularis, zum Vorhof gehörig

Plica vestibularis plica (lat.): Falte und vestibularis (lat.): zum Vorhof (Vestibulum) gehörig

Im Gegensatz zu den Stimmfalten, die einen kompletten Verschluss der zwischen ihnen befindlichen Stimmritze bewirken können, schließt sich der Spalt zwischen den Taschenfalten nicht vollständig. Bei Bewegungen der Stimmfalten (infolge Bewegungen der Stellknorpel im Ringknorpel-Stellknorpel-Gelenk) werden die Taschenfalten parallel mitbewegt.
Die Schleimhaut, die die Taschenfalten bedeckt, entspricht dem typischen respiratorischen Flimmerepithel wie in der Nasenhöhle, in der Luftröhre oder in den Bronchien und enthält zahlreiche Drüsen in der Lamina propria, die auch für den Feuchtigkeitsfilm der drüsenfreien Stimmfaltenkante sorgen (Abb. 5.8).

Klinik

Taschenfaltenstimme

TaschenfaltenstimmeDie Stimmbildung erfolgt physiologisch über die Stimmfalten, nicht über die Taschenfalten, die den Bewegungen der Stimmlippen normalerweise nur passiv folgen. Sind die Stimmlippen durch Verletzungen oder operative Eingriffe jedoch nicht mehr zur Stimmbildung einsetzbar, kann mit therapeutischer Anleitung eine Taschenfaltenstimme erlernt werden. Grundlage dafür ist ein M. ventricularis (Abb. 5.8), der in der Taschenfalte parallel zum M. vocalis in der Stimmfalte verläuft, jedoch wesentlich schwächer ist. Nach neuen Untersuchungen wird dieser Muskel ebenso wie der Antikus vom N. laryngeus superior versorgt, sodass eine Innervation auch bei Ausfall des N. laryngeus recurrens erhalten bleibt.
Werden die Taschenfalten jedoch bei intakten Stimmfalten zur Stimmbildung mit verwendet, so stellt diese Taschenfaltenstimme eine krankhafte Art der Stimmbildung dar, die unerwünscht ist und stimmtherapeutisch beseitigt werden sollte, um wieder zur physiologischen Stimmbildung mit den Stimmfalten zurückzukehren.
Ventriculus
Der durchschnittlich nur 5 mm hohe Zwischenraum seitlich zwischen den Taschenfalten und den Stimmfalten wird als Kehlkopftasche,Kehlkopftasche Morgagni-Tasche Morgagni-Tascheoder Ventriculus Ventriculusbezeichnet (Abb. 5.7, Abb. 5.8).
Stimmfalten
Der wichtigste Anteil der Binnenstruktur des Kehlkopfs sind die beiden Stimmfalten Stimmfalten(Plicae vocales)Plicavocalis oder Stimmlippen,Stimmlippen die die Stimmritze begrenzen. Grundlage der Stimmfalten sind die elastischen Stimmbänder (Stimmband, Ligamentum vocale,LigamentumvocaleAbb. 5.5, Abb. 5.7, Abb. 5.8). Im klinischen Bereich wird zwischen Stimmfalte und Stimmband nicht immer sauber unterschieden. Auch die Stimmbänder laufen nach vorne V-förmig spitz zu und sind an der Innenseite des Schildknorpels befestigt; ihre Befestigungsstelle liegt unterhalb der der „Taschenbänder“. Diese vordere Verbindung der Stimmbänder wird als vordere Kehlkopfkommissur Kehlkopfkommissuren(Commissura anterior laryngis,Commissura anterior/posterior laryngis Abb. 5.9) bezeichnet. Die hintere Anheftungsstelle der Stimmbänder ist der Stimmfortsatz Stimmfortsatz(Proc. vocalis) des Stellknorpels, ihre Verbindung die Commissura posterior laryngis.

Fachbegriffe

Commissura (lat.): Verbindung (C. anterior/posterior laryngis = vordere/hintere Kehlkopfverbindung)

Lamina (lat.): Blatt, propria: weibl. Form von proprius: eigen (Lamina propria: die dem Epithel zugehörige Bindegewebsschicht)

Ligamentum (lat.): Band (abgekürzt Lig.), vocale: Neutrumform von vocalis Morgagni Eigenname (italienischer Anatom)

Plicae vocales, Plural von Plica vocalis, plica (lat.): Falte und vocalis (lat.): zur Stimme gehörend

Processus (abgekürzt Proc., lat.): Fortsatz, vocalis (lat.): zur Stimme gehörend Reinke Eigenname (deutscher Anatom)

Ventriculus (lat.): Verkleinerungsform von venter (lat.): der Magen (Bauch), also wörtlich der „kleine Bauch“, in medizinischen Begriffen bedeutet „ventriculus“ Kammer oder Hohlraum, eingedeutscht „Ventrikel“; zur Abgrenzung der Kehlkopftasche von anderen „Ventrikeln“ des Körpers ergänzt man den Begriff durch „laryngis“, den Genitiv von larynx: Kehlkopf

Die Stimmfalten weichen in ihrem Aufbau und in ihrer Schleimhautbedeckung deutlich von den Taschenfalten ab (Abb. 5.8). Um den hohen mechanischen Beanspruchungen der Stimmfalten zu genügen, sind diese nicht mit einem Flimmerepithel, sondern mit einem drüsenfreien mehrschichtigen Plattenepithel bedeckt, das größtenteils unverhornt, an besonders beanspruchten Stellen vereinzelt sogar verhornt ist (Kap. 1.2.1). Das lockere Bindegewebe (Lamina propria), das direkt unter dem Glottisepithel liegt und keine Lymphgefäße enthält, wird Reinke-Raum Reinke-Raumgenannt. Die Schleimhaut besteht also aus Epithel und Reinke-Raum – meist wird als Reinke-Raum allerdings nur der oberste Bereich der Lamina propria, direkt unter dem Epithel, bezeichnet.
Weitere Besonderheiten sind die Bündel an parallel verlaufenden elastischen Fasern des eigentlichen Stimmbandes und das Vorhandensein eines Skelettmuskels (M. vocalis, Kap. 5.2.4), der parallel zum Stimmband verläuft und dessen Feinspannung reguliert (Abb. 5.8, Abb. 5.9).
Im Gegensatz zur lockeren oberflächlichen und gut beweglichen Schicht der Stimmfalten, bestehend aus Epithel und Reinke-Raum, ist die tiefe Schicht, bestehend aus Stimmband und M. vocalis, recht starr. Daraus leitet sich die Vorstellung der funktionellen Zweischichtigkeit der Stimmfalten ab („Body-Cover-Modell“ nach HiranoBody-Cover-Modell nach Hirano). Dieses Modell wurde inzwischen erweitert durch eine noch genauere Differenzierung der Teilschichten der Lamina propria in ein Drei- bzw. Fünfschichtenmodell:
  • 1.

    Epithel

  • 2.

    Obere Schicht der Lamina propria (meist als Reinke-Raum bezeichnet)

  • 3.

    Mittlere Schicht der Lamina propria, enthält u.a. elastische Fasern

  • 4.

    Tiefe Schicht der Lamina propria, enthält kollagene Fasern und das Stimmband

  • 5.

    Schicht des M. vocalis

Das Dreischichtenmodell umfasst die Schichten (1) und (2) zusammen als Cover, die Schichten (3) und (4) als Übergangszone (transition) und die Schicht (5) als Body; das Fünfschichtenmodell differenziert weiter wie in obiger Zusammenstellung. Diese Modelle sollen die Abläufe der Bewegungen, bezogen auf die einzelnen Abschnitte der Stimmlippen, erläutern (für Details s. Lehrbücher der Phoniatrie).

Klinik

Stimmlippenknötchen

StimmlippenknötchenEs handelt sich um symmetrisch auf beiden Stimmlippen auftretende gutartige „Tumoren“, die im Kindesalter recht häufig und dann überwiegend bei Knaben, im Erwachsenenalter fast nur bei Frauen auftreten. Der Begriff „Tumor“ wird hier jedoch im ursprünglichen Sinn als „Schwellung“ benutzt und hat nichts mit Tumoren im Sinne von Krebsentstehung zu tun. Als Auslöser wird v.a. eine Überlastung des Kehlkopfs durch häufiges Schreien, lautes Sprechen bei Lärm oder Singen („Schreiknötchen“) oder harten Stimmeinsatz angesehen, wobei hormonelle Faktoren ebenfalls eine Rolle spielen. Die Behandlung erfolgt i.d.R. stimmtherapeutisch, bei Erwachsenen in gewissen Sonderfällen auch chirurgisch. Die Bezeichnung „Stimmlippenknötchen“ ist zwar noch weit verbreitet, wird aber mehr und mehr durch den Begriff „Phonationsverdickungen“ (oder teilweise auch phonationsassoziierte Stimmlippenveränderungen) ersetzt.
Tumor (lat.): Schwellung

Klinik

Stimmbruch (Mutation)

StimmbruchMutationDer Kehlkopf und – abhängig von dessen äußerer und innerer Gestalt – auch die Stimme gehören zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen; sie sind damit von Änderungen der Hormonspiegel abhängig, wie sie sich im Laufe des Lebens bei beiden Geschlechtern ergeben.
Eine besonders auffällige Veränderung der Hormonspiegel findet während der Pubertät statt. Vor der Pubertät gibt es keine wesentlichen Unterschiede zwischen dem Kehlkopf eines Mädchens und dem eines Knaben. Durch die hormonellen Veränderungen während der Pubertät kommt es zu einem relativ starken Wachstum der Kehlkopfknorpel.
Bei Mädchen bleiben trotz des Wachstums die Proportionen der Kehlkopfknorpel einigermaßen so wie vor der Pubertät erhalten. Die rechte und die linke Platte des Schildknorpels bilden einen Winkel von mindestens 120°. Bei Knaben ist v.a. das starke Wachstum des Schildknorpels in Richtung nach vorne deutlich. Die Schildknorpelplatten bilden dann nur noch einen ungefähr rechten Winkel und springen in ihrem vorderen Bereich als Adamsapfel deutlich sichtbar vor.
Da die Stimmbänder auf der Rückseite des Schildknorpels befestigt sind, verlängern sie sich während der Pubertät ebenfalls. Bei Mädchen und Knaben beträgt die Länge der Stimmfaltenkante vor der Pubertät 10–17 mm, bei erwachsenen Frauen 14–21 mm, bei erwachsenen Männern 20–27 mm. Während sich beim weiblichen Geschlecht die Stimmfaltenkanten also nur um 3–4 mm verlängern, ist die Zunahme beim männlichen Geschlecht ca. 10 mm; gleichzeitig werden die Stimmbänder auch etwas dicker. Die männliche Stimme sinkt dabei um etwa eine Oktave (Kap. 5.3.1; dort auch Erklärung des Begriffs).
Als Stimmbruch (Mutation, lat. mutatio: Veränderung) bezeichnet man die Schwierigkeiten, die bei heranwachsenden jungen Männern stimmlich während der Pubertät auftreten, weil die Stimmfalten vorübergehend links und rechts unterschiedlich stark wachsen und die ebenfalls wachsenden Muskeln durch das Nervengewebe so koordiniert werden müssen, dass sich die Stimme sicher auf die veränderte Stimmlage einstellt.
Der Stimmbruch unterbleibt, wenn auch die Pubertät unterbleibt (z.B. durch Kastration = Ausschaltung oder Entfernung der Keimdrüsen).
Die Stimmlippenkanten selbst besitzen keine Drüsen in der Lamina propria, sodass sie von entfernteren, drüsenhaltigen Regionen der Kehlkopfschleimhaut (speziell von der Taschenfalte aus, Abb. 5.8) mit dünnflüssigem Schleim versorgt werden müssen. Diese Schleimbedeckung ist für einen sauberen Verschluss der Stimmritze und für eine klare Stimme unabdingbar. Bei nicht ausreichender Versorgung mit dünnflüssigem Schleim klingt die Stimme heiser („trockener Hals“, z.B. bei zu langem Reden).
Glottis
Die Glottis Glottisist der innere Verschlussapparat des Kehlkopfs und damit auch die Grundlage der Stimmbildung; sie wird gebildet von den beiden Stimmfalten oder Stimmlippen und der dazwischen liegenden Stimmritze (Rima glottidis,Rima glottidis Abb. 5.7, Abb. 5.9). Der Begriff Glottis wird nicht immer präzise gebraucht: manchmal wird damit nur die Stimmritze bezeichnet, manchmal ungenau der Raum von der Spalte zwischen den Taschenfalten bis zur Spalte zwischen den Stimmfalten.

Fachbegriffe

Glottis (griech. glottis): eigentlich Mundstück der Flöte, im medizinischen Zusammenhang die Stimmritze mit den beiden Stimmlippen

Rima (lat.): Spalte, Ritze; glottidis: Genitiv von Glottis

Wie in Abb. 5.9 deutlich zu erkennen ist, sind Länge und Lokalisation der Stimmfalten nicht identisch mit denen der Stimmbänder. Die Stimmbänder ziehen noch ein wenig über das vordere Ende der Stimmfalten hinaus, bis sie die Anheftungsstelle am Schildknorpel erreichen. Nach hinten enden die Stimmbänder an den Stimmfortsätzen der Stellknorpel, die dann die weitere Unterlage der Stimmfalten bis zu ihrem hinteren Ende bilden.
Somit unterscheidet man bei der Stimmritze bzw. bei den Stimmfalten einen vorderen Abschnitt, der als Pars intermembranacea Parsintermembranacea (Stimmfalte)bezeichnet wird, von einem kleineren hinteren Abschnitt, dessen Beziehung zu den Stellknorpeln durch die Bezeichnung Pars intercartilaginea Parsintercartilaginea (Stimmfalte)gekennzeichnet ist.

Fachbegriffe

Pars intermembranacea/Pars intercartilaginea Pars (lat.): Teil, inter (lat.): zwischen

-membranacea: weibl. Form von membranaceus (lat.): häutig, membranartig

cartilaginea: weibl. Form von cartilagineus (lat.): knorpelig

Subglottischer Raum
Unterhalb der Stimmfalten und der Stimmritze, also der Glottis, erweitert sich der Binnenraum des Kehlkopfs stark zum subglottischen Raum subglottischer Raum(Cavitas infraglottica,Cavitasinfraglottica auch: Cavum infraglotticumCavuminfraglotticum), der bis zum Beginn der Luftröhre reicht.
Unter der Schleimhaut befindet sich der Conus elasticus, Conus elasticusder aus zahlreichen elastischen Fasernetzen besteht, die vorne und seitlich vom Oberrand des Ringknorpels ausgehen und in den beiden Stimmbändern enden (Abb. 5.5). Der Conus elasticus wird vorne vom Ringknorpel-Schildknorpel-Band überdeckt (Abb. 5.2).

Fachbegriffe

Cavitas infraglottica (lat. cavitas): Höhle, infra- (lat.): unterhalb, und -glottica: weibl. Form von glotticus (lat.): zur Glottis gehörend

Conus (lat.): Keil, elasticus (lat.): elastisch

subglottisch (lat. sub-): unter und Glottis (s.o.)

Kehlkopfmuskeln

KehlkopfmuskulaturFür die Bewegungen der Kehlkopfknorpel gegeneinander in den beiden erwähnten Gelenken und die Spannung der Stimmbänder sind die Kehlkopfmuskeln verantwortlich. Es handelt sich nicht um glatte Eingeweidemuskeln, sondern um quergestreifte Skelettmuskeln. Diese werden insgesamt von Ästen des 10. Hirnnerven (N. vagus, Kap. 5.2.6) versorgt.
Man unterscheidet einen sog. äußeren Kehlkopfmuskel von den restlichen inneren Kehlkopfmuskeln, die man in Öffner der Stimmritze, Schließer der Stimmritze und den M. vocalis unterteilen kann (die wichtigsten Kehlkopfmuskeln sind in Tab. 5.1 zusammengefasst).
Äußerer Kehlkopfmuskel
Bewegungen im Ringknorpel-Schildknorpel-Gelenk (Kap. 5.2.2) zwischen dem unteren Horn des Schildknorpels und der Seitenfläche des Ringknorpels bewirken eine Grobanspannung des Stimmbands bzw. eine Lockerung. Diese Bewegungen werden durch den Ringknorpel-Schildknorpel-Muskel Ringknorpel-Schildknorpel-Muskel(M. cricothyroideus)Musculus/Musculicricothyroideus vermittelt, den man als einzigen äußeren Kehlkopfmuskel charakterisiert und deshalb auch in der klinischen Kurzform „Antikus“Antikus benennt (selten auch „ExternusExternus“).

Fachbegriffe

Antikus (lat. anticus): der Vordere, Äußere

Externus (lat.): außen, der Äußere

M. cricothyroideus crico- (lat. cricoidea): zum Ringknorpel gehörig, thyroideus (lat.): zum Schildknorpel gehörig

M. ventricularis Ventrikelmuskel, dem Ventriculus benachbarter Muskel

Wie aus der Bezeichnung des Muskels abzuleiten ist, zieht er vom Ringknorpel, genauer gesagt vorne vom Bogen des Ringknorpels, zum unteren Rand des Schildknorpels (Abb. 5.10).
Der Antikus zieht bei Anspannung den Bogen des Ringknorpels vorne zum Schildknorpel hin hoch, sodass der hintere Teil des Ringknorpels mit der Ringknorpelplatte und den damit verbundenen Stellknorpeln nach unten bewegt wird. Dadurch werden die an den Stellknorpeln befestigten Stimmbänder grob gespannt und die Stimmlippen strecken sich. Die Feinspannung übernimmt der M. vocalis (s.u.).
In der Taschenfalte (Abb. 5.8) findet sich ein sehr kleiner, in der Stärke variabler sog. M. ventricularis,Musculus/Musculiventricularis der – vergleichbar zur Wirkung des M. vocalis auf die Stimmfalten – eine Bewegung der Taschenfalten zur Mittelebene vermitteln und in Sonderbereichen der Stimmtherapie (s. Kasten „Taschenfaltenstimme“) eine Bedeutung erlangen kann. Er ist offensichtlich genauso innerviert wie der Antikus.
Innere Kehlkopfmuskeln
Alle anderen Muskeln des Kehlkopfs werden als innere Kehlkopfmuskeln bezeichnet. Abgesehen vom M. vocalis wirken sie auf das Ringknorpel-Stellknorpel-Gelenk, öffnen oder schließen also die Stimmritze. Allerdings gibt es nur einen einzigen Öffner der Stimmritze, wohingegen alle anderen inneren Kehlkopfmuskeln als Schließer der Stimmritze wirken.
Öffner der Stimmritze
Der einzige Öffner der Stimmritze Stimmritzenöffnerist der hintere Ringknorpel-Stellknorpel-Muskel Ringknorpel-Stellknorpel-Muskel(M. cricoarytaenoideus posteriorMusculus/Musculicricoarytaenoideus lateralis/posterior), in der Klinik kurz „Postikus“Postikus genannt.

Fachbegriffe

M. cricoarytaenoideus posterior crico- (lat. cricoidea): zum Ringknorpel gehörig, arytaenoideus (lat.): zum Stellknorpel gehörig, posterior (lat.): hinten, der hintere (daraus abgeleitet: Postikus)

Auch hier lässt sich der Verlauf des Muskels aus seinem Namen ableiten: Er zieht jeweils rechts und links von der Ringknorpelplatte zum Muskelfortsatz des Stellknorpels (Abb. 5.12). Bei der Kontraktion drehen die beiden Muskeln rechts und links die Stellknorpel nach außen und erweitern dabei mehr oder weniger die Stimmritze, maximal bei tiefer Einatmung. Dabei werden auch die Stimmbänder gespannt.
Die Grundspannung der Postikus-Muskeln beider Seiten sorgt dafür, dass die Stimmritze beim Schlafen geöffnet bleibt.
Schließer der Stimmritze
Als Schließer der Stimmritze Stimmritzenschließerwirken folgende Muskeln:
  • Seitlicher Ringknorpel-Stellknorpel-MuskelRingknorpel-Stellknorpel-Muskel: M. cricoarytaenoideus lateralis („Lateralis“)

  • Querer Stellknorpel-Muskel:Stellknorpel-Muskelquerer M. arytaenoideus transversus Musculus/Musculiarytaenoideus transversus/obliquus(„Transversus“)

  • Schräger Stellknorpel-Muskel:Stellknorpel-Muskelschräger M. arytaenoideus obliquus („Obliquus“).

Fachbegriffe

M. arytaenoideus obliquus arytaenoideus (lat.): s.o., obliquus (lat.): schräg

M. arytaenoideus transversus arytaenoideus (lat.): zum Stellknorpel gehörig, transversus (lat.): quer

M. cricoarytaenoideus lateralis crico- (lat. cricoidea): zum Ringknorpel gehörig, arytaenoideus (lat.): zum Stellknorpel gehörig, lateralis (lat.): seitlich

Der sog. Lateralis Lateraliszieht seitlich vom Bogen des Ringknorpels zum Muskelfortsatz des Stellknorpels, wirkt also ebenfalls auf das Gelenk zwischen Ring- und Stellknorpel (Abb. 5.11). Die Zugrichtung des Lateralis geht dergestalt nach seitlich außen (Abb. 5.12), dass sich die Spitzen der Stimmfortsätze der Stellknorpel aneinanderlegen. Dabei berühren sich die vorderen, längeren Anteile der Stimmfalten und dieser Abschnitt der Stimmritze (Pars intermembranacea) schließt sich (Abb. 5.9, Abb. 5.12, Abb. 5.13). Die Abschnitte der Stimmfalten, die die Stellknorpel bedecken (Pars intercartilaginea) begrenzen seitlich eine etwa dreieckige Öffnung, die man als „Flüsterdreieck“Flüsterdreieck bezeichnet (Abb. 5.13d). Bei der Flüstersprache ist lediglich dieser Teil der Stimmritze geöffnet.

Fachbegriffe

Pars intermembranacea/Pars intercartilaginea Pars (lat.): Teil, inter (lat.): zwischen

-membranacea: weibl. Form von membranaceus (lat.): häutig, membranartig

cartilaginea: weibl. Form von cartilagineus (lat.): knorpelig

Weitere Schließer sind der Transversus Transversusund die beiden Obliquus-ObliquusMuskeln (alle drei zusammen teilweise auch als M. interarytaenoideus Musculus/Musculiinterarytaenoideusbezeichnet). Der Transversus verläuft quer von einer Rückseite des Stellknorpels zur anderen. Der Obliquus ist paarig; die Muskeln beider Seiten überkreuzen sich und verbinden ebenfalls die beiden Stellknorpel miteinander (Abb. 5.11). Diese drei Muskeln verschließen auch das Flüsterdreieck, also die Pars intercartilaginea der Stimmritze. Zusammen mit dem Lateralis bewirken sie einen vollständigen Verschluss der Stimmritze (Abb. 5.12, Abb. 5.13c). Diese Stellung der Stimmritze ist die Voraussetzung für die Stimmbildung, man spricht deshalb auch von Phonationsstellung.Phonationsstellung (Stimmritze)

Fachbegriffe

M. interarytaenoideus zwischen-Stellknorpel-Muskel, inter (lat.): zwischen, -arytaenoideus (lat.): zum Stellknorpel gehörig

Phonation abgeleitet von phone (griech.): Stimme und -atio (lat.) Bildung

M. vocalis
Der Stimm- oder Stimmbandmuskel Stimmband-Muskel(M. vocalis,Musculus/Musculivocalis kurz: Vocalis)Vocalis verläuft in beiden Stimmfalten parallel zu den Stimmbändern von der Rückseite des Schildknorpels bis zum Stimmfortsatz des Stellknorpels (Abb. 5.8, Abb. 5.9). Erst wenn dieser Muskel sich auch kontrahiert, ist der Verschluss der Stimmritze ausreichend fest. Gleichzeitig sorgt der M. vocalis für die Feinspannung der Stimmbänder, die vom Antikus grob vorgespannt wurden.

Fachbegriffe

externus (lat.): der äußere, internus (lat.): der innere

thyroarytaenoideus thyro-: zum Schildknorpel gehörig, -arytaenoideus (lat.): zum Stellknorpel gehörig

vocalis (lat.): zur Stimme gehörend

Der M. vocalis ist gleichzeitig der innere Teil des M. thyroarytaenoideus Musculus/Musculithyroarytaenoideus(Abb. 5.9, Abb. 5.11), eines Muskelringsystems, das den Stimmritzenschluss unterstützt und zu dem auch der M. thyroepiglotticus und der M. aryepiglotticus gehören. In diesem Zusammenhang wird der M. vocalis auch als „InternusInternus“, der Rest des M. thyroarytaenoideus als „Externus“ bezeichnet (Achtung: Verwechslungsgefahr mit der Kurzform Externus, die selten auch für den Antikus = M. cricothyroideus verwendet wird).
Die Bezeichnungen der Muskeln des Thyroarytaenoid-Systems leiten sich aus den einzelnen Knorpeln des Kehlkopfs ab, zu denen sie Anheftungsstellen besitzen (Stellknorpel, Schildknorpel, Kehldeckel). Im Vergleich zu den bisher genannten Kehlkopfmuskeln ist die Bedeutung dieser Muskelgruppe – abgesehen vom M. vocalis selbst – eher gering und wird hier nicht weiter erläutert.
Die Verlaufs- und Zugrichtung aller wichtigen Kehlkopfmuskeln ist in Abb. 5.12 noch einmal zusammengefasst.

Kehlkopfspiegelung

Bei der Kehlkopfspiegelung Kehlkopfspiegelung(Laryngoskopie)Laryngoskopie betrachtet der Arzt die Stimmlippen durch die Mundhöhle und den Rachen über ein Rohr oder ein Endoskop; wird dabei (wie meistens) ein Spiegelsystem eingesetzt, spricht man von indirekter Laryngoskopie.

Fachbegriffe

Laryngoskopie

Laryngo- von Larynx: Kehlkopf, -skopie (griech. skopein): betrachten
endo- (griech.): innen
Ein Endoskop ist ein mit Lichtquelle und sonstigen optischen Einrichtungen ausgestattetes flexibles Rohr, mit dem man z.B. Körperhöhlen oder Hohlorgane betrachten (spiegeln) kann.
Petiolus (lat.): Stielchen
Plica (lat.): Falte; ary- von arytaenoidea (lat.): zum Stellknorpel gehörig, -epiglottica (lat.): zum Kehldeckel gehörig
Tuberculum (lat.): Höckerchen, cuneiforme (lat.): keilförmig, corniculatum (lat.): hornartig
Bei der Laryngoskopie erkennt man außen eine etwa ringförmige Schleimhautfalte, die vorne vom Kehldeckel (im unteren Bereich von seinem Stiel = Petiolus)Petiolus aufgeworfen (Petioluswulst, Abb. 5.13c) und seitlich bis hinten von der Stellknorpel-Kehldeckel-FalteStellknorpel-Kehldeckel-FalteLaryngoskopie (Plica aryepiglottica) gebildet wird (Abb. 5.13a). Im hinteren Bereich der Schleimhautfalte sind die beiden Stellknorpel erkennbar, zwischen denen die Falte einen flachen Einschnitt aufweist. Genauer gesagt sind es die über bzw. auf dem Stellknorpel liegenden kleinen sog. Keil- und Spitzenknorpel, die sich unter der Schleimhaut abzeichnen (Kap. 5.2.2). Innerhalb der ringförmigen Schleimhautfalte sind die Taschen- und Stimmfalten und damit natürlich auch die Öffnung der Stimmritze zu beurteilen.
Abhängig von der Position der Stellknorpel lassen sich grundsätzlich vier unterschiedliche Stellungen der StimmritzeStimmritzeStellungen unterscheiden:
  • 1.

    Ruhestellung (sie wird auch Intermediärstellung genannt, vereinzelt auch „Kadaverstellung“, da diese Stellung der Stimmritze so bei der Leiche zu sehen ist): Diese Position wird eingenommen, wenn sich die Kehlkopfmuskeln in Ruhe befinden und die elastischen Anteile der Stimmbänder die Stellknorpel so einstellen, dass die Stimmlippenkante etwa eine Gerade bildet (Abb. 5.13a).

  • 2.

    Respirationsstellung:Respirationsstellung (Stimmritze) Die Postikus-Muskeln beider Seiten drehen die Stimmfortsätze der Stellknorpel mehr oder weniger weit nach außen. Dabei wird die Stimmritze weit geöffnet, wie es für die verstärkte Respiration notwendig ist. In den Stimmfalten ist ein nach außen weisender Knick zu sehen, der sich am Übergang der Pars intermembranacea zur Pars intercartilaginea befindet (Abb. 5.13b).

  • 3.

    Phonationsstellung: Wenn sich zusätzlich zu den Lateralis-Muskeln auch der Transversus-Muskel und die Obliquus-Muskeln kontrahieren, legen sich die Stimmfalten beider Seiten vollständig aneinander und die Stimmritze ist geschlossen (Abb. 5.13c). Aus dieser Stellung der Stimmritze heraus erfolgt die Stimmbildung. Die Phonationsstellung wird auch als Medianstellung bezeichnet, weil die beiden Stimmlippen parallel zur Medianebene liegen.

  • 4.

    Flüsterstellung (Stimmritze)Flüsterstellung: Durch Zug der beiden Lateralis-Muskeln nach außen legen sich die Spitzen der Stimmfortsätze der Stellknorpel einander an. Dadurch wird die Pars intermembranacea der Stimmritze geschlossen, die Pars intercartilaginea bleibt offen (Abb. 5.13d).

Fachbegriffe

Intermediär- (lat. intermedius): dazwischen stehend (gemeint ist die Zwischenstellung zwischen Respirations- und Phonationsstellung)

Median- (lat. medianus): in der Mittelebene (Spiegelebene) des Körpers gelegen

Pars intermembranacea/Pars intercartilaginea Pars (lat.): Teil, inter (lat.): zwischen

-membranacea: weibl. Form von membranaceus (lat.): häutig, membranartig, cartilaginea: weibl. Form von cartilagineus (lat.): knorpelig

Respiration (lat. respiratio): Atemholen

Nerven, Gefäße und Lymphabfluss des Kehlkopfs

Entwicklungsgeschichtlich entsteht der Kehlkopf aus dem Material des 4. und 6. Schlundbogens (Kap. 5.1), wobei die spätere Stimmritze etwa die Grenze zwischen diesen Schlundbögen darstellt. Dies erklärt, dass es u.a. einen Unterschied in der Blut- und Nervenversorgung, aber auch im Lymphabfluss der Schleimhaut oberhalb und unterhalb der Stimmritze gibt.
Arterielle Versorgung
Die arterielle Blutversorgung des Kehlkopfs stammt demnach aus zwei unterschiedlichen Quellen. Der obere und mehr vordere Teil des Kehlkopfs wird von der oberen Kehlkopfschlagader Kehlkopfarterienobere/untere(A. laryngea superior)Arterialaryngea superior/inferior versorgt, der untere und mehr hintere Teil von der unteren Kehlkopfschlagader (A. laryngea inferior). Die Trennung der Versorgungsgebiete der beiden Arterien ist allerdings nicht ganz scharf, da sie untereinander Verbindungen aufweisen (AnastomosenAnastomose).
Die A. laryngea superior entstammt aus der oberen Schilddrüsenschlagader (A. thyroidea superiorArteriathyroidea superior/inferior), einem Ast der äußeren Halsschlagader (A. carotis externa). Einige oberflächlich liegende Teile des Kehlkopfs wie z.B. der Antikus werden aber auch direkt aus der A. thyroidea superior mit Blut versorgt. Die A. laryngea superior zieht durch eine Öffnung der Membrana thyrohyoidea (Abb. 5.14).
Die A. laryngea inferior ist ein Ast der unteren Schilddrüsenschlagader (A. thyroidea inferior), die letztlich der Unterschlüsselbeinschlagader (A. subclavia)Arteriasubclavia dextra/sinistra entstammt; sie verläuft hinter der Luftröhre und gelangt von hinten an den Kehlkopf und seine Muskeln.

Fachbegriffe

A. laryngea superior/inferior A.: Kurzform von Arteria (lat.), laryngea: weibliche Form von laryngeus (lat.): zum Kehlkopf gehörig, superior (lat.): die obere, inferior (lat.): die untere

A. subclavia: subclavia (lat.): unter dem Schlüsselbein (clavicula)

A. thyroidea superior/inferior thyroidea (lat.) bedeutet hier: zur Schilddrüse gehörig

Anastomosen (griech. anastomoun): eine Schleuse öffnen (Bedeutung: Kurzschlussverbindung)

Nervenversorgung
Der gesamte Kehlkopf KehlkopfNervus vaguswird vom N. vagusNerv(-us, -i)vagus, dem 10. Hirnnerven, versorgt (Kap. 7.11.5). Dieser Nerv führt sowohl die sensiblen Fasern aus der Schleimhaut als auch die motorischen Fasern für die Kehlkopfmuskeln (Abb. 5.14).

Fachbegriffe

Ansa (lat.) Schlinge, Verbindung

Galeni Genitiv des Eigennamens Galen (griech. Arzt und Anatom)

motorisch (lat. motorius): bewegend

sensibel (lat. sensibilis): empfindsam

Die Schleimhaut des Kehlkopfs wird von zwei unterschiedlichen Hauptästen des N. vagus sensibel versorgt. Diese beiden Äste entsprechen den Schlundbogennerven des 4. und 6. Schlundbogens (teilweise gibt es eine als Ansa Galeni AnsaGalenibezeichnete Verbindung).
Die Schleimhaut wird von oben bis zur Stimmritze einschließlich der Stimmlippen vom inneren Ast (R. internus) des oberen Kehlkopfnerven (N. laryngeus superior)Nerv(-us, -i)laryngeus superior/inferior/recurrens versorgt, der dem N. vagus entstammt. Die Schleimhaut unterhalb der Stimmritze wird vom unteren Kehlkopfnerven (N. laryngeus inferior) aus dem rückläufigen Kehlkopfnerven (N. laryngeus recurrens, kurz: „RekurrensRekurrens“) versorgt, der ebenfalls ein Ast aus dem N. vagus ist (Abb. 5.14).
Genau genommen ist der N. laryngeus inferior der Endast des N. laryngeus recurrens, nachdem letzterer einige sensible Äste zur Luftröhre und zur Speiseröhre abgegeben hat. In der Klinik wird die Bezeichnung N. laryngeus inferior allerdings oft der Bezeichnung N. laryngeus recurrens gleichgesetzt.
Der obere Kehlkopfnerv wird schon kurz unterhalb der Schädelbasis vom Hauptstamm des N. vagus abgegeben; er verläuft durch die seitliche Halsregion nach unten und teilt sich (Abb. 5.14) in einen inneren und äußeren Ast (R. internus, R. externus). Der innere Ast zieht wie die A. laryngea superior durch eine Öffnung der Membrana thyrohyoidea (Abb. 5.2) und gelangt unter der Schluckrinne SchluckrinneKehlkopfnerv(Recessus piriformis,Recessuspiriformis Abb. 4.15) zur Schleimhaut der oberen Kehlkopfhälfte.
Die Bezeichnung „Rekurrens“ für den zweiten den Kehlkopf versorgenden Vagusast leitet sich daher ab, dass er erst weit unterhalb des Kehlkopfs vom Vagus abgeht und dann rückläufig wieder nach oben zieht (Abb. 5.14).
Der linke Rekurrens schlingt sich knapp oberhalb des Herzens nach hinten um den Aortenbogen, der rechte auf der Höhe der Lungenspitze um den Abgang der A. subclavia herum. Der Umwendepunkt des linken Rekurrens liegt damit deutlich tiefer als der des rechten.
Zwischen Luft- und Speiseröhre verläuft der Rekurrens dann links und rechts nach oben. Er verläuft weiter auf der Rückseite der Schilddrüse, wo er bei Schilddrüsenoperationen besonders gefährdet ist, und gelangt zwischen Ring- und Schildknorpel in den Kehlkopf.
Die sensiblen Nervenfasern der Kehlkopfschleimhaut sind in der Lage, Schutzreflexe auszulösen. Ein HustenSchutzreflexHustenstoß wird induziert, wenn sich Fremdkörper auf der Schleimhaut befinden. Bei Kontakt der Kehlkopfschleimhaut z.B. mit extrem kalter Luft oder stechend riechenden Gasen kann auch ein reflektorisches Verschließen der Glottis ausgelöst werden.
Zusätzlich informieren Fasern der sog. Tiefensensibilität TiefensensibilitätKehlkopf(Kap. 7.10.3) das Gehirn permanent über den Spannungszustand der Sehnen und Muskeln des Kehlkopfs, über die Stellung der Gelenke und letztlich auch über die aktuelle Lage des Kehlkopfs innerhalb seines Aufhängeapparats.

Fachbegriffe

N. laryngeus superior/inferior N.: Abkürzung von Nervus (lat.), laryngeus (lat.): zum Kehlkopf gehörig, superior (lat.): der obere, inferior (lat.): der untere, recurrens (lat.): rückläufig

R. Abkürzung von Ramus (lat.): Ast, Zweig

Recessus piriformis Recessus (lat.): Ausbuchtung, Nische; piriformis (lat.): birnenförmig

Die motorischen Fasern der beiden Kehlkopfnerven versorgen die Kehlkopfmuskeln und bewirken deren Kontraktion. Aus dem N. laryngeus superior wird lediglich der Antikus (und vermutlich der M. ventricularis) über den R. externus versorgt (Abb. 5.14), alle anderen Kehlkopfmuskeln bekommen ihre Nervenversorgung über den N. laryngeus inferior aus dem Rekurrens.

Klinik

Superiorparese

Eine Parese des N. laryngeus superior, kurz „SuperiorpareseSuperiorparese“, kann vielfältige Ursachen haben, z.B. durch eine Nervenentzündung in Folge einer Diphtherie, durch Unfälle oder Operationen bedingt. Es kommt zum Funktionsausfall des Antikus („Antikus-PareseAntikusparese“) und damit zu einer schwerwiegenden Störung beim Aufbau der Stimmbandspannung mit erheblichen Stimmstörungen.
PareseParese (griech. paresis): Erschlaffung, bedeutet eigentlich leichte unvollständige Lähmung oder Schwäche eines Muskels; der Begriff wird aber auch auf den Nerven übertragen, der für die Versorgung des entsprechenden Muskels zuständig ist.
DiphtherieDiphtherie: schwerwiegende bakterielle Infektionskrankheit (durch Schutzimpfung im Kindesalter selten geworden).

Klinik

Rekurrensparese

Eine Parese des Rekurrens, kurz „RekurrenspareseRekurrensparese“, ist relativ häufig; sie tritt z.B. bei oder nach Virusinfekten, nach Schilddrüsenoperationen (v.a. Strumektomie), bei Karzinomerkrankungen im Bereich der Lunge oder der Speiseröhre – oft aber auch ohne erkennbare Ursache – auf. Die Folge ist eine ein- oder zweiseitige Stimmlippenlähmung (Rekurrensparese)Stimmlippenlähmung mit Stimm- und evtl. auch Atemstörungen.
StrumektomieStrumektomie: operative Teilentfernung einer vergrößerten Schilddrüse (struma, lat.: Kropf), -ektomie (griech.): Herausschneiden
Karzinom, RekurrenspareseKarzinom- (griech. karkinoma): Krebs
Lymphabfluss der Kehlkopfschleimhaut
Unter der KehlkopfLymphabflussKehlkopfschleimhaut finden sich zahlreiche kleine Lymphknoten, die besonders häufig unterhalb der Stimmlippen anzutreffen sind. Der Lymphabfluss aus dem Kehlkopf oberhalb der Stimmlippen erfolgt zu den oberen tiefen Halslymphknoten sowie zu den Lymphknoten im Bereich der unteren Zungenbeinmuskulatur, aus der unteren Kehlkopfhälfte ziehen die Lymphgefäße zu den Luftröhrenlymphknoten und zu den mittleren und tiefen Halslymphknoten entlang der Gefäß-Nerven-Straße des Halses.

Klinik

Glottisödem

Das Gewebe direkt unter der Stimmfaltenschleimhaut besitzt im Gegensatz zur übrigen Kehlkopfschleimhaut keine Lymphgefäße. Bei Entzündungen treten in den Stimmlippen deshalb keine Schwellungen (ÖdemÖdeme) auf im Gegensatz zum übrigen Kehlkopf, wo z.B. nach Insektenstichen oder bei Entzündungen erhebliche Schwellungen auftreten können, die Erstickungsgefahr mit sich bringen.
Die Bezeichnung GlottisödemGlottisödem ist deshalb ungenau und sollte durch LarynxödemLarynx- oder KehlkopfödemKehlkopfödem ersetzt werden.
oidema (griech.): Schwellung

Zugänge zu den unteren Luftwegen

LuftwegeuntereDie Glottis stellt als Verschlusssystem für die tieferen Abschnitte der unteren Luftwege gleichzeitig auch eine Engstelle dar, die sich z.B. durch Fremdkörper oder entzündungsbestimmte Schwellungen lebensbedrohend („Ersticken“) verschließen kann. Außerdem kann es unter bestimmten Bedingungen wie z.B. einer Vollnarkose notwendig sein, eine Öffnung zu den unteren Luftwegen sicherzustellen. Daher gibt es verschiedene Techniken, diesen Zugang zu den unteren Luftwegen zu gewährleisten bzw. bei lebensbedrohlichen Situationen wiederherzustellen.
Intubation
IntubationBei einer Vollnarkose Vollnarkose, Intubationwerden Medikamente gegeben, die eine Muskelerschlaffung bewirken können. Dies kann sich auch auf den Postikus, den Öffner der Stimmritze, auswirken, sodass eine sichere und ausreichende Öffnung der Glottis nicht garantiert ist. Deshalb wird der Patient „intubiert“, d.h., es wird ein Schlauch (Tubus,Tubus Endotrachealtubus)Endotrachealtubus durch Mund bzw. Nase bei Sichtkontrolle über den Rachen und den Kehlkopf (zwischen den Stimmlippen) bis in die Luftröhre geschoben, um die Atmung sicherzustellen. Dadurch kann die Kehlkopfschleimhaut gereizt werden, sodass viele Patienten nach einer Intubation für einige Tage heiser sind oder auch vorübergehende leichte Schluckprobleme haben.
Andere Gründe für eine Intubation sind z.B. unzureichende Spontanatmung, Koma, Erstickungsgefahr, Untersuchungen und therapeutische Maßnahmen an den unteren Atemwegen.

Fachbegriffe

Endotrachealtubus endo (griech.): innen, trachea (lat.): Luftröhre

intubieren, Intubation in- (lat.): ein/hinein, tubus (lat.): Röhre, Schlauch

Koniotomie
KoniotomieWenn bei lebensbedrohlicher Schwellung der Kehlkopfschleimhaut, z.B. bei Allergien oder bestimmten Infekten, keine schnell wirksamen Medikamente zur Schleimhautabschwellung zur Verfügung stehen, keine Intubation durchgeführt werden kann und innerhalb der erforderlichen Zeit kein Operationssaal erreicht werden kann, dann kann es erforderlich werden, den Raum unterhalb der Glottis notfallmäßig zu eröffnen, indem man in der leicht tastbaren Region zwischen Schild- und Ringknorpel in das Ringknorpel-Schildknorpel-Band Ringknorpel-Schildknorpel-BandKoniotomie(Lig. cricothyroideumLigamentumcricothyroideum, vorderer Teil wird als Lig. conicum bezeichnet, Kap. 5.2.3), einen quer verlaufenden Einschnitt macht (zur Not mit einem Taschenmesser) und diesen Einschnitt dann mit einem kleinen starren Rohr (zur Not mit einer Kugelschreiberhülse) offen hält, um den betroffenen Patienten vor dem Ersticken zu bewahren (Abb. 5.15).
Ähnlich verfährt man, wenn Fremdkörper die Stimmritze verlegen und nicht anderweitig entfernt werden können, oder bei Kehlkopfverletzungen.
Wegen des Durchtrennens des Lig. conicum wird diese Maßnahme als Koniotomie bezeichnet. Man spricht auch von „NotkoniotomieNotkoniotomie“, da dieser Eingriff dem absoluten Notfall vorbehalten bleiben sollte, da v.a. bei Kindern fast unvermeidlich bleibende Schäden am Kehlkopf entstehen.

Fachbegriffe

Lig. cricothyroideum

Ligamentum (abgekürzt Lig., lat.): Band; crico-: zum Ringknorpel gehörig, thyroideum ist Neutrumform von thyroideus (lat.): zum Schildknorpel gehörig
conicum keilförmig, abgeleitet von conus (lat.): Keil
Isthmus (lat.): aus isthmos (griech.): schmale Verbindung, eigentlich „Landenge
Koniotomie Konio-: siehe conus; -tomie (griech. tome): durchschneiden
Trachea (lat.): Luftröhre“
Tracheotomie
TracheotomieIm Deutschen als Luftröhrenschnitt Luftröhrenschnittbezeichnet. Dieser Zugang zu den unteren Luftwegen stellt die Standardmethode bei Erstickungsgefahr dar und erfolgt so weit vom Kehlkopf entfernt, dass an diesem kein Schaden entstehen kann.
Ein Luftröhrenschnitt erfolgt außerdem anstelle einer Intubation, wenn über längere Zeit der Zugang zu den unteren Luftwegen gesichert werden soll (z.B. künstliche Beatmung von Patienten auf Intensivstationen).
Es werden eine obere, eine mittlere und eine untere Tracheotomie unterschieden (Abb. 5.15):
  • Der obere Luftröhrenschnitt erfolgt nach Hautschnitt in Längsrichtung durch das Bandsystem zwischen Ringknorpel und der ersten Knorpelspange der Luftröhre; der Schnitt endet oberhalb der Isthmus (lat.: schmale Verbindung, Enge) genannten mittleren Brücke zwischen den beiden SchilddrüseIsthmusSchilddrüsenlappen.

  • Der mittlere Luftröhrenschnitt erfolgt nach Hautschnitt in Längsrichtung durch den Isthmus der Schilddrüse und den dahinter liegenden Abschnitt der Luftröhre.

  • Der untere Luftröhrenschnitt erfolgt nach Hautschnitt in Längsrichtung durch die Luftröhre unterhalb des Isthmus der Schilddrüse.

Der untere Luftröhrenschnitt ist operativ am aufwendigsten, da zum einen Blutgefäße der Schilddrüse hier verlaufen können und zum anderen der Weg von der Haut bis zur Luftröhre am längsten ist. Allerdings ist hierbei die Stabilisation einer in das Tracheostoma Tracheostomaeingesetzten Trachealkanüle Trachealkanüleam besten, sodass diese Technik bevorzugt wird, wenn das Tracheostoma über längere Zeit offen bleiben soll (z.B. nach Bestrahlung zur Krebstherapie, nach Entfernung des Kehlkopfs, zur Langzeitbeatmung).

Klinik

Tracheostoma, Trachealkanülen

Als solches bezeichnet man eine z.B. bei Atemnot operativ herbeigeführte Öffnung der Trachea (-stoma, griech.: Mund, Öffnung) nach außen. Es wird eine Trachealkanüle (aus cannula, lat.: Röhrchen) zur Luftzufuhr eingesetzt. Solche Trachealkanülen bestehen heute i.d.R. aus Kunststoff; sie können „blockbar“ sein, d.h. eine Blockadeeinrichtung außerhalb der eigentlichen Kanüle besitzen, die nach dem Aufblasen verhindert, dass Sekrete oder Nahrungsanteile an der Kanüle vorbei in die unteren Atemwege gelangen.
Andere Varianten der Trachealkanülen (die sog. SprechkanüleSprechkanülen) besitzen unterhalb der Glottis Öffnungen, durch die beim Sprechvorgang Luft von unten durch die Glottis geleitet werden kann. Notwendig dazu ist ein Ventil, das die Atemluft beim Ausatmen nach oben in den Kehlkopf leitet.

Funktionen des Kehlkopfs

KehlkopfFunktionenDie wichtigsten, sprachtherapeutisch bedeutsamen Funktionen des Kehlkopfs sollen in diesem Kapitel noch einmal kurz zusammengefasst werden. Für weitergehende Informationen sei auf Lehrbücher der Phoniatrie verwiesen.

Phonation

Abgesehen von seiner Funktion als Verschlussorgan der unteren Luftwege für die Atmung ist der Kehlkopf als Stimmorgan oder Organ der Stimmbildung Stimmbildung (im Kehlkopf)(Phonation)Phonation für die menschliche Kommunikation von größter Bedeutung. Eine gestörte Stimmbildung wird als Dysphonie Dysphoniebezeichnet; sie entsteht durch Erkrankung oder gestörte Funktion des Kehlkopfs. Im Extremfall kann es zur Aphonie Aphoniekommen, der vollständigen Stimmlosigkeit.

Fachbegriffe

Dys- (griech.): schlecht, krankhaft, a- (griech.) fehlend

Phonation phone (griech.): Stimme, -atio (lat.): Bildung

Spannungszustand der Stimmfalten
Die Mechanismen der ruhigen oder forcierten Ausatmung sorgen für einen mehr oder weniger starken, aber kontinuierlichen Luftstrom aus den Lungen und den unteren Luftwegen. Dieser Luftstrom muss die Engstelle der Glottis passieren; dadurch geraten die freien Kanten der StimmfaltenStimmfaltenSpannungszustand (oder Stimmlippen) in Schwingung.
Die Stimmfalten entsprechen grob der Saite eines Musikinstruments wie z.B. einer Geige oder Gitarre. Diese Saiten werden durch entsprechende Schrauben „gestimmt“, d.h. in einen bestimmten Spannungszustand versetzt. Zupft man mit dem Finger an einer solchen Saite oder streicht – wie bei der Geige – mit einem Bogen über die Saite, dann erklingt der Ton, auf den die Saite gestimmt wurde. Bei einer Erhöhung dieser Saitenspannung wird auch der Ton höher, bei Erniedrigung der Saitenspannung wird der Ton entsprechend tiefer.
Die menschlichen Stimmfalten sind durch ihre Befestigung und ihre elastischen Fasern (speziell die der Stimmbänder) „vorgespannt“. Dieser Spannungszustand kann durch die Funktion des Antikus grob und durch die Funktion des M. vocalis fein reguliert werden.
Subglottischer Druck
Voraussetzung für die Phonation ist zunächst der vollständige Glottisschluss („Phonationsstellung“) und die Vorspannung der Stimmfalten auf die gewünschte Tonhöhe. Durch den Ausatmungsdruck (subglottischer DruckDrucksubglottischersubglottischer Druck) wird der Verschluss der Stimmfalten „gesprengt“ und diese schwingen auseinander. Infolge ihrer elastischen Spannung schwingen dann die Stimmfalten zu einem erneuten kurzen Verschluss zurück, der unmittelbar danach wieder durch den Ausatmungsdruck gesprengt wird etc.
Ein zusätzlicher Faktor bei der Tonerzeugung ist darin zu sehen, dass der Druck im Bereich der Glottis nach Sprengung des Stimmfaltenverschlusses durch die schnell hindurchströmende Ausatemluft so weit abnimmt, dass sich die Glottis wieder verschließt. Sie wird dann durch den subglottischen Druck wieder aufgesprengt usw. Diese dadurch entstehenden Stimmlippenschwingungen werden als Bernoulli-Schwingungen Bernoulli-Schwingungenbezeichnet, weil sie den Bernoulli-Gesetzen gehorchen (s. Lehrbücher der Phoniatrie).

Fachbegriffe

Bernoulli Eigenname (Schweizer Mathematiker)

subglottisch sub- (lat.): unter, glottisch (lat. glottis): Stimmritze mit Stimmlippen

Tonerzeugung
TonerzeugungDurch das rasch aufeinanderfolgende Öffnen und Schließen der Glottis wird die Ausatmungsluft in „kleine Portionen“ zerteilt, d.h., es wird ihr durch die schwingenden Stimmfalten selbst eine Schwingung aufgelagert. Die Zahl dieser Schwingungen Schwingungsfrequenzpro Zeiteinheit (i.d.R. 1 Sekunde) wird als Frequenz Frequenzbezeichnet und in Hertz (Hz) Hertz (Hz)gemessen.

Fachbegriffe

Frequenz (lat. frequentia): Häufigkeit

Hertz Eigenname (deutscher Physiker)

1 Hz = 1 Schwingung pro Sekunde

Diese der Ausatmungsluft aufgelagerten Schwingungen sind als Ton hörbar. Tiefe Töne haben eine niedrige Frequenz (wenige Schwingungen pro Sekunde, z.B. 50 Hz), hohe Töne haben eine hohe Frequenz (viele Schwingungen pro Sekunde, z.B. 12 000 Hz).
Stimmlagen
Genauso wie es z.B. Streichinstrumente unterschiedlicher Größe und damit auch unterschiedlicher Saitenlänge gibt (Geige, Cello, Kontrabass), finden sich auch bei einzelnen Individuen unterschiedlich lange Stimmfaltenkanten und damit auch Stimmlagen.Stimmlagen
Bei erwachsenen Männern unterscheidet man hohe, mittlere und tiefe Stimmlagen als Tenor, Bariton und Bass, bei Kindern beiderlei Geschlechts und bei erwachsenen Frauen wird die hohe Stimmlage als Sopran, bei erwachsenen Frauen die tiefe Stimmlage als Alt bezeichnet.
Genau wie die Spannung der Saite eines Musikinstruments verändert werden kann (das Instrument wird „gestimmt“), lässt sich auch der Spannungszustand der Stimmbänder und damit der Stimmfalten durch die Kontraktion des Antikus und des M. vocalis verändern.
Zusätzlich lässt sich die Saite eines solchen Musikinstruments (Geige, Gitarre usw.) mit dem Druck eines Fingers auf die Saite „verkürzen“. Auch dies lässt sich bei den Stimmfalten innerhalb der vorgegebenen anatomischen Größen der Stimmlage als Folge der unterschiedlichen Muskelkontraktion in einer Größenordnung von bis zu 5 mm beobachten.
Dadurch lässt sich in den einzelnen Stimmlagen ein je nach Veranlagung und Training unterschiedlich breites Frequenzspektrum erzeugen.
Frequenzumfang der Stimme
Stimme, FrequenzumfangFrequenzumfang der StimmeMänner mit einer Bassstimme Bassstimmehaben durchschnittlich ein Stimmspektrum von 80–450 Hz, mit Tenorstimme Tenorstimmevon 120–650 Hz (Bariton liegt dazwischen). Frauen mit einer tiefen Stimme (Alt)Altstimme haben ein Frequenzspektrum von etwa 160–880 Hz, mit einer hohen Stimme (Sopran)Sopranstimme etwa 220–1400 Hz (Mezzosopran liegt dazwischen).
Zum Vergleich: der sog. Kammerton A liegt bei 440 Hz; das ist etwa auch die Tonhöhe, in der ein Neugeborenes schreit. Der durchschnittliche menschliche Stimmumfang beträgt zwei, in Extremfällen über vier Oktaven.
Dazu kommt noch der ein oder mehrere OktavenOktave höher liegende Obertonbereich, der für die individuelle Klangfarbe der Stimme entscheidend ist. Vom menschlichen Ohr wird besonders gut der Obertonbereich zwischen 2000 und 3000 Hz wahrgenommen. Der obere Frequenzbereich der menschlichen Stimme kann bis in die Region zwischen 4000 und 12 000 Hz reichen.

Fachbegriffe

Oktave (lat. octava): die Achte, d.h. der 8. Ton im Dur-Moll-Tonsystem, der auf den Grundton folgt und mit dem Grundton zusammen einen harmonischen Klang erzeugt.

Die Frequenzen der ObertöneObertöne sind ganzzahlige Vielfache der Frequenz des Grundtons (z.B. Frequenz Kammerton A = 440 Hz, Obertöne: 880 Hz, 1320 Hz etc.).

Lautstärke
Die Lautstärke Lautstärke der Stimmedes erzeugten Tons steigt mit zunehmender Stärke des Luftstroms beim Ausatmen (subglottischer Druck), ist also abhängig von der Atemmuskulatur. Zusätzlich kann die Lautstärke durch die Spannung der Stimmbänder und die Öffnung der Glottis beeinflusst werden.

Ansatzrohr

Das Stimmorgan Kehlkopf ist für die Stimmbildung verantwortlich, beeinflusst also die Tonhöhe, den Frequenzumfang, den Stimmklang und die Lautstärke der Stimme.
Davon grundsätzlich zu unterscheiden ist die Artikulation Artikulation(die LautbildungLautbildung), die im sog. Ansatzrohr Ansatzrohr(Vokaltrakt)Vokaltrakt stattfindet. Diese Bezeichnung entspricht den unterschiedlichen Hohlräumen der Blasinstrumente (z.B. Flöte, Trompete, Posaune) und wird für die Hohlräume des Kehlkopfs oberhalb der Glottis, des Rachens, des Mundes und der Nase verwendet. Die Öffnungen des menschlichen Ansatzrohrs sind die Mundöffnung und die beiden Nasenlöcher.

Fachbegriffe

Artikulation (lat. articulatio): Gelenk, auch gegliederter Vortrag, Gliederung des Gesprochenen, Lautbildung

Die Form des Ansatzrohrs ist nicht nur durch die anatomischen Variationen zwischen den einzelnen Menschen individuell sehr unterschiedlich, sondern kann auch durch die Muskulatur in der Wand des Ansatzrohrs (Wangen, Lippen, Zunge, Gesicht, Rachen, Gaumen) willkürlich stark verändert werden (Kap. 6).
An mehreren Stellen sind Wandabschnitte des Ansatzrohrs schwingungsfähig; sie können Resonanzschwingungen mit der Grundschwingung des ausgeatmeten Luftstroms eingehen. Die unterschiedliche Gestaltung der Resonanzräume des Ansatzrohrs ist die Grundlage der Lautbildung der Vokale.Vokale
Bei der Lautbildung der Konsonanten Konsonantenwird die Ausatemluft entweder durch Engstellen des Luftwegs hindurch oder an ihnen vorbei geleitet oder es werden verschlossene Bereiche des Luftwegs aufgesprengt (Kap. 6.3).

Fachbegriffe

Dysarthrie dys- (griech.): schlecht, krankhaft und arthroun (griech.): gliedern (d.h. mühsames Sprechen in der Bedeutung einer gestörten Artikulation), an- oder a- (griech.): fehlend

Konsonant (lat. consonans): mitlautend (Hemmlaut, Mitlaut; dabei Hemmung oder Einengung der Ausatemluft)

Vokal (lat. vocalis): stimmreicher, tönender Laut (Öffnungslaut, Selbstlaut)

Die Lautbildung stellt die Grundlage des Sprechens dar (Kap. 6.3). Störungen der Lautbildung durch Erkrankung oder Fehlfunktion der Artikulationsorgane werden als Dysarthrie,Dysarthrie eine absolute Unfähigkeit zur Artikulation als Anarthrie Anarthriebezeichnet.

Flüsterstimme; Stimmregister

Flüsterstimme
Beim FlüsternFlüsterstimme strömt die Luft – wie bei der Ruheatmung – nur durch die Pars intercartilaginea (Flüsterdreieck) der Stimmritze aus. Die Stimmlippen sind stark angespannt. Die Lautbildung der Vokale und Konsonanten erfolgt bei der Flüster- oder Hauchsprache Hauchspracheausschließlich durch die unterschiedliche Gestaltung des Ansatzrohrs. Zur Stimmschonung z.B. bei Heiserkeit ist die Flüsterstimme nicht zu empfehlen (vgl. Lehrbücher über Stimmstörungen).
Stimmregister
StimmregisterDer Begriff Register Registerbedeutet ursprünglich einen Satz von Orgelpfeifen mit gleicher Klangfarbe. Eine Orgel besitzt also mehrere Register; kleine Orgeln besitzen ca. 10, große Orgeln 30 und mehr Register.

Fachbegriffe

Register (lat. registrum): Verzeichnis

Ob der Begriff auch auf die menschliche Stimme angewendet werden kann und wenn ja, welche und wie viele Register zu unterscheiden sind, ist umstritten. So sind bei ausgezeichneten Sängern Grenzen der Register oder Übergänge zwischen den Registern praktisch nicht auszumachen.
Bei weniger geübten oder ungeübten Sängern werden meist Brustregister (Bruststimme) Brustregister (Bruststimme)und Kopfregister (Kopfstimme) Kopfregister (Kopfstimme)unterschieden. Die Bruststimme ist tief, Schwingungen sind an der Brustwand zu tasten. Bei der Kopfstimme werden die Schwingungen im Kopfbereich empfunden. Das Mittelregister (Mittelstimme) Mittelregister (Mittelstimme)stellt eine Mischung zwischen Kopf- und Brustregister dar. Zusätzlich werden Randregister unterhalb des Brustregisters („StrohbassregisterStrohbassregister“) und oberhalb des Kopfregisters („PfeifregisterPfeifregister“) beschrieben.
Beim normalen Sprechen werden Brust- und Mittelregister benutzt. Beim Jodeln Jodelnpendelt die Stimme charakteristisch zwischen Kopf- und Brustregister hin und her.

Zusammenfassung

Der Kehlkopf (Larynx) ist ein Verschlussorgan der unteren Atemwege und damit beim Schluckakt beteiligt; außerdem ist er das entscheidende Stimmorgan. Er kann über einen Aufhängeapparat bewegt werden, der aus dem Zungenbein (Hyoid), der Membrana thyrohyoidea, den oberen und unteren Zungenbeinmuskeln sowie der elastischen Verbindung zur Trachea (Zug der Trachea) gebildet wird.

Der Kehlkopf besteht aus einem Knorpelskelett, das durch Bänder zusammengehalten und über Gelenke gegeneinander bewegt wird. Bei den Knorpeln unterscheidet man den Schildknorpel (mit rechter/linker Platte, oberen/unteren Hörnern, Inzisur und Prominentia laryngis), den Ringknorpel (mit Bogen und Platte), die beiden Stellknorpel (mit Proc. muscularis und Proc. vocalis) sowie den Kehldeckel (Epiglottis). Ring- und Schildknorpel sind vorne durch den Conus elasticus verbunden.

Das Ringknorpel-Schildknorpel-Gelenk dient der Grobspannung des Stimmbands, das Ringknorpel-Stellknorpel-Gelenk der Öffnung bzw. dem Schließen der Glottis. Der Kehldeckel legt sich beim Schluckakt mithilfe eines Kippmechanismus auf den Kehlkopfeingang und verschließt ihn damit reflektorisch.

Der Binnenraum des Kehlkopfs gliedert sich in Vestibulum, Taschenfalte (mit Taschenband), Ventriculus, Stimmfalte oder Stimmlippe (mit Stimmband und M. vocalis) sowie den subglottischen Raum, der in die Trachea übergeht. Die Schleimhaut bis zur Glottis wird vom N. laryngeus superior, unterhalb der Glottis vom N. laryngeus recurrens (beides Äste des N. vagus) versorgt.

Die Kehlkopfmuskeln gliedern sich in einen äußeren (vom N. laryngeus superior versorgt) und mehrere innere Muskeln (vom N. laryngeus recurrens versorgt). Der einzige äußere Muskel ist der M. cricothyroideus (Antikus), der für die Grobspannung des Stimmbands sorgt.

Die inneren Muskeln gliedern sich in einen Öffner der Stimmritze (M. cricoarytaenoideus posterior, Postikus) und mehrere Schließer der Stimmritze. Der M. cricoarytaenoideus lateralis (Lateralis) schließt die Pars intermembranacea der Stimmritze, die anderen Schließer schließen auch die Pars intercartilaginea. Der M. vocalis sorgt zusätzlich für die Feinstimmung des Stimmbands.

Bei der Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie) lassen sich folgende Stellungen der Glottis beobachten: Ruhestellung, Respirationsstellung, Flüsterstellung und Phonationsstellung.

Zugänge zu den unteren Atemwegen unterhalb der Glottis sind möglich durch: Intubation, Notkoniotomie sowie verschiedene Formen der Tracheotomie.

Grundlage der Stimmbildung (Phonation) sind der Glottisverschluss, der Spannungszustand der Stimmfalten und der subglottische Druck. Die Lautstärke wird über die Stärke des Luftstroms bei der Ausatmung reguliert.

Bei der Flüsterstellung der Glottis ist nur die Pars intercartilaginea geöffnet; die dann noch mögliche Lautbildung erfolgt „stimmlos“ über das Ansatzrohr.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen