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B978-3-437-48073-7.00003-1

10.1016/B978-3-437-48073-7.00003-1

978-3-437-48073-7

Abb. 3.1

[L157]

a) Primitives Kreislaufmodell ohne getrennten Körper- und Lungenkreislauf und ohne Herzvorhof

b) Kreislaufmodell beim Menschen (Ventile nicht eingezeichnet); a) und b) sauerstoffarmes Blut: blau, sauerstoffreiches Blut: rot

Abb. 3.2

[L190]

Längsschnitt durch das Herz. Die sauerstoffreiches Blut führenden Gefäße (Arterien bzw. Venen) des Herzens sind rot, die sauerstoffarmes Blut führenden Gefäße (Arterien bzw. Venen) des Herzens blau dargestellt. Der Weg des sauerstoffarmen Bluts ist mit einem blauen Pfeil, der Weg des sauerstoffreichen Bluts ist mit einem roten Pfeil gekennzeichnet.

Abb. 3.3

[S007-2-23]

Herz in der Ansicht von vorne mit Abgängen der großen Arterien

1 rechter Vorhof, 2 rechte Kammer, 3 linker Vorhof, 4 linke Kammer; die Pfeilspitzen zeigen auf die Herzkranzfurche. Abkürzungen: comm.: communis, s.: sinistra, d.: dextra

Abb. 3.4

[L190]

Blutversorgung der Organe, Gewebe und Körperregionen des Menschen. Rot: sauerstoffreiches Blut, blau: sauerstoffarmes Blut, violett: Übergangszonen zwischen sauerstoffreich und sauerstoffarm (Sonderfall: die Leber bekommt sowohl sauerstoffreiches Blut aus der Leberarterie als auch sauerstoffarmes, aber nährstoffreiches Blut aus dem Darm)

Abb. 3.5

[L190]

Wandaufbau größerer Blutgefäße (Arterien, Venen). Die Adventitia besitzt eigene kleine Blutgefäße zur Versorgung der äußeren Wandschichten der größeren Blutgefäße.

Abb. 3.6

[L190]

Übergang Arteriole –Kapillargebiet –Venole im Körperkreislauf; rot: sauerstoffreiches Blut, blau: sauerstoffarmes Blut

Abb. 3.7

[L190]

Entstehung und Abtransport der Lymphe im Interzellularraum

Abb. 3.8

[L190]

Herzklappen: a) Segelklappen, b) Taschenklappen. Die roten Pfeile zeigen die Richtung des Blutstroms bei geöffneten Klappen an.

Abb. 3.9

[S007-2-23]

Ventilebene des Herzens, sichtbar gemacht nach Entfernung der Vorhöfe und Abtrennen der großen Arterien. Diese Ebene ist nach rechts hinten unten geneigt. Direkt aus dem Anfangsabschnitt der Aorta oberhalb der Aortenklappe entspringen linke (1) und rechte (2) Herzkranzarterie. Der Pfeil zeigt auf den Durchtritt des AV-Bündels (gelb) durch das Herzskelett (hellbraun).

Abb. 3.10

[L106]

Schematische Darstellung einer serösen Höhle sowie der viszeralen (grün) und parietalen Serosa (rot) eines Organs (z.B. Herz, Lunge, Darm) in der Frühphase der Entwicklung; Bindegewebe (nicht dargestellt) befindet sich der parietalen Serosa aufgelagert und zwischen Organ und viszeraler Serosa

Abb. 3.11

[L190]

Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystem des Herzens mit schematischer Darstellung von Sinusknoten, AV-Knoten, Kammerschenkeln und Purkinje-Fasern. Das His-Bündel durchstößt die Ventilebene.

Kreislaufsystem

Lernziele

  • Verschiedene Abschnitte des Blutkreislaufs

  • Unterschied zwischen Blutgefäßsystem und Lymphgefäßsystem

  • Parallel und hintereinandergeschaltete Organe

  • Wandschichten der Gefäße und des Herzens

  • Lage und Form der Herzklappen

  • Verteilung der Arbeitsmuskulatur und der spezifischen Herzmuskulatur im Herzen

Übersicht über Herz, Kreislauf und Gefäße

Aufbau und Funktion des Kreislaufsystems

Kreislauf(system)Das Blut ist als „flüssiges Organ“ anzusehen. Es besteht aus Zellen (LeukozytenLeukozyten) und Abkömmlingen von Zellen, die keine Zellkerne mehr enthalten (ErythrozytenErythrozyten, ThrombozytenThrombozyten) sowie einer „Interzellularsubstanz“, dem Blutplasma. Man unterscheidet rote BlutzellenBlutzellen, sog. rote Blutkörperchen (Erythrozyten), die den roten Blutfarbstoff Hämoglobin (Kap. 4.10.3) enthalten, weiße Blutzellen, sog. weiße Blutkörperchen (Leukozyten), die Abwehraufgaben erfüllen, und Blutplättchen (Thrombozyten), die die Blutstillung und Blutgerinnung unterstützen.

Fachbegriffe

Erythrozyten, Leukozyten, Thrombozyten gebildet aus erythros (griech.): rot, leukos (griech.): weiß, thrombos (griech.): Blutpfropf und kytos (griech.): Zelle

Das Blut liefert den Körperzellen lebensnotwendige Stoffe wie Sauerstoff, Nährstoffe und Wasser, ist aber auch zuständig für die „Entsorgung“ der Körperzellen (Abgabe von Kohlendioxid sowie „Abfallstoffen“) und transportiert Hormone, Wärme und Abwehrzellen. Bei einer Verletzung der Blutgefäße können diese durch die Mechanismen der Blutstillung und Blutgerinnung abgedichtet werden.
Das Kreislaufsystem hat die Aufgabe, das Blut durch ein geschlossenes „Schlauchsystem“, die Blutgefäße, durch den ganzen Körper „im Kreis herum“ zu transportieren. Eine Pumpe, das Herz, ist in dieses Schlauchsystem integriert und treibt den Kreislauf an. Damit bleibt das Blut ständig in Bewegung und kann seine Transportaufgaben zu den Zellen hin bzw. von diesen weg erfüllen.
Blutgefäße, die Blut vom Herzen weg zu den Zellen hin transportieren, bezeichnet man als Schlagadern oder ArterienArterien. Kurz vor Erreichen der Zellen in den Geweben und Organen sind diese Arterien durch vielfache Abzweigungen so klein geworden, dass sie als „kleine Schlagadern“ oder mit dem Fachbegriff ArteriolenArteriolen gekennzeichnet werden. Diese gehen dann in noch kleinere Blutgefäße über, die Haargefäße oder KapillarenKapillaren genannt werden. Auf der Ebene der Kapillaren (und im Wesentlichen nur hier) findet der Stoffaustausch zwischen den Zellen und dem Blut statt.

Fachbegriffe

Arterie (lat./griech. arteria): Schlagader

Arteriole Verkleinerungsform von „Arterie“

Kapillare abgeleitet von capillus (lat.): Haar

Vene (lat. vena): Blutader

Venole (selten auch Venule): Verkleinerungsform von „Vene“ (= Venula)

So gibt es zahlreiche „Kapillargebiete“ in den Organen und Geweben des Körpers, über die diese mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Gleichzeitig geben die Zellen hier Kohlendioxid und ihre sonstigen Abfallstoffe an das Blut zurück. An die Kapillargebiete schließen sich die Blutgefäße an, die das Blut zum Herzen zurückführen. Zunächst sind es kleine Blutadern, deren Fachbezeichnung „VenolenVenolen“ eine Verkleinerungsform des Begriffs VenenVenen (Blutadern) darstellt. Venen transportieren grundsätzlich das Blut zum Herzen hin.
Da die Begriffe „Schlagader“ und „Blutader“ schnell verwechselt und oft auch unpräzise benutzt werden, sollten nur die Fachbegriffe Arterien und Venen Verwendung finden. Auch für die kleineren Blutgefäße sind die Begriffe Arteriolen, Kapillaren und Venolen Standard.
Für die Versorgung der Körperzellen ist es notwendig, dass das Blut mit neuen Nährstoffen versehen wird: dies geschieht mithilfe des Verdauungstrakts und der Leber. Auf der anderen Seite sorgen im Wesentlichen die Leber und die Niere für eine Entsorgung der im Blut kreisenden Abfallstoffe der Zellen.
Da auch Sauerstoff von den Zellen verbraucht wird, muss dieser dem Blut wieder zugeführt werden. Dies geschieht in den Kapillargebieten der Lunge, wo Sauerstoff aus der Atemluft letztlich in das Blut überführt wird. In umgekehrter Richtung erfolgt an der gleichen Stelle die Abgabe des „Zellabgases“ Kohlendioxid vom Blut an die Ausatemluft.

Herz- und Kreislaufmodelle

Das Herz, das den Transport des Blutes vollzieht, ist ein sich rhythmisch zusammenziehender Muskelschlauch. Damit das Blut in eine bestimmte Richtung aus dem Herzen fließt, sind Ventile, die sog. Herzklappen, erforderlich.
Unter Verwendung der bisherigen Überlegungen lässt sich ein primitives Herz- und Kreislaufmodell erstellen, wie es in der Abb. 3.1a) zu sehen ist.
Dieses „primitive“ Kreislaufmodell hat zwei entscheidende Nachteile:
  • Wenn das Herz das Blut zu den Lungenkapillaren gepumpt hat, wo es sich wieder mit Sauerstoff belädt, ist im Anschluss an das Kapillargebiet der Blutdruck zu niedrig, um die Zellen in der Umgebung der Körperkapillaren bei einem Organismus wie dem des Menschen ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen und das Blut anschließend dem Herzen wieder zuzuführen.

  • Wenn das Herz die in ihm enthaltene Blutmenge durch eine Muskelkontraktion herausgepumpt hat, dauert es zu lange, bis sich der Innenraum des Herzens wieder neu mit Blut gefüllt hat.

Diese Nachteile sind im Kreislaufmodell des Menschen und anderer Säugetiere durch zwei entscheidende Veränderungen beseitigt (Abb. 3.1b):
  • Eine Pumpe (das rechte Herz oder die rechte „Herzhälfte“) pumpt das Blut zu den Lungenkapillaren, von wo es dann zum linken Herzen (der linken Herzhälfte) zurückkehrt, das es dann zu den Körperkapillaren pumpt, von wo es wieder in das rechte Herz zurückkehrt.

  • Vor das eigentliche, pumpende Herz (rechte bzw. linke Herzkammer) ist ein Vorratsbehälter geschaltet (rechter bzw. linker Herzvorhof), in dem sich das Blut während der Pump- und Austreibungsaktion der Herzkammer sammelt, damit es schneller für eine erneute Pumpaktion zur Verfügung steht.

Die Herzkontraktion, das Zusammenziehen des Herzmuskels, bezeichnet man als SystoleSystole, das anschließende Erschlaffen des Herzmuskels als DiastoleDiastole.

Fachbegriffe

diastole (griech.): das Auseinanderziehen

systole (griech.): das Zusammenziehen

Insgesamt vier Ventile befinden sich zwischen dem jeweiligen Vorhof und der Kammer sowie zwischen den jeweiligen Kammern und Arterien, über die das Blut entweder zu den Lungenkapillaren (rechtes Herz) oder zu den Körperkapillaren (linkes Herz) transportiert wird. Beide Herzen arbeiten i.d.R. bezüglich Systole und Diastole absolut synchron und transportieren jeweils auch die gleiche Blutmenge zur Lunge bzw. zum Körper.
Wenn die Systole der beiden Herzkammern beginnt, schließen sich die Ventile zu den Vorhöfen, damit das Blut nicht in diese zurückfließt. Die Ventile zu den abgehenden Arterien sind so lange geschlossen, bis der Blutdruck in den Kammern einen bestimmten Wert (diastolischer Blutdruckwert) erreicht hat. Dann öffnen sich die beiden Ventile zu den abgehenden Arterien und das Blut gelangt in diese Arterien in Richtung Lungen bzw. Körper. Dabei erreicht der Blutdruck seinen Spitzenwert (systolischer Blutdruckwert).
Anschließend erschlaffen die Kammern wieder. Zunächst schließen sich die Ventile zu den abgehenden Arterien, damit das Blut nicht in die Herzkammern zurückfließt und der diastolische Blutdruck in den Arterien erhalten bleibt. Der Blutdruck in den Kammern sinkt dann so weit ab, dass sich zum Schluss die Ventile zu den Vorhöfen öffnen, in denen sich in der Zwischenzeit Blut aus den zuführenden Venen aus der Lunge bzw. aus dem Körper gesammelt hat. Dann beginnt die Systole der Kammern erneut.

Klinik

Blutdruck/Bluthochdruck

Der BlutdruckBlutdruck wird meist in mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) gemessen. Als „normal“ wird ein Blutdruck unter 130/85 mmHg angesehen, als „optimal“ gilt ein Wert von unter 120/80 mmHg. Dabei ist der systolische Wert 120 mmHg, der diastolische Wert 80 mmHg. Überschreitet der systolische Wert 140 mmHg und/oder der diastolische Wert 90 mmHg, spricht man von BluthochdruckBluthochdruck (Hypertonie Siehe BluthochdruckHypertonie); heutzutage wird meist auch ein systolischer Blutdruck zwischen 130 und 139 mmHg bzw. ein diastolischer Blutdruck zwischen 85 und 89 mmHg als kritisch angesehen.
Hg: chemisches Symbol für Quecksilber (Hydrargurum).

Körper- und Lungenkreislauf

Zwei Pumpen, das rechte und das linke Herz, sind zu einer einzigen Pumpe, dem Organ „Herz“, zusammengewachsen. Das Herz treibt aber zwei getrennte Kreisläufe an, die man als LungenkreislaufLungenkreislauf („kleiner Kreislauf“) und KörperkreislaufKörperkreislauf („großer Kreislauf“) bezeichnet.
Das rechte Herz treibt den Lungenkreislauf an; es erhält verbrauchtes, sauerstoffarmes Blut, das aus den Organen und Geweben des Körpers, also aus dem Körperkreislauf, stammt (Abb. 3.4). Dieses Blut gelangt über Venen in den rechten Vorhof, dann über ein Ventil zur rechten Kammer, die das Blut bei der Systole durch ein weiteres Ventil in eine Arterie drückt, die sich dann zur rechten und linken Lunge hin aufzweigt.
In den Lungen wird das Blut mit Sauerstoff wieder „aufgefrischt“, während ein Teil des Kohlendioxids Richtung Ausatemluft abgegeben wird. Aus den Lungen gelangt das dann sauerstoffreiche Blut über Venen zum linken Herzvorhof. Der eigentliche Lungenkreislauf endet dann hier am linken Vorhof.
Das sauerstoffreiche Blut gelangt über ein Ventil vom linken Vorhof in die linke Kammer, die als Pumpe den Körperkreislauf antreibt. Aus der linken Kammer wird das sauerstoffreiche Blut über ein weiteres Ventil in die große Arterie des Körperkreislaufs (Aorta) gedrückt, über die das Blut dann zu den Geweben und Organen des Körpers verteilt wird. In den Kapillargebieten der Organe und Gewebe werden Sauerstoff und Nährstoffe den Zellen zugeführt, wohingegen Abfallstoffe und Kohlendioxid vom Blut aufgenommen werden. An die Kapillargebiete des Körpers schließen sich Venolen und dann Venen an, die das Blut dem rechten Herzvorhof und damit wieder dem Lungenkreislauf zuführen.
Die Wege des Blutkreislaufs sind in der Abb. 3.1b nur schematisch dargestellt. Abb. 3.2 zeigt die Verhältnisse innerhalb des aufgeschnittenen Herzens anatomisch korrekter.

Fachbegriffe

Anatomische Nomenklatur der Arterien und Venen

Eine Arterie wird mit Arteria (abgekürzt A.) und einem näher bestimmenden Adjektiv oder sonstigen Zusatz gekennzeichnet, z.B. Arteria vertebralis (A. vertebralis), das ist die Wirbelarterie, die teilweise durch die Halswirbelsäule (lat. vertebra: Wirbel) verläuft.
Verwendet man die Arterienbezeichnungen im Plural, dann heißt es Arteriae vertebrales bzw. abgekürzt Aa. vertebrales.
Bei den Venen ist es entsprechend: die Lungenvene heißt Vena pulmonalis (lat. pulmo: Lunge), abgekürzt V. pulmonalis, im Plural Venae bzw. Vv. pulmonales.
Der Weg des sauerstoffarmen Bluts führt über zwei große Venen (sog. HohlvenenHohlvenen) zum rechten Vorhof. Man nennt das sauerstoffarme Blut auch „venös“, wobei es allerdings im Lungenkreislauf in Arterien und nicht wie sonst im Körperkreislauf in Venen fließt (Achtung: Verwechslungsgefahr!). Die beiden zum rechten Vorhof führenden Venen heißen V. cava superior bzw. V. cava Venacava superior/inferiorinferior; sie transportieren das „venöse“ Blut aus dem Körperkreislauf zum Herzen. Die V. cava superior transportiert das Blut aus Kopf, Hals und Arm zum Herzen, die V. cava inferior aus dem restlichen Körper.

Fachbegriffe

cava ist die weibliche Form von cavus (lat.): geräumig, bauchig (auch: hohl, der Begriff Hohlvene ist also ungenau)

inferiorinferior (lat.): unten gelegen oder der/die/das untere …

superiorsuperior (lat.): oben gelegen oder der/die/das obere …

V. cava superior: obere Hohlvene, V. cava inferior: untere Hohlvene

Das Blut aus dem rechten Herzvorhof gelangt zur rechten Herzkammer, die es dann über eine Arterie zu den Lungen auswirft. Die beiden Lungenarterien zur rechten und linken Lunge besitzen einen gemeinsamen „Stamm“, der aus der rechten Kammer abgeht. Daher ergeben sich die Bezeichnungen für diese Arterien: aus der rechten Herzkammer geht der Truncus pulmonalisTruncuspulmonalis hervor, der sich zur A. pulmonalis dextra und zur A. pulmonalis sinistraArteriapulmonalis dextra/sinistra aufzweigt.

Fachbegriffe

Aorta (griech. aorte): Hauptschlagader des menschlichen Körpers

dextra weibliche Form von dexter (lat.): rechts, der rechte

pulmonalis (lat.): zur Lunge (pulmo) gehörend

sinistra weibliche Form von sinister (lat.): links, der linke

truncus (lat.): Stamm

Jeweils zwei Lungenvenen (V. pulmonalis) gelangen aus jeder Lunge zum linken Vorhof. Von dort fließt das sauerstoffreiche Blut zur linken Kammer, die es über die AortaAorta genannte große Körperschlagader auswirft. Man nennt das sauerstoffreiche Blut auch „arteriell“, wobei es allerdings im Lungenkreislauf in Venen und nicht wie sonst im Körperkreislauf in Arterien fließt. Über die zahlreichen Äste und Aufzweigungen gelangt das „arterielle“ Blut dann zu den Organen und Geweben des Körpers.

Blutversorgung der Organe und Gewebe

BlutversorgungDie Aorta hat in ihrem Anfangsbereich drei große Äste (Abb. 3.2 und Abb. 3.3), durch die der Kopf, der Hals und beide Arme versorgt werden. Der zuerst abgehende Aortenast bildet einen „Stamm“ ähnlich wie der Truncus pulmonalis. Dieser Stamm verzweigt sich rasch in eine Arterie zum rechten Arm (A. subclavia dextraArteriasubclavia dextra/sinistra) und eine Arterie zur rechten Hälfte des Kopfes und Halses (A. carotis communis dextraArteriacarotis communis dextra/sinistra).
Der zweite Aortenast ist die A. carotis communis sinistra, der dritte Ast die A. subclavia sinistra. Die Aorta biegt dann nach unten um und verläuft hinter dem Herzen durch den hinteren Brustraum und weiter mit zahlreichen Ästen und Aufzweigungen zu den übrigen Körperbereichen.

Fachbegriffe

A. carotis communis dextra bzw. sinistra rechte bzw. linke gemeinsame Halsschlagader

A. subclavia Unterschlüsselbeinarterie, sub (lat.): unter und clavicula (lat.): Schlüsselbein

A. vertebralis Wirbelarterie, vertebra (lat.): Wirbel

communis (lat.): gemeinsam

externa (lat.): außen, die äußere

interna (lat.): innen, die innere

karotis (griech.): Kopf-, Halsschlagader

Die A. carotis communis teilt sich im oberen Halsbereich jeweils in eine A. carotis internaArteriacarotis interna/externa und eine A. carotis externa (hier lässt sich der Puls fühlen!). Die A. carotis interna zieht ohne Äste bis zur Schädelbasis. Im Inneren des Schädels versorgt sie die Augenhöhle und große Teile des Gehirns. Die A. carotis externa versorgt die äußeren Regionen von Kopf und Hals (Abb. 3.3, Abb. 7.27).
Die A. subclavia versorgt nicht nur die Arme, sondern über einen A. vertebralisArteriavertebralis genannten Ast zusammen mit der A. carotis interna auch das Gehirn.
Das verbrauchte Blut aus Kopf, Hals und beiden Armen sammelt sich letztlich in der V. cava superior und gelangt dann zum rechten Vorhof (Abb. 3.2).
Die Organe, Gewebe und Körperregionen sind in ihrer Blutversorgung im Prinzip alle parallel geschaltet, d.h., jedes Organ wird mit einem eigenen Ast aus der Aorta versorgt. Dieser Ast verzweigt sich innerhalb des Organs bis zu den Kapillaren. Damit ist gewährleistet, dass die Qualität des Blutes im Hinblick auf Sauerstoff und Nährstoffe für alle Körperbereiche annähernd gleich ist (Abb. 3.4).
Bei einer Hintereinanderschaltung der Organe bezüglich ihrer Blutversorgung würde die Qualität des Blutes mit jedem Organ, das passiert würde, immer schlechter. Mit nur einer Ausnahme beim Übergang des Blutes vom Darm, das dort die Nährstoffe aufgenommen hat, zum Stoffwechselzentrum Leber kommt eine solche Hintereinanderschaltung der Organe im Körper praktisch nicht vor.

Aufbau der Blutgefäße

Die BlutgefäßeBlutgefäße weisen einen dreischichtigen Bau wie das Herz selbst auch auf. Sie bestehen von innen nach außen aus folgenden Schichten (Abb. 3.5):
  • IntimaIntima: einschichtiges Plattenepithel (Endothel, Kap. 1.2.1), das die Grenze zum Blut bildet; unter dem Endothel liegen eine Basalmembran und eine sehr dünne Bindegewebsschicht.

  • MediaMedia: unterschiedlich dicke Schicht aus ringförmig angeordneten glatten Muskelzellen (Kap. 1.2.3), teilweise auch mit elastischen Fasern (Kap. 1.2.2); die Muskelzellen können sich verengen und damit das Lumen der BlutgefäßeLumen, Blutgefäße verringern (speziell in Arteriolen).

  • AdventitiaAdventitia: Bindegewebe (Kap. 1.2.2), bei größeren Blutgefäßen mit eigenen kleinen Gefäßen und Nerven; über diese Bindegewebsschicht erfolgt die Verankerung der Blutgefäße in der Umgebung.

Fachbegriffe

lumen (lat.): eigentlich „Licht“ (vgl.: Lichtung), hier der Hohlraum eines röhrenförmigen oder hohlen Organs

Arterien und Arteriolen haben die Aufgabe, Blut zu den Kapillargebieten der Gewebe und Organe zu bringen. Sie sind reine Verteilergefäße und besitzen zu diesem Zwecke eine kräftige Muskulatur, die dem Blutdruck standhalten muss.
Elastische FasernFasernelastische finden sich in herznahen Arterien, sie fangen die Blutdruckspitze bei der Systole der linken Kammer durch eine elastische Dehnung auf. Nach Ende der Systole ziehen sich die elastischen Fasern wieder zusammen und drücken dadurch das Blut in die herzfernen Arterien nach.
Arteriolen weisen einen Innendurchmesser unter 0,1 mm auf. Ihre Muskelschicht ist recht dünn, kann aber das Lumen der Arteriolen bei Bedarf sehr stark verengen oder gar verschließen, sodass dadurch die Blutzufuhr zu den dahinter liegenden Kapillargebieten reguliert werden kann.
Kapillaren bestehen nur noch aus dem Endothel der Intima und etwas aufgelagertem Bindegewebe; sie besitzen überhaupt keine Muskelschicht mehr. In den Kapillargebieten erfolgt der Stoffaustausch zwischen Blut und den umliegenden Zellen. Hier werden die Atemgase Sauerstoff und Kohlendioxid, Wasser, Salze, Nähr- und Abfallstoffe ausgetauscht (Abb. 3.6).
Venolen und Venen haben die Aufgabe, Blut aus den Kapillargebieten aufzunehmen und zum Herzen zurück zu transportieren. Ihre Wandstruktur ähnelt derjenigen der Arteriolen und Arterien; allerdings ist der Wandaufbau sehr viel lockerer. Dadurch können sich diese sog. Sammelgefäße relativ stark dehnen.

Übersicht über das Lymphgefäßsystem

Neben dem Blutkreislauf existiert ein zweites Transportsystem, das LymphgefäßeLymphgefäßsystem.

Fachbegriffe

Lymphgefäße Lymphe (lat. lympha): wörtlich Quellwasser

Außer Sauerstoff treten in den Kapillargebieten u.a. blutdruckbedingt die von den Zellen benötigten Nährstoffe zusammen mit einer erheblichen Menge an Wasser und Salzen aus den Kapillaren aus und gelangen in den Interzellularraum. Teilweise werden diese Stoffe von den Zellen aufgenommen, teilweise geben diese aber auch selbst Abfallstoffe, Wasser und Salze an den Interzellularraum ab. Der größte Teil dieser Stoffe wird im Kapillargebiet von den Kapillaren auch wieder aufgenommen (Abb. 3.7).
Bezogen auf den gesamten menschlichen Körper und den Zeitraum eines Tages werden von den Kapillaren ca. 20 l Flüssigkeit abgegeben und 18 l wieder aufgenommen. Der Rest von ca. 2 l pro Tag (10%) verbleibt zunächst im Interzellularraum. Dieser Flüssigkeitsrest, der im Wesentlichen in seiner Zusammensetzung dem Blutplasma entspricht, wird vom Lymphgefäßsystem aufgenommen und nach Reinigung an große Venen des Körperkreislaufs zurückgegeben. Der Blutkreislauf hat somit einen Nebenweg, das Lymphgefäßsystem.
Die Flüssigkeit im Interzellularraum kann zusätzlich zu Komponenten des Blutplasmas auch noch Stoffe, Partikel, Krankheitserreger, u.U. sogar Tumorzellen enthalten. Diese Gewebsflüssigkeit mit allen Zusätzen wird von blind in Gewebespalten beginnenden sog. Lymphkapillaren aufgenommen und dann als LympheLymphe bezeichnet (Abb. 3.7).
Von den Lymphkapillaren aus gelangt dann die Lymphe – vergleichbar dem Blutfluss in den Venolen und Venen – zu immer größeren Lymphgefäßen, in die allerdings zur Filterung, Reinigung und Bekämpfung von Krankheitserregern und Tumorzellen zahlreiche Filterstationen, die sog. Lymphknoten, eingebaut sind. Der Wandaufbau der Lymphkapillaren ähnelt dem der Blutkapillaren, der Wandaufbau der größeren Lymphgefäße entspricht dem von Venolen und Venen.
An zwei Stellen gelangt die Lymphe aus dem gesamten Körper in herznahe Venen und vereinigt sich dann wieder mit dem Blut.

Klinik

Lymphödem

LymphödemDurch zahlreiche Faktoren bedingt kann die Funktion der Lymphgefäße reduziert sein: angeborene Störungen, Entzündungen, Verschlüsse, Verbrennungen und Vernarbungen. Dann staut sich die Lymphe im Interzellularraum und führt zu Schwellungen (griech. oidema: Schwellung), z.B. unter der Haut oder Schleimhaut.
Im Bereich des Verschlussapparats des Kehlkopfs, der sog. Glottis (Kap. 5.2.3), kann ein ÖdemÖdem (GlottisödemGlottisödem) zu Schwellungen der Schleimhaut führen. Heiserkeit und Atemnot zählen zu den wichtigsten Symptomen; evtl. tritt sogar akut Erstickungsgefahr auf.

Aufbau und Funktion des Herzens

Fachbegriffe

Herz Herzcor (lat.), wird in medizinischen Begriffen eher selten benutzt, taucht in dem veralteten deutschen Wort „kordial“ für herzlich noch auf.

häufiger das griechische kardia (Betonung auf dem i), z.B. Kardiologe: Facharzt für Herzkrankheiten, Elektrokardiogramm (EKG): Aufzeichnung der elektrischen Aktivitäten des Herzens

Außenansicht und Binnenräume

Das HerzHerzAufbau gleicht einem abgestumpften Kegel, dessen Spitze nach links unten vorne und dessen Basis nach rechts oben hinten zeigt (Abb. 3.3). Etwa zwei Drittel des Herzens liegen links, etwa ein Drittel rechts von der Körpermitte.
Da das Herz eigentlich aus zwei Teilherzen besteht und jedes Teilherz wiederum aus zwei Hohlräumen, Vorhof und Kammer, unterscheidet man insgesamt vier Binnen- oder Hohlräume des Herzens, den rechten und linken Vorhof (Atrium dextrum,Atrium dextrum/sinistrum Atrium sinistrum) sowie die rechte und linke Kammer (Ventriculus dexter, Ventriculus sinisterVentriculusdexter/sinister). Die Grenze zwischen den beiden Teilherzen bildet im Inneren des Herzens die Herzscheidewand Herzscheidewand(das Septum, Septum cordisAbb. 3.2). Die von außen sichtbare Grenze zwischen den Vorhöfen und den Kammern nennt sich HerzkranzfurcheHerzkranzfurche.

Fachbegriffe

atrium (lat.): eigentlich Hauptraum eines Hauses, aber auch Innenhof („Atriumbungalow“) oder Vorhof, in medizinischen Begriffen bedeutet „atrium“ Vorhof oder Vorkammer ventriculus (lat.): Verkleinerungsform von venter (lat.): der Magen (Bauch), also wörtlich der „kleine Bauch“, in medizinischen Begriffen bedeutet „ventriculus“ Kammer oder Hohlraum, eingedeutscht „Ventrikel“ dextrum, dexter (lat.): rechts; sinistrum, sinister (lat.): links

septum (lat.): Scheidewand, Zwischenwand

Funktionelle und nutritive Gefäße des Herzens

Die in Kap. 3.1.3 besprochenen sog. „großen“ Gefäße des HerzHerzGefäßeens (Aorta, Hohlvenen, Lungenarterien, Lungenvenen) bezeichnet man auch als „funktionelle“ Gefäße des Herzens, da sie die wesentlichen Elemente des Körper- und Lungenkreislaufs sind.
Zusätzlich existieren am Herzen aber auch noch „kleine“ oder „nutritive“ Gefäße, die das Herz selbst mit Blut versorgen. Da sie – eingehüllt in Fettgewebe – teilweise in der Herzkranzfurche (Sulcus coronarius) Sulcus/Sulcicoronariusverlaufen, werden sie auch als Herzkranzgefäße (HerzkranzgefäßeKoronargefäße) Koronargefäßebezeichnet.

Fachbegriffe

coronarius (lat.): kranzförmig, corona (lat.): Kranz (das deutsche Wort „Krone“ hat den gleichen Ursprung)

nutritiv abgeleitet von nutrire (lat.): ernähren; damit ist die Versorgung v.a. des Herzmuskels gemeint

sulcus (lat.): Furche

Die beiden Arterien des sog. Koronarkreislaufs,Koronarkreislauf die rechte und linke Koronararterie, entspringen direkt nach dem Abgang der Aorta aus der linken Herzkammer (Abb. 3.9), verzweigen sich später zu Arteriolen und gehen dann in das Kapillargebiet über, das v.a. das Herzmuskelgewebe versorgt. Die sich anschließenden Venolen und Venen münden überwiegend in den rechten Vorhof, wohin auch das verbrauchte Blut des Körperkreislaufs gelangt.

Klinik

Herzinfarkt

HerzinfarktAuch als „KoronarinfarktKoronarinfarkt“, Infarkt der Koronararterien, bezeichnet; damit ist der rasche Gewebsuntergang von Teilen des Herzmuskels nach Unterbrechung der Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr durch einen Verschluss (von Ästen) der Koronararterien gemeint (häufige Todesursache).
InfarktInfarkt (lat. infarcire): Absterben eines Gewebestücks (infolge unzureichender Blutversorgung, z.B. bei Gefäßverschluss).
Da die Herzmuskulatur praktisch keine Regenerationsfähigkeit besitzt, werden zugrunde gegangene Herzmuskelzellen durch Bindegewebe ersetzt, das Narben bildet.

Herzklappen

HerzklappenDamit das Blut während der Systole der Herzkammern nicht in die Vorhöfe zurückgedrückt wird, befinden sich zwischen den Vorhöfen und den Kammern Ventile. Diese schließen sich kurz nach dem Beginn der Systole und öffnen sich erst wieder am Ende der Diastole der Kammer, damit sich diese dann mit dem in der Zwischenzeit im Vorhof angesammelten Blut füllen kann.
Segelklappen
DieSegelklappen Ventile zwischen den Vorhöfen und den Kammern sind nicht nur segelförmig aufgebaut (Abb. 3.2 und Abb. 3.8a), sondern funktionieren auch wie Segel und werden deshalb als Segelklappen oder Kuspidalklappen Kuspidalklappenbezeichnet. Die Klappe zwischen rechtem Vorhof und rechter Kammer besteht aus drei Segelzipfeln, folglich lautet der Fachbegriff Trikuspidalklappe. TrikuspidalklappeDie Klappe zwischen linkem Vorhof und linker Kammer besteht aus zwei etwas stärker gebogenen Zipfeln, heißt also Bikuspidalklappe. BikuspidalklappeWegen der Ähnlichkeit der linken Segelklappe mit einer Bischofsmütze (Mitra) und wegen der Verwechslungsgefahr der beiden ähnlich klingenden Bezeichnungen wird für die linke Segelklappe üblicherweise der Begriff Mitralklappe Mitralklappeverwendet.
Unter Einbeziehung der Begriffe für Vorhof (Atrium) und Kammer (Ventriculus) findet man auch die Bezeichnungen Atrioventrikularklappen Atrioventrikularklappenoder kurz AV-AV Siehe AtrioventrikularKlappen anstelle der mehr Aufbau und Funktion beschreibenden Benennungen.
Damit die Segel während der Systole nicht in die Vorhöfe zurückschlagen, sind sie über kräftige Sehnenfäden an Muskelzapfen befestigt, die mit der Herzkammer verbunden sind (Abb. 3.8a). Die Ventile sind geschlossen, wenn der Blutdruck in der Kammer höher ist als der im Vorhof. Sie öffnen sich, wenn der Blutdruck der Kammer am Ende der Diastole unter den des Vorhofs sinkt.

Fachbegriffe

Kuspidalklappen abgeleitet von cuspis (lat.): Zipfel

mitra (lat., griech.): u.a. Bischofsmütze

tri- (lat., griech.): dreiteilig; bi- (lat.): zweiteilig, doppelt

Taschenklappen
TaschenklappenAuch die beiden Arterien, die aus der rechten und linken Kammer abgehen, besitzen in ihrem Anfangsabschnitt Ventile. Da die Arterie der rechten Kammer der gemeinsame Stamm der Lungenarterien ist, lautet die Bezeichnung für diese Klappe Pulmonalklappe. PulmonalklappeFolgerichtig wird die Klappe am Übergang der linken Kammer zur Aorta Aortenklappe Aortenklappegenannt (Abb. 3.2 und Abb. 3.8b). Diese beiden Klappen bestehen aus jeweils drei halbmondförmigen Taschen, daher die aus ihrer Form abgeleitete Bezeichnung Taschenklappen.
Die Aortenklappe öffnet sich, wenn die linke Kammer bei der Systole einen Druck über dem diastolischen Blutdruck (z.B. 80 mm Hg) erreicht hat. Dann wird das Blut in die Aorta ausgeworfen. Nach Erreichen des Maximalwerts des systolischen Blutdrucks (z.B. 120 mm Hg) sinkt der Blutdruck mit beginnender Diastole wieder. Dabei fließt das Blut aus der Aorta zurück, füllt die Taschen und schließt dadurch die Aortenklappe bei Wiedererreichen des diastolischen Blutdruckwerts. Der Druck in der linken Kammer kann dann weiter sinken – die Aortenklappe bleibt geschlossen und erhält den diastolischen Blutdruck in der Aorta bis zum nächsten Öffnen der Klappe aufrecht. Im rechten Herzen sind die Verhältnisse analog, nur die Drücke sind deutlich geringer.
Die vier großen Herzklappen liegen etwa in einer Ebene, die von außen durch die Herzkranzfurche sichtbar ist (Abb. 3.3, Abb. 3.9); diese Ebene nennt man die Ventilebene (sie liegt senkrecht zur Herzachse, die die Herzspitze mit der Herzbasis verbindet).

Schichtenaufbau des Herzens; Herzbeutel

Das Herz ist wie die Blutgefäße dreischichtig aufgebaut, da beide entwicklungsgeschichtlich den gleichen Ursprung haben. Die drei Schichten des Herzens nennt man von innen nach außen:
  • Herzinnenhaut (Endokard)

  • Herzmuskulatur (Myokard)

  • Herzaußenhaut (Epikard)

Fachbegriffe

endo- (griech.): innen, epi- (griech.): darauf

kardia (griech.): Herz

myo- (griech.) aus mys (griech.): Muskel (eigentlich „Maus“, z.B. der bei Muskelanspannung wie eine Maus hervorspringende Bizepsmuskel am Oberarm)

Endokard
DasEndokard Endokard bedeckt lückenlos die gesamte innere Oberfläche des Herzens einschließlich der Herzklappen und geht ohne Unterbrechung in die innere Schicht der Blutgefäße (Intima) über. Das Endokard besteht ebenso wie die Intima aus einem einschichtigen Plattenepithel sowie einer dünnen, darunter liegenden Bindegewebsschicht.
Myokard
MyokardDasHerzmuskulatur Myokard ist die Arbeitsmuskulatur des Herzens, die aus den typischen, nur hier vorkommenden quergestreiften Herzmuskelzellen (oder -fasern) besteht (Kap. 1.2.3). Da dieses Gewebe bei einem Herzinfarkt teilweise zugrunde geht, spricht man auch von einem Myokardinfarkt (Kap. 3.2.2).
Die Herzmuskelzellen haben gewisse Ähnlichkeiten zu den Skelettmuskelzellen, jedoch sind die Herzmuskelzellen kleiner, meist verzweigt und durch besondere Zellverbindungen netzartig miteinander verbunden. Signale zur Muskelkontraktion breiten sich im Myokard über diese Zellverbindungen von einer Muskelzelle zur nächsten aus.
Die Herzmuskelzellen haben einen hohen Sauerstoff- und Nährstoffbedarf; so besitzt beim erwachsenen Menschen jede Herzmuskelzelle eine eigene Blutkapillare.

Klinik

Herzinsuffizienz

HerzinsuffizienzBei besonderer Beanspruchung können die einzelnen Herzmuskelzellen dicker und länger werden (das Herz wird größer); die pro Herzschlag ausgeworfene Blutmenge nimmt zu, nicht jedoch die Zahl der Blutkapillaren.
Arbeitet das Herz unökonomisch (z.B. bei defekten Herzklappen, bei denen das ausgeworfene Blut teilweise wieder zurückfließt), vergrößert sich das Herz über ein vernünftiges Maß hinaus und die Blutzufuhr reicht nicht mehr aus (Herzinsuffizienz).
InsuffizienzInsuffizienz (lat. insufficientia): Schwäche, Unzulänglichkeit.
Serosaverhältnisse
Auf dem Myokard laufen die Koronargefäße und ihre Äste; sie sind in Fett- und Bindegewebe eingebettet. Da sich das Herz ein Leben lang im Brustkorb bewegt, muss seine Oberfläche eine besondere Einrichtung aufweisen, wodurch die bei diesen Bewegungen auftretenden Probleme der „Reibungswärme“ und des „Abriebs“ vermieden werden. Ähnliche Probleme treten auch bei den Lungen und dem Magen-Darm-Trakt auf, bei denen analoge Mechanismen zu finden sind.
Während der Entwicklung des Menschen treten im Körper mehrere schmale, flüssigkeitsgefüllte Höhlen auf, die von einem dünnen, glatten Epithel ausgekleidet sind, das man Serosa Serosanennt.

Fachbegriffe

Serosa Kurzform von Tunica serosa, tunica (lat.): Hülle, serosa (lat.): Serum absondernd, serum (lat.): nicht mehr gerinnbarer Teil des Blutplasmas (ursprünglich „Molke“)

Die Serosa produziert und kontrolliert die in der „serösen Höhle“ enthaltene geringe Menge an Flüssigkeit, die weitgehend dem Blutserum entspricht.
Organe wie das Herz, aber auch die Lunge und der Magen-Darm-Trakt wachsen bei der Entwicklung auf die serösen Höhlen zu, überziehen sich dabei mehr oder weniger mit der Serosa und drücken die serösen Höhlen bis auf einen schmalen Spalt zusammen (Abb. 3.10).
Als viszerale SerosaSerosaviszerale bezeichnet man dabei den Teil der gesamten Höhlenauskleidung, der das jeweilige Organ mehr oder weniger bedeckt, als parietale SerosaSerosaparietale wird der wandständige Teil der Höhlenauskleidung bezeichnet, der das Organ nicht bedeckt. Viszerale und parietale Serosa sind allerdings nur unterschiedlich bezeichnete Abschnitte einer einheitlichen Höhlenauskleidung, sie gehen an sog. Umschlagfalten ineinander über.

Fachbegriffe

parietal wandständig, abgeleitet von paries (lat.): die Wand

viszeral die Eingeweide (lat. viscera): betreffend

Viszerale und parietale Serosaschichten berühren sich nahezu im gesamten Bereich; sie sind nur durch eine sehr geringe Menge seröser Flüssigkeit getrennt. Bei einer Organbewegung gleiten letztlich die beiden Serosaschichten aufeinander, die spiegelglatt sind und sich wie mit „Getriebeöl“ benetzt praktisch reibungsfrei gegeneinander bewegen können.
Epikard, Perikard
Die viszerale Serosaschicht des Herzens wird Epikard Epikardgenannt. Die Serosa setzt sich im Bereich des Abgangs der großen Herzgefäße in die parietale Schicht fort. Die parietale Serosaschicht hat zur Verstärkung außen noch eine kräftige Bindegewebsschicht, parietale Serosa mit bindegewebiger Verstärkung wird zusammen als Perikard Perikardoder Herzbeutel Herzbeutelbezeichnet. Daher hat auch die Höhle zwischen den beiden Serosaschichten die Bezeichnung Perikardhöhle.
Man kann sich die Serosaverhältnisse am Herzen (aber auch an den Lungen bzw. am Magen-Darm-Trakt) verdeutlichen, indem man eine durchsichtige Plastiktüte aufbläst, eine kleine Menge Wasser hineingibt und dann eine Faust langsam so lange gegen die Tüte drückt, bis die Luft aus der Tüte verschwunden und die Faust von der Tüte fast vollständig bedeckt ist. Dann gleitet die mit „viszeraler Serosa“ bedeckte Faust, getrennt durch das „Schmiermittel“ Wasser, gegen die Außenhülle der Plastiktüte (die „parietale Serosa“).

Fachbegriffe

Perikard gebildet aus peri- (griech.): um ... herum und kardia (griech.): Herz

Erregungsbildungs- und -leitungssystem

HerzErregungsbildungs- u. -leitungssystemIm Gegensatz zur quergestreiften Skelettmuskulatur, die für eine Kontraktion Nervenimpulse benötigt (Kap. 7), geschieht die Kontraktion des Herzmuskels – abgesehen von den modulierenden Einflüssen des vegetativen Nervensystems (Kap. 7.12) – autonom, d.h. unabhängig von Nervenimpulsen.
Die Signale zur Kontraktion der Herzmuskelzellen stammen vom sog. Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystem des Herzens, zu dem sich einige der Herzmuskelzellen umgewandelt haben. Diese Vorgänge ähneln stark den Abläufen bei der Entstehung und Weiterleitung von Nervenimpulsen (Kap. 7.5) und sollen deshalb hier nicht weiter besprochen werden.
Die Zellen des Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystems haben die Fähigkeit, spontan und rhythmisch elektrische Erregungen zu bilden und weiterzuleiten. Dieses System bildet Knoten und Stränge; an seinen Enden wird die Erregung auf „normale“ Herzmuskelzellen übertragen, die diese wegen ihrer Verbindungen untereinander ebenfalls weiterleiten können, sodass alle Herzmuskelzellen auf diese Weise zur Kontraktion gebracht werden.
Das Erregungs- oder Reizleitungssystem besteht aus mehreren Abschnitten, wobei der Schrittmacher für das gesamte Herz der Sinusknoten Sinusknotenist, der unter normalen Umständen etwa 60–80 Erregungen in der Minute bildet und weiterleitet. Da beide Herzabschnitte synchron arbeiten, ist auch nur ein Sinusknoten vorhanden, der im rechten Vorhof in der Nähe der Einmündung der V. cava superior liegt.

Fachbegriffe

Atrioventrikularbündel (AV-Bündel) wird nach seinem Entdecker meist His-Bündel genannt

Atrioventrikularknoten (AV-Knoten) aus atrium (lat.): Vorhof und ventriculus (lat.): Kammer; wird nach seinen Entdeckern auch Aschoff-Tawara-Knoten genannt

Kammerschenkel (rechts, links) werden nach ihrem Entdecker auch Tawara-Schenkel genannt

Purkinje-Fasern nach ihrem Entdecker benannt (tschechischer Physiologe)

Sinusknoten sinus (lat.) bedeutet hier, dass der Sinusknoten einen gleichmäßigen, mathematisch als Sinuskurve zu beschreibenden Sinusrhythmus bildet; der Sinusknoten wird nach seinen Erstbeschreibern auch Keith-Flack-Knoten genannt

Auch in der Wand der Vorhöfe befindet sich eine dünne Schicht Herzmuskulatur, die die Erregung vom Sinusknoten aufnimmt und das Austreiben des Blutes in die beiden Kammern bewirkt. Die Vorhofmuskulatur ist von der Kammermuskulatur durch eine elektrische Isolierschicht, das bindegewebige sog. Herzskelett (Abb. 3.9), getrennt, sodass die Erregung nicht ohne weiteres von den Vorhöfen auf die Kammern überspringen kann.
Damit sich auch die Kammern kontrahieren können, ist deshalb ein zweiter Schrittmacher erforderlich, der Atrioventrikularknoten oder AV-Knoten, Atrioventrikularknotender sich im rechten Vorhof in der Nähe der Trikuspidalklappe befindet.
Da der AV-Knoten noch im Vorhof liegt, wird er von der Erregung der Vorhofmuskulatur erreicht. Um die Aktionen der Vorhöfe optimal mit denen der Kammern abzustimmen, gibt der AV-Knoten die Erregung mit einer gewissen Verzögerung an das nachfolgende Erregungsleitungssystem weiter. Bei Ausfall des Sinusknotens kann der AV-Knoten einen eigenen Rhythmus bilden, dessen Frequenz dann aber deutlich unter der des Sinusknotens liegt. Die Kammern kontrahieren sich dann im Rhythmus des AV-Knotens („Kammerautomatie“, KammerautomatieFrequenz ca. 30 Erregungen/min).
Um die Kammern zu erreichen, muss das vom AV-Knoten ausgehende Erregungsleitungssystem die Isolierschicht des Herzskeletts durchdringen. Dies geschieht über eine kleine Öffnung, über die die Fortsetzung des AV-Knotens, das sog. AV-Bündel (Atrioventrikularbündelnach seinem Entdecker meist His-Bündel His-Bündelgenannt), zum Anfangsabschnitt der Herzscheidewand gelangt (Abb. 3.9).
Dort zweigt sich das AV-Bündel zu den beiden Herzkammern in zwei Schenkel, die Kammerschenkel, Kammerschenkelund dann weiter in zahlreiche Fasern auf, die Purkinje-Fasern Purkinje-Faserngenannt werden. Diese erreichen dann sämtliche Abschnitte der Kammermuskulatur (Abb. 3.11).

Zusammenfassung

Blut besteht aus weißen und roten Blutzellen, Blutplättchen und Blutplasma. Es wird vom Herzen durch die Blutgefäße des Körper- und Lungenkreislaufs gepumpt. In der Lunge wird das sauerstoffarme (venöse) Blut wieder mit Sauerstoff aufgeladen. Durch den Körperkreislauf werden die Zellen und Gewebe durch sauerstoffreiches (arterielles) Blut u.a. mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt; gleichzeitig nimmt das Blut Kohlendioxid und Ausscheidungsprodukte der Zellen auf.

Die Blutgefäße werden unterschieden in Arterien, die das Blut vom Herzen wegtransportieren, und Venen, die das Blut dem Herzen zuführen. Kleine Verzweigungen der Arterien werden als Arteriolen, kleinere Verzweigungen der Venen als Venolen bezeichnet; Arteriolen und Venolen sind über Kapillargebiete miteinander verbunden, in denen der Stoffaustausch erfolgt.

Das rechte Herz treibt den Lungenkreislauf, das linke Herz den Körperkreislauf an. Die Kontraktion des Herzmuskels wird als Systole, die Entspannung als Diastole bezeichnet.

Die Aorta nimmt das arterielle Blut aus der linken Herzkammer auf; sie gibt in ihrem Anfangsverlauf Blutgefäße zum Arm (A. subclavia) und Kopf-Hals-Bereich (A. carotis communis) ab; im weiteren Verlauf versorgt sie den restlichen Körper mit Blut.

Blutgefäße haben einen dreischichtigen Aufbau aus Intima (innen liegendes Endothel), Media (mittig liegende Schicht aus glatter Muskulatur) und Adventitia (außen liegende Bindegewebsschicht).

Lymphgefäße entstehen blind in Gewebespalten und transportieren überschüssige Gewebeflüssigkeit zum venösen Schenkel des Blutkreislaufs; dabei erfolgt eine Reinigung der Lymphe über Lymphknoten.

Das Herz besteht aus rechtem und linkem Vorhof (Atrium) sowie rechter und linker Kammer (Ventrikel), die durch die Herzscheidewand (Septum) voneinander getrennt sind. Man unterscheidet am Herzen die großen, funktionellen Gefäße des Körper- und Lungenkreislaufs von den kleinen nutritiven Gefäßen des Koronarkreislaufs (Herzkranzgefäße).

Die Richtung des Blutstroms wird durch Ventile (Herzklappen) geregelt. Zwischen den Vorhöfen und Kammern befinden sich die Segelklappen: rechts die Trikuspidalklappe, links die Mitralklappe. Zwischen den beiden Kammern und den abgehenden Arterien befinden sich Taschenklappen: rechts die Pulmonal- und links die Aortenklappe.

Auch das Herz hat wie die Blutgefäße einen dreischichtigen Aufbau: Endokard (innen liegendes Endothel), Myokard (kräftige mittlere Schicht aus quergestreifter Herzmuskulatur) und Epikard (viszerale Serosa). Der Herzbeutel (Perikard) besteht innen aus der parietalen Serosa und außen aus Bindegewebe.

Die Herzkontraktion wird ausgelöst durch die elektrische Aktivität des Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystem, das aus modifizierten quergestreiften Herzmuskelzellen besteht. Der Schrittmacher ist der Sinusknoten in der Wand des Vorhofs; von hier wird die Vorhofmuskulatur zur Kontraktion gebracht. Dieses Signal übernimmt der Atrioventrikularknoten, der es über das His-Bündel, die Kammerschenkel und die Purkinje-Fasern auf die gesamte Kammermuskulatur überträgt.

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