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B978-3-437-48073-7.00006-7

10.1016/B978-3-437-48073-7.00006-7

978-3-437-48073-7

Abb. 6.1

[L190]

Frühentwicklung der Gesichtsregion. a) Embryo, 4 Wochen alt, seitliche Ansicht, die Knorpelanlagen der 4 Schlundbögen (I–IV) sind farbig dargestellt; b) Embryo, 5 Wochen alt, Ansicht von vorne

Abb. 6.2

[S007-3-23]

Linkes Kiefergelenk und seine Umgebung: a) seitliche Ansicht, b) Ausschnitt, teilweise im Sägeschnitt. Als einziger Kaumuskel ist der äußere Flügelmuskel dargestellt. 1 diskotemporale Kammer, 2 diskomandibulare Kammer.

Abb. 6.3

[S007-3-23]

Schematische Darstellung der Kaumuskulatur

a) Darstellung des M. temporalis und des M. masseter,

b) Darstellung des M. pterygoideus medialis und des M. pterygoideus lateralis, Teile des Jochbogens und Unterkiefers wurden entfernt (Kiefergelenk eröffnet).

Abb. 6.4

[S007-3-23]

Mimische Muskeln der linken Kopfhälfte (oberflächliche Schicht)

Abb. 6.5

[S007-3-23]

Mimische Muskeln des Gesichts in der Ansicht von vorn. In der rechten Gesichtshälfte sind die Muskeln der oberflächlichen Schicht, in der linken Gesichtshälfte die Muskeln der tiefen Regionen nach Entfernung der oberflächlichen Muskeln dargestellt.

Abb. 6.6

[L157]

Wirkung der mimischen Muskeln im Bereich von Mund, Nase und Wange auf Mundschluss bzw. Mundöffnung und auf den Gesichtsausdruck; a) Wirkung des M. orbicularis oris, b) Wirkung des M. risorius und des M. zygomaticus major, c) Wirkung des M. depressor anguli oris, d) Wirkung des M. depressor labii inferioris und des M. mentalis, e) Wirkung des M. levator labii superioris, f) Wirkung des M. buccinator

Abb. 6.7

[S007-3-23]

Blick in Mundhöhlenvorhof und eigentliche Mundhöhle; zur besseren Darstellung sind die Wangen seitlich eingeschnitten und ist die Unterlippe mit einem Haken heruntergezogen.

Abb. 6.8

[L190]

Die großen Speicheldrüsen und ihre Ausführungsgänge

Abb. 6.9

[S007-3-23]

Vorderer Abschnitt der Mundhöhle in der Region unter der erhobenen Zunge

Abb. 6.10

[S007-3-23]

Längsschnitt eines Schneidezahns im Kiefer

Abb. 6.11

[L190]

Zahnschema des bleibenden Gebisses

Abb. 6.12

[L157]

Zahnentwicklung und Durchbruch der Zähne des Milchgebisses bzw. des bleibenden Gebisses zu verschiedenen Lebensaltern. Es sind die Zähne einer Oberkieferhälfte dargestellt (weiß: Milchzähne, gelb: bleibende Zähne); die horizontale Linie stellt die „Durchbruchebene“ dar – Zähne bzw. Zahnabschnitte unterhalb dieser Linie sind durchgebrochen.

Abb. 6.13

[L190]

Zungenentwicklung, a) während der späten Embryonalphase (ca. 6 Wochen), b) während der Fetalphase (5. Monat).

Die Ansicht entspricht grob der in Abb. 4.15 (ohne Darstellung der Nasenhöhle). Die Herkunft des Materials aus verschiedenen Schlundbögen (1–4) ist durch unterschiedliche Farben gekennzeichnet.

Abb. 6.14

[S007-3-23]

Zunge, Ansicht von oben

Abb. 6.15

[S007-3-23]

Außenmuskeln der Zunge in der Ansicht von links seitlich; Unterkiefer in der Mitte durchgesägt

Abb. 6.16

[L190]

Stadien der Gesichtsentwicklung. a) Alter 6 Wochen, b) Alter 7 Wochen, c) Alter 10 Wochen

rot: Oberkieferwulst, blau: lateraler Nasenwulst, grün: medialer Nasenwulst

Abb. 6.17

[L190]

Stadien der Gaumenentwicklung: a) Entwicklung der Oberlippe, des Oberkiefers und des Gaumens (Ansicht von unten; rot: Oberkieferwülste mit Gaumenplatten, grün: mediale Nasenwülste = primärer Gaumen); b) Frontalschnitt durch den Kopf, Nasenhöhlen sind noch untereinander und mit der Mundhöhle verbunden, die Gaumenplatten sind noch nicht verschmolzen; c) Ansicht der Oberlippe und des Gaumens von unten kurz vor dem Abschluss der Gaumenbildung

Abb. 6.18

[L190]

Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten. Blick auf Gaumen, Oberkiefer, Oberlippe und Nase von vorne unten. a) Normale Verhältnisse, b) einseitige Lippenspalte links, die bis in die Nase hineinreicht, c) einseitige Spaltbildung links im Bereich der Lippe, des Oberkiefers und des Gaumens bis zum Foramen incisivum, d) Spaltbildung wie in Abb. 6.18c, nur beidseitig, e) Gaumenspalte vom Foramen incisivum an nach hinten bis zum ebenfalls gespaltenen Zäpfchen, f) Kombination der Spaltbildung in Abb. 6.18c und Abb. 6.18e

Abb. 6.19

[S007-3-23]

Schnitt durch den Gesichtsschädel, Kehlkopf und Rachen; der Schnitt verläuft nicht exakt in der Mittelebene, sondern etwas links davon, sodass die Nasenscheidewand (Nasenseptum) erkennbar ist.

Abb. 6.20

[S007-3-23]

Ausschnitt aus Abb. 6.7: Blick auf die Zunge, die Schlundenge und den weichen Gaumen

Abb. 6.21

[L157]

Änderungen des Resonanzraums der Mundhöhle als Teil des Ansatzrohrs durch die Artikulationsorgane Lippen, Zunge und weicher Gaumen bei der Bildung der Vokale A, U und I

Abb. 6.22

[L190]

Überkreuzung des Luft- und Speisewegs im Mesopharynx

a) Speiseweg (gelb) geöffnet, Luftweg reflektorisch nach oben und unten verschlossen

b) Luftweg (blau) geöffnet

Abb. 6.23

[L123/L271]

Einzelphasen des Schluckakts (Beschreibung siehe Text)

Abb. 6.24

[L190]

Abschnitte, Verlauf und Engen der Speiseröhre; Hiatus oesophageus = Öffnung (des Zwerchfells) für die Speiseröhre; Magenfundus = Magengrund (i. d. R. mit Luft gefüllt)

Übersicht über die Kaumuskeln

Tab. 6.1
Bezeichnung Funktion
M. masseter Kieferschluss (Heben Unterkiefer), Schließen des Mundes
M. temporalis Kieferschluss (Heben Unterkiefer), Schließen des Mundes
M. pterygoideus medialis Kieferschluss (Heben Unterkiefer), Schließen des Mundes
M. pterygoideus lateralis Einleitung der Kieferöffnung (Senken Unterkiefer), Einleitung der Mundöffnung

Übersicht über die großen Speicheldrüsen

Tab. 6.2
Drüse Kurzbezeichnung Ausführgang Mündung Sekret
Glandula parotis Parotis Ductus parotideus Mundhöhlenvorhof am 2. Mahlzahn serös
Glandula submandibularis Submandibularis Ductus submandibularis gemeinsam auf Caruncula sublingualis vorne unter der Zunge gemischt serös-mukös
Glandula sublingualis Sublingualis Ductus sublingualis fast nur mukös

Übersicht über die Zungenmuskeln

Tab. 6.3
Bezeichnung/Verlauf Funktion
Innere Zungenmuskeln
Muskelzüge in Längsrichtung Zungenverformbarkeit
(Verkürzung in Längsrichtung)
Muskelzüge in Querrichtung Zungenverformbarkeit
(Verkürzung in Querrichtung)
vertikal verlaufende Muskelzüge Zungenverformbarkeit
(machen Zunge flacher)
Äußere Zungenmuskeln
M. genioglossus Zungenbeweglichkeit
(zieht Zunge nach vorne)
M. hyoglossus Zungenbeweglichkeit
(zieht Zunge nach hinten unten)
M. styloglossus Zungenbeweglichkeit
(zieht Zunge nach hinten oben)

Sprechorgane

Lernziele Anatomie der Sprechorgane

  • Form und Bewegungsmöglichkeiten des Kiefergelenks

  • Kaumuskeln: Lage, Verlauf, Innervation und Funktion

  • Mimische Muskeln der Mund- und Wangenregion

  • Einteilung der Mundhöhle und ihre Öffnungen

  • Zähne mit Zahnwechsel, Einbau in den Ober- und Unterkiefer

  • Wände der Mundhöhle

  • Zunge mit Abschnitten, Muskeln, Drüsen, Schleimhaut, Papillen sowie sensible, sensorische und motorische Innervation

  • Waldeyer-Rachenring

  • Begrenzung des Isthmus faucium mit weichem Gaumen und Gaumenbögen mit Muskeln und Innervation

Lernziele Physiologie der Sprechorgane

  • Artikulation (Vokale, Konsonanten, Formanten)

Übersicht über die Sprechorgane

SprechorganeGenau wie die Bildung der Stimme ist das Sprechen eine motorische Funktion, d.h., es werden Muskeln der Sprechorgane (ArtikulationsorganeArtikulationsorgane) für die Bildung der Sprachlaute (ArtikulationArtikulationArtikulation) eingesetzt. Das Sprechen ist so eng mit dem Hören verbunden (Kap. 8), dass von Geburt an taube Menschen auch stumm sind und nur mit großer Mühe (abgesehen von der Gebärdensprache oder vom Fingeralphabet) ansatzweise das „normale“ Sprechen erlernen können.

Fachbegriffe

Artikulation (lat. articulatio): Gelenk, aber auch gegliederter Vortrag, Gliederung des Gesprochenen, Lautbildung

Die Artikulationsorgane sind stammesgeschichtlich ursprünglich als Organe des Verdauungstrakts angelegt, d.h. zuständig für die Aufnahme, die Zerkleinerung und den Transport der Nahrung aus der Mundhöhle über den unteren Rachen und die Speiseröhre in den Magen. Beim Menschen werden sie zusätzlich zur Lautbildung eingesetzt und zu diesem Zweck vom Nervensystem gesteuert und koordiniert.
Zu den aktiv beweglichen Teilen der Sprechorgane gehören als einziges Gelenk das von den Kaumuskeln bewegte Kiefergelenk, die mimischen Muskeln der Mund- und Wangenregion, die Zunge (mit Binnen-, Außenmuskulatur und Mundboden), das Gaumensegel mit dem Zäpfchen und die Gaumenbögen an der hinteren Öffnung der Mundhöhle. An unbeweglichen Elementen der Sprechorgane sind die Zähne, Teile des Ober- und Unterkiefers sowie der harte Gaumen zu nennen.
Ein Teil der Sprechorgane, der untere Abschnitt des „Atmungsorgans“ Rachen sowie zusätzlich die Speiseröhre dienen (auch) dem Schlucken. Um die Zahl der Kapitel dieses Buches nicht weiter zu erhöhen, wird dieser speziellen Funktion am Ende dieses Kapitels im Kap. 6.4 „Schluckakt und Speiseröhre“ Rechnung getragen.

Entwicklung und Anatomie der Sprechorgane

SprechorganeEntwicklungUm den Aufbau, die Funktion und evtl. auch sprachtherapeutisch relevante Folgen von Fehlentwicklungen (z.B. Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten) im Bereich der Sprechorgane zu verstehen, soll der Darstellung der Anatomie und Physiologie an den Stellen, wo es nötig und sinnvoll erscheint, auch eine kurze Beschreibung der Entwicklung vorangestellt werden.

Kiefergelenk und Kaumuskeln

Entwicklung
KiefergelenkEntwicklungWie schon im Kap. 5.1 dargestellt (Entwicklung des Kehlkopfs), gehen mehrere Strukturen im Bereich der späteren Halsregion aus dem Material der SchlundbögenSchlundbögen hervor. Dies gilt auch für den Ober- und Unterkiefer, die sich aus dem 1. Schlundbogen entwickeln.
Aus dem Material dieses 1. Schlundbogens entstehen zwei paarige Wülste der späteren Gesichtsregion, die man als OberkieferwulstOberkieferwulst und UnterkieferwulstUnterkieferwulst bezeichnet (Abb. 6.1). Die beiden Unterkieferwülste verschmelzen schon früh miteinander, die beiden Oberkieferwülste bleiben zunächst links und rechts getrennt. Zwischen die beiden Oberkieferwülste schiebt sich von oben ein weiterer Wulst, der als StirnfortsatzStirnfortsatz bezeichnet wird. Er bildet an seinem unteren seitlichen Ende die NasenwulstNasenwülste aus, die die RiechgrubeRiechgruben (Position der späteren Nasenlöcher) umgeben und begrenzen (Abb. 6.1b).
Fünf Wülste (Stirnfortsatz, zwei Ober- und zwei Unterkieferwülste) begrenzen während dieses Stadiums der Embryonalentwicklung (Alter: 5–6 Wochen) die im Zentrum der Gesichtsregion liegende primitive Mundbucht, die im Zuge der weiteren Entwicklung Anschluss an den Verdauungstrakt (Vorderdarm: Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre, Magen) bekommt (Abb. 4.15).
Im Unterkieferwulst bildet sich eine Knorpelspange, die später wieder abgebaut wird, aber die ungefähre Position des späteren UnterkieferUnterkiefers (MandibulaMandibula) angibt (Abb. 6.1a).

Fachbegriffe

Mandibula (lat.): Unterkiefer; manchmal eingedeutscht auch als „Mandibel“ bezeichnet, abgeleitet von mandere (lat.): kauen

Maxilla (lat.): Oberkiefer

Aus dem embryonalen Bindegewebe der Oberkieferwülste, die erst später weitgehend miteinander verschmelzen, entstehen der OberkieferOberkiefer (MaxillaMaxilla), das Jochbein des seitlichen Gesichtsschädels sowie ein Teil des Schläfenbeins (Abb. 6.3).
Das Kiefergelenk entsteht nicht zwischen Ober- und Unterkiefer, sondern zwischen dem beweglichen Unterkiefer und einer Knochengrube des Schläfenbeins. Der Oberkiefer ist ein Teil des Gesichtsschädels, der mit der Schädelbasis verbunden und nicht eigenständig beweglich ist.
Die Muskeln, die den Unterkiefer im Kiefergelenk bewegen, sind v.a. die Kaumuskeln. Sie entstehen ebenfalls aus dem Material des 1. Schlundbogens. Diese Muskeln werden vom zugehörigen 1. Schlundbogennerven versorgt, der in seiner endgültigen Form als Drillingsnerv (N. trigeminus, 5. Hirnnerv) bezeichnet wird (s.u.).
Aufbau des Kiefergelenks
Das KiefergelenkAufbauKiefergelenk (allgemeine Informationen zum Thema Gelenke Kap. 4.1.1) wird auch als Unterkiefer-Schläfenbein-Unterkiefer-Schläfenbein-GelenkGelenk (Articulatio Articulatiotemporomandibularistemporomandibularis) bezeichnet, weil sich in diesem Gelenk der Unterkiefer gegen den Schläfenbeinabschnitt der Schädelbasis bewegen lässt.

Fachbegriffe

Articulatio temporomandibularis articulatio (lat.): Gelenk, temporo- bezieht sich auf Os temporale (lat. Schläfenbein), mandibularis (lat.): zum Unterkiefer (mandibula) gehörig

Der Unterkiefer ist aus den beiden Unterkieferwülsten entstanden (Abb. 6.1b). Dabei sind beide Hälften zu einem spiegelbildlich-symmetrischen Knochen zusammengewachsen (Abb. 5.3). Der gebogene Teil des Knochens wird als Unterkieferkörper (Corpus Corpusmandibulaemandibulae) bezeichnet; er geht nach hinten an beiden Seiten in den Unterkieferast (Ramus Ramusmandibulaemandibulae) über. Der sog. Unterkiefer- oder nur KieferwinkelKieferwinkel (Angulus Angulus mandibulaemandibulae) markiert den Übergang des Körpers in den Ast (Abb. 6.2).
Jeder der beiden Äste des Unterkiefers gabelt sich weiter auf. Der vordere Ausläufer ist der Kronenfortsatz (Processus Processuscoronoideuscoronoideus), an dem der Schläfenmuskel (einer der Kaumuskeln) seinen Ansatz hat. Der hintere Ausläufer beteiligt sich am Kiefergelenk und wird deshalb Gelenkfortsatz (Processus Processuscondylariscondylaris) genannt (Abb. 6.2a).

Fachbegriffe

Mandibula (Unterkiefer)

Corpus (lat.): Körper, Ramus (lat.): Ast, Caput (lat.): Kopf, mandibulae: Genitiv von mandibula (lat.): Unterkiefer
Processus (abgekürzt Proc., lat.): Fortsatz, Fortgang, Verlauf (vgl. den juristischen Begriff „Prozess“)
coronoideus (lat.): kronenförmig, von corona (lat.): Krone
condylaris (lat.): gelenkknorrenförmig, von condylus (lat.): Gelenkknorren (kräftiger Knochenausläufer)
Das obere Ende des Gelenkfortsatzes ist der Unterkieferkopf (Caput Caput mandibulaemandibulae; Abb. 6.2b). Der Unterkieferkopf bildet den Gelenkkopf des Kiefergelenks, der sich in der Gelenkpfanne bewegt; Kopf und Pfanne eines Gelenks sind von Gelenkknorpel überzogen.
Die Gelenkpfanne wird vom SchläfenbeinSchläfenbein (Os Ostemporaletemporale) gebildet, einem Knochen, der mit seinen Abschnitten sowohl am Aufbau der Schädelbasis als auch am seitlichen Schädeldach beteiligt ist. Die Gelenkpfanne des Kiefergelenks wird als Unterkiefergrube (Fossa Fossa mandibularismandibularis) bezeichnet, da sie den Unterkieferkopf aufnimmt. Die vordere Begrenzung der Unterkiefergrube bildet ein ebenfalls von Gelenkknorpel überzogenes Gelenkhöckerchen (Tuberculum Tuberculumarticularearticulare).

Fachbegriffe

Fossa mandibularis Fossa (lat.): Grube, mandibularis (lat.): zum Unterkiefer gehörig

Os temporale Os (lat.): Knochen, Bein, temporale: Neutrumform von temporalis (lat.): zur Schläfe gehörig (von tempus, lat.: Zeit; da mit der Zeit die Schläfen grau werden …)

Tuberculum articulare Tuberculum (lat.): Höckerchen, articulare: Neutrumform von articularis (lat.): zum Gelenk gehörig

Klinik

Verrenkung des Kiefergelenks

Weil die Gelenkkapsel des KiefergelenkVerrenkungKiefergelenks relativ schlaff ist, kann bei übermäßiger Öffnung des Mundes, z.B. durch Gähnen, beim Zahnarzt oder durch einen Unfall, eine Verrenkung (Luxation) auftreten; dabei schiebt sich der Unterkieferkopf vor das Gelenkhöckerchen und wird durch die Anspannung der Kaumuskeln dort fixiert; nur mit erheblicher Kraftanwendung kann das Kiefergelenk dann wieder „eingerenkt“ werden.
Bei einigen Gelenken des menschlichen Körpers passen der Gelenkkopf und die Gelenkpfanne nicht optimal ineinander. Zum Ausgleich finden sich dann Knorpelstrukturen in der Gelenkhöhle, die diese teilweise oder vollständig unterteilen, eine Druckverteilungsfunktion besitzen und für einen Ausgleich der schlechten „Passgenauigkeit“ sorgen.
Eine Knorpelstruktur, die eine Gelenkhöhle unvollständig unterteilt, wird als MeniscusMeniscus bezeichnet; sie existiert nur im Kniegelenk. Knorpelscheiben oder -platten, die eine Gelenkhöhle vollständig unterteilen, heißen DiscusDiscus. Ein solcher Discus findet sich im Kiefergelenk, aber auch in einigen anderen Gelenken des Körpers.
Der Discus des Kiefergelenks ist mit der bindegewebigen Gelenkkapsel verwachsen und teilt die Gelenkhöhle dadurch in zwei Abteilungen, die man als diskotemporale und diskomandibulare diskomandibulare/diskotemporale KammerKammern bezeichnet.

Fachbegriffe

Discus (lat.) oder diskos (griech.): (Wurf-)scheibe

diskomandibular abgeleitet aus discus (Scheibe) und mandibula (Unterkiefer); Kammer zwischen Unterkieferkopf und Discus

diskotemporal abgeleitet aus discus (Scheibe) und Os temporale (Schläfenbein); Kammer zwischen Discus und Unterkiefergrube des Schläfenbeins

Meniscus (griech. meniskos): mondförmiger Körper

Mechanik des Kiefergelenks
Die Mechanik des KiefergelenkMechanikKiefergelenks ist recht kompliziert. Das liegt daran, dass beide Kiefergelenke (links und rechts) immer zusammenarbeiten müssen, dass sich unterschiedliche Bewegungen in den diskotemporalen und diskomandibularen Kammern beschreiben lassen, dass bei bestimmten Bewegungen auch die Kauflächen der Zähne eine Rolle spielen und dass sich der Aufbau des Ober- und Unterkiefers im Laufe des Lebens im Zusammenhang mit Veränderungen des Gebisses ebenfalls verändert.
Vereinfacht lässt sich das Kiefergelenk als Schiebe-Scharnier-Schiebe-Scharnier-GelenkGelenk bezeichnen. In der diskomandibularen Kammer findet hauptsächlich die Scharnierfunktion statt, die man durch das Bewegungspaar Öffnen und Schließen des Mundes oder analog Senken und Heben des Unterkiefers charakterisiert.
In der diskotemporalen Kammer dominiert die Schiebebewegung, bei der der Unterkiefer vor- und zurückgeschoben wird.
Beide Bewegungen lassen sich nicht ganz unabhängig voneinander ausführen. So ist beim Öffnen des Mundes immer auch eine Schiebebewegung nach vorne zu beobachten, beim Schließen des Mundes eine Schiebebewegung nach hinten.

Fachbegriffe

OkklusionArtikulation (lat. articulatio): Gelenk; bedeutet in der Zahnheilkunde die durch die Kaumuskeln ausgeführten Bewegungen der Zahnkauflächen (Flächen der Zähne, die gegeneinander gerichtet sind) aufeinander.

Okklusion (lat. occlusio): Verschluss; bedeutet in der Zahnheilkunde die sog. Schlussbissstellung des Kiefergelenks; der Mund ist geschlossen, die Zahnreihen werden durch die Kaumuskeln aufeinandergepresst.

Bei Mahlbewegungen (wie bei den Wiederkäuern) lassen sich zusätzlich auch noch jeweils auf einer Seite Drehbewegungen um eine senkrechte Achse durchführen, während sich die andere Seite nach vorne schiebt.
Kaumuskeln
Auch die je vier KaumuskelnKaumuskeln auf beiden Seiten haben sich aus dem Material des 1. Schlundbogens entwickelt. Man gliedert sie in eine Hauptgruppe mit drei Muskeln, die für den Kieferschluss bzw. das Heben des Unterkiefers zuständig sind, und eine Nebengruppe mit einem Muskel, der die Kieferöffnung bzw. das Senken des Unterkiefers einleitet (Tab. 6.1).
Für die vollständige Kieferöffnung sind nicht die Kaumuskeln, sondern die oberen und unteren Zungenbeinmuskeln (Kap. 5.2.1), die Wirkung der Schwerkraft und die nachlassende Anspannung der Schließmuskeln des Kiefergelenks verantwortlich.
Kieferschluss
Drei der vier Kaumuskeln bewirken bei ihrer Kontraktion ein Heben des Unterkiefers bzw. einen KieferschlussKieferschluss mit Schließen des Mundes. Es sind dies bei wörtlicher Übersetzung des Fachbegriffs der „Kaumuskel“ im eigentlichen Sinn oder zur Abgrenzung von den anderen Kaumuskeln dann eingedeutscht der „MasseterMasseter“ (M. Musculus/Musculimassetermasseter), der SchläfenmuskelSchläfenmuskel (M. Musculus/Musculitemporalistemporalis) und der innere FlügelmuskelinnererFlügelmuskel (M. pterygoideus Musculus/Musculipterygoideus medialis/lateralismedialis) (Abb. 6.3).

Fachbegriffe

lateralis (lat.): seitlich gelegen, der äußere

M. Abkürzung für Musculus (lat.): Muskel

masseter (griech.): der Kauende

medialis (lat.): zur Mitte hin gelegen, der innere

pterygoideus (lat.): zur Flügelgrube bzw. zum Flügelfortsatz des Keilbeins gehörig (pterygion, griech.: Flügelchen); das Keilbein ist ein kompliziert aufgebauter Knochen der Schädelbasis, der u.a. eine sog. Flügelgrube und einen Flügelfortsatz aufweist, wo die entsprechenden Flügelmuskeln ihren Ursprung haben (Abb. 6.3).

temporalis (lat.): zum Schläfenbein (Os temporale) gehörig

Für sich alleine genommen ist der Schläfenmuskel der kräftigste Schließmuskel im Kiefergelenk. Er entspringt breit gefächert von der Schläfenregion des Schädels, die vom Schläfenbein (Abb. 6.3a+b) gebildet wird. Anspannung und Entspannung des Muskels beim Kauen lassen sich unter der Haut der Schläfenregion beobachten. „Eingefallene Schläfen“ deuten nicht nur auf starke Abmagerung, sondern auch auf eine Degeneration des Schläfenmuskels hin, wie sie im höheren Alter und bei Verlust der Zähne auftreten kann.
Die Muskelfasern des Schläfenmuskels laufen zu einer kräftigen Sehne zusammen, die unter dem Jochbogen zum Kronenfortsatz des Unterkiefers zieht, wo der Muskel seinen Ansatz hat. Seine Funktion besteht außer im Kieferschluss und Zubeißen auch noch darin, mit seinen hintersten Fasern den Unterkiefer zurückzuziehen.
Der Masseter und der innere Flügelmuskel bilden eine Muskelschlinge, die von oben kommend den Unterkiefer in der Gegend des Kieferwinkels umfasst. Der Masseter bildet den äußeren Teil der Muskelschlinge, der innere Flügelmuskel den inneren Teil. Der Masseter hat seinen Ursprung am Jochbogen (einem brückenartigen Abschnitt des Jochbeins, Abb. 6.3a), während der innere Flügelmuskel von der Flügelgrube und vom Flügelfortsatz des Keilbeins (Abb. 6.3b), einem kompliziert aufgebauten Knochen der Schädelbasis, entspringt. Die Kraftentfaltung der Muskeln dieser Muskelschlinge ist zusammengenommen noch höher als die des Schläfenmuskels alleine.
Schräg verlaufende Fasern der Muskelschlinge aus Masseter und innerem Flügelmuskel unterstützen auch die Schiebebewegung des Unterkiefers nach vorne.
Einleitung der Kieferöffnung
KieferöffnungDer äußere FlügelmuskeläußererFlügelmuskel (M. pterygoideus lateralis) hat seinen Ursprung ebenfalls am Flügelfortsatz und an benachbarten Strukturen des Keilbeins (Abb. 6.3b); seine Fasern verlaufen allerdings fast horizontal und erreichen den Discus des Kiefergelenks und den Gelenkfortsatz des Unterkieferastes (Abb. 6.2). Bei Kontraktion des äußeren Flügelmuskels wird der Unterkiefer vorgeschoben und die Mundöffnung eingeleitet.
Innervation der Kaumuskeln
Die KaumuskelnKaumuskelnInnervation sind Abkömmlinge des 1. Schlundbogens. Der DrillingsnervDrillingsnerv (N. Nerv(-us, -i)trigeminustrigeminus, 5. Hirnnerv, Kap. 7.11.2) ist für die sensible und motorische Versorgung der aus dem 1. Schlundbogen entstandenen Strukturen zuständig. Allerdings sind der erste und zweite Ast des N. trigeminus rein sensibel und versorgen nur entsprechende Abschnitte der Haut und Schleimhaut, während der dritte Ast des N. trigeminus sensible und motorische Äste mit sich führt. Dieser dritte Trigeminusast wird UnterkiefernervUnterkiefernerv bzw. N. Nerv(-us, -i)mandibularismandibularis genannt.
Vereinfacht wird teilweise der gesamte motorische Teil des N. mandibularis auch als KaunervKaunerv, N. Nerv(-us, -i)masticatoriusmasticatorius (eingedeutscht MastikatoriusMastikatorius) bezeichnet; genau gesehen ist es nur der vordere Ast des N. mandibularis, von dem allerdings die meisten Kaumuskeln versorgt werden.

Fachbegriffe

mandibularis (lat.): zum Unterkiefer (mandibula) gehörig

masticatorius (lat.): zur Mastikation (Kauvorgang) gehörig

N. Abkürzung von Nervus (lat.): Nerv (Plural: Nervi, abgekürzt Nn.)

profundi (lat.): Plural von profundus (lat.): tief

temporales Plural von temporalis (lat.): zur Schläfe gehörig

trigeminus (lat.): dreifach, Drillings-

Von der motorischen Abteilung des Unterkiefernervs gehen Äste zu den Kaumuskeln ab, die wie die einzelnen Kaumuskeln genannt werden:
  • Masseter: MasseternervMasseternerv (N. Nerv(-us, -i)massetericusmassetericus)

  • Schläfenmuskel: tiefe Schläfennerven, tiefeSchläfennerven (Nn. temporales Nerv(-us, -i)temporales profundiprofundi)

  • Innerer Flügelmuskel: innerer Flügelnerv, innerer/äußererFlügelnerv (N. pterygoideus Nerv(-us, -i)pterygoideus medialis/lateralismedialis)

  • Äußerer Flügelmuskel: äußerer Flügelnerv (N. pterygoideus lateralis)

Klinik

Kaumuskellähmung („Mastikatoriuslähmung“)

MastikatoriuslähmungKaumuskellähmungEine einseitige Lähmung der Kaumuskeln durch Ausfall des Kaumuskelnerven wirkt sich auf den Kieferschluss kaum aus, allerdings weicht der Unterkiefer zur Seite der Lähmung ab, wenn der Mund geöffnet wird.

Mimische Muskeln

Die mimischen Muskulaturmimischemimische MuskelnMuskeln entstehen aus dem Material des 2. Schlundbogens (Kap. 5.1) und werden vom 2. Schlundbogennerven, dem GesichtsnervGesichtsnerv (N. Nerv(-us, -i)facialisfacialis, 7. Hirnnerv, Kap. 7.11.3), versorgt. Im Folgenden sollen nur die im weitesten Sinne sprachtherapeutisch relevanten mimischen Muskeln besprochen werden.

Fachbegriffe

mimisch (lat. mimicus): possenhaft, den Gesichtsausdruck betreffend

N. Abkürzung von Nervus (lat.): Nerv

N. facialis (lat.): zum Gesicht (facies) gehörig

Die Bezeichnung „mimische Muskeln“ ist funktionell, weil eine Aufgabe dieser Muskeln darin besteht, den Gesichtsausdruck zu verändern und damit z.B. seelische Regungen widerzuspiegeln. Da diese Muskelgruppe aber weit mehr Funktionen, speziell auch bei der Artikulation, aufweist, ist die Bezeichnung „Hautmuskeln des Gesichts und Kopfes“ oder „oberflächliche Gesichts- und Halsmuskulatur“ treffender.
Diese Muskelgruppe zeichnet sich dadurch aus, dass sie im Gegensatz zu fast allen anderen Skelettmuskeln ihren Ansatz nicht an knorpeligen oder knöchernen Skelettelementen, sondern an der Gesichts- und Halshaut bzw. an Gesichtsweichteilen hat. Diese Muskeln sind überwiegend mit der Haut verwachsen und bewegen diese, wenn sie sich kontrahieren. Die Gesichtsweichteile, die von diesen Muskeln bewegt werden können, sind die Augenlider, die Nasenflügel, die Wangen und vor allem die Lippen.
Am Hals und im Bereich des Schädeldachs sind die mimischen Muskeln ausgedehnt und flach. Speziell um die Mundöffnung, die Nasenlöcher und die Lidspalten herum finden sich jedoch auch Muskelzüge, die ringförmig verlaufen und die jeweilige Öffnung verkleinern, sowie Muskelzüge, die durch ihren strahlenförmigen („radiären“) Verlauf die entsprechenden Öffnungen erweitern können (Abb. 6.4, Abb. 6.5).
Mimische Muskeln der Stirn- und Augenregion
Im seitlichen Gesichtsbereich verzweigt sich der Gesichtsnerv (N. facialis), der die mimischen Muskeln innerviert, in einen oberen und einen unteren Ast. Lähmungen des Gesichtsnerven („FazialispareseFazialisparesen“) spielen bei Artikulationsstörungen eine große Rolle; dabei unterscheidet man eine „zentrale“ und eine periphere Fazialisparese.
Bei beiden Pareseformen fallen die für die Artikulation relevanten mimischen Muskeln der Mund-, Wangen- und Nasenregion, die vom unteren Ast des N. facialis versorgt werden, komplett aus und die Haut der entsprechenden Gesichtsregion hängt schlaff herunter.
Bei der zentralen Fazialisparese bleibt die Innervation der mimischen Muskeln der Stirn- und Augenregion, die vom oberen Ast des N. facialis versorgt werden, überwiegend intakt, sodass das Stirnrunzeln und der Lidschluss erhalten bleiben. Hingegen fällt die Nervenversorgung dieser mimischen Muskeln bei der peripheren Fazialisparese ebenfalls aus.

Klinik

Fazialisparese

Fazialis-: gemeint ist der Ausfall des Gesichtsnerven (N. facialis, 7. Hirnnerv); PareseParese (griech. paresis): Erschlaffung, bedeutet eigentlich leichte unvollständige Lähmung oder Schwäche eines Muskels; der Begriff wird aber auch auf den Nerven übertragen, der für die Versorgung des entsprechenden Muskels zuständig ist.
Zentral: die Störung findet im Zentralnervensystem statt (genauer gesagt auf der Ebene des 1. Neurons); peripher: die Störung betrifft den peripheren Verlauf des Nerven (genauer gesagt auf der Ebene des 2. Neurons, für Details Kap. 7.11.3).
Der mimische Muskel der Stirn- und Kopfhaut ist der M. Musculus/Musculiepicraniusepicranius, dessen Stirnabschnitt für das Stirnrunzeln verantwortlich ist (Abb. 6.4).

Fachbegriffe

M. epicranius epi- (griech.): oberhalb, cranium (lat.): Schädel

oculi Genitiv von oculus (lat.): Auge

orbicularis (lat.): in Form eines kleines Ringes oder Kreises (orbiculus: Verkleinerungsform von orbis, lat.: Kreis)

Der AugenringmuskelAugenringmuskel (M. orbicularis oculiMusculus/Musculiorbicularis) ist der Schließmuskel der Lidspalte und umgibt diese gürtelförmig bis in die Augenlider hinein (Abb. 6.4). Dieser Muskel hat als Schutzmuskel des Auges eine erhebliche Bedeutung:
  • Er sorgt durch den Lidschlag für eine Verteilung der Tränenflüssigkeit auf dem vorderen Auge, um ein Austrocknen der Hornhaut zu vermeiden.

  • Er kann durch mehrfach aufeinander folgende Kontraktionen kleinere Fremdkörper aus dem Auge entfernen.

  • Er schützt das Auge vor mechanischer Schädigung oder vor einem Schaden durch zu starke Lichtintensität.

  • Ein Verschluss der Lidspalte ist für den Schlaf notwendig, aber auch bei starker körperlicher Anstrengung oder Bauchpresse (Kap. 4.3.4) zum Schutz der Augenbindehautgefäße (ansonsten „geplatzte Äderchen“).

Mimische Muskeln des Mundschlusses
Ähnlich wie beim Lidschluss wird die Mundöffnung von einem Ringmuskelsystem umgeben, das den Mund bei Kontraktion verschließen kann und bis in die Lippen hineinstrahlt. Dieser Muskel wird als MundringmuskelMundringmuskel oder M. orbicularis orisMusculus/Musculiorbicularis bezeichnet; er ist ein wesentliches Element der äußeren Gestalt der Mundöffnung und der Lippen.

Fachbegriffe

M. orbicularis oris orbicularis (lat.): in Form eines kleinen Ringes oder Kreises (orbiculus: Verkleinerungsform von orbis, lat.: Kreis); oris: Genitiv von os (lat.): Mund

Der Mundringmuskel bildet kein geschlossenes Ringsystem um den Mund, sondern besitzt im Bereich der Mundwinkel Zwischensehnen, die die obere von der unteren Hälfte des Muskels trennen. Dadurch kann sich die obere Hälfte des Muskelrings unabhängig von der unteren Hälfte kontrahieren.
Wenn sich der Mundringmuskel mit allen Abschnitten schwach kontrahiert, presst er die Lippen aufeinander und bildet die schmale, längs verlaufende Mundspalte. Bei starker Kontraktion des gesamten Muskels werden die Lippen ringförmig zusammengepresst („Schnütchen“; Abb. 6.6a).
Durch unterschiedliche Kontraktion einzelner Abschnitte des gesamten Muskelrings kann die Fläche des äußerlich sichtbaren Lippenrots (Kap. 6.2.3), evtl. einschließlich eines Abschnitts der Mundschleimhaut, vergrößert bzw. verkleinert werden (schmale Lippen“, „wulstige Lippen“).
Der Mundringmuskel beeinflusst die Mimik, spielt eine Rolle bei der Nahrungsaufnahme (vor allem beim Saugen) und bei der Artikulation.
Bei einer Lähmung des Muskels (meist einseitig) ist nicht nur die Artikulation beeinträchtigt, sondern auch die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Der Mundwinkel hängt auf der gelähmten Seite herab, der Mundschluss ist unzureichend und es kann Speichel herausfließen.
Mimische Muskeln der Mundöffnung
Die mimischen Muskeln, die den Mund mehr oder weniger weit öffnen bzw. die Mundwinkel verziehen, müssen strahlenförmig (radiär) von der Mundöffnung weg ziehen.
Es lassen sich für jede Mundhälfte ein Heber der Oberlippe, ein Heber des Mundwinkels, ein Senker der Unterlippe und ein Senker des Mundwinkels unterscheiden (Abb. 6.5, Abb. 6.6c–e). Die Fachbezeichnungen dieser Muskeln leiten sich von ihrer Funktion und Lage ab:
  • Heber der OberlippenheberOberlippe: M. levator labii superiorisMusculus/Musculilevator(es)

  • Heber des MundwinkelheberMundwinkels: M. levator anguli oris

  • Senker der UnterlippensenkerUnterlippe: M. depressor labii inferiorisMusculus/Musculidepressor

  • Senker des MundwinkelsenkerMundwinkels: M. depressor anguli oris

Fachbegriffe

anguli Genitiv von angulus (lat.): Winkel, oris Genitiv von os (lat.): Mund

inferioris Genitiv von inferior (lat.): der/die untere

labii Genitiv von labium (lat.): Lippe

levator (lat.): Anheber; depressor (lat.): Senker

superioris Genitiv von superior (lat.): der/die obere

Weitere mimische Muskeln, die eine Mundöffnung vorbereiten oder begleiten können, v.a. aber auch eine Bedeutung bei der Gesichtsmimik haben, sind:
  • KinnmuskelKinnmuskel: M. Musculus/Musculimentalismentalis

  • LachmuskelLachmuskel: M. Musculus/Musculirisoriusrisorius

  • großer Jochbeinmuskel, großerJochbeinmuskel: M. zygomaticus Musculus/Musculizygomaticus majormajor

Fachbegriffe

major (lat.): groß, der große

mentalis (lat.): zum Kinn (lat. mentum) gehörig

risorius (lat.): Lach- (risus, lat.: das Lachen)

zygomaticus (lat.): zum Jochbein (lat. Os zygomaticum) gehörig

Der Kinnmuskel ist paarig und stülpt die Unterlippe vor („Schnute“, Abb. 6.6d). Der Lachmuskel und der große Jochbeinmuskel sind ebenfalls in beiden Gesichtshälften vorhanden. Beide Muskeln ziehen den Mundwinkel nach außen und etwas auch nach oben, wie es beim Lachen und bei Gemütsregungen der Freude zu finden ist (Abb. 6.4, Abb. 6.5, Abb. 6.6b).
Mimischer Muskel der Wange
Das muskuläre Zentrum der Wangen bildet der WangenmuskelWangenmuskel (M. Musculus/Musculibuccinatorbuccinator), der sich mit seinen Fasern bis in die Lippen und die Kinnregion fortsetzt (Abb. 6.5, Abb. 6.6f). Er wird vom Ausführgang der Ohrspeicheldrüse durchbohrt (Kap. 6.2.3). Der Muskel hat eine Reihe bedeutsamer Funktionen:
  • Zusammen mit dem Mundringmuskel und der Zunge ist er beim Saugakt beteiligt, indem er die Wangen stabilisiert.

  • Bei der Nahrungsaufnahme ist er dafür verantwortlich, Speise aus dem Mundhöhlenvorhof zwischen den Zahnreihen hindurch in die eigentliche Mundhöhle zu drücken (Kap. 6.2.3).

  • Der Muskel verhindert beim Zubeißen (in den meisten Fällen!), dass Wangenschleimhaut zwischen die Zahnreihen gerät und dadurch verletzt wird.

  • Beim Blasen eines Blasinstruments (z.B. Trompete) reguliert der Wangenmuskel die Spannung der Wange gegenüber dem Druck des Ausatemluftstroms (deshalb wird er auch als „HornbläsermuskelHornbläsermuskel“ oder „TrompetermuskelTrompetermuskel“ bezeichnet).

  • Der Muskel zieht den jeweiligen Mundwinkel nach außen und hat entsprechende mimische Funktionen (Weinen, Lachen).

Fachbegriffe

buccinator zur Wange (lat. bucca) gehörend

nasalis zur Nase (lat. nasus) gehörig

procerus (lat.): schlanker Nasenmuskel

Mimische Muskeln der Nase
Der schlanke NasenmuskelNasenmuskelschlanker (M. Musculus/Musculiprocerusprocerus) befindet sich am Übergang vom Nasenrücken zur Stirn und ruft bei Kontraktion eine charakteristische quere Hautfalte an der Nasenwurzel hervor (Abb. 6.5).
Der NasenmuskelNasenmuskel (M. Musculus/Musculinasalisnasalis) befindet sich jeweils seitlich an der Nase in der Region zwischen Oberlippe und Nasenrücken (Abb. 6.4, Abb. 6.5). Der Muskel hebt die Oberlippe und entblößt die Schneidezähne. Mimisch ist der Muskel bei emotionalen Regungen der Fröhlichkeit, aber auch der Unzufriedenheit beteiligt.

Mundhöhle

Begrenzungen und Gesamtaufbau der Mundhöhle
Die MundhöhleMundhöhle ist ein von Mundschleimhaut ausgekleideter Hohlraum, der den Beginn des Verdauungsapparats darstellt. Die MundschleimhautMundschleimhaut besteht aus einem mehrschichtigen, nicht verhornenden Plattenepithel (Kap. 1.2.1) und einem darunter liegenden Bindegewebe (Lamina propria) mit zahlreichen kleinen und großen Drüsen, die den Mundspeichel bilden und in die Mundhöhle münden.
Man gliedert die Mundhöhle in den Vorhof (Vestibulum Vestibulumorisoris) und die eigentliche Mundhöhle im engeren Sinne (Cavitas Cavitasorisoris). Diese beiden Abteilungen sind bei geschlossenem Mund durch die AlveolarfortsätzeAlveolarfortsätze und Zahnbögen des Ober- und Unterkiefers getrennt. Der Mundhöhlenvorhof wird nach außen begrenzt durch die Schleimhaut der Lippen und Wangen sowie durch die Mundspalte und nach innen durch die Zahnbögen (Abb. 6.7).
Die eigentliche Mundhöhle wird nach außen begrenzt durch Zahnbögen, nach oben durch den Gaumen, nach unten durch den Mundboden und die Zunge (Kap. 6.2.4) und nach hinten durch die Schlundenge mit den Gaumenbögen (Kap. 6.2.5). Über die Schlundenge setzt sich der Verdauungstrakt weiter in den Mundrachenraum fort.

Fachbegriffe

Alveolarfortsätze bogenförmige Teile des Ober- und Unterkiefers, die die Zahnfächer (Alveolen, von alveolus, lat.: kleine Mulde) tragen

Vestibulum (lat.) Vorhof; Cavitas (lat.): Höhle; oris: Genitiv von os (lat.): Mund; die Mundhöhle im engeren Sinne wird gelegentlich mit dem Zusatz „propria“ versehen (weibl. Form von proprius, lat.: der eigene, eigentliche), um sie von der Mundhöhle insgesamt zu unterscheiden.

In der Mundhöhle wird die Nahrung zerkleinert und mit Speichel vermischt. Durch Inhaltsstoffe des Speichels kann die Verdauung der Nahrung bei guter Einspeichelung zu einem geringen Anteil bereits in der Mundhöhle beginnen. Die Mundhöhle mit ihren begrenzenden Strukturen stellt aber auch einen Teil des Ansatzrohrs sowie das wichtigste Artikulationsorgan dar.
Lippen und Wangen
Die LippenLippen (Labia Labia orisoris; eingedeutscht „LabienLabien“) begrenzen als Ober- und Unterlippe die Mundspalte und nach innen den vorderen Abschnitt des Mundhöhlenvorhofs. Die Lippen stellen Weichteilfalten dar, die durch die in ihrem Inneren befindliche mimische Muskulatur (M. orbicularis oris, Kap. 6.2.2) eigenbeweglich sind. Diese Muskulatur bedingt auch die Funktionen der Lippen.
Auf der Oberlippe befindet sich außen in der Mitte eine kleine Längsfurche, die als PhiltrumPhiltrum bezeichnet wird und durch die Verschmelzung der medialen Nasenwülste entstanden ist (Kap. 6.2.5, vgl. auch Abb. 6.16).

Fachbegriffe

Labia Plural von labium (lat.): Lippe, oris: Genitiv von os (lat.): Mund

medial (lat.): mittig, der innere

Philtrum (lat.): aus philtron (griech.): Einbuchtung der Lippe, im alten Griechenland als „Liebeszauber“ angesehen

Die Lippenoberfläche wird außen durch behaarte Haut mit Haaren, Schweiß- und Talgdrüsen gebildet, nach innen durch Mundschleimhaut mit zahlreichen kleinen Speicheldrüsen, die als Lippendrüsen bezeichnet werden.
Als Übergangszone befindet sich zwischen diesen beiden Bedeckungen das sog. Lippenrot. Hier verschwinden Verhornung und Pigmentierung der äußeren Haut, sodass die Blutgefäße des Bindegewebes hindurchschimmern. Die äußere Haut besitzt zum Schutz gegen Austrocknung den von den Talgdrüsen gebildeten Fettfilm.
Da im Bereich des Lippenrots diese Talgdrüsen praktisch nicht vorkommen, muss hier immer wieder durch den Mundspeichel befeuchtet werden, damit das Epithel des Lippenrots nicht austrocknet und einreißt.
Die Mundschleimhaut auf den zahntragenden Fortsätzen des Ober- und Unterkiefers ist fest mit den darunter gelegenen Knochen verbunden und nicht verschieblich. In der Mittelebene bildet diese Schleimhaut mit der verschieblichen Mundschleimhaut der Ober- und Unterlippe ein Bändchen, das als oberes und unteres LippenbändchenLippenbändchen (Abb. 6.7) bezeichnet wird (Frenulum labii superioris bzw. Frenulumlabii superioris/inferiorisinferioris).

Fachbegriffe

Bichat Eigenname (franz. Anatom)

buccae Plural und Genitiv von bucca (lat.): Wange, Backe

corpus (lat.) Körper, adiposum (lat.): fettförmig; buccae, Genitiv von bucca (lat.): Wange

Frenulum (lat.) Bändchen, Verkleinerungsform von frenum (lat.): Zügel, Band

inferioris Genitiv von inferius (lat.): das untere (Neutrumform von inferior)

labii Genitiv von labium (lat.): Lippe

superioris Genitiv von superius (lat.): das obere (Neutrumform von superior)

Die WangenWangen (BuccaeBuccae) haben einen sehr ähnlichen Aufbau wie die Lippen. Da sie sich seitlich an die Lippen anschließen und nicht mehr die Mundspalte begrenzen, fehlt ihnen eine dem Lippenrot analoge Übergangszone.
Eine Besonderheit der Wangen stellt der WangenfettpfropfWangenfettpfropf (Corpus adiposum buccaeCorpusadiposum buccae,Bichat-FettpfropfBichat-Fettpfropf“) dar, der sich unter der Haut und über dem Wangenmuskel befindet. Dieser Fettpfropf versteift die Wange und verhindert speziell beim Säugling, dass die Wange beim Saugen einfällt (das „pausbäckige Aussehen“ des gut genährten Säuglings wird durch diesen Fettpfropf bedingt).
Der mimische Muskel im Inneren der Wangen ist der Wangenmuskel (M. buccinator), der die oben besprochenen Funktionen der Wangen bewirkt (Kap. 6.2.2).
Speicheldrüsen
SpeicheldrüsenTeile des Epithels der Mundschleimhaut haben sich zu exokrinen Drüsenexokrine Drüsen entwickelt, deren sezernierende Abschnitte im Bindegewebe unterhalb des Epithels liegen (Kap. 1.2.1). Die Drüsen stehen über Ausführgänge mit der Oberfläche des Epithels in Verbindung, bilden und sezernieren den MundspeichelMundspeichel (salivasaliva).

Fachbegriffe

exokrin exo- (griech.): außen, draußen; krinein (griech.): ausscheiden

saliva (lat.): Speichel (i.d.R. ist damit der Mundspeichel gemeint)

seromukös gemischter Speichel mit serösen und mukösen Anteilen; serös: dünnflüssig (entspricht in der Zusammensetzung weitgehend dem Blutserum), mukös: schleimig-dickflüssig (mucus, lat.: Schleim)

sezernieren (lat. secernere): absondern

Zahlreiche, meist nicht weiter benannte kleine Speicheldrüsen befinden sich im Bereich des Vorhofs und der eigentlichen Mundhöhle. Sie produzieren einen seromukösen SpeichelSpeichel, seromuköser, der die Schleimhaut befeuchtet und die Bissen leicht auf der Schleimhaut gleiten lässt – er wird deshalb auch als GleitspeichelGleitspeichel bezeichnet.
Zusätzlich gibt es noch drei große paarige Speicheldrüsen, die nach ihrer Lage als OhrspeicheldrüseOhrspeicheldrüse (Glandula parotisGlandulaparotis; eingedeutscht oft nur „ParotisParotis“), Unterkieferdrüse (Glandula submandibularis) und Unterzungendrüse (Glandula sublingualis) bezeichnet werden (für eine Übersicht Tab. 6.2)

Fachbegriffe

Glandula (lat.): Drüse

parotis/parotideus (lat.): beim Ohr gelegen, aus para- (griech.): nahebei, ous (griech.): Ohr (otos: Genitiv von ous)

sublingualis sub- (lat.): unter, -lingualis (lat.): zur Zunge (lingua) gehörig

submandibularis sub- (lat.): unter, -mandibularis (lat.): zum Unterkiefer (mandibula) gehörig

Die größte der drei großen paarigen Speicheldrüsen ist die Ohrspeicheldrüse. Der sezernierende Anteil dieser Drüse liegt vor dem Ohr, auf dem Masseter (Kap. 6.2.1), aber auch tief in der Region hinter dem Unterkieferast bis hin zum Rachen. Die Drüse hat einen mehrere Zentimeter langen Ausführgang (Abb. 6.8), der aus dem oberen Drüsendrittel entspringt und zunächst nach vorne zieht. Dieser sog. Ductus parotideusDuctusparotideus durchbohrt dann den M. buccinator (Kap. 6.2.2) und mündet auf der Schleimhaut des oberen Mundhöhlenvorhofs auf der Höhe des 2. Mahlzahns (hier legt der Zahnarzt ein Watteröllchen ein, um den Speichelfluss während einer Zahnuntersuchung oder -behandlung aufzunehmen).

Klinik

Mumps

Als MumpsMumps, ZiegenpeterZiegenpeter oder Parotitis Parotitis epidemicaepidemica bezeichnet man eine v.a. im Kindesalter häufige Infektion der Ohrspeicheldrüse, aber meist auch der anderen Speicheldrüsen, mit dem Mumpsvirus. Die Ohrspeicheldrüse ist hierbei schmerzhaft angeschwollen; durch die Nähe zu den Kaumuskeln und zum Kiefergelenk ist auch das Kauen schmerzhaft. Ein sehr guter Schutz vor dieser Krankheit ist die Impfung im Kleinkindalter, z.B. als Dreifachimpfung (MMR: Mumps-Masern-Röteln). Bei einer Infektion ohne Impfschutz können Komplikationen auftreten durch Entzündung der Bauchspeicheldrüse, der Keimdrüsen (Unfruchtbarkeit!), der Hirnhäute und des Gehirns.
epidemica (lat.): ansteckend
Parotitis (lat.): Entzündung der Parotis (Ohrspeicheldrüse)
Durch das Drüsengewebe der Ohrspeicheldrüse hindurch ziehen fächerförmig nach vorne zu den mimischen Muskeln ausstrahlend die motorischen Äste des Gesichtsnerven (N. facialis, Kap. 7.11.3); sie können bei operativen Eingriffen an der Ohrspeicheldrüse und ihrer Umgebung gefährdet sein.
Die Ohrspeicheldrüse produziert ein seröses Sekret, das sich mit dem mehr oder weniger mukösen Sekret der anderen Drüsen unterschiedlich stark mischt. Durch unterschiedlich starke Sekretion der einzelnen Speicheldrüsen kann die Zusammensetzung des Mundspeichels variieren.
UnterkieferdrüseGlandulasubmandibularisDie Unterkieferdrüse (Glandula submandibularis) produziert einen gemischten Speichel mit serösen und mukösen Anteilen. Sie liegt zwischen Unterkiefer und Mundboden und ist dort tastbar (Abb. 6.8). Ihr Ausführgang (Ductus submandibularisDuctussubmandibularis) zieht hinten um die Muskelplatte des Mundbodens herum und gelangt in die eigentliche Mundhöhle. Dort befindet sich unter der Zunge die fast nur mukösen Speichel produzierende UnterzungendrüseGlandulasublingualisUnterzungendrüse (Glandula sublingualis), deren kurzer Ausführgang (Ductus sublingualisDuctussublingualis) zusammen mit dem der Unterkieferdrüse auf einem kleinen Schleimhauthöckerchen (Caruncula sublingualisCaruncula sublingualis) links und rechts vom Zungenbändchen mündet (auch hier wird Speichel bei der zahnärztlichen Untersuchung oder Behandlung mit Sauger und Watteröllchen aufgenommen) (Abb. 6.9).

Fachbegriffe

Caruncula (lat.): Höckerchen

Ductus (lat.): Gang

Die gesamte Menge des von allen Speicheldrüsen täglich produzierten Mundspeichels schwankt zwischen einem halben und anderthalb Liter. Durch Kauen, Sinnesreize, mechanische Stimulation oder auch durch reine Vorstellungskraft („mir läuft das Wasser im Munde zusammen“) lässt sich die Speichelmenge über den sog. RuhespeichelRuhespeichel hinaus erheblich stimulieren. Dieser dabei zusätzlich produzierte Speichel ist dünnflüssig und stammt überwiegend aus der Ohrspeicheldrüse.
Der Speichelfluss wird auch vom vegetativen Nervensystem (Kap. 7.12) beeinflusst. Bei Stress- und Prüfungssituationen ist der Speichelfluss stark gehemmt, sodass man das Gefühl eines „trockenen Halses“ oder einer „trockenen Kehle“ hat. Dabei kann selbst das Sprechen fast unmöglich werden, sodass man durch Trinken das Speicheldefizit ausgleichen muss.
Die Funktionen des gesamten Mundspeichels lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
  • Bereitet die Nahrung zum Nahrungsbrei auf und durchfeuchtet sie

  • Macht die Nahrung gleit- und damit schluckfähig

  • In geringem Umfang beginnt über den Speichel die Verdauung der Kohlenhydrate (sog. Mundverdauung)

  • Auflösung von löslichen Nahrungsbestandteilen für das Schmecken (teilweise auch Riechen)

  • Erleichtert die Artikulation

  • Erfüllt Aufgaben der Abwehr und der Wundheilung

  • Allgemeine Hygiene der Mundhöhle und der Zähne

Klinik

Verringerter und vermehrter Speichelfluss

Verringerter Speichelfluss, verringerter/vermehrterSpeichelfluss wird oft als Medikamentennebenwirkung beobachtet, tritt aber auch bei einigen psychischen Erkrankungen auf.
Vermehrter Speichelfluss wird u.a. bei Entzündungen in der Mundhöhle, aber auch beim Zahndurchbruch bei Kindern gefunden.

Speichelsteine, Zahnstein

SpeichelsteineSpeichelsteine können sich durch Kalkablagerungen in den Ausführgängen der großen Speicheldrüsen bilden; dabei können Schwellungen und kolikartige Schmerzen beim Essen auftreten.
ZahnsteinZahnstein kann sich bei manchen Menschen an den Zähnen besonders im Bereich der Mündungen der Speicheldrüsen bilden; es handelt sich u.a. um Abscheidungen aus dem Mundspeichel.
Alveolarfortsätze, Zahnfleisch, Zähne
Sowohl der Ober- als auch der Unterkiefer bilden bogenförmige Fortsätze (vereinfacht als Alveolarfortsätze bezeichnet) aus, in denen sich Fächer (Alveolen (Zähne)Alveolen) für die Zahnwurzeln befinden. Der diese Fächer umgebende Knochen wird als AlveolarknochenAlveolarknochen bezeichnet (Abb. 6.10). Durch den Zahnhalteapparat sind die Zähne federnd in die Zahnfächer eingebaut.

Fachbegriffe

Alveole (lat. alveolus): kleine Vertiefung, Mulde, „Fach“

Dentin Zahnbein (von dens, lat.: Zahn)

Enamel/Enamelum (engl.): Zahnschmelz, Glasur, Emaille

Gingiva (lat.): Zahnfleisch; die Bezeichnung „Fleisch“ ist etwas unglücklich, da es sich hier um Schleimhaut und nicht um Fleisch (Muskelgewebe) handelt

ZähneDer die Alveolarfortsätze bedeckende Teil der Mundschleimhaut ist fest mit dem Alveolarknochen verbunden, enthält keine Drüsen und wird als ZahnfleischZahnfleisch (GingivaGingiva) bezeichnet.
Ein Zahn besteht aus Krone, Hals und Wurzel (Abb. 6.10). Das Hartgewebe des Zahns stellt das ZahnbeinZahnbein (DentinDentin) dar, das im Wesentlichen dem Knochengewebe entspricht. Dieses Dentin ist im Bereich der ZahnkroneZahnkrone, die aus dem Kiefer herausragt, vom besonders harten ZahnschmelzZahnschmelz (EnamelEnamel(um), Enamelum) überzogen. Im Gegensatz zum Zahnschmelz, der keine zellulären Strukturen enthält, ist das Zahnbein lebendes Gewebe.
Der ZahnhalsZahnhals ist der Abschnitt der Zahnwurzel, der sich oberhalb des Alveolarknochens befindet und von Zahnfleisch überzogen wird. Durch Zahnfleischschwund und Abbau des zahntragenden Knochens, wie es z.B. im Alter zu beobachten ist, werden die nicht mehr von Schmelz bedeckten empfindlichen Zahnhälse freigelegt. Die Zähne erscheinen dadurch „länger“.
Im Inneren des Zahns befindet sich die ZahnhöhleZahnhöhle, die das ZahnmarkZahnmark (lockeres Bindegewebe) mit Blutgefäßen und Nerven enthält.
Der ZahnhalteapparatZahnhalteapparat (ParodontiumParodontium) besteht aus:
  • ZementZement (CementumCementum), einer besonderen Knochenform, die das Dentin im Bereich des Zahnhalses und der Zahnwurzel bedeckt

  • WurzelhautWurzelhaut (PeriodontiumPeriodontium), einem straffen Bindegewebe zwischen Alveolarknochen und Zement

  • Alveolarknochen

  • Zahnfleisch

Fachbegriffe

Cementum (lat.): das (!) Zement (Knochengewebe, das die Zahnwurzeln bedeckt)

Parodontium gebildet aus para- (griech.): neben, und odous (griech.): Zahn (Genitiv: odontos); vgl. Parodontose: nicht-entzündlicher Abbau des Zahnhalteapparats mit der Gefahr des Zahnverlusts, Parodontitis: Entzündung des Zahnhalteapparats

Periodontium gebildet aus peri- (griech.): um herum, und odous (griech.): Zahn (Genitiv: odontos); vgl. Periodontitis: Wurzelhautentzündung

Die sog. ZahnformelZahnformel beschreibt Art und Zahl der Zähne in einer Kieferhälfte, die man als QuadrantQuadrant bezeichnet.

Fachbegriffe

Quadrant quadrans (lat.): der vierte Teil (Genitiv: quadrantis); gemeint ist ein Viertel des gesamten Kiefers, bestehend aus Ober- und Unterkiefer; ein Quadrant ist also die Hälfte entweder des Ober- oder des Unterkiefers und bezüglich der enthaltenen Zähne symmetrisch aufgebaut.

Im MilchgebissMilchgebiss lautet die Formel 4 × 5 = 20 Milchzähne; pro Quadrant sind enthalten 2 Milchschneidezähne, 1 Milcheckzahn und 2 Milchmolaren. Im bleibenden Gebiss werden die Milchschneidezähne durch die bleibenden Schneidezähne, der Milcheckzahn durch den bleibenden Eckzahn und die beiden Milchmolaren durch die Prämolaren ersetzt. Zusätzlich sind pro Quadrant 3 Mahlzähne (Molaren) enthalten. Die Zahnformel für das bleibende Gebiss lautet 4 × 8 = 32 bleibende Zähne.
Zur maschinenlesbaren Bezeichnung der Zähne hat es sich eingebürgert, jedem Quadranten eine erste Kennziffer von 1–4 (bleibendes Gebiss) bzw. 5–8 (Milchgebiss) und jedem darin enthaltenen Zahn eine zweite Kennziffer von 1–8 (bleibendes Gebiss) bzw. 1–5 (Milchgebiss) von vorne nach hinten gerechnet zuzuordnen (Abb. 6.11). So hat beispielsweise der Eckzahn im rechten Oberkiefer die Bezeichnung 13, der Weisheitszahn im linken Unterkiefer die Bezeichnung 38.

Fachbegriffe

Zähne

Caninus (lat.): EckzahnEckzahn, wörtlich „Hundszahn“ (aus canis, lat.: Hund)
Incisivus/InzisivusIncisivus (lat.): SchneidezähneSchneidezahn (aus incidere, lat.: einschneiden), eingedeutscht: Inzisivus
CaninusMolarMolar (lat.): MahlzahnMahlzahn, BackenzahnBackenzahn, wörtlich „Mühlzahn“ (aus mola, lat.: Mühle)
PrämolarPrämolar VormahlzahnVormahlzahn (prae, lat.: vor-)
Fast immer besitzen Neugeborene noch keine Zähne – die Zahnanlagen sind noch in den Kiefern verborgen. ZähneDurchbruchDer Durchbruch des 1. Zahns des Milchgebisses (normalerweise ein Schneidezahn des Unterkiefers) findet meist zwischen dem 7. und 9. Lebensmonat statt. Bei den meisten Kindern sind dann im Alter von 2 Jahren alle Zähne des Milchgebisses durchgebrochen (Abb. 6.12).
Der ZahnwechselZahnwechsel beginnt im Durchschnitt im 7. Lebensjahr und endet während der Pubertät. Die Wurzeln der Milchzähne werden abgebaut, sodass sich die Milchzähne lockern und lösen. Die darunter angelegten bleibenden Zähne ersetzen die 20 Milchzähne und werden deshalb als Ersatzzähne bezeichnet. Zusätzlich bilden sich in jeder der vier Kieferhälften noch 3 sog. ZuwachszähneZuwachszähne, sodass im voll ausgebildeten bleibenden Gebiss 32 Zähne enthalten sind. Der Durchbruch des jeweils hintersten Zahns einer Kieferhälfte (der sog. „WeisheitszahnWeisheitszahn“) erfolgt allerdings oft verspätet oder gar nicht.

Mundboden und Zunge

Mundboden
MundbodenDer Boden der Mundhöhle wird von einer etwa horizontal stehenden Muskelplatte (Abb. 5.3) gebildet, die nach oben von Mundschleimhaut bedeckt ist und sich zwischen Zungenbein und Unterkieferkörper befindet. Nach unten setzt sich die Muskelplatte in die bindegewebigen Räume des Halses fort.
Diese Muskelplatte wird auch als Diaphragma orisDiaphragmaoris bezeichnet; sie besteht aus den oberen Zungenbeinmuskeln M. mylohyoideus, M. digastricus, M. stylohyoideus, M. geniohyoideus (Kap. 5.2.1) und Teilen der Zungenmuskulatur (s.u.).

Fachbegriffe

Diaphragma oris diaphragma (lat./griech.): Zwischenwand zwischen einzelnen Körperteilen, oris: Genitiv von os, lat.: Mund

Das Diaphragma oris stellt die Grenzstruktur zwischen Mundhöhle und Hals dar. Die enthaltenen Muskeln wirken bei der Mundöffnung mit, gehören zum Halte- und Bewegungsapparat des Kehlkopfs, haben aber auch eine wichtige Funktion im Zusammenhang mit den Bewegungen der Zunge.
Zungenentwicklung
ZungeEntwicklungGenauso wie viele andere Strukturen der unteren Kopf- und oberen Halsregion entsteht auch die Zunge u.a. aus dem Material der SchlundbögenSchlundbögenZungenentwicklung (Kap. 5.1). Grob kann man dabei die vorderen zwei Drittel der Zungenschleimhaut, die aus dem 1. Schlundbogen entstehen, vom hinteren Drittel der Zungenschleimhaut unterscheiden, das sich aus dem Material des 2.–4. Schlundbogens entwickelt (Abb. 6.13). Aus diesem Grund ist die Nervenversorgung der Zungenschleimhaut recht kompliziert, da sich daran alle vier Schlundbogennerven beteiligen (s.u.).
Die Grenze zwischen den vorderen zwei Dritteln und dem hinteren Drittel der Zunge bildet die V-förmige Grenzfurche (Sulcus Sulcus/Sulciterminalisterminalis). Die Schilddrüse entwickelt sich aus dem Zungenepithel und wandert nach unten in ihre endgültige Position; ihre Abgangsstelle ist an der Spitze des nach hinten weisenden „V“ des Sulcus terminalis noch als „blindes Loch“ (Foramen Foramencaecumcaecum) zu erkennen.

Fachbegriffe

Foramen caecum foramen (lat.): Loch, und caecum: Neutrumform von caecus (lat.): blind

Sulcus terminalis sulcus (lat.): Furche, Rinne; terminalis (lat.): begrenzend, Grenz-

Zunge
Die ZungeZunge (LinguaLingua, GlossaGlossa) ist ein schleimhautüberzogener Muskelkörper, der am Mundboden befestigt ist und eine Reihe wichtiger Funktionen im Zusammenhang mit der Lautbildung, mit der Nahrungsaufnahme und -verarbeitung sowie als Sinnesorgan aufweist.

Fachbegriffe

corpus (lat.): Körper, apex (lat.): Spitze, radix (lat.): Wurzel

glossa (lat., griech.): Zunge

lingua (lat.): Zunge, Sprache (vgl. engl. language!); linguae = Genitiv

Zungenaufbau
Die Zunge besteht anatomisch gesehen aus folgenden Organabschnitten oder -anteilen (Abb. 6.14):
  • Zungenkörper (Corpus linguaeCorpuslinguae)

  • Zungenspitze (Apex linguaeApex linguae)

  • Zungenwurzel (Radix linguaeRadix linguae)

Die ZungenwurzelZungenwurzel wird auch als ZungengrundZungengrund bezeichnet. Sie ist nur mithilfe eines eingeführten Spiegels genau zu betrachten. Die Zungenwurzel setzt sich zum Rachen und zum Kehldeckel fort (Abb. 4.15). In ihrer Schleimhaut befindet sich die Zungenmandel (Tonsilla lingualis, Kap. 4.6.4).
Die bei normaler Zungenlage zum Gaumen gerichtete gesamte Oberfläche der Zunge wird bei anatomischer Definition als ZungenrückenZungenrücken (Dorsum linguaeDorsum linguae) bezeichnet. Er erstreckt sich von der Zungenspitze über die seitlichen Zungenränder bis zur Grenzfurche (Sulcus terminalis) und zum blinden Loch (Foramen caecum) (Abb. 6.13). Die individuell unterschiedlich stark ausgeprägte Furche, die den Zungenrücken in Längsrichtung in zwei spiegelbildlich gleiche Hälften unterteilt, wird Mittelfurche (Sulcus medianusSulcus/Sulcimedianus) genannt.
Die Zungenunterfläche wird erst bei hochgehobener Zunge sichtbar (Abb. 6.9). Dort findet sich auch das ZungenbändchenZungenbändchen (Frenulum linguaeFrenulumlinguae).
In der Phonetik findet sich unter Berücksichtigung funktioneller Aspekte (Kap. 6.3) eine teilweise abweichende Gliederung der Zunge:
  • Das ZungenblattZungenblatt (LaminaLamina) umfasst etwa das vordere Drittel des Zungenkörpers unter Auslassung der Zungenspitze und unter Einbeziehung der Seitenränder.

  • Zungenspitze und Seitenränder der Zunge werden unter dem Begriff ZungenkranzZungenkranz (KoronaKorona) zusammengefasst.

  • Der Zungenrücken (Dorsum) entspricht etwa dem mittleren Drittel des Zungenkörpers.

Fachbegriffe

Dorsum (lat.): Rücken

Frenulum (lat.): Bändchen

Korona corona (lat.): Saum, Kranz

Lamina (lat.): Blatt, Platte

medianus (lat.): in der Mitte stehend, mittig, in der Mittelebene

Sulcus (lat.): Furche

Zungenschleimhaut
ZungenschleimhautZur besseren Anpassung an mechanische Anforderungen und zur Oberflächenvergrößerung bildet die Schleimhaut des Zungenrückens unterschiedlich geformte warzenartige Gebilde, die entsprechend ihrer Gestalt als Wall-, Blatt-, Faden- und Pilzpapillen bezeichnet werden. Die WallpapillenWallpapillen sind mit bloßem Auge erkennbar, sie stehen parallel vor dem Sulcus terminalis (Abb. 6.14). Die unterschiedlichen Papillen spielen auch eine Rolle bei der Geschmackswahrnehmung (s.u.).
Die Zungenschleimhaut enthält zahlreiche sensible Nervenendigungen, die der Wahrnehmung von Berührung, Schmerz und Temperatur dienen. Die Zunge ist deshalb auch als ein hochempfindliches Tastorgan anzusehen, das in der Lage ist, Gegenstände durch Betasten zu erkennen (StereognosieStereognosie).

Fachbegriffe

N. lingualis N.: Abkürzung für Nervus (lat.): Nerv, lingualis (lat.): zur Zunge gehörig

Stereognosie stereos (griech.): räumlich und -gnosie (griech. gnosis): Erkenntnis, Wissenschaft

ZungeInnervationDie sensiblen Nerven des Zungenrückens entstammen dem N. lingualisNerv(-us, -i)lingualis, einem Ast des N. mandibularis, dem dritten Ast des N. trigeminus (5. Hirnnerv, Kap. 7.11.2). Der N. trigeminus stellt gleichzeitig den 1. Schlundbogennerven dar (Zungenentwicklung). Die Schleimhaut des Zungengrunds wird vom N. glossopharyngeus und vom N. vagus sensibel versorgt; dabei handelt es sich um den 9. und 10. Hirnnerven bzw. um die Nerven des 3. und 4. Schlundbogens (Kap. 7.11.4 und Kap. 7.11.5; der Nerv des 2. Schlundbogens, der N. facialis, ist für die Geschmackswahrnehmung der vorderen zwei Drittel der Zunge verantwortlich).
Zungenmuskeln
ZungenmuskelnAbgesehen von der bedeckenden Schleimhaut besteht die Zunge hauptsächlich aus quergestreifter Skelettmuskulatur sowie zu einem geringeren Teil aus Bindegewebe und Drüsen. Teile des Zungenbindegewebes bilden kräftige Platten, die sich zum einen horizontal angeordnet am Zungenrücken direkt unter der Schleimhaut befinden, zum anderen in Längsrichtung von vorne nach hinten verlaufen und die Zunge im Inneren in zwei spiegelbildlich symmetrische Hälften teilt. Ein Teil der Zungenmuskeln setzt an diesen Bindegewebsplatten an.
Die Muskulatur der Zunge lässt sich zunächst grob in Binnenmuskeln, die nur innerhalb der Zunge verlaufen, und Außenmuskeln gliedern, die von benachbarten Skelettteilen entspringen und von außen in die Zunge einstrahlen (zur Übersicht Tab. 6.3). Die Binnenmuskeln dienen überwiegend der Verformbarkeit, die Außenmuskeln der Beweglichkeit der Zunge. Alle Zungenmuskeln werden vom 12. Hirnnerven, dem Unterzungennerv (N. hypoglossusNerv(-us, -i)hypoglossus), innerviert (Kap. 7.11.6).
Die wichtigsten Außenmuskeln der Zunge sind (Abb. 6.15):
  • Kinn-Zungen-Muskel (M. genioglossus)Musculus/Musculigenioglossus

  • Zungenbein-Zungen-Muskel (M. hyoglossus)Musculus/Musculihyoglossus

  • Griffelfortsatz-Zungen-Muskel (M. styloglossus)Musculus/Musculistyloglossus

Fachbegriffe

genio- (griech. geneion): Kinn

-glossus (lat., griech. glossa): Zunge

hyo- aus Os hyoideum (lat.): Zungenbein

hypo- (griech.): unter

stylo- aus Processus styloideus (lat.): Griffelfortsatz (ein griffelförmiger Knochenvorsprung der Schädelbasis)

Die drei genannten Außenmuskeln entspringen von den genannten Skelettteilen und ziehen in das Zungeninnere. Die Hauptfunktion des M. genioglossus ist es, die Zunge nach vorne zu ziehen. Der M. hyoglossus zieht die Zunge nach hinten unten, der M. styloglossus nach hinten oben.
Die Binnenmuskeln der Zunge verlaufen in Längs- und Querrichtung sowie auch vertikal. Sie dienen der Verformbarkeit der Zunge in allen drei Raumrichtungen. Die längs verlaufenden Binnenmuskeln verkürzen die Zunge in Längsrichtung, die quer verlaufenden Muskeln verkürzen sie in Querrichtung, machen sie also „schmaler“. Die vertikal verlaufenden Muskelbündel machen die Zunge flacher.
Ungewöhnlich ist, dass sich die Zunge als einziges quergestreiftes Skelettmuskelsystem bei einer Kontraktion nicht nur verkürzen, sondern auch verlängern kann. Durch gleichzeitige Kontraktion der quer und vertikal verlaufenden Binnenmuskeln wird die Zunge nach vorne hin verlängert und kann herausgestreckt werden (kann man sich z.B. an einem Luftballon deutlich machen).
Die Zunge spielt nicht nur eine große Rolle bei der Lautbildung, bei der Nahrungsaufnahme und als Sinnesorgan, sondern ist auch entscheidend wichtig für den Saugakt. Voraussetzung für diesen ist die Versteifung der Wangen durch den Wangenmuskel (M. buccinator, Kap. 6.2.2) und der gasdichte Verschluss der Mundöffnung um die Brustwarze herum (oder um den Sauger eines Fläschchens) durch den Mundringmuskel (M. orbicularis oris, Kap. 6.2.2). Die Zunge verformt sich dann wie ein Stempel in der Mundhöhle, der nach hinten gerichtet den erforderlichen Unterdruck erzeugt.

Klinik

Lähmung des N. hypoglossus (sog. Hypoglossus-Lähmung)

Hypoglossus-LähmungFällt der 12. Hirnnerv für die Versorgung der Zungenmuskeln auf einer Seite aus, weicht die Zunge beim Versuch des Herausstreckens zur Seite der Lähmung ab, weil die Sonderfunktion der Zunge, sich zu verlängern, auf der gelähmten Seite ausgefallen ist. Die Lautbildung und die Nahrungsaufnahme sind dadurch behindert. Bei einer beidseitigen Lähmung kann die Zunge überhaupt nicht mehr herausgestreckt werden. Die Beeinträchtigungen für den Patienten sind dann erheblich.
Geschmacksorgan
Die Zungenschleimhaut ist neben ihren sonstigen Funktionen auch Träger des GeschmacksorganGeschmacksorgans. Die Geschmackswahrnehmung findet an den sog. GeschmacksknospenGeschmacksknospen statt, die sich im Epithel der Zungenpapillen befinden. Darüber hinaus existieren auch noch einige freie Nervenendigungen mit entsprechenden Fähigkeiten. In den Geschmacksknospen haben sich Epithelzellen zu besonderen Sinnes- und Stützzellen umgewandelt, die verschiedene Geschmacksstoffe wahrnehmen können. Diese Informationen werden ebenfalls dem Nervensystem zugeleitet.
Die Unterscheidung verschiedener Geschmacksstoffe beschränkt sich auf fünf Geschmacksqualitäten, die auf unterschiedlichen Regionen der Zunge wahrgenommen werden: süß, sauer, salzig und „umami“ (entspricht dem Chinagewürz, fleischbrühenähnlich) werden im Bereich der Zungenspitze und des seitlichen Zungenrandes wahrgenommen, bitter im Bereich der Wallpapillen des Sulcus terminalis. Das Vorhandensein weiterer Geschmacksqualitäten (z. B. fettig) wird diskutiert, ist aber noch nicht ausreichend gesichert.
Die Wahrnehmung bitterer Stoffe, die i.d.R. giftig oder zumindest unbekömmlich sind, ist nach hinten verlagert. Damit kann dann ggf. über entsprechende Nerven noch ein Würg- und Brechreflex ausgelöst werden.
Die Geschmackswahrnehmungen der vorderen zwei Drittel der Zunge (süß, sauer, salzig, umami) werden über einen Ast des 7. Hirnnerven (N. facialis, Kap. 7.11.3) zum Gehirn geleitet. Die Geschmacksqualität „bitter“ wird im hinteren Zungendrittel über den 9. Hirnnerv (N. glossopharyngeus, bei Kindern teilweise zusätzlich auch noch über den 10. Hirnnerv, N. vagus, weitergeleitet; Kap. 7.11.4, Kap. 7.11.5).
Die zahlreichen unterschiedlichen Drüsen der Zungenschleimhaut dienen nicht nur dem Befeuchten der Nahrung und ihrer besseren Gleitfähigkeit, sondern auch dem Herausspülen der Geschmacksstoffe, um den Geschmacksknospen neue Sinneswahrnehmungen möglich zu machen.

Gaumen, Gaumenbögen und Schlundenge

Die Entstehung des GaumenGaumens ist ein komplizierter Prozess, der mit der Gesichtsentwicklung eng verbunden ist. Fehlbildungen in diesem Bereich (Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten) sind relativ häufig. Patienten mit solchen Fehlbildungen benötigen neben v.a. kieferorthopädischen und chirurgischen Behandlungen meist auch eine Versorgung durch Sprachtherapeuten. Um die Anatomie des Gaumens und der umliegenden Gesichtsregion genauso wie die Entstehung der entsprechenden Fehlbildungen zu verstehen, sind etwas genauere Kenntnisse über die Entwicklungsvorgänge in diesem Bereich erforderlich.
Übersicht über die Gesichtsentwicklung
GesichtsentwicklungEs ist sinnvoll, den Abschnitt „Entwicklung“ im Kap. 6.2.1 „Kiefergelenk und Kaumuskeln“ noch einmal durchzuarbeiten (Abb. 6.1).
Aus dem Material des ersten Schlundbogens entstehen im Bereich des späteren Oberkiefers zunächst die paarigen Oberkieferwülste. Dazwischen schiebt sich von oben der Stirnfortsatz als weiterer, unpaarer Wulst. An jedem seitlichen Ende des Stirnfortsatzes (Abb. 6.16a) bilden sich ein innerer (medialer) und äußerer (lateraler) Nasenwulst aus. Diese Nasenwülste begrenzen die Riechgruben, die die Position der späteren Nasenlöcher darstellen (Abb. 6.16b).
Die beiden Oberkieferwülste wachsen zur Mitte hin, drücken dabei die medialen Nasenwülste zunächst zusammen und verschmelzen anschließend mit ihnen. Dabei bildet sich die Oberlippe in ihrer endgültigen Form.
Die Philtrum genannte Einbuchtung in der Mitte der Oberlippe zeigt noch die Position der zusammengedrückten und in der Mitte verschmolzenen medialen Nasenwülste an (Abb. 6.16c). Zwischen Oberkieferwulst und lateralem Nasenwulst befindet sich die TränennasenfurcheTränennasenfurche, aus der sich der Tränennasenkanal entwickelt (Abb. 6.16c). Über ihn wird die überschüssige Tränenflüssigkeit aus den Augen zum unteren Nasengang abgeleitet (Kap. 4.5.4). Nach Ausbildung des Kanals verschmelzen Oberkieferwülste und laterale Nasenwülste miteinander. In ihnen entsteht das knöcherne Skelett der Wangenregion und des Oberkiefers.

Fachbegriffe

Philtrum (lat.) (griech. philtron): Einbuchtung der Lippe, im alten Griechenland als „Liebeszauber“ angesehen

Die Nase entsteht durch Verschmelzung des Stirnfortsatzes und der medialen und lateralen Nasenwülste. Aus dem Stirnfortsatz und den medialen Nasenfortsätzen bilden sich die Nasenwurzel, der Nasenrücken und die Nasenspitze. Aus den lateralen Nasenfortsätzen bilden sich die seitlichen Nasenflügel (Abb. 6.16).
Entwicklung des Gaumens
GaumenentwicklungAus dem Material der medialen Nasenwülste entstehen nicht nur Anteile der Oberlippe und der Nase, sondern in der Tiefe auch der Abschnitt des Oberkiefers mit den vier Schneidezähnen und ein vorderer dreieckiger Anteil des Gaumens, den man primären Gaumen nennt.
Der größte Teil des endgültigen Gaumens entwickelt sich jedoch aus den Oberkieferwülsten. Ursprünglich sind Nasen- und Mundhöhle noch nicht voneinander getrennt (Abb. 6.17b). Von den Oberkieferwülsten wachsen horizontal verlaufende Gewebeplatten (die sog. GaumenplattenGaumenplatten) in der Ebene des späteren Gaumens aufeinander zu und verschmelzen zum sekundären Gaumen. Gleichzeitig wächst das NasenseptumNasenseptum als Leiste vom Dach der Nasenhöhle nach unten und verschmilzt mit den verwachsenen Gaumenplatten. Zusätzlich vereinigen sich die beiden Gaumenplatten im vorderen Bereich mit dem primären Gaumen (Abb. 6.17a, c).
Durch diese Verschmelzungsvorgänge werden der primäre und der sekundäre Gaumen zum endgültigen Gaumen vereinigt, die beiden Nasenhöhlen werden voneinander getrennt, ebenso die Nasenhöhlen von der Mundhöhle.
Die Stelle, an der der primäre Gaumen mit den beiden Gaumenplatten des sekundären Gaumens verschmilzt, bleibt am Skelett des definitiven Gaumens als SchneidezahnlochSchneidezahnloch (Foramen incisivumForamenincisivum) bestehen. Hier ziehen Blutgefäße und Nerven durch. Allerdings ist diese Öffnung durch Nasen- bzw. Mundschleimhaut verschlossen (Abb. 6.17a).

Fachbegriffe

Foramen (lat.): Öffnung, Loch

incisivum Neutrum von incisivus (lat.): Schneidezahn

Septum (lat.): Scheidewand

Klinik

Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten

Lippen-Kiefer-Gaumen-SpaltenIm gesamten Verschmelzungsbereich der medialen Nasenwülste mit den Oberkieferwülsten bzw. den von ihnen ausgehenden Gaumenplatten kommen relativ häufig Entwicklungsstörungen vor, bei denen die Verschmelzungen ganz oder teilweise unterbleiben. Dadurch kommt es zu Fehlbildungen im Bereich des Gesichts, des Oberkiefers und des Gaumens, die nicht nur ästhetische Probleme mit sich bringen, sondern auch die Atmung und die Nahrungsaufnahme, vor allem aber die Lautbildung beeinträchtigen können.
Die Abb. 6.18 zeigt schematisch die wichtigsten SpaltbildungenSpaltbildungen. Wenn der Oberkieferwulst ungenügend mit dem medialen Nasenwulst verschmilzt, kommt es zu Spaltbildungen im Bereich der Oberlippe, des Oberkiefers und des primären Gaumens. Diese Spalten können ein- oder beidseitig auftreten und reichen bis maximal zum Foramen incisivum (Abb. 6.18b, c, d).
GaumenspalteBei einer ungenügenden Verschmelzung der Gaumenplatten der Oberkieferwülste kommt es zu Spaltbildungen im Gaumen, die hinter dem Foramen incisivum liegen (Abb. 6.18e). In schweren Fällen treten auch Kombinationen der Spaltbildungen auf (Abb. 6.18f).
Harter und weicher Gaumen
Der Gaumen bildet gleichzeitig den Boden der Nasenhöhlen und das Dach der Mundhöhle (Abb. 6.19). Die vorderen zwei Drittel des Gaumens weisen eine knöcherne Grundlage auf, die von Schleimhaut bedeckt ist. Dieser Teil des Gaumens wird als harter Gaumen (GaumenharterPalatum durum) Palatumdurumbezeichnet. Der harte Gaumen wird von einer Schleimhaut bedeckt, die – ähnlich wie das Zahnfleisch – nicht verschieblich ist, sondern fest mit dem Knochen verwachsen ist.

Fachbegriffe

durum Neutrum von durus (lat.): hart

molle Neutrum von mollis (lat.): weich

Palatum (lat.): Gaumen

Uvula (lat.): Zäpfchen

Velum (lat.): Segel, palatinum Neutrumform von palatinus (lat.): zum Gaumen gehörig

Die Grundlage des weichen Gaumens Gaumenweicher(Palatum molle),Palatummolle der wegen seiner Form und Beweglichkeit auch als Gaumensegel (GaumensegelVelum palatinum),Velumpalatinum oft auch nur als „Velum“ bezeichnet wird, sind Skelettmuskeln und eine Sehnenplatte, in die die Muskeln einstrahlen. Das Gaumensegel setzt sich nach hinten unten in das Zäpfchen (ZäpfchenUvula) Uvulafort (Abb. 4.15, Abb. 6.7, Abb. 6.19).
Die Gaumenschleimhaut v.a. im hinteren Bereich des harten Gaumens sowie im gesamten Bereich des weichen Gaumens und des Zäpfchens enthält zahlreiche Schleimdrüsen („GaumendrüsenGaumendrüsen“), deren Sekret die Aufgabe hat, feste, zerkleinerte Nahrung gleitfähig zu machen.
Das Gaumensegel enthält als muskuläre Grundlage zwei paarige und einen unpaaren Muskel. Die beiden paarigen Muskel sind der Gaumensegelspanner (GaumensegelspannerM. tensor veli palatiniMusculus/Musculitensor) und der Gaumensegelheber (M. levator veli palatiniMusculus/Musculilevator(es)). Beide Muskeln entspringen von Knochenelementen der Schädelbasis und ziehen von oben/seitlich in das Gaumensegel ein. Bei ihrer Kontraktion wird das Gaumensegel quer gespannt und angehoben. Damit spielt das Gaumensegel eine wichtige Rolle beim Schluckakt (Kap. 6.4), aber auch bei der Artikulation (Kap. 6.3).
Der Gaumensegelspanner ist mit einigen Fasern auch an der Außenwand der Ohrtrompete angeheftet, sodass bei Kontraktion dieses Muskels z.B. beim Schlucken oder Gähnen das Mittelohr belüftet wird (Kap. 8.6.6).
Muskuläre Grundlage des Zäpfchens ist der Zäpfchenmuskel (ZäpfchenmuskelM. uvulae),Musculus/Musculiuvulae der sich bei Kontraktion in Längsrichtung zusammenzieht und dadurch zur Absonderung von Schleim aus den umliegenden Drüsen sorgt.

Fachbegriffe

M. tensor (lat.): anspannend, „M. tensor“: Spannmuskel, Spanner

M. levator (lat.): hebend, „M. levator“: Hebemuskel, Heber

uvulae Genitiv von uvula (lat.): Zäpfchen

veli palatini Genitiv von velum palatinum (lat.): Gaumensegel

Die Innervation der Muskeln des Gaumensegels ist kompliziert, da die einzelnen Muskeln aus unterschiedlichen Schlundbögen stammen. Der M. tensor veli palatini ist entwicklungsgeschichtlich zu den Kaumuskeln zu rechnen und wird vom 3. Ast (N. mandibularis) des 5. Hirnnerven (N. trigeminus) versorgt (Kap. 6.2.1, Kap. 7.11.2). Der M. levator veli palatini und der M. uvulae werden in wechselndem Ausmaß vom 9. (N. glossopharyngeus) und 10. (N. vagus) Hirnnerv innerviert (Kap. 7.11.4, Kap. 7.11.5).

Klinik

Schnarchen

SchnarchenDer Spannungszustand („Tonus“) des Gaumensegels kann z.B. beim Schlafen so weit sinken, dass es – vor allem in Rückenlage – auf die Rachenschleimhaut absinkt. Beim Einatmen mit geöffnetem Mund flattert das Gaumensegel dann geräuschvoll im Luftstrom.
Gaumenbögen und Schlundenge
Die Mundhöhle setzt sich nach hinten über die Schlundenge (SchlundengeIsthmus faucium) Isthmus fauciumin den mittleren Rachenabschnitt fort (Abb. 6.20). Die untere Begrenzung der Schlundenge bildet die Zungenwurzel, die obere Begrenzung das Gaumensegel mit dem Zäpfchen.
Die seitliche Begrenzung der Schlundenge wird von den beiden schleimhautüberzogenen Gaumenbögen Gaumenbögengebildet, die sowohl nach oben in das Gaumensegel als auch nach unten in die Zunge einstrahlen. Zwischen den beiden Gaumenbögen befindet sich die Mandelgrube Mandelgrubeoder Tonsillarbucht, Tonsillarbuchtdie die Gaumenmandel (GaumenmandelTonsilla palatina) Tonsillapalatinaenthält.

Fachbegriffe

faucium Genitiv Plural von fauces (lat.): Schlund (das lat. Wort kommt nur im Plural vor)

Isthmus (lat.) aus isthmos (griech.): schmale Verbindung, eigentlich „Landenge“

Tonsilla (lat.): Mandel, palatina (lat.): zum Gaumen gehörig

Der vordere Gaumenbogen (Arcus palatoglossus) Arcuspalatoglossusbesitzt als muskuläre Grundlage den Gaumen-Zungen-Muskel (Gaumen-Zungen-MuskelM. palatoglossus),Musculus/Musculipalatoglossus der bogenförmig vom Gaumensegel zur Zungenwurzel zieht. Dieser Muskel begrenzt beim Schluckakt die Ausmaße des Bissens, der geschluckt werden soll („der Muskel schneidet den Bissen ab“).
Der hintere Gaumenbogen (Arcus palatopharyngeus) Arcuspalatopharyngeuswird vom Gaumen-Rachen-Muskel (Gaumen-Rachen-MuskelM. palatopharyngeus) Musculus/Musculipalatopharyngeusaufgeworfen, der als stärkster Schlundheber anzusehen ist (Kap. 4.6.2), aber auch eine Hebung des Kehlkopfs unterstützt.

Fachbegriffe

Arcus (lat.): Bogen

palato- (lat.): zum Gaumen gehörig, -glossus (lat.): zur Zunge gehörig, -pharyngeus (lat.): zum Rachen gehörig

Der M. palatoglossus zählt noch zu den Zungenmuskeln und wird deshalb vom N. hypoglossus innerviert (Kap. 6.2.4), der M. palatopharyngeus wird vom zehnten Hirnnerven, dem N. vagus (Kap. 7.11.5), versorgt.

Artikulation

Die Stimmbildung (Phonation) erfolgt durch das Stimmorgan Kehlkopf (Kap. 5). Die Lautbildung (ArtikulationLautbildungArtikulation) oder allgemein ausgedrückt das Sprechen Sprechenfindet hingegen mithilfe der Artikulationsorgane im Ansatzrohr und an seinen Öffnungen (Kap. 5.3.2) statt. Wie schon erwähnt, existieren nicht nur erhebliche individuelle Unterschiede bezüglich des anatomischen Aufbaus des Ansatzrohrs und seinen Öffnungen bei den einzelnen Menschen, sondern es kann auch die Form des Ansatzrohrs einer Person mithilfe der Muskeln in den Weichteilen dieser Region stark verändert werden.

Fachbegriffe

Artikulation (lat. articulatio): Gelenk, aber auch gegliederter Vortrag, Gliederung des Gesprochenen, hier: Lautbildung

Formant (lat. formare): bilden, hier: charakteristischer Teilton eines Lautes

Konsonant (lat. consonans): mitlautend (Hemmlaut, Mitlaut; dabei Hemmung oder Einengung der Ausatemluft)

Vokal (lat. vocalis): stimmreicher, tönender Buchstabe (Öffnungslaut, Selbstlaut)

Bei der Lautbildung wird zwischen Selbstlauten (Vokalen)Vokale und Mitlauten (Konsonanten) Konsonantenunterschieden. Die Bildung der Vokale und Konsonanten der deutschen Sprache soll im Folgenden nur kurz beschrieben werden; für Details sei auf entsprechende Lehrbücher der Phonetik verwiesen.
Die entscheidenden Artikulationsorgane für die Bildung der Vokale sind die Lippen, die Zunge und der weiche Gaumen mit dem Zäpfchen. Dadurch wird die Mundhöhle als Resonanzraum unterschiedlich geformt (Abb. 6.21). Zusätzlich unterscheiden sich bei der Bildung der einzelnen Vokale auch noch die Position des Kehlkopfs, der z.B. bei „i“ hoch und bei „u“ tief steht, sowie die Stellung des Kiefergelenks.
Besonders die Klangfarbe der Vokale wird durch Formanten (FormantenTeiltöne, TeiltönePartialtöne) Partialtönecharakterisiert, da die Vokale Klänge sind, die aus Grundtönen und einer Reihe harmonischer Obertöne gebildet werden. Auch bei Konsonanten werden Formanten beschrieben; allerdings stehen die Frequenzen der Teiltöne nicht in einfachen mathematischen Verhältnissen zueinander wie bei den Vokalen.
Konsonanten werden folgendermaßen gebildet:
  • Die Ausatemluft wird durch Engstellen des Luftweges hindurchgeleitet.

  • Die Ausatemluft wird an Engstellen des Luftweges vorbeigeleitet.

  • Verschlossene Bereiche des Luftweges werden aufgesprengt.

Hierzu werden die Artikulationsorgane Zunge, Lippen, Wangen, weicher Gaumen mit Zäpfchen und die Glottis eingesetzt. Auch das differenzierte Heben und Senken des Unterkiefers spielt bei der Artikulation eine Rolle.
Konsonanten, die im Wesentlichen durch die Lippen gebildet werden, bezeichnet man als Labiale (LabialeLippenlaute).Lippenlaute Wird die Lautbildung durch das Zäpfchen durchgeführt, spricht man von Uvularen Uvulare(ZäpfchenlautenZäpfchenlaute). Erfolgt die Lautbildung durch Muskelbewegungen im Bereich der Stimmritze, werden diese Laute als Glottale Glottaleoder Laryngeale (LaryngealeStimmlippen- Stimmlippenlautebzw. Kehlkopflaute) Kehlkopflautebezeichnet.
Die Zunge ist in erheblichem Umfang als Artikulationsorgan tätig. Dabei unterscheidet man die Zungenlaute Zungenlautedifferenziert nach dem Zungenabschnitt, der als Artikulationsorgan tätig ist (Kap. 6.2.4):
  • Zungenspitze: Apikale

  • ApikaleZungenblatt: Laminale (Laminaledamit ist der vordere Abschnitt des Zungenkörpers gemeint, etwa das vordere Drittel der gesamten Zunge, allerdings ohne die Zungenspitze)

  • Zungenspitze und Seitenränder des Zungenkörpers: KoronaleKoronale

  • Zungenrücken (befindet sich hinter dem Zungenblatt, entspricht etwa dem mittleren Drittel der Zunge): Dorsale (Dorsaleteilweise auch noch weiter nach vorderer, mittlerer und hinterer Oberfläche des Zungenrückens unterschieden)

Fachbegriffe

Apikale apex (lat.): Spitze

Dorsale dorsum (lat.): Rücken

Koronale corona (lat.): Kranz

Laminale lamina (lat.): Blatt, Platte

Die genannten Artikulationsorgane bewegen sich bei der Lautbildung an die Stelle, wo der Laut gebildet wird (Lippen, Zunge, Gaumensegel), oder verändern am Artikulationsort ihre Muskelspannung (Zäpfchen, Glottis). Diese Stelle bezeichnet man als Artikulationsstelle oder Artikulationsort. Nach ihren Artikulationsorten Artikulationsorteunterscheidet man folgende Laute:
  • Lautbildung an den Lippen (Ober- und Unterlippe berühren sich bzw. bilden einen festen Verschluss): Bilabiale (Bilabialeteilweise auch Labiale genannt), z.B. [b, m, p]

  • Lautbildung an Lippen und Zähnen: Labiodentale, Labiodentalez.B. [f, pf, w]

  • Lautbildung an den sog. Zahntaschen: Alveolare, Alveolarez.B. [d, l, n, s, t, ts, z]; der Begriff „Zahntasche“ Zahntascheund die Übersetzung „Alveole“ entspricht nicht den in der Anatomie oder Zahnmedizin üblichen Definitionen; in der Zahnmedizin wird der Begriff Zahnfleischtasche für den Spaltraum zwischen Zahnfleisch (Gingiva) und Zahnhals verwendet; die Alveole ist die blasenartige Vertiefung im Kiefer für die Aufnahme der Zahnwurzel und des Zahnhalteapparats; evtl. ließe sich der Begriff Alveole als „Tasche“ übersetzen; die Lautbildung findet jedoch nicht an den Alveolen, sondern am Zahnfleisch (Gingiva) statt, sodass „Alveolare“ eigentlich korrekt als „Gingivale“ bezeichnet werden müssten.

  • Lautbildung am Übergang von den „Zahntaschen“ zum harten Gaumen: Postalveolare Postalveolarebzw. Palatoalveolare, Palatoalveolarez.B. [sch, tsch]

  • Lautbildung am harten Gaumen: Palatale, Palatalez.B. [ch wie in weich, j]

  • Lautbildung am weichen Gaumen = Gaumensegel: Velare, Velarez.B. [ch wie in Rachen, g, k, nasales ng]

  • Lautbildung am Zäpfchen: Uvulare, z.B. [gerolltes r]

  • Lautbildung in der Stimmritze: Glottale, z.B. [h]

Fachbegriffe

Alveolare alveolus (lat.): kleine Vertiefung, Mulde, „Fach“; Postalveolare: von post- (lat.): hinter; Palatoalveolare: aus palatum (lat.): Gaumen

Bilabiale, Labiale bi- (lat.): zweimal, labiale (lat. labia): Lippe

Glottale (lat. glottis): Verschlussapparat der Stimmritze

Labiodentale labio- (lat. labia): Lippe und -dentale (lat. dens): Zahn

Palatale palatum (lat.): Gaumen

Uvulare (lat. uvula): Zäpfchen

Velare velum (lat.): Segel (gemeint ist das Gaumensegel, Velum palatinum)

Konsonanten können stimmlos oder stimmhaft sein. Stimmlose Laute (ch, f, h, k, p, s, sch, t) entstehen als reine Geräusche an den Artikulationsstellen, während stimmhafte Konsonanten (z.B. l, m, n) Klanggemische darstellen, bei denen in unterschiedlichem Umfang auch noch der durch den Kehlkopf erzeugte Stimmklang dazukommt.
Eine weitere Differenzierung der Laute erfolgt über ihren Bildungsmechanismus (Artikulationsmodus).Artikulationsmodus Man unterscheidet:
  • Vokal: Öffnungslaut, Öffnungslautz.B. [a, e, i, o u]

  • Plosiv: PlosivVerschlusslaut (VerschlusslautSprengung einer Verschlusszone des Ansatzrohrs), z.B. [b, d, g, k, p, t]

  • Frikativ: FrikativReibelaute (ReibelauteLuftaustritt durch Engstellen), z.B. [ch, f, h, j, s, sch, v, z]

  • Nasal: NasalLuftaustritt ausschließlich aus der Nasenhöhle, z.B. m, n, ng nasal]

  • Vibrant: VibrantLautbildung durch Vibrationen (Schwingungen) der Zungenspitze oder des Zäpfchens [r]

  • Lateral: LateralLuftaustritt entlang der Seitenränder der Zunge, wobei die Zungenspitze an den oberen „Zahntaschen“ liegt [l]

  • Affrikat: Affrikatverzögerte Lösung von Verschlusslauten, z.B. [pf, ts]

Fachbegriffe

Affrikat affricare (lat.): anreiben

Frikativ fricare (lat.): reiben

lateral (lat.): seitlich

Plosiv plodere (lat.): klatschen, schlagen (vgl. Explosion: „Herausklatschen“)

Vibrant vibrare (lat.): schwingen, zittern

Vokal vocalis (lat.): stimmreicher, tönender Laut (Öffnungslaut, Selbstlaut)

Schluckakt und Speiseröhre

Schluckakt

SchluckaktDer mittlere Abschnitt des Rachens (Mesopharynx; MesopharynxSchluckaktKap. 4.6.1) ist die Kreuzungsstation für den Atem- und Speisenweg. Nahrungselemente gelangen aus der Mundhöhle durch die Schlundenge zum Mesopharynx, von dort zum unteren Abschnitt des Rachens, dann über die Speiseröhre in den Magen. Die Atemluft gelangt i.d.R. über die Nasenhöhle in den Rachen, den sie vollständig passiert, bis sie im unteren Rachenbereich durch den Kehlkopfeingang die unteren Luftwege erreicht (Abb. 6.22).
Sicherungsmechanismen
Eine Berührung der Schleimhaut der oberen und unteren Atemwege mit Nahrungsteilchen wird als außerordentlich unangenehm empfunden; durch heftige Hustenstöße (als Reaktion auf ein „Verschlucken“) wird versucht, diese Nahrungsteilchen v.a. von der Kehlkopfschleimhaut wieder zu entfernen. Anlass für diesen Hustenreiz Hustenreizist die Erstickungs- und Infektionsgefahr, die beim Eindringen von Nahrungsteilchen in die unteren Atemwege besteht.
Aus diesem Grunde ist der Schluckakt mit einer Reihe von Schutzmechanismen verbunden, die verhindern sollen, dass Nahrungsteilchen in die oberen bzw. unteren Atemwege gelangen. Diese Sicherung des Schluckakts beruht beim Neugeborenen auf anatomischen, bei älteren Kindern und Erwachsenen auf funktionellen Mechanismen.
Unter anatomischer Sicherung des Schluckakts beim Neugeborenen ist zu verstehen, dass der Kehldeckel bis zum Zäpfchen reicht, sodass die Nahrung (i.d.R. die Milch) durch die beiden Schluckrinnen seitlich des Kehldeckels in die Speiseröhre gelangt. Dadurch ist das Neugeborene in der Lage, beim Trinken weiter zu atmen. Die Ausatemluft wird vorwiegend durch die Nasenhöhlen, nicht durch die Mundhöhle abgeleitet.
Da sich der Kehlkopf während der weiteren Entwicklung deutlich absenkt, muss diese anatomische Sicherung durch eine funktionelle Sicherung des Schluckakts bei älteren Kindern und Erwachsenen ersetzt werden. Dadurch ergibt sich dann die für das Sprechen und Singen essenzielle Fähigkeit, die Ausatemluft auch über die Mundhöhle abzugeben.
Beim sog. „Verschlucken“ gelangt der Bolus oder Teile davon nicht in die Speiseröhre, sondern in die Luftwege – bei der sog. Penetration (lat.: Eindringen) in den Bereich des Kehlkopfeingangs, bei der Aspiration (lat.: etwa „Einsaugen“) zwischen die Stimmlippen bzw. tiefer in die Atemwege.
Schluckreflex
Nur der Beginn des Schluckakts, bei dem der Bissen in den hinteren Bereich der Mundhöhle gelangt, ist dem Willen unterworfen. Alle weiteren Teilvorgänge werden reflektorisch durchgeführt, sodass man auch von Schluckreflex Schluckreflexspricht. Der eigentliche Transport des Bissens wird dann ebenso reflektorisch von Verschlussvorgängen der oberen und unteren Atemwege begleitet.
Der gesamte Schluckreflex ist so automatisiert und abgesichert, dass er auch beim Schlafen, bei Bewusstlosigkeit und sogar bei Ausfall des Großhirns noch funktioniert. So finden im Laufe von 24 Stunden zwischen 1000 und 3000 Schluckvorgänge statt. Hauptsächlich bei Erkrankungen oder Schädigungen im Bereich des unteren Hirnstamms (Kap. 7.9.8, Rautenhirn: dort befindet sich das sog. Schluckzentrum) Schluckzentrumist der Schluckreflex gefährdet. Es treten dann Schluckstörungen auf, die auch als Dysphagie Dysphagiebezeichnet werden. Diese können allerdings auch andere Erkrankungen als Ursache haben.
Ablauf des Schluckakts
Die Einzelvorgänge des Schluckakts sollen anhand der Abb. 6.23 besprochen werden:
  • a)

    In der Vorbereitungsphase (orale Vorbereitungsphase) wird ein schluckfähiger Bissen (der sog. Bolus) Bolusdurch Bewegungen der Kaumuskeln, der Zunge, der Wangen etc. sowie durch Einspeichelung erzeugt. Dieser wird manchmal auch noch eine präorale Phase vorgeordnet (Vorbereitung auf die Nahrungsaufnahme, Appetitanregung etc.).

  • b)

    Am Ende der Vorbereitungsphase wird die Mundbodenmuskulatur kontrahiert (Kap. 5.2.1, obere Zungenbeinmuskeln); dadurch erhält die Zunge ein Widerlager, mit dessen Hilfe sie den Bolus bei geschlossenen Lippen und angespannten Wangenmuskeln über den hinteren Rand des Gaumens hinausdrücken kann; in der Schleimhaut des Zungengrunds und der Hinterwand des Rachens befinden sich Nervenendigungen (Rezeptoren), die dann den eigentlichen Reflex auslösen (orale Transportphase).

Fachbegriffe

Bolus bolus (lat.) bzw. bolos (griech.): Klumpen

Dysphagie abgeleitet aus dys- (griech.): schlecht, krankhaft, und phagein (griech.): fressen, schlucken

Passavant Eigenname (deutscher Chirurg)

peristaltisch peristaltikos (griech.): wörtlich umfassend zusammendrückend; hier: aufeinanderfolgende Kontraktionen von Ringmuskeln in Hohlorganen, wodurch der Organinhalt weiter transportiert wird (v.a. auch im Darm zu beobachten)

Rezeptor recipere (lat.): aufnehmen

  • c)

    Im nächsten Schritt werden die oberen Luftwege, hier beginnend mit dem oberen Rachenabschnitt, reflektorisch vor dem Eindringen des Bolus geschützt; dabei kontrahieren sich die Gaumensegelmuskeln und spannen und heben das Gaumensegel in Richtung auf die Rachenhinterwand; durch gleichzeitige Kontraktion des Zäpfchenmuskels wird dem Bolus der weitere Weg über den Zungengrund durch herabfallende Schleimtropfen schlüpfrig gemacht; der obere Schlundschnürer (Kap. 4.6.2) verdickt sich zum sog. Passavant-Ringwulst, Passavant-Ringwulstder mit dem kontrahierten Gaumensegel zusammen den Verschluss der oberen Luftwege sichert.

  • d)

    Durch die Bewegung der Zunge wird der Bolus über den mittleren Rachenabschnitt hinaus in den unteren Rachenabschnitt befördert; dabei begrenzt der M. palatoglossus (Kap. 6.2.5) die Ausmaße des Bolus; am Kehlkopfeingang ist inzwischen die Sicherung der unteren Luftwege dadurch vollzogen worden, dass die schon unter b) beschriebene Kontraktion der Mundbodenmuskulatur den Kehlkopf angehoben hat; der Kehlkopf nähert sich dabei dem Zungenbein; dabei wird der Fettkörper zwischen der Zungenbein-Schildknorpel-Membran und dem Kehldeckel verformt (Abb. 5.6); durch diesen Verformungsprozess wird der obere Teil des Kehldeckels nach hinten unten gedrückt und der Kehlkopfeingang verschlossen; gleichzeitig wird der Kehldeckel dabei nach unten gezogen und es schließen sich die Stimmlippen.

  • e)

    Die Schlundheber, v.a. der M. palatopharyngeus (Kap. 6.2.5), heben sich dem Bolus entgegen; dabei erweitert sich der untere Rachenbereich, um den Bolus aufzunehmen, der dann über die Schluckrinnen beidseits des Kehldeckels Richtung Speiseröhre rutscht (vorher muss sich der sog. Ösophagusmund öffnen. (Kap. 6.4.2); der Bolus wird bei seinem Weg zum Magen durch peristaltische Bewegungen der Schlundschnürer und der Speiseröhrenmuskulatur in der Regel „in einem Rutsch“ bis zum Magen befördert. Die Vorgänge in c) bis e) lassen sich auch als pharyngeale Phase zusammenfassen.

  • f)

    Anschließend wird durch nachlassende Anspannung der genannten Muskeln der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt.

Speiseröhre

Die Speiseröhre (SpeiseröhreÖsophagus) Ösophagusbesteht ähnlich wie der Rachen innen aus einer Schleimhaut und außen aus einer muskulären Wand mit Ring- und Längsmuskeln. Sie weist beim Erwachsenen eine Länge von ca. 24–27 cm auf; in ihrem Verlauf unterscheidet man einen Halsabschnitt (Pars cervicalis),Parscervicalis (Ösophagus) einen Brustabschnitt (Pars thoracica) Parsthoracica (Ösophagus)und einen Bauchabschnitt (Pars abdominalis, Parsabdominalis (Ösophagus)Abb. 6.24). Die Muskeln der Speiseröhre werden vom 10. Hirnnerv, dem N. vagus (Kap. 7.11.5), versorgt, der für die Peristaltik der Speiseröhre verantwortlich ist.

Fachbegriffe

Ösophagus oesophagus (lat.), aus oisein (griech.): bringen und phagema (griech.): Speise

Pars (lat.): Teil, cervicalis (lat.): zum Hals gehörend, thoracica (lat.): zum Brustbereich gehörend, abdominalis (lat.): zum Bauch gehörend

Reflux refluere (lat.): zurückfließen

-sphinkter (griech. sphigkter): Zuschnürer, Schließmuskel

Die SpeiseröhreSpeiseröhreEngstellen weist in ihrem Verlauf drei sog. Engstellen auf, die sich an folgenden Stellen befinden (Abb. 6.24):
  • Obere Enge (Engstelle, auch Ringknorpelenge genannt): im Bereich des Ösophagusmunds (beim Erwachsenen maximaler Innendurchmesser 15 mm, engste Stelle der Speiseröhre insgesamt)

  • Mittlere Enge: auch Aortenenge Aortenengegenannt, da die Speiseröhre hier von der Aorta überkreuzt wird

  • Untere Enge: auch ZwerchfellengeZwerchfellenge genannt, da hier die Speiseröhre durch eine Öffnung des Zwerchfells hindurchtritt

Von Bedeutung sind auch die beiden Schließsysteme der Speiseröhre an ihrem Anfang bzw. Ende. Am Eingang der Speiseröhre befindet sich ein Schließsystem, der obere Ösophagussphinkter, Ösophagussphinkterder auch die erste der Engstellen des Ösophagus, den sog. Ösophagusmund im Bereich der Ringknorpelenge, Ösophagusmundhervorruft. Dieser muss beim Schluckakt geöffnet werden. Der obere Ösophagussphinkter wird gebildet aus:
  • M. cricopharyngeus (Musculus/Musculicricopharyngeuseinem Abschnitt des unteren Schlundschnürers, Kap. 4.6.2)

  • Obere Ringmuskelanteile der eigentlichen Ösophagusmuskulatur

  • Venengeflechte

Am unteren Ende der Speiseröhre und damit am Übergang zum Magen findet sich der sog. untere Ösophagussphinkter, dessen Verschluss folgendermaßen gebildet wird:
  • Kräftige Venengeflechte, die dicke Polster bilden

  • Scherengitterartige Muskelfasergeflechte, die allerdings keinen echten Sphinkter (ringartig angeordneten Schließmuskel) wie beim oberen Sphinkter bilden

Da der untere Verschluss hauptsächlich über die Blutfüllung der Venenpolster und die besondere Anordnung der Muskeln funktioniert, spricht man hier von einem „funktionellen“ Verschluss. Er soll das Zurücksteigen von Magensäure in die Speiseröhre („Reflux“,Reflux „saures Aufstoßen“, „Sodbrennen“)Sodbrennen verhindern.

Klinik

Refluxösophagitis, Refluxlaryngitis

Ist der Verschluss der Speiseröhre gegen den Magen nicht ausreichend, kommt es zum Aufsteigen von Magensäure in die Speiseröhre. Daraus kann sich eine Speiseröhrenentzündung (RefluxösophagitisÖsophagitis (durch Reflux)Ösophagitis) entwickeln, die u.U. sogar zu Stimmstörungen führen kann (RefluxlaryngitisLaryngitis (durch Reflux)Refluxlaryngitis).

Klinik

Zenker-Divertikel

Auch wenn das Zenker-Zenker-DivertikelDivertikel hier bei der Speiseröhre erwähnt wird, gehört es anatomisch dem Rachen an. Unter einem DivertikelDivertikel versteht man eine Aussackung eines Hohlorgans. Da sich bei diesem speziellen Divertikel je doch nur die Schleimhaut und das darunter liegende Bin-degewebe, nicht jedoch die umliegende Muskulatur ab der Aussackung beteiligt, ist es streng genommen als Pseudo-DivertikelPseudodivertikel zu bezeichnen.
Das Zenker-Divertikel kann sich speziell bei älteren Männern zwischen zwei Anteilen des M. cricopharyngeus (Teil des oberen Ösophagussphinkters) bilden. Zwischen diesen beiden Anteilen befindet sich eine dreieckige Region (sog. Killian-Killian-DreieckDreieck) ohne stärkere Muskelanteile, die sich als Folge von Funktionsstörungen des oberen Sphinkters meist nach links aussacken kann. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu Schluckbeschwerden durch Nahrungsreste, die sich im Divertikel sammeln. Für weitere Details s. Lehrbücher der Dysphagie.
Divertikel abgeleitet von diverticulum (lat.) Aussackung
Killian Eigenname (deutscher Arzt)
Zenker Eigenname (deutscher Arzt)

Zusammenfassung

Die Artikulationsorgane sind ursprünglich Organe des Verdauungstrakts; beim Menschen werden sie zusätzlich zur Lautbildung (also zum Sprechen) eingesetzt; dazu erfolgt eine spezielle Steuerung und Koordination der Muskeln durch das Nervensystem.

Im Kiefergelenk (Articulatio temporomandibularis) bilden der Gelenkfortsatz des Unterkiefers und die Unterkiefergrube des Schläfenbeins ein Schiebe-Scharnier-Gelenk, das in der Gelenkhöhle einen Discus enthält. Die Funktionen des Kiefergelenks bestehen im Heben und Senken, Vor- und Zurückschieben des Unterkiefers sowie in kombinierten Bewegungen.

Die Hauptfunktion der Kaumuskeln besteht im Heben des Unterkiefers (Kieferschluss); diese Funktion üben der M. temporalis, der M. masseter und der M. pterygoideus medialis aus. Nur der M. pterygoideus lateralis leitet die Kieferöffnung ein. Die Kaumuskeln werden von motorischen Ästen des N. mandibularis versorgt.

Die mimischen Muskeln sind Hautmuskeln des Gesichts und Halses; sie werden vom N. facialis versorgt. Von besonderer Bedeutung sind der Mundringmuskel (M. orbicularis oris) mit der Funktion des Mundschlusses, das Öffnungssystem des Mundes, der M. buccinator sowie der Mundöffnung benachbarte Muskeln der Nase, der Wange und des Kinns.

Die Mundhöhle gliedert sich in eigentliche Mundhöhle und Mundhöhlenvorhof; die Grenze dazwischen bilden die mit Gingiva bedeckten Alveolarfortsätze der Kiefer und die Zahnbögen. Der Mundhöhlenvorhof wird nach außen durch Lippen und Wangen begrenzt, die Mundhöhle nach oben durch den Gaumen, nach unten durch die Zunge sowie nach hinten durch die Gaumenbögen, das Gaumensegel und die Schlundenge.

Der Mundspeichel wird von großen und kleinen Speicheldrüsen der Mundhöhle gebildet; der Speichel setzt sich aus mukösen und serösen Anteilen zusammen. Zu den großen Speicheldrüsen zählen die Ohrspeicheldrüse, deren Sekret in den oberen Mundhöhlenvorhof geleitet wird, und die Unterkiefer- sowie Unterzungendrüse, deren Ausführgang gemeinsam auf einem Schleimhauthöckerchen unter der Zunge mündet.

Die Zähne befinden sich in den Alveolen des von Gingiva (Zahnfleisch) bedeckten Alveolarknochens. Ein Zahn besteht aus Krone, die von Zahnschmelz bedeckt ist, Hals und Wurzel. Die Wurzeln sind über den Zahnhalteapparat (Parodontium) federnd in den Alveolen befestigt.

Beim Erwachsenengebiss finden sich pro Kieferhälfte (Quadrant) 8 Zähne: jeweils 2 Schneidezähne, 1 Eckzahn, 2 Prämolaren und 3 Molaren (Zahnformel 8 × 4). Das Milchgebiss (Zahnformel 4 × 5) weist pro Quadrant 2 Milchschneidezähne, 1 Milcheckzahn und 2 Milchmolaren auf. Der Zahndurchbruch beginnt meist im 7.–9. Lebensmonat, der Zahnwechsel im 7. Lebensjahr.

Der Mundboden (Diaphragma oris) ist eine etwa horizontal stehende Muskelplatte innerhalb des Unterkieferbogens; der Hauptmuskel ist der M. mylohyoideus.

An der Zunge lassen sich Spitze, Körper, Wurzel, Zungenrücken, seitlicher Rand und Zungenunterseite unterscheiden. Der Sulcus terminalis grenzt die vorderen zwei Drittel vom hinteren Zungendrittel ab.

Die Zunge besteht aus Außenmuskeln (M. genioglossus, M. hyoglossus, M. styloglossus), deren Hauptfunktion in der Bewegung der Zunge zu sehen ist, und aus Binnenmuskeln (in allen drei Hauptraumrichtungen), die hauptsächlich der Verformbarkeit der Zunge dienen. Alle Zungenmuskeln werden vom N. hypoglossus innerviert.

Die Zungenschleimhaut enthält zahlreiche Papillen, die der Oberflächenvergrößerung dienen und Geschmacksknospen enthalten. Zahlreiche Nervenfasern in der Zunge vermitteln die Sensibilität sowie die Wahrnehmung der verschiedenen Geschmacksqualitäten.

Am Gaumen (Palatum) unterscheidet man den größeren vorderen harten Gaumen sowie das hinten liegende Gaumensegel (weicher Gaumen, Velum). Das Gaumensegel besteht aus einem M. levator veli palatini, einem M. tensor veli palatini und einem M. uvulae (Innervation durch N. glossopharyngeus und N. vagus).

Die seitliche Begrenzung der Schlundenge (Isthmus faucium) besteht aus den beiden Gaumenbögen Arcus palatoglossus sowie Arcus palatopharyngeus mit gleichnamigen Muskeln und der dazwischen liegenden Mandelgrube mit der Tonsilla palatina.

Die Artikulation findet mithilfe der Artikulationsorgane am Ansatzrohr und seinen Öffnungen statt. Man unterscheidet Artikulationsorgane, Artikulationsorte sowie Artikulationsmodi.

Der Schluckakt ist mit Schutzmechanismen verbunden, die ein Eindringen von Nahrungsteilchen in die oberen bzw. unteren Atemwege verhindern. Beteiligt sind obere und untere Zungenbeinmuskeln, Muskeln der Zunge, des Gaumensegels, der Gaumenbögen sowie des Rachens. Der Passavant-Ringwulst sichert die oberen Atemwege, der Verschlussmechanismus des Kehlkopfeingangs durch den Kehldeckel die unteren Atemwege. Speisen und Getränke gelangen dann durch Aktionen der Zunge und des Rachens sowie durch peristaltische Bewegungen der Speiseröhre in den Magen.

Die Speiseröhre ist ein ca. 25 cm langer Muskelschlauch zwischen Hypopharynx und Mageneingang. Sie weist drei Engen im Verlauf (v.a. die obere Enge am Ösophagusmund) und am Anfang und am Ende ein Schließsystem auf.

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