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B978-3-437-44446-3.00001-8

10.1016/B978-3-437-44446-3.00001-8

978-3-437-44446-3

Hirnnerven, Nn. craniales

[L127]

Kopfleuchte (mit freundlicher Genehmigung der KARL STORZ GmbH & Co. KG)

[V221]

Flexibles Endoskop:flexibles/starresEndoskop (mit freundlicher Genehmigung der KARL STORZ GmbH & Co. KG)

[V221]

Starre Endoskope mit unterschiedlichen Winkeloptiken (mit freundlicher Genehmigung der KARL STORZ GmbH & Co. KG)

[V221]

Starres Lupenendoskop mit 90 Grad Umlenkung von Licht und Blick (mit freundlicher Genehmigung der KARL STORZ GmbH & Co. KG)

[V221]

Ohrtrichter, Nasenspekulum, Mundspatel, Kehlkopfspiegel

[K352]

Kommunikationsmodell: Unidirektionale lautsprachliche Kommunikation

[L157]

Schallentstehung durch eine schwingende Stimmgabel

[L157]

HörfeldHörfeld mit Sprechfeld. F0 bis F3 sind die Frequenzbereiche der Grundtöne und Formanten (Kap. 8.1.3) .x-Achse: Frequenz in Hz, y-Achse: Schalldruckpegel in dB

[L157]

Oszillogramm und Spektrum von Reinton, Klang, Geräusch. x-Achse: Oszillogramm Zeit, Spektrum Frequenz; y-Achse: Schalldruckpegel

[L157]

Abkürzungen anatomischer anatomische BegriffeBegriffe

Tab. 1.1
Abkürzung Latein Deutsch
A./Aa. Arteria/Arteriae Arterie(n)
Gl./Gll. Glandula/Glandulae Drüse(n)
Lig./Ligg. Ligamentum/Ligamenta Band/Bänder
M./Mm. Musculus/Musculi Muskel(n)
N./Nn. Nervus/Nervi Nerv(en)
Proc./Procc. Processus/Processus Fortsatz/-sätze
R./Rr. Ramus/Rami Ast/Äste
V./Vv. Vena/Venae Vene(n)

HirnnervenHirnnerven mit besonderer Bedeutung für ZungenrachennervUnterzungennervUnterkiefernervumherschweifender NervOberkiefernervNervus(-i):vestibulocochlearis (VIII)Nervus(-i):vagus (X)Nervus(-i):trigeminus (V)Nervus(-i):ophtalmicus (V1)Nervus(-i):maxillaris (V2)Nervus(-i):mandibularis (V3)Nervus(-i):hypoglossus (XII)Nervus(-i):glossopharyngeus (IX)Nervus(-i):facialis (VII)Nervus(-i):accessorius (XI)hinzukommender NervGleichgewichtshörnervGesichtsnervDrillingsnervAugennervSprachtherapeuten

Tab. 1.2
Latein Kurzbezeichnung Deutsch
N. trigeminus
  • N. ophthalmicus

  • N. maxillaris

  • N. mandibularis

N. V
  • N. V1

  • N. V2

  • N. V3

Drillingsnerv
  • Augennerv

  • Oberkiefernerv

  • Unterkiefernerv

N. facialis N. VII Gesichtsnerv
N. vestibulocochlearis N. VIII Gleichgewichtshörnerv
N. glossopharyngeus N. IX Zungenrachennerv
N. vagus N. X „umherschweifender“ Nerv
N. accessorius N. XI „hinzukommender“ Nerv
N. hypoglossus N. XII Unterzungennerv

Bildung von klinischen klinische FachbegriffeFachbegriffen

Tab. 1.3
Grundstruktur Präfix Wortstamm Suffix
Fachbegriff Päd audio logie
Deutsch Kind Hören Lehre
Fachbegriff Phon iatrie
Deutsch Stimme Heilkunde
Mit Bindevokal Wortstamm Wortstamm Wortstamm Suffix
Fachbegriff Ot-o- rhin-o- laryng-o- logie
Deutsch Ohr Nase Kehlkopf Lehre
Mit Attribut 2 Wortstämme +Suffix Adjektiv Nomen im Genitiv
Fachbegriff Chondrodermatitis nodularis helicis
Deutsch Knorpelhautentzündung knötchenartig der Windung

Methoden der SzintigrafieSonografieRöntgenbildPositronenemissionstomografie (PET)Magnetresonanztomografie (MRT)Computertomografie (CT)Bildgebung

Tab. 1.4
Verfahren Art der Bildgebung Radioaktive Belastung
Sonografie (Ultraschall) je nach Gerätetyp zwei- oder dreidimensionale Bildgebung von Strukturen und Abläufen (z. B. Blutfluss) keine
klassisches Röntgenbild zweidimensionale Bildgebung von Strukturen ja
Computertomografie (CT) dreidimensionale Bildgebung von Strukturen ja
Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspintomografie) dreidimensionale Bildgebung von Strukturen und Abläufen (z. B. Hirnstoffwechsel) keine
Szintigrafie zwei- und dreidimensionale Bildgebung von Strukturen und Abläufen (z. B. Jodaufnahme) ja
Positronenemissionstomografie (PET) dreidimensionale Bildgebung von Strukturen und Abläufen (z. B. aktivierte Hirnareale) ja

Methoden der Untersuchung von ZytologieMikrobiologieKörpermaterial, Untersuchungsmethodenklinische ChemieHistologieKörpermaterial

Tab. 1.5
Untersuchungstyp Material Gewinnung Untersuchung hinsichtlich
Zytologie einzelne Zellen Abstrich, Punktion mikroanatomische Strukturen
Histologie Gewebeproben, Körperteile Biopsie, Operation mikroanatomische Strukturen
Mikrobiologie Körperflüssigkeiten, Ausscheidungen, krankhafte Sekrete Abstrich Erreger (Viren, Bakterien, Pilze)
klinische Chemie Körperflüssigkeiten Punktion von z. B. Blutgefäßen physikalische und chemische Zusammensetzung

Pathologisch-anatomische Tumoren:pathologisch-anatomische UnterschiedeUnterschiede zwischen gut- und bösartigen Tumoren

Tab. 1.6
Kriterium benigne (gutartig) maligne (bösartig)
Wachstum langsam, verdrängend schnell, eindringend
Abgrenzung zum gesunden Gewebe gut abgrenzbar schlecht abgrenzbar
Gewebeausreifung ausgereiftes, gleichmäßiges Gewebe unreifes, ungleichmäßiges Gewebe
Zellgehalt niedrig hoch
Zellveränderungen keine oder wenige Zellveränderungen, geringe Zellteilungsaktivität hohe Mutationsrate (Zellteilungsrate), viele Atypien (Zellstrukturveränderungen)
Verlauf lang dauernd, keine
Metastasen, selten Rezidive
kurz, häufig tödlich, Metastasen, häufig Rezidive

Wirkung und Applikation HNO-Medikamente, Applikation/Wirkungvon Medikamenten im HNO-Gebiet

Tab. 1.7
Wirkung topische Applikation als systemische Applikation
anästhesierend (betäubend) Rachenspray, Infiltration i. v., inhalativ
analgetisch (schmerzstillend) Eisbeutel oral, i. v.
antiallergisch Nasenspray, Bronchialspray, Augentropfen oral, i. v., s. c., i. m.
antibiotisch (gegen Bakterien) Ohrentropfen, Salben oral, i. v.
antiödematös (abschwellend) Salbe, Nasenspray, Eisbeutel oral, i. v.
antipyretisch (fiebersenkend) Wadenwickel oral, als Zäpfchen, i. v.
antivertiginös (gegen Schwindel) oral, als Zäpfchen, i. v.
antiviral (gegen Viren) Creme oral, i. v.
mukolytisch (schleimlösend) Inhalation oral
vasokonstringierend (gefäßverengend) Nasenspray oral
zytostatisch (zellteilungshemmend) i. v.

Bezeichnung von SinustöneSchallereignisseSchallereignissen

Tab. 1.8
physikalisches Phänomen akustische Bezeichnung phonetische Bezeichnung musikalische Bezeichnung
Sinusschwingung Sinuston, Reinton
Überlagerung von Sinusschwingungen
1 Grundton + Obertöne
Klang Vokal Ton
Gemisch von zwei oder mehr
Grundtönen + Obertönen
Klanggemisch ∗∗ Klang
Gemisch von Grundton und Obertönen und nichtperiodischem Schallereignis Klang-Geräusch-Gemisch stimmhafter Konsonant klingendes Geräusch
nichtperiodisches Schallereignis Geräusch, Rauschen stimmloser Konsonant Geräusch

Weder die menschliche Stimme noch Musikinstrumente erzeugen Sinustöne.

∗∗

Ein phonetisches Klanggemisch wäre eine krankhafte Diplophonie (Doppelklang).

Einführung in die Kommunikationsmedizin

 Lernziele 

  • Bausteine der medizinischen Fachsprache: anatomische Nomenklatur, klinische Terminologie, Klassifikationen

  • Bausteine der klinischen Medizin: Anamneseerhebung, Befunderhebung, Diagnosestellung, Therapieverfahren

  • Bausteine der lautsprachlichen Kommunikation: Kommunikationsmodell, Akustik

Die medizinische Fachsprache

Übersicht

Die medizinische Fachsprache ist eine historisch gewachsene, natürliche Sprache, die der präzisen, sachbezogenen Kommunikation Kommunikationin der medizinischen Fachwelt dient, insbesondere:
  • zur Verständigung über Patienten zwischen Ärzten und medizinischen Berufsgruppen

  • zur Übermittlung von Befunden

  • zur Dokumentation

  • bei Vorträgen und Veröffentlichungen

  • in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre.

Wie jede Fachsprache wird auch die medizinische durch ihre Terminologie Terminologiecharakterisiert.
Die medizinische medizinische FachspracheFachsprache verwendet:
  • Termini der anatomischen Nomenklatur (Terminologia anatomica, Kap. 1.1.2), z. B. Larynx (Kehlkopf)

  • klinische und pathologische Begriffe, die aus Morphemen (Wortbausteinen) der griechischen und lateinischen Sprache nach weitgehend einheitlichem Wortbildungsmuster gebildet werden (Kap. 1.1.3), z. B. Laryngitis (Kehlkopfentzündung)

  • naturwissenschaftliche und klinische Fachbegriffe aus lebenden Sprachen, insbesondere der englischen, die ohne einheitliches Wortbildungsmuster gebildet werden, z. B. Neck Dissection (Ausräumung der Halslymphknoten mit umgebenden Weichteilen) aus engl. neck (Hals) und lat.-engl. dissection (das Auseinanderschneiden)

  • Termini der chemischen, botanischen, zoologischen, bakteriologischen Nomenklaturen, z. B. Glukose (Traubenzucker)

  • Hybride: HybrideMischbildungen aus verschiedenen Sprachen, z. B. Hörscreening aus dt. hören und engl. to screen (durchsieben)

  • Eponyme: AkronymeFachbegriffe, die Eigennamen enthalten, z. B. Reinke-Ödem (nach dem dt. Anatom Friedrich Reinke, 1861–1919)

  • Akronyme: EponymeAbkürzungen, bei denen jeder Buchstabe für ein Wort steht, z. B. ADHS für Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom

  • Codierungen: KodierungenKombinationen von Zeichen (Buchstaben, Ziffern), die auf einen Begriff innerhalb einer Klassifikation (Kap. 1.1.4) verweisen

  • TrivialbezeichnungenTrivialbezeichnungen: vereinfachte Begriffsbildungen, die im medizinischen Berufsalltag aus Bequemlichkeit verwendet werden und oft aus einer Kombination von griechischen, lateinischen und deutschen Wörtern gebildet werden, z. B. Pseudokrupp für Laryngitis subglottica acuta (plötzlich aufgetretene Entzündung des Kehlkopfes unterhalb der Stimmritze).

Das letzte Beispiel zeigt, wie aufwändig die genaue deutsche Übersetzung prägnanter Fachbegriffe sein kann.
Für viele Organbezeichnungen existieren lateinische und griechische Bezeichnungen.
In der anatomischen Terminologie:anatomischeTerminologie wird das lateinische Wort verwendet, in der klinischen Terminologie:klinischeTerminologie meist das griechische. Zum Beispiel anatomisch: Auris media (Mittelohr); klinisch: Otitis media (Mittelohrentzündung).

  • Anatomie: Lehre vom Bau des menschlichen Körpers, wörtlich „Aufschneidekunst“; gebildet aus ana- (griech.): aufwärts und tome (griech.): Schnitt

  • klinisch: hier in der Bedeutung „die praktische Ausübung der Medizin betreffend“, im Gegensatz zur theoretischen Medizin; kline (griech.): Bett

  • nomen: Plural nomina (lat.): Namen

  • Nomenklatur: verbindliche Zuordnung von Bezeichnungen und Dingen, nomenclatura (lat.): Namensverzeichnis

  • Ödem: oidema (griech.): Schwellung

  • Otitis: Ohrentzündung, aus otos (griech.): Genitiv, das Ohr und -itis: Suffix für Entzündung

  • pathologisch: Adjektiv zu Pathologie, Lehre von den Krankheiten bzw. Leiden aus pathos (griech.): Leiden und -logia (griech.): Lehre

  • TerminologieTerminologie: Lehre von den Fachbegriffen einer Wissenschaft und Gesamtheit der Fachbegriffe einer Wissenschaft; gebildet aus terminus (lat.): abgegrenzter Begriff und -logia (griech.): Lehre

  • Terminus: (lat.) Grenze, abgegrenzter Begriff. Plural: Termini

Die anatomische Nomenklatur

Eine Nomenklatur, anatomischeNomenklatur ist ein wissenschaftliches Bezeichnungs- und Ordnungssystem.
Jede Nomenklatur:
  • benennt und ordnet eine Zahl gleichartiger Dinge

  • besteht nicht aus Sätzen, sondern enthält ausschließlich Begriffe

  • ist international verbindlich standardisiert

  • stellt eine eindeutige Beziehung zwischen Bezeichnung und bezeichneter Sache her.

Für die anatomische anatomische NomenklaturNomenklatur, die zuletzt 1998 international verbindlich festgelegt wurde (Terminologia Terminologia anatomicaanatomica), gelten weitere Konventionen:
  • Die Begriffsbildung erfolgt aus lateinischen (auch latinisierten griechischen) Substantiven und Adjektiven, die nach lateinischer Grammatik dekliniert werden.

  • Es werden keine Eigennamen (Eponyme) zur Bezeichnung anatomischer Strukturen verwendet.

  • Organe mit einer engen topografischen (die Lagebeziehung zueinander betreffenden) Beziehung sollen analog bezeichnet werden, z. B. Arteria femoralis – Vena femoralis – Nervus femoralis (zum Oberschenkel gehörende[r] Arterie/Vene/Nerv).

  • Unterscheidende Adjektive sollen sich gegensätzlich verhalten, z. B. major/minor (größer/kleiner), superior/inferior (oben/unten), anterior/dorsal (vorne/hinten).

  • Einwortbegriffe und das erste Wort von Mehrwortbegriffen werden groß geschrieben, alle anderen Wörter klein, z. B. Ramus ascendens mandibulae (aufsteigender Unterkieferast).

  • Es sollen nur vereinbarte Abkürzungen (Tab. 1.1) verwendet werden.

Für Hirn- und Rückenmarksnerven sind auch Kurzbezeichnungen üblich:
  • Hirnnerven (Abb. 1.1) werden mit römischen Ziffern N. I bis N. XII (Tab. 1.2) abgekürzt. Die Äste des N. trigeminus werden mit N. V1, N. V2., N. V3 bezeichnet.

  • Rückenmarksnerven werden mit einem Buchstaben und einer Ziffer bezeichnet, nach dem Rückenmarksabschnitt, aus dem sie stammen. Die Nerven des Halsteils des Rückenmarks stammen aus C1 bis C8 (C für Cervix, Hals).

Anatomische Termini werden nach festgelegtem Muster gebildet:
  • einfache Einwortbegriffe: ein Substantiv im Nominativ, z. B. Glottis (Stimmritze)

  • zusammengesetzte Einwortbegriffe: ein Substantiv im Nominativ ist durch ein Präfix erweitert, z. B. Epiglottis (Kehldeckel)

  • Mehrwortbegriffe: ein Substantiv im Nominativ wird durch ein oder mehrere Attribute näher bezeichnet; Attribute können sein

    • Adjektive, z. B. N. laryngeus superior (oberer zum Kehlkopf ziehender Nerv)

    • ein Substantiv im Genitiv, z. B. Mm. linguae (Zungenmuskeln)

    • ein Substantiv im Nominativ als Apposition, z. B. M. constrictor (Schnürmuskel; wörtlich: der Muskel, der Schnürer ist).

Klinische und pathologische Terminologie

Die klinische und pathologische Terminologie:pathologischeTerminologie:klinischeTerminologie unterscheidet sich von der anatomischen:
  • Die Zahl der Begriffe ist theoretisch unbegrenzt.

  • Die Bildung der Begriffe erfolgt durch Konven-tion, insbesondere durch wissenschaftliche Vorträge und Veröffentlichungen, ist aber nicht verbindlich festgelegt.

Für viele medizinische Sachverhalte gibt es mehrere nebeneinander verwendete Begriffe: Zum Beispiel bezeichnen Encephalomyelitis disseminata und Multiple Sklerose das gleiche Krankheitsbild.
Die Substantive stammen überwiegend aus der griechischen Sprache, die Adjektive in Attributfunktion der lateinischen, z. B. Otitis externa (Entzündung des äußeren Ohrs).
Klinische und pathologische Fachbegriffe, deren Morpheme aus der griechischen und lateinischen Sprache stammen, werden nach bestimmten Mustern (Tab. 1.3) gebildet.
Die anatomischen Lage- und Richtungsbezeichnungen werden mit dt. Endungen versehen und mit dt., lat. oder griech. Substantiven zu klinischen Begriffen kombiniert. Beispiel: laterale Halszyste (seitlich am Hals gelegener Gewebehohlraum). Die wichtigsten gegensätzlichen Richtungsbezeichnungen sind:
  • anterior <> posterior: vorne <> hinten

  • inferior <> superior: unten <> oben

  • caudal <>cranial: zum Steiß hin <> zum Schädel hin

  • dorsal <> ventral: zum Rücken hin <> zum Bauch hin

  • medial <> lateral: zur Mitte hin <> zur Seite hin, seitlich

  • peripher<> zentral: zum Außenbereich hin <> zum Mittelpunkt hin

  • Chondrodermatitis nodularis helicis: (griech.-lat.) knötchenartige Entzündung der Ohrmuschelwindung

  • disseminata: ausgestreute, aus dis (lat.) auseinander und seminatus (gestreut)

  • EncephalomyelitisEncephalomyelitis: Hirn- und Rückenmarkentzündung, aus encephalon (griech): Gehirn und myelon (griech): Mark und -itis (lat. Suffix): Entzündung

  • multiple: (lat.) vielfach

  • OtorhinolaryngologieOtorhinolaryngologie: (griech.) Lehre von Ohr, Nase, Kehlkopf

  • PädaudiologiePädaudiologie: (griech.-lat.) Lehre vom kindlichen Hören

  • PhoniatriePhoniatrie: (griech.) Stimm- und Sprachheilkunde

  • SkleroseSklerose: (griech.) Verhärtung

Medizinische Klassifikationen

Eine Klassifikationen, medizinischeKlassifikation ist die Zusammenfassung und Ordnung von Dingen und Sachverhalten nach bestimmten Eigenschaften.
Die wichtigste, international eingeführte, in der Medizin verwendete Klassifikation ist die „Internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision“ (ICD-10).
ICD-10Diese von der WHO-KlassifikationWHO erstellte Klassifikation versucht, alle bekannten Krankheitsbilder in eine systematische Ordnung zu bringen und mit einer Codierung eindeutig zu bezeichnen, z. B. steht die Codierung H66.0 aus der ICD-10 für den Begriff und das Krankheitsbild „Otitis media acuta purulenta“ (akute eitrige Mittelohrentzündung).
Für sprachtherapeutisch wichtige Krankheitsbilder findet auch die „Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“ (ICF) Anwendung.

  • ICD: Abkürzung für International Classification of Diseases

  • ICF: Abkürzung für International Classification of Functioning, Disability and Health

  • WHO: Abkürzung für World Health WHO (World Health Organization)Organization

Bausteine der klinischen Medizin

Die praktische ärztliche Tätigkeit ist orientiert an einem logisch aufgebauten System zur Erkenntnisgewinnung über das Leiden des Patienten und die mögliche Hilfe. Dieses System wird an individuelle Anforderungen, z. B. lebensbedrohliche Situationen, angepasst.
Jede medizinische Maßnahme muss indiziert sein.

Anamneseerhebung

Die ärztliche Annäherung an einen Kranken beginnt mit der Erhebung der Vorgeschichte und der Befragung des Patienten nach aktuellen Beschwerden.
Bei der Anamneseerhebung wird unterschieden zwischen:
  • der Eigen- oder Fremdanamnese der befragten Person

  • den erfragten Lebensabschnitten wie Schwangerschafts-, Geburts- oder frühkindlicher Anamnese

  • besonderen Lebensgewohnheiten wie Ernährungs-, Medikamenten- oder Sportanamnese.

Die Anamneseerhebung kann als freier Dialog zwischen Arzt und Patient oder nach einem strukturierten Fragebogen erfolgen.
Bei Vorerkrankungen und Beschwerden sind zeitlicher Beginn und Dauer zu erfragen.

  • AnamneseAnamnese (griech. Erinnerung): Krankheitsgeschichte aus Sicht des Patienten

  • Indikation: Umstand, der eine bestimmte medizinische Maßnahme rechtfertigt

  • indiziert: Maßnahme ist gerechtfertigt, begründet, erforderlich.

Befunderhebung

Die BefunderhebungBefunderhebung ist die Erfassung der objektiven Krankheitszeichen (Symptome) und des körperlichen und seelischen Zustands des Patienten.
Symptomatik
Symptome können
  • somatischer Natur

    • allgemeine (z. B. Fieber)

    • regionbezogene (z. B. Kopfschmerz)

    • organbezogene (z. B. Nasenbluten)

    • funktionsbezogene (z. B. Sprechstörung)

oder
  • psychischer Natur (z. B. Wahn)

sein.
LeitsymptomeLeitsymptome Symptomatiksind Krankheitszeichen, die für das jeweilige Leiden charakteristisch, besonders hervorstechend und für die weitere Befunderhebung wegweisend sind.
Kardinalsymptome sind die jeweiligen Hauptsymptome eines Leidens, die zur Diagnosestellung vorhanden sein müssen. Die Kardinalsymptome einer akuten Entzündung sind z. B. Rötung, Schmerz, Erwärmung, Schwellung und Funktionsstörungstörung der betroffenen Körperregion.
Auch die Befunderhebung folgt einem systematischen Ablauf, sie beginnt mit den am wenigsten eingreifenden (invasiven) Untersuchungen.
Körperliche Untersuchung
Grundlage jeder Befunderhebung ist die körperliche körperliche UntersuchungUntersuchung durch Sehen, Hören, Tasten, die durch einfache Hilfsmittel wie Taschenlampe, Stethoskop, Zungenspatel erleichtert werden kann:
  • Inspektion: Betrachtung

  • Palpation: Betastung

  • Auskultation: Abhören

  • Perkussion: Beklopfen

Spiegeluntersuchung und Endoskopie
Um die in Kopf und Hals versteckt liegenden Organe des Hals-Nasen-Ohrenfachgebietes zu inspizieren, ist es nötig, Licht und Blick durch kleine Öffnungen zu leiten.
Seit 160 Jahren wird das Licht einer neben dem Kopf des Patienten befindlichen Lichtquelle mit einem auf die Stirn gesetzten SpiegeluntersuchungSpiegel in Endoskopiedie Körperöffnungen eingespiegelt. Durch ein Loch in der Spiegelmitte kann der Untersucher deckungsgleich mit den Lichtstrahlen in das Zielgebiet blicken. Dies ist das Prinzip der klassischen otorhinolaryngologischen Spiegeluntersuchung.
Heute wird statt des Einspiegelns das Licht durch eine Lichtquelle auf der Stirn des Untersuchers (Abb. 1.2) oder durch ein vorgehaltenes BinokularmikroskopBinokularmikroskop in Blickrichtung eingestellt.
Bei der Endoskopie Endoskopiewerden Blick und Licht durch flexible Glasfaseroptiken (Synonym: Fiberendoskop)Fiberendoskop oder starre Linsenoptiken in natürliche oder künstliche Körperöffnungen geleitet, entsprechend werden flexible und starre Endoskope (Abb. 1.3, Abb. 1.4, Abb. 1.5) unterschieden.
Durch Aufsetzen einer Videokamera auf das Okular des Endoskops oder Mikroskops kann das Zielgebiet an einem Monitor beobachtet werden. Bilder- und Videosequenzen können zu Dokumentationszwecken gespeichert werden (Abb. 6.17 und Abb. 8.5Abb. 6.17Abb. 8.5).
HNO-Status
Die körperliche Untersuchung von Kopf und Hals in Verbindung mit den Spiegeluntersuchungen des Hals-Nasen-Ohrengebietes wird als HNO-Status HNO-Statusbezeichnet und stellt die grundlegende Befunderhebung in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und in der Phoniatrie dar. Dabei werden charakteristische Instrumente eingesetzt (Abb. 1.6).
Zum HNO-Status gehören:
  • Inspektion des äußeren Kopfes und Halses

  • Spiegeluntersuchung mit Otoskopie (Otoskopie Kap. 2.2.2), Rhinoskopie (Rhinoskopie Kap. 4.2.2), Laryngoskopie (Kap. 6.2.2)

  • Inspektion von Mundhöhle und Mundrachen unter Spiegelbeleuchtung (Kap. 5.2.2)

  • Palpation des äußeren Halses

Bildgebung
Mit bildgebende VerfahrenBildgebung werden apparative Verfahren zur Gewinnung von Bildmaterial über Strukturen und Funktionsabläufe aus dem Körperinneren bezeichnet (Tab. 1.4).
Die Verfahren unterscheiden sich in der Art der Bildgebung und in der Belastung des Patienten mit radioaktiven Strahlen.
Funktionsuntersuchungen
Bei FunktionsuntersuchungenFunktionsuntersuchungen werden physiologische Vorgänge sowie körperliche und psychische Leistungen qualitativ erfasst und/oder quantitativ gemessen, um Abweichungen von der Norm festzustellen.
Messungen mit Zahlenwerten werden oft mit -metrie bezeichnet, z. B. Audiometrie (Messen des Gehörs), Messungen mit Kurven- oder Bilddarstellung als -grafie (z. B. Spirografie: Atemkurvenschreibung).
Im Bereich der Kommunikationsmedizin (Audiologie, Phoniatrie, Neurologie) sind Messungen elektrischer Vorgänge im Körper durch Ableitung von Spannungsänderungen sehr wichtig:
  • evozierte Potenziale: Messung von Änderungen der Hirnstromaktivität nach Reizung der auditiven, visuellen oder somatosensiblen Sinne

  • ElektromyografieElektromyografie: Messung der elektrischen Aktivität in einem Muskel in Ruhe und bei Aktivierung

  • ElektroneurografieElektroneurografie: Messung der Leitgeschwindigkeit in einem Nerv.

Untersuchung von Körpermaterial
Körperflüssigkeiten, Zellen und Gewebe werden durch Abstriche, Punktionen, Biopsien oder Operationen gewonnen und im Labor untersucht (Tab. 1.5).

  • auditiv: das Hören betreffend

  • BinokularmikroskopBinokularmikroskop (lat.-griech.): Mikroskop mit Linsensystemen für beide Augen, die räumliches Sehen ermöglichen

  • Biopsie (griech.): Gewebeentnahme am lebenden Menschen

  • Computertomografie (CT)Computertomografie (von griech. tome, Schnitt): Schnittbilduntersuchung mittels Röntgenstrahlen

  • EndoskopEndoskop (griech. innen beobachten): optisches Gerät, um durch natürliche oder künstliche Körperöffnungen Licht, Blick und Instrumente zu führen

  • HistologieHistologie (griech.): Lehre von den Geweben

  • -grafie (griech.): Suffix für Aufschreibung, Aufzeichnung

  • Magnetresonanztomografie (von griech. tome, Schnitt): Schnittbilduntersuchung mittels Magnetfeldern

  • -metrie (griech.): Suffix für Messung

  • MikrobiologieMikrobiologie (griech.): Lehre von den kleinsten Lebewesen

  • Myo- (griech.): Muskel;

  • Neuron (griech): „Nerv“; anatomisch Nervenzelle mit Fortsätzen; als Neuro- in klinischen Begriffen für das Nervensystem

  • Positronenemissionstomografie (PET)Positronenemissionstomografie: Aussendung von bestimmten Elementarteilchen zur Bildgebung

  • psychisch (von griech. psyche, Seele): seelisch

  • PunktionPunktion (lat.): das Anstechen

  • somatisch (von griech. soma, Körper): körperlich

  • somatosensibel: die Oberflächenempfindung betreffend (Berührung, Druck, Temperatur, Schmerz)

  • SonografieSonografie (von lat. sonus: Schall): Bildgebung mittels Ultraschallwellen

  • SymptomatikSymptomatik (von griech. symptom: Zufall, Eigentümlichkeit): Gesamtheit der Symptome (Krankheitszeichen)

  • SzintigrafieSzintigrafie (von lat. scintilla: Funke): Bildgebung mit radioaktiven, in den Körper eingebrachten Substanzen

  • TomografieTomografie (von griech. tome): Schnitt: Bildgebung, bei der einzelne Schichten des Körpers dargestellt werden

  • visuell: das Sehen betreffend

  • ZytologieZytologie (griech.): Lehre von den Zellen

Diagnosestellung

Krankheitsbild
Zur DiagnosestellungDiagnosestellung Krankheitsbildwerden Vorgeschichte und Befunde ausgewertet und – wenn möglich – einem Krankheitsbild zugeordnet. Ein Krankheitsbild ist eine nosologische nosologische EinheitEinheit, d. h. eine Normabweichung oder Störung von körperlichen und/oder geistig-seelischen Strukturen und Funktionen, die sich durch einheitliche
  • Ätiologie,

  • Pathogenese,

  • Symptomatik und

  • Prognose

auszeichnet.
Bei einheitlicher Symptomatik ohne einheitliche Ätiologie spricht die Medizin von einem Syndrom,Syndrom beispielsweise Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom. Die charakteristischen Zeichen und Befunde im Verlauf eines Krankheitsbildes werden auch als „Klinik“ bezeichnet.
Während die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde vorwiegend organbezogene Krankheitsbezeichnungen verwendet (z. B. Mittelohrentzündung), benennt die Phoniatrie oft nach der gestörten Funktion (z. B. psychogene Stimmstörung).
Bei der Diagnosestellung müssen DifferenzialdiagnoseDifferenzialdiagnosen berücksichtigt werden. Differenzialdiagnostik bedeutet Abgrenzung von Krankheitsbildern mit ähnlicher Symptomatik gegeneinander.
Ätiologie
Ätiologie ist Ätiologiedie allgemeine Lehre von den Krankheitsursachen, speziell die Gesamtheit der eine bestimmte Krankheit auslösenden Faktoren. Die wichtigsten Faktoren sind:
  • Gene: ererbte (hereditäre) Veranlagung

  • physikalische Noxen: mechanische Einwirkung (beispielsweise Faustschlag), radioaktive Strahlung

  • chemische Noxen: Gifte, Medikamente

  • biologische Noxen: Bakterien, Viren, Pilze, Würmer

  • psychische Noxen: Zeitdruck, soziale Isolation (Vereinsamung), Überforderung

  • idiopathisch: ohne erkennbare Ursache („eigenleidend“)

  • iatrogen: durch eine medizinische Maßnahme.

Pathogenese
Pathogenese Pathogeneseist allgemein die Lehre von den Reaktionen des Organismus auf die ätiologischen Faktoren und den Verlauf der Krankheit.
Wichtige Reaktionen und Vorgänge sind:
  • Atrophie: AtrophieVerringerung der Zell-, Gewebe-, Organgröße

  • Hypertrophie: HypertrophieVermehrung der Zell-, Gewebe-, Organgröße

  • Aplasie, AplasieDysplasie: Dysplasiefehlende bzw. gestörte Entwicklung von Zellen, Geweben, Organen

  • Entzündung (EntzündungInflammatio): Reaktion von Bindegewebe, Blutgefäßen und Abwehrzellen auf schädigenden Reiz. Wichtige Ursachen sind

    • Infektion: InfektionStörung des Organismus durch Eindringen von biologischen Noxen

    • AutoimmunreaktionAutoimmunreaktion: Störung des Organismus durch Abwehrreaktion gegen körpereigene Zellstrukturen

  • ImmunreaktionImmunreaktion: Abwehrreaktion durch Antikörperbildung gegen Antigene (schädliche Fremdeiweißkörper)

  • Allergie: überschießende Immunreaktion auf normalerweise nichtschädigende chemische und biologische Substanzen

  • Neoplasie (Neubildung)Neoplasie (Neubildung): Tumorwachstum, ungesteuertes Wachstum eines Gewebes (Tab. 1.6); bösartige Tumoren des Kopf-Hals-Bereichs sind meist Karzinome, sie gehen von Epithelzellen aus

  • Degeneration (Entartung):Degeneration (Entartung) pathologischer Abbau von Zellen und Geweben durch Alter oder pathologische biochemische Prozesse; die physiologische Rückbildung von Geweben im Alter wird Involution (Einwicklung) genannt.

Der Krankheitsbild:ZeitverlaufZeitverlauf von krankhaften Zuständen wird beschrieben als:
  • akut: schnell beginnend, heftig verlaufend, kurz dauernd

  • chronisch: langsam beginnend, schleichend verlaufend, lang dauernd

  • passager: vorübergehend

  • permanent: dauerhaft

  • progredient: voranschreitend, zunehmend

  • rezidivierend: wieder auftretend.

Je nach Zeitpunkt des Auftretens werden angeborene (kongenitale, konnatale) von postnatal erworbenen Krankheiten unterschieden.
Angeborene Krankheiten können
  • hereditär (ererbt),

  • pränatal oder

  • perinatal

erworben sein.
Nosologie
Nosologie Nosologieist die Lehre von der Systematik der Krankheiten und ein Teilgebiet der Pathologie, der Lehre von den Leiden. Grundsätzlich werden somatische, psychische und psychosomatische Leiden unterschieden.
Wichtige nosologische „Schubladen“ sind:
  • angeborene und erworbene Fehlbildungen

  • Verletzungen und Verletzungsfolgen (Trauma)

  • akute, chronische und spezifische Entzündungen

  • gutartige und bösartige Tumoren

  • Funktionsstörungen: Störungen der normalen Abläufe in Zellen, Geweben, Organen

  • funktionelle Störungen: Störungen einer Körperfunktion ohne erkennbare organische, anatomische Grundlage

  • psychische Störungen: Störungen des Erlebens, Denkens und Verhaltens

  • psychosomatische Störungen: Störungen durch Wechselwirkung zwischen somatischen und psychischen Faktoren.

Epidemiologie
Die EpidemiologieEpidemiologie befasst sich mit der Häufigkeit von Krankheiten/Nosologien in einem bestimmen geografischen Raum, zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem bestimmten Zeitraum.
  • InzidenzInzidenz: Zahl der neu aufgetretenen Fälle einer bestimmten Krankheit pro Jahr, z. B. 25.000 neue Schlaganfallbetroffene pro Jahr in Deutschland.

  • PrävalenzPrävalenz: Zahl der an einer bestimmten Krankheit Leidenden zu einem gegebenen Zeitpunkt, z. B. am 31.12.2013 leben in Deutschland 85.000 Menschen nach einem Schlaganfall.

  • ÄtiologieÄtiologie (griech.): Lehre von den Krankheitsursachen

  • DiagnosestellungDiagnose (griech.): Unterscheidung, Entscheidung, Zuordnung zu einem Krankheitsbild

  • DifferenzialdiagnoseDifferenzialdiagnose (lat., griech.): Abgrenzung verschiedener Krankheitsbilder gegeneinander

  • EpidemiologieEpidemiologie (griech): Lehre von der Verteilung von Krankheiten in der Bevölkerung

  • EpithelEpithel (griech.): Deckgewebe; Epithelzellen bilden die äußere Gewebeschicht von Haut und Schleimhaut, außerdem Drüsen und Rezeptoren (Reizaufnehmer) in Sinnesorganen

  • MetastasenMetastase (griech.): Tochtergeschwulst, Absiedelung eines bösartigen Tumors

  • NosologieNosologie (griech.): Lehre von der systematischen Beschreibung von Krankheiten

  • Noxe (lat.): schädliche äußere Einwirkung

  • PathogenesePathogenese (griech.): Lehre von Entstehung und Verlauf einer Krankheit

  • PathologiePathologie (griech.): Lehre von den Leiden bzw. krankhaften Zuständen

  • pränatal, perinatal, postnatal (lat.): vor, während, nach der Geburt

  • PrognosePrognose (griech.): Voraussage über Verlauf einer Krankheit

  • psychogen (griech.): durch seelische Faktoren hervorgerufen

  • psychosomatisch (griech.): Körper und Seele betreffend

  • spezifisch (lat.): arteigen, eine spezifische Entzündung zeigt erregertypische, pathologisch-anatomische Veränderungen

  • SyndromSyndrom (griech.): regelmäßiges Zusammentreffen verschiedener Krankheitszeichen

  • TumorenTumor (lat.): allgemeine Bedeutung: Gewebeschwellung jeglicher Ursache; spezielle Bedeutung: ungesteuertes Gewebewachstum, gleichbedeutend mit Neoplasie (Neubildung)

Therapieverfahren

Übersicht
Nach Diagnosestellung wird unter Berücksichtigung der Gesamtpersönlichkeit des Patienten (z. B. Alter, Kräftezustand, Behinderung) die Therapie durchgeführt bzw. verordnet.
Eine Therapie kann kurativ (heilend), palliativ (lindernd) oder prophylaktisch (vorbeugend) sein. Sie kann an den Krankheitserscheinungen und -folgen ansetzen (symptomatisch) oder an den Krankheitsursachen (kausal), sie kann lokal (topisch, örtlich) oder systemisch (den ganzen Körper betreffend) sein.
Die wichtigsten TherapieverfahrenTherapieverfahren sind:
  • Beratung: Information, Suggestion (Beeinflussung)

  • einfache manuelle („handwerkliche“) Behandlung: z. B. Gehörgangreinigung, Einlegen einer Tamponade

  • physikalische Therapie: Anwendung von Wasser, Licht, Wärme, Kälte, Strom, Bewegung

  • übende Verfahren: Logopädie/Sprachtherapie, Physiotherapie, Ergotherapie

  • Therapie mit „seelischen“ Mitteln: Psychotherapie, z. B. Verhaltenstherapie

  • Therapie mit Medikamenten: Pharmakotherapie

  • Therapie mit radioaktiven Strahlen

  • chirurgische Therapie: Eingriffe und Operationen.

Pharmakotherapie
Für die Anwendung eines PharmakotherapieMedikaments gibt es verschiedene Anwendungsformen (Applikationen, Tab. 1.7):
  • topisch (lokal): Pharmakon gelangt nur an den Wirkort, z. B. Inhalation, Spray, Salbe, Ohrentropfen, Infiltration (Umspritzung, nicht zu verwechseln mit Injektion)

  • systemisch: Pharmakon gelangt auf dem Blutweg (mehr oder weniger) in den gesamten Körper, die Aufnahme in das Blut erfolgt dabei

    • enteral: aus dem Magen-Darm-Trakt, wobei das Medikament oral (als Tablette oder Saft/Tropfen) oder anal (als Zäpfchen) in den Magen bzw. Darm gelangt

    • parenteral: durch Injektion (Einspritzung) in die Unterhaut (subkutan, s. c.), in die Muskulatur (intramuskulär, i. m.), in ein Blutgefäß (z. B. Vene, intravenös, i. v.).

Ein Pharmakon, das in allen Bereichen der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde topisch und systemisch angewandt wird, ist Kortison (Synonyme: Kortikoid, Kortikosteroid), das die Wirkungen eines Hormons der Nebennierenrinde hat. Kortison wirkt:
  • antiödematös: unterdrückt Flüssigkeitseinlagerung intra- und extrazellulär

  • immunsuppressiv: unterdrückt Abwehrreaktionen

  • antiphlogistisch: unterdrückt Entzündungsreaktionen.

Chirurgische Therapie
Jeder Eingriff ist ein invasiveschirurgische Therapie Verfahren. Als minimalinvasiv gelten Punktionen und endoskopische Operationen. Für Eingriffe und Operationen ist Schmerzausschaltung durch (örtliche) Lokalanästhesie oder (generelle) Allgemeinanästhesie (Narkose) nötig:
  • PunktionPunktion: Anstechen eines Hohlraums oder Organs, z. B. Venenpunktion zur Blutentnahme

  • endoskopischeOperationen, endoskopische/offene Operationen: durch eine natürliche oder kleine operativ geschaffene Körperöffnung gelangen mit dem Endoskop Blick, Licht und Instrumente in das Operationsgebiet

  • offene Operation: Zugang zum Körperinneren nach Eröffnung der Körperoberfläche durch Schnitt, z. B. als transzervikale Operation mit Eröffnung der Halshaut und Muskeldurchtrennung zu den Halsorganen.

  • InhalationInhalation (lat.): Einatmung von Wirkstoffen

  • parenteral (griech.): unter Umgehung des Darms

  • Pharmakon (griech.): Droge, Arzneimittel

  • transzervikal: von cervix (lat.) Hals; durch den Hals, mit Eröffnung des Halses von außen

Bausteine der Kommunikation

KommunikationsmedizinKommunikation betrifft alle Aspekte der lautsprachlichen und Teilaspekte der schriftsprachlichen Kommunikation. Kommunikationsmedizin befasst sich mit der Ätiologie, Epidemiologie, Pathophysiologie, Symptomatik, Therapie und Prophylaxe von Störungen der Sprache und der Stimme, des Hörens, Sprechens und Schluckens. Lautsprachliche Kommunikation und ihre Störungen sind ohne akustische und kommunikationstheoretische Kenntnisse nicht begreifbar.

Kommunikationstheoretische Grundlagen

Kommunikation
Unter KommunikationKommunikation:theoretische Grundlagen versteht man allgemein den Vorgang der Übermittlung einer Botschaft (Nachricht) von einem Sender zu einem Empfänger (Abb. 1.7).
Das hierzu erforderliche Kommunikationsmittel umfasst:
  • ein System von materiellen, d. h. körperlich existierenden Zeichen, deren Sinn und Gebrauch Sender und Empfänger beherrschen

  • die Möglichkeit, den Inhalt der Botschaft in das Zeichensystem zu verschlüsseln und daraus zu entschlüsseln

  • einen gemeinsamen Übertragungsweg, auf dem die Zeichen vom Sender zum Empfänger gelangen.

Für die lautsprachliche, zwischenmenschliche Kommunikation gilt:
  • Die Kommunikationsteilnehmer sind i. d. R. Sprecher (Sender) und Hörer (Empfänger) in einer Person und verfügen über die Fähigkeit zu expressiven, integrativen und rezeptiven (impressiven) Leistungen.

  • Das Kommunikationsmittel ist die Lautsprache, ein regelhaftes System von bestimmten Schallsignalen, dessen Sinn und Gebrauch Sprecher und Hörer beherrschen müssen.

  • Der Sprecher verschlüsselt Bewusstseinsinhalte in Schallsignale und gibt diese ab, der Hörer entschlüsselt aus den aufgenommenen Schallsignalen die Sinninhalte.

  • Der Übertragungsweg ist Luftschall, wobei der sprachliche Informationsgehalt der Schallsignale durch Modifikation von Schallwellen übertragen wird.

Kommunikationsformen
Abhängig von den verwendeten KommunikationZeichensystemen und dem Übertragungsweg sind lautsprachliche, schriftsprachliche und gebärdensprachliche Kommunikationsformen unterscheidbar. „Verbal“ ist der Ausgangsbegriff für die weitere Differenzierung:
  • verbale Kommunikation:verbaleKommunikationKommunikation:nonverbale: ausschließliche Verwendung von Lautsprache

  • nonverbale Kommunikation: ausschließliche Verwendung von Gebärden (Finger-, Hand-, Arm- und mimische Bewegungen)

  • paraverbaleKommunikation:paraverbale Kommunikation: nicht-lautsprachliche Mittel werden in der Lautsprache mit eingesetzt: Mimik, Gestik, Kopfbewegungen.

Kommunikationsstörung
Aus diesem einfachen Modell lassen sich auch Störungen der lautsprachlichen Kommunikation ableiten:
  • Sprecher und/oderKommunikationsstörungen Hörer beherrschen Sinn und/oder Gebrauch des Kommunikationsmittels „Sprache“ nicht, weil sie diese Fähigkeit nicht erworben oder wieder verloren haben. Beispiele: Sprachentwicklungsstörung (Kap. 9.2.1), Aphasie (Kap. 9.3.1)

  • Der Sprecher ist nicht fähig, die Sinninhalte in die richtigen Schallsignale zu verschlüsseln und/oder diese zu produzieren. Beispiele: Sprechapraxie (Kap. 9.5.1), Dysarthrie (Kap. 9.6.1)

  • Der Hörer ist nicht fähig, die Schallsignale aufzunehmen und/oder die Sinninhalte zu entschlüsseln. Beispiele: periphere Schwerhörigkeit (Kap. 2.1.2), zentrale Hörstörung (Kap. 2.1.2).

  • expressiv (lat.): den kommunikativen Output (Abgabe von Kommunikationssignalen) betreffend

  • impressiv (lat.): den kommunikativen Input (Aufnahme von Kommunikationssignalen) betreffend

  • integrativ (lat.): Steuerung und Verknüpfung des kommunikativen In- und Outputs

  • Modifikation: Änderung der physikalischen Größen eines Schallereignisses

  • PathophysiologiePathophysiologie (griech.): Lehre von den krankhaften Funktionen und Vorgängen im Körper

  • peripher (lat.): im äußeren Körperbereich gelegen, in der Neuroanatomie: Strukturen außerhalb des Gehirns und Rückenmarks

  • PhysiologiePhysiologie (griech): Lehre von den Funktionen und Vorgängen im Körper

  • rezeptiv (lat.): die Aufnahme und Verarbeitung von Kommunikationssignalen betreffend

  • Signal (lat.): messbare, im Zeitverlauf sich ändernde physikalische Größe, die eine Information enthält

  • Schallsignale: Schallereignisse, die Information enthalten

  • verbal (von verbum [lat.] Wort): die lautsprachliche Kommunikation betreffend

  • Zeichen: einer bestimmten materiellen Form wird eine Bedeutung, ein Sinninhalt zugeordnet

  • zentral (lat.): im Mittelpunkt gelegen, in der Neuroanatomie: Strukturen in Gehirn und Rückenmark

Akustische Grundlagen

Schall
Schallereignisse sind akustische Grundlagenhörbare Schwingungen. Dabei bezeichnet:
  • Schwingung: einenSchall zeitlich wiederkehrenden Bewegungsablauf

  • hörbar: Diese Schwingungsabläufe sind der adäquate Reiz für das Hörorgan.

Schall entsteht, wenn in einem Medium durch Anregung Materieteilchen um ihre Ruhelage schwingen und diesen Schwingungszustand an benachbarte Teilchen weitergeben.
Es kommt zeit- und ortsbezogen zu Verdichtungen und Verdünnungen der Teilchenzahl, die sich wellenförmig im Medium ausbreiten. Die Verdichtungen und Verdünnungen führen zu messbaren Druckschwankungen im Medium, die als Schalldruck bezeichnet werden.
Beispiel: Eine angeschlagene Stimmgabel bewirkt Verdichtungen und Verdünnungen der umgebenden Luft, die als Veränderung des Drucks im Zeitverlauf dargestellt werden (Abb. 1.8).
Schwingung
Eine Schwingung Schwingungwird durch die Angabe von Amplitude und Frequenz bzw. Periode beschrieben:
  • Periode: Zeitdauer eines vollständigen Schwingungsdurchlaufs.

  • Frequenz f: Anzahl der vollständigen Schwingungsdurchgänge je Sekunde, angegeben in Hertz (Hz). Es gilt: 1 Hz = 1/s. Die Frequenz wird als Tonhöhe empfunden.

  • Amplitude: Maximalwert einer Veränderung bei einer Schwingung, dabei hängen verschiedene Veränderungsgrößen voneinander ab:

    • Schwingungsamplitude: Maximalwert der Auslenkung eines Teilchens aus seiner Ruhelage während einer Schwingung

    • Dichteamplitude: Maximalwert der durch die Auslenkung der Teilchen bewirkten Änderung der Teilchendichte im Schwingungsverlauf

    • Schalldruckamplitude: Maximalwert der durch die Schwankung der Teilchendichte hervorgerufenen Schwankung des Drucks im Medium. Ohne weitere Angabe bezieht sich der Begriff Amplitude auf die Schalldruckamplitude.

Der Schalldruck p ist (wie jeder Druck) definiert als Kraft/Fläche, angegeben in Pascal (Pa).
Es gilt: 1 Pa = 1 N/m2 (N: Newton). Der Schalldruck wird als Lautstärke (Dynamik) empfunden.
Schalldruckpegel
Für die Angabe des Schalldrucks wird meist der SchalldruckpegelSchalldruckpegel, ein logarithmisches Verhältnismaß, gewählt. Der Grund:
  • die große Dynamikbreite des hörbaren Schalls: das Verhältnis zwischen Hör- und Schmerzschwelle beträgt 10–7

  • der logarithmische Verlauf der Lautstärkeempfindung: In Nähe der Hörschwelle werden bereits kleine Schalldruckänderungen wahrgenommen, an der Schmerzschwelle nur große Änderungen.

Schalldruckpegel L ist der zwanzigfache dekadische Logarithmus des Quotienten gemessener Schalldruck px zu einem festgelegten Bezugsschalldruck po: L = 20 log10 (px/po) dB. Die Einheit, eigentlich das Verhältnismaß, ist Dezibel (dB).
Bei der Angabe des Schalldruckpegels werden Zusätze verwendet:
  • SPL bedeutet Sound Pressure Level: Als Bezugsschalldruck in der Definition des Schalldruckpegels wird die absolute Hörschwelle von 20 μPa gewählt.

  • HL bedeutet Hearing Level: Als Bezugsschalldruck po wird die jeweils frequenzbezogene Hörschwelle normal Hörender als po festgelegt. Damit ist die Hörschwelle für alle Frequenzen 0 dB HL.

  • Der Zusatz A bei der Angabe eines dB-Werts: Bei der Schallmessung wurde ein dem menschlichen Gehör entsprechender Filter verwendet. Das bedeutet, tiefe und sehr hohe Frequenzen werden gedämpft.

Hörfeld
HörfeldSchwingungenSchwingung:Hörfeld mit einer Frequenz zwischen 16 Hz und 20.000 Hz und einem Schalldruck zwischen 20 μPa (= 0 dB SPL) und 200 Pa (= 140 dB SPL) können eine Hörempfindung auslösen. Ab 20 Pa (120 dB SPL) wird zusätzlich eine Schmerzempfindung ausgelöst.
Hörschwelle Hörschwelleund SchmerzschwelleSchmerzschwelle in den angegebenen Frequenzbereichen begrenzen das Hörfeld (Abb. 1.9). In das Hörfeld können die beim Sprechen produzierten Frequenzen und Schalldruckpegel eingezeichnet werden.
Ton, Klang, Geräusch
Schallereignisse TonKlangGeräuschkönnen aus einer oder unbegrenzt vielen Schwingungen bestehen. Sie werden durch den Verlauf der Schalldruckamplituden und die Frequenzen der beteiligten Schwingungen charakterisiert. Die Darstellung erfolgt als:
  • Oszillogramm (Wellenschreibung):Schallsignal:Oszillogramm (Wellenschreibung) Verlauf der Gesamtamplitude des Schallsignals in der Zeit

  • Spektrum („ErscheinungSpektrum (Erscheinung)):Schallsignal:Spektrum (Erscheinung) Zerlegung eines Schallsignals in Teiltöne mit der jeweiligen Amplitude; Frequenzzusammensetzung eines Schallsignals zu einem bestimmten Zeitpunkt

Die grundlegenden Schallereignisse sind Reinton, Klang und Geräusch (Abb. 1.10):
  • Reinton (Sinuston):Reinton (Sinuston) Ein periodisches Schallereignis mit einer einzigen Frequenz, dessen Schwingungsverlauf in zeitlicher Darstellung einer Sinuskurve entspricht.

  • Klang: KlangEin periodisches Schallereignis, das aus der Überlagerung einzelner Sinusschwingungen zusammengesetzt ist, wobei die Frequenzen ganzzahlige Vielfache der tiefsten Frequenz sind. Die tiefste Frequenz wird als Grundton f0 bezeichnet, die übrigen als Obertöne f1, f2 etc., alle zusammen als Teiltöne.

  • GeräuschGeräusch: Ein nichtperiodisches (aperiodisches) Schallereignis, das beliebig viele Schwingungen unterschiedlicher Frequenzen und Amplituden enthält, wobei die Frequenzen in keinem ganzzahligen Verhältnis zueinander stehen.

Wenn alle hörbaren Frequenzen in gleicher Amplitude vorhanden sind, liegt ein weißes Rauschen vor. Frequenzbänder (Ausschnitte) aus diesem Rauschen werden als Schmalband- (z. B. ¹∕₃ Oktave) oder Breitbandrauschen (z. B. 1 Oktave) bezeichnet.
Die Bezeichnungen für Schallereignisse sind in Akustik, Phonetik und Musik unterschiedlich (Tab. 1.8).
Ein SchallsignalSchallsignal ist ein Schallereignis, das Information enthält (Nutzschall). Rauschen ist ein SchallereignisRauschen, Schallereignis ohne Informationswert, das die Information des Nutzschalls beeinträchtigen kann (Störschall).
Resonanz
Stößt man einenResonanz schwingungsfähigen Körper einmalig an, so schwingt er mit einer bestimmten Frequenz, seiner EigenfrequenzEigenfrequenz. Eine angeschlagene Stimmgabel schwingt mit der immer gleichen, bauartbedingten Frequenz, ihrer Eigenfrequenz.
Wird ein schwingungsfähiger Körper mit einer periodisch (in gleichen Zeitabständen) wirkenden Kraft angestoßen, so wird er nach einer Einschwingzeit mit der Frequenz der anstoßenden Kraft schwingen. Allerdings setzt der Körper dieser erzwungenen Schwingung einen Widerstand entgegen, der umso geringer ist, je näher die Frequenz der einwirkenden Kraft an der Eigenfrequenz des Körpers liegt.
Wenn die Frequenz der einwirkenden Kraft gleich der Eigenfrequenz des Körpers ist, wird dieser in seiner Eigenfrequenz mit großer Amplitude schwingen. Wenn die Frequenz der einwirkenden Kraft weit entfernt von der Eigenfrequenz des Körpers ist, wird er nicht in der anregenden Frequenz schwingen.
Die von außen angeregte Eigenfrequenzschwingung nennt man Resonanz (Wiederklang). Der Körper ist der Resonator (Wiederklinger). Ein Körper kann mehrere Eigenfrequenzen haben. Durch Resonanzeffekte wird das Spektrum von Schallereignissen verändert. Die Veränderung der Frequenz und/oder Amplitude eines Schallsignals nennt man Modulation.

  • AkustikAkustik: physikalische Lehre vom Schall

  • Dynamik (griech.): LautstärkeumfangLautstärkeumfang

  • LogarithmusLogarithmus (griech.): mathematisches Verfahren, um große Zahlenwerte übersichtlich darzustellen, indem man diese als Hochzahl einer Basis angibt. Beispiel: Um 1.000.000 klein zu machen, wird die Zahl als 6 zur Basis 10 (dekadischer Logarithmus) geschrieben: 6 = log10 1000000; 1000000 = 106

  • Körper im physikalischen Sinn: jede Art Materie, die ein Volumen und eine Masse besitzt

  • Medium (lat.): Mittel, hier: Materie, in der sich ein physikalischer Zustand ausbreitet

  • OktaveOktave (lat): Frequenzabstand im Frequenzverhältnis 1:2 (z. B. 440 und 880 Hz), musikalisch 12 Halbtonschritte z. B. C bis c

  • periodisch (griech.): gleiche Schwingung:PeriodendauerPeriodendauer aufeinander folgender Schwingungen

  • PhonetikPhonetik: Lehre von den Sprachlauten

 Zusammenfassung 

Die medizinische Fachsprache ist ein unverzichtbares Instrument zur Beschreibung, Dokumentation und Publikation medizinischer Sachverhalte sowie zur interprofessionellen Kommunikation.

Die medizinische Fachsprache verwendet:

  • Termini der anatomischen Nomenklatur. Die Begriffsbildung erfolgt aus lateinischen (auch latinisierten griechischen) Substantiven und Adjektiven, die nach lateinischer Grammatik dekliniert werden.

  • klinische und pathologische Begriffe, die aus Morphemen der griechischen und lateinischen Sprache nach weitgehend einheitlichem Wortbildungsmuster gebildet werden mit der Grundstruktur: Präfix – Wortstamm – Suffix

  • naturwissenschaftliche und klinische Fachbegriffe aus lebenden Sprachen, insbesondere der englischen, die ohne einheitliches Wortbildungsmuster gebildet werden

  • Termini der chemischen, botanischen, zoologischen, bakteriologischen Nomenklaturen

  • Hybride: Mischbildungen aus verschiedenen Sprachen

  • Eponyme: Fachbegriffe, die Eigennamen enthalten

  • Akronyme: Abkürzungen, bei denen jeder Buchstabe für ein Wort steht

  • Codierungen: Kombinationen von Zeichen (Buchstaben, Ziffern), die auf einen Begriff innerhalb einer Klassifikation verweisen

  • Trivialbezeichnungen: vereinfachte Begriffsbildungen, die im medizinischen Berufsalltag aus Bequemlichkeit verwendet und oft aus einer Kombination von griechischen, lateinischen und deutschen Wörtern gebildet werden.

Die praktische ärztliche Tätigkeit orientiert sich an einem logisch aufgebauten System zur Erkenntnisgewinnung und -anwendung: Anamneseerhebung, Befunderhebung, Diagnosestellung, Therapieverfahren. Zur BefunderhebungBefunderhebung gehören körperliche Untersuchung, Spiegeluntersuchung und Endoskopie, Bildgebung, Funktionsuntersuchungen sowie Untersuchung von Körpermaterial.

Ein KrankheitsbildKrankheitsbild zeichnet sich durch einheitliche Ätiologie, Pathogenese, Symptomatik, Prognose aus. Ein Syndrom zeigt eine einheitliche Symptomatik bei unterschiedlicher Ätiologie.

Der Krankheitsbild:ZeitverlaufZeitverlauf von krankhaften Zuständen wird beschrieben als akut oder chronisch, passager oder permanent, progredient oder rezidivierend.

Hinsichtlich des Zeitpunkts des Auftretens werden angeborene (konnatale) von postnatal erworbenen Krankheiten unterschieden.

Wichtige nosologische „nosologische EinheitSchubladen“ sind:

  • angeborene und erworbene Fehlbildungen

  • Verletzungen und Verletzungsfolgen

  • akute und chronische Entzündungen

  • gutartige und bösartige Tumoren

  • Funktionsstörungen: Störungen der normalen Funktion von Zellen, Geweben, Organen

  • funktionelle Störungen: Störungen einer Körperfunktion ohne erkennbare organische anatomische Grundlage

  • psychische Störungen: Störungen des Erlebens, Denkens und Verhaltens.

Die wichtigsten TherapieverfahrenTherapieverfahren sind:

  • Beratung

  • einfache manuelle („handwerkliche“) Behandlung

  • physikalische Therapie

  • übende Verfahren: Logopädie/Sprachtherapie, Physiotherapie, Ergotherapie

  • Therapie mit „seelischen“ Mitteln: Psychotherapie

  • Therapie mit Medikamenten: PharmakotherapiePharmakotherapie

  • Therapie mit radioaktiven Strahlen

  • chirurgische Therapie

KommunikationsmedizinKommunikationsmedizin betrifft alle medizinischen Aspekte der lautsprachlichen zwischenmenschlichen Kommunikation. Sie befasst sich mit Störungen des Hörens, Sprechens, der Stimme und Sprache sowie des Schluckens.

Unter Kommunikation versteht man den Vorgang der Übermittlung einer Botschaft (Nachricht) von einem Sender zu einem Empfänger. Für die lautsprachliche, zwischenmenschliche Kommunikation gilt: Die KommunikationsteilnehmerKommunikationsteilnehmer sind i. d. R. Sprecher (Sender) und Hörer (Empfänger) in einer Person und verfügen über die Fähigkeit zu expressiven, integrativen und rezeptiven Leistungen. Der Sprecher verschlüsselt Bewusstseinsinhalte in Schallsignale und gibt diese ab, der Hörer entschlüsselt aus den aufgenommenen Schallsignalen die Sinninhalte. Der Übertragungskanal ist der Luftschall.

Hörbare Schwingungen Schwingungsind Schall.Schall Eine Schwingung wird durch die Angabe von Amplitude und Frequenz bzw. Periode beschrieben. Periode ist die Zeitdauer eines vollständigen Schwingungsdurchlaufs. Frequenz ist die Anzahl der Schwingungsdurchgänge je Sekunde, angegeben in Hertz. Die Frequenz wird als Tonhöhe empfunden.

Die Amplitude bezeichnet den Maximalwert einer Veränderung bei einer Schwingung. Die Schalldruckamplitude wird in Pascal oder als Schalldruckpegel angegeben. Der Schalldruckpegel ist ein logarithmisches Verhältnismaß zwischen gemessenem Schalldruck und Bezugsschalldruck, angegeben in Dezibel. Schwingungen mit einer Frequenz zwischen 16 und 20.000 Hz und einem Schalldruck ab 20 μPa (= 0 dB SPL) können eine Hörempfindung auslösen.

Die grundlegenden Schallereignisse sind Reinton, Klang und Geräusch, die als Oszillogramm und Spektrum dargestellt werden.

Vokale sind Klänge, stimmhafte Konsonanten sind Klang-Geräusch-Gemische, stimmlose Konsonanten sind Geräusche.

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