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B978-3-437-44446-3.00005-5

10.1016/B978-3-437-44446-3.00005-5

978-3-437-44446-3

Oberer Aerodigestivtrakt mit Nasenhöhle, Rachen, Kehlkopf, Luftröhre sowie Mundhöhle und Speiseröhre

[S007-23]

Mundhöhle, Cavitas oris

[S007-23]

Muskeln des weichen Gaumens

[L234]

RachenmuskelnRachenmuskeln, Mm. pharyngis. Ansicht von dorsal

[S007-23]

Inspektion der Mundhöhle

[K352]

Endoskopie des Nasopharynx:EndoskopieNasopharynx mit dem gedrehten Lupenlaryngoskop

[K352]

a und b Nasopharynx a) Nasopharynx:EndoskopieEndoskopischer Blick auf Choanen und Rachenmandel, b) Prinzip der transoralen Endoskopie des Nasopharynx

[T720]

a bis c Spaltbildung im Blick von kaudal a) sekundäre Velumspalte, b) einseitige kombinierte LKG, c) beidseitige kombinierte LKG

[L157]

Akute Tonsillitis mit Fibrinbelägen auf beiden Gaumenmandeln

[X333-06]

Prinzip der Adenotomie. Das operative Setting ist das gleiche wie bei der Tonsillektomie.

[E872]

Tonsillektomie. Der Patient ist intubiert. Die Mundhöhle ist durch einen Mundsperrer aufgehalten. Die Gaumenmandeln werden mit der Kapsel von den Gaumenbögen ausgeschält. Die Adenotomie erfolgt prinzipiell in gleicher Weise.

[X333-08]

Muskeln der Mundhöhle und ZungenbeinmuskulaturMundbodenmuskulaturKaumuskulaturZunge

Tab. 5.1
Muskelgruppe Muskel (Innervation) Funktion
mimische Muskulatur (Auswahl) M. buccinator (N. VII) Wangenspanner
M. orbicularis oris (N. VII) Lippenbeweger
Platysma (N. VII) Unterkiefersenker
Kaumuskulatur M. temporalis (N. V3)
M. masseter (N. V3)
Mm. pterygoidei (N. V3)
Unterkieferschließer
Unterkiefervorschieber
Unterkieferrückzieher
äußere Zungenmuskulatur Mm. genio-/hyo-/styloglossus (N. XII) Zungenbeweger
innere Zungenmuskulatur Mm. longitudinales, transversus, verticalis linguae (N. XII) Zungenformer
Mundbodenmuskulatur = obere Zungenbeinmuskulatur M. mylohyoideus (N. V3)
M. digastricus venter anterior (N. V3)
M. digastricus venter posterior (N. VII)
M. stylohyoideus N. XII
M. geniohyoideus (N. XII)
Zungenbein- und Kehlkopfheber, Unterkieferöffner, Mundbodenspanner,
Kinn-Zungenbein-Muskel

Muskeln des weichen GaumensegelheberGaumenbogenspannerGaumens

Tab. 5.2
Funktionsgruppe Muskeln (Innervation) Funktion
Gaumensegelheber M. levator veli palatini (N. IX)
M. tensor veli palatini, (N. V3)
M. uvulae (Nn. IX/X)
Gaumensegelheber und -spanner, Öffner der Tube (Kap. 2.1.1)
Gaumenbogenspanner M. palatopharyngeus (Nn. IX/X)
M. palatoglossus (Nn. IX/X)
Schlundengenbegrenzer

Etagen des Pharynx (Rachen)OropharynxNasopharynxLaryngopharynx

Tab. 5.3
Anatomische Bezeichnung Öffnung zu(r) Ausdehnung sensible
Innervation
Nasopharynx (Nasenrachen, Epipharynx) Nasenhöhle vom Rachendach bis zum Gaumensegelrand N. V2
Oropharynx (Mundrachen, Mesopharynx) Mundhöhle vom Gaumensegelrand bis zum Kehldeckelrand N. IX
Laryngopharynx (Kehlrachen), Hypopharynx Kehlkopf vom Kehldeckelrand bis zum Ringknorpelunterrand N. X

Üblich sind die Bezeichnungen Naso-, Oro- und Hypopharynx.

Muskeln des RachenmuskelnRachens

Tab. 5.4
Funktionsgruppe Muskeln Funktion
Schlundschnürer
  • M. constrictor pharyngis superior (N. IX)

  • M. constrictor pharyngis medius (N. IX/X)

  • M. constrictor pharyngis inferior (N. X)

  • Verengung der Rachenweite, velopharyngealer Abschluss

  • Bolustransport

Schlundheber
  • M. palatopharyngeus (N. IX)

  • M. stylopharyngeus (N. IX)

  • M. salpingopharyngeus (N IX)

  • Anhebung des Kehlkopfs und Rachens

  • Öffner der Tuba auditiva

Lymphatischer Rachenring (Waldeyer)ZungenmandelTubenmandelnSeitensträngeRachenmandellymphatischer Rachenring (Waldeyer)Gaumenmandeln

Tab. 5.5
Lymphatische Struktur dt. Bezeichnung Lage
Tonsilla pharyngea Rachenmandel Dach des Nasopharynx
Tonsillae palatinae Gaumenmandeln beidseitig zwischen vorderem und hinterem Bogen des weichen Gaumens
Tonsilla lingualis Zungenmandel Zungengrund
Tonsillae tubariae Tubenmandeln beidseitig um den Eingang der Ohrtrompete
Plicae tubopharyngicea Seitenstränge beidseitig an der Rachenhinterwand, nicht immer vorhanden

Entzündungen der Mund- und StomatitisPharyngitisGlossitisCheilitisRachenschleimhaut

Tab. 5.6
Bezeichnung Entzündung der häufige Erreger
Cheilitis Lippen(schleim)haut Herpes-Virus
Stomatitis Mundschleimhaut Soor-Pilz, Herpes-Virus
Glossitis Zungenschleimhaut Soor-Pilz, Herpes-Virus
Pharyngitis Rachenschleimhaut „Erkältungs“-Viren, Bakterien

Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre

Lernziele

  • Überblick Anatomie und Physiologie von Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre

  • körperliche und endoskopische Untersuchung, Bildgebung

  • Überblick Funktionsprüfungen: Schlucken, Artikulieren, Schmecken

  • sprachtherapeutisch wichtige Krankheitsbilder

  • Grundzüge der operativen und nichtoperativen Therapie

Anatomie und Physiologie

Anatomie

Oberer Verdauungstrakt
Mundhöhle, Verdauungstrakt, obererRachen (Schlund) und Speiseröhre bilden den oberen Teil des Verdauungstrakts. Der Rachen ist auch Teil der Atemwege (Abb. 5.1), entsprechend wird auch vom oberen Aerodigestivtrakt („Luft-Verdauungs-Zug“) gesprochen. Die Schleimhaut des oberen Verdauungstrakts ist – außer dem Nasenrachen, der Flimmerepithel trägt (Kap. 4.1.1) – mit mechanisch robustem Plattenepithel bedeckt.
Primärfunktion des Verdauungstrakts ist die Aufnahme und Verwertung der Nahrung, als Sekundärfunktion sind Rachen und Mundhöhle Teil des Ansatzrohrs für die Lautbildung.
Mundhöhle
Die MundhöhleMundhöhle (Cavitas oris) ist der schleimhautausgekleidete Raum, der von Lippen, Wangen, Mundboden, hartem (knöchernem) Gaumen und weichem (muskulärem) Gaumen begrenzt ist und vom Unterkiefer größenveränderlich aufgespannt wird (Abb. 5.2).
Der Raum zwischen Lippen, Wangen und Zahnreihen wird als Mundvorhof (Vestibulum oris) von der eigentlichen Mundhöhle (Cavitas oris propria) abgegrenzt. Der Übergang von der Mundhöhle zum Mundrachen wird Schlundenge (Isthmus faucium) genannt.
Die sensible Innervation der Mundhöhle erfolgt durch den zweiten und dritten Trigeminusast.
Die MundhöhleMundhöhle wird durch mimische mimische MuskulaturMuskulatur (Tab. 5.1), MundbodenmuskulaturMundbodenmuskulatur und GaumenmuskulaturGaumenmuskulatur (Tab. 5.2) begrenzt. Die äußere ZungenmuskulaturZungenmuskulatur verbindet die Zunge mit Unterkiefer, Zungenbein und Schläfenbein, die innere Zungenmuskulatur formt die Zunge.
Zähne (Dentes)
Die Zähne (Dentes)Zähne werden vier Quadranten zugeordnet, die im Uhrzeigersinn bezeichnet sind. Innerhalb jedes Quadranten werden die Zähne von mesial (Zahnbogenmitte) nach distal (Zahnbogenende) gezählt:
Bleibendes Gebiss:
Milchgebiss:
Die Fächer für die Zahnwurzeln (Alveolen) bilden im Unter- und Oberkiefer den Alveolarfortsatz.
In die Mundhöhle münden die Ausführungsgänge der Kopfspeicheldrüsen (Kap. 7.1.1):
  • die Ohrspeicheldrüsen an den Wangen gegenüber den Zähnen 15, 25

  • die Unterkiefer- und Unterzungendrüsen am Mundboden gegenüber den Zähnen 31, 41.

Gaumen
Der harte Gaumen, harter/weicherGaumen (Palatum durum) ist eine schleimhautüberzogene Knochenplatte, die die Mundhöhle von der Nasenhöhle trennt.
Der weiche Gaumen (Palatum molle) besteht aus schleimhautüberzogener Muskulatur, bildet das Gaumensegel (Velum palatini) und läuft seitlich in einen vorderen und hinteren Bogen aus. Durch Heben und Anspannen des Gaumensegels wird in Verbindung mit der Ausbildung eines ringartigen Muskelwulstes an der Rachenwand (Passavant-Passavant-WulstWulst) der Oropharynx zum Nasopharynx abgedichtet (Tab. 5.2, Abb. 5.3). An diesem velopharyngealen Abschluss ist außer der Gaumenmuskulatur auch der obere Schlundschnürermuskel beteiligt.
Kiefergelenk
Die Öffnung der Mundhöhle wird durch die Bewegungen des KiefergelenkKiefergelenks (Articulatio temporomandibularis) verändert. Außer Mundöffnung (Abduktion) und -schließung (Adduktion) finden Schiebebewegungen nach vorne und zurück sowie geringe Seitbewegungen (Mahlbewegungen) des Unterkiefers statt.
Zunge
Die ZungeZunge ist ein schleimhautüberzogener Muskelkörper, der in Spitze (Apex), Körper (Corpus) und Wurzel (Radix, Zungengrund) eingeteilt wird. Der Zungengrund reicht bis zum Kehldeckel und gehört zum Oropharynx.
Die Oberfläche, der Zungenrücken (Dorsum), zeigt kleine Fäden und Erhebungen (Papillen), die das Sinnesepithel zur Geschmackswahrnehmung tragen. Die vorderen ²∕₃ der Zunge werden sensibel vom N. trigeminus V3 und geschmackssensorisch vom N. facialis versorgt. Das hintere Drittel wird sensibel und sensorisch vom N. Nervus(-i):glossopharyngeus (IX)glossopharyngeus versorgt.
Pharynx
Der PharynxPharynx (Rachen s. PharynxRachen, Schlund)Schlund s. Pharynx ist ein schleimhautbedeckter Muskelschlauch, der von der Schädelbasis bis zum 6. Halswirbelkörper reicht und in drei Etagen unterteilt wird. Jede Etage weist eine Öffnung nach vorne auf (Tab. 5.3).
Beidseits im seitlichen Nasopharynx liegt die pharyngeale Öffnung der Tuba auditiva (Ohrtrompete) (Kap. 2.1.1) umgeben vom Tubenwulst.
Der Hypopharynx umgibt den Kehlkopf wie eine hufeisenförmige Rinne, die zu beiden Seiten als Recessus (oder Sinus) piriformis (birnenförmige Ausbuchtung) und hinten als Postkrikoidregion (Hinter-Ringknorpel-Region) (Kap. 6.1.1) zur Speiseröhre führt.
N. vagus und N. glossopharyngeus bilden in der Rachenwand ein Geflecht (Plexus pharyngis) mit sensiblen und motorischen Fasern für den Rachen.
Rachenmuskeln
Die RachenmuskelnRachenmuskeln werden in SchlundschnürerSchlundschnürer (Mm. constrictores) und SchlundheberSchlundheber eingeteilt (Tab. 5.4, Abb. 5.4).
Am M. constrictor pharyngis inferior wird eine Pars thyropharyngea (Synonym: M. thyropharyngeus) und eine Pars cricopharyngea (Synonym: M. cricopharyngeus) unterschieden. Der M. cricopharyngeus ist in eine Pars obliqua (schräg verlaufend) und eine Pars fundiformis (schleuderförmig) geteilt. Dazwischen liegt eine muskelschwache Stelle, das sog. Killian-Dreieck.
Lymphatischer Rachenring
Im gesamten Rachenraum befindet sich makroskopisch abgrenzbar lymphoepitheliales Gewebe für unspezifische und spezifische Abwehrfunktionen (Tab. 5.5).
Ösophagus
Der ÖsophagusÖsophagus ist ein schleimhautausgekleideter Muskelschlauch mit einer inneren Ringmuskel- und äußeren Längsmuskelschicht.
Durch von kranial nach kaudal aufeinander folgende Kontraktionen der Ringmuskeln wird der Ösophagusinhalt in Richtung Magen befördert. Dieser unwillkürlich ablaufende Vorgang wird als PeristaltikPeristaltik bezeichnet, durch den N. vagus gefördert und durch den Truncus symphaticus gehemmt.
Der Ösophagus hat drei physiologische Engstellen:
  • obere: den Ösophaguseingang in Höhe des Ringknorpels und M. cricopharyngeus (Kap. 6.1.1)

  • mittlere: die Kreuzungsstelle mit dem Aortenbogen in Höhe der Bifurkation der Trachea (Kap. 6.1.1)

  • untere: den Durchtritt durch das Zwerchfell.

Die Öffnung des Ösophagus wird am oberen und unteren Ende durch Schließsysteme reflektorisch gesteuert:
  • oberer Ösophagussphinkter, oberer/untererÖsophagussphinkter: M. cricopharyngeus und Ringmuskeln des oberen Ösophagus, dazu Venenpolster mit veränderlichem Füllungszustand (Synonym: pharyngoösophageales Segment)

  • unterer Ösophagussphinkter, Ringmuskeln am Übergang zum Magen und Venenpolster.

  • BolusBolus: schluckbare Nahrungsportion von 5–20 ml

  • lymphoepithelial: aus Lymphozyten (weiße Blutkörperchen für Abwehrfunktion) und Epithelzellen (Deck- und Drüsenzellen) bestehend

  • Truncus sympathicus: „sympathischer Strang“, Teil des autonomen Nervensystems

Physiologie

Mundhöhle
  • Verdauungsfunktion:

    • Mundhöhle:PhysiologieNahrungsaufnahme: Saugen, Abbeißen

    • Bearbeitung: Zerkleinern (Kauen), Einspeicheln, Bolusformung (schluckbare Portion)

    • Transport des Bolus an den Eingang des Oropharynx durch Muskelaktivität

    • Auslösen des Schluckreflexes

  • Sinnesfunktion Schmecken: Wahrnehmung von chemischen Stoffen und Kontrolle der Nahrung

  • Sinnesfunktion Tasten: Berührungs-, Schmerz-, Temperaturempfinden zur Nahrungskontrolle sowie räumliches Erkennen (Stereognosie) für Bolusformung und Lautbildung

  • ArtikulationsfunktionArtikulation:Mundhöhle (Kap. 9.1.2): Veränderung der Mundöffnung, Zungenbewegung und Zungenformung zur Bildung von

    • einstellbaren Resonanzräumen der Vokale und stimmhaften Oralkonsonanten

    • Engstellen für die Produktion der Oralkonsonanten.

Pharynx
  • Pharynx:PhysiologieVerdauungsfunktion SchluckenSchlucken/Schluckvorgang: Beförderung von Speichel und Nahrung vom Oropharynx über den Hypopharynx in den Ösophagus unter Verschluss des Nasopharynx und Kehlkopfeingangs. Dabei Schutz der Luftwege in Nasopharynx und Nase durch muskulären velopharyngealen Abschluss (Kap. 5.1.1).

  • Atemfunktion: Atemluft wird von der Nase in den Kehlkopf geleitet, dabei weitere Erwärmung, Anfeuchtung und Reinigung

  • Abwehrfunktion: immunkompetente Zellen in den lymphatischen Organen des Rachenrings für Erregerabwehr

  • Artikulationsfunktion: aufgrund Veränderung des Luftdurchgangs vom Oropharynx in den Nasopharynx durch Gaumensegelanheben und Rachenverengung wird das Ausmaß der nasalen Resonanz eingestellt oder verhindert. Auch der Rachen dient der Stimmresonanz und Konsonantenproduktion: pharyngeales [χ].

Ösophagus
  • Verdauungsfunktion Transport: Ösophagus:PhysiologieBeförderung von Speichel und Nahrung in den Magen durch Peristaltik und koordiniertes Schließen und Öffnen der Ösophagussphinkter

  • Stimmfunktion: bei Verlust des Kehlkopfs wird schwingungsfähiges Gewebe am oberen Ösophaguseingang als Pseudoglottis verwendet (Kap. 8.4.2).

Untersuchung

Leitsymptome

Mundhöhle und Rachen
Allgemeine Symptome:
  • Druckgefühl oder Mundhöhle:Erkrankungen, SymptomeSchmerz im Mund oder Rachen, oft in die Ohrregion ausstrahlend

  • Trockenheitsgefühl, verminderter oder verstärkter Speichelfluss

  • Sekretfluss im Rachen

  • Blutung aus dem Mund oder in den Rachen.

Funktionsbezogene Symptome:
  • Saug-, Beiß-, Kaustörung

  • SchluckstörungSchluckstörungen: Transportstörung Pharynx:Erkrankungssymptome(Retention) oder nasaler oder laryngealer Nahrungseintritt (Penetration) (Kap. 10.1.1)

  • SchmeckstörungSchmeckstörungen: Ageusie, Hypogeusie, Parageusie (fehlendes, vermindertes, falsches Geschmacksempfinden)

  • geschlossenes NäselnNäseln (Hyporhinophonie, Rhinophonia clausaRhinophonia/Rhinophonie:clausa) und behinderte Nasenatmung bei Verlegung des Nasopharynx (Kap. 9.3.2)

  • offenes Näseln (HyperrhinophonieHyperrhinophonie, Rhinophonia apertaRhinophonia/Rhinophonie:aperta) bei velopharyngealer Insuffizienz (Kap. 9.3.2)

  • gestörte Lautbildung, Artikulationsstörung (Kap. 9.3.2)

  • SchnarchenSchnarchen (Rhonchopathie) (Rhonchopathie): Geräuschbildung im Schlaf an Engstellen mit vibrierenden Strukturen, z. B. Gaumensegel und Zungengrund.

Ösophagus
Allgemeine und funktionsbezogene Symptome:
  • Druckgefühl oder Ösophagus:ErkrankungssymptomeMissempfindung wie „Sodbrennen“ oder Schmerz hinter dem Brustbein oder zwischen den Schulterblättern

  • Schluckstörung: Transportstörung (Retention), Rücktransport (Regurgitation).

  • nasale nasale PenetrationPenetration: Eindringen von Flüssigkeit und/oder fester Nahrung in den Nasopharynx beim Schlucken. Synonym wird auch der Begriff nasale Regurgitation verwendet, der nicht korrekt ist, denn Regurgitation bedeutet Rücktransport von Nahrung in den Rachen.

  • velopharyngeale velopharyngeale InsuffizienzInsuffizienz: ungenügender Abschluss des Nasopharynx vom Oropharynx beim Schlucken und Artikulieren

Inspektion, Palpation und Endoskopie

Inspektion und Palpation von Mundhöhle und Oropharynx
Die Mundhöhle:Inspektion/PalpationMundhöhleOropharynx:Inspektion/Palpation und der Oropharynx (außer dem Zungengrund) sind einer direkten Inspektion, notfalls mit Taschenlampenbeleuchtung, zugänglich. Um einen guten Überblick zu bekommen, wird die Zunge mit einem Mundspatel nach unten oder zur Seite gedrückt, zusätzlich können die Wangen mit einem zweiten Spatel zur Seite gehalten werden (Abb. 5.5).
Bei der Hals-Nasen-Ohren-ärztlichen Untersuchung erfolgt die Lichtzufuhr durch den geöffneten Mund mittels:
  • Stirnreflektor, der das Licht aus einer Lampe neben dem Kopf des Patienten einspiegelt

  • Stirnlampe

  • binokularen Ohrmikroskops, das zusätzlich ein gut ausgeleuchtetes, vergrößertes, räumliches Bild einzelner Stellen bietet.

Die Inspektion kann durch eine Motilitäts- und Sensibilitätsprüfung ergänzt werden.
Bei der MotilitätsprüfungMundhöhle:Motilitätsprüfung lässt man:
  • den Mund zur Prüfung des Kiefergelenks öffnen und schließen

  • die Lippen runden, die Mundwinkel zur Seite ziehen, die Wangen aufblasen

  • die Zunge herausstrecken, die Lippen mit der Zungenspitze umfahren

  • ein [a:] phonieren und beobachtet die Bewegung des Gaumensegels und der Rachenhinterwand.

Bei der SensibilitätsprüfungMundhöhle:Sensibilitätsprüfung bestreicht man seitengetrennt mit einem Watteträger:
  • Lippen, Wangenschleimhaut

  • Zunge bis Zungengrund

  • Gaumensegel und Rachenhinterwand.

Die enorale Palpation (mit Einmalhandschuhen) kann zur Beurteilung von Zunge, Mundboden, Zungengrund, Nasopharynx bei Tumorverdacht erforderlich sein.
Am harten und weichen Gaumen kann mit der Kante des Mundspatels nach einer submukösen Gaumenspalte (Kap. 5.3.1) getastet werden.
Die Palpation des äußeren Halses mit Lymphknoten, Schilddrüse und Kopfspeicheldrüsen ist unabdingbar. Bei der Palpation der Ohr- und Unterkieferspeicheldrüsen wird der Speichelfluss durch Inspektion der Mündungsöffnungen kontrolliert.
Bei Kauproblemen werden auch Kiefergelenke und die Kaumuskulatur palpiert.
Untersuchung von Nasopharynx, Hypopharynx und Zungengrund
Der Nasopharynx:UntersuchungHypopharynx:UntersuchungNasopharynxZungengrund, Untersuchung wird durch die hintere Rhinoskopie und NasenrachenendoskopieNasenrachenendoskopie (Kap. 4.2.2) (starr oder flexibel) untersucht (Abb. 5.6, Abb. 5.7a und b).
Der Hypopharynx und der Zungengrund werden mittels indirekter LaryngoskopieLaryngoskopie (Kap. 6.2.2) (Spiegel/Lupenlaryngoskop/flexibles Rhinopharyngoskop) oder bei entsprechender Indikation mittels direkter MikrolaryngoskopieMikrolaryngoskopie (Kap. 6.2.2) untersucht.
Untersuchung des Ösophagus
Der ÖsophagusÖsophagus:Untersuchung wird durch starre oder flexible Ösophagoskopie (Speiseröhrenspiegelung) untersucht.
Bei der starren ÖsophagoskopieÖsophagoskopie, starre wird ein Rohr mit integrierter Lichtzufuhr über den Mund in die Speiseröhre eingeführt. Die Untersuchung erfolgt in Allgemeinnarkose mit überstrecktem Kopf des Patienten. Für Fremdkörperextraktion, Biopsien und operative Eingriffe können Instrumente durch das Lumen geführt werden.
Bei der flexiblen ÖsophagogastroskopieÖsophagogastro(duodeno)skopie:flexible wird ein flexibles Endoskop transoral in den Ösophagus geführt und bis durch den Magen geschoben. Die Untersuchung ist in Oberflächenanästhesie möglich. Durch den Arbeitskanal im Endoskop können Instrumente für Biopsien eingeführt werden.

Extraktion: das Herausziehen

Bildgebung

Bildgebung kann Verdauungstrakt, oberer:BildgebungInspektion und Endoskopie ergänzen, aber nicht ersetzen.
  • Sonografie der Halsweichteile: schnelle Beurteilung von Speicheldrüsen, Lymphknoten, Schilddrüse, Blutgefäßen, Zunge und Mundboden

  • Röntgenübersichtsaufnahmen: Darstellung der Zähne, Kiefergelenke, Halswirbelsäule

  • Röntgendarstellung des Schluckakts während des Schluckens eines Kontrastmittels:

    • einfacher Ösophagusbreischluck (Breipassage): 3–4 Aufnahmen während des Schluckens zeigen ein statisches Bild der Kontrastmittelverteilung im Hypopharynx und Ösophagus

    • Video-Röntgenkinematografie (Röntgenvideografie, Videofluoroskopie): alle Phasen des Schluckakts werden mit 25 oder 50 Bildern pro Sekunde videogefilmt; damit ist eine zeitlupenähnliche Bild-für-Bild-Betrachtung der Schluckphasen möglich

  • Computer- und Magnetresonanztomografie zur genauen strukturellen Darstellung insbesondere bei Tumorverdacht.

Funktionsprüfungen

Oropharyngeale Schluckfunktion
  • orientierende Prüfung:Verdauungstrakt, oberer:Funktionsprüfungen oropharyngeale SchluckfunktionNacheinander werden Probeschlucke mit 50 ml gefärbtem Wasser, breiiger und fester Nahrung durchgeführt; vor und nach dem Schlucken erfolgen Inspektion und Lupenendoskopie oder während des Schluckens die flexible transnasale Pharyngolaryngoskopie

  • genaue Prüfung des Schluckakts (Kap. 10.3.2).

Geschmackssinn
  • subjektive GeschmacksprüfungSchmeckprüfung mit auf die Zunge getropfter Zucker-, Zitronen-, Salz- und Chinin-Lösung

  • zusätzlich kann durch Reizung mit elektrischem Strom die Schwelle bestimmt werden, die eine Geschmacksempfindung auslöst (Elektrogustometrie)

  • objektive Prüfung durch gustatorisch evozierte Potenziale: Messung von Veränderungen der Hirnströme, die nach Applikation von definierten Geschmacksstoffen ausgelöst werden (kein Routineverfahren).

Artikulationsprüfung
  • orientierende Lautprüfung: ArtikulationsprüfungVokale, Konsonanten, Konsonantenverbindungen nachsprechen lassen, bei Kindern mit altersentsprechendem Bildmaterial

  • orientierende Nasalitätsprüfung mit polierter Metallplatte (Kap. 4.2.3)

  • genaue Artikulations- und Nasalitätsprüfungen (Kap. 9.3.2).

Funktionsprüfungen des Ösophagus
  • ManometrieManometrie: Messung des Ösophagus:FunktionsprüfungenDruckverlaufs im Pharynx und Ösophagus in Ruhe und während des Schluckens an mehreren Stellen mittels einer eingeführten Sonde; gibt Hinweise auf die Muskelkräfte der Peristaltik und die Funktion des oberen und unteren Ösophagussphinkters

  • ManofluoroskopieManofluoroskopie (auch Manofluorografie): Kombination der Druckmessung mit der radiologischen Videodarstellung des Schluckvorgangs

  • pH-MetriepH-Metrie: Messung des pH-Werts (Säurewerts) im Ösophagus und Hypopharynx über 24 Stunden mittels einer transnasal eingeführten Sonde; wichtig zum Nachweis eines Refluxes (Rückfluss) von saurem Magensaft in den Ösophagus.

gustatorisch evozierte Potenziale: elektrische Spannungsänderungen im zentralen Nervensystem, die durch Verarbeitung von Geschmacksreizen hervorgerufen werden

Klinik

Krankheiten des Kausystems und des Ösophagus betreffen nur teilweise die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und werden in Lehrbüchern der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde bzw. der Inneren Medizin und Thoraxchirurgie besprochen. Die Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte wird wegen ihrer grundsätzlichen sprachtherapeutischen Bedeutung hier angeführt.

Angeborene Fehlbildungen

Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten (LKG)
Terminologie und Ätiologie
Eine Lippen-Kiefer-Gaumen-SpalteLippen-Kiefer-Gaumen-Spalte (LKG) ist eine angeborene Spaltbildung, die die Oberlippe, den Alveolarfortsatz des Oberkiefers, den harten Gaumen und das Gaumensegel betreffen kann (Abb. 5.8a bis c).
Nach dem embryonalen Entstehungszeitpunkt werden unterschieden:
  • primäre Spalten: betreffen die Lippen und Kieferknochen

  • sekundäre Spalten: betreffen den harten und weichen Gaumen

  • kombinierte Spalten: betreffen als Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte die gesamte Mundregion.

Submuköse Gaumenspalten sind Spaltbildungen des harten und/oder weichen Gaumens, die von Schleimhaut überdeckt sind. Ein Hinweis kann ein gespaltenes Gaumenzäpfchen sein.
Auch eine operativ verschlossene oder submuköse GaumenspalteGaumenspalte kann eine velopharyngeale Insuffizienz verursachen.
Ursachen sind überwiegend genetische Faktoren, ansonsten exogene embryonale Schädigungen (Alkohol, Medikamente, Infektionskrankheiten, Vitamin-A-Überdosierung, radioaktive Strahlung).
Klassifikation
Die Einteilung folgt der L-A-H-S-H-A-L-LAHSHAL-Klassifikation, :Lippen-Kiefer-Gaumen-SpalteKlassifikationLippen-Kiefer-Gaumen-Spalte:LAHSHAL-Klassifikation, bei der die Buchstaben die anatomische Region in engl. Sprache bezeichnen: Lip – Alveolus – Hard palate – Soft palate – Hard palate – Alveolus – Lip.
Der Befund wird von rechts außen nach innen und von innen nach links außen mit einem Großbuchstaben für vollständige, Kleinbuchstaben für unvollständige, Querstrich für nicht vorhandene Spalte gekennzeichnet.
Symptome
Je nach betroffener Region bestehen:Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte
  • Ernährungsschwierigkeiten ab Geburt, Nahrungsaustritt aus der Nase

  • Sprachentwicklungsstörung, phonetisch-phonologische Entwicklungsstörung (Kap. 9.2.1)

  • Artikulationsstörung (PalatolaliePalatolalie, HyperrhinolalieHyperrhinolalie) (Kap. 9.3.1)

  • StimmklangänderungStimmklang:Änderung (PalatophoniePalatophonie, HyperrhinophonieHyperrhinophonie) (Kap. 9.3.1)

  • chronische Tubenfunktionsstörung, SchallleitungsschwerhörigkeitSchallleitungsschwerhörigkeit (Kap. 2.3.3)

  • Okklusionsstörung durch Zahnstellungsanomalie (Kap. 9.3.1).

Interdisziplinäre Therapie bei LKG
Die Zeiträume für die operative Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte:Symptome/TherapieBehandlung variieren je nach Ausprägung der Spalte und unter Berücksichtigung der Gesamtsituation des Kindes.
  • Kieferorthopädie, Zahnmedizin:

    • Anpassung einer Oberkieferplatte (Trinkplatte) am 1. Lebenstag

    • Kariesvorbeugung ab 1. Lebenstag, Kariesbehandlung ab 2. Lebensjahr

    • kieferorthopädische Behandlung ab 6. Lebensjahr

  • Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie:

    • Lippenspaltenverschluss 4.–6. Monat

    • Weichgaumenverschluss 7.–12. Monat

    • Hartgaumenverschluss und Kieferspaltverschluss 12.–30. Monat

  • HNO-Heilkunde, Pädaudiologie:

    • UNHS (Kap. 3.2.4) bis 3. Lebenstag, audiometrische Kontrollen während gesamter Kindheit

    • Myringotomie mit PaukenröhrchenPaukenröhrchen (Kap. 2.4.2) im Rahmen der kieferchirurgischen Operationen, um Narkose zu nutzen

    • Septorhinoplastik (Kap. 4.4.2) ab 17. Lebensjahr

  • Phoniatrie, Logopädie:

    • Ess- und Trinkberatung ab 4. Monat

    • Sprach-, Sprechberatung und -förderung ab 18. Monat

    • Sprach-, Sprech- und Stimmbehandlung ab 3. Lebensjahr.

Bei persistierender velopharyngealer Insuffizienz ist eine Velopharyngoplastik erforderlich. Das Gaumensegel wird im mittleren Anteil mit einem Schleimhautlappen, der an der Rachenhinterwand gestielt ist, verbunden. Dadurch wird der nasopharyngeale Abschluss verbessert.
Ankyloglossie
Definition: Einschränkung der AnkyloglossieZungenbeweglichkeit durch verkürztes ZungenbändchenZungenbändchen, verkürztes.
Symptome: Behinderung beim Herausstrecken der Zunge, bei der Bildung des Zungenspitzen-[r] und des englischen [θ, δ] (Kap. 9.3.2). Ein verkürztes Zungenbändchen stellt kein Problem für Saugen, Schlucken, Sprachentwicklung und Stottern dar.
Therapie: Durchtrennung des verkürzten Zungenbändchens (Frenulotomie).

Verletzung und Fremdkörperingestion

Fremdkörper im Rachen
Definition: Eingespießter FremdkörperingestionFremdkörper:RachenFremdkörperPharynx:Fremdkörper in den Gaumenmandeln, im Zungengrund oder in den Recessus piriformes, meist Fischgräte oder Knochensplitter.
Therapie: Extraktion, evtl. unter indirekter Laryngoskopie.
Fremdkörper im Ösophagus
Definition: Meist in der ersten ÖsophagusfremdkörperÖsophagusengeFremdkörper:Ösophagus festsitzender Fremdkörper, häufig Fleischbrocken, Knochenstück, Zahnprothesenteil; bei Kindern: Münze.
Therapie: Extraktion mit starrer Ösophagoskopie.
Komplikation: Perforation der Ösophaguswand mit Gefahr der lebensbedrohlichen Entzündung des Brustraums.
Verätzung
Definition: VerätzungenSchleimhautschädigung in Mund, Rachen und/oder Ösophagus durch Säure- oder Laugeningestion. Bei Ösophagusverätzung, die durch flexible Ösophagoskopie nachgewiesen wird, droht Vernarbung mit Stenose (Verengung).
Therapie: Je nach Ausmaß und Allgemeinsymptomen:
  • in Mund und Rachen topische Therapie mit Spülungen und anästhesierenden Lutschtabletten

  • Neutralisation durch Milch oder Wasser

  • systemische antiödematöse Pharmakotherapie (Kortison)

  • Kreislaufschocktherapie, Intubation.

Komplikation:
  • Kehlkopfödem mit Atemnot

  • Ösophagusperforation und Mediastinitis (Brustraumentzündung)

  • Intoxikation (Vergiftung) und Kreislaufschock

  • Spätfolge: Ösophagusstenose durch Schleimhautvernarbung mit Transportstörung.

Verbrühung
Definition: Schleimhautschädigung in VerbrühungenMund und/oder Rachen durch zu heiße Nahrung oder Flüssigkeit. Bei Kleinkindern können Kehlkopfödem und Atemnot auftreten.
Therapie: Eiswürfel lutschen, anästhesierende Lutschtabletten, bei Kehlkopfödem Kortison, Intubation (Kap. 6.4.2).

IngestionIngestion: Aufnahme in Verdauungstrakt

Hyperplasie des lymphatischen Rachenrings

Hyperplasie der Rachenmandel
Synonym: Adenoide lymphatischer Rachenring (Waldeyer):HyperplasieVegetationenadenoide Vegetationen/Adenoidhyperplasie s. Rachenmandelhyperplasie,Rachenmandelhyperplasie Adenoidhyperplasie. Es handelt sich nicht um Polypen (Kap. 4.3.3), auch wenn diese Bezeichnung in Deutschland verbreitet ist.
Definition: Vergrößerung der Rachenmandel durch Vermehrung des lymphoepithelialen Gewebes mit Beeinträchtigung der Luftpassage und Tubenbelüftung.
Ätiopathogenese: Häufige Infekte der oberen Luftwege mit übermäßiger Stimulation der lymphatischen Immunreaktion bei Kleinkindern. Im Schulkindalter wird die Rachenmandel wieder kleiner.
Folgen sind:
  • NasenatmungsbehinderungNasenatmungsbehinderung:Rachenmandelhyperplasie führt zu

    • Mundatmung

    • SchnarchenSchnarchen (Rhonchopathie):Rachenmandelhyperplasie und Schlafstörung mit nächtlichem Sauerstoffmangel

    • Rhinophonia clausaRhinophonia/Rhinophonie:clausa (geschlossenes Näseln)

    • adenoidem Habitus: offener Mund, eingezogene Nasenflügel, vorstehende obere Schneidezähne, Halslymphknotenschwellung

  • Tubenfunktionsstörung mit SeromukotympanonSero(muko)tympanon:Rachenmandelhyperplasie und SchallleitungsschwerhörigkeitSchallleitungsschwerhörigkeit:Rachenmandelhyperplasie (Kap. 2.3.3)

  • rezidivierende und chronische Sinusitis (Kap. 4.3.3).

Therapie: Adenotomie:RachenmandelhyperplasieAdenotomieRachenmandelhyperplasie:Adenotomie (Kap. 5.4.2). Eine operativ verschlossene oder submuköse Gaumenspalte ist meist eine Kontraindikation für eine Adenotomie, da die velopharyngeale Insuffizienz verstärkt werden kann (Abb. 5.10).
Hyperplasie der Gaumenmandeln
Synonym: Tonsillenhyperplasie.
Definition: Vergrößerung der TonsillenhyperplasieGaumenmandelnGaumenmandelhyperplasie durch Vermehrung des lymphoepithelialen Gewebes, bei Kleinkindern meist mit Hyperplasie der Rachenmandel kombiniert, kann bis in das Erwachsenenalter persistieren.
Ätiopathogenese: Häufige Infekte der oberen Luftwege mit übermäßiger Stimulation der lymphatischen Immunreaktion bei Kindern. Bei Jugendlichen oft Residualzustand nach Mononukleose-Tonsillitis (Kap. 5.3.3).
Folgen sind:
  • NasenatmungsbehinderungNasenatmungsbehinderung:Gaumenmandelhyperplasie mit

    • Mundatmung

    • Schnarchen und Schlafstörung mit nächtlichem Sauerstoffmangel

  • Schluckbehinderung

  • Artikulationsstörung mit kloßigem Sprechklang und Rhinophonia clausaRhinophonia/Rhinophonie:clausa

  • Halslymphknotenschwellung.

Therapie: TonsillektomieTonsillektomie (vollständige Entfernung der Gaumenmandeln, Kap. 5.4.2) aus immunologischen Gründen möglichst erst ab dem 5. Lebensjahr, Tonsillotomie (operative Teilentfernung) auch früher.
Hyperplasie der Zungenmandel und Seitenstränge kommt nach erfolgter Gaumenmandelentfernung vor, stellt normalerweise keine körperliche Beeinträchtigung dar.

Entzündliche Erkrankungen

Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut
Definition: Akute oder chronische entzündliche Reaktion der MundschleimhautentzündungenMundPharynx:Schleimhauterkrankungen, entzündliche- und Rachenschleimhaut, ausgelöst durch Viren, Bakterien, Pilze, mechanische Reizung (scharfe Zahnkante, Rauchen, hochprozentiger Alkohol, Ätzmittel, Austrocknung, Bestrahlung) (Tab. 5.6).
Soor-Infektion
Definition:Soor-Infektion Pilzinfektion (Candida albicans) der Schleimhäute von Mund, Rachen, seltener des Kehlkopfs und Ösophagus mit typischem grauweißem Belag.
Ursachen:
  • allgemeine Abwehrschwäche, Diabetes, Leukämie (Blutzellenkrebs)

  • HIV-Infektion (AIDS)

  • Therapie mit Antibiotikum, Kortison (systemisch oder als Bronchialspray) oder Zytostatikum

  • Strahlentherapie.

Therapie: Möglichst Ausschaltung der Ursache, topische Therapie mit Gentianaviolett-Lösung und Antimykotikum, selten systemisches Antimykotikum.
Aphten
Definition: RezidivierendAphten auftretende, einzelne kleine Schleimhauterosionen mit gelblichem Exsudat, oft bei psychischem Stress, nicht durch Bakterien oder Viren ausgelöst.
Topische Therapie: Verschorfung mit Silbernitrat, Betupfen mit Gentianaviolett.
Virale Mund- und Rachenschleimhautentzündung
  • Stomatitis herpeticaStomatitis:herpetica: Rasen von RachenschleimhautentzündungMundschleimhautentzündungenBläschen und Geschwürchen durch Herpes-simplex-Virus

  • Herpes-zoster-Infektion: durch Zoster-Virus ausgelöste einseitige ausgedehnte Schleimhautgeschwüre im Ausbreitungsgebiet eines Nerven, z. B. eines Trigeminusastes.

Therapie: Topische Therapie wie bei Aphthen, bei starken Allgemeinbeschwerden systemische antivirale Therapie.
Akute Pharyngitis
Definition: Entzündung der Rachenschleimhaut im Rahmen eines Infekts der oberen Luftwege durch Viren (akute Rhinopharyngitis:akuteRhinopharyngitisPharyngitis:akute/chronische), selten mit bakterieller Superinfektion.
Symptome: Schmerzen, insbesondere beim Schlucken, für wenige Tage.
Topische Therapie: Nasenatmung frei und Rachen feucht halten, Gurgeln mit Salbei, antientzündliche und anästhesierende Lutschbonbons, Fusafunginspray.
Chronische Pharyngitis
Definition: Über 3 Pharyngitis:akute/chronischeMonate anhaltende Entzündung der Rachenschleimhaut, wobei eine atrophische Form (blasse Schleimhaut mit zähem Sekretbelag) oder eine hyperplastische Form (gerötete Schleimhaut mit polsterartigen Körnchen von lymphatischem Gewebe) auftreten kann.
Ursachen: Vielfältig, die wichtigsten sind:
  • Staub, trockene Luft, sonstige chemische Reize

  • Mundatmung bei behinderter Nasenatmung (Kap. 4.3.4)

  • Rauchen, Alkohol

  • gastroösophagealer Reflux (mit Säureaufstieg in Rachen) (Kap. 5.3.5)

  • nach Strahlentherapie.

Symptome: Trockenheitsgefühl, Kloßgefühl, Räusperzwang, Reizhusten, selten Schmerz.
Therapie:
  • Ausschalten der Ursachen, operative Verbesserung der Nasenatmung

  • topische Therapie: Rachen feucht halten durch häufiges Trinken oder anfeuchtendes Spray, Gurgeln mit Salzlösung, Salbei oder Bepanthen-Lösung, Benetzen mit öligen Lösungen über Nase, Verschorfung von lymphatischen Körnchen.

Entzündung des lymphatischen Rachenrings
Akute Tonsillitis
Definition: Tonsillitis:akuteBakteriellelymphatischer Rachenring (Waldeyer):Entzündung (meist Streptokokken) Entzündung der Gaumenmandeln mit Schwellung, Rötung, gelblichen Stippchen oder Belägen der Mandeloberfläche. Die Gaumenmandeln reagieren als Abwehrorgan auch bei anderen regionalen, bakteriellen Entzündungen und allgemeinen Virusinfektionen (Masern, Röteln) mit Rötung und Schwellung (Abb. 5.9).
Symptome: Starke Schluckschmerzen, bis in Ohren ausstrahlend, Fieber, erhebliches Krankheitsgefühl, kloßiger Sprechklang, schmerzhafte Schwellung der Kieferwinkellymphknoten. Bei Kleinkindern oft als Scharlach-Erkrankung mit Himbeerzunge und Hautausschlag.
Komplikationen:
  • TonsillarabszessTonsillarabszess: Eiteransammlung neben, über oder hinter einer Gaumenmandel

  • tonsillogene Sepsistonsillogene Sepsis („Blutvergiftung“): Bakterieneinbruch in die Blutbahn

  • Poststreptokokkenerkrankungen: rheumatisches Fieber, bestimmte Nieren- und Herzerkrankungen.

Therapie:
  • topische Therapie wie bei akuter Pharyngitis

  • systemische Therapie mit Antbiotikum (Penicillin) per os für 10 Tage, Schonung

  • bei Abszess: Inzision und Drainage und/oder Tonsillektomie (Kap. 5.4.2).

Angina-Plaut-Vincenti (ulzerös-membranöse Tonsillitis)
Definition: Tonsillitis:ulzerös-membranöseAngina-Plaut-VincentiEinseitige Entzündung einer Gaumenmandel mit geschwüriger, belegter Oberfläche durch Bakterien.
Therapie: Lokalbehandlung mit Ätzen des Geschwürs, selten Antibiotika nötig.
Mononukleose (Pfeiffer-Drüsenfieber)
Definition: Durch Epstein-Barr-Virus Pfeiffer-Drüsenfieber (Mononucleose)Mononucleose (Pfeiffer-Drüsenfieber)ausgelöste generelle Entzündung von lymphatischem Gewebe.
Symptome: Sehr hohes, anhaltendes Fieber, stark geschwollene Mandeln mit weißgelben membranartigen Belägen, Halslymphknotenschwellung besonders im Nacken.
Therapie: Schonung, Eiswürfel lutschen, systemisches Analgetikum und Antipyretikum.
Herpangina
Definition: HerpanginaAphthenähnliche Bläschen und Geschwüre auf den Gaumenmandeln und Gaumenbögen, durch Herpes- und andere Viren.
Therapie: Topisch wie bei Aphthen.
Entzündungen des sonstigen lymphatischen Rachenrings
  • AdenoiditisAdenoiditis: Entzündung der Rachenmandel bei Kindern. Bei häufigem Auftreten ist die Adenotomie (Kap. 5.4.2) sinnvoll.

  • ZungengrundanginaZungengrundangina: Entzündung der Zungengrundmandel. Therapie wie bei akuter Tonsillitis.

  • SeitenstranganginaSeitenstrangangina: Entzündung der lymphatischen Seitenstränge an der Rachenhinterwand. Therapie wie bei akuter Pharyngitis.

Chronische Tonsillitis
Definition: Dauerhafte bakterielle Entzündung der Gaumenmandeln infolge rezidivierender akuter TonsillitidenTonsillitis:chronische mit Atrophie und Vernarbung der Mandeln oder Hyperplasie mit kraterartigen, detritusgefüllten Krypten (Gruben mit „Zellabfall“).
Symptome: Wie chronische Pharyngitis, dazu verminderte Leistungsfähigkeit, persistierende Kieferwinkellymphknoten, Mundgeruch, erhöhte Streptokokkenantikörper-Werte im Blut.
Komplikationen: Sog. Herderkrankungen: rheumatisches Fieber, bestimmte Nieren-, Herz- und Hauterkrankungen.
Therapie: Tonsillektomie (Kap. 5.4.2).

Nichtentzündliche Krankheiten

Xerostomie
Definition: XerostomieSubjektive und objektive Trockenheit in Mund und Oropharynx.
Ursachen:
  • Nebenwirkung von Medikamenten, z. B. Blutdrucksenker, Diuretika (Harnausscheider), Psychopharmaka, Antidepressiva, Magensäureblocker, Opioide

  • habituelle Mund(mit)atmung bei behinderter Nasenatmung

  • Rauchen, Alkohol

  • Speicheldrüsenerkrankung

  • Sjögren-Syndrom (Kap. 7.3.2)

  • Diabetes, Nierenerkrankung mit Dialyse

  • Exsikkose bei Flüssigkeitsmangel

  • Radiotherapie im Kopf-Hals-Bereich (Kap. 7.4.2).

Therapie:
  • Beseitigung der Ursachen

  • symptomatisch topisch: Wasser, Speichelstimulation (Zitrone, Kaugummi), künstlicher Speichel als Gel, Spray, Spülung

  • symptomatisch systemisch: Speichelstimulation mit Pilocarpin.

Globus pharyngis
Definition: Dauerhafte Globus:pharyngisoder situative Missempfindung (Kloß-, Druck-, Fremdkörpergefühl) im oberen, vorderen Halsbereich. Keine Schluckbehinderung, aber Verstärkung der Missempfindung beim Leerschlucken möglich (lat. globus: Kloß, Kugel).
Ätiopathogenese:
  • organische Ursache: Tumor in Mundhöhle, Rachen, Kehlkopfbereich; Struma; chronische Entzündung wie Pharyngitis, Tonsillitis, Laryngitis, Sinusitis; Neuralgie des N. laryngeus superior oder N. glossopharyngeus; Halswirbelsäulen-Syndrom; Magensäurereflux.

  • hyperfunktionelle Stimmstörung (Kap. 8.3.2) mit muskulärer Überspannung

  • psychogen.

Therapie: Beseitigung einer organischen Ursache, Stimmtherapie einer hyperfunktionellen Stimmstörung, ansonsten aufklärendes Gespräch, muskuläre Entspannungsübungen (z. B. Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson).
Angioneurotisches Ödem
Definition: Akut auftretendes angioneurotisches ÖdemÖdem im Bereich von Lippen, Zunge und Kehlkopf mit Gefahr der Luftnot.
Ursache:
  • hereditärer Mangel an dem Enzym C1-Esterase-Inhibitor, Therapie: Enzymzufuhr

  • Allergie gegen Nahrungsmittel, Acetylsalicylsäure, Therapie: Kortison i. v.

  • Nebenwirkung von ACE-Hemmer (Blutdrucksenker); Therapie: Absetzen, Kortison i. v.

Gastroösophagealer Reflux
Synonym: Gastro-(o)esephageal Reflux DiseaseGERD (Gastro-(o)esephageal Reflux Disease) (GERD, engl.).
Definition: gastroösophagealer RefluxRückfluss von saurem Magensaft in den Ösophagus bei Schlussinsuffizienz des unteren Ösophagussphinkters mit Ulzeration (Geschwürbildung) im Ösophagus. Pathogenetisch spielen Übergewicht, Zwerchfellveränderungen, Ernährungsgewohnheiten eine Rolle.
Symptome: Sodbrennen, Kloßgefühl im Hals, insbesondere im Liegen, oft erst durch Folgekrankheiten erkannt.
Diagnosestellung durch Ösophagogastroskopie und pH-Metrie.
Folgen: Chronische Ösophagitis, chronische Pharyngitis, chronische Laryngitis (Kap. 6.3.3).
Therapie: Diät, Hochlagern des Oberkörpers im Schlaf, medikamentöse Säureblockade (Protonenpumpenhemmer), operative Verstärkung des unteren Ösophagussphinkters.
Hypopharynxdivertikel
Definition: Sackartige HypopharynxdivertikelAusstülpung der Hypopharynxschleimhaut an der muskelschwachen Stelle des Killian-Dreiecks (Kap. 5.1.1) nach außen.
Ursache: Unkoordinierte Kontraktionen des M. cricopharyngeus, Muskelschwäche im Alter.
Symptome: Nahrung bleibt im Divertikelsack liegen und wird wieder in den Oropharynx regurgitiert (rückbefördert ohne Würgegefühl), fauliges Aufstoßen, Kloßgefühl, Mangelernährung.
Diagnosestellung: durch Röntgenbreipassage.
Therapie:
  • endoskopische (starr oder flexibel) Durchtrennung der sog. Divertikelschwelle (Pars fundiformis des M. cricopharyngeus)

  • transzervikale offene Freilegung und Abtragung des Divertikelsacks.

Tumoren

Leukoplakie
Definition: Flacher Leukoplakieoder erhabener, nicht abwischbarer weißer Fleck auf der Schleimhaut von Mundhöhle, Zunge, Rachen oder Kehlkopf. Mögliche Präkanzerose (Krebsvorstufe).
Ursache: Chronische Schleimhautirritation durch Rauchen, Alkohol, Chemikalien, scharfe Zahnkanten.
Therapie: Exzision (Ausschneidung) und histologische Untersuchung.
Mundhöhlenkarzinom
Definition: Vom Schleimhautepithel Mundhöhlenkarzinomder Mundhöhle (einschließlich Gaumen, Zungenkörper, Mundboden) ausgehender bösartiger, metastasierender Tumor.
Prädisponierende Faktoren sind Rauchen, Alkohol, schlechte Zahnpflege.
Symptome: Schnell wachsende, oft leukoplakische Schleimhautveränderung, im Frühstadium kein Schmerz!
Therapie: Wenn möglich, Tumorresektion (Kap. 5.4.2), Neck Dissection (Kap. 7.4.2), Radiochemotherapie (Kap. 7.4.2). Zur sicheren Tumorentfernung ist oft eine Unterkieferteilresektion nötig.
Juveniles Angiofibrom des Nasopharynx
Definition: Von Angiofibrom, juveniles des NasopharynxBlutgefäßen undNasopharynx:Angiofibrom, juveniles Bindegewebe ausgehender, nicht metastasierender, aber zerstörend wachsender Tumor im Nasopharynx von männlichen Jugendlichen.
Symptome: Zunächst wie bei Adenoidhyperplasie, zusätzlich Nasen- und Rachenbluten.
Therapie: Tumorresektion.
Oropharynxkarzinom
Definition: Vom OropharynxkarzinomSchleimhautepithel der Gaumenmandeln, der Rachenwände oder des Zungengrunds ausgehender bösartiger, metatasierender Tumor.
Prädisponierende Faktoren sind Rauchen, Alkohol, Infektionen mit dem humanen Papilloma-Virus.
Symptome: Schnell wachsende, oft leukoplakische Schleimhautveränderung, die in den Tonsillen und im Zungengrund oft sehr spät zu erkennen ist. Im Frühstadium kein Schmerz!
Therapie: Wenn möglich, Tumorresektion (Kap. 5.4.2), Neck Dissection (Kap. 7.4.2), Radiochemotherapie (Kap. 7.4.2). Zur sicheren Tumorentfernung kann eine Unterkieferteilresektion nötig sein.
Hypopharynxkarzinom
Definition: Bösartiger, vom Schleimhautepithel des HypopharynxHypopharynxkarzinom ausgehender metastasierender Tumor.
Ursache: Prädisponierende Faktoren sind Rauchen, Alkohol, anhaltender Magensäurereflux.
Symptome: Keine Frühsymptome, oft führt erst eine sichtbare Lymphknotenschwellung zur Diagnostik, im fortgeschrittenen Stadium besteht ins Ohr ausstrahlender Schluckschmerz.
Therapie:
  • wenn möglich, Tumorresektion, oft laserchirurgische PharynxteilresektionPharynxteilresektion:laserchirurgische (Kap. 5.4.2), Neck Dissection (Kap. 7.4.2), postoperativ oder bei nicht möglicher Operation Radio(chemo)therapie (Kap. 7.4.2)

  • zur sicheren Tumorentfernung ist oft eine Laryngektomie (Kap. 6.4.2) und plastisch-chirurgische Rachenwandrekonstruktion nötig (Kap. 5.4.2).

Therapie

Prinzipien der Pharmakotherapie

Topische Therapie
Lippen, Mund- und PharynxschleimhautPharmakotherapie:Lippen-, Mund- und Pharynxschleimhauterkrankungen sind einer direkten, gezielten Therapie gut zugänglich, die Hypopharynxschleimhaut ist unter indirekter Laryngoskopie erreichbar. Durch Schlucken können topische Wirkstoffe die gesamte Schleimhaut (außer Nasopharynx) benetzen.
Zur Eigenanwendung sind Mundspülungen, Gurgeln und Schlucken von Lösungen mit anfeuchtenden, kühlenden, entzündungshemmenden, desinfizierenden, schmerzstillenden, antimykotischen Wirkstoffen aus Pflanzen (z. B. Kamille, Salbei) oder Chemikalien möglich.
Die topische Therapie besteht in Aufsprühen, z. B. eines Oberflächenanästhetikums, sowie in gezieltem Betupfen, z. B. Verschorfen von Schleimhautveränderungen.
Systemische Therapie
Zur Anwendung kommen antibakterielle, antivirale, antimykotische, antiödematöse und analgetische Wirkstoffe in oraler oder intravenöser Applikationsform sowie die intravenöse Zytostatikatherapie.

Häufige Operationen

Adenotomie, Adenektomie
Definition: AdenotomieAdenektomieEntfernung der vergrößerten Rachenmandel (Abb. 5.10).
Technik: Ausschälung über die Mundhöhle und den Oropharynx mit einem gebogenen Ringmesser. Die Operation kann ab dem 3. Lebensjahr erfolgen, sie wird ambulant in Allgemeinanästhesie durchgeführt.
Indikation: Hyperplasie der Rachenmandel (Kap. 5.3.2), häufige Entzündungen der Rachenmandel (Kap. 5.3.3).
Tonsillektomie
Definition: TonsillektomieVollständige Entfernung der Gaumenmandeln (Abb. 5.11).
Technik: Abpräparation von den Gaumenbögen über die Mundhöhle. Die Operation sollte aus immunologischen Gründen erst nach dem 4. Lebensjahr erfolgen und wird stationär in Allgemeinanästhesie durchgeführt.
Indikation: Hyperplasie der Gaumenmandeln (Kap. 5.3.2), chronische Tonsillitis, Tonsillarabszess (Kap. 5.3.3), Tumor (Kap. 5.3.4).
Tonsillotomie
Definition: TonsillotomieVerkleinerung der Gaumenmandeln.
Technik: Mittels Laserstrahl oder Radiofrequenzchirurgie wird das die Gaumenbögen überragende Mandelgewebe abgetrennt. Allgemeinanästhesie ist nötig, die Operation kann ab dem 3. Lebensjahr ambulant erfolgen.
Indikation: Hyperplasie der Gaumenmandeln bei Kleinkindern, um Lymphgewebe zu belassen. Bei vorausgegangenen Entzündungen sollte eher die Tonsillektomie erfolgen.
Pharyngotomie
Definition und Technik: PharyngotomieEröffnung des Rachenraums transzervikal von einem medianen oder lateralen Schnitt durch die Halshaut und Muskulatur. Nach Operation im Rachen kann wegen des postoperativen Ödems eine vorübergehende Tracheotomie (Kap. 6.4.3) zur Sicherstellung der Atmung notwendig sein.
Indikation: Zugang für eine Operation, die transoral nicht durchgeführt werden kann, z. B. bei einer Halsabszesseröffnung oder Tumorentfernung.
Laryngektomie mit Pharynxteilresektion
Definition: Entfernung des Pharynxteilresektion:mit LaryngektomieLaryngektomie:PharynxteilresektionKehlkopfs mit der angrenzenden Rachenschleimhaut und -muskulatur.
Technik: Laryngektomie (Kap. 6.4.3). Wenn große Teile des Hypopharynx entfernt werden müssen ist eine plastische Deckung erforderlich, um den Schluckakt und Nahrungstransport zu ermöglichen.
Indikation: Hypopharynxkarzinom, das in den Kehlkopf eingewachsen ist.
Folge: Wie nach Laryngektomie, zusätzlich ist Schluckstörung wahrscheinlich.
Endoskopische Pharynxteilresektion
Definition: Entfernung eines Teils der Pharynxteilresektion:endoskopischeHypopharynxschleimhaut transoral durch ein Endoskoprohr.
Technik: Der Hypopharynx wird durch ein transoral am überstreckten Kopf eingeführtes Rohr wie bei direkter Laryngoskopie (Kap. 6.2.2) eingestellt. Unter Verwendung des Mikroskops erfolgen der Blick in den Hypopharynx und die schonende Tumorresektion mit dem eingespiegelten Laserstrahl.
Indikation: Hypopharynxtumoren, die keine Laryngektomie erfordern.
Mögliche Folge: Schluckstörung.
Plastische Operationen nach Tumorresektion
Definition und Indikation: Bildung von funktionell notwendigen Strukturen, die zur Tumorentfernung mitreseziert wurden. Insbesondere müssen die Schluckfunktion und die Kaufunktion durch Gewebetransplantate bereits bei der Tumorentfernung wiederhergestellt werden.
Technik: Verwendet werden:
  • Rotationslappen: Haut- und Muskelgewebe aus dem Wangen- und Halsbereich, das in die betroffene Stelle eingedreht wird und an der Entnahmestelle verwachsen bleibt

  • Insellappen: vollständige Haut-Muskel-Strukturen aus dem Brustbereich, die mit einer Brücke mit Blutgefäßen am Entnahmegebiet verwachsen bleiben

  • freie Transplantate aus Haut, Muskel, Knochen oder Dünndarm, deren Blutgefäße mikrochirurgisch mit Blutgefäßen der Einpflanzungsstelle verbunden werden

  • Titanplatten als Unterkieferersatz.

Rehabilitation

Zur sicheren Entfernung von bösartigen Tumoren in MundhöhleMundhöhle:Tumoren, Rehabilitation und Rachentumoren, RehabilitationRachen müssen oft physiologisch wichtige Organstrukturen geopfert werden. Trotz plastisch-chirurgischer Maßnahmen können funktionelle Einschränkungen bleiben, die schluck-, sprech- und stimmtherapeutisch behandelt werden müssen:
  • oropharyngeale DysphagieDysphagie:oropharyngeale (Kap. 10.4.1)

  • Dysglossie, velopharyngeale Insuffizienz, HyperrhinophonieHyperrhinophonie (Kap. 9.3.2)

  • bei Laryngektomie:AphonieLaryngektomieAphonie:nach Laryngektomie auch Stimmverlust (Kap. 8.4.2).

Bei chirurgisch nicht zu schließenden Knochendefekten im harten Gaumen müssen Zahnprothesen mit Obturator (Verschlussplatte) angepasst werden, um einen Abschluss zur Nasenhöhle zu erreichen.

Zusammenfassung

Mundhöhle, Rachen und Speiseröhre dienen als Teil des oberen Verdauungstrakts der Aufnahme, sensorischen Kontrolle, Bearbeitung und Weiterleitung der Nahrung. Mundhöhle und Rachen sind Teil des Resonanz- und Artikulationsraums, wobei durch Mundöffnung, Zungen- und Gaumensegelbewegung die wichtigsten Artikulationszonen gebildet werden.

Mundhöhle und Oropharynx werden durch Inspektion und Palpation untersucht. Zur Beurteilung des Nasopharynx, des Zungengrunds und des Hypopharynx werden die hintere Rhinoskopie, die indirekte Laryngoskopie und endoskopische Untersuchungen eingesetzt. Zur Untersuchung des Ösophagus stehen endoskopische und bildgebende Verfahren zur Verfügung.

Wichtige Funktionsprüfungen betreffen den Schluckakt, den velopharyngealen Verschluss, die Artikulationsleistungen, den Geschmackssinn und die Funktion des oberen und unteren Ösophagussphinkters.

Von besonderem logopädisch/sprachtherapeutischem Interesse sind Krankheitsbilder, die mit Schluckstörungen, verminderter oder vermehrter nasaler Resonanz oder Veränderungen der Artikulationszonen einhergehen: Hyperplasie der Rachen- und Gaumenmandeln, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, Organdefekte und strukturelle Veränderungen nach Tumorresektion.

Die Schleimhaut von Mundhöhle und Rachen ist einer topischen und systemischen Pharmakotherapie gut zugänglich. Zur operativen Therapie von entzündlichen, hyperplastischen und onkologischen Krankheitsbildern wird ein abgestuftes Spektrum von transoralen und offenen Verfahren eingesetzt. Die Adenotomie ist die häufigste Operation im Kindesalter und zur Normalisierung der Nasen- und Tubenventilation nötig. Schluck-, Sprech- und Stimmfunktion können nach Tumorresektion im Mundhöhlen- und Rachenbereich eingeschränkt sein und bedürfen der Rehabilitation.

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