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B978-3-437-44446-3.00004-3

10.1016/B978-3-437-44446-3.00004-3

978-3-437-44446-3

Obere und untere Atemwege

[X333-02]

Laterale Wand der Nasenhöhle mit Stirnhöhle und Keilbeinhöhle

[S007-23]

Projektion der Nasennebenhöhlen auf den Schädel, Keilbeinhöhlen nicht abgebildet

[E402]

Vordere RhinoskopieRhinoskopie

[K352]

Nasenendoskopie mit starrer Optik

[K352]

Endonasaler Polyp in der rechten Nasenhöhle

[X333-05]

Computertomogramm: Darstellung einer Nasenseptumdeviation nach links mit Verwachsung mit der linken mittleren Nasenmuschel. Mit abgebildet sind Kieferhöhlen und Siebbeinzellen.

[F649]

NasennebenhöhlenNasennebenhöhlen: Bezeichnungen und Ostien

Tab. 4.1
Latein Sg./Pl. Deutsch Ostium
Sinus maxillaris/maxillares Kieferhöhle(n) mittlerer Nasengang
Sinus frontalis/frontales Stirnhöhle(n) mittlerer Nasengang
Cellulae ethmoidales Siebbeinzellen mittlerer und oberer Nasengang
Sinus sphenoidalis/-es Keilbeinhöhle(n) hinter der oberen Muschel

Nase und Nasennebenhöhlen

Lernziele

  • Überblick Anatomie und Physiologie von Nase und Nasennebenhöhlen

  • Rhinoskopie, Endoskopie und weitere Untersuchungen

  • Funktionsprüfungen der Nasenatmung, des Riechens und der Nasalität

  • sprachtherapeutisch wichtige Krankheitsbilder

  • Grundzüge der konservativen und operativen Therapie

Anatomie und Physiologie

Anatomie

Luftwege
Nase, Rachen,Luftwege Kehlkopf, Luftröhre und Bronchialbaum mit Bronchiolen bilden die Atemwege (Abb. 4.1), die dem Luftaustausch (Ventilation) zwischen Außenwelt und Alveolen (Lungenbläschen) dienen. Bei der Einatmung wird die Luft gereinigt, erwärmt und befeuchtet. Die Grenze zwischen oberen und unteren Luftwegen bildet die Stimmritze (Kap. 6.1.1), die engste Stelle der Atemwege.
Bis auf die Stimmlippen (Kap. 6.1.1) trägt die Schleimhaut der Atemwege ein Flimmerepithel (respiratorisches Epithel), das mit schleimbildenden Zellen und Flimmerhärchen ausgestattet ist. Dieser MukoziliarapparatMukoziliarapparat bindet Staubpartikel und Erreger in Schleimtröpfchen und befördert sie durch aktive Bewegung der Flimmerhärchen zum Rachen, wo sie durch Schlucken entsorgt werden.
Die Ventilation ist die Primärfunktion der Atemwege, die Ausbildung der lautsprachlichen Kommunikation durch Phonation und Artikulation die Sekundärfunktion.
Nase
Die Pyramidenform der äußeren NaseNase mit Nasenwurzel, Nasenflügeln, Nasenrücken, Nasenlöchern und Nasensteg wird durch ein knöchern-knorpeliges Gerüst gebildet.
Die innere Nase ist eine durch die Nasenscheidewand geteilte Höhle, die von den Nasenlöchern bis zu den Choanen reicht und in den Nasopharnyx (Nasenrachenraum s. NasopharynxNasenrachenraum)Nasopharynx übergeht (Abb. 4.2). Der Eingang wird als Nasenvorhof bezeichnet und trägt Haare als Grobfilter.
Innerhalb der darin anschließenden Nasen(haupt)-höhlen werden durch drei seitliche schleimhautüberzogene Knochenleisten die untere, mittlere und obere Nasenmuschel (Concha) sowie jeweils ein darunter liegender unterer, mittlerer und oberer Nasengang (Meatus) abgegrenzt.
In die NasengängeNasengänge münden der Tränenkanal und die Nasennebenhöhlen.
Die Schleimhaut der Nasenmuscheln ist durch Schwellkörper in Abhängigkeit von den physiologischen Erfordernissen sehr größenvariabel.
Am Nasendach befindet sich Sinnesepithel mit den Riechfäden (Filae olfactoriae). Der N. Nervus(-i):trigeminus (V)trigeminus (V1, V2) versorgt die Schleimhaut von Nasenhaupt- und Nasennebenhöhlen sensibel.
Nasennebenhöhlen
Die NasennebenhöhlenNasennebenhöhlen (Tab. 4.1) sind paarige, schleimhautausgekleidete Hohlräume (Sinus) des Gesichtsschädels, die über Öffnungen (Ostien) mit der Nasenhaupthöhle in Verbindung stehen (Abb. 4.3). Über diese Verbindung werden die Nebenhöhlen belüftet und drainiert (durch Schleimabfluss gereinigt).
Die Nebenhöhlen dienen der Gewichtsersparnis im Schädelknochen, ihre Bedeutung als Resonanzraum bei der Artikulation ist gering.

  • ArtikulationArtikulation: Lautbildung (Kap. 9.1.2)

  • Bronchiolen: feinste Verästelungen der Bronchien in den Lungen

  • Choana: Trichter, paarige hintere Öffnung der Nasenhöhlen zum Rachen

  • MukoziliarapparatMukoziliarapparat: von mukos (Schleim) und zilia (feines Haar): System aus schleimbildenden und schleimtransportierenden, flimmerhaaretragenden Zellen

  • PhonationPhonation: Stimmschallerzeugung (Kap. 8.1.1)

  • Respiration: Atmung; respiratorisch: die Atmung betreffend

  • Primärfunktion, Sekundärfunktion: Zeitfolge des Auftretens einer Funktion in der menschlichen Evolution

Physiologie

Die Primärfunktionen der Nase:PrimärfunktionenNase betreffen die Atmung und damit verbundene Sinnes- und Abwehraufgaben, die Sekundärfunktion betrifft die Lautbildung.
  • Atemfunktion: Reinigung, Erwärmung, Anfeuchtung der Atemluft

    • Reinigung durch

      • Haare im Nasenvorhof als Grobfilter

      • Partikelbindung und Transport in Rachen mittels Mukoziliarapparat

      • Niesreiz zur Schnellentsorgung von Reizstoffen

    • Anfeuchtung durch seröses (Kap. 4.2.1) Drüsensekret aus der Schleimhaut und Tränenflüssigkeit

    • Erwärmung durch venöse Gefäßgeflechte in den Nasenmuscheln

  • Sinnesfunktion RiechenRiechen: Wahrnehmung von Duftmolekülen als chemischer Fern- und Nahsinn

  • Abwehrfunktion: Mukoziliarapparat enthält Zellen und Substanzen für spezifische (auf bestimmte Eigenschaften des Erregers bezogene) und unspezifische (allgemeine) Abwehrreaktionen

  • Artikulationsfunktion: Resonanzraum der Nasallaute, mögliche Mitresonanz der Vokale.

Untersuchung

Leitsymptome

Allgemeine Symptome bei Nase:ErkrankungssymptomeNasen- und Nasennebenhöhlen:Erkrankungen, SymptomeNebenhöhlenkrankheiten:
  • Druckgefühl oder Schmerz in der Oberkiefer- und Stirnregion

  • Sekretfluss aus der Nase oder in den Rachen: dünnflüssig (serös), schleimig (mukös), eitrig, blutig (Rhinorrhoe, nasale Sekretion)

  • Blutfluss aus der Nase vorne oder in den Rachen: Hämatorhinorrhoe, Epistaxis

  • Hirnwasserfluss aus der Nase: RhinoliquorrhoeRhinoliquorrhoe

  • tränende Augen, häufiger Niesreiz.

Funktionsbezogene Symptome:
  • behinderte Nasenatmung: nasale Obstruktion, nasale Kongestion (Schleimhautschwellung)

  • Schnarchen (Rhonchopathie):Schnarchen (Rhonchopathie) Geräuschbildung durch vibrierende Engstellen bei der Schlafatmung

  • Riechstörung: Anosmie, Hyposmie, Parosmie (fehlende, verminderte, falsche Riechempfindung)

  • geschlossenes NäselnNäseln, verminderte nasale nasale Resonanz:verminderteResonanz: HyporhinophonieHyporhinophonie, Rhinophonia Rhinophonia/Rhinophonie:clausaclausa (Kap. 9.3.2).

  • nasal: zur Nase (lat. nasus) gehörend

  • Rhino-: griech. Wortstamm für klinische Begriffe mit „Nase“

Rhinoskopie und Nasenendoskopie

Rhinoskopie
Die RhinoskopieRhinoskopie („Nasenspiegelung“)Nasenspiegelung s. Rhinoskopie wird als vordere und hintere Rhinoskopie durchgeführt, um das Naseninnere (Nasenvorhof, Nasenhöhlen) und den Nasopharynx zu beurteilen.
Bei der vorderen Rhinoskopie (Rhinoscopia anterior) wird je ein Nasenloch mit einem Spekulum aufgespreizt. Die Lichtzufuhr durch das Spekulum erfolgt durch:
  • einen Stirnreflektor, der das Licht aus einer Lampe einspiegelt

  • eine Stirnlampe (Abb. 4.4)

  • ein binokulares Ohrmikroskop, das zusätzlich ein vergrößertes räumliches Bild bietet.

Bei der hinteren Rhinoskopie (Rhinoscopia posterior) wird ein kleiner Spiegel gekippt vor die Rachenhinterwand gehalten. Die Lichtzufuhr auf den Spiegel erfolgt wie bei der vorderen Rhinoskopie.
Bei der Rhinoskopie werden beurteilt:
  • Struktur und Stellung des Nasenseptums

  • Struktur und Größe der Nasenmuscheln

  • Oberflächenstruktur der Schleimhaut: Feuchtigkeit, Farbe, Veränderungen

  • Beschaffenheit, Farbe, Menge des Nasensekrets

  • Größe der Rachenmandel.

Nasen- und Nasennebenhöhlenendoskopie
Zur genauen Untersuchung der NasennebenhöhlenendoskopieNasengänge, des Nasopharynx und der Nasennebenhöhlen wird die Rhinoskopie ergänzt durch die NasenendoskopieNasenendoskopie (Abb. 4.5, Kap. 1.2.2):
  • mit einem dünnen starren Endoskop transnasal

  • mit einem dünnen flexiblen Endoskop transnasal, wobei diese Untersuchung zur RhinopharyngolaryngoskopieRhinopharyngolaryngoskopie (Abb. 6.14) erweitert werden kann

  • mit einem starren Lupenlaryngoskop mit nach kranial gedrehter Winkeloptik als transorale endoskopische Rhinoscopia posterior

  • Die transnasale starre Endoskopie kann zur Nasennebenhöhlenendoskopie (Sinuskopie) im Rahmen von endoskopischen Operationen (Kap. 4.4.2) oder bei Vorliegen von operativ angelegten Öffnungen zu den Nebenhöhlen erweitert werden.

Ergänzende Untersuchungen
Rhinoskopie und Endoskopie werden ergänzt durch:
  • körperliche Untersuchungen (Kap. 1.2.2)

    • Inspektion und Palpation der äußeren Nase und des Gesichts

    • Perkussion (Klopfen mit Finger) über den Kiefer- und Stirnhöhlen

  • KieferhöhlenspülungKieferhöhlenspülung zur Gewinnung von Sekret zur mikrobiologischen Untersuchung und zur Entlastung bei Sekretstau über

    • Punktion (Kap. 1.2.4) vom unteren Nasengang aus

    • eine operativ angelegte Öffnung

  • Bildgebung

    • Sonografie und Röntgen: zur schnellen Übersicht

    • Computertomografie der Nasennebenhöhlen: bei entzündlichen Krankheiten, Verletzungen, Tumorerkrankung mit Knochenbeteiligung

    • Magnetresonanztomografie des Schädels: zur Blutgefäßdarstellung und bei Tumorerkrankungen

  • Labordiagnostik

    • mikrobiologische Diagnostik von Nasen- und Nebenhöhlensekret

    • zytologische und histologische Untersuchung (Kap. 1.2.3) von Zellen und Gewebsproben

    • Nachweis von Glukose (Blutzucker) oder Beta-Transferrin (Eisentransportprotein) im Nasensekret, UntersuchungNasensekret als Zeichen der Rhinoliquorrhoe.

  • RhinopharyngolaryngoskopieRhinopharyngolaryngoskopie: Spiegelung von Nasenhöhle, Rachen, Kehlkopf

  • transnasal: durch die Nasenhöhle

  • transoral: durch die Mundhöhle

Funktionsprüfungen

Nasale Luftdurchgängigkeit
Orientierend:
  • auditive Beurteilung Luftdurchgängigkeit, nasaledes nasale LuftdurchgängigkeitStrömungsgeräuschs bei Ein- und Ausatmung mit seitengetrenntem Zuhalten eines Nasenlochs

  • Ausdehnung des Atemniederschlags bei Ein- und Ausatmung auf eine polierte Metallplatte, die unter die Nasenlöcher gehalten wird.

Quantitativ, objektiv durch Rhinomanometrie: Messung des durch die Nase strömenden Luftvolumens pro Zeiteinheit in Abhängigkeit von der Druckdifferenz zwischen Naseneingang und Nasenrachenraum. Die Messung erfolgt seitengetrennt für jede Nasenhöhle in Ein- und Ausatmung.
Riechprüfung
  • subjektiv: RiechprüfungEinsprühen von Lösungen reiner Duftstoffe (Kaffee, Kakao, Zimt, Vanille, Lavendel)

  • objektive Olfaktometrie durch olfaktorisch evozierte Potenziale: Messung von Veränderungen der Hirnströme auf definierte Riechreize (sehr aufwändig).

Allergiediagnostik
  • Hauttest:Allergiediagnostik Beurteilung der Hautreaktion nach oberflächlichem Einritzen (Pricken) eines Allergen-Tröpfchens in die Haut

  • Provokationstest: Beurteilung der Reaktion der Nasenschleimhaut durch vordere Rhinoskopie und Rhinomanometrie vor und nach Aufsprühen eines Allergens

  • Bluttest: Bestimmung von spezifischen, allergietypischen Antikörpern (Immunglobulin E).

Nasalitätsprüfung
Vollständige NasalitätsprüfungenPrüfung auf zu viel oder zu wenig nasale nasale Resonanz:PrüfungResonanz (Kap. 9.3.3).
Orientierend:
  • Beurteilung des Atemniederschlags auf einen vor die Nasenlöcher gehaltenen Spiegel oder eine Metallplatte bei Artikulation von Nasallauten, Vokalen und Verschlusslauten

  • Auskultation: Abhören der nasalen Resonanz und von evtl. „Durchschlaggeräuschen“ mit einem in ein Nasenloch gehaltenen Hörschlauch bei der Artikulation von Nasallauten, Vokalen, Verschlusslauten

  • A-I-Probe (Gutzmann): bei abwechselndem Sprechen der Vokale [a] und [i] wird die Nase vom Untersucher zu- und aufgehalten; bei offenem Näseln gibt es eine Klangänderung und man spürt eine Vibration der Nasenflügel

  • quantitative Prüfung mit dem NasometerNasometer (Kap. 9.3.3).

  • Allergen: biologische oder chemische Substanz, die überschießende Abwehrreaktion hervorruft

  • olfaktorisch evozierte Potenziale: elektrische Spannungsänderungen im zentralen Nervensystem, die durch Verarbeitung von Riechreizen hervorgerufen werden

  • Rhinomanometrie: Druckmessung in der Nasenhöhle

Klinik

Angeborene Fehlbildung

Choanalatresie
Definition: NasenfehlbildungenChoanalatresie/-stenoseAngeborener ein- oder beidseitiger, knöcherner oder bindegewebiger Verschluss der Choanen. Eine Verengung der Choanen wird als Choanalatresie/-stenoseChoanalstenose bezeichnet.
Symptome: Bei beidseitiger Atresie tritt lebensbedrohliche Dyspnoe (Atemnot) beim Saugen auf. Bei einseitiger Atresie besteht Rhinorrhoe auf der geschlossenen Seite, da der Abfluss in den Rachen blockiert ist.
Therapie: Bei beidseitiger Atresie postpartale Intubation (Kap. 6.4.2) und operative Öffnung der Atresie, bei einseitiger Atresie kann Operation später erfolgen.

Verlegung und Verletzung

Nasenfremdkörper
Definition: NasenfremdkörperFremdkörper:NaseEinbringen von Spielzeugteilen oder Erdnüssen in die Nasenhöhle, überwiegend bei Kleinkindern.
Therapie: Extraktion mit Sauger und mechanischem Instrument („Ohrkürette“).
Nasengerüstfraktur
Definition: Bruch Nasengerüstfrakturdes knöchernen Nasengerüsts, nur des Nasenbeins oder der gesamten knöchernen Nasenpyramide mit dem knöchernen Teil des Septums.
Therapie: Reposition (Einrichtung in richtige Position) und Fixierung durch endonasale Tamponade und äußere Schienung (Gips, Aluminium).
Frakturen des Gesichtsschädels
Bei Frakturen des GesichtsschädelfrakturenGesichtsschädels sind wegen der engen anatomischen Verhältnisse Augen, Gehirn und Kauorgan gefährdet. Diese Frakturen müssen immer operativ versorgt werden. Außer der Reposition können Abdichten von Hirnhautverletzungen, Stützung des Augenhöhlenbodens und intermaxilläre Verdrahtung zur Fixation von Ober- und Unterkiefer in korrekter Okklusion erforderlich sein.
Typische Frakturen, die oft auch kombiniert auftreten, sind:
  • OrbitabodenfrakturOrbitabodenfraktur: Bruch des Augenhöhlenbodens und Absinken des Augenhöhleninhalts in die Kieferhöhle

  • MittelgesichtsfrakturMittelgesichtsfraktur: Bruch des Oberkiefer- und Jochbeinknochens und evtl. weiterer Knochen des Gesichtsschädels (Nasenbein, Siebbein, Stirnhöhle)

  • Fraktur der FrontobasisfrakturFrontobasis: Bruch von Wänden der Nasennebenhöhlen, die an die Hirnhaut grenzen (Stirnhöhlenhinterwand, Siebbeinzellen, Keilbeinhöhle). Synonym: Rhinobasisfraktur, frontale Schädelbasisfraktur. Durch die Eröffnung der Hirnhaut können Meningitis, Hirnabszess, Sehstörungen, Anosmie, Rhinoliquorrhoe auftreten.

  • UnterkieferfrakturUnterkieferfraktur, UnterkieferluxationUnterkieferluxation: Bruch des Unterkieferknochens bzw. Austritt des Unterkieferköpfchens aus der Gelenkpfanne.

Entzündung

Nasenfurunkel
Definition: NasenfurunkelBakterielle Entzündung der äußeren Nase und Oberlippe, ausgehend von den Haarbälgen im Nasenvorhof mit Abszessbildung und Ausbreitung in Bindegewebe und Blutgefäßen entlang des Nasenrückens. Es besteht Gefahr der Verschleppung von entzündlichem Material bis in die Augenhöhle und Hirnvenen.
Therapie: Inzision und Drainage, Antibiotika topisch und systemisch, Alkoholumschläge.
Akute Rhinitis
Definition: Rhinitis:akuteViral oder bakteriell ausgelöste Entzündung der Nasenschleimhaut, meist in Verbindung mit Entzündung der Rachenschleimhaut (RhinopharnygitisRhinopharyngitis). Übergreifen auf die Nasennebenhöhlenschleimhaut ist möglich (RhinosinusitisRhinosinusitis). Bei Kindern oft mit Entzündung der Rachenmandel (AdenoiditisAdenoiditis, Kap. 5.3.4).
Symptome: nasale Kongestion (Muschelschwellung) und Sekretion, Hyposmie, Kopfdruck, Fieber, Abgeschlagenheit.
Therapie (meist nur symptomatisch):
  • topisch: abschwellendes Nasenspray, Nasenspülung und Inhalation mit Salzlösung und Phytotherapeutika zur Anfeuchtung, Schleimlösung und Reinigung

  • systemisch: Analgetika; bei anhaltender Hyposmie oder Anosmie: Kortison (Kap. 1.2.4).

Chronische Rhinitis
Definition: Dauerhafte Rhinitis:chronischeoder regelmäßig wiederkehrende Schleimhautentzündung der Nase durch Viren, Bakterien, Pilze, physikalische und chemische Noxen (Staub, Zigarettenrauch). Bei Kindern oft bei Vorliegen einer Rachenmandelhyperplasie (Kap. 5.3.3).
Befund: Hyperplasie der Schleimhaut mit zähem, schleimigem oder eitrigem Sekret. Langfristig auch Atrophie der Schleimhaut mit trockener Borkenbildung. Im Nasenabstrich evtl. Nachweis von pathogenen Bakterien.
Therapie:
  • kausal: Ausschaltung der Noxen

  • topisch: Spray, Öl, Salbe mit anfeuchtender, borkenlösender Wirkung, wenn notwendig mit antibakterieller Wirkung; Nasenspülung mit Salzlösung in Nasenspülflasche.

Chronische spezifische Rhinitis: dauerhafte Schleimhautentzündung mit strukturellen Veränderungen, die typisch für einen bestimmten Erreger sind, z. B. Tuberkulose
Chronische granulomatöse Rhinitis: dauerhafte Schleimhautentzündung mit Bildung von Granulomen (körnchenartige Verdickungen) und Schleimhautzerstörung bei Automimmunerkrankungen (Kap. 1.2.3) mit Beteiligung der Atemwege. Ein typisches Krankheitsbild mit Befall der gesamten Atemwege ist die Wegener-GranulomatoseWegener-Granulomatose, Rhinitis.
MRSA-Infektion: Besiedlung der Nasenschleimhaut mit Bakterien vom Typ des multiresistenten Staphylococcus aureus, die gegen viele Antibiotika unempfindlich sind. Insbesondere in Alten- und Pflegeheimen sind viele Menschen betroffen. Diagnosestellung erfolgt durch Abstrich von der Nasenschleimhaut.
Therapie: Topisch mit speziellen antibiotischen Salben, Hygienemaßnahmen.
Allergische Rhinitis
Definition: Durch Rhinitis:allergischeüberschießende Immunreaktion vermittelte Entzündung der Atemwegsschleimhaut und Augenbindehaut. Die Immunreaktion wird durch inhalierte Allergene ausgelöst und äußert sich als allergische Rhinokonjunktivitis:allergischeRhinokonjunktivitis oder allergisches Asthma bronchiale.
Die häufigsten Allergene sind die jahreszeitlich auftretenden Baum- und Gräserpollen sowie die ganzjährig vorhandenen Hausstaubmilben.
Symptome:
  • nasale Obstruktion und wässrige Sekretion, Niesreiz

  • Schwellung und Juckreiz der Augenlider

  • evtl. Juckreiz im Rachen, Hustenreiz, asthmatische Atembeschwerden

Therapie:
  • kausal:

    • Allergenkarenz (Vermeiden des Allergenkontakts)

    • spezifische Immuntherapie: Zuführen des Allergens in steigender Dosierung, hierdurch wird die Antikörperbildung angeregt und die Reaktion auf das exogene Allergen abgeschwächt

  • symptomatisch:

    • topisch: abschwellende und antiallergische Nasensprays, antiallergische Augentropfen, antiallergische und bronchienerweiternde Inhalationssprays

    • systemisch: Antiallergika per os (Antihistaminika, Kortison)

Auch ohne Immunreaktion kann eine allergieähnliche Symptomatik auftreten, die unspezifische nasale nasale HyperreaktivitätHyperreaktivität: attackenartige, wässrige nasale Sekretion ohne Allergennachweis oder sonstige nachweisbare exogene Noxen. Häufig wird sie als altersdegenerative oder medikamentenbedingte Erscheinung erklärt.
Akute Sinusitis
Definition: Entzündung Sinusitisder Schleimhaut einer, mehrerer oder aller (Pansinusitis) Nasennebenhöhlen an einer oder beiden Schädelseiten mit bis zu 12 Wochen Dauer.
Ursache ist eine virale oder bakterielle Infektion über die Nasenschleimhaut (rhinogen) oder selten über eine entzündete Zahnwurzel des Oberkiefers (odontogen). Durch Anschwellen der Schleimhaut an den Ostien und Nasengängen (ostiomeatale Einheit) kommt es zu Abfluss- und Belüftungsstörungen der Nebenhöhlen mit Aufhebung des mukoziliaren Transports.
Betroffen sind in erster Linie Kieferhöhle und Siebbeinzellen, selten Stirnhöhle, sehr selten Keilbeinhöhle, bei odontogener Ursache nur eine (!) Kieferhöhle.
Symptome: Nasale Obstruktion und schleimig-eitrige Sekretion, Kopf- und Gesichtsschmerz, Hyposmie.
Komplikationen:
  • Eiterdurchbruch in die Weichteile, insbesondere Augenlider

  • Eiterdurchbruch in die Augenhöhle

  • Eiterdurchbruch in das Schädelinnere

Therapie:
  • topisch: abschwellend, befeuchtend, sekretlösend, reinigend durch Sprays und Inhalation

  • systemisch: Mukolytika; Antibiose bei bakteriellen Erregern und schwerem Verlauf

  • operativ: Kieferhöhlenpunktion oder Anbohrung der Stirnhöhle bei Empyem (Eiteransammlung)

  • endoskopische transnasale und offene Operationen bei Komplikationen (Kap. 4.4.2)

  • bei odontogener Ursache Extraktion des betroffenen Zahns.

Chronische Sinusitis
Definition: Entzündung Sinusitisder Schleimhaut der Nasennebenhöhlen, die über 12 Wochen mit Sekretstau anhält und zu häufiger eitriger Rhinorrhoe oder Polypenbildung führt. Eine chronische Sinusitis (Abb. 4.7) gilt als pathogener Faktor für weitere Erkrankungen der Atemwege wie Pharyngitis, Laryngitis, Tracheobronchitis oder Asthma bronchiale.
Ursachen:
  • eine nicht abgeheilte akute Sinusitis, insbesondere auch bei Pilzinfektion

  • ganzjährige allergische Rhinitis

  • dauerhafte Belüftungs- und Abflussstörungen durch Nasenseptumdeviation:RhinitisNasenseptumdeviation, Muschelhyperplasie oder bei Kindern Rachenmandelhyperplasie.

Bei der chronischen Sinusitis wird eine Ausprägung mit und ohne Polypenbildung unterschieden. Bei der Form ohne Polypenbildung bestehen die Symptome der akuten Sinusitis abgeschwächt weiter und zusätzlich eine allgemeine Abgeschlagenheit. Bei Polypenbildung in Nase und Nasennebenhöhlen stehen behinderte Nasenatmung und dauerhafter Kopf- und Gesichtschmerz im Vordergrund.
Therapie:
  • kausal: operative Verbesserung der Nasenatmung durch Septumplastik, Conchotomie (Kap. 4.4.2), Adenotomie (Kap. 5.4.2)

  • bei eitriger Rhinorrhoe: Therapie wie bei akuter Sinusitis

  • topisch: Kortikoid-Nasenspray bei Nasenmuschelschwellung und kleinen Nasenpolypen

  • operativ: überwiegend endoskopische transnasale, selten offene Operationen (Kap. 4.4.2).

In Zusammenhang mit einer chronischen Sinusitis sind weitere Schleimhautveränderungen zu beachten:
  • Kieferhöhlenzyste, SinusitisKieferhöhlenzyste: vom Zahnsystem ausgehender, von Epithel umgebener Hohlraum am Boden einer Kieferhöhle

  • Mukozele, SinusitisMukozele: durch Sekretstau erweiterte Nasennebenhöhle bei fehlender Drainagemöglichkeit nach Sinusitis, Verletzung, Nasennebenhöhlenoperation

  • Sinubronchiales sinubronchiales SyndromSyndrom: funktionelle Verknüpfung der oberen und unteren Luftwege mit wechselseitiger entzündlicher Beeinflussung der Schleimhaut.

Nasenpolypen
Definition: Ödematöse,Nasenpolypen birnenförmige Schleimhautvorwölbungen im mittleren Nasengang, die von der Schleimhaut der Siebbeinzellen oder Kieferhöhle ausgehen und die gesamten Nasenhaupt- und -nebenhöhlen verlegen können (Abb. 4.7).
Ursachen:
  • chronische Sinusitis

  • allergische Rhinitis

    Chronische Sinusitis im Computertomogramm. Entzündliche Schleimhautschwellung in der rechten Kieferhöhle und den Siebbeinzellen (weiße Pfeile)

    [M509]

  • Analgetika-Intoleranz-Syndrom: nichtallergische Unverträglichkeit gegenüber Acetylsalicylsäure und ähnlichen Analgetika mit allergieähnlicher Rhinitis führt zu Polypenbildung und Asthma bronchiale

  • Mukoviszidose: genetisch bedingte Störung der Schleimdrüsen.

Therapie:
  • kausal: Vermeidung von Allergenen und Analgetika bei Intoleranz

  • symptomatisch-topisch: kortikoidhaltiges Nasenspray

  • operativ: Entfernung der Nasenpolypen, der Siebbeinpolypen und aller Polypen, die Ostien der Nasennebenhöhlen verlegen.

Durch die histologische Untersuchung des Polypenmaterials wird ein sog. invertiertes Papillom ausgeschlossen, ein endonasaler Tumor mit zerstörendem Wachstum.

  • Asthma Asthma bronchialebronchiale: Erkrankung mit krampfartiger Verengung der Bronchiolen und beeinträchtigter Ausatmung

  • RhinokonjunktivitisRhinokonjunktivitis: Entzündung der Nasenschleimhaut und Augenbindehaut

Formfehler der Nase

Formfehler der äußeren Nase
Definition: Angeborene Nase:Formfehleroder durch Verletzung oder Wachstumsstörung erworbene Abweichung der Stellung, Form oder Größe der Nasenpyramide von der geltenden Norm.
Symptome:
  • ästhetische Beeinträchtigung

  • insbesondere bei Beteiligung der Nasenscheidewand behinderte Nasenatmung und geschlossenes Näseln

Grundtypen:
  • Schiefnase: Abweichung der Nasenpyramide von der Sagittalebene

  • Sattelnase: Einbuchtung des Nasenrückens

  • Höckernase: Ausbuchtung des Nasenrückens

Therapie:
  • Rhinoplastik: Korrektur des äußeren Nasengerüsts (Kap. 4.4.2)

  • Septorhinoplastik: Korrektur der Nasenscheidewand und des äußeren Nasengerüsts.

Nasenseptumdeviation
Definition: NasenseptumdeviationAngeborene oder erworbene Verformung der Nasenscheidewand (Abb. 4.8) im knorpeligen und/oder knöchernen Teil, evtl. mit sporn- und leistenartigen Verdickungen. Bei Verwachsung zwischen Septum und Nasenmuschel liegt eine Septumsynechie vor.
Symptome: Behinderte Nasenatmung, geschlossenes Näseln.
Therapie: Septumplastik.
Nasenmuschelhyperplasie
Definition: NasenmuschelhyperplasieErworbene, persistierende Vergrößerung überwiegend der unteren Nasenmuscheln durch Wachstum, Entzündungen, Allergie, Luftschadstoffe. Zusätzlich zur Schleimhautverdickung kann eine anlagebedingte Hyperplasie des knöchernen Muschelkerns vorliegen.
Symptome: Behinderte Nasenatmung, geschlossenes Näseln
Therapie:
  • kausal: Ausheilen von Entzündungen, Allergen- und Schadstoffkarenz

  • symptomatisch: Conchotomie (Kap. 4.4.2).

Nasenbluten
Definition: NasenblutenBlutaustritt aus endonasalen Blutgefäßen.
Die meisten Blutungsstellen liegen im vorderen Drittel der Schleimhaut der Nasenscheidewand.
Lokale Ursachen:
  • akute Rhinitis, trockene Rhinopathie

  • mechanische Reizung („Nasenbohrer“)

  • nach Verletzung oder endonasaler Operation

  • Polypen und endonasale Tumoren

Systemische Ursachen:
  • Bluthochdruck

  • Medikamente, die die Blutgerinnung herabsetzen, z. B. Acetylsalicylsäure

  • Blutgerinnungsstörung durch genetische Störung, Alkoholmissbrauch, Lebererkrankungen, Leukämie

  • Arteriosklerose und andere Blutgefäßerkrankungen.

Therapie:
  • Koagulation (Verschorfung) von Blutgefäßen mittels elektrischen Stroms

  • Tamponade mit Salbe von vorne

  • Ballonkatheter von vorne bis in Nasopharynx oder Bellocq-Tamponade (Mulltupfer in Nasopharynx und Choanen) bei Blutung im hinteren Abschnitt

  • operativer oder angiografischer (über in das Blutgefäß eingeschobenen Katheter) Verschluss arterieller Gefäße

  • kausal: Blutdruck senken, Blutgerinnung normalisieren

  • Vorbeugung: Dauerpflege der Schleimhaut mit Salbe.

Selbsthilfe bei Nasenbluten

  • Blut ausschnäuzen, Nasenblutendann beide Nasenflügel 5 Minuten lang fest aneinanderpressen

  • erfolgt danach noch Blutaustritt, kleinen Mulltupfer (Mullbinde, Stofftaschentuch) zu Rolle drehen, mit Salbe bestreichen, bei angehobener Nasenspitze in das betroffene Nasenloch möglichst tief einschieben und einige Stunden belassen

  • Eisbeutel in Nacken

Tumoren

Rhinophym (Knollennase)
Definition: Gutartige Rhinophym (Knollennase)Knollennase (Rhinophym)Hypertrophie der Talgdrüsen der Nasenhaut, oft bei Männern mit Alkoholabusus.
Therapie: Operative Abschälung des verdickten Drüsenepithels.
Bösartige Tumoren der Gesichtshaut
Definition: Je nach betroffenem Gesichtshauttumoren, bösartigeZelltyp unterschiedlich aggressive Krebserkrankung der Haut:
  • BasalzellkarzinomBasalzellkarzinom: keine Metastasen

  • SpinalzellkarzinomSpinalzellkarzinom: selten Metastasen

  • malignes Melanom, malignesMelanom: häufig Metastasen

Therapie: Exzision mit Sicherheitsabstand, plastische Defektdeckung (Kap. 4.4.2), bei Lymphknotenmetastasen Neck Dissection (Kap. 7.4.2), bei malignem Melanom Chemo- und Radiotherapie.
Bösartige Tumoren der Nasenhöhle und Nasennebenhöhlen
Definition: Krebserkrankung, Nasennebenhöhlentumoren, bösartigeNasenhöhlentumoren, bösartigemeist Karzinom, ausgehend von der Schleimhaut der Nasenhaupthöhle oder einer Nasennebenhöhle, mit möglicher regionaler oder Fernmetastasierung.
Therapie:
  • operative Resektion, wobei zusätzlich zur Nasennebenhöhlenchirurgie (Kap. 4.4.2) oft die Entfernung weiterer Strukturen notwendig ist, beispielsweise des harten Gaumens oder der Wände der Augenhöhle, im Extremfall sogar des Auges

  • evtl. Neck Dissection, Radio- und Chemotherapie

  • evtl. Anpassung von Oberkieferprothese mit Gaumenobturator (Abschlussplatte) oder Epithese (Gesichtsstütze) nötig.

Mögliche Folgen:
  • ästhetische Beeinträchtigung

  • Sehverlust

  • Kaustörung, Schluckstörung, wenn harter Gaumen betroffen (Kap. 10.1.1)

  • Artikulationsstörung: Konsonantenfehlbildung, offenes Näseln, wenn harter Gaumen betroffen (Kap. 9.3.2).

Therapie der Nase und Nasennebenhöhlen

Nichtoperative Therapie

Konservative Therapie der Luftwege
Die Luftwege:TherapieLuftwege und die Mundhöhle zeichnen sich aus durch:
  • gute Zugängigkeit für gezielte oder flächendeckende topische Pharmakotherapie

  • gutes Ansprechen auf Pharmaka aus pflanzlichen Substanzen (Phytopharmaka)

  • schnellen Wirkeintritt systemischer Pharmakotherapie aufgrund der guten Schleimhautdurchblutung

  • gute Zugängigkeit für physikalische Therapie wie Wärme- und Kälteanwendung.

Topische Therapie
Gezielte Lokalbehandlung ist in den oberen Luftwege:TherapieLuftwegen möglich durch Auftupfen, Einpinseln, Aufsprühen, Einträufeln von Substanzen mit:
  • anästhesierender

  • analgetischer

  • antiphlogistischer (gegen Entzündung)

  • adstringierender (zusammenziehender)

  • koagulierender (verschorfender)

  • antiallergischer

  • antibakterieller, antimykotischer, antiviraler Wirkung.

Mundhöhle und Oropharynx sind durch Spülen und Gurgeln flächendeckend erreichbar, die Nasenhöhlen durch Spülen mit speziellen Nasenspülflaschen.
Inhalationstherapie
Die Luftwege:InhalationstherapieInhalationstherapieInhalationstherapie ermöglicht topische Schleimhautpflege und Wirkstoffapplikation in den gesamten Atemwegen.
Prinzip: Bei der („feuchten“) DampfinhalationDampfinhalation wird warmer Wasserdampf als Therapeutikum und Wirkstoffträger für Salze und ätherische („flüchtige“) Öle aus Pflanzenextrakten (z. B. Menthol, Cineol, Myrrhe) verwendet. Die Teilchengröße beträgt über 30 μm, deshalb erfolgen Niederschlag und Wirkung in Nase, Rachen, Kehlkopf, z. T. in den Nebenhöhlen (1 μm ist 1/1.000 Millimeter).
Bei der („trockenen“) AerosolinhalationAerosolinhalation werden flüssige Wirkstoffe mittels Druckluft und Düsen oder Ultraschall in die gewünschte Tröpfchengröße zerstäubt (vernebelt) und damit als Schwebeteilchen (Aerosol) eingeatmet. Die Teilchengröße bestimmt den Niederschlags- und Wirkort: Nase, Rachen, Kehlkopf, Nebenhöhlen 10–15 μm, Luftröhre und Bronchien 5–10 μm, Lungenbläschen unter 5 μm.
Wichtige Wirkstoffe auf pflanzlicher und chemischer Basis:
  • physiologische Kochsalzlösung zur Anfeuchtung

  • gefäßverengende und antiödematöse Substanzen zur Schleimhautabschwellung

  • sekretionsfördernde und schleimborkenauflösende zur Atemwegsreinigung

  • antiallergische, antientzündliche, antibiotische bei Allergie und Entzündung

  • bronchienerweiternde bei Bronchialverkrampfung (Spasmus, Asthma).

Thermische Therapie
Wärme wird angewandt zur Gefäßerweiterung und damit zur Verbesserung der Durchblutung und Versorgung mit Sauerstoff und Abwehrzellen sowie Entfernung von Abfallprodukten. Bei chronischen Reizzuständen und Entzündungen als Rotlicht- und Mikrowellenbestrahlung, Fango-Packung, erhitzte Gelkissen.
Kälte wird angewandt zur Gefäßverengung und damit Drosselung von überschießenden Reaktionen und Fiebersenkung bei akuten Entzündungen und zur Schmerzbetäubung mit feuchten Wickeln, Lutschen von Eis, Auflage von gefrorenen Gelkissen.
Systemische Pharmakotherapie
Zur oralen Pharmakotherapie:Luftwegeund intravenösen Luftwege:PharmakotherapieApplikation stehen zur Verfügung:
  • Sekretolytika auf pflanzlicher oder chemischer Basis

  • hustenstillende pflanzliche und chemische Substanzen (z. B. Thymian, Kodein)

  • Antibiotika, Antimykotika, Virustatika

  • Antiallergika und antiödematöse Wirkstoffe (Kortison).

Die Applikation von Zytostatika erfolgt ausschließlich intravenös.
Pharmakotherapie der Nase und Nasennebenhöhlen
Ergänzend zu den Pharmakotherapie:Nase/NasennebenhöhlenNasennebenhöhlen:PharmakotherapieNase:Pharmakotherapieerwähnten Prinzipien der Atemwegstherapie gelten für Nase und Nasennebenhöhlen einige Besonderheiten.
Topische Therapie
Die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen:Therapie, topische/systemischeNase:Therapie, topische/systemischeNase und teilweise der Nasennebenhöhlen sind einer topischen Therapie gut zugängig. Die Applikation erfolgt als:
  • Nasenspray und Nasentropfen mit folgender Wirkung:

    • befeuchtend, pflegend, schleimlösend

    • abschwellend-gefäßverengend

    • abschwellend-antiödematös, antiallergisch

    • anästhesierend

  • NasenspülungNasenspülung mit Salzlösung zur Reinigung und Anfeuchtung, am besten mit einer Nasenspülflasche

  • Dampf- oder Aerosolinhalation gasförmiger Wirkstoffe oder Aerosole mit folgender Wirkung:

    • befeuchtend, pflegend, schleimlösend, sekretionsfördernd

    • abschwellend-gefäßverengend

    • abschwellend-antiödematös

  • Salbeneinlage auf Mullstreifen: pflegend, borkenlösend, anfeuchtend, blutstillend, antibiotisch.

Systemische Therapie
Es kommen prinzipiell die gleichen pflanzlichen und chemischen Wirkstoffe zum Einsatz, wie sie bei der Therapie der oberen Luftwege beschrieben wurden.

Operationen

Conchotomie
Definition: ConchotomieVerkleinerung der Nasenmuscheln.
Technik: Schrumpfung der Nasenmuschelschleimhaut durch Koagulation mittels elektrischen Stroms oder Laser, Abtragung von Nasenmuschelschleimhaut und evtl. Teilen des knöchernen Kerns durch Schnitt, Lateroposition (Brechen und Verschieben) des Knochenkerns zur seitlichen Nasenwand.
Indikation (Kap. 1.2.1): Behinderte Nasenatmung und/oder behinderte Nasennebenhöhlenbelüftung durch Nasenmuschelhyperplasie (Kap. 4.3.4).
Polypektomie
Definition: PolypektomieEntfernung von Nasenpolypen.
Technik: Abschnürung einzelner Polypen mittels Schlinge. Häufig in Kombination mit endonasaler Siebbeinausräumung (Ethmoidektomie).
Indikation: Nasenpolypen ohne wesentliche Beteiligung der Nasennebenhöhlen.
Septumplastik
Definition: SeptumplastikFormkorrektur der Nasenscheidewand.
Technik: Mobilisierung des knöchern-knorpeligen Septums nach Schleimhautschnitt im Naseneingang, Begradigung oder Entfernung von verbogenen Anteilen.
Indikation: Septumdeviation mit dauerhaft behinderter Nasenatmung und/oder Nasennebenhöhlenbelüftung, Formveränderung des Nasenstegs, erschwerter Zugang zu Operationsstellen an den Nasennebenhöhlen oder Hypophyse.
Rhinoplastik
Definition: RhinoplastikKorrektur oder Wiederaufbau der Form des äußeren Nasengerüstes, bei Kombination mit Nasenscheidewandkorrektur: Septorhinoplastik.
Entsprechend wird eine korrektive Rhinoplastik von einer rekonstruktiven unterschieden.
Bei der rekonstruktiven Nasenplastik wird das gesamte Nasengerüst neu aufgebaut, bei der korrektiven nur verändert.
Korrektive Technik: Von einem Schnitt im Nasenvorhof wird das knöchern-knorpelige Nasengerüst von der Schleimhaut freigelegt, mobilisiert und neu formiert. Dabei wird überschüssiges Knochen-Knorpel-Material entfernt bzw. körpereigenes Material (z. B. Ohrmuschel- oder Rippenknorpel) eingepflanzt.
Rekonstruktive Technik: Die Nasenpyramide wird mit körpereigenen Knorpel- und Knochenimplantaten sowie Rotationslappen (eingedrehte Haut der Umgebung) aufgebaut.
Indikation: angeborene oder erworbene Fehlbildung des Nasengerüsts mit behinderter Nasenatmung (funktionelle Indikation) oder aus ästhetischen Gründen (ästhetische Indikation), insbesondere nach Defekt der Nasenpyramide durch Unfall oder Tumoroperation.
Funktionale endoskopische Nasennebenhöhlenchirurgie
Definition: Operation Nasennebenhöhlenchirurgie/-operation:endoskopische, funktionalean einer oder mehreren Nasennebenhöhlen durch die Nasenhaupthöhle unter Einsatz des Operationsmikroskops und starrer Nasenendoskope.
Ziele sind die Beseitigung von Infektherden durch Wiederherstellung der mukoziliären Drainage und der Ventilation, die Entfernung von Polypen und hyperplastischen Schleimhautstellen und Sekretkonkrementen und der Erhalt der normalen Schleimhaut.
Technik: Erweiterung der Ostien und Zugänge zu den betroffenen Nasennebenhöhlen, Abtragung von Polypen und Zysten, Belassen gesunder Schleimhaut. Je nach Ausmaß der betroffenen Höhlen wird Operation von der Infundibulotomie (Erweiterung des Stirn- und Kieferhöhlenostiums im Siebbein) bis zur Pansinus-Operation mit Eröffnung und Erweiterung aller Nebenhöhlenzugänge durchgeführt.
Eine Ergänzung stellt die Ballondilatation verengter Ostien dar, bei der ein Ballon eingeführt und kontrolliert aufgeblasen wird.
Indikation: Chronische Sinusitis, Polypen der Nasennebenhöhlen, Tumoren.
Offene Nasennebenhöhlenoperation
Definition: Eröffnung der betroffenen Nasennebenhöhlenchirurgie/-operation:offeneNasennebenhöhle über ein Knochenfenster im Schädel, um einen übersichtlichen Zugang für direktes, mikroskopgestütztes Operieren zu haben.
Technik: Der Zugang erfolgt über Aussägen einer Knochenplatte, die nach Abschluss der Operation wieder eingesetzt wird. Der Zugang erfolgt:
  • zur Kieferhöhle über den Mundvorhof

  • zur Stirnhöhle und Siebbein über einen Schnitt in der Augenbraue.

Indikation: Jedes Nasennebenhöhlenproblem, das mit endoskopischer transnasaler Technik nicht zu lösen ist, z. B. bei Rezidiven nach endoskopischer Operation, Mittelgesichtsfrakturen, Stirnhöhlen- und Frontobasisfrakturen, Tumoren.
Plastische Operationen nach Tumorresektion
Definition und Indikation:plastische Operationen nach TumorresektionNasennebenhöhlen:plastische Operationen nach TumorresektionNase:plastische Operationen nach Tumorresektion Bildung von ästhetisch und funktionell notwendigen Strukturen nach Tumorentfernung mit Hautdefekt und/oder NasenpyramidendefektNasenpyramidendefekt.
Technik: Verwendet werden:
  • Rotationslappen: Haut- und Muskelgewebe aus dem Stirn-, Wangen- und Halsbereich, das in die betroffene Stelle eingedreht wird und mit dem Entnahmeort zur Blutversorgung verbunden bleibt

  • freies Knorpeltransplantat aus Ohrmuschel oder Rippe, Knochentransplantat aus dem Beckenkamm

  • Titanplatten als Unterkieferersatz.

Zusammenfassung

Die Nasenhaupt- und Nasennebenhöhlen dienen als Teil der oberen Luftwege der Reinigung, Erwärmung und Anfeuchtung der Atemluft, der sensorischen Atemluftkontrolle und der nasalen Resonanz der Sprachlaute.

Die wichtigste Untersuchung der Nasenhöhlen ist die vordere und hintere Rhinoskopie, die durch die Nasenendoskopie ergänzt wird. Zur Untersuchung der Nasennebenhöhlen stehen verschiedene bildgebende Verfahren zur Verfügung.

Funktionsprüfungen messen die nasale Luftdurchgängigkeit, das Riechvermögen, die nasale nasale Resonanz:PrüfungResonanz und allergische Reaktionen.

Von besonderem logopädisch/sprachtherapeutischem Interesse sind Krankheitsbilder, die mit verminderter nasaler Resonanz einhergehen wie Septumdeviation, Muschelhyperplasie, allergische Rhinitis, chronische Sinusitis sowie Gewebedefekte nach Tumororperationen, die Kau- und Schluckstörungen, Lautfehlbildungen und offenes Näseln verursachen.

Die nichtoperative Behandlung der Luftwege stützt sich auf gezielte und inhalative topische Pharmakotherapie, systemische Pharmakotherapie sowie Wärme- und Kälteanwendungen. Auch die Schleimhaut der Nasenhaupt- und Nebenhöhlen ist für diese Therapieoptionen gut zugänglich.

Zur operativen Therapie von entzündlichen, traumatischen und onkologischen (tumorbedingten) Krankheitsbildern wird ein abgestuftes Spektrum von transnasalen und offenen Verfahren eingesetzt.

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