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B978-3-437-44536-1.00011-5

10.1016/B978-3-437-44536-1.00011-5

978-3-437-44536-1

Medialer Schnitt der linken Hemisphäre

[V492]

Diagnostische Betrachtung des Polterns in den Bereichen Sprechtempo und Phonetik

[V492]

Unflüssigkeiten und sprachliche Auffälligkeiten bei Poltern

[V492]

Polterkontinuum zur Einschätzung von Unflüssigkeiten in Anlehnung an Ward (2007)

[V492]

Differenzierung von Poltern und Stottern in Anlehnung an Friedrich (2005)

Tab. 11.1
Merkmal Poltern Stottern
Störungsbewusstsein besteht teilweise nicht besteht
Beginn mindestens 7. Lj., teilweise zusätzlich Sprachentwicklungsstörung meist vor dem 7. Lj. (d. h. in der Kindheit)
Verlauf kontinuierlich, häufig keine Begleitsymptome spontane Remission, fluktuierend, häufig Begleitsymptomatik
Verbindung mit anderen Kommunikationsstörungen möglich: Artikulationsstörung, LRS, spezifische Sprachentwicklungsstörung meist keine
Psychomotorik teilweise dysrhythmisch emotional gehemmt
Symptomatik erhöhte und irreguläre Artikulationsrate, Auslassungen, Umstellungen u. v. a. Wiederholungen, Dehnungen, Blockierungen
Schriftsprache betroffen möglich nein
Aufmerksamkeit verbessert Symptomatik verschlechtert Symptomatik
Alkohol verschlechtert Symptomatik verbessert Symptomatik
verzögerte auditive Rückkopplung (Lee-Effekt) verschlechtert Symptomatik verbessert Symptomatik

Informelles Bewertungsverfahren für Poltern – Kombination aus dem modifizierten Diagnostikverfahren nach Sick (2004) und dem Polterkontinuum nach WardPolterkontinuum nach WardPolterkontinuum nach Ward (2007)PolterspektrumPolterspektrumPolternPolternPoltern:schweresPoltern:schweres

Tab. 11.2
Bewertung einer Poltersymptomatik zur Einordnung in das Polterkontinuum
Symptome Punktwert
Sprechtempo
  • Artikulationsrate

/2
  • Schwankungen der Artikulationsrate

/2
  • Gesamt:

/4
Phonetik
  • Unverständliche Abschnitte

/2
  • Reduktionen

/1
  • Elisionen

/1
  • Substitutionen

/1
  • Lautveränderungen

/1
  • Gesamt:

/6
Unflüssigkeiten
  • Lautwiederholungen

/1
  • Silbenwiederholungen

/2
  • Gesamt:

/3
Sprache
  • Syntaktisch-morphologische Fehler

/1
  • Semantisch-lexikalische Fehler

/1
  • Kohärenz

/1
  • Kohäsion

/1
  • Auffälligkeiten in Sprachtest

/2
  • Gesamt:

/6
Redundante Symptome
  • Wortwiederholungen

/2
  • Satzteilwiederholungen

/2
  • Wortabbrüche

/2
  • Satzabbrüche

/2
  • Embolophonien

/2
  • Revisionen

/2
  • Idiosynkratische Pausen

/2
  • Gesamt:

/14
Intrinsische Parameter
  • Störungsbewusstsein

/1
  • Leidensdruck

/1
  • Gesamt:

/2
Gesamtpunktzahl /35
Bewertung einer Poltersymptomatik zur Einordnung in das Polterkontinuum
Bewertung
Schweres Poltern: 28–35 Punkte
Poltern: 18–28 Punkte
Polterspektrum: 8–18 Punkte
Normales Sprechen: 0–8 Punkte

Poltern im Jugend- und Erwachsenenalter

Lea Kunz

Judith Beier

Fallbeispiele

Herr K. (34 Jahre)

PolternHerr K. klingelt zwanzig Minuten vor seinem Termin in der logopädischen Praxis. Eine Kollegin der behandelnden Therapeutin wartet an der Praxistür im 1. Stock, um ihn hereinzulassen. Bereits unten an der Eingangstür beginnt Herr K. zu grüßen, sich für sein zu frühes Kommen zu entschuldigen und seine Hinfahrt zu beschreiben, ohne zu wissen, ob überhaupt jemand oben steht. Er spricht hastig, ohne Pausen. Obwohl seine Artikulation präzise ist, kann die Kollegin seine Äußerungen aufgrund der hohen Sprechgeschwindigkeit kaum verarbeiten. Im Behandlungszimmer redet Herr K. gleich drauflos, ohne zu bemerken, dass seine Logopädin gerade seine Akte besorgt und ihm noch nicht gegenübersitzt. Bevor sie fragen kann, wie es ihm seit dem letzten Termin ergangen ist, hat Herr K. bereits die Eindrücke der letzten Woche geschildert.
Herr K. bemerkt durchaus, dass er gemieden wird oder dass seine Zuhörer irritiert auf ihn reagieren, aber es fehlt ihm die Wahrnehmung für sein eigenes Sprechverhalten und sein Kommunikationsmuster. Er leidet darunter, dass er nur wenige soziale Kontakte hat, und ihm fehlt auch eine partnerschaftliche Beziehung.

Daniela (16 Jahre)

Daniela leidet seit ihrer Kindheit unter sprachlichen Defiziten und nimmt jedes Symptom des Polterns so stark wahr, dass ihr StörungsbewusstseinStörungsbewusstsein einen selektiven MutismusMutismus mitbedingt. Daniela pflegt kaum soziale Kontakte und fühlt sich in ihrer beruflichen Entwicklung eingeschränkt. Ihre Polter- und Wortfindungssymptome wurden trotz langjähriger sprachtherapeutischer Behandlung des Mutismus erst im Alter von 16 Jahren erkannt.
So wird Daniela kinder- und jugendpsychiatrisch als selektive Mutistin geführt. Durch die Verhaltenstherapie beginnt sie sich zu öffnen und etwas zu sprechen. Sie spricht sehr leise mit so langen Sprechpausen, dass ihre Zuhörer häufig irritiert sind. Nach Pausen beginnt sie sehr schnell und schwankend zu sprechen, lässt Silben aus und wiederholt Wörter. Häufig zeigen sich Wort- und Satzabbrüche. Manchmal schießen Äußerungen schnell und undeutlich aus ihr heraus: „Heute ____ (lange Pause) bin ich zur xxxklinik gekommen. Dort dort hatten _____ ähm wir ______ hatten wir zunächst ____ mmh wie heißt die Besprechung noch mal? __________ FrühbesprechXXX.“

Die Fallbeispiele von Herrn K. und Daniela zeigen, dass Poltern trotz seiner geringen Prävalenz von 0,4 % (Neumann & Sick 2004) in der Logopädie als Störungsbild wahrgenommen und differenziert betrachtet werden muss. Herr K. weist das typische Bild einer PoltersymptomatikPoltersymptomatik auf. Er spricht mit stark erhöhter Artikulationsrate, geringer Pausensetzung und wenig Betonung. Dass sein eigenes Kommunikationsmuster inadäquat ist, nimmt er jedoch kaum wahr (St. Louis & Schulte 2011; Sick 2004). Von vielen Zuhörern wird Poltern als ein sehr störendes Phänomen empfunden, das häufig negative Assoziationen hervorruft. Mit Poltern werden oftmals geringe Intelligenz und Unaufmerksamkeit in Verbindung gebracht (Halevy et al. 2007). Das Symptombild von Herrn K. ist aber nur eine von vielen Formen, wie sich Poltern abbildet. Häufig fallen polternde Menschen im Alltag viel weniger auf, wie das Beispiel von Daniela zeigt. Bei den meisten Patienten mit einer Poltersymptomatik besteht jedoch ein hoher Leidensdruck mit schwerwiegenden Folgen, wie etwa Sprechangst, Vermeidungsverhalten und sozialer Rückzug.

Poltern tritt mit sehr unterschiedlichen Symptomen und unterschiedlichen Schweregraden auf. Aus diesem Grund fällt es selbst Experten schwer, sich bezüglich der Kernsymptomatik und der Definition von Poltern zu einigen (vgl. St. Louis & Schulte 2011; Van Zaalen et al. 2011a; Ward 2011a). Durch die geringe Prävalenz von Poltern werden wissenschaftliche Untersuchungen zur Ausprägung und Abgrenzung der Störung zusätzlich erschwert.

Für viele behandelnde Therapeuten ergeben sich demnach diagnostische Unsicherheiten in Bezug auf die Entscheidung, ob überhaupt Poltern vorliegt, wie die Symptome miteinander in Beziehung stehen und welche Aspekte des Polterns im Zentrum der Behandlung stehen sollten. Unsystematische und kaum evidenzbasierte Darstellungen des Störungsbildes erschweren sowohl die Diagnostik als auch die Behandlung polternder Patienten.

Im folgenden Kapitel wird anhand der Literatur und aktueller Studienergebnisse das Störungsbild Poltern (Definition, Prävalenz, Ursachen, Symptome und Begleitstörungen) dezidiert für die logopädische Diagnostik beschrieben. Dies soll eine differenzierte Betrachtung und Zuordnung der Symptome zu verschiedenen Parametern der Sprache und des Sprechens ermöglichen sowie die Notwendigkeit einer Differenzialdiagnostik verdeutlichen. Abschließend wird mit dem Polterkontinuum nach Ward (2007a)Polterkontinuum nach Ward eine Möglichkeit für die Beurteilung von Art und Ausmaß einer vorliegenden Störung vorgestellt und diskutiert.

Definition

Für PolternPoltern:Definitionen gibt es eine Reihe von Definitionen, in denen dem Störungsbild diverse Symptome zugeordnet werden (vgl. WHO 1992; ASHA 1999; Ward 2006; St. Louis et al. 2007a). In allen Definitionen hat die erhöhte und irreguläre Sprechrate Berücksichtigung gefunden. Bezüglich anderer Symptome sind unterschiedliche Meinungen vertreten.
  • Laut Definition der World Health Organization (WHO) kommen stottertypische Symptome wie Wiederholungen nicht vor, stattdessen wird hauptsächlich der schwankende, schnelle und dysrhythmische RedeflussRedeflussstörung betont (WHO 1992: 227).

  • Die American Speech-Language-Hearing Association (ASHA) bezieht UnflüssigkeitenUnflüssigkeiten, sprachliche und phonologische Störungen sowie Aufmerksamkeitsdefizite in ihre Definition mit ein (ASHA 1999: 10).

  • Die American Psychiatric Association (APA) hebt neben den sprachlichen Defiziten das fehlende Störungsbewusstsein hervor (APA 1987: 10).

  • Ward (2006: 152) hingegen führt lediglich die mit Poltern assoziierten Sprach- und Sprechsymptome auf.

Im Folgenden wird die Definition von St. Louis & Schulte (2011) ausführlicher dargestellt, da sie die wissenschaftlich belegten Symptome und Details beinhaltet. Die Autoren bezeichnen ihre Arbeitsdefinition als „Definition des kleinsten gemeinsamen NennersDefinition des kleinsten gemeinsamen Nenners\t \"Siehe KGN-Definition“ (St. Louis & Schulte 2011: 241f.):
„Poltern ist eine Redeflussstörung, in der Segmente der Konversation (1) in der Muttersprache (2) allgemein als zu schnell (3) und/oder zu unregelmäßig (4) wahrgenommen werden. Diese Segmente der schnellen und/oder irregulären Sprechrate müssen zusätzlich durch eines oder mehrere der folgenden Symptome begleitet werden:
  • a.

    hochfrequentes Auftreten von ‚normalen‘ Unflüssigkeiten;

  • b.

    exzessives ‚Zusammenbrechen‘ oder Elisionen von Silben; und/oder

  • c.

    abnormale Pausen, Silbenbetonung oder Sprechrhythmus.“

Die Konversation ist hier Bestandteil der Definition, da Poltern hauptsächlich in ihrem Rahmen auftritt (1). Poltersymptome beim lauten Lesen z. B. sind nicht zwingend als diagnostisches Kriterium anzusehen, da sie durch zusätzliche Einschränkungen der Schriftsprache beeinflusst sein könnten. Weiter geht aus dieser Definition hervor, dass Poltersymptome zwar in der Muttersprache, aber nicht unbedingt in einer Fremdsprache auftreten (2). Zudem wird der Vorrang der erhöhten Artikulationsrate vor anderen Poltersymptomen betont (3). In ihren Ausführungen zur Definition des kleinsten gemeinsamen Nenners (KGN-DefinitionKGN-Definition) fügen St. Louis & Schulte (2011: 242) als weitere Komponente das periodische Auftreten (4) von Poltersymptomen an. Dies ist wichtig für die Einschätzung von ProbandInnen in Studien, bei denen sich neben den Auffälligkeiten auch symptomfreie Phasen beobachten lassen.

Prävalenz

Häufig tritt PolternPoltern:Prävalenz erst ab einem Alter von 7 Jahren auf. Das könnte daran liegen, dass sich Poltersymptome dann manifestieren, wenn sich die betroffenen Kinder zunehmend sprachlich komplexeren Anforderungen gegenübersehen (St. Louis et al. 2007a).
Die Prävalenz des Polterns kann nicht eindeutig angegeben werden. Einige Autoren umschreiben sie vorsichtig als geringer als die Prävalenz des Stotterns (vgl. Myers & St. Louis 1986b). Bereits seit den 1970er-Jahren gibt es Bestrebungen, die Prävalenz des Polterns unabhängig vom StotternStottern:und Poltern zu erheben. Becker & Grundmann (1970) stellten an einer deutschen Schule fest, dass 1,5 % der Schüler poltern. Ihre Untersuchungsergebnisse dürften jedoch nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sein. Häufig wird die Prävalenz des Polterns anteilig aus der RedeflussstörungRedeflussstörung Stottern abgeleitet bzw. auf die Mischform Poltern-Stottern bezogen. Nach Preus (1986) tritt bei ca. 35 % der Stotternden auch PolternPoltern:und Stottern auf. Daly (1993) zufolge zeigte sich in einer Stotterstudie bei 3 % der TeilnehmerInnen reines Poltern. Während Craig (2007) in 5 % der Fälle von reinem Poltern bei allen unflüssig Sprechenden ausgeht, berichten Neumann & Sick (2007) über eine Prävalenz von 0,4 %. St. Louis et al. (2007a) wenden dagegen ein, dass die derzeit existierenden Prävalenzzahlen mangels einer einheitlichen Definition kritisch zu betrachten seien.

Ursachenhypothesen

Die Poltern:UrsachenUrsache des Polterns gilt bisher als ungeklärt (vgl. Van Zaalen 2009; Neumann & Sick 2007; Hartinger 2006).

11.3.1 Genetische Disposition

Eine möglicherweise genetische Dispositiongenetische Disposition:Poltern für Poltern beschreiben eine Reihe von Autoren (Drayna 2011; Neumann & Sick 2007; Preus 1996; Becker & Grundmann 1970; Freund 1952). Ihre Erkenntnisse beruhen auf Anamnesegesprächen mit Betroffenen. Zudem ließ sich in Familien ein gehäuftes Auftreten von Poltern und Stottern über mehrere Generationen beobachten (vgl. Preus 1986; Weiss 1968). Die Evidenz für das Vorliegen einer genetischen Ursache ist aktuell dennoch als gering zu bewerten (vgl. Drayna 2011). Aufgrund der geringen Prävalenz von Poltern lassen sich nicht genügend ProbandInnen für Zwillings- und Adoptionsstudien finden. Drayna (2011) empfiehlt deshalb die wissenschaftliche Analyse von Familienstammbäumen polternder Personen.

11.3.2 Zentrale Beeinträchtigung

Viele Experten unterstützen die Theorie, dass PolternPoltern:betroffene Hirnregionen durch eine zentrale Beeinträchtigung entsteht. Bereits in den 1970er-Jahren gelang es mit EEG-Studien, Auffälligkeiten bei Menschen, die poltern, nachzuweisen (vgl. Langova & Moravek 1970; Seemann 1970; Myers 1986b). Doch die meisten Auffälligkeiten ließen sich nicht spezifisch lokalisieren; lediglich in einer Untersuchung von Seemann (1970) zeigten sich minimale Läsionen im striatalen Kortex, in dem u. a. die Basalganglien liegen. Alm (2011) hat das derzeit aktuellste Erklärungsmodell aufgestellt, dem zufolge die Ursache im medialen frontalen Kortex zu finden sei (Abb. 11.1). In dieser Hirnregion werden die einzelnen Elemente der SprachproduktionSprachproduktion:Hirnregionen koordiniert: die Motivation zu sprechen, die Satzplanung, der Abruf von Wörtern, das Aufsuchen adäquater syntaktischer Elemente und die phonologische Kodierung. Der mediale frontale Kortex ist auch zuständig für den motorischen Ablauf und die Kontrolle der Sprechproduktion. Die Schlüsselregionen des SprechablaufsSprechablauf/-produktion:Hirnregionen liegen im links-anterioren Gyrus cinguli (anterior cingulate cortex, ACC), in den supplementär-motorischen Arealen (pre-SMA und SMA-proper) sowie in den BasalganglienBasalganglien.

Mit dem ACC werden die bewusste Steuerung des Sprechablaufs, die gerichtete Aufmerksamkeit sowie das höchste Level der Fehlerkorrektur assoziiert. So lenkt der ACC die Aufmerksamkeit auf die Handlungsdurchführung.

Den pre-SMA werden Funktionen wie Satzbau und Auswahl der Wortformen zugeordnet, während die SMA-proper für die Artikulation und die Artikulationsrate verantwortlich sind. Gemeinsam mit dem ACC bilden diese supplementär-motorischen Areale das Zentrum der Spontansprache, in dem alle linguistischen Komponenten der links-lateralen Kortexregion verknüpft werden.

Die Basalganglien sind als letzte Instanz für die Auswahl jedes einzelnen Wortes zuständig.

Eine Dysregulation in den Basalganglien kann zu einer weniger präzisen Auswahl von Wortfomen und damit der Wortfindung führen. Wenn dann durch einen hyperaktiven Kortex mehr Wörter in die SMA weitergeleitet werden, kommt es zu Selektionsfehlern während der Artikulation der ursprünglich geplanten Äußerung (Alm 2011). In Abbildung 11.1 sind die als exekutives Zentrum der Sprechproduktion Sprechablauf/-produktion:exekutives Zentrumvermuteten Regionen grau dargestellt.
Dem ACC und den SMA werden zusammengefasst folgende Funktionen zugeordnet:
  • Motivation und Ausführung einer Handlung

  • Inhibition von Impulsen

  • Aufmerksamkeit, Kontrolle und Korrektur einer sequenziellen Handlung

  • Planung von sequenziellen Handlungen

  • Selektion von Worten und Wortformen

  • Ausführung und Steuerung von sequenziellen Handlungen (Alm 2011: 6)

Somit könnte eine Dysregulation von ACC und SMA für die Symptomatik des Polterns verantwortlich sein. Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass bei einer geringer ausgeprägten Poltersymptomatik Poltersymptomatikdas betroffene Areal kleiner ist: Treten z. B. lediglich bei der Artikulation und der Artikulationsrate Symptome auf, sind vermutlich nur die SMA-proper betroffen. Eine Dysregulation der kortikalen Regionen könnte auch Folge einer genetisch bedingten Störung der Basalganglien sein (Alm 2011: 21).

11.3.3 Kognitive Defizite

Da Poltern:Ursachenin die Sprech- und Sprachverarbeitung verschiedene kognitive kognitive DefiziteProzesse involviert sind, liegt die Ursache für das Poltern möglicherweise in Defiziten dieser Prozesse. St. Louis et al. (2007a: 307f.) fassten zusammen, welche kognitiven Prozesse von verschiedenen Autoren als ursächlich für die Poltersymptomatik Poltersymptomatikformuliert bzw. untersucht worden sind:
  • sprachliche Prozesse

  • Aufmerksamkeit

  • zentral auditive Aufmerksamkeit

  • sprechmotorische Funktionen und

  • multiple kognitive systemverbundene Erklärungsmodelle

So wird von verschiedenen Autoren eine zentrale sprachliche Imbalanz sprachliche Imbalanz, zentraleals Ursache des Polterns vermutet (vgl. Lees et al. 1996; Weiss 1968; Freund 1970). Myers & Bradley (1986) gehen von einer engen Wechselwirkung zwischen Elementen der Kommunikation, der Sprachverarbeitung, der Artikulation sowie der suprasegmentalen Ebene aus. Diese Wechselwirkung sei bei Polternden gestört.
Polternde neigen häufig zu verbaler und nonverbaler Impulsivität und Enthemmtheit, ähnlich wie beim Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (AD[H]S). Auch wenn St. Louis & Myers (1995) bei vielen polternden Patienten Defizite in der Aufmerksamkeit zeigen konnten, ist dies bei ebenso vielen Polternden nicht der Fall.
In einer Studie von Molt (1996) schnitten polternde Schulkinder in zwei experimentellen Untersuchungen zur auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung signifikant schlechter ab als die ungestörte Kontrollgruppe. Sowohl die kleine Stichprobe als auch die Tatsache, dass die ProbandInnen mitunter ein ADS aufwiesen, sprechen allerdings für eine geringe Evidenz zentral auditiver Aufmerksamkeitsdefizite Aufmerksamkeitsdefiziteals Ursache des Polterns.
Dalton & Hardcastle (1977) sehen die Ursache des Polterns hingegen in einer sprechmotorischen Funktionsstörung. Die sprachliche Imbalanz sei daher nur ein Symptom und nicht die Ursache. Konzentrieren sich polternde Personen auf ihr Sprechtempo, verschwinden die Symptome. Ursächlich für das Poltern sei demnach eine deutlich eingeschränkte sprechmotorische sprechmotorische FunktionsstörungUmsetzung aufgrund fehlender Selbstkontrolle.
Weiss (1964) vermutet, dass die Störungsbilder Stottern und Poltern dieselbe Ursache haben, und mehr noch, dass die Wurzeln des Stotterns im Poltern liegen. Deshalb träten Poltern Poltern:und Stotternund Stottern Stottern:und Polternhäufig gemeinsam auf. Ward (2006) merkt jedoch kritisch an, dass dann zwangsläufig jede Person, die stottere, auch poltern müsse. Alm (2007) präsentiert ein Modell, in dem sich Poltern und Stottern als gegensätzliche Störung derselben Funktion gegenüberstehen. Dass beide Störungen häufig gemeinsam auftreten, stehe nicht in Widerspruch zu diesem Modell.

Zusammenfassend ist anzunehmen, dass Poltern Poltern:Ursachenaus einem multifaktoriellen Ursachengefüge heraus entsteht. So können sämtliche Defizite in den genannten Bereichen ursächlich für das Poltern sein. Häufig sind bei den Betroffenen das Sprachsystem, die Aufmerksamkeit, die motorische Sprechkontrolle und die auditive Aufmerksamkeit betroffen.

Eine multikausale Annahme erleichtert einerseits die Frage nach der Ursache, erschwert andererseits aber die diagnostischen Möglichkeiten, da es dann viele Parameter für die Diagnosestellung zu betrachten gilt (Daly & Burnett 1996: 239).

Ferner sind die bisher veröffentlichten Theorien nicht zufriedenstellend mit Evidenzen belegt; daher besteht weiterer Forschungsbedarf, um die Ursachen des Polterns definitiv zu klären.

Mögliche Begleitstörungen

Polternde Poltern:BegleitstörungenBegleitstörungen:PolternPersonen weisen häufig eine Vielzahl weiterer Störungsbilder auf. Zudem werden verschiedene Persönlichkeitsmerkmale Persönlichkeitsmerkmale:Polternmit Poltern Poltern:Persönlichkeitsmerkmaleassoziiert. Dies erschwert sowohl die Definition und die Betrachtung der reinen Poltersymptomatik Poltersymptomatikin der sprachtherapeutischen Forschung als auch die Behandlung betroffener Menschen (vgl. Craig 2007; St. Louis & Schulte 2011). Im Folgenden werden begleitende Störungen und mit dem Poltern assoziierte Persönlichkeitsmerkmale dargestellt und diskutiert.
Stottern Stottern:und Polternist das am häufigsten mit Poltern assoziierte Störungsbild. Zur Prävalenz der „Mischform“ gibt es sehr unterschiedliche Häufigkeitsangaben, die zwischen 14 und 32 % liegen (Bosshardt 2010). Beide Störungsbilder werden den Redeflussstörungen Redeflussstörungzugeordnet (vgl. St. Louis & Schulte 2011). Aufgrund der klar umschriebenen Kern- und Begleitsymptome des Stotterns lässt es sich differenzialdiagnostisch vom Poltern abgrenzen (vgl. Schulte 2009); nach neuesten Erkenntnissen treten jedoch häufig Mischformen der beiden Störungsbilder auf (vgl. Neumann & Sick 2007; Filatova 2007). Poltern Poltern:und Stotternund Stottern können anhand verschiedener Aspekte (Tab. 11.1) differenziert werden.
Eine das Poltern verstärkende Komorbidität wird sprachlichen sprachliche StörungenStörungen und Schwächen zugeschrieben (vgl. Van Zaalen 2009; Tetnowski 2007; Ward 2007b). Hier können sowohl das Sprachverständnis als auch die expressive Sprache betroffen sein (vgl. Sick 2004; Daly 1993). Vereinzelt werden auch Wortfindungsstörungen Wortfindungsstörungenmit Poltern in Verbindung gebracht (vgl. Sick 2004; Daly 1993). Laut Siegmüller (2008) ist der sichere Wortabruf eine wichtige Vorläuferfähigkeit für den Schriftspracherwerb. Demnach könnten Wortfindungsstörungen zu einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) führen – ebendiese tritt häufig im Zusammenhang mit Poltern auf (vgl. Schulte 2009; Van Zaalen 2009; Mannhardt 2005; Sick 2004; Daly 1993; Tiger et al. 1980; Van Riper 1982). Aufgrund der hohen Inzidenz von sprachlichen Defiziten bei Polternden werden diese im Rahmen der Polterdiagnostik mit untersucht (vgl. Sick 2004). Mitunter wird auch der Wunsch nach Einbezug der sprachlichen Symptome in die Definition des Störungsbildes Poltern formuliert (vgl. Ward 2011b; Van Zaalen et al. 2011a).
Neben Störungsbildern der Sprache können phonetische sowie phonologisch verursachte Artikulationsstörungen Artikulationsstörungen:phonetischemit Poltern einhergehen (vgl. Mannhardt 2005; Daly 1993). Obwohl sie zu den Leitsymptomen des Polterns gehören, unterscheiden sich diese phonetischen Auffälligkeiten qualitativ von einer Artikulationsstörung, da die phonetischen Auffälligkeiten von Polternden nicht phonemspezifisch sind (vgl. St. Louis & Myers 1995). Während bei einer Artikulationsstörung der betroffene Laut (etwa beim Schetismus das /ʃ/) konstant oder inkonstant ersetzt wird, sind beim Poltern keine spezifischen Laute, sondern vielmehr Laute und Silben zufällig und situativ durch die erhöhte Artikulationsrate betroffen. Demnach treten Artikulationsstörungen bei Personen, die poltern, nicht häufiger auf.
Ein Zusammenhang zwischen der auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)AVWS) AVWS\t \"Siehe auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungund dem Poltern wird von vielen ExpertInnen angenommen bzw. beobachtet (vgl. Schulte 2009; Neumann & Sick 2007; Filatova 2007). Nach Sick (2004) ist die AVWS kein obligates Poltersymptom, sollte aber in der Diagnostik ebenfalls beachtet werden. Schulte (2009) hält es für wahrscheinlich, dass sich eine AVWS auf die Sprechgeschwindigkeit Sprechgeschwindigkeitauswirkt. Infolge der eingeschränkten Selbstwahrnehmung des (eigenen) Sprechens kommt es zu einer erhöhten, unkontrollierten Sprechgeschwindigkeit und zu Defiziten auf der kommunikativ-pragmatischen Ebene. Wie Sick (2004) anmerkt, wirkt sich die AVWS zudem negativ auf die Fähigkeit der Textproduktion aus. Es handelt sich demnach um ein Störungsbild, das eng mit Poltern zusammenhängt, da die Poltersymptome durch die AVWS bedingt bzw. verstärkt werden.
Ein weiteres heterogenes und schwer zu definierendes Störungsbild, das häufig mit Poltern einhergeht, ist die allgemeine Lernbehinderung (Lernbehinderungvgl. Van Zaalen et al. 2011b; Schulte 2009; Sick 2004). Sie wird jedoch klar vom Poltern abgegrenzt, wobei die Sprechgeschwindigkeit den entscheidenden Unterschied ausmacht (vgl. Schulte 2009). Diese Vermutung bestätigt eine Studie von Van Zaalen et al. (2011b):
  • Bei Kindern, die poltern, zeigen sich mehr Probleme im Sprechfluss; besonders in Situationen, in denen es ihnen nicht gelingt, die Sprechrate an die linguistischen bzw. die motorischen Anforderungen anzupassen.

  • Bei Kindern mit einer Lernbehinderung hingegen zeigen sich Probleme in der Konzeptualisierung und dem lexikalischen Abruf. Dadurch verlangsamt sich ihre Sprechrate beim Nacherzählen von Geschichten, ohne jedoch Ausdruck eines zugrundeliegenden Polterns zu sein.

In der Literatur finden sich auch Zusammenhänge zwischen Aufmerksamkeitsdefiziten und dem Poltern (vgl. Filatova 2007; Mannhardt 2005). Die ASHA (1999) schließt Aufmerksamkeitsdefizite Aufmerksamkeitsdefizitesogar in ihre Definition des Polterns mit ein. Dennoch wurde dieser Zusammenhang bis dato nicht ausreichend verifiziert (vgl. Schulte 2009; Sick 2004). Die aktuelle Forschungslage gibt nicht genügend Aufschluss darüber, wie eng die Beziehung zwischen beiden Störungsbildern ist (vgl. St. Louis 1996). Dennoch vermutet Sick (2004), dass sich Aufmerksamkeitsstörungen negativ auf das Poltern auswirken: Durch fehlende Aufmerksamkeit bzw. eingeschränkte Selbstwahrnehmung kann es den Betroffenen z. B. schwerfallen, ihr eigenes Sprechen zu kontrollieren oder ihre undeutliche Aussprache zu korrigieren (Sick 2004).
Die Pragmatik Pragmatikwird von Myers (1996) als das Herz der Kommunikation bezeichnet. Treten in diesem Bereich Defizite auf, sind die Betroffenen im Alltag stark beeinträchtigt. Bei polternden Personen werden häufig Defizite der pragmatischen Fähigkeiten pragmatische Fähigkeiten:Defizitebeobachtet. Deshalb ist die Verbesserung der Pragmatik ein wichtiger Bestandteil der logopädischen Therapie (vgl. Scaler Scott 2007; Sick 2004). Myers (1996) stellte bei einer Erhebung mit Diagnostikbogen fest, dass einige polternde Personen mehr als die Hälfte der untersuchten kommunikativ-pragmatischen Parameter verletzen. Da der eingesetzte Diagnostikbogen nicht standardisiert war, müssen diese Ergebnisse als klinische Beobachtung betrachtet werden. Eine Studie von Teigland (1996) ergab, dass es bei polternden Personen häufiger zu Kommunikationszusammenbrüchen und -abbrüchen kommt als bei einer ungestörten Kontrollgruppe. Die Signifikanz der Unterschiede wurde jedoch nicht überprüft.
Neben den sprechmotorischen treten oft motorische und feinmotorische Defizite beim Störungsbild Poltern in Erscheinung (vgl. Neumann & Sick 2007). Insbesondere ein schlechtes Schriftbild wird häufig erwähnt (vgl. Sick 2004). Neumann & Sick (2007) weisen jedoch darauf hin, dass die Handmotorik im Zusammenhang mit dem Störungsbild Poltern bisher noch nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht wurde.
Eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) wird Autismus-Spektrum-Störungzwar deutlich seltener als andere Störungsbilder zum Poltern in Beziehung gesetzt, dennoch scheint hier ein Zusammenhang zu bestehen (vgl. Scaler Scott 2011; Tetnowski 2007). Scaler Scott (2011) beschreibt für Personen mit ASS ähnliche Symptome im Redefluss wie beim Poltern. Aufgrund des prosodischen Sprechmusters sowie der Unflüssigkeiten wirke deren Sprechrate ebenso irregulär. In einem Review zur Studienlage kommt Scaler Scott (2011) zu dem Ergebnis, dass nicht alle Personen mit einer Autismus-Spektrum-Störung auch Poltersymptome aufweisen. Dennoch lassen die bisherigen Studienergebnisse vermuten, dass Poltern in der Population mit ASS häufiger vorkommt als in Gruppen ohne diese Diagnose.
Wie dem Stottern werden auch dem Poltern diverse Persönlichkeitsmerkmale Poltern:Persönlichkeitsmerkmalezugeordnet (vgl. Reichel & Draguns 2011). Während Sick (2004) Merkmale wie Ungeduld, Oberflächlichkeit, Unkontrolliertheit und Hektik beschreibt, merken andere Autoren kritisch dazu an, dass diese Merkmale auch z. B. auf einem ADHS beruhen könnten, das häufig mit Poltern verbunden ist. Van Zaalen (2009) kritisiert, dass die bisher zugeschriebenen Persönlichkeitsmerkmale Persönlichkeitsmerkmale:Polternvon polternden Personen lediglich auf unsystematische klinische Beobachtungen zurückzuführen seien. Dennoch wird polterndes Sprechen in der Gesellschaft meist mit negativen Attributen assoziiert (vgl. Halevy et al. 2007). Andere Störungsbilder, wie etwa Adipositas, werden laut St. Louis et al. (2007b) positiver gesehen. Die Persönlichkeitsmerkmale von polternden Menschen sollten deshalb in der logopädischen Therapie mit berücksichtigt werden, damit Betroffene lernen, diese Merkmale selbst und die Reaktion ihrer Umwelt darauf wahrzunehmen sowie mit Konflikten, die möglicherweise daraus resultieren, umzugehen.

Begleitstörungen des Polterns

  • Poltern:BegleitstörungenBegleitstörungen:PolternStottern

  • Störungen der Sprache und Schriftsprache

  • Artikulationsstörung

  • Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung

  • Lernbehinderung

  • Störungen der Aufmerksamkeit

  • Pragmatische Störungen

  • Motorische Auffälligkeiten

  • Autismus-Spektrum-Störung

  • Persönlichkeitsmerkmale

Die Vielzahl an Störungsbildern und Persönlichkeitsmerkmalen, die mit Poltern assoziiert werden bzw. verbunden sein sollen, unterstreicht erneut die Schwierigkeit, Poltern abschließend klar zu definieren. Vorerst reicht die KGN-Definition jedoch aus, um Poltern zumindest von anderen Störungsbildern abzugrenzen. Im folgenden Kapitel sollen die möglichen Symptome von polternden Menschen betrachtet werden.

Symptome

Die KGN-Definition KGN-Definitionverdeutlicht, dass die Symptome von Poltern komplex und vielfältig sind. Sie lassen sich drei Kernbereichen zuordnen (vgl. Sick 2004: 206f.):
  • 1.

    Sprechtempo

  • 2.

    Phonetik

  • 3.

    Unflüssigkeiten

Im Folgenden werden die Kernsymptome des Polterns Poltern:Kernsymptomedifferenziert betrachtet und aktuelle Ergebnisse einer Studie von Kunz1

1

Das Ziel dieser Untersuchung lag in der Identifikation derjenigen Poltersymptome, die es ermöglichen, Poltern tatsächlich von normalen Sprechunflüssigkeiten zu unterscheiden. Anhand einer Spontansprachanalyse von drei Personengruppen: Personen, die poltern (n=8), Personen, die normal sprechen (n=31), und Personen, deren Sprechen im Polterspektrum liegt (n=11), konnten relevante Symptome ermittelt werden (vgl. Kunz 2012).

(2012) ergänzt. Hingewiesen wird auch auf notwendige differenzialdiagnostische Überlegungen. Abschließend soll an Fallbeispielen aufgezeigt werden, wie Poltersymptome hinsichtlich der Behandlung zu bewerten sind.

11.5.1 Sprechtempo

Zum Sprechtempo Sprechtempogehören Parameter wie die mittlere Sprechgeschwindigkeit bzw. die Artikulationsrate Artikulationsrateund deren Schwankungen. Die Sprechgeschwindigkeit wird auch als Sprechrate bezeichnet. In der folgenden Darstellung der Poltersymptomatik Poltersymptomatikwerden sprachliche Termini aus der Polterdiagnostik Polterdiagnostikvon Sick (2004) verwendet.
Sprechgeschwindigkeit/Artikulationsrate
Die erhöhte Sprechgeschwindigkeit Sprechgeschwindigkeit:Polterngilt unumstritten als ein Hauptsymptom des PolternsPoltern:Sprechgeschwindigkeit (vgl. Neumann & Sick 2007; Ward 2007b; St. Louis 2007; Goranova 2007, Filatova 2007; St. Louis & Myers 1995). Dies lässt sich dadurch erklären, dass sie jeweils die anderen Symptome des Polterns bedingt. Eine hohe Sprechgeschwindigkeit führt zur exzessiven Koartikulation sowie zu Lautveränderungen (vgl. Myers & St. Louis 1986b). Wie Van Zaalen (2009) zeigen konnte, tritt die erhöhte Sprechgeschwindigkeit insbesondere bei unflüssigen Äußerungen auf. Sie ist zudem stark von der Sprechsituation abhängig, so Myers (2007). Die Sprechgeschwindigkeit polternder Personen ist besonders hoch, wenn sie komplexe Geschichten bzw. Inhalte wiedergeben. Normal sprechende Personen scheinen dagegen ihre Grenze hinsichtlich der Sprechgeschwindigkeit zu kennen.
Während Konsens darüber besteht, dass die erhöhte Sprechgeschwindigkeit Sprechgeschwindigkeit:erhöhte/mittlereeines der Hauptsymptome des Polterns ist, bleibt nach wie vor unklar, ab wann die Sprechgeschwindigkeit über die „Norm“ erhöht ist. Nach Sick (2004) sind mehr als 250 Silben pro Minute als erhöht zu betrachten. St. Louis et al. (2003) geben für Erwachsene zwischen 180 und 220 Silben pro Minute an. Van Zaalen (2009) merkt dazu an, dass die mittlere Sprechgeschwindigkeit in verschiedenen Sprachen variiert. In einer Studie von Grossmann et al. (2007) wurde die Diagnose Poltern erst ab einer Sprechgeschwindigkeit von 300 Silben pro Minute gestellt. In der Studie von Kunz (2012) zeigten sich keine Unterschiede in der Sprechgeschwindigkeit zwischen den Untersuchungsgruppen.
Die Einschätzung der Sprechgeschwindigkeit im Rahmen von Polterdiagnostiken Polterdiagnostikist nicht nur wegen fehlender, sprachenspezifischer Grenzwerte schwierig, sondern auch aufgrund ihrer Mehrdimensionalität, so Myers (1986). Die Sprechgeschwindigkeit müsse unter folgenden Gesichtspunkten betrachtet werden:
  • im Verhältnis zur vorgegebenen Norm(al)geschwindigkeit,

  • hinsichtlich der Fähigkeit, Sprechbewegungen zu sequenzieren,

  • und der Fähigkeit, Aussagen zu formulieren und zu enkodieren.

Ebenso sei die Regulation der Sprechgeschwindigkeit als die Funktion zu betrachten, die flüssigem bzw. unflüssigem Sprechen zugrunde liegt und demnach ausschlaggebend für die Verständlichkeit einer Aussage ist. Schließlich sollte auch die Angemessenheit der Sprechgeschwindigkeit bezüglich der kommunikativen Information berücksichtigt werden (Myers 1986).

Für die Beurteilung des Polterns in Diagnostik und Forschung ergibt sich daraus die Forderung, die Sprechgeschwindigkeit mehrdimensional zu verstehen und sie nicht allein nach der Anzahl der Silben pro Minute zu definieren.

Schwankungen der Sprechgeschwindigkeit/Artikulationsrate
Neben der erhöhten Sprechgeschwindigkeit Sprechgeschwindigkeit:Schwankungenwerden deren Schwankungen als Poltersymptom in der KGN-Definition KGN-Definitionaufgeführt (vgl. St. Louis & Schulte 2011). Auch bei normal sprechenden Personen treten Schwankungen der Sprechgeschwindigkeit auf, die sie jedoch bewusst in der Kommunikation einsetzen (vgl. Sick 2004). Beim PolternPoltern:Sprechgeschwindigkeit lassen sich Geschwindigkeitsschwankungen aber deutlich häufiger und situationsunabhängig beobachten (vgl. St. Louis & Schulte 2011; Alm 2011; Goranova 2007; Neumann & Sick 2007). Die sog. spurts zeigen sich häufig nach inadäquaten Pausen, so Myers (2007). Sie sind jedoch schwierig zu messen und sollten idealerweise mit Computerprogrammen ermittelt bzw. eingeschätzt werden (vgl. Sick 2004). In der Studie von Kunz (2012) erwiesen sich Schwankungen der Sprechgeschwindigkeit als ein Symptom, durch das sich Poltern vom normalen Sprechen abgrenzen lässt.

11.5.2 Phonetik

Beim Poltern sind auch Symptome in der Phonetik zuPhonetik:Poltersymptome beobachten (vgl. St. Louis & Schulte 2011; Filatova 2007; Sick 2004). Für die Diagnostik ergibt sich daraus die Notwendigkeit, zunächst abzuklären, ob den phonetischen Auffälligkeiten keine phonologische Störung zugrunde liegt. Phonetische Auffälligkeiten im Rahmen des Polterns werden anhand ihres Erscheinungsbildes beschrieben (Sick 2004). Während laut Daly (1993) insbesondere Artikulationsfehler Artikulationsfehlerder Laute /r/ und /l/ auftreten, fanden andere Autoren eher phonemunspezifische Fehler (vgl. St. Louis & Myers 1995). Elisionen (Auslassungen von Lauten), Reduktionen (Auslassungen von Silben) und Lautveränderungen werden häufig genannt (vgl. Neumann & Sick 2007; Goranova 2007; Sick 2004). Myers & St. Louis (1986b) vermuten, dass die phonetischen Auffälligkeiten aus der erhöhten Sprechgeschwindigkeit resultieren. Sie sollten dennoch als eigenständiges Symptom betrachtet werden (vgl. Sick 2000).
In den Bereich der Phonetik fällt auch das Symptom „unverständliche Abschnitte“. Als solche gelten Passagen in der Spontansprache, Spontansprache:unverständliche Abschnittedie aufgrund der Artikulation so undeutlich sind, dass die Symptome sich nicht spezifizieren lassen. Sick (2004) unterscheidet zwischen unverständlichen Abschnitten, die über 1 Sekunde bzw. über 3 Sekunden andauern. Unverständliche Abschnitte über 1 Sekunde Dauer erwiesen sich in der Studie von Kunz (2012) als das Poltersymptom mit der höchsten Signifikanz im Vergleich zum normalen Sprechen.

11.5.3 Unflüssigkeiten

Die Unflüssigkeiten, Unflüssigkeitendie beim Poltern auftreten, unterscheiden sich klar von denen des Stotterns. In der KGN-Definition KGN-Definitiondes Polterns werden diese als normale, hochfrequente Unflüssigkeiten beschrieben (vgl. St. Louis & Schulte 2011; Bakker et al. 2011; Daly 1986). Typisch hierfür sind Silben-, Wort- und Satzteilwiederholungen (Daly 1993). Lautwiederholungen und Dehnungen hingegen scheinen selten vorzukommen (vgl. Sick 2004). Charakteristischerweise sind die poltertypischen Unflüssigkeiten spannungsfrei (vgl. Sick 2004; Ward 2007b). Dennoch fühlen sich viele polternde Personen beim Sprechen angespannt (vgl. Sick 2004). Interjektionen (sog. Embolophonien) Embolophonienund Embolophrasien Embolophrasienzählen ebenfalls zu den Unflüssigkeiten. Erstere sind Partikel wie „ähm“ und „äh“, bei letzteren handelt es sich um Wörter wie „also“ und „halt“ bzw. um Satzfragmente, die ohne syntaktischen Zusammenhang eingefügt werden (vgl. Sick 2004; Neumann & Sick 2007). Häufig werden auch Wort- und Satzabbrüche mit anschließenden Selbstkorrekturen (Revisionen) erwähnt (vgl. Neumann & Sick 2007).

In der Studie von Kunz (2012) zeigten sich nur für zwei der als poltertypisch beschriebenen Unflüssigkeiten signifikante Ergebnisse, sodass man Poltern damit klar vom Normalsprechen abgrenzen kann: zum einen Wortwiederholungen und zum anderen Wortabbrüche.

Interessanterweise ergab die Studie aber auch für Dehnungen, die zu den stottertypischen Unflüssigkeiten zählen, signifikante Werte.

In der Betrachtung der Unflüssigkeiten fällt auf, dass sowohl Wortwiederholungen als auch Wort- und Satzabbrüche ebenso bei Wortfindungsstörungen – als einer Ausprägungsform von Sprachstörungen – auftreten (vgl. Myers & Bradley 1986). Hier erscheint eine Differenzialdiagnostik unerlässlich.

11.5.4 Sprachliche Defizite

Viele polternde Personen weisen auch sprachliche Defizite sprachliche Defiziteauf. Noch ist nicht abschließend geklärt, ob diese als Begleitsymptome oder als poltertypische Symptome zu verstehen sind. Die Autoren sind sich aber einig, dass die Überprüfung der sprachlichen Leistungen in der Polterdiagnostik inbegriffen sein sollte (vgl. Van Zaalen et al. 2011a; Mannhardt 2005; Sick 2004; St. Louis & Myers 1995). So lässt sich bei Polternden unter anderem ein eingeschränktes Sprachverständnis beobachten (vgl. Sick 2004). Häufiger werden morphologisch-syntaktische Symptome, semantisch-lexikalische Auffälligkeiten und Störungen in der sprachlichen Strukturierung beschrieben (vgl. Sick 2004; Myers 1996).
  • Die morphologisch-syntaktischen Symptome morphologisch-syntaktische Symptometreten insbesondere bei komplexen Satzgefügen auf (vgl. Van Zaalen et al. 2011a; Sick 2004; Hirsch 1974). Schwierigkeiten scheint vor allem die Subjekt-Verb-Kongruenz und der Gebrauch von Konjunktionen und Präpositionen zu bereiten.

  • Die semantisch-lexikalischen Symptome semantisch-lexikalische Symptometreten im Rahmen eines eingeschränkten Wortschatzes bzw. von Wortfindungsstörungen auf. Letztere können auch Interjektionen bedingen bzw. ungünstig beeinflussen (vgl. Sick 2004).

  • Störungen der sprachlichen Strukturierung sprachliche Strukturierung, Störungenführen zu Defiziten in der Kohärenz und der Kohäsion (vgl. Sick 2004; Myers 1996).

11.5.5 Pausen

Sprechpausen Sprechpausen\t \"Siehe Pausensind in der Kommunikation unerlässlich, da sie dem Zuhörer helfen, die Informationen zu verarbeiten. Der Redefluss von polternden Personen soll sich hingegen durch eine inadäquate Pausensetzung auszeichnen, sodass die Kommunikation beeinträchtigt wird (vgl. St. Louis et al. 2007a).

Die Poltern:Pausensetzunginadäquate PausensetzungPausensetzung variiert in ihrer Ausprägung und lässt sich anhand des äußeren Erscheinungsbildes (Form), der Lokalisation (Ort) und als auffällige bzw. unauffällige Pausensetzung (Art) beschreiben.

Nach dem äußeren Erscheinungsbild lassen sich gefüllte Pausen (Pausen:gefüllte/ungefüllteEmbolophonien) und ungefüllte Pausen unterscheiden. Gefüllt bedeutet, dass die Pause durch Laute ohne semantische Bedeutung wie „äh“, „mmh“ gefüllt wird. In der aktuellen Forschung scheint das äußere Erscheinungsbild weniger relevant zu sein als die Quantität und Dauer der Pausen.
Die Lokalisation bezieht sich auf Juncture- und Non-juncture-Pausen. Während Juncture-Pausen Pausen:juncture/non-junctureadäquat nach einer phonologischen Phrase gesetzt werden (Der_Hasenbau_ist_überflutet), liegen Non-juncture-Pausen innerhalb der phonologischen Phrase (Der_ Hasenbau_ ist_ü_berflutet).
Abschließend wird zwischen konventionellen und idiosynkratischen Pausen unterschieden.
  • Erstere nutzt der Sprecher, um Aussagen zu betonen oder sich in der Rede neu zu strukturieren. Diese Pausen Pausen:konventionelle/idiosynkratischewerden in der Regel nach einer phonologischen Phrase gesetzt.

  • Idiosynkratischen Pausen hingegen entstehen durch syntaktische und/oder lexikalische Unsicherheiten. Sie werden häufig in phonologischen Phrasen gesetzt und folglich als auffällig bewertet (Sick 2004).

Wenn es von Personen, die poltern, heißt, sie würden häufig idiosynkratische Pausen verwenden, die Ausdruck einer syntaktischen und/oder lexikalischen Unsicherheit sind, kann dies ebenfalls auf eine sprachliche Ursache hindeuten.
Neben der Differenzierung nach Form, Ort und Art der Pausen sollten bei der Diagnostik auch die Funktionen der Pausen betrachtet werden, da die Probleme für Polternde vor allem hierin liegen.

Pragmatik und Sprachplanung sind die Schlüsselfunktionen der Pausen:FunktionenPausen.

In der Pragmatik ermöglichen Juncture- bzw. adäquate Pausen, dass der Empfänger eine Information aufnehmen und verarbeiten kann. In diesem Zusammenhang spielen auch gefüllte Pause eine wichtige Rolle, da sie dem Empfänger signalisieren, dass die Aussage noch nicht beendet ist (vgl. Sick 2004). Bei Polternden zeigen sich hingegen pragmatische Probleme, weil sie durch zu viele Non-juncture- und ungefüllte Pausen Irritationen auf Seiten des Empfängers hervorrufen (vgl. Sick 2004).
In der Sprachplanung werden Pausen zum einen genutzt, um eine Aussage lexikalisch und syntaktisch zu bewerkstelligen, und zum anderen, um Fehler zu korrigieren. Auffällige Pausen hängen eng mit dem Korrekturverhalten zusammen; im Satz sowie im Wort entstehen sie durch die Korrektur von grammatischen, semantischen und phonologischen Fehlern (vgl. Sick 2004). Polternde Personen benötigen nach Sick (2004) häufigere und längere Pausen, um ihre sprachlichen Äußerungen zu strukturieren.

11.5.6 Selbstwahrnehmung

Häufig wird Personen, die poltern, unterstellt, sie besäßen kein Störungsbewusstsein Störungsbewusstseinbzw. keine Symptomwahrnehmung (vgl. Goranova 2007; Daly 1986) oder verhielten sich gleichgültig hinsichtlich ihres Sprechens (vgl. Filatova 2007). Doch bereits Daly (1986) stellte fest, dass sie es durchaus wahrnehmen, wenn ihre Zuhörer irritiert sind. Auch Ward (2007b) beschreibt ein durchaus vorhandenes Störungsbewusstsein. Im Gegensatz zum Stottern führt Poltern Poltern:Störungsbewusstseinzwar seltener zum Leidensdruck oder zu Sprechangst, gleichwohl kann jedoch aus dem Störungsbewusstsein ein Leidensdruck entstehen. Polternde Personen haben häufig ein geringes Selbstbewusstsein, fühlen sich missverstanden und inkompetent (vgl. Reichel 2007; Schulte 2009). So schildert Helen (2007) als Betroffene ihre eigene Wahrnehmung und den damit verbundenen Leidensdruck, auch wenn sie dem entgegensteuere. Demnach ist die Hypothese, dass polternde Personen generell wenig Störungsbewusstsein besitzen, durchaus kritisch zu sehen.

Betrachtung von Poltersymptomen im diagnostischen Prozess

Aus den vorangegangenen Ausführungen zu möglichen Symptomen bei polternden Personen wird die Komplexität des diagnostischen Prozesses deutlich. Im Folgenden sollen die Symptombereiche zusammenfassend dargestellt und auf differenzialdiagnostische Überlegungen hingewiesen werden. Die Poltern:KernsymptomeKernsymptome imKernsymptome:Poltern Bereich von Sprechtempo Sprechtempo:Polterdiagnostikund Phonetik Phonetik:Polterdiagnostikstellen einen noch recht klar umschriebenen Aspekt dar (Abb.11.2). So ist bei phonetischen Auffälligkeiten differenzialdiagnostisch zu klären, ob die beobachtbaren Symptome nicht phonemspezifisch sind und damit nicht zu einer phonologisch und/oder phonetisch verursachten Störung gehören.
Als drittes Kernsymptom zeigen sich bei polternden Personen häufig Unflüssigkeiten (Abb.11.3). Diese lassen sich ungleich schwieriger beschreiben und zugrundeliegenden Störungen zuordnen. Während Revisionen und Embolophrasien möglicherweise klar dem Poltern zuzuschreiben sind, müssen Blockierungen und Dehnungen differenziert betrachtet werden; differenzialdiagnostisch ist Stottern auszuschließen. Dies gelingt, wenn die vorliegenden Unflüssigkeiten als spannungsfrei einzustufen sind, wozu es aber viel Erfahrung des Diagnostikers bedarf.
Wort- und Satzwiederholungen und -abbrüche sowie lexikalische und grammatische Auffälligkeiten (als sprachliche Symptome) sprachliche Symptomeverdienen besondere Beachtung. Hier ist immer auch eine mögliche Abrufstörung auszuschließen. Bei (kindlichen) WortfindungsstörungenWortfindungsstörungen sind ein verlangsamtes Benenntempo, eine eingeschränkte Benenngenauigkeit und Benenninkonsistenzen diagnostische Kriterien zur Einschätzung einer vorliegenden Störung (Beier & Siegmüller 2013). Vor allem Benenninkonsistenzen (Wörter können nicht jederzeit störungsfrei aus dem produktiven Lexikon abgerufen werden) führen dazu, dass in der Spontansprache Betroffener neben lexikalischen und grammatischen Auffälligkeiten vermehrt Wort- und Satzwiederholungen sowie -abbrüche auftreten. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass die eindeutige Abgrenzung beider Störungsbilder nicht immer möglich ist. Wie häufig Poltern mit Wortfindungsstörungen einhergeht, in welcher Beziehung beide Störungsbilder stehen und ob sie möglicherweise Ausdruck ein und derselben ursächlichen Störung sind, wird aktuell in der wissenschaftlichen Diskussion noch nicht hinterfragt. Hier bedarf es weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen, um Poltern langfristig in einem theoretisch erklärbaren Rahmen zu betrachten.

Das Polterkontinuum nach Ward

Im Praxisalltag Polterkontinuum nach Wardwerden häufig Patienten vorstellig, bei denen unklar ist, ob Poltern Poltern:schwierige Diagnosestellungvorliegt. Die TherapeutInnen stehen dann vor der schweren Entscheidung, die Diagnose bestätigen oder ausschließen zu können. Wegen des vielseitigen Symptombildes lässt sich die Diagnose „Poltern“ oft nur schwer formulieren.

Fallbeispiel

Obwohl sich bei Frau G. (33 Jahre) in der Diagnostik nur wenig Unflüssigkeiten zeigen, ist ihr Störungsbewusstsein hoch. Dies wird insbesondere in ihrem Beruf noch dadurch verstärkt, dass sie vor allem von ihrer Vorgesetzen nur schwer verstanden und vermehrt darauf hingewiesen wird, sich diesbezüglich behandeln zu lassen. Frau G. nimmt zwar ihre Symptome wahr, kann ihr Sprechen jedoch kaum kontrollieren. Die Logopädin steht nun vor dem Dilemma, dass angesichts der geringen Symptomatik eine klare Polterdiagnose zu schwerwiegend wäre, Frau G. sich aber dringend Hilfe wünscht. Ohne klare Diagnose ist dies jedoch kaum möglich.

Erschwerend kommt hinzu, dass Poltern häufig zusammen mit anderen Störungsbildern auftritt, die polterähnliche Symptome aufweisen können, wie etwa ein ADHS. Des Weiteren sind die Kernsymptome in der Definition des Polterns noch nicht endgültig geklärt (siehe die vorangegangenen Ausführungen).
Da die Symptomatik des Polterns so vielfältig ist und der Schweregrad oft schwankt, hat Ward (2007) die Theorie eines Polterspektrums aufgestellt. Nach seiner Vorstellung entspricht dies dem Autismusspektrum und ermöglicht es, die Störung entsprechend ihrem Schweregrad einzuteilen (Abb. 11.4).
Am linken Ende des Spektrums sind die normal sprechenden Personen einzuordnen. Je stärker und hochfrequenter Unflüssigkeiten und weitere Symptome auftreten, desto weiter rechts erfolgt die Einordnung: So könnte man Frau G. z. B. dem Polterspektrum Polterspektrumzuordnen. Das zu Beginn des Kapitels beschriebene Poltern von Herr K. wäre zwischen dem Polterspektrum und schwerem Poltern Poltern:schweresanzusiedeln, wohingegen Daniela aufgrund ihrer komplexen Symptomatik in den Bereich des schweren Polterns fiele.
Das Polterkontinuum von Ward (2007) ist ein Denkansatz und derzeit nicht in einer Vollständigkeit publiziert, die seinen Einsatz im therapeutischen Alltag ohne Weiteres rechtfertigen würde. Dennoch lässt sich Wards Ansatz im Alltag mit herkömmlichen Assessments kombinieren. Für ein Polterkontinuum nach WardPolterkontinuum, das informell zum Einsatz kommt, könnte die Punktevergabe wie folgt aussehen (Tab. 11.2):
Symptome aus Poltersymptomatik:Bewertungdem Auswertungsbogen für transkribierte Spontansprache nach Sick (2004) werden modifiziert und bewertet. Die Gewichtung der Punkte orientiert sich dabei an den Symptomen der KGN-Definition (St. Louis & Schulte 2011) und an aktuellen Studienergebnissen (Kunz 2012). So werden die Kern- und Sekundärsymptome sowie die signifikanten Symptome der Studie zweifach gewertet. Alle anderen Symptome erhalten einen Punktwert. Die redundanten (d. h. unter mehreren Parametern erfassten) Symptome werden separat aufgeführt, um eine Dopplung der Punktzahl zu vermeiden. Nicht in die Bewertung einbezogen werden Symptome, die selten bis gar nicht auftreten. Als Stottersymptome werden Dehnungen und Blockierungen lediglich differenzialdiagnostisch berücksichtigt (als Hinweis auf das Vorliegen einer kombinierten Symptomatik Stottern-Poltern), aber nicht gewertet.
Herr K., Daniela und Frau G. lassen sich mit dieser Bewertung individuell in das Polterkontinuum einordnen. So zeigen sich bei Herrn K. in der Spontansprachanalyse vor allem Auffälligkeiten im Bereich des Sprechtempos, bei normalen Unflüssigkeiten und bei intrinsischen Parametern. Mit einem Punktwert von 22 ist er im Poltern zu verorten. Daniela hingegen ist aufgrund der sprachlichen Defizite und einer Gesamtpunktzahl von 32 dem schweren Poltern zuzuordnen. Frau G. zeigt weniger Auffälligkeiten, erreicht aber dennoch einen Punktwert von 10, der ihre Symptomatik als zum Polterspektrum zugehörig klassifiziert.
Das Bewertungsprozedere ist in diesem Zustand weiter zu diskutieren. So lässt sich noch nicht differenziert darstellen, wenn ein Symptom vermehrt auftritt. Dennoch könnte die hohe Frequenz eines Symptoms im Vergleich zu anderen durchaus relevant sein. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, wenn das Polterkontinuum weiter ausgearbeitet und diskutiert würde. Dies könnte SprachtherapeutInnen im Diagnostikprozess unterstützen, eine gezieltere Ableitung der Therapie ermöglichen und gegenüber Patienten, Angehörigen und Ärzten als stärkere Erklärungsgrundlage dienen.

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