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B978-3-437-47784-3.00004-6

10.1016/B978-3-437-47784-3.00004-6

978-3-437-47784-3

Orofaziale Muskelgruppen und orofaziale Muskelnihre orofaziale Muskeln:InnervationNervus:vagus (X)Nervus:trigeminus (V)Nervus:hypoglossus (XII)Nervus:glossopharyngeus (IX)Nervus:facialis (VII)mimische MuskulaturKaumuskulaturGaumensegelmuskulatur:InnervationInnervationZungenmuskulatur

Tab. 4.1
Muskelgruppe Innervation
mimische Muskulatur N. facialis (VII. Hirnnerv)
Kaumuskulatur N. trigeminus (V. Hirnnerv)
Zungenmuskulatur N. hypoglossus (XII. Hirnnerv)
Gaumensegelmuskulatur N. glossopharyngeus und Äste des N. vagus (IX. und X. Hirnnerv)

Orofaziale Dysfunktionen

Barbara Giel

  • 4.1

    Orofazialer Komplex118

  • 4.2

    Klassifikation118

  • 4.3

    Erklärungsmodelle120

  • 4.4

    Ursachen121

  • 4.5

    Diagnostik121

  • 4.6

    Therapieansätze123

Definition
(orofazial: lat. os = Mund, facies = Gesicht).
Auch: myofunktionelle Störung, myofunktionelle Störungenorofaziale Störung, orofaziale Störungenorofaziale Dyskinesie, orofaziale DyskinesienMyofunctional Disorder, Orofacial Disorder
Störungen des orofaziale DysfunktionenMuskeltonus, der Muskelfunktion und/oder der Bewegungsabläufe im orofazialen Komplex, die aufgrund motorischer, sensorischer und/oder skelettaler Abweichungen entstehen. Ursachen können angeboren, vererbt oder erworben sein.

Orofazialer Komplex

Anatomie
Zum orofazialer Komplexorofazialen Komplex/orofazialen System zählen die knöchernen, muskulären und sensorischen Strukturen der Mimik, des Kauorgans, der Zunge, des Gaumensegels sowie deren Funktionen.
Die orofazialen Funktionen werden nach Tränkmann (1997) maßgeblich durch das Zusammenspiel und den Ablauf der Muskeln des inneren (Zungen-, Mundboden-, Gaumensegelmuskulatur) und äußeren (mimische Kaumuskulatur) Funktionskreises bestimmt (Tab. 4.1).
Sind alle beteiligten Strukturen normal ausgebildet, innerer und äußerer Funktionskreis im harmonischen Zusammenspiel und damit die Funktionen ungestört, wird von einem orofazialen (Muskel-)Gleichgewicht gesprochen.
Orofaziale Funktionen
  • Primärfunktionen:orofaziale Funktionen Atmung, Saugen, Beißen, Kauen, Schlucken

  • Sekundärfunktionen: Artikulation, Phonation

Darüber hinaus nonverbale und physiognomische Funktion, die durch die Aktivität der mimischen Muskulatur realisiert wird.

Klassifikation

orofaziale Dysfunktionen:Klassifikation“Orofaziale Dysfunktionen treten selten nur in einem Funktionsbereich auf. Störungen der Primärfunktion sind aufgrund derselben anatomischen und physiologischen Strukturen oft mit Störungen der Sekundärfunktion vergesellschaftet.
Störungen der Primärfunktion
Störungen der AtmungsstörungenAtmung und der Nahrungsaufnahme: Saugen, Beißen, Kauen, Schlucken
Mundatmung
Anstelle der Mundatmungphysiologischen NasenatmungNasenatmung, bei der der Mund geschlossen ist und die Einatmungsluft erwärmt, angefeuchtet und gefiltert wird, fungiert die Mundhöhle konstant oder zeitweise als Einatmungs- sowie Ausatmungsorgan.
  • Ursachen: Nasenscheidewandverkrümmung (Septumdeviation), Nasenpolypen (adenoide Wucherungen), rezidivierende Rachenmandelentzündungen (Tonsillitiden), Zahn-/Kieferfehlstellungen (Dysgnathien), hypotone Lippenmuskulatur, Angewohnheit (Habit)

  • Folge: Begünstigung von Erkältungskrankheiten, fehlender Mundschluss, pathologische Zungenruhelage, Fehlbildung der bilabialen Laute

Schluckstörung (Kap. 12)
Frontales SchluckstörungenSchluckmuster:frontalesSchluckmuster, infantiles Schlucken, viszerales Schlucken, Tongue Thrust (TT), Zungenstoß, Dysphagie (bei neurologischen Ursachen).Tongue Thrust (TT)
  • Ursachen: Persistenz des kindlichen Schluckmusters, Habits, Zahn-/Kieferfehlstellungen, einige neurologische Erkrankungen

  • Folge: Gaumen und Kiefer werden im Kindesalter nicht ausgeformt, Zahn-/Kieferfehlstellung entstehen oder werden aufrechterhalten, Artikulation folgt der Schluckstörung, d. h. frontal, lateral, addental, interdental

Störungen der Sekundärfunktion
Störungen des Sprechens: Sprechatmung, Stimmgebung, Artikulation.
Artikulationsstörungen (Kap. 5.2)
Phonetische (Aussprache-)Störung.Artikulationsstörungen
  • Ursachen: z. B. Zahn-/Kieferstellungsanomalien, Mundatmung, sensorische und/oder motorische Störungen der Artikulationsstelle und des artikulierenden Organs

  • Formen: addentale, interdentale, laterale Fehlbildung der Sibilanten, z. B. Sigmatismen und Schetismen, und der alveolaren Laute /t/, /d/, /I/, /n/

Dysarthrie (Kap. 10.1)
Neurologisch bedingte Störung des Sprechens, wobei Atmung, Stimmgebung, Artikulation und die suprasegmentale Ebene betroffen sein können. Das völlige Sprechunvermögen wird als Anarthrie bezeichnet.Dysarthrie
Dysglossien
Störungen der DysglossienArtikulation durch organische Veränderungen der peripheren Sprechwerkzeuge (Lippen, Zunge, etc.).
  • Ursachen: u. a. traumatisch, entzündlich, operativ, tumorbedingt

  • Formen: labiale, dentale, mandibuläre, maxilläre, palatale, linguale, pharyngeale, velare, nasale Dysglossie

Dysphonien (Kap. 13)
Störungen der Dysphoniestimmlichen Leistungsfähigkeit und des Stimmklanges. Besonders der Stimmklang und hier insbes. die Resonanz kann durch orofaziale Dysfunktionen beeinträchtigt werden.

Erklärungsmodelle

orofaziale Dysfunktionen:ErklärungsmodelleOrofaziale Dysfunktionen entstehen immer durch ein Ungleichgewicht der knöchernen, muskulären und/oder sensorischen Strukturen im orofazialen Komplex (Kap. 4.1).
Nachfolgend werden ausgewählte Modelle zur Erklärung orofazialer Dysfunktionen dargestellt (Giel und Korbmacher 2004).
Form-Funktions-Relation
Ist auf die orofaziale Dysfunktionen:Form-Funktions-Relation„Lehre der funktionellen Anpassung“ nach Roux (1883) zurückzuführen. Sie hebt den besonderen Einfluss von Muskelfunktionen auf knöcherne Strukturen hervor:
  • Kiefer wird durch die Primär- und Sekundärfunktionen ausgeformt, sodass sich eine normale Kiefer- und Zahnstellung entwickelt

  • Form des Kiefers beeinflusst die Bewegungsabläufe im orofazialen Komplex und somit die Primär- und Sekundärfunktionen

„Modell der Beziehungen und Wechselbeziehungen im stomatognathen System“ (Bigenzahn 1995)
Orofaziale Schluckmuster:interdentalesorofaziale Dysfunktionen:Modell der Beziehungen und Wechselbeziehungen im stomatognathen SystemBiss, front-offenerDysfunktionen werden auf Funktionen und Dysfunktionen zurückgeführt, z. B. Mundatmung, Schlucken, Artikulation, Zahn-/Kieferstellung, schädliche Gewohnheiten etc., und unter Einbeziehung der zuständigen Fachdisziplinen (Zahnmedizin/Kieferorthopädie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Sprachtherapie, Psychologie). Ursache und Wirkungen oft nicht eindeutig:
  • ein front-offener Biss kann durch lang anhaltendes, intensives Daumenlutschen oder aufgrund eines frontalen bzw. interdentalen Schluckmusters entstehen oder genetisch bedingt sein

  • ein interdentales Schluckmuster kann Folge einer Dysgnathie:Schluckmuster, interdentalesDysgnathie, z. B. eines front-offenen Bisses sein

Schema der Funktion (Castillo Morales 1991)
Zusammenhang bzw. Wechselwirkung zwischen orofazialen orofaziale Dysfunktionen:Schema der FunktionDysfunktionen und dem Körper:
  • systemische Veränderung, z. B. Beckenschiefstand, Halbseitenlähmung etc., wirkt sich durch knöcherne, muskuläre und sehnige Verbindungen auf den orofazialen Komplex aus

  • umgekehrt kann ein dauerhafter Bruxismus (Zähneknirschen) Schulterverspannung hervorrufen

Funktionslogensystem nach Korbmacher
Erweiterung des inneren und äußeren Funktionskreises nach Tränkmann. Es beinhaltet folgende Logen (abgeschlossene Räume)orofaziale Dysfunktionen:Funktionslogensystem nach Korbmacher als sich funktionell beeinflussende Größen:
  • Lippen

  • Mundraum mit Zunge

  • Nase und Respirationstrakt

  • Zungenbein mit oberer und unterer Zungenbeinmuskulatur

  • Halswirbelsäule unter besonderer Berücksichtigung der oberen Kopfgelenke

Eine bedeutende Funktion wird dem Gesamtkörper als stützendes Element der Logen zugesprochen. Veränderungen der Logen oder des Logensystems entstehen durch Störungen des Muskeltonus oder durch vom Körper nicht kompensierbare Funktionsstörungen. Dabei wird meist von einer multifaktoriellen Verursachung ausgegangen.

Ursachen

Meist orofaziale Dysfunktionen:Ursachenmultifaktorielles Ursachengefüge (Kap. 4.2). Motorik und Sensorik des orofazialen Komplexes sind bei den angeführten Erkrankungen und Schädigungen in unterschiedlichem Ausmaß gestört.
Kiefer- und Zahnstellungsanomalien
Können genetisch determiniert sein.
  • KieferstellungsanomalienKieferstellungsanomalien: front-offener Biss, orofaziale Dysfunktionen:Kiefer-/ZahnstellungsanomalienKreuzbissBiss, front-offenerKreuzbiss

  • ZahnfehlstellungenZahnfehlstellungen: Diastema (d. h. der Raum z. B. zwischen den oberen Schneidezähnen), Nichtanlage von Zähnen

Oft orientiert sich die Zunge in Richtung der Problemstelle, sodass eine abweichende Zungenruhelage und ein abnormes Schluckmuster vorliegen. Andere Muskelgruppen, z. B. die Lippenmuskulatur, können dadurch bedingt hypoton erscheinen, sodass der Mundschluss behindert ist und eine pathologische Mundatmung erfolgt.
Habituelle Ursachen
Alle (schädlichen/Habitsabnormen) Gewohnheiten, die zu einer Störung des orofazialen orofaziale Dysfunktionen:habituelle UrsachenKomplexes führen. Im Kindesalter werden Zahn- und Kieferstellungsanomalien und bei Erwachsenen Zahnlockerung und Prothesenunverträglichkeit hervorgerufen oder begünstigt.
  • intraorale Habits: Daumen-, Finger-, Gegenstände lutschen; Finger, Haare oder Gegenstände in Zahnzwischenräume drücken; Zungenstoß (Tongue Thrust); Lippen-, Zungen-, Wangenbeißen; auf Gegenstände beißen (Bleistift, Brillenbügel, Pfeife etc.); Nägel kauen; Zungen-, Lippensaugen; Zähne knirschen (Bruxismus);Bruxismus Zähne reiben, pressen; Zunge pressen

  • extraorale Habits: Kopf aufstützen, Kinn aufstützen, abnorme Schlafhaltung, Spielen auf Blasinstrumenten, Haltungsfehler des Gesamtskeletts

Neuropädiatrische und neurologische Erkrankungen
Können den orofazialen orofaziale Dysfunktionen:neuropädiatrische ErkrankungenKomplex unabhängig vom Lebensalter beeinträchtigen: orofaziale Dysfunktionen:neurologische Erkrankungen
  • infantile Zerebralparese (frühkindliche zerebrale Bewegungsstörung)

  • neuromuskuläre Erkrankungen

  • fortschreitende Erkrankungen, z. B. Parkinson-Syndrom, Multiple Sklerose

  • Schädel-Hirn-Traumata, Schlaganfälle, Tumoren, Traumata

Syndromerkrankungen
orofaziale Dysfunktionen:SyndromerkrankungenBeispielsweise Lippen-Kiefer-Gaumen-Lippen-Kiefer-Gaumen-SpaltenSpalten, Pierre-Robin-Pierre-Robin-SequenzSequenz, Down-Down-SyndromSyndrom (Kap. 7.5.7) und Goldenhaar-Goldenhaar-SyndromSyndrom beeinflussen die motorische, kognitive, sprachliche und soziale Entwicklung.

Diagnostik

orofaziale Funktionen:Diagnostik“Interdisziplinäre Aufgabe, an der je nach Symptomatik die ärztlichen Berufsgruppen der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO)/Phoniatrie, Kieferorthopädie/Zahnmedizin und Neurologie sowie die sprachtherapeutische Berufsgruppe beteiligt sind. Ziel der ärztlichen Diagnostik ist die Erfassung organischer, pathophysiologischer bzw. neurologischer Bedingungen im orofazialen Komplex, die für die Entstehung oder Aufrechterhaltung orofazialer Dysfunktionen verantwortlich gemacht werden können.
Ärztliche Diagnostik
HNO-ärztlich
Audiogramm als orofaziale Funktionen:HNO-Diagnostik“zwingende Voraussetzung für sprachtherapeutische Diagnosestellungen.
Störung des orofazialen Gleichgewichts und insbesondere der Nasenatmung und damit des Mundschlusses durch:
  • häufig wiederkehrende Erkältungskrankheiten wie Schnupfen (Rhinitis), Mittelohrentzündung (Otitis media), Mandelentzündung (Tonsillitis)

  • vergrößerte Nasen-/Rachenpolypen (adenoide Wucherungen)

  • Nasenscheidewandverkrümmung (Septumdeviation)

  • Allergien

Kieferorthopädisch
Diagnostik und Planung einer orofaziale Funktionen:kieferorthopädische Diagnostikkieferorthopädischen Versorgung (Zeitpunkt, Gerätefolge etc.) je nach Art und Ausprägung von Zahn- und Kieferstellungsanomalien (Dysgnathien), die das orofaziale Gleichgewicht stören können:
  • Abweichungen der Kieferstellung in den verschiedenen Lageebenen der Kiefer zueinander (vertikal, horizontal, saggital)

  • Zahnfehlstellungen

  • Status des Zahndurchbruchs (1. und 2. Dentition)

  • Nichtanlage von Zähnen (Aplasien)

Neurologisch
Bei Anhaltspunkten für neurologische Ursachen orofazialer orofaziale Dysfunktionen:neurologische ErkrankungenDysfunktionen sollte eine entsprechende Diagnostik initiiert werden.
  • bei zentralen oder peripheren Schädigungen des orofazialen Komplexes (Kap. 4.1) ist ein neurologischer Befund Voraussetzung der Therapie

  • Informationen über Art und Ausmaß der Schädigung des zentralen Nervensystems sind für die Therapieplanung wichtig

Interdisziplinär
Der Informationsaustausch gestaltet sich – je nach Arbeitsort (Klinik, Praxis, Frühfördereinrichtung etc.) – unterschiedlich. Die zwingend notwendigen Informationen der Fachgruppen sollten möglichst schnell, transparent und ökonomisch von Arzt zu Therapeut und umgekehrt transportiert werden. Da nicht immer das persönliche Gespräch möglich und notwendig ist, können leicht ausfüllbare Kooperationsbögen genutzt werden, die alle wichtigen Informationen bezogen auf Diagnostik und Therapie beinhalten (Giel 2005).
Sprachtherapeutische Untersuchungsverfahren
Ziel sprachtherapeutischer Diagnostik ist eine umfassende inspektive Erhebung des inneren und äußeren Funktionskreises sowie der Primär- und Sekundärfunktionen des orofazialen Komplexes (Kap. 4.1). orofaziale Dysfunktionen:sprachtherapeutische Untersuchungsverfahren
Im deutschsprachigen Raum sind derzeit nur deskriptive (d. h. beschreibende) Verfahren zur Diagnostik orofazialer Dysfunktionen auf dem Markt. Standardisierte Verfahren im Sinne der klassischen Testgütekriterien sind aufgrund mangelnder objektiver Beschreibungskriterien und Untersuchungstechniken nur unter sehr kostenintensiven Aspekten zu entwickeln.
  • in einigen Veröffentlichungen zur Thematik sind Untersuchungsbögen enthalten: z. B. Castillo Morales (1991) „Die Orofaziale Regulationstherapie“ oder „Orofaziale Dysfunktionen“ von Bigenzahn (1995)orofaziale Regulationstherapie (ORT)

  • „MFT-Diagnostikbogen“ von Steiner und Struck (1990), der keine Handanweisung enthält

  • Kölner Diagnostikbogen für Myofunktionelle myofunktionelle Störungen:Kölner Diagnostikbogen (KDMS)Kölner Diagnostikbogen für myofunktionelle Störungen (KDMS)“Störungen (KDMS), wurde in neuerer Zeit von Giel und Tillmanns-Karus (2004) entwickelt. Er prüft u. a. Gesamtkörperhaltung, Atmung, schädliche Gewohnheiten (Habits) sowie den orofazialen Komplex. Dabei wird genau auf Form und Funktion von Lippen, Kaumuskulatur, Zunge und Gaumen eingegangen. Darüber hinaus werden orale Stereognose (dreidimensionale Wahrnehmung im Mundraum) und Schlucken erfasst. Im Anhang befinden sich Klientenaufklärung, Therapievertrag und Urkunde, die zur Qualitätssicherung der myofunktionellen Therapie konzipiert wurden

Therapieansätze

Je orofaziale Dysfunktionen:Therapieansätzenach Störungsbild bietet es sich an, myofunktionelle und orofaziale, also aktive und eher passive Therapiemethoden miteinander zu kombinieren.
Myofunktionelle Verfahren
orofaziale Dysfunktionen:myofunktionelle Therapie (MFT)myofunktionelle Therapie (MFT):orofazialerStörungenOberbegriff für alle Therapiemethoden, die sensorische und motorische Ungleichgewichte behandeln sowie Primär- und Sekundärfunktionen positiv beeinflussen. Die Ursache kann angeboren, habituell, neurologisch, traumatisch, anpassungsbedingt bzw. in einem multifaktoriellen Bedingungsgefüge verankert sein.

Beispiele

  • Myofunktionelle Therapie (MFT) nach Garliner (1989); Barrett und Hanson (1978); Kittel (2009)

  • Orofaziale Muskelfunktionstherapie nach Clausnitzer und Clausnitzer (2004)orofaziale Muskelfunktionstherapie

  • Der Berliner Therapieansatz (Gruppenkonzept) nach Burhop et al. (1995)

  • Heidelberger Gruppenkonzept für MFS (GRUMS) nach Lleras und Müller (1995)Heidelberger Gruppenkonzept für MFS

Anwendungsbereiche
Myofunktionelle Therapiemethoden wurden v. a. für neurologisch bedingte orofaziale Störungen entwickelt, wie dysgnathiebedingte Schluckstörungen oder habituelle Mundatmung. Sie wurden in der Zahnmedizin, Funktionskieferorthopädie und Sprachtherapie entwickelt und werden stetig modifiziert.
Zielsetzung
Wiederherstellung eines orofazialen Gleichgewichts unter Berücksichtigung von Motorik, Sensorik, oraler Stereognose und Gesamtkörperhaltung. Fokus liegt meistens auf dem unphysiologischen Schluckmuster.
Methode/Inhalt
Meist aktive Übungen zum Habitabbau, Training des physiologischen Schluckvorgangs (nur der oralen Phase), Übung von Mundschluss und Nasenatmung sowie Lautbildung.
Orofaziale Verfahren
Komplexe orofaziale TherapieAnsätze, die im Wesentlichen aus der Physiotherapie heraus entwickelt wurden. Die orofazialen Therapiemethoden zeigen von ihren Ursprüngen an bis heute eine ganzheitliche Sicht, im Sinne von Beachtung der Zusammenhänge des orofazialen Komplex und des Gesamtkörpers.
Anwendungsbereiche
Neurologisch bedingte Störungen im orofazialen Komplex wie vollständige oder partielle Paresen, die Dysarthrien oder Dysphagien hervorrufen, ebenso komplexere orofaziale Störungen, wie sie bei Kindern mit Down-Syndrom oder zerebralen Bewegungsstörungen auftreten.

Beispiele

  • Orofaziale Regulationstherapie (ORT) nach Castillo Morales/Brondo (1991)orofaziale Regulationstherapie (ORT)

  • Facio-orale-Trakt-Therapie (F. O. T. T.) nach Coombes/Bobath (1996, 2007)Facio-orale-Trakt-Therapie (F.<2009>O.<2009>T.<2009>T.)

  • Funktionelle Dysphagietherapie (FDT) nach Bartolome (2006)funktionelle Dysphagietherapie (FDT)

  • Propriozeptive Neuromuskuläre Faszilitation (PNF) nach Knott und Voss (1968)Propriozeptive Neuromuskuläre Faszilitation (PNF)

Zielsetzung
Wiederherstellung eines orofazialen Gleichgewichts unter Berücksichtigung von Motorik, Sensorik, oraler Stereognose und Gesamtkörperhaltung.
Methode/Inhalt
Passive Stimulationen mit ergänzenden aktiven Übungen:
  • Inhibition unphysiologischer Bewegungsmuster, Faszilitation physiologischer Bewegungsmuster

  • Optimierung von Schluckvorgang (präorale, orale, pharyngeale, ösophageale Phase), Atmung, Stimmgebung, Lautbildung

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