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B978-3-437-44506-4.00009-0

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978-3-437-44506-4

Multifaktorielles Entstehungsmodell für Stottern (Zang 2012).

[M751]

Erweitertes Sprachenprofil für mehrsprachige stotternde Kinder.

[M751]

Übersicht über eine mehrsprachige ICF-basierte Stotterdiagnostik.

[M751]

Abgrenzung von Stottern zu normalen und anderen Unflüssigkeiten

Tab. 9.1
Merkmale und Formen
Stottern Beispiele
Wiederholung von Lauten oder Silben
Blockierungen
Dehnungen
Kombinierte Symptome
Sichtbare Anspannung und individuelle physiologische Begleitsymptomatik
Vermeidungsverhalten in Form von Umformulierungen oder gehäuft auftretenden gespannten Interjektionen
„I-I-Ich ka-ka-ka-kann das schon“

„Das i-------ist grün“
„Wwwwwas ist das?“
„Ich ------ka-------ka-ka-kann das schon“
„Gestern war mein also eheheh also gestern war mein eheh O-Opa da“
Normale Unflüssigkeiten Beispiele
(werden von jedem Sprecher produziert): Pausen, Interjektionen, Korrekturen, Wiederholung mehrsilbiger Wörter und sehr lockere Wiederholungen von Einsilbern, spannungsfrei produzierte Satz- und Wortabbrüche „Weißt du was, ich ich hab schon mal äh ich bin schon mal alleine alleine Fahrrad gefahren [Pause] ganz alleine“
Wortfindungs-Unflüssigkeiten Beispiele
Eindeutiges Suchverhalten: Das Kind weiß das Wort in dem Moment nicht,
vereinzelt metasprachliche Kommentare
„Gestern war mein äh da war mh warte der Opa war da“
„Das ist ja diese dingens äh [Pause] wie heißt das nochmal?“
Code-Switching Beispiele
Wechsel zwischen den Sprachen: In der Regel geschieht das sehr flüssig, kann aber auch mit normalen Unflüssigkeiten einhergehen „Weißt du was, gestern nein today äh heute mein ich kommen meine Oma und Opa äh to visit me, die kommen sehr weit mit dem ja mit dem Flugzeug kommen die“

Redeflussstörung und Mehrsprachigkeit

Jana Zang

Das folgende Kapitel stellt Theorien und Studien vor, die sich mit der Redeflussstörung Redeflussstörung:und MehrsprachigkeitStottern bei mehrsprachigen Kindern befassen. Ähnlich wie das Thema Mehrsprachigkeit:und Redeflussstörung (Stottern)Mehrsprachigkeit ist auch das Thema StotternStottern mit Hypothesen behaftet, die noch nicht ausreichend erforscht oder widerlegt sind. Somit bietet eine Verknüpfung dieser Themengebiete einen interessanten Forschungsbereich, der noch viele Fragen offen lässt. Dennoch geben der heutige Stand der Forschung und Beobachtungen aus der Praxis bereits wichtige Antworten und Hinweise zur Diagnostik und Beratung mehrsprachiger stotternder Patienten und ihres Umfeldes. Im folgenden Kapitel soll dabei nicht differenziert werden, ob jemand nur zwei oder auch drei oder mehr Sprachen spricht.

Definition und Ursachen von Stottern

Für die Redeflussstörung Stottern:Definition und UrsachenStottern eine einheitliche und allgemein anerkannte Definition zu finden, gestaltet sich sehr schwierig. Gleiches gilt auch für den Begriff Mehrsprachigkeit.

Definition und Symptome

Stottern:KernsymptomatikStottern wird im Folgenden als eine neurophysiologisch bedingte, unfreiwillige Unterbrechung des Redeflusses beschrieben, die sich durch ihre Kernsymptomatik:StotternKernsymptomatik in Form von Laut- und Silbenwiederholungen, Blockierungen und Dehnungen deutlich von normalen Unflüssigkeiten:normaleUnflüssigkeiten unterscheidet.
Die beschriebene Kernsymptomatik kann durch individuelle Symptome auf körperlicher und psychisch-emotionaler Ebene begleitet werden (u. a. Bloodstein 1995, Sandrieser & Schneider 2008). Neben den sichtbaren Begleitsymptomen können sich bestimmte Gedanken und Gefühle sowie ein VermeidungsverhaltenVermeidungsverhalten entwickeln, das sich in Form von Stottern:Vermeidungsverhaltensprachlicher Umstrukturierung, im Vermeiden einzelner Wörter und Phrasen bis hin zum vollständigen Vermeiden sprachlicher Äußerungen zeigen kann.
Für ein vermutlich genetisch bedingtes, in der Kindheit erstmals auftretendes Stottern, das 5 % aller Kinder betrifft, müssen neben Stottern:genetische Dispositioneiner genetischen genetische Disposition:StotternDispositionDisposition:Stottern, die einen Einfluss auf die Hirnstrukturen haben könnte (Kang et al. 2010, Neumann 2007, Sommer et al. 2002), noch individuelle auslösende Faktoren vorliegen. Bei ca. 75 % der stotternden Kinder kann es zu einer RemissionRemission:Stottern kommen, das Stottern verliert sich und tritt nicht mehr auf (Yairi & Ambrose 1999). Bleibt das Stottern bestehen, können diverse aufrechterhaltende Faktoren den Verlauf beeinflussen (Johannsen 2010). Neben dem in der Kindheit normal entwickelten Stottern bei genetischer Disposition lassen sich zwei weitere Formen nennen:
  • neurogenes Stottern:neurogenesneurogenes StotternStotternStottern:hirnorganische Disposition, das sowohl in der Kindheit als auch im Erwachsenenalter durch neurologische Ereignisse (Gehirnblutung, Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfall), die eine hirnorganische Disposition schaffen, entstehen kann, und

  • psychogenes psychogenes StotternStotternStottern:psychogenes, das sehr selten im Erwachsenenalter in Form einer KonversionsstörungKonversionsstörung:Stottern (unbewusstes Umsetzen seelischer Konflikte in körperliche Symptome) auftreten kann (Zückner & Ebel 2001).

Einflüsse der Sprachentwicklung auf die Redeflussstörung Stottern

Bevor etwaige Zusammenhänge von Mehrsprachigkeit und StotternStottern:Einfluss der Sprachentwicklung betrachtet werden, soll zunächst der Fokus darauf gerichtet werden, inwiefern die allgemeine SprachentwicklungSprachentwicklung:Einfluss auf Stottern oder spezifische sprachliche Faktoren einen Einfluss auf die Entwicklung oder Aufrechterhaltung des Stotterns haben. Diese Frage wurde in der Stotterforschung bereits intensiv diskutiert, doch die Untersuchungen lieferten bis heute keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Untersucht wurde das Auftreten von Sprachentwicklungsstörungen und Artikulationsstörungen bei stotternden Kindern (u. a. Blood, Ridenour, Qualls & Hammer 2003). Bis heute besteht keine Einigkeit darüber, inwiefern die beschriebenen Phänomene häufiger bei stotternden Kindern auftreten, die Entstehung von Stottern begünstigen oder das Stottern aufrechterhalten. Zu diesem Schluss kamen auch Bernstein-Ratner (1997) und Yaruss (1998). Sie stellten nur geringe Unterschiede zwischen stotternden und nichtstotternden Kindern fest, die manchmal besser, manchmal schlechter in sprachbezogenen Tests abschnitten.
Aufgrund von Beobachtungen aus der Praxis entsteht nicht selten der Eindruck, dass die Sprachentwicklung stotternder Kinder entweder sehr schnell oder zusätzlich zum Stottern verzögert sein kann. Nach dem multifaktoriellen Entstehungsmodellmultifaktorielles Entstehungsmodell:Stottern für StotternStottern:multifaktorielles Entstehungsmodell (Abb. 9.1) kann eine verzögerte Sprachentwicklung zwar ein individueller aufrechterhaltender Faktor für Stottern sein, jedoch keine Ursache. Interessant ist die Tatsache, dass einige Kinder in einer Testsituation lieber nichts sagen, grammatikalisch falsche Sätze verwenden oder eine falsche Antwort geben, als zu stottern. So entsteht der falsche Eindruck, dass der Wortschatz oder die grammatikalischen Fähigkeiten verzögert sind bzw. womöglich eine WortfindungsstörungWortfindungsstörung vorliegt. Auf der anderen Seite kann eine sehr gut fortgeschrittene Sprachentwicklung das Stottern maskieren: Kinder, die sprachlich eloquent sind, können durch Umformulierungen ihr Stottern gut verstecken. Kinder, die weniger Ausdrucksmöglichkeiten und damit weniger Formulierungsalternativen zur Verfügung haben, können dagegen leichter als stotternde Kinder erkannt werden, da Stottern ohne Vermeidungsverhalten deutlich zu hören ist.

Nichtberücksichtigung des Stottern:Vermeidungsverhaltenindividuellen Vermeidungsverhalten:StotternVermeidungsverhaltens kann bei stotternden Kindern zu Fehldiagnosen führen.

Hervorzuheben ist, dass Stottern primär keine Sprach- oder Wortabrufstörung ist, sondern eine Störung des Sprechablaufs. Aktuellere Studien gehen aus diesem Grunde von der Untersuchung sprachlicher Faktoren zu neuromuskulären, motorischen und artikulatorischen Untersuchungen über (u. a. Neef et al. 2010).

Zusammenhänge von Mehrsprachigkeit und Stottern

Der Einfluss von MehrsprachigkeitMehrsprachigkeit:und Stottern auf die Entstehung von Redeflussstörungen ist kein neuer Gedanke in den Sprach- und Sprechwissenschaften. Bereits seit den 1930er-Jahren werden Zusammenhänge von Mehrsprachigkeit und StotternStottern:und Mehrsprachigkeit öffentlich diskutiert. Nimmt man heute einen Erziehungsratgeber zur Hand oder öffnet ein Internetforum zu diesem Thema, findet sich häufig der Hinweis, Eltern mehrsprachiger stotternder Kinder sollten das Sprachangebot reduzieren, damit das Stottern:Verzicht auf eine SpracheStottern wieder verschwindet. Lattermann (2010) berichtet von besorgten Eltern, denen der Verzicht auf eine SpracheVerzicht auf eine Sprache:stotternde Kinder selbst von Therapeutinnen oder Pädiatern empfohlen wurde. Es ist bekannt, dass von dieser Praxis dringend abzuraten ist, da sie schwerwiegende Folgen für die emotionale und soziale Entwicklung eines Kindes haben kann und nach heutiger Sicht ethisch nicht vertretbar ist (Shenker 2011, Lattermann 2010, Zollinger 2002). Es besteht demnach ein deutlicher Bedarf an Aufklärung und klaren Fakten.

Der Verzicht auf eine Sprache zugunsten der SprechflüssigkeitSprechflüssigkeit kann schwerwiegende emotionale und soziale Folgen haben.

Es existieren auch gegenteilige Annahmen, nämlich dass neu erlernte Sprachen im Jugend- und Erwachsenenalter zu einer Reduzierung der Stottersymptomatik führen oder Stottern in ihnen gar nicht mehr auftritt. Das Erlernen einer Fremdsprache soll stotternden Jugendlichen helfen können, ihr Stottern zu verringern. Diese Theorien sollen nun näher diskutiert werden.
Prävalenzstudien
Bis heute haben drei größere Studien die Auftretenshäufigkeit von StotternStottern:Prävalenz bei mehrsprachigen Populationen untersucht. Die ersten und bis heute häufig zitierten Studien stammen von Travis, Johnson & Shover (1937) und von Stern (1948). Gemessen an der weltweiten Prävalenz (Auftretenshäufigkeit) des Stotterns von durchschnittlich 1 % (vgl. Natke & Alpermann 2010) berichten die Autoren beider Studien über ein vermehrtes Auftreten von Stottern bei zweisprachigen Menschen. Travis, Johnson & Shover (1937) gaben eine PrävalenzPrävalenz:Stottern von 2,8 % bei bilingualen stotternden Kindern in Chicago im Vergleich zu 1,8 % bei monolingualen stotternden Kindern an. Insgesamt umfasste die Stichprobe 4.728 Kinder, von denen die Hälfte mehrsprachig war. Stern (1948) fand in Johannesburg eine Prävalenz von 2,16 % bei bilingualen Kindern im Vergleich zu 1,66 % bei monolingualen Kindern in einer Stichprobe von 1.861 Kindern.

Kritisch anzumerken ist die Tatsache, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowohl für Stottern als auch für Mehrsprachigkeit andere Definitionsansätze genutzt wurden als heute. Heutigen Maßstäben werden auch die diagnostischen Methoden zum damaligen Zeitpunkt und das Studiendesign nicht gerecht.

Die einzige umfangreiche Studie, die heute zum Vergleich herangezogen werden kann, haben Au-Yeung, Howell, Davis, Charles & Sackin (2009) in Form einer weltweiten Online-Befragung durchgeführt. Beantwortet wurden insgesamt 794 Fragebögen aus 40 Ländern. Die Teilnehmer im Alter zwischen 3 und 80 Jahren sprachen 52 verschiedene Muttersprachen und 70 weitere Sprachen. Die Stottern:PrävalenzPrävalenzPrävalenz:Stottern des Stotterns unter den monolingualen und bilingualen Teilnehmern beschreiben die Autoren als ausgeglichen. Jedoch ist auch hier kritisch anzumerken, dass ein klares diagnostisches Vorgehen fehlt. Die Diagnose „Stottern“ beruhte allein auf eigenen Angaben der Teilnehmer und wurde nicht weiter von den Autoren untersucht.
Einflüsse des Zweitspracherwerbs
Weitere umfangreiche Studien zur Prävalenz von Stottern bei mehrsprachigen Menschen fehlen bis heute. Howell, Davis & Williams (2009) gingen der Frage nach, ob sich unter mehrsprachigen stotternden Kindern mehr mit sukzessivem oder mehr mit simultanem Spracherwerb fänden. Sie untersuchten 317 stotternde Kinder, von denen 69 zweisprachig aufwuchsen. In einer Teilstichprobe von 38 mehrsprachigen stotternden Kindern im Alter von 8–12 Jahren stellten sie fest, dass darunter mehr Kinder waren, die während der frühen Kindheit eine zweite Sprache erlernten, als Kinder, die erst später die zweite Sprache erwarben. Die Autoren schlussfolgern, dass ein simultaner SpracherwerbSpracherwerb:simultaner demnach ein höheres Risiko für StotternStottern:simultaner/sukzessiver Spracherwerb und eine geringere Chance zur Remission beinhalten kann als ein sukzessiver SpracherwerbSpracherwerb:sukzessiver (Howell et al. 2009). Diese Ergebnisse werden häufig in dem Zusammenhang zitiert, dass der mehrsprachige Spracherwerb das Auftreten von Stottern begünstigt. Die Ergebnisse lassen jedoch lediglich Vermutungen über die RemissionswahrscheinlichkeitRemissionswahrscheinlichkeit:Stottern zu. Die Aussagekraft bezüglich der Vergleichbarkeit von sukzessivem und simultanem Spracherwerb bei stotternden Kindern ist fraglich.
In zahlreichen Einzelfallstudien wurden ähnliche Vermutungen über Einflussfaktoren des ZweitspracherwerbsZweitspracherwerb:und Stottern aufgestellt. Jankolewitz & Bortz (1996) und auch Van Borsel (2011) folgerten in ihren Übersichtsartikeln, dass Stottern häufig in der schwächeren, weniger gut erworbenen Sprache stärker auftritt. Hier liegt die Vermutung nahe, dass in der schwächeren Sprache evtl. noch nicht genügend sprachliche Ausweichmöglichkeiten und Strategien zur Verfügung stehen, um das Stottern zu umgehen. Da es sich nie nach einem festgelegten Muster zeigt, kann keine feste Regel dafür aufgestellt werden, in welcher Sprache sich das Stottern stärker oder evtl. gar nicht äußert. Genauso variabel wie die individuelle Symptomatik zeigt sich das Stottern auch in jeder erdenklichen Ausprägung in den verschiedenen Sprachen, die ein Mensch spricht.
Was führt nun zu der stetig vertretenen Annahme, Mehrsprachigkeit sei ein begünstigender Faktor für Stottern? Eine Erklärung könnte sein, dass Code-SwitchingCode-Switching und Verzögerungen in der Wortfindung häufig nicht klar von Stottersymptomen abgegrenzt werden. MehrsprachigMehrsprachigkeit:normale Unflüssigkeiten aufwachsende Kinder, die eine höhere Anzahl an normalen Unflüssigkeiten zeigen als andere Kinder, könnten somit den Eindruck erwecken, dass sie häufiger stottern. Hier muss bedacht werden, dass zur Abgrenzung zwischen normalen UnflüssigkeitenUnflüssigkeiten:normale und StotternStottern:normale Unflüssigkeiten eine ausführliche Diagnostik notwendig ist. Wie Erfahrungen aus der Praxis zeigen, werden Eltern eindeutig stotternder Kinder mit dem Hinweis vertröstet, dass es sich um normale Unflüssigkeiten aufgrund der Zweisprachigkeit handle (Tab. 9.1).
Kinder sind häufig schon sehr früh in der Lage zu beschreiben, ob sie nach einem Wort gesucht oder nachgedacht haben, oder ob sie wussten, was sie sagen wollten und bei einem Wort stecken geblieben sind. Bei stotternden Kindern tritt ebenfalls eine Vielzahl an normalen Unflüssigkeiten auf, und sie suchen durchaus einmal nach einem Wort. Ein wichtiges differenzialdiagnostisches Kriterium besteht darin, dass im Moment des Stotterns das auszusprechende Wort immer schon bekannt und nur die Aussprache verzögert ist. Beim Stottern handelt es sich also nicht um eine WortfindungsWortfindungsproblematik- oder AbrufproblematikAbrufproblematik oder eine Korrektur.

Bikulturalismus als aufrechterhaltender Faktor?

Aus Bikulturalismus:und Stotternheutiger Sicht weiß man, dass StotternStottern:und Bikulturalismus kaum ohne eine genetische oder hirnorganische Disposition auftritt und dass Stottersymptome sich klar von normalen Unflüssigkeiten unterscheiden. Nicht zu vernachlässigen ist die Tatsache, dass ein BilingualismusBilingualismus:und Stottern, der mit Migration einhergeht, meistens auch Bikulturalismus bedeutet. Es ist bekannt, dass es neben der genetischen Stottern:DispositionDisposition auch individueller auslösender und aufrechterhaltender Faktoren für eine überdauernde Stottersymptomatik bedarf. Kulturelle Sichtweisen und der gesellschaftliche Umgang mit Stottern könnten einen aufrechterhaltenden Einfluss haben.
Ob Erziehungsmethoden oder kulturelle Sichtweisen Stottern verursachen, wurde Mitte des 20. Jahrhunderts besonders Stottern:diagnosogene Theoriediskutiert. Die „diagnosogene Theorie“ von diagnosogene Theorie:StotternJohnson, dass Stottern erst durch die Reaktion der Eltern auf unflüssiges Sprechen entstehe (Johnson et al. 1942), legte ein besonderes Augenmerk auf das Stottern in verschiedenen Kulturkreisen. Nachdem Studenten des Sprechwissenschaftlers Johnson eine Zeit bei Indianerstämmen in Idaho, Colorado und Utah verbracht hatten, berichteten sie, bei den dort lebenden Shoshonen gäbe es keine stotternden Personen und auch keine Bezeichnung für Stottern. Mit der Veröffentlichung unter dem Titel „The Indians have no word for it“ (Johnson 1944; zit. in Bloodstein & Bernstein-Ratner 2008) sah sich Johnson in seiner Theorie bestätigt, dass in einem Indianerstamm, der Stottern nicht kenne oder es nicht als negativ ansehe, auch niemand stottere. Später wurde diese These durch die Tatsache widerlegt, dass die Stämme durchaus Stottern kannten und etwa acht verschiedene Bezeichnungen dafür hatten, von denen viele schon vor der Kolonialzeit existierten. Die stotternden Stammesmitglieder waren lediglich während der Besuchszeit der Studenten versteckt gehalten worden (Finn & Cordes 1997). Johnson selbst hat seine diagnosogene Theorie revidiert. Zahlreiche Studien belegten, dass durch das reine Benennen oder bestimmte Erziehungsmethoden kein Stottern verursacht werden kann (Bloodstein 2008).

Zusammenfassung

Es ist bekannt, dass die weltweite Prävalenz des Stotterns bei 1 % liegt, dass Stottern:PrävalenzStottern:KernsymptomatikStottern in jeder Kultur und in jeder Gesellschaft auftritt und dass die typischen Kernsymptome in Form von Wiederholungen, Dehnungen und Blockierungen bisher in jeder Sprache und Kultur beschrieben wurden, von der Aufzeichnungen existieren (Bloodstein 2008, Finn & Cordes 1997).
Ein definitiver Vergleich kann demnach nur stattfinden, wenn Prävalenzstudien:stotternde KinderPrävalenzstudien sowohl in monolingualen als auch in bilingualen Stichproben nach aktuellen diagnostischen und vergleichbaren Kriterien durchgeführt werden. Um die Rolle der kulturellen Einflüsse als aufrechterhaltender Faktor zu untersuchen, könnten stotternde Kinder mit Zweitspracherwerb aufgrund von Migration mit stotternden Kindern aus mehrsprachig geprägten Kulturen (z. B. Schweiz, Belgien) verglichen werden.

Bilinguale Stotterdiagnostik

Die mehrsprachige mehrsprachige StotterdiagnostikStotterdiagnostikStotterdiagnostik:bilinguale verlangt eine umfangreiche und gut geplante Herangehensweise. Ein spezielles Instrument oder Vorgehen gibt es in Deutschland nicht. Die internationale Literatur beschreibt ebenfalls ein Defizit an klaren Richtlinien mangels Studien (Shenker 2011; Howell & Van Borsel 2011; Van Borsel, Maes & Foulon 2001). Hier muss erwähnt werden, dass auch die monolinguale Diagnostik des Stotterns keinen klaren Kriterien folgt. Je nach Modellvorstellung und Therapieangebot wird Stottern entweder nicht mit standardisierten Methoden diagnostiziert oder die Diagnostik nur auf ein bestimmtes Kriterium fokussiert. Das ist häufig die quantitative Erfassung von Symptomen, die im Prozentsatz gestotterter Silben ausgedrückt wird. Im Idealfall ist eine ausführliche Diagnostik an den Bereichen der ICFICF:Stotterdiagnostik (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit; DIMDI 2004) orientiert. Demnach müssten neben dem Prozentsatz gestotterter Silben auch das subjektive Empfinden, Emotionen und verdeckte Merkmale sowie die unterstützenden oder hemmenden Reaktionen des Umfelds erfasst werden (vgl. Zang 2010). In allen Kulturen gibt es Unterschiede im Umgang mit Behinderungen. Genauso verhält es sich mit allgemeinen Kommunikations- und Verhaltensregeln. Vor einer bilingualen Diagnostik im sprachtherapeutischen Rahmen sollte der Diagnostiker über die ihm fremde Kultur informiert bzw. in der Lage sein, sich während der Anamnese durch Patienten und deren Familie gezielt zu informieren.

Anamnese und Sprachenprofil

Zunächst wird zur Anamnese das gleiche Vorgehen gewählt wie zur monolingualen StotterdiagnostikStotterdiagnostik:Sprachenprofil. Finn & Cordes (1997) empfehlen, die Anamnesebefunde anschließend so zu interpretieren, dass besonders die vorab geklärten Standpunkte der kulturellen Sichtweisen berücksichtigt werden. Ergänzend ist das Anlegen eines erweiterten SprachenprofilsSprach(en)profil:Stotterdiagnostik unumgänglich (Abb. 9.2). Hier sollten folgende Punkte festgehalten werden:
  • Welche Sprache wird mit wem, wo und wann gesprochen?

  • Wie stark äußert sich das Stottern, in welcher Sprache mit welcher Person und in welcher Situation?

  • Welche Sprache bevorzugt das Kind („dominante“ Sprache)?

Häufig spricht das familiäre Umfeld zusätzlich noch Sprachen, die in der einfachen Anamnese nicht erfasst werden. So kann z. B. die Mutter Kurdisch, Türkisch und Deutsch sprechen, der Vater Türkisch, Deutsch und Englisch, die Großmutter nur Türkisch, während das Kind je nach Person und Situation in Kurdisch, Türkisch oder Deutsch antwortet.

Quantitative Erfassung von Stottersymptomen

In Stottersymptomeeinigen Einrichtungen besteht die Möglichkeit, einen Dolmetscher für die Diagnostik zu konsultieren. Bei dieser Variante zeigt sich die Problematik, dass ein Dolmetscher zwar die Sprache verstehen, jedoch nur schwer beurteilen kann, was Stottern und was normale UnflüssigkeitenUnflüssigkeiten:normale sind (vgl. Kroffke & Mayer 2007). Im Idealfall überprüft ein bilingualer Diagnostiker beide Sprachen oder die dolmetschende Person ist ebenfalls ein ausgebildeter Diagnostiker (Zang 2012).
Für eine patientenorientierte DiagnostikStotterdiagnostik:patientenorientierte und Therapie ist es auch hier notwendig, zweisprachig stotternde Kinder nicht wie einsprachig stotternde Kinder zu betrachten.
  • Zum einen variiert die Symptomatik individuell in den gesprochenen Sprachen und Sprachsystemen.

  • Zum anderen gibt es noch keine aussagekräftigen Erkenntnisse darüber, ob der Erfolg einer monolingualen Therapie sich auch auf die Zweitsprache überträgt (Kap. 16).

Eine praktikable Befunderhebung, um die Problematik bilingualer stotternder Patienten ganzheitlich zu erfassen, wird in der Theorie und Praxis dringend benötigt und kann einen wertvollen Beitrag zur Forschung und Therapie leisten.
Da StotternStottern:zweisprachige Diagnostik in den gesprochenen Sprachen unterschiedlich stark, gleich stark oder nur in einer der Sprachen auftritt, müssen die individuellen Symptome in beiden Sprachen erfasst werden. Fraglich ist, ob die Bewertung durch einen monolingualen Diagnostiker den Ansprüchen einer zweisprachigen Diagnostik gerecht werden kann. Fehlerhafte Diagnosen durch eine falsche Bewertung der Sprechunflüssigkeiten könnten die Folge sein.
Die Bewertung von Stottersymptomen in einer Sprache, die den Beurteilern fremd war, wurde in einzelnen Studien bereits untersucht (Humphrey 2004; Van Borsel & de Britto Pereira 2005; Einarsdottir & Ingham 2009; Zang 2012).
Humphrey (2004) ließ zwei Sprechproben durch 6 monolingual englische und 6 bilingual englisch-spanische Studenten auswerten. Signifikante Unterschiede in der Bewertung fanden sich nicht. Kritisch ist anzumerken, dass die Auswerter alle nahe der mexikanischen Grenze lebten und eine gewisse Vertrautheit mit der spanischen Sprache hatten.
Van Borsel & de Britto Pereira (2005) ließen in ihrer Studie zwei Gruppen von 14 Studierenden Sprechproben in der Muttersprache und in einer ihnen unbekannten Sprache (Niederländisch/Portugiesisch, Portugiesisch/Niederländisch) analysieren. Sie konnten feststellen, dass es zwar möglich ist, Stottersymptome in einer Fremdsprache zu erfassen, dass die Erfassung in der Muttersprache jedoch signifikant zuverlässiger ist.
Eine weitere Studie wurde von Einarsdottir & Ingham (2009) durchgeführt. Hier werteten 20 Sprachtherapeuten, 10 Isländisch und 10 Englisch sprechende, 725 Fünf-Sekunden-Intervalle, die von neun Sprechproben stammten, dahingehend aus, ob ein Intervall gestottert war oder nicht. Signifikante Unterschiede in der Intervallbewertung ergaben sich nicht.

Allgemein gilt, dass deutliche Symptome mit ausgeprägter physiologischer Begleitsymptomatik und Ankämpfverhalten in jeder Sprache erkannt werden können.

Aber ein besonderes Defizit zeigt sich in Bezug auf die Zählung von Silben und die Einschätzung des Stottersymptome:Schweregrad (SSI-3/-4)Schweregrads von Stottersymptomen (z. B. für den SSI-SSI-3/SSI-4\t \"Siehe Stuttering Severity Instrument3 bzw. SSI-4 von Riley) in einer unbekannten Sprache. Bisher können nur Aussagen über das Erkennen von Stottern, jedoch nicht über die Bestimmung des Schweregrads gemacht werden. Lattermann (2005, 2010) und Finn & Cordes (1997) warnen vor falsch positiven bzw. falsch negativen Ergebnissen in der Diagnostik mangels empirischer Daten zur quantitativen Diagnostik in einer Fremdsprache.

Zang (2012) untersuchte die Fähigkeiten 9 monolingualer und 9 bilingualer Diagnostiker in der Bewertung eines deutschen und zwei türkischsprachiger Videosamples. Es konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen monolingualen und bilingualen Auswertern gefunden werden. Verglichen wurden die Angaben zur Anzahl der Silben, zur Anzahl der Symptome und der daraus resultierende Prozentsatz gestotterter Silben für jede der drei Sprechproben. Signifikante Unterschiede zeigten sich im Vergleich mit erfahrenen Diagnostikern (monolingual deutschsprachige Experten) bei einer der türkischen Sprechproben und im Vergleich mit transkript-basierten Erwartungswerten bei allen Sprechproben. Nach diesen Ergebnissen sind deutschsprachige Therapeuten in der Lage, Stottern in einer türkischsprachigen Sprechprobe zu erkennen und den Prozentsatz gestotterter Silben zu ermitteln. Die Ergebnisse bestätigen auch, dass praktizierende Diagnostiker in Deutschland ausführliche Trainings insbesondere im Silbenzählen absolvieren sollten und dass es einer einheitlichen Definition dessen bedarf, was ein Stottersymptom ist und was nicht. Insgesamt wird deutlich, dass eine umfangreiche Überprüfung der Anwendbarkeit von quantitativen und qualitativen Diagnostikverfahren zur Beschreibung der sichtbaren Symptomatik bei bilingualen Stotternden durch monolinguale Therapeuten dringend erforderlich ist.
Bei der Beurteilung von Stottersymptomen in einer Fremdsprache sollte bedacht werden, dass die Ähnlichkeit zur Muttersprache ein wichtiges Kriterium ist. So kann Niederländisch oder Englisch von Deutschsprachigen vermutlich sicherer bewertet wird als z. B. Vietnamesisch. Sprachliche Kriterien wie Prosodie, Silben- und Wortstruktur sowie das Phoneminventar haben hier einen entscheidenden Einfluss.

Qualitative Beschreibung der Stottersymptomatik

Bisher haben sich die wenigen Studien zur mehrsprachigen Stotterdiagnostik nur mit der Auftretenshäufigkeit der KernsymptomatikStottern:Kernsymptomatik befasst. Allgemein ist die qualitative Beschreibung der Stottersymptomatik (z. B. durchschnittliche Dauer der Symptome und Ausprägung der Begleitsymptomatik) bisher eher subjektiv vom Diagnostiker geprägt. Anhand von festen Skalen wie im Stuttering Severity InstrumentStuttering Severity Instrument (SSI-3; Riley 1994) ließ sich eine relativ gute Beurteiler-Übereinstimmung feststellen, die etwas niedriger war als für den quantitativen Teil (vgl. Riley 1994). Ein Vergleich zwischen monolingual deutschen und bilingual türkisch-deutschsprachigen Diagnostikern zeigte, dass die Einschätzung qualitativer Merkmale des Stotterns (Art der Kernsymptomatik, Dauer, Ausprägung der Begleitsymptomatik, Vorhandensein von VermeidungsverhaltenVermeidungsverhalten:Stottern) zwar innerhalb der Auswertergruppen variieren kann, insgesamt jedoch keine Unterschiede zwischen monolingualen und bilingualen Auswertern auftreten (Zang 2012).
Generell sind für die quantitative und qualitative Diagnostik in zwei Sprachen auch zwei Spontansprachsituationen und ggf. Videoaufnahmen in der jeweiligen Sprache notwendig. Besonders für zweisprachige Kinder kann es innerhalb eines deutschsprachigen Settings sehr schwer sein, adäquate Äußerungen in einer anderen Sprache als Deutsch zu machen. Einige stotternde Kinder und Jugendliche empfinden es als peinlich und antworten in einem deutschsprachigen Setting sogar auf Fragen von Verwandten und Freunden, die in der Erstsprache gestellt werden, nur auf Deutsch. Hier empfiehlt es sich besonders, eine Aufnahme durch die Eltern in einem türkischsprachigen Setting zu machen. Dies könnte z. B. so aussehen, dass die Eltern angeleitet werden, in einem anderen Raum ein Gespräch oder eine Spielsituation mit dem Kind zu beginnen und dies mit der Kamera festzuhalten. Ist dies nicht möglich, kann auch eine Aufnahme im häuslichen Umfeld angefertigt werden.

Psychosoziale Aspekte und verdeckte Symptomatik

Besonders Stottern:psychosoziale Aspektebeachtet werden muss die Tatsache, dass die quantitative Erfassung und qualitative Beschreibung von Stottersymptomen nur einen Teilbereich der individuellen ICFICF:Stotterdiagnostik-basierten Diagnostik darstellt (Iven & Hansen 2008; Rapp 2007). Der Stotterschweregrad, den die beobachtbare Symptomatik repräsentiert, sollte nicht als einziges Kriterium für den Beginn oder die Erfolgskontrolle einer Therapie herangezogen werden (vgl. Zang 2010).
Bisher wird die psychosoziale Dimension des Stotterns mit Fragebögen erfasst. Eine Modifikation von Diagnostikbögen zur Erfassung der psychosozialen Belastung durch das Stottern wäre ergänzend sinnvoll. Nicht die Übersetzung in eine andere Sprache, sondern die Erfassung der Emotionen in der jeweiligen Situation und der Emotionen, die in der Sprache ausgedrückt werden, ist dabei von Belang. Interessant ist auch in Erfahrung zu bringen, wie die Familie das Stottern sieht und was Stottern in der jeweiligen Kultur für eine Rolle spielt.
Eine weitere Herausforderung besteht darin, sprachliches Stottern:VermeidungsverhaltenVermeidungsverhaltenVermeidungsverhalten:sprachliches zu erkennen, was sich in der eigenen Sprache schon sehr schwierig gestaltet. Stottert ein Kind im Deutschen, während in der nichtdeutschen Sprache kein Stottern zu hören ist, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder liegt in der anderen Sprache als Deutsch kein Stottern vor, oder das Kind ist sprachlich so geschickt, dass es Symptome gut vermeiden kann.
Bei der ersten Möglichkeit ist es interessant in Erfahrung zu bringen, welche Emotionen mit der deutschen Sprache, Personen und Situationen verknüpft sind und warum das Stottern nur in der deutschen Sprache durch diese Emotionen aufrechterhalten wird. Bei der zweiten Möglichkeit sind bilinguale Diagnostiker im Vorteil, da sie beide Sprachen beherrschen und sprachliche Umstrukturierungen daher besser erkennen und bewerten können. Monolinguale Diagnostiker könnten die Eltern oder einen Dolmetscher hinzuziehen.

Zusammenfassung

Es zeigt sich, dass das Stottern im Zusammenhang mit Mehrsprachigkeit zwar schon lange im Fokus der Wissenschaft steht, bis heute jedoch keine zufriedenstellenden Antworten gefunden wurden und viele Vorurteile offen bleiben.
Therapeuten können sich gezielt auf eine ICFICF:Stotterdiagnostik-basierte Diagnostik (Abb. 9.3) mehrsprachiger Patienten vorbereiten und den Fokus insbesondere auf die Sprachen des Umfelds und die Kultur legen. Veraltete Erziehungshinweise, wie der Verzicht auf eine Sprache im Falle von Stottern, erweisen sich als unethisch und nicht umsetzbar in einer Familie mit aktiv mehrsprachigem Alltag. Des Weiteren stellt sich die Frage nach dem Nutzen einer solchen Praktik, da Mehrsprachigkeit nicht als Risikofaktor für das Auftreten von Stottern anzusehen ist.
Der derzeitige Stand der Forschung ist wegen seiner Lücken unbefriedigend. Klare Fakten zur Prävalenz, zu beeinflussenden Faktoren, Diagnostik und Therapie fehlen. Dennoch weisen die vorliegenden Studien und Beobachtungen aus der Praxis einen ersten Weg in Richtung einer individuellen Beratung und Diagnostik bei mehrsprachigen stotternden Kindern und ihrem Umfeld.
Wie in der monolingualen Stotterforschung bieten die weltweite Prävalenzforschung und eine standardisierte umfassende ICF-basierte Diagnostik ein umfangreiches und notwendiges Forschungsgebiet. Deutschsprachige Diagnostiker sollten den Versuch unternehmen, das Stottern in seiner gesamten Ausprägung auch in den anderen aktiv gesprochenen Sprachen eines Kindes zu erfassen. Eltern und Familienmitglieder können dabei eine Hilfe sein.
Ein weiteres großes Gebiet, in dem dringend umfassende Studien erfolgen sollten, ist die Therapie mehrsprachiger stotternder Kinder und die Frage nach der Übertragung von Effekten in der Therapiesprache auf andere Sprachen (Kap. 16).

Literatur

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