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B978-3-437-44457-9.00008-1

10.1016/B978-3-437-44457-9.00008-1

978-3-437-44457-9

Funktionsprüfung des N. facialis: Der Patient wird aufgefordert, a) zu pfeifen; b) die Stirn zu runzeln; c) die Zähne zu zeigen; d) die Augen fest zu schließen (der Untersucher versucht, diese zu öffnen und prüft den Widerstand); e) die Wangen aufzublasen (der Untersucher übt einen Gegendruck aus).

[K116]

Prüfung des PatellarsehnenreflexPatellarsehnenreflexes.

[L126]

Positives Babinski-Zeichen.

[L215]

Finger-Nase-Versuch; a) beim Gesunden, b) bei Ataxie, c) bei Intentionstremor.

[L138]

Lumbalpunktion; a) Patient in gebeugter Haltung bei der Lumbalpunktion, b) Führung der Kanüle bei der Lumbalpunktion, Entnahme von Liquor.

[L138] [L126]

Elektroenzephalografie (EEG): a) Ableitungsschema mit Bezeichnung der Elektroden; b) EEG-Bänder eines gesunden Probanden; c) EEG bei epileptischer Aktivität (oben Spikes; unten Spikes and waves).

[L123]

Akustisch evoziertes Potenzial. Auf dem Monitor ist nach rechts die Zeit in Millisekunden, nach oben die Potenzialstärke (in Mikrovolt) aufgetragen; der kleine Pfeil zeigt den Beginn der akustischen Klicks (über Kopfhörer vermittelt), die die Potenzialveränderungen hervorrufen.

[L157]

Computertomografie (CT).

[L215]

Funktionelle Magnetresonanztomografie.

[G435]

PET-CT; der Pfeil weist auf einen Lymphknoten hin, der bei einer bestehenden Tumorerkrankung große Mengen eines Markers aufgenommen hat (also verdächtig im Sinne einer Metastase ist).

[F320–002]

Angiogramm der A. carotis interna und ihrer Äste.

[G434]

Neurologische Untersuchungsverfahren

Lernziele

  • Kenntnis des neurologischen Untersuchungsgangs

  • Indikationen, allgemeine technische Ausführung und diagnostische Bedeutung der Röntgennativaufnahmen, zerebralen Computertomografie, Elektroenzephalografie, Hirnangiografie und Elektromyografie

Im abschließenden Kapitel dieses Lehrbuchs soll der angehende/fertige Sprachtherapeut einen kurzen Eindruck erhalten, wie eine vollständige neurologische Untersuchung abläuft sowie die technischen Diagnostikmethoden insoweit kennenlernen, wie es für das ganzheitliche Verständnis eines Patienten mit einer neurologischen Erkrankung notwendig und sinnvoll erscheint.

Neurologische Untersuchung

Wie es dem Sprachtherapeuten aus seinem eigenen Bereich bekannt ist, bildet eine gründliche Anamnese auch bei der neurologischen Untersuchung die Grundlage des weiteren diagnostischen Vorgehens.Untersuchung:neurologische

Fachbegriffe

Anamnese anamnesis (griech.): Erinnerung

Anamnese

Die Anamnese bringt dem Arzt oder Therapeuten Informationen über den Patienten und dessen derzeitige sowie weiter zurückliegenden Symptome und Hintergründe, die zur neurologischen Untersuchung führten. Außerdem soll das Anamnesegespräch vice versa dem Patienten helfen, sich an alle Aspekte der Vorgeschichte seiner aktuellen Beschwerden zu erinnern. Dies kann dem Neurologen – unter Berücksichtigung vieler neurologischer Erkrankungen und Syndrome – helfen, eine erste Verdachtsdiagnose zu erstellen. Daraus können sich wiederum Schwerpunkte der nachfolgenden Untersuchung und möglicherweise erforderlicher technischer Methoden ergeben.Anamnese
Das Anamnesegespräch legt die Grundlage für die weitere, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem Patienten und dem Therapeuten, gibt Letzterem neben den Informationen über die vermutete neurologische Erkrankung aber evtl. bereits zusätzlich Informationen über psychische und sprachliche Auffälligkeiten.
Wie es dem Sprachtherapeuten aus seiner eigenen therapeutischen Arbeit in besonderem Maße bekannt ist, kann u. U. erst eine Fremdanamnese (durch Erziehungsberechtigte oder Begleitpersonen) die erforderlichen Hinweise liefern. Für die neurologische Anamnese ist dies besonders bei Demenzerkrankungen (Kap. 6.2) und bei Anfallsleiden wie Epilepsie (Kap. 3.5) wichtig.

Neurologischer Untersuchungsgang

In der Regel wird die neurologische Untersuchung nach einem bestimmten Ablauf durchgeführt, um die möglichen Befunde vollständig zu erfassen. Wenn ein Patient keine klaren neurologischen Symptome hat, wird der neurologische Teil einer ärztlichen Untersuchung oft auf ein sog. „neurologisches Minimalprogramm, neurologischesMinimalprogramm“ reduziert. Im Folgenden wird der neurologische Untersuchungsgang nur in den Bereichen ausführlicher dargestellt, die einen Bezug zur Sprachtherapie haben. Bei neurologischen Aspekten ohne Bezug zur Sprachtherapie wird die neurologische Untersuchung lediglich im Rahmen des „Minimalprogramms“ beschrieben.
Allgemeine Beobachtung
Die allgemeine Beobachtung des Patienten beginnt mit dem ersten Kontakt bei der Begrüßung und erstreckt sich im Allgemeinen über das gesamte Anamnesegespräch. Hierbei können folgende Kriterien erste Auskunft über eine mögliche neurologische Erkrankung liefern:
  • GangbildGangbildGangbild beim Laufen

  • MimikMimik, GestikGestik

  • motorische Abläufe beim Setzen und Entkleiden

  • Körperhaltung, Lähmungen, Asymmetrien, Muskelatrophien

  • Sprache, Sprechen, Stimme, Atmung.

Untersuchung des Kopfes
Die allgemeine Untersuchung des Kopfes umfasst folgende, im Einzelnen zu beurteilenden Punkte:Kopf, Untersuchung
  • aktive und passive Beweglichkeit durch Beugen und Strecken sowie Drehbewegungen (Prüfen von MuskelparesenMuskelparesen unterschiedlicher Herkunft; RigorRigorRigor, Kap. 6.3.2; Auftreten von Schmerzen und Verspannungen)

  • MeningismusMeningismus (Nackensteifigkeit vor allem bei Verdacht auf MeningitisMeningitis, Kap. 4.1.1, und SubarachnoidalblutungSubarachnoidalblutung, Kap. 2.2.6)

  • Klopfschmerz der Schädelkalotte und Druckschmerz der Nervenaustrittspunkte des N. Nervus:trigeminus, Druckschmerztrigeminus (Verdacht auf Tumoren, Kap. 5.2, und Meningitis, Kap. 4.1.1).

Untersuchung der Hirnnerven
Wenn kein besonderer Anhaltspunkt vorliegt, wird die Prüfung des Sehens, Riechens, Hörens und Schmeckens durch orientierende Fragen aus dem „Minimalprogramm“, durch Prüfung des Gesichtsfelds und der Pupillenreaktion abgedeckt. Eine Schädigung des N. accessorius (N. XI) zeigt sich bei Prüfung der seitlichen Hals- und Schultermuskulatur.Hirnnerven:Untersuchung der Funktion
N. trigeminus (N. V)
Die Funktion der sensiblen Fasern der drei Trigeminusäste wird bezüglich Berührung und Schmerz im Seitenvergleich an der Gesichtshaut, ggf. auch Nasen- und Mundschleimhaut geprüft. In diesem Zusammenhang wird auch eine mögliche Trigeminusneuralgie durch Reizen der Austrittspunkte erfasst (Kap. 7.1.1).Nervus:trigeminus, FunktionsprüfungNervus:trigeminus
Die Prüfung der motorischen Fasern des N. trigeminus beschränkt sich auf den N. Nervus:mandibularismandibularis – den Ast, der die KaumuskelnKaumuskeln versorgt. Dabei wird der Tonus der Kaumuskeln beim Zubeißen überprüft. Bei einer einseitigen Lähmung weicht der Unterkiefer beim Versuch des Kieferschlusses zur geschädigten Seite hin ab. Bei einer beidseitigen peripheren Lähmung ist der KieferschlussKieferschluss nicht mehr möglich.

Fachbegriffe

Klonus klonos (griech.): krampfhafte Zuckung

M. masseter (lat.): Kaumuskel; M.: Abkürzung für Musculus (lat.): Muskel

Der M. Musculus:massetermasseter gehört zur Gruppe der Kaumuskeln und wird somit ebenfalls vom N. mandibularis versorgt. An ihm kann der einzige EigenreflexeEigenreflex im Bereich des Kopfes ausgelöst und überprüft werden (MasseterreflexMasseterreflex, Kap. 8.1.2). Bei leicht entspannter Kaumuskulatur erfolgt nach Auslösen des Reflexes eine Unterkieferhebung. Bei einer peripheren Lähmung des N. mandibularis ist der Reflex erloschen, bei einer zentralen Störung (Kap. 7.1.1) ist der Reflex krankhaft gesteigert bis hin zu Muskelzuckungen (MasseterklonusMasseterklonus).
N. facialis (N. VII)
Die Untersuchung der Funktion des N. facialis umfasst die Prüfung der mimischen Nervus:facialis, neurologische UntersuchungNervus:facialismimische MuskelnMuskeln und des M. Musculus:stapediusstapedius sowie ggf. Teilausfälle der Geschmacksempfindung.
Der Status der motorischen Innervation der mimischen Muskeln wird über Inspektion und Funktionsprüfung festgestellt. Bei der Inspektion werden die Weite der Lidspalten, das Vorhandensein oder Fehlen von Stirnfalten, die Falte zwischen Nase und Lippen sowie vor allem die Stellung des Mundes überprüft.
Die Funktionsprüfung der mimischen Muskulatur (Abb. 8.1) umfasst folgende Punkte in Ergänzung zum „Minimalprogramm“ (Augen schließen und Zähne zeigen):
Ein Ausfall des StapediusreflexStapediusreflexes wird durch eine krankhafte Feinhörigkeit, vor allem gegenüber tiefen Tönen, festgestellt (Kap. 7.1.2). Zur Prüfung des ein- oder beidseitigen Ausfalls der Geschmackswahrnehmung für süß, sauer und salzig werden Wattestäbchen in entsprechende Lösungen mit Zucker, Zitronensaft und Kochsalz getaucht und in Kontakt mit den jeweiligen Zungenabschnitten (vor allem mit dem seitlichen Rand der Zunge) gebracht.
N. vestibulocochlearis (N. VIII)
Für eine spezielle Prüfung der Hörwahrnehmung (z. B. Rinne-VersuchNervus:vestibulocochlearisRinne- und Weber-Weber-VersuchVersuch) wird auf Lehrbücher der Audiologie oder HNO-Heilkunde verwiesen (siehe Kompis 2013, Eichel 2014). Die elementare Prüfung des Gleichgewichtssinns gehört jedoch zum neurologischen „Minimalprogramm“ und umfasst folgende Prüfpunkte:
  • Feststellung eines pathologischen Nystagmus:pathologischerNystagmus (Kap. 6.1.4, Kasten „Nystagmus“): Die Prüfung eines übermäßigen zitternden Augapfels in Ruhe, bei Bewegungen, bei Lageveränderungen und unter verschiedenen experimentellen Bedingungen gehört zur Funktionskontrolle des Gleichgewichtsorgans (aber auch des Kleinhirns).

  • Prüfung des Gangbildes (Kap. 8.1.2, „Allgemeine Beobachtung“): Eine Funktionsstörung des Gleichgewichtsorgans kann ursächlich für ein pathologisches Gangbild sein; es gibt allerdings auch andere Ursachen, z. B. Erkrankungen des Kleinhirns.

  • Romberg-Romberg-VersuchRomberg-VersuchVersuch: Prüfung des sicheren Stands auf einem Bein und auf beiden Beinen bei geschlossenen Augen.

N. glossopharyngeus (N. IX)
Die Überprüfung der motorischen Funktionen des N. glossopharyngeus wird zusammen mit der Prüfung des N. vagus vorgenommen.Nervus:glossopharyngeus, FunktionsprüfungNervus:glossopharyngeus
Eine mögliche Störung der sensiblen Wahrnehmung durch den N. IX wird getestet, indem man z. B. mit einem Wattestäbchen prüft, ob und wie eine Berührung an der Schleimhaut des harten und weichen Gaumens empfunden wird.
Mit einem Spatel werden der SchluckreflexSchluckreflexSchluckreflexSchluck- (Gaumensegelhebung) und der WürgreflexWürgreflex kontrolliert. Störungen der Reflexauslösung können jedoch auch auf Schädigungen des N. vagus zurückzuführen sein.
Eine Ausfallprüfung der Wahrnehmung bitterer Stoffe wird analog zur GeschmacksprüfungGeschmacksprüfung des N. facialis durchgeführt – allerdings testet man hier mit einer Chininlösung (bitterer Geschmack) das hintere Zungendrittel.

Fachbegriffe

Faszikulationen: regellose Zuckungen; fasciculus (lat.): Bündel; hier: immer wieder bündelartig zusammengezogen

Nystagmus nystagmos (griech.): unwillkürliches Augenzittern (Kap. 6.1.4); wörtlich: Nicken

Romberg: Eigenname (dt. Neurologe)

N. vagus (N. X)
Bei der Kontrolle der motorischen Funktion des N. vagus wird zwischen der Gaumensegel- und Rachenmuskulatur einerseits und der Kehlkopfmuskulatur andererseits unterschieden.Nervus:vagus, FunktionsprüfungNervus:vagus
Zur Prüfung der Gaumensegel- und Rachenmuskulatur dient zum einen die Auslösung des Schluck- und WürgreflexWürgreflexes, zum anderen die Beobachtung von Verschiebungen des Gaumensegels beim „A-Sagen“. Bei einseitiger Schädigung speziell der peripheren Abschnitte des N. IX und des N. X kommt es zum KulissenphänomenKulissenphänomen (Kap. 7.1.5). Minimale Abweichungen der Position des ZäpfchenZäpfchens in Ruhelage oder beim Schlucken sind in den meisten Fällen ohne Bedeutung.
Die Funktion des N. vagus im Kehlkopfbereich (z. B. bei lang anhaltender Heiserkeit) wird anhand einer KehlkopfspiegelungKehlkopfspiegelung (LaryngoskopieLaryngoskopie) und evtl. phoniatrischer Spezialmethoden überprüft.
N. hypoglossus (N. XII)
Die Funktionsfähigkeit des 12. Hirnnerven (rein motorisch) wird durch Inspektion der Zunge in Ruhe und beim Hervorstrecken geprüft. Ein besonderes Augenmerk wird auf eine mögliche Atrophie oder auf Muskelzittern (Faszikulationen) gerichtet. Bei einer einseitigen Lähmung weicht die Zunge beim Herausstrecken zur gelähmten Seite ab. Eine geringfügige Abweichung der herausgestreckten Zunge von der Mittellage ist in der Regel bedeutungslos, zumindest wenn nicht gleichzeitig auch eine Zungenatrophie zu beobachten ist.Nervus:hypoglossus, FunktionsprüfungNervus:hypoglossus
Des Weiteren wird kontrolliert, wie weit die Zunge nach dem Herausstrecken hin und her bewegt werden kann, ob die Ober- und Unterlippe erreicht werden kann und ob Schnalzbewegungen ausgeführt werden können.
Prüfung der Reflexe
Bei der neurologischen „Minimaluntersuchung“ werden in der Regel nur drei der ReflexeEigenreflexeEigenreflexe an der oberen bzw. unteren Extremität (Abb. 8.2) sowie das sog. Babinski-Zeichen (Abb. 8.3) überprüft.

Fachbegriffe

Babinski: Eigenname (poln.-frz. Neurologe)

Klonus clonus (lat.): Zuckung

monosynaptisch: Verschaltung über nur eine Synapse; monos (griech.): einzig, allein; synapsis (griech.): Verbindung

polysynaptisch polys (griech.): viel

Reflex reflexus (lat.) wörtlich: das Zurückbeugen

Bei einem Eigenreflex findet sich eine direkte, monosynaptische Verschaltung einer sensiblen Nervenzelle mit einer motorischen Muskelzelle; i. d. R. ist Letztere eine motorische Vorderhornzelle des Rückenmarks (Ausnahme: Masseterreflex: motorischer Trigeminuskern im Hirnstamm, Kap. 8.1.2). Der Reflex wird über Muskel- oder Sehnenspindeln ausgelöst; dies sind Rezeptoren im Muskel oder in der Sehne, die auf Veränderungen des Spannungszustands (Tonus) im Muskel oder in der Sehne reagieren und Teile des sensiblen Neurons enthalten.
Zwar werden Informationen aus diesen Spindeln auch zu höheren Anteilen des ZNS geleitet, dennoch verläuft die Hauptverschaltung der sensiblen Nervenzelle direkt zur motorischen Vorderhornzelle (Ausnahme Masseterreflex; Kap. 8.1.2, „Untersuchung der Hirnnerven“) desselben Muskels, wodurch eine Muskelkontraktion erfolgt. Die Bezeichnung Eigenreflex drückt aus, dass sowohl die Reflexauslösung als auch die Reflexantwort in einem Organ (dem Muskel) stattfinden.
Die Funktion der Eigenreflexe besteht darin, dass speziell das Rückenmark Informationen aus dem Bewegungsapparat erhält und so die jeweiligen Muskeln im Sinne einer Stütz- und Haltemotorik „einsetzt“; diese Reflexe werden deshalb auch als „HaltereflexeHaltereflexe“ bezeichnet. Einige Eigenreflexe können vom Arzt durch einen Schlag mit einem Reflexhammer auf bestimmte Sehnen oder Muskelabschnitte ausgelöst und beurteilt werden. Bei der neurologischen Untersuchung werden zumindest die folgenden drei Eigenreflexe überprüft:
  • BSR (Bizeps-Sehnen-ReflexBizepssehnenreflex): ausgelöst an der Sehne des M. biceps brachii (zweiköpfiger Oberarmmuskel) im unteren Bereich des Oberarms; es erfolgt eine Beugung im Ellbogengelenk

  • PSR (PatellarsehnenreflexPatellarsehnenreflex; Abb. 8. 2): ausgelöst an der Sehne des M. quadriceps femoris (vierköpfiger Oberschenkelmuskel) direkt unterhalb der Kniescheibe (Patella); es erfolgt eine Streckung im Kniegelenk

  • ASR (Achilles-Sehnen-ReflexAchillessehnenreflex): ausgelöst an der Achillessehne, der Sehne des M. triceps surae (dreiköpfiger Unterschenkelmuskel), oberhalb der Ferse; es erfolgt eine Streckung des Fußes im Sprunggelenk.

Die Eigenreflexe werden am entspannten Muskel mithilfe eines Reflexhammers (z. B. einem Babinski-Hammer) ausgelöst.
Bei einem FremdreflexFremdreflex sind das Organ der Reflexauslösung und das Organ der Reflexantwort nicht identisch. Hier befindet sich zwischen der sensiblen und der motorischen Nervenzelle mindestens noch eine weitere Zwischennervenzelle (Interneuron; polysynaptisch).
Zu den Fremdreflexen zählen sowohl der Schluckreflex als auch verschiedene SchutzreflexeSchutzreflexe (NiesreflexNiesreflex, HustenreflexHustenreflex, WürgreflexWürgereflex, PupillenreflexPupillenreflex, u. a.). Der Sinn der Fremdreflexe besteht darin, dass bestimmte Bewegungen sehr schnell – ohne Kontrolle durch das Bewusstsein und den Willen – ausgeführt werden können.
Die Prüfung der Fremdreflexe beschränkt sich beim neurologischen „Minimalprogramm“ meist auf den Pupillen- und den Würgreflex (Gaumenreflex, Kap. 8.1.2). Beim Pupillenreflex wird das Verengen der Pupille ausgelöst, indem das geöffnete Auge mit einer kleinen Taschenlampe beleuchtet wird. Der Würgreflex wird mit einem Spatel am Gaumensegel, am Zäpfchen und an der Rachenschleimhaut ausgelöst.
Hinzu kommt die Prüfung auf Vorhandensein des Babinski-Reflexes (auch Babinski-Babinski-ZeichenZeichen oder Babinski-Babinski-PhänomenPhänomen), eines pathologischen Fremdreflexes. Ein pathologischer Reflex tritt bei bestimmten Erkrankungen auf und weist eine Reflexantwort auf, die von der Reflexantwort eines Nichterkrankten deutlich abweicht.
Beim Gesunden werden die Zehen in Richtung Fußsohle gekrümmt, wenn man mit dem Stiel des Reflexhammers den äußeren Fußsohlenrand bestreicht („Babinski negativ“). Liegt eine Schädigung der Pyramidenbahn, SchädigungPyramidenbahn vor, tritt das Babinski-Zeichen auf („Babinski positiv“), d. h. bei demselben Reiz wird die Großzehe fußrückenwärts gestreckt, während die übrigen Zehen eine spreizende Bewegung Richtung Fußsohle ausführen (Abb. 8.3).
Die Interpretation einer Reflexantwort gestaltet sich schwierig, da es bereits zwischen Gesunden große individuelle Unterschiede – selbst zwischen Reflexen der beiden Körperhälften – gibt. Grundsätzlich können folgende Abweichungen von einer „normalen“ Reflexantwort beobachtet werden:
  • gesteigerte Reflexe:gesteigerteReflexe: können nur diagnostiziert werden, wenn ein Unterschied zu normalen Reflexen an anderen Auslöseorten besteht; Ursache ist oftmals eine Schädigung im Bereich des 1. Neurons der motorischen Bahnen (manchmal mit einem Klonus des Muskels verbunden)

  • verringerte/fehlende Reflexe:verringerteReflexe:fehlendeReflexe: auch hier ist eine Aussage nur im Vergleich möglich; weist häufig auf eine Schädigung im Bereich des 2. Neurons der motorischen Bahnen hin

  • KlonusKlonus: Serie von Reflexantworten (Muskelzuckungen) nach einmaliger Reflexauslösung; tritt meist bei Schädigung des 1. Neurons der motorischen Bahnen auf.

Prüfung der Motorik
Die Prüfung der Motorik – sofern sie nicht schon durch andere Abschnitte der neurologischen Untersuchung erfasst wurde – konzentriert sich auf die drei Bereiche:
  • TrophikTrophik

  • TonusTonusTonus

  • MuskelkraftMuskelkraft.

Unter Trophik der Muskulatur versteht man ihre Form und ihr Volumen unter dem Einfluss der Ernährung, vor allem aber bezogen auf die Nervenversorgung. Unzureichend (nerval) versorgte Muskulatur wird atrophisch; eine AtrophieAtrophie ist in aller Regel schon bei der Inspektion der Muskulatur (z. B. Zunge), ggf. im Seitenvergleich, deutlich sichtbar. Falls nicht eine generalisierte MuskelatrophieMuskelatrophie (z. B. im Endstadium einer Tumorerkrankung) vorliegt, ist eine regional begrenzte Atrophie meist auf eine Schädigung des zuständigen peripheren Nerven zurückzuführen.

Fachbegriffe

Atrophie: Zell-, Organverkleinerung durch fehlende oder zu geringe Beanspruchung oder Versorgung; a- (griech.): nicht

Parese paresis (griech.): Muskelschwäche, Erschlaffen

Rigor (lat.): Starre

Spastik von spastikos (griech.): mit Krämpfen behaftet

Tonus (lat.): Spannung

hyper- (griech.): darüber, zu viel (Hypertonie: zu hoher Tonus, z. B. Bluthochdruck)

hypo- (griech.): darunter, zu wenig (Hypotonie: zu geringer Tonus)

Trophik: Ernährungszustand; trophe (griech.): Nahrung, Ernährung

Der Tonus Tonus, Prüfungder Muskulatur ist der Grad ihrer Anspannung, die auf dem entsprechenden Eingang von Nervenimpulsen an den motorischen Endplatten beruht. Zur Prüfung des Tonus wird der Muskel oder der von diesem Muskel gehaltene oder bewegte Körperteil passiv bewegt. Dabei kann eine Erhöhung (HypertonusHypertonus) oder Erniedrigung (HypotonusHypotonus) gegenüber dem normalen Tonus festgestellt werden.
Ein Hypertonus äußert sich entweder als Rigor oder als SpastikSpastik. Der Rigor tritt typischerweise bei Patienten mit Erkrankungen des extrapyramidalmotorischen Systems, insbesondere bei Morbus ParkinsonParkinson (Kap. 6.3.2) auf. Prüft man den Muskeltonus, so findet sich ein zäher Widerstand. Eine Spastik entwickelt sich vor allem bei Schädigungen des 1. Neurons der motorischen Bahnen und zeigt sich durch einen eher federnden Widerstand bei der Tonusprüfung.
Der Hypotonus ist durch einen deutlich reduzierten Widerstand bei der passiven Bewegungsprüfung charakterisiert. Er ist charakteristisch für Schädigungen der peripheren Nerven oder des Kleinhirns.
Die Muskelkraft ist abhängig von Alter, Geschlecht und Trainingszustand des Patienten. Sie wird definiert als maximale Spannung während der Kontraktion eines bestimmten Muskels oder von Muskelgruppen. Im Allgemeinen erreicht die Muskelkraft bei Menschen im Alter von 18 Jahren ihr Maximum und hält dieses Niveau bis etwa zum Alter von 55 Jahren; danach bildet sie sich in einem langsamen Prozess zurück.
Erste Informationen zu Veränderungen der Muskelkraft lassen sich zusammen mit der Prüfung der Bewegungskoordination (Kap. 8.1.2) erhalten. Nur bei speziellen neurologischen Fragestellungen werden weitergehende und entsprechend aufwändige Untersuchungsreihen durchgeführt, mit denen Aussagen über ParesenParesen getroffen werden können.
Prüfung der Bewegungskoordination
Zur ersten Orientierung über die Bewegungskoordination werden folgende Punkte geprüft:Bewegungskoordination, Prüfung
  • FeinmotorikFeinmotorik: „Klavierspielen“ mit den Fingern

  • HalteversucheHalte- oder PositionsversuchePositionsversuche: Arme beim Stehen ausgestreckt halten, Beine im Liegen in bestimmten Positionen halten

  • Hüpfen auf einem Bein

  • ZeigeversucheZeigeversuche: Berühren der Nase mit dem Zeigefinger bei geschlossenen Augen sowie weitere ähnliche Versuche (Abb. 8.4)

  • Fähigkeit zur DiadochokineseDiadochokinese: z. B. Umwendebewegungen der Hand; verbale Diadochokinese: schnelle Wiederholung der Silbe /pa/.

Zusätzlich wird in diesem Zusammenhang auch auf das Vorhandensein eines Tremors (RuhetremorRuhetremor, IntentionstremorIntentionstremor) geachtet. Die bereits bei der Funktionsprüfung des N. vestibulocochlearis erwähnten Beobachtungen zum Gangbild sowie der Romberg-Versuch (Kap. 8.1.2) dienen ebenfalls einer Beurteilung der Bewegungskoordination, die nicht nur über das Gleichgewichtsorgan, sondern insbesondere auch über das KleinhirnKleinhirn vermittelt wird.

Fachbegriffe

Diadochokinese: Fähigkeit der schnellen Ausführung rasch alternierender (einander entgegengesetzter) Bewegungen; diadochos (griech.): abwechselnd; -kinesis (griech.): Bewegung

Intentionstremor: krankhaftes Zittern (meist der Hände und/oder des Kopfes) zu Beginn und im Verlauf willkürlicher, gezielter Bewegungen; intentio (lat.): Vorhaben; tremor (lat.): Zittern

Prüfung der Sensibilität
Teilweise wurde die Sensibilitätsprüfung schon im Zusammenhang mit der Funktionsprüfung sensibler Hirnnerven (Kap. 8.1.2) besprochen. Die Berührungsempfindung wird mit einem Wattestäbchen oder mit dem Finger überprüft, die Schmerzempfindlichkeit mit einer Nadel oder durch Kneifen einer Hautfalte.Sensibilität, Prüfung
Zusätzlich untersucht man bereits im Rahmen der neurologischen „Minimalprüfung“ den VibrationssinnVibrationssinn an den Stellen im vorderen Bereich des Unterschenkels und Fußes, an denen Knochen direkt unter der Haut liegt. Mithilfe einer speziellen Stimmgabel (126–128 Hz) wird die Fähigkeit zur Wahrnehmung dieser Schwingungen geprüft (insbesondere zum Nachweis einer PolyneuropathiePolyneuropathiePolyneuropathie, Kap. 7.2).
Pathologische Abweichungen von der normalen sensiblen Wahrnehmung werden mit folgenden Begriffen bezeichnet:
  • HypästhesieHypästhesie: verminderte Berührungsempfindlichkeit

  • AnästhesieAnästhesie: fehlende Berührungsempfindlichkeit

  • HypalgesieHypalgesie: verminderte Schmerzempfindung

  • AnalgesieAnalgesie: fehlende Schmerzempfindung.

Eine Besonderheit der sensiblen Wahrnehmungsfähigkeit ist die StereognosieStereognosie, die Wahrnehmung von Gegenständen durch Betasten (mit den Fingern, aber auch mit der Zunge; siehe Prüfkörper für die orale Stereognosie, oraleStereognosie, die im Rahmen der Myofunktionellen Therapie (MFT) verwendet werden; siehe Lehrbücher der MFT, z. B. Kittel 2014).

Fachbegriffe

Ästhesie aisthesis (griech.): Berührungsempfindung, Empfindungsvermögen

Algesie algesis (griech.): Schmerz, Schmerzempfindung

hyp(o)- (griech.): darunter, zu wenig; a- (griech.) fehlend

Stereognosie, Stereognose: Wahrnehmung eines Gegenstands durch Betasten; stereos (griech.): räumlich; gnosis (griech.): Erkennen

Weiterführende Untersuchungsmethoden
Zur neurologischen Untersuchung können im Einzelfall weitere Funktionsüberprüfungen oder ergänzende Untersuchungen hinzugezogen werden:
  • Prüfung der vegetativen Funktionen: Ausscheidungen, Sexualität, Schweißbildung, Körpertemperatur

  • orientierende Untersuchungen aus dem Bereich der Inneren Medizin: Puls, Blutdruck, Atmung, Herzuntersuchungen u. a.

  • psychische Befunde: Bewusstsein und Orientierungsfähigkeit, Antrieb, Stimmung und ggf. deren Schwankungen, Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnis, Wahrnehmung, Sprache u. a.

  • ggf. Überprüfung einer möglichen AphasieAphasie, DysarthrieDysarthrie, ApraxieApraxie, AlexieAlexie, AkalkulieAkalkulie, AgnosieAgnosie u. a. (Kap. 2.2.4).

Liquordiagnostik

Zur Diagnostik bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen wird oftmals eine Untersuchung des Liquors hinzugezogen, z. B. bei der Subarachnoidalblutung (Kap. 2.2.6), bei den Infektionskrankheiten der Hirnhäute und des Gehirns (Kap. 4), bei der Multiplen Sklerose (Kap. 6.1), bei einigen Formen der peripheren Fazialisparese (Kap. 7.1) und bei Polyneuropathien (Kap. 7.2), teilweise auch zur Ausschlussdiagnose anderer neurologischer Erkrankungen.Liquordiagnostik

Fachbegriffe

Liquor Liquor:cerebrospinaliscerebrospinalis, Liquor: Hirn-, Rückenmarkswasser; liquor (lat.): Flüssigkeit; cerebrospinalis (lat.): zum Gehirn und Rückenmark gehörend

Lumbalpunktion: Entnahme von Liquor cerebrospinalis aus dem Rückenmarkskanal; lumbal: zur Lendenwirbelsäule gehörend; lumbus (lat.): Lende

Punktion punctio (lat.): Flüssigkeitsentnahme nach Einstich; wörtlich: Einstechen

Für eine Liquoruntersuchung wird durch Punktion des Duralsacks im Bereich der Lendenwirbelsäule (LumbalpunktionLumbalpunktion) Liquor gewonnen, wobei der Patient sitzt oder auf der Seite liegt (Abb. 8.5). Der Einstich mit der Punktionsnadel erfolgt beim Erwachsenen zwischen den Dornfortsätzen des 3. und 4. oder des 4. und 5. Lendenwirbels. Gleichzeitig wird häufig Blut entnommen, das man nach der Liquorentnahme in den Stichkanal einbringt, um diesen mit einem Blutpfropf abzudichten. Damit werden i. d. R. Probleme, die durch ansonsten aussickernden Liquor entstehen (Kopfschmerzen, Übelkeit, Ohnmachtsanfälle), vermieden oder reduziert.
Die Diagnostik des entnommenen Liquors konzentriert sich auf folgende Parameter:
  • Verfärbungen und Trübungen

  • Zahl und Art der enthaltenen freien Abwehrzellen

  • Nachweis verschiedener Erreger

  • Gesamtproteingehalt und spezielle Proteine (Antikörper)

  • Nachweis von Traubenzucker (Glukose)

  • evtl. Nachweis von Tumor- oder Entzündungsmarkern.

Die Liquorbefunde werden i. d. R. durch die Untersuchung entsprechender Blutwerte ergänzt.

Neurophysiologische Untersuchungsmethoden

Unter Neurophysiologie wird die Funktionsweise des Nervensystems verstanden; neurophysiologische Methoden sind entsprechende Verfahrensweisen, um bestimmte Funktionen des Nervensystems messtechnisch zu überprüfen. Im Folgenden sollen die wichtigsten neurophysiologischen Methoden kurz vorgestellt werden.Neurophysiologische Untersuchungsmethoden

Elektromyografie (EMG)

Um die elektrische Aktivität eines Muskels zu messen, werden entweder feine Elektroden in den Muskel gestochen oder – nicht ganz so genau in der Messung – aufklebbare Elektroden auf die Haut/Schleimhaut gebracht, wenn der Muskel direkt darunter liegt (z. B. Zunge). Die Muskelaktivität wird im Ruhe- und Aktivitätszustand bestimmt und als ElektromyogrammElektromyografieElektromyogramm aufgezeichnet, das – ebenso wie die Methode an sich – mit EMG abgekürzt wird. Das EMG dient der Analyse einer Parese:EMGParese bezüglich ihrer Ursache (Erkrankung des Muskels selbst oder neurologische Erkrankung). Handelt es sich um eine Schädigung des peripheren Nerven, kann mithilfe des EMG die Schädigung genauer lokalisiert werden. Außerdem lässt sich anhand einer ggf. nachweisbaren Restaktivität eine mögliche Regeneration prognostizieren.

Elektroneurografie (ENG)

Im Prinzip mit dem gleichen Gerät, das für die EMG verwendet wird, kann auch die Nervenleitgeschwindigkeit (sowie andere elektrische Parameter peripherer Nerven) vor allem in motorischen Nerven gemessen werden. Diese Nerven werden über elektrische Impulse an zwei verschiedenen Stellen gereizt; man misst den zeitlichen Unterschied, bis es zur Kontraktion z. B. des zugehörigen Muskels kommt und bestimmt daraus die NervenleitgeschwindigkeitENGElektroneurografieNervenleitgeschwindigkeit. Die Methode ist allerdings nur an solchen Nerven möglich, die ausreichend nah an der Körperoberfläche liegen, und wird deshalb hauptsächlich an Extremitätennerven durchgeführt. Eingesetzt wird die ENG, um eine Polyneuropathie (Kap. 7.2) oder verletzungsbedingte Nervenschäden festzustellen.

Elektroenzephalografie (EEG)

Nach entsprechender Verstärkung werden die elektrischen Aktivitäten von aktiven Nervenzellgruppen – speziell der Hirnrinde – auf der Außenseite des Schädels unter Verwendung eines Elektrodennetzes gemessen (Abb. 8.6a). Mithilfe von Bezugselektroden an Orten mit nur geringen Potenzialschwankungen lassen sich PotenzialeElektroenzephalografieEEGPotenziale an Orten mit stärkeren Potenzialschwankungen ableiten und darstellen.
Die im Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichneten Potenzialschwankungen stellen sich wellenförmig dar (Abb. 8.6b). Dabei lassen sich die dabei auftretenden Wellen nach ihren Frequenzen (Schwingungen pro Sekunde) in vier verschiedene Gruppen (EEG-Bänder) einteilen, die mit griechischen Buchstaben gekennzeichnet werden (Abb. 8.6b). Bei Säuglingen und Kleinkindern dominieren Theta- und Delta-Wellen; mit zunehmendem Alter werden diese Wellen in immer stärkerem Maße durch Alpha- und Beta-Wellen ersetzt. Zeichnet man das EEG eines Erwachsenen auf, der sich in völliger Ruhe befindet und die Augen geschlossen hat, finden sich überwiegend Alpha-Wellen. Werden die Augen geöffnet bzw. treten andere Sinnesreize auf oder startet eine rege geistige Tätigkeit, werden die bis dahin vorherrschenden Alpha- durch Beta-Wellen ersetzt (Alpha-Blockade). Bei Routineuntersuchungen wird das EEG meist in Bezug auf die Unterschiede zwischen der Hirnaktivität bei geschlossenen und zwischendurch immer wieder geöffneten Augen interpretiert. Bei Verdacht auf eine Epilepsie (Abb. 8.6c) wird versucht, KrampfpotenzialeKrampfpotenziale durch Hyperventilation oder entsprechende Lichtreize auszulösen.

Ereigniskorrelierte (evozierte) Potenziale (EKP, EP)

Die im EEG bei Sinnesreizungen sichtbar werdenden Potenzialschwankungen werden als ereigniskorrelierte Potenziale (EKP, manchmal auch als evozierte Potenziale, EP) bezeichnet. Das EEG ist dadurch eine Art Spiegelbild des Informationsflusses zur Großhirnrinde. Je nach Sinnesreiz, der eine solche Potenzialänderung hervorruft, spricht man von visuell, somatosensibel oder akustisch ausgelösten (evozierten) Evozierte PotenzialeEPakustisch evozierte PotenzialePotenzialen (Abb. 8.7). Visuell (VEP) und somatosensibel evozierte (SEP) Potenziale spielen eine große Rolle bei der Diagnostik der Multiplen Multiple SkleroseSklerose (Kap. 6.1), akustisch evozierte (AEP) Potenziale bei der Früherkennung von HörschädenHörschäden.

Klinischer Bezug

Akustisch evozierte Potenziale (AEP)

Bestimmungen akustisch hervorgerufener Potenzialschwankungen im Bereich der Hörrinde werden vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern eingesetzt, wenn der Verdacht auf eine Hörstörung besteht, die anderweitig noch nicht eindeutig festzustellen ist. Bestätigt sich dieser Verdacht, können therapeutische Maßnahmen früher eingesetzt werden.

Fachbegriffe

Elektroenzephalografie, -gramm: Aufzeichnung der elektrischen Tätigkeit des Gehirns; egkephalon (griech.): Gehirn

Elektromyografie, -gramm: Aufzeichnung der elektrischen Tätigkeit eines Muskels; elektron (griech.): die Elektrizität betreffend; graphia (griech.): aufzeichnen; gramma (griech.): Abbildung, Aufzeichnung

Elektroneurografie, -gramm: Aufzeichnung der elektrischen Tätigkeit eines Nervs; neuron (griech.): Nerv

evoziert: von evocare (lat.): hervorrufen

Hyperventilation: übermäßig gesteigerte Atmung; hyper (griech.): zu viel; ventilatio (lat.): Lüftung

Potenzial hier: Unterschied elektrischer Ladungen oder Kräfte; potentia (lat.): Macht, Fähigkeit

somatosensibel: die Sensibilität der Haut oder Schleimhäute betreffend; soma (griech.): Körper; sensibilis (lat.): empfindsam

Bildgebende Verfahren

Bei der Diagnostik sehr vieler neurologischer Erkrankungen kann auf bildgebende Verfahren nicht verzichtet werden. Dazu gehören nicht nur die Röntgennativaufnahme des Schädels, sondern vor allem Spezialverfahren wie CT, MRT und PET, aber auch verschiedene Techniken, die mit Ultraschall arbeiten. Im Folgenden sollen diese Verfahren in Grundzügen beschrieben werden.Bildgebende Verfahren

Röntgennativaufnahme und Computertomografie (CT)

Die klassische Röntgenaufnahme (Röntgennativaufnahme), wie sie z. B. von Untersuchungen des Thorax bekannt ist, wird im Bereich des Schädels nur noch in wenigen Ausnahmefällen (z. B. Abklärung eines Schädelbruchs) durchgeführt und ist ansonsten fast vollständig von der Computertomografie verdrängt worden, die allerdings genauso mit Röntgenstrahlen arbeitet und deshalb – anders als die MRT (Kap. 8.4.2) – eine nicht unerhebliche Strahlenbelastung für den Patienten bedeutet.RöntgennativaufnahmeComputertomografieCT
Grundsätzlich werden Röntgenstrahlen abgeschwächt, wenn sie Gewebe unterschiedlicher Strahlendichte durchdringen. Bei der Röntgennativaufnahme wird eine Filmschicht umso stärker geschwärzt, je geringer diese Abschwächung ist. Weichteile wie das Gehirn erscheinen daher meist mehr oder weniger dunkel, weil sie Röntgenstrahlen in geringem Maß abschwächen, wohingegen Anteile des Skeletts (z. B. Schädelknochen) auf der Röntgenaufnahme je nach Knochendichte mehr oder weniger hell bis fast weiß erscheinen.
Bei der Computertomografie (CT) arbeitet man nicht mit Fotoschichten, sondern mit Messgeräten (DetektorenDetektoren), die die Abschwächung der Röntgenstrahlen messen. Die Röntgenstrahlen werden fächerförmig aus einer meist spiralförmig rotierenden Röntgenquelle ausgesendet und von den Detektoren – nach unterschiedlicher Abschwächung durch Gewebsschichten des liegenden Patienten – erfasst (Abb. 8.8).
Ein Rechner erzeugt nach entsprechender Auswertung daraus Bilderserien, die Röntgenaufnahmen unterschiedlicher Schichten des Körpers oder des Kopfes entsprechen. Diese Schichtaufnahmen sehen aus, als wären z. B. vom Kopf unterschiedliche „Schnitte“ mit einer Schichtdicke zwischen 1–10 mm hergestellt worden, die Bereiche stärkerer oder geringerer Abschwächung der Röntgenstrahlen in einer weitaus besseren Auflösung zeigen, als dies bei der klassischen Röntgenaufnahme möglich wäre.
Zusätzlich zum sog. Nativ-Nativ-CTCT (ohne Kontrastmittel) kann – im Vergleich dazu – mit Kontrastmitteln gearbeitet werden. Dazu wird z. B. ein jodhaltiges Kontrastmittel in die Blutbahn (intravenös) gegeben, das sich in bestimmten Strukturen besonders stark anreichert, sodass diese deutlicher sichtbar werden. Auch eine Darstellung von Blutgefäßen innerhalb und außerhalb des Schädels lässt sich damit inzwischen durchführen (CT-CT-AngiografieAngiografie).

Fachbegriffe

Angiografie: Gefäßdarstellung; aggeion (griech.): Blutgefäß; graphia (griech.): aufzeichnen

Computertomografie: rechnerunterstütztes Röntgenschichtaufnahmeverfahren; abgekürzt CT (wird auch für Computertomogramm verwendet); tomos (griech.): Abschnitt; graphia (griech.): aufzeichnen

Detektor: Messgerät, Messfühler; detector (lat.) wörtl.: Offenbarer

Nativ-CT (Nativ-Scan): CT ohne Kontrastmittel; nativus (lat.): natürlich, unverändert; scan (engl.): absuchen

Magnetresonanztomografie (MRT) und funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT)

Die theoretischen Grundlagen der MRT sind kompliziert. Man kann sich dieses Verfahren folgendermaßen vorstellen: Die in den Molekülen der Gewebe vorhandenen Wasserstoffatome nehmen durch ein intensives Magnetfeld Energie auf (deshalb „Magnetresonanz“). Nach Abschalten des Magnetfelds wird diese Energie in den verschiedenen Geweben in unterschiedlichem Maße wieder abgegeben. Die Messung dieser Energieabgabe in den Gewebeanteilen erlaubt eine räumliche Zuordnung und ergibt ein „Schnittbild“, in dem die Energieabgabeunterschiede in verschiedenen Graustufen (nach Computerberechnung) dargestellt werden – es entsteht ein Magnetresonanztomogramm. Teilweise wird diese Technik auch unter dem englischen Begriff MRI (Magnetic Resonance Imaging, Bildgebung durch Magnetresonanz) geführt.MagnetresonanztomografieMRT
Prinzipiell können bei der MRT ebenfalls Schichtaufnahmen – in diesem Fall ohne Strahlenbelastung für den Patienten – erstellt werden. Ein weiterer Vorteil der MRT ist ihr ausgezeichneter Kontrast im Bereich der Weichteile (Gewebe und Organe), sodass ihr Einsatz trotz der höheren Kosten zunimmt. Eine MRT ist wegen des hohen Magnetfelds jedoch bei solchen Patienten nicht möglich, die Metallteile (Herzschrittmacher, Granatsplitter etc.) im Körper haben.
Ähnlich wie bei der CT kann auch bei der MRT mit Kontrastmitteln gearbeitet werden, um bestimmte Strukturen genau hervorzuheben. Ebenso gibt es eine Darstellungsmethode für Blutgefäße, die MagnetresonanzangiografieMagnetresonanzangiografie (MRAMRA).
Eine Weiterentwicklung ist die fMRT (fMRI), die funktionelle Magnetresonanztomografie,Magnetresonanztomografie, funktionelle bei der Stoffwechselunterschiede der Nervenzellen in bestimmten Hirnarealen nach entsprechenden physiologischen oder anderen Aktivitäten (Vergleich vorher/nachher) bzw. bei psychischen Erkrankungen (im Vergleich zu gesunden Patienten) deutlich gemacht werden. Bei dieser Methode bildet meist der unterschiedliche Sauerstoffgehalt im Blut die Vergleichsgrundlage. Sind bestimmte Abschnitte des Gehirns bei speziellen, jeweils hier untersuchten Tätigkeiten oder Abläufen in ihrer Aktivität gesteigert, dann sind auch ihre Stoffwechselaktivität und damit die Durchblutung erhöht. Dadurch findet sich in diesen Hirnarealen eine größere Menge von sauerstoffbeladenem roten Blutfarbstoff (Hämoglobin), was sich letztlich in einem MRT-Bild zeigt, das man mit entsprechenden Aufnahmen ohne die zu untersuchende Tätigkeit abgleicht. Nach entsprechenden Wiederholungen wird der Unterschied im MRT nach Computerberechnungen in farbigen Darstellungen auf das ursprüngliche MRT-Bild projiziert (Abb. 8.9). Mit fMRT-Abbildungen lassen sich so etwa Hirnareale bei bestimmten Sprach- und Sprechaktivitäten darstellen, sodass diese Methode in der sprachtherapeutischen Grundlagenforschung eine zunehmende Relevanz bekommt.

Emissionscomputertomografie (ECT)

Bei diesem eher im Forschungsbereich oder bei anderweitig nicht lösbaren Fragestellungen eingesetzten Verfahren werden weder Röntgenstrahlen noch Magnetfelder benutzt, sondern radioaktive TracerEmissionscomputertomografieECTTracer. Unter einem Tracer ist hier eine radioaktive Substanz (körpereigen oder -fremd) zu verstehen, die in kleinster Menge in den lebenden Körper eingebracht und dort verstoffwechselt wird (z. B. radioaktiv markierte Glukose). Dabei lässt sich die Spur dieses Tracers durch Messung der Radioaktivität zeitlich und räumlich im Körper verfolgen. Auch hier handelt es sich um ein computergestütztes Schichtaufnahmeverfahren, das man als Emissionscomputertomografie (ECT) bezeichnet.

Fachbegriffe

computed tomography (engl.): Computertomografie (CT)

Emission emissio (lat.): Aussendung, Ausstrahlung

Positronen: positiv geladene Elementarteilchen (werden von bestimmten radioaktiven Tracern ausgesendet)

single photon (engl.): einzelnes Photon (von Einstein geprägtes Kunstwort für das kleinste Energieteilchen einer elektromagnetischen Strahlung, hier Gammastrahlung, eine spezielle energiereiche Art der radioaktiven Strahlung)

Tracer: Marker; trace (engl.): Spur

Je nachdem, welche Art von Strahlung der Tracer aussendet, unterscheidet man zwei Methoden: die Single Photon Emission Computed Single Photon Emission Computed Tomography (SPECT)Tomography (SPECT) SPECTund die PositronenemissionstomografiePositronenemissionstomografie (PET).PET) Bei der SPECT gibt der Tracer energiereiche GammastrahlungGammastrahlung ab, bei der PET findet eine Emission von PositronenPositronen statt. Eine Neuentwicklung, die immer mehr vor allem beim Nachweis von Tumorzellaktivitäten und Metastasen zum Einsatz kommt, ist die Kombination der PET mit einer hoch auflösenden Computertomografie (CT), zusammen als PET-CT bezeichnet. Hierbei lassen sich Stoffwechselaktivitäten z. B. von Tumorzellen anatomischen Strukturen wesentlich genauer zuordnen als bei einer reinen PET (Abb. 8.10).

Stimulationsmethoden des Gehirns (TMS, tDCS)

Die Transkranielle Magnetstimulation (TMS) Transkranielle Magnetstimulation (TMS)Emissionscomputertomografieist eine Methodik, bei der man mithilfe von starken Magnetfeldern bestimmte Hirnareale zu beeinflussen versucht, um dadurch Aufschlüsse über ihre Funktion zu erhalten. Grundsätzlich kann der Einfluss sowohl aktivierend als auch hemmend ausfallen, wobei die dabei ablaufenden Vorgänge im Gehirn noch nicht vollständig verstanden sind. Diese noch sehr neue Methode wird in der neurologischen Grundlagenforschung eingesetzt; erste Untersuchungen ergeben auch eine potenzielle Einsatzmöglichkeit bei einigen neurologischen Erkrankungen. Da im Prinzip mit dieser Methode auch sprachrelevante Areale angesprochen werden können, ergibt sich ihr Einsatz damit auch in der logopädischen Grundlagenforschung.
Eine mit der TMS prinzipiell verwandte Technik ist die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS, transcranial direct current stimulation). Hier erfolgt die Stimulation bestimmter Hirnareale nicht mit starken Magnetfeldern wie bei der TMS, sondern mit schwachem elektrischem Strom. Auch hier kann sich grundsätzlich eine Aktivierung oder Hemmung der beeinflussten Hirnareale ergeben. Diese Methode wird in speziellen Fällen therapeutisch eingesetzt, z. B. bei Spastiken oder in der Rehabilitationsphase nach einem Schlaganfall. Die so behandelten Hirnareale sollen nach der Behandlung eine bessere synaptische Verschaltung aufweisen – allerdings ist der Erfolg der Methode noch nicht eindeutig gesichert.

Fachbegriffe

infra (lat.): unterhalb, darunter

transcranial direct current stimulation transcranial (engl.): transkraniell; direct current (engl.): Gleichstrom

transkraniell: durch den Schädel hindurch; trans (lat.): hindurch; cranium (lat.): Schädel

Nahinfrarotspektroskopie (NIRS)

Bei der Nahinfrarotspektroskopie (NIR-Spektroskopie, NIRS) Nahinfrarotspektroskopie (NIRS)Emissionscomputertomografiewird mit Infrarotlicht im kurzwelligen Bereich, deshalb „Nahinfrarot“, gearbeitet. Diese Technik wird u. a. in der Neurologie verwendet, um von außen die Hirndurchblutung und damit ggf. Änderungen der Hirnaktivität in bestimmten Regionen zu untersuchen. Durch die Verwendung des kurzwelligen Lichtes können auch tiefer gelegene Areale des Gehirns erreicht werden (im Vergleich zur klassischen Infrarotspektroskopie).

Angiografie

Die Angiografie ist eine Darstellungsmethode für Blutgefäße mithilfe jodhaltiger Kontrastmittel, deren Ausbreitung oder Verteilung in den Blutgefäßen in Form von Röntgenserienaufnahmen mit einzelnen Fotos (AngiogrammAngiografieAngiogramm) sichtbar gemacht wird (Abb. 8.11).
Da das Kontrastmittel Röntgenstrahlen stark abschwächt, zeigen sich die Blutgefäße durch diese hellgraue bis weiße Füllung deutlich abgegrenzt von der dunkleren Umgebung.
Zur Darstellung der Hirnarterien wird ein KatheterKatheter im Bereich der Leistenbeuge in die Oberschenkelarterie eingebracht und unter Röntgenkontrolle zurück zum Aortenbogen geschoben, wo die hirnversorgenden Arterien abgehen.
In der Angiografie lassen sich vor allem Gefäßverengungen, -verschlüsse, -verschiebungen (z. B. durch Tumoren) und -anomalien darstellen. Sie kann darüber hinaus intraoperativ eingesetzt werden, um z. B. arterielle Blutgerinnsel aufzulösen.

Fachbegriffe

Angiografie, -gramm: Gefäßdarstellung; aggeion (griech.): Blutgefäß; graphia (griech.): aufzeichnen; gramma (griech.) wörtlich: Abbildung, Aufzeichnung

Katheter (lat., griech.): Sonde (Röhrchen oder Schlauch zum Einführen in Hohlorgane)

Ultraschalltechniken

Die Ultraschalltechnik (UltraschalltechnikenSonografieSonografie) arbeitet mit für den Patienten unschädlichen Schallwellen einer Frequenz jenseits der menschlichen Hörschwelle, die bei 20.000 Hz (20 kHz) liegt. Die diagnostisch eingesetzten Ultraschalltechniken nutzen den Frequenzbereich zwischen 1 und 40 MHz. Mithilfe einer über ein spezielles Gel an die Körperoberfläche angesetzten Sonde werden Ultraschallwellen ausgesendet, die an den Oberflächen innerer Organe und Strukturen reflektiert werden. Aus der unterschiedlichen Streuung oder Ablenkung der Schallwellen werden auf einem Monitor sichtbare Bilder erzeugt, die ausgedruckt werden können.

Fachbegriffe

Doppler: Eigenname (österr. Physiker und Mathematiker)

duplex (lat.): doppelt

Hz (Hertz): Schwingung pro Sekunde

kHz: Kilohertz (1.000 Hz)

MHz: Megahertz (1.000.000 Hz)

Sonografie, -gramm: Ultraschalltechnik; sonus (lat.): Schall; graphia (griech.): aufzeichnen; gramma (griech.) wörtlich: Abbildung, Aufzeichnung

Untersuchungen mit der Ultraschalltechnik weisen im neurologischen Bereich zwei Anwendungsmöglichkeiten auf:
  • Ultraschalluntersuchung der Kopfregion von Feten oder Säuglingen bis einige Monate nach der Geburt zur diagnostischen Abklärung von schweren Fehlentwicklungen des ZNS (Kap. 3.2) oder der Entwicklung eines Hydrozephalus (Kap. 3.3).

  • Untersuchung der Blutströmung in Blutgefäßen außerhalb des Schädels, aber auch in größeren Gefäßen im Schädelinneren (Doppler-SonografieDoppler-Sonografie, DuplexsonografieDuplexsonografieDuplexsonografie).

Der (akustische) Doppler-EffektDoppler-Effekt entsteht, wenn sich eine Schallquelle (z. B. ein Krankenwagen mit Martinshorn) auf den Beobachter zu und wieder von ihm fort bewegt. Kommt die Schallquelle dem Beobachter näher, erhöht sich die Frequenz des Tonsignals scheinbar, wenn man sie mit der Frequenz einer ruhenden Schallquelle vergleicht (der Ton klingt höher als normal). Entfernt sich die Schallquelle wieder, verringert sich die Frequenz scheinbar und der Ton wird tiefer wahrgenommen. Ursache ist die Bewegung der Schallquelle zusätzlich zur Ausbreitung der Schallwelle.
Dieser Effekt wird bei der Doppler-Sonografie ausgenutzt, die bei der Messung der Blutströmung z. B. in den Arterien des Halses, teilweise auch im Schädelinneren eingesetzt wird. Die sich bewegenden roten Blutkörperchen reflektieren den Schall. Mit dieser Technik lassen sich Störungen der normalen Blutströmung (z. B. Gefäßverengungen) sichtbar machen. Diese Technik wird nicht nur am Hals, sondern auch an Schädelöffnungen oder dünnen Anteilen des Schädelknochens eingesetzt (Transkranielle Transkranielle Doppler-SonografieDoppler-Sonografie, TCDTCD).
Als Duplexsonografie bezeichnet man die Kombination einer hochauflösenden normalen Ultraschalluntersuchung an Halsarterien mit einer entsprechenden dopplersonografischen Untersuchung. Damit lassen sich Verengungen oder Verschlüsse der hirnversorgenden Arterien besonders effektiv darstellen.

Zusammenfassung

Die neurologische Untersuchung umfasst folgende Schritte: Anamnese (evtl. mit Fremdanamnese), allgemeine Beobachtung, Untersuchung des Kopfes, Funktionsprüfungen der Hirnnerven, Reflexprüfungen, Prüfung der Motorik, der Bewegungskoordination und der Sensibilität.

Bei einigen neurologischen Erkrankungen ist eine Liquordiagnostik nach Lumbalpunktion, ergänzt durch Laboruntersuchungen des Blutes, erforderlich.

Verschiedene neurophysiologische Verfahren untersuchen die elektrischen Eigenschaften der Muskulatur (Elektromyografie), die Nervenleitfähigkeit (Elektroneurografie) und die elektrischen Vorgänge der Hirnrinde (Elektroenzephalografie). Evozierte Potenziale entstehen nach Reizung verschiedener Sinnesorgane (z. B. akustisch evozierte Potenziale).

Zu den bildgebenden Verfahren gehören die Röntgennativaufnahme (die fast nur noch bei Verdacht auf Schädelfrakturen eingesetzt wird), die Computertomografie (CT, Röntgenschichtaufnahmeverfahren, ggf. mit Kontrastmitteln), die Magnetresonanztomografie (MRT, ggf. mit Kontrastmitteln, teilweise als fMRT), in Einzelfällen auch die Emissionscomputertomografie (ECT), die mit radioaktiven Tracern arbeitet, sowie Stimulationsmethoden mit Magnetfeldern (TMS) oder Gleichstrom (tDCS) und die Nahinfrarotspektroskopie (NIRS).

Bei einer Angiografie werden Blutgefäße nach bzw. unter Kontrastmittelgabe mit Röntgenaufnahmen dargestellt.

Ultraschalltechniken werden zur Untersuchung des fetalen und frühkindlichen Schädels eingesetzt. Mithilfe der Doppler- und Duplexsonografie lassen sich (unblutig) Störungen der Blutströmung darstellen.

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